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                  <text>cimGrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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D

53170 Bonn
15. September 1993

37

NAHER OSTEN

CLINTON BEGRUSST FRIEDENSABKOMMEN
ZWISCHEN ISRAEL UND DER PLO ALS
"SIEG FÜR DEN FRIEDEN"
Rede des Präsidenten bei Feierstunde
im Weißen Haus

VERTEIDIGUNG

ASPIN ERLÄUTERT WEITEREN ABBAU DES
US-MILITÄRS
Rede zur neuen Verteidigungsstrategie

USA-DEUTSCHLAND

HOLBROOKE: BEZIEHUNGEN ZU DEUTSCHLAND VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG
FÜR DIE USA
Anhörung vor Senatsausschuß

USA-RUSSLAND

BOTSCHAFTER TALBOTT ZU
RUSSLANDHILFE UND GUS
Anhörung vor Senatsausschuß

INNENPOLITIK

GORE-BERICHT ÜBER EFFIZIENZ DER
REGIERUNG
Eine Übersicht

KONGRESS

STÄRKERER EINFLUSS DER FRAUEN IM
KONGRESS
Spürbare Auswirkungen

BILDUNG

DIE UBERQUERUNG DES ANACOSTIA
von William H. Woodwell Jr.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAHER

OSTEN
15. September 1993

CLINTON BEGRÜSST FRIEDENSABKOMMEN
ZWISCHEN ISRAEL UND DER PLO ALS
"SIEG FÜR DEN FRIEDEN"
Rede des Präsidenten bei Feierstunde im Weißen Haus
WASHINGTON - (AD) - Bei der historischen Unterzeichnungszeremonie im Garten des Weißen Hauses würdigte
Präsident Clinton das zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) geschlossene
Friedensabkommen am 13. September 1993 als einen "Sieg für den Frieden" und sagte die Unterstützung der
Vereinigten Staaten "für die bevorstehende schwierige Arbeit" zu. Der Präsident führte aus, die Vereinigten
Staaten seien "der Gewährleistung von mehr Sicherheit für die von diesem Abkommen betroffenen Menschen
verpflichtet".
Präsident Clinton lobte die Vertreter Israels und der PLO, "die den Mut hatten, ihr Volk zum Frieden zu führen"
und fügte hinzu: "Ihre Beharrlichkeit und Vision haben uns das Verprecheh eines neuen Anfangs gegeben". Ihre
Leistung, so der Präsident, "muß als Katalysator für Fortschritte bei allen Aspekten des Friedensprozesses
wirken".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton im Wortlaut.

Ministerpräsident Rabin, Vorsitzender Arafat, Außenminister Peres, Herr Abbas, Präsident Carter, Präsident Bush, verehrte Gäste.

Bitterkeit zwischen den Palästinensern und Juden die
ganze Region ihrer Ressourcen, ihres Potentials und
zu vieler ihrer Söhne und Töchter beraubt. Das Land
wurde so sehr von Kämpfen und Haß heimgesucht, die
Im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika und diametral entgegengesetzten Ansprüche der GeschichRu ßlands als Vertreter der Schirmherrschaft über den te waren so tief in die Seelen der Kombattanten dort
Nahost-Friedensprozeß möchten wir Sie zu diesem eingegraben, daß viele glauben, die Vergangenheit
historischen und Hoffnung verheißenden Anlaß begrü- wird für immer die Oberhand behalten.
ßen.
Dann - vor 14 Jahren - begann die Vergangenheit den
Heute werden wir Zeuge eines außerordentlichen Akts Weg zu räumen, als an diesem Ort und an diesem
in einem die Geschichte markierenden Drama - einem Schreibtisch drei Männer mit einer großartigen Vision
Drama, das zu der Zeit unserer Vorfahren begann, als ihre Namen unter das Abkommen von Camp David
die Schrift von einem Streifen Land zwischen dem setzten. Heute ehren wir das Gedenken an Menachim
Jordan und dem Mittelmeer verkündet wurde. Dieses Begin und Anwar Sadat und würdigen die kluge Fühheilige Stück Land, das Land des Lebens und der rungsrolle von Präsident Jimmy Carter.
Offenbarung, ist die Heimat der Erinnerungen und
Träume von Juden, Muslimen und Christen auf der Damals wie heute haben wir diejenigen vernommen,
ganzen Welt.
die sagen, der Konflikt werde bald erneut ausbrechen.
Aber der Frieden zwischen Ägypten und Israel hat
Wie wir alle wissen, war die Verehrung dieses Landes Bestand. Und ebenso muß dieses neue Wagnis
auch zu lange die Ursache für Konflikt und Blutvergie- heute, dieses mutige Vabanquespiel, daß die Zukunft
ßen. Im gesamten Verlauf dieses Jahrhunderts hat die

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�besser als die Vergangenheit sein kann, Bestand
haben.
Vor zwei Jahren hat in Madrid ein anderer Präsident
einen großen Schritt auf dem Weg zum Frieden unternommen, indem er Israel und all seine Nachbarn
zusammenbrachte, um direkte Verhandlungen in die
Wege zu leiten, und heute möchten wir auch unseren
tiefempfundenen Dank für die geschickte Führungsrolle von Präsident George Bush zum Ausdruck bringen.
Seit dem Tag der Anerkennung Israels durch Harry
Truman hat jeder amerikanische Präsident - ob Demokrat oder Republikaner - auf den Frieden zwischen
Israel und seinen Nachbarländern hingearbeitet. Heute
erleben wir dank der Bemühungen aller vor uns Tätigen diesen Moment, einen Moment, an dem wir das
feierlich geloben zu wagen, was so lange kaum vorstellbar war: Daß die Sicherheit des israelischen
Volkes mit den Hoffnungen der Palästinenser in Einklang gebracht und es für alle mehr Sicherheit und
mehr Hoffnung geben wird.
Heute wird die Führung Israels und der Palästinensischen Befreiungsorganisation eine Grundsatzerklärung über die vorläufige Autonomie Palästinas unterzeichnen. Sie legt den Kurs für die Aussöhnung zweier
Völker fest, die beide die Bitterkeit des Exils kennen.
Heute verpflichten sich beide, altes Leid und Antagonismen hinter sich zu lassen und auf eine gemeinsame
Zukunft hinzuarbeiten, die von den Werten der Thora,
des Korans und der Bibel geprägt ist.
Wir möchten heute auch die norwegische Regierung
zu ihrer bemerkenswerten Rolle bei der Erarbeitung
dieses Abkommens beglückwünschen. Vor allem
möchten wir jedoch den Politikern unseren Tribut
zollen, die den Mut hatten, ihr Volk zum Frieden zu
führen, weg von den Wunden des Kampfes, den
Wunden und Verlusten der Vergangenheit zu einer
vielversprechenderen Zukunft. Die Welt dankt heute
Ministerpräsident Rabin, Außenminister Peres und
dem PLO-Vorsitzenden Arafat.
Ihre Beharrlichkeit und Vision haben uns das Verprechen eines neuen Anfangs gegeben. Das von diesen
Politikern Geleistete muß jetzt von anderen vollbracht
werden. Ihre Leistung muß als Katalysator für Fortschritte bei allen Aspekten des Friedensprozesses
wirken. Und diejenigen unter uns, die sie unterstützen,
müssen ihnen in allen Bereichen zur Seite stehen,
denn der Frieden muß den Menschen, die ihn herbeiführen, mehr Sicherheit verleihen. Ein Frieden der
Mutigen ist in greifbare Nähe gerückt. Im gesamten
Nachen Osten besteht eine große Sehnsucht nach
dem stillen Wunder eines normalen Lebens.
Wir wissen, daß ein schwieriger Weg vor uns liegt.
Jeder Frieden hat seine Feinde - diejenigen, die immer
noch dem gewohnten Haß den Vorzug vor der harten

Seite 2

Arbeit der Versöhnung geben. Ministerpräsident Rabin
hat uns jedoch daran erinnert, daß man mit seinen
Freunden keinen Frieden schließen muß. Und der
Koran lehrt, wenn der Feind zum Frieden neigt, dann
sollt auch Ihr zum Frieden neigen.
Aus diesem Grund wollen wir uns verpflichten, daß
diese neue gegenseitige Anerkennung zu einem dauerhaften Prozeß wird, in dem die Parteien die Art und
Weise umsetzen, in der sie sich gegenseitig sehen und
verstehen. Die Skeptiker bezüglich dieses Friedens
sollten sich vor Augen führen, was einstmals zwischen
diesen Menschen bestand. Es gab eine Zeit, in der
sich der Fluß von Ideen und Handel, der Strom der
Pilger ungehindert zwischen den Städten des fruchtbaren Hügels ergoß. In Spanien und im Nahen Osten
arbeiteten Muslime und Juden einstmals zusammen,
um die brillianten Kapitel der Literaturgeschichte und
Naturwissenschaften zu schreiben. All dies kann
wieder geschehen.
Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, ich sage die
aktive Unterstützung der Vereinigten Staaten von
Amerika für die bevorstehende schwierige Arbeit zu.
Die Vereinigten Staaten haben sich der Gewährleistung von mehr Sicherheit für die von diesem Abkommen betroffenen Menschen verpflichtet und werden
eine Führungsrolle bei der Verwaltung der für die
Durchführung der schwierigen Einzelheiten erforderlichen Ressourcen übernehmen, die die Prinzipien in
die Tat umsetzen, zu denen Sie sich heute verpflichten.
Wir wollen uns gemeinsam vorstellen, was erreicht
werden kann, wenn all die von den Israelis und Palästinensern in Ihren Kampf investierten Energien und
Fähigkeiten jetzt in die Kultivierung des Landes und
Säuberung der Gewässer, die Beendigung des Boykotts und den Aufbau neuer Industrien, in die Schaffung eines so reichen und friedlichen wie heiligen
Landes kanalisiert werden können. Vor allem wollen
wir uns heute der nächsten Generation Ihrer Region
widmen. In dieser gesamten Runde ist niemand
wichtiger als die Gruppe der arabischen und israelischen Kinder, die heute hier unter uns sitzen.
Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, dies ist Ihr
Tag. Und aufgrund des von Ihnen Geleisteten gehört
das Morgen diesen Kindern. Wir dürfen sie nicht zum
Opfer der Politik von Extremismus und Verzweiflung
machen oder denen überlassen, die diesen Prozeß
zum Scheitern bringen wollen, weil sie die Ängste und
den Haß der Vergangenheit nicht überwinden können.
Wir dürfen sie nicht ihrer Zukunft berauben. Zu lange
waren die Jugendlichen im Nahen Osten unverschuldetermaßen in einem Netz des Hasses gefangen. Zu
lange wurden sie aus der Chronik des Krieges unterrichtet. Heute können wir ihnen die Chance bieten, die
Zeit des Friedens kennenzulernen.

AMERIKA DIENST :»7

�Für sie müssen wir die Prophezeiung von Isaias verwirklichen: Der Ruf der Gewalt soll nicht in Ihrem Land
vernommen werden und es soll keine Verwüstung
oder Zerstörung innerhalb Ihrer Grenzen geben. Die

Kinder Abrahams, die Nachfahren von Isuak und ismael
haben sich gemeinsam auf eine mutige Reise begeben. Zusammen wünschen wir ihnen aus tiefstem
Herzen Schalom, Salam, Frieden.

* * * *

AMERIKA DIENST 37

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
15. September 1993

ASPIN ERLÄUTERT WEITEREN ABBAU
DES US-MILITÄRS
Rede zur neuen Verteidigungsstrategie
WASHINGTON - (AD) - Die Umstrukturierung des amerikanischen Militärs im Einklang mit der vom Verteidigungsministerium vorgenommenen "grundlegenden Überprüfung" (Bottom-Up-Review) wird Verteidigungsminister Aspin zufolge einen größeren Abbau zur Folge haben als von der Bush-Administration vorgesehen.
In einer am 2.September 1993 an der Georgetown University gehaltenen Rede erläuterte Aspin die von der
Clinton-Administration beabsichtigten Kürzungen im Vergleich zu den bisher geplanten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Aspin im Wortlaut.

Die neue Streitkräftestruktur der Clinton-Administration ist das Resultat einer vom Verteidigungsministerium vorgenommenen eingehenden Überprüfung der
Militärstrategie, Streitkräfte und Verteidigungsprogramme, die wir in dem neuen Zeitalter für die Sicherheit der
Vereinigten Staaten benötigen. Wir bezeichnen diese
umfassende Studie als grundlegende Überprüfung
und benennen daher unsere neue Streitkräftestruktur
nach ihr.

Augen führen, wie wir an diesen Punkt gelangt sind.
Künftige Historiker werden meines Erachtens die jüngste Vergangenheit als zwei Revolutionen beurteilen,
die für diese Periode der Geschichte äußerst bedeutend sind.

Die erste Revolution begann am 7. Dezember 1988,
als der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow
den Vereinten Nationen bekanntgab, er würde Zehntausende sowjetischer Truppen aus Osteuropa abzieWir verteilen hier heute eine Kopie des Teils der hen und die sowjetischen Streitkräfte einseitig um eine
Strategie, der sich mit der Streitkräftestruktur befaßt. halbe Million Truppen reduzieren. Dies sendete ein
Ich hoffe, Sie nehmen sich ein Exemplar mit nach Signal an alle Länder Osteuropas, daß die sowjetiHause, lesen es und lassen uns Ihre Fragen oder schen Truppen nicht länger die sowjetische Herrschaft
Kommentare wissen. Heute möchte ich jedoch einge- durchsetzen würden. Diese Länder begannen also,
das Signal auf seine Echtheit zu testen. Es war echt.
hend über dieses Konzept sprechen.
Binnen eines Jahres fiel die Berliner Mauer. Der
Wenn Sie die Einzelheiten der Streitkräftestruktur dieser Kommunismus in Osteuropa brach zusammen. Der
Strategie betrachten, ist es nur natürlich, sie mit dem Warschauer Pakt löste sich auf.
von der vorigen Administration geerbten Verteidigungsprogramm zu vergleichen, das sich auf ein von der Das war die Revolution Nummer eins. Sie fand wähdamaligen Regierung als Stützpunktstreitkräfte (Base rend des Kalenderjahres 1989 statt.
Force) bezeichnetes Konzept gründet. Ein Vergleich
der alten und neuen Strategie ist insofern nützlich, als Dann vollzog sich anderthalb Jahre später die Revoluer uns bei einer Bestandsaufnahme behilflich sein tion Nummer zwei, ungefähr in der zweiten Hälfte des
Jahres 1991. Sie begann, als die Betonköpfe in
kann, wo wir waren und wohin wir gehen.
Moskau versuchten, die Uhr zurückzudrehen und ihre
In der Tat arbeitet ein Vergleich der beiden Strategien Kontrolle wiederzugewinnen. Ihr Putschversuch scheiden Wesensgehalt der Antwort dieser Administration terte nicht nur, er beschleunigte sogar den Wandel.
auf das neue Zeitalter heraus.
Die Reformer kamen an die Macht und wurden ermutigt. Und binnen Monaten hörte die Sowjetunion auf zu
Um die Reaktion auf dieses neue Zeitalter und seine existieren. Am Weihnachtstag 1991 trat Gorbatschow
Anforderungen zu verstehen, sollten wir uns kurz vor
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�zurück, und die Sowjetunion zerfiel in getrennte, häufig ausgerichtet. Nun da die sowjetische Bedrohung nicht
mehr existiert, mußten wir uns einige ziemlich grundstreitende Nationen.
legende Fragen stellen, angefangen mit der folgenEs gab also zwei Revolutionen. Revolution eins - kein den: Worauf sollte unser Verteidigungsapparat jetzt
Warschauer Pakt mehr. Revolution zwei - keine ausgerichtet sein?
Sowjetunion mehr.
Mit Blick auf die Weltlage gelangten wir zu der SchlußHier stehen wir heute. Das alte Verteidigungskonzept folgerung, daß sich die Vereinigten Staaten in derzeit
der Stützpunktstreitkräfte wurde jedoch 1990 erarbeinach dem Kalten Krieg vier neuen Gefahren gegentet, nach der ersten und vor der zweiten Revolution. In übersehen. Erstens regionalen Konflikten. Zweitens
Wirklichkeit war die alte Strategie ein Verteidigungs- der Verbreitung von Atom- und anderen Massenverplan für "eine Revolution". Sie war eine legitime nichtungswaffen. Drittens einer Bedrohung unserer
Antwort auf die Bedrohung unserer Sicherheit, mit der wirtschaftlichen Stärke. Viertens dem Scheitern der
wir uns am Ende der ersten Revolution konfrontiert demokratischen Reform im ehemaligen Sowjetblock.
sahen. Die Sowjetunion existierte noch, und das alte
Konzept trug der beträchtlichen Sorge der Vereinigten Ich möchte im einzelnen auf diese vier Gefahren
Staaten über die von ihr ausgehende militärische eingehen, weil sie der Auslöser für die neue VerteidiBedrohung Rechnung.
gungsstrategie waren.
Das Konzept der Stützpunktstreitkräfte war unser erster
Schritt zur Umstrukturierung des amerikanischen
Verteidigungsprogramms von der Bedrohung des
Warschauer Pakts zu Bedrohungen in der Zeit nach
dem Kalten Krieg wie regionale Aggression. Diese
Veränderungen haben uns geholfen. Die vorherige
Administration hat beispielsweise eine Studie zu den
Anforderungen an die Mobilität erstellt - die für die
Zukunft erforderlichen Luft- und Seetransportfähigkeiten. Diese Studie erwies sich als äußerst nützlich für
uns.
Das Konzept der Stützpunktstreitkräfte war jedoch ein
Produkt seiner Zeit. In der Tat schützte es gegen das
Wiederentstehen einer feindlich gesinnten und mächtigen Sowjetunion sowie die von ihr ausgehende
Bedrohung.
Heute existiert diese Bedrohung nicht mehr. Wir
müssen uns nicht mehr gegen eine wiedererstarkende
sowjetische Supermacht schützen. Wir benötigen
keinen Verteidigungsplan gegen "eine Revolution''.
Wir sind uns der Umstände bewußt, unter denen
Rußland wieder eine größere regionale Bedrohung
werden könnte. Aber ebenso wie zerbrochenes Glas
kann die massive sowjetische Militärmaschinerie nicht
wieder zusammengesetzt werden.
Also benötigen wir eine neue Streitkräftestruktur, einen Verteidigungsplan für "zwei Revolutionen", wenn
Sie so wollen, der auf die Zeit nach dem Kalten Krieg
und die Bedrohungen nach dem Zerfall der Sowjetunion reagiert. Unser Vorteil gegenüber den Planern der
alten Strategie ist unser heutiges Wissen, daß die
sowjetische Bedrohung nicht wiederbelebt werden kann.
Sie konnten das nicht wissen.
Um Präsident Clintons im Wahlkampf gegebenes
Versprechen zur Anpassung unserer Streitkräfte an
das neue Zeitalter zu erfüllen, mußten wir unsere
Verteidigungsplanung von Grund auf neu gestalten.
Viele Jahre lang war ein Großteil unseres Verteidigungsprogramms auf die sowjetische Bedrohung
Seite 2

Erstens die Gefahr durch regionale, ethnische und
religiöse Konflikte. Diese Gefahren setzen die Existenz der Vereinigten Staaten nicht aufs Spiel. Sie
könnten jedoch vitale amerikanische Interessen, Freunde und Verbündete der Vereinigten Staaten sowie das
amerikanische Gefühl für Anstand bedrohen.
Unser Verteidigungshaushalt sowie Umfang und Struktur unserer Streitkräfte sind direkt von dieser Bedrohung beeinflußt. Trotz extrem schwieriger Prognosen
können wir davon ausgehen, daß regionale Konflikte
entstehen werden. Und wir müssen die militärischen
Fähigkeiten zur Verfügung haben, um zur Verteidigung unserer Interessen zu handeln - wenn nötig im
Alleingang, wenn möglich mit Verbündeten.
Die zweite Gefahr ist die Bedrohung durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Das Gebiet der
ehemaligen Sowjetunion enthält noch immer Tausende Nuklearwaffen, deren Sicherheit mit dem Abbau der
alten Kontrollmechanismen auf dem Spiel stehen könnte.
In der Region gibt es viele Menschen mit Kenntnissen
der Waffenproduktion, deren Fachwissen auf dem
Weltmarkt enden könnte. Freiheit und Demokratie
gegenüber feindlich gesinnte Nationen wie der Irak
und Nordkorea sind zur Beschaffung von Nuklearwaffen entschlossen. Dies betrifft uns, insbesondere da
immer mehr Nationen ballistische Raketen entwickeln,
die als Trägersysteme für Massenvernichtungswaffen
dienen können. Während die Bedrohung eines massiven sowjetischen Atomangriffs nachgelassen hat,
ergibt sich die neue atomare Gefahr aus der Aussicht
auf terroristische oder verbrecherische Staaten im
Besitz einer Handvoll Nuklearwaffen.
Gefahr drei besteht darin, unsere nationalen Sicherheitsinteressen nicht aus einem Blickwinkel zu sehen,
der wirtschaftliche Belange einbezieht. Wirtschaftliches Wohlergehen ist unabdingbar für unsere Sicherheit. Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm trägt
dieser grundlegenden Tatsache Rechnung. Angesichts der heutigen Weltlage und der Situation in den
Vereinigten Staaten ist das Wichtigste, das wir für die
AMERIKA DIENST 37

�Verbesserung unserer Sicherheit tun können, die
Stärkung der Wirtschaft. Kurzfristig hängt unsere
Verteidigung von starken, effektiven Streitkräften ab,
die zur Bewältigung aller Bedrohungen unserer Sicherheit fähig sind. Diese haben wir. Das Militär der
Vereinigten Staaten ist heute das beste der Welt.
Langfristig hängt jedoch unsere Fähigkeit, eine Supermacht zu bleiben, von unserer Wirtschaftsmacht ab.
Die vierte Gefahr: Die Möglichkeit des Scheiterns der
demokratischen Reformen in der ehemaligen Sowjetunion und andernorts. Die Bedrohung durch die
sowjetische Supermacht mag hinter uns liegen, aber
wenn aus den Überbleibseln Diktaturen entstehen,
würde das bedeuten, daß die Wert weniger friedlich
und viel schwieriger für die Vereinigten Staaten wird.
Und viel teurer.

Gesamtzahl der Schiffe. Wir benötigen ungefähr 345.
In unserem alten Konzept wurden 450 gefordert.
Angriffsunterseeboote. Wir reduzieren die ehemals 88
auf 45 bis 55.
Parallel zum Abbau unserer Kampftruppen nehmen
wir damit in Zusammenhang stehende Kürzungen vor
- Unterstützungstruppen, die umfangreiche und teure
Infrastruktur der Militärstützpunkte, zentrale Wartungsund Nachschubeinrichtungen, die alle während des
Kalten Krieges errichtet wurden. Gleichzeitig bleiben
wir jedoch unserer obersten Priorität verpflichtet - dem
Unterhaft hochqualifizierter und einsatzbereiter Streitkräfte - und werden die hierzu erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Nicht jeder Unterschied zwischen der alten und der
neuen Verteidigungsstrategie impliziert Kürzungen.
Zusammengenommen stellen diese vier Bedrohungen das veränderte Gefahrenbild dar. Während des Bei den kleineren Truppen haben wir im Vergleich zu
Kalten Krieges wußten wir, wer unser Hauptgegner dem alten Konzept sogar eine Aufstockung vorgenomwar. Wir pflegten unserem Feind in Deutschland über men. Ein Beispiel hierfür ist die Stärke unseres Marinekorps, das 174.000 Aktivisten umfassen soll, 15.000
die Fulda ins Gesicht zu sehen. Jetzt werden wir mit
vier Gefahren geringeren Ausmaßes konfrontiert, wir mehr als früher. Die Erweiterung des Marinekorps ist
wissen jedoch nicht, woher sie kommen oder wann sie für unsere Strategie nach dem Kalten Krieg von Bedeutung. Diese fordert von den Marineinfanteristen,
entstehen.
auf ein breites Spektrum regionaler Gefahren zu reaMit der grundlegenden Überprüfung haben wir den vier gieren und in Friedenszeiten widerstandsfähige, flexineuen sicherheitspolitischen Gefahren Rechnung ble Streitkräfte in Übersee zu unterhalten.
getragen und schrittweise eine neue Strategie und
Die grundlegende Überprüfung wird also einige EleTruppenstruktur aufgestellt. Unsere jetzigen Streitkräfte sind eine Reaktion auf die neue Welt. Während mente der alten Strategie verstärken, selbst wenn die
die alte Strategie die Weh des Jahres 1990 reflektierte, Streitkräfte insgesamt abgebaut werden. Und sie
ist die neue ein Spiegelbild der Welt, wie wir sie 1993 werden abgebaut. Die Zahl der im aktiven Dienst
Tätigen wird von 1,6 Millionen auf 1,4 Millionen redusehen.
ziert.
Aus diesem Grund unterscheidet sich das neue KonDas ist die Grundlinie der grundlegenden Überprüzept natürlich wesentlich von der alten Strategie. Ich
fung:
Die meisten Elemente der Streitkräfte werden
möchte die beiden kurz miteinander vergleichen.
kleiner. Aber nicht alle Elemente werden in gleicher
Erstens werden die Streitkräfte nach der grundlegen- Weise abgebaut. Einige werden proportional weniger
den Überprüfung kleiner sein als die ehemaligen Stütz- abgebaut als andere. Mit anderen Worten, wir ändern
punktstreitkräfte. Das ist sinnvoll, weil die neuen die Zusammensetzung unserer Streitkräfte, um auf die
Bedrohungen zusammengenommen nicht das Aussicherheitspolitischen Herausforderungen in der Zeit
maß annehmen wie die frühere sowjetische Bedronach dem Kalten Krieg zu reagieren.
hung. Die Streitkräfte werden nach der grundlegenden
Überprüfung kleiner und kostengünstiger sein als die Ich möchte ein Beispiel aus der Marine anführen:
Stützpunktstreitkräfte früherer Zeiten, mit weniger Angriffsunterseeboote und Flugzeugträger.
Angehörigen, einer kleineren Anzahl von Systemen
Während der Kalten Krieges bestand die wichtigste
und weniger umfangreichen Programmen. Ich möchte
Aufgabe für unsere Seestreitkräfte darin, die sowjetihierzu einige Zahlen nennen.
sche Marine abzuwehren - die Sowjets an der EinAktive Heeresdivisionen. Anstelle der 12 im alten schränkung unserer Freiheit auf den Meeren zu hinKonzept vorgesehenen aktiven Divisionen werden wir dern sowie sowjetische, mit Raketen bestückte UBoote aufzuspüren und nötigenfalls "unschädlich" zu
über 10 verfügen.
machen, bevor sie ihre Kernwaffen auf die Vereinigten
Aktive Jagdgeschwader und Reserve. Hiervon werStaaten richten konnten. In diesem Zusammenhang
den wir 20 anstelle von sechsundzwanzigeinhab haben. war das Angriffsunterseeboot eines unserer wertvollsten Aktivposten der Marine.
Aktive Flugzeugträger. Wir werden über 11 anstelle
von 12 verfügen, plus einem Reserve-Träger und Aber im Zeitalter nach dem Kalten Krieg und nach der
einem zu Trainingszwecken.
sowjetischen Bedrohung bestehen diese Aufgaben im

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�wesentlichen nicht mehr. Ohne die sowjetische Marine will uns niemand die Kontrolle über die Meere
streitig machen. Jetzt müssen sich unsere Seestreitkräfte bei regionalen Konflikten auf die Projektion
konventioneller Macht am Ufer konzentrieren, insbesondere während der entscheidenden Eröffnungsphase eines größeren Konflikts. Zusätzlich müssen sie
"Flagge zeigen", das heißt, zur Einhaltung unserer
internationalen Verpflichtungen eine bedeutende
amerikanische Präsenz in Übersee beibehalten. In
dieser Hinsicht sind Flugzeugträger das Kernstück
unserer Seestreitkräfte.
Während des Kalten Krieges benötigten wir eine substantielle Flugzeugträger- und Unterseebootstreitmacht.
Nach dem Kalten Krieg brauchen wir im allgemeinen
weniger von allem, jedoch nicht proportional weniger.
Wir ändern die Zusammensetzung. Unsere Streitkräfte werden insgesamt kleiner und die Anzahl der Flugzeugträger wird nach dem neuen Konzept in viel
geringerem Ausmaß reduziert als die Zahl der Angriffs-U-Boote.
Ich möchte bei meinem Vergleich zwischen dem alten
und dem neuen Konzept noch auf einen letzten Punkt
zu sprechen kommen. In der grundlegenden Überprüfung wird erneut eine Anzahl von großen Verteidigungsprogrammen untersucht, die insbesondere im
Hinblick auf eine atomare Bedrohung durch eine
Supermacht entwickelt wurden. Die meisten dieser
Programme wurden erarbeitet bevor die alte Strategie
angenommen wurde und aufrechterhalten, da die
Sowjetunion damals noch existierte. Heutzutage gibt
es die sowjetische Bedrohung nicht mehr. Daher
müssen wir uns fragen, was wir mit diesen aus der Zeit
des Kalten Krieges stammenden Programmen anfangen und was in dem neuen Zeitalter sinnvoll ist.

hung durch Kurzstreckenraketen zugenommen. Unter der BMDO verlagern wir die Betonung von einer
landesweiten Verteidigung auf eine Verteidigung, die
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der Bündnispartner in regionalen Konflikten schützt. Angesichts der zur Zeit und in absehbarer Zukunft geringfügigen Bedrohung der Vereinigten Staaten durch ballistische Interkontinentalraketen richten wir unsere
Anstrengungen erneut auf Forschung und Entwicklung für ein nationales Verteidigungssystem, falls sich
dies als notwendig erweisen sollte.
Die MILSTAR-Satellitenkonstellation. Sie war das
Kernstück unserer Pläne aus dem Kalten Krieg für
verläßliche Kommunkation in Kriegszeiten, einschließlich anhaltender Operationen während eines Atomkrieges. MILSTAR war gut geeignet für die Welt im
Kalten Krieg, in der wir uns auf den Kampf mit einem
Feind vorbereiteten, der mit Tausenden von Atomwaffen, hochentwickelten Störkapazitäten und satellitengestützten Abwehrsystemen ausgerüstet war. Nach
der ersten Revolution wurden an MILSTAR einige
Veränderungen vorgenommen. Weitere waren vonnöten. Nach der grundlegenden Überprüfung müssen
wir die Stationierung neuer, kleinerer und kostengünstiger Satelliten planen - der modernen Extra-Hochfrequenz-Satelliten - die verläßliche, störungsfreie weltweite Kommunikation unter Einsparung von Milliarden
Dollar ermöglichen. Wir planen die baldmögliche
Entsendung dieser neuen Satelliten.

Schließlich der B-2-Tarnbomber. Er war als strategischer Nuklearbomber konzipiert, der gegen die Sowjetunion eingesetzt werden sollte. Heute kaufen wir
ihn in geringeren Mengen ein - 20, um genau zu sein.
Und die Rolle des B-2-Bombers ändert sich. Anstatt
ausschließlich als atomarer Interkontinentalbomber
eingesetzt zu werden, wird er vorwiegend in regionalen
Ich möchte drei Beispiele dafür anführen, wie wir diese Konflikten verwendet, um die Verteidigung des FeinProgramme überprüft haben: Die Strategische Vertei- des zu umgehen und präzisionsgesteuerte konventiodigungsinitiative (SDI), die MILSTAR-Satellhenkonnelle Waffen zu befördern - wie der F-117-Bomber, der
stellation und die B-2-Tarnbomber.
bei der Operation Wüstensturm eingesetzt wurde. Der
B-2-Bomber wird unser bestes Stück sein.
Ich beginne mit SDI. Wir haben das Programm bereits
umgestaltet. Die alte SDI-Organisation existiert schon Soweit mein Bericht über die neue Verteidigungsstranicht mehr. Sie wurde durch die Organisation für die tegie im Vergleich mit unserem alten Konzept. Ich bin
ballistische Raketenabwehr (Ballistic Missile Defense zuversichtlich - ebenso wie Präsident Clinton und
Organization - BMDO) ersetzt. Aber wir haben sehr General Powell - daß unsere neue Streitkräftestruktur
viel mehr getan, als nur den Namen zu ändern. Wir die amerikanischen Interessen im nächsten Jahrhunändern den Schwerpunkt des Programms, da sich die dert schützen und fördern wird. Wir sind der BeibehalBedrohungen verändert haben.
tung effektiver, einsatzbereiter Streitkräfte für die siSDI war darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten
gegen einen nuklearen Raketenangriff der Sowjetunion zu verteidigen. Aber die Gefahr eines solchen
Angriffs hat abgenommen. Gleichzeitig hat die Bedro-

*

Seite 4

*

cherheitspolitischen Herausforderungen Amerikas in
der Zeit nach dem Kalten Krieg verpflichtet. Die
grundlegende Überprüfung unserer Verteidigungsstrategie hat uns auf diesen Weg gebracht.

*

*

AMERIKA DIENST 37

�USA-DEUTSCHLAND
15. September 1993

HOLBROOKE: BEZIEHUNGEN ZU DEUTSCHLAND
VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG FÜR DIE USA
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - In seiner Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats anläßlich seiner Bestätigung
erklärte der für die Bundesrepublik Deutschland designierte Botschafter Richard C. Holbrooke am 9. September
1993, "unsere Beziehungen zu Deutschland sind von entscheidender Bedeutung für unsere Nation".
Der nominierte Botschafter führte weiter aus: "Deutschland ist bilateral und auch in multilateralen Institutionen
ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten bei der Förderung von Demokratie, Ermutigung von Wirtschaftsreformen und Wachstum sowie der Lösung lokaler und regionaler Konflikte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des designierten Botschafters im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschu ßmitglieder, es ist
mir eine Ehre, bei dieser Gelegenheit meine Nominierung als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
mit Ihnen erörtern zu dürfen.
Unsere Beziehungen zu Deutschland sind von entscheidender Bedeutung für unsere Nation - das ist
offenkundig. Diese Beziehungen sind der Beweis für
den Erfolg der von neun Präsidenten sowie renommierten Politikern beider Parteien geschaffenen und
verfolgten überparteilichen Politik.

Bei der Verwirklichung dieser Ziele verfolgen die Vereinigten Staaten eine Politik, die Deutschlands neue
Rolle unterstützt und arbeiten gleichzeitig eng mit
ihrem Partner zusammen, während er die Anpassungen im Rahmen des Vereinigungsprozesses vornimmt,
der das Land politisch, wirtschaftlich und psychologisch vereinigen soll.

Die Nacht des 9. November 1989 war der beste
Zeitpunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel, symbolisiert
den Triumph der Freiheit über Unterdrückung. Die
Dank enger deutsch-amerikanischer Beziehungen Amerikaner früherer Generationen erinnern sich mit
haben wir vor langer Zeit zur Integration eines ehema- Trauer genau daran, wo sie am Tag von Pearl Harbor
ligen Gegners in die internationale Staatengemein- waren - oder an den Tag, als Präsident Kennedy
schaft beigetragen, und Deutschland ist einer unserer ermordet wurde. Ich hoffe, daß die Angehörigen Ihrer
engsten Verbündeten geworden. Wir haben im Kalten Generation sich ebenfalls an diesen Augenblick der
Krieg gemeinsam schwierigen Zeiten widerstanden. Geschichte als das sichtbare Ende des Kalten Krieges
Heute stehen die Vereinigten Staaten nach wie vor an erinnern werden - den Tag, an dem die Berliner Mauer
der Seite eines der atlantischen Partnerschaft ver- fiel.
pflichteten Deutschlands, dem sie hohe Wertschätzung entgegenbringen. Die Administration unterstützt Die amerikanische Politik gegenüber der Vereinigung
die neue, seiner internationalen Position entsprechen- in den Jahren 1989 und 1990 war klug und wird von der
de Rolle Deutschlands bei der Verwirklichung von Geschichte als meisterliche diplomatische Leistung
Maßnahmen der Europäischen Gemeinschaft und der beurteilt werden, die langfristig zu Frieden und StabiNATO im Einklang mit dervonden Vereinigten Staaten lität in Europa beiträgt. Während ich mich auf die
verfolgten Politik sowie bei der Förderung von Demo- Anhörung vorbereitete, stellte ich fest, daß dieses
kratie, Marktwirtschaften, Sicherheit und Stabilität in Gremium dem neuen Deutschland einstimmig in beiMitteleuropa und der Unterstützung der Demokratisie- den Häusern des Kongresses sein Vertrauen ausgerung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). sprochen hat, als Sie mit 98 zu null Stimmen für die

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�Ratifizierung des Zwei-plus-Vier-Vertrags stimmten,
der offiziell die Spaltung der Nation beendete. Ich
möchte hinzufügen, da ß es auch während des gesamten Kalten Krieges starke überparteiliche Unterstützung für unsere militärische Präsenz in Deutschland
gegeben hat, eine Präsenz, diefürdie Beendigung des
Kalten Krieges von entscheidender Bedeutung war.
Ich hoffe, daß diese überparteiliche Denkweise auch
bei der Unterstützung des Kongresses für eine verringerte, aber dennoch bedeutende militärische Präsenz
der Vereinigten Staaten in Deutschland vorherrschen
wird. Eine solche Denkweise ist sowohl der sich wandelnden Sicherheitslage in Europa als auch derführenden Rolle Deutschlands als unser Partner bei weltweiter Diplomatie angemessen.

gegründete Beziehungen, die durch tägliche persönliche Kontakte über das gesamte Spektrum von Aktivitäten hinweg genährt werden. Millionen von Amerikanern haben deutsche Vorfahren und weitere Millionen
haben in Deutschland aus erster Hand Erfahrungen
gesammelt und seine Bürger persönlich kennengelernt, häufig, indem sie in der Nachkreigszeit dort ihren
Militärdienst leisteten.

Ich fühle mich durch das Vertrauen geehrt, das der
Präsident und der Außenminister in meine Fähigkeit
setzen, eine leitende Funktion in diesen wichtigen und
vielschichtigen Beziehungen zu übernehmen. In meiner
Karriere habe ich eine ganze Bandbreite von Positionen innegehabt, die mich meines Erachtens in geeigneter Weise auf die Bewältigung der politischen und
Deutschland ist bilateral und auch in multilateralen administrativen Herausforderungen vorbereitet haben,
Institutionen ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten mit denen ich mich als Leiter einer unserer größten
bei der Förderung von Demokratie, Ermutigung von diplomatischen Vertretungen konfrontiert sehen werWirtschaftsreformen und Wachstu m sowie der Lösung de.
lokaler und regionaler Konflikte. Von besonderer
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang unsere enge Obwohl ich meine Gebietserfahrungen in Ostasien
Kooperation bei der Unterstützung der politischen und gesammelt habe, verfüge ich auch über ein beträchtwirtschaftlichen Reformen in einem demokratischen liches Fachwissen zu Europa. In den vergangenen 37
Rußland, wobei Deutschland als ein Hauptgeberland Jahren - seit meiner ersten Reise nach Deutschland
von Hilfsleistungen für die Länder der ehemaligen als Jugendlicher im Jahr 1956 - habe ich Deutschland
Sowjetunion eine Führungsrolle innehat. Bemerkens- oft besucht und zahlreiche Freunde unter den Deutschen gewonnen, mit denen ich zusammengekomwert ist auch die Entscheidung Deutschlands, Streitkräfte zu den UN-Friedenstruppen in solch entlegene men bin. Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich mich
Gebiete wie Somalia und Kambodscha zu entsenden. häufig mit Fragen der G-7 befaßt, was natürlich intenEs gibt zahlreiche multilaterale Organisationen, in sive Gespräche überdie von den Deutschen zu diesen
denen die Vereinigten Staaten eng mit Deutschland Themen eingebrachte Perspektive beinhaltete. Das
zusammenarbeiten, von der NATO über die KSZE, gleiche gilt für die G-3 betreffende Themenkomplexe.
Ich habe ferner dank meiner Mutter, die in Stuttgart
den NAKR bis hin zu den Vereinten Nationen. Wir
geboren
wurde und Deutschland mit ihrer Familie 1933
sehen den kommenden Jahren erwartungsvoll entgeverlassen
hat, eine sehr persönliche Beziehung zu
gen, wenn Deutschland interantionale Verantwortung
diesem
Land.
Ich arbeite hart an der Vertiefung
seinem neuen Stand entsprechend übernimmt.
meines Verständisses von deutschandspezifischen
Fragen und sehe der Bereicherung meines Wissens
Wirtschaftlich ist Deutschland ein eigenständiger,
führender Handelspartner der Vereinigten Staaten und über Deutschland und sein Volk erwartungsvoll entgetätigt beträchtliche Investitionen in unserem Land. gen.
Darüber hinaus ist Deutschalnd ein starker Verfecher
Im Falle meiner Bestätigung werde ich als Botschafter
der europäischen Integration und ein wichtiges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft, dem größten in Deutschland eng mit dem Kongreß und insbesondere mit diesem Ausschuß zusammenarbeiten und hofHandelspartner der Vereinigten Staaten.
fe, viele von Ihnen persönlich in Deutschland sowie bei
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind natür- meinen Besuchen hier im Rahmen von Konsultationen
lich sehr viel mehr als die Zusammenarbeit zwischen begrüßen zu dürfen.
Regierungen zur Unterstützung gemeinsamer Ziele.
Es sind auf gemeinsame Werte und Überzeugungen Ich danke Ihnen.

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�INNENPOLITIK
15. September 1993

GORE-BERICHT ÜBER EFFIZIENZ DER REGIERUNG
Eine Übersicht

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
leitete am 7. September 1993 eine umfassende Initiative zur Straffung des Personalbestands und Verbesserung der Effizienz der Bundesregierung in die Wege.
Bei der Vorlage seines Berichts über die Effizienz der
Regierung (National Performance Review) erklärte
Vizepräsident Gore, er empfehle "bahnbrechende
Veränderungen in der Regierungsarbeit" und erläuterte Methoden, dank derer die Bürokratie "besser arbeitet und weniger kostet". Er beabsichtigt Veränderungen bei den Einstellungsverfahren, der Beschaffung
von Material und dem Angebot von Dienstleistungen
für die Bürger.
"Wir haben kein schlechtes Personal", stellte Gore
fest. "Wir haben ausgezeichnete, hart arbeitende,
phantasievolle Arbeitskräfte, die in einem schlechten
System gefangen sind."
Präsident Clinton, dem der Bericht bei einer Zeremonie im Weißen Haus überreicht wurde, versprach, er
werde die Änderu ngen so weit es in seiner Macht stehe
durchführen und den Kongreß ersuchen, seine Zustimmung zu den Veränderungen zu geben, die parlamentarisches Handeln erforderten. Clinton erklärte:
"An vielen Stellen des Berichts wird gesagt, 'der Präsident sollte'. Wo steht, 'der Präsident sollte', wird der
Präsident handeln... Ich versichere Ihnen - dieser
Bericht wird keinen Staub im Regal ansetzen."
Clinton verwies darauf, daß er Gore vor sechs Monaten um die Erstellung des Berichts gebeten habe, weil
"es für die nationale Regierung schwierig ist, eine
Führungsrolle zu übernehmen... wenn die Bürger kein
Vertrauen in die Funktionsweise der Regierung haben
und nicht der Überzeugung sind, den entsprechenden
Gegenwert für die von ihnen aufgebrachten Steuergelder zu erhalten..."

Beispiele von Regierungsbediensteten gibt, die Erfolg
haben" - selbst im derzeitigen Umfeld. "Es gibt Menschen in diesem Apparat, die den Gegenwert für die
aufgewandten Dollar erbringen ... die beweisen, daß
wir dies auf allen Ebenen der Regierung erreichen
können", äußerte Clinton.
Gores Aufgabe, so der Präsident, bestehe darin, Veränderungen vorzunehmen, damit "die Regierung besser arbeitet und weniger kostet. Ebenso wichtig ist die
Wiederherstellung des Vertrauens der Amerikaner in
dieses großartige öffentliche Unternehmen."
Die Bundesregierung gibt jährlich über eine Billion
Dollar aus und beeinflu ßt die Spar- und Investitionstätigkeit der Amerikaner, legt die Einstellungsverfahren
und Arbeitsbedingungen fest, ist für den Zugang zu
Parks und nationalen Wäldern für Freizeitaktivitäten
zuständig und überwacht die Methoden, wie für das
Rentenalter Vorsorge getroffen wird. Die Bundesregierung hat ferner Einfluß auf die Landwirtschaft, Viehzucht, Bergbau und die Förderung von Mineralien.
Die Bundesregierung, so der Bericht, habe einen
unstillbaren Hunger auf Papier und erfordere alle
möglichen Formulare von sich und den Bürgern. Um
dies zu verdeutlichen, führte Gore einen Gabelstapler
voller Kartons mit Regierungsformularen vor sowie
den 450 Kilogramm schweren Personalkodex der
Bundesregierung. Gore würde den Kodex zugunsten
von Richtlinien abschaffen.

Mit dem Gore-Bericht werden zum 11. Mal seit 1905
von einer Kommission tiefgreifende Veränderungen
des Regierungsapparates empfohlen, und der Vizepräsident erklärte in der vergangenen Woche gegenüber der Washington Post, sein Überprüfungsteam
habe über 500 Studien durchgearbeitet, wie die Exekutive arbeiten sollte. Der Bericht enthält jedoch keine
Ratschläge an die Regierung, sondern zeigt nur Wege
Trotz der in dem Bericht herausgearbeiteten Probleme auf, um sie effizienter und kostengünstiger zu gestalwar der Präsident zuversichtlich, weil "es erstaunliche ten.

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�Im Rahmen der effizienteren Gestattung der Bundesregierung sollen unter anderem 12 Prozent der Stellen
oder der Personalbestand um 252.000 Personen
abgebaut werden, womit über einen Zeitraum von 5
Jahren hinweg 108 Milliarden Dollar durch die Abschaffung von Doppelfunktionen und unnötigen Tätigkeiten eingespart werden - einschließlich größerer
Veränderungen beim US-Informationsamt (U.S. Information Agency), der Reorganisation der Aufgabengebiete des Amts für internationale Entwicklung (Agency
for International Development) im Ausland sowie einiger Sicherheitsbereiche des US-Außenministeriums.
Die tiefgreifendsten Veränderungen werden wahrscheinlich das Landwirtschaftsministerium betreffen, wo Gores
Team die Abschaffung von 1.200 Regionalbüros sowie

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den Subventionsabbau für die Produktion von Honig,
Mohair und Wolle empfiehlt.
Die drei größten Gewerkschaften für Bundesbedienstete in den Vereinigten Staaten - der Amerikanische
Bund der Bundesbediensteten (American Föderation
of Government Employees - AFGE), die Nationale
Gewerkschaft der Beschäftigten im Finanzministerium (National Treasury Employees Union - NTEU)
und der Nationale Bund der Bundesbediensteten
(National Föderation of Federal Employees - NFFE) haben inzwischen ihre uneingeschränkte Unterstützung für die in dem Bericht empfohlenen Maßnahmen
der Regierung zu den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugesagt.

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AMERIKA DIENST 37

�USA-RUSSLAND
15. September 1993

BOTSCHAFTER TALBOTT ZUR
RUSSLANDHILFE UND GUS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Strebe Talbott, Außerordentlicher und
Bevollmächtigter Botschafter sowie Sonderberater des Außenministers für die Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten (GUS) bei der Anhörung vor den Auswärtigen Ausschuß des Senats am 7. September 1993 gehaltene Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich begrüße die Gelegenheit, vor
diesem Ausschuß über Präsident Clintons Politik zu
Rußland, der Ukraine und den anderen aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen neuen unabhängigen Staaten berichten zu können. Bei meiner
heutigen Anhörung hoffen meine Kollegen und ich,
Ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Programms
der Administration gewinnen zu können. Wir sind uns
bewußt, daß sie in vier Punkten überzeugt werden
müssen: Erstens, daß die Fortsetzung der Reformen
in der GUS für die amerikanischen Interessen unabdingbar ist. Zweitens, daß der Reformprozeß trotz
Rückschlägen und Widerstand weh verbreitet, tief
verwurzelt und flexibel ist. Drittens, daß wir die richtige
Politik zur Unterstützung der Reformen verfolgen und
viertens, daß wir die Mittel und Entschlossenheit zur
wirksamen Durchsetzung dieser Politik besitzen.
Seit Anbeginn seiner Präsidentschaft hat Bill Clinton
klargestellt, daß die Unterstützung von Reformen in
der GUS die außenpolitische Priorität Nummer eins
seiner Administration ist. Er war sich bewußt, daß der
Zusammenbruch des sowjetischen Systems und des
sowjetischen Imperiums eine historische Umgestaltung unserer Welt bedeutete, die überwiegend zum
Besseren ist. Er erkannte jedoch auch, daß es in dem
neuen Zeitalter nach den Kalten Krieg zweifelsohne
neue Unsicherheiten, neue Probleme und Herausforderungen für die amerikanische Führungsrolle geben
wird. Nur mit von den Vereinigten Staaten verwalteter
internationale Hilfe könnten Rußland, die Ukraine und
die anderen ehemaligen Republiken der UdSSR den
Übergang von Totalitarismus zu Demokratie und von
einer zentralisierten Kommandowirtschaft zu freien
Märkten bewältigen.

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Anfänglich definierten viele Amerikaner das Interesse
vornehmlich an dem, was nicht geschehen soll: Wir
wollen nicht, daß die wirtschaftlichen Zwänge und die
politischen Unruhen einen Bürgerkrieg auslösen, der
über elf Zeitzonen wüten könnte. Wir wollen kein
Jugoslawien im Besitz von Atomwaffen im Herzen
Eurasiens. Wir wollen nicht das Entstehen einer
neuen Diktatur erleben, die ihre Untertanen unterdrückt, ihre Nachbarn bedroht und von den Vereinigten
Staaten und ihren Verbündeten die Rückkehr zum
Stand des Kalten Krieges erfordert.
Präsident Clinton hatte jedoch eine positivere Vision,
die unserer Politik ebenfalls zugrundeliegt: In Rußland, der Ukraine und mehreren der anderen neuen
unabhängigen Staaten hat die nationale Wiedergeburt
begonnen. Große Nationen und gute Menschen versuchen endlich, sich an der politischen und wirtschaftlichen Kultur der Industrienationen zu beteiligen.
Als im März die Anhörung für meine Bestätigung vor
diesem Ausschuß stattfand, habe ich bekräftigt, daß
es trotz der verwirrenden und manchmal beuruhigenden Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion ein
gewisses Muster gab - ein Muster, das in die richtige
Richtung deutet: Zum Entstehen einer Gemeinschaft
moderner Staaten, im Frieden mit sich selbst und
untereinander, produktiv und wohlhabend in die internationale Wirtschaft integriert, eine Quelle von Rohstoffen und Fertigwaren, ein Markt für amerikanische
Waren und Dienstleistungen sowie ein Partner der
amerikanischen Diplomatie bei der Gewährleistung
von regionalem und in der Tat globalem Frieden.
Herr Vorsitzender, die Prämisse unserer Politik lautete
also von Anfang an, daß die Reformen in der GUS ein
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�langfristiges Projekt sind, das eine langfristige Perspektive und Beständigkeit unsererseits erfordert. Ich
unterstreiche dies heute, Herr Vorsitzender, weil Rußland
und seine Nachbarländer seit meinem letzten Treffen
mit Ihnen und den meisten von Ihnen einen stürmischen Sommer durchlebt haben, der Gerede von einer
neuen Zeit der Probleme und Besorgnis ausgelöst hat,
daß die Triebkräfte der Reform lahmgelegt worden und
zum Stillstand gekommen sind, wenn nicht sogar ins
Gegenteil umgekehrt wurden.

teil, sie sollten unsere Hoffnung, unser Engagement
und unsere Unterstützung nähren.
Die russische Politik: Vor einer kritischen Phase

Um dieses eher allgemein formulierte Argument zu
begründen, Herr Vorsitzender, möchte ich mich einen
Moment lang auf Rußland konzentrieren, die größte
und mächtigste Nation der neuen unabhängigen Staaten. Die dortigen Ereignisse werden tiefgreifende,
möglicherweise entscheidende Auswirkungen auf die
Zukunft
der Reformen in den anderen Republiken
Diese Ansicht teilen wir nicht. Wir können alle die
haben.
Schwierigkeiten ausmachen, die Rußland, die Ukraine
und die anderen neuen unabhängigen Staaten heimIn den vergangenen vier Monaten konnte Präsident
suchen. Wir wissen, daß in diesen Ländern und unter
Jelzin seinen überraschenden Sieg beim Referendum
ihnen Spannungen aufgetreten sind. Wir befassen
vom 25. April in einen Prozeß umwandeln, der Rußuns mit Belastungen und Meinungsverschiedenheiland sowohl seine erste Verfassung als auch sein
ten, die zwischen ihnen und uns aufgetreten sind.
erstes Parlament nach dem Kommunismus geben
Dennoch, Herr Vorsitzender, ist es die grundlegende
soll. Dieser Prozeß war kontrovers und spannend.
Überzeugung der Clinton-Administration, daß der
Der Oberste Sowjet hat Präsident Jelzin im Parlament
generelle Trend in diesem riesigen Teil der Erde weian breiter Front widerstanden, von der Haushaltspoliterhin günstig und das Fundament unserer Politik
tik bis zu religiöser Freiheit. Die politische Atmosphäre
daher nach wie vor solide ist.
wurde durch persönliche politische, von KorruptionsViele der erschreckenden und ominösen Schlagzeilen beschuldigungen und Rechtfertigungen genährte
von heute propagieren, was man als die Kehrseite Fehden getrübt. Rußlands zunehmend selbstbewußeines Höhepunktes der Geschichte bezeichnen könn- te Regionen fordern als Preis für ihre Unterstützung
te. Jahrhundertealte nationale und ethnische Span- der Verfassungsänderung entschieden mehr Autononungen und Konflikte sind aus eben dem Grund aufge- mie von Moskau.
flammt, weil das sowjetische Gefängnis zusammenPräsident Jelzin sieht sich jetzt mit der beängstigenden
gebrochen ist. Es gibt lautstarken Zank zwischen
Aufgabe konfrontiert, Verfassungsreformen gegen die
Präsidenten und Parlamenten eben weil echte Politik
hartnäckige Opposition des Obersten Sowjet durchzumit freien Wahlen und geheimer Stimmabgabe Autosetzen. Dieses Drama benötigt Zeit, um sich abzukratie und Terror abgelöst haben. Sehnt sich wirklich
spielen. Das ist kaum überraschend. Unsere Grünirgend jemand zu den Tagen der perfekten Harmonie derväter benötigten ein Jahrzehnt, um ihre Vision einer
zwischen dem Kreml und dem Obersten Sowjet zu- perfekteren Union herauszuarbeiten.
rück, als der Kreml der Sitz absoluter Macht und der
Oberste Sowjet ein bloßes Werkzeug war?
Während sich die russische Politik weiterentwickelt,
müssen wir auf allen Ebenen des politischen SpekKomplizierte Wirtschaftsprobleme wie etwa die Kon- trums offene Kommunikationswege haben. Botschaftrolle von Inflation und Haushaltsdefiziten konfrontie- ter Pickering und unsere Botschaft in Moskau unterren Regierungen, eben weil sie die Zwangsjacke der halten häufige Kontakte zu den Schlüsselfiguren auf
Kommandowirtschaft abgelegt haben. Obwohl die beiden Seiten der Kluft zwischen Exekutive und LegisBürger der ehemaligen Sowjetunion bei ihrem Experi- lative in Moskau, ebenso wie die Kongreßabgeordnement mit Marktwirtschaften einen langen Weg zurück- ten bei ihren Besuchen Rußlands. Unsere besondelegen müssen, haben sie bereits eine große Entfer- ren Bemühungen zur Erweiterung und Vertiefung von
nung bewältigt, indem sie mit dem alten System gebro- Kontakten zu den russischen Regionen werden durch
chen haben, das die Verarmung von Nationen zur die ausgezeichnete Arbeit verkörpert, die unsere
Folge hatte, die Umwelt verschmutzte und unbegrenz- Konsulate in St. Petersburg und Wladiwostok leisten
te Aufrüstung schürte. Der Rubel ist noch weit von sowie durch unsere Initiative zur Eröffnung eines neuen
einer stabilen konvertierbaren Währung entfernt, aber Konsulats in Jekaterinburg. Wir sind zur Aufrechterauch er hat einen weiten Weg von dem Spielgeld der haltung von Kommunikationsverbindungen zu allen
sowjetischen Ära mit einem vom Staat festgesetzten rechtmäßigen und verantwortungsvollen Gruppen und
absolut künstlichen Wert und von geringem Nutzen in Fraktionen entschlossen.
den leeren Läden zurückgelegt.
Diese Aktivitäten beschneiden unsere uneingeschränkMein Argument lautet, Herr Vorsitzender, daß die te Unterstützung für Präsident Jelzin in keiner Weise.
Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion in die rich- Diese Unterstützung ist aus vier Gründen angemestige Perspektive gerückt uns nicht entmutigen und sen: Er ist der einzige Präsident Rußlands. Er ist der
sicherlich nicht in Versuchung führen sollten, uns erste gewählte Vertreter Rußlands seit tausend Jahzurückzuziehen oder langsamer zu treten. Im GegenSeite2

AMERIKA DIENST 37

�ren. Das russische Volk hat sein Vertrauen in ihn bei
den Wahlen im April bekräftigt. Und er bringt Maßnahmen voran, die, wenn sie Fuß fassen, die Umgestaltung Rußlands in ein starkes, demokratisches, wohlhabendes Land gewährleisten, mit einer Regierung,
die die Größe des russischen Volkes widerspiegelt.
Die russische Wirtschaft: Gute und schlechte
Nachrichten
Das wirtschaftliche Bild Ru ßlands war insbesondere in
den vergangenen Monaten weder klar noch schön.
Dies ist zum Teil auf die Patt-Situation zwischen
Regierung und Parlament zurückzuführen. Präsident
Jelzin wird sein gesamtes Wirtschaftsreformprogramm
nicht durchführen können, bis er eine Legislative hat,
mit der er arbeiten kann, und das wird ziemlich sicher
warten müssen, bis eine neue Verfassung in Kraft ist
und neue Wahlen abgehalten worden sind. In der
Zwischenzeit leidet die russische Wirtschaft unter der
zwangsläufig zunehmenden Bürde, die mit dem Übergang von einer Kommando- zu einer Marktwirtschaft
einhergeht.
Dennoch gab es im Frühjahr und Frühsommer eine
gute Periode, als die Regierung Rußland vor der
drohenden Hyperinflation bewahren und dem Haushalt sowie der Vergabe von Krediten an ineffiziente
Staatsbetriebe eine gewisse grundlegende Disziplin
auferlegen konnte. Als Reaktion darauf konnte der
Internationale Währungsfonds die erste Hälfte einer
Fazilität in Höhe von 3 Milliarden Dollar freigeben, die
Rußland bei der Erlangung makroökonomischer Stabilisierung behilflich sein soll.

sten Ziele unserer eigenen Hilfsprogramme. Inder Tat
sind wir der Überzeugung, daß Privatisierung und
Demokratisierung sich gegenseitig verstärken. Esgibt
eine Synergie zwischen den beiden: Je mehr Menschen in Privatunternehmen tätig sind, desto eher
werden sie sich am demokratischen Prozeß beteiligen
- und für Kandidaten stimmen, die wirtschaftliche ebenso
wie politische Freiheit unterstützen.
Obwohl der Rubel wild fluktuiert und in tiefste Tiefen
gefallen ist, wurde die Privatisierung kontinuierlich
fortgesetzt. Bis zum Ende dieses Jahres werden in
Rußland zwischen 16.000 und 20.000 private Einzelhandelsgeschäfte gegründet. Seit Dezember wurden
über 2.300 mittelständische Unternehmen durch Versteigerungen privatisiert. Mehr als 4 Millionen Arbeitnehmer sind jetzt in Rußland in Privatunternehmen
beschäftigt. Das ist 1 Prozent. Die Übergabe von
staatlich kontrolliertem Eigentum an einzelne Aktionäre ist also eindeutig auf dem Vormarsch und wird zu
einem Lebensstil.
Es gibt noch andere gute Nachrichten. Die Abnahme
der Industrieproduktivität hat sich in den vergangenen
12 Monaten beträchtlicht verlangsamt. Die Subventionen für Grundnahrungsmittel und andere Agrarprodukte wurden weiter abgebaut, und es gibt Anzeichen
einer Verbesserung des russische Lebensstandards.

Die Vereinigten Staaten können diese positiven Entwicklungen in zweifacher, sich gegenseitig beeinflussender Weise ermutigen: Erstens durch unser bilaterales Reformunterstützungsprogramm und zweitens
durch das Paket multilateraler makroökonomischer
Maßnahmen, das wir durch die Gruppe der sieben
Seitdem hat es jedoch Rückschläge bei der Steuer- führenden Industrienationen ins Leben gerufen haben.
und Geldpolitik gegeben. Ein weiterer Schlag kam mit Ein Dogma der Politik Präsident Clintons war von
der Ankündigung der Zentralbank, sie würde die vor Anfang an: Wir werden alles in unserer Macht Stehen1993 ausgegeben Rubel konfiszieren - ein Schritt, der detun, aberwirwerden es nicht alleine tun. Wir werden
das Vertrauen der russischen Verbraucher und der die Initiative ergreifen - Führungsstärke zeigen - aber
internationalen Finanzinstitutionen untergrub.
wir werden dies vornehmlich tun, um sehr viel größere
Diesen Entwicklungen-deremeuten Inflationunddem Geldsummen von den internationalen FinanzinstitutioRubeldebakel - wurde ein Großteil der Aufmerksam- nen und den anderen Industrieländern loszueisen.
keit gewidmet, was zu der Fehleinschätzung einer in In der Zwischenzeit arbeiten wir mit unseren russiAuflösung begriffenen Volkswirtschaft führte. Das ist schen Partnern an der Erweiterung des Handels- und
jedoch in keiner Weise das Gesamtbild. Aus unserer Investitionsflusses zwischen den beiden Ländern. Das
Sicht ist der bisherige Erfolg der Regierung von eben- bedeutet den Abbau von Hemmnissen auf beiden
solcher Bedeutung, den Angriffen des Parlaments auf Seiten, einschließlich der unseren: Wir müssen sehr
ihre äußerst wichtigen Privatisierungsbestrebungen viel mehr tun, um der GUS die westlichen Märkte zu
den Wind aus den Segeln zu nehmen.
öffnen. Ein Meilenstein dieser unerläßlichen BestreWir sind uns natürlich bewu ßt, daß Privatisierung allein bung war letzte Woche die äußerst erfolgreiche erste
nicht genug ist. Sie muß von den richtigen makroöko- Sitzung der amerikanisch-russischen Kommission für
nomischen Maßnahmen begleitet sein, um zu funktio- wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit
nieren. Dennoch berührt die Privatisierung den Kern unter Vorsitz von Vizepräsident Gore und Ministerpräder Entkommunisierung des alten Systems. Unseres sident Tschernomyrdin. Die russische Regierung und
Erachtens ist Privatisierung zusammen mit Demokra- wir sehen die Gore-Tschernomyrdin-Kommission als
tisierung eine der beiden wichtigsten Manifestationen Beweis unserer Entschlossenheit, dem neuen Schlagder Reformen. Daher ist sie eines der beiden wichtig- wort in den russisch-amerikanischen Beziehungen Partnerschaft - Bedeutung und Substanz zu verleihen.

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Seite 3

�Die Ukraine: Ein Freund in Not

Nichtverbreitung: Ein internationales Ziel

Ich möchte mich nun, Herr Vorsitzender, dem großen
Nachbarn Rußlands, der Ukraine, zuwenden. Auch
diesem Land messen wir Priorität bei. Die Ukraine hat
einen lebenswichtigen Beitrag zu Frieden und Wohlstand in Europa zu leisten. Sie ist ein Land, mit dem wir
uns tief verbunden fühlen und zu dem wir umfassende
und gegenseitig nützliche Beziehungen aufbauen
wollem.

Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, ist es unseres
Erachtens unerläßlich für den Weltfrieden, daß der
Zerfall der Sowjetunion nicht zu einer Zunahme von
Staaten im Besitz von Atomwaffen führt. Wir sind
überzeugt, daß die Verbreitung von Nuklearwaffen in
der ehemaligen UdSSR die Risiken und potentiellen
Kosten eines Konflikts zwischen den neuen unabhängigen Staaten vergrößern würde.

In unserem Dialog mit Kiew hoffen wir, uns auf wirtschaftliche Zusammenarbeit konzentrieren zu können, denn die ukrainische Wirtschaft befindet sich in
ernsthaften Schwierigkeiten. Parlament und Regierung sind in einer Patt-Situation bezüglich des einzuschlagenden Kurses. In Kiew scheint sich zunehmend
die Erkenntnis breit zu machen, daß die politische
Lähmung die langfristige wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Ukraine bedroht, wenn sie bei jeder Gelegenheit auf einen nationalen Konsens bei den schwierigen
Entscheidungen drängt, die zur Verwirklichung eines
sinnvollen marktwirtschaftlichen Reformplans erforderlich sind. Das Fehlen eines solchen Plans lähmt die
internationalen Finanzinstitutionen bei ihrem Wunsch,
der Ukraine zu helfen. Obwohl wir 15 Millionen Dollar
als Anschubfinanzierung eines Privatisierungsprogramms in der Ukraine zugewiesen haben, werden
unsere Bestrebungen zur Bereitstellung von mehr
technischer Hilfe durch das bisherige Versagen Kiews
vereitelt, sich Maßnahmen zu verpflichten, dank derer
Privatunternehmen florieren können.

Aus diesem Grund war es eine willkommene Entwicklung, als die Regierungen der Ukraine, von Belarus
und Kasachstan im Mai 1992 bei einem Trttren i
Lissabon die Unterzeichnung und Ratifizierung des
START-I-Vertrags und den Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag als atomwaffenfreie Staaten vereinbarten. Belarus hat als erster der drei Staaten seine
Verpflichtungen von Lissabon erfüllt. Im Juli übergab
der Vorsitzende des Obersten Sowjet, Stanislaw
Schuchkewitsch Präsident Clinton Belarus Beitrittsinstrument zum NW. Kasachstan, das START I bereits
ratifiziert hat, sichert uns seinen Beitritt zum NW in
diesem Herbst zu. Die Ukraine muß diese Schritte
noch unternehmen, obwohl die Führung ihre Verpflichtung dazu wiederholt bekräftigt hat.

Der Bestand des Nuklearwaffenarsenals außerhalb
Rußlands ist ein Teil der alten, aber unbedingt zu
erledigenden Relikte des Kalten Krieges. Im Einklang
mit dem Lissaboner Abkommen muß er beseitigt werden, bevor wir uns uneingeschränkt der neuen Aufgabe zuwenden können, umfassende und produktive BeDas Gipfeltreffen der Präsidenten Jelzin und Kraw- ziehungen zu Kasachstan und der Ukraine aufzubautschuk am vergangenen Freitag war ein Tribut an ihre en.
persönliche Staatskunst und eine vielversprechende
Entwicklung beider Länder. Die beiden Präsidenten Unsere Politik in diesem Kontext spiegelt die hohe
sind sich zweifelsohne bewußt, daß den grundlegen- Priorität wider, die die Clinton-Administration den
den Interessen Rußlands und der Ukraine durch eine weltweiten Bestrebungen zur Verhinderung der Weianhaltende Verbesserung ihrer bilateralen Beziehun- terverbreitung von Massenvernichtungswaffen und
gen gedient wäre. Erweiterte wirtschaftliche Zusam- ballistischen Raketen beimißt. In der Tat versuchen
menarbeit zwischen Rußland und der Ukraine - solan- wir, unserer globalen Nichtverbreitungspolitik neuen
ge sie auf die Einführung marktwirtschaftlicher Prinzi- Auftrieb zu verleihen, indem wir Rußland und die GUS
pien und nicht die Wiederherstellung des alten sowje- für diese Sache gewinnen wollen. In diesem Zusamtischen Systems der Tauschwirtschaft gegründet ist - menhang erweitert und untermauert das vergangene
könnte die schwierige Umgestaltung der Planwirt- Woche von Vizepräsident Gore und Ministerpräsident
Tschernomyrdin unterzeichnete amerikanisch-russischaft in beiden Ländern erleichtern.
sche Abkommen über das Verbot der Verbreitung
Wir sind besonders befriedigt, daß bei der Lösung der ballistischer Raketen das multinationale Raketentechvon den beiden Präsidenten erörterten äußerst sensi- nologie-Kontrollregime, das ebensosehr im russischen
blen Nukklearfrage anscheindend Fortschritte erzielt wie in unserem Interesse liegt.
wurden. Die Vereinigten Staaten haben sowohl mit
Moskau als auch Kiew zusammengearbeitet, um ih- Regionale Stabilität und Sicherheit
nen bei der Inangriffnahme und Bewältigung dieser
Die Monate seit unserer letzten Zusammenkunft, Herr
komplexen und sensiblen Frage behilflich zu sein.
Vorsitzender, waren eine besonders schwierige Zeit
Insbesondere unsere Ideen zur frühzeitigen Entschärfür den Kaukasus. In Georgien droht der Bürgerkrieg
fung der Nuklearwaffen in der Ukraine, die erstmals
die Anstrengungen des tapferen Volkes zur KonsoliAnfang Juni von Verteidigungsminister Aspin vermitdierung der errungenen Unabhängigkeit zu vereiteln
telt wurden, scheinen sich bei den Fortschritten in
und die Führung eines großen Staatsmannes, Eduard
dieser Frage als hilfreich erwiesen zu haben.
Schewardnadse, zu unterminieren. Sowohl Armenien

Seite 4

AMERIKA DIENST 37

�als auch Aserbaidschan zahlen einen schrecklichen
Preis für den andauernden Disput über Nagornyi Karabach, der Region Aserbaidschans, die vornehmlich
von Armeniern bewohnt ist.

unter der Ägide der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Wir hoffen, daß das
Ergebnis dieser komplexen Verhandlungen eine friedliche Lösung sein wird. Die jüngsten Offensiven der
Armenier in Nagornyi Karabach haben diese AussichAserbaidschan ist ein besonders deutliches Beispiel ten jedoch getrübt. Wir haben ein Ende dieser Aggresfür die vierfache Verbindung zwischen Demokratisie- sion gefordert. Eine Schlichtung des Disputs über
rung, Stabilität, wirtschaftlicher Entwicklung und regio- Nagornyi Karabach würde das menschliche Leid in der
nalem Frieden: Ohne den letzteren sind die anderen gesamten Region mildern und den Weg zu regionaler
drei praktisch unmöglich.
Kooperation beim Wiederaufbau der vom Krieg erIm Juni wurde der demokratisch gewählte Präsident schütterten Volkswirtschaften von Aserbaidschan und
Aserbaidschas, Abulfas Eltschibej, entmachtet, als Armenien ebnen. Parallel zu unseren diplomatischen
dem Ex-Kommandeur der aserbaidschanischen Streit- Bestrebungen arbeiten wir auf Hilfe für die Flüchtlinge
kräfte, Surat Husseinow, unterstehende Truppen gegen vor den jüngsten Kämpfen in Aserbaidschan im EinBaku marschierten. In dem durch Husseinows Rebel- klang mit den im FREEDOM Support Act verankerten
lion ausgelösten politischen Manöver gelangte der Einschränkungen hin. Wir helfen auch Armenien,
ehemalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei dessen Volkswirtschaft durch den Krieg und die WirtAserbaidschas, Gajdar Alijew, als Vorsitzender des schaftsblockade zerstört wurde, die Vorbereitungen
Obersten Sowjet zurück an die Macht. Obwohl Präsi- für einen weiteren schwierigen Winter zu treffen.
dent Eltschibej weiterhin im Lande ist und seinen Titel Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Grünbehalten hat, wurden ihm in Wirklichkeit alle Vollmach- den für ihre Beteiligung an den internationalen Bestreten entzogen. Und obwohl ein nationales Referendum bungen zur Förderung von Frieden und Stabilität in der
am 29. August ein überwältigendes Vertrauensvotum ehemaligen Sowjetunion. Unser Ziel in der gesamten
für Präsident Eltschibej hervorbrachte, fand die Wahl Gemeinschaft Unabhängiger Staaten besteht in der
unter Bedingungen statt, die dem aserbaidschani- Unterstützung von Reformen in all ihren Dimensionen,
schen Volk keine freie und faire Entscheidung gestat- und wie die Tragödie von Nagornyi Karabach demonteten.
striert, sind Reformen das erste Opfer von Konflikten.
In der Tat können die russischen Reformen leicht
Trotz dieses eindeutigen Rückschlags hoffen wir, daß durch die Konsequenzen von Problemen an der Peridie Demokratie in Aserbaidschan letztlich den Sieg pherie vereitelt werden. Die Anwesenheit gebürtiger
davontragen wird. Wir werden weiterhin Ministerprä- Russen in den Nachbarstaaten und die Wahrscheinsident Alijew und andere aserbaidschanische Politiker lichkeit, daß sie auf die eine oder andere Weise in
drängen, die Rede-und Versammlungsfreiheit wieder- Kämpfe verwickelt werden, wird das politische Denken
einzuführen, die unrechtmäßig Verhafteten freizulas- in Rußland selbst spalten und schüren - und nicht zum
sen und die Demokratie durch wirklich freie und faire Vorteil der Reformer. Wenn sie nicht kontrolliert werWahlen wiederherzustellen.
den, könnten sich die Konflikte in der Gemeinschaft
Aserbaidschan ist potentiell ein reiches Land mit ölre- Unabhängiger Staaten darüber hinaus ausweiten und
serven, die für amerikanische Firmen von großem andere Staaten jenseits der Grenzen der ehemaligen
Interesse sind. Wir möchten, daß sich unsere Unter- UdSSR einbeziehen.
nehmen an der Erschließung dieser Ressourcen zum
gegenseitigen Nutzen beider Länder beteiligen. Die Ich möchte die Prinzipien eindeutig klarstellen, von
Führung in Baku muß jedoch wissen, daß die Bezie- denen unser Ansatz gegenüber dieser Herausfordehungen zwischen unseren Ländern solange äußerst rung geleitet ist. Wir gehen von uneingeschränkter
belastet sind wie die Demokratie in Aserbaidschan und unerschütterlicher Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität aller
verweigert wird.
neuen unabhängigen Staaten aus, einschließlich der
Diesen Punkt beabsichtige ich bei einem Besuch in Russischen Föderation. Wir unterstützen weder eine
Aserbaidschan gegen Ende der Woche persönlich zu Spaltung durch bewaffneten Kampf oder das Auseinunterstreichen. Den Punkt, den ich hier jedoch hervor- anderbrechen eines dieser Staaten noch wollen wir
heben möchte, Herr Vorsitzender, ist, daß der Demo- einen Staat in der Region gegen einen anderen auskratisierungsprozeß in der ehemaligen Sowjetunion spielen. Im Einklang mit der Charta der Vereinten
ernsthaft behindert wird, wo immer Frieden verweigert Nationen und der Schlußakte von Helsinki können die
wird. Präsident Eltschibejs Regierung hat das Vertrau- Vereinigten Staaten Grenzveränderungen nur akzepen des aserbaidschanischen Volkes vor allem verlo- tieren, wenn sie durch friedliche Mittel und in gegenseiren, weil die Armenier aus Nagornyi Karabach auf dem tigem Einvernehmen erzielt werden.
Schlachtfeld die Oberhand gewannen.
In jüngster Zeit wurde unsere Sicht der Rolle Rußlands
Die Vereinigten Staaten standen stets an vorderster bei Konflikten in der ehemaligen Sowjetunion häufig in
Front der Bestrebungen zur Lösung dieses Konflikts den Medien veröffentlicht. Ich möchte präzise auf

AMERIKA DIENST 37

Seite 5

�diesen Punkt eingehen. Wir möchten ein demokratisches Rußland, das eine Großmacht und ein Partner
der Vereinigten Staaten ist. Wir verstehen Rußlands
Sorge um die Stabilität seiner Grenzen und das
Wohlergehen von Millionen gebürtiger Russen in den
Nachbarstaaten. Es ist jedoch von entscheidender
Bedeutung, daß Rußland weder eine Sonderrolle noch
Vorrechte beansprucht oder ausübt, die nicht im Einklang mit der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität eines anderen Staates stehen. Wir
haben unsere Position zu dieser Frage in Dialogen auf
allen Ebenen mit Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten verdeutlicht.

den zu den KSZE-Friedensmissionen nach Georgien,
Moldawien, Armenien und Aserbaidschan entsandt.
Ein Expertenteam des State Department hat vor kurzem Rußland und Tadschikistan besucht, um mit den
Regierungen dieser Staaten über Wege zur Lösung
des Konflikts in diesem Land zu beraten. Collins
Ernennung wird es uns gestatten, dieser lebenswichtigen Aufgabe größeres Augenmerk zu widmen und
sie effektiver anzugehen.
Abschließend, Herr Vorsitzender, möchte ich die Logik
und Strategie unserer Politik zusammenfassen - und
erläutern, warum das Programm, um dessen Finanzierung wir Sie ersuchen, dieser Strategie dienlich st.

Die Vereinigten Staaten maßen sich nicht an, detaillierte Patentrezepte für die Beilegung von Konflikten in Unsere Politik gründet sich auf vier Prinzipien:
der ehemaligen Sowjetunion vorzuschreiben, die häufig
Uneingeschränkte Unterstützung für politische
durch alten ethnische Haß geschürt werden. Wir 1.
Reformen und den Aufbau dauerhafter Institustreben auch keine offizielle Rolle als Vermittler zwitionen zur Förderung von Demokratie, Rechtsschen den unabhängigen und souveränen Staaten der
staatlichkeit und dem Schutz der MenschenRegion an.
rechte.
Gleichzeitig werden die Vereinigten Staaten weiterhin
2.
Die Bereischaft zur Zusammenarbeit mit allen
internationale Hilfsbestrebungen für die KonfliktparteiLändern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaen bei der Suche nach friedlichen Lösungen unterstütten beim Aufbau von Marktwirtschaften und der
zen - wenn sie unsere Hilfe wünschen und bereit sind,
Förderung von Privatunternehmen, Handel und
auf den Frieden hinzuarbeiten. Die Rolle der VereinigInvestitionen.
ten Staaten besteht häufig in der aktiven Teilnahme an
den multilateralen Bestrebungen durch internationale 3.
Die Verpflichtung zur uneingeschränkten DurchGremien, in denen alle neuen unabhängigen Staaten
setzung des Lissaboner Protokolls (RatifizieMitglieder sind - wie etwa die UNO, KSZE oder der
rung von START I und Beitritt zum NW) als
Nordatlantische Kooperationsrat. Die Vereinigten
einzig akzeptablem Ansatz zur Lösung der durch
Staaten werden außerdem weiterhin bilaterlae Konden Zusammenbruch der UdSSR geschaffenen
takte zu allen neuen unabhängigen Staaten nutzen,
Kernwaffenprobleme.
wenn unsere Diplomatie zur Lösung oder Verhinderung von Konflikten beitragen kann. Wir werden weder 4.
Die Bereitschaft zur Beteiligung an internationaim Alleingang handeln, noch werden wir Partei ergreilen Bestrebungen zur Konfliktlösung und zum
fen. Unsere Bestrebungen werden offen und in enger
Aufbau regionaler Sicherheit auf der Grundlage
Konsultation mit allen Staaten der Region erfolgen.
der Charta der Vereinten Nationen und der
Schlußakte von Helsinki.
Um uns bei dieser Priorität unserer Politik behilflich zu
sein, hat Au ßenminister Christopher James Collin, zur Demokratie, der Markt, Nichtverbreitung und ethniZeit unser Gesandter an der Moskauer Botschaft, zum scher Frieden: Dies sind globale Ziele, Herr VorsitzenLeiter eines neu geschaffenen Büros im Außenmini- der. Wenn wir sie von Vilnius bis Wladiwostok voransterium als Koordinator regionaler Angelegenheiten in bringen können, werden wir die Chancen beträchtlich
der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ernannt. In verbessert haben, daß sie auf der ganzen Welt vorenger Zusammenarbeit mit mir besteht Collins Aufga- herrschen.
be in der Beratung von Außenminister Christopher
über den bestmöglichen Einsatz unserer diplomati- Zu Beginn meiner Ausführungen habe ich das Arguschen Ressourcen und guten Dienste. Darüber hinaus ment vorgebracht, daß es ein Muster und eine Richwird er die Bestrebungen anderer Büros, Behörden tung der Ereignisse in der ehemaligen Sowjetunion
und Abteilungen der Exekutive in diesem Sinne koor- gibt, die uns Hoffnung machen und unser Engagement
bestärken sollten. In diesem Glauben hat Präsident
dinieren.
Clinton am 1. April das Ziel verkündet, mit der Zeit ein
Collins Büro ist neu, nicht jedoch seine Aufgabe. Wir "strategisches Bündnis mit den postkommunistischen
waren die ganze Zeit in vielfältigerweise und vielerorts Reformen" zu erarbeiten. Strategische Bündnisse
aktiv an dieser Arbeit beteiligt. Seit über einem Jahr ist sind per definitionem auf Dauer angelegt. Sie sollen
Botschafter Jack Maresca unermüdlich und äußerst den negativen Auswirkungen gegenläufiger und gegeschickt als unser Sondergesandter beim KSZE- gensätzlicher Entwicklungen standhalten und sie erFriedensprozeß für Nagornyi Karabach tätig. Angehö- fordern die Investition nationaler Ressourcen.
rige des amerikanischen Auswärtigen Dienstes wurSeite 6

AMERIKA DIENST 37

�Darüber hinaus sind die von uns vorgeschlagenen
Programme darauf ausgerichtet, sich gegenseitig zu
verstärken und eine kumulative Wirkung zu entfalten.
Beispielsweise hängt die Entwicklung des Privatsektors wesentlich von der Entwicklung von Handel und
Investitionen ab, so daß privatisierte Firmen Märkte für
ihre Produkte und Dienstleistungen haben. Erweiterte
Austauschprogramme, humanitäre Hilfe und die Rückführung der Offiziere sind Investitionen in Humankapital, die das Wachstum des Privatsektors sowie die
Zunahme von Handel und Investitionen ankurbeln
werden. Der Sonderfonds in Höhe von 300 Millionen
Dollar für die anderen Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten wird es uns zusammen mit den im
Meine Kollegen und ich bitten heute um Ihre Unterstüt- Rahmen des FREEDOM Support Act für die anderen
zung für die Finanzierung des zweiten Teils von Präsi- nichtrussischen ehemaligen Republiken zur Verfüdent Clintons Plan zur Förderung von Reformen in der gung gestellten Mitteln gestatten, Demokratie und
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Märkte in den Nachbarstaaten Rußlands zu fördern
und es weniger wahrscheinlich machen, daß InstabiliNach Vancouver beschloß der Präsident, daß mehr tät in diesen Ländern die Reformen in Rußland selbst
getan werden muß. Aus diesem Grund bitten wir den vereiteln.
Kongreß um insgesamt 2,5 Milliarden Dollar für dieses
und das nächste Haushaltsjahr zur Unterstützung der Unser Programm ist also synergetisch: Die einzelnen
Reformen in Rußland und der Gemeinschaft Unab- Komponenten arbeiten zusammen und jede verstärkt
hängiger Staaten. Die in diesem Paket enthaltenen die Wirksamkeit der anderen. Das Ganze ist mehr als
Programme bauen auf das in Vancouver gelegte die Summe der Einzelteile.
Fundament auf und spiegeln die Betonung auf unverzügliche Förderung von Entwicklung des Privatsek- Herr Vorsitzender, es war für den Präsidenten und
tors, Handel und Investitionen, Aufbau der Demokra- seine Administration nicht leicht, dieses Paket in einer
tie, humanitärer Hilfe sowie Energie und Umwelt wider. Zeit ernsthafter Haushaltsengpässe vorzulegen. Wir
sind uns bewußt, daß es für Sie und Ihre Kollegen
Dieses Programm wurde sorgfältig erarbeitet um si- ebenso schwer ist, dafür zu stimmen. Der Präsident
cherzustellen, daß unsere Unterstützung der Refor- hat die gesamte Administration mit seiner persönlimen an breiter Front erfolgt und nicht übermäßig vom chen Entschlossenheit angesteckt sicherzustellen, daß
Erfolg oder Scheitern einer bestimmten Maßnahme jeder Dollar, den wir für die Unterstützung der Reforseitens der russischen Regierung oder einer Regie- men ausgeben, deutliche und positive Auswirkungen
rung der GUS abhängt. Angesichts der Unberechen- für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hat. Das
barkeiten des Reformprozesses ist dieser flexible, ist das Versprechen, das wir Ihnen heute geben.
breitgefächerte, basisorientierte Ansatz unerläßlich.

Dies war der Grund für Präsident Clintons Entscheidung, bei seinem ersten Treffen mit Präsident Jelzin
am 3. und 4. April in Vancouver 1,6 Milliarden Dollar zur
Unterstützung der Reformen bereitzustellen. Zur Initiative von Vancouver zählten Pionierkonzepte wie der
russisch-amerikanische Unternehmensfonds, Unterstützung der Privatisierungsbestrebungen in Rußland
und ein Programm für die Rückführung russischer
Offiziere von Posten im Ausland. In Anbetracht von
Präsident Clintons fester Entschlossenheit zur raschen und effektivem Durchführung wurden 66 Prozent der M ittel des Vancouver-Pakets bereits zugewiesen.

* *

AMERIKA DIENST 37

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Seite 7

�KONGRESS
15. September 1993

STÄRKERER EINFLUSS DER FRAUEN IM KONGRESS
Spürbare Auswirkungen

WASHINGTON - (AD) - Weibliche Kongreßabgeordnete in den Vereinigten Staaten haben größeren Einfluß als je zuvor auf das Funktionieren der 204 Jahre
alten Institution und den Inhalt der verabschiedeten
Gesetze, so Kongreßmitglieder und Akademiker, die
kürzlich an einem Treffen der amerikanischen Vereinigung für politische Wissenschaften (American Political
Science Association - APSA) teilnahmen.
Die weiblichen Kongreßabgeordneten schärfen das
Bewußtsein ihrer männlichen Kollegen für die Bedeutung der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie
ihrer wirtschaftlichen Gleichstellung, so Professor Joan
Thompson, eine der Vorsitzenden der Abteilung für
politische Wissenschaften am Beaver College in
Pennsylvania.

len fünf weitere Senatorinnen gibt. Zwei Senatorinnen
sitzen jetzt im Rechtsausschuß des Senats - einer
ehemals ausschließlich männlichen Domäne.
Barbara Burrell, Analytikerin an der University of Wisconsin, zufolge belegen ihre Untersuchungen, daß
Frauen im Kongreß einen liberalen Einfluß haben und
"darauf einwirken, welche Fragen auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werden".
Sie weist darauf hin, daß "die Frauen in der Republikanischen Partei viel weniger konservativ sind als ihre
männlichen Kollegen", während weibliche und männliche Mitglieder der Demokratischen Partei sich in
ideologischer Hinsicht nur geringfügig unterscheiden.

Frauen im Kongreß, stellt Barbara Burrell fest, "fühlen
Die Präsenz der Frauen übersteigt Professor Thomp- sich über ihren Wahlkreis hinaus verantwortlich für die
son zufolge bei weitem die 11 Prozent, die ihr Anteil an Frauen in ganz Amerika, und sie setzen die Vision der
Suffragetten von einem weiblichen Block in der Politik
allen Kongreßmitgliedern ausmacht.
in die Tat um".
Als Ergebnis der Wahlen von 1992 sind 55 der 535
Kongreßmitglieder Frauen - verglichen mit 33 Frauen Dadurch, daß sie sich bei wichtigen Fragen einigen,
im letzten Kongreß. Im 435 Mitglieder zählenden bekommen Frauen Macht und zunehmende Präsenz,
Repräsentantenhaus sind 48 Frauen - 36 Demokratin- so Lynnette Moten, Pressereferentin der neugewählnen und 12 Republikanerinnen - und im 100köpfigen ten demokratischen Senatorin Carol Moseley-Braun
Senat sitzen sieben Senatorinnen - zwei Republikane- aus Illinois, der ersten Afroamerikanerin im Senat.
Moseley-Braun war auf dem Kongreß der APSA die
rinnen und fünf Demokratinnen.
Hauptrednerin.
Im mächtigen Bewilligungsunterausschuß des Repräsentantenhauses für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Sie war im Juli dieses Jahres in die Schlagzeilen
Bildung sitzen zur Zeit vier Frauen. Dieser Ausschuß geraten, nachdem sie im Senat erklärt hatte, sie werde
kontrolliert die gesamten Ausgabenprogramme im reden, "bis Ihnen die Ohren abfallen", wenn der Senat
Gesundheits- und Bildungswesen. Einem Ausschuß- nicht einen Zusatzartikel zur Verfassung zurückziehen
mitglied zufolge waren seit 1974 keine Frauen in würde, der sein Ehrenpatent auf die Konföderiertenflagge als Insignien der United Daughters of the Condiesem Unterausschuß vertreten.
federacy, einer Hilfsorganisation für Frauen aus den
Zum ersten Mal gehört eine Frau der Führungsriege Südstaaten, um vierzehn weitere Jahre verlängern
des Repräsentantenhauses an - die Demokratin Bar- würde.
bara Kennedy aus Connecticut, die stellvertretende
parlamentarische Geschäftsführerin ist. In den füh- "Bei dieser Abstimmung geht es um Rasse. Es geht
renden Positionen im Senat sind immer noch keine um ein Symbol der Rassentrennung, die VergangenFrauen vertreten, obwohl es nach den jüngsten Wah- heit der Rassentrennung und die traurigste Episode in

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Seite 1

�der amerikanischen Geschichte'' - den Bürgerkrieg
und die Sklaverei, so Frau Moseley-Braun.
"Ich möchte meine Kollegen aus beiden Parteien Republikaner und Demokraten - die gedacht haben:
'Nun, wir werden das machen, weil es keine große
Sache ist' darauf hinweisen, daß es hier um eine sehr
große Sache geht und sie das verstehen sollten",
erklärte sie.
Nach vierstündiger Debatte entschied sich der Senat
mit 75 zu 25 Stimmen gegen den Zusatzartikel.
Weibliche Kongreßabgeordnete "wurden hierhin geschickt, weil die Menschen Veränderung und Taten
sehen wollten", so Moten, ein altgedientes Kongreßmitglied. Frauen konzentrieren sich ihr zufolge eher
als Männer auf Gesundheits-, Bildungs- und Familienfragen sowie die Gleichberechtigung der Rassen und
Geschlechter.

Die neugewählte kalifornische Senatorin Barbara Boxer
räumt ein, daß die Abstimmung nur ein "momentaner
Sieg" war, und verweist auf die bevorstehende umfangreiche Arbeit: "Es ist immer nur ein Schritt nach
dem anderen."
Die Parlamentarierinnen vertreten unterschiedliche
Positonen zum Schwangerschaftsabbruch. Mehrere
republikanische weibliche Kongreßabgeordnete weigerten sich, am Landeskonvent zu Frauenfragen teilzunehmen, weil hier im Januar 1993 zum ersten Mal in
der Geschichte die Entscheidungsfreiheit zum Schwangerschaftsabbruch unterstützt wurde.
Der 1977 gegründete Landeskonvent oder Caucus ist
eine überparteiliche Organisation, die sich der Förderung der Rechte von Frauen verschrieben hat.

Heute umfaßt der Landeskonvent 42 der 48 weiblichen
Mitglieder des Repräsentantenhauses und über 100
männliche Parlamentarier. "Es ist nicht mehr nur eine
"Im Kongreß übernehmen die Frauen die Führungsrol- politische Verpflichtung für Männer, sich mit Frauenle, um feministische Gesetze durch den Gesetzge- fragen zu befassen", erklärt Thompson. Der Landesbungsprozeß zu bringen", erklärt Karen Tamerius, konvent wird von der Demokratin Pat Schroeder aus
eine graduierte Politologin an der University of Michi- Colorado und der Republikanerin Olympia Snowe aus
gan, die an feministischen Studien arbeitet.
Maine angeführt, die sich Thompson zufolge beide
dafür engagieren, der Arbeit des Caucus Bedeutung
"Sie sind in feministischen Organisationen tätig, erarzu verleihen.
beiten Gesetze, legen sie dem Kongreß vor u nd leisten
Überzeugungsarbeit zur Koalitionsbildung, damit dieIn dem neuen Kongreß hat der Landeskonvent sein
se Interessen als Gesetz verabschiedet werden", erGesetz zur wirtschaftlichen Gleichstellung wiedereinläutert sie.
geführt, das einen familienfreundlichen Arbeitsplatz
"Betrachtet man sich die namentlichen Abstimmungen, gibt es keinen großen Unterschied zwischen
Männern und Frauen", so Tamerius. Wenn man sich
jedoch nur darauf konzentriert, "entgeht einem alles,
was bevor ein Gesetzentwurf dem Kongreß vorgelegt
wird, geschieht".
Parlamentarierinnen "stellen sicher, daß die Stimmen
der Frauen in allen Bereichen des Gesetzgebungsverfahrens gehört werden", äußert Tamerius. "Sie sehen
eine ihrer Hauptaufgaben in der Schärfe des Bewußtseins der männlichen Kollegen" im Hinblick auf die
Auswirkungen der Gesetze auf Frauen und Kinder.
Sie verweist auf die Abstimmung zum Schwangerschaftsabbruch im Senat vom 3. August.
Fünf demokratische Senatorinnen wandten, angeführt
von der seit Jahren im Kongreß tätigen Barbara Mikulski aus Maryland, zusammen mit vier neugewählten Frauen eine parlamentarische Taktik an, um ein
Abstimmungsergebnis von 51 zu 48 im Senat herbeizuführen, mit dem ein Zusatzartikel abgelehnt wurde,
der die Einbeziehung des Schwangerschaftsabbruchs
in die Krankenversicherung von Bundesbediensteten
verbot. Abtreibungsgegnem ist es gelungen, seit 1984
das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs in mehreren Gesetzen zu verankern.

Seite» 2

und bessere Sozialleistungen für Unternehmerinnen
anstrebt. Ferner wurden das Gesetz zur Gleichstellung von Frauen im Gesundheitswesen und das
Gesetz über Gewalt gegen Frauen sowie in jüngster
Zeit das Gesetz über Gleichberechtigung im Bildungswesen eingeführt, das sich vornehmlich auf den Lehrplan der Grund- und weiterführenden Schulen konzentriert.
Die erste Gesetzesvorlage des Kongresses, die von
Präsident Clinton verabschiedet wurde, ist das Gesetz
über Mutterschafts- und Krankenurlaub, eine Maßnahme, die 1985 erstmals vom Landeskonvent eingeführt wurde.
Dem Gesetz zufolge müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zu 12 Wochen unbezahlten Urlaub bei
Garantie des Arbeitsplatzes pro Jahr zubilligen, damit
sie sich um ein neugeborenes oder vor kurzem adoptiertes Kind, ein ernsthaft erkranktes Familienmitglied
kümmern oder eine ernsthafte Erkrankung auskurieren können.
Der Amtsantritt der Clinton-Administration hat einen
großen Unterschied bewirkt, indem für den Caucus
wichtigen Gesetzen die Türen geöffnet wurden, führt
Tamerius aus.
Präsident Clinton ist mehrere Male mit dem Landeskonvent zusammengekommen, um Anregungen zu

AMERIKA DIENST 37

�erhalten, wie die Situation der Familien in den Vereinig- ebenfalls mit dem Landeskonvent getroffen, um dosten Staaten verbessert werden kann - ein zentrales sen Meinung zu dem von ihr erarbeiteten Plan zur
Anliegen der innenpolitischen Tagesordnung seiner Gesundheitsreform des Landes einzuholen.
Administration. First Lady Hillary Clinton hat sich

* * * *

AMERIKA DIENST 37

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Seite 3

�BILDUNG
15. September 1993

DIE ÜBERQUERUNG DES ANACOSTIA
von William H. Woodwell Jr.
In dem folgenden Artikel erläutert der Verfasser einige von der George Washington University in Washington
veranstaltete Programme, die den Studenten im Stadtviertel Anacostia helfen sollen, Selbstachtung und
Gemeinsinn zu entwickeln.
Der Autor schreibt regelmäßig Beiträge für Publikationen der George Washington University. Veröffentlichung
und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The George Washington University Magazine.
Copyright (c) 1992 The George Washington University.

Der Professor stand an seinem Bürofenster. Er erinnert sich an den Rauch und das Tränengas, das von
den Straßen der Stadt heraufstieg. Er erinnert sich an
die Plünderer und Vandalen, die Schaufensterscheiben einschlugen. Und er erinnert sich an die fliehenden Menschen, die Stoßstange an Stoßstange gereihten Autos, die das Chaos in ihrem Rückspiegel hinter
sich lassen.
Es war der 4. April 1968 - der Tag, an dem Martin
Luther King, Jr. ermordet wurde, der Tag, an dem
Washington von Unruhen erschüttert wurde. Der
Professor hatte einen Termin mit dem Dekan, um die
Veranstaltung eines Programms für Graduierte über
Probleme in amerikanischen Städten zu erörtern. In
Anbetracht der Szenerie in den Straßen entschied er
sich, das Gespräch zu vertagen, da der Dekan wahrscheinlich lieber nach Hause zu seiner Familie gehen
würde.
Der Professor war Dom McGrath, Direktor des Instituts für Stadtplanung und -entwicklung (Institute for
Urban Development Research - IUDR) der George
Washington University (GW). "Es war eigentlich ein
Zufair, erklärt er heute. "Gerade als wir Wege sondierten, wie die Universität praktischer auf die Bedürfnisse
der Stadt reagieren kann, wurden wir mit diesem
Ereignis konfrontiert."

Politikern von Anacostia und seinen Schulen wird die
GW als wichtiger Partner angesehen, der dieser
Gemeinde aus jahrzehntelanger Isolation und Vergessenheit herausgeholfen hat. "Ohne all die guten Taten
der Universität wäre es uns nicht gelungen", erklärt die
Leiterin der weiterführenden Anacostia High School,
Zavolia D. Willis.
Willis hatte 1988 erste direkte Kontakte mit der GW, als
sie Leiterin der Kramer Junior High School, der Mittelschule von Anacostia, war. Im Rahmen ihre Arbeit mit
Gemeindevertretern über Stadtplanungsfragen hatten
McGrath und seine Mitarbeiter zwei Videobänder mit
dem Titel produziert: "Das alte Anacostia: Ansichten
und Visionen einer städtischen Gemeinde". Die Bänder, das eine eine 30minütige Dokumentation und das
andere eine 10 Minuten lange Version, geben eine
attraktive Übersicht über die reiche Geschichte Anacostias.
"Diese Bänder boten aufregende neue Aspekte dieser
Gemeinde und dessen, was sie sein kann", so Willis.

Willis war so beeindruckt, daß sie sich sofort mit der
GW in Verbindung setzte, um einen Kurs über Gemeindeplanung für Kramer-Schüler zu veranstalten.
Die Idee für diesen Kurs fiel auf fruchtbaren Boden und
wurde zum Kramer-Anacostia-Planungsproject (Kramer Anacostia Planning Project - KAPP) unter Leitung
McGrath und der damalige Dekan, der inzwischen der Stellvertretenden Direktorin des IUDR, Margaret
verstorbene James Dockeray, kamen schließlich doch O'Bryon. Durch eine Stiftung und Aktienkapital finanzusammen. Die Früchte ihres Gesprächs - und die ziert, können bis zu 50 13-und 14-jährige Schüler der
Berücksichtigung der Bedürfnisse ihrer Heimatstadt Kramer-Mittelschule ein Jahr lang am KAPP teilnehdurch die GW - sind nirgends so offenkundig wie in men, um ihre historische Gemeinde kennenzulernen.
Anacostia, einem Washingtoner Stadtviertel, das hart
von den Unruhen von 1968 betroffen war. Unter den Zusätzlich zu den regulären Kursen und Unterrichtsstunden spielen KAPP-Schüler eine aktive Rolle bei
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�der Erstellung einer umfassenden Bestandsaufnahme
der historischen Gebäude von Anacostia und der
Erarbeitung von Plänen zur Erweiterung des Freizeitangebots der Gemeinde. Im Schuljahr 1990-91 schlössen KAPP-Schüler beispielsweise die Pläne für die
Neuerschließung eines kleinen Parks in Anacostia ab,
mit dem sich das Projekt seit drei Jahren befaßt hatte.
Nach Überprüfung früherer Studien und weiterer Forschungen unterbreiteten die Schüler endgültige Empfehlungen für die Erschließung des Parksund machten
der Gemeinde Anregungen für die Verwirklichung ihrer
Vorschläge. Die Schüler schlugen sogar einen neuen
Namen für den Park vor - Uniontown Plaza - und
regten die Errichtung einer Statue zu Ehren des verstorbenen Gründers des Anacostia Neighborhood Museums John Kinard an.
"Es war super", erklärt O'Bryon. "Die Kinder stellen
nicht nur wieder Verbindungen zu ihrer Nachbarschaft
her, sondern lernen auch Führungsrollen und wie man
ihre Gemeinde zu einem besseren Ort machen kann."

der Akademie auf drei Klassen sollte im Schuljahr
1992-93 die Zahl der Eingeschriebenen beträchtlich
erhöhen.
Laut Kathryn Newcomer, der Leiterin der Abteilung für
öffentliche Verwaltung wurde die Idee für die Akademie für den öffentlichen Dienst vom Büro des Schulinspektors in Washington unterbreitet. "Die Idee war,
ausgewählte Klassen innerhalb einer Schule, in jeder
High School des Bezirks zu gründen", erinnert sie sich.
Das Programm wurde von auf öffentlichen und privaten Trägern finanziert, zu denen eine Bundesbehörde,
ein College oder eine Universität sowie ein Unternehmen oder Verband gehörten. Zusätzlich zur GW
zählen zu den Partnern der Akademie für den öffentlichen Dienst das U.S. Office of Personnel Management, die National Academy Foundation und die
American Society of Public Administrators (ASPA),
eine Organisation, in der Newcomer aktiv ist.
Die tägliche Verwaltung des Projektes obliegt dem an
der GW graduierten Bill Maurer, der Vizepräsident des
Verbandes der Lehramtsstudenten der Abteilung für
öffentliche Verwaltung ist. In der Absicht, mit den
Jugendlichen der Innenstädte zusammenzuarbeiten,
gab Maurereine erfolgreiche Karriere als Krankenversicherungsvertreter auf, um sich 1990 für den Magisterkurs in öffentlicher Verwaltung (Master of Public
Administration - MPA) der GW einzuschreiben. "Ich
hatte das Bedürfnis, anderen zu helfen und dachte, der
beste Weg dazu sei, den Menschen durch Bildung
Macht zu verleihen."

KAPP ist so organisiert, daß die Schüler sich zunächst
auf ihre unmittelbare Umgebung konzentrieren - ihren
Wohnblock und die Nachbarschaft. Im Zuge der
Erweiterung ihrer Perspektiven und Qualifikationen ist
KAPP ihnen bei der Erforschung der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft des gesamten Gebietes von
Anacostia behilflich. Am Ende jedes Jahres legen die
Schüler ihre Forschungsarbeiten und Erkenntnisse
der Gemeinde sowie ihren Eltern und Nachbarn vor.
Die Arbeit der KAPP-Schüler wurde in mehrerer Erschließungspläne der Gemeinde einbezogen und in
der Gemeinde ausgestellt. Die KAPP-Schüler haben Nachdem er von Newcomers Arbeit und Plänen für die
sogar ein eigenes Video mit dem Titel "Anacostia - Eine Akademie des öffentlichen Dienstes erfuhr, wußte
Mauerer, daß er dorthin gehörte. "Ich hatte meiner
reiche Geschichte" gemacht.
Familie gegenüber seit Jahren genau diese Art von
"KAPP war schöner als man sich je vorstellen kann",
Programmen beschrieben", stellt er fest. Er wurde
stellt Willis fest. "Die Bande, die zwischen den Bürgern sofort zum festen Bestandteil der Planungsbespreund der Gemeinde geknüpft werden, sind unschätz- chungen der Akademie des öffentlichen Dienstes und
bar." Willis sondiert jetzt die Möglichkeit, ein ähnliches arbeitete mit der GW eine Vereinbarung aus, das
Programm an der Anacostia High School zu veranstal- Programm im Rahmen einer Tätigkeit von 20 Stunden
ten.
pro Woche zu leiten, während er gleichzeitig auf seinen
Magister hinarbeitete. "Zumindest auf dem Papier
An Willis Schule wurde bereits ein besonderer Stusollten es 20 Stunden sein", so Maurer.
dienkurs eingeführt, der von den Fakultätsmitgliedern
und Studenten der GW organisiert wurde. Inzwischen Bis heute hat Maurer 30 weitere MPA-Studenten
zwei Jahre alt, stellt die Akademie für den öffentlichen angeworben, um auf freiwilliger Basis bei der VerwalDienst (Public Service Academy) eine echte Bereiche- tung des Programms mitzuhelfen. Neben ihrer Arbeit
rung der Universitätspräsenz in Anacostia dar. Ihr Ziel: als Dozenten an der Akademie des öffentlichen DienAusgewählten Schülern der Anacostia High School stes sind die MPA-Studenten bei der Planung und
spezielle Ausbildung zu bieten und sie zum College- Organisation aller Kurse und Veranstaltungen behilfBesuch zu ermutigen, um eine Laufbahn in der Regie- lich. Das Kernstück des Programms bildet ein Einführung einzuschlagen.
rungskurs in öffentlicher Verwaltung an der GW.
Im Schuljahr 1991 -92 nahmen 60 Schüler der Anaco- Jede zweite Woche hilft ein Gastdozent von der Abteistia High School an den von der Abteilung für öffentli- lung für öffentliche Verwaltung der GW den Studenten
che Verwaltung der GW School of Bu siness and Public der Akademie für den öffentlichen Dienst bei der
Management organisierten Programmen der AkadeBearbeitung von Themen über die Regierungen der
mie für den öffentlichen Dienst teil. Die Erweiterung Bundesstaaten und Kommunalverwaltungen bis hin

Seite 2

AMERIKA DIENST 37

�zu Finanz- und politischen Analysen. Im Rahmen
eines Kurses über die Verwaltung gemeinnütziger
Verbände besuchten die Studenten 1992 die nationale
Konferenz der amerikanischen Gesellschaft für Führungskräfte von Verbänden (American Society for
Association Executives), bei der Präsident George
Bush der Hauptredner war.
Zu den Aktivitäten der Akademie für öffentliche Verwaltung zählen: Treffen mit Mitgliedern des Stadtrats
von Washington, reguläre Besuche der GW und eine
Übernachtung dort, individuelle Tutorprogramme und
die Publikation einer Informationsschrift zu dem Programm mit dem Titel "PSA Today" durch die Akademie-Teilnehmer.
Carolyn Kornegay, Dozentin an der Akademie für den
öffentlichen Dienst, die seit 1980 an der Anacostia
High School Naturwissenschaften unterrichtet, erklärt,
das Programm habe enrome Auswirkungen auf ihre
Schüler gehabt. "Ich bin ernsthaft der Auffassung, daß
mehrere dieser Jugendlichen gefeuert worden oder
längst von der Schule abgegangen wären, wenn sie
nicht an diesem Programm teilgenommen hätten", so
ihre Beobachtung.
"Schulen können sehr kalte und sterile Orte sein", fügt
Kornegay hinzu. Der Button "I love to teach" (Ich liebe
es, zu unterrichten) an ihrem Revers vermittelt einen
Eindruck, warum sie zahlreiche Belobigungen, Stipendien und Auszeichnungen für ihren Unterricht gewonnen hat, zuletzt als eine von acht in der nationalen
Endausscheidung beim Wettbewerb um die Auszeichnung als 'Technology Scholar" (Technikwissenschaftler) der Tandy Corporation. "Kinder können in diesen
Gebäuden verloren gehen, und keiner merkt es", stellt
sie fest. "Die Akademie für den öffentlichen Dienst
vermittelt den Studenten, daß sie zugehörig und etwas
Besonderes sind."
Quincy Briscoe in der Oberstufe der Anacostia High
School, der sich selbst als "einen der ersten" an der
Akademie für den öffentlichen Dienst bezeichnet, sagt,
das Programm habe sein Denken "geschärft" und er
sei infolgedessen an einem College-Besuch interessiert. Die wertvollste Lektion, die er aus seiner Teilnahme an der Akademie für den öffentlichen Dienst gelernt
hat, ist Briscoe zufolge Kooperation. "Ich wurde zur

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AMERIKA DIENST 37

*

Zusammenarbeit mit anderen gedrängt", stellt er rückblickend fest. "Sie haben uns zusammen an Probleme
gesetzt, die wir - wie wir wissen - nicht alleine lösen
können, und wir wurden anhand unserer Zusammenarbeit als Gruppe beurteilt. Das war eine gute Erfahrung."
Briscoes Klassenkameradin Conchita Mays wurde
von den anderen Studenten zur Präsidentin der Akademie für den öffentlichen Dienst gewählt. Was ihr an
dem Programm am besten gefallen hat, war die Möglichkeit, Verschiedenes zu tun. "Wir haben mehrere
Orte besucht", äußert sie. "Wir sehen das Leben am
College, und wir treffen Leute, die uns in der Zukunft
helfen und uns bei der Berufswahl behilflich sein
können."
Was für ein Gefühl haben ihre Klassenkameraden bei
all diesen Chancen, anders zu sein? "Sie machen
Witze und nennen uns 'Fremde'", sagt Briscoe mit
einem unterdrückten Lachen und blickt in der vollbesetzten Cafeteria der Anacostia High School um sich.
"Einige sagen, wir können uns ziemlich viel erlauben",
fügt er hinzu. "Sie sagen, wir haben Privilegien, daß wir
all diese Reisen machen können und das ganze zweite
Stockwerk für uns allein haben. Wir können nur
versuchen, sie zur Teilnahme zu überreden."
Die Studenten der Akademie für den öffentlichen Dienst
sind nicht die einzigen, die von ihrer Teilnahme an dem
Programm profitieren. "Es ist ein Höhepunkt meiner
Karriere", erklärt Kornegay. "Wir Lehrer arbeiten für
gewöhnlich ganz isoliert und haben keinen Kontakt.
Die Akademie für den öffentlichen Dienst zwingt uns
zur Zusammenarbeit."
Professor McGrath zufolge ist Anacostia zu helfen,
aus der Isolation und Not auszubrechen, eine für eine
städtische Universität wie die GW maßgeschneiderte
Aufgabe.
"Staatliche Programme kommen und gehen entsprechend der Tagespolitik", so McGrath. "Eine Universität
bietet einem Ort wie Anacostia Stabilität. Wir helfen
Anacostia, konstant die Perspektive zu bewahren,
damit das enorme Potential seiner Bürger und Gemeinde genutzt werden kann."

*

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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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      <name>Dublin Core</name>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Friedensabkommen zwischen Israel und der PLO als "Sieg für den Frieden" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei Feierstunde im Weißen Haus&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aspin erläutert weiteren Abbau des US-Militärs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede zur neuen Verteidigungsstrategie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Holbrooke: Beziehungen zu Deutschland von entscheidender Bedeutung für die USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Talbott zu Russlandhilfe und GUS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Innenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gore-Bericht über Effizienz der Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stärkerer Einfluss der Frauen im Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Spürbare Auswirkungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Bildung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Überquerung ds Anacostia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William H. Woodwell Jr.&lt;/em&gt;</text>
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