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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^TION

4

Z12462C
46

NAFTA

17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR
VERABSCHIEDUNG DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA
ZUSTIMMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im
Weißen Haus und Eingangserklärung des
Präsidenten

TERRORISMUS

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat

LANDMINEN

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor
UN-Generalversammlung

MEDIEN

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER
DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar

BEVÖLKERUNG

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST
WICHTIGES AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitung für Weltkonferenz

JOHN F. KENNEDY

DER PRÄSIDENT, DER HOFFNUNGEN
WECKTE
Persönliche Erinnerungen von David Pitts

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR VERABSCHIEDUNG
DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 13. November 1993 würdigte Präsident Clinton die
amerikanischen Kriegsveteranen und drängte auf Unterstützung für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA).
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, in dieser Woche feierten die
Amerikaner den Tag der Kriegsveteranen - den Tag,
an dem wir denjenigen danken, die für uns gedient,
unsere Sicherheit gewährleistet und zur Bewahrung
der Freiheit beigetragen haben, die unser aller höchstes Gut ist.
Nachdem ich am Donnerstag auf dem Friedhof Arlington der Veteranen gedacht habe, kam ich mit zwei die
Generationen umspannenden Gruppen von Patrioten
zusammen - den Veteranen des Ersten Weltkriegs und
den Angehörigen des Militärs im aktiven Dienst, die in
Somalia solch ausgezeichnete Arbeit geleistet haben.
Diese tapferen Amerikaner sind durch den Heldenmut,
mit dem sie unserer Nation dienten, über die Generationen miteinander und mit der Geschichte verbunden.
Keiner von ihnen hat sich der Gefahr oder Herausforderung entzogen. In unruhigen Zeiten haben sie
unsere Interessen über unsere Grenzen hinaus geschützt.
Und während sich auf der Welt der tiefgreifendste
Wandel seit 50 Jahren vollzieht, können wir heute eine
eindringliche Lehre aus ihrem Mut und ihrer Vision
ziehen. Ebenso wie wir niemals beim Schutz unseres
Land es vor einer militärischen Bedrohung zurückgeschreckt sind, können wir unseren Wohlstand nicht
schützen, wenn wir uns nicht den wirtschaftlichen
Herausforderungen stellen.
Seit meinem Amtsantritt als Präsident hat sich unsere
Administration der Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft verschrieben, sich dafür engagiert,
daß sich Arbeit wieder für alle Amerikaner bezahlt
macht und die Bedingungen zu schaffen, dank derer

AMERIKA DIENST 46

unser Privatsektor mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und mehr Chancen für alle verwirklichen
kann. Dieses Wirtschaftsprogramm beginnt zu funktionieren. Wir haben das Defizit gesenkt, die Inflation
niedrig gehalten und die Zinssätze auf einen Rekordtiefstand gedrückt. Millionen Amerikaner haben ihre
Häuser und Unternehmen neu finanziert. Und obwohl
wir noch nicht so viele Arbeitsplätze haben wie wir
möchten, hat der Privatsektor in den vergangenen 10
Monaten mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den
letzten vier Jahren zusammengenommen.
Der einzige Weg, wie eine wohlhabende Nation wachsen, Arbeitsplätze hervorbringen und die Einkommen
erhöhen kann, besteht jedoch letztlich im Abbau der
Handelshemmnisse und der Erweiterung des Handels
in einer wachsenden Weltwirtschaft. Es gibt einfach
keinen anderen Weg, mit dem ein reiches Land Arbeitsplätze schaffen und die Einkommen erhöhen kann,
als andere Kunden für seine Waren und Dienstleistungen zu finden. Die Vereinigten Staaten sind keine
Ausnahme. Wir haben die Chance, dies in einigen
Tagen zu tun, wenn der Kongreß über das als NAFTA
bezeichnete Handelsabkommen berät.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
die mexikanischen Hemmnisse für amerikanische
Exporte abbauen. Wenn diese Schranken fallen,
werden wir im nächsten Jahr allein an Mexiko weitere
55.000 in Amerika hergestellte Autos verkaufen. Wir
werden weitere Hunderttausende Computer verkaufen und in den nächsten beiden Jahren 200.000 neue
gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen. NAFTA ist ein
wirlich gutes Geschäft für Amerika. Und wenn wir
Mexiko nicht für unsere Produkte öffnen, können Sie
Seite 1

�davon ausgehen, daß die Europäer oder die Japaner
dies für ihre Produkte tun. Wenn das NAFTA verabschiedet wird, haben wir auf dem mexikanischen Markt
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Japanern
und Europäern. Sollte es zum Scheitern verurteilt sein
und Japan oder Europa nehmen die Herausforderung
an, der wir uns nicht gesteift haben, werden sie einen
Vorteil gegenüber uns haben.
Warum haben also einige unserer Mitbürger solche
Angst vor dem NAFTA? Weil sich ihre Welt in den
vergangenen 20 Jahren so stark verändert hat - und
häufig nicht zum Besseren. Technologie kann man
heute überall auf der Wert finden. Geld und Informationen umkreisen den Globus in Millisekunden. Qualifikationen, die einstmals nur wir besaßen, haben jetzt
auch andere. Diese neue Weltwirtschaft hat enorm
viele Chancen geschaffen, aber auch viele Härten mit
sich gebracht.
Wir mußten viele Anpassungen vornehmen. Zur Zeit
arbeiten wir daran, unser veraltetes Arbeitslosensystem durch ein neues - genannt Wiederbeschäftigung
- zu ersetzen, damit jeder, der aus irgendeinem Grund
seinen Arbeitsplatz verliert, sofort Zugang zu der von
ihm benötigten Ausbildung, Fortbildung und Arbeitsplatzvermittlung hat. Wir haben das Gesetz über den
Urlaub aus familiären Gründen verabschiedet, so daß
niemand seinen Arbeitsplatz verliert, wenn er wegen
eines Neugeborenen oder zur Pflege kranker Eltern
eine Zeitlang nicht arbeitet. So können die Menschen
gleichzeitig gute Arbeitnehmer und gute Familienmitglieder sein.

Die amerikanischen Arbeitnehmer sind heute wieder
die produktivsten weltweit. Wir können im Wettbewerb
und bei der Produktion überall jeden anderen übertreffen. Wir werden wieder für eine lange Zeit die Nummer
eins sein, wenn wir uns dem Wettbewerb in der Welt
öffnen. Aus diesem Grund haben amerikanische
Arbeitnehmer vom NAFTA nichts zu befürchten, sondern sollten sich vielmehr Sorgen machen, wenn wir
gegen das NAFTA stimmen und Mexiko, den anderen
Ländern Lateinamerikas und den sich uns bietenden
Chancen den Rücken kehren.
Am Tag nach der Kongreßabstimmung über das NAFTA
werde ich in Seattle mit führenden Politikern vieler
asiatischer Länder - einschließlich Chinas und Japans
- zusammentreffen, und sie um Öffnung ihrer Märkte
auch für unsere Produkte bitten. Bis Ende dieses
Jahres werde ich mich entschieden dafür einsetzen,
ein noch umfassenderes weltweites Handelsabkommen abzuschließen, das die Handelshemmnisse für
den Export unserer Produkte nach Europa und in die
übrige Welt abbauen soll.

Gemeinsam mit anderen Nationen können wir das
Wachstum der Weltwirtschaft buchstäblich erneut
ankurbeln und Millionen neuer Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten für alle Amerikaner schaffen. Hierzu müssen wir jedoch als ersten Schritt diese Woche
für das NAFTA stimmen, das nicht nur eine Handelsvereinbarung mit Mexiko darstellt, sondern auch zum
Symbol unseres Engagements für Wachstum und
Handel auf der ganzen Welt geworden ist. Glauben
Sie mir: Wie auch immer der Kongreß abstimmen
mag, er wird jeder Nation auf der Welt signalisieren,
Wir benötigen eine Reform des Gesundheitswesens welche Absichten wir verfolgen - ob wir unsere Fühund haben einen Plan vorgelegt, der zum ersten Mal in rungsrolle in der Weltwirtschaft beibehalten und bei
unserer Geschichte allen Amerikanern eine Gesund- anderen auf die Öffnung ihrer Märkte für Produkte und
heitsfürsorge anbietet - selbst wenn sie ihren Arbeits- Dienstleistungen unseres Landes und anderer Staaplatz verlieren. Und wir sind entschlossen zur Be- ten drängen, oder ob wir uns in den Protektionismus
kämpfung der Kriminalität mit mehr Polizisten, mehr flüchten.
Lagern für jugendliche Straftäter sowie mehr Gefängniszellen für diejenigen, die das brauchen. Das sind Wenn wir das NAFTA verabschieden, werden wir zum
einige der Maßnahmen aus der Gesetzesvorlage zur Zentrum des weltweit größten Handelsblocks mit Kanada
Bekämpfung der Kriminalität, die dem Kongreß zur und Mexiko, der sich durch die Aufnahme der übrigen
Zeit vorliegt.
Länder Lateinamerikas schnell vergrößern wird. Tun
wir das nicht, geraten wir in eine festgefahrene SituaFolglich leisten wir in den Bereichen Erziehung, Ge- tion, während jemand anders diese Gelegenheit ersundheit, Urlaub aus familiären Gründen und Bekämp- greift.
fung der Kriminalität harte Arbeit, um dem amerikanischen Volk die Sicherheit zu geben, die wir alle ange- Diese Abstimmung wird viel darüber aussagen, wer
sichts der uns konfrontierenden Veränderungen benö- wir, die Amerikaner des Jahres 1993, eigentlich sind.
tigen. Wir können die Welt jedoch nicht zu dem Große Nationen werden nicht nur durch ihre Taten
machen, was sie einmal war. Wir können unsere definiert, wenn die Spielregeln und die Zukunft klar und
Arbeitnehmer, ihre Arbeitsplätze und Einkommen einfach die Zeiten leicht sind, sondern durch die von ihnen
nicht vor den Unwägbarkeiten des weltweiten Wettbe- getroffenen Entscheidungen in Zeiten großer Veränwerbs schützen, indem wir Mauern zu errichten versu- derungen, wenn die Zukunft im Dunkeln liegt, die
chen. Die einzige Möglichkeit zur Bereitstellung wirt- Menschen mit Schwierigkeiten kämpfen und ihre Zukunft
schaftlicher Sicherheit und größerer Chancen für die gestalten müssen.
Mittelschicht in unserem Land besteht darin, sich
dieser neuen Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren Dies ist ein für Amerika entscheidender Zeitpunkt.
Werden wir die Chance ergreifen? Werden wir uns für
und zu gewinnen. Und wir können gewinnen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�die Hoffnung anstelle der Angst entscheiden? Die
Geschichte der Größe Amerikas läßt darauf schließen. Wir haben immer gesiegt, wenn unsere Nation
sich in der Welt engagiert und ihre großen Herausforderungen angenommen hat. Durch die Verabschiedung des NAFTA kann der Kongreß demonstrieren,
daß wir in einer prosperierenden Weltwirtschaft konkurrieren und gewinnen wollen. Wir übernahmen die

Führungsrolle bei ihrer Schaffung und werden das
angesichts des bevorstehenden 21. Jahrhunderts wieder
tun müssen. Wir können eine Zukunft aufbauen, die
wir unseren Kindern mit Stolz hinterlassen können und die Zukunft beginnt am Mittwoch mit einer positiven Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen.

* * * *

AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA ZUSTIMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus
und Eingangserklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird
das beabsichtigte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada
und Mexiko genügend Stimmen für seine Verabschiedung erhalten, wenn es dem Kongreß am 17. November 1993 vorgelegt wird.
In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 10. November warnte der Präsident,
ein Scheitern des Abkommens könnte die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten beeinträchtigen, andere Nationen davon zu überzeugen, daß die Zeit reif für ein
neues weltweites Handelsabkommen ist.
"Wir können gewinnen", betonte der Präsident. "Und
wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
zurückziehen wollen."
Mit der Verabschiedung des NAFTA hätten die Vereinigten Staaten, so Clinton, "einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale Staatengemeinschaft,
um auf den Abschlu ß einer weltweiten Handelsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen GATTAbkommens - zu drängen."
Der Präsident verwies darauf, daß alle noch lebenden
ehemaligen amerikanischen Präsidenten und Außenminister sich ebenso wie 80 Prozent der derzeitigen
Gouverneure von Bundesstaaten und eine beeindrukkende Vielzahl von Nobelpreisträgern für Wirtschaft
zugunsten des NAFTA ausgesprochen haben.
Auf die Frage, ob ein Scheitern des NAFTA seinen
Stand beim bevorstehenden Ministertreffen mit den
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (AsiaPacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle
beeinträchtigen würde, antwortete Clinton: "Meines
Erachtens wird es meine Fähigkeit zur Ausübung der
Außenpolitik nicht schmälern, außer im wirtschaftlichen Bereich. Es würde vielmehr mein Argument
AMERIKA DIENST 46

entkräften, daß die Asiaten ihre Märkte weiter öffnen
sollten."
Zur Zeit, so der Präsident, betrage das Handelsdefizit
der Vereinigten Staaten mit Japan 49 Billionen Dollar
jährlich, mit China 19 Billionen und mit Taiwan 9
Billionen Dollar. Im Gegensatz dazu belaufe sich der
Handelsüberschuß der Vereinigten Staaten mit Mexiko auf 5,4 Billionen Dollar.
Dem Präsidenten zufolge hätte ein Scheitern des
NAFTA negative Auswirkungen auf die amerikanischen Beziehungen zu den lateinamerikanischen
Nationen.
Sollte der Vorschlag nicht verabschiedet werden, warnte
Clinton, würden die Vereinigten Staaten eine Chance
zum Verkauf ihrer Produkte an Mexiko verpassen, die
Auslagerung von Arbeitsplätzen südlich der Grenze
nicht verhindern können und die Kosten Mexikos für
Umweltschutz und Arbeitskräfte weiter drücken, wodurch amerikanischen Firmen ein weiterer Wettbewerbsnachteil entstünde.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten auf den
Devisenmärkten zur Unterstützung des mexikanischen
Peso intervenieren müßten, wenn das NAFTA verabschiedet würde, erwiderte Clinton: "Meines Erachtens
... würde der Peso aufgrund der Zustimmung zum
NAFTA steigen, weil er die mexikanische Wirtschaft
stärken würde."
Clinton ging auch auf andere Themen ein wie Haiti,
Bosnien-Herzegowina, die Beziehungen zwischen Israel
und Jordanien sowie seine außenpolitischen Berater.
Er betonte, die Haitianer müßten verstehen, daß die
für das Embargo gegen ihr Land Verantwortlichen der
Chef des haitianischen Militärs, Raoul Cedras, und der
Polizeichef Michel Francois seien, weil sie das New
Yorker Abkommen gebrochen hätten.
Clinton verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß der
haitianische Ministerpräsident Robert Malval und
Seite 1

�Präsident Jean-Bertrand Aristide "zu Gesprächen in
gutem Glauben bereit sind und eine Lösung herbeizuführen versuchen, dank der wir auf den Weg zur
Demokratie und Verwirklichung dieses Abkommens
zurückfinden könnten".

die nichts mit den Kontroversen zu tun haben, die bei
meinem Amtsantritt ein heißes Eisen waren und heute
noch sind - Somalia, Haiti und Bosnien. Es wäre ein
großer Fehler, dies falsch zu interpretieren."

Auf die Frage, waserzurEntschärfung der Situation in
Bosnien-Herzegowina unternehme, stellte der Präsident fest, unter den derzeitigen Bedingungen "ist das
einzige, was wir tun können, die Verluste an Menschenleben in dem bevorstehenden Winter so gering
wie möglich zu halten. Wir müssen versuchen, die Zustimmung der Vereinten Nationen zur Position der
NATO zu erhalten, daß die Vereinigten Staaten im
Falle einer ernsthaften Bombardierung Sarajevos
Luftstreitkräfte bereitstellen, und dies eine aktuelle,
echte Option ist - nicht nur Theorie. Wir wollen
sicherstellen, daß unser humanitäres Programm funktioniert."

Meine Damen und Herren, gegen Ende dieser Sitzungsperiode des Kongresses, kurz vor dem Erntedankfest, sollte unser Volk wissen, daß wir hier in
Washington endlich die Themen angehen, die für alle
Amerikaner von zentraler Bedeutung sind, und die
Pattsituation durch Fortschritte zum Wohle aller ersetzen.

Nach der Wahrscheinlichkeit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien
am 12. November 1993 - dem Datum, an dem der
Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak
Rabin im Weißen Haus vorgesehen ist - befragt,
antwortete der Präsident, er sei erfreut über "die Berichte von Fortschritten" in den israelisch-jordanischen
Beziehungen, glaube jedoch nicht, "daß in dieser
Hinsicht am Freitag irgend etwas abend geschieht".

wobei die dramatische Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags berufstätigen Amerikanern mit Kindern und einem bescheidenen Einkommen aufgrund
von Steuersenkungen ein besseres Leben ermöglicht.
Wir haben mehr amerikanische Produkte aus dem
High-tech-Bereich exportiert. Wir haben das Gesetz
über den Erziehungsurlaub verabschiedet. Wir haben
die Möglichkeit für Investitionen in neue Unternehmen
in diesem Land erhöht. Und wir haben einen umfassenden Plan vorgelegt, der jedem Amerikaner eine
wirklich sichere Gesundheitsversorgung anbietet.

Erklärung des Präsidenten
Er wolle nicht, daß "noch jemand in Haiti verletzt wird",
fügte Präsident Clinton hinzu und erklärte, "wir müssen Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserkläein weiteres Abkommen anstreben, damit das Land rung von Präsident Clinton bei der Pressekonferenz im
Weißen Haus am 10. November 1993.
zur Normalität zurückkehren kann".

In den vergangenen Monaten haben wir das größte
Paket zum Abbau unseres Haushaltsdefizits der
Geschichte verabschiedet, die Zinssätze und die Inflationsrate befinden sich weiterhin auf einem historischen Tiefstand, Millionen von Amerikanern konnten
ihre Häuser neu finanzieren, die Investitionstätigkeit
Die von den Vereinigten Staaten angeführte Luftbrük- steigt, und in den letzten zehn Monaten sind in unseke nach Bosnien, betonte Clinton, "dauert bereits rem Land mehr neue Arbeitsplätze geschaffen worden
länger an als die Berliner Luftbrücke, und es ist eine der als in den vergangenen vier Jahren.
umfassendsten humanitären Hilfsbestrebungen" in der Es wurden echte Anstrengungen zur Verbesserung
Geschichte.
der Sicherheit erwerbstätiger Familien unternommen,

Im Zusammenhang mit Berichten über einen Brief
Rabins an Präsident Clinton mit der Bitte um teilweisen
Erlaß der Haftstrafe für den verurteilten Spion Jonathan Pollard bestätigte Clinton, der Ministerpräsident
habe ihm wegen Pollard geschrieben und fügte hinzu:
"Ich habe das Justizministerium um Überprüfung dieses Falles gebeten." Der Präsident erklärte, er habe
"noch keinen Bericht vom Ministerium erhalten, und ich
werde keine Entscheidung zum Fall Pollard treffen,
bevor mir das Ministerium stichhaltige Gründe dafür
nennt".
Clinton erläuterte ferner, er beabsichtige keine drastischen personellen Veränderungen in seinem außenpolitischen Team und dementierte, daß der am 8.
November 1993 zurückgetretene Stellvertretende
Außenminister Clifton R. Wharton zum "Opferlamm"
gemacht worden sei.
Der Präsident stellte fest, Wharton "hat gute Arbeit
geleistet... er war mit einer Reihe von Themen befaßt,
Seite 2

Wir bemühen uns um eine effizientere Gestaltung
unserer Regierung, um mit weniger mehr zu bewirken,
und ich bin stolz darauf sagen zu können, daß der
Kongreß heute deutlich seine Entschlossenheit zur
Reform der Gesetze über Wahlkampffinanzierung
demonstriert. Vor mehreren Monaten verabschiedete
der Senat eine entsprechende Gesetzesvorlage. Heute
wird der Ausschuß des Repräsentantenhauses über
ein Gesetz abstimmen, welches das Repräsentantenhaus meines Erachtens annehmen wird.
Das ist eine Bilanz einmaliger Leistungen. In den
nächsten Wochen bis zum Ende der Sitzungsperiode
wird der Kongreß jedoch mit der Herausforderung
konfrontiert, noch größere Schritte zum Schutz der
persönlichen Sicherheit der Amerikaner zu unternehmen sowie zur Schaffung vermehrter Chancen, wertwert zu konkurrieren und zu gewinnen.

AMERIKA DIENST 46

�Der Senat schließt zur Zeit die Arbeit an unserem
Gesetz über Verbrechensbekämpfung ab, das das
von mir in meiner Wahlkampagne gemachte Versprechen erfüllt, 100.000 zusätzliche Polizisten einzustellen, Verbrecher hinter Gittern zu halten, die Kriminellen
von der Straße zu holen, Jugendlager und alternative
Einrichtungen für jugendliche Straftäter anzubieten
und denjenigen die Waffen wegzunehmen, in deren
Besitz sie sich nicht befinden sollten. Wir verfügen
jetzt wirklich über die Schlagkraft, das Brady-Gesetz
zu verabschieden. Nach Jahren -12 Jahren - heroischen Einsatzes von Jim und Sarah Brady ist der
Kongreß meines Wissens endlich entschlossen, sich
der Lobby gegen das Brady-Gesetz zu widersetzen
und gegen die Kriminalität vorzugehen, die für die
meisten Amerikaner den wichtigsten Aspekt ihrer
persönlichen Sicherheit darstellt.

sen folgen und den Wählern in ihren Wahlkreisen die
Gründe für ihre Entscheidung darlegen. Und wenn die
vorläufigen Ergebnisse der gestrigen Debatte ein Indikator sind, dann können die Mitglieder des Repräsentantenhauses dem amerikanischen Volk die Tatsachen und ihre eigenen Überzeugungen anvertrauen.

Diese Abstimmung erfolgt an einem für unsere Nation
bedeutenden Moment. Wir haben schwere Zeiten
hinter uns. Während der vergangenen 20 Jahre haben
60 Prozent der Amerikaner für die gleichen oder sogar
niedrigere Löhne härter gearbeitet. Wir hatte große
Schwierigkeiten mit der Produktivitätssteigerung, die
für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Einkommen unabdingbar ist. Aber es ist uns
gelungen. Dieses Land ist jetzt auf einer Vielzahl von
Gebieten im Herstellungs- und Dienstleistungsbereich
das produktivste der Welt. Wir können gewinnen. Und
Heute in einer Woche wird der Kongreß die Entschei- wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
dung darüber treffen, ob durch das Nordamerikani- uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
sche Freihandelsabkommen die Exporte erhöht und zurückziehen wollen.
Arbeitsplätze geschaffen werden. Niemand hätte das
NAFTA entschiedener und beredter verteidigen kön- Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich noch
nen als Vizepräsident Gore es gestern abend in seiner einen Punkt zum NAFTA ansprechen, der gestern
Debatte mit Herrn Perottat. Gestern abend bewies der Abend zu kurz gekommen ist. Dieses Abkommen
Vizepräsident, daß allein die Darlegung der Fakten bedeutet mehr Arbeitsplätze, aber der reale Zuwachs
über das NAFTA sowie die Formulierung unserer an Arbeitsplätzen in Amerika wird stattfinden, wenn
Sorge um das Wohlergehen der amerikanischen Ar- zwei weitere Schritte unternommen worden sind. Er
beitnehmer die Ängste und verzerrten Darstellungen wird stattfinden, wenn alle Demokratien und freien
überwinden können, die gegen das NAFTA vorge- Marktwirtschaften Lateinamerikas sich ebenfalls dem
bracht wurden. Das NAFTA bedeutet Exporte, Expor- großen Handelsblock Mexiko, Kanada und Vereinigte
te bedeuten Arbeitsplätze. Kein wohlhabendes Land Staaten angeschlossen haben. Denn wenn das einder Weh kann mehr Arbeitsplätze schaffen, ohne seine mal geschehen ist, haben wir einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale StaatengemeinExporte zu steigern.
schaft, um auf den Abschluß einer weltweiten HanDas amerikanische Volk hat gestern abend bewiesen, delsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen
daß es bereit ist, den Diskussionen über diese Frage GATT-Abkommens - zu drängen. Wenn das Repräzuzuhören und sich nicht nur Millionen anderer Ame- sentantenhaus sich für das NAFTA entscheidet, wird
rikaner anzuschließen, wie denjenigen, die der Vize- das Auswirkungen auf Asien und auf Europa haben.
präsident gestern abend anführte, sondern jedem Für dieses Land steht folglich ziemlich viel auf dem
ehemaligen Präsidenten, Außenminister, Nobelpreis- Spiel. Ich bin überzeugt, daß das Repräsentantenträger für Wirtschaft sowie über 80 Prozent der amtie- haus das Richtige tun wird.
renden Gouverneure.
Ich möchte heute auch den Kongreßabgeordneten
Der Gegensatz am gestrigen Abend war deutlich. Herr Hoagland, Kreidler, Dicks und Valentine sowie SenaPerot warnte die Mitglieder des Repräsentantenhau- tor Nunn für ihre erklärte Unterstützung des NAFTA
ses vor schrecklicher Vergeltung, falls siedem NAFTA danken. Ich denke, daß sich in den nächsten Tagen
zustimmten. Der Vizepräsident rief die Abgeordneten noch mehr Abgeordnete für das NAFTA aussprechen
auf, sich für Hoffnung statt für Angst zu entscheiden werden und wir zum Zeitpunkt der Abstimmung über
und dem Vorschlag zuzustimmen, daß die Amerikaner die für einen Sieg erforderliche Stimmenzahl verfügen
in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sein und Gewin- werden.
ne machen können, bei der Abstimmung ihrem Gewis-

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AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�TERRORISMUS
17. November 1993

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, zufolge sind die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten härteren Wirtschaftssanktionen gegen Libyen
ein Beweis für die feste Entschlossenheit der Völkergemeinschaft zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus.
In einer am 11. November 1993 vor dem UN-Sicherheitsrat abgegebenen Erklärung äußerte Albright: "Der
Terrorismus stellt für jede Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung
entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter Umständen auch vom Sicherheitsrat
beschlossene, verbindliche Sanktionen umfassen."
Die mit 11 Jastimmen, keiner Gegenstimme und 4 Enthaltungen angenommene Resolution des Sicherheitsrates sieht das Einfrieren libyscher Auslandsguthaben, ein Verbot des Verkaufs von Erdölfördergeräten an das
Land sowie die Schließung von Büros libyscher Luftfahrtgesellschaften vor. Diese Maßnahmen gegen Libyen
sind auf die Weigerung des Landes zurückzuführen, zwei mutmaßliche Täter des Bombenanschlags von
Lockerbie den amerikanischen oder britischen Anklagebehörden auszuliefern und mit Frankreich bei der
Untersuchung des Bombenanschlags auf Flug UTA 772 einer französischen Verkehrsmaschine zusammenzuarbeiten.
Durch die Verabschiedung der Resolution hat der Sicherheitsrat Botschafterin Albright zufolge den flexiblen
Einsatz von "Sanktionen als Mittel der Diplomatie" unter Beweis gestellt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlauf.

Herr Präsident, die heutige Resolution soll für alle
sichtbar die Entschlossenheit dieses Rates zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus demonstrieren. Der Weg zu dieser Resolution war nicht
leicht, aber das ist der Weg der Gerechtigkeit ohnehin
nur selten.
Angehörige von 30 Nationen sind Opfer der Terroranschläge geworden, die auf Pan Am-Flug 103 und UTAFlug 772 verübt wurden. Vor nahezu zwei Jahren
nahm der Sicherheitsrat die Resolution 731 an. Die
libysche Regierung weigerte sich schlichtweg, diese
Resolution zu beachten. Seit damals hat Libyen keine
Anstrengung gescheut, die auch in privaten Gesprächen unterbreiteten Angebote des Sicherheitsrates
auszuschlagen und der internationalen Staatengemeinschaft falsche Versprechungen zu machen, um
ihre Entschlossenheit zu unterminieren - und die heutige Aktion zu verhindern.

AMERIKA DIENST 46

Der Sicherheitsrat kann stolz darauf sein, daß die
Bemühungen Libyens zur Verhinderung dieser Resolution gescheitert sind. Der Terrorismus stellt für jede
Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter
Umständen auch vom Sicherheitsrat beschlossene,
verbindliche Sanktionen umfassen.
Herr Präsident, der Kampf gegen den internationalen
Terrorismus muß eine kollektive Anstrengung sein.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit
Großbritannien und Frankreich diesen Bemühungen
vorgestanden. Wir haben eng mit jedem Mitglied des
Sicherheitsrates zusammengearbeitet. Die uns vorliegende Resolution ist ausgewogen und hat ein klar
definiertes Ziel. Ihre Hauptmerkmale sind das Einfrieren libyscher Guthaben, ein begrenztes Embargo gegen
die libysche petrochemische Industrie sowie eine

Seite 1

�Verschärfung früherer, unter Resolution 748 erlasse- sie. Diese Resolution richtet sich einzig und allein
ner Sanktionen. Diejenigen, die sie für nicht ausrei- gegen Libyen. Mit jedem Tag, an dem sich die libysche
chend halten, möchte ich folgendes fragen: Warum Regierung nicht an die Beschlüsse der Vereinten
hat Libyen so große Anstrengungen unternommen, Nationen hält, wird der vom libyschen Volk zu zahlende
diese Resolution zu verhindern, wenn die Auswirkun- Preis höher.
gen der neuen Sanktionen kaum spürbar sind?
Herr Präsident, ich möchte noch etwas Allgemeines
Libyen weiß genau, was es tun muß. Wir erwarten die hervorheben. Durch den heutigen Beschluß zur VerAuslieferung der des Bombenanschlags von Locker- schärfung der Sanktionen hat der Sicherheitsrat wiebie Angeklagten. Wir erwarten die Zusammenarbeit der den flexiblen Einsatz von Sanktionen als Mittel der
der libyschen Regierung mit den französischen Justiz- Diplomatie unter Beweis gestellt. Und je mehr wir
behörden. Wir erwarten Schadenersatzzahlungen für demonstrieren, daß dieser Rat Sanktionen verhängen,
die Opferdes libyschen Terrorismus. Und wir erwarten aufheben, aussetzen oder verschärfen kann, desto
die klare und erwiesene Ablehnung des Terrorismus besser dienen sie als Mittel unserer Diplomatie.
durch die libysche Regierung.
Herr Präsident, die tragischen Anschläge auf Pan AmDie Vereinigten Staaten haben seit längerem Sanktio- Flug 103 und UTA-Flug 772 forderten unschuldige
nen gegen Libyen verhängt, die weit über die vom UN- Menschenleben. Ihre Familien erwarten von uns eine
Sicherheitsrat verabschiedeten hinausgehen. Wir haben Antwort. Heute kommt die Reaktion des Sicherheitsuns jedoch zu einem fairen und gerechten Vorgehen rats. Wir müssen jetzt auf die Einhaltung der Bestimbei dem zu unserer heutigen Abstimmung führenden mungen durch Libyen warten, jedoch mit hartnäckiger
Verfahren verpflichtet. Wir haben die Ansichten der Entschlossenheit, bis der Gerechtigkeit Genüge getan
Staaten, für die in wirtschaftlicher Hinsicht mehr auf ist. Vielen Dank, Herr Präsident.
dem Spiel steht als für uns, erwogen und respektieren

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�LANDMINEN
17. November 1993

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben der UN-Generalversammlung eine Resolution
über ein Moratorium für den Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen unterbreitet.
Bei der Vorlage der Resolution im Namen der Vereinigten Staaten und 46 Mitunterzeichnerstaaten am 11.
November 1993 erklärte Senator Leahy, "es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den
Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die Minen verlegt
wurden. Heute werden Landminen von einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man findet sie auf
Brücken, Straßen und Fußwegen, in Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem Ort, an dem es Zivilisten
gibt."
"Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist", so Leahy, "als Katalysator für konzertierte internationale
Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Senator Leahy im Wortlaut.

Ich möchte heute im Namen der Vereinigten Staaten
eine Resolution mit dem Titel "Moratorium für den
Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen" unterbreiten. Sie ist in Dokument A/C.1/48/L.42
enthalten. Sie fordert alle Staaten zur Zustimmung
und Durchführung eines Moratoriums für den Export
von Landminen auf, die eine ernsthafte Gefahr für Zivilisten darstellen. Darüber hinaus wird der Generalsekretär in der Resolution um die Erstellung eines Berichts über Fortschritte bei dieser Initiative gebeten,
einschließlich möglicher Empfehlungen für weitere
Restriktionen für den Export dieser Waffen.
Als ich vor einigen Jahren durch Mittelamerika reiste,
traf ich einen jungen Honduraner, der durch eine
Landmine ein Bein verloren hatte. Er stammte aus
einer armen Bauernfamilie und konnte nicht mehr auf
dem Feld arbeiten. Seine Familie konnte sich nicht um
ihn kümmern, und zwei Jahre lang hatte er nur mit einer
selbstgebastelten Krücke als Behelf in einem Krankenhaus verbracht. Ich fragte ihn, welche Seite der
Kriegsgegner die Mine dort gelegt hatte. Er wußte es
nicht - und welchen Unterschied würde das machen?
Sein Leben würde niemals mehr dasselbe sein.
Seit damals habe ich die schreckliche Wirkung von
Landminen in vielen Ländern gesehen, und diese
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Erfahrung hat mich in der Entschlossenheit bestärkt,
etwas zurBekämpfungdieser Geißel zu unternehmen.
Als Vorsitzender des Senatsunterausschusses für
auswärtige Operationen habe ich ein Programm ins
Leben gerufen, um kriegsversehrten Zivilisten mit
künstlichen Gliedmaßen und Rehabilitation behilflich
zu sein. Dieses Programm besteht noch heute.
Medizinische Hilfe wird dringend benötigt. Das größere Problem von Millionen willkürlich über riesige Landstriche verteilten Landminen ist jedoch weiterhin akut.
Dieser honduranische Junge ist nureinervon Hunderttausenden unschuldiger Zivilisten - viele von ihnen
Kinder - die durch Landminen getötet oder schrecklich
verkrüppelt wurden. Heute sind über 85 Millionen
dieser Waffen in mehr als 60 Ländern verteilt. Landminen, vor allem gegen lebende Ziele gerichtete, haben
eine medizinische, soziale, wirtschaftliche und umweltpolitische Krise globalen Ausmaßes verursacht.
Viele von Ihnen kommen aus diesen Ländern. In
Afghanistan gibt es 10 Millionen Minen. Ganze Gebiete des Landes sind unbewohnbar. Es kann Generationen dauern, bevor man wieder sicher in diesen Gegenden leben kann. In Angola, wo jeden Tag neue Minen
gelegt werden, gibt es bereits 9 Millionen Minen, und in

Seite 1

�Kambodscha 55 Millionen. Beide Länder haben über
20.000 Amputierte. In Kambodscha, wo bis zu 300
Menschen pro Monat durch Landminen getötet oder
verstümmelt werden, hat jeder 236. ein Bein oder
einen Arm verloren.

glieder des Senats einstimmig für die Verlängerung
des amerikanischen Moratoriums um weitere drei Jahre.
Der Präsident wird dieser dreijährigen Verlängerung
Ende dieses Monats durch seine Unterschrift Gesetzeskraft verleihen.

Die Verbreitung von Landminen hat tragische Konsequenzen lange nachdem der Konflikt beendet ist.
Minen verhindern die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und anderen Vertriebenen, und sie haben eine
Vielzahl verkrüppelter und verarmter Menschen zur
Folge, für die gesorgt werden muß. Die wirtschaftlichen Konsequenzen von Landminen sind verheerend
für die armen Entwicklungsländer, wo sie am meisten
verbreitet sind.

Mit ist natürlich bewußt, daß ein Exportmoratorium
eines Landes keine Lösung ist. Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist, als Katalysator für konzertierte internationale Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren. Während wir die gefährliche, kostenintensive
und zeitaufwendige Aufgabe der Räumung von Millionen alter Landminen in Angriff nehmen, besteht unsere Herausforderung darin sicherzustellen, daß sie nicht
durch neue ersetzt werden. Dies können wir nur durch
eine internationale Führungsrolle und Kooperation
erreichen.

Es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten
zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die
Minen verlegt wurden. Heute werden Landminen von
einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man
findet sie auf Brücken, Straßen und Fußwegen, in
Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem
Ort, an dem es Zivilisten gibt. Es werden kaum
Versuche unternommen, um ihre Lokalisierung aufzuzeichnen, und Zivilisten können Wochen oder Monate
später getötet oder verletzt werden, wenn die Mine
plötzlich explodiert.
Landminen sind billig, leicht herzustellen und können
ganze Gebiete unzugänglich machen. Für rund 3
Dollar kann man eine Landmine kaufen, die ein Bein
oder einen Arm abreißt oder ein Kind tötet. Für 75
Dollar kann man einen etwas weiterentwickelten Typ
kaufen, zum Beispiel eine Mine mit Selbstzerstöreinrichtung oder eine selbstentschärfende Mine.
Nur 3 Dollar für eine Landmine - dennoch schätzen die
Vereinten Nationen in Kambodscha die Kosten für die
Beseitigung dieser einen Landmine auf 1.000 Dollar.
Es würde Milliarden Dollar kosten, um die Minen in nur
diesem Land zu räumen.

Das in dieser Resolution geforderte internationale
Exportmoratorium ist ein wichtiger erster Schritt. Meine
Regierung unterstützt darüber hinaus Bestrebungen
zur Verbesserung von Protokoll 11 der Konvention über
konventionelle Waffen von 1980.
Wir erwägen weitere mögliche Schritte für umfassendere Bestrebungen zur Bewältigung der Landminenkrise . Und wir unterstützen die vor kurzem in einer
Resolution der Generalversammlung befürwortete
Initiative der Europäischen Union, die einen Bericht
über die Möglichkeit eines Treuhandfonds zur Minenentschärfung fordert. Die Räumung der Minen wird mit
enormen Kosten verbunden sein. Als Mitglied des
amerikanischen Senats werde ich alles in meiner
Macht Stehende tun um zu gewährleisten, daß die
Vereinigten Staaten ihren Teil zur Beseitigung dieser
Minen beitragen.

Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten wissen die
Unterstützung der 46 Mitunterzeichnerstaaten dieser
Resolution zu schätzen. Wir hoffen, daß andere
Staaten sich uns anschließen und drängen sie dazu.
Die Menschen auf der ganzen Wert wollen der durch
Im vergangenen Jahr habe ich mich erfolgreich für eine Landminen verursachten menschlichen Tragödie ein
Gesetzesvorlage im Kongreß über ein einjähriges Ende setzen. Es ist an uns, die Führungsstärke unter
Moratorium füramerikanische Exportevon Landminen Beweis zu stellen, damit dies geschieht.
eingesetzt. Vor zwei Monaten votierten die 100 Mit-

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�MEDIEN
17. November 1993

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar
WARSCHAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. November 1993 beim KSZE-Seminar über freie
Medien in Warschau vom Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im USAußenministerium, John Shattuck, gehaltene Eröffnungsansprache im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, diese Woche als Leiter einer
amerikanischen Delegation in Warschau zu sein, zu
der prominente Vertreter der US-Medien und der
akademischen Welt zählen. Ich möchte dem Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte für
die Veranstaltung dieses Seminars danken und freue
mich auf eine Woche offener Diskussionen über die
Prinzipien und Praktiken freier Medien in einer freien
Gesellschaft. Ich möchte Polen meinen Dank für die
Gastfreundschaft aussprechen.
Warschau als Ort der Veranstaltung eines Seminars
scheint mir besonders geeignet, denn hier haben
Menschen, denen die Redefreiheit verweigert wurde,
dennoch ihre Stimme erhoben. Mutig. Entschlossen.
Mit Engagement. Und die in Polen friedlich mit Ideen
geführte Revolution hat dazu beigetragen, das Blatt in
Osteuropa zu wenden. Polen ist ein unmißverständliches Beispiel für die Macht der Rede, die sich von der
Zensur zu befreien sucht, um die Ungrechtigkeit anzugreifen und zu berichtigen. Polen ist der Beweis für die
Macht des Volkes - seiner Ideen, seiner Worte und
seiner Träume - über die Tyrannei.
Seit jenen ersten berauschenden Tagen der Freiheit
hat Polen den sich rasch verändernden politischen und
wirtschaftlichen Systemen inhärenten Tumult erlebt.
In eben solchen Zeiten des Wandels wollen Regierungen manchmal die Pressefreiheit beschneiden mit
dem Argument, die Redefreiheit müsse gegen andere
Bedürfnisse der Gesellschaft abgewogen werden. In
einer Demokratie, in der die Souveränität beim Volk
liegt, ist die Redefreiheit das wichtigste Recht. Vor
sechzig Jahren, mitten in der Großen Depression, als
Zehntausende Amerikaner arbeitslos waren, schrieb
der Richter am Obersten Bundesgericht, Benjamin
Cardozo: "Die Freiheit des Ausdrucks ist die Matrix,
die unerläßliche Bedingung, für nahezu jede andere
AMERIKA DIENST 46

Form der Freiheit." Eine Regierung, die ihr Volk und
ihre Presse zum Schweigen bringt, ist nicht demokratisch. Denn ein Volk, dem ein Maulkorb angelegt und
Information verweigert wird, ist ein Volk ohne Macht,
ein Volk ohne die Fähigkeit zur Bewältigung seiner
Probleme.
Hier in Europa waren die Medien und die Kommunikationstechnologie entscheidend für die friedlichen Revolutionen, die den Kontinent erfassen, sowie für die
kontinuierliche Entwicklung neuer politischer Systeme. In Rußland und der ehemaligen Tschechoslowakei wurden die Hoffnungen der Menschen jahrzehntelang dank Samizdat und Kopiermaschinen am Leben
erhalten. In Rumänien wurden mutige Bürger bei
ihrem Protest gegen eine Rede von Ceausescu im
Fernsehen gezeigt, bevor die Zensoren das Programm
unterbrechen konnten. Dies und die verwirrte Reaktion des Regimes verliehen dem rumänischen Volk
Mut. In der Tschechoslowakei trotzten Fernsehjournalisten der Nachrichtensperre und zwangen die
Geschäftsleitung, die Demonstrationen der sanften
Revolution zu übertragen. Eine der ersten Taten der
neuen tschechischen Regierung war, den staatlichen
Zensor zu feuern. Die Bürger in ganz Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion haben sich mit Begeisterung ihrer neuentdeckten Redefreiheit bemächtigt.
Dennoch wird die Verpflichtung der Regierungen zu
freien Medien häufig auf die Probe gestellt - in meinem
Land ebenso wie in Europa. Kritik an der Regierung
beschneidende Gesetze und staatliche Kontrolle des
Handwerkszeugs der Medien - Druckerpressen, Zeitungsverlage, Fernsehstationen, Subventionen und
Vertrieb - engen eben die Redefreiheit ein, die Grundlage von Stabilität und Legitimität all unserer Nationen
ist.

Seite 1

�Als mit dem Aufbau unserer Nation vertrauter Amerikaner kann ich mich mit dem Kampf der osteuropäischen Länder und der neuen unabhängigen Staaten
sehr gut identifizieren. Skeptiker bezüglich des Werts
der Pressefreiheit argumentieren, daß die Erfahrung
der Vereinigten Staaten einzigartig und aus diesem
Grund für Erörterungen der Rolle von Medien andernorts irrelevant ist. Ich bin anderer Meinung. Die
amerikanische Erfahrung ist nicht einzigartig. Auch wir
sahen uns bei der Geburt unserer Nation mit Kämpfen
im Inland und Bedrohungen aus dem Ausland konfrontiert. Ebenso wie Sie versuchten wir ein neues politisches System zu gründen. Im gesamten Verlauf
unserer Geschichte haben wir mit der Herausforderung gerungen, eine starke Regierung zu schaffen und
gleichzeitig das Volk vor einer nicht rechenschaftspflichtigen Regierung zu schützen - so übermächtig,
daß sie repressiv werden konnte. Seit 200 Jahren
bilden die Medien das Kernstück unserer Gesellschaft
und sehen sich dennoch konstantem Druck durch
staatliche Zensur ausgesetzt.

Das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler lief einige
Jahre nach seinem Inkrafttreten aus, aber die daraus
gezogenen Lehren sind eindeutig: In einem Land wie
unserem ist die Pressefreiheit zu Zeiten der größten
Instabilität einer Nation dem höchsten Risiko ausgesetzt. Die Stimmen der Opposition in solchen Zeiten
zum Schweigen zu bringen, heißt, die Gesellschaft
konstruktiver Kritik zu berauben, das Risiko zu laufen,
friedlichen Protest in gewalttätigen Widerstand ausarten zu lassen und zu verhindern, Sprache zum Mittler
demokratischen Wandels zu machen.

Die amerikanische Verpflichtung zur Redefreiheit ist
kein Luxus einer modernen Gesellschaft. Redefreiheit
ist der Ursprung von Kreativität in unserer Gesellschaft
und der Stabilität unserer Regierungsform. Thomas
Jefferson hat einmal die Theorie aufgestellt, die Menschen müßten alle 17 Jahre das Joch ihrer Regierung
abwerfen. 217 Jahre später hat sich dies als unwahr
erwiesen, und zwar eben weil die Redefreiheit die
friedliche Umgestaltung einer Gesellschaft ermöglicht.
Rede- und Pressefreiheit sind kein Luxus in einem
Die Geschichte eines Druckers namens John Peter neuen demokratischen Staat, sondern eine NotwenZenger in der damaligen Kolonie New York wird häufig digkeit und eine Entscheidung, die eine Demokratie
als Beispiel der amerikanischen Verpflichtung zur immer wieder treffen muß.
Redefreiheit angeführt. Im Jahr 1735, vor der Gründung unserer Nation, wurde Peter Zenger wegen In diesem Jahrhundert wurde die Pressefreiheit in den
ketzerischer Reden der Prozeß gemacht. Sein Verge- Vereinigten Staaten wiederholt auf die Probe gestellt.
hen war die Anmaßung, Kritik am britischen Gouver- Sie wurde während der beiden Weltkriege herausgeneur gedruckt zu haben. Unter anderem beschuldigte fordert, während der Bürgerrechtsbewegung und von
er den Gouverneur, die Kolonie französischen Angrif- den Vietnamkriegsgegnern, die uns noch frisch in
fen auszusetzen. Die Geschworenen stimmten für Erinnerung sind. Rede- und Pressefreiheit werden
Freispruch anhand von Beweisen für die Wahrheit der heute unter dem einen oder anderen Deckmantel
Anschuldigung. Diese Geschichte wird gelegentlich weiterhin diskutiert. Wir sind eine Gesellschaft, die
erzählt, um zu demonstrieren, daß die Amerikaner in erörtert, ob von der Regierung finanzierten Künstlern
einzigartiger Weise aufgeschlossen gegenüber einer Zwänge auferlegt werden sollen, ob die Gewalt in
freien Presse sind. Das ist jedoch nicht der Punkt. unseren Städten die Kontrolle von GewaltdarstellunObwohl die Amerikaner ihre Freiheit lieben, wäre die gen im Femsehen und Kino erfordert, ob die AbtreiBehauptung, wir seien anders als andere Menschen, bungsgegner das Recht haben, Abtreibungskliniken
eine Verzerrung unserer und Ihrer Geschichte. Der aufsuchenden Frauen ihren Protest buchstäblich ins
Kampf um das Prinzip einer freien Presse wurde nicht Gesicht zu schreien, ob die Regierung richtig oder
über Nacht gewonnen. Erst jahrzehntelange Kämpfe falsch handelte, als sie während der Golfkrise eine
und der Mut unzähliger Einzelpersonen führte zu sei- Nachrichtensperre verhängte. An den Universitäten,
ner Verankerung in der amerikanischen Bill of Rights. die traditionsgemäß das Hauptforum der freien Rede
sind, wird heute das Argument vorgebracht, die Redefreiheit
sollte eingeschränkt werden, wenn die Rede
Trotz der Verfassung der Vereinigten Staaten und trotz
Angehörige
einer ethnischen rassischen, relgiösen
der kühnen Aussage des ersten Zusatzartikels, "Der
oder
sozialen
Gruppe angreift. Aus meiner Sicht sind
Kongreß darf kein Gesetz erlassen, das ... die Redeall
dies
Bedrohungen
der freien Rede, aber auch
oder Pressefreiheit ... einschränkt", verabschiedete
Themen
lebhafter
Diskussionen.
unser Kongreß im Jahr 1798 das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler, mit dem das Recht zu r Kritik an der
Regierung beschnitten wurde. Warum stimmte der In dieser Woche werden wir Gedanken über die RechtsKongreß einer solchen Gesetzesvorlage zu, und war- grundlage freier Medien austauschen. Eben weil die
um verlieh Präsident John Adams, ein Unterzeichner Pressefreiheit gleichermaßen unerläßlich für die
der Unabhängigkeitserklärung, ihm Gesetzeskraft? Demokratie und einer ständigen Bedrohung ausgeGelehrte verweisen auf die Besorgnis über eine Bedro- setzt ist, vertreten wir die Auffassung, da ß eine veriashung der Vereinigten Staaten durch Frankreich sowie sungsmäßige Garantie - kein Gesetz - den besten
auf die Rivalität zwischen der Föderalistischen Partei Schutz der Pressefreiheit darstellt. Ein von der Legisvon John Adams und der Republikanischen Partei lative gewährtes Recht kann von dieser wieder entzogen werden.
seines Vizepräsidenten Thomas Jefferson.

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�Hinsichtlich der internationalen Verpflichtungen begrüßen wir die von der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen getroffene Entscheidung, einen Sonderberichterstatter über Meinungs- und Redefreiheit zu ernennen. Die Resolution über die Einrichtung dieses Amtes verleiht der tiefen Besorgnis über
die Verfolgung von Journalisten, Redakteuren, Schriftstellern, Verlegern und Druckern Ausdruck sowie
derjenigen, die lediglich von ihrem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit Gebrauch
machen.
Wir begrüßen auch die Wiener Deklaration, sind jedoch der Ansicht, daß sie beim Schutz der Pressefreiheit nicht weit genug geht. Das "Rahmenwerk nationaler Gesetze" mag nicht immer eine angemessene
Grundlage für die Gewährleistung einer freien Presse
sein, insbesondere wenn die Regierung der Presse
ablehnend gegenübersteht. Das gleiche Problem besteht
bei Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Resolution des Europarates von 1993,
die "akzeptable" journalistische Praktiken definiert. Ich
fürchte, durch diese Bestimmungen werden freie Medien
nicht gewährleistet, sondern beschränkt.

Entscheidungen werden vom Menschen getroffen, sei
es, wofür das Geld ausgegeben wird, wer gewählt wird
oder wem Glauben geschenkt wird. Die Erfahrung hat
wiederholt gezeigt, daß das beste Mittel gegen Falschinformation mehr Information ist.
Wenn wir einen juristischen Rahmen für freie Medien
erörtern, sollten wir die natürliche Spannung zwischen
den Regierenden und denjenigen, die über sie berichten, in Betracht ziehen. Die Aufgabe der Medien ist die
Überwachung der Regierung, nicht umgekehrt. Die
Medien lassen für gewöhnlich Politiker nicht in Ruhe.
In Polen nimmt die satirische Femsehserie "Polskie
Zoo" die Politiker aufs Korn, obwohl viele von ihnen
diejenigen waren, die im Kampf Polens für Redefreiheit an vorderster Front standen. Das geschieht in
jeder freien Gesellschaft. Als George Washington aus
dem Amt ausschied, versahen die Karikaturisten einen
Esel mit seinem Kopf, und eine Zeitung in Philadelphia
schrieb: " Jedes Herz, das die Freiheit und das Glück
des Menschen wünscht, sollte höher schlagen aus
Jubel darüber, daß der Name Washington von diesem
Tag an nicht länger politische Schandtaten und legalisierte Korruption nährt." Selbst Gründerväter werden
nicht unbedingt respektvoll behandelt.

Auf der Tagesordnung dieser Woche stehen journalistische Freiheit und Verantwortung. Ich bin über
dieses Thema beunruhigt, da es anzudeuten scheint,
Regierungsvertreter hätten das Recht zur Definition
von 'Verantwortungsbewußtem" Verhalten. Seitens
der Regierung eine gute Beurteilung der Presse zu
erwarten, ist ebenso töricht wie die Erwartung, alles
mögen, befürworten oder auch nur lesen zu wollen,
was an einem Zeitungskiosk zum Verkauf angeboten
wird.

Die Debatte dauert noch heute an. Wenn Amerikas
leidenschaftliche Verteidigung der Pressefreiheit charakteristisch für unsere Nation ist, dann aber auch die
Tatsache, daß keine Einrichtung öfter am Pranger
steht als die Presse, niemand von der Öffentlichkeit
schneller zum Sündenbock gemacht wird. "Die Medien" werden von Politikern und Aktivisten aus dem
gesamten ideologischen Spektrum als Quelle verschiedener Übel verurteilt - von schlechter Politik bis
zum Verfall des Wertesystems. Während unseres
Als ich vor kurzem in der Schlange an der Kasse eines letzten Präsidentschaftswahlkampfes war einer der
Supermarktes stand, hatte ich die Auswahl unter beliebtesten Aufkleber der Republikanischen Partei
Publikationen mit Titelgeschichten, die von Präsident "Ärgert die Medien: Wählt wieder Bush!" Und es
Clintons Reformplan für das Gesundheitswesen über verging nicht viel Zeit nach der Amtsübernahme Prädie Herbstmode, neue Angebote für Autos und Kabel- sident Clintons, bis die Leitartikelschreiber seine
femsehen bis zu so verführerischen Überschriften Administration zu kritisieren begannen, was einige
reichten wie "Elvis beim Frühstücken gesehen", "Fünf Demokraten zu Klagen über die "unfaire Behandlung"
Fitnessübungen beim Telefonieren" und "Opfer rätsel- ihres Präsidenten veranlaßte.
hafter Krankheit vergessen Tiernamen - erinnern sich
aber an alles andere". Diese Titel zeigen zumindest, Die freien Medien sind für gewählte Politiker ein ständaß es keine Garantie für guten Geschmack gibt. Es diges Ärgernis. Die freien Medien werden oft vom Volk
gibt keine Sicherheit dafür, daß alles, was die Men- kritisiert. Die freien Medien verleihen oft Ideen Ausschen in einer Demokratie schreiben oder lesen wol- druck, die nicht jeder mag oder befürwortet.
len, tiefgründig, erhebend oder wahr ist. Freie Rede
kann ebensogut albern, verletzend oder vollkommen Der große russische Dichter Turgenjew schrieb 1882:
unwahr sein. Die Frage ist jedoch, wer die Medien bei "An den Tagen des Zweifeins und des traurigen Grüihren Exzessen mäßigen sollte und was der Preis für belns über das Schicksal meines Landes bist Du allein
mein Stab und meine Stütze - mächtige, wahre, freie
die Kontrolle einer freien Presse ist.
russische Sprache!" Rußland erlebt eine sehr harte
Zur ersten Frage: Ich würde argumentieren, Journali- Zeit. Unser Respekt für Rußland hat nicht abgenomsten sollten in objektiver Berichterstattung ausgebildet men, die Vereinigten Staaten haben jedoch in der
werden und die Redakteure über die Veröffentlichun- Öffentlichkeit und in Gesprächen ihre Ablehnung der
gen entscheiden. Ihre Entscheidung wiederum sollte Zensur in Rußland und des Verbots der Oppositionsvom Markt geleitet werden. Die Essenz eines freien presse deutlich gemacht. In der ehemaligen SowjetIdeenmarktes ist dieselbe wie die der Demokratie: Die union genoß Rußland den Ruf, die freiesten Medien zu
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Seite 3

�haben. Die Medien haben beim Schutz der Demokratie in Ru Bland eine Rolle gespielt: Die Fernsehberichterstattung über den Putschversuch von 1991 und die
Proteste im Oktober riefen die demokratischen Kräfte
auf den Plan. Angesichts der gegenwärtigen Krise und
der bevorstehenden Wahlen müssen die Menschen
eine Stimme und eine Vielfalt von Informationsquellen
zur Verfügung haben.

freie Presse ist immer wieder eine Kraft zur Behebung
von haßbedingtem Unrecht gewesen. Die schlechte
Behandlung von Arbeitnehmern, Korruption und Rechtsbrüche finden statt, weil wir Menschen sind. Eine freie
Presse hat sich wiederholt als Korrektiv erwiesen.
Politische Inkompetenz oder Machtmißbrauch ereignen sich nicht aufgrund der Nachlässigkeit der Demokratie, sondern weil die Politiker Menschen sind.
Machtmißbrauch oder der unkluge Umgang mit Macht
Freie Medien sind der beste Schutz einer Demokratie sind so alt wie die Menschheit und ebenso Bestandteil
und ein Urheber für friedlichen sozialen Wandel. Unter der menschlichen Natur wie Ehrgeiz und Angst, Mitleid
normalen Umständen stellen freie Medien das Mittel und Vorurteil, derWunsch, Gutesund die Versuchung,
dar, durch das die Wählerschaft sich bildet und ihren Böses zu tun. Eine freie Presse weist immer wieder
Ansichten über aktuelle Fragen Ausdruck verleiht. Es auf politische Inkompetenz und Machtmißbrauch hin
gibt auf der Welt nicht einen gewählten Politiker, der und hilft der Demokratie erneut auf die Füße. In einer
nicht den Tag mit der Lektüre von Nachrichten und Demokratie erstreben wir eine Beschränkung der
Leitartikeln beginnt. In bewegten Zeiten gewähren die schlimmsten Eingebungen der Regierenden und eine
freien Medien die Ideenvielfalt und stellen ein Forum Freisetzung der besten Eingebungendes Volkes. Das
für abweichende Meinungen dar.
Ergebnis ist auf kurze Sicht manchmal das Gegenteil
des Erwünschten, auf lange Sicht jedoch eine DemoIn den Vereinigten Staaten fallen uns viele Beispiele für kratie, die unter dem Schutz der Pressefreiheit in
die positiven Auswirkungen freier Medien auf die kreativen, stabilen und gerechten Gesellschaften in
Gesellschaft ein. Die Presse brachte zur Jahrhundert- Nationen Früchte trägt, die in Harmonie, nicht in Bürwende die inhumanen Bedingungen in amerikanischen gerkrieg leben.
Fabriken und Mietshäusern ans Licht, die Presse
stellte ein Forum für die Gegner des Vietnamkriegs Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,
dar. Die größte Veränderung, die die Presse in den daß Menschenrechte und Demokratie die PressefreiVereinigten Staaten bewirkte, fand vielleicht bei den heit voraussetzen. Als Abteilungsleiter für MenschenRassenbeziehungen statt. Wie viele andere hier ver- rechte und humanitäre Angelegenheiten im Außenmitretene Nationen werden die Vereinigten Staaten seit nisterium beschäftige ich mich nicht nur zeitweilig mit
langer Zeit mit ethnischen und rassischen Spannun- freien Medien - vielmehr sind sie ein zentraler Bestandgen konfrontiert, oftmals weil das in unserer Verfas- teil meiner Arbeit. Nach dem Ende des Kalten Krieges
sung verankerte Recht auf Freiheit und Würde einigen und angesichts der Bestrebungen einer Vielzahl von
Menschen aufgrund ihrer Rasse verweigert wurde. Ländern zum Aufbau funktionierender Demokratien
Die Abschaffung der Sklaverei hing von einer freien besteht für uns die Chance eines dauerhaften FriePresse ab, beispielsweise William Lloyd Garrisons dens und einer anhaltenden Verpflichtung zur Freiheit.
abolitionistischerZeitung. Die Bürgerrechtsbewegung Der Philosoph Tacitus schrieb vor langer Zeit: "Rar
in diesem Jahrhundert basierte ebenfalls auf der sind jene glücklichen Zeiten, in denen Gedanken und
Redefreiheit - auf dem Recht von Martin Luther King Worte frei sind." Wenn wir uns mit Wachsamkeit für die
und Malcolm X, ihre Meinung zu äußern und Märsche Freiheiten einsetzen, von denen ich spreche, können
anzuführen, auf dem Recht der Presse zur Berichter- wir gemeinsam darauf hinarbeiten, daß uns allen
stattung über Unterdrückung. Martin Luther Kings unwiderruflich solche Zeiten bevorstehen.
Rede "Ich habe einen Traum ..." inspiriert die Menschen noch heute, und ohne Redefreiheit und eine Ich danke Ihnen.
freie Presse würde dieser Traum im Dunkeln bleiben.
Wir haben keine Vorurteile aufgrund von Redefreiheit,
sondern weil sie in der Naturdes Menschen liegen. Die

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AMERIKA DIENST 46

�BEVÖLKERUNG
17. November 1993

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST WICHTIGES
AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitungen für Weltkonferenz

Einrichtung eines Referats für Bevölkerungs-,
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die BevölkerungsFlüchtlingsund Migrationsfragen im US-Auentwicklung ist ein bedeutendes au ßenpolitisches Anßenministerium,
um bevölkerungspolitische
liegen, dem die Clinton-Administration einen beträchtAspekte
stärker
in
den Vordergrund zu rücken
lichen Teil seiner Energie widmet", und die Vereinigten
sowie
Staaten werden aktiv an den Vorbereitungen für die
bevorstehende Weltkonferenz über Bevölkerung und
Entwicklung einer umfassenden neuen BevölEntwicklung teilnehmen, erklärte der amerikanische
kerungspolitik.
Botschafter Victor Marrero vor der UN-Generalversammlung.
1993 leisteten die Vereinigten Staaten einen Beitrag
von
14,5 Millionen Dollar zum UN-Bevölkerungsfonds
"Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer
und
beabsichtigen für 1994 eine Beitragserhöhung auf
Macht Stehende zu tun, um die Kairoer Konferenz
40
Millionen
Dollar. Die Vereinigten Staaten hatten
erfolgreich zu gestalten", äußerte Marrero am 4. Noden
Fonds
im
Jahr 1986 wegen der Finanzierung von
vember. Sie haben ihm zufolge zur Vorbereitung der
Programmen
zum
Schwangerschaftsabbruch durch
Konferenz einen Beitrag in Höhe von 1 Million Dollar
die
Behörde
und
des
Programms zur zwangsweisen
geleistet.
Familienplanung in China verlassen. Zu diesem ZeitMarrero, der Stellvertreter von Botschafterin Albright punkt beliefen sich die amerikanischen Beiträge auf
bei den Vereinten Nationen, wies darauf hin, daß die insgesamt 46 Millionen Dollar.
Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt Präsident
Clintons vor neun Monaten vier konkrete Schritte zur In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im
Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle bei September erneuerte Präsident Clinton das Engageinternationalen Bevölkerungsfragen unternommen ment Amerikas zur Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, um mehr Informationen und Dienstleihätten:
stungen im Bereich der Familienplanung bereitzustelUmkehr der sogenannten Mexiko-City-Politik, len.
die amerikanische Finanzbeiträge an Organisationen beschränkte, die im Zusammenhang mit Der Zweite Ausschuß der UN-Generalversammlung
Schwangerschaftsabbrüchen stehende Aktivi- erörtert zur Zeit die Vorbereitungen für die Weltkonferenz über Bevölkerung und Entwicklung, die für Septäten verfolgen,
tember 1994 in Kairo anberaumt ist. Die von zwei
erstmalige finanzielle Unterstützung seit 1986 wichtigen Teilnehmerländern - den Vereinigten Staades Fonds der Vereinten Nationen für Bevölke- ten und Ägypten - in dem Ausschuß abgegebenen
rungsfragen (United Nations Fund for Popula- Erklärungen demonstrierten die erstaunliche Annähetion Activities - UNFPA) sowie der internationa- rung der Ansichten über diese Themen sowie neue
len Föderation für Familienplanung (Planned Ansätze bei Bevölkerungsfragen in Industriestaaten
Parenthood Federation) und des Familienpla- und Entwicklungsländern - im Gegensatz zu der
nungsprogramms der Weltgesundheitsorgani- umstrittenen Konferenz von Mexico City im Jahr 1984.
sation (World Health Organization - WHO),

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Seite 1

�Nafis Sadik, der Direktor des UN-Bevölkerungsfonds
und Generalsekretärder Konferenz, stellte fest, das im
Mai abgehaltene vorbereitende Treffen "war eine äußerst
positive Bestätigung für das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft bei bevölkerungs- und
entwicklungspolitischen Fragen."
"Die Kairoer Konferenz ist unsere historische Chance,
der Bevölkerung den ihr gebührenden Stellenwert bei
Maßnahmen und Aktionen zu sichern, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschheit Rechnung tragen. Dies zu verwirklichen, schulden wir nicht nur uns
selbst, sondern insbesondere künftigen Generationen", erklärte Sadik gegenüber den Delegierten.

Die Vereinigten Staaten drängten femer auf einen
expliziten Wortlaut der Empfehlungen bezüglich der
Notwendigkeit von verbesserten Informations- und
Bildungsprogrammen sowie zu den Bereichen Technologie, Forschung und Entwicklung.
Ägypten sei darüber hinaus bestrebt sicherzustellen,
daß die Empfehlungen die Verbindung zwischen
Bevölkerung, umweltverträglichem Wirtschaftswachstum und umweltverträglicher Entwicklung hervorheben.

Der ägyptische Minister für Bevölkerung und Familienfürsorge, Mäher Mahran, erläuterte, die "Verantwortung und Beteiligung der Männer an Programmen zur
"Die Vereinigten Staaten hoffen, das Dokument hebt Kontrolle des Bevölkerungswachstums kann nicht länger
eindeutig hervor, daß die Stabilisierung des Weltbevöl- ignoriert werden. Frauen haben bis heute einen grokerungswachstums ein allen anderen Zielen zugrun- ßen Teil der Last getragen - und dies gilt sowohl für die
deliegendes und sie verstärkendes Ziel ist", fügte Industrie- als auch die Entwicklungsländer."
Marrero hinzu.
"Es ist unser Wunsch, daß Familienplanung gleicherDem amerikanischen Botschafter zufolge erwarten die maßen von Männern und Frauen übernommen wird",
Vereinigten Staaten von den Empfehlungen "ein klar so Mahran.
formuliertes Programm für künftiges Vorgehen" mit
Mahran forderte ferner größere Betonung von Proeiner Mindestanzahl von Empfehlungen.
grammen, die den Stand der Frau in der Gesellschaft
" Familien sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und El- verbessern, das Analphabetentum unter erwachseternrolle betreffendenEmpfehlungen müssen auch nen Frauen bekämpfen sowie Informationen über die
ausdrücklich die Tatsache berücksichtigen, daß diese Mutterschaft anbieten, und erklärte, den PrivatorganiVereinbarkeit nicht nur von angemessenen Kinderta- sationen müsse die Freiheit eingeräumt werden, "ihre
gesstätten sowie anderen Sozialmaßnahmen und historische Kreativität und Pionierarbeit" ohne ungeProgrammen abhängt, sondern auch vom Zugang zu bührliche staatliche Einschränkungen auszuüben.
den Kontrollmitteln für die Anzahl der Kinder und den
Zeitabstand zwischen ihrer Geburt", stellte er fest. In den vergangenen neun Jahren ist Ägypten dem
"Die Kontrolle der Frau über die Empfängnis ist unab- Minister zufolge zu einer Erfolgsgeschichte der Bevölkerungskontrolle geworden. Die Geburtenrate sei von
dingbar zur Erlangung voller Gleichberechtigung."
3,98 auf 2,99 Prozent gesunken, 48 Prozent der BevölFamilienplanungsprogramme sollten freiwillig erfolgen kerung verwendeten Kontrazeptiva und die Kinderund Bestandteil eines umfassenderen Gesundheits- sterblichkeit betrage 3,5 Prozent.
programms sein, das Vorbeugungsmaßnahmen gegen AIDS, den Bedarf an Kontrazeptiva, sicheren
Schwangerschaftsabbruch und Schwangerschaftsdienste anspricht, fuhr er fort.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�JOHN

F.

KENNEDY
17. November 1993

Der Präsident, der Hoffnungen weckte
Persönliche Erinnerungen von David Pitts
WASHINGTON - (AD) -Aus Anlaß des 30. Jahrestages der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November
1993 veröffentlichen wir persönliche Erinnerungen an den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Autor
des nachfolgenden Artikels, David Pitts, erlebte die Kennedy-Zeit als Junge in England.

Würde John F. Kennedy noch leben, wäre er jetzt 76
Jahre alt - ein ernüchternder Gedanke für eine Generation, die erwachsen wurde, als er die Idee der "New
Frontier" entwickelte, und die jetzt mittleren Alters oder
älter ist. Es ist eine Generation, die ihn nicht vergessen
kann, obwohl seit jenem schrecklichen Tag in Dallas
jetzt dreißig Jahre vergangen sind.
John F. Kennedy trat 1961 mit einem äußerst knappen
Wahlergebnis als jüngster Präsident der Vereinigten
Staaten sein Amt an. Doch als er 1.000 Tage später
ermordet wurde, war die Welt in ihrer Trauer geeint.
Die seitdem vergangene Zeit hat unweigerlich zu einer
Neubewertung seiner Leistungen geführt. Wir haben
gelernt, seine Worte von seinen Taten zu trennen,
seine Vision von seiner Politik und seinen Witz von
seiner Klugheit.
In der Wert Anfang der sechziger Jahre hatte Kennedy
jedoch keine leichte Aufgabe. Von Anfang an war
seine Amtszeit von schweren au ßenpolitischen Krisen
überschattet, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen
suchten.
Der Kommunismus in Kuba und Südostasien, die
Bedrohung durch Nikrta Chruschtschow wegen Westberlin und gefährliche Krisen wie im Kongo (jetzt Zaire)
beherrschten die Aufmerksamkeit des jungen Präsidenten und der intelligenten jungen Männer, die er mit
nach Washington brachte.
Trotz der Unlösbarkeit vieler dieser Probleme waren
deutliche Erfolge zu verzeichnen, die ein neues Bild
von den Vereinigten Staaten als einem Land schufen,
das sich nicht nur für eine sicherere, sondern auch eine
fürsorglichere Welt einsetzte. Das Peace Corps, die
Allianz für den Fortschritt sowie der Vertrag über das

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Verbot von Atomtests waren anschauliche Beispiele
für ein Amerika, das sich von seiner besten Seite
zeigte.
Auch gab es neue, kühne Versuche zur Bekämpfung
von Armut und Rassendiskriminierung, die nicht nur im
Inland, sondern auch in Übersee Anlaß zu neuer
Hoffnung gaben.
Es sind jedoch nicht die Errungenschaften oder Fehlschläge der Kennedy-Jahre, an die wir uns erinnern,
und auch nicht die Widersprüche dieses höchst komplizierten Mannes. Wir erinnern uns an das von John
F. Kennedy vermittelte Gefühl, daß wir die Welt neu
gestalten können, wir auf diesem Planeten Herr über
unser eigenes Schicksal sind, die Menschheit nicht
dem Untergang geweiht ist, daß "auf der Wert" - wie er
sagte - "Gottes Werk das Vorbild für unser eigenes
sein mu ß". Das ist kein geringer Anspruch, und wir alle
erfüllen seine Erwartungen nicht.
Ich war ein Junge und wuchs in England auf, als ich
Kennedys Amtsantrittsrede sah. Wir mußten geschlagene 24 Stunden darauf warten. Das war in den Tagen
vor dem Satellitenfernsehen, als die Videokassetten
mit Verzögerung per Flugzeug ankamen. Ich erinnere
mich, daß ich fasziniert von seiner Rede war, obwohl
ich als 13jähriger noch nicht ihre Auswirkungen verstand.
Ebenso wie Amerika schloß auch Europa John F.
Kennedy an diesem Tag ins Herz, und zwei Jahre und
zehn Monate lang war das Ansehen der Vereinigten
Staaten höher als jemals zuvor oder danach. In den
Augen der Europäer war Kennedy der Inbegriff des
amerikanischen Ideals: Jung, erfolgreich, energiegeladen, optimistisch, unkonventionell, aber mit sehr viel
Stil.

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�Als er im Sommer seines letzten Lebensjahres, 1963, halt des Lebens sind. Nun weilt er nicht mehr unter
Europa bereiste, waren die Europäer enthusiastisch, uns. Heute trauern wir um ihn. Morgen und in der
insbesondere in Irland, dem Land seiner Vorfahren. Zukunft werden wir ihn vermissen. Und so werden wir
Es ging ihnen ebenso um John F. Kennedy, den Mann, nie wissen, wie anders die Welt ausgesehen haben
den sie liebten, wie um den Präsidenten John F. könnte, wenn das Schicksal dieses unglaubliche TaKennedy.
lent am Leben erhalten hätte und er an der unvollständigen Tagesordnung für Frieden und Fortschritt für alle
Den erfahrenen alten Politikern Europas - DeGaulle in hätte mitwirken können."
Frankreich, Adenauer in der Bundesrepublik Deutschland, MacMillan in England - erschien Kennedys Konzept Die Welt von heute unterscheidet sich stark von der
einer "New Frontier" naiv. Die Europäer waren jedoch Anfang der sechziger Jahre. Wir befinden uns in einem
davon angetan. Lord Harlech, der damalige britische Zeitalter der Beschränkungen, wird gesagt. DiejeniBotschafter in Washington, stellte fest: "Jeder wollte gen unter uns, die jene Jahre erlebten, werden jedoch
damals, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle nie die Stimme mit dem Bostoner Akzent vergessen,
übernahmen. Es gefiel ihnen, Präsident Kennedy als die uns drängte, die Dinge zu tun, die getan werden
führenden Politiker der westlichen Welt zu haben".
müssen, um das Leben für die ganze Menschheit zu
dem zu machen, was es sein sollte.
Es ist ein Tribut an die bemerkenswerte Weitsicht
Präsident Kennedys, daß selbst nach dem Ende des Wäre er nicht vor 30 Jahren ermordet worden, wäre er
Kalten Krieges viele der Fragen, die er Anfang der natürlich nicht länger jung und vielleicht nicht einmal
sechziger Jahre so energisch ansprach, 30 Jahre mehr kraftvoll. Aber ich wage zu behaupten, daß er
später immer noch auf der Tagesordnung stehen: Die immer noch engagiert wäre und sich weiterhin der
Notwendigkeit der Eindämmung der Weiterverbrei- unvollendeten Tagesordnung der Menschen für Frietung von Atomwaffen, der Kampf um rassische Ge- den und Fortschritt widmen würde.
rechtigkeit, die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich.
In einer Rede sprach er einst über seine Hoffnungen
Unweigerlich fragen wir uns, in was für einem Land, in für Amerika, und diese Worte sind auch im Jahr 1993
was für einer Welt wir leben würden, wäre John F. noch von Bedeutung:
Kennedy nicht gestorben - eine quälende Frage der
Geschichte. Der französische Botschafter zitierte bei "Ich sehe einer großen Zukunft für Amerika entgegen,
Kennedys Tod Stendhal: "Er verkörperte eine wunder- einer Zukunft, in der unser Land seine militärische
Stärke unserer moralischen Zurückhaltung anpassen
bare Hoffnung."
wird, seinen Wohlstand unserer Klugheit, seine Macht
Genau das verfolgt Kennedys Generation noch heute unserem Ziel. Ich sehe einem Amerika entgegen, das
- die unerfüllten Hoffnungen, der Schmerz unerfüllter keine Angst vor Anmut und Schönheit hat, das die
Träume. Für uns wurde er zu einer Metapher - nicht Naturschönheiten schützt, das die alten großen amenur für die Zerbrechlichkeit von Hoffnungen, sondern rikanischen Häuser, Plätze und Parks unserer nationalen Vergangenheit bewahrt und das schöne und gut
auch für die schreckliche Unsicherheit des Lebens.
geplante Städte für unsere Zukunft bauen wird. Ich
Adlai Stevenson, der amerikanische Botschafter bei sehe einem Amerika entgegen, das Errungenschaften
den Vereinten Nationen, sprach über dieses Gefühl der Künste belohnt, wie wir Errungenschaften in Wirtverlorener Hoffnung in der vielleicht eloquentesten, schaft oder Staatskunst belohnen... Ich sehe einem
kurz nach John F. Kennedys Tod gehaltenen Gedenk- Amerika entgegen, dem auf der ganzen Welt Respekt
rede. "Präsident Kennedy", erklärte er, "war so sehr gebührt, nicht nur wegen seiner Stärke, sondern auch
ein Mann unserer Zeit, engagierte sich so für unsere wegen seiner Zivilisation. Und ich sehe einer Welt
Welt, gehörte so in unsere Zeit, reagierte so stark auf entgegen, die nicht nur Demokratie und Vielfalt schützt,
ihre Herausforderungen, daß er wie das Symbol der sondern auch die Leistung des einzelnen."
Vitalität und Lebensfreude schien, die der Wesensge-

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