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                  <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United Stat&amp; of America
. w^';V\0^

ArfO'c

Z12462C
8. Dezember 1993

49

USA-DEUTSCHLAND

ERSTE GRUNDSATZREDE VON
BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke
in Potsdam

KSZE

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor
KSZE-Ministertreffen

NATO

CHRISTOPHER ERLÄUTERT
PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN
Rede vor dem
Nordatlantischen Kooperationsrat

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
8. Dezember 1993

ERSTE GRUNDSATZREDE
VON BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam
POTSDAM - (AD) - In seiner ersten Grundsatzrede in Deutschland erklärte der neue amerikanische Botschafter, Richard C. Holbrooke, bei einem Treffen der Atlantik-Brücke am 7. Dezember 1993 im Cäcilienhof in
Potsdam, daß die Clinton-Administration "eine sich abzeichnende Rolle Deutschlands auf der globalen Bühne
unterstützen wird. Wir haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen sie und sehen der ebenso engen
Zusammenarbeit mit Bonn wie bisher entgegen", erläuterte der Botschafter den Anwesenden, zu denen der
Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Walther Leisler Kiep, der brandenburgische Ministerpräsident Dr. Manfred
Stolpe und Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtags Brandenburg, zählten. "Aus diesem Grund", fügte der
Botschafter hinzu ."unterstützen wir beispielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands im UN -Sicherheitsrat". Aus der Sicht der US-Administration sei Deutschland "voll und ganz in der Lage", die "Lasten und
Verpflichtungen" einer ständigen Mitgliedschaft zu übernehmen.
Mit der Feststellung, in den Vereinigten Staaten bestehe eine Versuchung, "sich nach innen zu wenden" und sich
auf innenpolitische Probleme zu konzentrieren, unterstrich Botschafter Holbrooke, Präsident Clinton und andere
hochrangige Regierungsvertreter hätten "immer wieder klargestellt, daß ein Rückzug zu einer neuen Form von
Isolationismus in den neunziger Jahren fürdie Vereinigten Staaten keine Alternative darstellt". Die Konzentration
der deutschen Medien auf die amerikanischen Truppenreduzierungen und die Bedeutung Asiens für die
Vereinigten Staaten "verschleiern jedoch gelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten weiterhin
100.000 Soldaten in Europa belassen wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Europa fürdie Vereinigten
Staaten nichts - ich wiederhole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung verloren hat". Die asiatisch-pazifische
Region sei für die Vereinigten Staaten 'Von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, Geschichte
und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der einen Region
nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt betont habe."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Botschafter Holbrooke.

Ich möchte den Organisatoren dieser Veranstaltung
und der Atlantik-Brücke für die Einladung am heutigen
Abend hier danken. Die Atlantik-Brücke ist eine au ßerordentlich wichtige Institution, die seit Jahren und in
jüngster Zeit dank der herausragenden Tätigkeit meiner Freunde Walther Leisler Kiep und Beate Lindemann immens viel für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen geleistet hat. Daher habe ich ohne zu
Zögern Walther und Beate sogar noch vor meiner
Ankunft in Deutschland vor zwei Monaten versprochen, meine erste politische Grundsatzrede vor dieser
renommierten Gruppe zu halten.
Bevor ich beginne, gestatten Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung. Ich möchte den vielen Deutschen,
denen ich in meiner kurzen Zeit hier bereits begegnet
bin, für die mir entgegengebrachte Freundlichkeit und
Gastfreundschaft meinen tiefempfundenen Dank
AMERIKA DIENST 49

aussprechen. Ich werte dies nicht als Ausdruck der
Gefühle der Deutschen für mich persönlich, sondern
gegenüber der Nation, die ich die Ehre habe, hier zu
vertreten. Auf persönlicher Ebene war die Herzlichkeit
dieser Kontakte jedoch das herausragendste und erfreulichste Merkmal meiner ersten Monate in Deutschland. Ich danke Ihnen allen - auch vielen hier nicht
Anwesenden - für diese freundliche Aufnahme.
Ich habe mir geschworen, mich in meinen Ausführungen heute abend strikt auf die Zukunft zu konzentrieren, aber ich kann nicht beginnen, ohne auf den
heutigen Jahrestag zu verweisen. Vor genau 52
Jahren griffen die Japaner Pearl Harbor an und brachten die Vereinigten Staaten - entschieden und unabänderlich - auf den Kurs, der uns schließlich heute hierhin
geführt hat.

Seite 1

�Der 7. Dezember 1941 war mehr als ein entscheidender Augenblick für die Vereinigten Staaten. Er zwang
Amerika zur Konfrontation mit der Verantwortung einer
neuen Rolle - Führung in der globalen Arena - auf die
wir nicht vorbereitet waren, die wir erlernen und in die
wir im Laufe der Zeit hineinwachsen mußten. Die
durch Pearl Harbor und die folgenden Ereignisse freigesetzten Kräfte beeinflußten das Geschehen über
mehr als zwei Generationen hinweg und haben auf die
eine oder andere Art die Sichtweise - das grundlegende Weltbild - aller in diesem historischen Raum Anwesenden beeinflußt, in dem - wie ich mit Ehrfurcht und
großer Demut feststellen möchte - der Krieg in Europa
schließlich beendet wurde.

wenn auch in ziemlich unterschiedlicher Weise. 45
Jahre lang gründete sich die Politik der Vereinigten
Staaten auf die Verteidigung Deutschlands gegen
potentielle Aggression aus dem Osten. Diese Politik
war leicht zu verstehen, wenn auch ihre Umsetzung
gelegentlich schwierig und sogar gefährlich war.
Trotz der Versuchung einer Konzentration auf innenpolitische Probleme gibt es heute auch im Bereich der
Außenpolitik eine neue Verantwortung, der man sich
stellen muß. Um Mißverständnissen vorzubeugen die Versuchung, sich nach innen zu wenden, besteht
nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten.

In Amerika wurde das Ende des Kalten Krieges weithin
und zu recht als das Ende einer Ära - ein abgeschlossenes Kapitel - gesehen. Eines der wichtigsten und
häufigsten Themen im Präsidentschaftswahlkampf von
1992 war der Gedanke, es sei an der Zeit für die
Vereinigten Staaten, ihr eigenes Haus in Ordnung zu
So kurz diese Ereignisse auch zurückliegen, beginnen bringen. Präsident Clinton hat dies formuliert und in
sie doch in unseren Köpfen bereits eine gewisse seinem ersten Amtsjahr eine Reihe von Initiativen in
Patina anzusetzen, während wir uns nach der Eupho- den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen
rie und dem Freudentaumel der Bewältigung eines und Sozialpolitik durchgeführt, die in der Geschichte
völlig neuen Komplexes von Problemen zuwenden. ihresgleichen suchen. Gleichzeitig hat der Präsident
Michael Walzer vom Institute for Advanced Study in jedoch eindeutig klargestellt, daß Amerika seine FühPrinceton verwies vor kurzem auf die Ähnlichkeiten rungsrolle in der Weh bei der Bewältigung unserer
zwischen "dem wunderbaren Jahr 1989" und 1848, innenpolitischen Probleme besser erfüllen kann. Um
"als Professoren für Philosophie und Politologie sich aus Präsident Clintons Ansprache vor der Generalverplötzlich in die Lage versetzt sahen, Verfassungen zu sammlung der Vereinten Nationen im Herbst zu zitieschreiben". Walzer formulierte wehmütig, aberzutref- ren: "Innenpolitische Erneuerung ist ein überfälliges
fend, 1989 scheine "bereits eine Ewigkeit zurückzulie- Tonikum. Aber Isolationismus und Protektionismus
gen". Wir haben guten Grund uns zu fragen, wie der sind noch immer Gift. Wir müssen unsere Völker
grenzenlose Enthusiasmus und die Hoffnung dieser veranlassen, über ihre naheliegenden Ängste hinaus
zu einem erweiterten Horizont zu blicken." Ich möchte
Monate der Befreiung so schnell verfliegen konnten.
dieses Publikum nicht zu der Annahme verleiten, daß
Für Deutschland hat die Vereinigung die uneinge- alle Amerikaner diese Ansicht bereitwillig teilen. Mächtige
schränkte Souveränität und Befreiung von den Be- Stimmen fordern eine Umkehrung des Engagements
schränkungen und Härten des Kalten Krieges bewirkt. der Vereinigten Staaten im Ausland, denen mit Hilfe
Sie hat auch neue Verantwortung mit sich gebracht, derjenigen im Ausland und insbesondere in Europa
die eine neue Denkweise erfordert. Das vereinigte widerstanden werden muß, die den Glauben dieser
Deutschland ist nicht nur ein größeres Deutschland. Administration an ein dauerhaftes amerikanisches
Es ist auch ein anderes Deutschland als das West- Engagement in Übersee teilen.
deutschland der Zeit des Kalten Krieges, das sich
bemüht, die Erfahrungen und Perspektiven zweier Deutschland könnte in zweifacher Weise versucht
Gruppen von Deutschen nach nahezu einem halben sein, sich nach innen zu wenden. Auf nationaler Ebene
Jahrhundert unterschiedlicher Geschichte miteinan- hat sich die vollständige Integration der neuen Länder
der zu verknüpfen. Dieser noch lange nicht abge- in die Wirtschaft und Gesellschaft des vereinigten
schlossene Prozeß wird entscheiden, was das neue Deutschland als sehr viel größere Herausforderung,
Deutschland sein wird. Wir Amerikaner sind uns der kostenintensiver und psychologisch mühsamer erwieSie konfrontierenden Schwierigkeiten und noch zu sen, als man 1989 je prognostiziert hätte. Ich bin
bewältigenden Probleme bewußt. Wir haben jedoch erstaunt über das allgemeine Ausmaß dieser Fehleinauch uneingeschränktes Vertrauen in die Erfindungs- schätzung. Als Vorbereitung für diesen Posten habe
gabe der Deutschen und ihre Entschlossenheit, die ich zahlreiche 1989 und 1990 verfaßte Artikel nochHerausforderungen der Vereinigung zu meistern.
mals gelesen. Keiner sagte die Schwierigkeiten voraus, mit denen sich Deutschland heute konfrontiert
Ich möchte eine grundlegende Tatsache unterstrei- sieht.
chen: Das vereinigte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten ebenso wichtig wie das geteilte Deutsch- Deutschland sieht sich noch einer weiteren Versuland - und auf lange Sicht vielleicht noch wichtiger, chung ausgesetzt, sich nach innen zu wenden. Das

Jetzt haben wir einen anderen, vielleicht ebenso entscheidenden Augenblick durchlebt. Die Ereignisse
zwischen 1989 und 1991 brachten die herkömmliche
Ordnung unserer Welt ausdem Lot. Nichts wird jemals
wieder so sein wie es war.

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht am 1. November hat der weiteren Entwicklung dessen, was
jetzt als Europäische Union bezeichnet wird, neuen
Auftrieb verliehen. Die Notwendigkeit, gleichzeitig ein
vereintes Deutschland und ein vereintes Westeuropa
aufzubauen, konfrontiert die Deutschen mit enormen
Herausforderungen, die leicht als Rechtfertigung benutzt
werden könnten, die uneingeschränkte Aufmerksamheit auf das Inland zu lenken.

schichte und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und
eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der
einen Region nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt
betont habe.

Ich freue mich, daß die politisch Verantwortlichen in
Deutschland und den Vereinigten Staaten entschlossen sind, nicht dieser Versuchung der Abkehr von der
Welt zu erliegen. Unsere Politiker sehen sich heute
einer Situation gegenüber, die zwei früheren Wendepunkten in diesem Jahrhundert vergleichbar ist: 1919
und 1945.1919 gelang es den Politikern in Europa und
Amerika trotz guter Absichten nicht, einen dauerhaften
Frieden zu schaffen. 1945 brachte der mit nüchterner
Einschätzung des Machbaren und großen Staatsmännern kombinerte Idealismus Ergebnisse hervor, die
uns einen Rahmen für Sicherheit boten, der uns die
Zeit für die friedliche Lösung 1989-1991 einräumte.
Mit welcher Periode werden uns spätere Generationen
vergleichen? Die Entscheidung ist klar. Unsere Aufgabe besteht in der Bewältigung der gegenwärtigen
Herausforderung mit Führungsstärke und Phantasie
ebenso wie 1947. Die Geschichte und unsere Kinder
verlangen, daß wir das Fundament für eine sichere
und friedliche Zukunft legen.

Diese neue Vision wird durch seine Beteiligung an den
Friedenssicherungsmissionen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Kambodscha und
Somalia symbolisert, ist jedoch nicht auf sie begrenzt.
Dies kann im ehemaligen Jugoslawien beobachtet
werden, wo mutige Bundeswehrpiloten und -flieger
weiterhin täglich einen Beitrag zur Luftbrücke für Sarajevo und zu den Fallschirmabwürfen von humanitären
Hilfsgütern über Bosnien leisten. Es ist ebenso offenkundig in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion,
wo Deutschland nach wie vor eine Führungsrolle bei
der Bereisteliung von Hilfe spielt. Und Deutschland
sondiert darüber hinaus Wege der Zusammenarbeit in
Asien, wie kürzlich während Bundeskanzler Kohls
beeindruckendem Besuch in China beobachtet. Von
wahrscheinlich größter Bedeutung ist das eindeutige
Zeichen der politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik Deutschland, daß Deutschland schrittweise
zur Übernahme einer globalen Rolle bereit ist.

Weit davon entfernt, sich nach innen zu wenden, hat
auch Deutschland eine umfassendere außenpolitische Vision ausdrücklich bekräftigt.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten die Vereinigung
Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und Außenmini- Deutschlands begrüßt und unterstützt haben, begrüster Christopher haben immer wieder klargestellt, daß ßen und unterstützen wir die Bereitschaft Deutschein Rückzug zu einer neuen Form von Isolationismus lands, dieser neuen Rolle und Verantwortung gerecht
in den neunziger Jahren für die Vereinigten Staaten zu werden. Präsident Clinton, der seinen Respekt und
keine Alternative darstellt. Die Medien hier in Deutsch- seine Achtung für die Deutschen häufig zum Ausdruck
land haben sich vornehmlich auf das Tempo konzen- gebracht hat, teilt diese Ansicht uneingeschränkt.
triert, mit dem die amerikanischen Streitkräfte aus Unseres Erachtens hat das vereinigte Deutschland,
Deutschland und Europa abgezogen werden sowie selbst während es mit ernsthaften neuen innenpolitiauf jüngste Aussagen Washingtons über die Bedeu- schen und wirtschaftlichen Problemen kämpft, heute
tung Asiens. Dies ist angesichts der historischen eine zunehmende Rolle in der Welt zu spielen - und das
Dimension dieser Veränderungen verständlich. Die bedeutet nicht nur Europa. Wir sind uns bewußt, daß
starke Konzentration auf die amerikanischen Truppen- dieses Thema in Deutschland ernsthaft erörtert wird
reduzierungen und solche Ereignisse wie der äußerst und wollen den Deutschen im Hinblick auf die Größenerfolgreiche Gipfel von Seattle verschleiern jedoch ordnung oder Geschwindigkeit keine Ratschläge erteigelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staa- len. Das sind Ihre Entscheidungen. Meine Aufgabe
ten weiterhin 100.000 Soldaten in Europa belassen heute abend ist einfach: Sicherzustellen, daß diese
wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Euro- Administration eine sich abzeichnende Rolle Deutschpa für die Vereinigten Staaten nichts - ich wieder- lands auf der globalen Bühne unterstützen wird. Wir
hole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen
verloren hat. Unsere beträchtliche und greifbare sie und sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit
Truppenpräsenz ist nur eine Manifestation unseres Bonn wie bisher entgegen, jedoch in einem breiteren
Engagements für Deutschland, die NATO und die Rahmen. Aus diesem Grund unterstützen wir beizukünftige Stabilität Europas.
spielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands
Ich möchte sowohl eine persönliche als auch eine
offizielle Anmerkung zu Asien und dem Pazifik machen
- ein Gebiet, dem ich einen Großteil meiner öffentlichen und privaten Karriere gewidmet habe. Diese
Region ist für die Vereinigten Staaten von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, GeAMERIKA DIENST 49

im UN-Sicherheitsrat, wobei natürlich betont werden
mu ß, daß die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen nicht nur Status und Ehre mit
sich bringt, sondern auch Lasten und Verpflichtungen.
Unserer Ansicht nach ist Deutschland voll und ganz in
der Lage, diese zu übernehmen.
Seite 3

�Bevor ich eine Tagesordnung für die zukünftige deutschamerikanische Partnerschaft anbiete, muß ich kurz
auf einige der vor uns liegenden praktischen Probleme
eingehen. Ich beziehe mich hier nicht auf Isolationismus oder die Haushaltsdefizite unserer Nationen,
sondern auf die Vielfalt lokaler oder regionaler Konflikte, die ironischerweise die Welt instabiler machen als
während des Kalten Krieges. Die Ereignisse des 20.
Jahrhunderts haben den Nationalismus für immer der
Romantik beraubt, die ihm im letzten Jahrhundert
solche Macht verliehen hat. Trotz allem scheint er
jedoch nichts von seinem Einfluß und wenig von seinem Potential zu gelegentlichen, jedoch erschreckenden Auswüchsen von Grausamkeit verloren zu haben.
Wir können es uns jedoch nicht leisten, Problemen
solchen Ausmaßes und mit solchen Konsequenzen
wie in Bosnien den Rücken zu kehren, nur weil sie sich
einer schnellen Lösung widersetzen. Wenn ein solches Problem sich nicht mit alten Patentrezepten
beheben läßt, müssen neue gesucht werden. Wo uns
die Inspiration verläßt, müssen wir auf Durchhaltevermögen und Entschlossenheit zurückgreifen.

digkeit eines GATT-Abkommens bis zum 15. Dezember ausgesprochen. Es gibt keinen - ich wiederhole,
keinen -16. Dezember. Obwohl die Zeit knapp wird,
liegt eine Vereinbarung in greifbarer Nähe. Seien Sie
versichert, daß die amerikanischen Handelsbeauftragten und die Amerikanische Botschaft in Bonn in
diesen schwierigen letzten Stunden eng mit ihren
deutschen Kollegen zusammenarbeiten, um die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Ein Erfolg der Uruguay-Runde ist nicht nur an und für
sich wichtig, sondern auch weil der Stichtag nicht ganz
einen Monat vor dem NATO-Gipfeltreffen am 10.
Januar liegt. Das Ergebnis der GATT-Verhandlungen
wird unweigerlich Auswirkungen auf die Ereignisse im
Januar in Brüssel haben.

Deutschland hat natürlich ein vitales nationales Interesse an stabilen, florierenden, marktorientierten
Demokratien an seinen unruhigen östlichen Grenzen.
Auch wenn wir geographisch weiter entfernt sind,
teilen wir dieses Interesse uneingeschränkt. Die Vereinigten Staaten haben einen Ansatz vorgeschlagen Heute liegen vor Deutschland und den Vereinigten Partnerschaft für Frieden - der die Aussicht auf unmitStaaten neue und aufregende Möglichkeiten zur Zu- telbare Zusammenarbeit für ganz Osteuropa mit der
sammenarbeit bei der Verfolgung unserer gegenseiti- Möglichkeit noch engerer Verbindungen in der Zukunft
gen Interessen, die unseres Erachtens auch im weiter- eröffnet. Er bietet den kleineren Staaten der Region
gehenden Interesse Europas und der ganzen Wert zusätzliche Sicherheit, vermeidet jedoch gleichzeitig
neue Trennlinien durch dieses Gebiet.
liegen.
Eine dieser Chancen bietet sich eben jetzt bei den
Verhandlungen in Genf und Brüssel, wo die Unterhändler aus der ganzen Welt auf den Abschluß der
Uruguay-Runde vorder für den 15. Dezember gesetzten Frist hinarbeiten. Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben wiederholt bekräftigt, daß
internationaler Handel nicht länger als Einzelthema getrennt von Außenpolitik oder der jeweiligen nationalen Wirtschaftspolitik - behandelt werden kann.

Deutschland und die Vereinigten Staaten arbeiten eng
zusammen, um diese Partnerschaft für Frieden Realität werden zu lassen. In einem ähnlichen Zusammenhang war der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter für Rußland und die neuen unabhängigen
Staaten, Strobe Talbott, erst vor wenigen Wochen in
Bonn, um Wege zur besseren Koordinierung unserer
Bestrebungen beim Aufbau von Demokratie sowie der
Förderung von Stabilität und Wirtschaftsreformen in
dieser entscheidenden Regbn zu erörtern. Die deutschPräsident Clinton hat sein starkes Engagement für amerikanische Zusammenarbeit beim Aufbau von
offenen Handel und die Abschaffung von Protektionis- Demokratie ist weder auf offizielle Kanäle noch auf den
mus während der Debatte unter Beweis gestellt, die Osten begrenzt. Von den privaten gemeinsamen
der jüngsten Abstimmung im Kongreß über das Nord- deutsch-amerikanischen Bestrebungen auf diesem
amerikanische Freihandelsabkommen - oder NAFTA - Gebiet möchte ich besonders die Tätigkeit des Gervoranging. Seit vielen Jahren hat kein amerikanischer man Marshall Fund hervorheben, dessen Treuhänder,
Präsident soviel persönliches und politisches Prestige unter anderem mein enger Freund und Berater Fritz
aufs Spiel gesetzt, um die Zustimmung des Kongres- Stern, Programme auf die neuen Länderzuschneiden.
ses zu einem internationalen Abkommen zu erlangen.
Sein beeindruckender Erfolg ist ein Signal für das Ich muß betonen, daß die deutsch-amerikanische
amerikanische Engagement zum Abbau von Handels- Partnerschaft nicht funktionieren würde, wenn sie sich
schranken und zum Aufbau einer wirklich globalen nur auf die kühle Berechnung nationaler Interessen
Wirtschaft. Meines Erachtens hat er auch den Weg gründen würde. Bei solchen Anlässen ist dies für
zum Erfolg beim GATT-Prozeß gewiesen, denn ohne gewöhnlich der Punkt, an dem der Geist von Baron von
GATT ist das NAFTA offensichtlich ein unvollständiger Steuben und Carl Schurz beschworen wird. Ein weiProzeß, der das Welthandelssystem verzerren könn- teres Lieblingsthema ist das eines meiner Vor-Vorgänte.
ger, Botschafter Jacob GoukJ Schurman - der berühmte Tribut an die deutsch-amerikanische Freundschaft,
Bundeskanzler Kohl und seine Amtskollegen haben den er und Gustav Stresemann gemeinsam auf einem
sich ebenso wie wir in der Öffentlichkeit für die Notwen- Podium der Heidelberger Universität im Jahr 1928
Seite4

AMERIKA DIENST 49

�zollten. Dies ist ein ausgezeichnetes Thema für den
jährlich begangenen Deutsch-Amerikanischen Tag,
aber wir alle hier wissen, daß diese Partnerschaft in
etwas Unmittelbarerem und Konkreterem wurzelt:
Unseren gemeinsamen Erfahrungen seit 1945.
Millionen Amerikaner und ihre Familienangehörigen
haben hier in den letzten mehr als 40 Jahren gedient.
Sie haben in deutschen Gemeinden gelebt und ihre
positiven Erfahrungen mit nach Hause genommen.
Praktisch die gesamte Nachkriegsgeneration westdeutscher Politiker aller Ressorts hat die Vereinigten
Staaten bereist, dort gelebt oder studiert. Darüber
hinaus verbindet ein riesiges Netz von Kontakten in
den Bereichen Handel, Bankwesen, Kultur und Bildung unsere beiden Völker fest miteinander. Die
Atlantik-Brücke selbst und das Aspen Institut sind
ausgezeichnete Beispiele hierfür.

men aller Art zwischen Ostdeutschen und Amerikanern tun.
Damit komme ich zu meiner zentralen Aussage des
heutigen Abends zurück, daß wir auf unsere gemeinsamen Erfahrungen aufbauen müssen und nicht die
Hände in den Schoß legen dürfen. Wir benötigen keine
gemeinsame Bedrohung mehr, um zusammenzuarbeiten. In der Tat sollte sich eine neue Partnerschaft
nicht ausschließlich oder vornehmlich auf Bedrohungen von außen gründen, sondern auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft. Ich beabsichtige, in
einerweiteren Rede im kommenden Monat im einzelnen auf diese bilateralen Themen einzugehen, in der
ich hoffentlich einige neue Entwicklungen in der USMission in Deutschland bekanntgeben kann.

Zweifelsohne werden wir nicht immer übereinstimmen, insbesondere bei der Suche nach Lösungen in
der
neuen und komplexeren Welt, der wir uns jetzt
Die Deutschen, die in der ehemaligen DDR gelebt
gegenübersehen,
aber wir müssen ehrlich und kontihaben, denen über Jahre hinweg Lügen über Amerika
nuierlich
miteinander
reden, wenn wir die erforderliche
und Westdeutschland aufgetischt wurden, beginnen
Führungsstärke
bieten
wollen. Meine Aufgabe hier
erst jetzt, diese Art von Kontakten und Austauschprobesteht
nicht
darin,
als
Hüter
dieser Beziehungen zu
grammen mit Amerikanern zu erfahren. Auf beiden
fungieren,
sondern
mit
Hilfe
meiner
deutschen AmtsSeiten muß mehr getan werden, um diese Situation zu
kollegen
und
den
heute
abend
hier
Anwesenden siverbessern. Die Einrichtung eines Amerikanischen
cherzustellen,
daß
wir
auf
der
von
unseren
VorgänGeneralkonsulats in Leipzig und seine Aktivitäten in
gern
geschaffenen
Grundlage
aufbauen
und
sie
erweiSachsen und Thüringen sind ein greifbares Beispiel für
tern.
das amerikanische Engagement. Wir werden in Zukunft mehr für die Förderung von Austauschprogram-

*

AMERIKA DIENST 49

* * *

*

Seite 5

�KSZE
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen
ROM - (AD) - Außenminister Christopher zufolge ist die Vision der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von umfassender Sicherheit für ein neues Europa auf der Grundlage von Demokratie
und kooperativer Sicherheit noch weit von ihre vollständigen Verwirklichung entfernt.
In seinen Ausführungen vor der KSZE-Plenarsitzung am 30. November 1993 verwies der Außenminister auf drei
Bereiche, in denen weitere Fortschritte zur Umsetzung der vor drei Jahren beim Pariser Gipfeltreffen umrissenen
Vision der KSZE erzielt werden müssen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Ich möchte Ministerpräsident Ciampi und Außenminister Andreatta für die Veranstaltung dieses Ministertreffens meinen Dank aussprechen.

dem wurden beachtliche Fortschritte erzielt. Unsere
Vision ist jedoch von ihrer vollständigen Verwirklichung noch wert entfernt.

Dies ist das erste von mehreren wichtigen Treffen, an
denen ich in dieser Woche in Europa teilnehmen
werde, zunächst hier in Rom und dann in Brüssel. In
etwas mehr als einem Monat wird Präsident Clinton
zum NATO-Gipfeltreffen reisen, dem ersten von drei
Besuchen, die er Europa im ersten Halbjahr 1994
abstatten wird. Diese Besuche unterstreichen die
andauernde Bedeutung, die die Vereinigten Staaten
ihren Beziehungen zu Europa beimessen.

Nationen wurden wiedergeboren und ethnische Identitäten fest behauptet. Es entstand jedoch auch aggressiver und häufig myopischer Nationalismus, und
fürchterliche ethnische Konflikte brachen aus. Die
Fundamente demokratischer Institutionen werden
gelegt, aber ihre Strukturen sind noch im Aufbau
begriffen. Eine freie Presse ist ein allgemein anerkanntes Ideal, aber noch keine gemeinsame Realität.
Der steinige Weg zu Wirtschaftsreformen hat begonnen, wirtschaftliche Härten sind jedoch noch immer
wertverbreitet.

Ich möchte dieses wichtige Gremium und die Welt
wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten den transatlantischen Beziehungen - sowie der Sicherheit und Die KSZE ist eine kreative und viele Nationen umfasdem Wohlstand Europas - unerschütterlich verpflichtet sende Institution. Wir müssen ihre einzigartigen Fäsind. Mit keiner Region der Welt sind wir enger higkeiten nutzen, um zur Gestaltung eines durch
verbunden. Wir sind nicht nur durch Verträge aneinan- demokratische Institutionen, Achtung der Menschender gebunden, sondern durch die dauerhaften Bande rechte und wachsenden Wohlstand gesicherten neuder Geschichte, Kultur und gemeinsamen Werte.
en Europas beizutragen. Dies ist die einzige Grundlage für ein künftiges Europa im Frieden.
Die Vision der KSZE von umfassender Sicherheit
wurzelt tief in diesen gemeinsamen Werten, und daher Die dauerhafte Besorgnis um die menschliche Würde
ist es mir eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei diesem und ihre Achtung sind ein Kernstück der amerikaniMinistertreffen der KSZE zu vertreten.
schen Außenpolitik. Wir sind uns bewußt, daß wir in
den Vereinigten Staaten noch keine perfekte Union
Vor drei Jahren - beim Pariser Gipfeltreffen - umriß die haben. Wir streben jedoch kontinuierlich nach der GeKSZE die Vision eines neuen Europas auf der Grund- währleistung der Achtung und des Schutzes jedes
lage von Demokratie und kooperativer Sicherheit. Seit- einzelnen.

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Diese Besorgnis um Menschenrechte erstreckt sich
auf alle Beziehungen der Vereinigten Staaten in der
Welt. Obwohl es nicht das einzige uns leitende Prinzip
ist, würde eine amerikanische Außenpolitik ohne das
Engagement für internationale Menschenrechte weder den Idealen noch den Interessen unserer Nation
gerecht.
Jeder KSZE-Mitgliedstaat ist zur Wahrung und zum
Schutz der Rechte des einzelnen verpflichtet. Auf
beiden Seiten des Atlantiks besteht großes Interesse,
Respekt für Vielfalt zu schaffen, Minderheiten das
Wahlrecht zu gewähren und jedem ein Mitspracherecht am nationalen Leben einzuräumen. Wie der
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums demonstriert, kann kein Staat langfristig Stabilität und Wohlstand ohne eine offene Gesellschaft und ein grundlegendes Engagement für Menschenrechte erlangen.
Seit ihren ersten Tagen hat die KSZE dazu beigetragen, die internationale Besorgnis über die Behandlung
der Bürger eines Landes rechtlich zu untermauern.
Menschenrechte müssen weiterhin an oberster Stelle
der KSZE-Tagesordnung stehen. Der Hochkommissarfürnationale Minderheiten hat einen maßgeblichen
Beitrag zum Schutz von Minderheiten geleistet, in der
ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien, der
Slowakei und Albanien. Das Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte hat Menschenrechtsmissionen effektiv organisiert und Wahlen überwacht.
Im ehemaligen Jugoslawien, in Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan und anderen KZSE-Staaten
finden jedoch immer noch gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Diese Menschenrechtsverletzungen gilt es zu unterbinden.

Die Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen und Bedrohungen der Grundfreiheiten ist nur
ein Teil der uns konfrontierenden Herausforderungen.
Wir müssen uns auch mit den Konsequenzen eines
Konflikts befassen, der sich einer Lösung widersetzt
hat, und bei dem die Parteien bisher die Beendigung
des Blutvergießens und Mordens hartnäckig verweigert haben.
In diesem Jahr ist der Winter früh in Bosnien eingebrochen, und die humanitäre Krise hat sich verschärft.
Unter diesen tragischen Umständen werden die Vereinigten Staaten ihre humanitären Bestrebungen zur
Milderung des Leidens verstärken. Wir werden eng mit
dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um den wirksamsten Einsatz dieser Hilfe auszumachen. Als größtes einzelnes
Geberland haben wir seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Jahr 1991 bereits Hilfsleistungen im Wert
von weit über 400 Millionen Dollar bereitgestellt.
Heute gebe ich einen weiteren Beitrag der Vereinigten
Staaten von 150 Millionen Dollar für Programme und
Organisationen bekannt, die den entscheidendsten
Aspekt der Winterhilfe abdecken. Unser Ziel besteht
in zusätzlichen Nahrungsmittellieferungen, Material,
um die Unterkünfte winterfest zu machen, Flüchtlingshilfe und medizinischer Versorgung für die Menschen
in Bosnien durch folgende Maßnahmen:
Erstens sind wir zur Verdoppelung der amerikanischen
Flüge im Rahmen der multinationalen Luftbrücke für
Sarajevo bereit. Die Vereinigten Staaten fliegen zur
Zeit rund ein Drittel aller Missionen und haben während
der 500tägigen Geschichte der Luftbrücke dank dieser
Bestrebungen insgesamt 6.000 Flüge absolviert. Diese
durch die Luftbrücke geschaffene Lebensader - der
Hauptversorgungsweg für Sarajevo - hat inzwischen
die Dauer der Berliner Luftbrücke von 1948 übertroffen.

Der Schutz der Menschenrechte erfordert freie und
starke Medien. Ein renommierter Richteram Obersten
Bundesgericht, der inzwischen verstorbene Benjamin
Cardozo, hat einmal erklärt: "Redefreiheit ist die
M atrix, d ie u nerlä ßliche Voraussetzu ng praktisch jeder Zweitens sind wir bereit, die benötigten Lieferungen
anderen Form von Freiheit."
zum Flughafen Tuzla zu transportieren, sobald dieser
geöffnet wird. Darüber hinaus werden wir das erforWir müssen sorgfältig beobachten und sicherstellen, derliche Gerät bereitstellen, um ihn offen zu halten.
daß die Redefreiheit nicht nur proklamiert, sondern in Dieser Flughafen könnte die entscheidende Anlaufallen aufstrebenden Demokratien praktiziert wird. stelle für die humanitäre Hilfe werden. Bisher haben
Während diese Länder neue Verfassungen und Ge- die bosnischen Serben und Kroaten die Nutzung des
setze erlassen, sollte die KZSE darauf bestehen, daß Flughafens zu diesem Zweck verhindert. Wir fordern
die Pressefreiheit vollständig geschützt und frei von alle kriegführenden Parteien auf, ihr unverantwortlistaatlicher Einflußnahme ist.
ches Verhalten zu ändern, durch das der Transport
dringend benötigter Lieferungen über diese EinrichBei der Sicherstellung der Pressefreiheit sind Forttung blockiert wird. Wir fordern die kriegführenden
schritte erzielt worden, obwohl bei der Verteilung und
Parteien ferner zur Einhaltung ihrer kürzlich unterVerfügbarkeit von Presseerzeugnissen noch immer
zeichneten Abkommen auf sowie den Landweg für die
starke Einschränkungen bestehen. Ein noch größeres
Hilfskonvois zu sichern. Die kriegführenden Parteien
Hindernis beim Aufbau offener Gesellschaften ist der
müssen erkennen, daß dies in ihrem eigenen InteresMangel an Fortschritten bei der Aufhebung der Fernse liegt. Ungehinderter Zugang wird den vitalen Beseh- und Rundfunkzensur. Das Fernsehen ist das
dürfnissen aller bosnischen Fraktionen dienen.
"größte Megaphon" einer Demokratie und darf nicht
zum Faustpfand irgendeiner Partei werden.

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AMERIKA DIENST 49

�Drittens wird unser neuer Beitrag die Fallschirmabwürfe verstärken. In den vergangenen acht Monaten
haben die kontinuierlichen Fallschirmabwürfe von
Nahrungsmitteln und sonstigen Gütern für die isoliertesten und gefährdetsten Gemeinden den Unterschied
zwischen Leben und Tod für Tausende Bosnier bedeutet. Nachdem wir nahzeu 80 Prozent der Flüge übernommen und über 10 Millionen Mahlzeiten abgeworfen haben, wissen wir, daß dieses Programm entscheidend ist. Mit den neuen Mitteln können wir die
Hilfsleistungen verdoppeln, die wir für dieses lebenswichtige Unternehmen bereitstellen. Die Pakete werden femer Material enthalten, um die Unterkünfte
wintertest zu machen, damit die Menschen in den
entlegendsten Regionen den Winter überleben können.
Viertens haben wir entschieden, die Nutzung des
amerikanischen Militärhospitals in Zagreb zu verbessern, um schwer verwundete bosnische Kinder medizinisch versorgen zu können.
Wir fordern andere Regierungen und regionale Organisationen wie die Organisation der islamischen Konferenz auf, ihr Engagement zu verstärken und damit
den unschuldigen Menschen in Bosnien zu helfen,
diesen Winter zu überleben. Was immer wir jedoch an
Hilfe leisten - es ist nie genug. Solange der bewaffnete
Konflikt andauert, ist es nach menschlichem Ermessen unmöglich, das Leiden der Menschen in Bosnien
zu beenden. Die einzige Antwort besteht darin, den
Kämpfen ein Ende zu bereiten, und das einzige Mittel
dafür ist eine Verhandlungslösung. Die Vereinigten
Staaten ermutigen und unterstützen diplomatische
Bestrebungen zu einem Friedensabkommen für Bosnien.

die Opfer von Kriegsverbrechen und anderer Menschenrechtsverletzungen bestehen. Die für die Greueltaten Verantwortlichen müssen für ihr Handeln zur
Rechenschaft gezogen werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen das Kriegsverbrechertribunal uneingeschränkt, das seine Arbeit am 17. November aufgenommen hat. Das Tribunal hat die erforderliche Befugnis, um die Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zu
überstellen, wo immer sie auch sein mögen und aufgespürt werden. Keine Nation, die angeklagten oder vom
Tribunal einbestellten Personen Zuflucht gewährt oder in irgendeiner anderen Weise seine Arbeit behindert - kann auf einen guten Stand als Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft hoffen. Die Arbeit
des Tribunals wird zur Abschreckung derjenigen beitragen, die ethnische und territoriale Konflikte durch
Angriffe auf Zivilisten beilegen wollen.
Wir müssen uns auch auf die Verhinderung und Lösung von Konflikten andernorts auf dem Kontinent
konzentrieren. In Rom sollten wir heute eine Entscheidung zur Stärkung der Fähigkeit der KSZE erzielen,
ein sicheres Europa aufzubauen. Insbesondere müssen
wir handeln, um die Fähigkeit der KSZE zur Vorwarnung und Verhinderung von Konflikten zu verbessern.
Die KSZE hat bereits einen Vorsprung bei präventiver
Diplomatie erzielt. In Moldawien, Estland, Lettland,
Georgien, Tadschikistan und Nagomyi Karabach sowie
im ehemaligen Jugoslawien ebnen die KSZE-Missionen den Weg zur Verhinderung von Konflikten, Eindämmung ihrer Ausweitung und Beendigung offener
Kampfhandlungen. Die Mitglieder dieser Missionen
sollten auf ihre Leistung unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen stolz sein, wo ethnische Konflikte
und Menschenrechtsverletzungen das Gefüge von
Staaten und Kulturen zerbrechen lassen. Obwohl wir
einen guten Anfang gemacht haben, ist es eben nur ein
Anfang. Wir müssen mehr tun, insbesondere in den
neuen unabhängigen Staaten, wo die KSZE lebenswichtige Unterstützu ng der Reformer bei Aufbau unabhängiger, demokratischer Gesellschaften leisten kann.

Zwei spezifische KSZE-Aktivitäten verdienen unsere
uneingeschränkte Unterstützung: Die der Sanktionsüberwacher auf dem Balkan und die von Skopje ausgehende Mission zur Eindämmung des Konflikts. Diese
Aktivitäten sind nicht nur unerläßlich für eine mögliche
Lösung, sondern demonstrieren auch unsere Entschlossenheit, eine Ausweitung zu verhindern und die In Georgien müssen wir unsere Anstrengungen verKosten der Aggression in die Höhe zu treiben.
doppeln, um der Regierung bei der Erlangung von
Frieden und Stabilität behilflich zu sein und gleichzeitig
Wir verurteilen jede Einmischung in die Beobachter- die Respektierung der Menschenrechte und territoriamissionen der KSZE im ehemaligen Jugoslawien. Die len Integrität des Landes sicherzustellen. In MoldaVereinigten Staten erachten die Ausweisung der KSZE- wien kann das verbesserte Mandat unserer Mission
Beobachter aus Kosovo, Vojvodina und Sandschak allen Parteien bei der Schaffung eines politischen
als völlig ungerechtfertigt. Wir drängen die KSZE zu Rahmens für Frieden helfen und den baldigen Abzug
weiterem Druck auf die serbischen Behörden, die der verbliebenen russischen Truppen unterstützen. In
Rückkehr der Beobachter zu gestatten und jegliche Tadschikistan kann die unverzügliche Einrichtung einer
Einmischung in die KSZE-Bestrebungen zur Bericht- kleinen Mission am Boden den internationalen Bestreerstattung über die Ereignisse in diesen Regionen zu bungen zur Förderung der politischen Aussöhnung
unterlassen.
behilflich sein, die für Stabilität in dieser krisengeschüttelten Region erforderlich ist.
Während wir versuchen, das Leiden zu mildern und
den Konflikt auf dem Balkan zu beenden, müssen wir In Nagornyi Karabach zwingen uns das andauernde
für das Völkerrecht eintreten und auf Gerechtigkeit für Leiden Hunderttausender Flüchtlinge und die Gefahr

AMERIKA DIENST 49

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�neuer Feindseligkeiten zur Intensivierung unserer
Bestrebungen für die Beendigung des Konflikts. Auf
Initiative Italiens hat die Minsk-Gruppe beachtliche
Fortschritte bei der Sondierung eines gemeinsamen
Standpunkts der Parteien erzielt. Jetzt ist es an der
Zeit für die Zustimmung aller Parteien zu dem so
mühsam von den Unterhändlern dieses Forums ausgearbeiteten Zeitplan. Wir wissen, daß Schweden,
das jetzt den Vorsitz der Minsk-Gruppe innehat, dieses
Ziel entschlossen verfolgen wird.

len, wo wir die Beseitigung von Nuklearwaffen anstreben. Wir begrüßen die Unterzeichnung des STARTVertrags und die Einhaltung des Nichtverbreitu ngsvertrags durch Belarus. Wir begrü ßen darüber hinaus die
Absicht Kasachstans, den START-Vertrag zu unterzeichnen und Präsident Nazarbajews Zusicherung zur
Einhaltung des NW. Wir sehen dem Abschlu ß solcher
Maßnahmen durch die Ukraine entgegen.

Während wir die KSZE stärken, müssen wir auch
andere regionale Institutionen anpassen. Wir können
Das Engagement der KSZE bei diesen Konflikten dauerhaftere europäische Sicherheit durch die Verunterstreicht darüber hinaus die Herausforderung, einen flechtung von Strukturen fördern, die jeweils mit sich
Konsens zu Richtlinien für die Überwachung der regio- ergänzenden Rollen und Aufgaben versehen werden.
nalen Friedenssicherung durch die KSZE zu erzielen. Die NATO steht im Zentrum der transatlantischen
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß Sicherheit und wird der zentrale Punkt des Engagedie KSZE eindeutig Stellung zu den unseren Mitglie- ments der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Eurodern angemessen erscheinenden militärischen Aktivi- pas bleiben. Wir arbeiten mit unseren europäischen
täten beziehen muß. Und es ist an der Zeit, die Verbündeten bei der Anpassung der NATO an die
Instrumente zu erarbeiten um sicherzustellen, daß die neuen Herausforderungen eines ungeteilten Europas
mit der Friedenssicherung befaßten Kräfte ihre Aufga- zusammen - und machen ehemalige Gegnerzu neuen
ben in strikter Neutralität und in gutem Glauben aus- Partnern für Frieden.
üben.
Wir haben i-nseren NATO-Verbündeten eine PartnerDarüber hinaus müssen wir das gesamte Spektrum schaft für Frieden vorgeschlagen, die unsere Partner
der KSZE-Konfliktverhinderungsinstrumente besser im Nordatlantischen Kooperationsrat (NAKR) und in
nutzen, vom Mechanismus der "menschlichen Dimen- anderen europäischen Nationen in die praktische Sision" bis zu dem in Stockholm vereinbarten Mechanis- cherheitzusammenarbeit einbeziehen wird. Gleichmus zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten. Bei zeitig schlagen wir vor, die Tür zu einer evolutionären
diesem Treffen werden wir den amerikanischen Vor- Entwicklung der N ATO-M rtgliedschaft zu öffnen. Beim
schlag zur Erarbeitung eines "Plans für schnelles Ministertreffen des Nordatlantikrats und des NAKR
Eingreifen" verabschieden. Ich freue mich, daß wir Ende dieser Woche in Brüssel werden im Vorfeld des
dank dieser Entscheidung Diplomaten und Experten NATO-Gipfels wichtige Initiativen erörtert.
aus dem öffentlichen und privaten Sektor besser einbeziehen können - die zum raschen Einsatz zur Ver- Die Vision der KSZE zwingt uns zu der Erkenntnis, daß
stärkung oder Einleitung einer Mission bereit sind. Die Demokratie und Sicherheit durch Wohlstand nachhalVereinigten Staaten haben Regierungsvertreter als tig unterstützt werden. Beim Pariser Gipfeltreffen
Beobachter zur Unterstützung der KSZE-Missionen 1990 und erneut beim Wirtschaftsforum 1993 sah die
benannt und auch beträchtliche Mittel zur Verfügung KSZE freie Marktwirtschaften als unerläßlichen Begesteift. Wir tragen unseren Teil bei und fordern alle standteil ihrer Vision.
KSZE-Mitgliedstaaten auf, dasselbe zu tun.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas, die den schwierigen
Übergang zu marktwirtschaftlichen Demokratien
Die KSZE muß ebenfalls einen Teil durch die Straffung
vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile
ihres Entscheidungsfindungsprozesses leisten. Der
bieten
können.
Ihre Bürger müssen wissen, daß ihre
Wert der KSZE hängt von ihrer Flexibilität, ihrer relativ
Opfer
durch
die
Handelspolitik der führenden Indugeringen Bürokratie und ihrer Fähigkeit zu Innovatiostrienationen
belohnt
werden. Unser Engagement für
nen ab. Diese Vorteile müssen gewahrt werden.
die neuen Demokratien des Ostens wird häufig an dem
Darüber hinaus kann die KSZE auch regionale Stabi- Ausmaß gemessen, in dem wir im Westen Marktzulität fördern, insbesondere durch das noch nicht voll gang gewähren.
ausgeschöpfte Potential des Forums für Sicherheitszusammenarbeit. Ein sicheres Europa kann die Ver- Die Öffnung von Märkten in Schlüsselsektoren - und
breitung von Massenvernichtungswaffen nicht zulas- der erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde bis zum
sen. Die Sicherheitsprinzipien der KSZE verpflichten Stichtag am 15. Dezember - wird die ost- und mitteleuuns, auf die Androhung oder den Einsatz von Gewalt ropäischen Nationen auf den Weg zu größerem
gegen die territoriale Integrität und politische Unab- Wohlstand, Sicherheft und Demokratie bringen. Ein
hängigkeit zu verzichten. Diese Prinzipiem bilden die Scheitern wird die Nationen des Westens spalten und
Grundlage der Sicherheitszusagen, die wir den Nach- die Härten für neue und alte Demokratien gleichermafolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geben wol- ßen verschärfen.

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AMERIKA DIENST 49

�Um es nochmals zu wiederholen, wir stehen heute an
einem Wendepunkt für diesen Kontinent. Obwohl die
Umgestaltung des Ostens etwas von ihrer Dynamik
eingebüßt hat, liegt ein sichereres, freieres und besseres Europa noch immer in greifbarer Nähe. Wir wollen
unser Versprechen eines demokratischen und unge-

teilten Europa erfüllen - ein in den Prinzipien dieser
Institution verankertes Versprechen. Wir wollen unser
Engagement für die KSZE verstärken, während wir die
Zukunft Europas in Demokratie und Frieden aufbauen.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 5

�NATO
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PARTNERSCHAFT
FÜR FRIEDEN
Rede vor dem Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenminister Christopher am 3. Dezember 1993
beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) im NATO-Hauptquartier gehaltene Rede.

Mit der von Präsident Clinton im Oktober vorgeschlagenen Partnerschaft für Frieden ist die NATO zur
Erweiterung ihres Engagements für den Osten bereit.
Alle Mitglieder des NAKR - ebenso wie einige andere
europäische Länder - sind zur Beteiligung aufgefordert. Unser Ansatz bezieht alle ein. Jede Nation
entscheidet für sich selbst, wie intensiv und aktiv sie
sich engagieren und welche Ressourcen sie bereitstellen will.

Wir möchten, daß die Partner Seite an Seite mit den
NATO-Mitgliedstaaten planen, ausbilden und üben.
Wir erwarten den Beginn dieser Aktivitäten im nächsten Jahr. Die Partner werden sich an bestimmten, die
Aktivitäten der Partnerschaft leitenden politischen und
militärischen Gremien der NATO sowie an einer militärischen Planungsgruppe beteiligen.

Die Partnerschaft an sich ist ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig werden aktive Teilnehmer an der PartnerDie Partnerschaft für Frieden steht für eine feierliche schaft dazu beitragen, die Länder auf die Erfüllung
Verpflichtung der NATO. Die Mitglieder dieser Part- ihrer Verpflichtungen der NATO-Mitgliedschaft vorzunerschaft werden Verpflichtungen gegenüber der NATO bereiten. Natürlich werden viele andere Faktoren in
und untereinander eingehen. Aktive Partner sollten jede Entscheidung der Mitglieder einfließen, und die
das Recht zu Konsultationen mit der NATO haben, Erweiterung vollzieht sich nicht über Nacht. Mit all der
wenn ihre territoriale Integrität, natürliche Unabhän- wechselseitigen Verantwortung, die sie erfordert, muß
die NATO-Mitgliedschaft das Ergebnis eines evolutiogigkeit und Sicherheit bedroht sind.
nären Prozesses sein. Dieser Prozeß muß die KernDie Partnerschaft für Frieden wird den Ländern nut- funktionen und die operative Effektivität des Bündniszen, die sich beteiligen. Von diesen Ländern wird auch ses erhalten. Und er muß im Einklang mit Artikel 10
erwartet, daß sie ihre Ressourcen und Erfahrung zum des Nordatlantikvertrags stehen.
gegenseitigen Nutzen beitragen.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
Wir verwenden den Begriff "Partner" absichtlich. Wir die NATO dank der Partnerschaft für Frieden ihre
möchten die beteiligten Nationen in sehr viel engere Stärke, Geschlossenheit und ihre unlösbaren Bande
Beziehungen zur NATO bringen. Die Partnerschaft über den Atlantik hinweg verbessern kann. Die Partwird Zusammenarbeit unter ihren Mitgliedern auf ei- nerschaft wird darüber hinaus ein beispielloses Enganem qualitativ neuen Niveau fördern. Sie wird einen gement für ein Europa mit gemeinsamen Werten und
Rahmen für beträchtlich erweiterte politische und mili- gemeinsamer Sicherheit auf die Probe stellen und zu
tärische Kooperation bieten. Sie wird den Weg für diesem Europa beitragen - im Osten wie im Westen.
gemeinsame Krisenbewältigung, Friedenssicherung
und humanitäre Missionen ebnen. Die Partnerschaft Ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis Fortschritte
für Frieden wird die Vielfalt der Instrumente erweitern, machen wird. Ich bin zuversichtlich, daß wir alte
die wir in absehbarer Zukunft auf Sicherheitsprobleme Gegner zu neuen Partnern machen werden, und ich
anwenden können.
bin zuversichtlich, daß wir ein neues Europa aufbauen
werden.
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Wie ich bereits erwähnte, haben wir gestern im Nord- Sie versichert, daß Ihre Ansichten sorgfältig erwogen
atlantikrat die Aussichten für Partnerschaft verbes- werden, während das Bündnis diese bedeutende Inisert. Heute haben wir das Privileg, diese wichtige neue tiative verfolgt und wir uns auf den Gipfel vorbereiten.
Initiative mit unseren NAKR-Partnem zu erörtern. Seien Ich sehe Ihren Reaktionen erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�NATO
8. Dezember 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin
WASHINGTON - (AD) -In einer Rede vor dem Atlantischen Rat der Vereinigten Staaten am 3. Dezember 1993
erläuterte Verteidigungsminister Les Aspin Präsident Clintons Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden und
bezeichnete sie als den anderen Teil von General Marshalls Vision.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Um die sich uns heute in Europa bietenden Chancen
zu verstehen, sollten wir zunächst Rückblick auf das
Europa vor 45 Jahren zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg halten.
Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Der Zweite
Weltkrieg war beendet. Freiheitsliebende Nationen
waren siegreich. Und ebenso wie heute war die
Nachkriegszeit ein historischer Wendepunkt. Gefahren lauerten, aber es gab auch die Chance zum Aufbau
eines sicheren, geeinten Europas.

Europas zu eigen zu machen. Diese Vision ist jetzt in
greifbare Nähe gerückt. Um sie zu nutzen, müssen wir
jedoch drei Dinge vollbringen.
Erstens müssen wir bekräftigen, daß die euro-atlantische Region eine unteilbare geopolitische Region ist
und die Vereinigten Staaten sich infolgedessen weiterhin in Europa engagieren.

Zweitens müssen wir den Erfolg der demokratischen
und wirtschaftlichen Reformen in Mittel- und Osteuropa unterstützen, einschließlich Rußlands, der Ukraine
Das war natürlich die von George C. Marshall umrisse- und der anderen ehemaligen sowjetischen Republine Vision, als er das Mikrophon ergriff, um seine ken. Wir sollten den mutigen Bestrebungen der Reforberühmte Rede bei der Abschlußfeier in Harvard zu mer in diesen Nationen besondere Aufmerksamkeit
widmen. Freiheit und Wohlstand sind die besten
halten.
Garanten von Sicherheit und Stabilität in ganz Europa.
Diese Vision war allumfassend. Marshalls Plan wurde
ganz Europa angeboten, vom Atlantik bis zum Ural, Drittens müssen wir die Entwicklung eines neuen
einschließlich der Sowjetunion und den Ländern Ost- Sicherheitssystems fördern, das sich auf die Realitäeuropas. Seine Vision - ein Kontinent prosperierender tendes heutigen Europas gründet und nicht auf die zur
Demokratien, die zu ihrer gegenseitigen Sicherheit in Teilung Europas während des Kalten Krieges gezogeinternationalen Beziehungen zusammenarbeiteten. Kein nen künstlichen Grenzen. Dies ist natürlich eine
schwierige Aufgabe.
Land war ausgeschlossen.
Meines Erachtens haben wir einen Prozeß in die Wege
geleitet, der ein solches System hervorbringen könnte,
und ich möchte heute darüber sprechen. Es ist ein
Und nur ein Teil von Marshalls Vision wurde verwirk- Vorschlag, den wir unseren NATO-Verbündeten zur
licht.
Erörterung beim Gipfeltreffen im Januar unterbreitet
haben. Er heißt Partnerschaft für Frieden. Ich habe
Heute, 45 Jahre und einen Kalten Krieg später bietet
bei meinen Gesprächen am 20. Oktober 1993 in
sich uns eine weitere Chance - nicht einen neuen
Travemünde diese Partnerschaft grob umrissen, und
Marshallplan vorzulegen, sondern dort weiterzumaAußenminister Christopher hat ausführlich darüber
chen, wo der Kalte Krieg aufhörte, und uns erneut
gesprochen. Heute möchte ich im einzelnen darauf
Marshalls Vision eines ungeteilten, sicheren und freien
eingehen.

Aber die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Stalin lehnte
das Angebot ab. Der Eiserne Vorhang fiel.

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Wir gehen bei unserem Ansatz dazu von bestimmten
Annahmen aus und es ist wichtig, sie eingangs zu
erwähnen. Sie lauten, daß die NATO eine einzigartig
effektive internationale Sicherheitsorganisation ist, die
an die Ära nach dem Kalten Krieg angepaßt werden
sollte, die NATO weiterhin unser Hauptkanal für ein
Engagement in Europa ist und schließlich, daß die
NATO das Kernstück jedes neuen euro-atlantischen
Sicherheitssystems bilden sollte.

anderen Formen der Beteiligung an NATO-Aktivitäten
erarbeiten.
Bis dahin wäre klar, welche Nationen aktive, einen
Beitrag leistende Partner für Frieden zu werden beabsichtigen. Das von den Planern unterbreitete Programm würde der NATO und den politisch befugten
Partnern zur Zustimmung vorgelegt, und der Durchführungsprozeß würde beginnen.

Eines der wesentlichsten Produkte dieses Prozesses
für den aktiven Partner sind Sicherheitskonsultationen. Verbündete und Partner würden Konsultationen
vereinbaren, wenn die territoriale Integrität, politische
Unabhängigkeit oder Sicherheit eines Partnerstaats
bedroht
wären. Diese Konsultationen sollten viel zur
In unserer Vorstellung wird die Partnerschaft den
Verbesserung
des Gefühls von Sicherheit und StabiliRahmen für detaillierte, operative militärische Zusamtät
der
Osteuropäer
beitragen.
menarbeit bei multinationalen Sicherheitsbestrebungen bilden, die das Kernstück der NATO sind.
Es ist wichtig, hier festzustellen, daß die Partnerschaft
Die an der Partnerschaft beteiligten Nationen würden zwei Dinge nicht gewähren kann: Die Sicherheitsgaletztlich mit der NATO an einer Reihe militärischer rantie der NATO und automatische Mitgliedschaft zu
Aktivitäten teilnehmen. Zu diesen Aktivitäten könnten einem späteren Zeitpunkt.
gemeinsame militärische Planung, Ausbildung und
Übungen zählen. Sie könnten sogar Operationen wie Erstens, die Sicherheitsgarantie. Artikel 5 des NordatSuch- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe, Frie- lantikvertrags fordert von allen Parteien, daß ein
bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von
denssicherung und Krisenmanagement beinhalten.
ihnen als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird.
Die Partnerschaft für Frieden leitet einen Prozeß in die Die Garantie von Artikel 5 würde sich nicht auf die
Wege, der uns von u nserem heutigen Stand zu diesem Partner erstrecken.
neuen Stadium der Sicherheitszusammenarbeit bringt.
Die nächste gro ße Frage lautet natürlich, ob der Beitritt
Sie würde folgendermaßen funktionieren:
zur Partnerschaft eine Eintrittskarte zur NATO ist.
Die Staats- und Regierungschefs würden beim NATO- Dies trifft nicht zu. Die Partner für Frieden kommen
Gipfel Anfang nächsten Monats eine Rahmenerklä- nicht automatisch für die Mitgliedschaft in der NATO in
rung über die Partnerschaft abgeben und Einladungen Frage. Sie müssen der NATO noch nicht einmal
an die 22 Mitglieder des Nordatlantischen Koopera- beitreten wollen. Und die Partner hätten kein Vetotionsrats sowie von den NATO-Verbündeten verein- recht bezüglich der Staaten, die der NATO beitreten
barte andere europäische Staaten aussprechen. Jeder möchten.
könnte unterzeichnen.
Andererseits hätten die Partner für Frieden eine ChanInteressierte Nationen würden die Erklärung unter- ce zur Zusammenarbeit mit der NATO bei der Entwickzeichnen und damit ihrer Zustimmung zum Beitritt zu lung der Prinzipien, Zielsetzungen und Fähigkeiten der
der Partnerschaft Ausdruck verleihen.
NATO-Mitgliedstaaten. Obwohl die Partnerschaft keine
Garantie für Mitgliedschaft ist, wäre die aktive BeteiliJeder neue Partner würde dann die Einrichtungen, gung wahrscheinlich eine unerläßliche Voraussetzung
Ressourcen und Streitkräfte angeben, die er der Part- für eine zukünftige NATO-Mitgliedschaft.
nerschaft zur Verfügung stellen will, sowie das Ausmaß seiner Beteiligung an gemeinsamer Ausbildung, Dieser Ansatz birgt sowohl für die derzeitigen NATOPlanung und Operationen.
Mitgliedstaaten als auch die Partner große Vorteile.
Diese Erwägungen beinhalteten unseren Ausgangspunkt, als wir Wege zu einem neuen, besseren Sicherheitssystem in Europa zu sondieren begannen.
Das Ergebnis ist die Partnerschaft für Frieden.

Ein Partner wird darüber hinaus darlegen, was er zur
Erlangung der zivilen Kontrolle über das Militär sowie
zur Transparenz des Verteidigungshaushalts und der
Maßnahmen zu tun bereit ist - das heißt, sie für die
Bürgerschaft sichtbar zu machen.

Erstens nimmt er keine erneute Teilung Europas vor.
Wir haben zwei Generationen lang versucht, den Eisernen Vorhang zu heben. Wir wollen ihn nicht ersetzen, indem wir eine neue Grenze ziehen. Die Partnerschaft für Frieden räumt allen Nationen dieselbe Chance
zur Beteiligung ein, macht die Ergebnisse jedoch von
Schließlich würden die NATO-Offiziere in Zusammen- den Anstrengungen jedes einzelnen Partners abhänarbeit mit Planern aus Partnemationen in einem Pla- gignungsraum in Mons, dem Obersten Hauptquartier der
Alliierten Streitkräfte in Europa, ein Programm für die Zweitens bietet die Partnerschaft für Frieden die richAusbildung, Planung, gemeinsamen Übungen und tigen Anreize. In der alten Welt des Kalten Krieges war

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AMERIKA DIENST 49

�die NATO ein für die Reaktion auf eine Bedrohung von
außen geschaffenes Bündnis. In der neuen Welt nach
dem Kalten Krieg kann die NATO ein auf die gemeinsamen Werte von Demokratie und freien Marktwirtschaften gegründetes Bündnis sein. Die Partnerschaft
für Frieden belohnt diejenigen, die Schritte in diese
Richtung unternehmen.

seine Absichten eindeutig klarzustellen, bevor er in
das neue Sicherheitssystem aufgenommen wird. Der
Partnerschaftsprozeß bietet gleichberechtige Chancen, beurteilt die Ergebnisse jedoch ausschließlich am
Verhalten der einzelnen Staaten.

Der Partnerschaftsprozeß setzt keine Zeitpläne oder
strikte Regeln fest, wieviel die Partnertun müssen oder
Drittens erfordert die Partnerschaft für Frieden einen wie schnell. Sie können in dem von ihnen gewährten
echten Beitrag der Partner. Sie fragt nicht nur, was die Tempo arbeiten. Einige Staaten sind vielleicht zuNATO für ihre neuen Partner tun kann, sondern auch, nächst nur mit der Unterzeichnung der Erklärung zuwas die neuen Partner für die NATO tun können. frieden. Andere könnten sich auf eine nominelle
Sicherheitskonsultationen werden beispielsweise den Beteiligung beschränken.
aktiven Partnern zur Verfügung stehen, die einen
Beitrag leisten und sich für die multinationalen Aktivi- Aktive und engagierte Partner, die sich direkt an der
täten engagieren, die das Kernstück der NATO bilden. Planung, den Übungen und der Ausbildung zusammen mit den alliierten Streitkräften sowie an regelmäViertens bleibt die NATO durch die Partnerschaft im ßigen politischen Konsultationen beteiligen, werden
Zentrum der europäischen Sicherheitsbelange und jedoch einen Vorteil haben. Sie werden sich die
das amerikanische Engagement im Zentrum Europas. operativen Verfahren, Kooperationsmechanismen und
routinemäßigen Konsultationen schneller zu eigen
Schließlich rückt die Parnterschaft für Frieden die machen.
Frage der NATO-Mrtgliedschaft für die Partner in den
richtigen Kontext - an das Ende des Prozesses statt an Die Partnerschaft für Frieden war eine Initiative von
den Anfang. Wenn wir einige Erfahrungen mit dem Präsident Clinton. Wir freuen uns, daß sie eine solch
Partnerschaftsprozeß gemacht haben, wird es sehr bemerkenswerte Reaktion hervorgerufen hat. NATOviel klarer sein, welche der in Frage kommenden Generalsekretär Manfred Wörner unterstützt sie unNationen sich wirklich die Ideale der NATO gemeinsa- eingeschränkt. Sie hat die aktive Unterstützung aller
mer demokratischer Werte und kooperativer Sicher- Verbündeten erhalten. Sie wird in Europa weithin als
Beispiel der amerikanischen Führungsrolle in der Welt
heit zu eigen machen wollen.
nach dem Karten Krieg begrüßt.
Einige haben die Partnerschaft mit dem Argument
kritisiert, sie würde die NATO schwächen. Meines Präsident Clinton versteht diese neue Welt. Die PartErachtens wird sie die NATO stärken. Sie macht die nerschaft für Frieden ist ein weiteres Beispiel seines
NATO weiterhin relevant für die Förderung eines Si- Vorgehens, damit die amerikanische Führungsrolle
cherheitssytems für die euro-atlantische Region und auch in Zukunft gesichert ist und gleichzeitig die Ladie Konzentration darauf. Sie wird dazu beitragen, die sten der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele
NATO an sich wandelnde Zeiten und die Erfordernisse gerecht verteilt sind.
nach zwei Generationen der Konzentration auf den
Wir vertreten die Auffassung, daß die Partnerschaft
Warschauer Pakt anzupassen.
dazu beitragen wird, das von uns allen Gewünschte
Es wurden Beschwerden geäußert, daß die Partner- herbeizuführen - die Vision Marshalls eines friedlichen,
schaft alle ehemaligen kommunistischen Staaten stabilen, sicheren und vereinten Europas.
unabhängig von ihren Absichten gleich behandelt. Im
Gegenteil - sie bietet jedem Staat die gleiche Chance, Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 49

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�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Grundsatzrede von Botschafter Holbrooke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher drängt auf verstärktes Engagement für die KSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher erläutert Partnerschaft für Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem nordatlantischen Kooperationsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft für Frieden: der andere Teil von Marshalls Vision&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;</text>
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