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U.S. Information Service
United States of America

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Z12462C

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24. November 1993

47

NAFTA

CLINTON BEGRUSST NAFTA ALS
ERWEITERUNG DER AMERIKANISCHEN
ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
AUF
Rede des Präsidenten in Memphis

USA-ASIEN

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der
Washington University

APEC

APEC-STAATEN VEREINBAREN
ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 4102

�NAFTA
24. November 1993

CLINTON BEGRÜSST NAFTA ALS ERWEITERUNG DER
AMERIKANISCHEN ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zur Bekräftigung der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft beitragen.
"Das NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen", stellte Präsident Clinton in einer Ansprache am 17. November 1993 unmittelbar nach
der Verabschiedung des NAFTA im Repräsentantenhaus mit 234 zu 200 Stimmen fest.
Der Präsident unterstrich, im derzeitigen Umfeld von internationalem Wettbewerb und konstanten Veränderungen könne die Sicherheit amerikanischer Arbeitnehmer nicht durch eine Wendung nach innen und den Aufbau
protektionistischer Schutzmauern gewährleistet werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank. Vor einigen Minuten hat das Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens abgestimmt. Das
NAFTA wird unsere Exporte erweitern, neue Arbeitsplätze schaffen und die amerikanische Führungsrolle
in der Weltwirtschaft bekräftigen. Dieses Abkommen
liegt zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten. Das
NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den
produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen.

dieses Abkommen, sowie dem Finanzminister, der
gebürtiger Texaner ist und besonders gut versteht,
warum dieses Abkommen in unserem Interesse liegt.
Und ich möchte Vizepräsident Gore meinen herzlichen
Dank dafür aussprechen, daß er dem amerikanischen
Volk die Botschaft in seiner ausgezeichneten Fern sehdiskussion vermittelt hat.

Die Abstimmung des heutigen Abends ist ein entscheidender Augenblick für unsere Nation. Zu einer Zeit, in
der viele Menschen unter den Belastungen der weltIch möchte den Gesetzgebern beider Parteien für ihre wirtschaftlichen Probleme leiden, haben wir uns für
Unterstützung des NAFTA danken. Wie jeder weiß, Wettbewerb entschieden - nicht für Rückzug -, zur
haben viele von ihnen echten Mut bei der Entschei- Führungsrolle in einer neuen Weltwirtschaft, einer
dung bewiesen, was ihrer Ansicht nach im besten Führungsrolle, die Amerika in der Vergangenheit so
Interesse ihrer Nation liegt. Ich möchte all den Bürgern häufig übernommen hat. Die Debatte überdas NAFTA
meinen Dank aussprechen, die so hart daran gearbei- war kontrovers. Guten Glaubens haben Männer und
tet haben, den Unternehmern - insbesondere den Frauen starke Argumente für und gegen dieses AbKleinunternehmern, den Fürsprechern beim Kampf kommen vorgebracht. Jeder Teilnehmer an der Deum das NAFTA - und auch Lee lacocca, der heute batte wollte jedoch das gleiche - mehr Arbeitsplätze,
mehr Sicherheit, mehr Chancen für jeden Amerikaner
abend unter uns weilt.
- und auch ich will das.
Ein besonderes Wort des Dankes gebührt den Kabinettsmitgliedern, die so lange und intensiv gearbeitet Ich danke denjenigen, die mit uns zusammengearbeihaben - vor allem Mickey Kantor, unserem Handels- tet haben. Mein besonderer Dank gilt denjenigen, die
beauftragten, für seineunermüdlichen Anstrengungen für uns die Bestrebungen an der Basis organisiert
bei den Zusatzvereinbarungen und seinen Einsatz für haben - Bill Daley und der ehemalige KongreßabgeAMERIKA DIENST 47

Seite 1

�ordnete Bill Frenzel. Ich danke auch den leidenschaftlichen Verteidigern der gegen das NAFTA eingestellten Arbeitnehmer für die Ausübung ihres Rechts auf
freie Meinungsäußerung. Und sie hatten recht, sich
gegen Wirtschaftsbedingungen auszusprechen, die
zu wenig Arbeitsplätze geschaffen und stagnierende
Einkommen bewirkt haben sowie gegen unzulängliche
Strategien zur Umschulung unserer Arbeitnehmerund
Investitionen in unsere Mitbürger und Arbeitsplätze,
die sie benötigen. Sie haben hart gekämpft und
verdienen meinen Respekt.
In einer von weltweitem Wettbewerb gekennzeichneten Wirtschaft, in der Wandel die einzige Konstante ist,
können wir jedoch nicht einfach die Sicherheit der
amerikanischen Arbeitnehmer erhöhen, indem wir
unsere Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern
umgeben odervorgeben, weltweiter Wettbewerb finde
nicht statt.
Unsere einzige Chance besteht darin, uns dieser neuen
Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren und zu gewinnen. Aus diesem Grund war die Verabschiedung des
NAFTA von so großer Bedeutung. Und ich hoffe, der
Senat wird das Verfahren in den nächsten Tagen
abschließen.
Durch die Abschaffung dertarifären und nichttarifären
Handelshemmnisse Mexikos werden wir mehr Autos,
mehr Computer und andere Produkte exportieren und
mehr amerikanischen Arbeitnehmern hier im Inland
ihre Arbeitsplätze erhalten können. Das NAFTA wird
in Mexiko die Anforderungen an Umweltschutz und
Arbeitsnormen erhöhen. Ich möchte heute abend die
Tarifparteien zur Zusammenarbeit mit unserer Administration aufrufen um sicherzustellen, daß die Bestimmungen des NAFTA zum Arbeits- und Umweltschutz
eingehalten werden. Wir müssen gewährleisten, daß
dieses Abkommen für Amerika Vorteile bringt.

wandelnder wirtschaftlicher Bedingungen erforderlich
ist.
Wir müssen unseren Bürgern auch andere Dinge
bereitstellen: Eine dauerhafte Gesundheitsfürsorge
sowie erhöhte Investitionen in Menschen, Orte und
Arbeitsplätze. Und wir müssen uns weiterhin für eine
Senkung der Handelshemmnisse im Ausland einsetzen, die das Wirtschaftswachstum hier in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt verlangsamen.
Morgen werde ich mich in Seattle mit führenden Politikern von fünfzehn Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum treffen. Ich werde sie bitten, auf offenere
Märkte für unsere Produkte hinzuarbeiten. Nach meiner
Rückkehr werde ich mich an die marktwirtschaftlich
orientierten Demokratien Lateinamerikas wenden und
sie bitten, diesem großartigen amerikanischen Pakt
beizutreten, der meiner Meinung nach äu ßerst vielversprechend für unsere Zukunft ist.
Im nächsten Monat werden wir bei unseren Konku rrenten in Europa und Asien darauf drängen, die Arbeit an
dem weltweiten Handelsabkommen zu beenden, das
buchstäblich Hunderttausende von Arbeitsplätzen in
den Vereinigten Staaten schaffen wird, während auf
der ganzen Welt die Märkte geöffnet werden.

Wir waren schon einmal mit derselben Frage konfrontiert wie heute abend: Ob wir uns nach innen wenden
oder nach außen öffnen. Nach dem Ersten Weltkrieg
zogen sich die Vereinigten Staaten zurück und umgaben ihre Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern. Das Ergebnis war eine Depression und schließlich ein weiterer Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen wir eine ganz andere Entscheidung: Wir
öffneten uns nach außen. Wir errichteten ein System
erweiterten Handels und kollektiver Sicherheit. Wir
bauten die Volkswirtschaften unserer ehemaligen
Das NAFTA ist ein großer Schritt, jedoch nur ein erster Gegner wieder auf und schufen dabei die große
Schritt bei unseren Bemühungen um die Ausweitung amerikanische Mittelschicht.
des Handels und Herbeiführung einer wirtschaftlichen
Wiederbelebung hier und auf der ganzen Welt. Ein Am heutigen Abend, nach dem Ende des Kalten
gerechtfertigter Einwand der NAFTA-Gegner ist, daß Krieges, ist unsere Nation wieder mit dieser Entscheiwir einen noch besseren Stand in der Weltwirtschaft dung konfrontiert. Und heute abend kann ich mit Stolz
haben, wenn wir über ein Ausbildungs- und Umschu- sagen, daß wir nicht zurückgeschreckt sind. Heute
lungssystem für unsere Arbeitnehmer verfügen, das abend fanden die Vorsitzenden beider Parteien eine
den sie konfrontierenden Herausforderungen Rech- gemeinsame Basis für das Gemeinwohl. Wir haben
nung trägt. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die uns heute abend für die Zukunft entschieden. Wir
Bildung und Ausbildung anbieten, die sie im weltweiten haben erneut unsere Stärke demonstriert. Wir haben
Wettbewerb benötigen. Ich rufe die Koalition, die das selbst in dieser schwierigen Zeit unser SelbstbewußtNAFTA annahm, zu meiner Unterstützung auf, damit sein unter Beweis gestellt. Unsere Bürger sind Gewinich Anfang kommenden Jahres dem Kongreß ein ner. Und wir haben meiner Ansicht nach am heutigen
Wiederbeschäftigungssystem von Weltklasse zur Abend gezeigt, daß wir gemeinsam bereit sind, zu
Verabschiedung vorlegen kann, das unseren Arbeit- konkurrieren, zu gewinnen und die Welt des 21. Jahrnehmern die Gewißheit gibt, daß sie immer die Ausbil- hunderts zu gestalten.
dung erharten können, die für sie angesichts sich
• * * * *

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AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS
VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

WASHINGTON - (AD) - Durch die unerwartet hohe
Zustimmung zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen am Tag zuvor mit neuer Macht versehen,
reiste Präsident Clinton am 18. November 1993 zur
Konferenz über asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und erklärte, der Erfolg in Seattle könnte "eine wirtschaftliche Expansion bewirken, die auf
Jahre andauert".
Musikalisch begleitet von einer Militärkapelle, von
euphorischen Mitarbeitern applaudiert und von seinem
Vizepräsidenten als Magier gerühmt, wurde Clinton
eine Abschiedszeremonie bereitet, die für gewöhnlich
einem von Triumphen in Übersee zurückkehrenden
Präsidenten vorbehalten ist. Der ungewöhnliche Staatsakt stand jedoch im Einklang mit dem politischen und
psychologischen Auftrieb, den Clinton durch die Überwindung der Opposition seitens der Gewerkschaften
und in seiner eigenen Partei erhalten hatte, der zu
einem Abstimmungserfolg von 234 zu 200 Stimmen
zugunsten des NAFTA im Repräsentantenhaus führte, der parteipolitische und ideologische Grenzen
überschritt.
Clinton unternahm unverzüglich Schritte zur Umsetzung des Abkommens und telefonierte mit dem mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas, um zu entscheiden, "wie dieses großartige neue Zeitalter der
nordamerikanischen Beziehungen am besten in die
Wege geleitet werden kann". Salinas, so Clinton, lud
Vizepräsident Gore unmittelbar nach der endgültigen
Verabschiedung des NAFTA durch den US-Senat und
den mexikanischen Senat zu einem Besuch in MexikoCity ein.
Der Stabschef des Weißen Hauses, Thomas "Mac"
McLarty, wird Gore voraussichtlich begleiten. Clinton
zufolge werden die beiden amerikanischen Regierungsvertreter mit Salinas und Vertretern seiner Regierung zu "eingehenden Diskussionen" über die DurchAMERIKA DIENST 47

führung der Bestimmungen des Abkommens zusammentreffen, das über einen Zeitraum von 15 Jahren
hinweg die meisten Zölle abbauen soll, die zur Zeit
beim grenzüberschreitenden Handel mit Kanada und
Mexiko erhoben werden.
Das Abkommen tritt am 1. Januar 1994 in Kraft.
"Es liegt in unserer Verantwortung sicherzustellen",
erklärte der Präsident, "da ß wir das meiste aus diesen
Bestrebungen im Hinblick auf unsere Beziehungen zu
unseren Nachbarn im Süden - Mexiko und den übrigen
Ländern Lateinamerikas - und hoffentlich zu den Nationen auf der ganzen Welt machen, die sich für offenen
und freien Handel, Abbau der Handelshemmnisse für
unsere Produkte und Dienstleistungen sowie die Zusammenarbeit für globalere Chancen, Arbeitsplätze
und Wachstum engagieren."
Unmittelbar nach der Abstimmung im Repräsentantenhaus wird Clinton seinen Aussagen zufolge Konsultationen mit den lateinamerikanischen Nationen aufnehmen, die zum Beitritt zu einer Freihandelszone auf
dem Kontinent bereit sind.
Indem er bereits über den Kontinent hinaus auf neue
Chancen und Herausforderungen blicke, äußerte der
Präsident, werde er in Seattle ähnliche den Handel
ankurbelnde Gespräche mit Nationen führen, die Europa
als fruchtbarsten Handelspartner Washingtons ersetzen. Clinton stellte fest, die politischen Vertreter der
Länder im Pazifischen Becken "sind dynamische und
mächtige Wirtschaftspartner und Konkurrenten, die
den am schnellsten wachsenden Teil der Weltwirtschaft vertreten."
Die NAFTA-Abstimmung, erklärte Clinton, gestatte
ihm, zu dem Treffen in Seattle "mit gestärktem Rückgrat für offene Märkte auf der ganzen Welt zu kämpfen".

Seite 1

�Die "kreative Spannung" zwischen den Volkswirtschaften im Pazifischen Becken und den Vereinigten Staaten, so Clinton, könne "eine wirtschaftliche Expansion
bewirken, die auf Jahre andauert".

Clinton wiederholte die zu einem Mantra seiner Äußerungen zur Erweiterung des Handels gewordene Formulierung -, daß kein wohlhabendes Land Zuwächse
verzeichnen kann, solange es nicht neue Kunden für
seine Waren in einer gesunden globalen Wirtschaft
Mit Aufnahme des Prozesses zur Verabschiedung des findet - und bekräftigte, die Vereinigten Staaten hätten
NAFTA - "der mutige Schritt zur Öffnung des Handels mit der Abstimmung im Repräsentantenhaus "einen
auf unserem Kontinent", so Clinton - hätten die Verei- großen Schritt in die richtige Richtung" unternommen.
nigten Staaten jetzt "den wirtschaftlichen, politischen "Ich beabsichtige in den nächsten Tagen im pazifiund moralischen Stand in einer Sache, die weltweit schen Nordwesten weitere Schritte in diese Richtung",
verwirklicht werden sollte. Die Vereinigten Staaten versprach der Präsident.
meinen es ernst mit dem Abbau der Handelsschranken und der Förderung von Wachstum in unserem
Land und auf der ganzen Welt."

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AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

WASHINGTON - (AD) - Am 17. November 1993 verabschiedete ein äußerst gespaltenes Repräsentantenhaus das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) mit 234 zu 200 Stimmen -16 Stimmen mehr als die
für die Annahme erforderlichen 218.
Der Abstimmung des Repräsentantenhauses folgt noch
die Entscheidung des US-Senats, der das Abkommen
voraussichtlich im Laufe der kommenden Tage verabschieden wird.
Die ungewöhnliche Uneinigkeit innerhalb der Parteien
in der Debatte über das NAFTA zeigte sich am Gesamtergebnis der Abstimmung des Repräsentantenhauses: 102 Demokraten und 132 Republikaner stimmten für das Abkommen während 156 Demokraten, 43
Republikaner und ein Unabhängiger sich dagegen
aussprachen.
Das Übereinkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wird Volkswirtschaften mit
einem gesamtwirtschaftlichen Output von mehr als 6,7
Billionen Dollar und über 360 Millionen Konsumenten
vereinigen.
Während der achtstündigen Debatte im Repräsentantenhaus wurde das Abkommen von einigen Abgeordneten als die umstrittenste und entzweiendste Maßnahme bezeichnet, die dem Kongreß seit langer Zeit
vorgelegt worden sei.
Das NAFTA hat die parteipolitischen Grenzen verwischt und innerhalb der Bundesstaaten, der Demokratischen Partei des Präsidenten sowie zwischen der
Administration und den Gewerkschaften zu Spaltungen geführt.
Falls das NAFTA von allen drei Ländern angenommen
wird, soll es in einem am 1. Januar 1994 beginnenden
Zeitraum von 15 Jahren dietarifären und nichtarifären
Handels- und Investitionshemmnisse beseitigen.
AMERIKA DIENST 47

Das kanadische Parlament hatte das NAFTA im Juni
angenommen, es kann jedoch in Kanada nicht in Kraft
treten, bevor es vom neuen Ministerpräsidenten Jean
Chretien offiziell proklamiert worden ist. Dieser will das
jedoch eigenen Angaben zufolge erst tun, wenn die
Vereinigten Staaten sich mit den kanadischen Einwänden im Energie-, Subventions- und Dumpingbereich
befassen. Die mexikanische Regierung hat noch
keine endgültigen Schritte in bezug auf das NAFTA
unternommen, seine Verabschiedung in Mexiko gilt
jedoch als sicher.
Zusätzlich zu diesen 1992 vom ehemaligen US-Präsidenten George Bush unterzeichneten grundlegenden
Abkommen umfaßt das NAFTA von Präsident Clinton
mit Kanada und Mexiko Anfang dieses Jahres ausgehandelte Zusatzabkommen zum Schutz der Umwelt
und der Arbeitnehmerrechte.
Präsident Clinton machte in den Vereinigten Staaten
das NAFTA in vielerlei Hinsicht zu einer Frage der
Führungsrolle Amerikas in der Welt. Der Präsident
setzte alle Hebel in Bewegung, um im Repräsentantenhaus Stimmen zu gewinnen, indem er unentschiedenen Abgeordneten Abmachungen zum Schutz einiger Industriezweige in ihren Wahlbezirken versprach,
falls es zu einem Anstieg der Importe mexikanischer
Waren kommen sollte.
Die NAFTA-Gegner beschuldigten jedoch den Präsidenten des Stimmenkaufs und wollen gerichtlich gegen einige dieser Abmachungen vorgehen.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor erklärte
vordem Abstimmung in einer Femsehansprache, eine
Zustimmung zum NAFTA würde zeigen, daß es der
Clinton-Administration gelungen sei, "mit einer Koalition beider Parteien die festgefahrene Situation in
Washington wieder in Gang zu bringen".
In der Debatte ging es größtenteils um Arbeitsplätze viele Gesetzgeber argumentierten, ein verbesserter
Seite 1

�Zugang zum mexikanischen und kanadischen Markt
würde sich in einer Steigerung der Exporte und einem
Anstieg hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze
niederschlagen, während andere die Meinung vertraten, es gingen Arbeitsplätze verloren, weil sich die
Unternehmen wegen der niedrigeren Löhne und den
weniger strengen Umweltschutzbestimmungen in
Mexiko ansiedeln würden.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Lee
Hamilton, drängte die Gesetzgeber zur Unterstützung
des NAFTA aus außenpolitischen Gründen.

Indem er das NAFTA als "eine der wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen des Jahrzehnts" bezeichnete, stellte Hamilton fest, das Abkommen würde
engere Zusammenarbeit mit Mexiko bei illegalen Drogen
und Einwanderung, politische Stabilität in Mexiko sowie
"Das N AFTA wird zu einer Gefährdung von amerikani- die bereits eingeleiteten politischen und wirtschaftlischen Arbeitsplätzen aufgrund des Wettbewerbs mit chen Reformen in Lateinamerika fördern. Die Ablehdem Niedriglohnland Mexiko führen", erklärte William nung des NAFTA hätte die Fähigkeit Präsident ClinFord, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und tons zu Verhandlungen bei der Uruguay-Runde der
Arbeit. "Es stellt kein Junktim zwischen Lohnerhöhun- Handelsgespräche und in anderen internationalen
gen und Produktivitätszuwächsen in Mexiko her, das Gremien wie dem Forum für asiatisch-pazifische wirtein Sinken des Lebenstandards in den Vereinigten schaftliche Zusammenarbeit und der NATO untermiStaaten verhindern würde. Das NAFTA gewährleistet niert.
nicht, daß die hart erkämpften Gesundheits- und Sicherheitsnormen amerikanischer Arbeitsplätze nicht Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dan
angesichts von Konkurrenz aus einem Land geschmä- Rostenkowski, beschuldigte beide Seiten "riesiger
lert werden, das seine Normen bezüglich Kinderarbeit, Übertreibungen" der Auswirkungen des NAFTA: "Wir
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht ein- werden im Januarkeinen wirtschaftlichen Aufschwung
auf dem Kontinent erleben, weil wir diesem Abkomhält."
men im November zustimmen ...Und wir werden auch
Der Führer der Mehrheitsfraktion im Repräsentanten- keinen explosionsartigen Zuwachs oder Verlust an
haus, Richard Gephardt, bezeichnete den Vertrag als Arbeitsplätzen beobachten."
"unzulänglich und mit Mängeln behaftet", weil er "die
Rechte von Unternehmern, aber nicht die Rechte der "Wir diskutieren, ob Amerika ein zuversichtliches Land
ist, bereit, sich der Zukunft und allen Konkurrenten zu
Arbeitnehmer schützt".
stellen - oder eine Nation im Niedergang, die sich an
Für den parlamentarischen Geschäftsführer der Erinnerungen der Vergangenheit klammert", äußerte
Demokraten und Hauptgegner des NAFTA, David Rostenkowski.
Bonior, ging es in der Debatte um einen Schlagabtausch zwischen den Befürwortern von Großunterneh- Einige, wie der Republikaner Doug Bereuter aus
Nebraska, stellten fest, die Verabschiedung des NAFTA
men und den Fürsprechern der Arbeitnehmer.
würde den Vereinigten Staaten bei der Uruguay-Run"Stehen Sie auf der Seite von Fortune 500?", fragte er de globaler Handelsgespräche mehr Spielraum verleiunter Bezug auf die Liste der 500 größten Unterneh- hen.
men des Landes in der Zeitschrift Fortune, oder
stehen Sie auf der Seite der bedauernswerten 500.000 Andere Befürworter des NAFTA brachten das ArguAmerikaner, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des Ab- ment vor, es werde die Umweltbedingungen entlang
der Grenze verbessern und gleichzeitig mexikanische
kommens verlieren werden?"
Reformen beim Wahl- und Arbeitsrecht sowie beim
"Ich weiß nicht, wie man in diesem Land mehr Arbeits- Umweltschutz ermutigen.
plätze schaffen kann, wenn man nicht die Märkte
ausweitet", erwiderte die Demokratin Pat Schroeder. In einer Abschlußrede vor der Abstimmung forderte
"Es ist ein gutes Geschäft ... Ich komme aus einem der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas
Foley, die Abgeordneten auf, nach vorne auf die sie
Amerika, das sich nicht vor der Welt fürchtet."
konfrontierenden Herausforderungen wie die GesundSchroeder zufolge werden amerikanische Produkte in heitsreform zu blicken, und nicht auf den tiefen MeiMexiko nach der Verabschiedung des NAFTA infolge nungsverschiedenheiten zu beharren, von denen die
des Abbaus von Zöllen durchschnittlich 20 Prozent Debatte charakterisiert war.
billiger.
"Lassen Sie diese Debatte oder unsere Entscheidung
Der Kongreßabgeordnete Sam Gibbons, Vorsitzender nicht das Gefüge unserer Demokratie zerbrechen",
des Haushaftsunterausschusses für Handel und einer erklärte Foley. "Sie soll uns vielmehr stärken, wenn wir
der Architekten des NAFTA, erklärte, das Abkommen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen."
würde einen mexikanischen Markt öffnen, der seit 400
Jahren für amerikanische Produkte versperrt war.
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AMERIKA DIENST 47

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
24. November 1993

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AUF
Rede des Präsidenten in Memphis
MEMPHIS - (AD) - Am 13. November 1993 hielt Präsident Clinton eine Rede bei der 86. Jahresversammlung
der Church of God in Christ im Mason Temple in Memphis.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Pressebüro des Weißen Hauses freigegebenen Text von Präsident
Clintons Rede.

Ich danke Ihnen. Bischof Ford, Mrs. Mason, Bischof
Owens und Bischof Anderson - meine Bischöfe, Bischof Walker und Bischof Lindsey. Wenn Sie nicht an
Bischof Lindseys Grillfest teilgenommen haben, waren
Sie noch nie auf einem Grillfest. Und wenn Sie nicht bei
Bischof Walkers Rededuell mit einem meiner Gegner
anwesend waren, haben Sie noch nie eine politische
Rede gehört.
Ich freue mich, hier sein zu dürfen. Sie haben mein
tiefstes Inneres berührt, mich zu Tränen gerührt und
mich beflügelt. Im vergangenen Jahr war ich mit Ihnen
im Tagungsgebäude. Vor zwei Jahren kamen Ihre
Bischöfe nach Arkansas und wir legten am The Point
in Little Rock eine Gedenktafel nieder, wo Bischof
Mason die Eingebung für den Namen dieser herrlichen
Kirche erhielt.
Bischof Brooks hat von seiner Kanzel aus prophezeit,
daß ich zum Präsidenten gewählt würde, als die meisten dachten, ich würde nicht überleben. Ich danke
ihm und Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Arbeit, denn
ohne Sie stünde ich heute nicht hier als Ihr Präsident.
Viele meiner Vorredner haben eloquent und gut gesprochen, und es wurden zahlreiche Leute vorgestellt.
Ich möchte meinem guten Freund, Gouverneur
McWerther, und meinem Freund, Bürgermeister Herenton, sowie meinem Freund, dem Kongreßabgeordneten Harold Ford, dafürdanken, daß sie heute mit mir
hier sind. Wir freuen uns, in seinem Wahlkreis zu sein.
Wenn Sie mir gestatten, möchte ich noch drei weitere
Kongreßabgeordnete vorstellen. Sie sind mit mir
hierhergekommen. Und ohne sie kann ich sehr wenig
fürSietun. Der Präsident schlägt vor, und der Kongreß

AMERIKA DIENST 47

verfügt. Manchmal verwirft der Kongreß meine Vorschläge, ich freue mich jedoch sagen zu können, daß
dieser Kongreß einem jüngsten Bericht aus Washington zufolge - ungeachtet dessen, was Sie gehört haben
mögen - einem höheren Prozentsatz meiner Vorschläge zugestimmt hat als jedem anderen Präsidenten in
seinem ersten Jahr im Amt seit Präsident Eisenhower.
Und ich möchte dem Kongreß dafür meinen Dank
aussprechen.
Ich möchte daher meinen guten Freund vorstellen, den
Kongreßabgeordneten Bill Jefferson aus New Orleans,
Louisiana, der in Tennessee zu Besuch weilt. Bitte
erhebe Dich. Und einen Unterstützer meines Wahlkampfs der ersten Stunde, den Kongreßabgeordneten
Bob Clement aus Tennessee, den viele von Ihnen
kennen. Sowie einen jungen Mann, der zu den Menschen in Tennessee zurückkommen und sie um eine
Beförderung im nächsten Jahr bitten wird, den Kongreßabgeordneten Jim Cooper aus Tennessee, ebenfalls ein guter Freund. Bitte begrüßen Sie ihn.
Wie Sie wissen, wurde ich in den vergangenen 10
Monaten mit einer Reihe von Namen bedacht, aber
niemand hat mich bisher Bischof genannt. Als ich neun
Jahre alt war, blickte mich meine geliebte, inzwischen
verstorbene Großmutter, die eine sehr kluge Frau war,
an und sagte: "Weißt Du, ich glaube, Du könntest
Prediger werden, wenn Du nur ein kleines bißchen
artiger wärst."
Ein Bibelspruch lautet: "Ein gelassenes Herz ist das
Leben des fleischlichen Organismus, Eifersucht aber
ist Fäulnis für das Gebein." Dies ist ein glücklicher Ort,
und ich bin glücklich, hier zu sein. Ich danke Ihnen für
Ihre geistigen Anregungen.
Seite 1

�Dank Gottes Gnade und Ihrer Hilfe wurde ich im
vergangenen Jahr zum Präsidenten dieses großartigen Landes gewählt. Ich hätte mir nie träumen lassen,
jemals an diesen geheiligten Ort zu kommen, an dem
Martin Luther King seine letzte Predigt hielt. Ich bitte
Sie, heute an die Ziele zu denken, für die ich kandidiert
habe und die Ziele, fü r die so viele von Ihnen gearbeitet
haben, um mich in dieses wichtige Amt zu setzen. Ich
habe hart gearbeitet, um bei unseren gemeinsamen
Bestrebungen Wort zu halten - die Wirtschaft wiederzubeleben; die Politik umzukehren, nur denjenigen an
der Spitze des Totempfahls zu helfen und nicht der hart
arbeitenden Mittelschicht oder den Armen; die Menschen über rassische, regionale und politische Grenzen hinweg zusammenzubringen; aus unserer Vielfalt
Stärke zu machen statt sie uns entzweien zu lassen;
Arbeit, Familie und Gemeinschaft zu belohnen und zu
versuchen, uns ins 21. Jahrhundert zu geleiten. Ich
habe versucht, Wort zu halten.
13 Prozent der Ernennungen meiner Präsidentschaft
sind Afroamerikaner, und im Kabinett der Vereinigten
Staaten gibt es 5 Afroamerikaner - zweieinhalbmal
soviele wie je zuvor in der Geschichte dieses großartigen Landes in der Regierung. Ich habe versucht, das
Wahlrecht durch das von allen Kirchen in unserem
Land stark unterstützte Motor-Voter-Gesetz zu fördern. In der nächsten Woche wird es mir eine große
Ehre sein, das Gesetz über die Wiederherstellung der
Religionsfreiheit zu unterzeichnen, ein Gesetz, für das
sich Menschen aller religiösen und politischen Überzeugungen ausgesprochen haben, das der Verfassung wieder echte Bedeutung verleihen soll - Ihnen
und jedem anderen Amerikaner die Freiheit zu gewähren, das zu tun, was das Wichtigste in Ihrem Leben ist
- Ihre Religion Ihrer Überzeugung nach auszuüben.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, wir
haben einen guten Anfang gemacht. Die Inflationsrate
ist gesunken. Die Zinssätze sind niedrig. Das Defizit
wurde verringert. Die Investitionen sind gestiegen.
Millionen Amerikaner - einschießlich einiger der heute
hier Anwesenden - haben ihre Hypotheken für Häuser
oder Unternehmenskredite im letzten Jahr neu finanziert. Und in den vergangenen zehn Monaten hat
unsere Volkswirtschaft mehr Arbeitsplätze im Privatsektorgeschaffen als in den letzten vier Jahren zusammengenommen.
Wir haben ein Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen verabschiedet, demzufolge man nicht entlassen werden kann, wenn man bei der Geburt eines
Kindes oder der Krankheit eines Elternteils Urlaub
nimmt. Wir wissen, daß die meisten Amerikaner
arbeiten müssen, aber Sie sollten nur wegen Ihres
Arbeitsplatzes nicht zu schlechten Eltern werden. Wenn
Sie als Arbeitnehmer und Elternteil nicht Erfolg haben,
kann unser Land keinen Erfolg haben.
Ich habe wie versprochen das Programm für Collegekredite radikal reformiert, um die Kosten von Krediten
Seite 2

für den Collegebesuch zu senken, sie leichter verfügbar zu machen und die Rückzahlungsbedingungen zu
erleichtern. Darüber hinaus haben wir das Gesetz
über einen Nationalen Sozialdienst verabschiedet, das
100.000 jungen Amerikanern in drei Jahren von jetzt
an gerechnet die Chance einräumt, einen Dienst in
ihren Gemeinden zu leisten, um die zerrissenen Bande
der Gemeinde zu flicken, den Bedürfnissen der Menschen an der Basis gerecht zu werden und gleichzeitig
etwas Geld für die Collegeausbildung zu verdienen.
Es ist eine großartige Idee.
Am 15. April, wenn die Steuern fällig sind, wird zwischen 15 und 18 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit
bescheidenem Einkommen, Familien mit Kindern und
Einkommen unter 23.000 Dollar, ein Steuernachlaß
gewährt - nicht Steuererhöhungen auferlegt - um im
Rahmen der äußerst wichtigen Bestrebungen sicherzustellen, daß wir die Arbeit der letzten 20 Jahre und
die Familien vergüten. 50 Millionen amerikanische
Eltern und ihre Kinder erhalten dadurch einen Vorteil,
weil der Steuersatz wieder zugunsten amerikanischer
Arbeitnehmerfamilien festgesetzt wird.
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir
einen umfassenden Plan zur Gewährleistung der
Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner vorgelegt.
Wie können wir von den Amerikanern erwarten, zu
arbeiten und mit all den Veränderungen der Weltwirtschaft zu leben, wenn ein 18jährigerden Arbeitsplatz
durchschnittlich siebenmal in seinem Leben wechselt,
und wenn wir nicht einfach sagen können: "Wir sind in
die Reihen der anderen modernen Länder der Welt
eingetreten. Sie können eine solide Gesundheitsfürsorge haben, die Ihnen niemals weggenommen werden kann." Es war höchste Zeit, dies zu tun. Ich bitte
um Ihre Mithilfe bei der Verwirklichung.
Aber es bleibt noch sehr viel mehr zu tun. Sie und ich
wissen, daß die meisten Menschen immer noch härter
für dieselben oder niedrigere Löhne arbeiten und viele
Angst haben, ihr Arbeitsplatz könnte wegrationalisiert
werden. Wir müssen die für unser Volk erforderliche
Aus- und Fortbildung bereitstellen - nicht nur für unsere
Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Wenn wir
dieses Land nicht vor den die ganze Welt erfassenden
Kräften des Wandels abschotten können, müssen wir
zumindest den Menschen eine sichere Beschäftigung
garantieren. Sie müssen einen neuen Arbeitsplatz
finden können, wenn sie einen benötigen. Wir müssen
das heute in Angriff nehmen, und wir beabsichtigen,
dies zu verwirklichen.
Wir müssen gewährleisten, daß Investitionen in bestimmte Gebiete des Landes getätigt werden - die
Innenstädte und verarmte ländliche Regionen im Mississippidelta meines Heimatstaates sowie in diesem
Bundesstaat, in Louisiana und ähnlichen Gegenden in
ganz Amerika. Es ist gut und schön, Menschen
auszubilden, aber wenn sie keinen Arbeitsplatz haben,
bildet man sie umsonst aus. Wir müssen Investitionen

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�in den Regionen anziehen, wo die Menschen nach
Arbeit hungern.
Und schließlich müssen wir Menschen finden, die das
von uns zu Produzierende kaufen. Wir sind das
produktivste Volk der Erde. Das erfüllt uns mit Stolz.
Das bedeutet jedoch, daß eine Person jedes Jahr in
der gleichen Zeit mehr produzieren kann. Wenn immer
weniger Menschen immer mehr produzieren können
und man dennoch mehr Arbeitsplätze schaffen und die
Einkommen erhöhen will, muß man mehr Kunden für
die Produkte finden. Aus diesem Grund habe ich so
hart gearbeitet, um auf der ganzen Welt mehr amerikanische Produkte zu verkaufen. Aus diesem Grund
habe ich gefordert, daß wir Computer im Wert von
Milliarden Dollar verkaufen, die wir früher nicht exportiert haben - damit unser Volk arbeiten kann.
Warum? Nächste Woche werde ich in den Bundesstaat Washington reisen, um mit den M inisterpräsidenten Chinas und Japans sowie den Staats- und Regierungschefs von 13 weiteren asiatischen Ländern-dem
am schnellsten wachsenden Teil der Welt - zusammenzutreffen und sagen: "Wir wollen Ihre Partner
sein. Wir werden Ihre Waren kaufen, aber wir wollen,
daß Sie bitte auch unsere kaufen." Das ist der Grund.
Aus diesem Grund habe ich so hart für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen gearbeitet, das die
Kongreßabgeordneten Ford, Jefferson, Cooper und
Clement heute unterstützt haben, weil wir wissen, daß
die Amerikaner sich nur dem Wettbewerb stellen und
gewinnen können, wenn die Menschen kaufen, was
wir zu verkaufen haben. In Mexiko leben 90 Millionen
Menschen. Sie geben 70 Cents pro Dollar für ausländische - für amerikanische - Waren aus. Die Menschen machen sich zu Recht Sorgen, daß nicht nur in
den Vereinigten Staaten Betriebe geschlossen und
nicht nur nach Mexiko, sondern überallhin verlagert
werden, wo Arbeitskräfte billig sind. Das ist geschehen.
Was ich Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, sagen
möchte, ist folgendes: Nichts an diesem Abkommen
macht dies wahrscheinlicher. Es ist bereits geschehen. Es kann wieder passieren. Was wir tun müssen,
ist, die Arbeitsplätze hier zu halten, indem wir hier
Kunden finden. Genau das tut das Abkommen. Es
bietet uns eine Chance, Möglichkeiten für die Menschen zu schaffen.
Ich habe Freunde in diesem Publikum, Geistliche aus
meinem Bundesstaat, Väter und Söhne, Menschen.
Ich blicke in diese riesige Menge und sehe Menschen,
die ich seit Jahren kenne. Sie wissen es. Ich habe
mein Leben lang für die Schaffung von Arbeitsplätzen
gearbeitet. Ich würde niemals wissentlich etwas tun,
das dem amerikanischen Volk einen Arbeitsplatz
wegnehmen würde. Dieses Abkommen wird mehr
Arbeitsplätze hervorbringen. Wenn es nicht funktioniert, können wir es auch in sechs Monaten aufgeben.

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Aber wenn wir diese Chance nicht ergreifen, werden
wir sie für immer verlieren. Wir müssen sie ergreifen,
weil wir es besser machen müssen.
Was ich Ihnen heute jedoch sagen möchte, meine
amerikanischen Mitbürger, ist, daß wir all dies tun und
dennoch scheitern können, wenn wir nicht die große
intellektuelle Krise in den Griff bekommen, die Amerika
heute erfaßt hat.
Im Anschluß an dieses Treffen werden der Kongreßabgeordnete Ford und ich zu einer städtischen Versammlung in einer nahegelegenen Baptistenkirche
gehen, die er zum Thema Gesundheitsfürsorge und
Gewalt in den Städten abhält. Ich sage Ihnen, wenn wir
nicht etwas gegen die Gemeinden heimsuchende
Verbrechen, Gewaltakte und Drogen unternehmen,
werden wir dieses Land nicht heilen können.
Wenn Martin Luther King, der erklärt hatte, "Wie Moses
stehe auch ich auf dem Berggipfel und kann das
Gelobte Land sehen. Ich werde nicht zusammen mit
Euch dorthin kommen, aber wir werden dorthin gelangen.. ." heute hier neben mir stehen und die vergangenen 25 Jahre beurteilen könnte, was würde er sagen?
"Ihr habt gute Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem
ihr Menschen gewählt habt, die früher aufgrund ihrer
Hautfarbe nicht gewählt werden konnten. Ihr habt
mehrpolitische Macht, und das ist gut so. Ihrhabegute
Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem ihr Menschen, die dazu fähig sind, ein Leben an einem Ort
ihrer Wahl ermöglicht und ihnen Freizügigkeit in diesem großartigen Land gewährt. Ihr habe gute Arbeit
geleistet", würde er sagen, "indem ihr Farbige in die
höchsten Ränge der Streitkräfte und der Regierung
befördert habt. Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet",
würde er sagen. "Ihr habt gute Arbeit geleistet, als ihr
eine schwarze Mittelschicht geschaffen habt mit
Menschen, denen es wirklich gut geht, und es gelangen immer mehr Afroamerikaner als Weiße in die
Mittelschicht. Ihr habt gute Arbeit geleistet. Ihr habt
gute Arbeit bei der Verbesserung der Chancen geleistet."
Er würde jedoch auch sagen: "Ich habe nicht gelebt
und bin nicht gestorben, damit die amerikanische
Familie zerstört wird. Ich habe nicht gelebt und bin
nicht gestorben, damit dreizehnjährige automatische
Schußwaffen bekommen und neunjährige aus Spaß
damit erschießen. Ich habe nicht gelebt und bin nicht
gestorben, damit junge Menschen ihr eigenes Leben
durch Drogen zerstören oder ein Vermögen verdienen,
indem sie das Leben anderer zerstören. Dafür habe
ich mich nicht eingesetzt."
"Ich habe für die Freiheit gekämpft", würde er sagen,
"aber nicht für die Freiheit der Menschen, einander
skrupellos umzubringen, nicht für die Freiheit der Kinder, Kinder zu bekommen, die von ihren Vätern verlassen werden, als ob sie keinen Wert hätten. Ich habe
dafür gekämpft, daß die Menschen ein Recht auf

Seite 3

�Arbeit haben, aber nicht, daß Menschen und ganze nehmen keine Drogen, wir wollen in die Schule gehen,
Gemeinden im Stich gelassen werden. Dafür habe ich wir wollen einen Beruf erlernen, wir wollen hart arbeiten, wir wollen vorankommen, wir wollen eine Familie
nicht gelebt und mein Leben gelassen."
gründen. Wir wechselten die Schule, weil die alte so
Meine amerikanischen Mitbürger, er würde sagen: gefährlich war. Als wir in die neue Schule kamen, um
"Ich habe dafür gekämpft, daß Weiße nicht länger so uns anzumelden, und dort in der Schlange standen,
von Haß erfüllt sind, daß sie gegen Schwarze Gewalt rannte jemand in das Gebäude und fing an zu schieanwenden. Ich habe nicht für das Recht der Schwar- ßen. Mein Bruder wurde erschossen, als er in der
zen gekämpft, andere Schwarze ruchlos zu ermor- sichereren Schule direkt vor mir stand."
den."
Martin Luther King hat nicht für eine solche Freiheit
Kürzlich erzählte mir der Bürgermeister von Baltimore, gelebt und sein Leben gelassen. Dafür haben sich die
ein guter Freund von mir, wie er die Familie eines Menschen nicht am Vorabend seiner Ermordung im
jungen Mannes - eines achtzehnjährigen - besuchte, April 1968 in dieser heiligen Kirche versammelt. Wenn
der am Halloweentag umgebracht worden war. Er sie einem an jenem Abend in dieser Kirche Anwesenbegleitete wie immer die Kleinen, damit sie sicher ihre den gesagt hätten, daß wir unsere Freiheit so mißbrauScherze treiben und Süßigkeiten sammeln konnten. chen würden, er hätte es wohl kaum geglaubt. Ich
Auf der anderen Seite der Straße gab ein 14jähriger sage Ihnen: Es ist unsere moralische Pflicht, das zu
einem 13jährigen eine Pistole und fragte ihn, ob erden ändern.
Mut hätte, auf den 18jährigen zu schießen. Und so
wurde er erschossen. Und der Bürgermeister mußte Jetzt haben wir dazu endlich eine Chance. Heute ist
der Familie einen Beileidsbesuch abstatten.
ein Geistlicher aus New Haven (Connecticut) hier. Ich
war mit Reverend Jackson während meines WahlkamSchauen Sie sich Washington an, wo ich lebe, unsere pfes an einem verschneiten Tag in Connecticut in
Bundeshauptstadt, die weltweit das Symbol der Frei- seiner Kirche, um der Kinder zu gedenken, die in dieser
heit ist - wie dort von der Freiheit Gebrauch gemacht Stadt umgebracht wurden. Danach gingen wir im
wird. Kürzlich ergriff abends ein Mann auf der Straße Schnee zwei Kilometer die Straße hinunter. Damals
ein einjähriges Kind und brachte es in sein Auto. Das war das amerikanische Volk noch nicht bereit. Die
Kind war vielleicht sein eigenes. Zwei Männer waren Menschen sagten: "Oh, das ist schrecklich, aber was
hinter ihm her, sie verfolgten ihn im Auto und schössen können wir dagegen tun?"
wie wild, obwohl sie wußten, daß sich das Baby in dem
Auto befand. Sie erschossen den Mann, eine Kugel Jetzt, da wir sehen, daß ausländische Besucher in
ging durch seinen Körper und traf das Baby am Fuß. unser Land kommen und im schönen Bundesstaat
Florida willkürlich umgebracht werden, da wir sehen,
Wenn man letzthin die Titelseiten unserer Zeitungen wie unsere Kinder ihr eigenes Begräbnis planen, da
las, fragte man sich, ob wir über den Weltfrieden oder das amerikanische Volk endlich den aufgetürmten
über weltweiten Konflikt sprechen. Sie erinnern sich Abfall von Kriminalität und Gewalt in Angriff nimmt
sicher an den langen Artikel auf der ersten Seite der sowie das Auseinanderbrechen von Familien und
Washington Post über die 11jährige, die ihre eigene Gemeinden, den Anstieg von Drogenkonsum und ArBeerdigung plante. "Ich möchte, daß diese Lieder beitslosigkeit - jetzt sind wir vielleicht endlich bereit,
gesungen werden und will dieses Kleid tragen. Ich etwas dagegen zu unternehmen.
weiß, daß ich nicht lange zu leben habe." Das ist nicht
die Freiheit, für die Martin Luther King sich sein Leben Es gibt für jeden von uns etwas zu tun. Es gibt
lang einsetzte und für die er gestorben ist - die Freiheit, Veränderungen, die wir von außen herbeiführen müssen
zu sterben, bevor man ein Teenager ist.
- das ist die Aufgabe des Präsidenten, des Kongresses, der Gouverneure, Bürgermeister und SozialeinIn diesem Land sterben jedes Jahr mehr als 37.000 richtungen. Und dann gibt es Veränderungen, die wir
Menschen infolge von Schußwaffengebrauch. Schuß- von innen herbeiführen müssen, damit sie wirksam
verletzungen sind die Haupttodesursache bei jungen sind. Es gibt ja auch ein Lied mit einem solchen Text,
Männern. Und da wir jetzt alle so 'cool' sind, daß jeder wenn ich mich nicht irre. Manchmal kann von außen
eine halbautomatische Waffe bekommen kann, ist die nichts bewirkt werden, manchmal müssen alle AntworWahrscheinlichkeit, daß jemand erschossen wird, heute ten von den Werten, Gefühlen und Stimmen stammen,
dreimal so groß wie vor 15 Jahren, weil die Waffe die aus unserem Inneren kommen.
meistens drei Kugeln enthält. 160.000 Schulkinder
bleiben täglich der Schule fern, weil sie Angst haben Wir machen einen Anfang. Wir wollen ein Gesetz
müssen, dort verletzt zu werden.
verabschieden, das unserem Volk mehr Sicherheit
gewährt - weitere 100.000 Polizisten einstellen und für
Vor einiger Zeit war ich in Kalifornien bei einer städti- junge Leute, die noch gerettet werden können, Juschen Versammlung. Ein netter junger Mand stand auf gendlager anstelle von Gefängnissen einrichten. Unsere
und sagte: "Herr Präsident, mein Bruder und ich Schulen sicherer machen. Den Zugang zu diesen
gehören keiner Gang an. Wir haben keine Pistolen, wir schrecklichen Waffen beschränken. Das Brady-Ge-

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AMERIKA DIENST 47

�setz verabschieden und von denjenigen, die eine Waffe
kaufen wollen, zumindest ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen. Und denjenigen, die noch nicht alt
genug sind, um zu wählen und in den Krieg zu ziehen,
sagen: Du solltest keine Handfeuerwaffe besitzen und
keine benutzen, wenn Du Dich nicht auf einem Schießstand befindest.
Wirwollen ein Gesetz zur Gesundheitsfürsorge verabschieden, das jedem Bürger Zugang zu medizinischer
Versorgung gewährleistet. Und das müssen wir auch
tun. Jeder Drogensüchtige muß die Möglichkeit zu
Therapie und Rehabilitation haben, insbesondere
diejenigen, die aus dem Gefängnis entlassen werden.
Wir haben jetzt mit Lee Brown einen Drogenbeauftragten, der Polizeichef von Atlanta, Houston und New
York war und etwas von diesen Dingen versteht. Und
wenn der Kongreß im nächsten Jahr wieder zusammentritt, werden wir uns weiter damit beschäftigen.
Wir brauchen jetzt dieses Gesetz zur Verbrechensbekämpfung. Wir sollten es dem amerikanischen Volk zu
Weihnachten schenken. Und wir müssen auch in allen
anderen Bereichen Fortschritte machen. Aber, meine
amerikanischen Mitbürger, wir benötigen auch andere
Dinge. Ich denke nicht, daß wir das Gefüge unserer
Gesellschaft reparieren können, bevor die Arbeitswilligen einen Arbeitsplatz erhalten haben. Die Arbeit
bestimmt unser Leben. Sie gibt dem Leben Orientierung und gewisse Disziplin. Sie verleiht dem Leben
Sinn und gibt Eltern Selbstbewußtsein. Sie stellt für
Kinder ein Vorbild dar.
Der berühmte afroamerikanische Soziologe, William
Julius Wilson, hat ein beeindruckendes Buch mit dem
Titel The Truly Disadvantaged (Die wirklich Benachteiligten) geschrieben - die atemberaubende Chronik
des Verfalls unserer Innenstädte infolge der Abnahme
von Arbeitsplätzen. Und wir müssen mit Hilfe öffentlicher und privater Stellen einen Weg finden, die Attraktivität der Standorte hierzu erhöhen, um mehr Investitionen anzuziehen. Ich behaupte, daß wirdie amerikanische Gemeinde und die amerikanische Familie nicht
wiederherstellen können, bis wir die Struktur, Werte,
Disziplin und Befriedigung, die Arbeit vermittelt, wiederhergestellt haben.
Kürzlich las ich eine wunderbare Rede, die im Rahmen
einer von Bill und Camille Cosby veranstalteten Vorlesungsreihe gehalten wurde, in derder Redner feststellte: "Ich wuchs vor Jahren in Anacostia auf. Schon
damals lebten dort nurSchwarze, und es war eine sehr
arme Gegend. Aber als ich als Kind in der vollkommen
von Schwarzen bewohnten armen Nachbarschaft
aufwuchs, war unsere Verbrechensrate niedriger als
die durchschnittliche Verbrechensrate unserer Stadt.
Warum? Weil wir intakte Familien hatten. Weil wir
intakte Gemeinden hatten. Diejenigen, die Sonntags
in die Kirche gingen, wohnten auch in ihrer Nähe. Der
Besitzer des Drugstores wohnte um die Ecke. Der

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Besitzer des Kolonialwarenladens lebte in unserer
Gemeinde. Wir waren eine Einheit."
Ich sage Ihnen: Wir müssen unser Volk wieder einen.
Diese Kirche war dafür stellvertretend. Warum haben
Sie indiesem Land wohl fünf Millionen Mitglieder? Weil
die Menschen wissen, daß Sie mit dem Geist Gottes
erfüllt das Richtige tun.
Deshalb müssen wir eine Partnerschaft bilden - aus
allen staatlichen Behörden und allen Vertretern der
Wirtschaft - aber wo es keine Familien gibt, wo es keine
Ordnung gibt, wo es keine Hoffnung gibt, wo wir unsere
Streitkräfte abbauen, weil wir den Kalten Krieg gewonnen haben, stellt sich die Frage, wer diesen Kindern
Orientierung, Disziplin und Liebe geben wird. Das
müssen Sie tun, und wir müssen Ihnen helfen.
Die Heilige Schrift sagt, "Ihr seid das Salz der Erde;...
Ihr seid das Licht der Welt. ...laßt euer Licht vor den
Menschen leuchten, damit sie eure vortrefflichen Werke
sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen." Das müssen wir tun. Wie sollten wir es
Martin Luther King erklären, wenn er heute hier wäre
und sagte: "Ja, wir haben den Karten Krieg gewonnen.
Ja, die größten Gefahren - der Kommunismus und der
Atomkrieg - existieren nicht mehr. Der Kommunismus
ist Vergangenheit. Die atomare Bedrohung nimmt ab.
Ja, wir haben all diese wunderbare Technologie entwickelt. Ja, wir haben zu Hause alle einen Videorekorder. Das ist interessant. Ja, wir können 50 verschiedene Fernsehprogramme empfangen. Ja, wir können
ungeachtet unserer Rasse in eine Streitkräfteakademie oder ein gutes College kommen, wenn wir hart
arbeiten und uns an die Regeln halten und können es
weit bringen."
Wie könnten wir ihm erklären, daß all diese Kinder
umgebracht werden und einander umbringen? Wie
könnten wir die Dinge rechtfertigen, die in keinem
anderen Land der Welt außer unserem erlaubt sind?
Wie könnten wir erklären, daß wir den Menschen die
Freiheit gegeben haben, erfolgreich zu sein, und
Bedingungen schufen, in denen Millionen Menschen
diese Freiheit mißbrauchen und all die Dinge zerstören, die das Leben ausmachen und es lebenswert
gestalten? Wir könnten es nicht erklären.
Aus diesem Grund sage ich Ihnen heute, meine
amerikanischen Mitbürger, Sie haben mich in dieses
Amt berufen, und wir machen Fortschritte bei den
Aufgaben, für die ich zuständig bin. Wenn wir jedoch
nicht die verheerenden Auswirkungen von Verbrechen, Drogen und Gewalt angehen und einsehen, daß
sie für das Auseinanderbrechen von Familien und
Gemeinden sowie für die steigende Arbeitslosigkeit
verantwortlich sind und nicht sagen "Einige dieser
Dinge können nicht von der Regierung erledigt werden, weil sie das Innerste der Werte, des Geistes, der
Seele und der menschlichen Natur betreffen", werden

Seite 5

�wir keines der Dinge erreichen, die wir uns vorgenommen haben.

Zukunft geben. Wir werden ihnen die Pistolen fortnehmen und ihnen Bücher geben. Wir werden ihnen die
Verzweiflung nehmen und ihnen Hoffnung geben. Wir
Deshalb möchte ich am heutigen Tag von dieser werden die Familien, Wohngegenden und Gemeinden
Kanzel aus Sie alle eindringlich dazu aufrufen, das wiederaufbauen. Wir werden nicht zulassen, daß nur
Leben und die Arbeit Martin Luther Kings zu ehren. Wir e i n i g e w e n i g e v o n d e r g a n z e n h i e r geleisteten Arbeit
ehren das, wofür unsere Kirche steht und werden mit profitieren. Wir werden es mit Gottes Hilfe zusammen
Gottes Hilfe eine Änderung der bestehenden Zustän- t u n
de herbeiführen. Wir werden diesen Kindern eine
Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

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�USA-ASIEN
24. November 1993

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der Washington University
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher rief die asiatischen Länder dazu auf, gemeinsam mit den
Vereinigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT zu drängen.
"Für keine Nation steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf dem
Spiel als für Asien", erklärte Christopher am 17. November 1993 während einer Rede in der Washington
University, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Vielen Dank für Ihre einleitenden Worte, Professor
Lardy. Ich danke dem World Affairs Council und der
Jackson School für die Einladung, heute zu Ihnen zu
sprechen. Scoop Jackson vertrat die Ansicht, die
Vereinigten Staaten zögen ihre Stärke aus ihrer Bereitschaft zum Engagement im Ausland, und er wäre stolz
auf die hier in seinem Namen geleistete Arbeit.
Vor 130 Jahren wurde in der grünen Wildnis Seattles
von einer Gruppe kühner und intellektuell ambitionierter Pioniere die University of Washington gegründet.
Die erste Fakultät bestand aus einem Professor, der
erste Jahrgang hatte einen Studenten.
Aus diesen einfachen Anfängen an der rauhen Grenze
entwickelte sich die University of Washington zu einer
der größten staatlichen Universitäten Amerikas. In
diesem Zusammenhang möchte ich die Leistungen
meines langjährigen Freundes Bill Gerberding, des
Rektors dieser Universität, würdigen.
Heute lockt eine andere Grenze. Und Seattle steht
nicht am Ende des Weges, sondern an seinem Anfang.
An der Schwelle des kommenden Jahrhunderts muß
Amerika erneut nach Westen schauen - auf Asien und
unsere pazifische Zukunft.
Im 19. Jahrhundert verbanden weitblickende Amerikaner die Küsten mit großen Eisenbahnlinien. Jetzt
überwinden wir durch die Reichweite unserer Satelliten und die enorme Geschwindigkeit der Faseroptik
den Pazifik. Mit derselben Entschlossenheit, mit der
im Staat Washington die Eisenbahn eingeführt wurde,
bauen wir jetzt Kommunikations-, Handels- und Kulturverbindungen zu Asien auf.
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Die Anzeichen für unsere pazifische Zukunft machen
sich hier überall bemerkbar. Auf den Handel mit Asien
entfallen 95 Prozent des Umschlags von Seattles
geschäftigen Häfen. Ein Viertel der Schulkinderdieser
Stadt sind asiatischer Herkunft. Der Pike Place Market
ist erfüllt von den Gerüchen, Düften und Sprachen des
Pazifikrandbeckens. Und in jeder Branche - von der
Flugzeugindustrie über die Software bis zum Immobiliengeschäft - ist die Wirtschaft Seattles mit der Asiens
in zunehmendem Maße verbunden.
Ich habe heute eine einfache Botschaft zu verkünden:
Die ganze Nation muß den von Seattle eingeschlagenen Weg verfolgen. In dem Maße, in dem Asien
Fortschritte macht, müssen das auch die Vereinigten
Staaten tun. Zur Zeit ist für die Vereinigten Staaten
keine Region der Welt wichtiger als Asien.
Amerika hat während der vergangenen 50 Jahre drei
Kriege in Asien geführt. Wir haben dort dauerhafte
Sicherheitsinteressen. Was unsere wirtschaftlichen
Interessen in dieser Region betrifft, wickeln wir 40
Prozent unseres Handels mit Asien ab, halb soviel wie
mit Europa. Und täglich erfüllen sich Einwanderer aus
Asien und ihre Nachkommen den Amerikanischen
Traum, bereichern unsere Kultur und halten über ein
Meer von Chancen hinweg greifbare Bindungen aufrecht.
Vor etwas mehr als einer Generation, als viele dieser
Einwanderer zum ersten Mal die Küsten Amerikas
erreichten, schien Asien im Kreis epischen Leidens
gefangen zu sein. Jetzt herrscht in Asien jedoch eine

Seite 1

�neue Entschlossenheit. Die Verzweiflung über den
Niedergang ist dem Fortschrittsglauben gewichen.
In Südchina wagen ehemals rückständige, ländliche
Regionen den Sprung ins Industriezeitalter. In Singapurs florierendem Hafen, in dem einst die Arbeiter
Reissäcke auf dem Rücken trugen, wird jetzt die
Spitzentechnologiefracht mit riesigen Drehkränen
entladen. Und in den gewaltigen Wolkenkratzern
Jakartas erwerben in Bambushütten geborene Indonesier auf den asiatischen Warenmärkten ein Vermögen.

Für keine Region steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf
dem Spiel als für Asien. Asien hat uns um eine
Fortsetzung unseres Engagements in der Region
gebeten, und wir werden dieser Bitte nachkommen.
Damit das amerikanische Volk jedoch von den Vorteilen eines solchen Engagements profitieren kann, müssen
die asiatischen Märkte für unsere Waren und Dienstleistungen offen sein.

Heute fordere ich die führenden Vertreter der asiatischen Volkswirtschaften dazu auf, gemeinsam mit u ns
auf einem erfolgreichen Abschlußder Uruguay-Runde
Ebenso wie den Mount Rainier betrachtet man Asiens des GATT zu drängen. Wenn die Runde zu einem
erstaunliche Wiederbelebung - und die daraus resul- Erfolg führt, werden weltweit Märkte geöffnet und
tierenden Herausforderungen - am besten als Ge- Arbeitsplätze geschaffen. Sollte sie scheitern, werden
samtüberblick. Bis zum Jahr 2000 wird wahrscheinlich wir alle unter den vernichtenden Auswirkungen des
die Hälfte des Wachstums beim Welthandel auf Asien steigenden Protektionismus leiden.
entfallen. In Asien finden sich die Volkswirtschaften
mit der größten Wachstumsrate und der vielverspre- Während wir an der Öffnung des Welthandels arbeichendste Absatzmarkt für amerikanische Exporte. ten, müssen wir auch unsere regionalen HandelsbeGleichzeitig haben wir jedoch mit einigen unserer ziehungen stärken. Die heutige historische Abstimasiatischen Handelspartner inakzeptable Handelsde- mung über das NAFTA ist ein Test für unsere diesbefizite.
zügliche Bereitschaft. Noch wichtiger ist: Sie testet
unseren Wunsch nach Konkurrenz anstelle von RückIn sicherheitspolitischer Hinsicht ist Asien stabilerund, zug.
wenn Sie wollen, pazifischer orientiert als zu jedem
anderen Zeitpunkt seit der Jahrhundertwende. Gleich- Das NAFTA liegt in unserem fundamentalen nationazeitig müssen wir neue sicherheitspolitische Heraus- len Interesse. Es beseitigt die Hindernisse auf dem
forderungen annehmen, die den Horizont verdunkeln. Weg zum Wohlstand. Es beweist, daß Amerika an der
Schwelle zum nächsten Jahrhundert nach außen blickt
In der gesamten Region bewässert die steigende Flut und sich nicht nach innen wendet. Aus diesem Grund
der Demokratie einige der verdörrtesten Gebiete der hat sich der Präsident so stark für die Verabschiedung
Freiheit. Zur gleichen Zeit finden sich in Asien jedoch des NAFTA eingesetzt. Und aus diesem Grund bin ich
einige der am stärksten abgeschotteten Regime der der Ansicht, daß das Repräsentantenhaus heute für
Welt.
das NAFTA stimmen wird.
Wir müssen nach vorne blicken, die Gefahren beseitigen und das Versprechen eines größeren Engagements im Pazifikraum in die Tat umsetzen. Aus
diesem Grund hat Präsident Clinton eine neue pazifische Gemeinschaft gefordert, die auf drei wesentlichen Elementen aufbaut: Gemeinsamem Wohlstand,
gemeinsamer Stärke und einer gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten.

Das APEC ist ein weiterer unerläßlicher Bestandteil
unserer Strategie zur Stärkung regionaler Handelsbeziehungen. Es wurde erst vor vier Jahren gegründet nicht zur Regelung des Handels in der Region, sondern um die Behinderung der Wirtschaft durch die
Bürokratie zu beenden und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Volkswirtschaften zu fördern.

Das diesjährige Treffen hier in Seattle, dem das historische Zusammentreffen Präsident Clintons mit fühZunächst möchte ich die wirtschaftliche Dimension renden Vertretern des APEC folgt, soll der Ausweitung
ansprechen. In Asien sehen wir am deutlichsten, daß von Handel und Investitionstätigkeit im pazifischen
Wirtschaftspolitik das Zentrum unserer Außenpolitik Raum dienen. Wir werden die handelspolitischen
ist. Letztes Jahr beliefen sich unsere gesamten Expor- Maßnahmen der Mitglieder des APEC stärker aufeinte in die Region auf 128 Milliarden Dollar und schufen ander abstimmen. Wir werden den Zugang amerikanischer Unternehmen zu den asiatischen Märkten
2,4 Millionen amerikanische Arbeitsplätze.
erleichtem. Und wir werden die Institution APEC
Diese Administration bemüht sich bei ihren Beziehun- stärken.
gen zu Asien um die Ausweitung von Handel und
Investitionstätigkeit auf drei Ebenen: Auf globaler Im Softwaregeschäft stellt "offene Architektur" den
Ebene durch das GATT, auf regionaler Ebene durch Schlüssel zum Ganzen dar. Daran arbeiten meine
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Kollegen und ich zur Zeit: An der Entwicklung eines
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation offenen Umfelds, in dem wir den 500 Milliarden Dollar
umfassenden Handel unter den APEC-Mitgliedern um
- APEC) und bilateral mit einzelnen Nationen.
ein Vielfaches erhöhen können.
Wohlstand

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�Ich möchte ganz deutlich werden: Das APEC ist ein
Baustein, kein Handelsblock. Die Vereinigten Staaten
halten es für den Eckpfeiler regionaler wirtschaftlicher
Zusammenarbeit. Diese regionalen Bestrebungen
sind wiederum ein Katalysator für weltweite Zusammenarbeit im Bereich des Handels.
Gleichzeitig bemüht sich die Clinton-Administration
um die Stärkung unserer wichtigsten bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Asien. China, einer unserer
größten Handelspartner, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Überschuß von nahezu 20 Milliarden
Dollar beim Handel mit den Vereinigten Staaten. Zur
Lösung dieses Problems bemühen wir uns gemeinsam mit den Chinesen um eine volle Umsetzung
unserer Marktzugangsabkommen.

Unsere Sicherheitsrolle in Asien beginnt bei unseren
vertraglich verankerten Bündnissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir
halten diese Verpf lichtu ngen ein und u nsere Vomepräsenz im gesamten Pazifik aufrecht.
Gleichzeitig arbeiten wir in Asien auf die Verhinderung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hin.
Die Bedrohung der Verbreitung von Nuklearwaffen ist
nirgends ernsthafter als in Nordkorea.

Nordkorea ist in einer Zeitfalle gefangen. Es ist das
isolierteste Land der Welt, unberührt von den Winden
des Wandels, die die Region erfaßt haben. Es hat die
wirtschaftlichen Träume seines Volkes dem Aufbau
einer Millionen Mann starken Armee geopfert - die
größtenteils an der Türschwelle Südkoreas stationiert
In Südkorea haben wir einen neuen Dialog in die Wege ist.
geleitet, der das Handels- und Investitionsklima für
Die anderen Nationen der Region teilen Präsident
amerikanische Unternehmen verbessern wird.
Clintons feste Überzeugung, daß Nordkorea seine
Mit Japan handeln wir einen neuen wirtschaftlichen Ambitionen auf Nuklearwaffen aufgeben muß. Wir
Rahmen aus. Die politischen und sicherheitspoliti- dürfen nicht zulassen, daß Nordkorea eine nukleare
schen Säulen unserer Partnerschaft mit Japan sind in Bedrohung für Südkorea oder seine anderen Nachbargutem Zustand. Die wirtschaftliche Säule bedarf je- staaten darstellt.
doch dringend einer Reparatur. Diese Administration
mißt der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehun- Nordkorea hat sich geweigert, den internationalen
gen zu Japan ebensogroße Bedeutung bei wie der Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu seinen
Pflege unserer Bindungen in politischer und sicher- Nuklearanlagen zu gewähren. Die Vereinigten Staaheitspolitischer Hinsicht. Aus diesem Grund bemühen ten engagieren sich für eine diplomatische Lösung als
wir uns um die Korrektur des bestehenden Handelsun- bestem Mittel zur Lösung der Nuklearfrage. Gleichzeigleichgewichts. Wir sind entschlossen zum Aufbau tig bestehen wir auf der vollen Einhaltung aller internaeiner ausgewogeneren Partnerschaft zum beiderseiti- tionalen Verpflichtungen Nordkoreas, einschließlich
des Nichtverbreitungsvertrags. Nordkorea muß seine
gen Nutzen.
umfassenden Sicherheitsverpflichtungen erfüllen und
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
Sicherheit
geforderten Inspektionen zulassen.
Unsere Bestrebungen zur Förderung des Wohlstands
der Vereinigten Staaten in Asien hängen letztlich von Darüber hinaus muß Nordkorea das EntnuklearisieFrieden und Sicherheit in der Region ab. Aus diesem rungsabkommen mit Südkorea einhalten. Dies ist
Grund ist das kontinuierliche Sicherheitsengagement nicht nur die Meinung der Vereinigten Staaten, sonder Vereinigten Staaten die zweite wesentliche Kom- dern der gesamten internationalen Staatengemeinponente unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
schaft.
Ich war 20 Jahre alt und bei der US-Marine - ein Alter,
in dem viele der heute hier Anwesenden sind - als der
Zweite Weltkrieg und seine Folgen erstmals ein Junktim zwischen den Vereinigten Staaten und der Sicherheit des Pazifiks herstellten. Heute haben sich die
Gründe für unsere Verankerung in Asien gewandelt.
Sie sind jedoch noch immer zwingend. Denn es liegt
nach wie vor eindeutig in unserem nationalen Interesse, regionale Aggression abzuschrecken und das
Wirtschaftswachstum in der asiatisch-pazifischen Region
aufrechtzuerhalten.

Wenn Nordkorea die notwendigen Inspektionen und
die Wiederaufnahme des Dialogs mit Südkorea über
Nuklearfragen verweigert, erwägen wir die Empfehlung an den UN-Sicherheitsrat, andere Optionen als
Verhandlungen in Betracht zu ziehen. Das muß nicht
das Ergebnis dieser Pattsituation sein. Wir fordern
Nordkorea auf, sich der Gemeinschaft verantwortungsbewußter Nationen anzuschließen.

Während wir auf die Lösung der Pattsituation in Nordkorea hinarbeiten, müssen wir auch regionale Ansätze
zur Konfliktverhinderung entwickeln. Aus diesem Grund
Obwohl die Spannungen des Kalten Krieges abgeebbt haben meine Amtskollegen und ich bei der ASEANsind, hegen zahlreiche asiatische Nationen Vorbehalte Ministerkonferenz im Juli das regionale Sicherheitsfogegen ihre Nachbarländer. Ein Abzug der Vereinigten rum des ASEAN gegründet. Dieses Forum wird unseStaaten würde diese Sorgen verstärken. Aus diesem re vertraglich niedergelegten Bündnisse ergänzen,
Grund muß Amerika sich weiterhin engagieren.
jedoch nicht ersetzen. Es wird Spannungen mildern

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Sehe 3

�und vom Wettrüsten abhalten. An diesen Sicherheitsdiskussionen werden die ASEAN-Nationen, die Vereinigten Staaten, Japan, Kanada, Südkorea, Australien
und andere Staaten teilnehmen, wie beispielsweise
China, Rußland und Vietnam.
Vor zehn oder sogar fünf Jahren wäre eine solche
Vielfalt von Nationen undenkbar gewesen. Im nächsten Jahr wird diese Vision Realität.
Demokratie
Ebenso wie Sicherheit die Grundlage für das Streben
nach Wohlstand, ist Demokratie das Fundament für
Sicherheit. Offenere Gesellschaften führen zu einer
stabileren Region. Demokratische Nationen sind bessere
Nachbarn und bessere Handelspartner. Aus diesem
Grund ist die Unterstützung von Demokratie und
Menschenrechten das dritte wesentliche Element
unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
Präsident Clinton hat erklärt, daß "freie Märkte die
Menschen nicht nur bereichern, sondern ihnen auch
Macht verleihen". Immer mehr Asiaten gehören der
Mittelschicht an und streben nach größerem Mitspracherecht in ihren Gemeinden. Während die Fabriken
in China prosperieren, kommt die politische Macht
zunehmend von den Arbeitnehmern am Fließband.
Größere Offenheit wird auch zur nachhaltigen Modernisierung in Asien beitragen. Denn wie können Länder
ohne Rechtsstaatlichkeit Investitionen anziehen? Wie
können sie ohne eine freie Presse Korruption bekämpfen? Wie können sie ohne einen konstanten Informationsfluß Wohlstand schaffen?
Einige bringen das Argument vor, Demokratie sei
irgendwie ungeeignet für Asien und unsere Betonung
der Menschenrechte sei ein Deckmantel für Kulturimperialismus. Aber über Phnom Penh liegt kein Deckmantel - der Stadt, in der die Kambodschaner im
Frühjahr erstmals in freien Wahlen abgestimmt haben.
Es liegt kein Deckmantel über Seoul, wo der ehemalige
Dissident Kim Young Sam jetzt Präsident Koreas ist.
Und auch über Schanghai liegt kein Deckmantel, wo
die Talkshow "Radio Orient" jeden Tag Tausende von
Anrufen und Briefen erhält.
Zweifelsohne hinken weite Teile Asiens hinter dem
Marsch der Geschichte hinterher. Das Streben nach
Freiheit ist jedoch kein Export aus dem Westen. Es ist
ein menschlicher Instinkt. In ganz Asien arbeiten die
Vereinigten Staaten auf die Erfüllung dieses Bedürfnisseshin. Mit anderen Worten: Wirpassenunsandie
Zukunft an.
Menschenrechte sind ein Hauptthema bei unseren
Beziehungen zu mehreren asiatischen Ländern, einschließlich Burma, Vietnam, Indonesien und China.
Die Clinton-Administration hat gegenüber China eine
Politik entwickelt, die sowohl unsere Werte als auch
unsere Interessen widerspiegelt. China ist eine große

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Nation und ein einflußreiches Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Ein stabiles, wohlhabendes
China liegt im langfristigen Interesse der Vereinigten
Staaten.
Die jüngsten Probleme bergen das Risiko negativer
Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Solange es
insgesamt keine bemerkenswerten Fortschritte in der
Menschenrechtsfrage gibt, wird der Präsident den
Meistbegünstigungsstatus für China nicht verlängern
können. Wir fühlen uns durch das kürzlich von Beijing
unterbreitete Angebot zur Öffnung der Gefängnisse
für das Internationale Rote Kreuz ermutigt. Wir hoffen,
dies ist ein Anzeichen für dauerhafte Fortschritte.
Beim Handel sind wir weiterhin besorgt über Marktzugang, Textilien und den Schutz von geistigem Eigentum. Im Zusammenhang mit der Nichtverbreitung
haben wir Sanktionen gegen China wegen der Lieferung von M-11-Komponenten an Pakistan verhängt.
Gleichzeitig haben wir eindeutig klargestellt, daß wir
zur Aushandlung derfür die Aufhebung dieser Sanktionen erforderlichen Bedingungen bereit sind.
Wir haben daher einen Prozeß größeren Engagements in China in die Wege geleitet, um Fortschritte in
diesen Schlüsselbereichen zu erzielen. Unser Ziel
besteht im Aufbau umfassender Beziehungen, die die
Beilegung unserer Meinungsverschiedenheiten gestatten.
Viele der die neue pazifische Gemeinschaft verbindenden Themen sind globaler Natur- Herausforderungen,
die politische Grenzen überschreiten. Betrachten Sie
beispielsweise die Umweltprobleme, denen sich Asien
mit seinem enormen Bedarf an Energiequellen im
nächsten Jahrhundert gegenübersieht. Berücksichtigen Sie, daß in 20 Jahren allein in Asien eine Milliarde
mehr Menschen leben werden.
Probleme wie diese verlangen grenzüberschreitende
Lösungen. Aus diesem Grund hat die Clinton-Administration globale Fragen zum Hauptthema unserer
Außenpolitik gemacht.
Vor kurzem fuhr ich am Roten Platz in Moskau vorbei,
um eine Rede vor russischen Studenten zu haften.
Ebenso wie viele von Ihnen waren sie der mitreißenden Proklamationen über "unseren Augenblick in der
Geschichte" müde. Aber Ihre Generation - sei es in
Moskau, Seattle oder Beijing - steht wirklich an einem
Wendepunkt zwischen dem Kalten Krieg und einem
neuen Jahrtausend. Für die russische Jugend stellt
sich die Frage, ob sie an freie Märkte und demokratische Reformen glauben soll. Für Sie lautet die Frage
einfacher: Glauben Sie an sich selbst?
In den vergangenen Jahren waren einige Amerikaner
besorgt, daß der Erfolg Asiens Probleme für die Vereinigten Staaten verursachen könnte. Sie haben sich
die Wirtschaftsleistung Japans betrachtet oder Chinas
unglaubliches Wachstum, oder die ungebremste EntAMERIKA DIENST 47

�Wicklung der Vier Tiger Asiens, und befürchtet, die
besten Tage Amerikas lägen hinter uns.

Die Tugenden, die Amerika zur Größeverholfen haben
- Sparsamkeit, Fleiß, Optimismus, Flexibilität - müssen uns erneut beim Wiederaufbau der amerikanischen Wirtschaft und eines noch größeren Engagements in Asien leiten.

Ich sehe das anders. Der Erfolg Asiens ist auch der
unsere - weil die Dynamik Asiens riesige neue Märkte
für unsere Produkte schafft, weil unser Engagement
seit einem halben Jahrhundert regionale Stabilität Können wir das Vertrauen dazu aufbringen? Können
unterstützt hat und weil das Streben Asiens nach wir den Mut zur Ergreifung dieser Gelegenheit aufbieFreiheit die ungebrochene Stärke unserer Werte re- ten? Von Lewis und Clarks Expedition bis zum ersten
Flug einer Boeing legt alles in unserer Geschichte den
flektiert.
Schluß nahe, daß wir es können. Und alles in unserer
Ich betrachte die Blüte des asiatischen Wohlstands Zukunft - unserer pazifischen Zukunft - deutet an, daß
und sehe die Saat der amerikanischen Erneuerung. wir es müssen.

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AMERIKA DIENST 47

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�APEC
24. November 1993

APEC-STAATEN VEREINBAREN ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung
SEATTLE - (AD) - Die in Seattle zusammengekommenen Minister der asiatisch-pazifischen Staaten haben
versuchsweise das Angebot unterbreitet, ihre Märkte
für eine Reihe von Rohstoffen und Fertigprodukten zu
öffnen, um einen erfolgreichen Abschluß der festgefahrenen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche zu fördern.
Das Angebot wurde am 19. November 1993 auf der
Ministertagung des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle bekanntgegeben.
Da China und Taiwan nicht an der Uruguay-Runde
teilnehmen, beteiligten sie sich nicht an den Angeboten über den Marktzugang, jedoch an der gemeinsamen Erklärung, in der ein erfolgreicher Abschluß der
Runde bis zum 15. Dezember gefordert wird.
Einige der anderen APEC-Minister begrüßten den im
Juli von der Vierergruppe (Vereinigte Staaten, Kanada, Japan und Europäische Union) ausgehandelten
Vorschlag über einen zollfreien Marktzugang. Die
Europäische Union ist das einzige Mitglied der Vierergruppe, das nicht der APEC angehört.
Der Vorschlag vom Juli fordert Zollfreiheit für pharmazeutische Produkte, Stahl, Baugerät, landwirtschaftliches Gerät, medizinisches Gerät, Möbel, Bier und
Spirituosen. Auch strebt er eine Harmonisierung der
Zölle auf Chemikalien an.
Die Minister der APEC-Länder gingen sogar noch
weiter als die Vierergruppe, indem sie Zollfreiheit für
Elektrogeräte, Papier, Holz, wissenschaftliches Gerät,
Spielzeug und Ölsaaten sowie eine Harmonisierung
der auf Fisch verhängten Zölle vorschlugen.
Für den Handel mit nichteisenhaltigen Metallen schlugen einige APEC-Staaten Zollfreiheit, andere eine
Harmonisierung der Zölle vor.
Die vorgeschlagene Abschaffung und Senkung der
Zölle wird erst in Kraft treten, wenn alle Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde bis zum 15. Dezember
zustimmen.

AMERIKA DIENST 47

Nicht alle Länder waren mit den unterbreiteten tarifären Konzessionen einverstanden. Die Vereinigten
Staaten, Kanada und Australien sprachen sich dafür
aus, Hongkong, Japan, die Philippinen, Südkorea und
Singapur stimmten einem Großteil der Vorschläge zu.
Die Zustimmung war in den einzelnen Bereichen verschieden: Zehn Länder vereinbarten Zollfreiheit bei
Elektrogeräten, bei Spielwaren waren es nur fünf.
Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey
Kantor zufolge hat der Handel mit diesen Produkten
unter den APEC-Staaten, ausgenommen China und
Taiwan, jährlich einen Wert von 250 Milliarden Dollar.
"Wir gaben eine zusätzliche Erklärung ab, in der wir
unserer kollektiven Bereitschaft zur Rückkehr an den
Genfer Verhandlungstisch Ausdruck verliehen, um
einen umfassenden Marktzugang für Industrieprodukte zu erzielen", stellte Kantor fest.
Eine nicht namentlich genannte Vertreterin der Vereinigten Staaten bezeichnete die Vorschläge im Zollbereich als kühnen Schritt. Bei den meisten Verhandlungen gäben die Teilnehmer für gewöhnlich ihr letztes
Angebot nicht vor Abschluß des Verfahrens bekannt.
"Es sieht vielleicht nicht nach einer großen Sache aus,
aber das ist es", äu ßerte sie. Die im Juli unterbreiteten
Vorschläge seien nicht auf so viel Zustimmung gestoßen, wie die Vierergruppe gehofft hatte. Die jüngsten
Vorschläge beträfen auch Sektoren, die für die nicht
der Vierergruppe angehörenden Staaten von größerem Interesse seien.
Die wenigen bis zum Abschluß der Uruguay-Runde
verbleibenden Wochen würden nicht einfach sein,
aber der Vorschlag der APEC-Staaten könnte die für
einen erfolgreichen Abschluß erforderliche Dynamik
liefern, erklärte sie.
Zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten enthielt die
APEC-Erklärung starke Unterstützung für das im vergangenen Jahr abgeschlossene Blair House-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zur Beilegung der Meinungsverschie-

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�denheiten über Agrarhandel, die seit Jahren Fortschritte bei der Uruguay-Runde verhindert hatten.
Frankreich hat infolgedessen das Abkommen gekündigt.

Das war einigen Delegationen zu viel. Die Minister
baten die renommierten Persönlichkeiten statt dessen
um die Umformulierung ihrer Empfehlungen und Berichterstattung in einem Jahr.

Den APEC-Ministem zufolge bedeutete das Blair HouseAbkommen bereits eine Abkehr von einem zuvor vom
Generaldirektor des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) im Entwurf vorgelegten durchgreifenderen Agrarvorschlag.

In seiner Ansprache vor den APEC-Ministern am 19.
November 1993 schlug Präsident Clinton weitere kleine Schritte für Fortschritte beim APEC vor: Ein Treffen
der APEC-Finanzminister, einen runden Tisch für
Unternehmer aus dem asiatisch-pazifischen Raum
sowie die Gründung einer asiatisch-pazifischen Stiftung für Bildung.

"Alle weiteren Bestrebungen zur Verwässerung des
Ergebnisses würden die Fähigkeit aufs Spiel setzen,
generell akzeptable Ergebnisse im Agrarbereich zu
erzielen", stellte die APEC-Erklärung fest.
Die APEC-Minister einigten sich auf einen kleinen
Schritt, mit dem das APEC von einem rein konsultativen Forum zu einem mit der Formulierung politischer
Maßnahmen betrauten werden soll, indem ein von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagener Ausschuß für
Handel und Investitionen gegründet wird.
Weit von einem Forum für die Durchführung von
Handelsgesprächen entfernt, wird der Ausschuß jährlich über Handelshemmnisse unter den APEC-Staaten berichten.

Diese Vorschläge schienen den anderen Teilnehmern
akzeptabel.
Clinton verwies auf die Intention der Vereinigten Staaten für ein weiteres politisches und wirtschaftliches
Engagement in Asien.
"Wir beabsichtigen nicht, die Kosten unserer Militärpräsenz in Asien und die Lasten der regionalen Führungsrolle zu tragen, nur um von den durch Stabilität
hervorgerufenen Wachstumsvorteilen ausgeschlossen
zu werden", fügte der Präsident hinzu.
Obwohl die Vereinigten Staaten seit langem Handelsdefizite mit allen außer einem APEC-Mitgliedstaat
hätten, so Clinton, eigneten sich ihre wachsenden
Volkswirtschaften gut für künftige amerikanische
Exporte.

Die Minister haben keinen der in dem Bericht einer
"Gruppe renommierter Personen" unterbreiteten provokativen Vorschläge über eine Vision des APEC
unterstützt. Unter anderem sah der Bericht vor, freien
Handel zum obersten Ziel des APEC zu erklären und "Waren und Dienstleistungen - bei denen wir stark
einen Terminplan für die Verwirklichung dieses Ziels sind, wie etwa Flugzeugbau, Finanzdienstleistungen,
Telekommunikation und Infrastruktur - sind vornehmab 1996 festzusetzen.
lich das, was Asien bei seinem Wachstumsmuster
verfolgen muß", stellte Clinton fest.
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AMERIKA DIENST 47

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