<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2320" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2320?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:08:56+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2331">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/145d762cfc51e6b138b9297cf30d0122.pdf</src>
      <authentication>9149699746966bca727e9f14d54fbff2</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="11904">
                  <text>amcrika
dienet

HeratfigSber: U.S. Information Service
j f l ö ö a ^ t o t t h e United States of America

0«'

5*70*
Z 12462 C

40

RUSSLAND

6. Oktober 1993

CLINTON MACHT RUZKOI FÜR GEWALT
IN MOSKAU VERANTWORTLICH
Erklärung des Präsidenten

USA HOFFEN AUF FORTSETZUNG DER
DEMOKRATISIERUNG IN RUSSLAND
Anberaumung von Wahlen beste Lösung

AUSSENPOLITIK

ENGAGEMENT IN DER WELT IM
AMERIKANISCHEN INTERESSE
Rede von Anthony Lake
USA WERDEN WENN MÖGLICH DIPLOMATIE,
WENN NÖTIG GEWALT EINSETZEN
Rede von Botschafterin Albright

SOMALIA

USA ENTSENDEN ZUSÄTZLICHES
MILITÄR NACH SOMALIA
Erklärung des Verteidigungsministers

NAHER OSTEN

NAHOSTKONFERENZ DEMONSTRIERT
GLOBALE UNTERSTÜTZUNG FÜR
FRIEDENSABKOMMEN
Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten und des Außenministers

ATOMTESTVERBOT

USA BEDAUERN CHINAS
UNTERIRDISCHEN ATOMTEST
Stellungnahmen des Weißen Hauses

USIA

DUFFEY SIEHT ENTSCHEIDENDE ROLLE
FÜR FULBRIGHT-PROGRAMM
Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�RUSSLAND
6. Oktober 1993

CLINTON MACHT RUZKOI FÜR GEWALT IN
MOSKAU VERANTWORTLICH
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Alexander Ruzkoi für den Ausbruch von Gewalt in Moskau seitens
der den ehemaligen Vizepräsidenten Rußlands, Alexander Ruzkoi, unterstützenden Streitkräfte verantwortlich
gemacht.
In einer am 3. Oktober 1993 vor der Erstürmung des Parlamentsgebäudes durch Jelzintreue Truppen abgegebenen Erklärung verlieh Präsident Clinton seiner Unterstützung für Jelzin Ausdruck und warnte davor, "ins
Wanken zu geraten" oder diejenigen zu ermutigen, die ganz offensichtlich den Wahlprozeß stören und die
Reformen in Rußland behindern wollen.
Clinton gab seine Erklärung vor dem Beginn einer dreitägigen Reise nach Kalifornien ab.
veröffentlichen wir seine Äußerungen im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich bin gerade ausführlich
über den Stand der Ereignisse in Rußland informiert
worden und möchte hierzu einen Kommentar abgeben. Erstens ist offensichtlich, daß die Streitkräfte von
Ruzkoi und Chasbulatow für den Ausbruch von Gewalt
verantwortlich sind und es heute in Moskau beträchtliche Gewaltanwendung gegeben hat. Es ist ebenfalls
klar, daß Präsident Jelzin von Anfang an alles versucht
hat, um den Einsatz von Gewalt zu vermeiden, und ich
bin immer noch überzeugt, daß die Vereinigten Staaten Präsident Jelzin sowie freie und faire Wahlen unterstützen müssen. Wir können es uns zur Zeit nicht
erlauben, ins Wanken zu geraten, zurückzuschrecken
oder diejenigen zu ermutigen, die ganz offensichtlich
den Wahlprozeß stören und die Reformen in Rußland
behindern wollen. Daher verfolgen wir ununterbrochen die Ereignisse. Wir Sie wissen, können wir uns
über die Berichterstattung im Fernsehen auf dem
Laufenden halten. Das ist jedoch alles, was ich weiß,
und das ist unsere Position.
Frage: Herr Präsident, glauben Sie, daß Jelzin überleben wird, und werden Sie im Falle seiner Absetzung
die Hilfe einstellen?
Antwort: Also, ich erwarte nicht, daß er abgesetzt
wird. Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt nicht überreagieren. Meines Erachtens unterstützen die Menschen
ihn viel mehr als Ruzkoi und Chasbulatow, und letztere

genießen unseres Wissens keine organisierte militärische Unterstützung. Daher müssen wir die weiteren
Entwicklungen abwarten. Ich sehe jedoch keinen
Grund, seine Absetzung zu erwarten.
Frage: Herr Präsident, haben Sie mit Präsident Jelzin
gesprochen?
Antwort: Nein. Ich bin sicher, daß er jetzt Wichtigeres
zu tun hat als mit mir zu sprechen, und meines Erachtens sollten die Vereinigten Staaten nicht an jeder
Stufe der Bewältigung der Krise beteiligt sein. Ich
möchte Präsident Jelzin jedoch meine fortgesetzte
Unterstützung und die der Vereinigten Staaten versichern.
Frage: Was kann die US-Regierung zum jetzigen
Zeitpunkt unternehmen?
Antwort: Erstens können wir so schnell wie möglich
alle verfügbaren Informationen über die Ereignisse
erhalten und unser Bestes tun, um die Sicherheit der
Amerikaner vor Ort und unserer Botschaft zu gewährleisten, auf die wirunsere Aufmerksamkeit richten. Die
bisherigen Berichte sind gut.
Frage: Haben Sie irgendwelche Pläne, Ihre Reise
abzusagen oder zu verschieben?
Antwort: Nein.

* * * *

AMERIKA DIENST 40

Nachfolgend

*

Seite 1

�RUSSLAND
6. Oktober 1993

USA HOFFEN AUF FORTSETZUNG DER
DEMOKRATISIERUNG IN RUSSLAND
Anberaumung von Wahlen beste Lösung

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß sich die Ereignisse in Rußland im Geiste von
Demokratie und nationaler Aussöhnung fortsetzen,
nun da ein 'tragischer Augenblick in der russischen
Geschichte" anscheinend "ein Ende gefunden hat",
erklärte der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter Strobe Talbott.

Die russischen Truppen stürmten am 4. Oktober das
von Alexander Ruzkoi und anderen kompromißlosen
Gegnern Jelzins gehaltene Parlamentsgebäude - einen Tag, nachdem Ruzkoi unterstützende Demonstranten die Absperrungen der Sicherheitskräfte um
das Gebäude mit Gewalt durchbrochen hatten.

Talbott zufolge wurden die Vereinigten Staaten "unab"Wir hoffen sehr, daß es keine Gewaltakte mehr gibt hängig" unterrichtet, daß Ruzkoi - der vom Parlament
und die Ordnung wiederhergestellt wird", erklärte Tal- zum amtierenden Präsidenten ernannt worden war bott am 4. Oktober 1993 im Außenministerium gegen- und Ruslan Chasbulatow - der Parlamentssprecher über Journalisten und bestätigte, die Regierungstrup- inhaftiert seien. "Wir hoffen und erwarten, daß sie in
pen hätten die Kontrolle über das von der Jelzin- einer Weise behandelt werden, die mit den internatioOpposition gehaltene russische Parlamentsgebäude nalen Rechtsnormen im Einklang steht", stellte er fest.
wiedergewonnen.
Der Botschafter unterstrich, die Vereinigten Staaten
Talbott, Berater von Außenminister Christopher fürdie seien "offensichtlich äußerst erleichtert, daß diese
neuen unabhängigen Staaten, versicherte, Präsident Situation beendet wurde. Obwohl die unmittelbare
Clinton und Außenminister Christopher seien "über- Krise zugunsten der Regierungstruppen behoben
zeugt", daß sich die Ereignisse auf die "Bekräftigung scheint, bestehen gleichzeitig immer noch einige
des Engagements der russischen Regierung zur Fort- Unwägbarkeiten."
setzung des Demokratisierungsprozesses" konzen"Wir haben Vertrauen, daß die russischen Regietrierten.
rungsbehörden die Konsolidierung der bürgerlichen
"Politische Differenzen, die eindeutig bestehen", könn- Ordnung fortsetzen werden", erläuterte Talbott und
ten am besten durch demokratische und freie Wahlen fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten "Präsident
beigelegt werden, stellte der Botschafter fest und Jelzin, seine Reformregierung und die Reformer in
unterstrich, die Vereinigten Staaten seien sicher, daß ganz Rußland" im gesamten Verlauf dieser "tragiPräsident Jelzin diesem demokratischen Prozeß ver- schen Episode uneingeschränkt unterstützt".
pflichtet ist.
"Es bestand niemals irgendein Zweifel, daß die OppoJelzin, der das Parlament am 21. September aufgelöst sitionskräfte die Unruhen und Gewaltakte vom 3. Oktober
hatte, fordere Parlamentswahlen im Dezember, er- provoziert und angeführt haben", so der Botschafter.
klärte Talbott und fügte hinzu: "Wir hoffen sehr, daß
dieser Wahlprozeß eine Periode sein wird, die zur Presseberichten zufolge wurden bei den Kämpfen
mindestens 30 Menschen getötet und mehrere HunHeilung und nationalen Aussöhnung beiträgt".
dertverletzt, darunterfünf Amerikaner. "Wirbedauern
"Von Anbeginn dieser jüngsten Episode haben wir das zutiefst den Verlust an Menschenleben und das BlutGefühl gehabt,... daß das russische Volk seine Zu- vergießen der letzten 24 Stunden".
kunft selbst entscheiden muß, äußerte der Botschafter. "Genau das hat Präsident Jelzin vorgeschlagen, Talbott würdigte die Bestrebungen der russischen
und aus diesem Grund unterstützen wir ihn weiterhin." Regierungsbehörden, "nur so viele Truppen einzusetAMERIKA DIENST 40

Seite 1

�zen wie absolut erforderlich, um den Ausbruch von
Gewalt zu beenden."

Ihm zufolge will die Clinton-Administration ihre Polititk
zur Unterstützung der Reformen in Rußland fortsetzen
und "alles in ihrer Macht Stehende für die anderen 11
"Es war ziemlich klar und tröstlich in einer ansonsten neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetextrem beunruhigenden Situation, daß die Regierung union tun, weil wir die Unterstützung der Reformen in
Jelzin alles in ihrer Macht Stehende unternommen hat, diesen Ländern ebenfalls als äußerst wichtig erachum Blutvergießen zu verhindern", erklärte der Bot- ten". Au ßenminister Christopherwerde "mit ziemlicher
schafter.
Sicherheit" Rußland und die anderen neuen unabhängigen
Staaten noch in diesem Monat besuchen.
"Das russische Volk bezahlte einen Preis vornehmlich
für die Rücksichtslosigkeit und die Bereitschaft zum Talbott zufolge hat das "business as usual" zwischen
Blutvergießen seitens der Aufständischen im Parla- den Vereinigten Staaten und Rußland Auswirkungen
mentsgebäude."
auf die bilateralen Angelegenheiten in Washington
gehabt
sowie die Tatsache, daß zwei amerikanischDie Ereignisse vom 4. Oktober bestätigten, so Talbott,
russische Kommissionen in Moskau geblieben seien.
die amerikanischen Analysen, daß Jelzin die SchlüsEnergieministerin Hazel O'Leary und ihre Delegation
selinstitutionen des politischen Lebens in Ru ßland und
seien seines Wissens am 3. Oktober nach Moskau
"eine beträchtliche Mehrheit des russischen Volkes
abgereist.
auf seiner Seite hatte".
"Jelzin wird dies jedoch natürlich im nächsten Jahr
praktisch erproben, wenn er für die Wahl kandidiert",
fügte der Botschafter hinzu.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�AUSSENPOLITIK
6. Oktober 1993

ENGAGEMENT IN DER WELT IM
AMERIKANISCHEN INTERESSE
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanischen "Interessen und Ideale" in der Zeit nach dem Kalten Krieg "zwingen
uns nicht nur zum Engagement, sondern auch zu einer Führungsrolle", erklärte der Nationale Sicherheitsberater
Anthony Lake.
In seiner Rede vor der Fakultät für moderne internationale Studien (School of Advanced International Studies
- SAIS) der Johns Hopkins University in Washington am 21. September 1993 erklärte Lake, der Doktrin des
Containment müsse eine Strategie der Ausweitung der freien Gemeinschaft demokratischer Marktwirtschaften
der Welt folgen, die aus vier Komponenten bestehe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Nationalen Sicherheitsberaters in wesentlichen Auszügen.

"Ich spreche heute zu Ihnen, weil ich der Ansicht bin,
daß unsere nationale Politik gegenüber der Welt an
einem historischen Scheideweg angekommen ist. Seit
einem halben Jahrhundert konzentrierte sich das
amerikanische Engagement in der Welt auf die Eindämmung einer feindlich gesinnten Sowjetunion. Unsere
Bestrebungen trugen zur Blockierung des sowjetischen Expansionismus, der Beendigung der kommunistischen Unterdrückung und der Erlangung eines
großen Sieges für die Freiheit des Menschen bei.

schlagen. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton
sich in seinem Wahlkampf nicht nur zu einer innenpolitischen Rennaissance verpflichtet, sondern auch zu
einem aktiven Engagement in der Welt, um unseren
Wohlstand zu mehren, unsere Sicherheitsarrangements zu modernisieren und die Demokratie im Ausland zu fördern.
Förderung amerikanischer Interessen im Ausland

In den acht Monaten seit seinem Amtsantritt hat Präsident
Clinton diese Ziele entschieden verfolgt. Wir
Der Zusammenbruch der Sowjetunion erhöht ganz
haben
eine umfassende Überprüfung unserer Militäroffensichtlich unsere Sicherheit. Er erfordert von uns
strategie
und unserer Streitkräfte durchgeführt. Wir
jedoch auch ein neues Denken, da wir in einer neuen
haben
die
weltweiten Bemühungen angeführt, um die
Welt leben.
historischen Reformen in Rußland und den anderen
Nach dem Ende des Kalten Krieges besteht im ameri- neuen Staaten zu unterstützen. Wir haben an der
kanischen Volk nicht länger ein Konsens darüber, Verteidigung der Demokratie in Haiti und Guatemala
warum und sogarob unsere Nation sich weiterhin aktiv mitgewirkt und wichtige Zusatzabkommen abgeschlosin der Welt engagieren sollte. Aufgrund ihrer Geogra- sen, die den Weg für die Umsetzung des Nordameriphie und ihrer Geschichte haben die Amerikaner sich kanischen Freihandelsabkommens ebnen. Wir haben
stets vor Verstrickungen in ausländische Angelegen- zu den großen Fortschritten beim Friedensprozeß im
heiten gehütet. Jetzt wird diese Vorsicht auch noch Nahen Osten beigetragen, mit unseren arabischen
durch wirtschaftliche Schwierigkeiten geschürt. Die Partnern zusammengearbeitet und gleichzeitig unsere
Rufe der Rechten und der Linken, zu Hause zu bleiben, Bande zu Israel verstärkt. Wir haben gemeinsam mit
anstatt sich im Ausland zu engagieren, werden noch unseren Partnern in der G-7 Schritte zur Ankurbelung
des Weltwirtschaftswachstums unternommen. Wir
von der Rhethorik der Neo-Nichtswisser verstärkt.
haben unsere Beziehungen zu Japan auf eine neue
Diejenigen unter uns, die an das Gebot unseres inter- Grundlage gestellt und die Vision einer neuen pazifinationalen Engagements glauben, müssen zurück- schen Gemeinschaft entworfen. Wir setzen praktiAMERIKA DIENST 40

Seite 1

�sehe politische Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
und zur Verhinderung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen um. Wir haben einen
weitreichenden Abbau der Atomwaffen erreicht und
ein Atomtestmoratorium bis zur Aushandlung eines
umfassenden Atomtestverbots festgesetzt. Wir haben mit der komplexen Tragödie in Bosnien zu kämpfen. Und wir wirken auf die Vollendung unserer Aufgabe hin, auf Dauer ein Ende der Hungersnot in Somalia
zu erreichen.

am Montag (27. September) möchte ich einige allgemeine Grundsätze darlegen, die als Beitrag zu einem
unerläßlichen nationalen Dialog über unsere Ziele in
der Welt gemeint sind."

Im folgenden Teil seiner Rede charakterisierte Lake
das neue Zeitalter, das ihm zufolge vier Hauptmerkmale aufweist: Die Ausweitung von Demokratie und
Marktwirtschaft weltweit, die Führungsrolle Amerikas
in der Welt, die explosionsartige Ausbreitung ethnischer Konflikte sowie eine dramatische BeschleuniEngagement allein ist jedoch nicht genug. Wir müssen gung der Ereignisse und des Wandels.
auch erneut darlegen, warum dieses Engagement so
wichtig ist. Tun wir das nicht, können die Reaktionen In einer solchen Welt löst ihm zufolge die Strategie der
unserer Regierung auf Ereignisse im Ausland unzu- Ausweitung die der Eindämmung ab. Die Interessen
sammenhängend erscheinen, einzelne Rückschläge und Ideale der Vereinigten Staaten zwängen diese,
scheinen das Ganze zu definieren, die Unterstützung sich nicht nur zu engagieren, sondern eine Führungsrolle zu übernehmen. Und in einer schnellebigen Welt
der Öffentlichkeit für unser Engagement würde wahrsei
es um so wichtiger, daß diese Führungsrolle eine
scheinlich nachlassen und Amerika könnte Schaden
klare
Zielsetzung habe, erklärte Lake, und fuhr fort:
nehmen aufgrund von steigendem Protektionismus,
unkluger Beschneidung unserer Streitkräfte oder ihrer
"Diese Zielsetzung war während des ganzen JahrhunEinsatzbereitschaft, dem Verlust der für unsere Diploderts das Grundprinzip unseres Engagements. Beim
matie erforderlichen Ressourcen • und somit aufgrund
Kampf gegen Aggressoren und die Eindämmung des
der Erosion des Einflusses der Vereinigten Staaten im
Kommunismus wurde unser Engagement im Ausland
Ausland.
sowohl von machtpolitischen Erwägungen als auch
Eine Darlegung unserer Zielsetzung ist weder ein von der folgenden Überzeugung geleitet: In dem
akademisches noch ein rhetorisches Unterfangen. Maße, in dem Demokratie und Marktwirtschaft in anderen
Unsere Aktionen außerhalb unserer Grenzen haben Nationen vorherrschen, wird unsere eigene Nation
sicherer, wohlhabender und einflußreicher, während
direkte und dauerhafte Auswirkungen auf alle Ameridie
Welt als ganzes humaner und friedlicher wird.
kaner. Wie der Präsident schon oft betont hat, sind
Innen- und Außenpolitik nicht länger voneinander zu
trennen. Unsere Entscheidungen im Hinblick auf die
amerikanische Außenpolitik werden folgende Angelegenheiten beeinflussen:
Ob das Realeinkommen der Amerikaner sich wie in den sechziger Jahren - alle 26 Jahre
verdoppelt oder alle 36 Jahre - wie in den
siebziger und achtziger Jahren.
Ob die Zahl der 25 im Besitz von Massenvernichtungswaffen befindlichen Länder noch weiter ansteigen oder abnehmen wird.

Die Ausweitung der Marktwirtschaft im Ausland ku rbelt
unsere Exporte an und schafft Arbeitsplätze in Amerika, verbessert gleichzeitig die Lebensbedingungen
und verstärkt die Forderungen nach politischer Liberalisierung im Ausland. Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht miteinander Krieg führen oder dem
Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich vertrauenswürdiger und haben größere
Achtung vor den Menschenrechten ihrer Völker.

Diese Dynamik ist der Kern von Woodrow Wilsons
scharfsinnigsten Erkenntnissen. Obwohl seine moraOb die nächsten 25 Jahre von einem Anstieg lischen Grundsätze seine Argumente bisweilen aboder einem Rückgang des Terrorismus gekenn- schwächten, verstand er, daß unsere eigene Sicherzeichnet sein werden, der im vergangenen Vier- heit vom Charakter ausländischer Regime beeinflußt
teljahrhundert mehr als 2.000 Amerikanern das wird. Tatsächlich haben die meisten Präsidenten nach
Leben kostete.
ihm - Republikaner und Demokraten gleichermaßen verstanden, daß wir Demokratie und Marktwirtschaft
Ob die Nationen der Welt besser oder schlech- in der Welt fördern müssen, weil sie unsere Interessen
ter in der Lage sein werden, mit regionalen Strei- und unsere Sicherheit schützen und die Werte reflektigkeiten, humanitären Erfordernissen und der tieren, die sowohl amerikanisch als auch universell
Zerstörung der Umwelt fertigzuwerden.
sind.

Ich will heute nicht die gesamte Außenpolitik der
Administration darlegen. Aber nach der gestrigen (20.
September) Rede von Au ßenminister Christopher und
im Vorgriff auf die anstehende Rede des Präsidenten
vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen

Seite 2

Im gesamten Verlauf des Kalten Krieges haben wir
eine globale Bedrohung der demokratischen Marktwirtschaften eingedämmt; jetzt streben wir ihre größere Reichweite an, insbesondere an Orten, die für uns
von Interesse sind.

AMERIKA DIENST 40

�Einer Doktrin der Eindämmung mu ß eine Strategie der
Ausweitung folgen - die Ausweitung der Weltgemeinschaft freier marktwirtschaftlicher Demokratien.
Während des Kalten Krieges verstanden sogar die
Kinder die sicherheitspolitische Aufgabe Amerikas.
Wenn sie auf die Landkarten in ihren Klassenzimmern
blickten, wußten sie, daß wirdie schleichende Ausbreitung dieses großen roten Klekses einzudämmen versuchten. Heute könnten wir unsere sicherheitspolitische Aufgabe auch auf die Gefahr einer starken Vereinfachung hin als die Förderung der Ausweitung der
"blauen Gebiete" marktorientierter Demokratien beschreiben. Der Unterschied ist natürlich, daß wir nicht
eine Ausweitung der Reichweite unserer Institutionen
mit Hilfe von Gewalt, Subversion oder Unterdrückung
anstreben.

verfolgen, sondern auch durch Hilfestellung,
damit Demokratie und Marktwirtschaften in
Regionen Fuß fassen, die Anlaß zu größter
Besorgnis im humanitären Bereich geben.
Bei der Strategie der Ausweitung müssen wir folgendes beachten: Einmal müssen wir Geduld zeigen. Die
Gelehrten haben beobachtet, daß den Wellen demokratischen Fortschritts oftmals die gegenläufigen Wellen
demokratischen Rückschritts folgen. Wir müssen auf
ungleichmäßige Fortschritte und sogar auf direkte
Rückschläge vorbereitet sein.

Unsere Strategie muß pragmatisch sein. Unser Interesse an Demokratie und Marktwirtschaft steht nicht
allein. Andere amerikanische Interessen werden bisweilen von uns fordern, uns zum gegenseitigen Vorteil
Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses übergeordnete mit nichtdemokratischen Staaten zu befreunden und
Ziel uns zu übertriebenen Handlungen veranlaßt. Eine sie sogar zu verteidigen.
Strategie der Ausweitung muß, wenn sie erfolgreich
Unsere Strategie muß einer weitgefaßten Auffassung
sein soll, Unterscheidungen treffen und Prioritäten
von Demokratie entsprechen - einem System, das
setzen. Sie muß unsere großen Ziele der Förderung
nicht nur Wahlen, sondern auch Merkmale wie eine
von Demokratie und Marktwirtschaft mit unseren tradiunabhängige Justiz und den Schutz der Menschentionelleren geostrategischen Interessen kombinieren.
rechte umfaßt.
Und sie muß vorschlagen, wie unsere großen, aber
dennoch begrenzten nationalen Sicherheitsressour- Unsere Strategie muß auch die Vielfalt respektieren.
cen - die finanziellen, diplomatischen und militärischen Demokratie und Marktwirtschaft können zahlreiche
- am besten eingesetzt werden können.
legitime Varianten haben. Die Freiheit hat viele Gesichter.
In den vergangenen Jahren haben die Diskussionen
über den Einsatz von Gewalt eine Reihe lebenswich- Ich möchte alle vier Komponenten dieser Strategie im
tiger Fragen darüber ausgelöst, ob unsere Streitkräfte einzelnen erörtern.
unseren Zielen angemessen sind, ob wir kämpfen und
in einer akzeptablen Zeit gewinnen können, ob wir Bei Wahlkämpfen ist es ein Axiom, daß man mit der
einen vernünftigen Ausweg haben, falls nicht, ob wir Konsolidierung der politischen Basis beginnt. Dasseldie Unterstützung der Öffentlichkeit und des Kongres- be gilt für die internationale Politik. Aus diesem Grund
sesgenießen. Wir haben jedoch eine vorrangige, stra- muß die oberste Priorität einer Strategie der Ausweitegische Frage übersehen - die Frage des "wo" -, die tung die Stärkung des Kernstücks führender marktden Rahmen für derartige militärische Beurteilungen wirtschaftlicher Demokratien, der Verbindungen zwischen ihnen und ihres Gefühls gemeinsamer Interessetzt.
sen sein.
Meines Erachtens enthält die Strategie der AusweiDie Erneuerung beginnt im Inland. Unsere Bestrebuntung vier Komponenten:
gen, unserem Volk Macht zu verleihen, die Wirtschaft
Erstens sollten wir die Gemeinschaft führender wiederzubeleben, unser Defizit abzubauen und die
Marktwirtschaften stärken - einschließlich unse- Regierung neu zu erfinden, haben tiefgreifende Ausrer eigenen - die den Kern und Ausgangspunkt wirkungen auf unsere globale Stärke und die Attraktider Ausweitung darstellen.
vität von Demokratie und Märkten weltweit. Unsere
innenpolitische Erneuerung wird auch Einfluß darauf
Zweitens sollten wir neue Demokratien und haben, wieviel ihres hart verdienten Geldes die AmeMarktwirtschaften wo immer möglich fördern rikaner für unser Engagement im Ausland aufwenden.
und konsolidieren, insbesondere in Staaten von
besonderer Bedeutung und mit speziellen Chan- Das Gebot, den demokratischen Kern zu stärken,
cen.
unterstreicht auch die Bedeutung der Erneuerung der
Verbindungen zwischen unseren wichtigsten demoDrittens müssen wirdie Aggression von Staaten
kratischen Verbündeten. Unsere Beziehungen zu
abwehren, die Demokratie und freien Märkten Europa, Kanada und Japan sind heute im wesentligegenüber feindlich gesinnt sind und ihre Libe- chen solide. Sie leiden jedoch unter einem wirtschaftralisierung unterstützen.
lichen und einem militärischen Problem.
Viertens müssen wir unsere humanitäre TagesDas Wirtschaftsproblem sind schleppendes Wirtschaftsordnung nicht nur durch Bereitstellung von Hilfe wachstum in unseren Ländern und die politischen
AMERIKA DIENST 40

Seite 3

�Kosten, die es demokratischen Regierungen abverlangt. Im vergangenen Jahrzehnt haben viele europäische Nationen beispielsweise unter dem Strich keinen
einzigen Arbeitsplatz geschaffen. Zum Teil infolgedessen verfügen unsere wichtigsten Verbündeten jetzt
über eine dünne Finanzdecke und knappe politische
Mehrheiten. Wirtschaftliche Stagnation und ihre politischen Konsequenzen unterminieren die Fähigkeit
der führenden demokratischen Mächte, bei vielen
unserer gemeinsamen Herausforderungen entschieden vorzugehen, vom GATT bis zu Bosnien.
Glücklicherweise leiten viele unserer demokratischen
Verbündeten ebenso wie wir Überprüfungen staatlicher Verfahren und der Innenpolitik in die Wege. Diese
Bestrebungen sollten mutig vorangebracht werden nicht nur um der Gerechtigkeit und des Wohlstands in
jeder unserer Nationen willen, sondern auch, damit
unsere demokratische Gemeinschaft wieder mit Energie und Entschlossenheit handeln kann.
Aus diesem Grund führen wir die Bestrebungen zu
einem erfolgreichen Abschluß des GATT-Abkommens
bis zum Jahresende an. Und deshalb ist die Verabschiedung des NAFTA eine der obersten Prioritäten
des Präsidenten.
Aber obwohl diese spezifischen Abkommen von enormer Bedeutung sind, geht die Notwendigkeit für wirtschaftliche Erneuerung noch weiter. Wir befinden uns
im Anfangsstadium so tiefgreifender Veränderungen
der Weltwirtschaft wie am Ende des Zweiten Weltkriegs. Und angesichts harter Zeiten in all unseren
Nationen könnten wir einen Teufelskreis internationalen wirtschaftlichen Handelns produzieren. Wenn die
führenden demokratischen Marktwirtschaften nicht
gemeinsam handeln - internationale Wirtschaftsinstitutionen modernisieren, makroökonomische Maßnahmen koordinieren und harte, aber faire Geschäfte
anhand der Grundregeln des offenen Handels abschließen - könnte uns der gnadenlose Wettbewerb
der neuen Weltwirtschaft zusammen mit unserer inzwischen überholten gemeinsamen Zielsetzung aus
den Zeiten des Kalten Krieges in eine länger anhaltende Stagnation oder sogar eine wirtschaftliche Katastrophe treiben.

Clinton im Januar anberaumten NATO-Gipfeltreffen
die Modernisierung der NATO anstreben, so daß
hinter der Ausweitung der demokratischen Marktwirtschaften die entscheidende kollektive Sicherheit bestehen bleibt.
Förderung neuer Demokratien und Marktwirtschaften
Neben der Konsolidierung unserer Basis besteht das
zweite Gebot unserer Strategie in Hilfestellung bei der
Ausweitung von Märkten und ihrem Überleben andernorts, wo wir die größten Sicherheitsbedenken
haben und den größten Unterschied bewirken können.
Dies ist nicht ein demokratischer Kreuzzug - es ist eine
programmatische Verpflichtung, dazu beizutragen, daß
die Freiheit dort Fuß faßt, wo sie uns am meisten hilft.
Aus diesem Grund müssen unsere Bestrebungen darauf
abzielen, Staaten behilflich zu sein, die unsere strategischen Interessen betreffen, wie die in geographischer Hinsicht entscheidenden mit großen Volkswirtschaften, Nuklearwaffen oder dem Potential, Flüchtlingsströme in unser Land oder die Länder unserer
wichtigsten Freunde und Verbündeten zu verursachen. Wir müssen unsere Bestrebungen auf die
Gebiete konzentrieren, in denen wir den größten Einfluß haben. Und unsere Bestrebungen müssen nachfrageorientiert sein - sie müssen sich auf Nationen
konzentrieren, deren Bevölkerung auf Reformen drängt
oder sie bereits verwirklicht hat.
Das wichtigste Beispiel ist die ehemalige Sowjetunion
- und sie erfüllt die gerade von mir genannten Kriterien.
Wenn wir demokratische und Marktreformen in Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten
unterstützen und zu ihrer Konsolidierung beitragen,
können wir eine bisherige Bedrohung in eine Region
mit wertvollen diplomatischen und wirtschaftlichen
Partnern umwandeln. Darüber hinaus erhöhen unsere
Bemühungen in Rußland, der Ukraine und den anderen Staaten die Wahrscheinlichkeit weiterer Reduzierungen von Nuklearwaffen und die Einhaltung internationaler Vereinbarungen zur Nichtverbreitung.

Die neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa sind
ein weiteres deutliches Beispiel angesichts ihrer Nähe
zu den großen demokratischen Mächten WesteuroDas militärische Problem betrifft die NATO. Seit einem pas.
halben Jahrhundert hat sich die NATO als effektivstes
militärisches Bündnis in der Geschichte der Mensch- Da unsere Verbindungen überden Pazifikhinweg nicht
heit erwiesen. Wenn die NATO ein Anker für europä- weniger wichtig sind als die über den Atlantik, ist die
ische und atlantische Stabilität bleiben soll, was sie Ausweitung im asiatischen Pazifik ein drittes Beispiel.
dem Präsidenten zufolge muß, müssen ihre Mitglied- Der Präsident hat diesen Punkt im Juli in Japan und
staaten sich für die Modernisierung der Rolle der Korea in seiner Beschreibung einer neuen pazifischen
NATO in diesem neuen Zeitalter engagieren. Wenn Gemeinschaft unterstrichen.
die NATO mit der Zeit nicht zur Übernahme einer
umfassenderen Rolle bereit ist, wird sie die Unterstüt- Die Fortsetzung der großen Schritte zu Demokratie
zung der Öffentlichkeit verlieren, und all unsere Natio- und Märkten in unserer aufstrebenden Gemeinschaft
nenwerden ein lebenswichtiges Bindeglied transatlan- von Demokratien auf der westlichen Hemisphäre muß
tischer und europäischer Sicherheit verlieren. Aus ebenfalls ein wichtiges Anliegen sein. Und wir sollten
diesem Grund werden wir bei dem von Präsident nach solchen Staaten Ausschau halten, deren Beitritt
Seite 4

AMERIKA DIENST 40

�zu dem Lager der demokratischen Marktwirtschaften
die künftige Richtung einer ganzen Region beeinflussen kann. Südafrika und Nigeria haben jetzt dieses
Potential im Hinblick auf Afrika südlich der Sahara.

Wir können davon ausgehen, daß die Förderung von
Demokratie und Märkten scharfe Reaktionen von
denjenigen bewirkt, deren Macht sich nicht aus dem
Volk ableitet. Die um sich greifende Demokratiebewegung in Burma führte zur Inhaftierung seiner prominenWie sollten die Vereinigten Staaten zur Konsolidierung testen Verfechterin, Aung San Suu Kyi. Die russiund Ausweitung von Demokratie und Märkten in die- schen Reformen haben den Widerstand der Nomensen Regionen beitragen? Die Antworten sind so klatura geweckt.
unterschiedlich wie die betroffenen Nationen, es gibt
jedoch gemeinsame Elemente. Wir müssen weiterhin Zentralisierte Macht verteidigt sich selbst. Sie setzt
die Bestrebungen zur Mobilisierung internationaler nicht nur Instrumente der Staatsgewalt wie militärische
Ressourcen anführen, wie wir es in Rußland und den Macht, Inhaftierung aufgrund politischer Überzeugung
anderen neuen Staaten getan haben. Wir müssen und Folterung ein, sondern beutet auch die intoleranbereit sein, unverzüglich öffentlich Stellung zu bezie- ten Energien von Rassismus, ethnischen Vorurteilen,
hen, um verläßliche Entwicklungen zur Demokratie zu religiöser Verfolgung, Fremdenfeindlichkeit und Irrefördern, wie wir sie in Haiti, Guatemala und Nigeria dentismus aus. Derjenige, dessen Macht durch die
beobachten. Wir müssen den demokratischen Natio- Ausbreitung von Demokratie und Märkten bedroht ist,
nen den gesamten Nutzen der Integration in ausländi- wird immer ein persönliches Interesse daran haben,
sche Märkte bieten. Dies ist unter anderem der Grund, mit leidenschaftlicher Intensität Widerstand gegen diese
warum wir NAFTA und GATT so hohe Priorität auf Praktiken zu leisten.
unserer Sicherheitstagesordnung einräumen. Wir
müssen besseren Zugang zu den technologischen Wenn solche Machthaber regionale Mächte anführen
Märkten mit der Verpflichtung zur Einhaltung der Nicht- wie Iran und Irak, können sie auf Gewalt und Gesetzverbreitungsnormen kombinieren. Und wir müssen losigkeit zurückgreifen, die die Vereinigten Staaten
diesen Nationen helfen, die Pfeiler einer bürgerlichen und andere Demokratien bedrohen. Solche reaktionäGesellschaft zu stärken, ihre Marktinstitutionen zu ren Staaten neigen eher zur Förderung von Terrorisverbessern sowie Korruption und politische Unzufrie- mus sowie zu Schmuggel mit Massenvernichtungsdenheit durch die Praktik der guten Regierungsfüh- waffen und ballistischer Raketentechnologie. Sie
tendieren mehr zur Unterdrückung ihres Volkes, dem
rung zu bekämpfen.
Schüren ethnischer Rivalitäten und der Bedrohung
Bei all diesen Bestrebungen sollte die Politik der Aus- ihrer Nachbarn.
weitung eine zweite Bedeutung erhalten: Wir sollten
unsere Ziele durch einen erweiterten Kreis verfolgen, In dieser Welt sich multiplizierender Demokratien,
der sich nicht nur aus Regierungsvertretem, sondern erweiternder Märkte und beschleunigten Handels sehen
auch aus privaten und nichtstaatlichen Gruppen zu- sich die Herrscher reaktionärer Staaten mit einer
sammensetzt. Privatfirmen sind natürliche Verbünde- unangenehmen Entscheidung konfrontiert. Sie könte bei unseren Bemühungen zur Stärkung der Markt- nen versuchen, ihr Volk von diesen befreienden Kräfwirtschaften. Entsprechend hat unser Ziel, Demokra- ten zu isolieren. Wenn sie dies tun, schneiden sie sich
tie und eine bürgerliche Gesellschaft zu stärken, einen jedoch selbst den Weg zu eben den Kräften ab, die
natürlichen Verbündeten in Gewerkschaften, Men- Wohlstand und soziale Dynamik schaffen. Solche
schenrechtsgruppen, Umweltschützern, Handelskam- Staaten tendieren dazu, von innen heraus zu verrotten
mern und Wahlbeobachtern. Ebenso wie wir bei der - sowohl wirtschaftlich als auch geistig. Während sie
Verteidigung auf Streitkräftemultiplikatoren zurückgrei- schwächer werden, können sie jedoch auch verzweifen, sollten wir diese "Diplomatiemultiplikatoren" wie felter und gefährlicher werden.
die Nationale Stiftung für Demokratie (National En- Unsere Politik gegenüber solchen Staaten muß, sodowment for Democracy) begrüßen.
lange diese so handeln, in ihrer diplomatischen, militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Isolierung bestehen. Sie muß die Betonung auf NachrichDas dritte Element unserer Strategie der Ausweitung tendienste, Terrorismusbekämpfung und multilaterale
sollte darin bestehen, die Fähigkeit der nicht zum Kreis Exportkontrollen legen. Sie muß globale Normen
der Demokratien und Marktwirtschaften gehörenden bezüglich der Massenvernichtungswaffen anwenden
Staaten, sie zu bedrohen, auf ein Minimum zu be- und ihre Durchsetzung sicherstellen. Obwohl einige
dieser Bestrebungen unilateral erfolgen, sind internaschränken.
tionale Regeln erforderlich und könnten bei der DurchDemokratie und Marktwirtschaften waren immer sub- setzung von Sanktionen, Transparenz und Exportkonversive Ideen für diejenigen, die ohne Zustimmung trollen besonders wirksam sein, wie die Arbeit der
herrschen. Diese Ideen sind für sie weiterhin subver- Internationalen Atomenergie-Organisation im Irak
siv. Jeder Diktator, Theokrat, Kleptokrat oder zentra- beweist.
ler Planer eines ungewählten Regimes hat Grund zur
Sorge, daß seine Untertanen plötzlich die Freiheit Wenn die Aktionen solcher Staaten unsere Bürger,
fordern, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
unsere Streitkräfte und unsere vitalen Interessen diDie reaktionären Staaten

AMERIKA DIENST 40

Seite 5

�rekt bedrohen, müssen wir eindeutig in der Lage sein,
entschieden und im Alleingang zurückzuschlagen, wie
wir es taten, als der Irak den ehemaligen Präsidenten
Bush zu ermorden versuchte. Wir müssen stets die
zur Abschreckung oder gegebenenfalls Bekämpfung
von Aggression seitens dieser Regime erforderliche
Militärmacht beibehalten. Weil die Ursachen solcher
Bedrohungen vielfältig und unberechenbar sein werden, müssen wir sicherstellen, daß unsere Streitkräfte
immer einsatzbereiter, mobiler, flexibler und intelligenter sind, wie der Präsident und Verteidigungsminister
Aspin unterstrichen haben.

unsere Sicherheit als auch unsere Wirtschaftsinteressen in Asien stark beeinflussen. Es liegt im Interesse
unserer beiden Nationen, daß China seine wirtschaftliche Liberalisierung fortsetzt und gleichzeitig die
Menschenrechte seiner Bürger und die internationalen
Regeln des Waffenverkaufs respektiert. Aus diesem
Grund haben wir die Handelsvorteile Chinas bedingt
erweitert, seine Raketenexporte sanktioniert und die
Gründung von Radio Free Asia vorgeschlagen. Wir
streben engere Beziehungen zu China an, die sowohl
unsere Werte als auch unsere Interessen widerspiegeln.

Ich möchte kurz verdeutlichen, was die amerikanischen Streitkräfte in diesem Augenblick tun, an dem
wir hier zusammenkommen: In Südkorea sind rund
37.000 amerikanische Soldaten gegen Aggression
aus dem Norden in Stellung. Im Persischen Golf sind
der Trägerverband der Abraham Lincoln und andere
Streitkräfte immer noch infolge der Operation Wüstensturm stationiert. Und während wir neue Nahostfriedensabkommen in die Wege leiten, tragen ungefähr
1.000 amerikanische Soldaten zur Friedenssicherung
auf der Sinaihalbinsel bei. Solche Streitkräfte kosten
Geld. Einige mögen bedauern, daß unsere neue
Streitkräftestrategie (Bottom Up Review) nicht beträchtlich kleinere oder billigere Streitkräfte vorsah.
Tatsache ist jedoch, daß diese Streitkräfte - die besten
der Welt - ein Teil des erforderlichen Preises der
Sicherheit und Führungsrolle in der Welt sind.

Unsere Politik gegenüber der islamischen Welt ist ein
weiteres Beispiel. Ich möchte folgenden Punkt unterstreichen: Unsere Nation respektiert die zahlreichen
Beiträge, die der Islam in den vergangenen 1.300
Jahren geleistet hat, und wir würdigen die engen
Bande der Werte und Geschichte zwischen dem Islam
und dem jüdisch-christlichen Glauben der meisten
Amerikaner. Wir werden den Anhängern des islamischen Glaubens in jeder Weise unsere Freundschaft
anbieten, die in Frieden und Toleranz leben. Aber wir
werden jeden nur erdenklichen Widerstand gegen
Militante leisten, die die islamische Lehre verzerren
und ihren Einfluß durch Gewalt zu erweitern suchen.
Die humanitäre Tagesordnung

Der vierte Teil unserer Strategie der Ausweitung betrifft unsere humanitären Ziele, die eine wichtige Rolle
Während einige reaktionäre Staaten versuchen wer- bei der Förderung unserer Bestrebungen zur Ausbreiden, sich gegen Einfluß von außen abzuschirmen, tung von Demokratie und Märkten spielen. Unsere
werden andere antidemokratische Staaten sich für humanitären Aktionen fördern die Unterstützung der
größeren Wohlstand durch die Liberalisierung ihrer amerikanischen Öffentlichkeit für unser Engagement
Wirtschaftsregeln entscheiden. Früher oder später im Ausland. Unsere humanitären Bemühungen könwerden diese Staaten jedoch mit der Notwendigkeit nen auch als Anreiz für die Entwicklung von Demokrazur Liberalisierung ihres Informationsflusses in und tie und Marktwirtschaft in vielen Teilen der Wert dieinnerhalb ihrer Nation konfrontiert und sehen sich nen. Die Welt vertraut unserer Führungsrolle bei
gezwungen, den Aufstieg einer unternehmerischen diesen umfassenderen Bestrebungen letztlich zum
Mittelklasse zu tolerieren. Beide Entwicklungen schwä- Teil aufgrund der Tatsache, daß sie Zeuge unserer
chen die despotische Herrschaft und führen mit der humanitären Taten wird: Sie weiß, daß unsere ReakZeit zu einer ansteigenden Nachfrage nach Demokra- tion auf Hunger und Leiden von Bangladesch über
tie. Chiles Erfahrung unter General Pinochet beweist, Somalia bis zu Tschernobyl Ausdruck dessen sind,
daß Marktwirtschaft eine Zeitlang ohne Demokratie wer wir als Nation sind. Unsere humanitären Bestregedeihen kann. Sowohl unser Instinkt als auch die bungen müssen weiterhin ein breites Spektrum von
jüngere Geschichte Chiles, Südkoreas und anderer Programmen beinhalten - Wirtschafts- und Militärhilfe,
Staaten lehrt uns jedoch, daß dies nicht auf ewig Katastrophenhilfe sowie Hilfsprojekte für die Bereiche
Bildung, Ernährung und Gesundheit. In den kommenfunktioniert.
den Monaten beabsichtigen wir, mit dem Kongreß
Wir können Regimen, die sich anscheinend für eine zusammenzuarbeiten, um diese Palette von HilfsproLiberalisierung entscheiden, nicht die Demokratie grammen strategischer und effizienter auf die Fördeaufzwingen, aber wir sind vielleicht in der Lage, einige rung von Demokratie und Märkten, umweltverträgliche
von ihnen auf diesen Weg zu bringen und die Strafe für Entwicklung und frühzeitige Reaktionen auf soziales
Unterdrückung und aggressives Verhalten zu erhö- und wirtschaftliches Chaos auszurichten.
hen. Diese Bemühungen haben eine besondere
Bedeutung im Hinblick auf unsere Beziehungen zu Wir werden in diesem Zeitalter mit großen HerausforChina. Diese Beziehung ist aufgrund der wachsenden derungen an unseren humanitären Instinkt konfrontiert
Bedeutung Chinas als Weltmacht eine der wichtigsten und entschieden weniger Handlungshindernissen als
und zusammen mit unseren Beziehungen zu Japan während der Zeit des Wettbewerbs unter den Superund Korea wird unsere Beziehung zu China sowohl mächten. Der Druck der Öffentlichkeit auf mehr
Seite 6

AMERIKA DIENST 40

•

�humanitäres Engagement mag zunehmend von Fernsehbildern genährt werden, die wiederum von Überlegungen abhängen wie der, wohin CNN seine Kamerateams entsendet. Wir müssen jedoch auch andere
Überlegungen einbeziehen: Kosten, Durchführbarkeit
und Dauerhaftigkeit der durch unsere Hilfe erzielten
Verbesserungen, die Bereitschaft regionaler und internationaler Gremien, das Ihrige zu tun sowie die Wahrscheinlichkeit, daß unsere Aktionen die Sicherheit der
betreffenden Menschen und Region erhöhen.

Letztlich können wir den dramatischen neuen Wandel,
der jetzt einen großen Teil der Entwicklungsländer
erfaßt hat, durch unsere Förderung von Demokratie
und umweltverträglicher Entwicklung am besten unterstützen. In Afrika waren wir beispielsweise vor kurzem
Zeuge der Entstehung von Demokratie in Namibia und
von pluralistischen Wahlen in über einem Dutzend
afrikanischer Länder. Diese Entwicklungen bergen
kombiniert mit den neuen Bemühungen zur regionalen
Konfliktlösung und einer Abwendung von der Planwirtschaft wirklich Hoffnung, daß Afrika südlich der Sahara
Wir werden in zunehmendem Maße zur Hilfe für die endlich sein enormes Potential nutzt. Ein Schlüssel für
Beendigung des Blutvergießens und des Leidens in diesen Fortschritt wird Südafrika sein, das jetzt seine
ethnischen Konflikten aufgefordert, und obwohl wir historische und wirklich wunderbare Reise zu einer
stets unsere Diplomatie einsetzen, lassen diese Krite- nichtrassischen Demokratie begonnen hat. Ebenso
rien vermuten, daß es relativ wenige ethnische Konflik- wie unsere Strategie der Ausweitung sich auf entscheite innerhalb eines Landes geben wird, die eine militä- dende Ansatzpunkte stützt, muß sich unsere Strategie
rische Intervention unsererseits rechtfertigen. Letzt- gegenüber Afrika auf die Übernahme einer internatiolich werden wir unter diesen und anderen humanitären nalen Führungsrolle zur Unterstützung des Übergangs
Erfordernissen die Wahl treffen müssen.
in Südafrika konzentrieren."
Dort, wo wir etwas bewirken können, wie in Somalia
und im Nordirak, sollten wir einen Einsatz unserer
Streitkräfte zu humanitären Zwecken nicht ablehnen,
nur weil diese Missionen den großen Kriegen um die
Kontrolle von Territorium nicht ähneln. Solche Missionen beinhalten immer ein Risiko, aber wie bei allen
anderen Aspekten unserer Sicherheitspolitik ist unsere militärische Führung zur Übernahme zumutbarer
Risiken im Dienste unserer nationalen Ziele bereit.

* *

AMERIKA DIENST 40

Abschließend ging Lake auf die aktuellen außenpolitischen Entwicklungen - insbesondere in Bosnien und
Somalia - ein und erläuterte Gründe für ein Engagement der Vereinigten Staaten in der Welt nach dem
Kalten Krieg.

* *

Seite 7

�AUSSENPOLITIK
6. Oktober 1993

USA WERDEN WENN MÖGLICH DIPLOMATIE,
WENN NÖTIG GEWALT EINSETZEN
Rede von Botschafterin Albright
WASHINGTON - (AD) - Die Außenpolitik der Clinton-Administration erhält der jeweiligen Situation entsprechend
einen neuen Rahmen und wird "wann immer möglich auf Diplomatie, wenn absolut notwendig auf Gewalt
zurückgreifen", führte die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, in einer am 23. September 1993 vor dem National War College in Washington gehaltenen Rede aus.
"In der Erkenntnis, daß globale Probleme globaler Lösungen bedürfen, wird sich Amerika bei seiner Au ßenpolitik
sowohl unilateraler als auch multilateraler Instrumente bedienen", erklärte Albright und fügte hinzu, "im Einklang
mit ihrer ein halbes Jahrhundert zurückreichenden Tradition der Überparteilichkeit werden die Vereinigten
Staaten sich weiterhin in der Welt engagieren" und sich nicht, so die Botschafterin, "nach dem Kalten Krieg in
den Schützengraben zurückziehen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.
Für mich ist dieses Auditorium - diese militärische
Institution - der richtige Ort, um die außenpolitischen
Ziele der Clinton-Administration zu erörtern und das
entscheidendste aller Themen anzusprechen: Den
Einsatz militärischer Gewalt in der Zeit nach dem
Kalten Krieg. Meines Erachtens muß unser nationaler
Dialog gewährleisten, daß die Außenpolitik dieser Nation
von denjenigen richtig verstanden wird, die aufgefordert werden könnten, ihr Leben dafür zu riskieren. Und
Politiker sollten nicht nur erklären, sondern auch zuhören - sich die Zeit nehmen, den Sorgen unseres Militärs
zuzuhören und dessen Fragen zu beantworten.
Wenn wir über Außenpolitik sprachen, haben wir das
nahezu ein halbes Jahrhundert lang stets im Kontext
des Kalten Krieges getan. Ein völlig neues Vokabular
von Eindämmung und Abschreckung, Nutzlast und
Raketenlücken, Zersetzung und Dominotheorien wurde geschaffen. Und die Militäraktionen der Vereinigten
Staaten standen fast immer - direkt oder indirekt - im
Zusammenhang mit der sowjetischen Bedrohung. Die
Welt war ein Schachbrett und die beiden Supermächte
bewegten die Figuren.

verwirrend als erfreulich ist. Sie können keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten ausmachen, die nicht
zu den Bedrohungen des Kalten Krieges gehört. Sie
blicken auf den leeren Stuhl auf der anderen Seite des
Schachbretts und raten uns, uns zurückzulehnen, die
Fü ße auf den Tisch zu legen und das Interesse an der
Welt dort draußen zu verlieren.
Offenkundig ist Amerika sicherer als früher. Jeder, der
Nostalgie für den Kalten Krieg empfindet, sollte sich
besser auf seinen Geisteszustand hin untersuchen
lassen. Aber jeder, der zu der Schlußfolgerung gelangt, ehemalige Gegner, Konflikte oder Katastophen
beträfen uns nicht, mißinterpretiert die Vergangenheit,
mißversteht die Gegenwart und wird den Zug der Zeit
verpassen.

Präsident Clinton hat in der Tat häufig überdie Ähnlichkeit dieses historischen Augenblicks und der ersten
Tage der Truman-Administration unmittelbar nach dem
Zweiten Weltkrieg gesprochen. Damals wie heute sah
ein neuer Präsident eine dramatisch veränderte Welt,
versuchte, die amerikanischen Interessen in dieser
neuen Welt neu zu definieren und handelte, um diese
Aber dann verließ unser Schachgegner den Tisch. Interessen vor einer steigenden Welle isolationistiDas Spiel hat sich verändert und die Regeln für das schen Denkens zu schützen. Und damals wie heute
neue Spiel werden noch geschrieben. Die meisten von gründeten die Entscheidungen des Präsidenten auf
uns weinen der Zeit des Kalten Krieges keine Träne einer Analyse neuer Bedrohungen, der Anerkennung
nach. Aber jetzt gibt es diejenigen auf allen Seiten des unserer dauerhaften Interessen und dem Diktat des
politischen Spektrums, für die die neue Welt eher Engagements.
AMERIKA DIENST 40

Seite 1

�Was also sind diese neuen Bedrohungen und wie
sollte die Antwort der Vereinigten Staaten lauten?

kraft Europas belastet und die Sicherheit unserer
wichtigsten europäischen Verbündeten bedroht.

Der Kalte Krieg ist vorüber, Massenvernichtungswaffen gibt es jedoch immer noch. Der mögliche aggressive Einsatz solcher Waffen ist wahrscheinlich weiterhin die größte Bedrohung für den internationalen Frieden und unsere Sicherheit. Die Enthüllungen über das
Waffenprogramm des Irak müßten sogardie Selbstzufriedensten unter uns schockiert haben. Neben dem
Irak gehen ernsthafte Bedrohungen der Weiterverbreitung von Staaten wie Nordkorea aus, die die Zukunft
fürchten, Staaten wie dem Iran, die zum Faustpfand
von Extremen wie Intoleranz geworden sind und Staaten wie in Südasien, die in regionale Spannungen
verstrickt sind.

Diese Konflikte haben auch eine moralische Dimension, die am dramatischsten durch die mutigen Menschen in Sarajevo und Mostar unter Beweis gesteift
wird, jedoch auch durch die Millionen anderer verkörpert wird, die täglich fernab des Scheinwerferlichts
unter den Verwüstungen der Gewalt leiden.

Neben destruktiven Waffen gibt es destruktiven Haß.
Vor weniger als zwei Monaten hat das FBI eine Gruppe
mit offensichtlichen Verbindungen zum Ausland festgenommen, die einen Bombenanschlag auf das Gebäude plante, in dem ich arbeite. Das jüngste Nahostabkommen wird sicherlich diejenigen noch weiter in
Rage versetzen, deren Unsicherheit und Extremismus
sie blind gegenüber dem Versprechen des Friedens
und offen für Terroranschläge machen. Die terroristische Bedrohung wird durch den technologischen
Fortschritt und die Verfügbarkeit von Waffen jeglicher
Bauart noch verschärft. Ich weiß, daß wir weiterhin
gegen Terroranschläge ungeschützt sind, und ich weiß,
daß sie unsere lebenswichtigsten Interessen betreffen
können - unsere Väter, Mütter, Ehegatten, Töchter
und Söhne.
Wir sehen uns ebenfalls mit Gewalt ethnischer und
nationaler Splittergruppen konfrontiert. Wohin wir uns
auch wenden, kämpft jemand oder droht, einen anderen zu bekämpfen. Diese Dispute mögen sich fernab
unserer Grenzen abspielen, aber in dem internationalen Dorf der heutigen Zeit ist Chaos eine ansteckende
Krankheit. Obwohl Gewalt in einem gescheiterten
Staat wie Somalia manchem trivial erscheinen mag,
muß unser Interesse - sei es politischer oder humanitärer Art - anhalten, wenn Gewalt mit Unruhen im
Sudan, in Ruanda, Liberia, Bosnien, Georgien und so
weiter kombiniert wird.
Als die demokratische Regierung in Haiti entmachtet
wurde, explodierte der Drogenhandel, nahmdie Unterdrückung zu und das Risiko eines massiven neuen
Flüchtlingsstroms nach Amerika wuchs. In Somalia
gibt es Anzeichen, daßzwischen Aidids Anhängern, im
Sudan ansässigen Terroristen und der iranischen
Regierung ein taktisches Bündnis geschlossen wird.
Die derzeitige Gewalt in Aserbaidschan droht, die
Türkei, Iran und Ru ßland auf eine Weise in den Konflikt
einzubeziehen, die sehr wohl unsere Interessen direkt
bedrohen könnte. Und es besteht weiterhin die Möglichkeit, daß der Krieg im ehemaligen Jugoslawien sich
auf die Nachbarregionen und -nationen ausweitet, den
Flüchtlingsstrom weiter ansteigen läßt, die Wirtschafts-

Seite 2

Offenkundig können weder wir noch irgendein anderer
jedes Übel beheben. Es würde auch keinen Sinn
ergeben, wenn wir es versuchten. Wir sollten jedoch
nie so sehr von den täglichen Sorgen in Anspruch
genommen werden, daß wir unser grundlegendstes
Interesse aus den Augen verlieren, das nicht nur die
Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle, sondern auch der amerikanischen Zielsetzung ist.
Vor zehn Tagen nahm ich in Washington an einem
Mittagessen anläßlich der feierlichen Unterzeichnung
eines Abkommens zwischen Israel und der PLO teil ein Tag, den ich nie im Leben vergessen werde. Ich
werde mich insbesondere an eine Bemerkung des
israelischen Außenministers Shimon Peres über die
Zielsetzung der Vereinigten Staaten erinnern. Wenn
die Geschichtsbücher geschrieben werden, so Peres,
"wird niemand die Vereinigten Staaten verstehen. Sie haben so viel Macht und eroberten
dennoch kein fremdes Gebiet. Sie haben so viel
Macht und beherrschten dennoch nicht andere
Menschen. Sie haben Ihre eigenen Probleme
und haben dennoch den Problemen anderer nie
den Rücken zugekehrt".
Wir sollten stolz sein, daß ein Großteil der Welt Amerika so sieht wie Außenminister Peres.
Denn unsere Führungsrolle ruht heute auf derselben
soliden Grundlage von Prinzipien und Werten - demselben aufgeklärten Eigeninteresse - das den Militärdienst für die Vereinigten Staaten von Valley Forge
(Winterlager während des Revolutionskrieges, Anm.
d. Red.) bis zur Operation Wüstensturm nicht nur zu
einem Beweis des Muts, sondern auch zur Ehre gemacht
haben.
Wie Außenminister Christopher und der Nationale
Sicherheitsberater Tony Lake in dieser Woche erklärten, hat die amerikanische Außenpolitik vier übergreifende Ziele: Erstens die Verbindungen zwischen den
Ländern zu stärken, aus denen sich die wachsende
Gemeinschaft führender marktwirtschaftlicher Demokratien zusammensetzt, zweitens den aufstrebenden
Demokratien dabei behilflich zu sein, Fuß zu fassen,
drittens die verbrecherischen Staaten zu reformieren
oder zu isolieren, die Stabilität und Wohlstand der
größeren Gemeinschaft zu unterminieren versuchen
und viertens, das Chaos einzudämmen und das Leiden in den Regionen zu mildem, die zu größter humanitärer Besorgnis Anlaß geben. ZusammengenomAMERIKA DIENST 40

�men hat unsere Strategie die Ausweitung von Demokratie und Märkten im Ausland zum Ziel.

Ich bin sicher, daß wir unter der Führung von Verteidigungsminister Aspin Streitkräfte beibehalten werden,
die modern, flexibel, einsatzbereit und stark sind. Die
Zur Erlangung dieser Ziele, so wird von einigen argu- Politik des Pentagon besteht in der Aufrechterhaltung
mentiert, müssen wir harte Entscheidungen zwischen eines Militärs, das zusammen mit den Verbündeten
unilateral und multilateral, global und regional, Gewalt vor Ort fähig genug ist, zwei größere regionale Kriege
und Diplomatie treffen. Dies trifft jedoch nicht zu. In zu führen u nd zu gewinnen. Die Existenz einer solchen
diesem neuen Zeitalter haben wir die Flexibilität, einen Streitmacht - und die glaubwürdige Androhung ihres
vernünftigen Kurs zwischen den Beratern zu steuern, Einsatzes - ist der sicherste Weg zu verhindern, daß
die uns am liebsten überall intervenieren sähen und unsere Interessen überhaupt erst bedroht werden.
denjenigen, die nirgendwo eine amerikanische Zielsetzung ausmachen. Wir verfügen über die gesamte Seit Jahren drehte sich die Debatte darum, ob es
Bandbreite außenpolitischer Instrumente, mit denen erforderlich ist oder nicht, eine Reihe spezifischer
wir arbeiten können und werden diejenigen auswäh- Gegebenheiten - eine Checkliste - aufzuführen, unter
len, die im jeweiligen Fall am effektivsten sind.
denen die Vereinigten Staaten den Einsatz militärischer Gewalt in Erwägung ziehen oder verwerfen
Als Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei würden.
den Vereinten Nationen habe ich eindeutig klargestellt,
daß wir weiterhin der Sache des Friedens und dem Diese Administration hat klugerweise der Versuchung
Prinzip verpflichtet sind, Konflikte ohne Gewalt zu widerstanden, eine detaillierte Liste der Umstände zu
lösen, wo immer dies möglich ist.
erarbeiten, unter denen militärische Gewalt angewendet werden könnte, oder den Fehler des AußenminiDas Ende des Kalten Krieges bietet uns in dieser steriums bezüglich Korea von vor 43 Jahren zu wiederHinsicht neue und wichtige Chancen. Kooperation, holen, als es den Umfang der amerikanischen Interesnicht Konfrontation ist jetzt im Sicherheitsrat der Ver- sen und Belange zu eng definierte. Zu viele präzise
einten Nationen die Regel. Infolge unserer selbstbe- Aussagen in der Öffentlichkeit, so wohlmeinend sie
wußten Diplomatie erhielten wir die globale Unterstüt- auch sein mögen, können die Flexibilität des Oberbezung für Sanktionen gegen Libyen aufgrund der Ab- fehlshabers einschränken oder gefährliche Fehleinschirmung derdes Bombenanschlags auf Flug 103 der schätzungen im Ausland bewirken.
Pan Am Verdächtigen, gegen den Irak aufgrund der
andauernden Nichteinhaltung seiner Verpflichtungen Niemand sollte jedoch Zweifel hegen, daß dieser
im Anschlu ß an den Golfkrieg und gegen Haiti vor dem Präsident wenn nötig zum unilateralen Einsatz von
kürzlich geschlossenen Abkommen zur Wiederher- Gewalt bereit ist.
stellung der demokratischen Herrschaft. Sanktionen
wurden auch vermehrt im Falle Angolas eingesetzt, wo Im vergangenen Juni verfügte der Präsident einen
unser Ziel darin besteht, eine bewaffnete Oppositions- Angriff auf Saddam Husseins nachrichtendienstliches
gruppe zur Einhaltung der Ergebnisse freier Wahlen zu Hauptquartier als Reaktion auf den Komplott des Irak
ermutigen und natürlich in Serbien, wo sie die Volks- zur Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush.
wirtschaft des Aggressorstaats drastisch geschwächt Wir holten von niemandem die Erlaubnis zur Durchführung dieses Luftangriffs ein, wir baten niemanden um
haben.
Hilfe, wir haben ihn unter Einsatz unserer eigenen
Diplomatie wird stets Amerikas erste Wahl sein, und Streitkräfte in Ausübung unseres Rechts auf Selbstdie Möglichkeiten für diplomatische Leistungen sind verteidigung durchgeführt. In seiner Rede vor der UNheute vielfältig. Die Geschichte lehrt uns jedoch, daß Generalversammlung hat der Präsident erklärt, die
es immer Zeiten geben wird, in denen Worte nicht Vereinigten Staaten würden wenn möglich militärisch
genug sind, in denen Sanktionen nicht genug sind, in mit anderen einschreiten, aber "im Alleingang, wenn
wir müssen". Diese Verpflichtung galt damals und sie
denen Diplomatie nicht genug ist.
gilt noch heute.
Die oberste Mission unserer Regierung - ihre konstitutionelle Pflicht - besteht im Schutz des Territoriums, Wenn in Zukunft die vitalen Wirtschaftsinteressen
der Menschen und des Lebensstils unserer Nation. Amerikas auf dem Spiel stehen, wie es am Golf der Fall
Wir können diese Mission nicht erfüllen, wenn wir nicht war, oder das Leben amerikanischer Bürger gefährdet
sowohl die Fähigkeit zum effektiven Einsatz von Gewalt ist, wie in Panama, oder Terroristen aufgespürt werals auch den Willen haben, wenn nötig entsprechend den müssen, wie zu dem Zeitpunkt, als Präsident
zu handeln. Wenn weder unsere Fähigkeit zu kämpfen Reagan den Einsatz von Gewalt gegen die Entführer
noch unsere Entschlossenheit dazu bezweifelt wer- der Achille Lauro anordnete, wird Präsident Clinton
den, können wir am sichersten sein, nicht nur diejeni- nicht zögern zu handeln, wie ein Oberbefehlshaber
gen zu besiegen, die uns bedrohen, sondern auch zum Schutz Amerikas und der Amerikaner handeln
diejenigen abzuschrecken, die zu einem solchen Vor- muß.
gehen versucht sind.

AMERIKA DIENST 40

Seite 3

�In der Rede vor den Vereinten Nationen wies der Präsident ebenfalls darauf hin, daß wir den Einsatz von
Streitkräften auf multilateraler Basis unterstützen, wenn
dies in unserem Interesse liegt. Wie Außenminister
Christopher formulierte, ist unserer Ansicht nach multilaterales Handeln "ein Mittel, nicht der Zweck". Niemand versteht die Vorteile des Multilateralismus besser als die Vereinigten Staaten. Aus diesem Grund
schlugen wir die NATO vor und beteiligten uns an der
Gründung der Vereinten Nationen. Die zugrundeliegende These der Strategie der Eindämmung nach
dem Zweiten Weltkrieg, das Vermächtnis führender
Politiker wie Präsident Truman, General Marshall und
General Eisenhower war, daß Amerikas Stärke noch
zunimmt, wenn es Mitglied starker Bündnisse ist und
zusammen mit anderen Nationen Anstrengungen zur
Verfolgung gemeinsamer Ziele unternimmt.

tial, als "Streitkräftemultiplikator bei der Förderung
des Interesses an Frieden und Stabilität tätig zu werden, das wir mit anderen Nationen teilen.

Die Geschichte des Persischen Golfs während der
letzten drei Jahre ist hierfür ein klassisches modernes
Beispiel. Ich weiß, daß einige der heute hier Anwesenden an der Planung und Durchführung von Operationen während dieses Krieges beteiligt waren, einschließlich der in der Geschichte vielleicht entscheidendsten
Luftoperation, sowie der schwierigen Verlagerung großer
Kampfeinheiten aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen an die Frontlinien. Ich beglückwünsche Sie zu Ihren Fähigkeiten und der Professionalität bei dieser wirksamsten Kampagne der Koalition. Am Golf profitierte die amerikanische Führungsrolle in hohem Maße von der Unterstützung anderer
Staaten vor, während und nach dem Krieg. Die UNOSanktionen stärkten unsere Sache in politischer Hinsicht, die Unterstützung der Alliierten verteilte die
Lasten in militärischer Hinsicht und der Beitrag der
arabischen Staaten, Deutschlands und Japans senkte
die Kosten des Krieges und seiner Folgen in finanzieller Hinsicht.

In der Vergangenheit haben die UNO-Missionen wichtige Ziele an ganz verschiedenen Orten erreicht Naher Osten, Namibia, El Salvador und Kambodscha.
In dem Maße wie friedenssichernde Missionen in
Zukunft erfolgreich sind, werden sie die Belastung von
Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte und des
amerikanischen Steuerzahlers durch die gemeinsamen Sicherheitsoperationen auf der Welt entscheidend verringern.

Die UN-Friedensmissionen können bestenfalls sehr
effektiv sein. Sie können jedoch offensichtlich kein
Ersatz dafür sein, daß wir unsere eigenen Kriege
führen oder gewinnen, und wir dürfen auch nicht
zulassen, daß die Existenz einer kollektiven Fähigkeit
zur Friedenssicherung zu einer Verringerung unserer
eigenen militärischen Stärke führt. Die Bemühungen
der Vereinten Nationen beinhaften jedoch das Poten-

Haushaltswesens,' verläßlichere Quellen für militärisches und ziviles Personal, bessere Ausbildung, bessere Nachrichtendienste, bessere Kommando- und
Kontrollstrukturen, bessere Ausrüstung und mehr Geld.
Diese Beschränkungen sind nicht systemimmanent,
sondern korrigierbar, und die Administration trägt ihren
Teil hierzu bei.

Wie ich bereits ausführte, sind territoriale Streitigkeiten, bewaffnete ethnische Konflikte, Bürgerkriege und
der totale Zusammenbruch der Regierungsautorität in
einigen Staaten heute die größten Gefahren für den
Weltfrieden. Die Vereinten Nationen spielen in vielen
dieser Situationen eine konstruktive Rolle indem sie
bei Streitigkeiten vermitteln, einen Waffenstillstand
herbeiführen und in einigen Fällen ein umfassendes
Friedensabkommen erreichen. Das erfordert oftmals
die Anwesenheit von für die Friedenssicherung zuständigen UN-Vertretern oder -Beobachtern, um entweder einen Frieden auszuhandeln oder seine Einhaltung zu sichern.

Insbesondere in einer Situation, in der eine Gefahr für
den Weltfrieden besteht, die uns zwar betrifft, jedoch
unsere Bürger und unser Territorium nicht direkt bedroht, liegt ein partnerschaftliches Vorgehen zusammen mit den Vereinten Nationen oder anderen geeigneten Organisationen in unserem Interesse, um der
Bedrohung zu begegnen und sie hoffentlich beseitigen
zu können. In einem solchen Fall werden wir nicht nur
Vorteile durch die Lastenteilung haben, sondern auch
durch die Fähigkeit, die Gemeinschaft der Nationen
um Unterstützung für die Sache bitten zu können, für
die
wir uns einsetzen.
Das Ende des Kalten Krieges hat eine weitere Möglichkeit für multilaterale Zusammenarbeit eröffnet, die Als Vertreterin der Vereinigten Staaten bei der UNO
lange durch die Rivalität zwischen den USA und der bin ich mir gleichzeitig bewußt, daß die Fähigkeiten
Sowjetunion versperrt war - die UN-Friedenssiche- dieser Organisation nicht mit ihren Pflichten Schritt
rung. In den letzten Jahren gab es einen dramatischen gehalten haben - und ich habe dieses Problem bei
Anstieg von Bitten an die Vereinten Nationen um Hilfe vielen vorherigen Gelegenheiten erörtert. Diejenigen,
bei der Lösung ethnischer und anderer Konflikte. Die die die Ziele der Vereinten Nation unterstützen, tun
Daten sind uns bereits bekannt: Mehr Friedensopera- dieser Institution keinen Gefallen, wenn sie nicht ihre
tionen in den letzten fünf Jahren als in den vergange- Stimme erheben, wenn die Möglichkeiten der UNO
nen 43, ein siebenfacher Anstieg der Streitkräfte, ein wiederholt überschritten werden. Die Vereinten Natiozehnfacher Anstieg der Haushaltsmittel, ein dramati- nen gingen aus dem 40jährigen Kalten Krieg aufgescher, jedoch nicht meßbarer Anstieg von Gefahr und bläht und aus der Form geraten hervor. Heutzutage
Komplexität.
benötigen die UN-Friedensmissionen eine Reform des

Seite4

AMERIKA DIENST 40

�Wir sind beispielsweise der Ansicht, daß der Entscheidungsfindungsprozeß der UNO im Bereich der Friedenssicherung gründlich überprüft werden muß. Wenn
die Entscheidung für oder gegen eine UN-Friedensmission oder -Resolution getroffen werden soll, müssen unserer Überzeugung nach bestimmte grundlegende Fragen gestellt werden, bevor man neue Verpflichtungen eingeht - nicht danach. Dazu zählen die
folgenden:
Besteht eine wirkliche Bedrohung für Frieden
und Sicherheit auf der Welt, sei es aufgrund internationaler Aggression, humanitärer Katastrophen in Begleitung von Gewalt oder plötzlicher,
unerwarteter und gewaltsamer Eingriffe in eine
etablierte Demokratie?
Verfolgt die vorgeschlagene Friedensmission
klar abgesteckte Ziele und kann ihr Umfang
deutlich definiert werden?
Gibt es einen Waffenstillstand und haben die
Konfliktparteien der Anwesenheit von UN-Friedenstruppen zugestimmt?
Stehen die zur Durchführung der Mission erforderlichen finanziellen und menschlichen Ressourcen zur Verfügung?
Ist ein Ende der UN-Mission absehbar?
Diese Fragen sind Beispiele für die - zur Zeit noch nicht
existenten - beständigen Kriterien, die die Vereinten
Nationen unserer Ansicht nach bei der Prüfung neuer
Friedensmissionen in Betracht ziehen sollten. Wir
bereiten Richtlinien für die Teilnahme Amerikas vor,
die auf speziellen Gebieten wie Logistik, Ausbildung,
Nachrichtendienst, Kommunikationswesen und Öffentlichkeitsarbeit von großer Hilfe zu sein verspricht.
Obwohl die Administration die Überprüfung unserer
Politik im Hinblick auf UN-Friedensmissionen noch
nicht ganz abgeschlossen hat, kann ich Ihnen eins
versichern: Diese Administration ist der Ansicht, daß
junge Männer und Frauen nicht ohne eine klar definierte Aufgabe, kompetente Kommandeure, vernünftige
Regeln für das Engagement und die erforderlichen
Mittel für eine gefährliche Aufgabe eingesetzt werden
sollten, sei die Operation multilateraler oder unilateraler Art und seien die eingesetzten Soldaten Amerikaner oder anderer Nationalität. Die Glaubwürdigkeit der
UN-Friedensmissionen sollte nicht von der Anzahl der
Missionen bestimmt werden, sondern von der Qualität
der Planung, der Professionalität des Verhaltens und
dem Ausmaß, in dem die Ziele der Mission erreicht
werden.
Das Amerika unter Präsident Clinton wird die Vereinten Nationen entschieden unterstützen. Wir nehmen
das Versprechen ernst, das Präsident Truman der
ersten Generalversammlung gab - daß Amerika den

AMERIKA DIENST 40

Vereinten Nationen "nicht als vorübergehender Notbehelf, sondern als dauerhafter Partner" beistehen wird.
Gleichzeitig wissen wir, daß es Grenzen für das gibt,
was diese Partnerschaft für die Vereinigten Staaten
bewirken kann. Adlai Stevenson pflegte die Vereinten
Nationen als den Treffpunkt der Familie der Menschheit" zu bezeichnen, was sie in der Tat auch sind, aber
es ist eine sehrgroße Familie. Die UNO ist die höchste
Instanz. Sie reflektiert die breiteste Palette unterschiedlicher Ansichten. Als Amerikaner verfügen wir
dort wegen unserer Macht und der Macht unserer
Ideale über enormen Einfluß. Wir können uns jedoch
nicht auf die Vereinten Nationen als stellvertretender
Garant für die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten verlassen. Die Berliner Mauer würde immer noch
stehen, wenn wir uns zur Eindämmung des Kommunismus auf die Vereinten Nationen verlassen hätten.
Jene Zeremonie vor zwei Wochen vor dem Weißen
Haus hätte niemals stattgefunden, wenn Amerika
anderen die Aufgabe übertragen hätte, Israel bei seinem Kampf ums Überleben beizustehen.
Die Entsendung amerikanischer Streitkräfte in gefährliche Situationen ist die schwierigste Entscheidung, die
ein Präsident je treffen kann. Die Geschichte lehrt uns,
daß die Unterstützung in der öffentlichkeit für derartige Entscheidungen von essentieller Bedeutung ist und
die Amerikaner in solchen Situationen ein Recht auf
Information haben.
Die Administration hat das jüngste Ersuchen des Senats,
unsere Politik in Somalia zu überprüfen, begrüßt und
nimmt es sehr ernst. Wir haben auch eine Serie
regelmäßiger enger Konsultationen mit dem Kongreß
und einen Dialog mit der Öffentlichkeit über unsere
Bosnienpolitik begonnen und werden sie weiter fortsetzen.
Ich bin in meinen Reden in der Öffentlichkeit und im
Kongreß ausführlich auf diese beiden Themen eingegangen, und bei beiden wird zur Zeit eine neue Phase
eingeleitet. Für Bosnien könnte ein Frieden ausgehandelt werden, der die internationale Staatengemeinschaft mit einer ungeheuer beängstigenden Friedenssicherungsmission konfrontieren könnte. Gestern nahm
der Sicherheitsrat eine Resolution an, die klar definiert,
daß das Hauptziel der UNO in Somalia in der Herbeiführung einer politischen Versöhnung in diesem schon
seit langem leidenden Land besteht, teilweise durch
die Errichtung fundamentaler bürgerlicher Institutionen wie einem funktionierenden Justiz- und Polizeiwesen.
In den kommenden Wochen werden wir unsere Konsultationen über Somalia, Bosnien und die ganze
Palette der Fragen zu nationaler Sicherheit und Friedenssicherung fortsetzen.
Nun möchte ich meine heutige Botschaft an Sie zusammenfassen.

Seite 5

�Die Welt hat sich gewandelt, und das aus der Zeit des
Kalten Krieges stammende System der nationalen
Sicherheit ist jetzt veraltet. Die Clinton-Administration
arbeitet an einem System, das vielfältiger und flexibler
als das alte ist, das die amerikanischen Interessen
fördert, amerikanische Werte schützt und die amerikanische Führungsrolle fortsetzt. Wir werden die Mittel
auswählen, um dieses System je nach Fall anzuwenden und dabei wann immer möglich auf Diplomatie,
wenn absolut notwendig auf Gewalt zurückgreifen.
Wenn die Männer und Frauen der amerikanischen
Streitkräfte in den Kampf geschickt werden, erhalten
sie die ganze Ausbildung, Ausrüstung, Unterstützung
und die Führung, die sie für ihre Aufgabe benötigen.
In der Erkenntnis, daß globale Probleme globaler
Lösungen bedürfen, wird sich Amerika bei seiner
Außenpolitik sowohl unilateraler als auch multilateraler
Instrumente bedienen. Andere Nationen und Institutionen können und sollten gebeten werden, einen
substantiellen Teil der Lasten zur Förderung gemeinsamer Interessen zu tragen. Wir haben guten Grund,
beim Aufbau von zunehmend fähigen und effektiven
Vereinten Nationen mitzuwirken, aber Amerika wird
sein Schicksal niemals in die Hände anderer legen.

•

Seite 6

Im Einklang mit ihrer ein halbes Jahrhundert zurückreichenden Tradition der Überparteilichkeit werden die
Vereinigten Staaten sich weiterhin in der Welt engagieren.
Diesen Monat vor fünfzig Jahren unterstützte die
Mehrheitsfraktion der Republikaner im Kongreß in
Erinnerung daran, welche Auswirkungen die periodisch auftretende Tendenz Amerikas zum Isolationismus auf den Völkerbund hatte, die Gründung einer
internationalen Organisation mit dem Ziel, "militärische Aggression zu verhindern und dauerhaften Frieden zu erlangen". Senator Arthur Vandenberg unterstützte diese Resolution, um - mit seinen Worten - "der
unglücklichen Vorstellung ein Ende zu setzen... daß
die Partei der Republikaner sich in ihren Schützengraben zurückzieht, nachdem der letzte Schuß in diesem
Krieg abgefeuert wurde und sehenden Auges zuläßt,
daß die Welt in ihrer eigenen Anarchie dahinsiecht".
Unter der Clinton-Administration wird unsere Nation
sich nicht nach dem Kalten Krieg in den Schützengraben zurückziehen. Unterder Führung des Präsidenten
werden wir zur Zusammenarbeit aufgefordert - Republikaner und Demokraten, Zivilisten und Militärs, Staatsbeamte und Privatpersonen - zum Schutz Amerikas
und zum Aufbau einer besseren Welt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�SOMALIA
6. Oktober 1993

USA ENTSENDEN ZUSÄTZLICHES
MILITÄR NACH SOMALIA
Erklärung des Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verlegen zusätzliche militärische Fähigkeiten nach Somalia,
äußerte Außenminister Aspin in einer am 4. Oktober 1993 veröffentlichten Erklärung, um die Kampfsituation
"unverzüglich abzustützen und sich der amerikanischen Streitkräfte anzunehmen, die einem gewissen Risiko
ausgesetzt sind".
Aspin zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, daß Oberstabsfeldwebel Mike Duran, der nach dem Abschuß
eines amerikanischen Hubschraubers gefangengenommen wurde, "mit demselben Respekt behandelt wird, den
die Vereinten Nationen den somalischen Gefangenen zugesichert haben".
Aspin erläuterte, zu den zusätzlich nach Somalia verlegten Fähigkeiten zählten "eine mechanisierte Kompanie
mit einem Panzerzug", luftgestützte Artillerieplattformen, Ersatzhelikopter und "ungefähr 200 Mann Ersatzpersonal".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister Aspin im Wortlaut.
Sicherlich haben viele von Ihnen das beunruhigende und Verteidigung unserer Streitkräfte in Somalia erforVideoband über Oberstabsfeldwebel Duran gesehen. derlich.
Wir erwarten, daß er mit demselben Respekt behandelt wird, den die Vereinten Nationen den somalischen Dazu zählen:
Gefangenen zugesichert haben.
eine mechanisierte Kompanie mit einem Panzerzug, um die Fähigkeit unserer Streitkräfte
Wir werden alle Personen, die amerikanische Soldazur Durchquerung Mogadischus zu verbessern
ten gefangennehmen, für deren ordentliche Behand(4 M-1/A-1-Panzer und 14 Bradley-Kampffahrlung zur Rechenschaft ziehen, einschließlich medizinizeuge),
scher Versorgung und Besuchen des Internationalen
Roten Kreuzes.
luftgestützte Artillerieplattformen für rasche
Reaktionen und als Nachtkampffähigkeit (2 ACWir stehen in Konsultationen mit den Vereinten Natio130),
nen, unter deren Kontrolle die amerikanischen Soldaten operieren, im Hinblick auf die erforderlichen SchritErsatzhelikopter und
te zur Sicherstellung der ordentlichen Behandlung und
unverzüglichen Übergabe aller Gefangenen.
ungefähr 200 Mann Ersatzpersonal.
Die US-Regierung behält sich das Recht zur Ergreifung geeigneter Maßnahmen vor, um zu gewährleisten, daß die internationalen Normen für die Behandlung der Soldaten eingehalten werden und um zu
reagieren, falls es Anzeichen dafür gibt, daß dies nicht
der Fall ist.

Wir werden weiterhin mit den Vereinten Nationen und
den 24 Nationen zusammenarbeiten, die Truppen in
Somalia stationiert haben, um Sicherheitsbedingungen zu schaffen, die das Wiederauftreten von Anarchie und Hungersnöten verhindern können, während
wir gleichzeitig in den kommenden Monaten auf die
amerikanische Präsenz zurückgreifen.

Wir werden vehement einschreiten, wenn den Gefangenen irgendein Leid zugefügt wird.
Derzeit überprüfen wir Optionen zur Unterstützung
dieser
Politik.
Die Entwicklungen der vergangenen Tage machen die
Verlegung zusätzlicher Fähigkeiten zur Unterstützung
AMERIKA DIENST 40

* *

*

Seite 1

�NAHER

OSTEN
6. Oktober 1993

NAHOSTKONFERENZ DEMONSTRIERT GLOBALE
UNTERSTÜTZUNG FÜR FRIEDENSABKOMMEN
Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten
und des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Konferenz zur Unterstützung des Friedens im Nahen Osten "demonstriert die Stärke"
des Engagements der internationalen Staatengemeinschaft zur "Unterstützung des zwischen Israel und den
Palästinensern erzielten Abkommens", stellte Vizepräsident Gore in seiner Eröffnungsansprache bei der
eintägigen Konferenz am 1. Oktober 1993 in Washington fest und fügte hinzu, aus der Sicht der Vereinigten
Staaten sollte die Konferenz "eine kontinuierliche und sehr viel größere Rolle spielen, als nur das Überlebendes
Abkommens sicherzustellen. Unseres Erachtens kann sie Fortschritte im Friedensprozeß für alle betroffenen
Staaten bei den Friedensverhandlungen unterstützen und weiter erleichtern."
Außenminister Christopher erklärte gegenüber den Vertretern und Organisationen aus 46 Ländern, ihre
Anwesenheit sei eine "Demonstration der überwältigenden moralischen und politischen Unterstützung für das
Abkommen und eine umfassende Friedenslösung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprachen von Vizepräsident Gore und Außenminister Christopher im Wortlaut.

Gore: Ich möchte zunächst Außenminister Christopher und Finanzminister Bentsen sowie Minister Fjodorow danken, der unseren Ko-Veranstalter, die Russische Föderation, vertritt. Und ich möchte offiziell
jeden Teilnehmer bei dieser wichtigen Konferenz
begrüßen.

Hemden mit ihren Friedenssymbolen, die Bilder der
den Rasen überquerenden drei Politiker, und natürlich
Ministerpräsident Rabin und der PLO-Vorsitzende Arafat,
die sich vor Präsident Clinton die Hände zu dem
berühmten Händedruck reichen.

Wir alle, die wir dort versammelt waren, wußten, daß
wir Zeuge eines Wendepunktes in der Geschichte
geworden waren - eine überwältigende Demarkationslinie zwischen Krieg und Frieden, zwischen Verzweiflung und Hoffnung war überschritten worden. Als in
dem Moment des Händedrucks spontan auf dem
Diejenigen unter Ihnen, die den Westflügel des Wei- Rasen applaudiert wurde, wu ßte jeder dort, daß ebenßen Hauses kennen - und ich sehe viele hier versam- so wie der Fall der Berliner Mauer sofort zu einer
melt, die dem Weißen Haus regelmäßig Besuche Metapher geworden war, der die Hoffnung nährte, daß
abstatten - wissen, daß es Sitte im Weißen Haus ist, alle anderen Mauern, die fallen müssen, eines Tages
die Wände mit Fotos der großen Ereignisse des Monats fallen werden, dieser historische Händedruck zu einer
zu dekorieren.
Metapher für alle anderen Bestrebungen zur Versöhnung werden würde, die heute manchmal in unserer
Für gewöhnlich hängen die Bilderdort einige Wochen
Welt unmöglich erscheinen, aber stattfinden müssen
lang, werden dann abgenommen und durch andere
und können, wenn diese stattgefunden hat. Und sie
ersetzt. Irgendwann werden auch die Fotos dieses
haben stattgefunden.
Monats abgehängt, aber sie werden einen ständigen
Platz in unserem Gedächtnis und in unserem Herzen Die Vertreter Israels und Palästinas haben eine histobehalten: Die Bilder der palästinensischen, ägypti- rische und mutige Entscheidung getroffen. Ministerschen und israelischen Jugendlichen in ihren grünen präsident Rabin hat für uns alle gesprochen, als er
Sie kommen nach Washington in einer Zeit, in der
diese Stadt sich noch im Glänze des wunderbaren
Abkommens sonnt, das vor wenigen Wochen auf dem
Rasen des Weißen Hauses unterzeichnet wurde.

AMERIKA DIENST 40

Seite 1

�sagte: "Genug des Blutvergießens und der Tränen.
Genug."

Es ist heutzutage schwierig, Geld selbst für die dankenswerteste Sache aufzutreiben. Dies wissen wir alle
nur zu gut. Unsere Entscheidungen sind daher die
Und so sage ich zu den heute hier anwesenden Israelis Folge einer Verpflichtung zur Sache des Friedens, der
und Palästinensern: Ihr Handeln verdient den Re- sich nicht in Worten erschöpft.
spekt, die Bewunderung und den Dank aller friedliebenden Menschen auf der Welt.
Es ist schwer, sich eine dankbarere Sache vorzustellen. Das palästinensische Volk benötigt unsere Hilfe.
Auch die internationale Staatengemeinschaft trifft heute Es braucht Nahrungsmittel. Es braucht Kleidung. Es
eine Entscheidung. Wir haben uns für die Unterstüt- braucht Medikamente. Es benötigt Hilfe beim Aufbau
zung des zwischen Israel und den Palästinensern der öffentlichen Infrastruktur, die der Schlüssel zu
erzielten Abkommens entschieden. Wir unterstützen langfristiger Entwicklung sein wird. Es benötigt Hilfe,
es politisch und wir unterstützen es wirtschaftlich. um den Privatsektor durch Investitionen zu stärken.
Diese Konferenz demonstriert die Stärke unseres Die Regierungen können eine entscheidende Rolle bei
Engagements. Wenn ich in diesem Saal um mich der Schaffung eines Umfelds spielen, in dem Privatinblicke und die Vielfalt der vertretenen Nationen sehe, vestitionen Früchte tragen.
bin ich sicher, die ganze Welt wird unsere Botschaft
verstehen, daß der Frieden im Nahen Osten andauern Den Regierungen sind jedoch Grenzen gesetzt. Letztsoll.
lich kann die Frage, in welchem Maße die Marktkräfte
dazu beitragen werden, daß die Menschen ihr tägliDiese Konferenz wird eine entscheidende Rolle bei der ches Leben leben können, den wirtschaftlichen Erfolg
Verwirklichung der israelisch-palästinensischen De- oder sein Scheitern bestimmen.
klaration spielen. Aus der Sicht der Vereinigten Staaten sol It e diese Konferenz jedoch auch eine kontinu ier- Diese Lektion ist nicht an den Privatsektor vergeudet.
liche und sehr viel größere Rolle spielen, als nur das Als persönliche Randbemerkung möchte ich hinzufüÜberleben des Abkommens sicherzustellen. Unseres gen, daß wir am Tag der Unterzeichnung des AbkomErachtens kann sie Fortschritte im Friedensprozeß für mens anschließend eine Informationsveranstaltung
alle betroffenen Staaten bei den Friedensverhandlun- im Weißen Haus für eine Gruppe von amerikanischen
gen unterstützen und weiter erleichtern.
Führungskräften arabischer und jüdischer Abstammung hatten, wobei beide Gruppen in demselben
Die Anwesenheit so vieler Parteien aus dem Nahen Raum versammelt waren - in der Tat war es das erste
Osten und anderen Ländern sendet uns ein starkes Mal, daß die beiden Gruppen in demselben Raum
Signal der Hoffnung. Dieses Signal an sich bietet waren. Weil sich der Terminplan nach der UnterzeichUnterstützung für den Friedensprozeß - Unterstüt- nungszeremonie etwas verzögert hatte, mußten die
zung, die unabdingbar ist, während Israelis und Palä- beiden Gruppen eine Stunde lang warten, bevor die
stinenser auf die Schaffung einer festen wirtschaftli- Informationsveranstaltung begann. Und während dieser
chen Grundlage für den Frieden hinarbeiten.
Stunde lernten sie sich als menschliche Wesen kennen, als Einzelpersonen, als Männer und Frauen. Zu
Wir sind bereit, das Unsrige zu tun. Wie Präsident
dem Zeitpunkt, als wir die Veranstaltung eröffnen
Clinton erklärt hat, werden die Vereinigten Staaten
wollten, war die Stimmung in dem Raum elektrisievoraussichtlich in den nächsten fünf Jahren 500 Milliorend. Die Versöhnung auf persönlicher Ebene hatte
nen Dollar beisteuern, um den mit der Durchführung
bei Dutzenden stattgefunden, die die durch den Händes israelisch-palästinensischen Abkommens einherdedruck vor dem Weißen Haus bekräftigte symboligehenden wirtschaftlichen Bedarf zu decken. Das
sche und echte Versöhnung für sich wiederholten.
Geld wird dringend benötigt, sowohl in Jericho als auch
im Gazastreifen. Aus diesem Grund werden wir eine In dieser Atmosphäre sprach ich die Möglichkeit von
Reihe von Aktivitäten finanzieren, mit denen wir unver- Privatinvestitionen an und erhielt sofort eine Antwort
züglich beginnen können, und in einigen Fällen werden von der arabischen und der jüdischen Gruppe im
wir dies sofort tun. Dazu zählen der Wiederaufbau von Raum - sie hatten sich bereits gemischt - und die
Schulen sowie die Renovierung von Krankenhäusern Reaktion beider Gruppen war spontan, enthusiastisch
und Wohnungen.
und direkt. Seitdem sollen landesweit in Städten und
Gemeinden in den Vereinigten Staaten Gespräche
Wir sind nicht allein. Andere Länder haben bereits geführt worden sein, die die Versöhnung und gemeinbeträchtliche Beiträge angekündigt. Wir hoffen, daß same Anstrengungen zum Ziel haben, wirtschaftliche
bei der heutigen Konferenz auch noch andere Länder Unterstützung des Privatsektors für den Wiederaufbekanntgegeben werden.
bau und die wirtschaftlichen Aktivitäten im Gazastreifen
und in Jericho bereitzustellen.
Denjenigen, die bereits Beiträge zugesagt haben und
denjenigen, die heute entsprechende Ankündigungen
machen werden, entbieten die Vereinigten Staaten Dieses Engagement ist nicht allein auf Altruismus
zurückzuführen. Vielmehr liegt es in der Ansicht
ihren aufrichtigen Dank. Die Welt dankt ihnen.
erfolgreicher Investoren begründet, daß es dort ein

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�Reservoir von Fähigkeiten und Talent gibt, von Märkten ganz zu schweigen, die es wert sind, erforscht zu
werden. Der Präsident hat mich gebeten, diesen
privaten Prozeß zu ermutigen und unsere guten Dienste zur Unterstützung dieser Bemühungen anzubieten.

graphen die nächste Krise oder die nächste Feier
dokumentieren und die meisten Namen derjenigen,
die so hart an dieser Erklärung gearbeitet haben,
bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten sind,
beide Völker in Harmonie und Wohlstand leben, daran
denken und wissen, daß sie und ihre führenden Politiker das Risiko um des Friedens willen nicht umsonst
In den kommenden Wochen werde ich mit denjenigen, eingegangen sind, daß dieses Risiko von anderen
die an einer Zusammenführung von Unternehmern führenden Politikern aus anderen Ländern auf der
und anderen in den jüdisch- und arabisch-amerikani- ganzen Welt geteilt wurde, die auf ihre eigene Art
schen Gemeinden in diesem Land interessiert sind, ebenfalls den in einer historischen Zeit erforderlichen
Beratungen abhalten, und ich bin der Ansicht, daß die Mut zeigten und den Friedensprozeß unterstützten.
Talente und Bestrebungen dieser Gemeinden dies
wert sind und eine substantielle Quelle für die materiel- Christopher: Sehr geehrte Abgeordnete, liebe Freunle und geistige Unterstützung des Friedensprozesses de. An diejenigen gerichtet, die mich noch nicht
darstellen könnten.
kennen, ich bin Warren Christopher, Außenminister
und einer der Vorsitzenden dieses Ereignisses.
In der Zwischenzeit rufe ich Sie alle auf, ähnliche
Initiativen im Privatsektor ihrer eigenen Länder zu Die Unterzeichnung des Friedensabkommens vor zwei
ermutigen, und möchte sie vor Beendigung meiner Wochen stellt uns alle vor die Herausforderung, den
Ausführungen noch zu etwas anderem auffordern. Augenblick zu nutzen und ihn in einen wirklichen
Um die Versprechungen der Zukunft in die Tat umzu- Wendepunkt in der unruhigen Geschichte des Nahen
setzen, müssen wir die Relikte unserer Vergangenheit Ostens zu verwandeln. Als diese bewegende Zeremohinter uns lassen.
nie endete und das Scheinwerferlicht abgestellt wurde,
hatte die essentielle und praktische Aufgabe des AufEs gibt viele Dinge, einschließlich des Boykotts von baus von Frieden gerade erst begonnen.
Israel, die in einer den Frieden anstrebenden Welt
keinen Platz haben. Die Entscheidung, die ersten Wir vertreten hier die Menschen aus der Region und
Schritte für den Frieden zu unternehmen, erforderte der ganzen Welt, um diejenigen zu unterstützen, die
außergewöhnlichen Mut. Es erfordert Mut, Kompro- den Mut zur Unterzeichnung des israelisch-palästimisse einzugehen. Es erfordert Mut, einige der in der nensichen Friedensabkommens aufbrachten. Wir
Vergangenheit erhobenen Forderungen gegen die müssen ihnen helfen, die Grundsatzerklärung in eine
Versprechung einer besseren Zukunft einzutauschen. neue Realität umzuwandeln.
Dieses Treffen von Amerikanern arabischer und jüdi- Für die Israelis und die Palästinenser hat die dringliche
scher Abstammung nur wenige Stunden nach der und harte Arbeit an Versöhnung und Wiederaufbau
Unterzeichnungszeremonie war denkwürdig und fast gerade erst begonnen. Wir müssen ihnen helfen, die
ein Wunder. Ich sah diese Gruppe an und ein Mann, greifbaren Vorteile des Friedens zu zeigen und dabei
der mir im Gedächtnis bleiben wird, erhob sich - ein schnell vorgehen, wenn die Befürworter des Friedens
Einwohner des Gazastreifens. Er schaute auf die gestärkt und die Feinde des Friedens isoliert und in
Sitze der Vertreter der jüdischen Gruppe und auf fast Mißkredit gebracht werden sollen.
ein halbes Jahrhundert der Bitterkeit und erklärte: "Ich
Durch unser Treffen am heutigen Tag und - noch
sage 'Schalom'."
wichtiger - durch unsere Bereitschaft zu sofortigem
Eine Jüdin, eine Professorin, zitierte sehr ergriffen aus Handeln, sendeten wir den Arabern und den Israelis
dem Gedächtnis die Bibel auf Hebräisch und übersetz- gleichermaßen ein starkes Signal, daß die internatiote dann ins Englische. Eswardie Passage, in der Gott nale Staatengemeinschaft in ihren Bemühungen um
sagt:"... daß ich dir Leben und Tod vorgelegt habe,... den Frieden nicht nachlassen wird.
und du sollst das Leben wählen ...". Und sie fuhr fort:
46 Länder und Organisationen aus der ganzen Welt
"Wir haben heute die Wahl getroffen".
sind hier vertreten - auf einer der ersten Konferenzen
Ich rufe alle hier vertretenen Parteien dazu auf, alles in der Geberländer, meines Wissens vielleicht der erihrer Macht Stehende zu tun, um den auf beiden Seiten sten, an der die Menschen freiwillig teilnehmen. Und
gezeigten Mut, der sich in diesem wunderbaren Hän- wir sind Ihnen allen dankbar für Ihre Teilnahme.
dedruck manifestierte, zu belohnen. Wir müssen alles
uns Mögliche tun, um sicherzustellen, daß die Palästi- Ich weiß, daß es mir niemand übelnehmen wird, wenn
nenser und Israelis auf den 13. September 1993, den ich insbesondere die Anwesenheit der Vertreter Norsonnigen Tag vor dem Weißen Haus, mit Stolz und wegensund seines Außenministers Holst würdige, der
Zufriedenheit zurückschauen, und um sicherzustellen, so viel dazu beigetragen hat, die Zeremonie vor dem
daß an dem Tag, an dem die Bilder von den Wänden Weißen Haus und in der Tat diesen Tag möglich
des Westflügels abgenommen worden sind, die Foto- werden zu lassen.

AMERIKA DIENST 40

Seite 3

�Ihre Anwesenheit hier und Ihre sofortige Reaktion auf
unsere Einladung ist eine Demonstration der überwältigenden moralischen und politischen Unterstützung
für das Abkommen und eine umfassende Friedenslösung.
Natürlich endet unsere Verantwortung nicht mit der
Feier. Jetzt müssen wir alle die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung bereitstellen. Wir müssen
wirkliche Versprechen abgeben und schnell umsetzen. Die von uns geschaffenen Strukturen für die
Organisation und Gewährung der Hilfe müssen flexibel
und effektiv sein, und die israelisch-palästinensischen
Strukturen müssen diese aufnehmen und sie wirksam
und glaubwürdig nutzen können.
Diese Konferenz demonstriert unsere kollektive Anerkennung eines historischen Moments sowie die Not-

*

Seit» 4

wendigkeit, alles in unserer Macht Stehende zu tun,
um ihn zu einem unumkehrbaren Wendepunkt in der
Geschichte zu machen. Diese außergewöhnlich vielfältige Versammlung von Nationen und Institutionen ist
ein Beweis für den Umfang und die Tiefe dieser
Verpflichtung. Sie zeigt, daß diejenigen, die eine
politische Investition in die Verhandlungen tätigen, die
Dividenden der internationalen Unterstützung erhalten
werden. Diejenigen wiederum, die sich für Gewalt und
Ablehnung entscheiden, werden nur Isolation und
Scheitern vorfinden.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, ein vollwertiger Partner für den Frieden zu sein. Wir beglückwünschen die Israelis und Palästinenser zu ihren Verhandlungen und verpflichten uns zur Fortsetzung unserer
aktiven und entschiedenen Bestrebungen, auf diesem
Abkommen einen umfassenden Frieden aufzubauen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�ATOMTESTVERBOT
6. Oktober 1993

USA BEDAUERN CHINAS UNTERIRDISCHEN
ATOMTEST
Stellungnahmen des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst den von China am 5. Oktober 1993
durchgeführten unterirdischen Atomtest und erklären, sie müßten eventuell ihre eigenen Atomwaffenversuche
wiederaufnehmen, wenn das globale Moratorium für diese Tests nicht eingehalten wird.
In einer vom Pressereferenten des Weißen Hauses abgegebenen Erklärung heißt es, Präsident Clinton habe
das Energieministerium angewiesen, sich auf Atomtests im kommenden Jahr einzustellen, falls er sich hierfür
entscheiden würde, und die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf den Appell der Vereinigten Staaten zur
Einhaltung des Moratoriums werde ein seine Entscheidung beeinflussender Faktor sein.
Zur Zeit halten sich die Vereinigten Staaten an ein Moratorium für Atomtests, das durch den Hatfield-ExonMitchell-Zusatzartikel verhängt wurde. Der Präsident kann jedoch mit Zustimmung des Kongresses die
Atomtests wiederaufnehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Pressereferenten des Weißen Hauses.

Letzte Nacht führte China auf dem Atomwaffenversuchsgelände Lop Nur im Nordwesten Chinas einen
unterirdischen Atomtest durch, obwohl 20 Nationen,
einschließlich der Vereinigten Staaten, sich entschieden dagegen ausgesprochen hatten.
Die Vereinigten Staaten bedauern diese Aktion zutiefst. Wir fordern China dringend dazu auf, weitere
Atomtests zu unterlassen und gemeinsam mit den
anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten. Ein solches Moratorium wird dazu beitragen,
das erklärte Ziel der Administration zu verwirklichen,
bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot abzuschließen.
Der Präsident hat heute das Energieministerium angewiesen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,
damit die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr
Atomtests durchführen können, falls die im HatfieldExon-Mitchell-Zusatzartikel festgelegten Voraussetzungen im Hinblick auf Notifizierung und Überprüfung
im Frühjahr 1994 gegeben sind.
Die endgültige Entscheidung des Präsidenten über die
Durchführung von Atomtests wird sich auf grundlegende nationale Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten gründen, die folgende Fakten berücksichtigen:
AMERIKA DIENST 40

Den Beitrag, den weitere Tests zur Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der amerikanischen Arsenale bei der Vorbereitung eines
Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTB) leisten
würden.
Die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf
den Appell der Vereinigten Staaten zu einem
globalen Moratorium für Atomtests.
Fortschritte bei den CTB-Verhandlungen.
Die Auswirkungen weiterer amerikanischer
Atomtests auf unsere umfassenderen Nichtverbreitungsziele.
Regierungsvertreter werden unverzüglich Konsultationen mit dem Kongreß und unseren Verbündeten zu
diesen Fragen aufnehmen.
Erklärung des Weißen Hauses
In einer getrennten Erklärung stellte das Weiße Haus
fest, die Clinton-Administration sei weiterhin dem Ziel
verpflichtet, bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot abzuschließen. Die Erklärung hat
folgenden Wortlaut:

Seite 1

�Die Clinton-Administration ist weiterhin dem Ziel verpflichtet, bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot abzuschließen. Die Vereinigten Staaten fordern China auf, von weiteren Atomtests Abstand
zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten.
Die Vereinigten Staaten haben seit Juli zusammen mit
zahlreichen anderen Nationen die Vorbereitung multilateraler CTB-Verhandlungen begonnen. Die Genfer
Abrüstungskonferenz entschied am 10. August mit starker
Unterstützung der Vereinigten Staaten und der anderen
vier Nuklearwarfenstaaten, dem Ad-hoc-Komrtee für

ein Atomtestverbot ein Mandat zu verleihen, diese
Verhandlungen im Januar 1994 aufzunehmen. Wir
arbeiten femer zusammen mit anderen Nationen an
einer Resolution der UN-Generalversammlung zu einem Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot,
der - so hoffen wir - breite Unterstützung erhalten wird.
Wir hoffen und erwarten, daß China sich am Zustandekommen eines CTB beteiligt und die Verpflichtungen in
d i e P r a x i s umsetzt, die es Außenminister Christopher
gegenüber eingegangen ist, bis 1996 einen Vertrag
ü b e r e j n umfassendes Atomtestverbot auszuhandeln e i n Zielt d a s w i r u n s ebenfalls gesetzt haben,

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�USIA
6. Oktober 1993

DUFFEY SIEHT ENTSCHEIDENDE ROLLE
FÜR FULBRIGHT-PROGRAMM
Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg

WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Informationsamtes (United States Information Agency - USIA),
Dr. Joseph Duffey, zufolge werden das Fulbright- und
ähnliche Austauschprogramme weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der auswärtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten in einer postkommunistischen Welt spielen.

Duffey erwartet den Bericht einer Arbeitsgruppe, die
bis zum nächsten Frühjahr das Fulbright-Programm
untersucht. Er prognostizierte, insgesamt werde das
Fulbright-Programm weder von einschneidenden
Kürzungen betroffen sein noch große Zuschüsse
erhalten.

Er erklärte, die Administration wolle sich bei der Überprüfung des Fulbright-Programms nicht auf die Quantität des Austausches, sondern "auf die Qualität des
Programms"konzentrieren um sicherzustellen, daß es
gut konzipiert und effiziert ist.

die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft,

Duffey erinnerte die Konferenzteilnehmer daran, daß
Duffey erklärte auf einer Konferenz der Fulbright- Amerika seit der Ausdehnung seiner Grenzen nach
Gesellschaft am 2. Oktober 1993 in Washington, die Westen starkes Wirtschaftswachstum erlebte. Dank
Clinton-Administration werde sich nach wie vor in der dieser Ausdehnung, stellte er fest, konnte die Nation
Welt engagieren und strebe "eine Neudefinition und "die reichhaltigen kulturellen Ressourcen" genießen
Umstrukturierung" der zukünftigen Aufgaben des US- sowie sich eines "bemerkenswert widerstandsfähigen
politischen Systems" erfreuen, das den Bedürfnissen
Informationsamtes an.
von Einwanderern und Minderheiten Rechnung trägt.
"USIA hat meines Erachtens während der Offensive
des Kalten Krieges eine wichtige Rolle gespielt", er- Obwohl zur Zeit alles darauf hindeutet, daß die ameriklärte Duffey. Die jetzige Aufgabe des Amtes, fügte er kanische Wirtschaft sich kurzfristig konsolidieren wird,
hinzu, müsse die einzelnen Funktionen" stärker ab- prognostizierte er, die Bestrebungen der Nation könngrenzen", und Austauschprogramme wie das Fulbright- ten nicht umgesetzt werden, "wenn wir nicht zu der Art
Programm würden "wichtiger". Infolge der Haushalts- von Wirtschaftswachstum kommen", die durch "eine
engpässe wird "das US-Informationsamt in den kom- neue Welthandelsordnung" entsteht.
menden Monaten und Jahren in zunehmendem Maße
mit dem Privatsektor" eine "aktive Zusammenarbeit" Duffey erläuterte vor der Gruppe die drei außenpolitischen Säulen der Administration:
anstreben.

Duffey zufolge muß das Fulbright-Programm "die Vielfalt
der amerikanischen Kultur" widerspiegeln und sich auf
"den Anteil amerikanischer Studenten" an dem Austausch konzentrieren. Er wies auch auf "beispiellose
Chancen"fürdie Ausweitung der Fulbright-Austauschprogramme auf ehemals kommunistische Nationen
hin und betonte, der "zentrale Mechanismus" der
amerikanischen Annäherung an die ehemals kommunistischen Staaten werde weiterhin "der durch Austauschprogramme geschaffene Kontakt" sein.
AMERIKA DIENST 40

"Sicherheitsfragen" in einem globalen Umfeld
sowie
das konstruktive Engagement anderer Nationen mit "gemeinsamen Zielen".
In einem während der Fulbright-Konferenz am Nachmittag tagenden Ausschuß über "regionale Konflikte
und die Verantwortung der Welt" erklärte Elspeth
Rostow, Professorin für Staatsrecht an der University
of Texas, die Welt sei an einem Punkt angelangt, an
dem zwei Vermächtnisse Woodrow Wilsons - "die Idee
internationalerOrganisationen"unddie"Selbstbestim-

Seite 1

�mu ng" der Völker - die derzeitige internationale Debatte einrahmten.
Innerhalb dieses Rahmens stellte Rostow einen
"bemerkenswerten Kontrast zwischen den Elementen
der Integration", die von Foren wie den Vereinten
Nationen repräsentiert werden, und den "Elementen
der Desintegration" fest. Die Welt habe zur Zeit nicht
nur mit "Nationalismus", sondern auch mit "nationalen
Splittergruppen" zu kämpfen, und die Vereinigten Staaten
strebten einen "neuen Kurs" in ihren außenpolitischen
Angelegenheiten an, während sie gleichzeitig sicherzustellen versuchten, "was unsere Verantwortung" bei
Konflikten nationaler Splittergruppen ist, erklärte sie.
John Stremlau, stellvertretender Direktor für politische
Planung im Außenministerium, wies darauf hin, daß
"die traditionellen Großmächte sich heutzutage nicht

*

Seite 2

*

gegenseitig bedrohen - eine erstaunliche Leistung in
der Geschichte der Menschheit". Er räumte jedoch
ein, daß es zur Zeit mindestens 24 Konflikte auf der
Welt gebe, die meisten von ihnen ethnischer Natur. Er
stimmte mit Rostow darin überein, daß die Vereinigten
Staaten bei ihrer Bewältigung "unsere Verpflichtung
als Volk" herausfinden müßten.
Edib Korkut, Arzt und Aktivist für den Schutz der
Menschenrechte in Bosnien, rief die internationale
Staatengemeinschaft dazu auf, "Stellung zu beziehen"
und die Wiederherstellung eines friedlichen, muttiethnischen Bosnien-Herzegowina zu fordern. Er warnte,
Bosnien könnte jetzt "sehr wohl mit der Tschechoslowakei des Jahres 1938 verglichen werden" und Makedonien "das Polen" dieser historischen Analogie werden, wenn die Aggression in der Region weiterhin
unkontrolliert fortgesetzt werde.

*

*

AMERIKA DIENST 40

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11899">
              <text>06.10.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11900">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11901">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11902">
              <text>Amerikadienst 06.10.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11903">
              <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton macht Ruzkoi für Gewalt in Moskau verantwortlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA hoffen auf Fortsetzung der Demokratisierung in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anberaumung von Wahlen beste Lösung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Engagement in der Welt im amerikanischen Interesse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Anthony Lake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden wenn möglich Diplomatie, wenn nötig Gewalt einsetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA entsenden zusätzliches Militär nach Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nahostkonferenz demonstriert globale Unterstützung für Friedensabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten und des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Atomtestverbot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Chinas unterirdischen Atomtest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahmen des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Duffey sieht entscheidende Rolle für Fulbright-Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
