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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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Z12462C
Li-

53170

Bonn
27. Oktober 1993

43

NATO

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland

ABRÜSTUNG

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden
ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß

UMWELT

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax: 0228 -3341 02

�NATO
27. Oktober 1993

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland
TRAVEMÜNDE - (AD) - Der amerikanische Vorschlag über eine begrenzte militärische Partnerschaft zwischen
der NATO und den europäischen Nationen wird "den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen Zeit nach
dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der Sowjetunion, erweitern", erklärte US-Verteidigungsminister Aspin.
Dazu zählen "Friedenssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement", stellte Aspin am 21. Oktober 1993 auf einer Pressekonferenz in Travemünde fest, wo er mit den
anderen Verteidigungsministern der NATO zusammentraf.
Zuvor hatte er geäu ßert, der Vorschlag für eine Partnerschaft wäre ein erster Schritt zu einer möglichen, jedoch
nicht automatisch erfolgenden Mitgliedschaft Rußlands und anderer Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts in der NATO.
Dem Verteidigungsminister zufolge bestände ein zweiter an seine Amtskollegen gerichteter Vorschlag der Vereinigten Staaten darin, die Bekämpfung der Weiterverbreitung auf die Tagesordnung der NATO zu setzen.
Das sei notwendig, weil die alte atomare Bedrohung durch Tausende von Sprengköpfen in der Sowjetunion "einer
brandneuen atomaren Bedrohung" gewichen ist, "der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen von Verteidigungsminister Aspin auf der Pressekonferenz im
Wortlaut.
Zunächst möchte ich kurz auf die beiden von uns bei
diesem Treffen vorgelegten Vorschläge eingehen. Einer
bezog sich auf eine Partnerschaft für den Frieden. Der
andere ist ein Vorschlag zur Bekämpfung der Weiterverbreitung als Punkt auf der Tagesordnung der NATO.
Diese beiden Vorschläge müssen bis zum NATOGipfel noch weiterentwickelt und präzisiert werden und
sind hoffentlich in irgendeiner Form Bestandteil des für
den kommenden Januar anberaumten Gipfels.
Beide Vorschläge entstanden aus dem grundlegenden
Konzept, daß die NATO im Kern ein Sicherheitsbündnis ist. Sie ist ein Militärbündnis, das sich mit der
Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten befaßt. Das ist die
Grundlage, auf der sie sich weiterentwickelte, und
natürlich das Fundament für den Erfolg der NATO.
Dies sollte unseres Erachtens Teil der Frage der
Erweiterung der N ATO-Mitgliedschaft sowie der Frage
sein, welche Staaten unter welchen Bedingungen
beitreten sollten. Dadurch entstand bei uns die Idee,
das Konzept der NATO als Sicherheitsbündnis zu
nutzen, um eine Beziehung zu potentiellen neuen
Mitgliedern zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 43

Der Vorschlag lautet, daß die Länder, die der NATO
beitreten wollen - und selbstverständlich beschränkt
sich das nicht nur auf die Beitrittswilligen, sondern es
sind auch die gemeint, die sich der Initiative Partner für
den Frieden anschließen - aufgefordert werden, ein
Partnerschaftsabkommen mit der NATO zu unterzeichnen, wenn sie dies wünschen. Diesem Partnerschaftsabkommen würde dann ein Plan zur Umsetzung folgen mit einem Programm, das nähere Einzelheiten zur Einbeziehung des jeweiligen Landes in die
Institution NATO gibt.
Letztlich streben wir die gemeinsame Entwicklung von
Fähigkeiten zwischen der Organisation NATO und den
einzelnen Ländern durch gemeinsame Übungen,
gemeinsame Planung und gemeinsame Ausbildung
an, um schließlich zu einer Interoperabilität von Gerät
und Operationsmethoden zwischen der NATO und
den Partnerstaaten zu gelangen. Mit dieser Methode
verbessern wir die Fähigkeiten der NATO, indem wir
den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der
Sowjetunion, erweitern. Dazu zählen natürlich FrieSeite 1

�denssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement. Dies
sind die Aufgaben, die die NATO als Organisation
wahrnehmen wird.
Die Idee vors Partnern - Partnern für den Frieden besteht in der Entwicklung von gemeinsamen Fähigkeiten zwischen der Institution NATO und diesen anderen
Ländern zur Verbesserung des Handlungsspielraums
der NATO bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Zur
Zeit gibt es einen gewissen Handlungsspielraum zwischen den NATO-Partnern, den derzeitigen NATOMitgliedstaaten. Durch Partnerschaft würden wir die
Ressourcen erweitern, um die Fähigkeiten anderer
Länder aufzustocken. Um dies zu erzielen, müssen
wir gemeinsame Operationen und gemeinsame Ausbildung sicherstellen und hoffen letztlich auf ein gewisses Maß an Interoperabilität zwischen ihnen. Die Idee
ist ihre Erweiterung und zwar durch Partnerschaft für
den Frieden. Das war die zugrundeliegende Idee.

greßausschüssen, die jahrelang Doktrinen, Streitkräftestrukturen und so weiter zur Bewältigung dieser
nuklearen Bedrohung entwickelten.
Die nukleare Bedrohung ist einer brandneuen atomaren Bedrohung gewichen. Die neue nukleare Bedrohung besteht jetzt in der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die
sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen. Dies wirft die Frage auf, wieviel dieser
alten Doktrinen und Geräte der alten Bedrohung auf
die neue Bedrohung Anwendung finden. Es gibt Anlaß
zu der Sorge, daß es nicht allzuviel sein könnte - ein
völlig neues Denken und die Entwicklung einer ganz
neuen Strategie zur Bewältigung dieser Bedrohung
könnten erforderlich sein sowie völlig neues Gerät und
eine neue Sichtweise, während sich diese neue Bedrohung entfaltet.

Ich bin einer derjenigen, deren Antwort "Ja" lautet. Ja,
diese neue atomare Bedrohung wird eine neue atomaIch möchte nun kurz auf den zweiten Vorschlag einge- re Reaktion erfordern, und diese Reaktion wird sich
hen - die Initiative zur Bekämpfung der Weiterverbrei- von der bisherigen unterscheiden. Das bedeutet, wir
tung - und dann werden wir gerne Ihre Fragen beant- müssen anfangen, darüber nachzudenken, müssen
worten. Die Welt - und natürlich die NATO - sieht sich gemeinsam die Arbeit aufnehmen und gemeinsam
heute, in der Weit nach dem Kalten Krieg, nach dem darüber nachdenken. Und es ist ein Vorschlag, daß wir
Zerfall der Sowjetunion, mit einer brandneuen atoma- in der NATO - wiederum, indem wir zu den Wurzeln der
ren Bedrohung konfrontiert.
Sicherheit, den Wurzeln einer sicherheitsorientierten
NATO zurückkehren - eine neue Bedrohung in Angriff
Die alte nukleare Bedrohung bestand in Tausenden nehmen, mit der sich alle Mitglieder des Bündnisses
Gefechtsköpfen in der Sowjetunion. Über die Jahre individuell und kollektiv konfrontiert sehen, und ihr bei
hinweg haben wir - "wir" bedeutet alle von uns in der unseren jährlichen Sitzungen neuen Auftrieb verleiNATO - sorgfältig formulierte Theorien, Strategien, hen.
Fähigkeiten zur Kriegführung, Verteidigung, militärisches Gerät des einen oder anderen Typs entwickelt, Dies war der zweite Vorschlag. Wie ich bereits erum dieser nuklearen Bedrohung zu begegnen. Es gab wähnt habe, entwachsen beide Vorschläge dem
ganze Studienbereiche, die sich mit Abschreckung Hauptinteresse des Bündnisses - einem im Kern siund Kriegführung, mit Rüstungskontrolle, dem Kräfte- cherheitsorientierten Bündnis. Ich bin jetzt gerne zur
gleichgewicht und anderem befaßten. Ichsprechevon Beantwortung Ihrer Fragen bereit.
Universitäten und Denkfabriken, verschiedenen Kon-

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�ABRÜSTUNG
27. Oktober 1993

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Eindämmung der Verbreitung nuklearer und konventioneller Waffen sei eine
der höchsten Prioritäten der Vereinigten Staaten und die Clinton-Administration beabsichtige, sie "besser in das
Gefüge unserer Beziehungen zu den Nationen der Welt" zu integrieren, erklärte der geschäftsführende Direktor
des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control und Disarmament Agency
- ACDA), Thomas Graham Jr., in einer am 19. Oktober 1993 vor dem Ersten Ausschu ß der UN-Generalversammlung gehaltenen Rede.
Graham umri ß die Ziele der Clinton-Administration bei der Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle, Anwendung vertrauensbildender
Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Streitigkeiten und Beseitigung überflüssiger Waffen aus der Zeit des
Kalten Krieges.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amtierenden ACDA-Direktors im Wortlaut.

Von vorigen Direktoren des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung vor diesem Ausschuß gehaltene
Reden verwiesen auf die Notwendigkeit einer Anpassung der Rüstungskontrolle an die teifgreifenden Veränderungen, deren Zeuge wir fast täglich auf den
Fernsehschirmen werden.

tiken und -programme aus der Zeit des Kalten Krieges

werden diese Periode des Wandels beeinflussen, nicht
beherrschen, wie einige befürworten. Wir haben bei
diesem Anpassungsprozeß einen guten Anfang gemacht. Wir haben jedoch noch einen weiten Weg
zurückzulegen.

Ich dachte, in diesem Jahr könnte ich mich einem
neuen Thema zuwenden. Die Realität spricht jedoch
dagegen. Nach dem Ende des Kalten Krieges beobachten wir weiter mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und Regelmäßigkeit aufsehenerregende Veränderungen. Einige dieser Veränderungen sind sehr
positiv - wie das jüngste israelisch-palästinensische
Abkommen oder die Machtübergabe in Südafrika.

Wir sollten im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle
zwei wichtige Punkte im Gedächtnis behalten. Erstens
ist Rüstungskontrolle ein allen zur Verfügung stehendes politisches Instrument. Es kann und muß von uns
allen zu guten Zwecken eingesetzt werden, nicht nur
für uns selbst, sondern für die gesamte internationale
Staatengemeinschaft. Zweitens müssen wir uns
konstant bewußt sein, daß Rüstungskontrolltransaktionen grundsätzlich politischer Natur sind, während
Einige Veränderungen sind jedoch äußerst beunruhi- das Zahlmittel der Rüstungskontrolle militärische
gend - die Drohung Nordkoreas, aus dem Nichtverbrei- Fähigkeiten sind.
tungsvertrag (NW) auszutreten, die Verhöhnung der
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak Im Kern dreht sich Rüstungskontrolle um die Gestalund seine Bestrebungen zum Wiederaufbau seiner tung bestimmter Arten von Beziehungen, Erwartunmilitärischen Fähigkeiten sowie auf der ganzen Welt gen und Verhaltensweisen. Als solches kann sie
ausbrechende Konflikte, die Tragödien ungekannten nützliche Richtlinien auf dem Weg bieten, den wir zu
Ausmaßes verursachen.
selten für eine friedliche Lösung von Streitigkeiten und
die effektive gewaltlose Handhabung konkurrierender
Die Summe dieser - guten und schlechten - Verände- Interessen eingeschlagen haben.
rungen ist die Notwendigkeit zur Neubewertung der
Tagesordnung für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Wenn Rüstungskontrolle diese Rolle jedoch erfolgNichtverbreitung sowie der fortgesetzten Anpassung reich spielen soll, müssen wir vier vordringliche Aufgavon Rüstungskontrolle an das sich abzeichnende si- ben erfüllen:
cherheitspolitische Umfeld. Die RüstungskontrollprakAMERIKA DIENST 43

Seite 1

�1.

Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme,

2.

Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle,

3.

Anwendung der Lehren der Rüstungskontrolle
und vertrauensbildender Maßnahmen bei der
Beilegung regionaler Streitigkeiten und

Unterzeichner - streben Mutmaßungen zufolge
offensive chemische Waffenfähigkeiten an.
Trotz des seit 20 Jahren aufgrund der Konvention über biologische Waffen (BW-Konvention)
bestehenden Verbots biologischer Waffen haben wir Beweise, daß einige Länder die Entwicklung biologischer Waffen weiterverfolgen.

In Washington engagiert man sich dafür, in der Nichtverbreitungsarena über das "business as usual" hin4.
Beseitigung überflüssiger Waffen und Überka- auszugehen. Präsident Clinton unterstrich sein Engapazitäten der Rüstungsindustrien aus der Zeit gement in seiner jüngsten Rede vor der Generalverdes Kalten Krieges.
sammlung der Vereinten Nationen, in der er NichtverIch möchte Ihnen kurz darlegen, wie meine Regierung breitung "zu einer der obersten Prioritäten unserer
die von uns erzielten Fortschritte bei der Ausführung Nation" erklärt hat. "Wir beabsichtigen, die Nichtverdieser entscheidenden Aufgaben und den vor uns breitung enger in das Gefüge unserer Beziehungen zu
den Nationen und Institutionen der Welt einzubezieliegenden Herausforderungen sieht.
hen."
Nichtverbreitung
Bei dieser Gelegenheit hat der Präsident auch einen
Das globale Umfeld der Nichtverbreitung hat sich umfassenden Ansatz zur Nichtverbreitung bekanntgedramatisch verändert. Ebenso wie die bereits erwähn- geben und drei Prinzipien umrissen, von denen unsere
ten Veränderungen jedoch sowohl positive als auch Politik zu Nichtverbreitung und Exportkontrollen geleinegative Entwicklungen enthielten, ist das Nichtver- tet sein wird. Das erste - Nichtverbreitung zu einer
breitungsumfeld von Erfolgen und schlimmen Vorah- höheren Priorität zu machen und sie fester in unsere
Beziehungen zu anderen Ländern zu integrieren nungen gekennzeichnet:
habe ich bereits erwähnt.
Das internationale Engagement für die Sache
der Nichtverbreitung wächst nach wie vor stän- Das zweite Prinzip ist, daß die Vereinigten Staaten
dig, wie durch den jüngsten Beitritt Südafrikas, aktiv die Erweiterung von Handel und TechnologieausFrankreichs und Chinas zum Nichtverbreitungs- tausch mit Nationen anstreben, einschließlich ehemavertrag (NW) sowie durch Argentiniens und ligen Gegnern, die globale Nichtverbreitungsnormen
Brasiliens Bestrebungen zur Inkraftsetzung des einhalten.
Vertrags von Tlatelolco unter Beweis gestellt.
Schließlich werden die Vereingten Staaten versuchen,
Obwohl der Zusammenbruch der Sowjetunion einen neuen Konsens - sowohl im In- als auch im
nicht zum Entstehen neuer Nuklearwaffenstaa- Ausland - zu bilden, um die Nichtverbreitungsbestreten führte, hat in der Ukraine die Debatte über bungen zu fördern und sie in unsere wirtschaftlichen
die Ratifizierung des START-Vertrags und die Ziele einzubeziehen.
Einhaltung des NW Fragen über die Zukunft
der in der ehemaligen Sowjetunion verbliebe- Als Reaktion auf die Geißel der Verbreitung von
nen Nuklearwaffen aufgeworfen. Die falschen Massenvernichtungswaffen besteht unsere erste AufAntworten könnten das gesamte Nichtverbrei- gabe in der Stärkung des Fundaments für Nichtverbreitung. Die zweite Aufgabe ist, darauf aufzubauen.
tungsregime bedrohen.
Traditionelle Lieferanten haben die Exportkon- Nuklerae Nichtverbreitung
trollen im Zusammenhang mit der Verbreitung
von Waffen verschärft, während neu auftretende Lieferanten diese Bestrebungen zu unterminieren versuchen.

Mit nahezu 160 Vertragsparteien ist der NW ein
Eckpfeiler des internationalen nuklearen Nichtverbreitungsregimes und die oberste rechtliche und politische
Barriere für die weitere Verbreitung von Nuklearwaffen. Der NW spiegelt den internationalen Konsens
Die Zahl der Mitglieder des NW hat sich auf
gegen die Verbreitung von Nuklearwaffen wider, die
nahezu 160 erhöht, einschließlich aller fünf Nueine der ernsthaftesten Bedrohungen der globalen
klearwaffenstaaten. Mitglieder wie Nordkorea
Sicherheit und Stabilität ist. Seit über 20 Jahren hat der
und Irak, die den NW nicht einhalten, untergraNW seinen Parteien Sicherheit und wirtschaftliche
ben jedoch die Wirksamkeit des Vertrags.
Vorteile gebracht. Durch die erfolgreiche EindämÜber 150 Nationen haben die Chemiewaffen- mung der Verbreitung von Nuklearwaffen hat der NW
konvention unterzeichnet, aber einige der Nicht- die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und andeunterzeichner - und vielleicht auch einige der rer zum Abbau ihrer eigenen Kernwaffenarsenale erleichtert.

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�Die sicherheitspolitischen Vorteile des N W sind in
jeder Region der Welt offenkundig. Die Einhaltung des
N W durch Südafrika im Jahr 1991 hat beispielsweise
die Sicherheit aller afrikanischen Staaten erhöht und
einen konkreten Beitrag zu den regionalen Bestrebungen zur Gründung einer nuklearwaffenfreien Zone in
Afrika geleistet. Der N W kann einen entscheidenden
Beitrag leisten sowie die durch den Zusammenbruch
der ehemaligen Sowjetunion möglicherweise verursachte Verbreitung von Nuklearwaffen eindämmen.
Die Einhaltung des N W durch alle neuentstandenen
Staaten wird zur Beseitigung des Risikos der gefährlichen Verbreitung von Kernwaffen beitragen und produktive Beziehungen zu den Nachbarstaaten und
anderen erleichtern. Die uneingeschränkte Einhaltung
von Nordkoreas Verpflichtungen im Rahmen des N W
ist ebenfalls unabdingbar für den Abbau der Spannungen in Asien.
Der N W hat auch die weitreichende Zusammenarbeit
bei der friedlichen Nutzung von Atomenergie für die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefördert, insbesondere in den Entwicklungsländern. Viele Staaten
konnten aufgrund ihrer Mitgliedschaft im N W von den
Vorteilen der Kemwaffentechnologie für friedliche
Zwecke profitieren.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des
N W im Jahr 1995 die beste Versicherung für den
weiteren Beitrag des Vertrags zu globaler Sicherheit
ist. Er wird der internationalen Staatengemeinschaft
die lebenswichtige und verläßliche Grundlage verleihen, auf der weitere Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen verfolgt werden können. Er wird zuverlässigen Zugang zu Nuklearmaterial und -technologie
für die NW-Parteien gewährleisten. Infolgedessen
werden die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende tun, um die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des N W im Jahr 1995 sicherzustellen.
Während wir den N W stärken, müssen wir jedoch
auch unsere weitergehenden Bestrebungen zur Beendigung der Verbreitung von Nuklearwaffen erweitern.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ihre
Unterstützung fürzwei Initiativen bekanntgegeben, bei
denen wir an alle Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft appellieren, unserem Beipiel zu folgen.
Die erste ist eine multilaterale Konvention über das
Verbot der Produktion von hochangereichertem Uran
oder der Trennung von Plutonium für Nuklearexplosionen außerhalb der internationalen Sicherheitsvorschriften. Ein solches Abkommen wird andere Maßnahmen
ergänzen, die wir im Zusammenhang mit spaltbarem
Nuklearmaterial zu verfolgen beabsichtigen. Dazu
zählen:
Die Beseitigung - wo immer dies möglich ist - der
Anhäufung übermäßiger Bestände an hochan-

AMERIKA DIENST 43

gereichertem Uran oder Plutonium und die Sicherstellung, daß die bereits existierenden
Materialien den höchsten Normen der Sicherheit und internationalen Zählweise unterliegen.
Abbau der Notwendigkeit für hochangereichertes Uran in zivilen nuklearen Aktivierungseinrichtungen.
Ermutigung restriktiverer regionaler Arrangements zur Begrenzung der Produktion von
spaltbarem Material in instabilen Regionen mit
einem hohen Weiterverbreitungsrisiko.
Inspektionen des nicht länger für die Abschrekkung der Vereinigten Staaten benötigten spaltbaren Materials durch die internationale Atomenergie-Organisation.
Verfolgung des Kaufs von hochangereichertem
Uran aus der ehemaligen Sowjetunion und
anderen Ländern sowie seine Nutzung für friedliche Zwecke als Reaktorbrennstoff.
Das zweite vorrangige Ziel der Vereinigten Staaten eine entscheidende Änderung der Politik unter der
Clinton-Administration - ist der unverzügliche Abschluß
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTB). Wir begrüßen die Entscheidung der Genfer Abrüstungskonferenz, ihrem Ad-hoc-Ausschuß für ein Atomtestverbot
ein Mandat zur Aushandlung eines CTB zu verleihen,
und sehen einer aktiven Rolle unsererseits bei diesen
Verhandlungen entgegen, wenn die Genfer Abrüstungskonferenz im Januar ihre neue Sitzungsrunde aufnimmt. Darüber hinaus hoffen wir, daß wir in diesem
Jahr eine Resolution über ein Testverbot des Ersten
Ausschusses unterstützen können.
Die Vereinigten Staaten vertreten von jeher die Auffassung, daß diesen Zielen auch mit der Einhaltung des
andauernden Moratoriums für Atomtests durch alle
Nuklearstaaten gedient wäre. Bedauerlicherweise
teilen nicht alle Staaten diese Ansicht, und die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die chinesische Entscheidung zur Durchführung eines unterirdischen
Atomtests. Präsident Clinton hat China aufgefordert,
von weiteren Tests Abstand zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Nuklearmächten das globale
Testmoratorium einzuhalten - ein unerläßlicher Beitrag zur Erlangung eines baldmöglichen umfassenden
Atomtestverbots.
Nichtverbreitung chemischer und biologischer
Waffen
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die
Beseitigung chemischer und biologischer Waffen ist
nicht weniger stark als ihr Engagement für die nukleare
Nichtverbreitung. Die Unterzeichnung der Konvention
über chemische Waffen (CW-Konvention) im Januar
dieses Jahres ist ein Meilenstein in der Rüstungskon-

Seite 3

�trolle, der alle Pattsituationen durchbricht und neue
Verfahrensweisen eröffnet.

tungchemischerund biologischer Waffen verfolgt. Die
Australiengruppe hat stets die universelle und effektive Durchführung der CW- und BW-Konventionen
Wir sind erfreut, daß bis Oktober 1993 über 150 unterstützt und wird weiter auf die Erlangung dieses
Staaten die CW-Konvention unterzeichnet haben. Die Ziels durch die Förderung multilateraler ExportkontrolEinhaltung sollte jedoch universell sein. Wir fordern len für C- und B-waffenfähiges Material und Gerät
alle Staaten zur Unterzeichnung der Konvention auf. hinarbeiten, das für Waffenprogramme beschafft werden
Ein solcher Schritt ist nicht ein Akt des Großmuts, soll. Die Vereinigten Staaten fordern alle Länder auf,
sondern des Eigeninteresses.
die Durchführung von Exportkontrollisten der Australiengruppe in Erwägung zu ziehen.
Ich kann nur Präsident Clintons Appell an alle Signatarstaaten einschließlich der Vereinigten Staaten wieder- Nichtverbreitung von Raketen
holen, die CW-Konvention so schnell wie möglich zu
unterzeichnen, damit sie zum frühesten Zeitpunkt in Die Einführung moderner Raketenfähigkeiten in die
nur 15 Monaten in Kraft treten kann. Wir werden das Arsenale einer zunehmenden Zahl von Staaten verAbkommen dem amerikanischen Senat voraussicht- wandelt das geostrategische Umfeld in ein gefährlilich in diesem Herbst unterbreiten und hoffen, er hat die cheres Terrain. Sie schaffen neue Bedrohungen auf
Beratungen bis Anfang 1994 abgeschlossen und seine größere Entfernungen, bei denen zuvor keine BedroZustimmung erteilt.
hung existierte. Sie nähren das Schreckgespenst von
Bevölkerungen, die weit entfernt von einer militäriWährend wir dem Inkrafttreten der Konvention erwar- schen Konfrontation Opfer eines nuklearen, chemitungsvoll entgegensehen, sind wir durch die Arbeit der schen oder biologischen Angriffs werden. Sie führen
CW-Vorbereitungskommission in Den Haag ermutigt. neuen Streit und neue Kontroversen in die bereits
Sie hat keine leichte Aufgabe. Die technischen Details belasteten Beziehungen vieler Staaten ein.
sind äußerst umfangreich und die Ausarbeitung der
Verwaltungsverfahren kann zermürbend sein. Diese Als Teil ihrer neuen Initiative zur Nichtverbreitung
Aufgabe ist jedoch entscheidend, wenn die Konven- verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Fördetion effektiv funktionieren soll, und wir werden weiter- rung der Richtlinien des Raketentechnologie-Kontrollhin eine aktive Rolle bei der Gewährleistung überneh- regimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
men, daß die Normen nicht auf Kosten des Nutzens als globaler Nichtverbreitungsnorm sowie als Mechagesenkt werden. Wir ermutigen die anderen Staaten, nismus für gemeinsame Aktionen zur Bekämpfu ng der
dasselbe zu tun.
Verbreitung von Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
Konvention über biologische Waffen (BW) seit ihrem
Inkrafttreten in mehrfacher Weise verbessert wurde,
einschließlich der weitverbreiteten und zunehmenden
Mitgliedschaft sowie derdrei Überarbeitungskonferenzen. Die Vereinigten Staaten unterstützen weitere
Bestrebungen zur Verbesserung der BW-Konvention.
Im einzelnen streben wir die Schaffung eines Transparenz-Regimes an, das die Wirksamkeit der Konvention
und ihre Einhaltung verbessert.
Wir unterstützen den einhelligen Bericht der zur Identifizierung und Prüfung potentieller BW-Verifizierungsmaßnahmen einberufenen Ad-hoc-Gruppe von Regierungsexperten, die vor kurzem ihre Arbeit beendet hat.
Der Bericht wird allen Parteien zur Erörterung vorgelegt. Wenn die Mehrheit der Staaten die Einberufung
einer Konferenz zur Prüfung des Berichts beantragt,
wird eine solche Konferenz anberaumt. Die Vereinigten Staaten ermutigen alle Parteien, dies ernsthaft in
Erwägung zu ziehen und unterstützen die frühzeitige
Einberufung einer solchen Konferenz.
Zusätzlich zur Unterstützung der Vereinigten Staaten
für die CW- und BW-Konventionen nehmen sie auch
an der aus 25 Mitgliedern bestehenden Australiengruppe teil, die multilaterale Maßnahmen - einschließlich Exportkontrollen - zur Verhinderung der Verbrei-

Seite 4

Wir müssen die wachsende Bedrohung von leichter
verfügbaren Raketenfähigkeiten meistern. Die Freunde und Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind durch
ballistische Raketenfähigkeiten in Krisengebieten wie
dem Golf und der koreanischen Halbinsel einem Risiko
ausgesetzt. Eine solche Entwicklung liegt in niemandes Interesse. Wir müssen das Problem sowohl von
der Angebots- als auch von der Nachfrageseite angehen.
Förderung globaler Rüstungskontrollnormen
Die Stärkung bereits existierender Grundlagen der
Nichtverbreitung - NW, BW-Konvention, CW-Konvention sowie der Nichtverbreitungsgruppen wie das
Raketentechnologie-Kontrollregime, die Gruppe der
Lieferanten von Atommaterial und die Australiengruppe - tragen zur Erreichung unseres zweiten großen
Rüstungskontrollziels bei und fördern globale Normen
für die Rüstungskontrolle.
Die von der internationalen Staatengemeinschaft befürworteten Normen spiegeln sich auch in der Unterstützung von internationalen Institutionen bei der
Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung
wider.
Aus diesem Grund muß die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), die bei der Anwendung interAMERIKA DIENST 43

�nationaler Sicherheitsvorschriften unter dem NW eine
wichtige Rolle spielt, die für effiziente Arbeit erforderliche finanzielle Unterstützung erhalten. Die Vereinigten Staaten und andere Länder sollten bereit sein, mit
der IAEO die zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung
nötigen Informationen auszutauschen und sie politisch
uneingeschränkt unterstützen.
In ähnlicher Weise muß die Vorbereitungskommission
für die CW-Konvention sicherstellen, daß die zur
Durchsetzung der CW-Konvention in Übersee geschaffene Organisation für das Verbot chemischer
Waffen (Organization for the Prohibition of Chemical
Weapons - OPWC) effizient und effektiv ist und nicht
zu einer aufgeblähten internationalen Bürokratie wird,
in der die Interessen der Bürokraten an erster Stelle
stehen und die des Vertrags erst an zweiter.

Unterstützung regionaler Rüstungskontrolle
Die dritte große auf der Tagesordnung für die Rüstungskontrolle nach dem Kalten Krieg stehende Aufgabe ist die Anwendung der aus der Rüstungskontrolle
gezogenen Lehren sowie vertrauensbildender Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Konflikte. Ebenso wie andere Aspekte der internationalen Rüstungskontrolle geben die Aussichten für regionale Rüstungskontrolle Anlaß zu Optimismus und Besorgnis gleichermaßen.
Positiv ist, daß eine Reihe von Entwicklungen das
wachsende Interesse der Staaten an einem regionalen
Ansatz zu Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden
Maßnahmen widerspiegeln. Im vergangenen Jahr
konnten wir folgendes beobachten:

Die Vereinten Nationen verkörpern ebenso wie die
Genfer Abrüstungskonferenz globale Rüstungskontrollnormen. Einzelnen Mitgliedern gefällt vielleicht
nicht jeder Aspekt ihrer Arbeit oder jede vorgebrachte
Idee, aber die von ihnen organisierten Foren - wie das
heutige Treffen - sind für die Förderung der Völkerverständigung, die der Kern einer globalen Norm ist,
unabdingbar.

Den Beginn eines Dialogs über Sicherheitsfragen unter den Mitgliedern des Verbands Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations - ASEAN) sowie Bestrebungen einiger Staaten Südostasiens zur Förderung der Suche nach einer Lösung potentieller
Konfliktursachen wie dem Disput über die Spratlyinseln.

Die Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen ist
ebenfalls eine entscheidende Norm. Die Frage der
Einhaltung ist in der Tat von grundlegender Bedeutung. Ereignisse wie die fortgesetzte Verletzung der
Resolutionen des Sicherheitsrates und das Entstehen
neuer Staaten auf der ganzen Welt betonen erneut die
Bedeutung einer universellen Beachtung von Rüstungskontrolle fürdie Weltordnung. Die Vereinigten Staaten
und andere sie unterstützende Länder planen die
Wiedereinführung einer Resolution über diese wichtige Angelegenheit.

Die fortgesetzte Realisierung und Erforschung
der Möglichkeiten regionaler Rüstungskontrolle
durch die Staaten Lateinamerikas, beispielsweise Argentinien.

Internationale Vorschriften manifestieren sich auch in
unseren Maßnahmen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung. Unsere Exportkontrollsysteme reflektieren
beispielsweise unsere wahre Einstellung zu den Verpflichtungen, die wir durch unseren Beitritt zu multilateralen Abkommen eingegangen sind. Wirksame
Exportkontrollen unterstreichen die Ernsthaftigkeit
unserer Absichten sowie unsere Erkenntnis, daß
multilaterale Abkommen und multilaterale Exportkontrollen komplementäre Instrumente zur Erreichung
von Zielen bei Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung
sind. Aus diesem Grund harmonisieren die Vereinigten Staaten ihre Kontrollen im Inland so weitgehend
wie möglich mit den multilateral vereinbarten. Gleichzeitig schaffen wir unilaterale Kontrollen ab, die nicht
von essentieller Bedeutung für unsere nationale Sicherheit sowie unsere außenpolitischen Interessen
sind und arbeiten mit anderen Ländern zusammen, um
veraltete Kontrollen zu beseitigen, die den rechtmäßigen Handel ungebührlich erschweren.

AMERIKA DIENST 43

Stetige Fortschritte der Arbeitsgruppe für multilaterale Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit (Arms Control and Regbnal Security - ACRS),
die als Teil des Friedensprozesses im Nahen
Osten ins Leben gerufen wurde.
Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone
in Afrika.
Diese und ähnliche Entwicklungen demonstrieren, daß
einzelne Regionen unterschiedliche sicherheitspolitische Bedürfnisse und Probleme haben und deshalb
die Staaten dieser Regionen auf sie zugeschneiderte
Rüstungskontrollbestrebungen unternehmen können,
um nicht nur Frieden und Stabilität im eigenen Land zu
fördern, sondern auch in der internationalen Staatengemeinschaft als Ganzes.
Besorgniserregend ist, daß das Interesse an regionaler Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden Maßnahmen nicht von allen geteilt wird. Einige Staaten
müssen noch überzeugt werden, daß Rüstungskontrolle ein nützliches Instrument für die Regelung schwieriger Beziehungen zwischen Staaten sein kann. Andere
wiederum entzogen sich ihrer kollektiven Verantwortung, praktische und angemessene Schritte zur Rüstungskontrolle zu unternehmen, und versteckten sich
hinter dem nicht stichhaltigen Argument, daß es bei
der Rüstungskontrolle darum gehe, die Waffen anderer, vor allem der Supermächte, zu kontrollieren.

Seite 5

�Eine auf der Tagesordnung für Rüstungskontrolle und
vertrauensbildende Maßnahmen weit oben stehende
quälende Frage ist die destabilisierende Auswirkung
übermäßiger konventioneller Aufrüstung. Die Verantwortung für eine solche Anhäufung wird häufig den
Staaten zugeschoben, die Waffen liefern. Obwohl die
Industrienationen tatsächlich Überkapazitäten in der
Rüstungsindustrie sowie überschüssige militärische
Ausrüstung haben, ist ein Großteil dessen nachfragebedingt. Obwohl die Lieferantenstaaten einen Teil der
Verantwortung für destabilisierende Waffentransfers
tragen, sind es vorrangig die Abnehmer der Waffen,
die die Auswirkungen ihrer Rüstungskäufe auf die für
die sozio-ökonomische Entwicklung eines Landesund
die regionale Stabilität verfügbaren Ressourcen abwägen müssen.

weise den Vorschlag unterbreitet, daß die Staaten
Informationen über militärische Bestände und Beschaffung durch die nationale Produktion bereitstellen.
Wir sehen der Arbeit der Genfer Abrüstungskonferenz
im nächsten Jahr im Hinblick auf diesen Vorschlag und
einige andere jetzt auf dem Tisch liegende entgegen.

Die Einrichtung und Arbeit des durch die Resolution
über Transparenz im Rüstungsbereich geschaffenen
Ad-hoc-Ausschusses, des seit mehreren Jahren von
der Genfer Abrüstungskonferenz ersten neu eingerichteten Ausschusses und des einzigen zu konventioneller Rüstung, war eine wichtige und positive Entwicklung. Wir sind jedoch enttäuscht, daß nur einige
Staaten zur Diskussion entscheidender Fragen bereit
sind, die sie stark betreffen, beispielsweise Transparenz beim Transfer konventioneller Waffen. Ferner
sind
wir enttäuscht, daß einige Mitgliedstaaten der
Maßnahmen zum Transfer von Waffen - sowohl seiGenfer
Abrüstungskonferenz den Versuch zur Erweitens der Käufer als auch der Verkäufer - müssen in
terung
des
Anwendungsbereichs dieser Resolution
Betracht ziehen, daß zwischen den legitimen Verteidiunternommen
haben, um Massenvernichtungswaffen
gungserfordernissen und dem internationalen Sichermit
einzubeziehen
und die Diskussion von Fragen zu
heitsinteresse an der Verhinderung einer destabilisiekonventionellen
Waffen
abzulenken, die eine direktere
renden Aufrüstung ein Gleichgewicht aufrechterhalten
Auswirkung
auf
ihre
eigene
Sicherheitspolitik haben.
werden muß, insbesondere in Spannungsgebieten
oder Konfliktregionen.
Bevor ich auf das nächste Thema zu sprechen komZur Erlangung dieses Gleichgewichts verdient nach me, möchte ich eine weitere bedeutende Maßnahme
Ansicht der Vereinigten Staaten der Vorschlag des zur Verbesserung der Transparenz erwähnen. Am 6.
UN-Generalsekretärs zu regionalen Abkommen ernst- August dieses Jahres gab der Senat seine Ansichten
hafte Prüfung, genauer zu definieren, was übermäßige und Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über
oder bedrohliche militärische Kapazitäten darstellen. Offene Himmel, der bis heute weitestgehenden internationalen Bestrebung zur Förderung von Offenheit
Andere Punkte auf der Tagesordnung für regionale und Transparenz der Streitkräfte und ihrer Aktivitäten.
Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnah- Der Vertrag sieht ein vertrauensbildendes Regime von
men - die häufig eng mit dem Problem des Waffen- gegenseitigen Beobachtungsflügen über dem gesamtransfers verbunden sind - beziehen sich auf Transpa- ten Gebiet aller Signatarstaaten vor - einem riesigen
renz und Offenheit. Wenn keine regionale Verständi- Territorium.
gung darüber erreicht werden kann, was unter übermäßiger Aufrüstung zu verstehen ist - die wahrschein- Der Vertrag über Offene Himmel, der am 24. März
lich geraume Zeit erfordern wird - wäre ein leichterer 1992 in Helsinki von 25 Staaten unterzeichnet wurde,
Schritt zur Erlangung dieses Ziels größere Offenheit wird nach der Hinterlegung von 20 Ratifizierungsurund Transparenz bei der Waffenbeschaffung.
kunden in Kraft treten, einschließlich der aller Staaten
mit einer passiven Quote von acht oder mehr Flügen.
Aus der Perspektive der Vereinigten Staaten sind 80 Wir ermutigen alle Signatarstaaten, die Ratifizierung
Reaktionen auf das 1991 durch die Resolution über des Vertrags zügig vorzunehmen.
Transparenz im Rüstungsbereich (Transparency in
Armaments - TIA) erstellte UN-Register über konven- Der potentielle Umfang von Offene Himmel geht weit
tionelle Waffen eine gute Reaktion - aber nicht gut über die Grenzen seiner anfänglichen Signatarstaaten
genug. Das UN-Register über konventionelle Waffen hinaus. Die neuen unabhängigen Staaten der ehemakann ganz offensichtlich verbessert werden, und die ligen Sowjetunion werden als neue Mitglieder angeseVereinigten Staaten sehen dem für nächstes Jahr hen und können jederzeit beitreten. Andere Mitglieder
anberaumten Treffen von Regierungsvertretern er- der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
wartungsvoll entgegen, einschließlich einer verstärk- Europa (KSZE) werden wahrscheinlich bald nach
ten Teilnahme von Mitgliedstaaten und besseren Inkrafttreten einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen.
Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten wird der Vertrag
Ergebnissen.
jedem interessierten Staat vorbehaltlich der ZustimDie Vereinigten Staaten haben bereits einige ihrer mung aller ursprünglichen Signatarstaaten offensteIdeen zur Förderung von Transparenz und Offenheit hen.
dargelegt. Während der Verhandlungen des Ad-hocAusschusses der Genfer Abrüstungskonferenz über Der Vertrag über Offene Himmel wird zu größerer
Transparenz im Rüstungsbereich haben wir beispiels- Offenheit und Transparenz bei militärischen AngeleSeite 6

AMERIKA DIENST 43

�genheiten in ganz Europa beitragen. Heute hat er
vielleicht größere Auswirkungen, entweder durch
erweiterte Teilnahme an dem Regime oder als mächtiges Modell für andere Regionen.
Nach dem Kalten Krieg
Die letzte große Aufgabe auf der Tagesordnung der
Rüstungskontrolle ist die Beseitigung des Schattens,
den die Relikte des Kalten Krieges werfen, einschließlich der Überrüstung auf atomarer und konventioneller
Ebene sowie der Überkapazität der Rüstungsindustrie.
Sicherstellung der Ratifizierung von START
Am 3. Januar 1993 unterzeichneten die Vereinigten
Staaten und Rußland das zweite Abkommen über die
Verringerung strategischer Rüstungen. Dieses im
allgemeinen als START-II-Vertrag bezeichnete Abkommen setzt den Prozeß der Stabilisierung des Abbaus
von Atomwaffenbeständen in den Vereinigten Staaten
und Rußland fort, der mit dem START-I-Vertrag begonnen wurde. Er geht jedoch über START I hinaus,
da er die Stabilität der verbleibenden Arsenale drastisch erhöht, indem er die Bestände spätestens bis
zum Jahr 2003 auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Waffen senkt. Auch verbietet er schwere und mit
Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ballistische Interkontinentalraketen, die traditionsgemäß als die destabilisierendsten erachtet werden.
START II ist ein bilateraler Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland. Im Unterschied
dazu ist START I ein multilateraler Vertrag zwischen
den Vereinigten Staaten, Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine. Er besteht aus unabhängigen
Abkommen, die gleichzeitig in Kraft treten. START II
basiert jedoch auf den Definitionen und Verifikationsverfahren von START I. START II kann gemäß seinen
eigenen Bestimmungen nicht umgesetzt werden, bevor
START I in Kraft tritt.
Die baldmögliche Inkraftsetzung dieser beiden Abkommen ist ein Hauptziel der Vereinigten Staaten.
Sicherheit und Abrüstung
Obwohl wir der Ansicht sind, daß sich die Atomwaffen
in der ehemaligen Sowjetunion unter zuverlässiger
Kontrolle befinden, hat der Zusammenbruch der
Sowjetunion zu neuer Besorgnis über die Sicherheit
dieser nuklearen Systeme geführt. Im Laufe der
vergangenen zwei Jahre hat der Kongreß nahezu 1
Milliarde Dollar für die sichere Zerlegung von Massenvernichtungswaffen und die Verhinderung der Weiterverbreitung solcher Waffen bewilligt und beabsichtigt
im kommenden Jahr weitere 400 Millionen Dollar hierzu bereitstellen.
Unsere Aktivitäten in diesem Bereich ergänzen die
Umsetzung von Rüstungskontrollabkommen, stehen

AMERIKA DIENST 43

jedoch nicht in direktem Zusammenhang damit. Eine
Anzahl von Abkommen ist bereits in Kraft getreten,
darunter zehn Abkommen mit Rußland über Fragen
wie Hilfe beim Entwurf von Lagern für spaltbares
Material, Kontrolle und Nachweis von spaltbarem Material
sowie Zerlegung strategischer Offensivwaffen. Mit
Belarus wurden sechs Abkommen geschlossen, und
zur Zeit handeln wir Rahmenabkommen mit Kasachstan und der Ukraine aus, denen Zusatzabkommen
zur Durchführung folgen sollen.
Umsetzung von KSE und die Zukunft der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
Der infolge des Kalten Krieges entstandene militärische Schatten wurde nicht nurvon Atomwaffen geworfen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen war Europa
die am stärksten bewaffnete Region auf der Welt.
Dieses Problem ging der Vertrag über konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) an noch bevor die Berliner
Mauer fiel. Heute steht der KSE-Vertrag kurz vordem
Ende des ersten Jahres einer dreijährigen Phase für
die Reduzierung großer Mengen konventioneller
Rüstungen.
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, daß die KSEVertragsparteien bisher den Abbau - im allgemeinen
durch Zerstörung - von mehr als 13.900 Panzern,
gepanzerten Kampffahrzeugen, Artillerieteilen, Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern bekanntgegeben haben - eine nach jedermanns Maßstab erhebliche Reduzierung. Zudem haben wir noch zwei weitere
Jahre, bis 1995, bevor wir in die Abbauphase eintreten.
Insgesamt ist die Umsetzung des KSE-Vertrags
bemerkenswert gut vonstatten gegangen. Der KSEVertrag ist sehr kompliziert und seine Umsetzung war
nicht ohne Mängel. Einige Probleme müssen noch in
Wien von dem Gremium zur Überwachung des Vertrags, der Gemeinsamen Konsultativgruppe, behandelt werden.
Wir hoffen und erwarten, daß sich dieser positive
Zustand fortsetzen wird. Die erneute Verhandlung der
Bestimmungen des Vertrags liegt in niemandes Interesse. Ein solcher Versuch würde die heiklen Kompromisse, die den KSE-Vertrag ermöglichten, gefährden.
Selbst in diesen veränderten Zeiten bleibt der KSEVertrag ein fundamentaler Bestandteil des europäischen Sicherheitssystems nach dem Kalten Krieg. Er
muß wirksam funktionieren und seine Ziele einer
umfassenden Reduzierung konventioneller Waffen
erreichen, bevor weitere Schritte in Betracht gezogen
werden können.
Das bedeutet jedoch nicht, daß man nicht über zusätzliche Rüstungskontrollbestrebungen und vertrauensbildende Maßnahmen als Beitrag zur Sicherheit in
Europa nachdenken sollte. Das ist in der Tat die
Aufgabe des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit. Dieses Forum hat nach einjährigem Beste-

Seite 7

�hen bereits Fortschritte bei einer Anzahl von Fragen
auf seinem Aktionsplan gemacht. Hierzu zählen ein
Verhaltenskodex auf dem Gebiet der Sicherheitsbeziehungen, Informationsaustausch, Verteidigungsplanung, Entwicklung der Prinzipien der Nichtverbreitung
und des Transfers konventioneller Waffen, Kontakte
zwischen den Militärs einzelner Länder sowie Arbeit an
sicherheits- und vertrauensbildenden Maßnahmen.
Die Arbeit des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit richtet sich auf das für Dezember 1994
anberaumte Folgetreffen der KSZE in Budapest. Wir
hoffen, bis Budapest eine Anzahl von im Zusammenhang mit diesen und anderen Angelegenheiten stehende Fragen abschließen zu können.

Andere Fragen konventioneller Waffen
Die Vereinigten Staaten bringen dieses Jahr eine
Resolution ein, die sich mit der Hauptquelle regionaler
Instabilität und menschlicher Tragödien befaßt. Schätzungen der US-Regierung zufolge sind mehr als 85
Millionen nicht entschärfte Landminen in 62 Ländern
weltweit verteilt. Jeden Tag werden neue gelegt.
Ungefähr 150 Menschen - die Mehrheit Zivilisten werden jede Woche von Landminen getötet oder verletzt. Landminen sind eine Quelle regionaler Destabilisierung, da sie wirtschaftlichen Wiederaufbau und
Entwicklung hemmen, die Rückführung von Flüchtlingen verhindern und ein beständiges Element von
Chaos in nach politischer Stabilität strebenden Ländern darstellen.

Rüstungskonversion
Ein Vermächtnis des Kalten Krieges waren nicht nur
Waffen, sondern auch die zu ihrer Herstellung erforderlichen Industrien. Die Konkurrenten bei dieser
Konfrontation sehen sich jetzt einer enormen Überkapazität in der Rüstungsindustrie gegenüber. Die
Konversion dieser Kapazitäten zu friedlicher kommerzieller Nutzung trägt zu Wirtschaftswachstum bei und
ist eine hohe Priorität. Besonders akut ist das Problem
in der ehemaligen Sowjetunion, da diese sich von einer
vom Verteidigungssektordominierten Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft umgestalten will.
Wir alle haben ein Interesse an einer erfolgreichen
Konversion der Rüstungsindustrie, nicht nur weil das
daraus resultierende Wirtschaftswachstum größere
Stabilität fördern sollte, sondern auch weil sie anderen
wichtigen Zielen der Rüstungskontrolle wie der Nichtverbreitung dient. Alternative Beschäftigung von
Wissenschaftlern aus dem Rüstungsbereich in der
ehemaligen Sowjetunion ist beispielsweise zu einem
ganz wichtigen Anliegen geworden. Kurzfristige zivile
Forschungs- und Entwicklungsprojekte für diese Wissenschaftlerwerden durch die neugeschaffenen internationalen Wissenschafts- und Technologiezentren in
Moskau und Kiew finanziert. Darüber hinaus haben
diese Wissenschaftler die Möglichkeit, langfristig Hightech-Unternehmen im Zivilbereich zu schaffen, die
kommerziell tragfähig sind. Zur Untersuchung dieses
Konzepts hat meine Behörde in Zusammenarbeit mit
dem Energieministerium und dem russischen Atomenergieministerium unternehmerische Workshops in
Moskau unterstützt, an der eine Reihe russischer
Atomforscher teilnehmen.

Unseres Erachtens ist es an der Zeit, dieses Problem
an der Wurzel zu packen. Im vergangenen Jahr hat die
amerikanische Regierung ein einjähriges unilaterales
Moratorium für den Export von gegen Personen gerichtete Landminen verlängert. Der Senat verabschiedete vor kurzem einstimmig eine dreijährige Verlängerung dieses Moratoriums. Wir erwarten, daß das
Repräsentantenhaus in Kürze über diese Frage abstimmt. Ich bitte Sie um die Unterstützung meiner
Regierung bei ihren Bemühungen, die Welt mit Hilfe
von Exportkontrollen von Landminen zu befreien.
Schlußbemerkung
Ich habe heute ausführlich die vor uns liegenden
Aufgaben im Bereich Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung angesprochen, weil es von Bedeutung ist, die
bestehenden Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse zu erkennen. Wie dieser Überblick zeigt, haben
wir bei mehreren Fragen in einer Reihe von Regionen
mit einer ganzen Anzahl von Rüstungskontrollinstrumenten größere Fortschritte gemacht.

Wir haben Fortschritte erzielt, aber es liegt noch ein
langer Weg vor uns. Wie ich bereits erwähnte, müssen
wir darüber nachdenken, wie wir Rüstungskontrolle
und vertrauensbildende Maßnahmen nutzen können,
um die für eine stabile und friedliche Welt erforderlichen Erwartungen, Beziehungen und das Verhalten zu
fördern. Wir werden unsere Ziele nicht erreichen,
wenn wir nicht die gefährliche Tendenz der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen umkehren
können, wenn wir nicht strenge internationale Normen
für die Nichtverbreitung aufstellen und beibehalten
können, wenn wir nicht zur Beilegung von StreitigkeiDas Problem ist natürlich nicht allein Rußland oder die ten in jenen Regionen der Welt beitragen können, die
Ukraine. Die anderen Staaten der ehemaligen Sowjet- am anfälligsten für Gewalt und Konflikte sind, wenn
union, die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Pakts, uns nicht die sichere und dauerhafte Beseitigung der
die NATO und die Vereinigten Staaten selbst sehen Überreste des Kalten Krieges gelingt.
sich Herausforderungen unterschiedlicher Größenordnung im Bereich der Rüstungskonversion gegenüber. Veränderungen in der internationalen Situation beinIn einer Welt, in der wirtschaftliche Sicherheit in der Öf- halten zwar möglicherweise Gefahren und sicherlich
fentlichkeit an erster Stelle steht, können wir es uns Herausforderungen, jedoch auch die Hoffnung, den
nicht leisten, die Technologie und das Talent der Ver- Antagonismus des Kalten Krieges durch Zusammenarbeit zu ersetzen und ein immer stabileres strategiteidigungsindustrie ungenutzt zu lassen.
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AMERIKA DIENST 43

�sches Gleichgewicht zu schaffen, die Weiterverbreitung zu verhindern und regionale Konflikte einzudämmen. Wir werden dazu beitragen, diese Hoffnungen

Realität werden zu lassen, wenn wir alle weiterhin
gemeinsam vernünftige Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen anstreben.

* *

AMERIKA DIENST 43

Seite 9

�UMWELT
27. Oktober 1993

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat einen Aktionsplan zu Klimaveränderungen vorgeschlagen, der die
vielleicht größte Gefahr für die Umwelt unseres Planeten bekämpfen soll. Der Plan beruht weitgehend auf der
freiwilligen Verpflichtung der Industrie, die Emissionen der zurglobalen Erwärmung beitragenden Treibhausgase
zu reduzieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 19. Oktober 1993 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht, die
die Schlüsselelemente von Präsident Clintons Aktionsplan zusammenfaßt.

Überblick und Schlüsselelemente des Plans
Der Aktionsplan zu Klimaveränderungen
umfaßt nahezu 50 Initiativen aus allen Wirtschaftssektoren. Es handelt sich hierum ein die
gesamte Wirtschaft betreffendes Problem, das
Lösungen aus allen Bereichen der Wirtschaft
erfordert,
,,

betrifft alle Treibhausgase - Kohlendioxid, Methan, Stickoxid und andere Gase. Ferner sind
forstwirtschaftliche Maßnahmen vorgesehen, um
den Kohlenstoffvorrat in den amerikanischen
Wäldern zu erhalten,
soll zügig und entschieden umgesetzt werden
und Verzögerungen aufgrund von Gesetzen
und Vorschriften möglichst begrenzen,
fördert die Partnerschaft mit der Industrie, wo
gezielte staatliche Leitung und ein flexibler Ansatz
eine kostengünstige Reduzierung der Emissionen bewirken können. Der Plan fördert Investitionen in Technologien der Zukunft und stärkt
die amerikanische Position auf dem Weltmarkt
für Umwelttechnologie,
wird durch Bundesmittel unterstützt - zwischen
1994 und dem Jahr 2000 mit 200 bis 300 Millionen Dollar jährlich, das sind insgesamt 1,9 Mil-

AMERIKA DIENST 43

liarden Dollar an neuen und umgelenkten Finanzmitteln,
senkt das Defizit durch zwei neue politische
Maßnahmen. Eine erlaubt Pendlern, sich die
vom Arbeitgeber bezahlte Parkgebühr auszahlen zu lassen, wobei der Wert dieser Leistung
dem zu versteuernden Einkommen angerechnet wird. Die zweite würde Privatunternehmern
gestatten, bereits bestehende staatliche Wasserkraftwerke zu modernisieren und den zusätzlich gewonnenen Strom als Gegenleistung
für Pachtzahlungen zu verkaufen. Diese Reformen führen zu Einnahmen aus neuen Markttransaktionen, die zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen und sich zwischen 1994
und dem Jahr 2000 auf 2,7 Milliarden Dollar
belaufen werden,
setzt zwischen 1994 und dem Jahr 2000 Privatinvestitionen in Umwelttechnologien in Höhe
von 60 Milliarden Dollarfrei. Diese Investitionen
zahlen sich für amerikanische Unternehmen
und Bürger aus - sie sollen zwischen 1994 und
dem Jahr 2000 zu einer Senkung der Energiekosten in Höhe von mehr als 60 Milliarden Dollar
führen und zwischen 2001 und 2010 zu weiteren
Energieeinsparungen in Höhe von über 200
Milliarden Dollar,

Seite 1

�umfaßt ein gemeinsames Pilotprogramm, um
Erfahrung bei der Auswertung von Investitionen
in anderen Ländern zur Reduzierung von Emissionen zu gewinnen,
wird aktiv auf Fortschritte bei der Erreichung des
vom Präsidenten gesetzten Zieles hin überprüft
und gegebenenfalls neue Programme zur Sicherstellung einer Reduzierung der Emissionen
ins Leben rufen,
stellt ein Team des Weißen Hauses auf, das
Strategien für die langfristige Reduzierung der
Emissionen entwirft, einschließlich Abgasen von
Kraftfahrzeugen und Lastkraftwagen.
Schlüsselprogramme einzelner Sektoren
Wohnungswesen
Energiesparende Hypothekeninitiative, um
Hausbesitzern bei herkömmlichen Hypotheken
die Möglichkeit zur Finanzierung von Energiesparmaßnahmen einzuräumen, wenn die eingesparten Energiekosten die erhöhte Hypothekenzahlung mehr als ausgleichen.
Aggressivere Normen für die Überprüfung der
Effizienz bei einer Reihe von Haushaltsgeräten,
um den Energieverbrauch und die Stromrechnungen zu senken. Diese Normen werden von
innovativen öffentlichen/privaten Konsortien
ergänzt, die die Hersteller zur Entwicklung
energiesparender Geräte ermutigen, indem sie
der besten Technologie einen Absatzmarkt
garantieren.
Handel
Bedeutend erweiterte Partnerschaftsprogramme fürdie Energieeinsparung in Bürogebäuden.
Diese sind erfolgreichen Bestrebungen des Umweltschutzamtes nachempfunden und enthalten eine Erweiterung des Programms "Green
Light" dieses Amtes sowie neue koordinierte
Bestrebungen des Umweltschutzamtes, genannt
Energy Star Buildings, und des Energieministeriums, genannt Rebuild America program.
Hilfe bei der Finanzierung gemeinsam getragener Demonstrationsprojekte für kommerzielle
Bautechnologie bei staatlichen, bundesstaatlichen und kommunalen sowie privaten Gebäuden.
Industrie
Motoren - eine Partnerschaft zwischen Verwendern von Motoren (die praktisch den größten
Energieverbauch haben), Herstellern, Einrichtungen und dem Energieministerium zur Förderung effizienter Motoren.

Seite 2

Gründung von Marktkonsortien fürden Kauf von
modernen, energiesparenden Geräten für die
Industrie.
Transportwesen
Reform des Parkens, um dem Arbeitnehmer die
Option zu geben, den Gegenwert des vom
Arbeitgeber bezahlten Parkplatzes in bar zu
erhalten als Anreiz, nicht allein zur Arbeit und
zurück nach Hause zu fahren - und Einnahmen
zu schaffen (das statt der Parkgenehmigung
ausgezahlte Bargeld muß als Einnahme versteuert werden).
Eine einjährige Strategie für das Transportwesen. Das Büro für Wirtschaftspolitik des Weißen Hauses (Office of Economic Policy - OEP),
der nationale Wirtschaftsrat (National Economic Council - NEC) und das Büro für Wissenschaft und Technologie des Weißen Hauses
(Office of Science and Technology Policy OSTP) werden ein Team anführen, um zwingend vorgeschriebene oder nicht zwingend vorgeschriebene Mechanismen zum Abbau der
Treibhausgasemissionen des Transportsektors
auszumachen - dem Sektor mit den am schnellsten zunehmenden Emissionen.
Elektrizitätswerke
Freiwillige Verpflichtungen der Elektrizitätswerke zum Abbau der Treibhausgase. Das Energieministerium hat von rund 60 Elektrizitätswerken Absichtserklärungen für die Aushandlung
von Grenzwerten für Treibhausgasemissionen
erhalten, die über 60 Prozent der C02-Emissionen dieses Sektors erzeugen.
Erweiterung der integrierten Ressourcen-Planungshilfe für die Überwacher bundesstaatlicher Elektrizitätswerke zur Verbesserung der
Energiesparprogramme und Entwicklung erneuerbarer Energiequellen.
Normen für elektrische Transformer zur Verbesserung der Übertragungsleistung.
Methan und andere Gase
Aggressive Vorschriften des Umweltschutzamts
für Müllhalden zur Begrenzung der Methanemissionen von Müllhalden und zur Weiterverwendung des aufgefangenen Methans im Energiesektor.
Erweitertes Erdgasprogramm ("Star") des
Umweltschutzamts zur Verringerung des Austretens von Methan aus Erdgasleitungs-Verteilersystemen.
Freiwillige Abkommen und Partnerschaften mit
FCKW- und Aluminiumherstellern zur VerwenAMERIKA DIENST 43

•
,

�düng von hochmodernem Gerät zur Verringerung potentieller Treibhausgasemissionen im
Herstellungsbetrieb.
Forstwirtschaft

Zukunft ein. Der internationale Rahmen bedarf
jedoch noch der Weiterentwicklung. Das Pilotprogramm des Präsidenten trägt zur Vertiefung
der Erfahrungen bei und fördert den internationalen Rahmen. Der Plan erfüllt mit Hilfe von
Aktionen im Inland das für das Jahr 2000 gesetzte Ziel.

Erweiterung dertechnischenHilfedes Landwirtschaftsministeriums an Kleinbau ern fü r bessere
Forstverwaltung, womit der Kohlenstoffvorrat in Überwachung und Beurteilung
stehenden Wäldern erhöht wird.
Der Aktionsplan enthält Bestimmungen für
Erweiterung der Recyclingprogramme des
kontinuierliche Überwachung, Auswertung und
Umweltschutzamts und des Landwirtschaftsmieventuelle Überarbeitung, wenn Emissionstennisteriums, die zur Reduzierung der Nachfrage
denzen anzeigen, daß mehr zur Verwirklichung
nach Urholz für Papier und Pulpe beitragen.
des Ziels getan werden muß, zum Emissionsniveau von 1990 zurückzukehren. Der Plan sieht
Internationale Bestrebungen
ferner interministerielle Arbeitsgruppen unter
dem Vorsitz des Weißen Hauses zur ErarbeiGemeinsames Pilotprogramm zur Durchführung.
tung
einer langfristigen Strategie zu KlimaveProjekte zum Emissionsabbau in Übersee werränderungen
vor, einschließlich Emissionen des
den gemeinsam durchgeführt und nehmen breiten
Transportsektors.
Raum bei den Plänen zahlreicher Länder für die

* *

AMERIKA DIENST 43

Seite 3

�</text>
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