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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
State? Information Service

Embassy of the United States of America
USIS LIBRARY
Deichmanns Aue 29
53170 Bonn

I.September 1993

NAHER OSTEN

USA BEZEICHNEN PAKT ZWISCHEN
ISRAEL UND PLO ALS KONZEPTIONELLEN
DURCHBRUCH
Christopher unterstützt Abkommen

SOMALIA

ASPIN UMREISST AKTIONEN FÜR
FORTSCHRITTE IN SOMALIA
Rede des Verteidigungsministers

AUSSENPOLITIK

CLINTON ERGREIFT MASSNAHMEN ZUR
FÖRDERUNG DES HANDELS MIT DER
KARIBIK
Pressekonferenz des Präsidenten

WIRTSCHAFT

BERICHT DES WIRTSCHAFTSMINISTERIUMS: AUSLÄNDISCHE
DIREKTINVESTITIONEN IN DEN USA
UND IHRE AUSWIRKUNGEN
von Lester A. Davis
USA, JAPAN, DEUTSCHLAND - VERGLEICH
DES WIRTSCHAFTLICHEN UMFELDS
Studie des Bundesrechnungshofs

WEITERVERBREITUNG

SANKTIONEN GEGEN CHINA UND
PAKISTAN WEGEN TRANSFER VON
RAKETENTECHNOLOGIE
Eindeutige Beweise für Technologietransfer

COUNTRY-MUSIC

MARY-CHAPIN CARPENTER:
DER LIEBLING DER COUNTRY-MUSIC
von Debra Shore

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAHER

OSTEN
I.September 1993

USA BEZEICHNEN PAKT ZWISCHEN ISRAEL UND PLO
ALS KONZEPTIONELLEN DURCHBRUCH
Christopher unterstützt Abkommen

WASHINGTON - (AD) - Ein in Geheimverhandlungen
ausgehandeltes Abkommen zwischen Israel und der
Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), das
den Palästinensern "vorgezogene Autonomie" in den
besetzten Gebieten verleihen soll, ist Außenminister
Christopher zufolge ein "konzeptioneller Durchbruch''.
"Andeutungen, daß wir es nicht unterstützen, entbehren jeglicher Grundlage", erklärte Christopher am 31.
August 1993 im Hinblick auf das erste nach 22monatigen Verhandlungen im Nahost-Friedensprozeß erzielte Abkommen.

Das Konzept eines palästinensischen Staats, das die
Vereinigten Staaten nicht unterstützen, zähle nicht zu
"einer Reihe sehr konkreter Schritte", die in dem Abkommen zwischen Israel und der PLO gefordert würden, führte Christopher aus. Das Abkommen, "das
ziemlich vollständig und ziemlich explizit" sei, befasse
sich mit dem Vorgehen in den nächsten fünf Jahren.

Auf die Frage, ob das israelisch-palästinensische
Abkommen in ein oder zwei Tagen abgeschlossen
sein könnte, wie von einigen Palästinensern vorgeschlagen, räumte der Außenminister ein, es "ist nie
nützlich, genaue Fristen zu setzen". "Meines ErachEinzelheiten wurden offiziell noch nicht bekanntgege- tens will jeder dieses Abkommen so schnell wie mögben, Vertretern der Israelis und der PLO zufolge wird lich formalisieren und dann die zahlreichen zur Durchdas Abkommen den Palästinensern jedoch die Selbst- führung des Abkommens erforderlichen Schritte unverwaltung des Gazastreifens und der Stadt Jericho im ternehmen", erklärte er.
besetzten Westjordanland lange vor den sogenannten
Verhandlungen über den endgültigen Status übertra- "Es muß sehr viel Arbeit geleistet werden. Die Vereigen.
nigten Staaten haben den Prozeß begrüßt", erläuterte
Christopher, "und wollen den Parteien zur Seite stehen
Delegationen aus Syrien, Libanon und Jordanien nahmen und ihnen behilflich sein, einen Schritt weiterzukomam 31. August die Friedensgespräche mit israelischen men. Ich möchte also keine genaue Frist festsetzen,
Diplomaten in verschiedenen Räumlichkeiten des State aus meiner Sicht ist es jedoch wünschenswert, daß
Department wieder auf, und die israelischen und palä- das Abkommen frühzeitig in eine vertragliche Form
stinensischen Vertreter setzten ihre Gespräche über gebracht wird."
Interim-Selbstverwaltungsarrangements für die besetzten Gebiete fort.
Der Außenminister stellte fest, es sei "klar, daß der
Aspekt der vorgezogenen Autonomie des AbkomObwohl die Vereinigten Staaten erfreut über das mens einer Finanzierung bedarf, und wir sind gerne
Abkommen seien, habe die Clinton-Administration - bereit, bei der Aufbringung der erforderlichen Mittel für
zumindest im Augenblick - keine Pläne zur Eröffnung die Palästinenser Hilfestellung zu leisten, damit sie
eines eigenen Dialogs mit der PLO, stellte Christopher ihre Verantwortung im Rahmen des Abkommens
fest.
übernehmen können."
"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Änderung
unserer Politik im Hinblick auf die PLO. Andererseits
geht es hier um ein sich rasch wandelndes Umfeld",
äußerte der Außenminister auf Fragen von Journalisten bei einem Fototermin. "Wir hatten bisher unsere
Vorbehalte, aber es finden offensichtlich Entwicklungen statt, die wir sehr genau verfolgen werden."
AMERIKA DIENST 35

Der Außenminister erklärte jedoch, er sei nicht der
Ansicht, daß das Abkommen irgendwelche "Sicherheitsgarantien" von Seiten der USA fordere. "Wir
werden weiterhin mit den Konfliktparteien zusammenarbeiten, uns um eine Vermittlerrolle bemühen und bei
der Umsetzung dieses Abkommens helfen", fuhr er
fort.
Seite 1

�Während der zweimonatigen Verhandlungspause seit
der Unterbrechung der Nahostgespräche am 1. Juli
war der Friedensprozeß vom Ausbruch erbitterter
Feindseligkeiten zwischen den vom Iran unterstützten
Terroristen der Hizbollah und den israelischen Streitkräften gekennzeichnet, die Zehntausende Libanesen
aus ihrer Heimat vertrieben. Christopher brach seine
Asienreise in Singapur ab und kehrte in die Staaten
zurück, um durch Telefondiplomatie eine Beendigung
der Feinseligkeiten zu erreichen. Diese Bemühungen
schloß er mit einer einwöchigen Reise in die Region ab
und überzeugte die Konfliktparteien, ihre Friedensgespräche in Washington wiederaufzunehmen.
Der israelische Außenminister Peres und ein hochrangiger PLO-Vertreter trafen in der letzten Woche zu
Geheimverhandlungen in Oslo zusammen und handelten ihr Abkommen aus, das in Form einer Grundsat zerklärung veröffentlicht werden soll.
Seit Beginn direkter Verhandlungen zwischen den
Konfliktparteien Ende Oktober 1991 nach Abschluß
der Madrider Konferenz gelang es in keiner der Ver-

* *

Seite 2

handlungsrunden, auf auch nur einem der vier Verhandlungsgebiete zu einer Einigung zu kommen. Nach
Beendigung der letzten Verhandlungsrunde erklärten
amerikanische Regierungsvertreter jedoch, die Konfliktparteien hätten bei substantiellen Fragen Fortschritte erzielt und schienen bereit, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Christopher erinnerte vor Journalisten daran, daß der
Friedensprozeß unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten und Rußlands abläuft und erklärte:
"Unser Ziel ist eine friedliche Beilegung der Konflikte im
Nahen Osten. Und dieses (Abkommen) ist ein großer
Schritt in diese Richtung."
Der Außenminister gab bekannt, er habe zu Beginn
des Tages mit dem russischen Au ßenminister Kosirev
telefoniert und "über eine Zusammenarbeit bei den
nächsten Schritten" beraten. Die Vereinigten Staaten
seien ihm zufolge in dem Friedensprozeß "bereit, weiterhin die Rolle eines ehrlichen Maklers oder vollwertigen Partners" zu spielen.

* *

*

AMERIKA DIENST 35

�SOMALIA
I.September 1993

ASPIN UMREISST AKTIONEN FÜR
FORTSCHRITTE IN SOMALIA
Rede des Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - In einer am 27. August 1993 vordem Zentrum für Strategische und Internationale Studien
(Center for Strategie and International Studies - CSIS) in Washington gehaltenen Rede erläuterte Verteidigungsminister Aspin ein sechs Punkte umfassendes Maßnahmenpaket, das zur Erlangung "echter Fortschritte'' in
Somalia von entscheidender Bedeutung ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Die Entscheidung des Präsidenten zur Entsendung
weiterer 400 Soldaten nach Somalia hat die Aufmerksamkeit erneut auf den Sicherheitsaspekt - vor allem
den militärischen Aspekt der Vereinigten Staaten bezüglich dessen gelenkt, was dort geschieht. Dieser
Blickwinkel ist bei weitem zu eng. Die Ereignisse in
Somalia gehen weit über den militärischen Konflikt in
Mogadischu hinaus. Und wenn es eine Lösung für die
Probleme Somalias gibt, muß es sehr viel mehr als
eine militärische Lösung sein.
Somalia war eine Tragödie, die Amerika und die Weh
berührte. Wir gingen dorthin, um ein Volk zu retten,
und dies ist uns gelungen. Wir bleiben dort, um eben
diesem Volk beim Wiederaufbau seiner Nation behilflich zu sein. Um zu verstehen, wie wir dies verwirklichen wollen, sollten wir uns kurz die Umstände ins
Gedächtnis rufen, die diese internationale Reaktion
veranlaßt haben.

Million Menschen, vor allem Frauen und Kinder,
umgekommen. Das Leben von zwei Millionen weiteren - einem Viertel der somalischen Bevölkerung - war
in Gefahr.
Die politischen Institutionen in Somalia waren zerfallen, seine instabile Volkswirtschaft buchstäblich zerstört und die Bevölkerung praktisch ausschließlich von
Hilfe aus dem Ausland abhängig, um zu überleben.
Das Chaos und die Gewalt haben internationale Hilfsbestrebungen vereitelt. Viele Organisationen schränkten ihre Operationen ein oder verließen das Land
vollständig, nachdem ihre Nahrungsmittelkonvois
überfallen, ihre Lagerhäuser geplündert und ihre Mitarbeiter angegriffen worden waren.

Das amerikanische Engagement in Somalia begann
im August 1992 und hat im vergangenen Jahr drei
Phasen durchlaufen. Die erste dauerte von August bis
Anfang der neunziger Jahre war Somalia von einem Dezember und konzentrierte sich auf Nahrungsmitteljahrelangen brutalen Bürgerkrieg zerrüttet. Blutige lieferungen. Die Vereinigten Staaten stellten zunächst
Kämpfe wüteten zwischen den Kriegsherren, die nicht große Mengen an Nahrungsmitteln zur Verfügung,
nur Waffen, sondern auch Nahrungsmittel und Hun- mußten jedoch bald - ebenso wie andere Geberländer
gersnöte als Waffen gegeneinander und gegen eine -feststellen, daßdasChaos und die Gesetzlosigkeit im
hilflose Bevölkerung einsetzten. Die Folge waren Land die Lieferung über Land verhinderten. Das
Chaos und Gesetzlosigkeit in massivem Ausmaß. amerikanische Militär beteiligte sich dann an einer
Dürren verschlimmerten die Hungersnot. Pro Tag militärischen Luftbrücke - der Operation Provide Relief
starben schätzungsweise 1.000 Menschen. Nahezu - um Nahrungsmittel ins Landesinnere zu bringen. Von
August 1992 bis Februar 1993 wurden über 30.000
800.000 Flüchtlinge wurden ins Exil getrieben.
Tonnen an dringend benötigten Nahrungsmitteln und
Schätzungen offizieller Quellen und freiwilliger Hilfsor- anderen Hilfslieferungen nach Somalia transportiert,
ganisationen zufolge waren bis Ende 1992 eine halbe 70 Prozent von den Vereinigten Staaten.
AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�Es wurde jedoch bald offenkundig, daß Nahrungsmittellieferungen nicht ausreichen würden. Gewalt und
Diebstähle störten und verhinderten in einigen Fällen
die Lieferungen innerhalb des Landes. Die Sicherheit
mußte verbessert werden, wenn die Nahrungsmittellieferungen die hungernden Somalis erreichen sollten.
Als wir bei der Verlegung eines pakistanischen Bataillons behilflich waren, um die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen fahrenden Nahrungsmittelkonvois zu schützen, hielten die Streitkräfte von
Mohammed Farah Aidid das Bataillon am Flughafen
von Mogadischu fest, und die Lage in Somalia verschlechterte sich.
Dies löste die zweite - UNITAF (United Task Force) Phase des amerikanischen Engagements von Dezember 1992 bis Mai 1993 aus. Jetzt konzentrierte
man sich auf Sicherheit sowie die Bereitstellung von
Nahrungsmitteln. Die Vereinigten Staaten boten ihre
Führungsrolle bei militärischen Bestrebungen an,
ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zur Bewältigung der Hungersnot zu schaffen, und die Vereinten
Nationen verabschiedeten am 3. Dezember 1992
Resolution 794 des UN-Sicherheitsrats.
Bei dieser Phase des amerikanischen Engagements
wurden insgesamt 26.000 amerikanische Soldaten für
die Operation Restore Hope in Somalia stationiert.
Zusammen mit 13.000 Soldaten aus 21 Ländern operierten diese Streitkräfte unter der von den Vereinigten
Staaten geführten UNITAF. Die 39.000 Soldaten der
UNITAF bewirkten eine radikale Veränderung der Lage
in Somalia.
Die Ordnung wurde ausreichend wiederhergestellt,
damit die Nahrungsmittel über mehr als Tausend
Ausgabezentren zu den Bedürftigen gelangen konnten. Die Märkte öffneten wieder und seit vielen Jahren
wurde erstmals wieder gesät. Im Frühjahr 1993 waren
das Chaos und Banditentum in einem Großteil Somalias unter Kontrolle.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die UNITAF
ihr Ziel erreicht hat, die Sicherheitslage zu verbessern
und Nahrungsmittel für die Bevölkerung Mittel- und
Südsomalias bereitzustellen. Noch zu bewältigen ist
die Aufgabe der Institutionalisierung der Leistungen zu verhindern, daß das Land wieder in das Chaos
zurückfällt, das die Hungersnot auslöste.
Die dritte - UNOSOM ll - Phase begann im Mai 1993
und dauert noch an. Sie konzentriert sich auf die
Schaffung von Bedingungen, dank derer die Somalis
ihr Land wiederaufbauen können. Unter UNOSOM II
erweiterte die UNO ihre Bestrebungen im Rahmen der
neuen Resolution 814 des Sicherheitsrates, die am 26.
März 1993 angenommen wurde. Sie forderte die UNO
auf, den Wiederaufbau der Regierung, die Wiederherstellung entscheidender Elemente der nationalen Volkswirtschaft sowie die Entwicklung eines angemessenen

Seite2

Rechts- und Polizeisystems in die Wege zu leiten, um
die Ordnung aufrechtzuerhalten. Wie vereinbart,
reduzierten die Vereinigten Staaten ihr Truppenkontingent rasch von über 25.000 auf rund 4.000 Soldaten.
Wo stehen wir heute? Im Verlauf unseres Engagements konnten unsere Ziele in vier Kategorien eingeteilt werden: Nahrungsmittel, Sicherheit, Wirtschaft
und politischer Wiederaufbau. Was haben wir geleistet?
Im Hinblick auf die Nahrungsmittelsituation haben wir
gut abgeschnitten. Die Notlage, die internationale
Bestrebungen zugunsten der Somalis auslöste, ist
definitiv behoben. Als direkte Folge der humanitären
Bestrebungen der Vereinigten Staaten konnte eine
katastrophale Massenhungersnot abgewendet werden.
Die Agrarproduktion war in diesem Jahr gut. In einigen
Teilen des Landes herrscht immer noch Hungersnot,
aber Berichten aus Mogadischu zufolge gibt es mehr
als genug Nahrungsmittel, um die Somalis zu ernähren.
UNO-Vertreter vor Ort sind zuversichtlich, die Nothilfelieferungen von Nahrungsmitteln bald einstellen zu
können. Die Beendigung der Nothilfelieferungen ist für
Ende dieses Monats vorgesehen. Im Bereich der
Sicherheit haben wir Fortschritte erzielt. Das Banditentum konnte in ganz Somalia beträchtlich verringert
und an einigen Orten vollständig beseitigt werden.
Somalia ist im großen und ganzen friedlich, abgesehen von Süd-Mogadischu, das - wie wir sehen werden
- eine Ausnahme darstellt. Es ist jedoch wichtig, sich
vor Augen zu führen, daß verglichen mit der Lage bei
Ankunft der UNITAF im Dezember dramatische Fortschritte erzielt wurden.
In Süd-Mogadischu, dem Bollwerk Aidids, sieht sich
das gesamte UNO-Unternehmen einer großen Herausforderung gegenüber. Meines Erachtens wurde
die derzeitige Krise dort ausgelöst, weil Aidids Machtbasis politisch und militärisch durch die UNOSOM
unterminiert wurde. Es mag heute wenig tröstlich
erscheinen, aber unsere jetzigen Schwierigkeiten sind
das Ergebnis unserer bisherigen Erfolge. Jetzt droht
die Gefahr, daß politisches Chaos auf den Abzug der
UNO-Truppen folgen wird, wenn wir nicht die Sicherheit in Süd-Mogadischu wiederherstellen. Andere
Kriegsherren werden Aidids Beispiel folgen. Die Kämpfe
zwischen den Kriegsherren, die die Hungersnot in
solch massivem Ausmaß überhaupt erst bewirkt haben, werden weitergehen. Es besteht die Gefahr, daß
sich erneut eine Situation wie vor der Entsendung
amerikanischer Truppen ergibt.
Bei der wirtschaftlichen Lage und dem politischen
Wiederaufbau des Landes wurden einige Fortschritte
erzielt, es muß jedoch noch sehr viel mehr getan
werden. Einige kleine Geschäfte haben wieder geöff-

AMERIKA DIENST 35

�net, einige Schulen und Waisenhäuser wurden wiedereröffnet und in Zentralsomalia haben ehemalige Regierungsbedienstete ihre Tätigkeit wiederaufgenommen und können der Bevölkerung Dienstleistungen im
Gesundheits- und Bildungswesen anbieten. Insgesamt sind die wirtschaftlichen Bedingungen jedoch
weiterhin entsetzlich und Fortschritte zur politischen
Aussöhnung wurden durch die sich verschlechternde
Sicherheitslage im südlichen Teil der Hauptstadt vereitelt. In den ländlichen Gebieten ist die Arbeit erfolgreicher, es müssen jedoch größere Anstrengungen
unternommen werden, um diese Fortschritte voranzubringen. Hieraus können wir den Schluß ziehen, daß
die derzeitige Situation in Somalia uneinheitlich ist und
wir einige drängende Probleme bewältigen müssen.

Zweitens sollten zusätzliche Anstrengungen zum Aufbau
einer Polizei unternommen werden, die unverzüglich
ihre Arbeit aufnimmt. Eine glaubwürdige, neutrale
Polizei in größeren Siedlungsgebieten ist für den Erfolg der Herstellung von Sicherheit unabdingbar.

Heute nachmittag möchte ich einige Vorschläge unterbreiten, wie wir die nächste Phase unserer Arbeit in
Somalia angehen können. Mit anderen Worten, wie
sieht das Endspiel in Somalia für die internationale
Staatengemeinschaft aus? Wir hatten Ziele für UNISOM I, die nicht erfüllt wurden. Das veranlaßte uns
zum Einsatz der UNITAF. Wir hatten Ziele für die
UNITAF, die erfüllt wurden und die Bedingungen für
den Übergang zu UNISOM II geschaffen haben. Wie
wissen wir, ob UNISOM II ein Erfolg war?

Viertens müssen die Vereinten Nationen einen detaillierten Plan mit konkreten Schritten erarbeiten, der ihre
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktivitäten
in eine Gesamtstrategie münden läßt. Und sie müssen
ausreichende Mitarbeiter und Finanzmittel zur Verfügung stellen, um Fortschritte bei ihren politischen und
wirtschaftlichen Zielen in Somalia herbeizuführen.

Zu unseren Erfolgskriterien sollten Fortschritte in den
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bereichen
des somalischen Problems zählen. Zur Sicherheit:
Zweifelsohne muß die UNISOM glaubwürdige Sicherheit in Süd-Mogadischu herstellen, aber das ist nicht
genug. Bei der Entwaffnung der Kriegsherren müssen
echte Fortschritte erzielt und es muß ein wirksamer
Polizeiapparat aufgebaut werden. Der Gesamteffekt
muß so sein, daß keine Gruppe bewaffneter Somalis
das Land in ihre Gewalt bringen kann, um politischen
Willen aufzuzwingen und die Märkte zu plündern.

Drittens sollten wir weiterhin den Milizen die schweren
Waffen abnehmen und - in Zusammenarbeit mit der
somalischen Polizei - mit der Planung für die Durchsetzung einer konsequenten Waffenkontrollpolitik beginnen. Eine solche Politik vermittelt den zur Kooperation
Bereiten ein gewisses Maß an Vertrauen, daß sich ihre
Feinde nicht wiederbewaffnen können. Diese Politik
könnte in Gebieten des Landes begonnen werden, wo
bereits Erfolge bei der Entwaffnung erzielt wurden.

Fünftens sollten die Vereinten Nationen auf ihre Erfolge in Kambodscha zurückblicken und eine Gruppe von
Nationen bilden, um ihre Arbeit in Somalia zu unterstützen und zu beschleunigen. Eine solche Gruppe
könnte aus afrikanischen Ländern sowie anderen
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen bestehen, die
ein besonderes Interesse an der Beteiligung am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes haben.

Sechstens sollten die Vereinten Nationen und die
Organisation für Afrikanische Einheit jetzt handeln, um
die Parteien wieder auf den Weg zum Frieden zu
führen. Sie könnten das vielversprechende Modell der
in Addis Abeba abgehaltenen beiden vorherigen KonZur Wirtschaft: Das Land sollte offen und sicher genug ferenzen über die nationale Aussöhnung Somalias
sein, damit seine Märkte funktionieren, Waren und zum Vorbild nehmen.
Dienstleistungen angeboten und grundlegende VerDies sind konkrete Schritte, die jetzt unternommen
sorgungsgüter wie Wasser und Elektrizität bereitge- werden könnten, um uns in Somalia auf Erfolgskurs zu
stellt werden können.
bringen. Im Zusammenhang damit ist jedoch noch
Zum politischen Wiederaufbau: Es sollte einen politischen Prozeß geben, der den Interessen der Clans,
regionalen Interessen und den Interessen des somalischen Volkes unabhängig von seinem Clan oder der
Region Rechnung trägt. Es bleibt natürlich die Frage
offen, wie wir von hier nach dort kommen. Ich werde
eine Reihe von spezifischen Aktionen vorschlagen, die
echte Fortschritte bewirken könnten.
Erstens sollten wir die kombinierte Truppenstärke der
UNO auf das vorgesehene Niveau bringen. Die Vereinigten Staaten haben vor kurzem ihre Schnelle Eingreiftruppe um 400 Kampfsoldaten aufgestockt.
UNOSOMII fehlen jedoch rund 5.000 Soldaten für das
geplante Kontingent von 28.000 Mann. Wir erwarten,
daß die anderen das Versprochene leisten werden.

AMERIKA DIENST 35

eine Frage offen, die für uns näherliegend ist. Präsident Clinton hat angeordnet, daß die amerikanischen
Streitkräfte lange genug dort stationiert bleiben, um
ihre Mission zu erfüllen - und nicht länger. Die Beendigung der Mission betrifft vor allem die Sicherheit
Somalias.
Für die amerikanischen Kampftruppen stehen aus
meiner Sicht drei Punkte auf der Checkliste. Erstens
muß die Sicherheitsfrage in Süd-Mogadischu geregelt
werden. Zweitens müssen wir echte Fortschritte bei
der Entwaffnung der Kriegsherren erzielen. Drittens
muß ein glaubwürdiger Polizeiapparat in den größeren
Siedlungsgebieten eingerichtet werden. Wenn diese
drei Bedingungen erfüllt sind, können wir meines
Erachtens die Schnelle Eingreiftruppe aus Mogadischu abziehen.
Seite 3

�Wir können die zur Unterstützung anderer UNOSOM
Il-Streitkräfte stationierten amerikanischen logistischen
Truppen reduzieren, wenn die Sicherheitslage in
Mogadischu die umfangreichere Einstellung von Zivilisten zur Bereitstellung der Unterstützungsfunktionen
gestattet.
Wenn wir uns an die Lage in Somalia vor nur einem
Jahr erinnern, können wir stolz auf das von den Vereinigten Staaten - insbesondere von unseren Männern
und Frauen in Uniform - Geleistete sein. Wir sollten
auch verstärktes Interesse am Erfolg der Vereinten
Nationen in Somalia haben. Ohne die Vereinten
Nationen als friedensschaffende und friedenssichernde Organisation von Weltrang könnten wir uns gezwungen sehen, einen sehr viel größeren Teil der Last

*

Seite 4

*

übernehmen zu müssen. Und wir sollten auch bedenken, daß ein entscheidendes Element jeder dauerhaften Lösung in Somalia das somalische Volk sein mu ß.
Ebenso wie die internationale Staatengemeinschaft in
hohem Maße in die Schaffung von Bedingungen für
politisches und wirtschaftliches Wachstum in Somalia
investiert hat, müssen auch die Menschen in Somalia
selbst in den Wiederaufbau ihres Landes investieren.
In der Zwischenzeit hat Präsident Clinton uns eine
klare Richtlinie gegeben, gemeinsam mit anderen
Nationen auf Kurs zu bleiben, damit Somalia eines
Tages wieder selbst für sein Volk sorgen kann. Das
erwartet die neue Welt von der amerikanischen Führungsrolle und der amerikanischen Partnerschaft.

*

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AMERIKA DIENST 35

�AUSSENPOLITIK
I.September 1993

CLINTON ERGREIFT MASSNAHMEN ZUR FÖRDERUNG
DES HANDELS MIT DER KARABIK
Pressekonferenz des Präsidenten
Präsident Clinton kündigte auf einer Pressekonferenz am 30. August 1993 an, er habe den US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor gebeten, mit Vertretern der Karibikstaaten über neue Maßnahmen zur Erweiterung des
regionalen Handels zu beraten.
Auf einer nach Gesprächen mit führenden Politikern fünf karibischer Länder abgehaltenen Pressekonferenz
erklärte der Präsident, er sei sich der Sorge bewußt, daß das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - N AFTA) "für die karibischen und zentralamerikanischen Staaten von Nachteil
sein könnte, indem es den Handels- und Investitionsfluß nach Mexiko lenkt."
Aus diesem Grund werde Kantor die Auswirkungen des NAFTA auf die Region untersuchen, so der Präsident,
der betonte, das Ende des Kalten Krieges habe "die Natur, nicht aber das Ausmaß unseres Interesses an der
Karibik verändert."
Der Präsident kommentierte auch die Ereignisse in Bosnien-Herzegowina und wies erneut auf die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten hin, sich an multinationalen friedenssichernden Maßnahmen in dieser Region zu
beteiligen.
Auf die Frage, ob die amerikanischen Streitkräfte in Somalia bleiben würden, bis der somalische Kriegsherr
Farah Aidid gefangengenommen worden sei, erinnerte Clinton: "Die UN-Operation hat sich dies zum Ziel
gesetzt, und die UNO hat uns hierbei um Hilfe ersucht".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten im Wortlaut.

Ebenso wie die amerikanisch-mexikanischen Beziehungen demonstrieren auch unsere Beziehungen zu
den Karibikstaaten auf dramatische Weise, daß innenund außenpolitische Belange nicht voneinander zu
trennen sind. Mehr als je zuvor ist unsere Nation eine
karibische Nation. In unseren Gesprächen kam auch
die Sorge zur Sprache, daß das NAFTA für die karibischen und zentralamerikanischen Staaten von Nachteil sein könnte, indem es den Handels- und Investitionsfluß nach Mexiko lenkt. Aus diesem Grund gebe
ich heute bekannt, daß ich den Handelsbeauftragten
Das Ende des Kalten Krieges hat die Natur, nicht aber Mickey Kantor gebeten habe, die Auswirkungen des
das Ausmaß unseres Interesses an der Karibik geän- NAFTA auf diese kleinen Volkswirtschaften zu unterdert. Unser Engagement für die Region wurzelt in der suchen und mit ihnen über neue Maßnahmen zur
geographischen Nähe, dem daraus resultierenden Erweiterung des regionalen Handels zu beraten.
Austausch von Menschen, Waren und Kultur sowie
unserem gemeinsamen Interesse an der Bekämpfung Amerikanische Arbeitnehmer haben ein direktes Interdes Drogenhandels, dem Schutz unserer Wirtschafts- esse am Wohlstand der englischsprachigen Karibik.
interessen und der gefährdeten Ökosysteme.
Die amerikanischen Exporte in Höhe von 2 Milliarden

Clinton: Guten Tag. Heute hatte ich die große Ehre,
fünf herausragende Politiker der englischsprachigen
Karibik im Weißen Haus begrüßen zu dürfen. Präsident Cheddi Jaga aus Guyana, Premierminister Erskine Sandiford aus Barbados, Premierminister Patrick
Manning aus Trinidad und Tobago, Premierminister
P.J. Patterson von Jamaika und Premierminister Hubert
Ingraham von den Bahamas. Ich bin beeindruckt von
der Umsicht, Dynamik und dem Engagement der
karibischen Staatsführung.

AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�Dollar in diese Länder schaffen mindestens 40.000
amerikanische Arbeitsplätze. Während unseres produktiven und in herzlicher Atmosphäre verlaufenden
Mittagessens sprachen wir auch viele andere Gebiete
an. Diese Nationen sind alle lebendige Demokratien,
die ihre Volkswirtschaften an die neuen globalen
Realitäten anpassen und gleichzeitig die volle Achtung
der Freiheit und Menschenrechte des einzelnen beibehalten wollen.
In der Organisation Amerikanischer Staaten und den
Vereinten Nationen setzen sie sich beständig und
entschieden für die kollektive Verteidigung der Demokratie ein. Sie haben alle die muttilateralen Bemühungen zur Wiedereinsetzung von Präsident Aristide in
Haiti tatkräftig unterstützt. Wir sprachen auch über
gemeinsame sicherheitspolitische und wirtschaftliche
Maßnahmen zur Unterstützung der Demokratie auf
Haiti. Ich danke ihnen für ihre Hilfe bei der Wiedereinsetzung ins Amt von Präsident Aristide, und natürlich
waren wir alle erfreut über die Berichte der Vereidigung
von Präsident Aristides neuem Premierminister am
heutigen Tag.
Die Gemeinschaft der karibischen Staaten wird ein
wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft von Demokratien dieser Hemisphäre sein, die durch wachsende
Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame politische
Überzeugungen miteinander verbunden sind. Dies
wird sich meines Erachtens dank der Führungsqualitäten der fünf heute hier anwesenden Politiker nicht auf
ein kleines Ausmaß beschränken.

wechselseitigen Vorteil mit den CARICOM-Nationen
zu entwickeln, um die Gesetze des Kongresses treulich in Kraft zu setzen, einschließlich eines im letzten
Jahr verabschiedeten, um ein vorher bestehendes
Problem bei unseren Beziehungen zu beseitigen. Und
wie ich bereits ausführte, habe ich den Handelsbeauftragten Mickey Kantor gebeten, sich hiermit zu befassen und zu prüfen, ob wir irgendwelche Zusicherungen
machen können, daß das Abkommen die karibischen
Staaten nicht benachteiligen wird.
Frage: Herr Präsident, können Sie im einzelnen auf
das Gespräch über Kuba eingehen und wie Kuba zu
einer demokratischeren Gesellschaft werden soll?
Antwort: Wir hatten eine eher allgemeine Unterhaltung. Wie Sie wissen, unterscheiden sich die Position
der CARICOM und die der Vereinigten Staaten im
Hinblick auf den Handel mit Kuba. Ich habe nur
wiederholt, daß das kubanische Demokratiegesetz
Handel mit Kuba nicht sanktioniert, es sei denn, er ist
von den Regierungen subventioniert. Dies wird nicht
in Erwägung gezogen, und daher haben wir nur kurz
über die Aussichten für politische und wirtschaftliche
Reformen in Kuba gesprochen - etwas, das von allen
hier vertretenen Nationen ernsthaft erhofft wird. Wir
sind jedoch nicht weiter ins Detail gegangen.

Frage: Herr Präsident, wenn in Genf ein Friedensabkommen zu Bosnien erzielt wird, wie viele amerikanische Truppen würden Sie dann zur Durchsetzung
dieses Abkommens bereitstellen? Wie lange müßten
sie dort bleiben? Und welches Risiko bestünde für
Frage: Herr Präsident, Sie haben eine größere Chan- diese Truppen?
ce, das NAFTA im Senat durchzubringen. Werden Sie
das Abkommen daher zunächst dem Senat vorlegen? Antwort: Ob ich dazu bereit wäre, hängt von meiner
Und kam es überraschend, daß die Karibik Nachteile Überzeugung ab, daß das Abkommen fair ist, von der
aufgrund des NAFTA befürchtet? War das eine Neu- bosnischen Regierung uneingeschränkt unterstützt wird
und durchsetzbar ist. Dies war für unsere Militärplaner
igkeit?
die ganze Zeit über ein Anlaß zur Sorge - ob wir ein
Antwort: Nein. Ich möchte zunächst Ihre erste Frage durchsetzbares Abkommen erzielen könnten.
beantworten. Ich habe diesbezüglich noch keine
Entscheidung getroffen und denke nicht, daß ich das Ich habe jedoch im Februar eindeutig klargestellt und
vor Konsultationen mit den Befürwortern dieses Ab- möchte nochmals wiederholen, daß die Vereinigten
Staaten zur Beteiligung an multilateralen Bestrebunkommens tun sollte.
gen zur Friedenssicherung in Bosnien bereit sind. Ich
Ich kann keinem der beiden Häuser des Kongresses möchte jedoch die Einzelheiten wissen und gewiß
das Abkommen vorlegen, bis der Gesetzgebungspro- sein, daß es sich um ein durchsetzbares Abkommen
zeß zur Umsetzung dieses Abkommens weiter fortge- handelt. Ich möchte femer wissen, wer die Verantworschritten ist. Ich bin jedoch grundsätzlich hierfür offen. tung dafür trägt, wer wie lange dort stationiert ist.
Ich habe noch nicht die Gelegenheit gehabt, in Ruhe
mit den Befürwortern zu sprechen und ihre Meinung Die Situation unterscheidet sich beispielsweise etwas
einzuholen. Ich habe keine Einwände gegen ein von der Lage in Somalia, wo wir in Wirklichkeit zwei
miteinander verbundene Probleme haben. In Somalia
solches Vorgehen.
muß die Nation von Grund auf wiederaufgebaut und
Im Hinblick auf die Karibik war ich nicht überrascht. müssen neue Institutionen geschaffen werden. Wir
Grundsätzlich hielten die führenden Politiker das NAFTA sind dorthin gegangen, um die Hungersnot, die Gewalt
für eine gute Idee, die jedoch bestehende Beziehun- und das Blutvergießen zu beenden. Es trifft jedoch
gen nicht negativ beeinflussen sollte. Unsere Admini- auch zu, daß der Mangel an Ordnung diese Probleme
stration hat hart daran gearbeitet, eine Beziehung zum erst geschaffen hat.

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AMERIKA DIENST 35

�Wir versuchen also immer noch, unseren ursprünglichen Auftrag in Somalia zu erfüllen. Meines Erachtens
kann es funktionieren. Multilaterale Bestrebungen zur
Bewahrung des Friedens können zweifelsohne funktionieren. Dies können Sie den Erfolgen entnehmen,
die wir bei unserer Beteiligung nach dem Camp DavidAbkommen erzielten.
Frage: Herr Präsident, einige Mitarbeiter der humanitären Hilfsorganisationen in Mogadischu haben erklärt, daß der amerikanische Angriff heute morgen ein
grober Fehlschlag war und das amerikanische Militär
ihre Arbeit in Wirklichkeit erschwert. Was sagen Sie zu
denjenigen vor Ort? Und werden die amerikanischen
Streitkräfte lange genug dort bleiben, um Aidid zu
fassen? Ist er ein Ziel für Sie?
Antwort: Die UN-Operation hat sich dies zum Ziel
gesetzt, und die UNO hat uns hierbei um Hilfe ersucht.
Ich verstehe jedoch, wo hierbei das Problem liegt: Die
UNO vertritt die Auffassung - und hat zahlreiche Beweise,
diese Tatsache zu untermauern - daß die Aidid-Anhänger mehrere pakistanische Blauhelme ermordet haben und hinter dem Tod von vier Amerikanern stehen.
Wir müssen uns also damit befassen. Ich bin für
andere Vorschläge offen, und die Vereinten Nationen
sollten dies auch sein.
Bis heute haben wir versucht, bei den gemeinsam
erarbeiteten Maßnahmen zu kooperieren. Wir haben
das Vorgehen nicht nur gelenkt. Wir haben wirklich
versucht, im Rahmen der Vereinten Nationen zu
beweisen, daß es auf lange Sicht funktionieren kann.
Wir haben auch versucht, allen zu verdeutlichen, daß
wir nicht über Somalia als Ganzes sprechen. Wir
reden von einem Teil Mogadischus, im übrigen Land
ging die UN-Mission ungehindert und erfolgreich von-

*

AMERIKA DIENST 35

*

statten. Meines Erachtens will keiner ihren grundlegenden Charakter ändern.
Wäre ich also bereit, dies mit unserem Volk und
anderen zu erörtern? Natürlich. Meiner Ansicht nach
ist es jedoch äußerst wichtig festzustellen, daß dies
durch die Ermordung der Pakistanis und dann der vier
Amerikaner durch AkJid-Anhänger ausgelöst wurde.
Frage: Herr Präsident, besteht die Notwendigkeit, die
Fortsetzung des Dialogs durch die Schaffung beispielsweise eines US-CARICOM-Mechanismus sicherzustellen? Was sind Sie zu tun bereit?
Antwort: Meiner Ansicht nach besteht die Notwendigkeit zu kontinuierlichem Dialog. Unter anderem habe
ich den hier vertretenen Staats- und Regierungschefs
gegenüber heute versichert, daß die Vereinigten Staaten eine hochrangige Delegation zu der Konferenz
über umweltverträgliche Entwicklung in kleineren
Nationen entsenden werden, die nächstes Jahr in der
Karibik stattfinden soll. Wir haben keinen spezifischen
Mechanismus erörtert. Er ist jedoch äußerst wichtig.
All diese Nationen und auch andere, nicht zur Karibik
gehörende Länder befinden sich an einem anderen
Punkt ihrer Geschichte und sehen sich unterschiedlichen Herausforderungen gegenüber. Aus diesem
Grund müssen wir eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten langfristig Demokratie, Marktwirtschaften und Wirtschaftswachstum in dieser Region verpflichtet sind. Selbst hier im Inland haben wir große
Schwierigkeiten bei der genauen Prognose der Wirtschaft, weil wir uns in einer Periode tiefgreifenden
wirtschaftlichen Wandels befinden. Es ist unabdingbar, daß wir diese Verpflichtungen auf lange Sicht
eingehen und ungehindert kommunizieren, und genau
das beabsichtigen wir zu tun.

*

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
I.September 1993

BERICHT DES WIRTSCHAFTSMINISTERIUMS:
AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN IN DEN
USA UND IHRE AUSWIRKUNGEN
von Lester A. Davis
Der nachfolgende Artikel wurde in der Ausgabe der Zeitschrift Business America vom 23. August 1993
veröffentlicht, die vom Wirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten herausgegeben wird. Der Verfasser
Lester A. Davis ist im Büro des Leitenden Volkswirts in der Verwaltungsabteilung für Wirtschaft und Statistik des
amerikanischen Wirtschaftsministeriums tätig.

Während der zweiten Hälfte der achtziger Jahre wurden ausländische Direktinvestitionen als Reaktion auf
den raschen Anstieg ausländischer Firmenbesitzer in
den Vereinigten Staaten zu einem heiklen politischen
Thema. Seit Beginn der neunziger Jahre hat sich die
Zunahme ausländischer Unternehmer der neuesten
Studie über ausländische Direktinvestitionen in den
Vereinigten Staaten (Foreign Direct Investment in the
United States: An Update) zufolge verlangsamt. Dies
ist der zweite Jahresbericht des Wirtschaftsministeriums, der durch das Gesetz aus dem Jahr 1990 über
ausländische Direktinvestitionen und internationale Finanzverbesserungen vorgeschrieben und vom Büro
des Leitenden Volkswirts der Verwaltungsabteilung für
Wirtschaft und Statistik herausgegeben wird. Der
Bericht wurde dem Kongreß am 7. Juli 1993 vorgelegt.
Er gibt einen Überblick über ausländische Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten (Foreign Direct
Investment in the United States - FDIUS) und das
Ausmaß, in dem ausländische Banken und andere
Unternehmen an der amerikanischen Wirtschaft beteiligt sind. Dieser zweite Bericht konzentriert sich auf
mehrere Schlüsselfragen im Zusammenhang mit in
ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen in
* Amerika und ihren Auswirkungen auf den Handel
sowie die technologische Entwicklung und den Technologietransfer in den Vereinigten Staaten. Er untersucht auch, inwieweit ausländische Unternehmen ihre
Einkünfte durch Übernahmekursfestsetzung aus den
Vereinigten Staaten abziehen. Die Studie analysiert
neue verfügbare Informationen des Büros für WirtAMERIKA DIENST 35

schaftsanalysen (Bureau of Economic Analysis - BEA)
und der Datenaustauschprojekte dieses Büros mit
dem Büro für Arbeitsstatistik (BLS - Bureau of Labor
Statisttcs), die detaillierte Daten über die Aktivitäten
der im Besitz von Ausländem befindlichen Tochtergesellschaften in spezifischen Branchen zur Verfügung
stellen. Zusätzlich enthält der Bericht einen umfassenden Überblick über Analysen nichtstaatlicher Quellen
zu ausländischen Direktinvestitionen und einen statistischen Anhang.
Der Flu ß ausländischer Direktinvestitionen - der Änderungen im Bereich des Eigenkapitals, Anpassungen
bei den Konzernschulden sowie reinvestierte Gewinne
reflektiert • fiel von 11,5 Milliarden Dollar im Jahr 1991
auf 2,4 Milliarden Dollar im Jahr 1992. Folglich sank
der Gesamtwert ausländischer Unternehmen in den
Vereinigten Staaten in hohem Ausmaß. Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin das weltweit größte
Aufnahmeland für ausländische Direktinvestitionen,
derartige Investitionen machen jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten amerikanischen Nettovermögens aus - 2,7 Prozent im Jahr 1991 verglichen mit 1,2
Prozent 1980. Dieser Anteil ist geringer als in jedem
anderen großen Industriestaat mit Ausnahme von
Japan.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts umfassen
unter anderem:
Der Anstieg ausländischer Direktinvestitionen
in den achtziger Jahren erhöhte den Anteil aus-

Seite 1

�ländischer Firmen an der amerikanischen Wirtschaft, aber das Abflauen zwischen 1990 und
1992 verlangsamte das anteilsmäßige Wachstum.
Amerikanische Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen zahlten durchschnittlich
etwas höhere Löhne und erhöhten die Zahl
amerikanischer Arbeitnehmer geringfügig schneller als amerikanische Firmen.
Der Anteil ausländischer Tochtergesellschaften
am Ungleichgewicht der amerikanischen Handelsbilanz stieg in den achtziger Jahren stark an
und reflektierte 1990 ein Handelsdefizit der
ausländischen Firmen beim Warenhandel in
Höhe von 89,5 Milliarden Dollar, verglichen mit
einem wesentlich geringeren Defizit der amerikanischen Firmen in Höhe von 12,2 Milliarden
Dollar.
Der Anteil ausländischer Tochtergesellschaften
an der Spitzentechnologieindustrie ist gering,
steigt jedoch an, und die Unternehmen sind im
High-Tech-Bereich anteilsmäßig etwas stärker
vertreten als amerikanische Firmen. Die ausländischen Unternehmen haben insgesamt zur
technologischen Fähigkeit und Entwicklung der
Vereinigten Staaten beigetragen.

märkte in Japan und anderen großen Industriestaaten
- die den Bürgern größere Freiheit beim Export und
Import von Kapital gewährte - sowie die weltweiten
technologischen Veränderungen haben sich fördernd
auf den internationalen Investitionsfluß ausgewirkt.
Das jüngste Absinken ausländischer Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten fällt zeitlich mit einer
Periode verringerter amerikanischer Handels- und
Leistungsbilanzdefizite, einem stabilen Dollar und einer
Rezession sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
in führenden Investitionsländern wie Japan, Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Kanada
zusammen. Insbesondere in Japan verringerte sich
der inländische Kapitalsockel infolge des Aktivitätsrückgangs auf dem Aktien- und Immobilienmarkt erheblich und schränkt die Bereitschaft japanischer Firmen zu Investitionen im Ausland ein. Deutschland hat
mit den Anforderungen seiner Vereinigung zu kämpfen, die einen Großteil der verfügbaren Investitionsfonds absorbieren.

Die Analyse der kürzlich in der Erhebung des Büros für
Wirtschaftsanalysen veröffentlichten Daten zeigt, daß
ausländische Unternehmen beträchtlich zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten beitragen und im Jahr 1990 4,7 Millionen Arbeitsplätze für Amerikaner bereitstellten. Diese Firmen
zahlen geringfügig höhere Löhne (je nach Übereinkunft) als die durchschnittlichen amerikanischen UnZusammengenommen hatten sie ein geringeternehmen. Zusätzlich haben sie ihre Ausgaben für
res zu versteuerndes Einkommen in Relation zu
Fabrikanlagen, Ausrüstung sowie Forschung und
Gesamteinkünften und Vermögenswerten als
Entwicklung in den letzten Jahren entscheidend erhöht
amerikanische Gesellschaften. Mindestens die
und somit den technologischen Fortschritt in den
Hälfte des Einkommensgefälles ist auf Faktoren
Vereinigten Staaten vorangetrieben. In einigen Fällen
zurückzuführen, die nicht mit Einkommensverscheinen sich die ausländischen Muttergesellschaften
schiebungen und Übernahmekursfestsetzung
jedoch ihrer amerikanischen Investitionen bedient zu
zusammenhängen.
haben, um sich Zugang zu den führenden amerikaniDer Zufluß von Direktinvestitionen in die Vereinigten schen Technologien zu verschaffen.
Staaten - definiert als Eigenkapitalanteil von mehr als
Die ausländischen Unternehmen neigen dazu, mehr
10 Prozent der Stimmrechtsaktien an einem amerikazu
importieren als amerikanische Firmen, und waren
nischen Unternehmen - stieg Ende der achtziger Jahre
1990
für 88 Prozent des amerikanischen Defizits im
an, als der Fall des Dollar nach 1985 die Kosten von
Warenhandel
verantwortlich. Viele dieser ausländiInvestitionen in den Vereinigten Staaten senkte. Zu
schen
Firmen
betreiben Großhandel, beispielsweise
dem Anstieg von ausländischen Direktinvestitionen in
als
Automobilimporteure
und Ölgesellschaften, deren
den Vereinigten Staaten trug auch der Wunsch der
Hauptgeschäft
der
Import
ist. Die ausländischen
ausländischen Unternehmen bei, ihre Bindungen an
Unternehmen
verzeichneten
geringere zu versteuernden weltweit größten Verbrauchermarkt zu verstärde
Einkommen
in
Relation
zu
Vermögenswerten und
ken, amerikanische Handelsschranken zu umgehen
Einnahmen
als
die
durchschnittlichen
amerikanischen
und ihre eigenen technologischen und ManagementUnternehmen
in
denselben
Industriezweigen.
vorteile zu nutzen. Die Liberalisierung der Finanz-

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�WIRTSCHAFT
I.September 1993

USA, JAPAN, DEUTSCHLAND - VERGLEICH DES
WIRTSCHAFTLICHEN UMFELDS
Studie des Bundesrechnungshofs

WASHINGTON - (AD) - Der Verlust amerikanischer
Marktanteile an Industriezweigen, die einst von den
Vereinigten Staaten dominiert wurden, beispielsweise
Autos und Stahl, hat im Kongreß wachsende Besorgnis über die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der
amerikanischen Wirtschaft entstehen lassen.

in den letzten Jahren eine vorausschauende Planung
von sehen der führenden Wirtschaftler erschwert",
wird in der Studie festgestellt. "Im Gegensatz dazu
bieten die japanische und die deutsche Regierung
langfristige Anreize für Investitionen und Zukunftsplanung der Unternehmen."

Als Reaktion auf diese Besorgnis und auf Bitten des
Senatsausschusses für Handel, Wissenschaft und
Verkehr hat der Bundesrechnungshof eine Untersuchung durchgeführt, die staatliche Maßnahmen, die
Untemehmensstrukturen sowie die Finanzierungs- und
Geschäftspraktiken in den Vereinigten Staaten und
ihren beiden wichtigsten Konkurrenten - Japan und
Deutschland - vergleicht. Die Studie, die am 24.
August 1993 veröffentlicht wurde, beschäftigte sich
auch mit dem Einfluß der Regierungen auf das unternehmerische Umfeld in jedem dieser drei Länder.

Ein weiterer bedeutender U nterschied im unternehmerischen Umfeld der drei Länder betrifft die Beziehungen zwischen den Finanzinstitutionen und der Handelstätigkeit. "In den Vereinigten Staaten haben die
Banken generell schwächere Bindungen zur Industrie
als in Japan und Deutschland", stellt der Bericht fest.
In Japan sind die Banken führende Mitglieder der
Keiretsu-Industriegruppen, die Aktienanteile an Unternehmen besitzen, und auch die deutschen Banken
sind bedeutende Aktionäre. Zum Teil ist das dem
Bericht zufolge darauf zurückzuführen, daß die Finanzgesetze und -Vorschriften in Deutschland und
Obwohl die Untersuchung keine Änderungen im Japan stärkere Bindungen zwischen Banken und Induamerikanischen System befürwortet, weist sie auf strie zulassen als die Gesetze in den Vereinigten
relative Wettbewerbsvorteile der beiden anderen Volks- Staaten.
wirtschaften hin, insbesondere im Hinblick auf die
Beziehungen zwischen Staat und Industrie. "Die US- Zudem, so die Studie, haben amerikanische InvestoRegierung hat traditionsgemäß keine koordinierte Politik ren den weitverbreiteten Ruf, vor allem an der kurzfrigegenüber der Wirtschaft verfolgt, und ihre Beziehun- stigen Wirtschaftlichkeit ihrer Investitionen interessiert
gen zur Industrie waren häufig gegenläufig", so der zu sein, während die japanischen und deutschen InveBericht. "Im Gegensatz dazu hat Japan sich um ein storen sich anscheinend stärker an der Leistungsfäkooperativeres Verhalten gegenüber den Unterneh- higkeit des Unternehmens auf lange Sicht orientieren.
men bemüht sowie die Entwicklung von Schlüssel- Das mag teilweise auf die Furcht vor Firmenübernahtechnologien und Exportindustrien gefördert". In ähn- men in den Vereinigten Staaten zurückzuführen sein,
licher Weise stellt der Bericht fest, sind die Beziehun- eine Sorge, die in Japan mit seiner Keiretsu-Struktur,
gen zwischen Regierung und Wirtschaft in Deutsch- die solche Übernahmen vollkommen unmöglich macht,
land von Zusammenarbeit gekennzeichnet, und die nicht existiert.
Bundesregierung ist Interventionsmaßnahmen gegenSelbst auf den Gebieten, auf denen die Beziehungen
über nicht abgeneigt.
zwischen Regierung und Industrie ähnlich zu sein
Die Steuerpolitik der Regierung beeinflußt auch direkt scheinen, kann die Art und Weise, in der die Vorschrifdas unternehmerische Umfeld, so die Untersuchung. ten durchgesetzt werden, die Wettbewerbsfähigkeit
"Änderungen in der amerikanischen Steuerpolitik haben beeinflussen, so die Studie. "Beispielsweise sind die
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�Kartellvorschriften in Japan und Deutschland amerikanischen Gesetzesbestimmungen nachempfunden, ihre
Interpretation und Durchsetzung sind in allen drei
Ländern jedoch unterschiedlich."
Im Gegensatz zu traditionellen amerikanischen Geschäftspraktiken sind dem Bericht zufolge stabile
Geschäftsbeziehungen, Aktenbesitz und umfassender Informationsaustausch die Schlüsselelemente der
Geschäftspraktiken japanischer und deutscher Firmen in den wettbewerbsfähigsten Sektoren. Zudem
sind die Beziehungen zwischen den Tarifpartnern in
Japan und Deutschland viel stärker von Zusammenarbeit gekennzeichnet als in den Vereinigten Staaten.

Einige Firmen in den Vereinigten Staaten machen sich
ein "unternehmerisches" Geschäftsmodell zu eigen,
das auf Elemente der japanischen Keiretsu-Praktiken
zurückgreift - die Betonung von Zusammenarbeit
zwischen Hersteilem, Zulieferern und Finanzunternehmen. Im Gegensatz dazu - so der Bericht - lockern
einige japanische Firmen ihre Verbindungen zu den
Zulieferern. Obwohl japanische Unternehmen während der achtziger Jahre eine Strategie der langfristigen Eroberung von Marktanteilen vor der Gewinnerzielung verfolgten, hat die derzeitige Konjunkturflaute
in Japan viele dieser Unternehmen zu einer Überprüfung ihrer Prioritäten veranlaßt.

Der Bericht stellt fest, daß die Geschäftspraktiken in
allen drei Ländern nicht vor Veränderungen gefeit sind.

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AMERIKA DIENST 35

�WEITERVERBREITUNG
I.September 1993

SANKTIONEN GEGEN CHINA UND PAKISTAN
WEGEN TRANSFER VON RAKETENTECHNOLOGIE
Eindeutige Beweise für Technologietransfer

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verhängten am 25. August 1993 Handelssanktionen gegen
Regierungsstellen in China und Pakistan wegen des
Transfers von Raketentechnologie und -teilen, der
amerikanische Gesetze und die Richtlinien des internationalen Raketentechnologie-Kontrollsystems (Missile Technology Control Regime - MTCR) verletzt.

Pakistan zu klären, die Reaktion der beiden Regierungen sei aber unbefriedigend gewesen.
"Die Vereinigten Staaten fordern die Verhängung von
Sanktionen gegen ausländische Personen, die wissentlich in ein nicht dem internationalen Raketentechnologie-Kontrollsystem angehörendes Land einen
Transfer von im MTCR-Anhang aufgeführten Gegenständen vornehmen, die zu der Entwicklung von Raketen mit einer Sprengladung von 500 Kilogramm und
einer Reichweite von 300 Kilometern beitragen", erklärte McCurry.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Michael
McCurry, erklärte, die Sanktionen verhängten ein
zweijähriges Verbot für den Abschluß staatlicher Verträge zwischen den Vereinigten Staaten und den
Verteidigungsministerien beider Länder und verschiedenen anderen chinesischen Regierungsstellen sowie "In diesem Fall hat die US-Regierung sich zur Verhänein Verbot für die Genehmigung amerikanischer Ex- gung von in die Kategorie II fallenden Sanktionen
entschlossen", stellte er fest und setzte auseinander,
porte.
daß diese sich auf den Transfer 'bestimmter im MTCRLynn Davis, Staatssekretärin für internationale Sicher- Anhang aufgeführter Gegenstände, die zur Entwickheitsfragen im Außenministerium, traf am 25. August lung von Raketen beitragen", beziehen.
mit den Botschaftern Chinas und Pakistans zusammen und teilte ihnen mit, die amerikanische Regierung Amerikanische Regierungsvertreter hatten über mehhabe festgestellt, "daß bestimmte chinesische und rere Monate hinweg die Frage untersucht, "ob eine
pakistanische Regierungsstellen sich an einem Trans- bestimmte Lieferung im Jahr 1992 Gegenstände entfer von Raketentechnologie beteiligt haben, der ame- hielt, die gemäß amerikanischem Gesetz die Auferlerikanischen Gesetzen zufolge die Verhängung von gung von Sanktionen erfordern", so McCurry. Die
endgültige Entscheidung wurde am 24. August getrofSanktionen erfordert", so McCurry.
fen. Nach erfolgter Feststellung, daß ein die MTCRAmerikanischen Regierungsvertretern zufolge soll der Richtlinien verletzender Transfer stattgefunden hat,
Transfer von China nach Pakistan im November des verlangt das amerikanische Gesetz die sofortige VerJahres 1992 stattgefunden haben.
hängung von Sanktionen, äußerte er.
Der Außenamtssprecher betonte, die "Entscheidung"
folge einer "eingehenden Untersuchung des Beweismaterials über mehrere Monate". Ihm zufolge hatten
amerikanische Regierungsvertreter wiederholt Kontakt zu beiden Regierungen aufgenommen in dem
Versuch, mehrere Berichte aus unterschiedlichen
Quellen über einen Transfer von im Zusammenhang
mit M-11 -Raketen stehendem Material aus China nach

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Die Entscheidung 'bezieht sich auf einen einzigen,
sanktionierbaren Transfer", so der Außenamtssprecher. "Wir können in der Öffentlichkeit nicht unsere
gesamten Informationen über besagte Lieferung preisgeben ... da es sich hierum empfindliche Verfahren zur
Sammlung und Auswertung von Information handelt",
antwortete er auf Fragen. "Die Lieferungen enthielten
eindeutig Raketentechnologie und -teile, die zu der

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�Schlu Steigerung führten, daß sich ein sanktionierbarer "Natürlich zahlen wir einen beträchtlichen Preis", räumVorfall ereignet hatte", so McCurry.
te der Außenamtssprecher ein. "Aber er zeigt, wie
ernst wir die Frage der Weiterverbreitung nehmen", die
Chinesische und pakistanische Regierungsvertreter "möglicherweise die wichtigste Rüstungskontrollfrage
behaupteten im wesentlichen, "daß ihre Verpflichtung der neunziger Jahre" darstellt.
zur Einhaltung der MTCR-Richtlinien durch diese
Transfers nicht verletzt wurde", fuhr der Außenamts- "Die Vereinigten Staaten sind ernsthaft besorgt über
sprecher fort.
eine Weiterverbreitung von Raketentechnologie dieser Art in einer Region der Welt, in der ein großes
Die Sanktionen richten sich an die Regierungsstellen, Potential für Konflikte und Instabilität gegeben ist",
die an der Transaktion beteiligt waren, sowie an die erklärte er.
ihnen untergeordneten Stellen. Dazu zählen das
chinesische Luftfahrtministerium, das auch das chine- Die Überprüfung des Transfers von Raketentechnolosische Export-Import-Unternehmen für Präzisionsma- gie begann unter der Bush-Administration, und Präsischinerie (China Precision Machinery Import-Export dent Bush beauftragte das Außenministerium mit der
Corporation) einschließt sowie das Verteidigungsmini- Leitung dieser Untersuchung. Es gab jedoch "umfassterium. Da die Verhängung von Sanktionen sich auch sende Kontakte zwischen den Behörden", und das
auf untergeordnete Stellen bezieht, wurden insgesamt Weiße Haus "war aktiv an jedem Schritt beteiligt", i
10 verschiedene chinesische Regierungsstellen in die
Entscheidung einbezogen. In Pakistan war dem Es gibt keine Spielraum bei der Entscheidung, welche
Sanktionen verhängt werden sollen, nachdem ausreiAußenamtssprecher zufolge das Verteidigungsminichende Beweise für einen Transfer gefunden wurden,
sterium die einzige betroffene Behörde.
erklärte McCurry. Das Gesetz schreibt vor, welche
Die unter Kategorie II fallenden Sanktionen verlangen Sanktionen verhängt werden müssen.
die Verweigerung neuer Exportgenehmigungen für im
MTCR-Anhang aufgelistete Gegenstände, die von der Ihm zufolge fand Staatssekretärin Davis "eindeutige
Rüstungskontrolliste des Außenministeriums und der Beweise dafür, daß ein unter Kategorie II fallender
im Exportverwaltungsgesetz des Wirtschaftsministe- Transfer stattgefunden hat, die Frage, ob auch ein
riums vorgeschriebenen Kontrolliste für mehrfach unter Kategorie I fallender Transfer vorgenommen
nutzbare Gegenstände festgelegt werden. Die Sank- wurde, kann jedoch nicht eindeutig beantwortet wertionen werden für die Dauer von zwei Jahren verhängt. den".
Sie enthalten auch ein Verbot für den Abschluß staatMcCurry erklärte, "Gegenstände der Kategorie I sind in
licher Verträge mit den sanktionierten RegierungsstelWirklichkeit Raketensysteme. Es sind Raketen. Es
len im Hinblick auf im MTCR-Anhang aufgeführte
sind komplette Untersysteme, einschließlich der RaGegenstände für denselben Zeitraum.
ketenstufen, Raketentriebwerks und Lenksysteme. Die
in Kategorie II erfaßten Gegenstände unterliegen techDie wichtigste Auswirkung der amerikanischen Sanktionen gegen China wird das Verbot von Satellitenver- nischen Parametern."
käufen und in den Vereinigten Staaten zugelassener
Satellitentechnologie darstellen, um die Beijing ersucht hat. Im Fall von Pakistan "gibt es nur wenige
kommerzielle Aktivitäten, die unter die MTCR-Richtlinien fallen".

"Dazu zählen Raketentreibmittel, Mechanismen zur
Trennung der Raketenstufen, Raketentriebwerksgehäuse, Isolierungen und Düsen, Mess- und Navigationsgeräte, Rugsicherungssysteme wie Höhenkontrollgeräte, avionisches Gerät wie Radar und globale
Obwohl es schwierig ist, die Auswirkungen der neuen Positionsgeräte, Mess- und Navigationsgeräte, Abgegen China verhängten Handelssanktionen in Dollar schußunterstützungsgerät wie Trägersysteme zum
anzugeben, so der Außenamtssprecher, "werden Transport oder Abschuß von Raketen und Raketenunseren Schätzungen zufolge Handelsaktivitäten verfokjungssyteme, bestimmte Computertypen und
zwischen 400 und 500 Millionen Dollar jährlich von den Software sowie Erprobungseinrichtungen und Geräte
heute verhängten Sanktionen betroffen sein". Im wie Windtunnel und Produktionsgerät oder technische
Finanzjahr 1992, dem letzten statistisch erfaßten Jahr, Daten über die oben genannten Geräte", erläuterte
hätte der Handelswert der von den Sanktionen betrof- McCurry.
fenen Gegenstände ungefähr 370 Millionen Dollar
Obwohl amerikanische Firmen unter dem Sanktionsbetragen.
regime in Zukunft Verträge verlieren würden, bleiben
die
derzeit gültigen Verträge McCurrys Ansicht nach in
Die Sanktionen betreffen nur die amerikanischen Exporte
Kraft.
"Diese Maßnahmen betreffen neue Exportlizennach China. Unter Kategorie I fallende Sanktionen
zen",
erklärte
er im Hinblick auf die Sanktionen.
hätten Auswirkungen auf chinesische Exporte in die
Vereinigten Staaten, erklärte McCurry.

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"Wir haben sowohl der chinesischen ata auch der
pakistanischen Regierung! gegenüber ww|srho» un-

�sere Besorgnis über diesen speziellen Transfer zum
Ausdruck gebracht", führte der Außenamtssprecher
aus und verwies auf das Treffen von Außenminister
Christopher mit seinem chinesischen Amtskollegen
am 25. Juli 1993 in Singapur und die Gespräche
zwischen Davis und hochrangigen Regierungsvertretem am 29. Juli in Beijing sowie die Zusammenkünfte
mit dem amtierenden pakistanischen Premierminister
in Washington und die anschließenden Kontakte mit
der pakistanischen Regierung.
Bei diesen "umfassenden diplomatischen Kontakten",
so McCurry, wurden beiden Regierungen "äußerst
spezifische Fragen gestellt, die den Vereinigten Staaten bei der Analyse und Auswertung der gesammelten
Informationen behilflich sein würden. Und die Antworten auf diese wiederholten Anfragen waren in allen
Fällen unbefriedigend", stellte der Außenamtsprecher
fest.
Die Partner der Vereinigten Staaten beim MTCR würden
von der amerikanischen Entscheidung in Kenntnis
gesetzt, "die beträchtliche Auswirkungen auf die Handelsaktivitäten anderer Länder haben werde", fügte er
hinzu. Einige der engsten Partner der Vereinigten
Staaten seien seit einiger Zeit über die Ermittlungen
informiert und "werden infolge dieser Entscheidung
ihre eigenen Exportkontrolfverfahren überprüfen wollen".

zerstreuen und die amerikanischen Exportgesetze
einhalten können", erklärte McCurry. "Wir sind zur
Zusammenarbeit bereit, um neue Informationen zu
erhalten oder neue verfügbare Informationen auszuwerten, und das Angebot... zur Zusammenarbeit bei
dieser speziellen Frage ist ernstgemeint."
"Neben den Problemen der Weiterverbreitung haben
wir ein breites Spektrum von Sicherheitsbedenken,
wirtschaftlichen Belangen, Handelsbeziehungen, Kulturaustausch - Bereiche die, wie wir natürlich hoffen,
Bestand haben werden und die positiven Aspekte
unserer bilateralen Beziehungen sowohl mit China als
auch Pakistan widerspiegeln", führte der Außenamtssprecher aus. "Zu diesem speziellen Thema sind die
amerikanischen Gesetze eindeutig und wir haben die
Gesetze, wie es unsere Pflicht ist, angewandt."
Später äußerte Staatssekretärin Davis Journalisten
gegenüber, die Vereinigten Staaten wollten mit China
bei der gesamten Tagesordnung zur Nichtverbreitung
zusammenarbeiten und verwies auf "die Vielzahl von
Möglichkeiten, bei denen unsere Nichtverbreitungsziele höchst parallel verlaufen".
Davis zufolge hat sie dem chinesischen Botschafter
"die unverzügliche Aufnahme der Verhandlungen" auf
technischer und politischer Ebene vorgeschlagen, um
die Bestimmungen des MTCR "und deren Auslegung
durch die jeweiligen Parteien" zu verstehen.

"Weil es sich hierbei um kooperative Bestrebungen der
Davis erklärte, der Verkauf eines amerikanischen
internationalen Staatengemeinschaft handelt", äußerSupercomputers
an China werde noch immer in Erwäte McCurry, "gehen ihre Auswirkungen über den nur
gung
gezogen,
da
er "nicht direkt von den Sanktionen
die Vereinigten Staaten betreffenden Handel hinaus."
betroffen ist".
Dem Sprecher zufolge falle der RaketentechnologieDie Staatssekretärin stellte fest, die pakistanischen
transfer für Präsident Clinton bei der Erwägung einer
Politiker
hätten "ihren eigenen Worten und ÄußerunErneuerung des Meistbegü ngstigu ngsstatus für China
gen"
zufolge
Raketen und Raketentechnologie angenächstes Jahr nicht ins Gewicht. Als Clinton am 28.
strebt
"aufgrund
der Bedrohung, die sie für ihre SicherMai einen Präsidialerlaß zur Erneuerung des Meistbeheit
in
ihrem
Teil
der Welt ausmachen".
günstigungsstatus für ein Jahr unterzeichnete, "hat er
eben diese Fragen der Weiterverbreitung ausgeklamAuf Fragen der Journalisten antwortete sie, "wenn wir
mert, damit sie angesprochen und geprüft und dann
schlüssige Beweise hätten, daß Pakistan eine M-11die entsprechenden amerikanischen Gesetze unabRakete besitzt, hätten wir (eine ernstere) Entscheihängig von der Entscheidung oder der Überprüfung
dung zur Kategorie I getroffen. Uns liegen keine
des Meistbegünstigungsstatus im kommenden Jahr
Beweise vor, daß Pakistan im Besitz einer M-11angewendet werden können."
Rakete ist. Wir haben konkrete Beweise, daß Pakistan
von
China im Zusammenhang mit einer M-11 -Rakete
Der Außenamtssprecher betonte, daß die von den
stehende
Gegenstände erhalten hat", die auf dem
Vereinigten Staaten sehr ernst genommenen Fragen
MTCR-Anhang
kontrollierter Gegenstände stehen.
der Weiterverbreitung "nicht der Wesensgehalt unserer Beziehungen" zu China seien. "Zweifelsohne hoffen wir, daß es zusätzliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit China bei einer großen Bandbreite anderer
Themen geben wird. Dieses Problem bedurfte jedoch
der sehr direkten Reaktion im Rahmen der amerikanischen Gesetze."
Bei ihrem Treffen mit den chinesischen und pakistanischen Gesandten bot Davis "Zusammenarbeit bei der
Überprüfung dieser Frage in den nächsten beiden
Jahren an um festzustellen, ob wir unsere Besorgnis
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Davis stellte fest, aufgrund der amerikanischen Gesetze und der Entscheidung der Vereinigten Staaten
zum Atomwaffenprogramm Pakistans seien bereits
Sanktionen gegen Pakistan verhängt worden. Der
Effekt der neuen Sanktionen sei daher "minimal".
Der Staatssekretärin zufolge seien bereits Sanktionen, die unter den sogenannten Helms-Zusatzartikel
fallen - Sanktionen gegen zentral gelenkte Volkswirtschaften, die nicht Nationen des ehemaligen War-

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�schauer Pakts sind - als Reaktion auf die Niederschlagung der Demokratiebewegung in Beijing auferlegt
worden.
Davis verwies darauf, die Vereinigten Staaten seien
"erfreut" über die Aufnahme von Gesprächen mit der

neuen pakistanischen Regierung über das gesamte
Spektrum von Themen und "hoffen, daß wir unsere
bisherige Besorgnis" über die Entwicklung eines Atomprogramms "zerstreuen können".

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 35

�COUNTRY-MUSIC
1. September 1993

MARY-CHAPIN CARPENTER:
DER LIEBLING DER COUNTRY-MUSIC
von Debra Shore
Die amerikanische Sängerin Mary-Chapin Carpenter, die mit ihrer populären Country-music mehrere Auszeichnungen gewann, hat in jahrelanger Arbeit die Themen Kummerund Hoffnung in ungewöhnlich geistreiche Lieder
umgewandelt. Der vorliegende Artikel beschreibt ihren Werdegang und ihr künstlerisches Talent. Seine
Verfasserin Debra Shore ist freiberufliche Schrifstellerin und lebt in Chicago.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Brown Alumni Monthly und der
Verfasserin.

Seit die amerikanische Country Music Association
Mary-Chapin Carpenter im Oktober 1992 zur Sängerin
des Jahres ernannte, spielte sie vor ausverkauftem
Haus auf den großen Bühnen der Vereinigten Staaten.
Aber die Jahre von Carpenters Kampf liegen noch
nicht weit zurück. Um Auftrittsmöglichkeiten in kleinen
Clubs kämpfend, mu ßte sie in den achtziger Jahren mit
im Fernsehen über der Bar ausgestrahlten Sportsendungen konkurrieren sowie Kompositionen für James
Taylor und Carly Simon schreiben. Sie nannte das ihre
"Auftritte in der Hölle".

Heute ist Carpenter einer der heißesten Tips im Runkfunk und den Konzertsälen Amerikas. Sie wurde von
der National Academy of Recording Arts and Sciences
mit zwei Grammys als beste Country-music-Sängerin,
einer goldenen und einer Platinschallplatte sowie mit
der höchsten Auszeichnung der Country Music Association gewürdigt.

Die Stadt, in der Carpenter - wie sie in "Hometown Girl"
schreibt - als "ein Mädchen mit starkem Willen und
starkem Herzen" aufwuchs, war Princeton in New
Jersey. Ihre Familie lebte dort bis 1969, als sie
Um die Miete für das Haus in Washington bezahlen zu aufgrund der leitenden Position des Vaters bei der
können, das sie gemeinsam mit Freunden bewohnte, Zeitschrift Life nach Tokio umzog. Die Familie verarbeitete sie in der Verwaltung einer gemeinnützigen brachte zwei Jahre in Japan und ließ sich später in
Stiftung. Nachdem sie jedoch jahrelang zusehen Washington nieder. Während dieser Zeit spielte Marymußte, wie ihre Kollegen beruflich aufstiegen, wäh- Chapin auf der alten Gitarre ihrer Mutter, was sie sich
rend sie sich mit Trinkgeldern begnügen mußte, fragte selbst beigebracht hatte, und bekam Schwielen, wähsie sich, ob ihr Glaube an ihre Songs sie über Wasser rend sie die Balladen von Judy Collins begleitete.
halten würde. Sie überlegte, ob sie weiter auftreten
Bereits während ihrer Zeit in der auf das College
sollte.
vorbereitenden Taft School in Watertown (ConnectiDas war die Zeit, in der die Illusionen verlorengehen cut) hatte Carpenter ihre ersten fanatischen Fans. "Sie
und dieZweifel sich verstärken. Aber wenn man Glück spielte im Treppenhaus, das eine prima Akustik hatte",
und Talent hat, wenn man beharrlich oder begabt ist, erinnert sich ihre Klassenkameradin aus der Taft School
dann kann man eines Tages zurückblicken und sagen: und spätere Kommilitonin an der Brown University Liz
"Das waren harte Zeiten". Carpenter gab nicht auf, Barratt-Brown. "Ich hatte noch nie so tolle Musik
entwickelte ihren persönlichen Stil und verarbeitete die gehört", fügt eine andere Kameradin aus Schul- und
Themen Kummer und Hoffnung in ungewöhnlich gei- Universitätszeiten, Lynn Creviston Shiverick, hinzu.
streichen Liedern. Das Resultat hätte sie in ihren
kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt.
Dort spielte Carpenter auch ihr erstes Duo mit Joan
Baez. "Es gab einen Gemeinschaftsraum mit zwei
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�Klavieren", erinnert sich Carpenter. "Eines Abends
war ich dort und spielte. Joan hatte einen Klassenkameraden zurück nach Taft gebracht - sie kannte seine
Familie - und sie kam herein und setzte sich zu mir ans
Klavier. Ich wußte sofort, wer sie war." Baezfingan,
mit der aufgeregten Carpenter zu spielen und zu
singen und gab ihr einige Tips zur Klaviertechnik.
Siebzehn Jahre später wurde Carpenter eingeladen,
mit Baez in einer Reihe von Benefizkonzerten mit den
Indigo Girls zu singen. "Als wir zum ersten Mal
miteinander telefonierten, erzählte ich ihr diese Begebenheit", so Carpenter. "Sie freute sich, daß ich sie
daran erinnerte. Es war eine der netten Geschichten
im Leben, bei denen sich der Kreis schließt."

Autodikakt: Sie studierte den Aufbau von Songs,
probierte Ostinatos auf ihrer Gitarre, nahm sich selbst
auf Kassette auf und hörte sie unermüdlich ab. Eine
Zimmernachbarin aus der Studienzeit erinnert sich
daran, wie sie Carpenter mitten in der Nacht zurief, die
Lautstärke herunterzudrehen. "Es war sehr störend",
erklärt sie. "Natürlich sind wir jetzt die Dummen. Wer
wußte denn damals, daß wir einer künftigen GrammyAward-Gewinnerin zuhörten?"

Während ihrer letzten beiden Jahre an der Brown
University lebte Carpenter in einem großen, gemieteten Haus. Schon damals erfüllte sie das Haus mit
Musik. "Sie lebte mit ihrem epileptischen Hund, Molly,
im dritten Stock und beschäftigte sich die ganze Zeit
mit Musik", so Hausgenossin Elizabeth Kellner SuneAls die vier Musikerinnen in der Küche von Joan Baez by. "Ihre Wohnung war ihr Kokon."
für die Konzerte probten, bot Carpenter an, den eben
von ihr komponierten Song "Stones in the Road" zu Carpenters Hausgenossen erinnern sich auch an ihren
singen. Während sie noch sang, schob Baez, die ihr respektlosen und lästerlichen Sinn für Humor, ihre
erstes großes Album seit 1979 zusammenstellte, ihr Zurückgezogenheit und ihre Scheu. "Sie schrieb immer
eine Nachricht zu: "Ich will diesen Song". Später rief alles auf", erinnert sich Shiverick. "Wenn sich bei ihr
Baez die sich auf Tournee in Australien befindende oder uns etwas ereignete, zog sie sich in ihr Zimmer
Carpenter an und bat sie um Erlaubnis, den Song zurück und schrieb einen Ragtime darüber, den sie
aufzunehmen. Carpenter hatte ihre Komposition selbst dann sang. Manchmal wurde dieser nur einmal aufgenoch nicht aufgenommen, und nun bat Joan Baez führt und dann für immer vergessen."
darum, das als erste tun zu dürfen. "Ich erinnerte mich
daran, wie schön es war, als Kind mit ihr zu spielen", so Während der schweren Jahre, in denen sie versuchte,
Carpenter, "und wie aufregend. Die Tatsache, daß sie in der Washingtoner Club-Szene ihre Kunst auszumeinen Song überhaupt aufnehmen wollte, war schmei- üben, schloß sie sich einigen ortsansässigen Musikern
chelhaft, so daß es eigentlich einfach war." Als Rol- an, darunter vor allem dem Gitarristen John Jennings,
ling Stone kürzlich das Album von Baez rezensierte, der sie drängte, nur dort aufzutreten, wo sie ihre
eigenen Kompositionen spielen durfte. Allmählich
erhielt "Stones in the Road" viel Lob.
gewann sie Anhänger vor Ort. 1986 wurde sie mit fünf
Zu dem Song erklärt Carpenter: "Wahrscheinlich "Wammies" - Washington Area Music Awards - ausgedachte ich darüber nach, wie ich das Geheimnis aller zeichnet, darunter dem für den besten jungen Künstler
Dinge artikulieren kann, die Zeit, in der man meint, und den besten Songschreiber. Mit Jennings als
wenn man nur den Zeichen folgt, den Steinen auf der Produzent und musikalischem Partner steifte CarpenStraße, dann werde ich dorthin gelangen, wo ich hin ter ein Demonstrationsband zusammen, das sie bei
will; und man erkennt, daß das nicht immerder Fall ist. ihren Auftritten verkaufte. Mit dem ihr eigenen Humor
Es ist ein Lied auf die meines Erachtens bestehende nannte sie ihren Verlag "Getarealjob Music" ("Such'Gefahr für meine Generation, zu materialistisch zu Dir-'nen-richtigen-Job-Verlag").
werden."
"Ich wußte sofort, daß sie ein großes Talent ist",
Carpenter sang zum ersten Mal allein vor Publikum in erinnert sich Tom Carrico, langjähriger Manager, Publizist
dem Jahr, das zwischen dem Besuch der Taft School und ein Bekannt er von Jennings, alserdas Band hörte.
und der Brown University lag. Eine Mitarbeiterin des "Nicht nur als Sängerin, sondern auch als Komponistin
Brentano's Bookstore in Washington schob sie im Red machte sie etwas Einzigartiges." Carrico und John
Fox Inn in Bethesda (Maryland) vor ein offenes Mikro- Simson, Partner bei Studio One Artists, sind seitdem
phon. "Es herrschte Totenstille, während sie spielte", Carpenters Manager. Sie stand kurz vor der Untererinnert sich ihre gute Freundin Wendy Franklin, "und zeichnung eines Vertrags mit Rounder Records, als
dann sprang sie von ihrem Hocker, lief von der Bühne einer der Abteilungsleiter von CBS Records (jetzt
und sagte kein Wort". In jenen Tagen spielte Carpen- Columbia genannt) in Nashville ihr Band hörte, sie
ter die Werke anderer Sänger und Songschreiber. Sie unter Vertrag nahm und 1987 ihr erstes Album,
hatte keinen eigenen Bühnensong.
Hometown Girl, produzierte.
An der Brown University drängten ihre Freunde sie,
einmal in der Graduate Center Bar aufzutreten, aber
sie spielte meistens in ihrem Zimmer. Carpenter, das
Produkt amerikanischer Zivilisation und "absolute
Fanatikerin der Freien Künste", war im wesentlichen

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Die Organisatoren des Philadelphia Folk Festival luden sie 1987 ein, auf der Hauptbühne zur besten Zeit
zu singen - für eine noch unbekannte Sängerin eine
einmalige Chance. Sie ging auch mit einer Band auf
Tournee, was sie von ihrer einsamen Rolle auf einem

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�Hocker im Mittelpunkt der Bühne befreite. "Die Arbeit
mit einer Band ist vollkommen anders", erklärt sie. "Sie
befreite mich in psychologischer, musikalischer und
geistiger Hinsicht." Carpenter begann, sich auf der
Bühne zu bewegen, zwischen den Songs etwas zu
erzählen, eine Darstellerin zu werden.
1989 veröffentlichte Carpenter State of the Heart, ihr
zweites Album. Obwohl Carpenters Songs der Country-music zugeordnet werden, vermeiden sie diesbezügliche Klischees und die simplifizierenden Ansichten über das Leben und die Liebe, die aus Nashville
kommen. Das heißt jedoch nicht, daß Carpenter nicht
über Liebe und Verlust geschrieben hätte - sie sang
kürzlich auf einem Konzert zwei Auszüge aus ihrer
Trilogie "mein Ex-Freund" - aber ihre Lyrik besitzt eine
seltene, dichtgedrängte Poesie, die Kritiker und Fans
gleichermaßen lieben.
"Meines Erachtens muß man akzeptieren, daß sich die
Country-music wirklich geändert und weiterentwickelt
hat", äu ßert Carpenter. "Ich betrachte mich als Sängerin und Song-Schreiberin, und die Country-music ist
hierfür offen. Viele Künstler passen nicht in diese
Kategorien. Es liegt in der Natur der Sache, daß man
sich gut in eine Kategorie einordnen lassen muß, und
das war für mich ein schwieriger Weg. Wir Künstler
machen uns jedoch weniger Sorgen darüber als alle
anderen."
Ein im Frühjahr 1989 abgeschlossener Vertrag mit
EMI April Music ermöglichte es Carpenter, sich ausschließlich ihren Kompositionen und Auftritten zu
widmen. Im Oktober 1990 veröffentlichte sie ihr drittes
Album, Shooting Straight in the Dark. In der Zeit
zwischen dem Erscheinen ihres zweiten und dritten
Albums fügte sie den Bindestrich zwischen ihren Vornamen ein. "Alle nannten mich Mary", stellt sie fest. In
der Brown University war sie als Chapin bekannt, zu
Hause wurde sie Mary Chapin genannt, um sie von
ihrem Vater, Chapin Carpenter, zu unterscheiden. "Ich
raufte mir die Haare, und irgend jemand in dem Plattenverlag schlug vor, diese beiden Vornamen mit
Bindestrich zu verbinden. Aber", sagt sie wehmütig,
"das hat überhaupt nicht geholfen. In neunundneunzig
Prozent aller Fälle wird der Bindestrich zwischen Chapin
und Carpenter gesetzt. Ein Kritiker in Ohio schrieb
kürzlich über Mary-Chapin-Carpenter. Es geht mir auf
die Nerven."
Im Oktober 1990 stieg die Zahl von Carpenters Bewunderern über Nacht schlagartig an, als sie im Fernsehen
- bei der Verleihung der Auszeichnungen der Country
Music Association - ihre Hommage an die Prüfungen
des unbekannten Künstlers - "You Don't Know Me, Im
the Opening Act" - sang. Sie mußte den Text zum Teil
fü r das nationale Fernsehen umarbeiten und fürchtete,
der Song würde seine Ausdruckskraft verlieren.
Unbegründeterweise. Mit dem Song "I don't have a
limousine that Stretches three blocks/Waiting to take

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me f rom door to door/Ju st like that jackass l'm opening
for/You don't know me/l'm the opening act" löste
Carpenter stürmischen Beifall aus und ihre Zuhörer,
unter ihnen Stars der Nashville-Country-music, denen
dieser Song offensichtlich persönlich naheging, lagen
ihrzu Füßen. Sie warzum Liebling der Country-music
geworden.
Seitdem war Carpenter fast die ganze Zeit auf Tournee, trat bei Konzerten und Benefizveranstaltungen
auf, erschien in Fernsehsondersendungen und nahm
Musikvideos auf. Sie ging mit den Sängerinnen Luanda Williams und Rosanne Cash in Australien auf
Tournee. 1992 erntete sie begeistertes Lob der Kritiker von The New York Times, The Washington
Post, People, Time, Newsweek und Rolling Stone
und wurde in Talkshows und den Morgennachrichten
interviewt.
1992 wurde ihr der Grammy für ihre Wiedergabe von
"Down at the Twist and Shout", verliehen, einen ausgelassenen, von der Musik der Cajuns beeinflußten
Tribut an einen Tanzsaal in Bethesda (Maryland). In
demselben Jahr gab sie auch ihr viertes Album Come
On Come On heraus - nicht, wie in einer Zeitung zu
lesen war C'mon, C'mon. "Es gibt einen großen
spirituellen Unterschied zwischen den beiden", kommentiert sie. Als die Country Music Association Carpenter im Oktober 1992 zur Sängerin des Jahres
ernannte, war sie sichtlich überrascht. Passend zu
dieser Gelegenheit erhob sie sich und gab eine mitreißende Version ihres jüngsten Hits "I Feel Lucky" zum
besten.
Carpenter reist jetzt mit zwei Bussen für ihre vierköpfige Band, sechsköpfige Mannschaft und mindestens
einem Dutzend Gitarren. Da sie sich so vieler ungewöhnlicher Modulationen bedient, wechselt sie ihre
Gitarre nach fast jedem Song, was einen Zuhörer bei
einem Auftritt in Austin (Texas) zu der Frage veranlaßte: "Spielen Sie die auch alle, oder sind das nur
Requisiten?"
"Nein", scherzte Carpenter, und erzählte die Geschichte Ende 1992 vor einem Chicagoer Publikum, "Mädchen können nicht Gitarre spielen". Während sie einen
Song spielt, stimmt ihr Techniker hinter den Kulissen
ein anderes Instrument für den nächsten Song. Es
kommt vor, daß Carpenter im Laufe eines Konzertes
15mal oder öfter ihr Instrument wechselt.
Hinter der Bühne äußerte eine aufgekratzte Carpenter
nach drei Zugaben vor einem begeisterten Publikum in
Chicago: "Es ist wie das Erklettern einer Mauer. An
manchen Abenden schaffe ich es bis oben und auf die
andere Seite - das ist wunderbar - und an anderen
Abenden schaffe ich nur den halben Aufstieg und falle
dann wieder herunter. Das hat nicht so sehr mit
unserer musikalischen Leistung zu tun, sondern mit
der Reaktion des Publikums. Vor zwei Jahren in
Athens (Georgia) spielten wir diesen Song - in einem

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�alten, verstaubten Kino - aber das Publikum ging
richtig mit. Es behandelte uns wie die Beatles!"

Mit zunehmender Berühmtheit mußte Carpenter um
die Wahrung ihrer Privatsphäre kämpfen - und ihrer
Unbescholtenheit. Vorkurzem wurde sie beispielsweiCarpenters jetzige Berühmtheit geht auch mit Proble- se eingeladen, an einer Fernsehshow teilzunehmen,
men einher. Das Leben auf Tournee zehrt. Es ist und mußte feststellen, daß die Vorstellungen der
schwierig, enge Beziehungen zu pflegen. Carpenter
Produzenten - der Auftritt spärlich bekleideter Tänzer,
hält die meisten ihrer Freundschaften per Telefon die eine Vielzahl zweideutiger Nummern vorführten aufrecht. Sie vermißt ihre Familie, weil sie stets engen sehr verschieden von ihren eigenen waren. Carpenter
Kontakt zu ihren Eltern und ihren drei Schwestern versuchte, ihre Teilnahme abzusagen, man drohte ihr
Mackenzie, Camilla und Sophie hatte.
jedoch mit einem Gerichtsverfahren ,und sie fühlte
sich gezwungen, die Show durchzustehen. "Es war
Da sie ständig unterwegs ist, in Hotels oder dem
niederschmetternd für mich, daß ich gezwungen wurTourneebus schläft, ist es schwierig für sie, sich zude, bei etwas mitzumachen, das mir nicht gefiel",
rückzuziehen und zu komponieren. Das Komponieren
erinnert sie sich. "Man kämpft so hart, um etwas
ist für Carpenter ein persönliches und privates Erlebherauszubringen, an das man glaubt und das ein Stück
nis, eine Tätigkeit, der sie nur in ihrem 3-Zimmervon einem selbst ist. Und dann gibt es so vieles, über
Apartment in Alexandria (Virginia) nachgehen kann.
das man keine Kontrolle hat."
"Kürzlich las ich in einer Zeitschrift einen Artikel von der
Dichterin Sharon OkJs, und sie erklärte, was für ein
Gefühl es ist, etwas zu schreiben, das sich dann
langsam verselbständigt, sich auf seinen eigenen
Weg begibt, und welch ungeheure Erfüllung das bietet", äußert Carpenter und beschreibt dabei den Prozeß, den sie selbst beim Komponieren durchläuft. "Ich
fühle ebenso".

Im Dezember 1992 und Januar 1993 gönnte sich
Carpenter eine notwendige Ruhepause, aber im Februar flog sie zu Konzerten nach England, Schottland
und Irland. Ende des Sommers 1993 möchte sie eine
große Pause von ihrer Tourneetätigkeit machen. "Ich
möchte sehr viel komponieren und einige andere Projekte
verwirklichen, die ich im Sinn habe, und eine Weile zu
Hause sein".

Was geschieht mit den Songs, die sich nicht verselbstständigen? "Manchmal komme ich wieder auf einen Sie hat bewiesen, daß Country-music nicht nur mit
zurück, den ich eine Weile beiseite gelegt hatte, und großen Hüten und Stiefeln zu tun hat. Es geht darum,
sage mir: 'Hm. Was habe ich mir dabei gedacht?',und Geschichten zu erzählen, Geschichten aus dem wirkes klingt einfach nicht so, wie es sollte", stellt sie fest. lichen Leben, aus dem Bereich der Gefühle, und zur
Andere sind von Anfang an gelungen und klingen bei Zeit erzählt Mary-Chapin Carpenter diese Geschichten so gut, wie irgend möglich.
jeder Aufführung so, wie sie es möchte.

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