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Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy QÜb© United States of America
^

Z12462C
42

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20. Oktober 1993

DIPLOMATIE

USA SOLLTEN PRÄVENTIVE DIPLOMATIE
PRAKTIZIEREN
Erklärung Christophers bei Einweihung
des Ausbildungszentrums

HAITI

UNO ENTSCHLOSSEN ZU FORDERUNG
DER DEMOKRATIE AUF HAITI
Ansprache von Botschafterin
Albright im UN-Sicherheitsrat

SOMALIA

DIE AMERIKANISCHE POLITIK
IN SOMALIA
Bericht des Weißen Hauses

PORTRAT

RICHARD C. HOLBROOKE
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn

AUSTAUSCHPROGRAMME

AMERIKANISCHE AUSTAUSCHPROGRAMME
BESCHLEUNIGEN REFORMEN IN DER
EHEMALIGEN SOWJETUNION
Große Fortschritte in drei Jahrzehnten

LITERATUR

DIE WERKE VON TONI MORRISON
Nobelpreisträgerin für Literatur

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�DIPLOMATIE
20. Oktober 1993

USA SOLLTEN PRÄVENTIVE
DIPLOMATIE PRAKTIZIEREN
Erklärung Christophers bei Einweihung des Ausbildungszentrums
WASHINGTON - (AD)-Außenminister Christopher erklärte am 13. Oktober 1993, die Vereinigten Staaten sollten
in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine "präventive Diplomatie" praktizieren, weil sie ihnen den Spielraum
verschaffe, "mehr Mittel für die drängenden Herausforderungen der innenpolitischen Erneuerung freizusetzen".
"Wir können nicht jede Krise vorhersehen", erklärte er bei der Einweihung des Nationalen Ausbildungszentrums
für auswärtige Angelegenheiten des Außenministeriums in Arlington (Virginia). "Nachhaltige präventive
Diplomatie kann jedoch Probleme antizipieren oder lösen - oder regionale Konflikte entschärfen - bevor sie eine
Krise auslösen."
Christopher stellte fest, daß die Sicherheit während des Kalten Krieges hauptsächlich auf den militärischen
Fähigkeiten der USA zur Abschreckung beruhte und fuhrfort: "Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Diplomatie
-unterstützt von einer glaubwürdigen Militärmacht - im Namen eines starken und sicheren Amerika neuen Einf lu ß
gewinnen kann."
Das neue Ausbildungszentrum wird jährlich etwa 15.000 Studenten aus 47 mit auswärtigen Angelegenheiten
befaßten Regierungsbehörden der Vereinigten Staaten ausbilden. Es wird 300 Kurse anbieten, darunter 63
Sprachkurse, Landeskunde, Management und Verwaltung, Ökonomie und Politik, Informationssysteme und
Sicherheit in Übersee.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Außenminister Christopher.

Minister Rogers, Minister Vance, Minister ShuKz, Minister wird dieses Zentrum über alles verfügen, mit AusnahEagleburger, Kongreßabgeordneter Moran, Kongreß- me einer Fußballmannschaft.
abgeordneter Wolf, verehrte Kollegen.
Diese Zeremonie ist als öffentliches Ereignis bezeichDieses Zentrum ist ein stolzes Symbol für die überpar- net worden, ich kann mich jedoch des Gefühls nicht
teiliche Zusammenarbeit, die Amerika so gut gedient erwehren, daß es eher wie ein Familientreffen ist. Wir
hat. Die Pläne für dieses Gebäude wurden vor mehr sind zwar eindeutig eine gemischte Gruppe, werden
als einem Jahrzehnt entworfen. Jeder nachfolgende aber durch ein einzigartiges und machtvolles Band
Außenminister hat zu diesem Projekt beigetragen, mit verbunden - wir widmen unser Leben ganz oder teilUnterstützung von Persönlichkeiten wie den Kongreß- weise den außenpolitischen Interessen Amerikas.
abgeordneten Moran und Wolf. Die Unterstützung für
diese Einrichtung im gesamten politischen Spektrum Wir teilen jedoch mehr als nur gemeinsame Erfahrunreflektiert den breiten Konsens, auf dem die Führungs- gen. Wir sind durch unser gemeinsames Engagement
für die fundamentalen Ziele der amerikanischen Aurolle Amerikas basiert.
ßenpolitik miteinander verbunden: Die Sicherheit unserer
In diesem außergewöhnlichen Zentrum sollen jedes Nation zu gewährleisten, ihren wirtschaftlichen WohlJahr 15.000 Studenten in 250 Unterrichtszimmern und stand zu fördern und ihre demokratischen Werte zu
insgesamt 600 Räumen ausgebildet werden. Sie schützen. Die Interessen und Ideale des amerikanikommen aus 47 Regierungsbehörden der Vereinigten schen Volkes waren immer das Kernstück der ameriStaaten und werden 300 Kurse, darunter 63 verschie- kanischen Diplomatie.
dene Sprachkurse belegen können. Soweit ich weiß,
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Seite 1

�Es ist einfach, sich über Karrierediplomaten lustig zu
machen. Die Karikaturisten statten sie schon seit
Jahren mit lustigen gestreiften Hosen aus. Sie putzen
uns heraus um uns anschließend bloßstellen zu können.
Wenn die Nation jedoch in Schwierigkeiten gerät,
wendet sie sich Persönlichkeiten wie Chip Bohlen,
Ellsworth Bunker und Phil Habib zu. Sie wendet sich
an Menschen, deren Namen an den Wänden am
Eingang "C" des Außenministeriums aufgeführt sind die ihr Leben im Dienst für dieses Landes ließen. Und
sie wendet sich an Menschen wie Bob Oakley, den wir
um die Verstärkung unserer diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Blutvergießens in Somalia gebeten haben.
Wir können uns glücklich schätzen, daß die Vereinigten Staaten solch hervorragende Politiker haben. Ich
grüße die vier heute anwesenden Außenminister.

hoffnungsvollen Wendepunkt, an dem wir heute stehen.
Die Clinton-Administration ist die erste Regierung, die
nach dem Ende des Kalten Krieges an die Macht kam.
Wir haben die Chance - und die Verantwortung - die
amerikanische Diplomatie in einer nicht von der Konfrontation der Supermächte belasteten neuen Welt
umzugestalten.
Dieser historische Moment erfordert eine neue Diplomatie, die neue Prioritäten fördert, die den Gefahren
und Chancen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg
Rechnung tragen. Aus diesem Grund macht Präsident
Clinton die Wirtschaftspolitik zum Zentrum unserer
Außenpolitik, aus diesem Grund setzt er die Nichtverbreitung auf die Tagesordnung der neunziger Jahre für
die Rüstungskontrolle, verpflichtet Amerika zu einer
Erweiterung der demokratischen Werte, stellt globale
Fragen in den Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik, beispielsweise den Umweltschutz und die
Bekämpfung der Bevölkerungsexplosion.

Bill Rogers war der Vorreiter bei den historischen
Veränderungen unserer Beziehungen zur Sowjetunion. Er trug zu dem Waffenstillstand im Nahen Osten Diese neuen Prioritäten reflektieren eine breitere Debei. Und er begann die Umstrukturierung des Außen- finition unserer nationalen Sicherheit - und sie werden
ministeriums, auf der wir heute aufbauen.
eine erweiterte Rolle für die Diplomatie unserer Nation
erfordern.
Ich hatte die Ehre, als Stellvertreter von Cyrus Vance
tätig sein zu dürfen. Er spielte eine Schlüsselrolle beim Mehr als zwei Jahrhunderte lang war die Diplomatie
Abschluß des Panamakanal-Vertrages und bei der ein lebenswichtiges Instrument unserer nationalen
Normalisierung unserer Beziehungen zu China. Durch Sicherheit. Aber die Sicherheit während des Kalten
seine zentrale Rolle bei der Aushandlung des Abkom- Krieges basierte hauptsächlich auf unserer Fähigkeit
mens von Camp David stellte er die Weichen für das zur Eindämmung der sowjetischen Macht und zur
letzten Monat geschlossene historische Abkommen Abschreckung eines Krieges. Jetzt ist die Zeit gekomzwischen Israel und der PLO.
men, in der die Diplomatie - unterstützt von einer
glaubwürdigen Militärmacht - im Namen eines starken
Allein das Inhaltsverzeichnis der Memoiren von Ge- und sicheren Amerika neuen Einfluß gewinnen kann.
orge Shultz - ich versichere Ihnen, George, ich habe
weiter gelesen - zeugt von seinen Zeitalter: Der Nahe In diesem großartigen neuen Ausbildungszentrum
Osten, die Sowjetunion, Mittelamerika, der INF-Ver- möchte ich ohne Umschweife über den Wert der
trag. George Shultz hat sich diesen Fragen mit Integri- Diplomatie sprechen. Unsere Nation gibt nicht viel für
tät und Offenheit gewidmet. George Shultz war auch Diplomatie aus - nicht viel verglichen mit den daraus
ein großer Fürsprecher der im Auswärtigen Dienst resultierenden Gewinnen oder anderen Ausgaben.
tätigen Männer und Frauen - was dieses Zentrum Wir wenden nur 1 Prozent der Bundesausgaben für
internationale Angelegenheiten auf, wozu nicht nurdie
beweist, für das er den Grundstein legte.
Betriebskosten des Außenministeriums zählen, sonLarry Eagleburger, ein ehemaliger Student am Foreign dern auch Auslandshilfe und Beiträge fürdie Vereinten
Service Institute, ist einerdertalentiertesten, erfahren- Nationen.
sten und sachlichsten Karrierediplomaten. Larry erkannte ganz offensichtlich die Prioritäten des Zeital- Diejenigen von uns, die die Außenpolitik der Vereinigters nach dem Kalten Krieg. Seine "Bill of Rights" für ten Staaten durchführen, posaunen für gewöhnlich
die Wirtschaft hilft dem Außenministerium bei der nicht den Gegenwert aus, den die Nation für ihr Geld
Förderung des amerikanischen Handels in Übersee. erhält. Wir wollen Leben retten und fühlen uns unbeEr wußte auch, wie er die Besten des Auswärtigen haglich, unsere diplomatischen Erfolge gegen eingeDienstes einsetzen und zu herausragenden Leistun- sparte Dollars aufzurechnen. Dennoch haben wir
gen anregen und diese fördern konnte.
nützliche Mittel um auszudrücken, wie effektiv - und
kostengünstig - unsere Diplomatie sein kann. BetrachDie von diesen vier herausragenden Männern unter- ten Sie einen Moment lang mehrere bemerkenswerte
nommenen Bemühungen - sowie jene der engagierten Kosten-Nutzen-Rechnungen.
Frauen und Männer, die sie unterstützen - schufen die
Grundlage, auf der wir die Außenpolitik der Zukunft Vergleichen Sie einen Beitrag zu konkreten Verbesseaufbauen. Gemeinsam brachten sie uns zu diesem rungen im Gazastreifen und in Jericho mit dem Preis
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AMERIKA DIENST 42

�nigten Staaten entschlossen, den Iran von der Beschaffung oder Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten. In demselben Tenor arbeiten wir mit den Vereinten Nationen und der Internationalen AtomenergieOrganisation zusammen, um die Wiederbeschaffung
von Massenvernichtungswaffen durch den Irak zu
verhindern. Darüber hinaus üben wir zusammen mit
Obwohl der Tribut für den jüngsten Durchbruch den anderen Staaten Druck auf Nordkorea aus, Mitglied
Israelis und der PLO gebührt, belohnt dieses histori- des Nichtverbreitungsvertrags zu bleiben - und die
sche Abkommen auch zwei Jahrzehnte kontinuierli- Bestimmungen über nukleare Sicherheit einzuhalten.
cher überparteilicher diplomatischer Investitionen der Und wir haben Sanktionen gegen China und Pakistan
Vereinigten Staaten. Jetzt müssen wir diesen Wende- nach dem Transfer von ballistischen Raketenteilen
punkt unumkehrbar machen, während wir mit den verhängt.
Parteien in der Region und der internationalen Staatengemeinschaft darauf hinarbeiten, die Vorteile des Vergleichen Sie als weiteres Beispiel den Preis von
Friedens unwiderstehlich zu machen.
Programmen zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums und Bekämpfung der Umweltverschmutzung mit
Wir wollen den Kreis des Friedens erweitern - und die dem Elend einer der Umwelt abträglichen Entwicklung
Kräfte der Gewalt und des Hasses isolieren - ob sie - oder mit der Geißel von Hungersnöten und den
versuchen, die Suche nach Frieden in der Region zu Kosten für Flüchtlingshilfe. Wenn wir diese Probleme
unterbrechen, ihre Nachbarstaaten durch Aggression ignorieren, werden sie wieder auftreten - verschärft,
zu destabilisieren oder unschuldige Menschenleben teurer und manchmal als Bedrohung unserer Sicherdurch Terrorakte zu vernichten.
heit.

eines andauernden Konflikts im Nahen Osten. Das ist
ein Grund, warum die Vereinigten Staaten heute ein
vollwertiger Partner für Frieden sind - und warum wir
vor zwei Wochen erfolgreich die Konferenz der Geberländer zur Unterstützung von Aussöhnung und Wiederaufbau in der Region veranstaltet haben.

Vergleichen Sie die Kosten für die Unterstützung von
Reformen in Ru Bland mit dem Preis, den wir bezahlen
würden, wenn Rußland zur Diktatur zurückkehren
würde. Darum ist Präsident Clintons strategische
Partnerschaft mit Rußland und Präsident Jelzin die
klügste - und billigste - Investition, die wir in unsere
Sicherheit tätigen können.
Unsere Einsparungen bei Verteidigungsausgaben -

und die Zunahme unserer Exporte dank des Zugangs
zu dem riesigen russischen Markt - können quantifiziert werden. Was wir jedoch nicht mit Zahlen belegen
können, ist ebenso wertvoll: Die Sicherheit, die das
Ende der Konfrontation zwischen Supermächten unserem Volk gibt, und unsere neue Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Rußland, um für beide Nationen
bedeutende Fragen anzusprechen.
Nächste Woche werde ich nach Rußland und in die
anderen Staaten der Region reisen, um unsere Unterstützung für kontinuierliche demokratische und marktwirtschaftliche Reformen zu untermauern. Ebenso
wie andernorts ist in Rußland die Förderung von
Demokratie vielleicht die beste präventive Diplomatie
überhaupt. Vom Baltikum bis zur Ukraine und Zentralasien sind die Vereinigten Staaten bereit, ihre guten
Dienste zum Abbau der Spannungen und zur Lösung
von Konflikten einzusetzen. Wir arbeiten ferner mit
Rußland und den anderen Nuklearstaaten bei der
Zerlegung der strategischen Atomwaffenarsenale
zusammen und ermutigen die Nichtverbreitung.

Aus diesem Grund arbeiten wir auf die Verringerung
des Bevölkerungswachstums hin, und darum sind die
Vereinigten Staaten führend - und nicht ein Nachzügler
- bei globalen Umweltfragen. Als Teil dieses Engagements haben wir die Verträge über die Artenvielfalt und
die Erderwärmung unterzeichnet. Ich hoffe, daß meine Amtszeit als Außenminister von der unmißverständlichen Betonung dieser vordringlichen globalen
Anliegen gekennzeichnet sein wird.
All diese Kosten-Nutzen-Rechnungen demonstrieren
den Wert präventiver Diplomatie. Wir können nicht
jede Krise vorhersehen. Nachhaltige präventive Diplomatie kann jedoch Probleme antizipieren oder lösen oder regionale Konflikte entschärfen - bevor sie eine
Krise auslösen. Und erfolgreiche präventive Diplomatie kann uns den Spielraum verschaffen, mehr Mittel
für die drängenden Herausforderungen der innenpolitischen Erneuerung freizusetzen.
Die Erfordernisse der präventiven Diplomatie stellen
die Diplomaten vor neue Herausforderungen. Die
Männer und Frauen, die zum nationalen Ausbildungszentrum für auswärtige Angelegenheiten kommen,
werden neue Qualifikationen erlangen und sich auch
auf die neuen Prioritäten dieses neuen Zeitafters
konzentrieren.

Die neue Konzentration auf Wirtschaftsfragen findet in
unserer Ausbildung und unseren politischen Initiativen
ihren Niederschlag. Diplomatie für globale Wettbewerbsfähigkeit wird im Ausbildungszentrum in Kursen
Nehmen wir eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung. und Partnerschaften mit dem Privatsektor umgesetzt,
Vergleichen Sie die Ausgaben für diplomatische Aktio- die unser Verständnis der Weltwirtschaft vertiefen.
nen zur Verhinderung der Verbreitung von Nuklear- Die auf diesem Campus ausgebildetenMänner und
waffen mit dem Potential für Erpressung durch verbre- Frauen werden als Verfechter des Exports daraus
cherische Staaten. Aus diesem Grund sind die Verei- hervorgehen. Sie werden lernen, nicht nur unsere

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�Werte, sondern auch unsere Exporte, nicht nur unsere Ob sie in Washington oder Warschau sind - sie dienen
physische Sicherheit, sondern auch unser Recht auf einer Außenpolitik, die unsere Interessen verstärkt
geistiges Eigentum zu fördern.
und unsere Werte widerspiegelt. Mit Hilfe dieses
hervorragenden neuen Zentrums werden wir sicherDie Ausbildung in diesem Zentrum wird so gegliedert stellen, daß Amerika weiterhin die besten Diplomaten
sein, daß sie die Betonung der Clinton-Administration der Welt haben wird.
auf sich überschneidende globale Fragen widerspiegelt. Umwelt, Bevölkerung, Flüchtlinge und Drogen, Ich bin sehr dankbar, heute hier anwesend sein zu
internationale Kriminalität und Terrorismus werden dürfen, wenn die neuen Angehörigen des Auswärtigen
integraler Bestandteil des Lehrplans sein. Die Ausein- Dienstes der Vereinigten Staaten ihren Amtseid ableandersetzung mit diesen globalen Problemen wird gen. Dieser Eid wird den Angehörigen derverschiedeunsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit unterschied- nen Behörden des Auswärtigen Dienstes von Molly
lichen internationalen Institutionen und Kulturen testen Raiser, der Protokollchefin des Außenministeriums,
- sowie unsere Fähigkeit, in Disziplinen tätig zu wer- abgenommen. Diese neuen Bediensteten sind die
den, die nicht immer in die Domäne von Diplomaten künftigen Berater unserer Botschafter.
fallen.
Es ist mir eine Ehre, Direktor Larry Taylor die amerikaDiesesZentrum steht für eine wichtige neue Investition nische Flagge überreichen zu dürfen. Diese Flagge ist
in die Menschen, die unsere Diplomatie durchführen. unter der Obhut des Kurierdienstes des Au ßenministeSeit zwei Jahrhunderten haben Amerikaner diese Form riums rund um die Welt gereist. Diese Reise symboöffentlicher Dienstleistungen gewählt, weil sie der dau- lisiert die Verbindung zwischen diesem Zentrum und
erhaften Zielsetzung der Außenpolitik unserer Nation den Amerikanern, die auf der ganzen Welt tätig sind tief verpflichtet sind. Wir können den Wert ihrer Arbeit ebenso wie dieses Zentrum als Verbindung zwischen
nicht mit Geld aufwiegen. Wir können jedoch voller dem amerikanischen Volk und seinen Vertretern im
Vertrauen sagen, daß das Engagement, die Kompe- Ausland dienen wird.
tenz, das Urteilsvermögen und der Mut amerikanischer Diplomaten die Stärke der Vereinigten Staaten
unter Beweis stellen und sie ergänzen.

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AMERIKA DIENST 42

�HAITI
20. Oktober 1993

UNO ENTSCHLOSSEN ZU FÖRDERUNG
DER DEMOKRATIE AUF HAITI
Ansprache von Botschafterin Albright im UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates als Reaktion auf die Situation in Haiti
sollten keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Vereinigten Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft lassen, die aufkeimende haitianische Demokratie zu schützen, erklärte UNO-Botschafterin Madeleine
Albright.
In ihrer Ansprache nach dem einstimmigen Beschluß des Sicherheitsrates vom 16. Oktober 1993, erneut
Sanktionen gegen die haitianischen Militärbehörden durchzusetzen, äußerte Albright: "Der Verlauf der
Ereignisse auf Haiti in den vergangenen Tagen war zutiefst enttäuschend für uns alle. Die Verantwortlichen
haben sich selbst und ihrem Land einen schlechten Dienst erwiesen. Diese Konfrontation war nicht nötig."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Herr Präsident, bei unserer heutigen Zusammenkunft den von ihnen eingeschlagenen verhängnisvollen Kurs
sind wir von Trauer, Zorn und Entschlossenheit erfüllt. neu zu überdenken.
Vor fünf Tagen verletzten die Militärmachthaber Haitis
das im vergangenen Juli in New York geschlossene
feierliche Abkommen zur friedlichen Beilegung der
Regierungskrise in ihrem Land. Bewaffnete Demonstranten schufen mit Unterstützung der Polizei und des
Militärs eine unerträgliche Situation in Port-au-Prince.
Die kanadischen und amerikanischen Truppen der
UN-Mission konnten unter diesen Bedingungen in
Haiti nicht an Land gehen. Diese Mitarbeiter - die in
Friedenszeiten auf Ersuchen der haitianischen Regierung entsandt wurden - waren nicht zum Kampf ausgerüstet und hatten keinen Wunsch nach Konfrontation.
In Ermangelung des wiederholt vom haitianischen
Militär versprochenen sicheren Umfelds weigerten wir
uns, dieses Personal an Land gehen zu lassen.
Da die haitianischen Militärmachthaber das in New
York geschlossene Abkommen verletzten, beschloß
der Sicherheitsrat am 13. Oktober einstimmig die
erneute Verhängung der Wirtschaftssanktionen, einschließlich eines Verbots der Einfuhr von Erdöl und
Erdölprodukten nach Haiti. Als Demonstration unseres fortgesetzten Wunsches nach Kooperation statt
Konfrontation haben wirdie haitianischen Militärs auch
dazu aufgefordert und ihnen eine Chance gegeben,

AMERIKA DIENST 42

Vor zwei Tagen wurde unsere Aufforderung mit Revolverschüssen beantwortet. Guy Malary, der mutige
neue Justizminister Haitis, wurde kaltblütig auf offener
Straße ermordet. Dies war ein Akt äußerster Feigheit.
Die für dieses abscheuliche Verbrechen Verantwortlichen haben ihr Land und ihre Landsleute verraten.
Zum zweiten Mal binnen vier Tagen kommt heute der
Sicherheitsrat zusammen, um seine Verpflichtung zu
dem in New York geschlossenen Abkommen und der
friedlichen Rückkehr des gewählten Präsidenten JeanBertrand Aristide zu bekräftigen. Gemeinsam haben
wir die Notwendigkeit unverzüglichen und entschlossenen Handelns erkannt. Die Resolution, über die wir
heute abstimmen, fordert alle Staaten zur Zusammenarbeit auf um sicherzustellen, daß keine Schiffe unter
Verletzung der bisher verhängten Sanktionen in Haiti
ankommen.
Wir sind uns mit Bedauern bewußt, daß dieser nicht
von uns, sondern von den haitianischen Militärmachthabem eingeschlagene Kurs für die große Mehrheit
der haitianischen Bürger zusätzliches Leiden bedeuten kann, deren einziger Wunsch Frieden, Freiheit und
wirtschaftliche Chancen ist. Es läuft all unseren

Seite 1

�Wünschen zuwider, daß solche Härten auferlegt werden sollten. Wir finden jedoch Trost in unserem
Wissen, daß der Zweck dieser Sanktionen letztlich in
der Milderung der Härten und der Befreiung Haitis aus
dem Würgegriff besteht, in dem es jetzt von einer
kleinen Gruppe mutwilliger, irregeleiteter Männer
gehalten wird.

Konfrontation war nicht nötig. Der Mord ist sinnlos.
Das Leiden dauert zu lange an. Aber unsere Trauer
und unser Schock verstärken nur unsere Entschlossenheit und die Entschlossenheit freier Menschen auf
der ganzen Welt, die Krise in Haiti zu beenden und dies
auf eine Art und Weise zu tun, die den Grundstein für
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt legt, der von
einer demokratischen Regierung geschützt wird.

Die Wirtschaftssanktionen - zu deren Verhängung
dieses Gremium jetzt entschlossen ist - werden nicht Abschließend möchte ich denjenigen, die weiterhin die
vor Montag in Kraft treten. Wir werden an das haitia- Rückkehr von Demokratie in die krisengeschüttelte
nische Militär appellieren, an diesem Wochenende Nation Haiti zu vereiteln suchen, folgendes sagen:
unverzüglich Schritte zu unternehmen, um seine Ver- Nach den heutigen Maßnahmen des Sicherheitsrats
pflichtung zu dem New Yorker Abkommen zu bekräf- sollte kein Zweifel an der Entschlossenheit der Vereitigen. Sie haben immer noch Zeit, den Willen ihres nigten Staaten und der internationalen StaatengeVolkes und der internationalen Staatengemeinschaft meinschaft bestehen. Meine Regierung wird ihre
zu befolgen.
diplomatische und militärische Macht einsetzen um
sich zu vergewissern, daß die Sanktionen greifen und
Herr Präsident, der Verlauf der Ereignisse auf Haiti in um sicherzustellen, daß diese Sanktionen die aufkeiden vergangenen Tagen war zutiefst enttäuschend für mende Demokratie in Haiti schützen.
uns alle. Die Verantwortlichen haben sich selbst und
ihrem Land einen schlechten Dienst erwiesen. Diese

* *

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AMERIKA DIENST 42

�SOMALIA
20. Oktober 1993

DIE AMERIKANISCHE POLITIK IN SOMALIA
Bericht des Weißen Hauses
Der nachfolgende Bericht wurde am 13. Oktober 1993 vom Weißen Haus an den Kongreß übermittelt.

Einleitung
Die Vereinigten Staaten sind nach Somalia gegangen,
um zur Beendigung einer der großen Tragödien unserer Zeit beizutragen. Bis Ende 1992 waren über
300.000 Somalis aufgrund der durch Anarchie und
Bürgerkrieg verursachten Hungersnot und Krankheiten gestorben. Unter ihnen war fast die Hälfte aller
Kinder in Somalia. Weitere 2 Millionen Somalis drohten zu verhungern. Ihr Leiden wurde durch eine
Handvoll somalischer Banditen und Kriegsherren verschlimmert, die Lieferungen von Nahrungsmitteln und
anderen Hilfsgütern an ihre eigenen Landsleute verhinderten. Der Tradition unseres Landes folgend,
handelten die Vereinigten Staaten mit überparteilicher
Unterstützung, um dieser menschlichen Katastrophe
ein Ende zu setzen.
Infolgedessen ordnete Präsident Bush im November
1992 die Entsendung amerikanischer Truppen nach
Somalia an, um zur Schaffung eines sicheren Umfelds
für die Verteilung der Hilfsgüter beizutragen. Dies ist
nach wie vor die Hauptaufgabe der amerikanischen
Truppen bei der gesamten Operation.
Am 4. Februar 1993 verabschiedete der Senat die
Gemeinsame Resolution 45 mit der Authorisierung der
amerikanischen Operation in Somalia. Am 25. Mai
stimmte das Repräsentantenhaus der Gemeinsamen
Resolution 45 mit Zusatzartikeln zu, womit die Operation für die Dauer von 12 Monaten genehmigt wurde.
Am 4. Mai 1993 übernahmen die Vereinten Nationen
die Verantwortung fürdie von uns ausgeführten Aufgaben. Ungefähr 25.000 Soldaten aus rund 30 Nationen
wurden als unser Ersatz stationiert, und die ClintonAdministration zog über 20.000 Soldaten aus Somalia
ab.
Heute sind die amerikanischen Streitkräfte weiterhin in
Somalia stationiert, um zur Schaffung eines sicheren
Umfelds für die Lieferung von Nahrungsmitteln und

AMERIKA DIENST 42

anderen humanitären Hilfsgütern beizutragen. Obwohl die Hungersnot in Somalia weitgehend beendet
wurde, besteht noch beträchtlicher Bedarf an ausländischer Hilfe. Nahezu 1 Million Menschen hängen
vollständig von Hilfslieferungen ab. Das im Wiederaufbau begriffene einheimische Nahrungsmittelsystem
ist noch instabil und würde erneut zusammenbrechen,
wenn die Friedenstruppen vorzeitig abziehen und der
Bürgerkrieg Wiederaufflammen würde.
Trotz des Eindrucks, die Somalis lehnten das Engagement der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen ab, sind sich die meisten objektiven Beobachter
einig, daß die überwältigende Mehrheit der Somalis
dankbar für unsere Präsenz ist und unseren Verbleib
wünscht. Im Fernsehen wurden Bilder kleiner Gruppen von Somalis übertragen, die den Tod von Amerikanern feierten, aber nicht die Tausenden, die bei einer
Zusammenkunft in derselben Stadt am nächsten Tag
um sie trauerten. Mit Ausnahme des Anführers eines
Unterclans und seiner bewaffneten Anhänger haben
die Clanführer, Ältesten, Frauengruppen und die meisten anderen organisierten Fraktionen gebeten, daß
wir sie nicht wieder den Männern mit den Gewehren
und dem Bürgerkrieg überlassen.
Die Mission des amerikanischen Militärs
Aufgabe der Mission
Die Mission des amerikanischen Militärs in Somalia
besteht in Unterstützung bei der Schaffung eines
sicheren Umfelds für den freien Fluß humanitärer
Hilfslieferungen, indem den UNO-Truppen und den
amerikanischen Kampfeinheiten die militärischen logistischen Dienste der Vereinigten Staaten zur Verfügung gestellt werden, um als Interimsschutztruppe die
Vereinten Nationen in Notfällen zu ergänzen. Dies war
und ist die Mission unserer Streitkräfte. Zu keinem
Zeitpunkt wurden die amerikanischen Streitkräfte mit
M issionen wie etwa dem "Aufbau von Nationen" beauftragt.

Seite 1

�Beider Durchführung ihrer Mission haben die amerika- In Kürze werden sich also rund 8.000 amerikanische
nischen Streitkräfte jetzt vier Aufgaben:
Soldaten in Somalia befinden, die von anderen vor der
Schutz der amerikanischen Truppen in Somalia Küste und in der Nähe unterstützt werden.
und ihrer logistischen Stützpunkte.

Kommando und Kontrolle

Die entscheidenden Straßen und Kommunikationsverbindungen offen zu halten und zu sichern, die fürdie Lieferung von Nahrungsmitteln
und Nachschub durch die Vereinten Nationen
und die Hilfsorganisationen sowie fürdie Freizügigkeit der Menschen im ganzen Land unabdingbar sind, damit nicht erneut Hungersnöte
und Anarchie entstehen.

Das gesamte amerikanische Militärpersonal untersteht amerikanischem Kommando. Darüber hinaus
unterstehen die amerikanischen Kampftruppen der
operativen Kontrolle der Vereinigten Staaten.

Weiterhin Druck auf diejenigen auszuüben, die
unsere Hilfslieferungen unterbunden und Amerikaner angegriffen haben.
Durch diesen Druck und die Präsenz unserer
Streitkräfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Abkommen unter den Somalis in
Zusammenarbeit mit anderen zu erzielen, damit
sie nach unserem Abzug ihre Probleme selbst
lösen und überleben können.
Umfang der stationierten US-Streitkräfte
Vor dem 7. Oktober hatten die Vereinigten Staaten
ungefähr 4.500 Soldaten in Somalia stationiert: 2.800
Logistiker, 1.300 Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe und 466 Ranger. Während dieser Bericht erstellt
wird, bereiten sich zusätzliche amerikanische Streitkräfte auf die Verlegung nach Somalia vor oder sind
bereits auf dem Weg dorthin. Aus diesem Grund sind
die in dem Bericht verwendeten Zahlen ziemlich genaue Schätzungen.

Die Logistikeinheiten, die die Militärpräsenz der Vereinten Nationen insgesamt unterstützen, sind dem
UNO-Kommandeur für operative Kontrolle durch den
Stellvertretenden UNOSOM-Kommandeur, Generalmajor Thomas Montgomery von der US-Armee, zugeteilt. Das bedeutet, daß der UNO-Kommandeur ihnen
für in schriftlicher Form ausdrücklich vereinbarte Zwecke
Anweisungen bei ihrer logistischen Mission zur Unterstützung der UNO-Einheiten erteilen kann. Diese
Einheiten haben keine Kampffunktion.
Der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in
Somalia ist Generalmajor Thomas Montgomery von
der US-Armee. Er erstattet dem Oberbefehlshaber
des U.S. Central Command, General Joseph Hoar
vom Marineinfanteristenkorps der Vereinigten Staaten, Bericht.
Darüber hinaus ist Generalmajor Montgomery Stellvertretender Kommandeur aller dem UNOSOM-Verbandskommando von anderen Nationen zugeteilten
Streitkräfte. Generalleutnant Cevik Bir von der Türkischen Armme ist der Kommandeur des UNOSOMVerbandskommandos.
Die amerikanische Politik

In Somalia verfolgen die Vereinigten Staaten ein
Die amerikanischen Streitkräfte zur Unterstützung der humanitäres Ziel. Wir streben die Ausübung bestimmOperation Somalia können in vier Kategorien unterteilt ter Funktionen zur Unterstützung der UNO-Bestrebunwerden:
gen insgesamt an, um dem somalischen Volk zu
helfen, damit der Bürgerkrieg mit seinen BegleiterDie von den Vereinigten Staaten entsandten
scheinungen Anarchie und Hungersnot nach dem Abzug
Logistik- und Unterstützungseinheiten zur Under internationalen Präsenz nicht wiederauflebt.
terstützung der U NO-Operation. Sie belaufen
sich auf rund 3.000 Soldaten.
Die Administration sieht das Problem Somalias primär
als humanitäres und politisches an, nicht als militäriDie Einheiten der US-Armee, die amerikani- sches. Wir unterstützen aktiv die Bestrebungen des
sches Personal schützen und eine Funktion als somalischen Volkes zur Herbeiführung einer politiVerbandsschutz ausüben, um den UNO-Ein- schen Lösung in Zusammenarbeit mit den Vereinten
heiten behilflich zu sein. Mit den ungefähr 3.000 Nationen und anderen. Die weite Verbreitung von
Kampftruppen der Armee wird ihre Zahl in Kürze Waffen und ihr beabsichtigter Einsatz für persönliche
5.000 Mann betragen.
und politische Gewinne erfordert jedoch eine starke
Die Marineinfanteristen an Bord der vor der internationale Sicherheitspräsenz während die humaKüste liegenden Schiffe als Ersatz für den Ver- nitäre und politische Lage in Angriff genommen wird.
bandsschutz der Amerikaner. Die Zahl wird sich Nach den verstärkten Gewaltakten gegen Amerikaner
bald auf 3.600 belaufen.
und Angehörige der UNO-Friedenstruppen hat der
Präsident vor kurzem eine Reihe von Schritten zur
Die Luftkampfunterstützungseinheiten an Bord beschleunigten Beendigung der amerikanischen Milides Flugzeugträgers Lincoln u nd die in der Nähe tärmission und zur Stärkung der Mission der Vereinten
stationierten luftgestützten Artillerieplattformen Nationen angeordnet.
der US-Luftwaffe. Diese Einheiten werden über
60 Kampfflugzeuge bereitstellen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 42

�Schutz der amerikanischen Streitkräfte

Streitkräfte aus anderen Ländern haben die Truppenreduzierungen der Vereinigten Staaten mehr als ausFeindlich gesinnte Fraktionen in Mogadischu haben
geglichen und werden immer noch nach Somalia vervor kurzem wieder schwere Waffen in die Stadt gelegt. Die indische Armee ist dabei, eine Brigade von
bracht und diese Waffen zunehmend gegen Amerikaüber 4.000 Mann nach Somalia zu entsenden. Pakiner und UNO-Vertreter eingesetzt. Soldaten aus den
stan hat die Verlegung einer weiteren 1.500 Mann
Vereinigten Staaten, Pakistan, Italien, Nigeria, Marokstarken Brigade bekanntgegeben, womit sich die Zahl
ko, Frankreich, der Türkei und Malaysia wurden getöseiner Streitkräfte in Somalia auf nahezu 6.000 Soldatet. Zur Verbesserung der Sicherheit sind die Vereinigten erhöht. Auch Ägypten entsendet zusätzlich zu den
ten Staaten mit der Aufstockung ihrer Streitkräfte
bereits stationierten Streitkräften eine 1.500-Mannbefaßt, wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben.
Brigade. Die nepalesische Armee beabsichtigt die
Entsendung mehrerer hundert höchstqualifizierter leichBeschleunigter politischer Weg
ter Infanteriekommados nach Mogadischu.
Am 8. Oktober 1993 entsandte der Präsident Botschafter Robert Oakley, der unter zwei US-Administra- Mit diesen Schritten wird ein solcher Zeitrahmen den
tionen in Somalia im Amt war, um zusammen mit den UN-Operationen auch genügend Zeit und Möglichkeiafrikanischen Politikern den Prozeß zu einer politi- ten einräumen, den Übergang zu einer effektiven
schen Lösung zu beschleunigen. Der Präsident ent- Operation ohne amerikanische Militäreinheiten abzuschied, daß der politische Prozeß erweitert würde, schließen. Die Vereinigten Staaten bieten den Somawenn die militärischen Bestrebungen der Vereinten lis ferner eine vernünftige Chance zur Überwindung
Nationen entpersonifiziert würden und sich weniger der Hemmnisse fürden friedlichen Prozeß der nationaauf die Gefangennahme von Mohammed Aidid kon- len politischen Aussöhnung.
zentrierten. Gleichzeitig hat der Präsident keine der
Nach dem 31. März 1994 werden keine amerikanimilitärischen Optionen ausgeschlossen.
schen Militäreinheiten in Somalia verbleiben, mit der
Präsident Meles von Äthiopien, der designierte Vertre- möglichen Ausnahme von rund zwei- bis dreihundert
ter der Organisation für Afrikanische Einheit (OAE) für Soldaten, die Unterstützung und Schutz für das ameSomalia, hat zugestimmt, zusammen mit Präsident rikanische Verbindungsbüro leisten. Der Abzug des
Issaias von Eritrea und anderen neue diplomatische amerikanischen Miltärs hängt nicht vom erfolgreichen
Schritte zu unternehmen, um den Somalis bei der Abschluß der von den Somalis oder den Vereinten
Rückkehr auf den Kurs der friedlichen politischen Nationen unternommenen Schritte ab.
Aussöhnung behilflich zu sein. Präsident Meles und
andere afrikanische Politiker werden versuchen, eine Vermißtes amerikanisches Personal
somalische Lösung zu erleichtern, und nicht eine von Die Vereinigten Staaten bemühen sich darum, daß
außen aufgezwungene. Weder die Vereinigten Staa- ihre vermißten oder festgenommenen Soldaten gut
ten noch die Vereinten Nationen wollen ein politisches behandelt und so bald wie möglich freigelassen werErgebnis in Somalia diktieren. Wir werden eine soma- den. Zu diesem Zweck werden eine Reihe von Schritlische Lösung fürdie Probleme Somalias unterstützen. ten unternommen. Einer davon war die an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gerichtete Bitte,
Beendigung der amerikanischen Militärmission
Besuche bei amerikanischen Militärangehörigen zu
Die Vereinigten Staaten hatten zu einem früheren veranlassen. Der erste Besuch dieser Art bei einem
Zeitpunkt zusammen mit den Vereinten Nationen die amerikanischen Soldaten hat bereits stattgefunden.
Reduzierung der Anzahl amerikanischer Logistiker Weitere Schritte werden in die Wege geleitet. Die
von rund 3.000 auf 1.400 Mann bis Anfang 1994 und Vereinigten Staaten koordinieren ihre Bemühungen
den Abzug der verbleibenden amerikanischen Lo- mit den Vereinten Nationen, die einen festgenommegistikeinheiten vor Anfang 1995 geplant. Jetzt beab- nen nigerianischen Soldaten vermissen.
sichtigen die Vereinigten Staaten die raschere Übergabe ihrer logistischen Mission an die Streitkräfte Amerikanische Interessen - eine Chance für den
anderer Nationen und an zivile Auftragsnehmer, die Frieden
bis zum 31. März 1994 abgeschlossen sein soll. Die Die diplomatischen und militärischen Bestrebungen
Vereinigten Staaten werden solche Funktionen wie die der Vereinigten Staaten in Somalia basieren auf der
Verteilung von Nahrungsmitteln und Brennstoff an humanitären Besorgnis über eine der schrecklichsten
zivile Auftragsnehmer vergeben. Die Vereinigten Staaten menschlichen Katastrophen in der jüngsten Geschichwerden ferner den Vereinten Nationen bei der Be- te. Solche humanitären Bestrebungen spielen seit
schaffung eigener ziviler Auftragsnehmer behilflich langem eine wichtige Rolle in der amerikanischen
sein. Darüber hinaus wollen wir zusammen mit den Außenpolitik.
Vereinten Nationen nichtamerikanische Einheiten
ausmachen, die die jetzt von den amerikanischen Die Frage, wie wir unsere Mission in Somalia beenden,
militärischen Logistikern ausgeübten Funktionen über- berührt wichtige nationale Interessen der Vereinigten
nehmen. Nach dem 31. März 1994 werden keine Staaten. Alle amerikanischen Militäreinheiten, mit
amerikanischen Kampftruppen in Somalia verbleiben. Ausnahme einiger hundert Nichtkombattanten UnterAMERIKA DIENST 42

Seite 3

�stützungspersonal werden bis zum 31. März 1994
abgezogen. Die Vereinigten Staaten dürfen Somalia
nicht auf eine Art und Weise verlassen, die die Gefahr
für Amerikaner auf der Welt erhöht, die substantiellen
Errungenschaften der amerikanischen Streitkräfte in
Somalia unterminiert oder die Aussichten auf internationale Lastenteilung in der Zukunft schwer beeinträchtigt.
Die Vereinigten Staaten haben sich gegenüber der
UNO verpflichtet, logistische Unterstützung für den
Großteil der ungefähr 30 an UNOSOM II teilnehmenden Nationen bereitzustellen. Alternative Vereinbarungen könnten bis zu sechs Monaten dauern. Die
UNO und die vielen Nationen, die auf unser Ersuchen
Soldaten in Somalia stationierten, haben sich auf
unsere Schnelle Eingreiftruppe verlassen, um den
angegriffenen UN-Streitkräften zu Hilfe zu kommen.
Ausreichende Alternativen zur Bewältigung der jüngst
angestiegenen Sicherheitsbedrohung können nicht
schnell umgesetzt werden.
Der friedliche politische Prozeß benötigt auch eine
gewisse Zeit, um Erfolg zu haben. Diejenigen Somalier, die ihn ablehnen, sollten nicht die Gelegenheit erhalten, das Ende der UN-Präsenz abzuwarten. Vielmehr muß eine neue Struktur geschaffen und eingesetzt werden, während eine starke Truppenpräsenz
zur Gewährleistung der Sicherheit vorhanden ist. Femer
besteht eine direkte Beziehung zwischen Fortschritten
bei der politischen Versöhnung und der Fähigkeit der
UN-Streitkräfte, nach Abzug der amerikanischen Truppen zu operieren. Falls eine tragfähige politische
Lösung erreicht wird, werden mehr Nationen bereit
sein, ihre Teilnahme an der UN-Friedensmission auch
nach März 1994 fortzusetzen.
Das Engagement der Vereinigten Staaten ist nicht
unbefristet. Wir können jedoch gute Chancen für die
Somalis, die uns unterstützenden Nationen und die
Vereinten Nationen schaffen. Die Eröffnung dieser
Chance für den Frieden und der wirksame Abschluß
der amerikanischen Mission wird am besten durch
einen überlegten, stufenweisen Rückzug der amerikanischen Streitkräfte über einen Zeitraum von sechs
Monaten erreicht. Ein überstürzter Rückzug aus Somalia
würde folgende Risiken beinhalten:
Vermißte Amerikaner. Im Falle unseres sofortigen Abzugs würden wir vermißte oder gefangengenommene amerikanische Soldaten zurück- und ihrem Schicksal überlassen und unsere Fähigkeit einschränken, sie wiederzufinden.
Jagd auf Amerikaner. Wenn wir uns zurückziehen würden, nachdem es Opfer unter den Amerikanern gegeben hat, käme dies einer Einladung an unsere Gegner, Terroristen und Verbrecher auf der ganzen Welt gleich, um einer
Änderung der amerikanischen Politik willen
amerikanische Staatsbürger umzubringen. Auf
einer Welt, in der Amerikaner in einer potentiell
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feindlichen Umgebung operieren müssen und
viele uns nichts Gutes wünschen und nicht vor
der Anwendung von Gewalt zurückschrecken,
dürfen wir nicht eine solche Botschaft aussenden.
Lastenteilung. Es liegt in unserem Interesse,
andere Nationen für die Entsendung von Truppen und Bereitstellung von Geldern zu gewinnen, damit sie zusammen mit uns oder anstelle
von uns Aufgaben übernehmen, wenn dies unter
den gegebenen Umständen den amerikanischen
Interessen dient. Wenn wir Somalia abrupt
verließen, würden wir unseren Beziehungen zu
den 30 anderen Staaten schaden, die auf direktes Ersuchen der Vereinigten Staaten Truppen
nach Somalia entsandt haben. Viele dieser
Länder haben ebenfalls bei der Durchführung
dieser humanitären Mission schwerwiegende
Verluste hinnehmen müssen, einschließlich der
Pakistaner, der Nigerianer und anderer. Wenn
die Vereinigten Staaten ihren Verpflichtungen in
Somalia nicht nachkommen, werden diese und
andere Nationen bei künftigen Unternehmungen einer Koalition nicht zur Teilnahme geneigt
sein, weil sie uns für unentschlossen und unzuverlässig halten.
Abzug anderer Nationen. Werden die Streitkräfte anderer Nationen ohne maßgebliche
logistische Unterstützung und Schutz in Somalia zurückgelassen, sehen sich viele von ihnen
veranlaßt, das Land zu verlassen. Die Logistiker der Vereinigten Staaten stellen in Somalia
Unterstützung in Form von Material für mehr als
25.000 Soldaten aus der ganzen Wert zur Verfügung. Die Schnelle Eingreiftruppe der Amerikaner ist die einzige Streitmacht in dem Land,
die jetzt in der Lage ist, anderen angegriffenen
Truppen unverzüglich zu Hilfe zu kommen. Ein
sofortiger amerikanischer Rückzug, der den
Vereinten Nationen keine Zeit für die Beschaffung von Ersatz für diese Fähigkeiten der
Amerikaner gibt, würde andere Kontingente ebenfalls zum Verlassen des Landes vor Abschluß
ihrer Mission zwingen.
Erneute Hungersnot. Da es bei der politischen
Aussöhnung noch keine angemessenen Fortschritte gegeben hat, würde der vorzeitige Abzug
der Vereinigten Staaten u nd vieler anderer internationaler Kontingente beinahe mit Sicherheit
zu einem erneuten Bürgerkrieg und damit erneut zu Anarchie und Hungersnot führen. Die
Bilder verhungernder Kinder und eines zerstörten Landes würden uns wieder verfolgen. Die
Errungenschaften der zahlreichen amerikanischen und internationalen Truppen, die in Somalia
gedient und Opfer gebracht haben, wären verloren und ihre Bemühungen großenteils vergeblich.
AMERIKA DIENST 42

�Die Vereinten Nationen
Die amerikanische Militärmission ist Bestandteil einer
umfassenderen UNO-Mission. Als führendes Mitglied
der Vereinten Nationen leisten wir auch einen Beitrag
zu anderen Aspekten der UNO-Mission.
Die UNO-Mission umfaßt drei Aspekte: Sicherheit,
humanitäre Hilfe und Wiederaufbau sowie politische
Versöhnung.
Sicherheit
Die UNITAF-Operation unter Führung der Vereinigten
Staaten hat im Mai große Teile Somalias der militärischen Kontrolle der UN-Streitkräfte unterstellt. Belgien befehligt die UN-Truppen im Süden, einschließlich des Hafens von Kismayu. Frankreich führt die
Streitkräfte im Inneren, um Baidoa herum, an. Pakistanische, nigerianische und ägyptische Streitkräfte gehören
zu den größeren Kontingenten in Mogadischu. Weitere große Kontingente kommen aus Italien und Indien.
Auch afrikanische Staaten leisten Unterstützung im
Rahmen von UNOSOM. Wichtige und wirksame Einheiten wurden von mehreren afrikanischen Staaten
entsandt, darunter Botswana, Nigeria, Simbabwe,
Tunesien, Marokko und Ägypten.
Die Vereinten Nationen arbeiten am Wiederaufbau
einer somalischen Polizei und eines Justizwesens,
das allmählich in einigen Gebieten eine sicherheitspolitische Rolle übernehmen kann. Bereits 5.000 somalische Polizisten sind an ihre Arbeit zurückgekehrt. Im
Rahmen des UNOSOM Justice Program werden sie
ausgebildet und ausgerüstet. Hilfszusagen kommen
aus Deutschland, Japan, den Niederlanden, Italien
und Ägypten. Die Vereinigten Staaten haben 2 Millionen Dollar für Polizeigehälterund nahezu 25 Millionen
Dollar für Ausrüstung aus dem Verteidigungsministerium zugesagt. Auch stellen wir 6 Millionen Dollar für
das Justice Program bereit.

Obwohl die Bestrebungen der Vereinten Nationen
erfolgreich die Zahl der von Hilfsleistungen Abhängigen reduziert hat, ist das heimische System für die
Nahrungsmittelversorgung weiterhin instabil. Es ist
abhängig vom sicheren Nachschub von Materialien
wie Düngemitteln und Samen sowie dem Zugang zu
Städten mit einem Markt. Ein erneuter Bürgerkrieg
würde viel davon schnell zerstören und Hunderttausende würden wieder von Hilfsleistungen abhängig.
Es wurden jedoch auch einige ausgesprochene Erfolge erzielt. Im Frühjahr 1993 wurden nahezu 70 Prozent der somalischen Kinder geimpft - doppelt so viele
wie 1989 - und in den meisten Dörfern ist jetzt eine
medizinische Grundversorgung vorhanden. Vor einem Jahr waren keine Schulen in Betrieb. Heute sind
234 geöffnet. Noch wichtiger ist, daß die Hungersnot
der Bevölkerung beendet wurde. In Baidoa litten
beispielsweise 60 bis 70 Prozent der Kinder unter - in
den meisten Fällen schwerwiegender - Unterernährung. Jetzt ist diese Zahl auf 10 bis 20 Prozent
gesunken. Die Anzeichen für Fortschritte häufen sich,
und die humanitäre Herausforderung verlagert sich
jetzt auf die Rehabilitation.
Die Vereinten Nationen unternehmen Schritte, um die
Abhängigkeit Somalias von ausländischer Hilfe zu
reduzieren. Die Weltbank hat sich bereit erklärt, als
Beauftragter der UNOSOM für die Koordination der
Hilfe und längerfristige Planung tätig zu werden. Die
Weltbank veranstaltet am 22. Oktober zwei Konferenzen der Geberländer.
Die politische Mission

Nahezu 300.000 städtische Arme sowie weitere 700.000
Vertriebene sind vollkommen abhängig von der internationalen humanitären Hilfe. Monatlich sind über
18.000 Tonnen Nahrungsmittel erforderlich.

Die Vereinten Nationen haben zwei Konferenzen in
Addis Abeba organisiert, wo die führenden somalischen Politiker zusammentrafen, um den Bürgerkrieg
zu beenden und nach Wegen für den friedlichen Aufbau einer Regierung zu suchen. Diese Konferenzen
führten zu einem Abkommen über einen Waffenstillstand und die Abrüstung schwerer Waffen unter internationaler Kontrolle. Die Anführer der bekanntesten
somalischen Clans und Gruppen einigten sich auch
auf die Gründung von Bezirks- und Regionalräten, die
auf die Schaffung eines nationalen Übergangsrates
hinausliefen und zu einer nationalen somalischen
Regierung führen sollten.

Zusätzlich befinden sich zur Zeit mehr als 545.000
somalische Flüchtlinge in Kenia, Äthiopien, Jemen und
Dschibouti, die von internationaler Hilfe abhängig sind
und bei der Rückkehr in ihre Heimat der Hilfe bedürfen.
Diese Somalier wollen nach Hause zurückkehren, um
am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres Landes teilzunehmen, sobald dies sicher genug ist.
Ebenso wichtig ist es, die Einrichtung quasi dauerhafter großer Flüchtlingslager zu verhindern, die die
Nachbarstaaten destabilisieren und deren Finanzierung sich die internationale Gemeinschaft der Geberländer kaum leisten kann.

Obwohl Mohammed Aidid Teilnehmer dieser Konferenzen und Abkommen war, entschied er offensichtlich, daß dieser Prozeß seine Chance zunichte machte, die Kontrolle über das Land zu übernehmen. Nachdem
er im Bürgerkrieg eine Partei angeführt hatte, die die
nationalen Institutionen in Mogadischu einnehmen wollte,
heuerte er später hauptsächlich Streitkräfte aus seinem eigenen Clan an, wozu er das durch den Schmuggel der Droge Kath erworbene Geld nutzte. Vor Beginn
der US-Intervention verhinderten diese Truppen, daß
die internationalen Hilfslieferungen den Hafen und den
Flughafen von Mogadischu verlassen konnten. Im

Humanitäre Hilfe

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�Juni brachen Aidids Truppen den Waffenstillstand und Gruppenführer unterstützen weiterhin den friedlichen
das Abkommen über die Abrüstung.
Prozeß der politischen Aussöhnung, um die Struktur
einer neuen nationalen Regierung festzusetzen. Die
Seitdem ist der nationale politische Aussöhnungsproderzeitigen diplomatischen Bestrebungen der Präsizeß ins Stocken geraten. Dennoch wurde die Einrichdenten Meles und Issaias sowie der Vereinten Natiotung von Bezirks- und Regionalräten fortgesetzt. Mehr
nen erhöhen die Aussichten auf eine friedliche politials 30 Bezirksräte sind geschaffen worden und weitere
sche Lösung in beträchtlichem Maße.
40 befinden sich im Aufbau. Die wichtigsten Clan- und

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AMERIKA DIENST 42

�PORTRAT
20. Oktober 1993

RICHARD C. HOLBROOKE
Porträt des neuen US-Botschafters in Bonn

BONN - (AD) - Am 19. Oktober 1993 überreichte Richard C. Holbrooke Bundespräsident Richard von Weizsäcker
sein Beglaubigungsschreiben. Er löst Robert M. Kimmitt ab.

Richard Holbrooke blickt auf eine vielseitige Karriere
als Berufsdiplomat, Zeitschriftenredakteur, Autor, ein
Direktor des Peace Corps und Investmentbanker zurück. Zuletzt war er einer der Geschäftsführer der New
Yorker Börsenmaklerfirma Lehman Brothers.

genheiten der Präsidentschaftswahlkampagne Carter-Mondale.

In Anschluß daran nahm Botschafter Holbrooke ein
Forschungsstipendium an der Woodrow Wilson School
in Princeton an. 1970 wurde der Direktor des Peace
Corps in Marokko. 1972 trat Holbrooke aus dem
Auswärtigen Dienst aus und wurde geschäftsführender Redakteur der vierteljährlich erscheinenden
Zeitschrift Foreign Policy, eine Position, die er bis
1976 bekleidete. Von 1974-75 war er darüber hinaus
Berater der Kommission des Präsidenten zur Organisation der Regierung für die Ausführung der Au ßenpolitik und freiberuflicher Redakteur von Newsweek.
1976 koordinierte er die nationalen Sicherheitsangele-

mittee for New York City und des Economic Club of
New York. Bevor er sein jetziges Amt übernahm, war
er Direktor des Council on Foreign Relations, der
Amerikanisch-Chinesischen Gesellschaft, des Nationalen Ausschusses für amerikanisch-chinesische
Beziehungen sowie des International RescueCommittee und schrieb Beiträge für Japan Daily Digest. Er
ist Koautor von "Counseltothe President", den Memoiren von Clark Clifford, sowie von zahlreichen Artikeln
und Kolumnen zur Außenpolitik.

Im Jahr 1977 ernannte Präsident Carter ihn zum
Abteilungsleiter für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten im Außenministerium - eine Position, die
Er begann seine berufliche Laufbahn im Auswärtigen er bis 1981 innehatte. Während dieser Zeit nahmen
Dienst 1962 unmittelbar nach seinem Abschluß an der die Vereinigten Staaten unter anderem volle diplomaBrown University. Nach dem Vietnamesisch-Studium tische Beziehungen zu China auf. 1981 wurde Holwurde er nach Vietnam entsandt. In den folgenden brooke Direktor von Public Strategies, einer Konsulsechs Jahren war er in einer Reihe von Positionen tingfirma mit Sitz in der Bundeshauptstadt Washington
tätig, die mit Vietnam in Verbindung standen - erst im sowie Berater von Lehman Brothers. Seine BeratertäMekongdelta als Provinzvertreter des Amts für inter- tigkeit wurde allmählich zur Position eines Geschäftsnationale Entwicklung (AID), dann als Mitarbeiter der führers ausgebaut.
Botschafter Maxwell Taylor und Henry Cabot Lodge.
1966 wurde er wieder ins Weiße Haus versetzt und Er war ferner Mitglied der Carnegie Commission on
arbeitete im Vietnam-Stab von Präsident Johnson. America and a Changing World (unter dem Vorsitz von
Von 1967-69 schrieb er einen Band der Pentagon- Winston Lord) sowie Vorsitzender und wichtigstes
Papiere, war persönlicher Referent der Staatssekretä- Gründungsmitglied der überparteilichen Kommission
re im Außenministerium Nicholas deB. Katzenbach zur, Erneuerung der Regierung, die 1992 von der
und Elliot Richardson und gleichzeitig Mitglied der Carnegie-Stiftung und dem Institut für Weltwirtschaft
amerikanischen Delegation bei den Pariser Vietnam- gefördert wurde.
Friedensgesprächen, die nacheinander von Avereil Botschafter Holbrooke ist Mitglied des Internationalen
Harriman und Henry Cabot Lodge geleitet wurden.
Instituts für Strategische Studien, des Citizens Com-

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Botschafter Holbrooke wurde am 24. April 1941 in New
York geboren. Er erhielt ein Bakkalaureat an der
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�Brown University. Am 30. Juni 1993 wurde er von US-Senat bestätigt und legte am 23. September 1993
Präsident Clinton zum Botschafter der Vereinigten seinen Amtseid als Botschafter ab.
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland ernannt, am 16. September 1993 einstimmig vom Botschafter Holbrooke hat zwei Söhne.

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�AUSTAUSCHPROGRAMME
20. Oktober 1993

AMERIKANISCHE AUSTAUSCHPROGRAMME
BESCHLEUNIGEN REFORMEN IN DER
EHEMALIGEN SOWJETUNION
Große Fortschritte in drei Jahrzehnten

St. Louis - (AD) - Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge haben die Ende der fünfziger Jahre geschaffenen Bildungs- und Kulturaustauschprogramme zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen und beschleunigen jetzt den Reformprozeß in
der ehemaligen Sowjetunion.
Bei einer vom 15. bis 16. Oktober 1993 in St. Louis
(Missouri) veranstalteten Wirtschaftskonferenz erklärten die Regierungsvertreter, die Austauschprogramme der vergangenen Jahre hätten amerikanische Naturund Wirtschaftswissenschaftler mit ihren Kollegen aus
Ru ßland und den anderen neuen unabhängigen Staaten zusammengebracht und damit einen entscheidenden Transfer von Fähigkeiten gestattet sowie dauerhafte Beziehungen geknüpft.

einschließlich Sozial-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften.
Solche Programme hätten "sehr tiefgreifende Auswirkungen auf diese Gesellschaften gehabt, die über den
beruflichen Bereich hinausgehen", stellte Matuszewski fest. "Wir sehen die Auswirkungen jetzt in der Welt
nach 1991, in der zahlreiche Teilnehmer dieser Programme hochrangige Ämter in ihren Reformregierungen übernommen haben.
"Viele sind heute Stellvertretender Ministerpräsident,
Minister verschiedener Ressorts, Universitätsrektor,
Institutsleiter und Naturwissenschaftler", fügte er hinzu. "Zahlreiche andere leiten bereits Unternehmen,
die jetzt in der ehemaligen Sowjetunion gegründet
werden."

An der vom US-Informationsamt (USIA) mitveranstalteten Konferenz nahmen Politiker und Unternehmer
aus den Vereinigten Staaten und den neuen Republiken der ehemaligen Sowjetunion teil, um engere
Geschäftsverbindungen herzustellen.

Über 9.000 Teilnehmer aus den Vereinigten Staaten
und den neuen unabhängigen Staaten haben allein im
Haushaltsjahr 1993 von den USIA-Austauschprogrammen profitiert, von denen zahlreiche auf Universitätsund beruflicher Ebene durchgeführt wurden. Die
Daniel Matuszewski, Präsident der internationalen Austauschprogramme variierten von Kurzbesuchen
Kommission für Forschung und Austausch erklärte in von ein bis drei Wochen bis zu Programmen zur
einem Interview, die Vielfalt der von USIA und anderen Erlangung eines akademischen Grades.
Bundesbehörden geförderten Austauschprogramme
habe große Fortschritte bewirkt, deren Wert weit über Der Direktor des US-Informationsamts, Joseph Duffey, gab bekannt, das Amt werde bald eine Stelle
die bescheidenen Kosten hinausgehe.
einrichten, an der Studenten und Berufstätige aus
Dank solcher Programme, so Matuszewski, die von anderen Ländern Näheres über die Austauschprobeispielloser Zusammenarbeit zwischen Regierung gramme von USIA sowie anderer staatlicher Behörden
und Privatsektor gekennzeichnet seien, erhielten erfahren können.
Tausende Wissenschaftler aus Rußland, der Ukraine,
dem Baltikum und aus Zentralasien eine rund einjäh- Richhard Gephardt, Führer der Mehrheitsfraktion im
rige Ausbildung in den Vereinigten Staaten. Dadurch Repräsentantenhaus, verglich die heutigen Programwürden ihnen berufliche Kontakte und Verbindungen me mit einer Reihe von Austauschprogrammen, die
in einem breiten Spektrum von Disziplinen eröffnet, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Teil des

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�Marshallplans waren. Durch diese Austauschprogramme lebten und arbeiteten Europäer in den Vereinigten Staaten, damit sie aus erster Hand Zeuge des
freien Unternehmertums werden konnten.

Das Handelsministerium hat ferner eine Stelle eingerichtet, die handelspolitische Informationen über die
neuen unabhängigen Staaten zur Verfügung stellt. Im
Rahmen dieses unter dem Namen BISNIS bekannten
Service werden wöchentlich etwa 1.000 Telefonanrufe
"Diese Männer und Frauen wurden Missionare", er- von amerikanischen Unternehmen beantwortet, die
klärte er. "Sie wußten, daß Demokratie und Kapitalis- Exporte im Wert von über 100 Millionen Dollar direkt
mus funktionieren, weil sie es mit eigenen Augen auf diese von dem Service bereitgestellten Informatiogesehen und nicht, weil sie etwas darüber gelesen nen zurückführen.
hatten."
Zusätzlich wurden durch das Programm von KonsorGephardt stellte fest, zur Zeit seien in Ru ßland und den tien amerikanischer Unternehmen in den neuen unabneuen unabhängigen Staaten nicht so sehr Philoso- hängigen Staaten (Consortia of American Business in
phen oder Wirtschaftswissenschaftler gefragt, son- the NIS - CABNIS) insgesamt neun Stipendien in Höhe
dern Geschäftsleute.
von je 500.000 Dollar an amerikanische Unternehmensgruppen vergeben, um in der ehemaligen So"Da Privatisierung und die Einführung derfreien Marktwjetunion eine Handelsvertretung zu eröffnen und dort
wirtschaft so entscheidend für die politischen ReforGeschäfte zu tätigen.
men sind,... müssen sich unsere Austauschprogramme auf die Geschäftswelt konzentrieren", äußerte er Botschafter Thomas Simons, dem Koordinator der
und fügte hinzu, die amerikanischen Unternehmen amerikanischen Hilfe für die neuen unabhängigen
müßten den Menschen der ehemaligen Sowjetunion Staaten, zufolge sind solche Programme nicht dasselihre Türen öffnen, "um sie in unseren Fabriken auszu- be wie die Auslandshilfeprogramme.
bilden, in unsere Praktiken der Unternehmensführung
einzuweisen und von ihnen etwas über das neue "Dies ist eine echte Investition in eine bessere Zukunft,
Marktpotential in ihrer Heimat zu erfahren".
denn diese Länder sind nicht unterentwickelt, sie haben
sich falsch entwickelt", stellte er fest. "Sie haben eine
Der amerikanische Handelsminister Ronald Brown gut ausgebildete Bevölkerung, ziemlich viel Infrastrukerklärte, seine Behörde weite ihr Programm für die tur sowie enormes Humankapital und natürliche ResAusbildung von Praktikanten in amerikanischen Unter- sourcen. Was sie brauchen ist eine Übergangshilfe,
nehmen (Special American Business Internship Trai- die diese Ressourcen zum Tragen bringt und ihr Poning - SABIT) aus, um 500 Geschäftsleuten und Wis- tential für eine gleichwertige Partnerschaft in einer
senschaftlern aus Ru ßland und den neuen unabhängi- größeren, offeneren und besseren internationalen
gen Staaten die Gelegenheit zu einem Praktikum in Gemeinschaft entfaltet."
Unternehmen in den Vereinigten Staaten zu geben,
um Praktiken der Unternehmensführung zu erlernen.

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�LITERATUR
20. Oktober 1993

DIE WERKE VON TONI MORRISON
Nobelpreisträgerin für Literatur
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die diesjährige Nobelpreisträgerin für
Literatur, Toni Morrison. Das Zitat aus dem Roman Solomons Lied geben wir mit freundlicher Genehmigung
des Rowohlt Taschenbuch Verlags wieder. Copyright (c) Rowohlt (1986).

Die letzten Worte von Sula - der unverbesserlichen
Protagonistin in Toni Morrisons 1974 erschienenem
Roman mit demselben Titel - auf dem Totenbett stehen vielleicht nicht für Morrisons persönliche Philosophie, beschreiben jedoch zweifelsohne die Auswirkung ihrer Werke auf die Weltliteratur.
Morrison, die seit 1989 Geisteswissenschaften an der
Princeton University lehrt, wurde am 7. Oktober mit
dem Nobelpreis für Literatur 1993 ausgezeichnet. Sie
ist die erste schwarze Amerikanerin und die achte
Frau, der diese Auszeichnung zuerkannt wird, seit sie
1901 erstmals verliehen wurde. Bisher haben zehn
Amerikaner den Preis gewonnen. Pearl S. Bück war
1938 die erste amerikanische Frau, die diesen Preis
erhielt. Morrison ist die einzige weitere Amerikanerin,
der diese höchste Auszeichnung für einen Schriftsteller zuteil wurde.
Die 1931 als Chloe Anthony Wofford geborene Morrison hat sechs Romane, eine Kurzgeschichte, ein
Theaterstück und zahlreiche kritische Essays geschrieben. Carolyn Denard, die Morrison für die hochgelobte
1993er Ausgabe von Black Women in America: An
Historical Encyclopedia porträtierte, bezeichnet sie
als "eine der prominentesten Schriftstellerinnen unserer Zeit".
In der Laudatio anläßlich der Verleihung des Nobelpreises stellte die Schwedische Akademie fest, ihre
Romane hätten den "Glanz der Poesie" - eine Charakterisierung, die die Schriftstellerin bereits früher in
Frage gestellt hat. "Werke können nicht nur oder
ausschließlich poetisch sein", erklärte sie 1981 in
einem Interview mit Paul LeClair, "denn das liefe
meinem Anliegen, meinem Publikum zuwider."

"Ich denke lange und intensiv darüber nach, was meine
Romane bewirken sollten", äußerte Morrison gegenüber LeClair. "Sie sollten die Rollen verdeutlichen, die
unklar geworden sind, sie sollten die Dinge der Vergangenheit ausmachen, die nützlich sind sowie die
Dinge, die nicht nützlich sind, und sie sollten Nährstoff
sein."
"In all ihren Werken", schreibt Denard, "ist es das
Anliegen Morrisons, eine besondere, klärende Sichtweise zu vermitteln, um sich die Vergangenheit vor
Augen zu führen und sie zu einem nützlichen Mechanismus für das Überleben in der Welt von heute zu
machen."
Dieses Mittel funktioniert gut in Morrisons drittem
Roman, Solomons Lied (Song of Solomon). In dieser
Geschichte begibt sich der Protagonist Macon "Milchmann" Dead III. auf die Suche nach Gold und Vergeltung und findet sich schließlich in den Höhlen von
Virginia wieder, wo er statt eines lange verlorenen
Familienschatzes die ruhmreiche Verbindung zu seinen Vorfahren durch die Mythen, Lieder und Legenden
entdeckt, die sein Urgroßvater Solomon dort hinterlassen hatte. Die Legende über seinen Urgroßvater, der
fliegen konnte, und der in der Tat der Sklaverei "entflog", erfüllt Milchmann mit Liebe, Stärke und einem
dringend benötigten Gefühl für seine eigene Identität:
"'Er konnte fliegen! Hörst du? Mein Urgroßdaddy
konnte fliegen!' ... Er peitschte mit den Fäusten ins
Wasser, sprang dann kerzengerade in die Höhe, als
könnte er ebenfalls abheben... 'Der brauchte kein
Flugzeug! Hob einfach ab; hatte die Nase voll. Bis
obenhin! Keine Baumwolle mehr! Keine Ballen mehr!
Keine Befehle mehr! ... Der ist geflogen, Baby.'"

Aber welchem Anliegen?

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�Obwohl die Schwedische Akademie Morrison für ihre
Erforschung "der Sprache selbst, einer Sprache, die
sie von den Fesseln der Rasse befreien will" würdigte,
hat sie sich selbst stets als "Schriftstellerin einer Minderheit" gesehen, die ihre Erfahrung als Quelle der
Stärke und des Wissens benutzt.

Menü ist immer noch dasselbe. Der Friseurladen in
Maine wäre immer noch derselbe Friseurladen wie in
Ohio, dort würde dieselbe Art von Leuten herumsitzen.
Sie kochen etwas anders, aber ich weiß, welche
Sprache sie sprechen", stellte sie fest.

Weitere Romane von Morrison sind Sehr blaue Augen (The Bluest Eye), die Geschichte einer jungen
Schwarzen, die langsam wahnsinnig wird, weil sie
Liebe und Akzeptanz mit einer Rasse gleichsetzt, die
nicht ihre eigene ist. Sula, ein Roman über eine Frau,
die an keinen sozialen Anstandskodex gebunden ist,
eine Ausgestoßene, die ironischerweise das Gute in
ihren Mitmenschen weckt. Teerbaby (Tarbaby), die
Diese Weiterentwicklung, so Denard, ist am offen- Geschichte einer Beziehung zwischen zwei Schwarsichtlichsten in Morrisons Roman Menschenkind zen - einem Jet-set-Mannequin und einem Vagabun(Beloved), für den sie 1987 den Pulitzerpreis gewann. den - die zum Scheitern verurteilt ist, weil sie nicht
Die Geschichte beruht auf dem Leben einer entlaufe- erkennen, daß sie beide Opfer rassischer Ausbeutung
nen Sklavin aus Kentucky, die ihre eigenen Kinder sind und Jazz, das vom Leben der Schwarzen in den
tötet, um sie vor der Sklaverei zu bewahren. "Sie Städten während der zwanziger und dreißiger Jahre
schreibt nicht einfach nur über die Auswirkungen der handelt.
Sklaverei auf die Rechte und Pflichten einer liebenden
Mutter, sondern versucht durch die Charakterisierung Zu ihrer Arbeitsmethode äußerte Morrison gegenüber
von Sethe (der Mutter), die volle Bedeutung der Skla- Täte: "Ich kenne bereits die Geschichte, wenn ich an
verei und ihre Konsequenzen für den Menschen zu einem Buch arbeite. Das ist nicht schwierig. Jeder
verstehen", schreibt Denard.
kann sich eine Geschichte ausdenken. Aber den
Charakteren Leben einzuhauchen, ihnen Raum zu
Und die Leserschaft? Morrison äußerte 1977 gegen- lassen, sie zu Menschen zu machen, die ich mag, das
über Paula Giddings in einem Interview, die Men- ist hart. Ich habe nur die 26 Buchstaben des Alphaschen, bei denen sie eine Bestätigung ihrer Arbeit bets, ich habe keine Farben und keine Musik. Ich muß
finde, seien nicht die leidenschaftlichen Leser, son- meine Fertigkeiten nutzen, damit der Leser die Farben
dern "die Schwarzen in meinen Büchern, die keine sehen und die Töne hören kann."
Bücher lesen".
"Meine Geschichten fallen mir ein wie Klischees",
"Würde Pilate (die mystische, exzentrische alte Tante, erklärt sie. "Ein Klischee ist ein Klischee, weil es die
die in Solomons Lied Milchmann den Weg zu den Sache wert ist. Sonst wäre es in Vergessenheit
Höhlen weist) ihr Geographiebuch niederlegen und geraten. Ein gutes Klischee kann niemals überstrapa'Solomon' aufschlagen, würde sie dann 'aha' sagen ziert werden, es ist immer noch geheimnisvoll. Die
oder nicht? Wenn es ihr gefällt, gefällt es mir auch", so Konzepte von Schönheit und Häßlichkeit sind für mich
Morrison.
geheimnisvoll. Viele Menschen schreiben darüber.
In einem Interview mit Claudia Täte im Jahr 1986 Während ich darüber nachdenke, versuche ich, in sie
erklärte Morrison: "Wenn ich die Welt sehe, wahrneh- einzudringen und ihre Bedeutung zu erfassen, die
me und darüber schreibe, ist es die Welt der Schwar- Auswirkungen auf das Handeln der Menschen zu
zen. Das heißt nicht, daß ich nicht über Weiße verstehen."
Denard führt Morrisons Meinung über diese Rolle an:
"Ein solcher Schriftsteller muß vier Phasen durchlaufen: Eine Zeit des Ärgers, eine Zeit der Selbstfindung,
eine Zeit des feierlichen Einbringens der Kultur und
schließlich das Erreichen einer 'Konzeption von ethnischer Erfahrung'."

schreiben würde. Aber ich weiß einfach, daß bei der
Entwicklung der verschiedenen Themen, über die ich
schreibe, die von mir erfundenen Schwarzen diejenigen sind, die diese Themen für mich am besten
personifizieren."
"Die Schwarzen nehmen ihre Kultur mit, wohin sie
auch gehen. Als ich über Maine schrieb, waren die
Schwarzen in Maine den Schwarzen in Ohio sehr
ähnlich. Man kann den Teller wechseln, aber das

*

Seite 2

"Das Problem, mit dem ich als Autorin konfrontiert bin,
besteht darin, meinen Geschichten eine Bedeutung zu
verleihen", legte Morrison dar. "Man kann wunderbare, interessante Personen haben, eine faszinierende
Geschichte, aber sie handelt von gar nichts. Sie hat
keine wirkliche Substanz. Ich kann beim Schreiben
alle möglichen Fehler machen, aber ich möchte immer,
daß meine Bücher von etwas handeln, das mir wichtig
ist, und die heutzutage wichtigen Themen sind dieselben, die schon immer von Bedeutung waren."

* * * *

AMERIKA DIENST 42

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