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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
4-7

&lt;*

Z12462C

27. Januar 1994
LAGE DER NATION

CLINTON: USA MUSSEN FUHRUNGSROLLE
IM AUSLAND ERNEUERN
Bericht zur Lage der Nation

AUSSENPOLITIK

CLINTON: EUROPAREISE HAT SICHERHEIT
UND DEMOKRATIE AUF DER WELT GEFÖRDERT
Rede des Präsidenten an der Howard University

KONGRESS

UMFASSENDE AUSSENPOLITISCHE TAGESORDNUNG FÜR NEU ZUSAMMENGETRETENEN
KONGRESS

4

Rede zur Lage der Nation leitet
neue Sitzungsperiode ein

BUSINESS INFORMATION
CENTER

FRANKFURTER BUSINESS INFORMATION
CENTER IST WICHTIGES SYMBOL
Eröffnungsansprache von Botschafter Holbrooke
ERÖFFNUNG DES BUSINESS INFORMATION
CENTER IN FRANKFURT
Ansprache von Staatssekretär Garten
DEUTSCH-AMERIKANISCHE HANDELSBEZIEHUNGEN BEISPIELHAFT
Ansprache von Botschafter Cleveland

PORTRÄT

WILLIAM PERRY- KENNER DES PENTAGON
UND ABRÜSTUNGSEXPERTE
Porträt des designierten Verteidigungsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�LAGE

DER

NATION
26. Januar 1994

CLINTON: USA MÜSSEN FÜHRUNGSROLLE
IM AUSLAND ERNEUERN
Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Mit der Bekräftigung, nichts sei wichtiger für die Sicherheit der Vereinigten Staaten als
eine starke Verteidigung, erläuterte Präsident Clinton am 25. Januar 1994 vor dem Kongreß seine Haushaltsvorlage, die einen Strich unter weitere Kürzungen der Verteidigungsausgaben ziehe sowie die Einsatzbereitschaft und Qualität der amerikanischen Streitkräfte schütze.
In seinem Bericht zur Lage der Nation machte der Präsident den Gesetzgebern des Landes eindeutig klar, daß
letztlich die beste Strategie zur Gewährleistung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und zum Aufbau eines
dauerhaften Friedens in der Unterstützung der demokratischen Reformkräfte in Rußland und den anderen
Nachfolgestaaten des ehemaligen Sowjetblocks bestehe.
Die Vereinigten Staaten streben Clinton zufolge die Zusammenarbeit mit Rußland bei der Lösung regionaler
Probleme an, während sie gleichzeitig darauf bestehen, daß russische Truppen unter strenger Einhaltung der
internationalen Normen und nur mit Zustimmung der Nachbarstaaten auf deren Territorium operieren dürfen.
Der Präsident fügte hinzu, seine Administration werde auf die Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle im
Ausland hinarbeiten und die demokratische Erneuerung, Menschenrechte sowie umweltverträgliche Entwicklung weltweit unterstützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Präsident, verehrte Mitglieder des
103. Kongresses, meine amerikanischen Mitbürger,
ich hoffe, wir können heute abend über die Lage der
Nation sprechen.
Zu Beginn möchte ich Sie bitten, sich an den herausragenden Mann zu erinnern, der den Vorsitz dieser
Kammer so kraftvoll und geschickt geführt hat. Tip
O'Neill bezeichnete sich gerne als "Mann des Repräsentantenhauses". Das war er zweifelsohne. Noch
mehr war er jedoch ein Mann des Volkes, der Sohn
eines Maurers, der zum Aufbau der großartigen amerikanischen Mittelschicht beitrug. Tip O'Neill vergaß
niemals, wer er war, wo er herkam, oder wer ihn hierhin
entsandt hatte. Heute abend blickt er zum ersten Mal
von dort oben auf uns herab. Ihm zu Ehren sollten
auch wir uns daran erinnern, wer wir sind, woher wir
kamen, und wer uns hierhin entsandt hat.
Wenn wir dies tun, werden wir immer wieder auf das
Prinzip stoßen, daß Durchschnittsmenschen Außerordentliches vollbringen werden, wenn wir ihnen nur
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gleiche Chancen, eine qualifizierte Ausbildung und
eine faire Möglichkeit zur Verwirklichung des Amerikanischen Traums bieten.
Wir sind heute abend in einer Welt versammelt, in der
sich so tiefgreifende und rasche Veränderungen vollziehen, daß alle Nationen auf die Probe gesteift werden. Unser amerikanisches Vermächtnis lautete stets,
einen solchen Wandel zu meistern, ihn zur Erweiterung der Chancen im Inland und unserer Führungsrolle im Ausland zu nutzen. Zu lange Zeit und in
vielfältiger Hinsicht wurde dieses Vermächtnis jedoch
au ßer acht gelassen, und u nser Land verlor die Orientierung.
Seit dreißig Jahren bricht das Familienleben in den
Vereinigten Staaten auseinander. Seit zwanzig Jahren stagnieren oder sinken die Löhne der Arbeitnehmer. Während der zwölfjährigen Wirtschaftsentwicklung mit Sickereffekt haben wir einen trügerischen
Wohlstand auf einer hohlen Grundlage aufgebaut und
unsere nationale Verschuldung vervierfacht. Von
1989 bis 1992 erlebten wir das langsamste Wachstum
Seite 1

�seit einem halben Jahrhundert. Zu vielen Familien
entglitt der Amerikanische Traum, selbst wenn beide
Elternteile berufstätig waren.

laub und Urlaub aus familiären Gründen für einen
Vater bedeutete, den ich an einem Sonntagmorgen im
Weißen Haustraf.

1992 forderte das amerikanische Volk eine Veränderung. Vor einem Jahr habe ich Sie alle gebeten, mit mir
gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft unseres
Landes zu übernehmen. Das haben wir getan. Wir
haben Orientierungslosigkeit und die festgefahrene
Situation durch Erneuerung und Reform ersetzt. Ich
möchte allen hier Anwesenden danken, die den Ruf
des amerikanischen Volkes vernommen, die Pattsituation durchbrochen und die seit 30 Jahren erfolgreichste Teamarbeit zwischen einem Präsidenten und
dem Kongreß geleistet haben.

Es war ungewöhnlich, am frühen Sonntagmorgen eine
Familie dort auf einer Besichtigungstour zu sehen. Es
war eine Familie mit drei Kindern, eines davon im
Rollstuhl. Ich ging zu ihr, und nachdem ein Photo
gemacht worden war und wir einen Rundgang gemacht hatten, wollte ich weitergehen, aber der Mann
faßte mich am Arm und sagte: "Herr Präsident, ich
möchte Ihnen etwas sagen. Meine kleine Tochter hier
ist schwerkrank. Sie wird wahrscheinlich nicht mehr
lange zu leben haben. Aber aufgrund des Gesetzes
über Urlaub aus familiären Gründen konnte ich freinehmen, um Zeit mit ihr zu verbringen - die wichtigste
Dieser Kongreß hat einen Haushalt vorgelegt, der das Zeit meines Lebens - ohne meinen Arbeitsplatz zu
Defizit um eine halbe Billion Dollar kürzt, die Ausgaben verlieren und meiner Familie zu schaden. Es bedeutet
verringert und die Einkommensteuer nur für die wohl- mehr für mich, als ich in Worte fassen kann. Denken
habendsten Amerikaner erhöht hat. Dieser Kongreß Sie dort oben auf dem Hügel nie, daß Ihre Arbeit nichts
hat Millionen Arbeitnehmern mit niedrigem Einkom- bewirkt. Sie bewirkt etwas."
men Steuererleichterungen eingeräumt, um Arbeit statt
den Bezug von Sozialhilfe zu belohnen. Er hat das Obwohl wir etwas bewirken, hat unsere Arbeit erst
NAFTA hervorgebracht. Er hat die Brady-Gesetzes- begonnen. Viele Amerikaner spüren die Auswirkunvorlage erarbeitet, die jetzt Gesetz ist. Jim Brady, ich gen unserer Arbeit noch nicht. Die wirtschaftliche
danke Ihnen, daß Sie heute abend hier anwesend sind. Gesundung hat noch nicht alle Gemeinden erreicht
Möge Gott Sie schützen.
oder genügend Arbeitsplätze geschaffen. Die Einkommen stagnieren noch immer, es gibt immer noch
Dieser Kongreß hat Steuererleichterungen gewährt, zu viel Gewalt und an zu vielen Orten nicht genug
um die Steuern für 90 Prozent der Kleinunternehmen Hoffnung. Im Ausland sehen sich die von uns uneinzu senken, die das Geld jetzt zu verstärkten Investitio- geschränkt unterstützten jungen Demokratien noch
nen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen verwenden. immer schwierigen Zeiten gegenüber und erwarten
unsere Führungsrolle. Lassen Sie uns also heute
Der Kongreß hat mehr Forschungsmittel und Theraabend die Fortsetzung des Kurses der Erneuerung
piemöglichkeiten für AIDS, mehr Impfstoffe für Kinder,
beschließen, mehr und bessere Arbeitplätze zu schafForschung zur Gesundheit der Frau, zinsgünstige
fen, Krankenversicherung für alle zu garantieren, Arbeit
Kredite für Collegestudenten der Mittelschicht und ein
statt den Bezug von Sozialhilfe zu belohnen, Demokraneues Programm für einen nationalen Sozialdienst für
tie im Ausland zu fördern, unsere Straßen von Gewalt
diejenigen gefördert, die ihrem Land und ihren Geund Drogen zu befreien und unsere amerikanische
meinden etwas für die weiterführende Bildung zurückGemeinde zu erneuern.
geben wollen. Dieser Kongreß hat sich für eine
drastische Erhöhung von Investitionen im Hochtech- Im vergangenen Jahr haben wir durch die Inangriffnahnologiebereich ausgesprochen, um die Wirtschaft des me des in den Bankrott führenden Haushaltsdefizits
Landes von der Rüstungs- zur High-tech-lndustrie zu begonnen, unser Haus in Ordnung zu bringen. Wir
verlagern. Der Kongreß hat eine neue Gesetzesvorla- haben Ausgaben einschließlich der gesetzlich festgege unterbreitet, damit sich Millionen von Amerikanern legten bei über 340 Haushaltsposten in Höhe von 255
zur Wahl registrieren lassen können, und er hat Erzie- Milliarden Dollar gekürzt. Wir haben die Ausgaben im
hungsurlaub sowie Urlaub aus familiären Gründen Inland eingefroren und ehrliche Zahlen in unserem
eingeführt.
Haushalt aufgeführt.
Alle Vorlagen wurden verabschiedet. Alle wurden
ohne ein einziges Veto als Gesetze erlassen. Alle
diese Leistungen waren, als ich dieses Amt anstrebte,
lediglich Versprechungen. Und sie mußten alle von
Ihnen in diesem Kongreß verabschiedet werden. Ich
bin jedoch überzeugt, daß das wahre Lob den Menschen gebührt, die uns hierhin entsandt haben, die
unsere Gehälter bezahlen, die uns Dampf machen.

Unter der Schirmherrschaft des Vizepräsidenten haben wir eine Kampagne zur Umstrukturierung der
Regierung in die Wege geleitet. Wir haben den Mitarbeiterstab reduziert, Sondervergütungen gekürzt und
sogar die Dienstwagenflotte verringert. Nach Jahren
mit Politikern, deren Rhetorik die Bürokratie attackierte, deren Aktionen sie jedoch aufblähte, werden wir
den bürokratischen Apparat in den nächsten fünf Jahren
tatsächlich um 252.000 Mitarbeiter abbauen. Wenn
Aber wir fangen wirklich an, das Leben zu verändern.
wir das vollbracht haben, wird die Regierung die niedIch möchte Ihnen nur ein Beispiel nennen. Ich werde
rigste Mitarbeiterzahl seit 30 Jahren haben.
nie vergessen, was das Gesetz über ErziehungsurSeite2

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�Weil das Defizit so hoch war und die wohlhabendsten
Amerikaner in den achtziger Jahren von Steuersenkungen profitierten, haben wir sie gebeten, mehr zum
Abbau des Defizits beizutragen. Am 15. April werden
die Amerikaner die Wahrheit über das erfahren, was
wir im vergangenen Jahr bezüglich der Steuern unternommen haben. Nur die obersten 1,2 Prozent unserer
Bürger werden - wie ich immer wieder betont habe eine höhere Einkommensteuer bezahlen. Ich wiederhole - nur die wohlhabendsten 1,2 Prozent der Amerikaner werden sich mit höheren Einkommensteuern
konfrontiert sehen, sonst niemand. Und das ist die
Wahrheit.
Natürlich gab es - wie immer in der Politik - die
Neinsager, denen zufolge dieser Plan nicht funktionieren wird. Sie hatten jedoch unrecht. Als ich Präsident
wurde, prognostizierten die Experten für dieses Jahr
ein Defizit von 300 Milliarden Dollar. Aber weil wir
gehandelt haben, sagen dieselben Experten jetzt, das
Defizit werde unter 180 Milliarden Dollar betragen - 40
Prozent weniger als vorhergesagt.
Unser Wirtschaftsprogramm hat zur niedrigsten Inflationsrate und den niedrigsten Zinssätzen seit 20 Jahren beigetragen. Und weil die Zinssätze niedrig sind,
nehmen Investitionen in Unternehmen siebenmal schneller zu als in den vergangenen vier Jahren. Die Autoverkaufszahlen sind sehr hoch, der Immobilienmarkt boomt
mit Rekordzahlen. Millionen Amerikaner haben ihr
Eigenheim neu finanziert, und unsere Wirtschaft hat
1993 1,6 Millionen Arbeitsplätze im Privatsektor geschaffen - mehr als in den letzten vier Jahren zusammengenommen.
Diejenigen, die diesen Wirtschaftsplan unterstützt haben,
sollten auf seine frühzeitigen Ergebnisse stolz sein.
Jeder in dieser Kammer sollte jedoch wissen und
anerkennen, daß noch mehr zu tun ist. Im nächsten
Monat werde ich Ihnen den Entwurf für den sparsamsten Haushalt übersenden, der je dem Kongreß vorgelegt wurde. Er sieht Kürzungen der Ausgaben bei mehr
als 300 Programmen, die Abschaffung von 100 innenpolitischen Programmen und Reformen bei der staatlichen Beschaffung von Waren und Dienstleistungen
vor. In diesem Jahr müssen wir erneut schwierige
Entscheidungen treffen, um mit dem knappen Ausgabenrahmen zu leben, den wir festgesetzt haben. Das
müssen wir tun. Wir haben bewiesen, daß wir das
Defizit abbauen können, ohne die wirtschaftliche
Gesundung abzublocken, ohne die älteren Menschen
der Mittelschicht zu bestrafen und ohne unsere nationale Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Wenn Sie sich an
diesen Plan halten, werden wir zum ersten Mal, seit
Harry Truman im Weißen Haus lebte, drei aufeinanderfolgende Jahre des Defizitabbaus erleben. Und
nochmals - wir tragen die Verantwortung.
Unser Wirtschaftsplan fördert darüber hinaus unsere
Stärke und Glaubwürdigkeit im Ausland. Sobald wir

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das Defizit verringert und uns wieder für den Konkurrenzkampf gewappnet hatten, reagierte die Welt mit
einem Abbau der Handelsschranken. In einem Jahr
haben wir mit NAFTA, GATT, mit unseren Bestrebungen in Asien und der nationalen Exportstrategie mehr
zur Öffnung der Weltmärkte für amerikanische Produkte getan als je zuvor in den vergangenen zwei
Generationen.
Das bedeutet mehr Arbeitsplätze und einen höheren
Lebensstandard für die Amerikaner, ein niedriges Defizit,
eine niedrige Inflationsrate, niedrige Zinssätze, wenige Handelsschranken und hohe Investitionen. Dies
sind die Bausteine unserer Gesundung. Wenn wir
jedoch die in der Weltwirtschaft vor uns liegenden
Chancen voll ausschöpfen wollen, müssen wir mehr
tun, wie Sie alle wissen.
Wenn wir die Verteidigungsausgaben kürzen, bitte ich
den Kongreß, mehr in die Technologien von morgen zu
investieren. Die Rüstungskonversion wird unsere
militärische Stärke aufrechterhalten und hier im Inland
Arbeitsplätze für unsere Mitbürger schaffen.
Wenn wir die Umwelt schützen, müssen wir in die
Umwelttechnologien der Zukunft investieren, die Arbeitsplätze hervorbringen. In diesem Jahr werden wir
für ein überarbeitetes Gesetz über saubere Gewässer,
ein Trinkwasserschutzgesetz sowie ein reformiertes
Superfonds-Programm kämpfen. Der Vizepräsident
hat recht - wir müssen auch mit dem Privatsektor
zusammenarbeiten, um jedes Klassenzimmer, jede
Praxis, jede Bibliothek, jede Klinik in Amerika bis zum
Jahr 2000 an ein nationales Superinformationsnetz
anzuschließen.
Stellen Sie sich vor - unverzüglicher Zugang zu Informationen wird die Produktivität erhöhen und zur Ausbildung unserer Kinder beitragen, bessere medizinische Versorgung gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen. Und ich fordere den Kongreß auf, in diesem Jahr
ein Gesetz zur Einrichtung dieses Superinformationsnetzes zu erlassen.
Wenn wir die Chancen verbessern und Arbeitsplätze
schaffen, müssen alle einbezogen werden. Wir müssen weiterhin die faire Kreditvergabe, gerechte Zuteilung von Wohnungen und die Umsetzung aller Bürgerrechtsgesetze gewährleisten, weil Amerika seine
Erneuerung nicht beendet haben wird, bevor nicht
jeder daran teilhaben kann.
Wir wissen, daß wir dies alles leisten können - unser
wirtschaftliches Haus in Ordnung bringen, den Werthandel erweitern, die Arbeitsplätze der Zukunft ausmachen, Chancengleichheit garantieren - wenn wir
jedoch ehrlich sind, werden wir zugeben, daß diese
Strategie nicht funktionieren kann, wenn wir unseren
Bürgern nicht auch die Aus- und Fortbildung sowie die
Fähigkeiten vermitteln, die sie benötigen, um diese
Chancen von morgen zu ergreifen.

Seite 3

�Wir müssen strenge akademische und berufliche
Standards von Weltklasse für unsere Kinder setzen
und unseren Lehrern und Studenten das Handwerkszeug geben, das sie zu ihrer Erfüllung benötigen. Dank
unseres Programms Goals 2000 können einzelne
Schulbezirke mit Ideen wie der Verwaltung ihrer Schule durch Privatunternehmen oder größeren Auswahlmöglichkeiten unter Schulen experimentieren - können tun, was sie wollen, solange jede Schule an einem
hohen Standard gemessen wird: Lernen unsere Kinder, was sie wissen müssen, um in der Weltwirtschaft
konkurrieren und gewinnen zu können?

Ersatzeltern zahlen müßten, die sich um ihre Kinder
kümmern. Wenn wir intakten Familien Wert beimessen, können wir nicht ein System beibehalten, das in
Wirklichkeit diejenigen bestraft, die zusammenbleiben.
Können Sie sich vorstellen, daß ein Teenager mit
einem Kind mehr staatliche Unterstützung erhält, wenn
er auszieht, als wenn er zu Hause bei den Eltern oder
Großeltern bleibt? Das ist nicht nur schlechte Politik es ist falsch. Und wir müssen es ändern.

Ich habe mich jahrelang zusammen mit anderen
Gouverneuren
und Kongreßabgeordneten beider
Goals 2000 verbindet Weltklassestandards mit basisParteien
sowie
der
einer anderen Partei angehörenorientierten Reformen. Und ich hoffe, der Kongreß
den
vorherigen
Administration
mit diesem Problem
wird das Programm ohne Verzögerung verabschiebefaßt,
bevor
ich
Präsident
wurde.
Ich habe mit vielen
den.
Sozialhilfeempfängern an diesem Problem gearbeitet.
Unsere Initiative Übergang ins Berufsleben wird Und ich möchte allen hier Anwesenden etwas sagen,
zum ersten Mal Schulen mit der Arbeitswelt in Verbin- denen dieses Problem wichtig erscheint. Diejenigen,
dung bringen, indem mindestens ein Lehrjahr nach die dieses System am meisten verändern wollen, sind
Abschluß der High School angeboten wird. Schließlich die davon Abhängigen. Sie wollen von der Sozialhilfe
hat die Mehrzahl der Menschen, auf die wir beim wegkommen. Sie wollen wieder arbeiten. Sie wollen
Aufbau unserer wirtschaftlichen Zukunft zählen, kei- etwas für ihre Kinder tun.
nen College-Abschluß. Wir dürfen sie nicht länger
ignorieren und müssen anfangen, ihnen Befugnisse zu Als ich Gouverneur war, habe ich einmal eine Anhörung anberaumt, an der Sozialhilfeempfänger aus
übertragen.
ganz Amerika teilnahmen, die wieder einen ArbeitsWir müssen unser veraltetes Arbeitslosensystem platz gefunden hatten. Einer Frau aus meinem Bunbuchstäblich in ein neues Wiederbeschäftigungssy- desstaat wurde die Frage gestellt: "Was ist das Beste
stem verwandeln. Das alte Arbeitslosensystem hielt daran, nicht länger Sozialhilfeempfänger zu sein und
einen quasi nur über Wasser, während man auf den wieder einen Arbeitsplatz zu haben?" Und ohne einen
alten Arbeitsplatz wartete. Wir benötigen ein neues Moment zu zögern, sah sie die 40 Gouverneure an und
System, damit die Menschen neue und bessere Ar- sagte: "Wenn mein Junge zur Schule geht und gefragt
beitsplätze erhalten können, weil die meisten der alten wird, womit seine Mutter ihren Lebensunterhalt verArbeitsplätze für immer verloren sind. Und wir wissen, dient, kann er eine Antwort geben." Diese Menschen
daß der einzige Weg zu echter Arbeitsplatzsicherheit wollen ein besseres System, und wir sollten es ihnen
in der Zukunft darin besteht, einen guten Arbeitsplatz bieten.
mit steigendem Einkommen zu finden, echte Talente
und die Fähigkeit zu haben, neue zu erlernen. Wir Wir haben im letzten Jahr damit begonnen. Wir haben
müssen also das Flickwerk der heutigen Ausbildungs- den Bundesstaaten mehr Befugnis zur Erneuerung
programme modernisieren und sie zur Quelle neuer gegeben, weil wir wissen, daß viele großartige Ideen
Fähigkeiten für diejenigen machen, die ihren Arbeits- nicht unbedingt in Washington geboren werden, und
viele Bundesstaaten greifen bereits darauf zurück.
platz verlieren.
Dann hat dieser Kongreß einen dramatischen Schritt
Wiederbeschäftigung - nicht Arbeitslosigkeit - mu ß das unternommen. Statt Menschen mit bescheidenem
Kernstück unserer wirtschaftlichen Gesundung wer- Einkommen durch Steuern in die Armut zu treiben,
den. Ich fordere Sie auf, diesen Vorschlag während haben wir ihnen geholfen, den Weg aus der Armut zu
der derzeitigen Sitzungsperiode des Kongresses zu finden, indem wie die Steuervergünstigungen für ihr
Einkommen drastisch erhöht haben. Damit können 15
verabschieden.
Millionen Arbeitnehmerfamilien der Armut entkomUnd ebenso wie unser Arbeitslosensystem müssen men, weil Arbeit statt Sozialhilfe belohnt wird, und die
wir unser Sozialwesen revolutionieren. Es funktioniert Menschen erfolgreiche Arbeitnehmer und erfolgreiche
nicht. Es widerspricht unseren Werten als Nation. Eltern sein können. Das ist eine echte Reform des
Wenn wir der Arbeit Wert beimessen, können wir nicht Sozialwesens.
ein System rechtfertigen, das Sozialhilfe attraktiver als
Arbeit macht, weil man sich über den Verlust seiner Es bleibt jedoch noch mehr zu tun. In diesem Frühjahr
Krankenversicherung Sorgen machen muß. Wenn wir werde ich Ihnen einen umfassenden Gesetzentwurf
Verantwortung Wert beimessen, können wir die 34 Mil- zur Reform des Sozialwesens vorlegen, der sich auf
liarden Dollar nicht ignorieren, die sich der Verantwor- das Gesetz zur Unterstützung der Familie von 1988
tung entziehende Eltern als Unterhalt an die Millionen gründet und der grundlegenden Verantwortung wieder

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�Wert beimißt. Wir werden Teenagern sagen, wenn Ihr
ein uneheliches Kind habt, geben wir Euch nicht länger
einen Scheck, um einen eigenen Haushalt zu gründen.
Wir wollen, daß die Familien zusammenbleiben. Wir
sagen den Eltern, die sich der Verantwortung entziehen, nicht für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommen
und sich nicht um sie kümmern, wir werden Euer
Gehalt pfänden, Euch die Lizenz entziehen, Euch über
Staatsgrenzen hinweg verfolgen und Euch gegebenenfalls dazu zwingen, einen Teil dessen abzuarbeiten, den Ihr schuldet.
Menschen, die Kinder in diese Wert setzen, können
und dürfen sie nicht im Stich lassen. Aber allen von
Sozialhilfe Abhängigen sollten wir letztlich einen einfachen Handel anbieten. Wir stellen die Unterstützung
bereit, die berufliche Ausbildung, die Kinderbetreuung,
die Ihr für ein bis zwei Jahre benötigt. Aber danach
muß jeder, der kann, arbeiten - im Privatsektor, wenn
möglich, im Gemeindedienst, wenn nötig. Dies ist der
einzige Weg, Sozialhilfe zu dem zu machen, was sie
sein sollte - eine zweite Chance, nicht eine Lebensform.
Ich weiß, es wird schwierig, die Reform des Sozialwesens 1994 in Angriff zu nehmen, wenn wir gleichzeitig
das Gesundheitswesen reformieren. Meines Erachtens ist dies jedoch unvermeidlich und zwingend nötig.
Heute sind schätzungsweise eine Million Menschen
von Sozialhilfe abhängig, weil dies der einzige Weg ist,
eine Krankenversicherung für ihre Kinder zu bekommen. Diejenigen, die sich gegen Sozialhilfe zugunsten
eines Arbeitsplatzes ohne Krankenversicherung entscheiden - und viele Jobs für Berufsanfänger sind nicht
mit einer Krankenversicherung verbunden - finden sich
in der unglaublichen Position, Steuern zu zahlen, die
zur Finanzierung der Krankenversicherung für diejenigen beitragen, die sich für den Bezug von Sozialhilfe
entschieden haben. Kein Wunder, daß die Menschen
ihren Arbeitsplatz aufgeben und wieder Sozialhilfe in
Anspruch nehmen, um eine Krankenversicherung zu
bekommen. Wir müssen das Problem des Gesundheitswesens lösen, um einem echte Reform des Sozialwesens vornehmen zu können.
Dieses Jahr werden wir also Geschichte machen,
indem wir das Gesundheitswesen reformieren. Und
ich möchte Ihnen allen - die Regierungsbeamten wie
ich sind - sagen, daß dies ein weiteres Thema ist, bei
dem das Volk den Politikern weit voraus ist. Das
mögen beide Parteien nicht gerne hören, aber es ist
zufällig die Wahrheit.
Wie Sie wissen, hat die First Lady inzwischen fast
einen Million Briefe von Menschen aus ganz Amerika
und aus allen Schichten erhalten. Ich möchte Ihnen
nur einen vorlesen. Richard Anderson aus Reno
(Nevada) verlor seinen Arbeitsplatz und damit seine
Krankenversicherung. Zwei Wochen später hatte
seine Frau Judy eine Gehirnblutung. Er raste mit ihr

AMERIKA DIENST 4

ins Krankenhaus, wo sie 21 Tage auf der Intensivstation lag.
Die Rechnung der Andersons blief sich auf über 120.000
Dollar. Obwohl Judy sich erholte und Richard wieder
Arbeit fand, zu 8 Dollar die Stunde, waren die Rechnungen zu hoch, und sie wurden buchstäblich in den
Bankrott getrieben.
"Frau Clinton", schrieb er an Hillary, "niemand in den
Vereinigten Staaten sollte alles verlieren müssen, für
das er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, weil er
das Pech hatte, krank zu werden."
Um den Richard und Judy Andersons von Amerika zu
helfen, haben die First Lady und viele andere so hart
und lange an diesem Problem der Gesundheitsreform
gearbeitet. Wir schulden ihnen unseren Dank und
unsere Taten.
Ich weiß, es gibt hier einige, die sagen, es gebe keine
Krise im Gesundheitswesen. Sagen Sie das zu Richard und Judy Anderson. Sagen Sie das zu den 58
Millionen Amerikanern, die jedes Jahr eine Zeitlang
überhaupt keine Krankenversicherung haben. Sagen
Sie es zu den 81 Millionen Amerikanern mit einer
Krankheitsvorgeschichte - sie zahlen mehr oder bekommen überhaupt keinen Versicherungsschutz, oder
können nie ihren Arbeitsplatz wechseln, weil sie oder
ein anderes Familienmitglied eine Krankheitsvorgeschichte haben. Sagen Sie es den Kleinunternehmen,
die die Last explodierender Versicherungskosten zu

tragen haben. Die meisten Kleinunternehmen versichern ihre Beschäftigten und zahlen im Durchschnitt
35 Prozent mehr an Beiträgen als Großunternehmen
und die Regierung. Oder sagen Sie es den 76 Prozent
versicherter Amerikaner, deren Policen bei drei Vierteln von ihnen auf eine bestimmte Lebenszeit begrenzt
ist. Und das heißt, sie haben dann überhaupt keinen
Versicherungsschutz mehr, wenn sie ihn am meisten
benötigen.
Wenn also irgend jemand von Ihnen glaubt, es gebe
keine Krise, dann sagen Sie es diesen Menschen denn ich kann es nicht.
Es gibt einige, die die Auswirkungen dieses Problems
auf das Leben der Menschen schlicht und einfach nicht
verstehen. Alles was sie tun müssen, ist, ihnen
zuzuhören. Sprechen Sie einfach mit ihnen in irgendeinem Wahlbezirk. Sie sind Republikaner und Demokraten und Unabhängige - es hat mit der Partei überhaupt nichts zu tun. Sie glauben, wir bekommen keine
allgemeine Krankenversicherung, und es ist an der
Zeit, ihnen zu zeigen, daß wir sie bekommen.
Vom ersten Tag an zielte unsere Initiative zum Gesundheitswesen darauf ab, das Gute in unserem
Gesundheitswesen zu stärken - die besten Ärzte und
das beste Pflegepersonal der Welt, modernste Forschung, ausgezeichnete Forschungsinstitutionen,

Seite 5

�Medicare für ältere Amerikaner. Nichts davon sollte
aufs Spiel gesetzt werden. Aber wir zahlen immer
mehr Geld für immer weniger Versorgung. Jedes Jahr
können immer weniger Amerikaner ihren Arzt selbst
wählen. Jedes Jahr verbringen Ärzte und Krankenschwestern mehr Zeit mit Papierbergen und weniger
Zeit mit den Patienten wegen des absolut bürokratischen Alptraums, zum dem das derzeitige System
geworden ist.

len, sowie Krankenversicherungsprämien, die nicht
explosionsartig in die Höhe schnellen, wenn man krank
oder älter wird, die Macht - ungeachtet dessen, wie
klein Ihr Betrieb ist - sich für eine zuverlässige Versicherung zu denselben wettbewerbsfähigen Beiträgen
zu entscheiden, die der Regierung und großen Unternehmen eingeräumt werden, eine einfache Möglichkeit für Kranke, und vor allem freie Wahl eines Versicherungsplans und freie Arztwahl.

Dieses System ist gespickt mit Ineffizienz, Mißbrauch
und Betrug - und das ist allgemein bekannt. Im
heutigen Gesundheitswesen haben die Versicherungsgesellschaften das Sagen. Sie suchen sich aus, wen
sie versichern und wie sie das tun. Sie können ihre
Leistungen einstellen, wenn Sie den Versicherungsschutz am stärksten benötigen. Sie sitzen am Hebel.

Unser Ansatz schützt ältere Amerikaner. Jeder dem
Kongreß vorgelegte Plan enthält den Vorschlag zur
Einschränkung von Medicare. Der Unterschied liegt
darin, daß wir der Ansicht sind, diese Einsparungen
sollten zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für
unsere älteren Mitbürger eingesetzt werden. Medicare muß geschützt werden, sollte rezeptpflichtige
Medikamente umfassen, und wir sollten erste Schritte
unternehmen, um eine Pflegeversicherung anzubieten.

Was bedeutet das? Das bedeutet, daß jede Nacht
Millionen gut versicherter Amerikaner zu Bett gehen,
nur eine Krankheit, einen Unfall oder eine Krankmeldung davon entfernt, keinen Versicherungsschutz zu
haben oder vor dem finanziellen Ruin zu stehen. Das
bedeutet, daß jeden Morgen Millionen von Amerikanern ohne jeglichen Versicherungsschutz zur Arbeit
gehen - was in keinem anderen fortschrittlichen Land
der Welt der Fall ist. Das bedeutet, da ß sich jedes Jahr
immer mehr hart arbeitende Menschen einen neuen
Arzt suchen müssen, weil ihr Chef einen neuen Versicherungsplan wählen mußte. Und zahllose andere
lehnen besser bezahlte Arbeitsplätze ab, weil sie wissen, daß sie sonst ihre Krankenversicherung verlieren.

Denjenigen, die Medicare kürzen wollen, ohne ältere
Menschen zu schützen, sage ich, daß die Lösung der
Engpässe bei der Gesundheitsfürsorge für die arbeitende Mittelschicht nicht darin besteht, Engpässe bei
der Gesundheitsfürsorge für die pensionierten Angehörigen der Mittelschicht zu schaffen. Wir können es
besser machen. Wenn alles erledigt und geregelt ist,
erscheint es mir ziemlich einfach. Versicherungsschutz sollte bedeuten, was er früher bedeutete. Man
zahlt einen fairen Preis für die Sicherheit, und wenn
man krank wird, ist eine Versicherung - welcher Art sie
auch sein mag - immer vorhanden.

Wenn wir im Gesundheitswesen weiterhin den Dingen
ihren Lauf lassen, wird es in unserem Land Menschen Im Zusammenhang mit dergarantierten Krankenversimit weniger Versorgung, weniger Wahlmöglichkeiten cherung müssen wir alle zugeben, daß wir selbst
und höheren Rechnungen geben.
dieses System verantwortlicher nutzen sollten. Die
Menschen müssen ihre Kinder impfen lassen. Wir alle
Unser Ansatz dient dazu, die Qualität der Versorgung sollten Vorsorgeuntersuchungen vornehmen lassen.
und die Wahlmöglichkeit der Menschen zu bewahren. Wir alle müssen zusammenarbeiten, um der Gewalt
Er baut auf dem heutigen Fu nktionieren des Privatsek- Einhalt zu gebieten, durch die unsere Notaufnahmen
tors auf, der Erhöhung der Deckung durch den Arbeit- in den Krankenhäusen überfüllt sind. Wir müssen
geber und der Gewährleistung einer Privatversiche- mehr auf unsere Gesundheit achten und dürfen das
rung für jeden Amerikaner. Und ich darf hinzufügen, System nicht mißbrauchen. Diejenigen, die bei unsedaß die Idee einer Privatversicherung durch den Ar- rem Ansatz keinen Versicherungsschutz genießen,
beitgeber für jeden Amerikaner dem Kongreß vor 20 werden diesen erhalten, müssen jedoch auch dafür
Jahren von Präsident Richard Nixon vorgelegt wurde. bezahlen. Die wenigen Unternehmen, die keinerlei
Das war damals eine gute Idee und ist heute sogar eine Versicherungsschutz anbieten und dadurch anderen
noch bessere Idee.
die Kosten für die Versorgung ihrer Angestellten aufbürden, sollten einen Beitrag leisten. Die Raucher
Warum streben wir eine garantierte Privatversichesollten mehr für ein Päckchen Zigaretten bezahlen.
rung an? Der Grund ist, daß heute 90 Prozent der
Jeder kann einen Beitrag zur Lösung der Krise in
Versicherten ihre Deckung durch den Arbeitgeber
unserem Gesundheitswesen leisten. In Zukunft darf
erhalten - und das sollte auch in Zukunft so sein. Und
es nichts mehr umsonst geben. Das wird nicht leicht
wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen gute Leistungen zu einem
sein, aber es ist möglich.
vernünftigen Preis anbietet, sollte das weiterhin so
sein. Das sollte den Kongreß und den Präsidenten In den kommenden Monaten werde ich hoffentlich mit
zufriedener stimmen.
Demokraten und Republikanern gleichermaßen an der
Gesundheitsreform
zusammenarbeiten, um unter
Unser Ziel ist eine Krankenversicherung für jeden Einsatz
der
Kräfte
des
Marktes die Kosten zu senken
umfassende Leistungen, die Vorsorgeuntersuchunund
dauerhafte
Gesundheitsfürsorge
zu erreichen.
gen und rezeptpflichtige Medikamente umfassen solSeite6

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�Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, daß wir uns in
diesem Land seit 60 Jahren um eine Reform des
Gesundheitswesens bemüht haben. Präsident Roosevelt unternahm einen Versuch, ebenso wie die
Präsidenten Truman, Nixon und Carter. Jedesmal
waren bestimmte Interessengruppen stark genug, um
diese Versuche scheitern zu lassen, aber diesmal wird
das nicht der Fall sein.
Ich bin mir bewußt, daß die Konfrontation mit diesen
Interessen Mut erfordert. Sie wird entscheidende
Fragen über die Art und Weise der Finanzierung
unserer Wahlkampagnen aufwerfen und darüber, wie
die Lobbyisten ihren Einfluß geltend machen. Offen
gesagt wird es nicht leichter werden, Wandel herbeizuführen, wenn wir nicht den Einfluß finanzkräftiger
Interessengruppen begrenzen, die vom jetzigen Systemprofitieren. Daher fordere ich Sie alle jetzt auf, die
von beiden Häusern des Kongresses im vergangenen
Jahr begonnene Arbeit zu vollenden, indem Sie dieses
Jahr eine harte und sinnvolle Reform der Finanzierung
des Wahlkampfes und des Lobbyismus durchführen.
Meine amerikanischen Mitbürger, dies ist ein echter
Test füruns alle. Das amerikanische Volk versorgt uns
in der Regierung mit ausgezeichneter Gesundheitsfürsorge zu vernünftigen Preisen. Uns steht immer eine
Versicherung zur Verfügung. Meines Erachtens müssen
wir jedem hart arbeitenden Steuerzahler denselben
Krankenversicherungsschutz anbieten, der uns bereits gewährleistet wird.
Ich möchte ganz deutlich werden: Wie ich wiederholt
gesagt habe, bin ich guten Ideen von Mitgliedern
beider Parteien gegenüber aufgeschlossen. Ich stelle
keine spezifische Anforderung an einen Ansatz - selbst
bei unserer eigenen Gesetzesvorlage - außer der
folgenden: Wenn Sie mir ein Gesetz vorlegen, das
nicht jedem Amerikaner eine private Krankenversicherung garantiert, die nicht rückgängig gemacht werden
kann, zwingen Sie mich, mein Veto gegen dieses
Gesetz einzulegen, und damit wären wir wieder am
Anfang angelangt.
Meines Erachtens wird das jedoch nicht geschehen.
Ich denke, daß wir jetzt zum Handeln bereit sind. Ich
denke, daß Sie jetzt zum Handeln bereit sind. Und daß
Sie bereit sind, jedem Amerikaner dieselbe Gesundheitsfürsorge anzubieten, die Sie genießen und die
nicht wieder entzogen werden kann. Jetzt, nicht im
nächsten oder übernächsten Jahr, ist es an der Zeit,
uns hinter diejenigen zu stellen, die uns hierher entsandt haben. Jetzt.
Während wir gemeinsam diese Schritte zur Erneuerung unserer Stärke im Inland unternehmen, dürfen wir
nicht unsere Verpflichtung zur Erneuerung unserer
Führungsrolle im Ausland vergessen. Dies ist ein
vielversprechender Moment. Als Ergebnis der in diesem und im vergangenen Jahr erzielten Abkommen
werden die strategischen Nuklearwaffen Rußlands

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nicht längerauf die Vereinigten Staaten gerichtet sein.
Und wir werden unsere nicht mehr auf Rußland richten.
Anstatt Weltraumwaffen zu entwickeln, werden uns
russische Forscher beim Aufbau einer internationalen
Weltraumstation behilflich sein.
Natürlich ist die Welt immer noch voller Gefahren:
Sprunghafte Weiterverbreitung von Waffen, erbitterte
regionale Konflikte, ethnische und nationalistische
Spannungen in vielen jungen Demokratien, schwerwiegende Umweltzerstörung auf der ganzen Wert und
Fanatiker, die überall die Städte terrorisieren. Als
größte Macht der Welt müssen wir daher unsere
Verteidigung und unsere Verantwortung beibehalten.
Dieses Jahr gelang uns die Anklage von Terroristen
und die Verhängung von Sanktionen gegen diejenigen, die ihnen Schutz gewähren. Wir bemühten uns
um die Förderung umweltverträglichen Wirtschaftswachstums. Wir schlössen Abkommen mit der Ukraine, Belarus und Kasachstan über die vollständige
Beseitigung ihrer Atomwaffenarsenale. Wir setzen
uns für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel
ein. Wir streben die frühzeitige Ratifizierung des
Vertrags über das weltweite Verbot von Chemiewaffen
an. Und heute haben wir gemeinsam mit über 30
anderen Nationen die Verhandlungen über ein umfassendes Verbot aller Atomtests aufgenommen.
Nichts ist jedoch für unsere Sicherheit bedeutender als
unsere Streitkräfte. Wir würdigen den von ihnen zu der
am längsten andauernden humanitären Luftbrücke
der Geschichte in Bosnien geleisteten Beitrag, den
Beitrag derjenigen, die ihre Mission in Somalia in
diesem Jahr beenden werden und ihrer mutigen
Kameraden, die dort ihr Leben ließen. Unsere Streitkräfte sind die besten, über die unsere Nation je
verfügte, und ich habe versprochen, daß sie - solange
ich Präsident bin - die am besten ausgerüstete, am
besten ausgebildete und am besten vorbereitete
Kampftruppe auf der Welt bleiben werden.
Vergangenes Jahr schlug ich einen Verteidigungsplan
vor, der unsere Sicherheit in der Zeit nach dem Kalten
Krieg zu geringeren Kosten gewährleistet. Dieses
Jahr wurde ich vielfach aufgefordert, unsere Verteidigungsausgaben weiter zu senken, um andere staatliche Programme finanzieren zu können. Ich habe Nein
gesagt. Der von mir dem Kongreß vorgelegte Haushalt zieht einen Strich unter weitere Kürzungen der
Verteidigungsausgaben. Er schützt die Einsatzbereitschaft und Qualität unserer Streitkräfte. Letztlich ist
das die beste Strategie. Wir dürfen unsere Verteidigungsausgaben nicht mehr senken. Ich hoffe, daß die
Kongreßabgeordneten ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit diese Position unterstützen.
Letztlich besteht die beste Strategie zur Gewährleistung unserer Sicherheit und zum Aufbau eines dauerhaften Friedens in der Förderung der Demokratie im

Seite 7

�Ausland. Demokratien greifen einander nicht an. Sie
sind bessere Partner in den Bereichen Handel und
Diplomatie. Aus diesem Grund haben wir - Sie und ich
- die demokratischen Reformkräfte in Ru Bland und den
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion unterstützt. Ich begrüße die im letzten Jahr von
diesem Kongreß gezeigte parteiübergreifende Unterstützung unserer Initiativen, Rußland, der Ukraine und
den anderen Staaten während ihrer heroischen Umgestaltung Beistand zu leisten.
Bei unserer Förderung der Reformen müssen wir
Geduld angesichts der enormen Aufgabe mit dem
Schutz unserer grundlegenden Interessen und Werte
kombinieren. Wir werden weiterhin in Rußland und
den anderen Staaten auf eine Fortsetzung der eingeleiteten Wirtschaftsreformen drängen und Zusammenarbeit mit Rußland bei der Lösung regionaler Probleme
anstreben. Gleichzeitig werden wir darauf bestehen,
daß russische Truppen nur dann in Nachbarstaaten
operieren dürfen, wenn diese Staaten ihrer Präsenz
zustimmen und sie im strikten Einklang mit internationalen Normen steht.

die Ratifizierung des neuen GATT-Abkommens ersuchen und Südafrika bei seinem mutigen, hoffnungsvollen und schwierigen Übergang zur Demokratie weiterhin Beistand leisten. Wir werden einen Gipfel der
demokratischen Staats- und Regierungschefs der
westlichen Hemisphäre von Kanada bis zur untersten
Spitze Südamerikas veranstalten. Und wir werden
weiterhin auf die Wiederherstellung einer wirklichen
Demokratie auf Haiti drängen.
Beim Aufbau konstruktiver Beziehungen zu China
müssen wir nach wie vor auf einer eindeutigen Verbesserung der Menschenrechtssituation in diesem Land
bestehen.

Wir werden uns auch für Fortschritte beim Friedensprozeß im Nahen Osten einsetzen. Im letzten Jahr war
die Welt Zeuge des historischen Händedrucks der
Versöhnu ng zwischen Yitzhak Rabin u nd Yassir Arafat
vor dem Weißen Haus. Aber vor ihnen liegt noch ein
langer und steiniger Weg. Ich bin entschlossen,
gemeinsam mit meiner Administration alles in unserer
Macht Stehende zu tun, um einen umfassenden und
dauerhaften Frieden für die Völker der Region zu
Während diese Nationen ihre eigene Zukunft gestalten schaffen.
- und das müssen sie tun - müssen wiruns jedoch auch
vor Augen halten, in wieviel mehr Sicherheit und In unserem Land gibt es Stimmen, die fordern, nach
Wohlstand unser Volk leben wird, wenn im gesamten dem Ende des Kalten Krieges solle Amerika der Welt
ehemaligen Ostblock demokratische und marktwirt- den Rücken drehen. Auf der Welt bestand die weitverschaftliche Reformen erfolgreich durchgeführt wer- breitete Angst, daß wir eben das tun würden. Ich bin
den. Unsere Politik besteht in der Unterstützung jedoch bei meiner Amtsübernahme die Verpflichtung dieser Bewegung, und das ist auch die Politik des die keinen parteipolitischen Beigeschmack hat - eingegangen, die Sicherheit unserer Nation zu bewahren,
Kongresses. Wir sollten sie fortsetzen.
indem Amerika in der übrigen Welt engagiert bleibt.
Aus diesem Grund bin ich Anfang dieses Monats nach Und dieses Jahr haben wir durch unsere gemeinsame
Europa gereist, um mich in Zusammenarbeit mit unse- Arbeit - Abschluß des Nordamerikanischen Freihanren europäischen Partnern um eine Integration aller delsabkommens (NAFTA), Beibehaltung starker und
ehemals kommunistischen Länder in ein Europa zu einsatzbereiter Streitkräfte, Förderung der Demokrabemühen, das zum ersten Mal im Verlauf seiner tie im Ausland - die Führungsrolle und das EngageGeschichte die Chance zur Einigung hat - seiner ment Amerikas erneut bekräftigt, und als Folge davon
gesamten Geschichte, die auf dem einfachen Engage- lebt das amerikanische Volk in größerer Sicherheit als
ment aller europäischen Nationen für Demokratie, zuvor.
freie Marktwirtschaft und Respektierung der besteObwohl die Amerikaner vor Bedrohungen aus dem
henden Grenzen beruht.
Ausland sicherer sind, wissen wir alle, daß wir vor
Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Gefahren hier im eigenen Land weniger gefeit sind.
Der nationale Frieden wird jeden Tag durch die KrimiPartnerschaft für Frieden geschaffen, die den Staaten
des ehemaligen Sowjetblocks und anderen Nichtmit- nalität bedroht.
gliedstaaten der NATO militärische Zusammenarbeit
mit der NATO anbietet. Bei meinen Zusammenkünf- In Petaluma (Kalifornien) endet eine unschuldige Party
ten mit führenden Politikern Mitteleuropas- einschließ- junger Mädchen mit einer entsetzlichen Tragödie für
lich Lech Walesa und Vaclav Havel, Männern, die für die Familie von Polly Klaas. Eine normale Zugfahrt auf
die Freiheit ihr Leben riskierten - teilte ich ihnen mit, Long Island endet in einem Kugelhagel. Ein Tourist in
daß die Sicherheit ihrer Region für die Sicherheit Florida wird, nur weil er ein Schwarzer ist, von Verfechtern der Intoleranz und Selbstgerechtigkeit beinahe bei
unseres Landes wichtig ist.
lebendigem Leibe verbrannt.
Dieses Jahr müssen wir auch mehr zur Unterstützung
der demokratischen Erneuerung, der Menschenrech- Hier in der Hauptstadt unserer Nation wird ein mutiger
te und umweltverträglichen Entwicklung auf der gan- junger Mann namens Jason White, ein Polizist, Sohn
zen Welt unternehmen. Wir werden den Kongreß um und Enkel von Polizisten, skrupellos niedergeschossen.

Seite 8

AMERIKA DIENST 4

�Gewaltverbrechen und die daraus resultierende Angst
lähmen unsere Gesellschaft, schränken unsere persönliche Freiheit ein und belasten unsere Beziehungen.
Das dem Kongreß vorliegende Gesetz zur Verbrechensbekämpfung gibt Ihnen die Möglichkeit, dagegen hart und geschickt vorzugehen. Was heißt das?
Zunächst einmal möchte ich klarstellen, daß mir dieses Thema sehr wichtig ist. Vor vielen Jahren, als ich
meine politische Laufbahn begann, war ich Justizminister meines Heimatstaats.
Zwölf Jahre lang war ich als Gouverneur tätig. Ich
weiß, was es bedeutet, Gesetze zur Erhöhung des
Strafmaßes zu unterzeichnen, was es bedeutet, mehr
Gefängnisse zu bauen und die Todesstrafe zu verhängen. Ich kenne mich mit dieser Frage aus und weiß,
daß sie nicht einfach ist.
Erstens müssen wir uns bewußt machen, daß die
meisten Gewaltverbrechen von einem kleinen Prozentsatz Krimineller verübt werden, die sogar während
ihres Hafturlaubs die Gesetze brechen. Diejenigen,
die Verbrechen begehen, sollten bestraft werden, und
denjenigen, die wiederholt Gewaltverbrechen verüben, sollte gesagt werden, daß sie beim dritten Mal
ein für allemal eingesperrt werden - nach dem dritten
Mal ist Schluß.
Zweitens müssen wir ernsthaft Schritte zum Abbau
von Gewalt und zur Verhütung von Verbrechen unternehmen, angefangen mit einer größeren Zahl von
Polizisten und einem stärkeren Polizeiwesen in den
Gemeinden. Wir wissen, daß die Polizisten, die auf
Streife gehen, ihre Kandidaten kennen, von den Kindern der Gegend respektiert werden, sich auf Gebiete
mit hoher Kriminalität konzentrieren, und wir wissen,
daß sie wahrscheinlich eher Verbrechen verhüten und
Kriminelle fassen.
Halten Sie sich die in Houston gemachte Erfahrung vor
Augen. Die Verbrechensrate fiel in einem Jahr um 17
Prozent, als dieser Ansatz umgesetzt wurde. Heute
abend ist einer der Gemeindepolizisten anwesend, ein
mutiger junger Kriminalbeamter, Kevin Jett, dessen
Revier acht Häuserblocks in einer der gefährlichsten
Wohngegenden New Yorks umfaßt. Er stellt bei
denjenigen, für deren Schutz er verantwortlich ist,
täglich Sicherheit, Vernunft, ein Gefühl für Werte und
Zugehörigkeit her. Ich bitte ihn, sich zu erheben, damit
ihn alle heute abend sehen können.
Sie werden eine Chance erhalten, die Sie an die Kinder
dieses Landes weitergeben können, die gesetzestreuen, arbeitenden Menschen in diesem Land. Und
vergessen Sie nicht: In den schlimmsten Wohngebieten Amerikas, in den Gegenden mit der höchsten
Verbrechensrate steht die überwiegende Mehrheit der
Menschen jeden Tag auf und befolgt das Gesetz, zahlt
Steuern und gibt ihr Bestes bei der Erziehung ihrer

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Kinder. Diese Menschen verdienen jemanden wie
Kevin Jett. Wir haben die Möglichkeit, dem amerikanischen Volk weitere 100.000 dieser gut ausgebildeten
Polizisten zur Verfügung zu stellen, und ich fordere Sie
auf, diese Möglichkeit zu nutzen.
Ihnen liegt eine Gesetzesvorlage zur Verbrechensbekämpfung vor, die auch die Einrichtung einer Polizeitruppe vorsieht, die junge Menschen ermutigt, eine
Ausbildung zu durchlaufen und diese durch einen
Dienst als Polizist zu finanzieren, die Militärs im Ruhestand ermutigt, ins Polizeiwesen überzuwechseln enorme Ressourcen für unser Land, Bestimmungen,
um unsere Schulen sicherer zu machen, damit unsere
jungen Menschen die Möglichkeit haben, sicher in die
Schule zu gelangen und in der Schule in Sicherheit zu
sein, anstatt Gewehrkugeln ausweichen zu müssen.
Das alles sind wichtige Angelegenheiten.
Unsere dritte Aufgabe besteht darin, aufbauend auf
dem Brady-Gesetz weitere Schritte zu unternehmen,
um zu verhindern, daß Kriminelle in den Besitz von
Waffen gelangen.
Dieses Thema möchte ich gerne näher ausführen.
Jäger sollten weiterhin auf die Jagd gehen können,
gesetzestreue Erwachsene sollten weiterhin Waffen
besitzen und ihr Heim verteidigen dürfen. Ich respektiere diesen Teil unserer Kultur. Ich bin damit aufgewachsen. Aber ich bitte die Sportler und andere
rechtmäßige Waffenbesitzer, uns bei dieser Kampagne zur Verminderung bewaffneter Verbrechen zu
unterstützen. Ich weiß, daß Sie nicht für dieses
Problem verantwortlich sind, aber wir benötigen Ihre
Hilfe bei seiner Lösung. Es gibt keine Sportart auf der
Welt, die den amerikanischen Kongreß daran hindern
sollte, Angriffswaffen zu verbieten, die Polizisten
machtlos machen und Kinder umbringen.
Viertens müssen wir uns vor Augen halten, daß Drogen bei einer Vielzahl von Verbrechen ein wichtiger
Faktor sind. Neueste Untersuchungen deuten bedauerlicherweise an, daß der Drogenkonsum unter unseren jungen Menschen wieder ansteigt. Das Gesetz zur
Verbrechensbekämpfung sieht - wie alle derartigen
Gesetze - mehr Gelder für die Therapie von Drogenabhängigen, für drogenabhängige Kriminelle und Lager
für jugendliche Straftäter vor, darunter Anreize, drogenfrei zu werden und zu bleiben. Der Haushalt
unserer Administration enthält trotz aller Kürzungen
eine beträchtliche Aufstockung der für Beratung und
Therapie von Drogenabhängigen vorgesehenen Gelder. Wir müssen beidem zustimmen. Es ist dringend
erforderlich.
Meine amerikanischen Mitbürger, das Problem der
Gewalt ist ein unamerikanisches Problem. Es enthält
kein parteipolitisches oder philosophisches Element.
Aus diesem Grund fordere ich Sie dazu auf, möglichst
bald Mittel und Wege zu finden, um parteipolitische
Differenzen zu überwinden und ein wirksames, durch-

Seite 9

�dachtes, hartes Gesetz zur Verbrechensbekämpfung
zu verabschieden.
Femer bitte ich Sie, folgendes zu bedenken: Wenn wir
härtere Strafen für diejenigen fordern, die für die
Gewalt optieren, müssen wir auch daran denken, wie
es zu diesem traurigen Zustand gekommen ist. In
unseren schlimmsten Wohngegenden, schäbigsten
Straßen, ärmsten ländlichen Gebieten waren wir Zeuge
eines niederschmetternden und gleichzeitigen Zusammenbruchs von Gemeinden, Familien und Arbeitsplätzen, die Herz und Seele einerzivilisierten Gesellschaft
darstellen. Dadurch wurde ein riesiges Vakuum geschaffen, das mit Gewalt, Drogen und Banden gefüllt
wurde. Denken Sie also daran: Wenn wir Nein zur
Gewalt sagen, müssen wir den Menschen, insbesondere unseren jungen Menschen, etwas geben, zu dem
sie Ja sagen können.
Viele unserer Initiativen - von der beruflichen Ausbildung über die Reform des Sozialsystems, das Gesundheitswesen bis zum nationalen Sozialdienst werden uns dabei helfen, notleidende Gemeinden
wiederaufzubauen, Familien zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen - aber wir müssen noch mehr tun.
Und genau darum geht es bei unserem Programm zur
Ermächtigung der Gemeinden - die Unternehmen durch
sogenannte Ermächtigungszonen zu höheren Investitionen anzuregen, sicherzustellen, daß die Banken in
den Gemeinden, aus denen ihre Einlagen stammen,
Darlehen gewähren, Gesetze zu verabschieden, die
die Macht des Kapitals durch die Entwicklung von
Gemeindebanken freisetzen, um somit Arbeitsplätze,
Chancen und Hoffnung zu schaffen, wo sie am stärksten benötigt werden.
Meines Erachtens sind Sie alle sich bewußt, daß wir
eine wirkliche Lösung des Problems nur dann finden,
wenn wir es gemeinsam anpacken, unsere ideologischen Dogmen überwinden und neue Ideen entwikkeln, um noch mehr zu tun.
Um ehrlich zu sein: Wir alle wissen auch noch etwas
anderes. Unsere Probleme liegen eindeutig außerhalb der Reichweite der Regierung. Sie wurzeln im
Verlust von Werten und Arbeit, im Auseinanderbrechen unserer Familien und Gemeinden. Meine amerikanischen Mitbürger, wir können das Haushaltsdefizit abbauen, Arbeitsplätze scharfen, Demokratie auf
der ganzen Welt fördern, das Sozialsystem und das
Gesundheitswesen reformieren, das historisch gesehen härteste Gesetz zur Verbrechensbekämpfung
verabschieden und dennoch zu viele unserer Menschen zurücklassen.
Das amerikanische Volk muß diesen Wandel von
innen her wollen, damit es uns gelingt, Arbeitsplätze,
Familien und Gemeinden wiederherzustellen. Wir
können nicht unser Land erneuern, wenn innerhalb
eines Jahrzehnts mehr als die Hälfte unserer Kinder
unverheiratete Eltern haben. Wir können nicht unser

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Land erneuem, wenn 13jährige Jungen in den Besitz
halbautomatischer Waffen gelangen und Neunjährige
nur zum Spaß damit erschießen. Wir können nicht
unser Land erneuern, wenn Kinder Kinder bekommen
und die Väter sie im Stich lassen, als wenn sie wertlos
wären. Wir können nicht unser Land erneuem, wenn
unsere Unternehmen sich engagiert um neue Investitionen und neue Kunden im Ausland bemühen, die
Menschen direkt vor ihrer Haustür aber ignorieren, die
alles darum gäben, ihren Arbeitsplatz zu behalten und
gerne die Produkte kaufen würden, wenn sie nur das
nötige Geld dazu besäßen.
Wir können nicht unser Land erneuern, wenn nicht
mehr Menschen - wir alle - gewillt sind, mit den Kirchen
und den anderen gutwilligen Bürgern - mit Menschen
wie den schwarzen Geistlichen, mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe oder den Priestern
und Nonnen, die ich in der Kirche Our Lady of Help im
Osten von Los Angeles traf oder meinem guten Freund
Tony Campollo aus Philadelphia - zusammenzuarbeiten, mit Menschen wie diesen, Menschen, die Kinder
retten, sich der Schulen annehmen, unsere Straßen
sicherer machen. Wir alle können das.
Wir können nicht unser Land erneuern, bevor wir
erkannt haben, daß nicht die Regierung, sondern die
Eltern die Kinder aufziehen. Eltern, die die Lehrer ihrer
Kinder kennen, das Fernsehen abschalten, ihnen bei
den Hausaufgaben helfen und sie lehren, Recht von
Unrecht zu unterscheiden - diese Eltern können so viel
bewirken. Ich weiß das. Ich hatte einen solchen
Elternteil. Und ich sage Ihnen: Wirdürfen nicht länger
mit dem Finger auf diese Kinder zeigen, die keine
Zukunft haben. Wir müssen ihnen die Hand reichen.
Unser Land braucht das. Wir brauchen das. Unddiese
Kinder verdienen es.
Und deshalb rufe ich heute abend dazu auf, unseren
Kindern eine Zukunft zu geben. Wir wollen ihnen ihre
Waffen wegnehmen und ihnen Bücher geben. Wir
wollen ihre Verzweiflung überwinden und sie durch
Hoffnung ersetzen. Wir wollen sie durch unser Beispiel lehren, das Gesetz zu befolgen, unsere Nachbarn zu respektieren und unsere Werte in Ehren zu
halten. Wir wollen aus diesen kräftigen Fäden eine
neue amerikanische Gemeinschaft weben, die wiederum den Kräften der Verzweiflung und des Bösen
widerstehen kann, weil jeder die Chance zu einer
besseren Zukunft hat.
Es wird Neinsager geben, die fürchten, daß wir den
Herausforderungen unserer Zeit nicht gewachsen sind.
Aber sie mißdeuten unsere Geschichte, unser Erbe,
sogar die heutigen Schlagzeilen. All diese Dinge
sagen uns, daß wir jede Herausforderung annehmen
und ihr gerecht werden können.
Als in Kalifornien die Erde bebte und Brände wüteten,
als der Mississippi bei der in 500 Jahren beispiellosen
Flutkatastrophe das Ackerland des Mittelwestens

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�überschwemmte, als die bittere Kälte von North Dakota bis Newport News das Land erfaßte, schien die Welt
aus den Fugen zu geraten. Aber das amerikanische
Volk hielt zusammen. Es stellte sich dem Problem,
Nachbarn halfen Nachbarn, Fremderiskiertenihr Leben,
um völlig Fremde zu retten - und so zeigten sich die
besseren Engel unserer Natur.

einandersetzungen überlassen. Vielmehr sollten wir
uns selbst treu bleiben, den Tatsachen ins Auge
blicken, zusammenhalten, Hoffnung wecken und Fortschritte machen.

Am heutigen Abend, meine amerikanischen Mitbürger, sind wir aufgerufen, eine Frage zu beantworten,
die so alt ist wie unsere Republik: Wie ist die Lage der
Wir wollen diese besseren Engel nicht nur Naturkata- Nation? Sie wird stärker, aber sie muß noch stärker
strophen vorbehalten und unsere größten und tiefgrei- werden. Mit Ihrer Hilfe und mit Gottes Hilfe wird das
fendsten Probleme nicht kleinlichen politischen Aus- geschehen.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Amerika.

*

AMERIKA DIENST 4

* * *

*

Seite 11

�AUSSENPOLITIK
26. Januar 1994

CLINTON: EUROPAREISE HAT SICHERHEIT UND
DEMOKRATIE AUF DER WELT GEFÖRDERT
Rede des Präsidenten an der Howard University
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge war der Zweck seiner soeben beendeten Europareise, das
Fundament für eine wirtschaftlich besser integrierte Welt mit mehr Sicherheit und Demokratie zu legen.
In seiner Ansprache an der Howard University am 17. Januar 1994 zum Gedenken an den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. stellte der Präsident fest, "wir haben einen guten Anfang gemacht", warnte jedoch,
daß Europa "noch immer durch die explosive Mischung alter ethnischer Spannungen und neuer wirtschaftlicher
Härten bedroht" ist.
Clinton verwies darauf, in Rußland seien die Reformer "kampfbereit" und die Nuklearwaffen der ehemaligen
Sowjetunion stellten nach wie vor "eine Quelle der Instabilität und ein Potential für Katastrophen oder eine
Einladung für terroristische Aktivitäten dar. Wir arbeiten so hart wir können an ihrer Zerlegung und erzielen
beachtliche Fortschritte. Aber sie sind immer noch da."
Der Präsident erklärte ferner, die Vereinigten Staaten müßten ihr eigenes Haus in Ordnung bringen und fügte
hinzu: "Wir müssen in diesem Land noch viele Mauern niederreißen, viele Spaltungen überwinden, und wir
müssen mit offenen Gesprächen beginnen, ehrlich aufeinander zugehen in der klaren Erkenntnis, daß sich keiner
von uns verstecken kann. Hier handelt es sich nicht um ein Problem der Rasse, es ist das Problem der
amerikanischen Familie. Und wir wären gut beraten, es als Familie zu lösen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton im Wortlaut.

An diesem Tag vor einem Jahr habe ich zum letzten
Mal eine Rede an der Howard University gehalten. Ich
freue mich, am heutigen Tag wieder hierzu sein. Nur
drei amerikanische Staatsbürger - einer in jedem Jahrhundert unserer Geschichte - werden mit einem bundesweiten Feiertag geehrt. Zwei waren Präsidenten,
der andere hatte jedoch nie ein Amt inne - außer dem
wichtigsten in unserer Demokratie. Er war ein Staatsbürger. George Washington trug zur Schaffung unserer Union bei, Abraham Lincoln gab sein Leben, um sie
zu erhalten, und Martin Luther King erneuerte die
moralische Bestimmung der Vereinigten Staaten.
Jeder dieser drei herausragenden Amerikaner hat auf
seine Weise und jeder zu seiner Zeit definiert, was es
bedeutet, Amerikanerzusein, was Staatsbürgerschaft
erfordert, und was unsere Nation werden muß. Dr.
King, seine Familie und diejenigen, die sich seiner
Sache anschlössen, setzten Veränderungen in Gang,
die für immer in Amerika, über geographische Gren-

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zen, Klassen und Rassen hinweg ihren Niederschlag
finden. Die heute hier Anwesenden - die von mir
namentlich erwähnten und auch die anderen - stehen
alle für diese beeindruckende Tatsache.
Sie ertrugen Schläge, sie setzten ihr Leben aufs Spiel,
sie marschierten, auch wenn sie müde waren, sie
legten sich schlafen, ohne ein Bett zu haben. Sie
machten das Wort "amerikanisch" zu etwas Einzigartigem, weil sie alle versuchten, uns davon zu überzeugen, unser Leben gemäß unserer Werte zu leben.
All den sehr jungen heute hier Anwesenden, von
denen viele beim Tod von Martin Luther King noch
nicht einmal geboren waren, könnte dieser Kampf
äußerst lange zurückliegend erscheinen. Wenn Sie
jedoch um sich blicken, können Sie erkennen, daß die
Geschichte dieses Kampfes noch heute lebendig ist,
noch immer geschrieben und noch immer gemacht
wird, noch immer auf ihre vollständige Erfüllung wartet.

Seite 1

�Ich freue mich, heute hier in Howard zu sein, und ich te Ihnen etwas darüber erzählen, weil es mit dem im
freue mich, daß Howard und andere historische Ein- Zusammenhang steht, was wir hier zu Hause tun
richtungen zur weiterführenden Bildung für Schwarze müssen. Meine oberste Pflicht als Ihr Präsident ist, die
hier über Satellit angeschlossen sind, und alle noch Sicherheit unserer Nation zu bewahren. Und der Kern
immer an dem arbeiten, was Martin Luther King zufol- unserer Sicherheit im Ausland besteht in unseren
ge als erstes getan werden muß - all unseren Bürgern Beziehungen zu Europa, in seinen Unruhen der Verunabhängig von ihrer Rasse Bildung zu vermitteln.
gangenheit und in seinen Versprechungen für die
Zukunft.
Zu den Absolventen von Howard zählen: Ein Richter
am Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten, Seit Jahrzehnten hing unsere Sicherheit vom Schutz
ein amerikanischer Senator, ein Nobelpreisträger, der eines geteilten Europa ab. Europa war das Zentrum
Bürgermeister unserer Bundeshauptstadt und meiner von zwei Weltkriegen, die mehr Leben in kürzerer Zeit
letzten Zählung zufolge mindestens 17 Personen, die forderten, als jedes andere Ereignis der Geschichte.
wichtige Ämter in meiner Administration innehaben, Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa geteilt, es
einschließlich des Landwirtschaftsministers, Mike Espy, gab jedoch keinen neuen Krieg - zum Teil, weil wir die
der heute hier anwesend ist. Ich danke Ihnen dafür. Menschen auf unserer Seite der Trennlinie schützten.
Aber dann fiel die Berliner Mauer, die Menschen
Es ist unserer Zeit angemessen, daß die Howard erhoben sich und forderten ihre Freiheit.
School of International Study erweitert wird, um eine
neue Generation von Studenten über eine sich rasch Jetzt haben wir den Fall der Berliner Mauer, das Ende
verändernde und immer integriertere Welt zu unter- des Kommunismus in Osteuropa, den Zusammenrichten. Dr. King wäre darüber sehr erfreut gewesen. bruch des sowjetischen Systems und die Veranstaltung von Wahlen auf dem gesamten Territorium der
Seine letzte, am Abend vor seiner Ermordung in Memphis ehemaligen Sowjetunion erlebt. Das ist erstaunlich.
am 3. April 1968 gehaltene Rede enthielt eine prophe- Diese neuen Demokratien sind jedoch weiterhin zertische Botschaft der Hoffnung für eine Welt, die er im brechlich. Sie bieten uns die Hoffnung auf eine friedEntstehen begriffen sah. Er erklärte, er sehe sich liche Zukunft und neue Handelspartner, neuen Wohlselbst am Anbeginn der Zeit mit einem umfassenden stand, neue Chancen zur Bereicherung unseres Lebens,
Überblick über die gesamte Geschichte der Mensch- indem wir von unterschiedlichen Kulturen und ethniheit, und Gottvater sage zu ihm: "Martin Luther King, schen Gruppen lernen. Aber sie sind noch immer
in welchem Zeitalter möchtest Du leben?" Er zog dann durch die explosive Mischung alter ethnischer Spanalle Augenblicke der Geschichte in Erwägung, die für nungen und neuer wirtschaftlicher Härten bedroht.
jemand seines enormen Intellekts und Wissens interessant erscheinen könnten, vom Beginn der Zivilisa- Rußland hat eine neue demokratische Verfassung
tion über die Renaissance bis zur Unabhängigkeitser- verabschiedet und zum ersten Mal ein freies Parlaklärung - sagte dann aber, er hätte Gott geantwortet: ment gewählt, das seinem ersten, vom Volk gewählten
"Wenn Du mir erlaubst, nur einige Jahre in der zweiten Präsidenten zur Seite stehen soll. Die Reformer sind
Hälfte des 20. Jahrhunderts zu leben, wäre ich glück- kampfbereit, während die Bürger zu verstehen versulich." Er fügte hinzu: "Das ist eine merkwürdige chen, wie sie in einer Wirtschaft überleben können, die
Aussage, weil die Welt sich im Chaos befindet, aber es noch immer sehr hart für sie ist, und während sie beim
geschieht etwas auf der Welt. Die Massen erheben Wahlkampf Menschen zuhören, die eine idyllische
sich, und wo immer sie sich heute versammeln, ist der Vergangenheit heraufbeschwören, die niemals exiRuf stets derselbe - 'Wir wollen frei sein'."
stierte, die sich auf Teilung statt Einheit gründete.
Ich bin davon überzeugt, daß Dr. King dankbar wäre,
wenn er den Marsch der Freiheit heute sehen würde,
erfreut wäre, wenn er sehen könnte, was am 13.
September geschah, als Ministerpräsident Rabin und
Yassir Arafat sich die Hand reichten und den Vertrag
zwischen Israel und der PLO unterzeichneten, überglücklich wäre, Nelson Mandela nach 27 Jahren aus
seiner Gefängniszelle heraustreten zu sehen, der mit
einem weißen südafrikanischen Präsidenten echte
Wahlen in die Wege leitet und dann guten Willens und
guten Mutes im Wahlkampf gegen ihn antritt, um
Staatsoberhaupt des Landes zu werden. Das ist eine
erstaunliche Entwicklung.

Die Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion, von
denen es immer noch zu viele gibt, stellen nach wie vor
eine Quelle der Instabilität und ein Potential für Katastrophen oder eine Einladung für terroristische Aktivitäten dar. Wir arbeiten so hart wir können an ihrer
Zerlegung und erzielen beachtliche Fortschritte. Aber
sie sind immer noch da.

Wir können diese Gefahren für die Demokratie nicht
ignorieren. Der beste Weg, Europa vor einem erneuten Auseinanderfallen und davor zu bewahren, junge
Menschen aus diesem Land auf jenen Kontinent zu
ziehen, um wiederzu kämpfen und zu sterben, besteht
darin, zum ersten Mal indergesamten Geschichte den
Freiheit bewegt die Welt. Wie Sie wissen, bin ich in der Versuch zum Aufbau eines integrierten Europa zu
vergangenen Woche durch Europa gereist, um zur unternehmen - integriert in seiner Treue zur DemokraWiedergeburt der Freiheit dort beizutragen. Ich möch- tie, freien Marktwirtschaften und dem Grundsatz, daß

Seite 2

AMERIKA DIENST 4

�all diese Länderdie Grenzen des anderen respektieren
sollten. Das war das Ziel meiner Reise. Wir haben
große Fortschritte gemacht. Wir im NATO-Bündnis,
das die Sicherheit der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrt hat, haben allen diesen Ländern die
Chance zu einer Partnerschaft für Frieden geboten,
die Europa nicht teilt, sondern es vereint.

Welt mit mehr wirtschaftlichem Wohlstand, zum Abbau der Bedrohung durch Nuklearwaffen. Bei meinem
gestrigen Treffen mit dem syrischen Präsidenten Assad
in der Schweiz haben wir versucht, die historisch
gesehen krisengeschütteltste Region der Welt - den
Nahen Osten - einem umfassenden Frieden näherzubringen.

Wir haben gesagt, wir machen Schwerter zu Pflugscharen, indem wir gemeinsam für unsere gemeinsame Sicherheit planen. Wir werden in Deutschland eine
militärische Übung mit einem amerikanischen General, mit Polen, Tschechen und Russen abhalten, die
Seite an Seite stehen und gemeinsam arbeiten. Wir
werden eine vollständig neue Zukunft für die Welt
schreiben, die sich von der Vergangenheit unterscheidet. Das ist unsere große Hoffnung, und wir haben
einen guten Anfang gemacht.

Aber während ich an diesem Gedenktag für Martin
Luther King von einer Reise zurückkehre, die dem
Kampf für Demokratie, wirtschaftlichen Fortschritt und
Sicherheit dienen sollte, muß ich mich fragen: Wie
werden wir diese Dinge hier zu Hause angehen?
Wenn Demokratie das Engagement all unserer Völker
ist, und wenn sie bedeutet, Stärke aus unserer Vielfalt
zu schöpfen, wenn wir den Menschen in den krisengeschüttelten Regionen Europas sagen wollen: Laßt
Euren ethnischen Haß hinter Euch, nehmt die Unterschiede - die religiösen Unterschiede, die rassischen
Unterschiede, die ethnischen Unterschiede - und verwandelt sie zu Stärke in der Weltwirtschaft, dann
müssen wir dasselbe hier tun.

Wir haben auch versucht, die neuen Demokratien von
Land zu Land zu stärken, den Menschen zu sagen,
seht, es wird immer Probleme und immer Konflikte in
einer Demokratie geben. Heute haben wir nur wenig
davon. Ich habe gesagt, wir haben dies seit 200
Jahren, und wir haben erst vor einer Generation allen
unseren Bürgern das Wahlrecht eingeräumt. Sie
müssen daran arbeiten und dürfen sich nicht entmutigen lassen, und Sie dürfen nicht aufgeben.
Und daher habe ich versprochen, den Menschen zu
helfen, die an Demokratie glauben. Und Demokratie
bedeutet mehr als nur eines. Sie bedeutet das Mehrheitsprinzip. Sie bedeutet auch die Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Menschenrechte
des einzelnen. Und wir haben hart am Aufbau besserer Wirtschaftsbeziehungen gearbeitet, weil Amerika
nicht prosperieren kann, wenn die Weltwirtschaft nicht
wächst.
Wir können unsere Verpflichtungen gegenüber den
jungen Menschen in diesem Publikum heute nicht
erfüllen, wenn wir ihnen nicht sagen: "Wenn Ihr hart
arbeitet, könnt Ihr Bildung erwerben, und wenn Ihr das
Richtige tut, werdet Ihr einen Arbeitsplatz, Chancen
und ein besseres Leben erhalten. Und um das zu
erreichen, müssen wir in einer Wert leben, in der wir alle
zusammenarbeiten, um volkswirtschaftliches Wachstum zu erzielen. Keinem reichen Land - und trotz all
unserer Armut sind wir immer noch ein sehr reiches
Land - ist es gelungen, Arbeitsplätze und Einkommen
für seine Bürger zu garantieren, wenn es nicht mehr
Menschen findet, die das kaufen, was Sie produzieren
- Ihre Waren und Dienstleistungen. Ich bin nach
Europa gereist, weil diese Reise meines Erachtens zur
Schaffung von Arbeitsplätzen für die jungen Menschen in diesem Publikum beitragen wird, und wenn
uns das nicht gelingt, sind unsere Bestrebungen zum
Scheitern verurteilt.

Im vergangenen Jahr haben wir hart daran gearbeitet.
Fünf meiner Kabinettsmitglieder sind Afroamerikaner.
61 Prozent der von mir ernannten Bundesrichter sind
entweder Frauen oder Angehörige rassischer Minderheiten, und ich darf hinzufügen, daß sie für die bestqualifizierte Gruppe von Bundesrichtem gehalten
werden, die je von einem Präsidenten der Vereinigten
Staaten nominiert worden ist.
Im letzten Jahr wurden im Privatsektor unserer Wirtschaft mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den vorigen vier Jahren zusammengenommen. Die Arbeitslosenquote ist gesunken, ebenso die Zinssätze, und die
Investitionstätigkeit ist gestiegen. Millionen von Angehörigen der amerikanischen Mittelschicht haben ihre
Häuser refinanziert und neue Unternehmen gegründet. All dies ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Wir bemühen uns energisch um den Schutz der Rechte, die hart erkämpft wurden. Amerikanische Arbeitnehmer sollten keine Angst vor dem Verlust ihres
Arbeitsplatzes aufgrund von Diskriminierung haben.
Unter Arbeitsminister Bob Reich hat das Büro des
Arbeitsministeriumsfürdie Einhaltung von Bundesverträgen mehr als 34,5 Millionen Dollar an Gehaltsnachzahlungen oder anderen finanziellen Vergütungen für
die Opfer rassischer Diskriminierung aufgebracht. Das
ist im Vergleich zum Vorjahr ein großer Anstieg. Wir
hatten eine Rekordzahl von Diskriminierungen im Bereich
des Wohnungswesens zu verzeichnen - einen 35prozentigen Anstieg im Vergleich zum vorigen Jahr. Wir
bemühen uns um die Bekämpfung der Diskriminierung
bei der Darlehensvergabe, denn wenn die Menschen
kein Geld aufnehmen können, können sie auch kein
Geschäft eröffnen, Arbeitnehmer einstellen und Arbeitsplätze schaffen.

Es war eine bemerkenswerte Reise - zum Auf bau einer
sichereren Welt, einer demokratischeren Welt, einer

AMERIKA DIENST 4

Seite 3

�Erst letzte Woche haben wir in konzertierten Anstrengungen unter der Führung von Wohnungsbauminister
Henry Cisneros - der eigentlich heute kommen wollte,
sich aber jetzt auf dem Weg nach Los Angeles befindet, um sich mit den Folgen des Erdbebens zu befassen - in Vidor (Texas) ein häßliches Kapitel in der
Geschichte der Diskriminierung beendet. Unter dem
Schutz von Bundesvollzugsbeamten, FBI-Agenten und
der Polizei sowie mit Unterstützung der dort lebenden
anständigen Menschen machte eine Gruppe mutiger
und entschlossener Afroamerikaner endlich Sozialwohnungen für Farbige zugänglich.
Heute verspreche ich Ihnen eine fortgesetzte und
aggressive Umsetzung des Gesetzes überdiegerechte Vergabe von Wohnungen. Ich werde gleich einen
Präsidialerlaß unterzeichnen, mit dem zum ersten Mal
das ganze Gewicht der Bundesregierung zur Unterstützung der Bemühungen um gleiches Wohnrecht für
alle eingesetzt wird. Wir werden keine Verletzung des
Rechts aller Amerikaner auf diese Wohnmöglichkeit
tolerieren.
Aber, meine amerikanischen Mitbürger, das Nichtvorhandensein von Diskriminierung ist nicht dasselbe wie
das Vorhandensein von Chancen. Es ist nicht dasselbe, als wenn man die Sicherheit besitzt, die für das
eigene Leben, die Gründung einer Familie und einer
Gemeinde von Bedeutung ist. Folglich ist es unsere
Pflicht, diesen noch nicht beendeten Kampf gegen
Diskriminierung fortzusetzen. Das wollen und müssen
wir. Aber das ist nicht dasselbe wie das Vorhandensein von Chancen.
Das ist der Kampf, mit dem sich Rußland und die
anderen ehemals kommunistischen Volkswirtschaften
konfrontiert sehen. Sie haben das Wahlrecht. Und das
ist gut so. Aber wie lange wird es dauern, bis ihre Wahl
die von allen demokratischen Bürgern gewünschten
Ergebnisse erzielt, so daß die Menschen die Früchte
ihrer Arbeit ernten und ihre Familien die von Gott
gegebenen Fähigkeiten verwirklichen können? Das ist
unsere Aufgabe.
Aus diesem Grund ist das Programm für den Nationalen Sozialdienst so wichtig, und ich habe mich gefreut,
daß Herr DeBose mich heute hier einführte, denn der
nationale Dienst ist Teil unserer Bestrebungen zur
Schaffung von Chancen, indem Gemeinden von der
Basis aufgebaut werden und gleichzeitig den jungen
Menschen die Gelegenheit gegeben wird, einen Teil
ihrer Studiengebühren zu bezahlen. Und es ist Bestandteil der Arbeit des Bildungsministers, der heute
anwesend ist und versucht hat, die Art und Weise der
Finanzierung des Studiums zu revolutionieren.
Wir wissen, daß zur Zeit ausnahmlos alle Menschen
nicht nur einen Highschool-Abschluß benötigen, sondern danach zumindest eine zweijährige Ausbildung in
der Wirtschaft. Wir wissen das, aber wir sind nicht
darauf eingestellt. Unsere Administration arbeitet unter

Seite 4

der Führung des Bildungs- und des Arbeitsministers
am Aufbau eines Systems, das es allen HighschoolAbgängern ermöglicht, noch eine zweijährige Weiterbildung am Arbeitsplatz, im Dienstleistungsbereich
oder in der Schule zu durchlaufen. Und wir tun wirklich
unser Bestes um sicherzustellen, daß die Studiengebühren die Lernwilligen nicht abschrecken, indem wir
das gesamte Programm zur Gewährung von Darlehen
an Studenten umorganisieren.
Im vergangenen Jahr nahm der Kongreß unseren Plan
an, der eine Reorganisation des Darlehensprogramms
für Studenten, eine Senkung der Zinssätze sowie eine
zeitliche Aufteilung der Rückzahlungen vorsieht und
letztere an das Einkommen anstelle der während des
Studiums ausgeliehenen Summe bindet. Niemand
sollte aus Kostengründen auf eine Collegeausbildung
verzichten müssen.
Um ein weiteres Beispiel für das Vorhandensein von
Chancen zu geben: Am heutigen Gedenktag für
Martin Luther King traf ich mit einer Gruppe von
Vertretern der Wirtschaft zusammen und forderte sie
dazu auf, mit den Gemeinden, die es am dringendsten
benötigen, eine aktive Partnerschaft einzugehen. Wir
haben seit Martin Luther King lebte und starb immer
wieder gelernt, daß es selbst in Zeiten starken Wirtschaftswachstums Gebiete in den Innenstädten und
im ländlichen Amerika gibt, die vom wirtschaftlichen
Fortschritt vollkommen ausgeschlossen sind.
Wenn es uns nicht gelingt, unsere Gemeinden wieder
von der Basis aufzubauen und die Gemeindeinstitutionen so wiederherzustellen, daß sie Arbeit, Familie und
Kinder unterstützen, werden Millionen von Amerikanern nicht in den Genuß des Amerikanischen Traums
kommen.
Aus diesem Grund haben wir heute die Einrichtung von
104 sogenannten Ermächtigungszonen und Unternehmensgemeinschaften bekanntgegeben, durch die
etwas bewirkt werden kann, durch die die Menschen
an der Basis die Möglichkeit erhalten, diejenigen auszubilden und einzustellen, die sonst für eine Generation verloren wären. Genau das hätte Martin Luther
King von uns verlangt - nicht nur die Diskriminierung
abzuschaffen, sondern Möglichkeiten anzubieten.
Und schließlich möchte ich noch darauf hinweisen,
daß wir das nie tun können, wenn wir nicht den
Menschen die Chance geben, ein friedliches und sinnvolles Leben zu führen. Die wichtigste Erfahrung, die
ich als Ihr Präsident während der vergangenen Monate
hier gemacht habe, war meines Erachtens die Gelegenheit, nach Memphis zu reisen und von der Kanzel,
von der Dr. King seine letzte Rede hielt, zu 5.000
Geistlichen der Church of God and Christ zu sprechen
- viele von ihnen meine langjährigen Freunde - und
ihnen mitzuteilen, daß Martin Luther King nicht lebte
und starb, damit junge Menschen das Recht haben,
sich auf der Straße gegenseitig zu erschießen.

AMERIKA DIENST 4

�Ich bin mit Stolz erfüllt, daß ich die Chance hatte, zu
einer Zeit Präsident zu sein, in der die Vereinigten
Staaten ein Abkommen mit Rußland, der Ukraine,
Belarus und Kasachstan über den Abbau von Massenvernichtungswaffen abschlössen. Aber dennoch gelingt es uns nicht, die Schulen in unserem Land frei von
Waffen zum machen.

meinden Verbrechen verhindern kann. Gesetze können eine Hilfe sein.

Martin Luther King hätte uns wohl gefragt, warum das
so ist. Herr DeBose stand auf und zitierte, jeder könne
Größe erlangen, da jeder dienen könne - wohl die
wunderbarsten Worte aus dem Munde Martin Luther
Kings. Ich sage Ihnen heute: "Wir müssen uns fragen,
welche persönliche Verantwortung wir tragen, in dieser Zeit zu dienen." Und wenn wir diese Widersprüche
nicht erklären können, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Wir wissen vielleicht nicht alle Antworten
- keiner von uns. Ich kann von Ihnen nicht erwarten,
daß Sie sie haben. Auch ich als Präsident weiß sie
nicht. Aber ich kenne die Probleme und Sie ebenso.
Und wir wissen, daß es Dinge gibt, durch die etwas
bewirkt werden kann. Wir haben in unserer Zeit die
Pflicht, etwas zu bewirken. Es gibt zu viele Fragen, die
wir heute nicht beantworten können.

Dr. King erklärte: "Menschlicher Fortschritt rollt nie auf
den Rädern der Unvermeidbarkeit heran. Er wird
durch die unermüdlichen Anstrengungen und die zähe
Arbeit der engagierten Menschen herbeigeführt, die
Mitarbeiter Gottes sein wollen. Und ohne diese harte
Arbeit wird die Zeit selbst ein Verbündeter der primitiven Kräfte der Stagnation. Somit müssen wir der Zeit
helfen, müssen wir erkennen, daß immer die rechte
Zeit ist, etwas Rechtes zu tun." Ferner erklärte er:
"Zeit ist neutral". "Zeit kann entweder konstruktiv oder
destruktiv sein. Alles, was er von jedem einzelnen von
uns verlangte, war, ein wenig Zeit aufzubringen."

Martin Luther King hat uns jedoch auch daran erinnert,
daß Gesetze über das Verhalten der Menschen, aber
nicht über ihr Herz gebieten können. Daher müssen
wir meines Erachtens das anstreben, was Abraham
Lincoln "die besseren Engel unserer Natur" genannt
Ich bin mit Stolz erfüllt, daß wir unter der Führung des hat. Und wir alle tragen in diesem Bereich VerantworVizepräsidenten eine aggressive Hochtechnologiepo- tung. Bei seiner Rede hier in Howard stellte Martin
litik verfolgen, die uns dabei helfen wird, diese Nation Luther King eine Behauptung auf, über die ich heute
in ein gigantisches Spitzentechnologieland zu verwan- nachdachte, als Herr DeBose mich einführte und seideln, so daß wir voneinander lernen und miteinander in nem Stolz über den von Dr. King hier geleisteten Dienst
Verbindung stehen können. Aber dennoch gelingt es Ausdruck verlieh sowie darüber, wie er die Köpfe und
uns nicht, die Straßen für unsere Kinder sicher zu Herzen der Menschen verändert hatte, mit denen und
für die er arbeitete.
machen.

Werden wir Martin Luther King freudig oder traurig
über die Art und Weise stimmen, wir wir unsere Zeit
nutzen? In Amerika finden heutzutage jede Minute
zwei schwere Überfälle, sechs Einbrüche und drei
Dr. King erklärte: "Die Menschen hassen einander, Gewaltverbrechen statt, und dreimal pro Stunde wird
weil sie einander fürchten. Sie fürchten einander, weil ein Mord verübt. Denken Sie darüber nach. Innerhalb
sie einander nicht kennen. Sie kennen einander nicht, desselben Zeitraums können zwei aus ganz verschieweil sie nicht miteinander kommunizieren können. Sie denen Welten stammende Männer wir Arafat und
können nicht miteinander kommunizieren, weil sie Rabin sich die Hand reichen und sich auf einen neuen
voneinander getrennt sind." Wir alle müssen darüber Weg zum Frieden machen. Ein führender Politiker
nachdenken. Wir müssen in diesem Land noch viele kann darin übereinstimmen, daß sein Land das drittMauern niederreißen, viele Spaltungen überwinden, größte Atomwaffenarsenal der Welt aufgeben muß.
und wir müssen mit offenen Gesprächen beginnen, Innerhalb von einer Minute können die Menschen eine
ehrlich aufeinander zugehen in der klaren Erkenntnis, bedeutende Wende zum Positiven bewirken. Sie
daß sich keiner von uns verstecken kann. Hier handelt entscheiden, im Autobus auf einem Platz sitzen zu
es sich nicht um ein Problem der Rasse, es ist das bleiben, anstatt sich zu den hinteren Sitzen zu begeProblem der amerikanischen Familie. Und wir wären ben. Sie entscheiden, in die Schule zu gehen, anstatt
gut beraten, es als Familie zu lösen.
sich abschrecken zu lassen. Sie beschließen, sich
zum Mittagessen an eine Theke zu setzen, auch wenn
Gesetze können dabei eine Hilfe sein. Aus diesem sie an diesem Tag nicht bedient werden. Sie beGrund wollte ich das Brady-Gesetz verabschieden. schließen, eine Ausbildung zu machen, selbst wenn
Aus diesem Grund möchte ich diese bedrohlichen sie nicht sicher sind, daß am Ende des Regenbogens
Waffen aus dem Verkehr ziehen. Aus diesem Grund ein Topf Gold wartet. Sie bemühen sich, eine sichere
möchte ich eine Vielzahl anderer Dinge tun, die uns Wohngegend zu schaffen, damit ihre Kinder wieder
dabei helfen, mit der wahnsinnigen Gewalt auf unse- einen winzigen Park haben, in dem sie ohne Angst
ren Straßen fertigzuwerden. Aus diesem Grund forde- spielen können. Sie halten ihre Familien zusammen,
re ich mehr Polizisten - nicht nur zur Verfolgung von obwohl sie so leicht auseinanderbrechen. Und sie
Verbrechen, sondern ebenso zu ihrer Verhütung. Wir bemühen sich, einem Kind das Gefühl zu geben, daß
wissen, daß eine gute Arbeit der Polizei in den Ge- es wichtig ist, geliebt wird und eine Zukunft hat.

AMERIKA DIENST 4

Seite 5

�Wenn ich darüber nachdenke, bin ich oft traurig, daß
Martin Luther King auf dieser Welt so wenige kostbare
Minuten beschert waren. Vor zwei Tagen hätte er
seinen 65. Geburtstag gefeiert. Je älter ich werde,

desto jünger erscheint mirdas Altervon 65 Jahren. Dr.
King hat in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit sehr
viel bewirkt, und meines Erachtens sollten wir dasselbe versuchen. Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 4

�KONGRESS
26. Januar 1994

UMFASSENDE AUSSENPOLITISCHE TAGESORDNUNG
FÜR NEU ZUSAMMENGETRETENEN KONGRESS
Rede zur Lage der Nation leitet neue Sitzungsperiode ein
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton wird seine
jährliche Rede zur Lage der Nation am 25. Januar
1994, dem Tag der Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des 103. Kongresses halten, in der sich die Parlamentarier einer Vielzahl außen- und verteidigungspolitischer Fragen widmen.

Der Haushalt stellt 1994 die Hauptverbindung zwischen Außen- und Innenpolitik dar. In einer Zeit
begrenzter Mittel muß der Kongreß schwierige Entscheidungen zwischen Ausgaben in den Vereinigten
Staaten und den im Zusammenhang mit Amerikas
Rolle in der Welt stehenden treffen.

Obwohl sowohl die Clinton-Administration als auch der
Kongreß sich bevorzugt innenpolitischen Themen
widmen möchten, werden die Politiker innerhalb und
außerhalb des Kongresses außenpolitische Fragen
angehen, die Vorbedingung für die Lösung innenpolitischer Themen sind.

Im Hinblick auf die Verteidigungsausgaben wird erwartet, daß einige Mitglieder im Streitkräfteausschuß des
Senats behaupten werden, die Vereinigten Staaten
senkten ihre Verteidigungsausgaben und den Umfang
ihrer Streitkräfte schneller als realistisch sei, wenn die
Einheit der verbleibenden Streitkräfte beibehalten werden
solle. Der Ausschuß wird unter Umständen vom
nächsten Verteidigungsminister erwarten, daß er dem
Präsidenten eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben empfielt, um die Verteidigungsfähigkeit Amerikas
zu gewährleisten.

Clinton wird sich unmittelbar nach dem NATO-Gipfel
und seiner ersten Reise nach Ru Bland während seiner
Amtszeit als Präsident an den Kongreß wenden. Der
Senat muß seine Aufmerksamkeit unverzüglich der
Nominierung von Kandidaten für zwei wichtige Ämter
widmen - für das Amt des Verteidigungsministers
(William Perry) sowie des Stellvertretenden Außenministers (Strobe Talbott). Kontroversen im Zusammenhang mit der Finanzierungsvorlage des Au ßenministeriums müssen vom Senat schnell beigelegt werden,
und das Repräsentantenhaus wird sich mit der Reform
der Auslandshilfe befassen. Die Debatte über die
Verteidigungsausgaben wird sich wahrscheinlich über
das ganze Jahr hinziehen.
Die herausragende Bedeutung dieser Angelegenheiten in der neuen Sitzungsperiode des Kongresses
demonstriert, daß die Schwierigkeiten der Welt nach
dem Ende des Kalten Krieges eng verbunden sind mit
den Bemühungen um eine Lösung der innenpolitischen Probleme Amerikas. Das Gesundheitswesen,
eine Reform des Wahlsystems und des Sozialwesens,
eine Regulierung des Bankwesens, der Umweltschutz,
das Bildungswesen und die Verbrechensbekämpfung
- Themen, mit denen sich der Kongreß befassen will können nur angegangen werden, wenn die gewählten
Volksvertreter der Komplexität der amerikanischen
Interessen im Ausland ausreichende Aufmerksamkeit
zollen.
AMERIKA DIENST 4

Der neue Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers, William Perry, wird vom neuen Kongreß bei
seiner Anhörung auch über sein Konzept befragt werden,
wann amerikanische Soldaten in potentiellen Kampfgebieten eingesetzt werden sollen, wenn amerikanische Interessen nicht direkt auf dem Spiel stehen.
Einige Parlamentarier stehen Clintons Politik gegenüber Haiti und Somalia besonders kritisch gegenüber.
Die Frage der Verteidigungsausgaben wird während
der gesamten Sitzungsperiode des Kongresses debattiert. Die grundlegende Umstrukturierung des
Verteidigungsministeriums unter Verteidigungsminister Aspin im vergangenen Jahr führte zum Vorschlag
der Administration, für das Haushaltsjahr 1995 Verteidigungsausgaben in Höhe von 261 Milliarden Dollar
vorzusehen. Der US-Haushartsbehörde zufolge werden jedoch die Inflation und Gehaltserhöhungen fürdie
Streitkräfte ungefähr 31 Milliarden Dollar mehr erforderlich machen, wenn die Vereinigten Staaten ihre
Fähigkeit aufrechterhalten wollen, zwei gleichzeitig
stattfindende Kriege zu führen und zu gewinnen. Die
Administration ist nicht bereit, weitere Aufwendungen

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�in dieser Höhe zu bewilligen, aber viele gemäßigte
Demokraten werden voraussichtlich gemeinsam mit
den Republikanern der Opposition für höhere Mittel
stimmen.
Talbott ist Außerordentlicher und Bevollmächtigter
Botschafter für die ehemalige Sowjetunion und war
1993 Urheber mehrerer erfolgreicher Maßnahmen für
die neuen unabhängigen Staaten. Unter den Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Senats ist er
äußerst beliebt. Die Anhörung zu seiner Bestätigung
vor diesem Forum könnte jedoch von Fragen über die
Logik weiterer Hilfsleistungen für Rußland angesichts
der jüngsten Wahlen dort beherrscht sein, bei denen
rechtsextreme Nationalisten und imperialistische
Kandidaten einen großen Stimmenanteil auf sich vereinigen konnten.
Obwohl der Stellvertretende Außenminister für gewöhnlich nicht für die Formulierung der amerikanischen Politik gegenüber einer bestimmten Region der
Werl verantwortlich ist, würde Talbott seine Sonderbefugnis für politische Entscheidungen im Hinblick auf
die ehemalige Sowjetunion behalten. Seiner Ansicht
nach bedeuten die jüngsten Ereignisse in Rußland,
daß die amerikanische Wirtschaftshilfe weiterhin unabdingbar für die Förderung von Demokratie in diesem
Land ist, und er wird diesen Standpunkt vordem Senat
voraussichtlich ausdrücklich bekräftigen.
Der erste Tagesordnungspunkt bei der neuen Sitzungsperiode des Senats behandelt von der Admini-

stration unterbreitete Gesetzesvorlagen zur Konsolidierung und Umstrukturierung des staatlich finanzierten internationalen Hörfunks der Vereinigten Staaten,
einschließlich Radio Free Europe, Radio Liberty und
Voice of America (VOA) sowie die Gründung eines
neuen Senders, Radio Free Asia.
Der Auswärtige Ausschuß des Repräsentantenhauses beabsichtigt eine Reihe von Anhörungen zum Plan
der Administration, die Festsetzung und Vergabe
amerikanischer Auslandshilfe zu überarbeiten. Das
Programm würde neue Ziele für Auslandshilfe definieren, wie die Förderung von Demokratie und die Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung, während
veraltete Bestimmungen des 32 Jahre alten Gesetzes
abgeschafft würden.
Der Ausschußvorsitzende Lee Hamilton, einer der
geachtetsten und einflußreichsten außenpolitischen
Experten im Kongreß, prognostiziert starken Widerstand im Kongreß gegen das außenpolitische Reformpaket des Präsidenten. Die Mitglieder sind sich im
allgemeinen der Notwendigkeit von Reformen bewu ßt,
insbesondere der Beendigung von Transaktionen auf
Regierungsebene zugunsten der Förderung von
Maßnahmen zum Aufbau der Demokratie. Zahlreiche
Gesetzgeber sehen die Pläne jedoch auch als einen
Weg der Administration, den Kongreß aus dem Entscheidungsfindungsprozeß bei der Zuweisung von
Auslandshilfegeldern auszuschließen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 4

�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26. Januar 1994

FRANKFURTER BUSINESS INFORMATION
CENTER IST WICHTIGES SYMBOL
Eröffnungsansprache von Botschafter Holbrooke
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Richard C. Holbrooke anläßlich der Eröffnung des gemeinsamen Informationszentrums der Handelsabteilung und des US-Informationsamts
(FCS-USIS Business Information Center) im Amerika Haus Frankfurt am 18. Januar 1994.

Herzlichen Dank, daß Sie so zahlreich erschienen
sind. Ich werde gleich drei Redner vorstellen, und
dann werden wir das Business Information Center im
Amerika Haus einweihen, dessen Funktion der Generalkonsul bereits beschrieben hat. Um Mißverständnissen vorzubeugen - wir eröffnen heute nicht das
Wasserkraftwerk in einem großen Fluß. Dies ist nicht
ein bahnbrechendes Ereignis in den Annalen der
Geschichte. Es steht als Symbol dessen, was wir
unter der Clinton-Administration in Deutschland zu
leisten beabsichtigen, und aus diesem Grund sind
heute drei wichtige amerikanische Ministerien durch
Besucher aus Washington hier vertreten.
Das US-Informationsamt (United States Information
Agency - USIA) besteht seit 1953, die Handelsabteilung des US-Wirtschaftsministeriums seit 1980/81.
Sie haben bisher getrennt operiert. In diesem historischen Gebäude, dem Amerika Haus, bitten wir sie um
Zusammenarbeit. Dassebe wollen wir in ganz Deutschland tun, denn in der modernen Welt mit knapperen
Ressourcen für zunehmende Anforderungen ist es
unabdingbar, daß wir der deutschen und amerikanischen Öffentlichkeit effizienter Rechnung tragen. Die
Einrichtungen der Handelsabteilung befanden sich im
Generalkonsulat hinter von Marineinfanteristen bewachten Türen und waren relativ unzugänglich. Das
Kulturzentrum des Amerika Hauses war seit über 40
Jahren eine lebenswichtige Komponente des deutschen Lebens und des deutsch-amerikanischen Dialogs. Wir sahen nichts Negatives und viel Positives
darin, sie zusammenzulegen. Was Sie heute sehen,
ist nur der Anfang einer neuen Politik, mit der wir das
traditionelle Engagement der Vereinigten Staaten für
Deutschland um zusätzliche Themen bereichern wollen.

AMERIKA DIENST 4

Zunächst möchte ich kurz dieses Engagement erläutern. Es ist ungebrochen. Wir ziehen unsere Truppen
aus Deutschland nicht zurück - ich höre immer wieder
den Ausdruck 'Abzug' - sondern bauen unsere Truppen im Einklang mit dieser Veränderung der globalen
Situation ab. In zwei Jahren wird es in Frankfurt keine
Truppen mehr geben, und in neun Monaten wird es in
Berlin keine Truppen mehr geben, es werden jedoch
65.000 amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert sein und unsere Verpflichtung zur NATO besteht
unverändert. Präsident Clinton hat gerade eine historische Reise durch Europa beendet, bei der er unter
anderem seine Pläne für die Partnerschaft für Frieden
darlegte. Diese Pläne waren sorgfältig mit der Bundesregierung koordiniert. Aber in der Zeit nach dem
Kalten Krieg - ich bin heute allerdings nicht hier, um
strategische Fragen zu erörtern, so wichtig sie auch
sein mögen - müssen die Vereinigten Staaten und
Deutschland andere Komponenten ihrer Beziehungen
ausmachen, die mit der Verringerung der amerikanischen Militärpräsenz an Bedeutung gewinnen.
An oberster Stelle stehen dabei Kultur und Handel, die
aus der Sicht der US-Regierung unter die Zuständigkeit von USIA und des Wirtschaftsministeriums fallen.
Was Sie heute also in dem anderen Raum sehen,
wenn wir die kurzen Reden hier beendet haben, ist die
physische Manifestation, der Eckpfeiler einer Politik,
die bürokratische Barrieren ohne zusätzliche Kosten
für den amerikanischen Steuerzahler abbauen und für
Deutsche und Amerikaner gleichermaßen bessere
Ergebnisse hervorbringen wird.
Wir unternehmen noch mehr- wir bitten unsere Konsularbeamten, Vertreter der Wirtschaft zu werden. Irgendwo in diesem Raum ist mein Freund und Kollege,

Seite 1

�Norm Singer. Wo bist Du, Norm? Da ist er. Norm ist
Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen und verantwortlichfürdie Koordinierung, die Leitung und Überwachung konsularischer Angelegenheiten an allen USKonsulaten in der Bundesrepublik Deutschland. Norm
bildet seine Konsularbeamten zu Wirtschaftsbeamten
aus. Wir werden Visen für Geschäftsleute beschleunigt bearbeiten. Wir werden versuchen, jeden VisumAntragsteller mit den Wirtschaftsmöglichkeiten in den
Staaten vertraut zu machen. Konsularbeamte werden
eine wirtschaftliche Fachausbildung erhalten, die bereits begonnen hat. Wir werden unsere Anstrengungen bei den Handels- und Nahrungsmittelmessen intensivieren, die eine so wichtige Komponente des
deutschen Wirtschaftslebens sind, und wir werden wie bereits erwähnt - das Generalkonsulat in Düsseldorf mit Konzentration auf Wirtschaftsaktivitäten wiedereröffnen sowie einen Beamten nach Düsseldorf
entsenden, der nicht nur Deutsch, sondern auch Japanisch spricht. Diejenigen, die lachen, sind sich vielleicht nicht bewußt, daß in Düsseldorf 30.000 Japaner
leben, und Düsseldorf ein außerordentlich wichtiges
Handelszentrum ist. Wir haben unser Generalkonsulat dort vor fünf Jahren geschlossen. Die Umstände
haben sich jedoch gewandelt, und deshalb eröffnen wir
es wieder.
Wir werden ein besonderes Programm für Berlin entwerfen, das wir später bekanntgeben. Mit all diesen
Aktivitäten wollen wir - wie ich bereits erwähnte - die
bürokratischen Barrieren abbauen, und ich bin besonders erfreut, daß Penn Kemble heute zusammen mit
Jeff Garten als Vertreter von USIA anwesend ist- ein
klassisches Beispiel eines amerikanischen Amts, das
unter bestimmten Umständen - dem Höhepunkt des
Kalten Krieges - gegründet wurde und sich jetzt rasch
an andere Gegebenheiten anpaßt. Ich möchte Ihnen
nochmals danken, daß Sie gekommen sind und Sie
alle bitten, Ihren Freunden und Geschäftspartnern zu
erzählen, was wir hier aufzubauen versuchen. Wir
haben das Amerika Haus gewählt, weil es immer ein
Zentrum des deutsch-amerikanischen Austauschs war,
und wir haben uns aus offensichtlichen Gründen für
Frankfurt als Ausgangsbasis entschieden. Wir sind
erfreut, daß die beiden großartigen Behörden, USIA
und das Wirtschaftsministerium, zugestimmt haben

Seite 2

und hoffen, dieses Experiment wird ein Erfolg. Ich bin
zuversichtlich, daß dies der Fall sein wird.
Ich werde Ihnen drei Redner vorstellen. Ich werde sie
alle jetzt vorstellen, und sie dann nacheinander sprechen lassen. Als ersten bitte ich Penn Kemble, den
renommierten Stellvertretenden Direktor des US-Informationsamts, einige Worte zu seiner Rolle und
Aufgabe zu sagen. Dann den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Jeff Garten, und schließlich Botschafter Paul Cleveland. Ein paar kurze Worte über
jeden, denn ich kenne sie alle seit zehn bis siebzehn
Jahren. Penn Kemble ist ein renommierter außenpolitischer Praktiker, der während der letzten zehn Jahre
in wichtigen Ämtern unter beiden Parteien tätig war. Er
ist das Sprachrohr der neuen Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Jeff Garten, ein Kollege von mir im USAu ßenministeriu m unter der Carter-Administration, als
er Stellvertretender Direktor für politische Planung
war, ein Kollege von mir, als wir beide in den achtziger
Jahren Partner bei Lehman Brothers an der Wall Street
waren, und jetzt wieder ein Kollege von mir im Wirtschaftsministerium, ist der dynamische Leiter einer
sehr großen Handelsabteilung mit der gesetzlich verankerten Verantwortung zu Exportförderung, Durchsetzung bestimmter, den Export betreffender Gesetze,
und Überwachung des riesigen weltweiten Netzes von
Aktivitäten, und darüber hinaus ist er der Vorsitzende
eine Komitees zur Förderung von Handelsexporten,
das die Politik der Vereinigten Staaten in diesem
Bereich überarbeitet. Schließlich Paul Cleveland, ein
Kollege aus meiner Zeit in Ostasien, der mit mir
zusammen im Büro für ostasiatische Angelegenheiten
gearbeitet hat, und jetzt von Warren Christopher zu
seinem persönlichen Referenten im Rang eines Botschafters ernannt wurde, der ihm bereits als Botschafter in Ostasien verliehen worden war, um im USAußenministerium das "Amerikanische" Büro zu leiten, wie wir es inoffiziell nennen. Er ist der Emissär des
State Department für amerikanische Unternehmen.
Das sind Ihre Redner. Ich werde Penn bitten, zuerst zu
sprechen, Jeff als zweiter und dann Paul, der hier den
Außenminister vertritt, und danach werde ich einige
abschließende Worte sagen.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 4

�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26. Januar 1994

ERÖFFNUNG DES BUSINESS INFORMATION
CENTER IN FRANKFURT
Ansprache von Staatssekretär Garten
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Staatssekretär für Welthandel im Wirtschaftsministerium, Jeffrey E. Garten, am 18. Januar 1994 aus Anlaß der Eröffnung des gemeinsamen Informationszentrums der Handelsabteilung und des US-Informationsamts (FCS-USIS Business Information Center) im Amerika
Haus Frankfurt gehaltene Rede.

Diese Veranstaltung ist für mich aus mehreren Gründen von großer Bedeutung. Wie ich heute bereits
erwähnte, bin ich in Deutschland aufgewachsen, zu
einer Zeit, in der militärische und sicherheitspolitische
Aspekte im Zentrum der deutsch-amerikanischen
Beziehungen standen. Später, in den achtziger Jahren, kam ich als Börsenmakler hierher, als Deutschland eines der beiden Länder mit hohem Kapitalüberschuß war. Und jetzt habe ich die Ehre und das
Vergnügen, als Regierungsvertreter hier zu sein während sich die Natur unserer Beziehungen erneut
wandelt - und das Vergnügen, an diesem meines
Erachtens symbolträchtigen und äußerst bedeutenden Ereignis teilzunehmen, das eine Verbindung zwischen Handel und Kultur herstellt.

zu versuchen, um unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit ihm zu vertiefen und zu modernisieren.
Dieses Land ist Deutschland.

Als Vertreter des Wirtschaftsministeriums freue ich
mich besonders, Ihnen - aus der Perspektive Washingtons- mitteilen zu können, daß diese Einrichtung für
eine sehr wichtige Entwicklung steht.

Es ist, um mit den Worten von Botschafter Holbrooke
zu sprechen, eine Leistung, die Mittel verschiedener
Behörden und Ämter der amerikanischen Regierung
zu bündeln. Das war nicht immer einfach, aber zumindest in Deutschland - wie das Business Information
Center des Amerika Hauses symbolisiert - sind das
US-Wirtschaftsministerium, das US-Außenministerium
und das US-Informationsamt geeint in ihrer Entschlossenheit, größte Anstrengungen zu unternehmen, um
Handel und Kultur zum Mittelpunkt unseres Engagements zu machen. Ich freue mich, hier zu sein.

In Washington prüfen wir unsere Beziehungen zu allen
Ländern, und es ist kein Geheimnis, daß die Wirtschaftsinteressen Amerikas zunehmend auf Asien und
Lateinamerika gerichtet sind.
Wir haben jedoch die Entscheidung getroffen, daß es
einen Industriestaat gibt, bei dem wir es uns nicht
leisten können, nicht alles in unserer Macht Stehende

Heute morgen sprach ich über ein neues, von uns
entwickeltes Programm - nicht nur vom Wirtschaftsministerium, sondern von der Clinton-Administration das den Namen Showcase Germany (Aushängeschild Deutschland) trägt. Dieses Programm entwarfen wir gemeinsam mit Botschafter Holbrooke um
sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten im Bereich des Handels weiterhin in Deutschland aktiv bleiben. Meines Erachtens symbolisiert das heutige Ereignis
in ausgezeichneter Weise diese Entschlossenheit
unsererseits.

Vielen Dank.

* * * *

AMERIKA DIENST 4

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�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26.Januar 1994

DEUTSCH-AMERIKANISCHE
HANDELSBEZIEHUNGEN BEISPIELHAFT
Ansprache von Botschafter Cleveiand
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter Paul Cleveiand, dem Koordinator für
Wirtschaftsfragen des US-Außenministeriums, aus Anlaß der Eröffnung des Business Information Center im
Amerika Haus Frankfurt am 18. Januar 1994 gehaltene Rede.

Es ist schön, wieder hier in Frankfurt zu sein. Erste
Verbindungen zu dieser Stadt hatte ich Mitte der
fünfziger Jahre als junger Pilot der US-Luftwaffe auf
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein Main. Aus diesem
Grund freue ich mich besonders, wieder hier zu sein.

ein wichtiges neues Kapitel der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen. Unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sind seit
Beginn der Nachkriegszeit zum großen Nutzen
unserer beiden Länder stetig gewachsen.

Es scheint mir besonders angemessen, daß wir heute
hier zur Eröffnung des Business Information Center
des Amerika Hauses Frankfurt zusammentreffen. Der
Umfang und die Offenheit der deutsch-amerikanischen
Handelsbeziehungen sowie die Qualität und enge
Zusammenarbeit unserer beiden Demokratien dienen
der übrigen Welt als Beispiel. Als zwei der in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht am stärksten entwickelten Nationen der Welt tragen Deutschland und
die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung zum Einsatz ihrer Stärke und ihres gegenseitigen
Verständnisses fürdie Förderung einesoffenen, freien
und fairen Wirtschaftsaustausches sowie der Demokratie auf der ganzen Welt. Wenn wir dabei Erfolg
haben, wird dieses Informationszentrum, dieses Geschäftszentrum, das wir heute eröffnen, mehr als ein
praktisches Lehrzentrum werden, das ein weiteres
Bindeglied zwischen unseren Nationen ist. Es wird zu
einem Symbol der beispielhaften bilateralen Partnerschaft werden, von der die ganze Welt Nutzen ziehen
und lernen kann. Und mir scheint, daß das ein passendes Ende des heute Begonnenen wäre.

Durch Direktinvestitionen in Deutschland haben
amerikanische Unternehmen einen bedeutenden Beitrag zum zügigen Wiederaufbau der
Bundesrepublik geleistet. Amerikanische Firmen spielen eine führende Rolle unter den Investoren in den neuen Bundesländern. Der Vorteil
für Amerika besteht darin, daß deutsche Firmen
zunehmend in den Vereinigten Staaten investieren.

In Anerkennu ng dieser Tatsache sowie der Bedeutu ng
dieses Ereignisses ist es meine Pflicht, eine große
Ehre und ein Vergnügen, Ihnen am heutigen Nachmittag die folgende Botschaft von Au ßenminister Warren
Christopher übermitteln zu dürfen:

Die Eröffnung des Business Information Center
im Amerika Haus unterstreicht ferner unser Engagement für die Unterstützung amerikanischer
Geschäftsinteressen in Deutschland und auf
der ganzen Welt. Unsere Botschaft und unsere
Konsulate bieten auch Ressourcen für amerikanische und ausländische Geschäftsleute, die
Informationen und professionelle Hilfe benöti-

"Die heutige Eröffnung des Business Information Center im Amerika Haus Frankfurt markiert

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Präsident Clinton hat Wirtschaftsfragen in den
Mittelpunkt unserer Außenpolitik gestellt. Wie
der erfolgreiche Abschluß der Uruguay-Runde
des GATT und des NAFTA demonstrieren, hat
er seine Administration zum Abbau der Handels- und Investitionshemmnisse sowie zur
Öffnung von Märkten für amerikanische Unternehmen verpflichtet. Auslandsinvestitionen gehen
Hand in Hand mit dem Welthandel. Durch die
weitere Öffnung unserer Märkte für Produkte
und Investitionen des jeweils anderen Landes
stärken wir unsere eigene Konkurrenzfähigkeit.

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�gen. Durch die Unterstützung deutscher Geschäftsleute bei der Vermittlung von Informationen und den Bemühungen um Zugang zu ihren
amerikanischen Kollegen gewährleistet diese
Einrichtung auch in Zukunft lebhafte Handelsbeziehungen.
Deutschland spielt auch eine bedeutende Rolle
bei unserem gemeinsamen Interesse an der
Stärkung der Demokratie in Osteuropa. Demokratie ist eng verbunden mit Wohlstand. Die
Ausweitung des Handels zwischen Deutsch-

land und den Vereinigten Staaten wird nicht nur
für unsere beiden Länder, sondern auch für die
Nachbarn Deutschlands von Vorteil sein.
Ich entbiete Ihnen meine Glückwünsche zur
Eröffnung des Zentrums und fordere die Vertreter der Wirtschaft dazu auf, diese Einrichtung
optimal zu nutzen, während sie die interessanten wirtschaftlichen Möglichkeiten in Europa
und Amerika erforschen."
Ich danke Ihnen.

* * Ä* tC
* "K*

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�PORTRAT
26.Januar 1994

WILLIAM PERRY - KENNER DES PENTAGON
UND ABRÜSTUNGSEXPERTE
Porträt des designierten Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - Am 24. Januar 1994 nominierte Präsident Clinton den Stellvertretenden Verteidigungsminister William Perry für das Amt des künftigen Verteidigungsministers. Der Vertreter von Les Aspin war unter
der Carter-Administration Staatssekretär im Pentagon und ist ein führender Förderer der Stealth-BomberTechnologie ('Tarnkappenbomber")- Die von ihm entworfenen Sonderfinanzierungsbestimmungen ermöglichten die geheime Entwicklung dieser Technologie.

Der designierte Verteidigungsminister ist ein Kenner
des Pentagon, erfolgreicher Unternehmensleiter in der
Verteidigungsindustrie, Mathematiker und Akademiker mit Erfahrung im Bereich der Rüstungskontrolle.
In seiner Eigenschaft als Stellvertretender Au ßenminister war Perry nahezu ein Jahr lang einer der Berater
des Präsidenten für Militärtechnologie und Verteidigungsminister Les Aspins rechte Hand. Als Clinton
Anfang 1993 Perry erneut nach Washington berief,
stellteder Präsident fest, erund Verteidigungsminister
Aspin würden sich "bei ihren Bestrebungen, die amerikanischen Streitkräfte in einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe weiterhin als weltweit stärkstes Militär
beizubehalten auf Perrys Wissen, Ideenreichtum und
Urteilsvermögen verlassen".

Outstanding Service Medal der US-Armee ausgezeichnet.
Der 67jährige designierte Verteidigungsminister studierte Mathematik und erwarb seine gesamten Universitätsabschlüsse - einschließlich des Doktortitels - auf
diesem Gebiet. Er studierte in Stanford und an der
Pennsylvania State University.
In Stanford erhielt Perry eine Professur an der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät sowie das Amt eines
Ko-Direktors im Center for International Security and
Arms Control. Er ist Mitglied der National Academy of
Engineering, Fellow an der American Academy of Arts
and Sciences und gehört dem Ausschu ß für internationale Sicherheit und Rüstungskontrolle der National
Academy of Science an.

Bei der Bekanntgabe der Nominierung Perrys für das
Amt an der Spitze des Pentagon wies der Präsident
darauf hin, sein Kandidat habe bedeutende Verteidigungsfragen maßgeblich beeinflußt sowie die äußerst
schwierige Aufgabe gehabt, das Beschaffungswesen
des Ministeriums zu reformieren und den viele Millionen Dollar betragenden Verteidigungshaushalt zu rationalisieren.

Während seiner beruflichen Laufbahn in der Rüstungsindustrie war Perry als Direktor der United Technologies Corporation, der FMC Corporation und kleinerer
Unternehmen tätig. Er arbeitete für eine auf Hochtechnologieunternehmen spezialisierte Börsenmaklerfirma
in San Francisco und als Direktor von Sylvania/General Telephone's Electronic Defense Laboratories.

Das Amt des Verteidigungsministers wird Perrys dritter Posten im Pentagon sein. Von 1976 bis 1981 diente
er als Staatssekretär für Forschung und Entwicklung.
Unter der Carter-Administration war er verantwortlich
für den Erwerb aller Waffensysteme und die Überwachung von Forschung und Entwicklung im enormen
amerikanischen Militärapparat. Perry wurde mit der

In der Privatwirtschaft war Perry Vorsitzender der
Management-Konsultingfirma Technology Strategies
and Alliances. Er war im Beratungsausschuß der
Regierung für ausländische Nachrichtendienste, Mitglied des technischen Überprüfungsgremiums des
Sonderausschusses des Senats für Nachrichtendienste und Treuhänder der Carnegie-Stiftung für den
Weltfrieden.

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Seite 1

�Perry wurde zweimal die Distinguished Public Service
Medal des US-Verteidigungsministeriums verliehen 1980 und 1981, dem Jahr, in dem ihn die Bundesrepublik Deutschland mit dem Komturkreuz ehrte. 1982
zeichnete ihn Frankreich als Grand Officer de L'Ordre
National du Merite aus.

teausschusses des Senats, Sonny Montgomery, stellte fest, Perry werde "ein ausgezeichneter Minister"
sein, und ein anderes Ausschußmitglied, Senator Joseph
Lieberman, lobte Clintons Wahl mit den Worten, Perry
sei "höchst qualifiziert und verfüge über umfassende
Erfahrung".

Perry zufolge hat das Pentagon "bei der Förderung von
Demokratie eine bedeutende Rolle zu spielen", weil
das amerikanische Militär "zur Vertiefung des Verständnisses der Prinzipien - und Vorteile - der zivilen
Kontrolle des Militärs beitragen kann" durch direkte
Programme auf militärischer Ebene, wie sie jetzt mit
Rußland in die Wege geleitet wurden.

Perry ist sowohl belesen als auch praktisch veranlagt.
Er zitiert häufig Victor Hugo, Winston Churchill und
Graham Greene. Darüber hinaus kennt er die KostenNutzen-Rechnung der Tarntechnologie für Flugzeuge
und war deren Verfechter im Pentagon.

Bei anderen Themen hat Perry seine kontinuierliche
Unterstützung für den ABM-Vertrag zum Ausdruck
gebracht,
jedoch auch erklärt, wenn die Vereinigten
Bei seinen Reisen nach Europa und Asien als StellverStaaten
ein
Stadium erreichen würden, an dem die
treter Aspins betonte Perry immer wieder, Demokratie
Aushandlung
von Änderungen des ABM-Vertrags
"ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist, und die sich als
eindeutig
eine
Verbesserung
der nationalen Sicherheit
kraftvoller als mächtige Armeen erwiesen hat". Perry
darstellen
würde,
dann
sollten
Verhandlungen mit
erklärt, die Vorteile der Demokratie "werden von jedem
Rußland
aufgenommen
werden.
erkannt, der an Frieden und Freiheit glaubt", die
Gewährleistung dieser Vorteile setze jedoch die Erkenntnis voraus, "daß der Zusammenbruch des So- Perry unterstützt ferner enthusiastisch Aspins fortgewjetkommunismus nicht ein Ende aller Bedrohungen setzte Bestrebungen zur Erweiterung der Rolle von
Frauen im Militär, insbesondere bei mit Kampfunterunserer Sicherheit bedeutet".
stützungsoperationen in Zusammenhang stehenden
Perry muß als neuer Chef des Pentagon vom Senat Positionen.
bestätigt werden. Eine erste Stellungnahme des Kapitals
war positiv. Das hochrangige Mitglied des Streitkräf- Perry ist verheiratet und hat drei Söhne und zwei
Töchter. Seine Frau ist beeidigte Wirtschaftsprüferin.

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