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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
Z uuog 0039
62 ony suueuapog

25. August 1993

34

NAFTA

NAFTA SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE
UND REDUZIERT DIE EINWANDERUNG
Rede von Finanzminister Bentsen

FRIEDENSSICHERUNG

ALBRIGHT: USA SOLLEN AKTIVER
PARTNER DER UNO BEI FRIEDENSSICHERUNG SEIN
Stellungnahme der UNO-Botschafterin

GESUNDHEITSREFORM

CLINTON: GESUNDHEITSREFORM
UNABDINGBAR FÜR WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER USA
USA wenden doppelt soviel
wie andere Nationen auf

SUDAN

USA BRANDMARKEN SUDAN ALS
TERRORISMUS FÖRDERNDEN STAAT
Erklärung des US-Außenministeriums

BÜRGERRECHTE

OBERSTES BUNDESGERICHT TRÄGT SEIT
1963 ZUR VERBREITUNG DER BÜRGERRECHTE BEI
Rechte von Minderheiten, Frauen
erhalten Unterstützung

GLEICHBERECHTIGUNG

PRÄSIDENT CLINTON ERKLÄRT
DEN 26. AUGUST ZUM "TAG DER
GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU"
Proklamation des Präsidenten

RAUMFAHRT

DIE ERFORSCHUNG DES ROTEN PLANETEN
Entsendung einer amerikanischen
Raumsonde zum Mars

BLUES

COAHOMA COUNTY HEIMAT DES BLUES
von Mike Nickele

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAFTA
25. August 1993

NAFTA SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE UND
REDUZIERT DIE EINWANDERUNG
Rede von Finanzminister Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Finanzminister Lloyd Bentsen zufolge wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) im Laufe der nächsten zwei Jahre 200.000 neue hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen.
In seiner am 17. August 1993 vor dem Los Angeles World Affairs Council gehaltenen Rede wies er auch darauf
hin, daß das NAFTA den Anreiz für die illegale Einwanderung aus Mexiko in die Vereinigten Staaten reduzieren
werde, indem in Mexiko neue Arbeitsplätze geschaffen und der Lebensstandard sowie die Nachfrage nach
amerikanischen Waren erhöht werden.
Andererseits warnte er auch, "wären 700.000 (amerikanische) Arbeitsplätze, die zur Zeit vom Handel mit Mexiko
abhängen, gefährdet", falls das NAFTA nicht verabschiedet werde.
Der Finanzminister betonte auch die Bedeutung verstärkter wirtschaftlicher Beziehungen zu den dynamischen
Volkswirtschaften der Pazifikrandstaaten. Erhöhte amerikanische Investitionen in dieser Region "könnten
unsere Exporte in einem Ausmaß fördern, das zu einem Abbau unseres regionalen Handelsungleichgewichtes
beitragen würde".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Minister Bentsen.

Es ist viel Zeit vergangen, seit ich zum letzten Mal die
Gelegenheit hatte, vor Ihnen zu sprechen - nahezu fünf
Jahre. Die Zeiten haben sich geändert. Damals war
ich ein Kandidat. Jetzt bin ich endlich Mitglied einer
Administration, die in Amerika einen Wandel bewirken
will.
Ich möchte heute über zwei große, miteinander in
Verbindung stehende Themen sprechen: Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und unsere
Wirtschaftsbeziehungen zur Pazifikregion. Danach
bin ich gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Präsident Clinton wurde gewählt, weil die Menschen
eine Änderung des Status quo wünschten. Wir führen
sie herbei. Wir sehen weiter in die Zukunft als nur
sechs Wochen oder sechs Monate. Wir beschäftigen
uns mit der langfristigen wirtschaftlichen Gesundung
Amerikas. Wir pflastern nicht einfach einen Schnellverband auf die Probleme mit dem Gebet, daß die
Blutung zum Stillstand kommt, und reagieren dann
erstaunt, wenn wir zunehmend schwächer werden.

Mit der Annahme des Gesetzes zum Abbau des
Haushaltsdefizits haben wirdie ersten Schritte zu einer
Wiederherstellung der Stärke unserer Wirtschaft auf
Zunächst möchte ich jedoch diese Themen in einen lange Sicht unternommen. Wir haben die Zinssätze
größeren Zusammenhang einordnen. Unsere Bemü- auf einen Rekordtiefstand gesenkt. Jetzt machen wir
hungen um die Verstärkung des Handels mit Mexiko, weitere Fortschritte und widmen uns anderen ProbleAsien und den Pazifikstaaten sind Teil eines Versuchs, men. Wir befassen uns mit dem Gesundheitswesen,
unsere wirtschaftlichen Probleme direkt anzugehen. um einen weiteren Abbau des Defizits zu erreichen und
Auch demonstrieren sie die Erkenntnis unsererseits, den Amerikanern Zugang zu einer erschwinglichen
daß zwar während der Zeit des Kalten Krieges Sicher- Gesundheitsversorgung zu geben. Wir arbeiten intenheitsfragen der wichtigste Faktor waren, jetzt aber die siv am NAFTA, den GATT-Verhandlungen und GeWirtschaft im Mittelpunkt steht. Und unsere Bemühun- sprächen mit Japan, da Handelsabkommen und offegen sind auch Teil unserer Reaktion auf diese neuen ne Märkte eine weitere Möglichkeit sind, um langfristiGegebenheiten.
ges Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen.
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Wir lassen den Status quo und die Pattsituation hinter
uns. Wir können nicht in sechs Wochen oder sechs
Monaten einen Wandel herbeiführen, aber wenn wir
zusammenarbeiten, werden wir in einem, zwei oder
drei Jahren viel bewirkt haben. Und diese Probleme
wären dann gelöst.
Wir nahmen das Gesetz zum Abbau des Haushaltsdefizits allein mit den Stimmen der Demokraten an, aber
wir benötigen die Stimmen der Republikaner bei der
Abstimmung über andere Lösungen unserer Probleme. Die Probleme, mit denen wir uns befassen, sind
nicht Probleme der Demokraten. Es sind nicht Probleme der Republikaner. Es sind Probleme der Amerikaner. Die Amerikaner wünschen eine Zusammenarbeit
der politischen Parteien bei der Lösung der amerikanischen Probleme.
Ich bin sehr erfreut darüber, daß Präsident Bush
kürzlich das Engagement Präsident Clintons begrüßt
hat, das NAFTA zu verabschieden und in die Praxis
umzusetzen. Präsident Bush weiß, daß das NAFTA
gut für Amerika ist.
Nun möchte ich etwas genauer auf Einzelheiten des
NAFTA eingehen. Ich bin der Ansicht, daß wir es im
Herbst dieses Jahres durch den Kongreß bringen und
Anfang nächsten Jahres in Kraft setzen können. Es
wird nicht einfach sein, aber es ist möglich.

problemen konfrontiert werden, und niemand wünscht
das.
Was wird das NAFTA uns bringen? Wir haben bereits
700.000 Arbeitsplätze im Zusammenhang mit unserem Handel mit Mexiko. Ungefähr 400.000 dieser
Arbeitsplätze wurden geschaffen, seit Präsident Saunas mit der Liberalisierung der Handelsbestimmungen
seines Landes begann. Das NAFTA wird allein in den
nächsten zwei Jahren ungefähr 200.000 zusätzliche
amerikanische Arbeitsplätze schaffen. Und wir schätzen, daß in Verbindung mit dem NAFTA stehende
Arbeitsplätze um 12 Prozent höhere Löhne haben.
Wo liegen diese Arbeitsplätze? Wer profitiert davon?
Erlauben Sie mir, einige der Nutznießer hier in Kalifornien zu nennen. Cal-State Lumber Sales aus San
Yaidro ist einer davon. Die Verkaufszahlen dieses
Unternehmens sind um 700 Prozent angestiegen.
Und mit NAFTA wird es ihm seiner Meinung nach noch
besser gehen. Die Western Digital in Irvine wird die
Zahl ihrer Beschäftigten aufstocken können, da die
Zölle für Computerteile gesenkt werden. Johnson
Environmental mit Sitz in Santa Ana ist ein kleines
Unternehmen. Ihm zufolge wird der Verkauf seiner
Paketverschlußmaschinen nach Kanada und Mexiko
um das Vierfache erhöht, und es wird 50 zusätzliche
Arbeitnehmer einstellen. Großunternehmen, Kleinunternehmen und mittelständische Unternehmen werden Vorteile haben.

Im Herbst dieses Jahres werden wir einen erbitterten
Kampf für das NAFTA führen. Wir haben mit Bill Daley Ich möchte noch etwas anderes zum NAFTA und dem
einen erfahrenen Leiter unserer Bemühungen. Und Thema Arbeitsplätze anmerken. Die Gewerkschaften
wir werden eine weitere Kommandozentrale einrichten und andere machen sich große Sorgen, daß das
müssen, ähnlich dem Kriegsratszimmer, das wir für NAFTA hier in Amerika Arbeitsplätze kosten könnte.
das Paket zum Defizitabbau hatten. Wir werden bei Es wird das Argument angeführt, daß jetzt Arbeitsplätdiesem Thema keinen Rückstand an Informationen ze nach Mexiko oder in den Femen Osten oder anderszulassen. Wir werden sicherstellen, daß Falschinfor- wohin verlagert werden. Das ist die Konsequenz des
mationen auch als solche gekennzeichnet werden und weltweiten Wettbewerbs, nicht des NAFTA. Insgedie Menschen verstehen, daß das NAFTA mehr und samt gesehen schafft das NAFTA - 200.000 - Arbeitsbesser bezahlte Arbeitsplätze für Tausende von plätze. Für diejenigen, die vom NAFTA betroffen sind,
Amerikanern bedeutet - in der Tat 200.000.
existieren Umschulungsprogramme. Wir möchten,
daß jeder Vorteile vom NAFTA und dem daraus resulDas NAFTA ist ein gutes Abkommen, aber weil wir es
tierenden Wohlstand hat.
sogar noch weiter verbessern wollten, haben unsere
Unterhändler Zusatzabkommen über Arbeitsfragen, Wenn Sie sich anschauen, was mit der Stellung unseden Umgang mit Importzuwächsen und die Schlüssel- res Landes im Handel mit Mexiko geschehen ist,
frage Umwelt ausgearbeitet. Und wir arbeiten noch am sehen Sie, was niedrigere Handelsschranken bedeuKleingedruckten eines Mechanismus zur Finanzie- ten. Heutzutage hat Mexiko Japan als unseren zweitrung der Umweltschutzmaßnahmen an der amerika- größten Absatzmarkt für Fertigwaren abgelöst. Unsenisch-mexikanischen Grenze.
re Handelsposition zu Mexiko hat sich aufgrund der
von Präsident Salinas im Zusammenhang mit Handelsschranken ergriffenen Maßnahmen grundlegend
gewandelt. Wir haben uns von einem Defizit bei
unserer Handelsbilanz von nahezu 6 Milliarden Dollar
zu dem heutigen Überschuß von 5,4 Milliarden Dollar
entwickelt. Die Exporte nach Mexiko haben einen
Wenn wir über diese Abkommen, insbesondere im Wert von über 40 Milliarden Dollar. Vor sieben Jahren
Umweltbereich, ohne Einbeziehung des NAFTA spre- waren es nur 12 Milliarden Dollar. Das ist der Grund,
chen, werden wir wahrscheinlich weiterhin mit Umwelt- warum wir jetzt hart daran arbeiten, Märkte auf der
ganzen Welt, nicht nur in Mexiko, zu erobern.

Wir streben die Einrichtung einer Fazilität zur Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen in der Grenzregion (Border Environmental Financing Facility) mit
einem Kapital in Höhe von mehreren Milliarden Dollar
an.

Seite 2

AMERIKA DIENST 34

�Es gibt noch einen anderen wichtigen Punkt, der im
Zusammenhang mit dem NAFTA angesprochen werden muß - einen der wichtigsten. Das NAFTA schafft
nicht nur gleiche Wettbewerbsbedingungen, sondern
sichert auch ihren Fortbestand. Zur Zeit ist die Hälfte
der aus Mexiko importierten Waren zollfrei, und die
Zölle auf die restlichen Produkte betragen nur 4 Prozent. Umgekehrt werden unsere Waren bei der Einfuhr nach Mexiko mit einem Zoll von 10 Prozent belegt.
Im Kraftfahrzeugbereich beträgt unser Zollsatz für in
Mexiko hergestellte Autos nur 2,5 Prozent, aber wir
zahlen Zölle in Höhe von 20 Prozent auf nach Mexiko
exportierte Autos. Im Zusammenhang mit Autos möchte
ich allen vor Augen führen, daß Mexiko von uns die
Abnahme von Autoteilen im Wert von 20.000 Dollar
verlangt, bevor wir ein Auto im Wert von 10.000 Dollar
in Mexiko verkaufen können. Das ist die Art von
Ungleichgewicht, das wir abschaffen möchten.

ren werden. Hier ereignet sich etwas sehr Positives,
und die Amerikaner sollten das wissen. Das NAFTA
wirkt sich auf Arbeitsplätze aus. Das NAFTA wirkt sich
auf das Wirtschaftswachstum aus. Das NAFTA verbessert die Umwelt. Und das NAFTA bietet allen
Amerikanern ein besseres Leben.
Nachdem ich nun eine Weile nach Süden geschaut
und über Arbeitsplätze gesprochen habe, möchte ich
ein paar Minuten lang weiter nach Westen und über
den Pazifik blicken und - Sie haben es erraten - über die
Schaffung von Arbeitsplätzen sprechen.

Sie werden sich daran erinnern, daß wir uns auf dem
Wirtschaftsgipfel in Tokio im letzten Monat mit Arbeitsplätzen beschäftigten. Wir sprachen ausführlich über
die Arbeitsplätze, die wir in den Vereinigten Staaten,
im pazifischen Raum und auf der ganzen Welt schaffen können, wenn Japan seine Handelsschranken
Das NAFTA wird Zölle abschaffen, mit denen unsere senkt und die Handelsschranken auf der ganzen Welt
Waren in viel stärkerem Maße belegt werden als im Rahmen des GATT abgebaut werden. Wir spraunsere Importe aus Mexiko. Und es wird auch Dinge chen darüber, in diesem Jahr einen Beschäftigungsabschaffen, die auf keinem Schaubild dargestellt werden gipfel in Washington abzuhalten. Und wenn Sie diese
können, beispielsweise Lizenzbestimmungen und Angelegenheiten aufmerksam verfolgen, was die
ähnliche unsere Unternehmen behindernden Rege- meisten von Ihnen meiner Ansicht nach tun, dann
werden Sie sich daran erinnern, daß Präsident Clinton
lungen.
über den Aufbau einer neuen Partnerschaft mit dem
Sollte das NAFTA nicht verabschiedet werden, wären Pazifik sprach..
700.000 Arbeitsplätze, die zur Zeit vom Handel mit
Mexiko abhängen, gefährdet. Denken Sie daran, daß Im Laufe der Jahre wurden die Vereinigten Staaten
die gesamte im Handel mit Mexiko erfolgte Liberalisie- und die Völker in der Pazifikregion durch gemeinsame
rung auf freiwilliger Basis geschah. Es gibt keine Sicherheitsinteressen verbunden. Dieser Aspekt unserer
Garantie dafür, daß der Nachfolger von Präsident Beziehungen ist weiterhin wichtig. Aber wirtschaftliSalinas diese Zölle nicht wieder um bis zu 50 Prozent che Interessen nehmen eine neue und größere Bedeuerhöht - was im Einklang mit Mexikos Verpflichtungen tung an. Wir nähern uns einander jetzt immer mehr an
- nicht aufgrund eines gemeinsamen Feindes, sondern
im Rahmen des GATT stünde.
aufgrund unserer gemeinsamen WirtschaftsinteresDas NAFTA hat noch eine weitere Dimension. Sehen sen und durch den Wunsch, Arbeitsplätze und WohlSie es einmal vom Standpunkt eines Einwohners von stand zu schaffen, die Demokratien untermauern.
Texas, das eine über 1.200 Kilometer lange Grenze
mit Mexiko hat. Ich kenne das Problem mit der Das Funktionieren dieser neuen pazifischen Bezieillegalen Einwanderung. Das NAFTA wird zu einer hungen wird zu einer meiner Hauptaufgaben werden.
Erhöhung des Lebensstandards in Mexiko beitragen, Wir werden jedes uns zur Verfügung stehende Forum
was den wirtschaftlichen Anreiz zur illegalen Grenz- zur Förderung dieser Sache nutzen. Wir verfügen,
überschreitung und die Nachfrage nach unseren staat- wenn Sie so wollen, über ein großes Netz von Organilichen Dienstleistungen senken wird. Und ein höherer sationen zur Unterstützung unserer Beziehungen zu
Lebensstandard in Mexiko bedeutet, daß dieses Land Europa - die NATO, die OECD, die G-7 und andere. Im
mehr amerikanische Waren kaufen und hier in den pazifischen Raum ist jedoch die entsprechende wirtVereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze schaffen wird. schaftliche und diplomatische Struktur nicht so verbreitet. Das bedeutet unter anderem verstärkte PräSollte das NAFTA nicht verabschiedet werden, könnte senz und Bedeutung des Forums für asiatisch-pazifidas schließlich auch ernsthafte internationale Auswir- sche wirtschaftliche Zusammenarbeit.
kungen haben. Dadurch könnte unsere Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit Mexiko und den Ländern ganz Ich möchte die Bedeutung der Schaffung einer pulsieLateinamerikas bei einer Vielzahl von Fragen beein- renden pazifischen Gemeinschaft anhand einiger Zahlen
trächtigt werden, von unserer Fähigkeit zum Abschluß illustrieren. Asien wird in den kommenden Jahrzehnvon Handelsabkommen andernorts ganz zu schwei- ten die treibende Kraft in der Weltwirtschaft sein.
Diese Tatsache allein reicht aus, daß Unternehmer
gen.
und Vertreter der Regierung der pazifischen Region
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß wirdem erhöhte Aufmerksamkeit widmen. In China leben
amerikanischen Volk unseren Fall offensiv präsentie- beispielsweise eine Milliarde Verbraucher, und letztes
AMERIKA DIENST 34

Seite 3

�Jahr importierte dieses Land Waren im Wert von über
80 Milliarden Dollar. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum dort belief sich im letzten Jahrzehnt auf eine
zweistellige Zahl. Letztes Jahr wickelten die Vereinigten Staaten ein Fünftel ihres Handels mit Asien ab Japan ausgenommen.

Erhöhte amerikanische Investitionen in dieser Region
könnten unsere Exporte in einem Ausmaß fördern, das
zu einem Abbau unseres regionalen Handelsungleichgewichtes beitragen könnte. Und im Mittelpunkt all
dieser Bemühungen würde die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen - und genau das ist unsere Intention.

Vor zwei Wochen las ich in einer Zeitung einen Bericht,
der genau dieses Argument anführte. Darin war zu
lesen, daß die amerikanischen Exporte in die Entwicklungsländer im letzten Jahr um weniger als zwei Prozent angestiegen und die Exporte nach Westeuropa
um mehr als ein Prozent gefallen waren. Was wirklich
Schlagzeilen machte, war die Tatsache, daß unsere
Exporte in die Entwicklungsländer und die Schwellenländer Asiens im Vergleich zum Jahr 1991 um nahezu
14 Prozent angestiegen waren. Unsere Exporte nach
Indonesien stiegen innerhalb eines Jahres erstaunlicherweise um 47 Prozent an.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen führt mich wieder zu
dem zurück, worauf wir beim Tokioter Gipfel hinarbeiteten. Als Teil unserer globalen Bemühungen um die
Wiederherstellung von Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen hat Präsident Clinton angekündigt,
er werde eine Sondersitzung der Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit im Herbst dieses Jahres
in Seattle einberufen. Dort können der Präsident und
seine Amtskollegen über Möglichkeiten zur Erhöhung
von Wohlstand und Chancen beraten.

Man muß nicht die Tarntechnologie erfunden haben,
um herauszufinden, daß wir unsere historischen Bindungen zu dieser Region stärken sollten, damit Wachstum und Arbeitsplätze nicht nur für unsere Wirtschaft,
sondern für alle Volkswirtschaften erzielt werden.
Aus allen Graphiken und Tabellen, die die Wirtschaftswissenschaftler auf meinem Schreibtisch ausbreiteten, geht eines hervor: Die amerikanischen Direktinvestitionen in Asien sind nicht so hoch, wie sie sein
sollten. Im Jahr 1991 beliefen sich unsere Direktinvestitionen in Asien auf weniger als die Hälfte unserer
Investitionen in Lateinamerika. Ermutigend ist jedoch,
daß der Fluß unserer Direktinvestitionen nach Asien
ansteigt.
In jedem anderen Teil der Welt macht der Handel mit
multinationalen Tochtergesellschaften einen größeren Teil der amerikanischen Exporte aus als in Asien.
Diese Art von Exporten betrug weltweit beispielsweise
27 Prozent, aber in Asien beliefen sich die Exporte zu
amerikanischen Tochtergesellschaften auf lediglich
14 Prozent.

*

Seite 4

*

Der Präsident hat mich auch gebeten, mit den Finanzministern der Pazifikstaaten zusammenzukommen,
um an den wirtschaftlichen Herausforderungen zu
arbeiten, denen wir uns bei der Stärkung der Beziehungen in der ganzen Region gegenübersehen.
Abschließend möchte ich hervorheben, daß die Clinton-Administration sich dem Wirtschaftskurs verpflichtet hat, der uns langfristige Lösungen für unsere Probleme bietet und keine provisorischen Heilmittel, die
uns danach in einer schlechteren Situation zurücklassen. Wir haben den ersten Schritt unternommen,
indem wir den Weg zu einem Abbau des Defizits
beschritten haben, und wir werden ein Problem nach
dem anderen angehen und lösen. Wir werden uns mit
dem Gesundheitswesen befassen. Und wir werden
das NAFTA in die Praxis umsetzen. Wir werden im
Rahmen des GATT an einem freieren Handelssystem
arbeiten. Wir werden in Japan und in ganz Asien und
der Pazifikregion neue Handelsmöglichkeiten suchen.
Und denken Sie daran, warum wir das tun: Wir wollen
wieder Bewegung in unsere Wirtschaft bringen, Wachstum erzielen und Arbeitsplätze für alle Amerikaner
schaffen.

*

*

AMERIKA DIENST 34

�FRIEDENSSICHERUNG
25. August 1993

ALBRIGHT : USA SOLLEN AKTIVER PARTNER
DER UNO BEI FRIEDENSSICHERUNG SEIN
Stellungnahme der UNO-Botschafterin

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten wollen nicht der "Weltpolizist" sein, sondern vielmehr Partner anderer Nationen bei den neuen kooperativen Arrangements einschließlich der UN-Operationen zur Friedenssicherung, die sich in der Ära nach
dem Kalten Krieg abzeichnen, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright.

Albright warnte jedoch, daß man den Vereinigten
Staaten "nicht die Schuld zuweisen kann, wenn sie
eine Führungsrolle übernehmen und ebenso, wenn sie
dies nicht tun", während die Vereinigten Staaten und
die Vereinten Nationen effektive Wege für diese Partnerschaft zu sondieren versuchten.

Sie verwies darauf, daß die umfassenden und komplexen Friedenssicherungsmissionen der Vereinten NaIn einer am 19. August 1993 vom Fernsehsender tionen in Bosnien-Herzegowina und Somalia sich diaWorldNet des US-Informationsamts ausgestrahlten metral entgegengesetzter Kritik gegenübersehen,
eingehenden Erörterung der UN-Missionen zur Frie- während sie sich durch die schwierigen Probleme des
denssicherung stellte Albright fest: "Die Vereinigten Einsatzes von Gewalt bei der Ausübung ihrer MissioStaaten sind die Supermacht der Welt, daran besteht nen hindurcharbeiten. In Somalia, so die Botschaftekein Zweifel. Aus diesem Grund haben wir großen rin, würden die UN-Blauhelme "beschuldigt, zuviel zu
Einfluß, ich bin jedoch der Ansicht ...daßdieser Einfluß tun" bei ihrem Versuch, die kriegführenden Parteien zu
von zunehmender Partnerschaft gekennzeichnet ist." entwaffnen und den unkooperativen Störenfried und
Kriegsherrn Mohammed Aidid zu isolieren. In Bosnien
Albright, die seit sechs Monaten die Gesandte der würden sie beschuldigt, nicht genug zu tun, um die
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen ist, Belagerung Sarajevos und anderer muslimischer Städte
erklärte: "Meine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen zu durchbrechen.
... besteht im derzeitigen Klima darin, den Begriff
Partner - der wir sein werden - mit Adjektiven zu Die Botschafterin erklärte, sie sähe die Weltorganisaversehen: ein führender Partner, ein dynamischer tion und ihre 184 Mitglieder als "Pioniere der FunkPartner, ein hochrangiger Partner- aber die Betonung tionsweise des neuen Systems" und Friedenssicheliegt stets auf dem Wort Partner."
rung als "ein äußerst wichtiges Instrument".
"Jeder muß verstehen und wissen, daß uns eine
Partnerschaft mit anderen Ländern am Herzen liegt,
nicht nur mit den Großmächten, sondern auch den
anderen Ländern der Welt", führte Albright aus.

Auf Fragen von Journalisten in Harare, Rom, NeuDelhi und Tokio legte Albright die Finanz-, Ausbildungs-, Führungs- und Kommunikationsprobleme der
UN-Friedenssicherungsoperationen dar sowie die
Notwendigkeit für ein Engagement der UNO bei vorDie Vereinigten Staaten befänden sich - als einzige beugender Diplomatie, damit Konflikte nicht in bewaffverbleibende Supermacht - in dem Prozeß der Neude- nete Kriege eskalieren.
finition ihrer Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft, hätten jedoch das Gefühl, "daß sie inter- In der Zwischenzeit führten die Vereinigten Staaten
nationale Verantwortung, eine Einschätzung ihrer eine interministerielle Überprüfung ihrer Beteiligung an
nationalen Interessen und ebenso wie die anderen Friedenssichenjngsoperationen der UNO durch, stellLänder ernsthafte innenpolitische Probleme haben", te die Botschafterin fest.
stellte die Botschafterin fest.
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�"Dies ist keine leichte Aufgabe", erklärte Albright. "Wir
sind ein Land, das in hohem Maße im Alleingang
gehandelt oder andere Länder als Mitglied eines
Bündnisses mobilisiert hat. Jetzt erarbeiten wir Richtlinien für unsere Beteiligung an friedenssichernden
Operationen."

Fragen bezüglich der Kommandostruktur gibt - und es
wird diese Fragen geben, weil es neues Terrain ist und
wir nach Wegen suchen, es besser zu machen - dann
sollten diese Diskussionen nicht vor Ort stattfinden, wo
die Situation kompliziert ist ... sondern in New York
geführt werden."

Albright zufolge werden die Vereinigten Staaten zunehmend ein "aktiver Teilnehmer an der Friedenssicherung" sein und zwar sowohl mit Mitteln als auch mit
Truppen, werden jedoch von "unseren demokratischen
Verfahren" geleitet sein, "um sicherzustellen, daß die
friedenssichernden Operationen die Bedürfnisse unseres Landes widerspiegeln."

Die Vereinigten Staaten haben in Bündnisstrukturen
wie der NATO gearbeitet, stellte Albright fest. "Wir
wissen, wie wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten und müssen ein Gefühl des Vertrauens innerhalb
des Systems der Vereinten Nationen entwickeln, damit
kein Land das Gefühl hat, es muß Befehlen folgen, die
ihm Unbehagen bereiten."

Sie verwies darauf, daß die UN-Operationen in Bosnien und Somalia in den vergangenen Wochen Probleme mit den einzelnen Kommandeuren der jeweiligen
nationalen Streitkräfte hatten, die entweder ihre Befehle in Frage stellten oder sich gegen Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats aussprachen.

Albright zufolge sollten die Vereinten Nationen auch
der "vorbeugenden Diplomatie" mehr Aufmerksamkeit
widmen. Zwei Regionen, in denen der Sicherheitsrat
wachsende Unruhen und Hilfspläne "genauer im Auge
behält" seien Südafrika und die ehemalige Sowjetrepublik Georgien.

Die Vereinigten Staaten versuchten auch festzustellen, wie man in einem internationalen Umfeld operiert,
fügte die Botschafterin hinzu.

"Das Problem besteht darin, Unterstützung für diese
Art von (vorbeugender) Operation zu gewinnen", stellte Albright fest. "Häufig sind es die durch Kämpfe
offenkundigen Konflikte, die internationale Aufmerksamkeit erhalten. Dies ist unseres Erachtens ein
Fehler. Aus unserer Sicht ist es außerordentlich
wichtig, Geld für Konfliktverhütung und vorbeugende
Diplomatie auszugeben."

"Es würde uns nicht gefallen, bei illegalen oder unlogischen Befehlen mitzuwirken, die nicht in geeigneter
Weise auf die Bedürfnisse der Operation reagieren",
so Albright. "Wir sind jedoch der Auffassung, wenn es

*

Seite 2

*

*

*

AMERIKA DIENST 34

�GESUNDHEITSREFORM
25. August 1993

CLINTON: GESUNDHEITSREFORM UNABDINGBAR
FÜR WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER USA
USA wenden doppelt soviel wie andere Nationen auf

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten können weder ihr Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen
noch auf internationalen Märkten konkurrenzfähig sein,
wenn sie nicht die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff bekommen, erklärte Präsident
Clinton am 16. August 1993.

nen Mitteln in den kommenden fünf Jahren gekürzt
wurden.

Über 60 Prozent jedes neuen Dollars an staatlichen
Einnahmen fließe in das Gesundheitswesen, stellte
Clinton fest, obwohl im derzeitigen Haushalt 54 Milliarden Dollar an für Medicare und Medicaid vorgesehe-

"In einer Welt, in der wir um jeden Arbeitsplatz konkurrieren müssen", gäben die Vereinigten Staaten 14
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das
Gesundheitswesen aus, während Deutschland und

Da der Wettbewerb um internationale Märkte zunehme, so der Präsident, gäben die Vereinigten Staaten
nahezu zweimal soviel für ihr Gesundheitswesen aus
als die Haupthandelsrivalen. Einsparungen bei diesen
Kosten
würden.für die Schaffung neuer Arbeitsplätze
Bei der Eröffnung seiner Kampagne, den Kongreß und
das amerikanische Volk für die Gesundheitsreform zu investiert.
gewinnen, stellte der Präsident bei der Nationalen
Gouverneursversammlung (National Governors As- Der Präsident wird im kommenden Monat einen Gesociation - NGA) fest, die Nation könne sich nicht setzentwurf vorlegen, der Quellen im Weißen Haus
länger ein System leisten, das dermaßen in Bergen zufolge eine stufenweise umfassende Krankenversivon Papier und Bürokratie ersticke, daß Büropersonal cherung für alle Amerikaner vorsieht, auf gelenkten
so wichtig wie Ärzte und Schwestern erachtet würden. Wettbewerb zur Kostenkontrolle zurückgreift und den
Verkauf von Policen an die Arbeitgeber und jeweiligen
Clintons Ausführungen bei der Gouverneursversamm- Beschäftigten durch die Versicherung reformiert.
lung in Tulsa wurden im Weißen Haus auf dem BildZur Zeit ist die überwiegende Mehrheit der Amerikaner
schirm verfolgt.
durch eine private Krankenversicherung ihrer Arbeit"Dies ist ein Problem, das die Vereinigten Staaten nicht geber abgedeckt. Viele Amerikaner im Ruhestand
schleifen lassen können", bekräftigte der Präsident, sind ferner vom Medicare- und Medicaid-Programm
'Vor dem wir nicht weglaufen können. Ich bin absolut erfaßt, das von der Regierung und den Bundesstaaten
überzeugt, daß wir es lösen können, wenn wir uns an angeboten wird. Rund 37 Millionen Amerikaner haben
einem Tisch zusammensetzen ... und uns den Tatsa- jedoch überhaupt keine Krankenversicherung. Die
chen stellen."
Behandlung, die sie in Privatkliniken und Krankenhäusern erhalten, wird durch höhere Kosten für die VersiClinton erklärte den Gouverneuren gegenüber, bei cherten finanziert.
allen vom Kongreß während der jüngsten Haushaltsdebatte in Erwägung gezogenen "Szenarien" zur Clinton insistierte, daß niemand Zugeständnisse an
Kontrolle des Defizits "verringerte sich das Defizit vier die hohe Qualität der Versorgung machen möchte, die
Jahre lang und begann dann aufgrund der Krankenver- unter dem derzeitigen amerikanischen System angesicherungskosten erneut anzusteigen. Der einzige boten werde, das er als "das Beste der Weit" bezeichWeg, wie wir... wirklich wieder Kontrolle über diesen nete. Der Präsident erklärte, dank seines Vorschlags
Haushalt erlangen können, besteht in der Bewältigung würde tatsächlich mehr Geld in medizinische Forder Probleme im Gesundheitswesen."
schung und Technologie fließen.

AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Japan - ihre wirtschaftlichen Hauptkonkurrenten -"bei
hochbezahlten Arbeitsplätzen" jeweils rund 8 Prozent
dafür aufwenden, stellte der Präsident fest. Nur Kanada, das ungefähr 9,4 Prozent seines BIP für das
Gesundheitswesen ausgibt, nähert sich zweistelligen
Zahlen.
"Wenn wir nicht etwas zur Umkehrung dieser Grundtendenz unternehmen", warnte Clinton, "beläuft sich
diese Zahl am Ende des Jahrzehnts auf 19 Prozent, in
allen anderen Ländern beträgt sie nicht mehr als 10
Prozent und verschafft unseren Konkurrenten einen
Vorteil von neun Cents pro Dollar bei jedem wirtschaftlichen Unternehmen."
Die Krankenversicherungskosten erlegten den Arbeitgebern solche Lasten auf, erklärte Clinton, daß 100.000
Amerikaner pro Moant ihren Versicherungsschutz
verlören, "weil ihre Arbeitgeber sich dies unter dem
derzeitigen System nicht länger leisten können". Femer
könnten viele Arbeitgeber aufgrund der hohen Kosten
der amerikanischen Krankenversicherung die Löhne
und Gehälter der Beschäftigten nicht erhöhen, die
langsamer gestiegen seien als die der deutschen oder
japanischen Arbeitnehmer.
"Schätzungen zufolge werden die gestiegenen Krankenversicherungskosten von jetzt bis zum Ende des
Jahrzehnts buchstäblich das gesamte Geld absorbieren, das sonst für Löhnerhöhungen für unsere Arbeitnehmer zur Verfügung gestanden hätte", so der Präsident.
Clinton äußerte, unter Aufsicht von First Lady Hillary
Rodham Clinton durchgesführte Überprüfungen des
Systems hätten belegt, daß 10 Prozent aller für die
Krankenversicherung ausgegebenen Dollars durch
Verwaltungs-, nicht medizinische Kosten verschlungen werden.
"Wir geben weit mehr Geld - rund 10 Cents pro Dollar
- nur für Papierkram aus - mehr als unsere Konkurrenten. Wir ersticken in der von der Regierung aufgezwungenen Papierflut", so der Präsident und "nur die

*

Seite 2

Vereinigten Staaten haben 1.500 Krankenversicherungsgesellschaften, die Tausende und Abertausende
verschiedener Policen anbieten."
Clinton erklärte den Gouveneuren gegenüber, die
Vereinigten Staaten können diese Art von Verschwendung und Ineffizienz nicht beibehalten".
Gleichzeitig gingen die Regierungen der Bundesstaaten aufgrund der steigenden Kosten von Medicaid des von der Regierung und den Bundesstaaten gemeinsam finanzierten medizinischen Hilfsprogramms
für die Armen - bankrott.
Der Präsident räumte ein, wenn die Zuwächse der
Krankenversicherungskosten der Inflationsrate der
letzten zehn Jahre entsprochen hätten, "stünden den
Regierungen der Bundesstaaten durchschnittlich 75
Prozent mehr Mittel für die Finanzierung der Budgets
für öffentliche Schulen zur Verfügung". Im Haushaltsjahr 1993, fügte er hinzu, hätten die Bundesstaaten
erstmals mehr für Medicaid als für weiterführende
Bildung ausgegeben.
Unter dem derzeitigen System, warnte Clinton, sei ein
Kostenanstieg für Medicaid von 50 Milliarden Dollar bis
1995 prognostiziert.
Die Verabschiedung der Reformvorschläge bedeute
Clinton zufolge "eine massive Verringerung der Papierflut, weil nicht jede Krankenabteilung in diesem
Land mit Tausenden unterschiedlicher Optionen Schritt
halten mu ß und wir nicht ein weiteres Jahrzehnt haben
werden, in dem die Einstellungsquote von Büroangestellten im Bereich des Gesu ndheitswesens viermal so
schnell zunimmt wie die Zahl von Anbietern medizinischer Leistungen".
Clinton erläuterte, sein Plan strebe zusätzlich zu höheren Investitionen in das Gesundheitswesen die schrittweise Pflegeversicherung insbesondere für ältere
Menschen an, wobei die Pflege vorwiegend zu Hause
statt in Institutionen geleistet werden soll.

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AMERIKA DIENST 34

�SUDAN
25. August 1993

USA BRANDMARKEN SUDAN ALS
TERRORISMUS FÖRDERNDEN STAAT
Erklärung des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nach einer systematischen Überprüfung der "Fakten und Gesetze" brandmarkte das
State Department am 18. August 1993 den Sudan als internationale Terroranschläge fördernden Staat".
In einer am 18. August veröffentlichten Erklärung stellte das US-Au ßenministerium fest, "die derzeit verfügbaren
Beweise belegen, daß der Sudan sein Territorium als Refugium für Terroristen einschließlich der Organisation
Abu Nidal und Mitgliedern der Hisbollah sowie der palästinensischen islamischen Hamas-Gruppe zur Verfügung
stellt. Wir vertreten ferner die Auffasssung, daß der Sudan sichere Zufluchtsorte und andere Einrichtungen zur
Unterstützung radikaler Gruppen auf seinem Gebiet mit der Zustimmung der sudanesischen Führung gestattet.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß Berichte über die Ausbildung militanter Extremisten im Sudan, die Terroranschläge in den Nachbarländern verüben, glaubwürdig sind."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Erklärung.

Das US-Außenministerium und andere amerikanische stützung für internationalen Terrorismus geleistet hat.
Regierungsbehörden haben vor kurzem eine syste- Diese Entscheidung wurde unabhängig von den Ereigmatische Überprüfung durchgeführt um festzustellen, nissen in New York getroffen.
ob der Sudan auf die Liste terroristischer Staaten gesetzt werden soll. Nach einer eingehenden Beurtei- Die derzeit verfügbaren Beweise belegen, daß der
lung der Fakten und Gesetze hat der Außenminister Sudan sein Territorium als Refugium für Terroristen
entschieden, den Sudan als internationale Terroran- einschließlich der Organisation Abu Nidal und Mitgliedern der Hisbollah sowie der palästinensischen islamischläge fördernden Staat zu bandmarken.
schen Hamas-Gruppe zur Verfügung stellt. Wir vertreDas amerikanische Gesetz [Abschnitt 6(j) des Export- ten ferner die Auffasssung, daß der Sudan sichere Zuverwaltungsgesetzes von 1979] sieht vor, daß der fluchtsorte und andere Einrichtungen zur UnterstütAußenminister bestimmen kann, welche Länder "wie- zung radikaler Gruppen auf seinem Gebiet mit der
derholt Unterstützung für internationale Terroranschlä- Zustimmung der sudanesischen Führung gestattet.
ge geleistet haben". Die Länder, denen solche Aktivi- Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß Berichte über
täten nachgewiesen werden können, werden auf die die Ausbildung militanter Extremisten im Sudan, die
amerikanische Liste terroristischer Staaten gesetzt. Terroranschläge in den Nachbarländern verüben,
Die Entscheidung zum Sudan wurde nach sorgfältiger glaubwürdig sind.
Abwägung der verfügbaren Informationen und ameriSowohl in Khartom als auch in Washington standen die
kanischen Gesetze getroffen.
Vereinigten Staaten über ein Jahr lang in ständiger
Im Dezember vergangenen Jahres ordnete der Au- Verbindung mit der sudanesischen Regierung. Die
ßenministereine systematische sechsmonatige Über- Regierung des Sudan hat bis heute nicht positiv auf
prüfung mit dem Ziel an festzustellen, ob der Sudan als unsere zum Ausdruck gebrachte Besorgnis reagiert.
internationale Terroranschläge fördernder Staat gebrandmarkt werden sollte. Diese Überprüfung ist nun Aufgrund der Tatsache, daß der Sudan auf dieListe
abgeschlossen und das erdrückende Gewicht der terroristischer Staaten gesetzt wird, disqualifiziert er
Beweislast belegt, daß der Sudan wiederholt Unter- sich praktisch für jegliche amerikanische Hilfe. KatasAMERIKA DIENST 34

Seite 1

�trophen- und Nothilfe sowie bestimmte andere humanitäre Hilfslieferungen können jedoch unabhängig davon
geleistet werden, da ß der Sudan auf dieüste terroristischer Staaten gesetzt wurde.

Seit einigen Jahren besteht eine Warnung für Reisen
in den Sudan. Uns liegen keine spezifischen und
glaubwürdigen Drohungen gegen amerikanische Staatsbürger im Sudan vor.

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Sehe 2

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AMERIKA DIENST 34

�BURGERRECHTE
25. August 1993

OBERSTES BUNDESGERICHT TRÄGT SEIT 1963
ZUR VERBREITUNG DER BÜRGERRECHTE BEI
Rechte von Minderheiten, Frauen erhalten Unterstützung

WASHINGTON - (AD) - Seit 40 Jahren hat das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten beträchtliche Auswirkungen auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gehabt, und dieser Einfluß hat sich in den
Jahren nach dem historischen Marsch von Martin
Luther King nach Washington am 28. August 1963 mit
der Forderung nach Gleichberechtigung für die Schwarzen in den Vereinigten Staaten noch maßgeblich verstärkt.
In der Entscheidung Brown./. die Schulbehörde aus
dem Jahr 1954 erklärte der Oberste Gerichtshof die
Rassentrennung von Schwarzen und Weißen in öffentlichen Schulen für verfassungswidrig. Diese Entscheidung verlieh der Bürgerrechtsbewegung der späten
fünfziger Jahre Auftrieb-die sich praktisch ausschließlich auf das schwere Los der Schwarzen im Süden
konzentrierte und in dem Marsch von 1963 ihren Höhepunkt fand.
Nach 1963 setzte das Oberste Bundesgericht den
eingeschlagenen liberalen Kurs fort und unternahm
weitere Schritte zur Ächtung von Diskriminierung aufgrund von Rasse, Glauben oder Geschlecht. Viele
dieser Gerichtsentscheidungen gründeten sich auf die
Auslegung der 1960 vom Kongreß verabschiedeten
Bürgerrechte, einschließlich des Allgemeinen Bürgerrechts von 1964, des Wahlrechts von 1965 und des
Gesetzes über Gleichstellung beim Wohnrecht von
1968.

Darüber hinaus erklärte es der Oberste Gerichtshof in einigen Fällen - für rechtmäßig, Frauen und Farbigen bei der Zulassung zur Universität und bei Einstellungsverfahren Präferenzen einzuräumen, selbst wenn
diese Vorzugsbehandlung gegenläufige Auswirkungen für Weiße und Männer hatte. Das Oberste Bundesgericht war bei "Gleichstellung" oder der als "Aufhebung von Diskriminierung" bezeichneten Politik
vorsichtig, erachtete sie jedoch im allgemeinen als
verfassungsmäßig.
Die entscheidende Rolle des Obersten Bundesgerichts bei der amerikanischen Bürgerrechtsrevolution
leitet sich aus seiner Rolle als gleichberechtigte Gewalt der Bundesregierung neben der Legislativen und
Exekutiven ab.
Seit der Gründung der Republik hat der Oberste Gerichtshof sein Vorrecht auf Entscheidung wahrgenommen, ob vom Kongreß verabschiedete und vom Präsidenten unterzeichnete Gesetze - sowie die Statuten
der Behörden auf Bundesstaats- und Gemeindebene
- im Einklang mit den grundlegenden Prinzipien der
amerikanischen Verfassung stehen, und sie für nichtig
erklärt, sollte dies nicht der Fall sein. Wenn das
Bundesgericht Gesetze für verfassungsmäßig erklärt,
legt es sie häufig aus und formuliert ihre Anwendung.
Das Oberste Bundesgericht kann Regierungsbehörden - oder Privatinstitutionen - anweisen, Maßnahmen
zur Durchsetzung von Gesetzen zu ergreifen, sobald
sie als verfassungsmäßig erklärt worden sind.

In den siebziger Jahren führten die Gerichtsentscheidungen zu kontroversen Experimenten mit "ange- Die Macht des Obersten Gerichtshofes im Bereich der
wandter Sozialwissenschaft" - wobei beispielsweise Bürgerrechte wird zum Teil demonstriert, weil der
gefordert wurde, daß weiße Schüler mit dem Bus in Kongreß für gewöhnlich vor der Durchsetzung von
von Schwarzen bewohnte Gegenden gefahren oder "Gruppenrechten" zurückschreckt und dies den vom
Schwarze in weiße Wohngegenden zur Schule ge- Präsidenten ernannten Richtern am Obersten Bunbracht wurden, wenn dies die einzige Möglichkeit war, desgericht überläßt, die nicht gewählte Regierungsdie Rassentrennung in öffentlichen Schulen aufzuhe- vertreter sind.
ben.
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Seit Ende der sechziger Jahre hat sich der Gerichtshof
auf die Aufhebung der Rassentrennung in Schulen, bei
der Wohnungsbeschaffung sowie das Arbeitsrecht als
Bereiche für Bürgerrechtsprozesse konzentriert.
Während in den sechziger Jahren Fragen der Rassendiskriminierung vorherrschten, rückten in den siebziger Jahren die Rechte von Frauen in den Brennpunkt
des Interesses. Es gab auch mehrere wichtige Gerichtsentscheidungen zur Unterstützung der Rechte
des einzelnen. Die Rechte von Homosexuellen beginnen jetzt größere Auswirkungen auf das amerikanische Rechtssytem zu haben.
Im allgemeinen haben die Amerikaner die Wendu ng zu
einer Gesellschaft akzeptiert und unterstützt, in der die
Rechte aller Bürger geschützt sind. Einige bringen
jedoch das Argument vor, die interpretierende Entdekkung der nicht in der Verfassung verankerten Rechte
des einzelnen durch das Oberste Bundesgericht sei in
einem Maße fortgeschritten, daß die Rechte der
Gemeinde als Ganzes neben den Rechten des einzelnen zweitrangig geworden seien.
Nachfolgend zitieren wir einige der bahnbrechenden,
vom Obersten Bundesgericht im Zusammenhang mit
Bürgerrechten in den vergangenen 30 Jahren getroffenen Entscheidungen:
1963, Gideon ./. Wainwright: Das Gericht
entschied, daß die Bundesstaaten allen schwerer Verbrechen Angeklagten unabhängig von
deren Zahlungsfähigkeit Rechtshilfe gewähren
müssen um zu gewährleisten, daß verarmte
Angeklagte Zugang zu Rechtsbeistand haben.
1964, New York Times J. Sullivan: Der Gerichtshof erweiterte die Pressefreiheit mit der
Entscheidung, daß Staatsbedienstete und öffentliche Personen nur dann das Recht auf
Entschädigung aufgrund verleumderischer
Behauptungen haben, wenn sie beweisen können, daß diese Äu ßerungen "aus purer Bosheit"
veröffentlicht wurden.
1965, Griswold ./. Connecticut: Das Gericht
setzte die Gesetzesbestimmung eines Bundesstaates außer Kraft, die die Verwendung von
Kontrazeptiva verbot, und entschied, daß ein
solches Gesetz das in der Verfassung verankerte Recht auf Privatsphäre verletzt.
1966, South Carolina ./. Katzenbach: Der
Oberste Gerichtshof gestand der Bundesregierung das Recht zu, ihre Macht verstärkt zur
Bekämpfung von Rassendiskriminierung bei
Wahlen einzusetzen.
1966, Jones J. Mayer: Das Gericht verbot
Rassendiskriminierung auf dem Immobilienmarkt.
1966, Miranda J. Arizona: Das Oberste Bundesgericht entschied, daß die Polizei VerdächSeite 2

tige nicht verhören darf, bevor diese über ihre
verfassungsmäßigen Rechte sowie ihr Recht
auf die Anwesenheit eines Rechtsanwalts
während der Vernehmung in Kenntnis gesetzt
wurden.
1971, Swann J. Schulbehörde des Landkreises Charlotte-Mecklenburg: Das Gericht
entschied einstimmig, die obligatorische Beförderung von Schülern mit dem Autobus in Schulen einer anderen Region sowie andere administrative Maßnahmen zur Aufhebung von Rassentrennung in Schulen seien unter der Voraussetzung gestattet, daß aufgrund früherer staatlicher Praktiken der Tatbestand der Segregation
gegeben ist. (In zahlreichen nachfolgenden
Entscheidungen spezifizierte das Gericht die
Bedingungen, unter denen die zwangsweise
Beförderung mit dem Autobus in andere Schulen erforderlich sein könnte).
1971, Griggs J. Duke Power Company: Das
Oberste Bundesgericht entschied einstimmig,
daß das Bürgerrechtsgesetz von 1964 Arbeitgebern untersagt, von Bewerbern um einen
Arbeitsplatz die Vorlage eines Hochschuldiploms
oder die Teilnahme an einem Intelligenztest zu
verlangen, falls diese Anforderungen nicht mit
besonderen Fertigkeiten in Verbindung stehen,
die für die betreffende Arbeit vonnöten sind.
Das Gericht verbot auch Intelligenztests, die
mehr schwarze als weiße Bewerber disqualifizieren.
1971, Reed./. Reed: Das Gericht setzte eine
Gesetzesbestimmung des Bundesstaates Idaho außer Kraft, die Männern bei der Grundstücksverwaltung Vorrang einräumt. Es entschied, daß gemäß der Verfassung eine geschlechtsspezifische Präferenz "vernünftig, nicht
willkürlich" zu sein hat.
1971, Phillips ./. Martin Marietta Corporation: Der Oberste Gerichtshof entschied, daß
ein Unternehmen sich nicht weigern darf, Frauen mit Kindern im Vorschulalter einzustellen, es
sei denn, eine derartige Unterscheidung sei
eine i n gutem Glauben verlangte berufliche
Qualifikation".
1973, Norwood ./. Harrison: Das Gericht
entschied, daß Privatschulen Diskriminierung
aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Rasse
gestattet ist, sie aber in einem solchen Fall keine
Finanzhilfe des Staates erhalten dürfen.
1973, Roe./. Wade: Das Gericht erklärte trotz
der gegenteiligen Gesetze der Bundesstaaten
das Recht der Frau auf einen Schwangerschaftsabbruch für gesetzmäßig.

AMERIKA DIENST 34

�1974, Lau./. Nichols: Das Oberste Bundesgericht entschied einstimmig, daß unter dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 Mitarbeiter öffentlicher Schulen verpflichtet sind, nichtenglischsprachigen Schülern Englischunterricht oder eine
zweisprachige Erziehung anzubieten, damit sie
am Schulunterricht teilnehmen können.
1978, University of California Regents J.
Bakke: Das Gericht entschied, daß die Bevorzugung von Studenten einer bestimmten Hautfarbe bei der Zulassung zur Universität gestattet
ist, solange es keine strengen numerischen
"Quoten" für jede Rasse gibt.
1977, Dothard ./. Rawlinson: Das Gericht
setzte Anforderungen an Körpergröße und gewicht für Wächter in den staatlichen Gefängnissen - und bei vielen anderen Arbeitsplätzen außer Kraft, da diese eine geschlechtsspezifische Diskriminierung darstellen.
1979, United Steelworkers ./. Weber: Das
Oberste Bundesgericht entschied, daß Privat-

unternehmen freiwillig Programme zur beruflichen Gleichstellung einführen dürfen, um das
bisherige rassische Ungleichgewicht bei der Beschäftigung auszugleichen, selbst wenn sich
solche Programme negativ auf Weiße oder
Männer auswirken.
1980, Fullilove J. Klutznick: Das Gericht
bestätigte die Macht des Kongresses, im Besitz
von Angehörigen einer Minderheit befindliche
Unternehmen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge zu bevorzugen.
1987, Johnson ./. Transportbehörde des
Landkreises Santa Clara (Kalifornien): Der
Oberste Gerichtshof befürwortete die von der
Transportbehörde des Santa Clara-Landkreises eingeführten Programme zur beruflichen
Gleichstellung, um eine Frau bei einer Beförderung einem Mann vorzuziehen, der in dem Beförderungsgespräch etwas besser abgeschnitten hatte.

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AMERIKA DIENST 34

Seite 3

�GLEICHBERECHTIGUNG
25. August 1993

PRÄSIDENT CLINTON ERKLÄRT DEN 26. AUGUST
ZUM "TAG DER GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU

&gt;J

Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat den 26. August - den 73. Jahrestag der Ratifizierung des 19.
Zusatzartikels zur Verfassung, der den Frauen das Wahlrecht einräumt - zum Tag der Gleichberechtigung der
Frau" erklärt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Pressebüro des Weißen Hauses am 18. August 1993 herausgegebenen Text der Proklamation.

Am 26. August 1993 feiern wir den 73. Jahrestag der
Ratifizierung des 19. Zusatzartikels zur Verfassung.
Mit der Erklärung, daß das Recht zu wählen nicht
aufgrund von Geschlecht verweigert oder eingeschränkt
werden darf, gewährte der 19. Zusatzartikel den Frauen das wertvollste Privileg amerikanischer Bürger.
Seit der Gründung Amerikas haben Frauen ihr aktives
Interesse an der Gestaltung einer demokratischen
Regierung unter Beweis gestellt. Aber erst mit der
Verabschiedung des 19. Verfassungszusatzes erhielten die vielfältigen Beiträge der Frauen zum sozialen,
kulturellen und wirtschaftlichen Leben unserer Nation
die volle Anerkennung, die sie verdienten. Während
die Stimmen der Frauen auf der politischen Bühne an
Gewicht gewinnen, bereichern gewählte Vertreterinnen den Entscheidungsfindungsprozeß auf allen
Regierungsebenen mit wertvollen Ideen.
Der Kampf um echte Gleichberechtigung der Geschlechter beschränkt sich nicht auf den öffentlichen
Bereich. Die Erweiterung des Wahlrechts hat unser
Verständnis von Chancengleichheit grundlegend ver-

ändert und gemeinsame Verantwortung zu Hause
sowie die Persönlichkeitsentwicklung am Arbeitsplatz
ermutigt. Heute nehmen Frauen in zunehmendem
Maße eine Führungsrolle durch Verbesserungen in
den Bereichen Rechtsprechung, Wissenschaft, Unternehmertum und Kunst ein. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert sind die unerschütterliche Stärke und
Klugheit der Frauen weiterhin integraler Bestandteil
bei der Gewährleistung von dauerhaftem Wohlstand
für unsere Nation.
Jedes Jahr begehen wir den 26. August als den Tag
der Gleichberechtigung der Frau" im Gedenken an die
unermeßlichen Opfer und Beiträge, die Frauen für die
Vereinigten Staaten geleistet haben. Bei dieser Gelegenheit bekräftigen wir unser nationales Engagement
für das unmißverständliche Versprechen Amerikas zu
garantierter Gleichberechtigung für unser ganzes Volk.
Unterzeichnet am 18. August, im Jahre des Herrn 1993
und im 218. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika.

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AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�RAUMFAHRT
25. August 1993

DIE ERFORSCHUNG DES ROTEN PLANETEN
Entsendung einer amerikanischen Raumsonde zum Mars

WASHINGTON - (AD) - Zum ersten Mal seit 17 Jahren
nähert sich wieder eine mit Kameras und Fernmeßinstrumenten ausgerüstete amerikanische Raumsonde
dem Mars, um die umfassendste Erforschung vorzunehmen, die je von dem roten Planeten gemacht
wurde.

kapazität ... (und) höchst genaue Präzisionsinstrumente".

"Wir werden ein Gesamtbild von der Atmosphäre und
ihren jahreszeitlichen Veränderungen für ein Marsjahr
erhalten", erklärte Astronom Richard Zurek. "Bei früheren Beobachtungsflügen gab es keine ununterbroObwohl die amerikanischen Wissenschaftler zur Zeit chene globale Erfassung des Planeten. Man bekam
jeglichen Funkkontakt zu der Raumsonde verloren einen Schnappschuß eines Ereignisses und sah es
haben, sind sie zuversichtlich, daß die Mars Observer dann nie wieder."
ihre Triebwerke automatisch zünden und in die Umlaufbahn des Mars eintreten wird. Der nachfolgende Dem leitenden Wissenschaftler Arden Albee zufolge
wollen er und seine Kollegen herausfinden, wie sich
Artikel beschreibt die Mission der Raumsonde.
das Klima auf dem Mars über die Äonen geändert hat
Die Sonde Mars Observer, die im September letzten und ob frühere Bedingungen förderlich für ein Leben
Jahres vom Kennedy Raumfahrtzentrum in Florida auf dem Planeten gewesen seien. Unter den jetzigen
startete, soll am 24. August ihre Bremsraketen absto- Bedingungen sei kein Leben auf dem Mars möglich,
ßen und in die Umlaufbahn des trockenen und felsigen fügte er hinzu.
Planeten einschwenken.
Früher hatten Raumsonden alte, ausgetrocknete
Wenn alles plangemäß abläuft, wird die Raumsonde in Kanalsysteme auf dem Mars entdeckt, die auf globale
den nächsten drei Monaten den Mars in einer ellipti- Überschwemmungen in den frühen Jahren des Planeschen Umlaufbahn in 374 Kilometern Höhe über der ten hindeuteten. Forscher halten es für möglich, daß
Planetenoberfläche umkreisen. Am 23. November sich während dieser Wetterperioden eine kurze Zeit
werden die Meßinstrumente an Bord des Raumschiffs lang Leben entwickelt haben könnte.
letztmalig für Versuche angestellt, in deren Verlauf sie
eine komplette Photolandkarte des Planeten erstellen Der einzige direkte Beweis für die Existenz von Waswerden, bevor am 16. Dezember die offizielle Erfor- ser auf dem Mars sind die polaren Eiskappen. Sie
geben Hinweise auf die mögliche Existenz von Wasschung des Mars beginnt.
ser, das im Planeteninneren in einer dicken Schicht
Die Mars Observer wird den Himmelskörper alle 118 von Permafrost verborgen sein könnte, der sich über
Minuten umkreisen und einem internationalen Team einen Großteil der höheren Breiten erstreckt. Einige
amerikanischer, britischer, französischer, deutscher Forscher stellen Vermutungen über die Existenz von
und russischer Forscher einen äußerst detaillierten unterirdischen Wasserläufen an, die mikrobisches Leben
Gesamtüberblick über Landschaft und Klima des Pla- beherbergen könnten.
neten während eines gesamten Marsjahres oder 687
Von 1964 bis 1976 wurden acht amerikanische MariErdtagen geben.
ner- und Viking- Raumsoden zum Mars entsandt,
Das Raumschiff hat "die modernste wissenschaftliche dem gemessen an der Entfernung zur Sonne an vierter
Ausrüstung an Bord, die jemals zu einem Planeten Stelle liegenden Planeten. Mariner 9 war das erste
entsandt wurde", so Glenn Cunningham, Projeklerter Raumschiff, das den Mars in den Jahren 1971 und
des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifor- 1972 umkreiste und die ersten Landkarten von einem
nien). "Sie ist genauer.... hat eine größere Rechner- anderen Planeten erstellte. 1976 erreichten zwei

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Seite 1

�Viking-Raumschiffe den Mars. Höhepunkt dieser
Raumfahrtmissionen war das Aufsetzen von zwei
selbstgesteuerten Landegeräten, die den Marsboden
aufschaufelten und untersuchten. Sie fanden keine
Anzeichen für biologische Aktivität.

werden die Daten des Neutronendetektors es ihnen
ermöglichen, den Wassergehalt in den obersten Metern der Marsoberfläche zu messen und nach Kohlenstoffmineralen zu suchen, die einen Hinweis auf die
frühere Existenz von Leben auf diesem Planeten geben
könnten.

Die ehemalige Sowjetunion schickte 1988 zwei Phobos-Weltraumsonden in Richtung Mars, von denen Die Sonde hat Gammastrahlendetektoren an Bord, um
jedoch eine auf dem Weg und die andere kurz nach der die chemische Zusammensetzung der Oberfläche zu
Ankunft auf dem Mars versagte.
bestimmen. Der Mars wird als der rote Planet bezeichnet, weil sein Boden und der den Planeten umgebende
Kameras und Forschungsinstrumente an Bord der Staub eine rötliche Farbe haben. Im UmlaufobservaMars Observer sollen Zehntausende von Photos torium wird man auch nach Beweisen für das jetzt
machen und Messungen des Himmelskörpers vorneh- außer Kraft gesetzte Magnetfeld suchen, das in der
men. Dadurch sollen mehr Daten zur Erde geschickt steinigen marsianischen Oberfläche erhalten gebliewerden als bei allen vorherigen Missionen zum roten ben ist, das Gravitationsfeld des Planeten aufzeichnen
Planeten.
und genaue topographische Landkarten seiner zerklüfteten Oberfläche erstellen.
Zwei Weitwinkelkameras können Bilder ab einem
Durchmesser von 250 Metern aufnehmen und jeden Nach Beendigung ihrer ersten Mission während eines
Tag ein komplettes Farbbild des Planeten erstellen. Marsjahres könnte die Mars Observer zur ÜbertraDer Zoom des Raumschiffs kann kleinere Streifen des gung der von der russischen Weltraummission gesamPlaneten in größerer Genauigkeit photographieren melten Daten eingesetzt werden, die im Jahr 1994
und Objekte von nur 1,4 Metern Durchmesser ausma- beginnen soll. Im Rahmen dieser Mission soll ein in
chen.
Umlauf gebrachter Beobachtungssatellit zwei kleine,
mit wissenschaftlichen Instrumenten bestückte LanDer hochauflösende Zoom wird durch Permafrost
degeräte auf der Oberfläche des Planeten aussetzen
ausgelöste Veränderungen der Oberfläche des Planesowie zwei zum Zwecke geologischer Studien in die
ten entdecken und messen können, wie weit sich die
Oberfläche eindringende Sonden.
Permafrostböden des Mars von seinen Polen aus
erstrecken. Dadurch könnten Antworten auf schon Sollte das Raumschiff im Jahr 1997 noch funktionsseit langem anhängige Fragen danach geliefert wer- tüchtig sein, könnte es zur Übertragung der Daten
den, was mit dem Wasser geschah, das einst die eines französischen Marsbaitons genutzt werden, der
Kanäle in die Oberfläche des Planeten eingrub.
in die dünne Kohlendioxidatmosphäre des Planeten
Die Kameras werden es den Wissenschaftlern auch eindringen soll, sowie eines extra konstruierten autogestatten, das Entstehen und Anwachsen der giganti- matischen Vehikels der Russen, das auf der Oberfläschen Staubstürme zu beobachten, die auf dem Mars che des Mars stationiert wird.
über Wochen andauern können und oftmals große Die NASA plant die Entsendung von über einem DutRegionen der Planetenoberfläche bedecken. Die Sonde zend kleinerer selbstgesteuerter Landegeräte zum
Mariner 9 beobachtete einen Marssturm, der im Jahr Mars - die ersten für das Jahr 1996. Die Landegeräte,
1971 den gesamten Planeten bedeckte und soviel die Teil eines ehrgeizigen Mehrjahresprogrammes sind,
Staub in den Himmel hochwirbelte, daß Temperatur das als Mars Environmental Survey oder Mesur
und Strömung der Atmosphäre beeinflußt wurden.
bezeichnet wird, sollen zur Wetterbeobachtung, EntDie Mars Observer hat auch einen Neutronendetektor nahme von Oberflächensedimenten und für seismoan Bord, der auf Wasser- und Kohlenstoff auf der graphische Messungen genutzt werden, um mehr
Marsoberfläche reagiert. Wissenschaftlern zufolge über die Kruste und das Planeteninnere des Mars zu
erfahren.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 34

�BLUES
25. August 1993

COAHOMA COUNTY - HEIMAT DES BLUES
von Mike Nickele
In dem nachfolgenden Artikel erläuten" der Verfasser die Geschichte des Blues und verweist darauf, daß die
Region des Mississippi-Delta - insbesondere Coahoma County, der Geburtsort des Blues - ein Urlaubsziel für
viele Menschen ist, die mehr über den Blues, das Land und die Menschen in Erfahrung bringen wollen, die ihn
ins Leben gerufen haben.
Der Autor ist beim Presseamt der Stadt Detroit (Michigan) beschäftigt und ehemaliger Redakteur der Zeitschrift
Auto Week

Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Friends. Copyright (c) 1992
Mike Nickele.

Hörst Du Blues, mußt Du auf den Takt hören. Der Takt
erzählt eine Geschichte - die Geschichte. Mit einem
fast brummenden, unüberhörbaren Rhythmus zeichnet der Blues die Entwicklung einer faszinierenden
Region und der Menschen auf, die das geschaffen
haben, was weltweit als typisch amerikanische Musik
anerkannt ist.
Clarksdale (Mississippi) ist die Heimat des Blues.
Oder wie die stolzen Bewohner von Coahoma County
sagen: "The Coahoma the blues". Es ist die Heimat
von Blues-Größen wie Muddy Waters, B.B. King, Son
House, Sonny Boy Williamson und vielen mehr. Und
hier in Clarksdale hat sich das Delta Blues Museum die
Aufgabe gestellt, die Geschichte des Blues zu bewahren und dauerhaftes Interesse an ihm zu fördern.

die Väter und Mütter des Blues ebenso wild gefeiert
wie gearbeitet haben. Die Samstagabende waren zum
Tanzen und Vergnügen da. Und ohne den Blues
konnten einfach keine ausgelassenen Parties zu Hause
gefeiert oder die Wände der Buden (kleine Eßlokale
mit Jukebox-Musik) zum Wackeln gebracht werden.
Ende der siebziger Jahre erkannte ein Mann die Bedeutung der Bewahrung dieser Traditionen. Sein
Name ist Sid Graves. Als Leiter der Carnegie Public
Library in Clarksdale war er sich bewußt, daß sich der
Gemeinde hier eine einzigartige Chance bot.
Graves hatte gerade drei Bibliotheken im südlichen
Teil des Bundesstaates gegründet und im Zuge seiner
Forschungstätigkeit entdeckte er, daß es kein einziges
Geschichtsbuch in der gesamten Region gab. Das
brachte den Ball ins Rollen.

So ist auch die reichhaltige braune Erde von Clarksdale ein Land schneeweißer Baumwolle - das Kind der
verschleppten schwarzen Afroamerikaner, die hier Er kam nach Clarksdale, traf sich mit dem Autor M inton
Weeks, und zusammen veröffentlichten sie Clarksschufteten.
dale &amp; Coahoma County - a History.
Hör' auf den Takt der Musik und Du kannst das
rhythmische Stampfen der großen Dampflokomotiven Bei seinen Forschungen fand Graves heraus, daß es
vernehmen, die die Baumwolle aus dem Süden in die keine Archive gab, die dieser großartigen afroamerikaHandelszentren im gesamten Land beförderten. Hör" nischen Musikform Rechnung trugen. Kurz darauf
genauer hin und Du hörst den Rhythmus, den die schlug Graves dem Verwaltungsrat der Carnegie Public
Plantagenarbeiter benutzten, um das Tempo ihrer Library die Gründung des Delta Blues Museum vor.
mörderischen Arbeit besser bestimmen zu können.
"Ich habe es nicht getan, weil ich Musikwissenschaftler
Aber da ist noch etwas. Du hörst die Freude. Der bin oder den Blues liebe", erklärt Graves. "Ich liebe
Blues ist auch eine glückliche Musik. Weil weder auch andere Musik. Ich hatte nur das Gefühl, daß
damals noch heute irgend jemand leugnen wird, daß nichts getan worden war und etwas getan werden
sollte."
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Und so war es. Das Delta Blues Museum wurde 1979
vom Kuratorium der Carnegie Public Library gegründet, um das Bewußtsein und die Würdigung dieser
besonderen amerikanischen Musikform zu schärfen.
Das Museum ist heute in der Bibliothek untergebracht.

ter von dem Museum entfernt auf dem Gelände der
Stovall Plantage liegt (heute die älteste Plantage in
Mississippi, die noch in Betrieb ist), hatten die Mitglieder der Gruppe ZZ Top eine Idee. Sie baten um ein
Holzbrett des Hauses, das sie an ihren personlichen
Gitarrenhersteller schickten, der dann die "Muddy"Menschen, die mit Rock W Roll und Country-music wood" schuf. Wie ein typisches Blues-Instrument
aufgewachsen sind, haben festgestellt, daß der Blues aussehend, ist auf der "Muddywood" der Mississippi
für die Entwicklung anderer Musikformen außeror- dargestellt, der vom Klangkörper bis hinauf zum Hals
dentlich wichtig war", erläutert Graves in seinem mit der Gitarre verläuft. Wenn die Gitarre nicht im MuMemorabilien des Blues vollgestopften Büro in der seum ausgestellt ist, wird sie auf Blues-Festivals im
Bibliothek. "Ohne den Blues gäbe es keinen Rock V ganzen Land mitgenommen, um damit Geld für das
Roll."
Museum aufzubringen.
Der Blues hat auch den amerikanischen Jazz stark
beeinflußt. Die erste Jazz-Größe, W.C. Handy, lebte
von 1903 bis 1906 in Clarksdale und kam häufig dorthin
zurück. Seine Musik wurde, wie er selbst sagt, stark
von den Blueskünstlern des Mississippi-Delta beeinflußt. Handys Musik hatte wiederum Einfluß auf George
Gershwin - wie dieser sagte - bei seiner Rhapsody in
Blue mit ihren verminderten 7. Akkorden und ihrem
großartigen Klang.
In jüngerer Zeit hat der Blues auch Gruppen wie ZZ
Top, die Rolling Stones und die Beatles beeinflußt
sowie die Sänger Eric Clapton, John Fogerty und
Bonnie Raitt. "Die Wurzeln des Rock and Roll liegen
im Mississippi-Delta", stellt Graves fest.
Graves hat das Gefühl, ein Museum wie dieses sei gut
für die Selbstachtung der Gemeinde. "Insbesondere
für diejenigen, denen seit Generationen gesagt wird,
ihre Vorfahren seien arm und unterdrückt gewesen",
so Graves. "Das trifft zu, aber ihnen wurde nicht
gesagt, daß sie auch die Musik Amerikas geschaffen
haben."

ZZ Top hat mehr zur Förderung des Blues-Museums
getan als sonst jemand - außer vielleicht Graves
selbst. "1987 kam Billy Gibbons (der Lead-Gitarrist
und Sänger von ZZ Top) zu Besuch, sagte es den
anderen, und sie kamen alle", erzählt Graves. "Wie
soviele Musiker, die dem Blues zu Dank verpflichtet
sind, wollten sie etwas unternehmen."
Die Band hat nicht nur Geld und Mittel gespendet - sie
kam kurz darauf mit zwei Bussen voller Journalisten
zurück und gab ausführliche Presseinterviews.
Bevor sich die Gruppe für das Blues-Museum engagierte, hatte es 30 bis 40 Besucher pro Monat. Heute
verzeichnet es durchschnittlich 600.
"Wenn man ins Blues-Museum kommt, kann man
bekannte Musiker und Berühmtheiten treffen", fügt
Graves hinzu.

Die Zukunft des Museums scheint vielversprechend.
Mit durch Beihilfen der U.S. National Endowment for
the Humanities ermutigten Spenden sollen ein Konzertsaal und Unterkünfte für Blues-Musiker angebaut
In dem Museum sind Tausende Bücher, Schallplatten, und sogar Computerprogramme angeboten werden,
Tonbänder, CDs, Fotosammlungen, Videos und um den Studenten die Blues-Techniken zu vermitteln.
Memorabilien ausgestellt - alle über den Blues und Femer ist geplant, die noch stehenden Außenmauern
seine Menschen. In einer Ecke des Museum-Oberge- von Buddy Waters Haus abzubauen und sie als Vorschosses befindet sich eine der in Clarksdale gebürti- halle für das Museum zu verwenden - die wahrscheingen Blues-Größe Muddy Waters nachgebildete Wachs- lich für Blues-Darbietungen am Nachmittag genutzt
figur (die Kleider gehörten Muddy und wurden von wird.
seiner Frau gestiftet).
Neben dem Delta Blues Museum bietet Clarksdale
Es sind einige der ursprünglichen Instrumente ausge- selbst eine Reihe von mit Musik in Verbindung stehenstellt, wie das "diddley bo" - ein Zedernholzbrett mit den Attraktionen. Der Stackhouse/Delta-Plattenmarkt
Draht und Nagel - das die Plantagenarbeiter wie eine in der Sunflower Street ist ein Muß für Besucher der
Gitarre spielten (von dem der Rock W Roll-Pionier Bo Region. Es ist ein ausgezeichneter Ort, um zu verweiDiddley seinen Künstlernamen übernahm) sowie Gi- len, Platten zu kaufen und wertvollen Rat einzuholen.
Der Besitzer des Ladens, Jim O'Neal, ist der ehematarren, Mundharmonikas und Waschbretter.
lige Herausgeber der Zeitschrift Living Blues und ein
Die Blues-Größe B.B. King spendete eine Kopie von wirklicher Blues-Liebhaber.
Lucille, seiner berühmten elektrischen Gitarre. Das bei
weitem bemerkenswerteste Instrument ist jedoch die Während man dort ist, trifft man wahrscheinlich den
"Muddywood"-Gitarre, die von der Rock/Blues-Grup- einen oder anderen echten Blues-Musiker, weil O'Neal
pe ZZ Top zur Verfügung gestellt wurde.
ein Aufnahmestudio für seine Plattenfirma Rooster
Records auf dem Gelände anbaut. (Rooster Records
Nach der Besichtigung des Hauses, in dem Muddy hat vor kurzem eine Kassette mit Stücken lokaler
Waters seine Kindheit verbrachte, das rund 13 KilomeSeite 2

AMERIKA DIENST 34

�Blues-Musiker unter dem Titel Clarksdale, Mississippi - Coahoma the Blues herausgebracht.
An dem Tag unseres Besuchs war der Sänger und
Gitarrist Lonnie Shields im Studio und bearbeitete
Hammer und Säge, während ein Kassettengerät seinen jüngsten Live-Auftritt bei einem Blues-Festival im
nahegelegenen Helena spielte.

eben der Platz, an dem ein ziemlich mittelmäßiger
Blues-Gitarrist und Sänger, Robert Johnson, seine
Seele dem Teufel für ein Talent verkaufte, das ihn
schließlich zum König" des Delta-Blues krönte.

Highway 61 wird in einer Vielzahl von Blues- und
Rocksongs erwähnt, weil er die von den Afroamerikanern benutzte Hauptstraße war, die in den Norden in
Städte wie Chicago, Cleveland und Detroit emigrierZusätzlich zu großartigen Schallplatten, Postern, Zeit- ten. Er verläuft von Memphis, Tennessee (120 Kiloschriften, Büchern und T-Shirts muß man unbedingt meter nördlich von Clarksdale) südwärts durch das
einen Wegweiser für den Delta Blues mitnehmen. Er Mississippi-Delta bis nach Louisiana. In der Welt des
führt einen durch Blues-Ferien anhand von Karten zu Blues ist der Highway 61 der Rekordhighway. BesonOrten wie dem Grab von Sonny Boy Williamson, ders wenn die Baumwolle blüht und bei blauem HimRobert Johnsons Todes- und Grabesstätte, den Häu- mel ist es eine wunderschöne Fahrt.
sern, in denen Muddy Waters, W.C. Handy und Ike
Turner (aus den Zeiten des Ruhms von Ike und Tina Wenn man den Highway 61 entlangfährt, erkennt man,
Turner) ihre Kindertage verbrachten.
wie reich die Musiktradition in dieser Gegend ist. Elvis
Presley wurde in Tupelo (Mississippi) geboren und
Er weist auch den Weg zu dem Laden des musikali- sein Anwesen Granceland liegt in der Nähe von Memphis
schen Frisörs Wade Walton. Walton, ein Blues-Mann (Tennessee).
erster Klasse, spielt Gitarre und Mundharmonika und
bringt einen phantastischen Rhythmus mit Rasierklin- Und dann gibt es die Schriftsteller. Nur einige Blocks
ge und Lederriemen hervor. Sein Sohn Kenneth spielt vom Museum entfernt wuchs der Autor Tennessee
in einem angrenzenden Raum Gospeimusik.
Williams auf. Andere Schriftsteller aus der Gegend
von Clarksdale sind Richard Ford, Thomas Harris,
Und es gibt eine Liste von Buden mit Jukebox-Musik Joan Williams, Larry Brown und John Grisham.
wie Margaret's Blue Diamond Lounge in der West
Tallahatchie Avenue und die Red Top Lounge (besser Angesichts dieser Attraktionen entdecken immer mehr
Urlauber diese Region.
bekannt als Smitty's) in Yazoo.
O'Neal gibt auch wertvolle Ratschläge, was zu erwarten ist und wie man sich verhalten soll. "Es gibt überall
im Delta Buden mit Jukebox-Musik, und man kann am
Wochenende immer irgendwo Blues hören, aber die
Buchungsarrangements mit den Bands sind häufig
locker, werden oft erst in letzter Minute vorgenommen
und können aufgrund einer Reihe unvorhergesehener
Faktoren geändert werden: Dem Wetter, dem jeweiligen Markt, dem richtigen Job des Musikers. Wenn es
beispielsweise Pflanzzeit und das Wetter gut ist, muß
der Drummer vielleicht einen Traktor fahren (oft bis
spät in die Nacht) und kann aus diesem Grund an dem
Abend nicht spielen."

"Meines Erachtens ist man heute nicht mehr von
hochmodernen Massentourismuszentren angetan",
erklärt Graves das neue Interesse am Individualtourismus. "Und ich glaube, dies ist ein echter Trend im
afroamerikanischen Tourismus. Wenn man in eine
unzerstörte ländliche Gegend mit gastfreundlichen
Menschen kommt, kann man sehr viel entdecken,
nicht nur über die Geschichte des Südens, sondern die
amerikanische Geschichte, Musikgeschichte und über
afroamerikanische Geschichte."

Eine wunderschöne Landschaft, warmherzige Menschen und kühle Musik machen das Mississippi-Delta
zu einem idealen Ferienort. Und weil es zwischen zwei
Die Gegend um Clarksdale bietet dem Reisenden eine großen musikalischen Mekkas des Südostens eingeechte Schatzgrube amerikanischer Folklore. Das bettet liegt - Memphis und New Orleans - wird das
Museum liegt zum Beispiel ungefähr drei Kilometer Clarksdale Delta Blues Museum rasch zu einem Drehvon der berühmtesten Straßengabelung der Musikge- und Angelpunkt für den sich abzeichnenden Trend
schichte - hier als "Kreuzung" bekannt - entfernt. Sie musikalischer Pilgerfahrten. Es ist ein Ort, um sowohl
macht vielleicht nicht viel her mit ihren drei Tankstellen den Blues als auch das Land wiederzuentdecken, das
und einem Brathähnchenstand, aber von der Kreu- ihn ins Leben gerufen hat - zwei außerordentlich
zung der Highways 61 und 49 behaupten einige, sie sei wichtige Facetten der amerikanischen Geschichte.

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