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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
1. Dezember 1993

48

US-REGIERUNG

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten

APEC

APEC-TREFFEN FORDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer

GATT

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

USA-EUROPA

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council
on Foreign Relations

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Ausschuß der
UN-Generalversammlung

US-MILITAR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

AUCH SIE DIENEN:
FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�US-REGIERUNG
1. Dezember 1993

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 27. November 1993 erklärte Präsident Clinton, seine
Regierung habe während seines ersten Jahres im Amt "mehr wichtige Gesetze verabschiedet... als jede andere
Administration in den vergangenen 40 Jahren".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In dieser Woche hat meine Familie wie die meisten
amerikanischen Familien das Erntedankfest gefeiert.
Wir versammelten uns um einen mit den Gaben unseres großartigen Landes gedeckten Tisch und dankten
dem Herrn für alles, das wir haben und alles, auf das
wir hoffen können.
Kein Feiertag hat eine längere amerikanische Tradition als das Erntedankfest. In der Tat hat kein Volk
mehr Grund dankbar zu sein, weil kein Volk gesegneter ist. Dieser Feiertag signalisiert auch, daß sich das
dem Ende zuneigt - die Zeit, in der viele von uns Bilanz
ziehen und Besinnung üben. Für unsere Nation war es
in jeder Hinsicht ein ereignisreiches Jahr.
Während meiner Reisen durch das Land und in Briefen
von meinen amerikanischen Mitbürgern fühlte ich mich
berührt und ermutigt durch die zum Ausdruck gebrachte Unterstützung für die von uns vorgenommenen
Veränderungen und erzielten Fortschritte. Es war ein
guter Anfang - die Inflationsrate ist gesunken, die
Zinssätze sind auf einem Rekordtiefstand, das Defizit
wurde abgebaut, die Investitionen sind im Anstieg
begriffen. Viele der heutigen Zuhörer zählen zu den
Millionen Amerikanern, die ihre Häuser oder Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der gesunkenen Zinsen
neu finanziert haben. Und in den vergangenen 10
Monaten hat die Wirtschaft mehr Arbeitsplätze im
Privatsektor geschaffen als in den letzten 4 Jahren zusammengenommen.
Der Kongreß hat dem Nordamerikanische Freihandelsabkommen zugestimmt, und ich bin nach Seattle
gereist, um mit Wirtschaftsvertretern aus dem asiatisch-pazifischen Raum zusammenzutreffen. Ich weiß
jetzt, daß ich mit Exportzuwächsen den Motor zur
Schaffung von Arbeitsplätzen noch weiter beschleunigen kann.

AMERIKA DIENST 48

Wir konnten noch sehr viel mehr tun, um unseren
Arbeitnehmern und Familien zu helfen. Der Kongreß
hat ebenfalls eine Gesetzesvorlage über Urlaub aus
familiären Gründen und Krankenurlaub verabschiedet, dem ich mit meiner Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen habe. Die Arbeitnehmer haben jetzt das
Recht auf Urlaub, damit sie sich ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren um einen kranken Familienangehörigen oder ein neugeborenes Baby kümmern können.
Das Gesetz wird dazu beitragen, die Vereinigten Staaten zu einem Ort zu machen, an dem man gleichzeitig
erfolgreich seiner Tätigkeit nachgehen und seine Rolle
als Elternteil wahrnehmen kann.
Darüber hinaus haben wir durch die Reform des Gesetzes
über Kredite für einen Collegebesuch Schritte zur
Unterstützung unserer Studenten unternommen, die
jetzt leichter einen Kredit erhalten - zu niedrigeren
Zinssätzen und besseren Rückzahlungsbedingungen
sowie strengeren Vorschriften über die Rückzahlungskonditionen.
Wir haben das Gesetz über den Nationalen Sozialdienst unterzeichnet, dank dem binnen drei Jahren
100.000 junge Amerikaner Geld für ihre Collegeausbildung verdienen können, während sie gleichzeitig ihre
Gemeinden von der Basis aus wiederaufbauen.
Wir erhielten in beiden Häusern des Kongresses die
Zustimmung zu unseren Reformen für die Finanzierung von Wahlkampagnen. Und wenn der Kongreß
wieder zusammentritt - wenn das Repräsentantenhaus und der Senat es billigen - können wir noch sehr
viel mehr tun, um die Lobbyisten aus unseren Kongreßwahlen und damit aus unserem Entscheidungsfindungsprozeß herauszuhalten.
Wir haben ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet,
das Arbeitnehmerfamilien mit Kindern echte Steuerer-

Seite 1

�leichterungen gewährt um sicherzustellen, daß jederin
diesem Land mit einer 40-Stunden-Woche und Kindern nicht mehr unterhalb der Armutsgrenze leben
muß. Aber es bleibt noch viel zu tun.

Jede dieser Veränderungen, jeder von uns unternommene Schritt muß an einem Arbeitsplatz gemessen
werden, den eine Mutter oder ein Vater findet, einer
Chance, die ein Kind erhält, an besseren Zukunftsaussichten für einen Geschäftsmann, oder an sichereren
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir Straßen und einer sichereren Zukunft. Jeder Schritt
jetzt einen Vorschlag zur Gesundheitsreform unter- nach vorne, der zur Wiederbelebung unserer Wirtbreitet. Ich hege die Hoffnung, daß der Kongreß vor schaft, unserer Gemeinden, unserer Familien beiträgt,
Ende nächsten Jahres einen Plan billigen wird, der ist ein Schritt, der es wert ist, unternommen zu werden.
jedem Amerikaner lebenslang umfassende Gesund- Letztlich werden diese Schritte jedoch nur Bestand
heitsfürsorge gewährleistet.
haben, wenn wir zusammen größere Anstrengungen
unternehmen, um die Vereinigten Staaten von innen
Die Gesetzesvorlage über Verbrechensbekämpfung
heraus zu erneuern. Wir müssen uns um die vielen
ist von beiden Häusern des Kongresses verabschiedet
Familien kümmern, die völlig zusammengebrochen
worden. Im Rahmen dieses Gesetzes werden wir
sind, die jungen Frauen, die illegitime Kinder zur Welt
mehr Polizeistreifen auf den Straßen haben - bis zu
bringen. Diese Probleme erfassen unser Land von
100.000 Polizisten, mehr Gefängnisse bauen, Lager
allen Seiten - und über alle Rassenschranken hinweg.
für erstmals straffällig gewordene Jugendliche einrichWir müssen besorgt sein, daß sich ohne die Struktur,
ten, Handfeuerwaffen verbieten. Wir müssen jedoch
die Disziplin, den Familienzusammenhalt zu viele Kinder
noch einige Meinungsverschiedenheiten ausräumen
mit einer Zukunft bar jeder Hoffnung konfrontiert seund diesen Gesetzentwurf Anfang kommenden Jahhen. Zu viele Kinder leben heute mit zu wenig Hoffres verabschieden.
nung, zu wenig Liebe und zu wenig Disziplin.
Wir machen Fortschritte beim Kampf gegen das Verbrechen. Kurz bevorder Kongreß sich vertagte, hat er Wir müssen besorgt sein, daß sowohl in unseren
einem Gesetz zugestimmt, das eine Wartezeit von 5 Städten als auch den ländlichen Gebieten der Wert
Tagen vor dem Kauf einer Handfeuerwaffe festsetzt, des Lebens herabgewürdigt wird. Zu viele Kindertöten
damit Alter und Geisteszustand des Käufers geprüft andere Kinder mit Vernichtungswaffen, die wirksamer
sowie ein polizeiliches Führungszeugnis eingeholt und moderner sind als die der Polizei, die Menschen
werden können. Diese Maßnahme war ein nationaler schützen soll.
Sieg im Kampf gegen Verbrechen und Gewalt. Und ein Was uns anbetrifft, so arbeiten wir hart, um wirtschaftsehr persönlicher Sieg für Jim und Sarah Brady - eine liche Sicherheit, gesicherte Gesundheitsfürsorge und
von Gewalt heimgesuchte Familie, die ihre Tragödie in Sicherheit in den Gemeinden zu gewährleisten, damit
einen Triumph umgewandelt hat, indem sie sieben auf diese Weise ein Teil der Belastungen gemildert
lange Jahre um die Verabschiedung dieses wichtigen werden kann, die unsere Familien zu tragen haben.
Gesetzes kämpfte, um uns vor Personen zu schützen, Wir arbeiten hart, um den für die amerikanischen
denen der Besitz oder die Benutzung von Handfeuer- Arbeitnehmerfamilien vorteilhaften, die Welt erfassenwaffen nicht gestattet werden sollte. Wir haben mit der den Veränderungen eine Chance zu geben. Es wurde
Verabschiedung der Brady-Gesetzesvorlage lange einmal gesagt, die Familie sei der Test für die Freiheit.
gewartet, aber dies ist nur das jüngste Beispiel dafür, Sie stellt unsere Freiheit und unser Verantwortungsbewie wir den im letzten Wahlkampf versprochenen wußtsein auf die Probe. Und das ist der stichhaltigste
Wandel in Washington bewirkt haben.
Grund, den Familienzusammenhalt zu bewahren und
In den ersten 10 Monaten haben wir die Pattsituation
überwunden. Wir haben einen Großteil dessen erreicht, was ich in meinem ersten Jahr bewirken wollte.
Viele der Veränderungen, von denen ich in meinem
Präsidentschaftswahlkampf gesprochen habe, werden jetzt verwirklicht. Tatsache ist, daß dem äußerst
renommierten Congressional Quarterly zufolge diese Administration in Zusammenarbeit mit beiden Parteien mehr wichtige Gesetze verabschiedet hat als
jede Administration in den vergangenen 40 Jahren.

4t

Seite 2

die schweren Lasten zu mildem zu versuchen, die seit
nunmehr fast 30 Jahren die Bürde für die Familien
erschwert haben.
Meine amerikanischen Mitbürger, während wir an diesem
hochgeschätzten Feiertag für das danken, was wir
haben, sollten wir uns vor Augen führen, was so viele
Millionen Amerikaner nicht haben. Wir sollten uns
erinnern, was Arbeit und Familie für ein bürgerliches
Leben bedeuten. Wir können die Grundstruktur unserer Gesellschaft nur wiederherstellen und erneuern,
wenn wir beides aufbauen - Arbeit und Familie.
Gemeinsam können wir es schaffen, glaube ich.

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
1. Dezember 1993

APEC-TREFFEN FÖRDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons
Aus Anlaß des Treffens führender Politiker des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asia-Pacific Economic Cooperation Forum -APEC) in Seattle machte Präsident Clinton am 20. November 1993
folgende Ausführungen:

Meine Damen und Herren, wir nähern uns dem Ende
der APEC-Konferenz und haben gerade ein dreistündiges Treffen zwischen 14 Wirtschaftsvertretern des
APEC abgehalten. Es warfür mich eine Freudeund für
die Vereinigten Staaten eine Ehre, Gastgeber des
historischen Treffens auf dieser schönen Insel zu sein.
Die asiatisch-pazifische Region ist für unsere Nation
und die Welt in zunehmendem Maße von entscheidender Bedeutung. In dieser Region leben 40 Prozent der
Weltbevölkerung, sie umfaßt die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, und die hier anwesenden führenden Politiker repräsentieren die Hälfte
des globalen wirtschaftlichen Outputs.
Die Ereignisse dieser Woche waren für alle Völker der
Region ein Erfolg. Wir haben die Grundlage für
regionale Bestrebungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Erhöhung der Einkommen, Erweiterung der
wirtschaftlichen Chancen und Förderung von Harmonie in der Region gelegt. Diese Woche haben wir
mehrere deutliche Schritte zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Am Montag und Dienstag sind 1.500 Wirtschaftsvertreter zusammengetroffen, um über das Potential der
Region zum Ausgleich ihrer Handelsbilanzen zu beraten. Gegen Ende der Woche einigten sich unsere
Minister auf ein Maßnahmenpaket zur Marktöffnung,
das zu einem erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche bis zum 15.
Dezember 1993 beitragen soll. Auf der Ministertagung
einigte man sich auf die Entwicklung eines Aktionsplans in der nahen Zukunft zum Abbau der Hemmnisse, die das Wirtschaftsleben in der gesamten Region
behindern, beispielsweise unterschiedliche Produktnormen.

AMERIKA DIENST 48

Der krönende Abschluß der Aktivitäten dieser Woche
war das erstmalige Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die heute morgen von uns geführten
Gespräche, die wir am Nachmittag fortsetzen werden,
geben uns die Möglichkeit, besser miteinander bekannt zu werden und unsere Visionen für unsere
eigene Nation sowie unsere vielfältige und dynamische Region miteinander zu vergleichen. Du rch u nser
Treffen und unsere Gespräche konnten wir eine stärkere regionale Identität und ein erhöhtes Bewußtsein
für ein gemeinsames Ziel zu fördern. Dieses Ziel ist in
der Abschlußerklärung enthalten, die wir gerade bekanntgegeben haben.
Die Erklärung legt unsere gemeinsamen Ansichten
über eine Wirtschaft der Region dar, die von Offenheit,
Zusammenarbeit, dynamischem Wachstum, erweitertem Handel, verbessertem Verkehrs- und Kommunikationswesen sowie hochwertigen und gutbezahlten
Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist. Wir begrüßen den
von der Gruppe renommierter Persönlichkeiten gemachten, eine Herausforderung darstellenden Vorschlag zur Einführung von Freihandel in der asiatischpazifischen Region, Förderung der weltweiten Liberalisierung des Handels und zum Beginn konkreter,
spezifischer Programme zur Erreichung dieser langfristigen Ziele.
Bei unseren am gestrigen Abend und heute geführten
Gesprächen war ich erstaunt, wie viele gemeinsame
Prioritäten wir haben - stabiles, umweltverträgliches
Wirtschaftswachstum, offenere Märkte, bessere Arbeitsplätze, verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unser Volk, bessere Ausbildung für unsere
Kinder und Erwachsenen sowie Schutz der einzigartigen Natur in der Region.

Seite 1

�Natürlich sind wir uns nicht immer über die Wege zur
Erlangung dieser Ziele einig. Aber zumindest verfügt
unsere Region heute zum ersten Mal über ein Mittel,
ernsthafte politische Gespräche über Fragen wie beispielsweise den Abbau von Handelshemmnissen oder
die Beibehaltung eines stabilen Wirtschaftswachstums zu führen.
Wenn ich unsere Vereinbarungen kurz zusammenfassen sollte, würde ich folgendes sagen: Wir haben uns
für eine geeinte, nicht gespaltene asiatisch-pazifische
Region ausgesprochen. Wir stimmten darin überein,
daß wir offene, nicht geschlossene Volkswirtschaften
haben sollten. Wir wollen dieser Überzeugung Ausdruck verleihen, indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bis zum 15. Dezember ein
gutes GATT-Abkommen zu erzielen.

Durch das heutige Treffen helfen wir der asiatischpazifischen Region, eine echte Gemeinschaft zu werden - keine formale, juristische Struktur, sondern eine
Gemeinschaft von Staaten mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und einem gemeinsamen
Engagement für Zusammenarbeit zum Nutzen aller.
Die Entwicklung dieser Gemeinsschaft liegt sicherlich
im Interesse des amerikanischen Volkes und aller
Völker in der Region. Wir sollten uns über die erzielten
Fortschritte freuen. Und ich möchte nochmals im
Namen der Vereinigten Staaten betonen, daß es für
uns eine Ehre war, die vielen führenden Politiker hier
begrüßen zu dürfen.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
I.Dezember 1993

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer
SEATTLE - (AD) - Bei dem vom 18. bis 20. November 1993 in Seattle anberaumten Treffen der Minister sowie
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia Pacific
Economic Cooperation - APEC) gaben die Teilnehmer folgende Abschlußerklärung über ihre Wirtschaftsvision
ab.

Wir haben ein beispielloses Treffen der Wirtschaftsvertreter des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit abgehalten. In dieser Zeit nach
dem Kalten Krieg bietet sich uns die Chance einer
neuen Wirtschaftsgrundlage für den asiatisch-pazifischen Raum, die der Dynamik unserer unterschiedlichen Volkswirtschaften Rechnung trägt, die Zusammenarbeit verbessert und Wohlstand fördert.
Unser Treffen berücksichtigt die Mitsprache des aufstrebenden asiatisch-pazifischen Raums in internationalen Angelegenheiten. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert wird unsere dynamische Region, die 40
Prozent der Weltbevölkerung und 50 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts ausmacht, unseres Erachtens
eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen und
den Weg zu Wirtschaftswachstum und Erweiterung
des Handels ebnen.
Die Grundlage unseres Wirtschaftswachstums ist das
offene multilaterale Handelssystem. Aus diesem Grund
unternehmen wir größte Anstrengungen zu einem
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bis zum
15. Dezember. Wir sind entschlossen zu einer Führungsrolle der asiatisch-pazifischen Region bei konkreten Schritten, in Genf das bestmögliche Ergebnis
zu erzielen. Die zunehmende Beteiligung der APECLänder an einem gestärkten GATT-System wird darüber hinaus größere regionale Zusammenarbeit erleichtern.
Unser Erfolg war das Ergebnis der Fähigkeit unserer
Gesellschaften, sich an wandelnde Gegebenheiten
anzupassen. Unsere Volkswirtschaften streben nach
Interdependenz und es besteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns. Wir sind geeint in unserem
Engagement zum Aufbau einer Zukunft mit Stabilität
und Wohlstand für unsere Völker.

AMERIKA DIENST 48

In Anerkennung unserer wirtschaftlichen Interdependenz sowie unserer wirtschaftlichen Vielfalt stellen wir
uns eine Gemeinschaft asiatisch-pazifischer Volkswirtschaften vor, in der
der Geist der Offenheit und Partnerschaft vertieft wird und uns gestattet, kooperative Lösungen für die Herausforderungen unserer sich
rasch verändernden regionalen und globalen
Wirtschaft zu finden.
Wir sind ein riesiger asiatisch-pazifischer Markt
mit 2 Milliarden Menschen, in dem dynamisches
Wirtschaftswachstum andauert und zu einer expandierenden Weltwirtschaft sowie der Unterstützung eines offenen internationalen Handelssystems beiträgt.
Wir werden weiterhin Hemmnisse für Handel
und Investitionen abbauen, damit unser Handel
innerhalb der Region und mit der Welt expandieren kann und ein freier Fluß von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Investitionen zwischen
unseren Volkswirtschaften gewährleistet ist.
Unsere Völker profitieren gemeinsam vom Wirtschaftswachstum durch höhere Einkommen,
hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitsplätze
sowie größere Mobilität.
Verbesserte Aus- und Fortbildung führt zur
Verringerung des Analphabetentums, bietet die
Qualifikationen für die Aufrechterhaltung des
Wirtschaftswachstums und ermutigt einen Kunst
und Wissenschaft fördernden Ideenaustausch.
Fortschritte im Telekommunikations- und Transportwesen verringern den Zeitverlust und die
Entfernungen innerhalb unserer Region und

Seite 1

�verbinden unsere Volkswirtschaften, damit Waren Wir haben die Einberufung eines Treffens der APECund Menschen schnell und effizient transportiert Finanzminister zu Konsultationen über umfassende
werden können.
Wirtschaftsthemen einschließlich makroökonomischer
Entwicklungen und des Kapitalflusses vereinbart.
Unsere Umwelt wird verbessert, indem wir die Unseres Erachtens werden uns solche Diskussionen
Qualität der Luft, des Wassers und der Grünflä- bei der Bewältigung der die Region konfrontierenden
chen schützen und unsere Energiequellen sorg- Herausforderungen behilflich sein, bis hin zur Sicherfältig verwalten, um umweltverträgliches Wachs- stellung von nichtinflationärem regionalem Wachstum sicherzustellen und unseren Menschen eine tum, Finanzierung von Investitionen sowie Entwicksicherere Zukunft zu bieten.
lung von Infrastruktur und Kapitalmärkten.
Wir sind uns bewußt, daß diese Vision nur Realität
wird, wenn wir gemeinsam aktiv an ihrer Verwirklichung arbeiten. Wir sind überzeugt, daß wir Erfolg
haben können. Wir beabsichtigen, unsere gemeinsame Vision als Leitfaden für die künftige Entwicklung
unserer Region zu benutzen.
Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die kontinuierliche Entwicklung des APEC als Forum, das sich
dem Hervorbringen greifbarer wirtschaftlicher Vorteile
fürdie Region verschrieben hat. Wirfordern das APEC
zur Erweiterung seines wirtschaftlichen Dialogs und zu
Fortschritten bei spezifischen Arbeitsprojekten auf.
Der Unternehmergeist und die marktorientierten
Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Dynamik geleitet haben, werden im APEC weiterhin gefördert.

Wir fordern die Unternehmer zur Gründung eines
pazifischen Wirtschaftsforums auf, um vom APEC
anzusprechende Themen zur Erleichterung von regionalem Handel und Investitionen auszumachen und die
weitere Entwicklung von Unternehmensnetzen in der
gesamten Region zu erleichtern. Darüber hinaus
fordern wir das APEC zur Intensivierung seines politischen Dialogs über kleine und mittelständische Unternehmen auf.

Wir stimmen überein, Investitionen in nachfolgende
Generationen durch die Gründung eines APEC-Bildungsprogramms zu tätigen, um regionale Zusammenarbeit bei weiterführender Bildung zu fördern,
entscheidende regionale Wirtschaftsfragen zu studieren, die Qualifikation von Arbeitnehmern zu verbessern, kulturelle und akademische AustauschprogramWir begrüßen die in dem Bericht der renommierten
me zu erleichtern, die Mobilität der Arbeitskräfte zu
Persönlichkeiten des APEC enthaltene Herausfordeverbessern und das Verständnis der Vielfalt unserer
rung, freien Handel in Asien herbeizuführen, die globaRegion zu vertiefen. Wir sind uns über die Gründung
le Handelsliberalisierung voranzubringen und konkreeines APEC-Freiwilligenprogramms für Unternehmer
te Programme zur Verwirklichung dieser langfristigen
einig, um die Kooperation unter uns bei der EntwickZiele in die Wege zu leiten. Wir fordern das APEC auf,
lung von Humankapital und dem Austausch von UnterSchritte zur Vertiefung und Verbesserung der Ergebnehmensführung und -techniken zu fördern.
nisse der Uruguay-Runde zu unternehmen, die Liberalisierung von Handel und Investitionen in der Region zu
Als APEC-Mitglieder verpflichten wir uns zur Vertiebeschleunigen und regionale Zusammenarbeit in solfung unseres Zusammengehörigkeitsgefühls auf der
chen Bereichen wie Normen zu erleichtern.
Grundlage unserer gemeinsamen Vision zur Verwirklichung von Stabilität, Sicherheit und Wohlstand für
unsere Völker.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�GATT
1. Dezember 1993

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

SEATTLE - (AD) - Auf die Erfolge beim Handel mit
Asien und Mexiko zurückblickend, ist der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor optimistisch
über den Abschluß der seit langem festgefahrenen
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche bis
zum 15. Dezember 1993.

ment zur Lösung der verbliebenen schwierigen Fragen
bewiesen.

Am Morgen des 20. November äu ßerte sich Kantor vor
einem langen Sftzungstag mit den Wirtschaftsministern gegenüber Reportern, während Präsident Clinton zu einem Treffen mit führenden Politikern aus den
Pazifikanrainerstaaten in der Nähe der Stadt aufbrach.

Kantor ist am 22. und 23. November in Washington mit
EU-Kommissar Sir Leon Brittan zur Erörterung einiger
dieser Optionen zusammengetroffen.

Vor seiner Reise nach Seattle verfolgte Kantor den
entscheidenden Sieg Präsident Clintons bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko
und Kanada.
In Seattle erzielte Kantor beim jährlichen Ministertreffen des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation
- APEC) die Zustimmung zu einer eindeutigen Erklärung, die auf den Abschluß der Uruguay-Runde drängt
und jegliche Schwächung des Blair House-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten u nd der Europäischen Union (EU) zu im Zusammenhang mit der
Uruguay-Runde stehenden Agrarfragen ablehnt.
Darüber hinaus konnte Kantor Angebote mehrerer
APEC-Länder über den Abbau oder die Senkung von
Zöllen in Sektoren sichern, in denen die EU sich
solchen Angeboten widersetzt hatte, einschließlich
den Bereichen Elektronik, Holz und Papier.
"Meines Erachtens bedeutet das, daß wir jetzt eine
enorme Chance zur Beendigung der Uruguay-Runde
haben", erklärte Kantor bei dem Pressegespräch.
Ihm zufolge haben alle Teilnehmer der Uruguay-Runde bei den Verhandlungen in Genf echtes EngageAMERIKA DIENST 48

"Ich glaube, wir alle sehen die uns zur Verfügung
stehenden Optionen bei der Bewältigung dieses Themenkomplexes", fügte Kantor hinzu.

Die Aussicht auf stärkere Handelsbeziehungen der
Vereinigten Staaten zu Lateinamerika, der am zweitschnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Welt,
sowie mit Asien und dem Pazifik, der am schnellsten
wachsenden Region, müßten laut Kantor Einfluß auf
die EU haben.
"Meiner Ansicht nach konnte den Partnern in Genf die
Bedeutung dessen nicht entgehen, was hier stattgefunden hat", so Kantor, "und meines Erachtens bewirkt
es einen Unterschied."
UnterdemFast-Track-Mandat, das die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an der Uruguay-Runde regelt,
muß Präsident Clinton den Kongreß bis zum 15.
Dezemberdavon in Kenntnis setzen, ob er ein Abkommen zur Annahme vorlegen will. Der Kongreß muß
gemäß dem Fast-Track-Mandat jedes Abkommen
innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens ohne Abänderungsantrag annehmen oder ablehnen.
"Wir beabsichtigen, dem Kongreß bis zum 15. Dezember nicht die Umrisse des Pakets, sondern seinen
wesentlichen Inhalt vorzulegen", erklärte Kantor. "Es
gibt vielleicht noch technische Schwierigkeiten, die
nicht geregelt wurden."
"Man muß bestimmte Einzelheiten, wenn nicht sogar
genauere Einzelheiten wissen, um dem Kongreß ein
Abkommen vorlegen zu können", fuhr er fort. "Wir
halten das heute durchaus für möglich."

Seite 1

�Auf dem APEC-Treffen äußerte Kantor, er sei zufrieden mit der relativ unbedeutenden Übereinkunft, einen
Ausschuß für Handel und Investitionen ins Leben zu
rufen, wodurch die Funktion der Gruppe von bloßer
Konsultation zur Festsetzung der Handelspolitik aufgewertet werde.
Einige Mitglieder des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nation ASEAN), insbesondere Malaysia, haben starken Einspruch gegen jegliche Institutionalisierung des APEC
erhoben.
"Man braucht ein Gefühl dafür... wie vorsichtig man
sein muß, um nichts Unmögliches zu verlangen", so
Kantor. "Das letzte was wir wollen wäre, ... diese
Organisation zu etwas zu drängen, das ihre Mitglieder
nicht wollen oder in politischer Hinsicht nicht können."
Dennoch werde das APEC in Zukunft mehr Funktionen übernehmen, prognostizierte er.

Handelsdefizit der Vereinigten Staaten mit China in
Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar als wirtschaftlich und politisch untragbar.
Der US-Handelsbeauftragte zeigte sich zuversichtlich
im Hinblick auf eine Beilegung der Konflikte über den
Zugang amerikanischer Waren und Dienstleistungen
zum chinesischen Markt, illegale Lieferungen durch
Drittländer zur Umgehung amerikanischer Importquoten für Textilien sowie den Schutz von Patenten und
Urheberrechten.
"Ohne die Vorgänge in privaten Treffen anzusprechen", so Kantor "möchte ich nur betonen, daß wir in
bezug auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, all
diese Fragen mit den Chinesen zu erörtern und substantielle und bedeutende Fortschritte zu erzielen,
nicht pessimistisch sind."

Zu einem anderen Thema verlieh Kantor seiner Erwartung Ausdruck, die Vereinigten Staaten könnten Be"Was jetzt geschehen wird, ist mit einem fahrenden denken der neuen kanadischen Regierung ausräuZug zu vergleichen, der den Bahnhof verläßt und men, die Kanada von dergeplanten Inkraftsetzung des
NAFTAam 1. Januar 1994 abhaltenwürden. Dennoch
immer schneller wird."
machte er entschieden deutlich, es werde keine NeuKantor sprach auch sein Treffen mit dem chinesischen verhandlung energiepolitischer Fragen geben.
Wirtschaftsminister an und bezeichnete das derzeitige
* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 48

�USA - E U R O P A
1. Dezember 1993

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council on Foreign Relations
BALTIMORE - (AD) - Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
US-Außenministerium, ist der Ansicht, daß Europa intergraler Bestandteil der Außenpolitik der Vereinigten
Staaten bleiben wird.
In einer am 15. November 1993 vor dem Baltimore Council on Foreign Relations gehaltenen Rede erklärte
Oxman, Europa und die Vereinigten Staaten blickten auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte
zurück.
"Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte: Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir verfolgen
beide diese hehren Ziele - für uns und für die übrige Welt", äußerte er.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Oxmans im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, heute abend
bei Ihnen zu sein und vor einem solch renommierten

Forum sprechen zu dürfen. Mein Dank gilt Dr. Burdfür
die Einladung und Herrn Jacobs für seine freundlichen
Einführungsworte.
Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß meine Ausführungen den Titel "Warum es auf Europa ankommt"
tragen. Bevor ich die darin enthaltene Frage "Kommt
es auf Europa an?" beantworte, sollten wir uns zuerst
fragen "Was ist Europa?" Europa ist in vielerlei Hinsicht einer der erstaunlichsten Teile unseres Globus.
Dort finden sich mehr souveräne Staaten auf weniger
Fläche als in jedem anderen Teil der Erde - und sie sind
natürlich von größter kultureller und historischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Ich möchte mit der EG beginnen, den zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die jetzt nach
Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht als Europäische Union (EU) bezeichnet wird. Auf diese Länder
entfallen 1,3 Prozent der Erdoberfläche - oder ungefähr ein Viertel des Territoriums der Vereinigten Staaten. Die zwölf EU-Mitgliedstaaten haben eine Bevölkerung von 350 Millionen Menschen, das sind 6 Prozent der Weltbevölkerung und ungefähr 40 Prozent
mehr als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.
Das bedeutet, daß 350 Millionen Menschen auf einer
Fläche wohnen, die dreimal so groß wie der Bundesstaat Texas ist.

AMERIKA DIENST 48

Noch erstaunlicher ist vielleicht, daß auf diese 12
Staaten, die einen solch kleinen Anteil der Erdoberfläche ausmachen, nahezu 22 Prozent des weltweiten
Bruttosozialprodukts - 5,5 Billionen Dollar - entfallen.
Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten ist
ein wenig höher - 5,7 Billionen Dollar.
Natürlich ist Europa sehr viel mehr als die 12 Länder
der Europäischen Union. Selbst ohne die ehemalige
Sowjetunion umfaßt Europa 24 Staaten. Insgesamt
gesehen machen diese 36 Länder nur 3,3 Prozent der
Erdoberfläche aus, und mit 573 Millionen Einwohnern
stellen sie 10 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch
erzeugen sie ein Bruttoinlandsprodukt von nahezu 7
Billionen Dollar - 27,3 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.
Aus diesem Blickwinkel muß Europa als das gesehen
werden, was es ist: Ein Gigant.
Die Tatsache, daß ich mich heute abend verpflichtet
fühle, Sie an die Bedeutung Europas zu erinnern, trägt
der zunehmenden Verbreitung der Annahme Rechnung, Europa sei für Wohlstand und Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger wichtig. Nichts wäre
weniger zutreffend.
Diese Administration ist sich bewußt, daß nach dem
Ende des Kalten Krieges neue au ßenpolitische Ansätze erforderlich sind. Wir müssen uns aber auch vor
Augen führen, daß Europa eindeutig integraler Be-

Seite 1

�standteil unserer Außenpolitik bleibt. Ich möchte die Heute ist die Situation anders, die Herausforderung
Zeit heute dazu nutzen, die Gründe hierfür anzuführen jedoch ähnlich. Statt uns aus Europa zurückzuziehen,
und darzulegen, was die Clinton-Administration zur müssen wir unsere Partnerschaft erneut stärken, inStärkung der europäisch-amerikanischen Partnerschaft dem wir neue Ziele auf der Gru ndlage unserer gemeinunternimmt.
samen Werte festsetzen und zusammen über die zur
hrer Erreichung erforderlichen Mittel entscheiden. Etwas
Die Herausforderung
anderes zu tun - Europa mit "wohlwollender Vernachlässigung'' zu behandeln - würde eine Bedrohung für
Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an den Film
unsere Wirtschaft und Sicherheitsinteressen darstel"Der Kandidat" mit Robert Redford. Gegen alle Widriglen und das große Potential aufs Spiel setzen, das die
keiten geht die von Redford gespielte Figur siegreich
amerikanisch-europäische Partnerschaft für die Zuaus einem schwierigen Wahlkampf für den Senat
kunft birgt.
hervor. Der Film endet mit der Aufnahme eines
entgeisterten Redford, der seinen Wahlkampfmana- Partnerschaft für den Wohlstand
gern anklagend die Frage stellt: "Was soll ich jetzt
tun?"
Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes
hat ein aus vier Worten bestehendes Credo - "Die
Die von Redford dargestellte Person ist eine offen- Wirtschaft, Du Dummkopf" - den Demokraten gut
sichtlich unzulängliche Analogie zum erfolgreichen gedient. Amerikaner jeglicher politischer Couleur
Bündnis demokratischer Nationen der atlantischen verstanden, daß wir unser wirtschaftliches Haus in
Gemeinschaft. Dennoch sind die Vereinigten Staaten Ordnung bringen müssen und eine starke Außenpolitik
und Europa mit einer ähnlich mißlichen Lage konfron- bei einer soliden wirtschaftlichen Grundlage beginnt.
tiert. Nahezu 50 Jahre lang wurde unsere Beziehung Wohlstand im Inland erfordert jedoch die weitere
überwiegend durch die Notwendigkeit der Eindäm- Konzentration auf das Ausland. Und der letzte Ort, den
mung des Kommunismus und Gewährleistung der wir aus den Augen verlieren dürfen, ist Europa.
gemeinsamen Sicherheit definiert. Die europäischen
Verbündeten standen im Kalten Krieg an vorderster Sicherlich hätte es wenig Sinn, sich in politischer
Front, weshalb sich die Frage nach ihrer Bedeutung für Hinsicht von einer Region zu lösen, die für unser
uns oder unserer für sie gar nicht stellte. Nach dem wirtschaftliches Wohlergehen von derart zentraler
Sieg im Kalten Krieg könnten mit einem kurzen histo- Bedeutung ist. Ich möchte Ihnen einige zwingende
rischen Gedächtnis ausgestattete Menschen versucht Gründe ins Gedächtnis rufen:
sein, Hände zu drücken, ihre Sachen zu packen und
Das Volumen unserer Exporte nach Europa
nach Hause zurückzukehren - wie wir es 1918 taten.
entspricht in etwa dem nach Ostasien - 120
Solche Stimmen wurden lauter, als bedingt durch das
Milliarden Dollar - jedoch mit einem Überschuß
Fehlen der einigenden Bedrohung durch den Kommuvon 12 Milliarden Dollar anstelle eines Defizits
nismus Handelskonflikte ausbrachen und unsere Sivon 82 Milliarden Dollar.
cherheitspartnerschaft durch tragische Ereignisse wie
den Krieg im ehemaligen Jugowlawien auf die Probe
Ungefähr 60 Prozent der gesamten von amerigestellt wurde. Was unternehmen die Vereinigten
kanischen
Unternehmen in Übersee erzielten
Staaten denn jetzt?
Gewinne stammen aus Westeuropa, gegenüber 17 Prozent aus Ostasien.
Die jüngste Geschichte liefert eine nützliche Richtschnur. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen sich
Amerikanische Unternehmen haben in Westeuviele Stimmen für eine Loslösung von Europa aus.
ropa Investitionen im Wert von 225 Milliarden
Präsident Truman sowie den Außenministem Marshall
Dollar getätigt (die Hälfte unserer Investitionen
und Acheson gebührt Tribut, daß sie genau das Gein Übersee), im Vergleich zu weniger als 60
genteil taten. Dank dem Marshallplan und einer aktiMilliarden Dollar in Ostasien (und lediglich 23
vistischen Außenpolitik festigten wir mit den EuroMilliarden Dollar in Japan).
päern eine Partnerschaft für Demokratie, Wohlstand
und Sicherheit. General Marshall formulierte es bei
Die Westeuropäer haben in den Vereinigten
der Verkündigung seines Plans für Europa folgenderStaaten 258 Milliarden Dollar investiert (65 Prozent
maßen: "Es ist logisch, daß die Vereinigten Staaten
aller ausländischen Investitionen in unserem
alles in ihner Macht Stehende tun, um die WiederherLand), gegenüber weniger als 100 Milliarden
stellung einer gesunden Weltwirtschaft zu unterstütDollar an Investitionen aus Ostasien.
zen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen
Und eine letzte Zahlenangabe: Unsere Exporte
sicheren Frieden geben kann." Die Vereinigten Staanach Europa im letzten Jahr in Höhe von 120
ten hatten enorme Vorteile von ihrem fortgesetzten
Milliarden Dollar entsprechen nahezu 2,5 MillioEngagement in Europa, das ihnen beständige Hannen Arbeitsplätzen.
delspartner und verläßliche Verbündete im Kampf
gegen den Kommunismus bescherte.

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�Tatsache ist, daß Europa weiterhin unser wichtigster
Handelspartner ist, wenn wir Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und Handelsbilanz betrachten. Und
unsere Beziehung ist nicht nur in Zahlen zu messen.
Europa ist ein wohlhabender, hochentwickelter Markt
mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 16.000
Dollar - verglichen mit 6.300 Dollar in den Pazifikrandstaaten. Das bedeutet, daß die Europäer mehr Geld
für hochwertige amerikanische Exportartikel ausgeben - von Personalcomputern bis zu Kinokarten - als
die Konsumenten der weniger begüterten Regionen.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
diese wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern und zu
erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher als
eine seiner ersten Amtshandlungen die Einrichtung
einer "Amerikaabteilung" im State Department vorgenommen. Die handelspolitische Tagesordnung der
Vereinigten Staaten und die Erfordernisse unserer
Unternehmer im Ausland sind oberste Prioritäten dieser Administration. Auf Initiative des Außenministers
beginnen die amerikanischen Botschaften eine aggressivere Rolle bei der Förderung unserer Handelsinteressen auf der ganzen Welt zu spielen. Unsere
Dipbmaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte,
sondern auch unserer Produkte, nicht nur unsere
Sicherheit, sondern auch unser geistiges Eigentum zu
schützen. Angesichts des Umfangs unserer Beziehungen ist diese Amerikaabteilung nirgends so wichtig
wie in Europa.
Die bloße Bedeutung dieser Beziehungen tendiert
zusammen mit dem Verschwinden der kommunistischen Bedrohung dazu, unsere Meinungsverschiedenheiten beim Handel zu vergrößern. Und in Zeiten
wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit
erscheint Protektionismus sehr verlockend. Um nur
ein Beispiel zu zitieren - unsere langwierigen Verhandlungen mit der EU im Rahmen der Uruguay-Runde des
GATT belegen, wie schnell selbst die besten Freunde
bei Handelsbeziehungen auf die Probe gestellt werden.
Die Vereinigten Staaten können die Uruguay-Runde
nicht allein zu Ende bringen. Ich möchte unseren
europäischen Freunden gegenüber erneut betonen,
daß der Abschluß der Runde bis zum 15. Dezemberwenn das Fast-track-Mandat des Präsidenten ausläuft
- von entscheidender Bedeutung für die Wiederbelebung der Weltwirtschaft ist. Für keine Nation werden
die noch ausstehenden Absprachen bei Waren, Dienstleistungen oder der Landwirtschaft leicht sein- aber sie
müssen getroffen werden. Es darf keinen 16. Dezember für die Uruguay-Runde geben.
Letztlich bin ich davon überzeugt, daß die meisten
Europäer unseren Glauben an freieren Handel teilen.
Sie und wir wissen, daß die Aufrechterhaltung alter
Handelsschranken oder der Aufbau neuer niemandem

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nützt und uns allen schadet. Wir sehen uns mit einer
dreifachen Herausforderung konfrontiert: 1. Gemeinsam den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen
durch den Abbau von Handelshemmnissen zu ermutigen, 2. Meinungsverschiedenheiten beim Handel vor
einer Eskalation zu heftigen Auseinandersetzungen
zu bewahren und 3. die unweigerlich auftretenden
Kontroversen besser zu meistern. Eine Loslösung von
Europa würde es unmöglich machen, diese Ergebnisse zu erzielen oder unsere Handelsbeziehungen auf
eine solide Grundlage zu stellen.
Wir müssen uns auch vor Augen führen, daß der
Niedergang des Kommunismus den Vereinigten Staaten und Europa gleichermaßen eine einzigartige Chancebietet. In Mittel-und Osteuropagibt es 135 Millionen
Konsumenten und in der ehemaligen Sowjetunion
weitere 285 Millionen. Die Gesundung und das Wachstum ihrer Volkswirtschaften aktiv zu unterstützen ist
auf lange Sicht der Weg, ihnen zu helfen und unseren
eigenen Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte
für Waren und Dienstleistungen aus dem Westen
sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einem
Hilfsprogramm, das Handel und Investitionen für die
Zukunft sichern wird. Seit 1989 haben wir 1,4 Milliarden Dollar an finanzieller und technischer Unterstützung zur Förderung demokratischer Institutionen und
freier Märkte in Mittel- und Osteuropa bereitgestellt,
und weitere 390 Millionen Dollar wurden fürdas laufende Jahr bewilligt. Die Hilfsleistungen für die ehemalige
Sowjetunion belaufen sich seit 1991 auf 4,3 Milliarden
Dollar.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte
relativ geringe Investition wird hohe Dividenden an
Sicherheit und Wohlstand für die Vereinigten Staaten
und Europa bringen. Der Ertrag unserer Marshallplanhilfe beweist diese Tatsache: Inflationsbereinigt haben wir Europa im Rahmen des Marshallplans rund 95
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 4 Jahren zur
Verfügung gestellt. Heute kaufen die Europäer von
uns Waren und Dienstleistungen im Wert von nahezu
120 Milliarden Dollar jährlich.
Während die Volkswirtschaften Osteuropas die Fähigkeit erlangen, auf eigenen Fü ßen zu stehen, dürfen wir
keine Anstrengung scheuen, sie zu unseren ebenbürtigen Handelspartnern zu machen. Wenn Handel und
Investitionen die Hilfsleistungen ersetzen sollen, müssen
die Handelsschranken gesenkt und beseitigt werden,
insbesondere in Europa.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die meisten
Hemmnisse für Waren aus Mittel- und Osteuropa
abgebaut. Bedauerlicherweise sind die Länder Westeuropas, die in der Tat die natürlichen Märkte für
Exporte aus Mittel- und Osteuropa sind, nicht so offen.
Wenn wir im Westen Vorteile von neuen Märkten im

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�Osten erwarten, ist es erforderlich - und richtig -, daß Aus diesem Grund ist den Vereinigten Staaten mit
Mittel-und Osteuropa im Westen offene Märktefür ihre einer aktiven Politik der Prävention, statt einer Politik
der Unaufmerksamkeit, gut gedient. Mit anderen
Waren finden.
Worten, es ist letztlich leichter und kostengünstiger,
Der Privatsektor muß eine Führungsrolle bei der Ver- Frieden aufzubauen und zu bewahren, als ihn wiederlagerung der Grenzen von Demokratie und Marktwirt- herzustellen.
schaften nach Osten übernehmen. In den wenigen
Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer haben Unter- Unsererfolgreiches Vorgehen im Kalten Krieg steht für
nehmen aus dem Westen bereits über 7 Milliarden diese Politik der Prävention. Aber nun, da sich der
Dollar in die vielversprechenden Volkswirtschaften Staub des Falls der Berliner Mauer gelegt hat, befinPolens, Ungarns und der Tschechischen Republik den wir uns nicht - wie einige gehofft hatten - am Ende
investiert. Dieser Weg zu Wohlstand birgt jedoch der Geschichte, sondern vielmehr am Beginn eines
einige Fallstricke. Der vollständige Übergang zu einer neuen Zeitalters, das ein Umdenken bei unseren
Marktwirtschaft benötigt schließlich Zeit. Eigentums- Sicherheitsbeziehungen erfordert. Wir sehen uns mit
gesetze, Rückführung der Gewinne, Entwicklung der keiner wichtigeren Aufgabe konfrontiert als der ErarInfrastruktur, Zugang zu Kapital, angemessene Versi- beitung einer Sicherheitspartnerschaft mit Europa, die
cherungen, eine effiziente Erwerbsbevölkerung - all die Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
dies und noch mehr ist zur Schaffung eines günstigen anspricht. Dies nicht zu tun, würde uns eines Tages
Investitionsklimas erforderlich. Letztlich können Rat- teuer zu stehen kommen.
schläge, Ausbildung und Gedankenaustausch, die der
Westen zu bieten hat, sich für den Osten so wertvoll Das Leben war einfacher in den Tagen der monolithiwie Dollars erweisen und werden dazu beitragen, schen sowjetischen Bedrohung. Der Mechanismus
einen noch stetigeren Investitionsfluß anzuregen. Dieser des Bündnisses für kollektive Sicherheit - die NATO Investitionsfluß wird von entscheidender Bedeutung hatte eine klar definierte Mission. Das heißt nicht, daß
sein. Der Kapitalmangel im Osten schnellt explosions- wirdas Ende des Kalten Krieges bedauern sollten. Um
artig in die Höhe und kann durch staatliche Mittel des Außenminister Christopher mit einer jüngst gemachWestens nie vollständig gedeckt werden. Privatkapital ten Aussage zu zitieren: "Sich nach seinen Härten
spielt eine unerläßlich Rolle.
zurückzusehnen, kann nur auf Gedächtnisverlust
zurückgehen."
Amerikaner haben einen Pioniergeist gemein, der sich
den durch neue Grenzen entstandenen Herausforde- Aber jetzt scheinen viele der während des Kalten
rungen stellt. Die aufstrebenden Demokratien sind Krieges schwelenden Probleme aufzuflammen - Proeinem "Wilden Osten" vergleichbar - und darunter bleme, für die die NATO nicht konzipiert war. Ethniverstehe ich, eines der aufregendsten Kapitel der sche und regionale Konflikte, die Verbreitung von
amerikanischen Geschichte wiederaufzuschlagen - Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des
der durch Handel, Investitionen und Zusammenarbeit Flusses lebenswichtiger Ressourcen, Terrorismus: Dies
- den Instrumenten des Friedens - entwickelt werden sind die Hauptbedrohungen der westlichen Sicherheit.
soll. Es handelt sich hierbei um einen langwierigen, Wie ich darlegen werde, müssen wir hauptsächlich in
schwierigen Prozeß, der eine neue Partnerschaft Europa und gemeinsam mit den Europäern die Mittel
zwischen Ost und West erfordert. Es wird jedoch auch zu ihrer Bewältigung finden.
ein aufregendes Abenteuer von gegenseitigem Nutzen. Und wenn nur aufgrund dieser Chancen im Trotz ihrer veränderten Aufgabe sollte die NATO weiOsten, ist Europa nach wie vor das Kernstück unserer terhin das Fundament unserer Partnerschaft und die
Grundlage von Sicherheit und Stabilität in Europa
Gegenwart und Zukunft.
bilden. Nurdie NATO verfügt über die Streitkräfte, den
multilateralen Mitarbeiterstab sowie die Tradition poliPartnerschaft für den Frieden
tischer und militärischer Kooperation, die uns in die
Während Handel und Investitionen ein Pfeiler unserer Lage zu versetzen, flexibel und durchgreifend auf
besonderen Beziehungen zu Europa sind, ist Sicher- diese sicherheitspolitischen Herausforderungen zu
heit der andere. Die Vereinigten Staaten haben zwei- reagieren. Die vor uns liegende grundlegende Aufgamal in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ihre be besteht darin, die NATO an die veränderten Zeiten
Söhne und Töchter zum Erhalt der Demokratie über anzupassen.
den Atlantik geschickt. Wir haben einen hohen Preis
bezahlt. Und wir haben eine Lektion gelernt: Früher Dieser Prozeß hat begonnen. Im Verlauf der verganoder später wird Chaos in Europa uns einbeziehen, genen drei Jahre hat die NATO ihre Streitkräfte und
weil für uns viel auf dem Spiel steht. Europa ist unser Führungsebene umstrukturiert, um sich mehr auf Kriführender Handelspartner und engster Verbündeter senmanagement und Friedenssicherung zu konzenbei der Bewahrung internationaler Sicherheit und der trieren und gleichzeitig ihre Kernfunktion der VerteidiAusbreitung von Demokratie. Probleme in Europa gung des NATO-Territoriums gegen einen Angriff zu
werden allzu leicht zu einer Heimsuchung für unsere bewahren. Und wir haben die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten ausgedehnt, um unsere ehemaligen
beiden Länder.
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AMERIKA DIENST 48

�Gegner als neue Partner für den Frieden einzubeziehen - ein Thema, dem ich mich gleich zuwenden
möchte.
Von allen uns konfrontierenden neuen Herausforderungen ist die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und regionaler Konflikte die vielleicht greifbarste
- und erschreckendste. Es trifft zu, daß die NATO den
Krieg im ehemaligen Jugoslawien nicht abgeschreckt
oder beendet hat. Aber niemand hätte dies von ihr
erwarten sollen.
Die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien ereignete
sich zu kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, um
der NATO die zur Anpassung erforderliche Zeit einzuräumen. Wie Lee Hamilton, der Vorsitzende des
Auswärtigen Auschusses des Repräsentantenhauses
feststellte: "Die heute im ehemaligen Jugoslawien
entfesselten Dämonen gehen auf die Zeit lange vor
Bestehen der NATO zurück und haben seit Jahren
unmittelbar unter der Oberfläche gelebt. Man kann die
NATO nicht anhand eines Krieges innerhalb der ehemaligen Grenzen eines Nichtmitgliedstaats der NATO
beurteilen."
In den Gebieten, in denen sich die NATO engagiert,
hat sie schnell und effektiv reagiert. Allein durch ihr
Engagement im ehemaligen Jugoslawien ist die NATO
über die Debatte von Einsätzen "out ofarea" hinausgegangen. Sie setzt eine Flugverbotszone in der Luft und
ein Wirtschaftsembargo auf See durch. Auf Initiative
der Vereinigten Staaten drohte die NATO einen Lufteinsatz an, der die Einkesselung Sarajevos und anderer Gebiete Bosniens lockerte. Sollte schließlich eine
in gutem Glauben ausgehandelte Lösung erzielt und
die erforderlichen Bedingungen erfüllt werden, kommt
der NATO eine zentrale Rolle bei deren Umsetzung zu.
Die traurige Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß in
Ermangelung des Willens zu Frieden unter den Kombattanten weder die NATO noch irgendeine andere
Organisation oder Nation - abgesehen von einer
massiven Verlegung von Truppen und Ressourcen viel zur Verhinderung eines größeren Krieges tun
können. Im Falle des ehemaligen Jugoslawien gibt es
weder unter den Verbündeten noch in den Vereinigten
Staaten einen Konsens über eine Intervention dieser
Größenordnung. Die NATO kann und muß ihre Fähigkeit zur Verhinderung von Konflikten stärken, bevor sie
überhaupt ausbrechen.
Vor kurzem bin ich mit Außenminister Christopher
nach Mittel- und Osteuropa gereist, wo wir im Vorfeld
des NATO-Gipfels im Januar Präsident Clintons umfassende neue Initative für eine Partnerschaft zwischen der NATO und dem Ostern erörtert haben.
Unter dem Namen "Partnerschaft für den Frieden"
fordert dieser Vorschlag die Nationen Mittel- und Osteuropas zu praktischer Zusammenarbeit mit den NATOMitgliedstaaten in einem breiten Spektrum von Bereichen wie gemeinsamer Planung, Ausbildung, Übungen und Manövern auf.
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Als Höhepunkt eines Evolutionsprozesses könnten
einige dieser Nationen letztlich der NATO beitreten. In
der Zwischenzeit sollte sich die Partnerschaft für den
Frieden zur Förderung von Stabilität und Sicherheit in
ganz Europa als nützlich erweisen. Infolgedessen
können wir darauf hoffen, künftige Krisen vor ihrem
Ausbruch im Keim zu ersticken, statt erst im nachhinein darauf zu reagieren.
Ungeachtet dessen wie mächtig oder effektiv eine
Streitmacht NATO sein oder werden mag, kann sie
natürlich nie Frieden in Europa oder andernorts garantieren. Letztlich ist die Bereitschaft der Völker in einer
bestimmten Region, auf den Einsatz von Gewalt gegeneinander zu verzichten, der Schlüssel zur Verhinderung von Konflikten.
Auch hier ist die Partnerschaft mit Europa unsere
beste Hoffnung für die Zukunft. Unsere Nationen sind
die Bannerträger der Demokratie. Gemeinsam müssen wir auf die Erweiterung des Kreises gleichgesinnter Länder hinarbeiten, denn damit verbessern wir
unsere eigene Sicherheit. Der Nationale Sicherheitsberater Anthony Lake hat es ausgezeichnet formuliert:
"Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere
Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht
miteinander Krieg führen oder dem Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich
vertrauenswürdiger und haben größere Achtung vor
den Menschenrechten ihrer Völker." Eine Welt demokratischer Marktwirtschaften wird ein Ort mit mehr Sicherheit und Wohlstand sein. Wir müssen sie mit
unseren europäischen Verbündeten und Freunden
aufbauen.
Während wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, hängt
die Aufrechterhaltung eines stabilen internationalen
Umfelds in hohem Maße von unserer Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit den Europäern bei der Bewältigung der größten Herausforderungen für unsere kollektive Sicherheit ab. Die Vereinigten Staaten mögen
die einzige Supermacht der Welt sein, aber unsere
außenpolitische Tagesordnung erfordert die Kooperation der führenden Demokratien, um Erfolg zu haben.
Nur in Partnerschaft mit Europa können wir die Verbreitung von Waffen eindämmen, Terrorismus bekämpfen und den freien Fluß von Rohstoffen gewährleisten. Wenn wir diese Kämpfe führen, müssen wir
uns vor Augen halten, daß die uns zur Verfügung
stehenden Instrumente - Wirtschaftssanktionen,
Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und
Friedenssicherungsoperationen - effektiver sind, wenn
wir sie zusammen mit den europäischen Partnern
einsetzen. Die Vereinigten Staaten können und müssen nicht im Alleingang handeln.
Zusammenhalt
"Wir müssen alle zusammenhalten, oder wir werden
gewiß uns selbst überlassen sein", stellte ein bekannter Europhiler namens Benjamin Franklin einmal fest.
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�Die Vereinigten Staaten und Europa brauchen einander weiterhin, um das Anliegen des gemeinsamen
Wohlstands und der Sicherheit voranzubringen.
Mit diesen Worten möchte ich nicht den Eindruck
erwecken, die euro-amerikanische Partnerschaft sei
einfach eine Vernuftehe, um nicht zu sagen, eine

Zweckgemeinschaft. Wir blicken auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte zurück. Europa und die Vereinigten Staaten sind ein gutes Paar.
Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte:
Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir
verfolgen beide diese hehren Ziele - für uns und die
übrige Welt.

* * * * *

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�MENSCHENRECHTE
I.Dezember 1993

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Auschuß der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertreter von US-Botschafterin Madeleine Albright bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Victor Marrero, hat in einer Rede vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung
am 23. November 1993 Kuba, Burma und China als Nationen mit ernsthaften Menschenrechtsproblemen
benannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen Marreros im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, die große Verfechterin der Menschenrechte, Eleanor RooseveK, hat einmal erklärt,
wenn Menschenrechte zu Hause, in der Nachbarschaft, in Schulen, Fabriken, Farmen und Büros nicht
von Bedeutung seien, dann seien sie nirgendwo von
Bedeutung. Wenn Frauen, Männer und Kinder nicht
nach Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminierung an Orten streben könnten, die in
ihrem Leben wichtig seien, dann hätten universelle
Menschenrechte und Demokratie keine Bedeutung.
Wir mögen die Wert danach absuchen, würden sie
jedoch niemals finden.
Ich wende mich heute an Sie, um zu unterstreichen,
daß die Verpflichtung meines Landes zu universellen
Menschenrechten an welchem Ort auch immer niemals stärker war. Wir glauben an die Bevollmächtigung des einzelnen und die Gewährleistung individueller Menschenrechte. Wir glauben, daß es eine direkte
Verbindung zwischen menschlicher Würde und der
Fähigkeit von Nationen zu effektiver Regierungsführung gibt, zwischen Menschenrechten und sozialer
Entwicklung sowie zwischen der universellen Anwendung von Menschenrechten und globalem Frieden. Es
gibt keine höhere Pflicht, kein größeres Bedürfnis und
kein stärkeres Gebot als die Sicherstellung dieser
Rechte.
In diesem Jahr, dem 45. Jahrestag der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, sollten wir den Völkern und Nationen Anerkennung zollen, die darum
gekämpft haben, den in ihr verankerten Idealen Inhalt
zu verleihen und universelle Menschenrechte in das
tägliche Leben aller Bürger der Welt einzubringen.

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Herr Vorsitzender, ebenso wie unser Land seine
Anstrengungen verstärkt hat, den Idealen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gerecht zu
werden, haben wir andere Nationen zu ermutigen
versucht, dasselbe zu tun. Unseres Erachtens sollten
die Bosnier frei von Angst und die Somalis frei von
Hungersnöten sein. Unseres Erachtens sollten die
Haitianer Redefreiheit genießen. Die Tibetaner sollten
ihre Religion frei ausüben können.
Traurigerweise finden auf der Welt gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Der die Staaten des
ehemaligen Jugoslawien bedrohende Schrecken ist
allen hier Anwesenden nur zu gut bekannt. Unbeschreibliche Akte der Vergewaltigung, des Mordens,
ethnischer Säuberungen, Plünderungen und mutwillige Zerstörung sind nach wie vor eine Heimsuchung für
die Menschen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien.
Wir begrü ßen die wichtige Arbeit von Sonderberichterstatter Mazowiecki und anderer. Die internationale
Staatengemeinschaft muß weiterhin effektive Mittel
zur Wiedergutmachung dieser abscheulichen Akte
suchen. Das Mandat des Kriegsverbrechertribunals
für das ehemalige Jugoslawien besteht im Aufspüren,
der Anklage und Verurteilung der für die Anordnung
und Durchführung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit Verantwortlichen. Die Vereinigten Staaten
möchten in dieser Sache nicht mißverstanden werden:
Die politisch verantwortlichen Serben in Serbien, Bosnien
und Kroatien tragen die Verantwortung fürden größten
Teil der in diesen tragischen Zeiten begangenen Greueltaten. Diejenigen mit Blut an den Händen und einem
belasteten Gewissen werden der Gerechtigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft nicht entgehen.

Seite 1

�Bosnien ist jedoch nicht das einzige Beispiel flagranter
Menschenrechtsverletzungen. In Somalia blicken
Menschen zahlreicher unterschiedlicher Clans dem
Tag entgegen, an dem in ihrer Nation wieder Frieden
einkehrt. Die Vereinigten Staaten haben ein Interesse
an diesem Prozeß. Zusammen mit anderen Nationen
haben wir Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitgestellt sowie das Leben unserer Soldaten für diese
Sache aufs Spiel gesetzt. Wir hoffen, daß in diesem
kriesengeschüttelten Land jedem einzelnen das Grundrecht auf Leben garantiert werden kann. Die Somalis
müssen jedoch selbst eine Führungsrolle bei der
Gewährleistung dieses Rechts übernehmen.
In Haiti verletzen die Militärmachthaber weiterhin das
grundlegende Recht aller Haitianer auf freie Wahl ihrer
Regierung. Das Engagement der Vereinigten Staaten
und der gesamten internationalen Staatengemeinschaft
ist nach wie vor ungebrochen, die demokratische
Herrschaft in Haiti wiederherzustellen und beim Aufbau von Institutionen, denen sie vertrauen können,
behilflich zu sein.
Auch Kuba ist noch immer eine tragische und negative
Ausnahme des Trends zu Demokratie in Lateinamerika. Die Regierung verweigert ihren Bürgern weiterhin
das Recht auf Rede- und Koalitionsfreiheit und inhaftiert Menschenrechtsverfechter, die es wagen, die
Wahrheit über die Unterdrückung zu sagen. Die
kubanische Marine hat eine schwimmende Berliner
Mauer errichtet und verhaftet oder ermordet diejenigen, die in erbarmungswürdigen Gummischläuchen
oder selbstgezimmerten Booten von der Insel zu fliehen versuchen. Wir fordern das Regime auf, den
Würgegriff um die Grundfreiheiten der Kubaner zu
lockern und Sonderberichterstatter Groth in Ausübung
seines Mandats einen Besuch zu gestatten.

Seit vielen Jahren übt Saddam Husseins Regime eine
Terrorherrschaft über das irakische Volk aus. Im
vergangenen Jahr haben die irakischen Streitkräfte die
Marschen im Süden entwässert und abgefackelt, Dörfer
niedergebrannt und Städte mit Artilleriefeuer belegt.
Die Regierung hat ein vollständiges Embargo für
Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente gegen
den Nordirak verhängt - all dies in flagranter Verletzung
von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Herr Vorsitzender, wir sind tief besorgt über die Bilanz
von Menschenrechtsverletzungen der sudanesischen
Regierung, bis hin zu Berichten über die Vollstreckung
der Todesstrafe ohne Gerichtsverfahren, Massenexekutionen, Verschleppungen, systematische Folterung
und willkürliche Verhaftungen. Wir fordern alle Konfliktparteien im Sudan zur Achtung der grundlegenden
Menschenrechte auf. Wir sind ersetzt, daß sudanesische Regierungsvertreter Dissidenten verhaftet haben, die mit Sonderberichterstatter Diro zusammengetroffen sind oder eine Begegnung mit ihm gesucht
haben.
Wir sind zutiefst besorgt, Herr Vorsitzender, über
Berichte gravierender Menschenrechtsverletzungen
in Burundi, Äquatorialguinea und Tschad. Wir verurteilen darüber hinaus den fortschreitenden Verfall der
bürgerlichen Gesellschaft in Zaire. Obwohl Mauretanien gewisse Fortschritte zur Demokratie erzielt hat,
bedauern wir die jüngste Generalamnestie der für die
Folterung und Ermordung von über 500 Mauretaniern
afrikanischer Abstammung Verantwortlichen. Zusätzliche glaubwürdige Schritte zur Demokratie sind erforderlich.

Herr Vorsitzender, auch die Menschenrechtspraktiken
der chinesischen Regierung sind weiterhin repressiv
und erfüllen die internationalen Normen in keiner Weise.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin tief besorgt Die Sicherheitskräfte sind verantwortlich für Menschenüber die Menschenrechtssituation in Burma. Obwohl rechtsverletzungen, einschließlich Folterungen, willFortschritte erzielt wurden, verweigert die Regierung kürlichen Festnahmen und Inhaftierungen. Männer
dem burmesischen Volk nach wie vor Grundfreiheiten. und Frauen, deren einziges Verbrechen in der ÄußeNobelpreisträgerin Aung Suu Kyi steht immer noch rung von Meinungen besteht, die im Widerspruch zur
unter Hausarrest, und wir fordern hiermit erneut ihre politischen Führung stehen, befinden nach wie vor in
Freilassung. Es besteht ein eindeutiger Zusammen- Haft. Während ihrer Inhaftierung wurden einige dieser
hang zwischen burmesischen Waffenkäufen und den Gefangenen unmenschlich behandelt. China sollte
andauernden Menschenrechtsverletzungen. Aus sicherstellen, daß erzwungener Schwangerschaftsabdiesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein frei- bruch und obligatorische Sterilisierung nicht Bestandwilliges Waffenembargo gegen Burma verhängt, und teil seiner Familienplanungspolitik bleiben. China sollte
wir ermutigen alle Mitgliedstaaten der Vereinten Natio- ferner seinen Bürgern internationale Rundfunk- und
nen, dasselbe zu tun.
Fernsehsendungen zugänglich machen. Die chinesischen Behörden sollten alle erforderlichen Schritte
Die iranische Regierung verletzt weiterhin die Men- zum Schutz des beträchtlichen kulturellen und religischenrechte ihrer Bürger in massivem Umfang. Zu ösen Erbes von Tibet unternehmen.
den bekannten Menschenrechtsverletzungen zählen
Massenexekutionen, häufige Folterungen, Verbot der Herr Vorsitzender, glücklicherweise brechen durch
Rede-, Religions-, Presse-, Versammlungs- und Koa- diese dunklen Wolken Strahlen der Hoffnung in die
litionsfreiheit, gravierende Beschränkungen der Rech- Welt von heute, die uns ermutigen, es besser zu
te von Frauen und Arbeitnehmern sowie die andauern- machen. Wir sind positiv beeindruckt von Entwicklunde Unterdrückung der Bahai.
gen im Bereich der Menschenrechte in einer Reihe von
Ländern, die bisher Anlaß zur Sorge gegeben haben.
Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�Beispielsweise hegen wir große Hoffnungen, daß die
Unterzeichnung und Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung entscheidende
Verbesserungen für die Menschenrechtssituation in
den von Israel besetzten Gebieten bewirken wird.
Unser Lob gebührt denjenigen, die in diesem Jahr am
härtesten gearbeitet haben, um für die Menschen in
Südafrika Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung zu erreichen - vor allem Präsident de Klerk und
Nelson Mandela. Frieden und Demokratie müssen
jedoch noch verwirklicht werden, und wir fordern alle
Parteien zur konstruktiven Beteiligung an dem sich
jetzt vollziehenden politischen Umbruch auf.
Im Jahr 1993 erlebte Kambodscha eine demokratische und Menschenrechtsrevolution. Die in diesem
Jahr erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten
sollten gewährleisten, daß Kambodscha nie wieder zu
der verzweifelten Unterdrückung des "Schreienden
Landes" zurückkehrt.

Regierung Nicaraguas zur Durchführung der Empfehlungen der Dreierkommission auf, die eine Gesetzesreform und die Lösung anhängiger Menschenrechtsfälle zum Inhalt hat.
Wir sind von den Fortschritten der peruanischen
Regierung bei der Wiedereinführung der demokratischen Herrschaft und der drastischen Reduzierung
von Menschenrechtsverletzungen in diesem Jahr
beeindruckt, obwohl die Vereinigten Staaten weiterhin
besorgt über Todesfälle und Verschleppungen sowie
Straffreiheit für in der Vergangenheit begangene
Menschenrechtsverletzungen sind.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die von den Menschen in Ghana und Ruanda erzielten Fortschritte zur
Demokratie.

Trotz der Krise in Moskau Anfang Oktober gibt die
historische Umgestaltung in Rußland Anlaß zur Hoffnung. Wir sind erfreut, daß die Menschenrechtssituation sich dort weiterhin verbessert. Während die
In den vergangenen Jahren hat Sri Lanka beachtliche Nation Demokratie anstrebt, sehen wir der ZusamFortschritte bei der Menschenrechtsreform gemacht. menarbeit mit Rußland in den Vereinten Nationen und
Wir hoffen, die derzeitige Regierung wird diese Bestre- andernorts entgegen, um größere Achtung der Menbungen fortsetzen und aktiv die Umsetzung früherer schenrechte und demokratischer Institutionen zu fördern.
Verpflichtungen überwachen.
In Mexiko, Kolumbien und Guatemala geben mit der
Prüfung von Berichten über Menschenrechtsverletzungen beauftragte unabhängige Organisationen starke, mutige Empfehlungen an ihre Präsidenten und
gesetzgebenden Organe ab.

Glücklicherweise, Herr Vorsitzender, gibt es heute
mehr Verfechter und Garanten der Menschenrechte
als Böswillige, die sie verweigern wollen. Die Vereinigten Staaten sehen der Verleihung des Menschenrechtspreises der Vereinten Nationen am Menschenrechtstag, dem 10. Dezember, erwartungsvoll entgeDer Prozeß zu Frieden und Aussöhnung in El Salvador gen. Wir hoffen, daß die Geehrten echte Hüter der
hat im Jahr 1993 wirklich beeindruckende Fortschritte Menschenrechte sind - Menschen, die manchmal
erzielt. Die Vereinten Nationen können stolz auf die jahrelang unter gefährlichen Bedingungen mit wenig
unerläßlich Rolle sein, die ONUSAL (Organisation der Anerkennung arbeiten.
Vereinten Nationen in El Salvador) in dieser Erfolgsgeschichte gespielt hat. Die Vereinigten Staaten sind Menschenrechtsverfechter verbreiten nicht nur das
jedoch besorgt über die jüngste Ermordung von FMLN- Licht der Wahrheit in ihren eigenen Nationen, sondern
Mitgliedern in El Salvador und fordern die Regierung unter uns allen. Die Würde ihrer Arbeit verleiht unsezur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen ren Häusern, Schulen, Arbeitsplätzen und religiösen
auf.
Stätten Sicherheit. Alsdie wahren Helden unserer Zeit
sind sie die Streiter für Freiheit und Demokratie. Wir
Wir beglückwünschen Präsidentin Chamorro zu ihren wollen gemeinsam die Freiheiten feiern, die sie für uns
jüngsten Versuchen, die Kontrolle über die nicaragua- zu Hause, in Städten, Schulen, am Arbeitsplatz und in
nischen Sicherheitskräfte zu erlangen. Wir fordern die religiösen Stätten bewirkt haben.

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AMERIKA DIENST 48

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Sehe 3

�US-MILITAR
I.Dezember 1993

AUCH SIE DIENEN: FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick
Der Anteil von Frauen in den amerikanischen Streitkräften nimmt ständig zu - wie ihre Rolle im Golf krieg 1991
und die jüngsten Direktiven der US-Regierung zeigen, erläutert die Verfasserin in dem folgenden Artikel, stellt
jedoch fest, daß ihre Zahl noch vergrößert werden kann.
Michele McCormick ist freiberufliche Schriftstellerin mit Wohnsitz in Kalifornien.

Major Jacqueline Cumbo von der US-Armee fällt es
nicht schwer zu entscheiden, welche ihrer militärischen Erfahrungen ihr am tiefsten im Gedächtnis
verhaftet ist. Es war der Tag, an dem sie die Versetzung nach Panama erhielt, wo die Operation Gerechte
Sache bereits in vollem Gange war.
"Ich war zu Tode erschrocken", erinnert sie sich. "Ich
dachte, ich übernehme nicht nur das Kommando - ich
übernehme es in einer feindlichen Umgebung. Ich
hatte keine Angst um mein Leben, sondern davor,
Entscheidungen zu treffen, die für alle die Sicherheit
gewährleisten sollten."
Die 31jährige Militärpolizistin hätte sich keine Sorgen
zu machen brauchen. Sie übte das Kommando über
die Kompanie erfolgreich aus und übernahm die gleiche Aufgabe während der Operation Wüstensturm am
Persischen Golf. "Ein weiblicher Kompaniekommandeur der MP (Militärpolizei) ist selten in einem Kampfgebiet", erklärt eine Frau, die diese Aufgabe zweimal
übernommen hat. Aber eine Einheit von 111 Männern
und 14 Frauen zu kommandieren, gefiel ihr gut. "Ich
hatte keine Probleme", stellt sie fest. "Die Kameradschaft war ausgezeichnet."
Die US-Armee ist derselben Meinung. Cumbos kürzliche Beförderung zum Major reihte sie in die knapp
fünf Prozent Hauptleute bei der Militärpolizei ein, die
für eine Beförderung vorgeschlagen werden.
Heutzutage sind solche Geschichten keine Seltenheit
mehr. In dem Maße, wie sich die Präsenz der Frauen
im Militär erweitert hat, haben sie ein breites Spektrum
nicht herkömmlicher Aufgaben übernommen. Ihre
Präsenz hat auch Fragen aufgeworfen - von Schwangerschaft und Kinderbetreuung bis zu sexueller Belästigung und Kampfeinsätzen - bei deren Bewältigung
die Teilstreitkräfte harte Arbeit geleistet haben.
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Die amerikanischen Soldatinnen von heute haben ihre
Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt. Trotz
kontinuierlicher Fortschritte haben viele von ihnen
jedoch immer noch das Gefühl, daß mehr getan werden muß und sie ihre Präsenz noch erweitern können.
Für diese Frauen bot der Krieg am Persischen Golf die
Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, daß sie ihre
Arbeit auch unter schwierigsten Bedingungen meistern konnten. Der Krieg hatte auch maßgebliche
Auswirkungen auf die Stellung der Frau in den USStreitkräften sowie ihr potentielles Fortkommen. Obwohl
Frauen seit vielen Jahren in einem breiten Spektrum
von Positionen gedient haben, waren sie beim Golfkrieg zum ersten Mal ganz direkt und in solchem
Umfang an Kampfhandlungen beteiligt.
"Der Golfkrieg hat einen unglaublichen Unterschied
bewirkt", stellt Carolyn Becraft fest, Expertin für Frauenfragen im Militär, die zurZeit Kommunikationsdirektorin des internationalen Instituts für Frauenforschung
ist. "Der Krieg hat Mythen zerstört - daß Frauen sich
nicht versetzen lassen, besondere Behandlung verlangen, sie den Zusammenhart zerstören, diese Nation Frauen in Leichensäcken nicht tolerieren würde."
"Statt dessen hat der Golfkrieg bewiesen, daß wir mit
Frauen in den Krieg gehen und gewinnen können.
Viele der Fragen von Politikern wurden beantwortet.
Leider konnten sie nicht auf andere Weise beantwortet
werden."
Allein im Hinblick auf den Umfang war der Anteil von
Frauen während des Golfkrieges beeindruckend. Über
33.000 Soldatinnen hatten in der gesamten Region
Posten inne. Sie dienten als Mechanikerinnen, Pilotinnen, Lastwagenfahrerinnen, Militärpolizistinnen, Besatzungsmitglieder von Raketenbombern und in einer
Vielzahl anderer Positionen. Drei Frauen wurden
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�getötet, als eine SCUD-Rakete in eine Kaserne einschlug, eine starb im Gefecht und zwei wurden als
Kriegsgefangene genommen.
Obwohl diese Erfahrungen einen Präzedenzfall schufen, war die Tatsache, daß so viele Frauen ihre Rolle
so erfolgreich in einem Kriegsgebiet ausübten, für
niemanden eine Überraschung.
"Die Ausbildung hat sich bezahlt gemacht", erklärt
Generalmajor Robert Frix, der als Stellvertretender
Kommandierender General der Third Army seinen
Dienst tat. "Ausbildung zur Erfüllung der Aufgabe und
zur Zusammenarbeit. In einer solchen Situation sieht
man Frauen nicht als Frauen, sondern als kompetente
Führungskräfte."
Die Chance für Frauen, eine Führungsrolle in einem so
schwierigen Umfeld zu übernehmen, kann sehr wohl
bei einer bahnbrechenden Entscheidung eine Rolle
gespielt haben, die ihnen weitere Möglichkeiten bei
Kampfeinsätzen einräumte. Am 28. April 1993 erließ
Verteidigungsminister Les Aspin eine Direktive, die
Frauen Zugang zu einem breiteren Spektrum von
Positionen und die Bewerbung für Positionen in Kampfflugzeugen gestattete. Aspin versprach ferner, den
Kongreß zur Aufhebung des bestehenden Gesetzes
über den Ausschluß aus Kampfhandlungen zu drängen und die Versetzung von Frauen auf in Kampfhandlungen verwickelte Schiffe zu genehmigen.
In einer kurz nach Veröffentlichung der Direktive gehaltenen Rede stellte Aspin fest, das heutige Militär
müsse sich die besten verfügbaren Talente zunutze
machen. In der Vergangenheit "waren den Frauen zu
viele Schlüsselpositionen beim Militär verschlossen",
erklärte er. "Während wir jede Positon mit der am
besten geeigneten Person besetzen wollten, haben
wir gleichzeitig einige der Besten ausgeschlossen. Wir
sind jetzt dabei, dies zu ändern."

Der Trend zur Öffnung solcher Positionen für Frauen
war langsam, aber stetig. "Jedes Mal, wenn ich an
einer Stufe meiner Karriereleiter angelangt war, wurden neue Möglichkeiten eröffnet", steift Looney fest.
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
waren Frauen an militärischen Aktionen beteiligt, aber
die Art ihres Engagements hat sich entschieden gewandelt.
Neben so traditionellen Aufgaben wie Tätigkeiten als
Krankenschwestern oder Boten haben einige wenige
auch Waffen auf dem Kriegsschauplatz getragen eine Rolle, die sie für gewöhnlich nur als Männer
verkleidet ausüben konnten.
Bis zum Ersten Weltkrieg trugen Frauen die Uniformen
aller amerikanischen Teilstreitkräfte und leisteten
Unterstützung, die sich vornehmlich auf Tätigkeiten im
administrativen Bereich oder als Krankenschwestern
konzentrierte.
Aber das enorme Ausmaß des Zweiten Weltkriegs
erforderte eine größere Beteiligung. Während dieses
langen Krieges wurde das Frauen-Armeekorps
(Women's Army Corps - WACs) und die Frauengruppe
für freiwillige Notdienste (Women Accepted for Voluntary Emergency Services - WAVEs) gegründet. Frauen traten diesen Gruppen bei und wurden in Bereichen
wie Luftfahrt, Navigation, Ingenieurwesen, Schießausbildung, Flugsicherung, Bordfunk und vielem mehr
tätig.

Trotz dieser langen, bedeutenden Geschichte begann
das interessanteste Zeitalter des Militärdienstes für
Frauen erst vor ungefähr 25 Jahren. "Unser wichtigster Meilenstein war das Jahr 1967", erinnert sich
Evelyn "Pat" Foote, pensionierter Brigadegeneral des
Heeres. "Damals unterzeichente Präsident Johnson
das öffentliche Gesetz 90-130, das die Beschränkung
der Zahl von Frauen, die in der Armee dienen konnten,
"Die Veränderungen sind wirklich bahnbrechend", so und die Restriktionen für die Beförderung von Frauen
Becraft. "Sie ebnen den Weg für Frauen, Vier-Sterne- aufhob."
General zu werden. Zum ersten Mal werden Frauen
auf oberster Ebene mit am Tisch sitzen, um wichtige Laut Foote, einer energischen Verfechterin der Beteiligung von Frauen an allen Bereichen des MilitärdienFragen von Krieg und Frieden zu diskutieren."
stes einschließlich direkter Kampfhandlungen, erfolgKorvettenkapitän Donna Looney, zur Zeit dem Büro ten diese Veränderungen nicht in Anerkennung der
des Sonderberaters der US-Marine für Frauenfragen Fähigkeiten von Frauen, sondern als Reaktion auf
unterstellt, stellt fest, die Veränderungen seien für die einen ernsthaften Bedarf.
weiblichen Unteroffiziere und Mannschaftsgrade von
noch größerer Bedeutung. "Dank dieser Veränderun- Im Januar 1973, als der Vietnamkrieg sich dem Ende
gen können Frauen jetzt die Fähigkeiten, in denen sie zuneigte, wurde auch die allgemeine Wehrpflicht für
ausgebildet wurden, auf modernsten Schiffen einset- amerikanische Männer abgeschafft. Das Konzept
einer reinen Freiwilligenarmee wurde eingeführt. Um
zen. Es ist ein enormer Sprung nach vorne für sie."
den Bedarf an Dienstverpflichteten zu erfüllen, wurden
Es ist zumindest auch ein kleiner Schritt für Looney, die in hohem Maße Frauen angeworben. "Nach dem
bald ihren derzeitigen Posten verlassen und Erster Ende der allgemeinen Wehrpflicht 1973 nahm die Zahl
Offizier eines Schiffes wird, das die Weiterversorgung der Frauen stark zu", stellt Foote fest. Diese Zunahme
von Kampfgruppen gewährleistet. Vor der am 28. April verstärkte sich nochmals 1976, als die Militärakadeerlassenen Richtlinie hätte sie sich nicht um diese Po- mien für Frauen geöffnet wurden und ihnen neue
Chancen für militärische Leistungen boten.
sition bewerben können.
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�Diese Veränderungen spiegeln sich eindeutig in der
wachsenden Präsenz von Frauen beim Militär wider.
Kurz vor 1973 waren weniger als 2 Prozent der Soldaten Frauen. Heute beträgt diese Zahl nahezu 12
Prozent. Insgesamt sind mehr als 200.000 Frauen im
aktiven Dienst und über 100.000 dienen in verschiedenen Reserveeinheiten.

erläutert Mary Jones, Hauptmann der US-Armee. Jones,
die während des Golfkriegs eine Instandsetzungskompanie kommandierte, gebar zwei Kinder im Verlauf
ihrer 11 Dienstjahre.

Noch schwieriger als eine Schwangerschaft sind ihr
zufolge für die Soldatin die durch den Dienst möglicherweise erforderlichen Trennungen. Jedes Mitglied
Die von ihnen übernommenen Verantwortungsberei- der Streitkräfte, sei es männlich oder weiblich, muß
che sind bemerkenswert. Beispielsweise macht Char- einen Versorgungsplan haben, der im Falle einer
lene Wagner, Leutnant des Heeres, Militärgeschichte Stationierung in Kraft treten kann. "Keiner dieser
als erste Frau, die einen Cobra-Angriffshubschrauber Pläne funktioniert je perfekt", so Jones. "Fünfundfliegt. Sie setzte sich dieses Ziel, als ihr bei einem neunzig Prozent funktionieren. Es ist kein ausschließEinführungskurs über die verschiedenen Flugzeugty- liches Frauenproblem - auch alleinstehende Männer
pen im Bestand der Armee gesagt wurde, "welche sie haben Probleme."
(als Frau) fliegen darf und welche nicht". Im Stillen
hoffte sie jedoch darauf, daß sich eines Tages eine Die glühendsten Befürworter von Frauen im Militär wie
Foote sind der Ansicht, daß sich Mutterschaft und das
Chance "eröffnen würde".
militärische Leben nicht gegenseitig ausschließen.
Bei ihrem ersten Einsatz in Korea werden ihrem "Es gibt dort Frauen, die sehr anspruchsvolle BatailKommando 14 Stabsfeldwebel und sieben Hubschrau- lone kommandieren, ihre Kinder aufziehen und zudem
noch die Ehefrau sind, die ihr Mann sich wünscht",
ber unterstehen.
erklärt sie.
Die Leistungen von Patricia Fornes, Oberstleutnant
der Luftwaffe, haben einen emotionalen Aspekt. Sie ist Die Realität kann jedoch hart sein. Obwohl Jones im
die erste Frau, der das Kommando über ein Raketen- Hinblick auf ihre militärischen Fähigkeiten zuversichtgeschwader übertragen wurde - eine weitere Möglich- lich und auf ihre Leistungen stolz war, beschloß sie,
keit, die Frauen erst vor kurzem zugänglich gemacht den Dienst zu quittieren. Sie war von ihrer ältesten,
wurde. Fornes leitet dieselbe Einheit, der einst ihr erst acht Jahre alten Tochter fünfmal für jeweils sechs
Vater vorstand - jetzt Oberstleutnant im Ruhestand. Monate getrennt. "Es war Zeit für eine Pause", erklärt
Ihr werden rund 75 Soldaten unterstehen - die Männer sie, "denn meine Kinder wuchsen ohne mich auf.
und Frauen, die auf den Raketenanlagen der Vereinigten Staaten in Bereitschaft sind und die Einrichtungen Manche Frauen leiden unter anderen Frustrationen.
Obwohl ihre militärischen Optionen sich verbessern,
warten.
befürwortet nicht jeder die Aussicht auf "bahnbrechen"Führungsstärke ist schwer zu definieren", erklärt Glenn de Veränderungen". Einige machen sich Sorgen, daß
Fornes, wenn sie über die neuen Aufgaben ihrer sie nicht für Posten in Frage kommen, denen sie sich
Tochter nachdenkt. "Aber man wei ß, wenn jemand sie durchaus gewachsen fühlen, und warten immer noch
hat, und ich glaube, diese Dame besitzt sie in hohem auf den Tag, an dem jede Tätigkeit im Militär für alle
Maße."
Frauen offen steht. Im Gegensatz dazu halten andere
wiederum das Herkömmliche für besser.
Selbst angesichts des derzeitigen Abbaus der amerikanischen Streitkräfte nimmt der Prozentsatz von Frauen "Es gibt Frauen im Militär", so Cumbo, "die sich den
weiter zu. Obwohl die Truppenstärke zwischen 1987 neuen Kampfregeln widersetzen. Es ist einfach nicht
und 1992 um fast 370.000 Mann reduziert wurde, stieg das, was sie wollen." Zur Zeit stehen Frauen 99
der Prozentsatz der Frauen von 10,2 auf 11,5 Prozent Prozent aller Berufsgruppen in der Luftwaffe und 99
an.
Prozent der Positionen offen. In der Armee sind es 91
Prozent der Berufsgruppen und 62 Prozent der PosiEs steht außer Frage, daß die Präsenz von Frauen tionen. Die Marine hat 86 Prozent der Berufsgruppen
Fragen und Probleme aufgeworfen hat, die nicht leicht und 60 Prozent der Positionen für Frauen geöffnet,
zu lösen sind. Schwangerschaft ist beispielsweise während die Marineinfanteristen 80 Prozent der Beeine Realität im Leben der Frau. Zur Zeit verrichten rufsgruppen und 34 Prozent der Positionen anbieten.
schwangere Frauen ihre Aufgaben so lange wie möglich.
Ist die Tätigkeit gefährlich, oder sie sind aus medizini- Das scheinen enorme Chancen zu sein, aber einigen
schen Gründen nicht in der Lage, sie auszuüben, Frauen reicht das nicht aus. Wenn jedoch Verteidiwerden ihnen administrative Aufgaben übertragen. gungsminister Aspin wie versprochen das Gesetz über
Nach der Geburt des Kindes erhalten die Mütter min- den Ausschluß von Frauen aus Kampfhandlungen
destens sechs Wochen Mutterschaftsurlaub.
Ende1993 aufhebt, wird es noch mehr Chancen geben. Die Marine erstellt bereits Pläne, jedem der drei
"Im großen und ganzen vertreten wir die Auffassung, Flugzeugträger 1994-95 etwa 500 Frauen zuzuteilen,
daß man nicht krank ist, nur weil man schwanger ist", falls das Gesetz geändert wird.

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�"Das Militär muß jetzt begründen, warum Frauen von
einer Position ausgeschlossen werden", erläutert Becraft.
"Es wird hoffentlich eine vernünftige Erklärung dafür
geben, warum die Möglichkeiten von Frauen aufgrund
ihres Geschlechts beschränkt werden. Wahrscheinlich läuft das auf körperliche Stärke hinaus."

vergaßen wir alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern und waren nur noch Soldaten."

fast kein Unterschied zwischen dem Einsatz als
Kombattant oder Nichtkombattant. "Meines Erachtens werden Frauen letztlich in Kampfausrüstung enden",
äußert Jones. "Gehört nicht die Infanterie zur Arbeit
jedes Soldaten dazu? Als der Bodenkrieg begann,

Alle Teilstreitkräfte haben strenge Regeln, die sexuelle
Belästigung verbieten. Die Beseitigung derartiger
Probleme und die Schaffung eines Umfelds, in dem
Frauen sich profilieren können, stellt im Militär eine
Priorität dar. "In der Vergangenheit war es schwierig

In der Armee ist das eine besonders heikle Frage, da
so viele Frauen den Einheiten zugeteilt sind, die Kampfeinheiten direkt unterstützen. "Frauen werden eines
Tages Kampf eingesetzt", erklärt Oberstleutnant
Die vielleicht letzte große Hürde für Frauen im Militär Marcene Etchieson, Personalexpertin. "Unsere Politik
bringt immer noch einige interessante Scenarien her- schließt sie von einer Beteiligung an routinemäßigen
vor. Frauen werden beispielsweise von Elitekampf- direkten Bodenkämpfen aus." Zu den im Golfkrieg
truppen wie den Special Forces der Armee oder den gefangengenommenen Frauen stellt Etchieson fest:
Kampfschwimmern der Marine SEALS ausgeschlos- "Das liegt nicht außerhalb der Politik der Armee. Sie
sen. Bisweilen werden Frauen jedoch diesen Gruppen taten die ihnen zugeteilte Arbeit."
zugeteilt, wenn ihre besonderen Fähigkeiten vonnöten
Wie auch immer diese Arbeit aussehen mag - einige
sind.
führende Vertreter der Streitkräfte sind der Ansicht,
"Wir alle erkennen den herausragenden Beitrag von daß gewisse Beschränkungen bestehen bleiben
Frauen an, die in unseren Streitkräften dienen", erklärt müssen. "Ich persönlich vertrete die Auffassung, daß
der Senator und ehemalige Astronaut John Glenn, der Frauen nicht in der Infanterie dienen sollten", äußert
bei vielen Entscheidungen in bezug auf das Militär eine Frix. "Ich gehörte ihr an und weiß folglich, was das
Schlüsselrolle spielt. "Die Teilnahme von Frauen an bedeutet. Denken Sie über mich, was Sie wollen, aber
Kampftruppen und -Positionen führt zu einigen grund- ich glaube nicht, daß Frauen mit extremen Entbehrunlegenden Fragen über den zukünftigen Umfang und gen fertig werden können."
die Struktur der Streitkräfte."
Major Kathy Wood, Offizier der Armee, ist widerstreDie wichtigste Frage - sollten Frauen im direkten bend zu derselben Schlußfolgerung gelangt. Sie wurde
Kampf eingesetzt werden - ist Fachleuten zufolge schon zu Beginn ihrer Laufbahn für den Einsatz in
durch die moderne Technologie praktisch fiktiv gewor- Panzern ausgebildet und stellt jetzt fest: "Nach zwei
den. "Der Ausschluß der Frau vom Kampf ist eine Jahren Umgang mit Panzern und angesichts der
absolut falsche Formulierung", so Frix. "Frauen wer- Bedingungen und Situationen, denen wir ausgesetzt
den von Positionen ausgeschlossen, bei denen das waren, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß Frauen
Töten von Menschen die Haupttätigkeit ist."
nicht dorthin gehören. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber es stimmt. Es stimmt auch, daß Frauen, die
Frix und andere weisen darauf hin, daß Frauen bei der im Kampf eingesetzt werden möchten, die Gelegenmodernen Kriegführung ebenso in Gefahr sind wie die heit zur Entscheidung für einen Bereich haben, der sie
Männer. "Der Krieg am Golf war großangelegt, und sie mit größter Wahrscheinlichkeit ins dichteste Kampfgewaren von Beginn an beteiligt", stellt er fest. "Es gab tümmel bringt."
dort keine Unterschiede. Absolut keine. Niemand
machte sich darüber Sorgen, daß Frauen der Gefahr Während die Armee den Frauen eine breite Palette
ausgesetzt waren."
von Möglichkeiten anbietet, wird die Marine sogar
noch fortschrittlicher. Seit Beginn der achtziger Jahre
Das schließt die Frauen selbst mit ein. Yolanda Wood, hat das Programm "Frauen zur See" weiblichen MariAbsolventin der Luftwaffenakademie, ist Navigatorin neangehörigen den Dienst auf See ermöglicht. Mariund war früher den KC-135-Tankf lugzeugen zugeteilt. nekapitän Dennis Egan befehligte einen Flottentanker,
"Ich bin ausgebildet worden", erklärt sie. "Ich bin zu dessen Besatzung 62 Frauen zählten. "Es klappte
Luftwaffenoffizier. Niemand will in den Krieg. Aberder gut", erklärt er. "Es war eine Übung in Flexibilität. Ich
Wunsch nach der Verteidigung des Heimatlandes ist bekam hochqualifizierte, sehr intelligente Frauen."
nicht auf ein Geschlecht beschränkt."
Dennoch, so Egan, müssen bestimmte Punkte beDie US-Marine hat sich diese Philosophie bereits voll rücksichtigt werden - von der Umgestaltung der Schifund ganz zu eigen gemacht. Sie hat einer Luftkampf- fe, um den Bedürfnissen der Frauen Rechnung zu
einheit schon die erste Frau zugeteilt. Sollten die tragen, bis zu den Schwierigkeiten, die die enge ZuUmstände in Zukunft eine Angriffsmission unter Füh- sammenarbeit von Männern und Frauen mit sich bringt.
rung der Marine erfordern, könnte es sehr wohl eine "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war ein Anlaß
Frau sein, die die erste Bombe abwirft.
zur Sorge, mit dem man sich offen befassen mußte",
Für die Frauen, die am Golfkrieg teilnahmen, existiert äußert er.

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�für Frauen, mit Männern zu konkurrieren, weil sie
keinen nennenswerten Dienst zur See ableisteten."
Gegenwärtig werden auch Schiffe von weiblichen
Angehörigen der Marine befehligt. Korvettenkapitän
Darlene Iskara, die 1990 das Kommando erhielt, war
die einzige Frau an Bord des von ihr befehligten
Schiffes. Seitdem ist zwei weiteren Frauen das
Kommando über ein Schiff übergeben worden, und
weibliche Angehörige der Marine haben auch Staffeln
kommandiert.
Bemerkenswerte Leistungen sind für weibliche Marinepiloten nichts Neues. Im Gegensatz zu Pilotinnen
der Luftwaffe, die zuvor vom Führen bestimmter Jagdflugzeuge ausgeschlossen waren, sind die Pilotinnen
der Marine jedes im Arsenal verfügbare Flugzeug geflogen, einschließlich der im Training verwendeten F/
A-18-Jagdbomber und Angriffsflugzeuge.

Dieser Zugang wird nur langsam gewährt. Gegenwärtig gehören allen Teilstreitkräften nur 11 weibliche
Offiziere im Generalsrang an - zwei in der Armee, drei
in der Luftwaffe, fünf in der Marine und eine bei den
Marineinfanteristen. Nur eine von ihnen - Konteradmiral der Marine - hat den Rang eines Zweisternegenerals. Nur zwei weibliche Luftwaffenoffiziere und ein
weiblicher Armeeoffizier wurden jemals mit zwei Sternen ausgezeichnet. Und was die Armee betrifft, ist das
Beispiel schon fast Geschichte. Generalmajor Betty
Clark, letzter Kommandeur des Frauen-Armeekorps,
wurde 1973 nach Auflösung des Korps in den Ruhestand versetzt.

Oberst Jean Oestreich von der Luftwaffe, ehemalige
Direktorin der Operationen für strategisches Luftkommando, ist der Ansicht, daß mehr Frauen in höchste
Ränge aufsteigen werden. "Ich beobachte eine veränderte Einstellung gegenüber den Frauen", stellt sie
fest. "Als ich kam, hatten die Männer und die FühFrauen nehmen an Feindstaffeln teil und fliegen Feindrungsriege begrenztere Ansichten von dem, was wir
darstellung, um ihre männlichen Kollegen in Kurventun
könnten. Heute ist das kein Thema mehr."
kampftechniken auszubilden. In der Marine gibt es zur
Zeit fünf Testpilotinnen, die gewährleisten, daß die Andere Vertreter des Militärs sind der Auffassung, daß
neuen Flugzeuge den Erfordernissen der Marine ent- auch Frauen Generäle werden - bis jetzt sei dazu nur
sprechen.
noch nicht genug Zeit vergangen. "Erst Mitte der
siebziger
Jahre kamen immer mehr Frauen in die
Im Juni und Juli 1993 traten die ersten weiblichen
Armee",
erklärt
Etchieson. "Man braucht einige Jahre,
Angehörigen der Marine einer auf einem Flugzeugträbis
man
General
oder Hauptfeldwebel wird. Erst jetzt
ger stationierten taktischen Staffel bei. Die Marine
kommt
eine
steigende
Zahl von Frauen hierfür in
erwartet, im April 1994 20 bis 25 Pilotinnen und weibFrage."
liche Flugoffiziere in taktischen Staffeln zu haben. Für
die Frauen in der Marine, die zuvor trotz ihrer umfassenden Ausbildung von diesen wichtigen Positionen
ausgeschlossen waren, stellt das eine dramatische
Veränderung dar.
"Vor diesem Wandel waren meine Optionen sehr
begrenzt", stellt Leutnant Sara Joyner, eine 26jährige
Fluglehrerin bei der Marine, fest. Sie erklärte vor
Journalisten, sie hoffe, für die Ausbildung zur Steuerung des angesehenen F-18-Jagdbombers angenommen zu werden.
Angesichts des technologischen Wandels betrifft die
Frage, mit der Frauen im Militär konfrontiert werden,
nicht so sehr den Kampf, sondern den Zugang zu
Führungspositionen. "Frauen wollen keine Infanteristen sein", erklärt Becraft. "Sie wollen Zugang zu
Positionen, die zu höheren Rängen führen."

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Zweifelsohne widmen sich alle Teilstreitkräfte dieser
Frage sorgfältig und aufmerksam. Alle haben Frauenbeauftragte zur Entwicklung von Lösungen. Die Frauenberatungskommission für die Teilstreitkräfte (Defense Advisory Commission on Women in the Services
- DACOWITS) steht dem Verteidigungsministerium
beratend zur Seite.
Trotz Komplikationen wie dem fortgesetzten Streitkräfteabbau, der die Chancen für Männer und Frauen
in den Streitkräften beschränkt, besteht kein Zweifel,
daß sich die Dinge dramatisch verändern.
"Die Operation Wüstensturm hat gezeigt, daß jeder
Soldat eingezogen werden muß, wenn Soldaten benötigt werden", erklärt Kampfveteran Cumbo. "Das
Geschlecht ist unerheblich. Frauen mögen an der
Front führend sein, oder die Nachhut bilden, aber sie
werden präsent sein."

* * * *

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