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amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
5. Januar 1994

CLINTON-BILANZ

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und
Zielsetzungen des Präsidenten

VEREINTE NATIONEN

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE
FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN AMERIKANISCHE POLITIK
KONZENTRIERT SICH GLEICHZEITIG
AUF EUROPA UND DEN PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili

PORTRAT

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER
WERDEN
Porträt von Strobe Talbott

US-MI LITAR

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward

LITERATUR

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�CLINTON-BILANZ
5. Januar 1994

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und Zielsetzungen des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Während seines ersten Jahres im Weißen Haus hat Präsident Clinton eine Reihe
bahnbrechender Gesetze erlassen, obwohl weder die
Medien noch die Öffentlichkeit die ihm seiner Ansicht
nach gebührende Anerkennung gezollt haben.
Clinton kann 1993 auf eine Leistungsbilanz seiner
Präsidentschaft zurückblicken, die in den letzten Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Seine Initiativen führten
zu weiteren Fortschritten bei der Einkommensteuer,
niedrigen Zinssätzen, Kürzungen beim Zuwachs der
Bundesausgaben und zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen im Privatsektor innerhalb von zehn Monaten als während der vergangenen vier Jahre zusammengenommen.
Clinton artikulierte seine Vision eines neuen Wohlstands, der durch die mit zunehmendem Welthandel
einhergehende Schaffung von Arbeitsplätzen genährt
wird. Mit Appellen seinerseits, Präsidalerlassen oder
indem er dem Kongreß die Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen abrang, scheint Clinton den Grundstein für ein neues Zeitalter amerikanischer Wettbewerbsfähigkeit gelegt zu haben.
Auf dem Weg dorthin hat Clinton - der es angeblich
allen recht machen will - dennoch viele der Lobbyisten
irritiert, die ihm beim Wahlkampf geholfen hatten, und
die Gewerkschaften mit seinem vehementen Drängen
auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(North American Free Trade Agreement - NAFTA)
ebenso verärgert wie sogenannte gemäßigte Demokraten mit seinem Vorschlag für die Gesundheitsreform sowie die Bürgerrechtler, indem er von einem
umstrittenen Kandidaten für die Schlüsselposition im
Justizministerium für Bürgerrechtsfragen Abstand nahm.
Der Präsident stellte jedoch auch Frauengruppen durch
die Liberalisierung der Vorschriften für Schwangerschaftsabbruch, die bürgerlich Gesinnten durch die

AMERIKA DIENST 1

Aufhebung einiger Beschränkungen für die Wählerregistrierung und Umweltschützer durch die Unterzeichnung des Gesetzes zur Erhaltung der Natur zufrieden.
Mit objektiven Maßstäben und zweifelsohne anhand
derer der letzten zwei Jahrzehnte hat der Präsident
umfassende Veränderungen bewirkt.
Er hat die Aktenschränke mit allen festgefahrenen
liberalen Gesetzen buchstäblich leergefegt - mit Ausnahme eines Gesetzes, das den Unternehmern den
Ersatz von Arbeitskräften während eines Streiks verbietet - und versprochen, auf die Verabschiedung
dieses Gesetzes im kommenden Jahr hinzuarbeiten.
Der Präsident unterzeichnete Präsidialerlasse, mit denen
das Verbot von medizinischer Beratung bei Schwangerschaftsabbruch aufgehoben wurde sowie für die
Wiedereinführung der Verwendung von fetalem Gewebe in der Forschung zu Heilverfahren für die Parkinsonsche oder Alzheimersche Krankheit. Er verlieh von
vorherigen Präsidenten abgelehnten Maßnahmen durch
seine Unterschrift Gesetzeskraft, einschließlich der
Brady-Gesetzesvorlage, die Bestimmungen für den
Kauf von Handfeuerwaffen verschärft, den Zusatzartikeln zum Hatch-Gesetz, das Bundesbediensteten eine
aktivere Beteiligung an der Parteipolitik gestattet sowie
weiteren Gesetzen, mit denen die Registrierung von
Wählern erleichtert wird und Arbeitnehmern Urlaubstage aus familiären Gründen ohne Sorge um ihren
Arbeitsplatz gewährt werden.
Der Präsident erhob seine im Wahlkampf gegebenen
Versprechen zu Gesetzen, Ausbildungskredite kostengünstiger zu gestalten, Collegestudenten die
Zahlung von Studiengebühren im Austausch für einen
nationalen Sozialdienst als Polizist, Arzt oder Krankenschwester zu ermöglichen, die Einkommensteuer
für die wohlhabendsten amerikanischen Privatpersonen und Unternehmen zu erhöhen und Richtlinien für
die Modernisierung der Regierung aufzustellen.

Seite 1

�Die beiden herausragendsten Siege waren jedoch der
Erfolg des Präsidenten beim Gesetz zum Abbau des
enormen Haushaltsdefizits des Landes - dank dem
dieses in den nächsten fünf Jahren hoffentlich um
500 Milliarden Dollar verringert werden soll - und dem
Gesetz zur Umsetzung des NAFTA, das bei seiner
vollständigen Verwirklichung eine Freihandelszone von
Alaska bis zur Südgrenze Mexikos schaffen soll.

tiver als ursprünglich angestrebten Politik sind. Andere Kritiker verweisen darauf, daß es Clinton nicht
gelungen sei, ein wirksames Mittel gegen die Verschleppungstaktik der Republikaner im Senat zu finden, die sein Paket wirtschaftlicher Anreize scheitern
ließ.

Beim ersten Sieg hatte er die überwiegende Zustimmung seiner Partei und die kleinstmögliche Mehrheit
von einer Stimme. Den zweiten errang er, indem er
sich einer Vielzahl von Gegnern stellte - dem Unabhängigen Ross Perot, vielen Gewerkschaftsmitgliedern,
die seine Wahl unterstützt hatten, zahlreichen Kritikern
aus der eigenen Partei und sogar einigen ihrer führenden Kongreßabgeordneten. Der Sieg gelang ihm
durch den Aufbau einer wirksamen, überparteilichen
Koalition aller, die überzeugt werden konnten, und zur
Überraschung der meisten Politiker und Politologen
mit einigen überzähligen Stimmen.

Einigen Amerikanern gehen diese Veränderungen nicht
schnell genug vonstatten. Und vielen scheint, daß die
Beurteilung der Ereignisse nicht mit der Realität übereinstimmt.
Einer für Time Magazine und CNN durchgeführten
Umfrage zufolge waren 48 Prozent der Befragten der
Ansicht, der Kongreß habe sich 1993 in einer ebensolchen "Pattsituation" befunden wie 1992, und lediglich
43 Prozent sahen Fortschritte während des Jahres
1993 bei der Überwindung der festgefahrenen Parteiensituation.

Im Rückblick auf die 1993 von ihm erzielten Leistungen
erklärte Clinton in einem kürzlich durchgeführten InterEine ähnliche überparteiliche Koalition unterstützte view der Zeitschrift Rolling Stone, ihm sei von den
Clinton bei der Frage der finanziellen Unterstützung für Medien und folglich auch von der Öffentlichkeit keine
Rußland und die anderen Nachfolgestaaten der ehe- Anerkennung für die Dinge gezollt worden, die er für
maligen Sowjetunion. Obwohl dieses Thema nicht so die Amerikaner getan habe.
umstritten wie das NAFTA war, mußte Clinton den
Andere stimmen dem zu. "Die Tatsache, daß dieser
Kongreß - zu einer Zeit, in der die Abgeordneten ihre
Kongreß sehr produktiv war, gehört in unserem Land
Zustimmung zur Unterstützung der Amerikaner verzu den am besten gehüteten Geheimnissen", erklärte
weigerten - von der Notwendigkeit überzeugen, zwei
Senator John Breaux im Congressional Quarterly.
Milliarden Dollar an Steuergeldern für die Hilfe an
"Die Menschen glauben immer noch, der Kongreß
Rußland beim Übergang zur Demokratie aufzuwenleiste nichts."
den.
Auch in akademischen Kreisen ist man der Ansicht,
Der Kongreß wies einen der schwierigsten Vorschläge daß die Partnerschaft Clintons mit dem Kongreß nicht
des Präsidenten für eine Veränderung zurück, wobei genügend artikuliert wird. "Es ist keine Frage, daß
die Verschleppungstaktik des Senats Clintons Plan dieser Kongreß sehr aktiv und äußerst produktiv war,
zur Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft durch ob einem die erzielten Ergebnisse gefallen oder nicht",
höhere Aufwendungen für die Schaffung von Arbeits- so Roger Davidson, Politologe an der University of
plätzen selbst angesichts des anwachsenden Haus- Maryland.
haltsdefizits scheitern ließ. Dieses Experiment mußte
verschoben werden, um die Annahme anderer Be- Es wäre vielleicht zu euphorisch, die aus der ersten
schränkungen der Staatsausgaben zu erlangen.
Sitzungsperiode des 103. Kongresses gezogene Bilanz mit den Kongressen der "Great Society" unter
Von einigen Kritikern wird behauptet, Clinton sei zu Präsident Lyndon Johnson zur vergleichen - wie dies
kompromißbereit gewesen und hätte Einzelheiten seines einige führende Politiker der Demokraten getan haben
ursprünglichen Konzepts geopfert, um im Kongreß - Analysten behaupten jedoch, daß es in Washington
Stimmen zu gewinnen. Im Hinblick auf seinen Einsatz kein so produktives erstes Amtsjahr eines Präsidenten
für das Recht Homosexueller, im Militär zu dienen, oder Kongresses gegeben habe, seit Johnson 1969
stellen sie beispielsweise fest, wie verschieden Clin- das Amt verließ.
tons im Wahlkampf gemachte Versprechungen zu
diesem strittigen Thema von seiner letztlich viel restrik-

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AMERIKA DIENST 1

�VEREINTE

NATIONEN
5. Januar 1994

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind
erfreut über die im letzten Jahr von den Vereinten
Nationen bei der Durchführung interner Reformen und
dem Umgang mit internationalen Problemen erzielten
Fortschritte.
Der führende UNO-Experte im US-Außenministerium,
Douglas Bennet, Abteilungsleiter für internationale
Organisationen, umriß am 23. Dezember 1993 die
Haftung der Vereinigten Staaten.
Obwohl 1993 "ein von sichtbaren Erfolgen und Fehlschlägen im Bereich der Friedenssicherung gekennzeichnetes Jahr" war, so Bennet, wurde anderen Aktionen der UNO, die zu "einigen substantiellen Fortschritten" führten, wenig Aufmerksamkeit zuteil. Diese
Fortschritte wurden u.a. durch eine Änderung der
amerikanischen Politik möglich, sind aber "teilweise
auf eine grundlegende Änderung des internationalen
Klimas" zurückzuführen.
Präsident Clinton erklärte im September 1993 in seiner
Rede vorder UN-Generalversammlung, die Vereinten
Nationen müßten ihre Funktionsweise neu erfinden.
"Offensichtlich wird eine Anzahl lebensfähiger UNInstitutionen eine viel besser funktionierende Nachbarschaft schaffen", erklärte Bennet, "und wir sind der
Ansicht, daß hierbei wichtige Fortschritte erzielt wurden."
Im letzten Sommer stellten die Vereinigten Staaten
auch eine Liste mit den wichtigsten Zielen der UNGeneralversammlung für ihre Sitzungsperiode im Herbst
auf, die von größerer Rechenschaftspflicht des UNSystems zu Haushaltsfragen und von Menschenrechtsproblemen zu einer veränderten Schubkraft der UNResolutionen über den Nahen Osten reichten. Der
neue Haushalt der UNO sieht keine Ausgabensteigerung und eine bedeutende Umverteilung der Fonds für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten vor,

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was ihm zufolge Prioritäten der Vereinigten Staaten
sind.
Eines der jüngsten und sichtbarsten Ergebnisse der
amerikanischen Führungsrolle in der Weltorganisation
ist ihm zufolge die Einrichtung des Amts eines UNHochkommissars für Menschenrechte - eine von den
Vereinigten Staaten seit Ende der vierziger Jahre
gestellte Forderung. Der Hochkommissar wird ein
Streiter für die Menschenrechte sein, auf die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen hinarbeiten und
den Versuch zum Beginn eines Dialogs mit den Regierungen unternehmen, die Probleme mit den Menschenrechten haben.
Bennet führte drei "ziemlich bedeutende" Errungenschaften der Generalversammlung im Rüstungskontrollbereich an - Resolutionen, die den Abschlu ß eines
umfassenden Vertrags über das Verbot von Atomtests
fordern, die Produktion von spaltbarem Material für
Waffen verbieten und ein Moratorium für den Export
von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen beantragen. Er begrüßte auch die Unterstützungserklärung
der Generalversammlung für den Friedensprozeß im
Nahen Osten.
Anfang 1993 schuf UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
einen Posten mit dem Mandat zur Erfüllung der Aufgaben eines Generalinspekteurs. Dieses Konzept wurde
von der Generalversammlung begrüßt. "Es bleibt
noch mehr zu tun... aber wir sind der Ansicht, daß wir
dieses Jahr hierbei mehr Fortschritte gemacht haben
als erwartet", so Bennet.
Im UN-Sicherheitsrat übten die Vereinigten Staaten
ihm zufolge einen wichtigen Einfluß auf die Beibehaltung der Wirtschaftssanktionen gegen Irak und Libyen
aus.
Bennet wies auch auf die "viel nüchternere Einschätzung" des Sicherheitsrates bei der Erwägung neuer

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�friedenssichemder Operationen hin. "Unser Ansatz
war die Entwicklung von Leitlinien, politischen Maßnahmen, Praktiken, Erfahrungen und Einschätzungen, die uns eine disziplinierte Untersuchung jeder
dieser neuen Situationen erlaubt hätte", erklärte er.
Auf die Frage, ob der Schwerpunkt von der Friedenssicherung auf die Friedensschaffung verlegt werde,
räumte Bennet ein, "diese Unterscheidungen seien es
wert, diskutiert zu werden", aber schwer vorzunehmen. "Die internationale Staatengemeinschaft muß
sich auf eine Vielzahl von friedenssichernden Aktivitäten vorbereiten", ließ er wissen.
"Sie muß in den Bereichen präventive Diplomatie und
Konfliktverhütung viel bessere Arbeit leisten", äußerte
er. "Die Frühwarnsysteme müssen besser funktionieren. Die diplomatischen Interventionen müssen viel
subtiler sein als bisher."

Ihm zufolge sind die meisten Länder der Ansicht, daß
die Bestrebungen zur Erweiterung des Sicherheitsrates zu einer Zahl von nicht viel mehr als zwanzig
Mitgliedern führen werden. "Den Vereinigten Staaten
liegt keine Zahl vor, und es bleibt zu sehen, wo sie
liegen wird. Aber alles darüber Hinausgehende wäre
zu groß", betonte Bennet.
Auf die Frage nach der Wirksamkeit der U NO-Sanktionen antwortete er; "Wir wissen aus Erfahrung, daß
Sanktionen alleine in der Regel nicht zur schnellen
Änderung einer Politik führen, mit der Zeit kann das
jedoch - wie in Südafrika - der Fall werden.
"Sanktionen sind ein stumpfes Instrument. Sie ziehen
Bevölkerungen in Mitleidenschaft, bei denen das gar
nicht wünschenswert ist. Sie liefern manchen Regierungen eine Entschuldigung für die Fortsetzung unerwünschter Verhaltensweisen."

Er verlieh der Hoffnung der Vereinigten Staaten Ausdruck, daß ihr Anteil an der Friedenssicherung von
über 30 Prozent auf ungefähr 25 Prozent gesenkt
werde, "was unserem Anteil am Haushalt entspricht".
Die derzeitige Veranlagungsformel stammt aus dem
Jahr 1974.

Bennet zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, daß
die Einsetzung eines Kriegsverbrechertribunals zur
Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen im
ehemaligen Jugoslawien zu "einer ernsthaften Strafverfolgung" führt. Der Staatsanwalt des Tribunals soll
seine Arbeit im Februar aufnehmen. "Das Tribunal
wurde lange Zeit nach der Verübung der Verbrechen
Sollten Japan u nd Deutschland wie erwartet M rtglieder eingesetzt, und die Beweisführung wird in einigen
des Sicherheitsrates werden, würde sich diese Veran- Fällen sehr schwierig sein. Das ist das größte Prolagung ändern. "Meines Erachtens ist es für die blem, dem wir uns gegenübersehen", so Bennet.
Institution Vereinte Nationen von Nachteil, zu mehr als
25 Prozent von einem einzigen Land abhängig zu sein, Er bezeichnete die Beziehungen der Vereinigten Staaund das war auch das wichtigste Grundprinzip bei der ten zu Generalsekretär Boutros-Ghali als "ausgezeichFestsetzung anderer Höchstsätze", so Bennet.
net" und stellte fest: "Wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu ihm; das ist nicht immer einfach, aber
Die Generalversammlung setzte eine Arbeitsgruppe äußerst konstruktiv." Boutros-Ghali sei amerikanizur Oberprüfung der Frage einer Erweiterung des Si- schen Ansichten gegenüber "extrem aufgeschlossen"
cherheitsrats ein. "Unserer Meinung nach ist es für gewesen." Er stimmte nicht immer mit ihnen überein,
den Sicherheitsrat von großer Bedeutung, seine Effi- aber ich könnte mich nicht erinnern, daß auch nur ein
zienz beizubehalten", so Bennet. "Er darf nicht zu groß einziges Mal eine von den Vereinigten Staaten geäusein, damit er seine Arbeitslast bewältigen kann."
ßerte Meinung unberücksichtigt gelassen oder ungeprüft verworfen worden wäre."

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�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
5. Januar 1994

AMERIKANISCHE POLITIK KONZENTRIERT SICH
GLEICHZEITIG AUF EUROPA UND DEN
PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - Dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General John Shalikashvili, zufolge
hat die amerikanische Politik eine zweifache Ausrichtung: Den pazifischen Raum und Europa.
Der hochrangige Vertreter des amerikanischen Militärs teilte am 3. Januar 1994 im Programm WorldNet
Dialogue des US-Informationsamts (USIA) mit, Präsident Clinton arbeite an "pazifischen Übereinkünften",
die jedoch nicht vom tiefverwurzelten Interesse der
Vereinigten Staaten "an der Sicherheit und Stabilität
Europas" ablenken würden.
"Es handelt sich hier nicht um zwei widersprüchliche
Ideen", ließ der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs die Journalisten aus Bonn, Paris, Prag und
Warschau wissen. Als Weltmacht hätten die Vereinigten Staaten "die Fähigkeit, sich mit derselben Energie
zwei Regionen der Welt" gleichzeitig zu widmen.
Der für den 10. Januar in Brüssel anberaumte NATOGipfel wird ihm zufolge den Vereinigten Staaten die
Gelegenheit zur Bekräftigung ihrer Absicht geben,
"ihre Präsenz in Europa beizubehalten", und Präsident
Clinton werde das bei den anderen Staats- und Regierungschefs nochmals betonen. Shalikashvili erklärte,
der Präsident werde in Brüssel auf die "zentrale Bedeutung" des Bündnisses für die transatlantische Sicherheit hinweisen und unterstreichen, daß Frieden
und Stabilität in Mittel- und Osteuropa am meisten
gedient ist, "wenn keine neuen Divisionen aufgestellt
werden".
Die Präsenz von 100.000 amerikanischen Soldaten in
Europa, einschließlich zweier Divisionen und dreier
Gegenstücke zu taktischen Jagdgeschwadern der USLuftwaffe bis zum Ende des Haushaltsjahres 1996, sei
"die richtige Anzahl". Dazu soll eine ausreichende Zahl
an der Küste stationierter Seestreitkräfte zur Unterstützung eines Trägerverbands sowie einer amphibischen Landungsgruppe im Mittelmeer gehören. Der
General wies jedoch auch darauf hin, daß sich die
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Vereinigten Staaten das Recht vorbehalten, die sicherheitspolitische Lage in Europa jedes Jahr neu zu
bewerten, um festzustellen, ob sie diesen schrittweisen Abbau auf ungefähr 100.000 Soldaten verlangsamen oder beenden sollen.
Das vorgeschlagene Programm Partnerschaft für
Frieden geht dem Vorsitzenden der Vereinigten
Stabschefs zufolge wirksam und gleichzeitig alle Moskau,
Warschau, Budapest und Prag betreffenden Probleme an. Die Partnerschaft für Frieden baue Hindemisse ab und sei für den transatlantischen Raum von
Vorteil, erklärte er. Sie werde die beteiligten Militärs
durch gemeinsame Übungen, Planung und Operationen einander näherbringen und die Gelegenheit zur
Beseitigung von Problemen im Bereich der Transparenz bieten.
Im Hinblick auf einen angemessenen Zeitrahmen für
das Programm erklärte Shalikashvili, "es obliegt den
Ländern Mittel- und Osteuropas, das Tempo der zu
erzielenden Fortschritte zu bestimmen". Er sehe keinen Grund, warum das Programm Partnerschaft für
Frieden nicht bereits Anfang 1994 "erste positive
Ergebnisse" zeitigen sollte. Obwohl die Teilnahme an
dem Programm "nicht gleichbedeutend" mit einer
künftigen NATO-Mitgliedschatt sei, befänden sich die
Staaten "in einer besseren Position", zu einem früheren Zeitpunkt ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.
In bezug auf die jüngsten Wahlen in Rußland unterstrich Shalikashvili, in der Wahlberichterstattung sei
anfänglich die Zustimmung der Wähler zu dem nationalistischen Wladimir Schirinowskij übertrieben dargestellt worden. Das Abschneiden Schirinowskijs sollte
"nicht den von uns bei unseren Beziehungen zu den
östlichen Ländern eingeschlagenen Kurs ändern".
Dem General zufolge sollten die Wahlergebnisse für
die reformistischen und demokratischen Kräfte in
Rußland einen "Aufruf zum Handeln" darstellen, ihre
Seite 1

�Bemühungen um die Gewährleistung eines korrekten
Ablaufs des Reformprozesses zu verstärken und die
Zweifler "möglichst bald davon zu überzeugen, daß
Reformen zur Zeit das beste Heilmittel in Rußland
sind".
Es sei wichtig, den Reformkräften, die "Rußland zu
gestärkten demokratischen Institutionen und einer
Marktwirtschaft hinführen", die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Shalikashvili geht davon aus, daß die Vereinigten
Staaten und Rußland im neuen Jahr "auf niedriger
Ebene" militärische Übungen durchführen werden.
Der Abbau der Mauern zwischen den Militärs beider
Länder sollte ihm zufolge zur Unterstützung der russischen Reformkräfte führen. Der General bezeichnete
es auch als wichtig, daß Rußland "bei den friedenssichernden Operationen (der UNO) ein vollwertiger
Partner" wird.

zahlen bereit oder in der Lage seien. Fortgesetzte
humanitäre Hilfsbestrebungen "retteten Hunderttausende von Menschenleben" und Sanktionen "haben
auf Serbien bedeutende Auswirkungen gehabt". Sollten sich die drei Kriegsparteien in Bosnien auf einen
Friedensplan verständigen, so Shalikashvili, könnten
die Streitkräfte zu seiner Umsetzung eingesetzt werden.
Zum Thema Somalia ließ der General wissen, der für
den 31. März geplante Abzug amerikanischer Truppen
verfolge das Ziel, "den Vereinten Nationen und den
verbleibenden Ländern die größte Chance" für die
Fortsetzung humanitärer, friedenssichernder und friedensschaffender Operationen zu geben.
Trotz des Verdachts einer von Nordkorea ausgehenden atomaren Bedrohung verfolgten die Vereinigten
Staaten 'Veine besonderen Pläne", ihre Arsenale
konventioneller Waffen in Südkorea zu verstärken.

Nach dem NATO-Gipfel wird Präsident Clinton nach Auf Fragen zur Rüstungskontrolle erklärte der GenePrag reisen, "um die Bedeutung zu unterstreichen, die ral, die gesetzten Fristen lägen zwar noch in weiter
er den Staaten Mitteleuropas beimißt".
Feme, es sei aber dennoch von Bedeutung, "unsere
Anstrengungen zu verdoppeln, um zu gewährleisten",
Zur Situation in Bosnien-Herzegowina äußerte der daß diese atomaren Gefechtsköpfe "so schnell und
General, für die Bosnien-Frage gebe es keine militäri- sicher wie möglich abgebaut werden", wie im STARTsche Lösung zu einem Preis, den die Nationen zu Il-Vertrag vorgesehen.
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AMERIKA DIENST 1

�PORTRAT
5. Januar 1994

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER WERDEN
Porträt von Strobe Talbott
Am 28. Dezember 1993 gab US-Au ßenminister Christopher bekannt, er habe Botschafter Strobe Talbott für das
Amt seines nächsten Stellvertreters ausgewählt und bezeichnete ihn als "begnadeten Strategen und Manager".

Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles teilte der Außenminister mit, er habe Talbott für die zweithöchste
Position in seinem Ministerium vorgeschlagen und Präsident Clinton habe der Nominierung zugestimmt, die jetzt
noch der Bestätigung des Senats bedarf.

Strobe Talbott war früher als Journalist tätig und spielte
eine Schlüsselrolle bei der Konzeption der RußlandPolitik der Administration zur Unterstützung des russischen Präsidenten Boris Jelzin.
Der 47jährige Talbott, langjähriger Freund Bill Clintons
sowie ehemals Chef vom Dienst und Kolumnist des
Time Magazine, ist der führende Experte des Präsidenten für die Politik gegenüber Rußland und den
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sowie ein unbeirrbarer Befürworter der Reformbewegung in diesen Republiken.
Talbott, der sich in drei Jahrzehnten durch seine
Kommentare zu außenpolitischen Fragen einen Namen
gemacht hat und fließend Russisch spricht, wurde am
2. April 1993 zum Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafterund Sonderberater des Außenministers fürdie neuen unabhängigen Staaten derfrüheren
Sowjetunion ernannt.
Er soll eine wichtige Rolle beim Entwurf des auf dem
Treffen in Vancouver zwischen Präsident Clinton und
Präsident Jelzin bekanntgegebenen amerikanischen
Hilfspakets für Rußland gespielt haben sowie bei dem
später auf dem Tokioter Gipfel der führenden Industrienationen angekündigten internationalen Hilfspaket.
Talbott ist ein enger Vertrauter von Außenminister
Christopher und kennt den Präsidenten seit der Zeit,
AMERIKA DIENST 1

als Clinton und er vor 25 Jahren als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford University ein Zimmer teilten. Seitdem sind sie befreundet, und wenn Clinton als Gouverneur von Arkansas nach Washington reiste, wohnte er
oft bei Talbott.
Bei seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats im März 1993 hatte Talbott erklärt, er hätte
einen Großteil der vergangenen 30 Jahre mit dem
Versuch verbracht, Rußland und die anderen Republiken der früheren Sowjetunion zu verstehen. Talbott,
der an der Hotchkiss School, einer weiterführenden
Privatschule in Connecticut, Russisch gelernt und an
den Universitäten von Yale und Oxford russische
Literatur studiert hat, erwarb seinen Ruf als Sowjetunion-Experte, als er die mündlich Überlieferten Memoiren des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Nikita
Chruschtschow übersetzte und veröffentlichte (Khrushchev Remembers, 1970 und Khrushchev Remem
bers: The Last Testament, 1974).
Am 23. März 1993 äußerte Talbott vor dem Senatsausschuß: "Ich werde zwar erstmals im Dienst derRegierung arbeiten, der Gegenstand meiner Arbeit ist
jedoch ein Thema, dem ich bereits einen Großteil
meines Lebens gewidmet habe."
In der Vergangenheit wurde ihm zufolge die nationale
sicherheitspolitische Rechtfertigung amerikanischer
Ru Bland hilf e vorwiegend negativ formuliert: "Hilfe für
Rußland, damit es nicht explodiert und uns dabei in
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�Mitleidenschaft zieht; Hilfe für Rußland, damit es nicht resultierenden Härten für die russischen Bürger zu
das Rad der Geschichte wieder zurückdreht."
mildern. Anstelle einer "Schocktherapie", die nach
Meinung mancher zur Umwandlung der ehemaligen
"Ich würde jedoch behaupten, daß unsere Ziele und Planwirtschaft erforderlich sei, wird Talbott zufolge das
unsere Politik positiver sein können und sollten. Mit neue Ziel "weniger Schock und mehr Therapie für das
anderen Worten: Die amerikanische Politik sollte nicht russische Volk sein. Das ist kurz zusammengefaßt
nur auf die Verhinderung des Schlimmsten abzielen, das Ziel unserer Bemühungen...".
sondern auch auf die Förderung des Besten, das in der
ehemaligen Sowjetunion geschehen könnte. Das betrifft Talbott machte an der Yale University seinen Aballe Nachfolgestaaten, nicht nur Rußland... Sie haben schluß als Bachelor of Arts und Master of Arts. Er
mit ihrer Vergangenheit gebrochen und gestalten ihre erhielt außerdem von der Oxford University einen
Zukunft neu. Wir werden ihnen dabei helfen."
Master in Literaturwissenschaft sowie die Ehrendoktorwürde des Monterey Institute of Strategie Studies.
Talbott unterstrich anschließend die Unterstützung
der Vereinigten Staaten für "die Reformen und die Talbott hat seit 1974 die Rüstungskontrollgespräche
Reformer, seien sie politisch in der Offensive oder der genau verfolgt, Rußland, China, den Nahen Osten,
Defensive, seien ihre Vertreter im Kreml, im Parlament Kuba und Iran bereist und ausführlich über diese
oder im Herzen des Landes." Er fügte hinzu: Während Länder berichtet. Bevor er dem Außenministerium
Rußland und die anderen unabhängigen Staaten ihren beitrat, umfaßte seine Arbeit für das Time Magazine
heroischen Übergang vom Kommunismus zur Demo- auch Tätigkeiten als diplomatischer Korrespondent,
kratie durchlaufen, müssen wir unsere eigene Über- Berichterstatter des Außenministeriums und des Weißen
gangszeit durchleben - von der Führungsmacht einer Hauses, Osteuropa-Korrespondent, Chef vom Dienst
gegen die Sowjetunion gerichteten Koalition zum in Washington, Herausgeber und außenpolitischer
Anführer einer strategischen Allianz mit den Nachfol- Kolumnist.
gestaaten der Sowjetunion."
Seine Werke über Rüstungskontrolle und die amerikaAuf einer Pressekonferenz nach den jüngsten Ruß- nisch-russischen Beziehungen umfassen unter
landwahlen, die der Partei des ultranationalistischen anderem: At the Highest Levels: The Inside Story
Wladimir Schirinowskij eine erstaunlich große Unter- of the End of the Cold War (Auf höchster Ebene: Das
stützung brachten, betonte Talbott nochmals, daß die Ende des Karten Krieges und die Geheimdiplomatie
Administration ihre Unterstützung der russischen der Supermächte 1989-91; dt. 1993, zusammen mit
Reformen nicht einstellen werde und es keine Anzei- Michael Beschloss), The Master of the Game: Paul
chen dafür gebe, daß das russische Volk das getan Nitze and the Nuclear Peace, Reagan and Gorbahabe.
chev (zusammen mit Michael Mandelbaum), Deadly
Gambits: The Reagan Administration and the
"Das sollte uns eine Lehre sein", fuhr er fort, "daß wir Stalemate in Nuclear Arms Control (Raketenschach,
unsere eigenen nationalen Interessen an einer Förde- dt. 1984) sowie Endgame: The Inside Story of SALT
rung der Reformkräfte stärker im Auge behalten soll- Two.
ten, die auch im neuen Parlament und ganz gewiß in
der Jelzin-Regierung ziemlich mächtig sein werden." Für seine Berichterstattung erhielt Talbott 1980 und
1985 den Edward Weintal-Preis für hervorragende
Talbott gab auch bekannt, die Administration werde diplomatische Berichterstattung sowie 1979, 1981,
mehr Zurückhaltung bei ihrem Drängen auf schnelle 1987 und 1988 Auszeichnungen des Overseas Press
Wirtschaftsreformen in Rußland zeigen, um die daraus Club.
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AMERIKA DIENST 1

�US-MILITAR
5. Januar 1994

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward
Zu einer Zeit, in der amerikanische Militäreinrichtungen in den gesamten Vereinigten Staaten abgebaut oder
geschlossen werden, ergreifen Verantwortliche dieser Stützpunkte und anderer Anlagen die Initiative bei der
Karriereplanung für die Tausenden von Militär- und Zivilangestellten, die entlassen oder entwurzelt werden. Der
nachfolgende Artikel beschreibt diese Stellenvermittlung. Sein Verfasser, Don Ward, ist Journalist bei der Navy
Times.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Government Executive, Mai 1993.
Copyright (c) 1993 National Journal, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Alyce El gehört zu den 8.700 Angestellten der Marineschiffswerft und dem Marinestützpunkt von Philadelphia, die durch die 1995 geplante Schließung dieses
Stützpunktes ihren Arbeitsplatz verlieren.
Die 24jährige Mitarbeiterin des Personalbüros wartet
mit ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aber
nicht bis zu ihrer Entlassung. El nutzt das besondere,
auf dem Stützpunkt errichtete sogenannte Übergangszentrum, um ihre Fähigkeiten zu bewerten und neue
Karrieremöglichkeiten zu erkunden.
Das Übergangszentrum von Philadelphia wurde im
März 1993 eröffnet, um Zivilangestellten des USMilitärs bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen in
Regierungsbehörden oder der Privatwirtschaft behilflich zu sein. Durch seine dem neuesten Stand der
Technik entsprechenden Computer, zahlreichen Softwareprogramme und sein Korps von Schiffswerftmanagem, die auch eine Beraterfunktion einnehmen,
gehört es zu den am besten ausgerüsteten Zentren
seiner Art. Die angebotenen Dienste sollen den Zivilangestellten bei der Beurteilung ihrer Fähigkeiten, der
Vorbereitung aussagekräftiger Lebensläufe und der
Bewerbung um staatliche Stellen helfen.
In einigen Fällen stehen den Arbeitnehmern, die sich
zu einem Berufswechsel entschlossen haben, Umschulungsprogramme zur Verfügung. Arbeitsplatzmessen und -clubs sind ebenfalls geplant.
"Ich fand das Zentrum außerordentlich hilfreich, um
meine Arbeitsplatzsuche zu organisieren und zu sehen, welche Qualifikationen ich hierzu vorweisen muß",
so El. "Die Berater haben mir geholfen, meinen
Lebenslauf noch ansprechender zu gestalten. Und sie

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haben mich auf Fähigkeiten hingewiesen, von denen
ich gar nicht wußte, daß ich sie besitze."
Philadelphia ist nur einer von zahlreichen Militärstützpunkten, auf denen die Hilfe für Zivilangestellte bei der
Suche nach einem neuen Arbeitsplatz nahezu eine
nationale Freizeitbeschäftigung geworden ist. Vor
mehreren Jahren begann das Verteidigungsministerium mit der Bereitstellung einer ähnlichen Übergangshilfe für Zivil- und Militärangestellte durch Familienunterstützung sowie Büros für ehemalige Angestellte auf
den Stützpunkten. Die jüngsten Stützpunktschließungen und der derzeitige Streitkräfteabbau erfordern
jedoch eine Verstärkung dieser Bemühungen. (Ende
Juni 1993 empfahl der Ausschuß für die Schließung
und Neuorientierung der Militärstützpunkte die Schließung oder Verkleinerung von ungefähr 30 großen
Militäreinrichtungen und einer Vielzahl kleinerer Stützpunkte, was zur Entlassung oder Entwurzelung von
mehr als 125.000 Zivil- und Militärangestellten führte.
Der unabhängige Ausschuß handelte im Einklang mit
seinem Mandat gemäß einem 1990 vom Kongreß
entwickelten Verfahren, um einengerechten, unparteiischen, öffentlichen Entscheidungsprozeß über die
Stützpunktschlie ßung sieherzustellen).
Als Folge davon riefen Mitarbeiter verschiedener Stützpunkte mit eigenen Geldmitteln auf eigene Faust von
der Basis ausgehende Übergangshilfeprogramme ins
Leben, von denen jedes auf die besonderen Bedürfnisse der Stützpunktmitarbeiter zugeschnitten ist.
"Es gibt hier alle möglichen Sonderprogramme", erklärt Ellen Tunstall, Programmanagerin für Unterstützungsberechtigung des Abteilungsleiters für Personalpolitik für Zivilangestellte im Verteidigungsministerium.
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�"Auf den Stützpunkten hat man sich wirklich etwas
einfallen lassen. Sie haben mit dem Arbeitsministerium und Beschäftigungsausschüssen zusammengearbeitet. Außerhalb des Ministeriums gab es allgemeine
Anleitung, und einige Einrichtungen erhielten Unterstützung in Form von Geldern oder Programmen, aber
ein Großteil der Aktionen war wirklich innovativ und
ging von der Basis aus. Und das ist das Verdienst der
Manager und Angestellten dort."
Im März 1992 eröffneten zivile Angehörige des Personalbüros im Armeedepot von Sacramento (Kalifornien) ein Zentrum, das dem in Philadelphia ähnelt,
jedoch kleiner ist, nachdem dieser Militärstützpunkt
1991 auf die Liste der zu schließenden Einrichtungen
gesetzt wurde. Der stellvertretenden Zentrumsleiterin
Mary Romero zufolge soll es 6.500 Zivil- und Militärangestellten sowie ihren Familien behilflich sein. Bisher
hat das Zentrum nahezu 70 Mitarbeitern des Armeedepots eine neue Anstellung verschafft. Das Depot,
dessen Schließung für 1997 geplant ist, ist auf die
Reparatur von Radaranlagen und Telekommunikationseinrichtungen spezialisiert.
Im Juli 1991 begannen Beamte des Luftwaffenstützpunktes Mather nahe Sacramento, dessen Schließung im Rahmen des Verfahrens von 1988 ins Auge
gefaßt wurde, ein Programm zur Unterstützung von
1.600 Zivilangestellten bei der Suche nach einem
neuen Arbeitsplatz oder der Umschulung für einen
neuen Beruf. Durch dieses Programm, dem ersten
seiner Art in der US-Luftwaffe, wurden bislang 750
Mitarbeiter beraten und 133 zu einem neuen Arbeitsplatz verholten, so die Koordinatorin Joann Morse.
Im Zuge des fortgesetzten Streitkräfteabbaus nehmen
weitere Bestrebungen dieser Art Gestalt an.
Das Pentagon plant bis zum 1. Oktober 1993 die
Reduzierung der Zahl seiner Zivilangestellten um 40.000,
wodurch die Streitkräfte bis zum Ende des Haushaltsjahres 1993 auf 966.000 Angehörige verringert werden
sollen. Voraussichtlich werden ungefähr 25.000 Mitarbeiter das Militär freiwillig verlassen, die übrigen sollen
-je nach Art ihrer Beschäftigung und ihres Dienstalters
-durch finanzielle Anreize von bis zu 25.000 Dollar pro
Person zum Abschied bewegt werden.
Auf vielen Stützpunkten könnte der Personalabbau
schon viel früher beginnen. Zahlreiche Stützpunkte
haben bereits um die Erlaubnis gebeten, ihre Mitarbeiter gehen zu lassen. Beispielsweise hat Philadelphia
das Ersuchen gestellt, seine Mitarbeiterzahl um 800
bis 1.200 zu senken, da für die große Belegschaft nicht
genügend Arbeit vorhanden ist.

die von den Kürzungen des Verteidigungshaushalts
und der Stützpunktschließung betroffen sind.
Mittlerweile haben Verantwortliche zahlreicher Stützpunkte vom Arbeitsministerium Gelder für die Umschulung erhalten und Freiwillige vor Ort für Beratertätigkeiten gewonnen, um den Angestellten des Militärs
einen reibungslosen Übergang in den Privatsektor
oder andere Regierungsbehörden zu erleichtern.
In Philadelphia richteten für Zivilangestellte zuständige Mitarbeiter des Personalbüros des Flottenkommandos ein Übergangszentrum ein, das anderen zur
Schließung oder Neuorientierung vorgesehenen Militärstützpunkten als Modell dienen könnte. Nancy
Doody, der Spezialistin für Personalführung und Gestalterin des Zentrums, zufolge stellte die große Zahl
entlassener Arbeitnehmer und ihre stark spezialisierte
Arbeit eine ziemlich große Herausforderung dar. "Die
meisten Karrierezentren sind wie Arbeitsämter, aber
das von mir Entworfene in Philadelphia verfolgt eine
andere Linie", erklärt Doody. "Ich habe Karriereplanung und Entwicklung miteinander verknüpft, da viele
der Betroffenen neue Entscheidungen hinsichtlich ihrer
Zukunft zu treffen haben. Sie müssen ihre Optionen
und Qualifikationen prüfen und sich unter dem Gesetz
zur Berufsausbildung und Stellensuche für einen anderen
Beruf ausbilden lassen, da viele ihrer Arbeitsplätze
wegfallen."
Doody ermutigt ihre Klienten, sich selbst als Unternehmen zu verstehen, "das Ihre Fähigkeiten vermarkten
und Ihr Produkt - Sie - verkaufen soll".
Das Zentrum verfügt über Computer und Laserdrucker
zur professionellen Erstellung von Lebensläufen, Softwareprogramme zur Einschätzung beruflicher Fähigkeiten, Nachschlagewerke, damit die Qualifikationen
auf potentielle Arbeitgeber abgestimmt werden können, Branchenverzeichnisse zur Sondierung von Industriekontakten sowie Computerprogramme zur Bewerbung bei staatlichen Stellen. Zudem stehen dem
Zentrum mehr als ein Dutzend ehrenamtliche Berufsberater zur Verfügung - eine Mischung aus Schiffswerftmanagern und Betriebsratsmitgliedern, die entlassenen Klienten bei ihrem neuen Anfang zur Seite
stehen.
Das Ziel ist die Unterstützung von entlassenen Zivilangestellten bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz innerhalb der 120 Tage betragenden Kündigungsfrist.

"Bisher war es ein wirklicher Erziehungsprozeß, den
Menschen begreiflich zu machen, daß wir keine Stellenvermittlung sind", erklärt die vor Ort tätige ManageEinen Tag vor Bekanntgabe der Stützpunktschließun- rin Cindy Anderson. "Unsere Aufgabe besteht darin,
gen und Neuorientierungsempfehlungen für das Jahr die Angestellten mit den für ihre Vermarktung bei der
1993 kündigte Präsident Clinton im März ein Hilfspaket Stellensuche erforderlichen Werkzeugen auszustatin Höhe von 20 Milliarden Dollar zur Unterstützung von ten. Viele Menschen entdecken das erst, wenn sie hier
Industriezweigen, Arbeitnehmern und Gemeinden an, sind."

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�Da viele dieser Arbeitnehmer seit Jahren nicht mehr
auf dem Arbeitsmarkt waren, stellt das Zentrum Beratung zur Streßbewältigung und Videokassetten zur
Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen zur Verfügung und probt mit den Klienten gestellte Personalgespräche.

se einschätzen und ihm bei seinem neuen Anfang
helfen zu können. Alles ist auf den einzelnen abgestellt. Es gibt hier kein Standardformat."

Doody plant auch die Einrichtung einer kleineren Version des Zentrums von Philadelphia beim Flottenkommando in Ariington (Virginia) für die 12.000 bei den
"In der staatlichen Verwaltung gibt es für so viele Dinge zahlreichen Kommandosystemen der US-Marine
Vorschriften", stellt Anderson fest. "Für uns gibt es beschäftigten ZivilangestelHen. "Wenn es in Philadelkein business-as-usual. Wir sind vollständig auf unse- phia funktioniert, tut es das überall", so Doody.
ren Kunden ausgerichtet, um wirklich seine Bedürfnis-

*

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�LITERATUR
5. Januar 1994

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen
WASHINGTON - (AD) - Was ist der "typische Amerikaner"? Eine chinesisch-amerikanische Autorin hat sich in
ihrem sarkastischen, aufschlußreichen ersten Roman, der von Literaturkritikern in den Vereinigten Staaten
gelobt wurde, die Beantwortung genau dieser Frage zum Ziel gesetzt.
Der Roman Typical American von Gish Jen ist die Geschichte von Yi-feng Chang - in Amerika Ralph Chang
- der im Jahr 1974 seinen Vater, einen wissenschaftlichen Angestellten, seine Mutter und seine ältere Schwester
in einer kleinen, nahe Schanghai gelegenen Stadt zurückläßt, um in New York Ingenieurwesen zu studieren.
Ralph gibt sich große Mühe, durchläuft jedoch einen Akkulturationsprozeß, bis seine Schwester Teresa und ihre
Freundin Helen zu ihm nach New York kommen. Das Buch beschreibt ihren bisweilen schmerzlichen, manchmal
witzigen Weg, Amerikaner zu werden.

Die in Amerika als Kind chinesischer Einwanderer
geborene Gish Jen wuchs in Jonkers und Scarsdale
(New York) auf. Als Romanautorin ist sie eine Art
Abtrünnige in einer Familie, der unter anderem drei
Geschäftsleute - ihre Brüder - und eine Ärztin - ihre
jüngere Schwester - angehören.

Nach ihrer Rückkehr aus China studierte sie Literatur,
heiratete 1983 David O'Connor (der kein Chinese ist)
und widmete sich ausschließlich hausfraulichen Tätigkeiten. Als sie dreißig war, verspürte sie jedoch den
dringenden Wunsch nach beruflichem Erfolg und begann
zu schreiben.

Als "gehorsame Tochter" besuchte Jen ein Jahr lang
die Stanford Business School. Aber kurz nach Beginn
des zweiten Jahres wurde ihr klar, daß eine Laufbahn
in der Wirtschaft einfach nicht das Richtige für sie ist.
Sie ging nach China und erteilte dort Bergbauingenieuren Englischunterricht.

Ursprünglich wollte Jen keinen Roman über chinesische Einwanderer schreiben, erklärte sie in einem
Interview mit dem US-Informationsamt (USIA). "Das
Thema ergab sich irgendwie" aus einer Serie von
Kurzgeschichten, die sie über die fiktive Familie geschrieben hatte und die viele verschiedene Themen
behandelte. "Nachdem ich drei oder vier dieser Geschichten geschrieben hatte, wurde mir klar, daß ich
genug Interesse an diesen Charakteren hatte, um ein
Buch über sie zu schreiben", teilte sie mit.

In China entdeckte sie, daß sie den dortigen "Gemeinschaftssinn" liebte. "Es gab dort viele Dinge, die mir
gefielen und die ich wunderbar beruhigend fand.
Gleichzeitig war ich mir der Unterschiede sehr bewußt."
"Beispielsweise hatte ich eine ganz andere Einstellung
zur Autorität alsdie meisten Chinesen, die ich traf. Sie
akzeptieren, daß der Staat sehr viel und der einzelne
keine Macht haben sollte. Wenn man in Amerika
aufgewachsen ist, akzeptiert man diese Idee nicht.
Wenn man dort mit willkürlichem Machtmißbrauch
konfrontiert wird, ist man entrüstet. Die Chinesen sind
das nicht, und sie können auch nicht verstehen, warum
eine 'nette Chinesin' entrüstet ist. Der Grund ist, daß
ich in Amerika aufgewachsen bin. Ich bin Amerikanerin und habe diesen Dingen gegenüber eine amerikanische Einstellung."

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"Ich habe wahrscheinlich einen Roman über Einwanderer geschrieben, weil meine Eltern Einwanderer
waren", stellte sie in einem im März 1991 von Houghton Mifflin/Seymour Lawrence veröffentlichten Buch
fest. "Damals entwickelte ich auch Interesse an Amerika
betreffenden Themen. Es interessierte mich zu wissen, wer wir als Amerikaner sind. Und es schien, daß
die Einwanderer die wirklichen Außenseiter waren,
was uns zeigte, woraus die amerikanische Kultur wirklich besteht."
Was ist denn der "typische Amerikaner"?
Bisher, teilte Jen dem US-Informationsamt mit, wurde
der "typische Amerikaner" vornehmlich von Menschen
Seite 1

�europäischer Herkunft definiert, aber die Definition
muß jetzt erweitert werden. "Ich versuche zu argumentieren, daß wir jetzt angesichts neuer Einwanderungswellen den typischen Amerikaner' als jemanden
sehen müssen, der bestimmte Fragen zu seiner eigenen Person stellt. Der typische Amerikaner ist beispielsweise jemand, der viel Zeit mit der Untersuchung
der Frage verbringt, wer er ist. Diese Frage wird in
anderen Ländern nicht gestellt: Was jemand aus sich
macht."

"Jede Art von Wachstum beinhaltet meiner Meinung
nach Wandel. Jeder Wandel beinhaltet Verlust. Hier
besteht ein wirklicher Verlust, das möchte ich gar nicht
leugnen. Ein gegen diesen Wandel gerichteter Standpunkt ist ein gegen das Leben gerichteter Standpunkt.
Jeder Elternteil, der stirbt, ist ein Verlust. Dennoch
können wir als Kinder nicht einfach das Leben unserer
Ehern wiedererschaffen, um ihr Leben fortzusetzen."

Jen betonte, ihr Buch handele zwar von Amerikanern
chinesischer Herkunft, richte sich jedoch nicht an eine
"In anderen Ländern ist man einfach man selbst, bestimmte Leserschaft. Beim Verfassen ihres Buches
insbesondere in älteren Kulturen wie in China. Man ist habe sie "große Anstrengungen unternommen, um
das Kind seiner Eltern. Man ist vorwiegend an seinem eine sehr detaillierte psychologische Beschreibung
Platz in der Gesellschaft. Hier in Amerika werden wir meiner Charaktere zu geben, die eher menschlich als
mit all diesen anderen Botschaften bombardiert - 'man 'exotisch' wirken sollten." Jen hofft, daß ihre Leser in
sollte alles sein, was man sein kann', und so fort. den Vereinigten Staaten "auf die chinesisch-amerikaMeines Erachtens sind wir eine von einer Idee und nischen Erfahrungen schauen, darin ihre eigenen
diesen Gedanken geeinte Nation."
Erfahrungen sehen und sich gleichzeitig der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewußt werden".
Jen zufolge kann man jahrelang in Japan, Frankreich
oder Italien leben, ohne jemals Japaner, Franzose An ihre Leser in Übersee richtet Jen die folgende
oder Italiener zu werden. Man kann jedoch in Amerika Botschaft: "Mein Buch enthält eine Art Warnung
leben und ein wirklicher Amerikaner werden.
bezüglich der Freiheit hier (in den Vereinigten Staaten), welche Nachteile sie haben kann und welche
"Der Grund dafür ist, daß in Amerika - beispielsweise Grenzen das in diesem 'Paradies' Gebotene hat. Ein
im Unterschied zu Japan, wo das Wesen des Japaners Mensch hat hier viel weniger Beschränkungen als in
eng verbunden mit Rasse, Geschichte und Blut ist - jedem anderen Teil der Welt, aber es gibt immer noch
das Wesen des Amerikaners etwas mit bestimmten Grenzen. Die Freiheit kann für große und edle Dinge
gemeinsamen Ideen zu tun hat", erläuterte sie. "Wir genutzt werden, aber auch für unehrenhafte und gesind eine Nation, die sich von jeder anderen auf der fährliche... Sie beinhaltet sowohl Gefahren als auch
Welt stark unterscheidet. Wir sind 'das großartige Chancen."
Experiment'. Wir sind ein auf Gedanken und Vorstellungen basierendes Land, was bedeutet, daß jeder zu Sie räumt ein, daß die amerikanische Gesellschaft ihre
uns gehören kann. Wie könnte jemand ein wirklicher "willkürlichen Grenzen" hat, wobei der Rassismus die
Japaner werden, so wie das dort verstanden wird?"
am stärksten vorherrschende ist. "Eine der Grenzen,
die in diesem Land am schwersten abzuschaffen sind,
USIA befragte Jen zu der vorherrschenden Ansicht ist die der Rasse. Jeder scheint automatisch anzunehaller Nichtamerikaner, daß der amerikanische "Markt- men, daß die Rasse der wichtigste Aspekt eines
platz der Ideen" unkontrolliert, chaotisch und bisweilen Menschen ist. Das stellt eine wirkliche Schwierigkeit
gefährlich instabil ist.
dar, wenn die Menschen einander einschätzen", so
Die Autorin lachte. "Das ist ein Teil der amerikanischen Jen.
Natur - daß jeder argumentiert und eine Meinung
vertritt. Wir haben diese Art von Anarchie und jeder
nimmt daran teil. Das macht einfach Spaß."

Das Leben in den Vereinigten Staaten wird ihr zufolge
stärker von den Grenzen der eigenen Vorstellungskraft eingeschränkt. "In diesem Land, in dem man sein
Jen hatte beobachtet, daß viele Chinesen, die in die Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann,
Vereinigten Staaten ziehen, Angst vor der Assimilie- wird man von den eigenen Vorstellungen vom Leben
rung haben, die sie für einen gefährlichen Verlust ihres beschränkt. Manchmal habe ich den Eindruck, die
Selbst halten. "Wahr ist meines Erachtens, daß jeder, Menschen haben nicht ausreichend darüber nachgeder mit klarem Kopf darüber nachdachte, in einer dacht, wer sie werden wollen, bevor sie einfach losanderen Kultur Fuß zu fassen, in Angst und Schrecken stürmen, um diese Person zu werden. Das geschieht
mit Ralph in meinem Buch. Er folgt aus bestimmten
versetzt wurde", meinte sie.
Gründen einfach der falschen Spur. Er hätte mehr
"Meiner Ansicht nach ist es jedoch auch unvermeid- nachdenken sollen, wie sich in meinem Buch herauslich, daß die jeweilige Umgebung einen Menschen stellt."
verändert. Und das halten die Menschen oftmals für
schrecklich: Man verliert sein Erbgut! Ich halte das "Damit will ich einfach sagen, daß es in Amerika diese
enormen Chancen gibt, aber auch viele Stricke, um
aber eher für einen Teil des Lebens."
sich zu erhängen. Es gibt beides, und die Menschen
sollten Vorsicht walten lassen."
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�Jen würde sich freuen, wenn ihr Buch zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen würde. Ihr
wirkliches Ziel besteht jedoch darin, Literatur mit wahrhaft
künstlerischem Wert zu schaffen, die über ethnische
Grenzen hinausgeht.

Jen, die kürzlich ein Guggenheim-Stipendium erhielt,
arbeitet zur Zeit an ihrem zweiten Roman. Eine ihrer
Kurzgeschichten, The Water-Faucet Vision, erscheint
in einer kürzlich veröffentlichten Anthologie asiatischamerikanischer Literatur mit dem Titel Charlie Chan
is Dead (Penguin Books, 1993. Herausgeberin Jessica Hagedom).

* * * * *

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