<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2324" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2324?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:07:55+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2335">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/a0e8e387acff05463f1587e919818046.pdf</src>
      <authentication>cfbc3fd4e05c4cfc3c81d1b18108694b</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="11928">
                  <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^
Information^*
United States
d ste.;3S of Americ»
Embassy of tiie
U31S USRAHY

^r,0N ^

Z12462 C

Deichmanns Aue ^s

53170 Bonn
3. November 1993

44

HANDEL

NAFTA SOLL 200.000
ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der
John F. Kennedy Library

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor

WETTBEWERB

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis

USIA

ZUSAMMENARBEIT IN
NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey

DROGEN

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN
ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der
UN-Generalversammlung

PORTRÄT

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�HANDEL
3. November 1993

NAFTA SOLL 200.000 ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN
Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library
BOSTON - (AD) - In einer Rede am 29. Oktober 1993 in der John F. Kennedy Library erklärte Präsident Clinton,
das Abkommen über die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) werde bis zum Jahr 1995 ungefähr
200.000 neue Arbeitsplätze schaffen und einen riesigen neuen Markt öffnen. Der Präsident stellte fest: "In noch
viel stärkerem Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Au ßenund Innenpolitik. Millionen unsererbesten Arbeitsplätze stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit,
Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur Schaffung
von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit unseren
Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir das inoffizielle Transkript der Rede Präsident Clintons.

Vielen Dank für Ihre bewegenden Worte, Senator
Kennedy, und für Ihre Freundschaft und Führung. Ich
begrüße Jacky, Caroline, John und alle anderen
anwesenden Mitglieder der Familie Kennedy. Herr
Kongreßabgeordneter Kennedy, ich danke Ihnen für
ihre ausgezeichneten Ausführungen. Ich heiße die
Senatoren, Mitglieder des Kongresses und hier vertretenen Gouverneure sowie alle an diesem historischen
Tag Versammelten willkommen.

flüchtige Zeit John F. Kennedys unter uns einzigartig in
der Geschichte unserer großen Nation.
Er war nur 1.000 Tage lang unser Präsident, aber wie
die M itglieder seiner Familie so beredt darlegten, hat er
unsere Einstellung gegenüber unserem Land, unserer
Welt und unseren zukünftigen Verpflichtungen geändert. Er nahm die Amerikaner mit auf das gewagte
Abenteuer, das er "New Frontier" nannte. Damals
äußerte er: "Die New Frontier, von der ich spreche, ist
kein Versprechen, sondern eine Herausforderung. Sie
faßt nicht das zusammen, was ich dem amerikanischen Volk anbieten, sondern was ich ihm abverlangen will." Er brachte Millionen von uns dazu, persönlich die Verantwortung dafür zu übernehmen, unser
Land voranzubringen und die Sache der Freiheit auf
der ganzen Welt zu fördern. Er überzeugte uns, daß
unsere Bestrebungen sowohl aufregend als auch lohnend sein würden. Er erinnerte uns daran, daß unsere
Demokratie ein kühnes und gewagtes Abenteuer ist.

Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich heute wie zu
Hause fühlte, als ich aus meinem Auto stieg und die
Band von Harvard den Yale Song spielte. Es erinnerte
mich an die Zeit, als Präsident Kennedy seinen Abschluß in Yale machte und feststellte, er hätte weder
auf das eine noch das andere verzichten müssen: Eine
Ausbildung in Harvard und einen Abschluß in Yale. Ich
hatte die Band von Harvard und den Song von Yale.
Harvard hat sehr hohe Maßstäbe. Man hat mir dort
noch keinen akademischen Grad angeboten. Aber für
einige von uns ist Musik wichtiger als ein UniversitätsSeit der dreijährigen Amtszeit Präsident Kennedys
abschluß.
sind drei Jahrzehnte vergangen, aber seine Legende
Der große Sieger in der irischen Mythologie war der lebt weiter an den New Frontiers, die wir noch erforjunge Krieger Cu Chulainn. Der Legende zufolge war schen.
er ein Held, der unter den Sterblichen seinesgleichen
suchte. Eines Tages sagte ihm ein Priester: "Du wirst Denken Sie an seinen Aufruf zu religiöserToleranz vor
glorreich und berühmt sein, aber ein kurzes Leben den Baptistenpredigern in Houston und erinnern Sie
haben." Cu Chulainn erwiderte: "Selbst wenn ich nur sich daran, daß wir erst diese Woche im Senat das von
einen Tag und eine Nacht auf dieser Welt habe, reicht Senator Kennedy vorgelegte Gesetz über die Wiederes aus, vorausgesetzt mein Ruhm und meine Taten herstellung der Religionsfreiheit annahmen. Ich danke
leben weiter." Wie die Legende Cu Chulainns bleibt die Ihnen dafür, Herr Senator. Denken Sie an den Einsatz

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�Präsident Kennedys für die fundamentalen Bürgerrechte und daran, daß wir genau in diesem Jahr das
Motor Voter Act einbrachten, das seit langem wichtigste Bürgerrechtsgesetz. Und ich bin stolz darauf, daß
wir jetzt die im Hinblick auf rassische Herkunft vielfältigste Administration in der Geschichte der Vereinigten
Staaten haben.
Von der auf ihn zurückgehenden Gründung des Peace
Corps bis zur Schaffung des Corps für den Nationalen
Sozialdienst, das durch das soziale Jahr hier in seiner
Heimatstadt Boston inspiriert wurde, zieht sich wie ein
roter Faden die Herausforderung, junge Menschen zu
Höherem zu berufen. Von seinem Weltraumprogramm
bis zur Errichtung der Weltraumstation in diesem Jahr
beobachten wir die kontinuierliche Bereitschaft der
Amerikaner, selbst angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Weite des Universums zu erforschen.
Von seinem Streben nach Gesundheitsversorgung für
ältere Menschen bis zu den Bemühungen um Gesundheitsversorgung für alle Amerikaner, die in dem diese
Woche von der First Lady und mir dem Kongreß
vorgelegten Gesetz enthalten sind, zieht sich ein Faden
der Entschlossenheit, endlich eines der drängendsten
innenpolitischen Probleme in der Geschichte der Vereinigten Staaten zu lösen. Von seinen Bemühungen
um einen Vertrag über das Verbot von Atomtests bis zu
unseren Bestrebungen zur Eindämmung der Weiterverbreitung aller Massenvernichtungswaffen und der
tatsächlichen Zerlegung des Großteils der Atomwaffen weltweit sehen wir die gemeinsame Anstrengung
einer amerikanischen Führungsrolle, die Menschheit
vor der atomaren Vernichtung zu bewahren.

und wir bezahlten den Preis dafür mit einem bedrohten
Frieden, einer Beschränkung des Handels, höheren
Zöllen, der Großen Depression, einem Verlust von
Arbeitsplätzen, zerstörten Leben, dem Ansteigen des
Faschismus im Ausland und einem schrecklichen
Zweiten Weltkrieg, der mehr Opfer unter den jungen
Amerikanern forderte als jeder andere Krieg, mit
Ausnahme unseres eigenen Bürgerkriegs.
Jack Kennedy kehrte nach diesem Zweiten Weltkrieg
mit der Einsicht nach Hause zurück, daß Amerika sich
nicht zurückziehen darf. Wenn wir nicht die Ereignisse
mitbestimmen, werden wir von ihnen bestimmt - und
häufig auf eine Art und Weise, die für uns eine große
Gefahr darstellt. Eine neue Generation von Amerikanern lernte nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen
mit ihm diese Lektion. Gemeinsam bauten sie Japan
und Europa wieder auf und dämmten den sowjetischen Expansionismus ein. Sie gründeten die Institutionen für den Erhalt von Sicherheit und Wohlstand
nach dem Krieg. Und indem sie sich entschlossen,
sich nach au ßen statt nach innen zu wenden, brachten
sie dem amerikanischen Volk eine Periode wirtschaftlichen Wachstums und der Sicherheit, die einzigartig in
unserer Geschichte ist. Es entstand eine große Mittelklasse, und der Amerikanische Traum wurde im Leben
der Amerikaner Wirklichkeit, nicht nur in den Augen
ihrer Eltern.

Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Zeit großer
Entscheidungen. Das Ende des Kalten Krieges hat
eine sich wandelnde Welt hinterlassen. Das sowjetische Imperium und die Sowjetunion existieren nicht
mehr. Rußland, einst unser atomarer Gegner, ist jetzt
John F. Kennedy verkörperte die Einstellung, daß wir unser Partner beim Abbau der atomaren Bedrohung
sowohl bei Ereignissen jenseits unserer Grenzen als und der Ausweitung von Demokratie. Frühere Feindauch angesichts von Herausforderungen im Heimat- seligkeiten im Nahen Osten weichen jetzt den Verspreland viel bewirken können. Er vertrat die Ansicht, daß chungen des Friedens - ein Wandel, der letzten Monat
Millionen Menschenleben von unserer Führungsrolle für Millionen Menschen durch einen einfachen, aufseund unseren Idealen abhängen sowie unsere eigene henerregenden Händedruck greifbar wurde. Nach
Sicherheit und unser Wohlstand wiederum davon, daß Jahrzehnten der Apartheit ging der Friedensnobelwir die übrige Welt einbeziehen. Und das ist der preis an zwei führende Politiker unterschiedlicher
Grund, warum sein Bild heute immer noch in unseren Hautfarbe, die sich für eine nichtrassische Demokratie
Häusern hängt - nicht nur in den irischen Stadtbezirken in Südafrika einsetzen.
von Boston und Chicago, sondern in Dörfern und
Diese Umbrüche wurden von anderen großen VeränStädten von Afrika bis Lateinamerika.
derungen auf der Welt begleitet, in vielen Fällen sogar
John F. Kennedys frühe Jahre fielen in eine Zeit, in der angetrieben, die durch die Revolution im Kommunikadie meisten Amerikaner nicht der Meinung waren, daß tionswesen sowie den neuen Weltmarkt entstanden,
wir uns in der Welt stark engagieren sollten. Nach dem der von Unternehmergeist und hartem Wettbewerb
Ersten Weltkrieg wendeten sich die Vereinigten Staa- gekennzeichnet ist und sich mit Lichtgeschwindigkeit
ten nach innen und waren nicht bereit, die neuen verändert. Wir sehen hier überall in Amerika die
Lasten des Friedens zu tragen.
Auswirkungen - an unserem Arbeitplatz, in unseren
Familien und in unseren Städten.
Man nannte das Rückkehr zur Normalität. In Wahrheit
war es jedoch ein Rückzug von den harterkämpften Einige dieser Auswirkungen sind keineswegs vielverSchlachtfeldern, auf denen wir einen Sieg errungen sprechend. In vielen Teilen der Welt wird dem Verhatten. Kein Feuerwehrmann in Boston würde es sprechen von Frieden, Freiheit und Demokratie immer
wagen, das Löschwasser zu früh abzudrehen und ein noch entgegengewirkt. Für Millionen Menschen ist
schwelendes Haus zurückzulassen, aber genau das das Versprechen von Wohlstand immer noch eine
tat Amerika in den zwanziger und dreißiger Jahren, Illusion, nicht nur in armen Ländern, sondern zunehSeite2

AMERIKA DIENST 44

�mend auch in den prosperierenden. Hier in unserem
Land hatten wir ebenso wie in anderen reichen Ländern unsere Schwierigkeiten mit der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Erhöhung der Einkommen.
Zur Zeit führt die Technologie nicht zu Wachstum und
Wohlstand für Millionen unserer Bürger. Wir sehen
das an der zunehmenden Unsicherheit in ganz Amerika - die Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze, ihre
Gesundheitsversorgung, ihre Gemeinden, die Ausbildung ihrer Kinder und ihre Sicherheit.
Die neue Weltwirtschaft wird von Demokratie dominiert, jedoch von Kriegen und Unterdrückung beeinträchtigt. Sie wird durch neue Technologien und neue
Horizonte erweitert, jedoch durch langsames Wachstum sowie stagnierende Arbeitsplätze und Einkommen begrenzt. Dennoch ist diese neue Weltwirtschaft
unsere "New Frontier".
Unsere Generation muß jetzt ebenso wie John F.
Kennedy und seine Generation nach dem Ende des
Zweiten Weltkrieges entscheiden, ob wir uns die galoppierenden Veränderungen unserer Zeit zunutze
machen - in der besten Tradition John F. Kennedys
und der Nachkriegsgeneration - zum Wohle des
amerikanischen Volkes, oder ob wir uns von der Welt
zurückziehen und vor unseren eigenen Problemen
zurückschrecken wie nach dem Ersten Weltkrieg.
Werden wir wie die Amerikaner der zwanziger Jahre
dieses Jahrhunderts oder wie die Ende der vierziger
und Anfang der fünfziger Jahre? Werden wir wie die
Amerikaner, die John F. Kennedy zum Präsidenten
wählten, oder wie diejenigen, die der Welt den Rücken
zukehrten und den Preis dafür bezahlten?

Wir müssen dem amerikanischen Volk noch einmal
klarmachen, daß unser Erfolg zu Hause von unserem
Engagement im Ausland abhängt, daß wir uns gleichzeitig unseren Problemen zu Hause stellen und die
Welt einbeziehen müssen. In noch viel stärkerem
Ausmaß als zu Präsident Kennedys Zeiten verschwindet heutzutage die Grenze zwischen Außen- und
Innenpolitik. Millionen unserer besten Arbeitsplätze
stehen in engem Zusammenhang mit unserer Fähigkeit, Handel zu treiben sowie unsere Produkte auf der
ganzen Welt zu verkaufen, und unsere Fähigkeit zur
Schaffung von Millionen weiterer Arbeitsplätze hängt
ganz offensichtlich von unserer Zusammenarbeit mit
unseren Freunden, Nachbarn und Partnern ab, um
unsere Chancen in der Weltwirtschaft zu erhöhen. Aus
diesem Grund müssen wir uns der Konkurrenz stellen
und dürfen uns nicht zurückziehen, und aus diesem
Grund hängt unser Interesse an den Ereignissen innerhalb unserer Grenzen bis zum kleinsten Dorf oder
zur prosperierendsten Gegend einer Stadt von einem
Interesse an unseren Unternehmungen jenseits unserer Grenzen ab.

In den vergangenen Monaten stand dieses Gebot im
Zentrum der Bestrebungen dieser Administration. Wir
haben uns um die Unterstützung der Reformen in
Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion bemüht. Wir haben unsere Beziehungen
zu Japan auf eine neue Grundlage gestellt, die der
wirtschaftlichen Dynamik der Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern mehr Rechnung trägt. Wir
streben durch die GATT-Gespräche ein neues weltweites Handelsabkommen an. Es gibt jedoch kein
besseres Beispiel für unseren Versuch, die Welt einzubeziehen, als die Sicherstellung eines NordamerikaniPräsident Kennedy verstand diese durch den Wandel schen Freihandelsabkommens mit Kanada und Mexigeschaffenen Herausforderungen. Er glaubte an die ko, das bis zum Jahr 1995 200.000 neue Arbeitsplätze
Öffnung des Welthandelssystems, er glaubte aber für unser Land schaffen, einen riesigen neuen Markt
auch, daß wir Amerikas Arbeitnehmern helfen müs- eröffnen, 90 Millionen Freunde gewinnen und den Weg
sen, die keine Vorteile von der Ausweitung des Han- zur Einbeziehung ganz Lateinamerikas - mit 700 M illiodels hatten, sich an die Härten dieses Handelsund des nen Einwohnern - in ein Handelsgefüge ebnen kann,
das ihnen und uns Wohlstand bringen wird.
internationalen Wettbewerbs anzupassen.
Um den Arbeitnehmern, die aufgrund des Handels
ihren Arbeitsplatz verloren hatten, bei der Suche nach
einem neuen Arbeitsplatz behilflich zu sein, der durch
die erweiterte Weltwirtschaft geschaffen würde, legte
John F. Kennedy 1962 den Vorschlag für das vom
Kongreß erarbeitete Hilfsprogramm für Handelsanpassungen (Trade Adjustments Assistance Program)
vor. 1962 stellte er fest: "Wirtschaftliche Isolation und
eine politische Führungsrolle sind absolut nicht miteinander vereinbar. Die Vereinigten Staaten haben tiefgreifende Veränderungen für eine freie Weltwirtschaftsordnung ermutigt, um die Kräfte der Freiheit zu stärken, aber wir selbst dürfen nicht stillstehen. Wir
müssen unsere eigene Wirtschaft an die Gebote einer
sich wandelnden Welt anpassen und unsere Führungsrolle erneut bekräftigen."

AMERIKA DIENST 44

Gestern abend habe ich bei einer Versammlung von
Führungskräften in New York erklärt, wenn die Unternehmer wollen, daß die Amerikaner in Zeiten großer
Unsicherheit freien Handel unterstützen statt ihn abzulehnen, sollten sie Amerikaner unterstützen, die nicht
nur gewinnen wollen, sondern auch vorübergehend
mobil sein müssen. Sie sollten eine neue, modernere
Vision von Hilfe für Handelsanpassungen fördern, die
dieses Mal funktioniert. Sie haben kein Recht, Opfer
- und sei es nur von einem einzigen Amerikaner - zu
verlangen, es sei denn, sie tätigen gemeinsame Investitionen, damit wir im Geiste des Gemeinschaftsinteresses in diesem Land und zusammen mit Lateinamerika wachsen können.
Heute sage ich Ihnen jedoch, daß es bei unserer
Entscheidung um mehr als Dollars geht, daß ebenso

Seite 3

�wie sich die Unternehmer um ihre Arbeitnehmer kümmern und in ihre Zukunft investieren müssen, die
Amerikaner als Volk ohne Rücksicht auf ihren wirtschaftlichen Status verstehen müssen, daß unser
Schicksal als Nation von unserem kontinuierlichen
Einbeziehen anderer Nationen abhängt. Aus diesem
Grund haben hier in Boston der Kongreßabgeordnete
Kennedy und sein Vorgänger O'Neill von dem Sitz im
Kongreß aus, auf dem einst John F. Kennedy saß,
diese neue Expansion amerikanischer Interessen
unterstützt. Und ich bin der Ansicht, daß Präsident
Kennedy sie ebenfalls unterstützen würde, wenn er
diesen Sitz im Kongreß noch innehätte.
Wie Sie sich vielleicht erinnern, waren die lateinamerikanischen Länder auf dem Weg zu einer Regierung
mit größerer Rechenschaftspflicht und offeneren Volkswirtschaften, als Präsident Kennedy die Allianz für den
Fortschritt befürwortete. Dann ereigneten sich jedoch
eine Reihe von Rückschlägen und Lateinamerika erlebte eine Periode tiefgreifender Unruhen, politischer
Unterdrückung und wirtschaftlicher Zerstörung. All
dies ändert sich jetzt. Die Bestrebungen der lateinamerikanischen Länder werden belohnt: Immer mehr
Demokratien, die am zweitschnellsten wachsende
Region der Welt und der echte Wunsch, enge Freunde
von uns zu sein.
Präsident Roosevelt war ein Verfechter einer gutnachbarschaftlichen Politik gegenüber Lateinamerika.
Präsident Kennedy bezeichnete sie als Allianz für den
Fortschritt. Wir wissen, daß wir keine Politik der
schlechten Nachbarschaft haben können. Wir wissen,
daß wir nicht ein Bündnis zu unserem Schutz auf ihre
Kosten haben können. Wir wissen, daß die Menschen,
die unsere Produkte kaufen und an unserer Zukunft
teilhaben wollen, eine Chance haben sollten, uns bei
der Lösung unserer Probleme im Inland behilflich zu
sein, selbst während wir ihnen dabei helfen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

und an dem Leid unserer Zeit beteiligen aus Furcht vor
dem Urteil, wir hätten nicht gelebt. Niemand würde je
eine solche Anschuldigung gegen John F. Kennedy
erheben.
Dies ist unsere Stunde der Entscheidung. Dies ist das
Ende des Kalten Krieges. Dies ist der Anbruch des 21.
Jahrhunderts. Es gibt zahlreiche komplexe, frustrierende Probleme, die sehr einfache, tiefgehende und
häufig schmerzliche Auswirkungen auf das Leben der
Menschen haben, denen wir alle dienen wollen. In
diesen Momenten müssen wir jedoch unseren tiefsten
Werten, unseren stärksten Überzeugungen auf den
Grund gehen und andere einbeziehen, nicht uns entziehen.
In diesen Momenten wird unser individueller und unser
nationaler Charakter auf die Probe gestellt. Die uns
heute gemeinsamen Probleme werden von anderen
modernen Nationen geteilt. Niemand kennt all die
Antworten. Aber eines wissen wir: Wir werden die
Antworten niemals finden, wenn wir nicht die Reise
fortsetzen. Wenn wir uns zu einem Weg erwiesenen
Scheiterns zurückwenden, werden wir nie wissen, was
wir in einem neuen und anderen Zeitalter geworden
wären, in dem zum Glück meine Tochter, Ihre Kinder
und unsere Enkelkinder hoffentlich endlich von der
Angst der nuklearen Zerstörung befreit sein werden
und wo sich zumindest ein Großteil des uns konfrontierenden Wettbewerbs auf das gründet, was wir denken
und nicht auf das, was wir in Form von Waffen in den
Händen halten.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, trotz
all der Schwierigkeiten ist dies ein Zeitalter, in dem
viele Generationen unserer Vorfahren nur zu gerne
gelebt hätten. Dies sind die Herausforderungen, denen
sich so viele unserer Vorfahren allzu gerne gestellt
hätten. Wie können wir uns von ihnen abwenden?

Wir sind es John F. Kennedy heute in diesem Museum
Wir sollten nicht ein Signal aussenden, daß wir unse- schuldig, es nicht nur in unseren Gedanken, sondern
ren Nachbarn und der übrigen Welt den Rücken keh- auch mit unseren Taten zum Leben zu erwecken. Wir
ren, indem wir dieses Abkommen zu Fall bringen. Wir wollen uns der Zukunft mit aller Kraft stellen. Wir
sollten die Menschen hier in unserer Heimat - in ganz wollen niemals zu wenig von uns selbst erwarten. Wir
Amerika - einbeziehen, die dieses Unternehmen nicht wollen niemals zu wenig von den anderen erwarten.
unterstützen, weil sie von den wirtschaftlichen Verän- Wir wollen niemals vor dem Vermächtnis der Generaderungen der vergangenen 15 Jahre hart betroffen tionen von Amerikanern davonlaufen, die den Weg
waren und ihre Rufe, ihr Leid und ihre Frustration von geebnet haben. Wir wollen mehr wie die Amerikaner
ihren nationalen Regierungen nicht wahrgenommen sein, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hause
wurden. Wir wollen sie beachten, jedoch nicht ein zurückkehrten und weniger wie diejenigen, die sich
Patentrezept auf ihre gerechtfertigten Beschwerden nach dem Ersten Weltkrieg zurückzogen. Das
anwenden, das ihre Probleme verschärft. Wir wollen 21 Jahrhundert kann unser Jahrhundert sein, wenn wir
uns in der Welt ausbreiten und in ihre Zukunft hier in es mit der Energie, Entschlossenheit, Klugheit, dem
unserem Land investieren. Wir können beides tun: tiefen Vertrauen und der Lebensfreude angehen, die
John F. Kennedy Amerika im Jahr 1960 gegeben hat.
Das ist die richtige Antwort.
Senator Kennedy hat Richter Holmes zitiert. Er hat
einmal gesagt, wir alle müßten uns an den Aktionen

Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* *
Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�HANDEL
3. November 1993

REGIONALE ABKOMMEN ERLEICHTERN
WELTHANDEL
von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Kantor ist der amerikanische Handelsbeauftragte. Der nachfolgende Artikel
erschien erstmals am 13. Oktober 1993 unter einem anderen Titel in der Financial Times und am 3. November
1993 in leicht gekürzter Fassung in DIE WELT.

Im November werden die Vereinigten Staaten in Seattle ein äußerst wichtiges Treffen - das Forum für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asian Pacific Economic Cooperation - APEC) veranstalten, bei dem die Außen- und Wirtschaftsminister
zusammenkommen, und eine Sitzung der Staats- und
Regierungschefs des APEC anberaumen.

Ostasien ist der Exportmarkt Nummer eins für amerikanische Produkte. Das Volumen des transpazifischen Handels der Vereinigten Staaten war doppelt so
groß wie das ihres transatlantischen Handels 1992.

Seit 1989 haben die amerikanischen Exporte nach
Lateinamerika und in die Karibik um über 50 Prozent
und mehr als doppelt so schnell zugenommen wie die
Obwohl die meisten noch nie vom APEC gehört haben, Exporte der Vereinigten Staaten in die übrige Welt,
möchte ich wetten, daß sich dies in den nächsten wodurch diese Region zu unserem am zweitschnellJahren ändern wird. Als neue Organisation gewinnt sten wachsenden Markt wurde. Lateinamerika wiedas Forum an Bedeutung und übernimmt eine größere derum ist ein wachsender Markt für amerikanische
Produkte - 43 Prozent der lateinamerikanischen ImRolle bei der Erleichterung des Handels in Asien.
porte kommen aus den Vereinigten Staaten.
In der Zwischenzeit haben wirdie Verhandlungen über
Zusatzvereinbarungen zum Nordatlantischen Freihan- Während die Volkswirtschaften der Welt sich zunehdelsabkommen (North American Free Trade Agree- mend öffnen, nehmen die protektionistischen Impulse
ment - NAFTA) über Umwelt und Arbeitsbedingungen in Europa zu, insbesondere in den Bereichen Automoabgeschlossen und arbeiten auf die Verabschiedung bilindustrie und Landwirtschaft.
der Zusätze im amerikanischen Kongreß hin.
Das jüngste Beispiel ist Frankreichs Beharren auf
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, daß erden einer Neuverhandlung des Blair-House-Abkommens,
Beitritt weiterer südamerikanischer Länder zum NAF- das an die Produktion gebundene Agrarsubventionen
TA unterstützt, angenommen, sie haben die geeigne- abbauen würde. Die französische Position, die die
ten Schritte zur Öffnung und Erweiterung des Handels gesamte Uruguay-Runde gefährdet, wird von prakunternommen, um Arbeitsplätze zu schaffen und tisch jedem Land abgelehnt.
Wachstum anzukurbeln.
Angesichts dieser Situation fragen sich einige, ob die
Mit APEC und NAFTA profitieren die Vereinigten Staa- Vereinigten Staaten sich von Europa abwenden ten von den beiden am schnellsten wachsenden ihrem Verbündeten und engen Handelspartner seit
Gebieten der Welt: Asien und Lateinamerika. Viele Jahrzehnten. Andere sind besorgt, daß die Welt in
dieser Länder haben sich in den vergangenen Jahren eine Periode regionaler Handelsblöcke eintritt, die
entschieden, die Kontrolle ihrer Volkswirtschaften und miteinander konkurrieren.
die Fesseln ihres politischen Systems abzulegen.
Die Vereinigten Staaten werden solange wir vorausDie asiatisch-pazifische Region hatte 30 Jahre lang blicken können eine aktive Rolle in Europa spielen. In
das schnellste Wachstum der Welt zu verzeichnen. Europa besteht unser Wunsch in besserem Zugang für

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�amerikanische Waren und nicht darin, daß sich ame- Volkswirtschaft der Welt verpflichtet sowie der Verbesrikanische Unternehmen auf andere Teile des Erdballs serung der Chancen für amerikanische Arbeitnehmer,
konzentrieren. Wenn Europa Bestrebungen zur Er- hochbezahlte und hochwertige Arbeitsplätze zu beweiterung des Handels blockiert, wird es sich selbst kommen.
am meisten schaden. Der Handel der Vereinigten
Staaten mit Asien und Lateinamerika wird weiter zu- Wir sehen uns schließlich der Tatsache gegenüber,
daß unsere Volkswirtschaft sowie die Weltwirtschaft
nehmen, und Europa wird ausgeschlossen.
im Wandel begriffen sind. Die Volkswirtschaften der
Im Hinblick auf das Interesse an regionalen Handels- Welt sind nicht länger in sich geschlossen. Wir alle
abkommen sind diese zu einem neuen Bindeglied im stehen im Wettbewerb in einer Weltwirtschaft, in der
Welthandelssystem geworden. Tatsache ist, daß sie Kapital und Technologie mobil sind. Diese Tendenz
Bestand haben müssen. Die Frage lautet, ob sie den hält an. Die Frage ist nicht, ob wiruns an sie anpassen,
Welthandel erleichtern oder behindern und zu konkur- sondern wie.
rierenden Blöcken führen werden.
Unsere wirtschaftliche Strategie zum Abbau unseres
Die Clinton-Administration vertritt die Auffassung, daß Haushaltsdefizits, die Gesundheitsreform, eine effisie in zweierlei Hinsicht zur Erleichtern ng des Welthan- zientere Regierungsführung, Änderungen im Bildungsdels genutzt werden können. Erstens können sie die und Erziehungswesen, Ausbildung der Arbeitnehmer
Entwicklungsländer auf den Beitritt zum Welthandels- und technologische Investitionen verfolgen allesamt
system vorbereiten. Zweitens können sie den Welt- das gleiche Ziel: den Aufbau einer produktiveren und
handel ergänzen und Verhandlungen in Gang bringen. konkurrenzfähigeren Wirtschaft.
Beispielsweise ist eine der wichtigsten handelspolitischen Prioritäten dieser Administration - wenn nicht
die wichtigste überhaupt- der Abschluß der UruguayRunde und im Anschluß daran weitere Gespräche
über den Abbau der Handelsschranken weltweit.
Die Uruguay-Runde zog sich über mehrere Jahre hin
- eine absurd lange Zeit, insbesondere da sie großenteils von einer weltweiten Rezession gekennzeichnet
war, die durch einen aus dem Abschluß der Runde
resultierenden Abbau von Handelshemmnissen abgemildert worden wäre.
Fragen, die in künftigen GATT-Verhandlungen angesprochen werden, wie umweltpolitische Zusammenarbeit und Investitionen, sollen von den Mitgliedstaaten
des APEC erörtert werden. Die Vereinigten Staaten
werden soweit ihnen das möglich ist bei regionalen
Handelsgesprächen ein Thema zur Sprache bringen,
wenn in dieser Hinsicht bei den globalen Gesprächen
keine Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten Staaten unterstützen ein stärkeres,
aktiveres APEC, das ein Forum für Konsultationen
über Handelspolitik und die Ausweitung von Handel
und Investitionen werden soll mit dem Ziel, die Handelsschranken in der Region abzubauen und das
multilaterale System zu unterstützen. Obwohl das
APEC noch in der Entwicklung begriffen ist, wurde
bereits offensichtlich, daß es sich zu einer solchen
Organisation entwickelt.
Die Handelspolitik der Clinton-Administration basiert
auf einer neuen Realität: Wir leben in der Weltwirtschaft nach dem Kalten Krieg. Wir sind dem Aufbau
der stärksten, produktivsten und konkurrenzfähigsten

Unsere Handelspolitik ist ein essentieller Bestandteil
dieser Strategie. Die Öffnung neuer Märkte ist der
Schlüssel für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und
für Wirtschaftswachstum.
Aus diesem Grund suchen die Vereinigten Staaten
nach Chancen in schnell wachsenden Regionen, beispielsweise Asien und Lateinamerika, in der Hoffnung,
daß neue Handelsvereinbarungen dort die Chancen
für amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer
erhöhen und gleichzeitig die multilateralen Gespräche
voranbringen werden.
Die Existenz einer neuen Weltwirtschaft ist auch für
europäische Arbeitnehmer eine Tatsache. Man sollte
sich vor Augen führen, daß der Abschluß von Gesprächen wie der Uruguay-Runde für die europäischen
Arbeitnehmer und Konsumenten von Vorteil ist.
Diese regionalen Handelsvereinbarungen - das NAFTA, ein wirkliches Freihandelsabkommen, das APEC,
ein Forum für Diskussionen unter den dynamischsten
Volkswirtschaften der Welt - stellen das fortgesetzte
Wachstum dieser Nationen und ihre Eingliederung in
das Welthandelssystem sicher.
Zusätzlich sorgen diese Vereinbarungen dafür, daß
das Streben nach demokratischeren Regierungen und
offeneren politischen und wirtschaftlichen Systemen,
die das lebhafte Wachstum in Asien und Lateinamerika auslösten, andauert.
Wir kehren unserer alten Verantwortung in Europa
nicht den Rücken zu. Wir begrüßen die neue Verantwortung und das Engagement in Asien und auf dem
amerikanischen Kontinent.
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�WETTBEWERB
3. November 1993

WETTBEWERB BEWIRKT
PRODUKTIVITÄTSVORTEILE DER USA
von William Lewis
William Lewis ist Partner des Washingtoner Büros der Wirtschaftsberatungsfirma McKinsey &amp; Company, Inc.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals im Wall Street Journal und wurde ebenfalls in der Financial Times
vom 22. Oktober 1993 zitiert.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal. Copyright (c) 1993
Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Es werden viele Gründe vorgebracht, warum Industriezweige eines Landes international wettbewerbsfähig werden. Die Debattierenden jeglicher Couleur
scheinen sich jedoch bezüglich einer Tatsache einig zu
sein: Die Vereinigten Staaten hinken hinter ihren
internationalen Wirtschaftskonkurrenten Deutschland
und Japan her, wenn es um die gute altmodische
Herstellungsweise von Sachen geht. Wenn man hohe
Qualität, Superproduktivität, ausgezeichnete Technik
und handwerkliches Können will, finden sich die beispielhaften Modelle in Stuttgart oder Osaka, nicht in
Cleveland. So lautet zumindest die Binsenwahrheit.

Japan führt in fünf Industriezeigen: Autos,
Autoteile, Unterhaltungselektronik, Metallverarbeitung und Stahl.
Die Vereinigten Staaten nehmen in vier Industriezweigen eine Führungsrolle ein: Computer,
Nahrungsmittelverarbeitung, Seife und Reinigungsmittel sowie Bier - und haben bei Autos
gut aufgeholt.
Bemerkenswerterweise führt Deutschland in
keinem Industriezweig und liegt bei sechs von
neun Bereichen weit abgeschlagen an dritter
Stelle, einschließlich Autos und Autoteilen Bereichen, in denen Deutschland häufig als
exemplarisch bezeichnet wird.

Meine Kollegen und ich haben diese Binsenwahrheit
kürzlich auf die Probe gestellt, indem wir die Arbeitsproduktivität in neun repräsentativen Fertigungsindustrien in Deutschland, Japan und den Vereinigten
Weil mehr Japaner in der NahrungsmittelverarStaaten miteinander verglichen: Autos, Autoteile,
beitung als in der Produktion von Stahl, Autos,
Metallverarbeitung, Stahl, Computer, UnterhaltungsAutoteilen und der Metallverarbeitung insgeelektronik, Seife und Reinungsmittel, Bier sowie Nahsamt beschäftigt sind, ist der ermittelte Durchrungsmittelverarbeitung. Wir haben Bereinigungen
schnitt der Produktivität japanischer Arbeitnehbei der Produktqualität und den Konjunkturschwanmer in diesen neun Fallstudien tatsächlich niedkungen vorgenommen. Die Ergebnisse dieser vom
riger als der der Vereinigten Staaten und etwas
McKinsey Global Institute durchgeführten Studie sind
höher als der Deutschlands. Nimmt man die
erhellend - nicht nur aufgrund der Fakten, die sie
Vereinigten Staaten als einen Index von 100,
enthüllen und schaffen, sondern auch wegen der dieergibt sich eine Arbeitsproduktivität Japans von
sen Tatsachen zugrundeliegenden Erklärungen. In83 und Deutschlands von 79.
ternationale Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch schlicht
und einfach ein bißchen wie Tennis: Man wird besser, Das Gefälle zwischen der jeweiligen Industrieprodukindem man mit Leuten spielt, die besser als man selbst tivität ist erstaunlich groß. Japan nimmt bei der Stahlsind.
produktion immer noch mit nahezu 50 Prozent eine
Führungsrolle in der Welt ein. Die amerikanische

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�Nahrungsmittelindustrie liegt um fast 70 Prozent vor
der japanischen. Und die deutsche Bierindustrie hinkt
selbst nach Qualitätsunterschieden bereinigt um mehr
als 50 Prozent hinter den Vereinigten Staaten her.

Vorschriften zu Handel und Investitionen sowie von
der Struktur des Marktes für Unternehmenskontrolle
ab. Von den drei Ländern stehen die Vereinigten
Staaten im Hinblick auf den Wettbewerb bei Handel,
Standortverlagerungen (ausländische DirektinvestitiDas ist an sich schon bemerkenswert. Angesichts des onen) sowie Fusionen mit ausländischen Unternehtechnologischen Know-how und im wesentlichen men und Übernahmen an erster Stelle. Obwohl die jamobilem Kapital zwischen Deutschland, Japan und panische Schwer- und Unterhaltungselektronikinduden Vereinigten Staaten und mit Arbeitnehmem in strie im eigenen Land nicht durch Handel oder Kapitaldiesen drei Marktwirtschaften, die sich im Hinblick auf märkte der Konkurrenz ausgesetzt ist, trifft das auf
Ausbildungsstand und Gesundheit nicht signifikant anderen Märkten aufgrund von Handel und ausländiunterscheiden, scheint die Annahme gerechtfertigt, schen Direktinvestitionen im wesentlichen zu.
daß die Produktivität in diesen drei Ländern 1990-45
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg - ziemlich gleich ist. Im Unterschied dazu muß sich die von geringer ProUm zu verstehen, warum dies nicht der Fall ist - und um duktivität gekennzeichnete japanische Fertigungsinherauszufinden, ob die großen Unterschiede bei der dustrie praktisch nicht dem internationalen WettbeArbeitsproduktivität innerhalb dieser Industriezweige werb stellen. Dasselbe gilt für Deutschland, wo die
Chancen für die Hinterherhinkenden bieten, aufzuho- Hersteller fast nur innerhalb Europas konkurrieren
len - ermittelten wir die Ursachen des Produktivitätsge- müssen. Die freiwilligen Selbstbeschränkungsabkomfälles in jedem der neun Industriezweige.
men zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
Japan bieten beispielsweise einen maßgeblichen Schutz
Warum ein Prodktivitätsgefälle? Herkömmliche Erklä- der Automobil- und metallverarbeitenden Industrie.
rungen wie etwa unterschiedliche Fertigungstechnolo- Zudem ist es aufgrund verfahrensrechtlicher Hemmgien und Kostenersparnisse durch optimale Betriebs- nisse schwierig, in traditionellen Industriezweigenden
vergrößerungen spielen bei der Erläuterung des Gefäl- Standort des Unternehmens nach Deutschland zu
les in der Metallverarbeitung, Stahlindustrie, Verarbei- verlagern. Und schließlich bewirken die Aktienanteile
tung von Nahrungsmitteln und bei der Bierherstellung und Vollmachten der führenden Banken bei Abstimeine Rolle. In anderen Bereichen lassen sich diese mungen in Deutschland, daß der Kapitalmarkt für
Faktoren zur Rechtfertigung des Gefälles jedoch nur Fusionen mit ausländischen Unternehmen und Überbedingt anführen. Genausowenig sind es Ausbildung nahmen praktisch geschlossen ist. Infolgedessen
und Qualifikation der Vorarbeiter. In jedem dieser konkurrieren die deutschen Produzenten vornehmlich
Länder sind die Arbeitnehmer mehr oder weniger auf regionaler, nicht auf globaler Ebene. Der Zwang zu
gleich qualifiziert. Es sind auch nicht die Kosten der Innovationen ist gering.
Rohstoffe, die weltweit im wesentlichen gleich hoch
sind. Es scheint, daß hohe Produktivität die Fähigkeit Was geschieht nun mit den Innovationen? DerMechavon Managern stimuliert, neue und immer effizientere nismus zur Übertragung dieser ProduktivitätsverbesWege zur Produktfertigung zu erfinden und die der serungen von Unternehmen zu Unternehmen und von
Techniker, leicht herzustellende Produkte zu entwer- Nation zu Nation macht sich ebenfalls bemerkbar.
fen.
Ausländische Direktinvestitionen - Standortverlagerung - spielen die zentrale Rolle bei UnternehmensnieWeder in der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie derlassungen im Ausland. Tatsächlich tragen auslännoch in der japanischen Automobilindustrie gelangen dische Direktinvestitionen in viel stärkerem Ausmaß
die Manager und Ingenieure zu diesen Innovationen, als der Handel zu Produktivitätserhöhungen bei, insweil sie härter arbeiten, klüger oder besser ausgebildet besondere in Deutschland und den Vereinigten Staasind als ihre Kollegen in anderen Ländern. Nein. Sie ten.
tun es, weil sie müssen. Sie sind hartem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, bei dem das konstante Niederlassungen führender Hersteller im Ausland
Erweitern der Produktivitätsgrenzen der zu bezahlentragen direkt zu einer Erhöhung der inländide Preis ist.
schen Produktivität bei,
Das Gegenteil trifft ebenfalls zu. Die meisten Unterbeweisen, daß durch Einsatz der vor Ort vornehmen mit niedrigerer Produktivität werden von den
handenen Arbeitskräfte und des Input größtRegierungen vor den schmerzlichen Härten des intermögliche Produktivität erzielt werden kann,
nationalen Wettbewerbs geschützt. Die neun Industriezweige haben eines gemeinsam: Internationale
erhöhen den Konkurrenzdruck auf andere inlänKonkurrenz führt zu hoher Produktivität, Protektionisdische Produzenten und
mus zu Stagnation.
übertragen durch natürliche PersonalbewegunDas Ausmaß, in dem sich die Industrien weltweitem
gen das Wissen über die besten Verfahren auf
Wettbewerb stellen, hängt von den Gesetzen und
andere inländische Produzenten.

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�Zudem stoßen ausländische Direktinvestitionen auf Produktivitätsunterschiede bei internationalen Indugeringere politische Opposition als Handel, weil sie striezweigen bedeuten große Chancen für hochproArbeitsplätze schaffen statt sie zu zerstören. Folglich duktive Unternehmen. Mit Hilfe ausländischer Direktwerden sie in den kommenden Jahren wahrscheinlich investitionen konnten diese führenden internationalen
stärker anwachsen als der Handel.
Produzenten den örtlichen Unternehmen zwar große
Marktanteile und Gewinne abnehmen, haben aber
Montagestätten japanischer Automobilhersteller in den auch den Lebensstandard in den Gastländern gehoVereinigten Staaten waren von besonderer Bedeu- ben. Ihre erhöhte Produktivität resultiert in höheren
tungfür die Verbesserung der inländischen Produktivi- Löhnen, besseren und sichereren Arbeitsplätzen für
tät sowie als Anreiz für amerikanische Produzenten - die Arbeiter in den Niederlassungen und der Umgeinsbesondere Ford - zur Erhöhung ihrer Produktivität. bung. Staatlicher Schutz oder die Loyalität der örtliVerlagerte amerikanische Computeruntemehrnen haben chen Konsumenten sind keine verläßliche Grundlage
seit der Entstehung dieses Industriezweiges zu sub- für eine langfristig gesunde Wirtschaft oder die weitere
stantieller Produktion in Europa geführt. Im Jahr 1990 Existenz unproduktiver regionaler Unternehmen.
entfielen 56 Prozent der Gesamtproduktion in der Letztlich tragen die produktivsten Firmen den Sieg
Computerindustrie Europas auf ausländische Nieder- davon.
lassungen. Es ist vor allem auf sie zurückzuführen,
daß Deutschlands Produktivität im Computerbereich Was wird mit der deutschen Automobilindustrie genahezu an die amerikanische und japanische heran- schehen, wenn in Großbritannien angesiedelte japanireicht. Außerdem haben multinationale Seifen- und sche Unternehmen ihre Autos in großer Zahl auf das
Reinigungsmittelhersteller, einschließlich Colgate- europäische Festland exportieren? Oder mit der japaPalmolive, Procter &amp; Gamble sowie Unilever bedeu- nischen Nahrungsmittelindustrie, wenn internationale
tende Produktionsstätten in nahezu allen Märkten.
Nahrungsmittelgiganten Fuß fassen? Fragen Sie die
amerikanische Stahl- oder Automobilindustrie. LedigObwohl das Produktivitätsgefälle wirkliche Chancen lich im regionalen Wettbewerb zu bestehen, reicht
fürdie hinterherhinkenden Industrien bietet, die besten nicht aus, wenn die besten Praktiken in anderen Teilen
Praktiken zu lernen und einzuführen, weist es auch auf der Welt greifbar nahe sind.
eine entscheidende Wettbewerbsgefahr hin. Große

*

AMERIKA DIENST 44

* * *

*

Seite 3

�USIA
3. November 1993

ZUSAMMENARBEIT IN NEUEN NATIONEN
Rede von USIA-Direktor Duffey
CHICAGO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Direktor des US-Informationsamts (United States
Information Agency - USIA), Joseph Duffey, am 5. Oktober 1993 vor dem Executive Club of Chicago gehaltene
Rede mit dem Titel: "Zusammenarbeit in neuen Nationen - Offene Türen, offene Märkte und geistige Offenheit:
Warum Außen- und Innenpolitik heute 'zwei Seiten derselben Medaille sind'".

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag der
Gründung des US-Informationsamts. Das Amt wurde
von Präsident Eisenhower ins Leben gerufen und
entstand aus dem ehemaligen Büro für Kriegsinformation der Regierung, einer Institution, deren Aufgabe
darin bestand, die amerikanische Öffentlichkeit und
das Ausland im Hinblick auf bestimmte außenpolitische Ziele unserer Nation zu beeinflussen. Das Motto
von USIA in den folgenden Jahren lautete: "Der Welt
die Geschichte Amerikas erzählen".
Wie alles andere in unserem nationalen Leben wurde
auch USIA Teil des Kampfes im Kalten Krieg. Es gab
Tage, an denen wir Studenten in anderen Teilen der
Welt zu überzeugen versuchten, an die Universitäten
Northwestern und DePaul zu kommen, während die
Sowjetunion sie für die Lumumba Universität in Moskau gewinnen wollte.

gleich näher darauf eingehen - bei der Erfüllung menschlichen Strebens und der Schaffung von Wohlstand
sind.
Wir versuchen, dieses Amt neu zu definieren - und
dieser Prozeß ist seit einiger Zeit in Gang. Ich kann ihn
vielleicht am besten beschreiben, indem ich ein bißchen über das spreche, was Präsident Clinton dem
amerikanischen Volk im Hinblick auf das Verständnis
unserer heutigen Außenpolitik zu vermitteln versucht.
Vor einem Jahr haben wir den 500. Jahrestag der
Entdeckung der Neuen Welt durch Christopher Columbus gefeiert - oder "markiert" wäre vielleicht der
bessere Ausdruck.

Der 400. Jahrestag wurde im Jahr 1893 hier in Chicago
ein Jahr nach dem tatsächlichen Jahr weniger kontrovers mit der Weltausstellung gefeiert, einem äußerst
Es waren die Jahre, in denen einige von uns sich mit wichtigen Ereignis in der Geschichte Chicagos. Vor
auswärtigen Angelegenheiten befaßten, bei denen wir 100 Jahren war Chicago die ideale Stadt, um das
anscheinend einen Kampf der Titanen darum kämpf- Wachstum und die Stärke Amerikas zu demonstrieten, ob die zweite Sprache in der Dritten Welt Russisch ren. Einem Historiker zufolge war Chicago schon
damals eine Stadt, die alles überdimensional und
oder Englisch sein sollte.
schnell machte.
Am Ende dieser Periode sieht sich USIA plötzlich mit
der Frage konfrontiert, die uns allen durch den Kopf Ein prominenter Bostoner, Charles Francis Adams,
geht: Wie passen wir uns an die Welt an, in der wir schrieb 1893 über Chicago: "Es war eine junge Stadt
im Westen, die sich instinktiv mit Herz und Seele dem
heute leben, und wie definieren wir sie neu?
Schwung ihrer Zeit verschrieben hatte. Sie hatte die
Kurz gesagt bin ich der Ansicht, in der Welt zeichnet bahnbrechende Tatsache erkannt, daß Dampf die
sich jetzt die wachsende Erkenntnis der Menschen in Welt revolutionierte und ihre gesamte Existenz auf die
allen Ländern ab - nicht in ideologischer, sondern in Macht der modernen Zeiten gebaut."
sehr pragmatischer Hinsicht - daß freie und demokratische Institutionen, repräsentative Institutionen und Chicago war und ist eine stolze Stadt. Es ist die einzige
offene Marktwirtschaften die zwei am besten geeigne- mir bekannte Stadt, in der die Taxifahrer einem erzähten Mechanismen zur Zusammenarbeit - ich werde len, wie schön die Stadt ist und wie stolz sie sind. Das

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�geschieht heute nicht in vielen anderen Teilen Ameri- Nicht allzuviele Jahre später gelangte Henry Ford zu
kas. Vielleicht passiert es nur an einem hellen, sonni- der Einsicht, wenn er Autos produzieren wollte, müßgen Tag wie heute - aber ich war beeindruckt.
ten diejenigen, die sie herstellen, über ein ausreichendes Einkommen verfügen, um sie zu kaufen - eine
Es ist mir eine besondere Ehre, zu einem Treffen mit ziemlich bemerkenswerte Erkenntnis, die ebenfalls
einer Gruppe kluger und aktiver Kommunalvertreter Teil dieses explosiven Wachstums war. Wachstum
eingeladen zu sein, die die traditionelle Führungsrolle und Expansion erfolgten fast ein Jahrhundert lang in
für diese so wichtige amerikanische Stadt fortsetzen. der zweiten Ära der amerikanischen Geschichte.
Vor hundert Jahren, am 12. Juli, kam ein amerikanischer Historiker namens Frederick Jackson Turner
während der Weltausstellung nach Chicago und hielt
eine Rede, deren sich zumindest die Gelehrten als
eine Art bahnbrechenden Kommentars über ein zu
Ende gehendes Zeitalter in der Geschichte Amerikas
erinnern. Er sprach vom "Ende der Grenze". Er
verwies auf die Volkszählung von 1890, bei der die
Statistiker festgestellt hatten, daß es auf dem Kontinent keine physischen Grenzen mehr gab.

Und die meisten der heute hier Anwesenden wurden
während der letzten Jahre dieser Periode enormer
wirtschaftlicher Expansion erwachsen. Die Wirtschaft
wurde von zunehmenden Verkäufen auf überseeische
Märkte angekurbelt. Wir zählten zu den wenigen
Industrienationen der Wert und folglich unterhielten wir
keinen Handel mit der übrigen Welt - wir verkauften,
und zwar jahrzehntelang.

Städte im Süden, die Great Plains und der Far West
waren die Zulieferer und Märkte. Sie schleusten
Rohstoffe zur Industriebasis: Baumwolle aus Mobile,
Holz aus Norfolk, Metalle aus Denver, Vieh aus Kansas City. Und ihre Einwohner waren ein expandierender Markt, der Wirtschaftswachstum ankurbelte.

Die Frage lautet also, wie wir uns ein neues Kapitel,
Kapitel III, in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft vorstellen. Und in der Tat haben landesweit und
insbesondere in Chicago weitblickende Männer und
Frauen in Konferenzsälen, Gewerkschaftsräumen und
Universitäten angefangen, das Skript für das nächste
Zeitalter zu schreiben.

Unsere Wirtschaft wurde auf eine Weise stimuliert, die
Wachstum und Wohlstand hervorbrachte: Durch zwei
"Amerika", erklärte er, "ist am Ende der ersten Ära Kriege und die darauffolgende Verwüstung sowie das
seiner Evolution als Nation angelangt." Und er sprach eskalierende Wettrüsten während des sogenannten
ein wenig über die nationalen Charakterzüge, die Kalten Krieges, aber es war ein Zeitalter enormen
durch die konstanten Chancen des Erkundens und Auftriebs und der Expansion.
Vorwärtsdrängens zu einer physischen Grenze auf
diesem Kontinent geprägt wurden.
Vor einiger Zeit beobachteten wir das Ende dieser Ära
raschen Wachstums in unserer Wirtschaft. Kapitel II in
Die auf das Ende der Grenze folgende Periode war ein der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft wurde
Zeitalter enormer Ausweitung aufgrund von Produk- abgeschlossen - diese Tatsache beginnen viele
tion und Handel. Und Chicago ist einer der Orte, an Amerikaner jedoch erst jetzt zu verstehen.
denen sich diese Ära am deutlichsten manifestierte.
Die Stadt war ein Vorreiter beim Antizipieren der Das reale Wachstum beim jährlichen BruttosozialproChancen des neuen Kapitels in der amerikanischen dukt (BSP) - ein Maß für nationalen Wohlstand - fing
Geschichte.
vor über einem Jahrzehnt an abzunehmen. Langsameres Wachstum, größere Abhängigkeit von ExporDer Historiker Carl Abbott schrieb folgenden Satz: ten, ein zunehmendes Ungleichgewicht beim Handel
"Zwischen 1880 und 1920 zogen 605.000 Einwande- und wachsende Defizite bei den nationalen Ausgaben
rer und 790.000 gebürtige Amerikaner in die Gegend waren die Merkmale des vergangenen Jahrzehnts.
von Chicago. Die Chicagoer hoben zur Verbesserung Während der achtziger Jahre hörten die Amerikaner
des Abwassersystems die gesamte Stadt um 3 Meter erstmals Gerede über internationale Wettbewerbsan. Sie bauten die ersten Wolkenkratzer und einige und Produktionprobleme, als unsere Vormachtstelder ersten Getreideaufzüge der Welt. Sie konkurrier- lung im Technologiebereich von den zu Produktionsten mit Odessa als Getreidehafen, mit Pittsburgh als und Herstellungszentren reifenden neuen Nationen im
Stahlstandort, mit Cincinnati als Fleischverpacker, mit Pazifik und in Europa bedroht wurde.
London und Paris als nationales Eisenbahnzentrum."
Wir waren bis vor ungefähr 15 Jahren eine Nation mit
Wir begannen das zweite Kapitel unserer Entwicklung für gewöhnlich hohen jährlichen Handelsbilanzüberals große Volkswirtschaft durch Industrialisierung. Wenn schüssen. Seit 1977 war unsere Handelsbilanz stänSie sich eine Karte der Vereinigten Staaten vor Augen dig negativ und unsere nationale Verschuldung hat
halten, können Sie sehen, wie es tatsächlich funktio- durch staatliche Defizitfinanzierung besonders im letzniert hat. Große Herstellungsbetriebe von Boston bis ten Jahrzehnt kontinuierlich zugenommen. Uns allen
Baltimore, Chicago und St. Louis - in diesem Gebiet wurden diese beunruhigenden Statistiken in den verwar der überwiegende Teil der Fertigungsproduktion gangenen Jahren zu häufig zitiert, als daß ich sie jetzt
und des Wohlstands angesiedelt.
wiederholen müßte.

Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�Viele von Ihnen in diesem Raum sind Pioniere bei den
Bestrebungen, eine neue Ära von Wohlstand und
Wachstum zu gestalten. Sie wissen, daß Chicago eine
Weltstadt ist. Sie sind stolz, daß die Stadt jetzt ein
internationaler Flughafen mit direkten Verbindungen
zu den Hauptstädten der Welt ist, den man ohne
Zwischenlandung erreichen kann. Sie haben Informationsverbindungen in unmittelbarer Nähe dieses Clubs,
die dank der neuen Kommunikationstechnologien auf
derganzen Welt direkte Verbindungen zu Märkten und
Industriestandorten herstellen. Nur noch wenige Firmen operieren ausschließlich auf lokalen Märkten,
ganz zu schweigen von Binnenmärkten. Das letzte
Jahrzehnt war für viele von uns ein manchmal schmerzhafter Schnellkurs, um die neuen globalen Märkte zu
verstehen und auf ihnen wettbewerbsfähig zu sein.

hoffen, eine Führungsrolle unter den Nationen der
Welt zu übernehmen, wenn wir unsere eigene Volkswirtschaft nicht in Ordnung bringen können.
Wir können anderen Nationen nicht Disziplin und wirtschaftliche Verantwortung predigen, wenn wir nicht
selbst verantwortungsbewu ßter mit unserem Haushalt
umgehen, angefangen bei der Bundesregierung. Das
bedeutet Zurückhaltung bei den staatichen Ausgaben,
Abbau der teuren Defizite des letzten Jahrzehnts
sowie klügere Investitionen in Bildung, Forschung und
neue Technologien für die Zukunft.
Wir können nicht das Wirtschaftswachstum erzielen,
das eine Zukunft in Wohlstand sichert, und eine Volkswirtschaft, die für Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen sorgt, um unserer Verantwortung im In- und
Ausland gerecht zu werden, wenn wir nicht eine starke,
produktive Wirtschaft haben, auf den Weltmärkten
kaufen und verkaufen und Verbindungen zu Staaten
unterhalten, die unsere Werte offener Kommunikation,
offener Gesellschaften und offener Märkte teilen.

Das nächste Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft muß offene und tragfähige Handelsbeziehungen zu anderen Teilen der Welt beinhalten.
Wir müssen in einer sich wandelnden Weltwirtschaft
um neue Märkte kämpfen und sie erobern. Es gibt
keinen anderen Weg zu einem Wirtschaftswachstum, Trotz allem, was wir in den letzten Tagen erlebt haben
das Wohlstand und nationale Sicherheit gewährleisten und woran wir angesichts der fortgesetzten Schwierigwird.
keiten der menschlichen Geschichte ständig erinnert
Die neue Tatsache ist, daß der von uns wechselseitig werden - die Agonie wiederauflebender ethnischer und
mit neuen Märkten in anderen Teilen der Welt zu kultureller Konflikte, die aus dem einen oder anderen
entwickelnde Handel nicht nur der Schlüssel zu unse- Grund von den politisch Verantwortlichen geschürt
werden - fanden in letzter Zeit auch Ereignisse statt,
rem, sondern auch zu ihrem Erfolg ist.
die Anlaß zu großer Hoffnung geben: Nicht nur der
Im vergangenen Jahr hat der damalige Präsident- Zusammenbruch der geschlossenen und repressiven
schaftskandidat Clinton dem amerikanischen Volk eine Regime in Osteuropa und der ehemaligen SowjetuniBeobachtung zu vermitteln versucht, die viele vorher on, sondern auch die beginnende Bewegung zu einer
gemacht hatten, die in diesem Land aber sicherlich demokratischen und repräsentativen Regierung in
keine Binsenwahrheit war: Wir sollten über internatio- Südafafrika sowie die Möglichkeit gegenseitiger Anernale Beziehungen, unsere Außenpolitik und unsere kennung und Einigung im Nahen Osten zwischen
nationale Wirtschaftspolitik als eng miteinander ver- lange Zeit durch Bitterkeit und gewalttätige Auseinanbundene zwei Seiten einer Medaille nachzudenken dersetzungen getrennten Völkern. Es ist im wesentlichen eine Zeit der Hoffnung. Der Zusammenbruch des
beginnen.
sowjetischen Imperiums ist ein praktischer, kein ideoAls Präsident hat Clinton während der vergangenen logischer Sieg.
acht Monate versucht, die Nation in die Richtung
dieser Erkenntnis zu führen. Er hat drei Ziele als Der Nationale Sicherheitsberater, Anthony Lake, beGrundlage eines neuen Ansatzes zur Festsetzung schrieb das vor kurzem folgendermaßen: "Es gibt
unserer Interessen und Rolle in der Welt nach den Milliarden von Menschen auf jedem Kontinent, die
Kalten Krieg definiert.
aufgrund jahrzehntelanger harter Erfahrungen zu dem
Schluß gekommen sind, daß Demokratie und MarktDas erste Ziel ist die Wiederbelebung und Erneuerung wirtschaft der produktivste und befreiendste Weg sind,
unserer nationalen Volkswirtschaft. Das zweite ist ihr Leben zu organisieren."
eine Führungsrolle bei der Förderung demokratischer
Werte, Institutionen und offener Marktwirtschaften in Ihre Schlußfolgerungen stehen im Einklang mit unseder internationalen Staatengemeinschaft und insbe- ren höchsten Werten. Alle Menschen sind von ihrem
sondere den neu entstehenden Nationen. Und das Schöpfer mit dem Recht auf Leben, Freiheit und das
dritte ist eine internationale Führungsrolle sowie die Streben nach Glück ausgestattet. Daher setzen wir
unserer nationalen Sicherheit angemessene militäri- Vertrauen in die Klugheit der freien Menschen, diese
sche Bereitschaft.
Rechte zu verteidigen - mit Hilfe der Demokratie als
bestem Mittel zur Erfüllung kollektiver Bedürfnisse, mit
Denkt man darüber nach, so sind diese drei Ziele Hilfe der Marktwirtschaft als bestem Mittel zur Erfüloffenkundig wirkich eng miteinander verbunden. Jedes lung individueller Bedürfnisse durch Erweiterung der
hängt von den anderen beiden ab. Wir können nicht Chancen, und beide Mittel verstärken einander.

AMERIKA DIENST 44

Seite 3

�Demokratie allein kann zwar Gerechtigkeit herbeiführen, jedoch nicht die materiellen Güter, die der Mensch
zum Leben braucht. Märkte allein können zwar den
Wohlstand mehren, jedoch nicht den Sinn für Gerechtigkeit schaffen, ohne den eine Gesellschaft untergeht.
Der vielleicht größte jetzt zu führende Kampf ist der
Versuch, dieses Land zu überzeugen, sich mit der
übrigen Welt weiterhin für diese Werte einzusetzen.
Wieder einmal geht es nicht, wie es in der Vergangenheit so oft der Fall gewesen sein mag, um eine ideale
oder idealistische Sache, sondern um eine äußerst
praktische, denn es handelt sich hier um unsere Zukunft sowie eine bessere Zukunft für die Völker in
anderen Teilen der Welt.
Wir müssen Mittel und Wege zur besseren Kontrolle
des grenzüberschreitenden Personenverkehrs finden,
da er eine neue Bedrohung in Fragen der Sicherheit,
des Terrorismus, der Kriminalität und der Umwelt
darstellt, die jetzt auf der internationalen Tagesordnung stehen.
Das führt mich zu den beiden Themen, die meines
Erachtens am stärksten verkörpern, was Präsident
Clinton über die Wechselbeziehung zwischen diesen
beiden Belangen und politischen Maßnahmen sagen
wollte. NAFTA ist ein Thema, das jetzt erörtert wird.
Es ist ein Zeichen der Hoffnung.

noch nie mit der Furcht leben, daß sich unsere Dollars
über Nacht in Spielgeld verwandeln. Die Russen und
Ukrainer sowie eine Vielzahl anderer Nationalitäten
haben jedoch Angst, daß der Rubel seinen Wert
verlieren könnte, während ihre Geldbörsen noch prall
damit gefüllt sind.
Wenn es dazu kommt, müssen die Menschen dieser
vor kurzem befreiten Staaten die Last der Umwandlung ihrer Systeme tragen. Viele, jedoch nicht alle,
haben in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht große
Fortschritte gemacht. Trotz der Ereignisse der letzten
Tage scheint mir aufgrund der Geschichte dieser
Region in der Welt, daß der Weg festgelegt und der
Kurs klar ist. Unsere eigene Geschichte zeigt, daß
dieser Kurs nicht einfach ist.
Hier handelt es sich nicht um etwas, das die Bundesregierung tun kann. Wie bei den meisten Dingen ist
auch hier eine Partnerschaft vonnöten, ein gemeinsames Unternehmen, insbesondere mit der amerikanischen Geschäftswelt. Wir haben jetzt die Chance,
Talent, Erfahrung und Investitionen in Schlüsselgebieten zum Tragen zu bringen, die die für einen Wandel
erforderliche Dynamik ankurbeln.

USIA und die von Botschafter Talbott beauftragte
Sonderabteilung des Außenministeriums wurden von
Präsident Clinton gebeten, diese Bestrebungen im
Außenministerium zu leiten, zum ersten Mal gemeinDas gleiche gilt für die jetzt von unserer Regierung sam mit Mitgliedern des Finanzministeriums und der
vorgebrachten Vorschläge - die auch bei vielen Men- Export-Import Bank sowie anderen Zweigen der Reschen in diesem Land Anklang finden - daß wir zusam- gierung, die zusammen einen Wirtschaftsgipfel in St.
men mit Rußland und den anderen Nachfolgestaaten Louis einberiefen. Vorallem sollen diejenigen, die-sei
der Sowjetunion einen Weg für den Aufbau neuer es erfolgreich oder nicht - in Ru ßland und den anderen
Gesellschaften suchen müssen.
Nachfolgestaaten der Sowjetunion unternehmerisch
tätig waren, praktische Erfahrung austauschen und
Die Umgestaltung einer zentralen Planwirtschaft in
anschließend die Programme zum Tragen bringen, die
eine offene Marktwirtschaft, einer Diktatur in eine
eine gemeinsame Grundlage für die jetzt und in ZuDemokratie, des größten Imperiums der Geschichte in
kunft zu unternehmenden Anstrengungen darstellen.
eine Partnerschaft mit den ehemaligen Bestandteilen
dieses Imperiums, wird sich über Jahre erstrecken und Ebenso wie in der Vergangenheit spielt USIA hierbei
möglicherweise auch Rückschläge erleiden. Aber der durch den Austausch von Personen und Informationen
Weg und die Richtung sind festgelegt.
eine Rolle. Die folgenden Programme sind für ameriDie Vereinigten Staaten engagieren sich für die Unter- kanische Unternehmen auf diesem Gebiet von potenstützung der Reformkräfte in Rußland und den neuen tiellem Nutzen:
unabhängigen Staaten, die diese Veränderungen
herbeizuführen versuchen. Unsere Politik beruht auf
der Überzeugung, daß die postkommunistische Reform ein Langzeitunternehmen ist und von uns Geduld
und Beharrlichkeit erfordert. Wir sind der Ansicht, daß
ihre und unsere künftige Sicherheit eng in dem Versuch verbunden sind, demokratische Institutionen und
offene Marktwirtschaften aufzubauen.

Ungefähr 300.000 Unternehmer aus der ehemaligen Sowjetunion werden kurze Zeit zu Orientierungs- und Ausbildungsprogrammen in die
Vereinigten Staaten reisen, und viele von ihnen
werden als Praktikanten in amerikanischen
Unternehmen jeder Größenordnung lernen und
arbeiten. Dieses Programm gewinnt zur Zeit an
Dynamik.

Ich bin sicher, daß sich viele von Ihnen schon einmal
vorgestellt haben, wie es wäre, Bürger eines dieser
Nachfolgestaaten zu sein, sich um die Zukunft seiner
Kinder und Enkelkinder zu sorgen und jeden Tag mit
umwälzenden Reformen zu leben. Sie und ich mußten

Nahezu 1.000 russische Studenten werden an
einjährigen amerikanischen Universitätsprogrammen auf Gebieten wie Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Informatik, Staatsrecht und Landwirtschaft teilnehmen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�Rund 1.200 Bürger dieser Länder kommen in
unser Land, um sich an der Universität in den
Bereichen Jura, Wirtschaftswissenschaften,
öffentliche Verwaltung, Politologie, Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Energie, Landwirtschaft und Umwelt ausbilden zu lassen.

Welt wir unseren Kindern hinterlassen und in welcher
wir vielleicht selbst alt werden wollen, und weil Ergebnisse nur durch kooperative Unternehmungen erzielt
werden können.

Auf den letzten Seiten der Zeitschrift Newsweek von
dieser Woche schreibt der Kolumnist Joe Kline, die
8.000 bis 10.000 Studenten aus den neuen Amerikaner kämpften jetzt mit "der großen Angst" unabhängigen Staaten kommen hierher, um an "der großen Furcht" - dem Gefühl des Verlustes von
bis zu einem Jahr laufenden Programmen zur Vertrauen in die Zukunft, eine Unsicherheit darüber, ob
Ausbildung in Unternehmensführung, Lehre wir als Nation wieder auf eine Weise prosperieren
demokratischer Institutionen und Englischkur- können, die Chancen für unsere Kinder eröffnet, die
Art von erweiterten Möglichkeiten, die die meisten von
sen teilzunehmen.
uns kannten, spürten und genossen, während wir
Ungefähr 500 Lehrer erhalten hier eine zusätz- aufwuchsen.
liche Ausbildung, auch in Techniken zur Weiterbildung des Lehrkörpers.
Der Appell, das nächste Kapitel der Entstehung unserer Wirtschaft zu verstehen und sich ihm zu stellen, ist
Wir werden zwischen 35 und 50 Partnerschaf- zum jetzigen Zeitpunkt ein Appell, der "großen Angst"
ten im Ausbildungs- und Universitätsbereich zu begegnen und zusammenzuarbeiten, um die Naentwickeln, um die Beziehungen zu amerikani- tion auf einen nicht leichten Kurs zu bringen, der die
schen Bildungseinrichtungen zu verbessern und sich abzeichnende neue Wirtschaft und die neuen
uns dabei auf die Entwicklung von Lehrplan und internationalen Chancen einbezieht.
Lehrkörper in den Bereichen Unternehmensführung und Verwaltung, Lehre der englischen Präsident Clinton fand vielleicht die richtigen Worte,
Sprache und Politologie konzentrieren.
als er vor einigen Wochen mit den ehemaligen Präsidenten Carter, Ford und Bush zusammentraf und
Weitere Programme richten sich auf die Unterstützung feststellte: "Die Frage ist, ob wir genügend Vertrauen
der Entwicklung unabhängiger Medien, der Rechts- in die Zukunft besitzen, daß wir die Arbeitsplätze von
staatlichkeit und des Pluralismus.
morgen schaffen können, oder ob wir den Versuch
unternehmen,
an denen von gestern festzuhalten."
Um Ihnen eine Vorstellung vom Umfang der internationalen Austauschprogramme zu geben: Zur Zeit befinden sich mehr als 400.000 ausländische Studenten in
den Vereinigten Staaten, die jährlich einen Beitrag in
Höhe von sieben bis zehn Milliarden Dollar zu unserer
Volkswirtschaft leisten.

Als Frederick Jackson Turner in jenem Sommer vor
hundert Jahren seine Rede hielt, beendete er sie
folgendermaßen. Er umriß das Ende einer Ära und
äußerte dann: "Seit Kolumbus mit seiner Flotte in die
Gewässer der Neuen Wert segelte, wurde Amerika mit
Chancen gleichgesetzt. Und die Menschen in den
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, daß diese
Vereinigten Staaten haben ihre Energie aus dieser
"weichen", langfristigen Investitionen oft greifbare
großen Ausweitung gezogen, die sie nicht immer wählten,
Auswirkungen haben und große Vorteile für Verständsondern die ihnen auch oftmals aufgezwungen wurde.
nis und künftige Zusammenarbeit mit sich bringen, zur
Bewegung ist für Amerika schon immer der dominante
Stärkung der Demokratie beitragen und bisweilen viel
Faktor gewesen", stellte er fest.
schneller Ergebnisse zeitigen, als wir angenommen
hatten.
Heute sind wir dazu aufgerufen, unseren Horizont,
unsere
Phantasie und unsere Belange zu erweitern
Ich hoffe, daß diese Administration ihre Botschaft
sowie
in
vielerlei Hinsicht unsere Fähigkeit, zugunsten
übermitteln wird, wie wir kooperativer als Team oder
eines
neuen
Zeitalters der Chancen zusammenzuarmit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft zusambeiten
nicht
nur für Amerika, sondern auch für die
menarbeiten können, denn dies ist ein wichtiges EleVölker
in
anderen
Teilen der Wert. So sieht USIA jetzt
ment für die Sicherung unserer Zukunft. Es ist die
eine
Aufgabe
auf
diesem
besonderen Gebiet, zu einer
einzige Möglichkeit zu erneutem WirtschaftswachsZeit,
in
der
sich
so
viele
Dinge
geändert haben.
tum, weil es das Richtige im Hinblick darauf ist, welche

*

AMERIKA DIENST 44

* * *

*

Seite 5

�DROGEN
3. November 1993

USA WOLLEN BEI DROGENBEKÄMPFUNG
MIT ANDEREN LÄNDERN ZUSAMMENARBEITEN
Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten "werden jedes verfügbare Mittel nutzen, um... starke,
kooperative Beziehungen zu anderen Länoern aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des Drogenhandels unter Beweis stellen", erklärte Lee Brown, der Direktor des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik.
In seiner Rede bei einer Tagung hochrangiger Vertreter der UN-Generalversammlung über die Bekämpfung
illegaler Drogen erklärte Brown am 26. Oktober 1993, das Hauptziel sei zwar die "Senkung der Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika", die Vereinigten Staaten würden sich jedoch nicht "ihrer Führungsrolle bei der
Zerschlagung internationaler Drogen- und Verbrechersyndikate entziehen".
Die Zahl der gelegentlich Drogen konsumierenden Amerikaner ist ihm zufolge seit 1979 bedeutend gesunken,
die Kokainverbrauch der Konsumenten harter Drogen scheine jedoch anzusteigen. Die Vereinigten Staaten
würden sich auf die Senkung der Nachfrage, Kontrolle und Prävention von Beschaffungskriminalität und Gewalt
sowie die Unterstützung der Kommunen konzentrieren und ihre Führungsrolle bei internationalen Maßnahmen
zur Drogenkontrolle weiter wahrnehmen, äußerte Brown.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Lee Brown.

Wir sind heute hier aus vielen Teilen der Wert zusammengekommen. Wir gehören unterschiedlichen Nationen und Kulturen an. Dennoch sind wiralle mit einer
gemeinsamen Bedrohung konfrontiert: Dem internationalen Drogenhandel und den internationalen Verbrecherorganisationen, die sich weltweit der Herstellung und dem Schmuggel von Drogen verschrieben
haben.

Aspekte des Drogenproblems zu leiten. Dazu zählen
Strategien zur Senkung des Drogenangebots und der
Nachfrage sowie Strategien für Maßnahmen der
Regierung auf Landes-, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.
Zunächst möchte ich Ihnen einen Überblick über die
heutige Drogensituation in den Vereinigten Staaten
geben.

Diese Bedrohung gefährdet unsere Länder, unsere
Gesellschaften, uns selbst und unsere Kinder und
führt zu Kriminalität, Gewalt, Korruption, Umweltzerstörung, sozialem Verfall und ungeheurem persönlichem Leid.

Positiv zu vermerken ist, daß die Zahl der gelegentlich
Drogen konsumierenden Amerikaner bedeutend gesunken ist. 1979 nahmen 24 Millionen Bürgerunseres
Landes mindestens einmal im Monat illegale Drogen,
im letzten Jahr waren es nur noch 11,4 Millionen. Die
Als ehemaliger Polizist, als Vater und Einwohner ver- Zahl der Amerikaner, die regelmäßig Kokain nehmen,
schiedener Gemeinden in meinem Land stand und sank von 5,8 Millionen im Jahr 1985 auf 1,3 Millionen
stehe ich im Kampf gegen Drogen an der Frontlinie - in im vergangenen Jahr - ein bemerkenswerter Rückunseren Innen- und Vorstädten und in den Ländern gang von nahezu 80 Prozent in einem Zeitraum von
dieser Hemisphäre, einschließlich der Andenstaaten, sieben Jahren.
in denen der Drogenhandel die tiefsten Narben hinterAndere Daten geben jedoch Anlaß zur Besorgnis. Der
lassen hat.
Konsum von harten Drogen ist in den letzten sieben
Ich bin per Gesetz dazu verpflichtet, die Formulierung Jahren fast unverändert geblieben, und alle Bemühununserer nationalen Strategie im Hinblick auf sämtliche gen zur Reduzierung der Anzahl von DrogenabhängiAMERIKA DIENST 44

Seite 1

�gen waren vergeblich. Der Kokainkonsum ist anscheinend konstant oder nimmt sogar zu. Der Gesundheitszustand der Süchtigen in unserem Land scheint sich
immer mehr zu verschlechtern. Neue Daten weisen
landesweit einen zehnprozentigen Anstieg von im
Zusammenhang mit Drogenkonsum stehenden Krankenhausaufenthalten zwischen 1991 und 1992 aus.
Es wurde eine Zunahme von 18 Prozent bei den
Krankenhausaufenthalten aufgrund von Kokainkonsum beobachtet, bei Heroin betrug sie sogar dramatische 34 Prozent.
Die neuen Statistiken deuten darauf hin, daß die Ende
der siebziger Jahre begonnene Drogenepidemie in
zunehmenden Maße die Hauptkonsumenten erfaßt.
Gleichermaßen besorgniserregend ist auch die Tatsache, daß zum ersten Mal seit mehreren Jahren 1314jährige wieder mehr Drogen nehmen und sich weniger
der Gefahren bewußt sind. Wir haben noch einen
langen Weg vor uns, bis wir bei unserem Kampf gegen
Drogenmißbrauch Erfolg haben.

folgt wird. Die Legalisierung oder Straffreiheit von
Drogenkonsum würde die Zahl der Abhängigen erhöhen, zu noch schwerwiegenderen Konsequenzen führen
und ist folglich inakzeptabel.
Unser nationales Ziel bleibt letztlich die Senkung der
Gesamtnachfrage nach Drogen in Amerika.
Unsere Interimsstrategie umfaßt eine Vorgehensweise auf vier Ebenen:
Erstens konzentriert sie sich auf die Senkung derNachfrage.
Wir planen eine aggressive Strategie für die
Therapie von Drogenabhängigen, wobei die Konsumenten harter Drogen unser Hauptziel sind.
Wir werden weiterhin der Industrie, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern beistehen, um amerikanische Arbeitsplätze frei von Drogen zu halten.
Wirwerden eine nationale Tagesordnung fürdie
Kindererziehung aufstellen, um die jungen
Menschen zu befähigen, dem Drogenkonsum
zu widerstehen und ein drogenfreies Leben zu
führen.

Letzte Woche gaben wir unsere Reaktion auf die
Drogengefahr bekannt: Die Interimsstrategie zur nationalen Drogenkontrolle. Diese Strategie wurde entworfen, um unseren nationalen Bestrebungen zur
Bekämpfung des Drogenproblems eine neue Richtung
Zweitens richtet die Interimsstrategie ihre Aufmerkzu geben und sie zu verstärken.
samkeit auf die Verminderung von BeschaffungskrimiDie Interimsstrategie unterscheidet sich in vielerlei nalität sowie auf Verbrechensbekämpfung und -Verhütung.
Hinsicht von den Strategien der Vergangenheit:
Sie strebt durch Präventionsprogramme für
Risikogruppen die Verhinderung eines Anstiegs
der Zahl von Erstkonsumenten an.
Sie sieht Therapien für Drogensüchtige vor, um
ihren Drogenkonsum zu senken und seine Konsequenzen abzumildern.
Sie betont die Bedeutung von Maßnahmen der
Kommunen zur Bekämpfung von Drogen und
Gewalt.
Sie fördert eine schnelle und angemessene
Bestrafung bei Drogenmißbrauch und Beschaffungskriminalität.

Wir werden einen umfassenden Ansatz zur
Bekämpfung von Kriminalität verfolgen und nach
innovativen und wirksamen Lösungen suchen,
insbesondere solchen, die unsere Gemeinden
miteinbeziehen.
Wir streben eine strengere Gesetzgebung für
den Besitz von Schußwaffen an.
Wir werden uns mit den schrecklichen Auswirkungen von Drogen und Gewalt auf die Jugendlichen befassen und dagegen angehen.
Drittens unterstützt sie die Rationalisierung unserer
Regierung und verleiht unseren Gemeinden mehr
Befugnisse.

Sie unterstützt Forschungsprogramme.
Die Strategie hält an bestimmten grundlegenden
Konzepten fest: Einmal müssen wir unseren umfassenden Kampf gegen Drogen fortsetzen - mit Programmen, die den Nachschub von Drogen in die
Vereinigten Staaten und innerhalb des Landes sowie
die Nachfrage nach Drogen in unserem Land bekämpfen. Unsere Unterstützung der Länder, die den politischen Willen zur Unterbindung von Drogenproduktion
und -handel zeigen, wird fortgesetzt.
Ein weiteres Konzept besteht darin, daß der Besitz und
Konsum illegaler Drogen weiterhin strafrechtlich ver-

Seite 2

Wir beabsichtigen die Abschaffung der Duplizität von Funktionen bei Bundesbehörden.
Wir werden bereits bestehende Organisationen, Ressourcen und Methoden zur Unterbindung des Nachschubs überprüfen um sicherzustellen, daß sie auf die effektivste Weise operieren. Wir werden die Erstellung, Analyse und
Verbreitung unserer nachrichtendienstlichen
Erkenntnisse verbessern.
Wir werden den Gemeinden bei der Bekämpfung von Drogenhandel und -konsum behilflich

AMERIKA DIENST 44

�sein und versuchen, unsere Städte wiederzube- cher Wirtschaftsentwicklung, Menschenrechten und
Schutz der globalen Umwelt.
leben.
Viertens fordert sie die Vereinigten Staaten zur Fortsetzung ihrer internationalen Führungsrolle und Unterstützung der internationalen Drogenbekämpfungsmaßnahmen auf.
Unseres Erachtens stellt der internationale
Drogenhandel eine direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten dar und unterminiert unsere
Bestrebungen im Inland zur Verringerung des
Drogenangebots und der Nachfrage. Wir vertreten femer die Auffassung, daß er unsere
Bestrebungen - und die aller freien Nationen bei der Förderung von Demokratie, wirtschaftlicher Stabilität, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit zunichte macht.
Als Reaktion auf die Bedrohung durch Drogen
müssen wir die zu ihrer Bekämpfung erforderlichen Strafverfolgungs- und Rechtsinstitutionen
aufbauen und verbessern. Die Vereinigten
Staaten werden zu diesem Zweck ihre Ausbildungsprogramme zur Verfügung stellen. Im
Hinblick auf die sich für Betäubungsmittelkontrolle engagierenden Länder werden wir dort,
wo es geeignet erscheint, alternative Entwicklungsprogramme statt des Anbaus von Pflanzen zur Drogenherstellung unterstützen.
Im Hinblick auf die Unterbindung des Nachschubs werden sich die Vereinigten Staaten
mehr auf Bestrebungen in den Ursprungsländern statt auf die Aufbringung und Beschlagnahme von Drogen beim Transport konzentrieren.
Schließlich werden wir die Notwendigkeit unterstreichen, die Drogenhändlerringe selbst zu zerschlagen. Wir werden mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um Geldwäscherorganisationen, Lieferanten und chemische Grundstoffe
aufzuspüren und die Drogenbarone auszumachen, von denen die Organisationen geleitet
werden.
Mit anderen Worten, wir werden jedes verfügbare
Mittel nutzen, um das Drogenangebot und die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu verringern und starke, kooperative Beziehungen zu anderen Ländern
aufzubauen, die ihre Bereitschaft zur Bekämpfung des
Drogenhandels unter Beweis stellen.

Wenn wir diese Arbeit bewältigen wollen, ist ein starker
multilateraler Ansatz erforderlich.
Wie kommt es, daß die Drogenkartelle so erfolgreich
und gewinnbringend operieren können? Sie tun mehr,
als nur Drogen zu kaufen und zu verkaufen. Sie
können auch Regierungen kaufen, verkaufen und terrorisieren. Sie sind hochmoderne, äußerst anpassungsfähige multinationale Einheiten. Wir können
unsere Anstrengungen nicht nur auf ein Land beschränken, denn diese kriminellen Organisationen
nutzen die schwache Verteidigung in anderen Ländern
aus. Wir müssen die Drogenkartelle von einer starken
regionalen und multilateralen Verteidigung aus angreifen.
Und wir müssen uns vor Augen führen, daß die internationalen Drogenkartelle nicht von nationalen Gesetzen zur Bewilligung ihrer Budgets abhängen. Ihre
Budgets werden größer, während unsere schrumpfen.
Angesichts der finanziellen Engpässe, mit denen sich
alle Nationen konfrontiert sehen, ist es ein Muß, daß
wir unsere Bestrebungen und unsere Ressourcen
koordinieren und das meiste aus dem machen, was
uns zur Verfügung steht.
Wir sind uns bewußt, daß bereits sehr viel getan und
das Fundament gelegt wurde, auf dem wir unsere
weitere Zusammenarbeit aufbauen.
Die Vereinten Nationen sind vor allem durch das UNDrogenkontrollprogramm, aber zunehmend auch durch
andere Behörden, ein unerläßlicher Partner bei der
Bekämpfung der globalen Bedrohung durch Drogen.
Unter der Leitung des Exekutivdirektors Giacomelli ist
das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen
(United Nations Drug Control Program - UNDCP) zum
Stützpfeiler der Drogenkontrollbestrebungen geworden.
Wir tragen die Verantwortung zur Aufrechterhaltung
des internationalen Engagements und Bereitstellung
der Ressourcen zur Drogenbekämpfung auf nationaler und internationaler Ebene.
Meine Regierung glaubt an Taten, nicht nur Worte und aus diesem Grund verdoppeln wir unseren Beitrag
des Jahres 1992 an das UNDCP. Unser Beitrag für
1993 beläuft sich auf 6,2 Millionen Dollar.

Die Notwendigkeit für ein starkes UN-System ist von
zunehmender
Bedeutung. Die US-Behörden mit
Ich möchte einen wesentlichen Punkt unterstreichen:
ähnlichen
Aufgabengebieten
können die AuswirkunTrotz der Notwendigkeit einer Neuorientierung unsegen
von
Betäubungsmittelproduktion,
-handel und
rer Bestrebungen bei der Bekämpfung des Drogen-mißbrauch
nicht
ignorieren.
Die
Vereinten
Nationen
handels als innenpolitisches Thema ist Drogenkontrolsind
nicht
nur
ein
f
riedensichemdes
oder
friedenschafle ein wichtiges Element unserer Außenpolitik sowie
unserer Unterstützung für Demokratien weltweit. fendes Gremium. Sie sind auch ein Forum, das die
Drogenkontrolle ist integraler Bestandteil unserer Aufmerksamkeit auf die Feinde der Demokratie lenkt
Verpflichtung zu Rechtsstaatlichkeit, umweltverträgli- und zu Aktionen gegen sie aufruft. Wir wollen sie zu
einem effektiven Forum machen.
AMERIKA DIENST 44

Seite 3

�Von dieser Zusammenkunft erbitte ich folgendes:

Nationen einigen. Das Ausmaß des Drogenproblems
ist so enorm, daß wir das gesamte UN-System mobilisieren müssen. Wir müssen ferner die internationalen Finanzinstitutionen auffordern, eine größere Rolle
bei der Unterbindung des Drogenhandels zu übernehmen.

Erstens, daß wir heute entschlossen zur Verurteilung
des internationalen Drogenhandels auseinandergehen, die uneingeschränkte Ratifizierung der Wiener
Konvention von 1988 anstreben und darüber hinausgehen, um allen Nationen bei der Verabschiedung von
Gesetzen und dem Aufbau von Institutionen behilflich In seiner Rede vor der Generalversammlung der Verzu sein, mit denen die Ziele der Konvention verwirklicht einten Nationen im vergangenen Monat verwies Präsiwerden können.
dent Clinton darauf, daß unsere Administration die
erste nach dem Kalten Krieg ist. Wir werden nicht
Zweitens, daß wir die Zerschlagung der Drogenhänd- länger von der Bedrohung der nuklearen Vernichtung
lerringe intensivieren, indem wir unsere Bestrebungen heimgesucht. Und dennoch ist dies nicht die Zeit für
auf die sie leitenden Drogenbarone ausrichten. Es Selbstgefälligkeit. Mit dem Ende des Kalten Krieges
genügt nicht, die Kuriere und Dealer, die kleinen Geld- wird die Sicherheit der Nationen durch andere heimwäscher - die "Ersetzbaren" des Drogenhandels - zu tückische und mächtige Feinde von Demokratie und
verhaften und einzusperren.
Freiheit bedroht. Drogenhandel und andere internationale Verbrechen korrumpieren und unterminieren die
Drittens, daß wir verschärft auf die Profite und Geldgrundlegenden Institutionen, die Demokratie unterwaschoperationen der Händler abzielen, effektive einmauern und politische Freiheit fördern - die Rechtsheitliche Abfangverfahren auf See erarbeiten und diese
staatlichkeit sowie freie und offene Volkswirtschaften.
sowie Kontrollen von Chemikalien durchführen.
Viertens, daß wir die Intensivierung unserer multilate- Die Vereinigten Staaten werden sich nicht ihrer Führalen und regionalen Ansätze durch das UNDCP, die rungsrolle bei der Zerschlagung internationaler DroOrganisation Afrikanischer Staaten (OAS), die inter- gen- und Verbrechersyndikate entziehen. Wir fordern
nationalen Finanzinstitutionen, die Dublingruppe und die internationale Staatengemeinschaft auf, sich diedie Einsatzgruppe Finanzaktionen zur gemeinsamen ser Bedrohung kollektiv zu stellen.
Nutzung unserer Ressourcen und Koordinierung un- Mit der erneuerten und kontinuierlichen Verpflichtung
serer Hilfsleistungen beschließen.
der internationalen Staatengemeinschaft zur RechtsUnd letztens, daß sich alle Regierungen auf die Unter- staatlichkeit werden wir obsiegen. Aus der Verantworstützung von Bestrebungen zur Verbesserung des tung - für uns und unsere Kinder - heraus haben wir in
systemübergreifenden Aktionsplans der Vereinten der Tat schlicht und einfach keine andere Wahl.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�PORTRAT
3. November 1993

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT
DRINGENDES ANLIEGEN
Porträt von John Holum

WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Direktor des
amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency ACDA), John Holum, zufolge besteht selbst in der Zeit
nach dem Kalten Krieg die Notwendigkeit für "effektive
Rüstungskontrolle und entschiedene Anstrengungen
zur Eindämmung der Weiterverbreitung".
John Holum ist der Ansicht, daß sich "nach dem Ende
des Kalten Krieges die Herausforderungen für die
Rüstungskontrolle geändert haben, diese jedoch nicht
weniger zwingend seien".
Der Jurist Holum arbeitete unter der Carter-Administration im Außenministerium auf den Gebieten Rüstungskontrolle und auswärtige Angelegenheiten,
gehörte zum Mitarbeiterstab des Senats und war Mitglied von Präsident Clintons Wahlkampfteam.
Er stellte fest, daß die Welt ein immer gefährlicherer
Ort wird, "da einige geächtete Staaten nach Technologien streben, die unser aller Sicherheit bedrohen".
Um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
und ihrer Trägersysteme zurückzuschrauben, "müssen wir eine unbefristete Ausweitung, universelle Einhaltung sowie entschiedene Durchsetzung des Nichtverbreitungsvertrags anstreben", so Holum.
Bei der Zusammenarbeit mit den Verbündeten "müssen wir noch wirksamere Maßnahmen zur Kontrolle
der Exporte potentiell gefährlicher Technologien sowie
von Mehrzwecktechnologien, die für zivile und militärische Zwecke genutzt werden können, entwickeln und
gleichzeitig das nationale Gebot des Wirtschaftswachstums angehen", betonte der designierte ACDA-Direktor.
Er drängt auf die Durchführung der Konvention über
chemische Waffen, die "beispiellose Verifizierungsbestimmungen" enthält und die Einhaltung des ABMVertrags, "während wir gleichzeitig eine Antwort auf

AMERIKA DIENST 44

die Bedrohung durch taktische ballistische Raketen
erarbeiten".
Holum zufolge müssen ferner Wege zur Eindämmung
des Wettrüstens mit konventionellen Waffen auf regionaler Ebene gefunden werden.
Bei der Anhörung zu seiner Bestätigung vor dem Senat
erklärte der designierte ACDA-Direktor, bei seiner
künftigen Arbeit lasse er sich von folgenden umfassenden Prinzipien leiten:
Rüstungskontrolle als integralem Bestandteil
der nationalen Sicherheit,
angemessener, effektiver Verifizierung als
unabdingbarem Mittel für Rüstungskontrolle und
Rüstungskontrolle weiterhin als nationalem und
nicht parteipolitischem Unternehmen.
Holum wurde am 4. Dezember 1940 in Highmore
(South Dakota) geboren. Er besuchte das Northern
State Teachers College und die juristische Fakultät der
George Washington University.
Von 1965 bis 1979 gehörte er dem Mitarbeiterstab von
Senator George McGovern an, wo er als Rechtsberater tätig war und die Arbeit des Senators im Auswärtigen Ausschu ß leitete. Holum war ferner während der
Vorwahlen der Demokraten zum Präsidentschaftswahlkampf 1972 für alle Anfragen an McGovern zuständig und während des allgemeinen Wahlkampfes
sein wichtigster Redenschreiber.
Holum war von 1979-81 Mitglied des Stabes für Politik
und Planung im Außenministerium und befaßte sich
mit Rüstungskontrolle und Rechtsfragen.
Seit 1981 war er als Rechtsanwalt in der Kanzlei
O'Melveny and Myers tätig und arbeitete bei Rechtsund internationalen Fragen mit Warren Christopher
zusammen, dem ehemaligen geschäftsführenden

Seite 1

�Gesellschafter der Kanzlei und jetzigen Außenminister.
Beim Präsidentschaftswahlkampf 1992 war Holum
einer der Berater Präsident Clintons für Verteidigu ngs-

und Außenpolitik . Davor war er geschäftsführender
Direktor des Komitees für den Entwurf des Wahlprogramms und der Wahlplattform für den nationalen
Parteikonvent der Demokraten im Jahr 1992.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 44

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11923">
              <text>03.11.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11924">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11925">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11926">
              <text>Amerikadienst 03.11.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11927">
              <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA soll 200.000 Arbeitsplätze schaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in der John F. Kennedy Library&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Regionale Abkommen erleichtern Welthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mickey Kantor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wettbewerb&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wettbewerb bewirkt Produktivitätsvorteile der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Lewis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit in neuen Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von USIA-Direktor Duffey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen bei Drogenbekämpfung mit anderen Ländern zusammenarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Browns vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Rüstungskontrolle bleibt dringendes Anliegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von John Holum&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
