<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2312" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2312?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:28:14+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2323">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2c6b4e3e79abf1b9d17dcad4b04ee529.pdf</src>
      <authentication>8856affa5e66e5161dc085bc0e674e88</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="11856">
                  <text>: eo

s&gt;

cimGfikci
%

d

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

dienet

^7-ioN ^

11. August 1993

32

WIRTSCHAFT

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR PLAN ZUR GESUNDUNG DER
WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH DER ABSCHAFFUNG
DES KOMMUNISMUS SOGAR NOCH
VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson

BOSNIEN

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLÄNE
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN DER
NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als
aktiver Vermittler

TERRORISMUS

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert

LANDMINEN

UNGERAUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE
KILLER UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums

MARTIN LUTHER KING

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG FÜR
PLAN ZUR GESUNDUNG DER WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Mit der Feststellung, daß es an der Zeit für "außergewöhnliche Aktionen" sei, richtete
Präsident Clinton einen dringenden Appel an die Nation, seinen umfassenden Haushaltsplan zu unterstützen,
der einen Abbau des Defizits um rund 500 Milliarden Dollar vorsieht.
"Wir müssen sehr viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu bewirken", erklärte Clinton in einer landesweit
übertragenen Fernsehansprache am 3. August 1993. "Wir haben jetzt die Chance zu Veränderungen. Wir
befinden uns an der Schwelle zu historischen Aktionen."
In seinem Appell an den Kongreß, sein Maßnahmenpaket zur Gesundung der Wirtschaft zu verabschieden,
vertrat Clinton die Auffassung, die Vereinigten Staaten stünden vorder Wahl: "Wir können den Weg zu höheren
Defiziten und geringerem Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung
der Wirtschaftslage unseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtschaftsplan zustimmen."
Der Plan sieht ihm zufolge den grö ßten Defizitabbau der Geschichte vor - nahezu 500 M illiarden Dollar - "mit mehr
Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Guten Abend. Ich möchte Ihnen heute über die von Auto zu kaufen, die Rechnungen zu bezahlen, die
uns erzielten Fortschritte berichten und um Ihre Unter- Ausbildung seiner Kinder zu gewährleisten und mit
Stützung bei der dringendsten Priorität unserer Nation Würde in den Ruhestand zu gehen,
bitten - der Wiederbelebung des Amerikanischen Traums
durch den Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft. Unsere Regierung hat diese Probleme zu lange nicht
in Angriff genommen. Uns wurde eine Politik des
Es ist mindestens 30 Jahre her, seit ein Präsident an Anspruchsdenkens geboten - Almosen seitens der
die Amerikaner appelliert hat, persönliche Verantwor- Regierung, ohne im Gegenzug etwas dafür zu verlantungfürdieZukunftdesLandeszuübernehmen. Esist gen. Und es wurde uns eine PolitikdesAlleingelassen25 Jahre her, seit unsere Regierung einen ausgegli- seins geboten - Steuersenkungen für die Wohlhabenchenen Haushalt hatte. Seit mindestens 20 Jahren den - ebenfalls ohne irgendeine Gegenleistung bei
stagniert das Einkommen der Mittelschicht nahezu, gleichzeitigen Steuererhöhungen für die Mittelschicht,
und zu viele Amerikaner arbeiten nachts, am Wochen- die an eben diese Regierung mehr bezahlen mußte,
ende und im Urlaub, nur um über die Runden zu statt in unsere Arbeitsplätze und unsere Zukunft zu
kommen.
investieren.
Seit mindestens zehn Jahren sind die Kosten unseres Die Resultate: Weniger Arbeitsplätze, stagnierende
Gesundheitswesens explodiert, während Millionen Einkommen, eine massive Verschuldung für uns und
Amerikaner jeden abend mit der Sorge zu Bett gehen, unsere Kinder, höhere Kosten und größere Unsicherdaß ihre Krankenversicherung gekündigt wird, wenn heit im Gesundheitswesen sowie ein Berg von schlicht
sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder ihre Kinder krank vernachläßigten Problemen,
werden.
Heute abend sind wir an dem Punkt, aus diesem alten
Und in den letzten Jahren hat unsere Volkswirtschaft Kreislauf von Steuern, Ausgaben und einer Wirtschaftskeine Arbeitsplätze geschaffen - Arbeitsplätze, bei entwicklung von oben nach unten auszubrechen,
denen man genug verdient, um sich ein Haus und ein zwischen Alleingelassensein und Anspruchsdenken;
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�an der Schwelle zu neuen Wegen, die Dinge in Angriff
zu nehmen und in unseren dauerhaftesten Werten
begründet - einer Philosophie, die lautet, Amerika
schuldet uns alle eine Chance, wenn wir die Verantwortung für uns, unsere Gemeinden und unser Land
übernehmen. Nicht länger irgend etwas umsonst. Wir
sitzen alle in einem Boot.
Das bedeutet, die Regierung muß für diejenigen funktionieren, die die Rechnungen bezahlen. Die gewaltige Macht des Mississippi, der über die Ufertrat und die
hinterlassene Zerstörung hat uns allen in den letzten
Wochen Furcht eingeflößt. Wir hatten jedoch auch
großen Respekt für den Mut der Opfer der Überschwemmung und das Mitgefühl der Amerikaner, die
ihnen bei der Bekämpfung der Ruten und der Wiederherstellung eines normalen Lebens behilflich waren.
Ich bin besonders stolz, daß dieses Mal die Bundesregierung gemeinsam mit den Betroffenen gekämpft hat.

gleichermaßen, daß das Wachstum rückläufig sein
wird, wenn wir nicht drastische Schritte unternehmen,
um dieses Defizit in den Griff zu bekommen und zwar
bald. Wenn soviel auf dem Spiel steht, wäre es
unverantwortlich, keine entschiedenen Maßnahmen
zu ergreifen.
Ist dieser Plan erst einmal in die Praxis umgesetzt, wird
Wirtschaftswachstum die Folge sein, und in den nächsten vier Jahren werden über acht Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen. Ohne diesen Plan setzen
wir unsere Volkswirtschaft und unseren Lebensstandard weiter aufs Spiel. Wenn wir diesen wichtigen
ersten Schritt jetzt unternehmen, werden wir langfristig
einen Abbau des Defizits und eine Zunahme von
Arbeitsplätzen beobachten.

Das zweite Prinzip dieses Plans ist Fairneß. Diejenigen, die am meisten haben, leisten die höchsten
Beiträge. Wie diese Graphik belegt, bitten wir die
Das müssen wir an allen Fronten tun. Wir müssen sehr Wohlhabenden, ihren fairen Anteil zu entrichten, unter
viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu der Prämisse, daß mindestens ßO Prozent der neuen
bewirken. Wir haben jetzt die Chance zu Veränderun- Steuerlast auf diejenigen entfallen, die über 200.000
gen. Wir befinden uns an der Schwelle zu historischen Dollar pro Jahr verdienen, und sehr wenig auf die
Aktionen. In dieser Woche wird der Kongreß die anderen Amerikaner. Das soll nicht heißen, daß die
Erfolgreichen bestraft werden, sondern bedeutet nur,
entscheidende Abstimmung über meinen Plan zur
etwas von denjenigen zu erbitten, deren Einkommen in
Gesundung der Wirtschaft abhalten.
den achtziger Jahren am meisten gestiegen sind und
In einem umfassenden Wirtschaftsplan ist immer Raum deren Steuern gesenkt wurden. Für Arbeitnehmerfafür Geben und Nehmen. Aber vom ersten Tag an habe milien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
ich fest zu bestimmten Ideen und Idealen gestanden,
Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödie das Kernstück dieses Plans bilden.
hung geben. Ich wiederhole: Für Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
Heute abend kann ich Ihnen berichten, das jedes Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödieser Prinzipien in der endgültigen Version des Plahung geben.
nes enthalten ist.
Das dritte Prinzip ist, daß wir ältere Amerikaner vor
schmerzlichen Kürzungen der Sozialleistungen, Medicare und der Vergütungen für Veteranen schützen
müssen, die von einigen vorgeschlagen wurden. Obwohl
alle Amerikaner ihren Beitrag leisten müssen, werde
ich einen ausgeglichenen Haushalt nicht auf Kosten
der älteren Amerikaner anstreben, während die Wohlhabenden geschützt werden. Jede von den Gegnern
des Wandels angebotene Alternative beginnt mit einschneidenden Kürzungen der Krankenversicherung
älterer Amerikaner. Meines Erachtens müssen wir
eine bessere Zukunft für unsere Kinder aufbauen,
ohne
die Sicherheit ihrer Großeltern zu opfern. Wir
Warum müssen wir jetzt außergewöhnliche Maßnahkönnen
die Kosten der Krankenversicherung kontrolmen ergreifen? Diese Graphik erläutert Ihnen, warum.
lieren,
aber
nur durch Reform des GesundheitsweDie Vereinigten Staaten stehen vor der Wahl. Wir
sens,
nicht
indem
wir einfach den Älteren weh tun.
können den Weg zu höheren Defiziten und geringerem
Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung der Wirtschaftslage Das vierte Prinzip lautet, daß wir unser Vertrauen in die
hart arbeitenden Mittelklassefamilien bewahren müsunseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtsen,
die das Kernstück und die Stärke unserer Nation
schaftsplan zustimmen.
sind. Wir haben hart an diesem Plan gearbeitet, um die
Es wird weder leicht sein noch schnell gehen. Aber es Steuern für die Mittelschicht so niedrig wie möglich zu
ist notwendig; ohne den Abbau des Defizits wird es halten. Der Plan sieht für eine arbeitenden Durchschnittsfamilie nicht mehr als 3 Dollar pro Monat an
kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum geben. Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer warnen uns zusätzlichen Steuern vor - also weniger als zehn Cent

Erstens der größte Defizitabbau der Geschichte nahezu 500 Milliarden Dollar- mit mehr Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen. Statt der Spiele und
Tricks der Vergangenheit enthält dieser Plan 200
spezifische Ausgabenkürzungen, und er reduziert die
staatlichen Ausgaben um über 250 Milliarden Dollar.
Wir streichen mehr als 100.000 Positionen in der
Regierung, ohne jemanden zu entlassen. Wir werden
die Ausgaben zur freien Verfügung für fünf Jahre
einfrieren. Wir werden Gehaltserhöhunen für Bundesbedienstete begrenzen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�pro Tag - bei einer Anhebung der Mineralölsteuer um Wir verwirklichen dies durch einen Einkommensteuer1,1 Cents pro Liter. Das ist die einzige neue Steuer, die abschlag, der die Steuern für 20 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als
von den Arbeitnehmern entrichtet werden muß.
27.000 Dollar pro Jahr senkt. Dies geschieht ohne
Ich möchte ganz offen sagen, woher der Defizitabbau neue staatliche Bürokratie, sondern nur durch die
kommt. Sehen Sie sich diese Graphik an. Pro 10 Anwendung des Steuerrechts.
Dollar für die Verringerung des Defizits kommen 5
Dollar, das heißt, tatsächlich sogar etwas mehr, aus Damit wird eine außerordentlich deutliche Botschaft
Ausgabenkürzungen; 4 Dollar kommen aus Einkom- an diejenigen übermittelt, die mit großen Unbilden zu
mensteuern für diejenigen, die über 200.000 pro Jahr kämpfen haben, um sich und ihre Familien voranzuverdienen, und nur 1 Prozent kommt von allen ande- bringen. Sie verleiht ihnen Macht. Sie sagt ihnen, wir
ren.
stehen auf der Seite der Menschen, die arbeiten und
sich um ihre Kinder kümmern. Es ist eine Botschaft
Dieser Plan ist fair. Er ist ausgewogen. Und er wird Pro Arbeit und Pro Familie. Und es ist ein erster
funktionieren.
entscheidender Schritt zu einer meiner wichtigsten
Prioritäten: Beendigung der Sozialhilfe in ihrer bisheWir müßen letztlich eine Volkswirtschaft haben, die
rigen Form.
Arbeitsplätze schafft und das amerikanische Volk
voranbringt.
Jedes Element dieses Plans ist eine Abkehr vom
In der Vergangenheit sind Bestrebungen zum Defizit- business as usual, und wenn es etwas gibt, das unser
Land benötigt, dann, business as usual überflüssig zu
abbau gescheitert, weil sie Initiativen für Unternehmachen.
menszuwächse und Investitionen vemachläßigten, um
die Amerikaner intelligenter, stärker und sicherer zu Ich bin mir voll und ganz bewußt, daß die Amerikaner
machen. Dieser Plan ist völlig anders. Er schafft sehr skeptisch gegenüber RegierungsverlautbarunArbeitsplätze. In der Tat kommen über 90 Prozent der gen sind. Sie müssen sich fragen, ob diese Kürzungen
mittelständischen Unternehmen in diesem Land für ernstgemeint sind und ob die Steuern wirklich dazu
Steuersenkungen in Frage, wenn sie in ihre Zukunft verwendet werden, das Defizit abzubauen. Nun, unser
investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.
Plan unterscheidet sich grundlegend vom business as
usual. Ich möchte Ihnen erläutern, warum.
Wenn Sie den Mut zu Investitionen in neue Firmen
haben und diese Investition für fünf Jahre tätigen, wird Erstens gründet sich der Plan auf konservative SchätIhre Kapitalertragssteuer durch diesen Plan um die zungen künftiger Einnahmen. Zeile um Zeile, Jahr um
Hälfte gesenkt. Wenn Ihr Unternehmen in Forschung Jahr enthält er spezifische Kürzungen der staatlichen
und Entwicklung investiert, wird Sie dieser Plan beloh- Ausgaben. Und er bietet neue Initiativen, damit die
nen. Wenn Ihr mittelständisches Unternehmen neue Wirtschaft expandieren kann und neue Arbeitsplätze
Arbeitsplätze schafft und neue Geräte anschafft, sieht geschaffen werden. Er reduziert die Belastung der
dieser Plan Wachstumsanreize vor, indem die Ab- Mittelklasse auf ein Minimum und fordert die Wohlhaschreibung für neue Investitionen nahezu verdoppelt benden auf, ihren gerechten Anteil zu entrichten. Und
wird.
schließlich schafft er zwei off enku ndige Schutzmechanismen, damit die künftigen Bundesausgaben sorgfälObwohl wir bei den Ausgaben einschneidende Kürtig beobachtet und gleichzeitig die durch diesen Plan
zungen vornehmen, schaffen wir auch Raum für benöerzielten Spareinlagen geschützt werden.
tigte Investitionen. Unser Plan investiert durch Head
Start, Nahrungsmittel für Schwangere und Impfungen Die Ersparnisse werden in einen Treuhandfonds zum
armer Kinder vor allem in unsere Kinder und Familien. Defizitabbau fließen, damit die Spareinlagen nicht für
All diese Maßnahmen machen sich durch gesunde, Lieblingsprojekte der Politiker ausgegeben werden.
wachsende, starke Kinder bezahlt.
Einige im Senat haben formalistische Einwände gegen
Senator
De Concinis Zusatzartikel zur Einrichtung
Wir werden das AusbikJungsförderungsprogramm für
eines
Treuhhandfonds
zum Defizitabbau vorgebracht
Studenten revolutionieren, damit alle Amerikaner sich
und
die
Bestrebungen
zahlreicher
anderer Senatoren
die Finanzierung einer College-Ausbildung besser leisowie
einer
eindeutigen
Mehrheit
im
Repräsentantensten können. Und wir unternehmen kühne Verändehaus
vereitelt,
die
den
Fonds
und
Kontrollen
der jährrungen bei der beruflichen Ausbildung von Arbeitnehlichen
Ausgaben
für
Förderungsprogramme
unterstütmern, damit High-School-Absolventen hochqualifizierzen. Aus diesem Grund werde ich morgen einen
te, gutbezahlte Arbeitsplätze finden können.
Präsidialerlaß für diese beiden Schutzmechanismen
unterzeichnen,
damit Sie wissen, daß das Geld für den
Am wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß dieser Plan
Defizitabbau
aufgewendet
werden muß. Wenn wir
Arbeit statt Sozialhilfe belohnt, indem alle Familien mit
unsere
Ziele
zum
Defizitabbau
in den nächsten fünf
Kindern aus der Armut geführt werden, wenn sie sich
Jahren
nicht
erreichen,
werde
ich
verpflichtet, einen
für eine Ganztagsbeschäftigung anstelle von SozialhilPlan
für
eine
Kurskorrektur
vorzulegen
um sicherzufe entscheiden.
AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�stellen, daß wir das verwirklichen, was wir Ihnen
gegenüber als unsere Absicht bekundet haben. Dies
ist jetzt eine neue Richtung.

gewartet und monatelang an diesem Projekt gearbeitet haben. Sie reden und reden, was zu tun sei, statt
das zu tun, was getan werden muß.

Der Plan ist von den konservativsten und skeptischten
Kritikern sorgfältig geprüft worden - denjenigen, die die
Finanzmärkte unseres Landes verwalten. Sie haben
den Plan studiert und sind zu dem Schluß gelangt, daß
die langfristige Behebung des Defizits gut für das Land
sein wird. Und während wir Fortschritte bei der Verabschiedung dieses Plans erzielten, haben die Kapitalmärkte die Zinssätze gesenkt. Niedrigere Zinssätze
erleichtem es insgesamt gesehen, ein Haus zu erwerben, ein Unternehmen zu finanzieren, ein Auto zu
kaufen, die Anschaffungen auf Kreidtkarte zu bezahlen und einen Kredit für die College-Ausbildung aufzunehmen.

Als ich Gouverneur von Arkansas war, hatte unser
Bundesstaat im landesweiten Vergleich mit die niedrigste Steuerbelastung. Ich habe dieses riesige Haushaltsdefizit ebenso wie Sie geerbt. Und ich mag
Steuern genausowenig wie Sie, aber unsere Nation
befindet sich wirtschaftlich in Gefahr, und jetzt müssen
wir dieses Problem - das Sie und ich geerbt haben - in
Angriff nehmen. Wir müssen die Verantwortung für
den Wandel übernehmen. Die Verabschiedung dieses
Plans wird ein kühner und der erste Schritt auf einer
längeren Reise sein, eine umfassende Wirtschaftsstrategie für unser Land zu erarbeiten.

Wenn Sie zum Beispiel zur Mittelklasse gehören und
eine Hypothek zu einem Zinssatz von 10 Prozent
aufgenommen haben, sollten Sie heute in der Lage
sein, die Hypothek mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent
neu zu finanzieren und ab sofort 175 Dollar pro Monat
zu sparen, wie es Millionen Amerikaner bereits getan
haben.
Die Vorstandsvorsitzenden der 80 erfolgreichsten Firmen unseres Landes - Republikaner und Demokraten
gleichermaßen - haben diesen Plan ebenfalls unterstützt. Dasselbe tun zahlreiche mittelständische Organisationen der nationalen Vereinigung mittelständischer Unternehmen, der nationale Verband der Selbstständigen, bis hin zum nationalen Verband der Spekulanten. Die Männer und Frauen, deren Aufgabe es ist,
Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen, haben dieses historische Unterfangen geschlossen unterstützt.
Warum sind viele in Washington in diesem außerordentlich vielversprechenden Moment so zurückhaltend, Sparmaßnahmen zu ergreifen? Warum ist es in
dieser Stadt so schwer, mit den schlechten Gewohnheiten der Vergangenheit zu brechen und die Schritte
zu unternehmen, die - wie wir alle wissen - in die Wege
geleitet werden müssen? Seit fünf Monaten hatten
unsere Kritiker die Chance, Alternativen anzubieten,
und alle wichtigen Pläne enthielten dasselbe: Einen
geringeren Defizitabbau und mehr Belastung für ältere
Amerikaner, oder beides; Schutzklauseln für die
Wohlhabenden, damit sie ihren gerechten Anteil der
Steuern nicht entrichten müssen und keine neuen
Unternehmensanreize, Arbeitsplätze zu schaffen oder
Investitionen in das amerikanische Volk zu tätigen.
Und jede dieser Alternativen wurde vehement im
Kongreß abgelehnt. Jetzt gibt es nur die Wahl: Unseren Plan oder keinen Plan.
Unsere Gegner wollen den Plan zu Fall bringen. Die
Hüter des Patts werden alles in Ihrer Macht Stehende
tun, um den Status quo zu erhalten, Lobbyisten zu
dienen und die ganze Sache zu verzögern. Sie praktizieren Parteigängertum, wenn wir Fortschritt benötigen. Sie fordern Vertagung, wenn wir seit 12 Jahren
Seite 4

Diese Wirtschaftsstrategie beginnt damit, daß wir unser
Haus in Ordnung bringen - damit ist sie jedoch nicht zu
Ende. Wir müssen auch den Mut zur Reform unseres
Gesundheitswesens aufbringen, damit nie wieder einer
Familie die Krankenversorgung verweigert wird oder
ein Unternehmen aufgrund der Kosten für die Krankenversicherung bankrott geht.
Ich möchte Ihnen die erste Graphik noch einmal zeigen. Wenn Sie sich dieses Defizit betrachten, so
können wir die Verschuldung mit unserem Plan fünf
Jahre lang beträchtlich senken. Wenn Sie wollen, daß
das Defizit auf Null reduziert wird - wie sicherlich die
meisten von Ihnen - müssen wir das Gesundheitswesen in Angriff nehmen. Es treibt den Privat- und den
öffentlichen Sektor in den Bankrott und Millionen
Amerikaner leben in Unsicherheit und konstanter Angst,
ihren Krankenversicherungsschutz zu verlieren.
Die Reform der Krankenversicherung ist also gut für
die Wirtschaft gut, für den weiteren Defizitabbau und
gut für die Amerikaner.
Wir müssen auch die Sozialhilfe in ihrer bisherigen
Form abschaffen. Wir können Millionen arbeitsloser
Amerikaner von der Sozialhilfe auf Gehaltslisten bringen, wenn wir das System ändern. Und wir müssen die
Regierung selbst revolutionieren - Aufräumarbeit leisten und die Korruption abschaffen, modernes Management einführen, dank dem die Steuerzahler mehr
Geld sparen. Die Regierung muß besser funktionieren
und sich wieder derjenigen annehmen, die die Rechnung bezahlen. Und wir müssen weiterhin auf die
Öffnung ausländischer Märkte hinarbeiten, um Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen.
All dies zusammengenommen wird eine Wirtschaftsstrategie ergeben, die jedem Amerikaner Chancen
bietet und von jedem Amerikaner Verantwortungsbewußtsein verlangt. Wir können jedoch keinen dieser
Schritte unternehmen, wenn wir nicht den ersten Schritt
tun.
Aus diesem Grund ist die vom Kongreß in dieser
Woche zu treffende Entscheidung so außerordentlich
AMERIKA DIENST 32

�wichtig. Wir können es uns nicht leisten, nicht zu
handeln. Ich benötige Ihre Hilfe. Sie müssen den
Vertretern des Volkes sagen, da ß sie sich der Belange
des Volkes annehmen müssen. Sagen Sie ihnen, sie
sollen den Kurs der Wirtschaft ändern und zwar jetzt,
damit die Wirtschaft wieder expandieren, Arbeitsplätze schaffen und unser Land wieder voranbringen
kann.
In den letzten sechs Monaten haben wir hier einige
wichtige Schlachten gewonnen: Ein neues Gesetz für
Mutterschafts- und Krankenurlaub, das jungen Eltern
gestattet, freizunehmen, um sich um ihr Baby, ein
krankes Kind oder kranke Eltern zu kümmern, ohne
ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist gerade in Kraft
getreten. Ein neuer nationaler Sozialdienst, der Zehntausenden junger Menschen hilft, das Geld für den
College-Besuch aufzubringen, indem sie einen Gemeindedienst für ihr Land leisten. Eine neue Richterin
am Obersten Bundesgericht, die heute ohne Parteigängertum oder Zwist bestätigt wurde. Neue Maßnahmen zur Schaffung hochtechnologischer Arbeitsplätze
und zur Konversion von Rüstungsindustrien für pro-

*

AMERIKA DIENST 32

duktive zivile Zwecke, womit mehr Arbeitsplätze und
Chancen geboten werden. Und von einem Gipfeltreffen in Vancouver zur Rettung der Demokratie in Rußland bis zu einem Gipfeltreffen in Tokio zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft gibt es jetzt neue Chancen
für Amerikaner und neuen Respekt für die amerikanische Führungsrolle.
Wir Amerikaner sind ein Volk mit Privilegien und Herausforderungen. Wir wurden in turbulenten Zeiten
geformt, und wir stehen jetzt an der Schwelle zu einem
neuen Zeitalter. Unsere Taten und Entscheidungen
können Amerika voranbringen, so daß wir in unserem
dritten Jahrhundert weiterhin die jüngste und optmistischte Nation sein werden. Ein Volk, das sich wieder
auf dem Marsch befindet, stark und furchtlos. Wenn
wir kühne Hoffnungen haben und unserer großen
Verantwortung gerecht werden, können wir dem Land,
das wir lieben, die besten Jahre geben, die es jemals
erlebt hat.
Auf Wiedersehen, und möge Gott Sie alle auf diesem
Weg beschützen.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WASHINGTON - (AD) - Ein von Präsident Clinton vorgelegter Gesetzentwurf zur massiven Reduzierung des
Haushaltsdefizits soll im Verlauf der nächsten fünf Jahre zu Einsparungen in Höhe von 496 Milliarden Dollar
führen.
Das sowohl Steuererhöhungen als auch Ausgabenkürzungen umfassende Paket wurde am 6. August 1993 im
Senat mit einer Stimme Mehrheit - der bei dem Gleichstand von 50-50 entscheidenden Stimme von Vizepräsident
Albert Gore - angenommen, wodurch monatelangen parlamentarischen Schachzügen und politischen Manövern
ein Ende gesetzt wurde.
Bereits einen Tag zuvor hatte das Repräsentantenhaus die Gesetzesvorlage mit 218 zu 216 Stimmen
angenommen. Ein Meinungsumschwung von nur einem Abgeordneten in einer der beiden Kammern des
Kongresses hätte ausgereicht, um das Kernstück von Präsident Clintons Wirtschaftsplan zum Scheitern zu
bringen.
Aus dem Weißen Haus verlautete, der Präsident werde das Gesetz am 10. August im Rahmen einer Feierstunde unterzeichnen.
Nach der Abstimmung im Senat erklärte ein strahlender Präsident Clinton vor Reportern, die Entscheidung
des Kongresses bedeute, daß "wir unsere Binnenwirtschaft in den Griff bekommen." Aber, so der Präsident,
"dies ist nur der Anfang, lediglich ein erster Schritt bei
unseren Versuchen, unsere Finanzen besser unter
Kontrolle zu bringen, in unsere Zukunft zu investieren
und unsere Wirtschaft anzukurbeln".
Der Präsident dankte Vizepräsident Gore für seine
Rolle bei der Entscheidung zugunsten einer äußerst
wichtigen Maßnahme, die er spaßeshalber als "Erdrutschsieg" bezeichnete. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten darf im Falle einer Pattsituation in
seiner Eigenschaft als Senatspräsident seine Stimme
abgeben. Gore hatte bereits einmal zuvor- am 25. Juni
1993 - von diesem Vorrecht Gebrauch gemacht, als
seine entscheidende Stimme die Gesetzesvorlage in
einem frühen Stadium rettete.
Als die Ergebnisse der Abstimmungen vom 5. und 6.
August vorlagen, hatte sich kein Republikaner der
beiden Kammern zugunsten der Gesetzesvorlage
entschieden. Die geschlossene Oppostion zwang
Clinton zu einer Reihe persönlicher Gespräche mit
unentschlossenen Mitgliedern seiner demokratischen

AMERIKA DIENST 32

Mehrheitspartei, die die möglicherweise ausschlaggebenden Stimmen hielten.
Der dramatische Augenblick für die entscheidende
Stimmabgabe von Gore war erst gekommen, als sich
Senator Robert Kerry aus Nebraska kurz vor der
letzten namentlichen Abstimmung aus dem Plenum
erhob, um seine Entscheidung zur Unterstützung des
Präsidenten bekanntzugeben, die er sich abgerungen
hatte.
Kerry, der im vergangenen Jahr als Präsidentschaftskandidat seiner Partei gegen Clinton angetreten war,
hatte seine Stimme zurückgehalten, weil die Maßnahmen seiner Ansicht nach nicht weitreichend genug
sind, um die gravierenden Wirtschaftsprobleme des
Landes in Angriff zu nehmen.
Letztlich entschied ersieh jedoch, füreinen Gesetzentwurf zu stimmen, "der die Amerikaner nicht genug
herausfordert", weil "ich nicht weiß, was meine Kollegen auf der anderen Seite des Ganges (die republikanischen Senatoren) tun werden, wenn ich 'Nein' sage",
erklärte Kerry.
Die Republikaner hatten die Werbetrommel gegen die
Maßnahme gerührt und sich beschwert, sie ginge mit
Seite 1

�den Steuererhöhungen zu weit und nehme nur unzureichende Kürzungen der staatlichen Ausgabenprogramme vor.

Steuer auf Auslandstätigkeit: Das Maßnahmenpaket umfaßt mehrere Bestimmungen in Zusammenhang mit der Besteuerung im Ausland tätiger USBürger, die darauf abzielen, die Besteuerung amerikanischer Unternehmen für im Ausland erzielte Einnahmen zu erhöhen. Insgesamt werden dadurch die
Einnahmen in den nächsten fünf Jahren um schätzungsweise 3,1 Milliarden Dollar erhöht werden.

Die Finanzmarkte schienen jedoch mit einer Hausse
auf die Maßnahme des Kongresses zu reagieren, als
der Handel nach dem Wochenende am 9. August
wiederaufgenommen wurde. Die Aktienkurse explodierten und der Dow Jones Index erreichte ein Rekordniveau. Auch die Wertpapierkurse schnellten in die Das Paket enthält eine Bestimmung, die die laufende
Hohe und folglich fielen die Renditen auf ein Rekordtief Besteuerung von Gewinnen und Profiten ausländi- ein gutes Zeichen für weitere Zinssenkungen.
scher Unternehmen erfordert, wenn diese nicht einen
bestimmten Anteil für neue Investitionen aufwenden.
Die wichtigsten Verfügungen des Maßnahmenpakets
Auch wird die Steuerpflicht für Dividenden und Zinseinnahmen aus Öl-, Gas- und Schiffsoperationen im
Das Gesamtpaket umfaßt 255 Milliarden Dollar an Ausland erhöht.
zusätzlichen Ausgabenkürzungen sowie Nettoeinnahmen von 241 Milliarden Dollar, vor allem durch neue Einkommensteuerfreibetrag: Während andere steuoder erhöhte Steuern für Wohlhabende sowie gewinn- erliche Bestimmungen die Einnahmen erhöhen, gleicht
bringende Unternehmen.
die Maßnahme einige dieser Zuwächse aus, indem der
Einkommensteuerfreibetrag stark angehoben wird, was
Steuern
Arbeitnehmerfamilien mit niedrigem Einkommen zuEinkommensteuer: Die bei weitem größte neue gute kommt. Die Erweiterung der Anzahl in Frage
Einkommensquelle in Höhe von ungefähr 115 Milliar- kommender Familien wird zusammen mit einer Aufden Mark resultiert aus der Anhebung des Spitzen- stockung des Familienfreibetrages in den nächsten
steuersatzes von 31 auf36 Prozent. DieserneueSatz, fünf Jahren schätzungsweise 20,8 Milliarden Dollar
der rückwirkend zum 1. Januar 1993 in Kraft tritt, gilt für kosten. Kinderlosen Familien wird zum ersten Mal ein
Jahreseinkommen von mehr als 115.000 Dollar für begrenzter Freibetrag eingeräumt.
Alleinstehende und 140.000 Dollar für gemeinsam
veranlagte Ehepaare. Zusätzlich werden Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen
von 250.000 Dollar mit einem Einkommensteuerzuschlag in Höhe von 10 Prozent belegt.
Sozialversicherung: Sozialhilfeempfänger mit einem Einkommen von mehr als 34.000 Dollar und bei
Ehepaaren von 44.000 Dollar werden ab dem Jahr
1994 85 Prozent ihrer Bezüge oder 85 Prozent ihrer
über der Bemessungsgrenze liegenden Bezüge versteuern müssen, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Bisher betrug der Satz 50 Prozent.

Investitionsanreize: Mehrere Bestimmungen zum
Zweck der Ankurbelung von Untemehmensinvestitionen, insbesondere von mittelständischen Unternehmen, führen zu einem weiteren Verlust von 15 Milliarden Dollar an staatlichen Einnahmen. Mittelständische Unternehmen werden beispielsweise in der Lage
sein, einen größeren Teil ihrer Anschubfinanzierung
für den Kauf neuer Geräte steuerlich abzusetzen. Für
Langzeitinvestoren in mittelständische Unternehmen
wird die Kapitalertragssteuer auf ihre Investitionserträge gesenkt. Auch soll der Steuerfreibetrag für Forschungstätigkeit dauerhaft gelten.

Körperschaftssteuer: Der Spitzensteuersatz auf Erziehungs- und Ausbildungsmaßnahmen: Im
Unternehmensgewinne für Unternehmen mit einem zu Einklang mit den Vorschlägen des Präsidenten geversteuernden Jahreseinkommen von über 10 Millio- währt das Paket bestimmte Steuerbefreiungen, die
nen Dollar wird rückwirkend zum 1. Januar 1993 von Bildung und Ausbildung fördern sollen und das Finanz34 auf 35 Prozent erhöht. Das neue Gesetz begrenzt ministerium im Laufe der nächsten fünf Jahre weitere
auch die Abschreibung von Vorstandsgehältern und 1,6 Milliarden Dollar kosten. Eine Verfügung verlängert bis zum Ende des Jahres 1994 eine Regelung, die
Werbekosten.
es Angestellten gestattet, von ihrem zu versteuernden
Mineralölsteuer: Ab dem 1 • Oktober 1993 wird durch Einkommen bis zu 5.250 Dollar für von ihrem Arbeitgedas neue Gesetz eine Steuer auf alle Treibstoffe, ber bereitgestellte Ausbildungshilfe abzusetzen. Eine
einschließlich Benzin, in Höhe von umgerechnet etwa weitere Bestimmung verlängert um denselben Zeit2 Pfennig je Liter erhoben. Flugzeugtreibstoffe sind für raum den Steuerfreibetrag für Arbeitgeber, die Angezwei Jahre von dieser Steuer ausgenommen, weitere hörige benachteiligter Gruppen jinstellen.
Ausnahmen umfassen Treibstoffe für Landwirtschaft,
Schiffahrt und internationale Luftfahrt. Die neue Abga- Ausgaben
be hebt die Steuer für Treibstoffe landesweit auf Medicare und Medicaid: Das Gesetz sieht starke
umgerechnet 9 Pfennig pro Liter.
Kürzungen beiden bisher vorgesehenen Ausgaben für
Medicare, der staatlichen Krankenversicherung für
Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�ältere Menschen vor, sowie bei Medicaid, der medizinischen Unterstützung der Armen. Die für Medicare
veranschlagten Ausgaben werden in den nächsten
fünf Jahren um 55,8 Milliarden Dollar gekürzt, mit
Ausnahme von 7,8 Milliarden Dollar, die sich ausschließlich durch Kürzungen der Zahlungen an Krankenhäuser, Ärzte und andere Anbieter medizinischer
Leistungen ergeben. Der Rest resultiert aus einer
Erhöhung der Versicherungsprämien für den Versicherten. Im Hinblick auf Medicaid werden die Ausgaben in den kommenden fünf Jahren um 7,1 Milliarden
Dollar gekürzt.
Programme zur Altersversorgung: Durch Änderungen der Rentenversicherung für militärische und zivile
Bundesbedienstete werden die Ausgaben in den nächsten fünf Jahren um 11,9 Milliarden Dollar gekürzt.
Rundfunk: Die Ausgabenseite umfaßt auch eine
Bestimmung, die den staatlichen Kommunikationsausschuß (Federal Communications Commission)
ermächtigt, ein Ausschreibungsverfahren einzurichten, durch das Lizenzen für die kommerzielle Nutzung
des Rundfunks erteilt werden, einschließlich neuer
Dienstleistungen im Kommunikationsbereich. Dank
dieser Bestimmung sollen Einnahmen in Höhe von
10,2 Milliarden Dollar erzielt werden.

auf der Grundlage der Importmenge und der Differenz
zwischen den Preisen für importierten und heimischen
Tabak.
Zusätzlich müssen diese Hersteller den heimischen
Tabakanbauem eine Menge Tabak abnehmen, die der
Quantität des über die 25-Prozent-Marge hinausgehenden importierten Tabaks entspricht.
Die Tabakimporteure sollen auch Gebühren für Inspektionen sowie Beiträge zum nationalen Tabakförderungsprogramm zahlen.
Das Gesetz verbietet jedoch Ausgaben der US-Regierung für die Förderung amerikanischer Tabakexporte
auf ausländischen Märkten.
Agrarhandel: Das Gesetz soll bis 1995 die Vereinbarungen des Haushaltsabkommens von 1990 abschaffen, denen zufolge ein Minimum an landwirtschaftlicher Nutzfläche für den Anbau von Getreidesirup und
Gerste bereitgestellt werden muß.
Damit würden solche Mindestanbauflächen für Weizen und Mais für den Fall wiedereingeführt, daß die
Vorräte unter ein bestimmtes Niveau fallen.

Das Gesetz würde nicht das Haushaltsabkommen von
1990 zur Erhöhung der staatlichen Ausgaben um 1
Kürzungen bei anderen Förderungsprogrammen - Milliarde Dollar für die Förderung von Agrarexporten
laufende Programme, die vom jährlichen Bewilligungs- ab Oktober 1993 für zwei Jahre ändern. Eine solche
verfahren des Kongresses ausgenommen sind und Anhebung würde nicht stattfinden, falls die seit langem
einer programmgebundenen Finanzierung unterliegen im Patt befindliche Uruguay-Runde multilateraler
- sollen zu Haushaltseinsparungen in dieser Kategorie Handelsgespräche vor diesem Zeitpunkt ein Abkomvon insgesamt schätzungsweise 88.000 Millionen Dollar men im Agrarbereich erzielt.
führen.
Weichhölzer: Durch das Gesetz werden die Steuern
Ungefähr 102 Milliarden an Einsparungen sollen aus für Exporte von unbearbeiteten Weichhölzern erhöht.
sogenannten Ausgabenprogrammen zur freien Verfü- Es soll den staatlichen Steuererlaß für unbearbeitete
gung resultieren, die einer jährlichen Bewilligung un- Weichhölzer aus im Privatbesitz befindlichen heimiterliegen. Ein Großteil dieser Gesamtsumme stammt schen und ausländischer Unternehmen abschaffen.
aus Einsparungen im Verteidigungsbereich in der Zeit
Das Gesetz der Vereinigten Staaten verbietet bereits
nach dem Kalten Krieg.
den Export von unbearbeitetem Holz aus dem im
Im Zusammenhang damit stehende Einsparungen, Besitz der Öffentlichkeit befindlichen Land im Westen
hauptsächlich in Form gesenkter Zinszahlungen für Amerikas.
die Staatsschulden, die geringer ausfallen werden als
ursprünglich prognostiziert, steuern weitere 65 Milliar- Weitere Handelsbestimmungen: Der Gesetzentwurf soll die vom Verbraucher zu entrichtende Importden Dollar zu den errechneten Ausgaben bei.
gebühr zur Bezahlung der Zollinspektion bis SeptemDie Summe dieser drei letztgenannten Beträge be- ber 1998 verlängern. Das Allgemeine Präferenzsywirkt geschätzte Ausgabenkürzungen in Höhe von 255 stem, ein Programm, das durch die Abschaffung der
Milliarden Dollar.
Zölle auf ausgewählte Importe aus Entwicklungsländern Vorteile gewährt, soll durch die Gesetzesvorlage
Die Haushaltsmaßnahmen umfassen auch eine Anbis September 1994 verlängert werden. Die vorherige
zahl von Verfügungen, die den Handel der Vereinigten
Genehmigung im Rahmen des Allgemeinen PräfeStaaten in bestimmten Sektoren betreffen:
renzsystems lief am 4. Juli aus. Das Gesetz soll
Tabak: Das Gesetz verpflichtet amerikanische Ta- rückwirkend zum 4. Juli gelten. Der Gesetzentwurf soll
bakwarenhersteller, die über 25 Prozent des von ihnen das Hilfsprogramm für die Anpassung des Handels,
zur Herstellung von Zigaretten verwendeten Tabaks das die Umschulung von Arbeitnehmern finanziert, die
importieren, zur Zahlung einer Strafe an die CCC- infolge von Importen ihren Arbeitsplatz verloren haKreditbürgschaften des US-Landwirtschaftsministeriums ben, bis September 1998 verlängern.
• *
* *
AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH
DER ABSCHAFFUNG DES KOMMUNISMUS SOGAR
NOCH VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson
Der Übergang von zentral gelenkten zu kapitalistischen Volkswirtschaften in der ehemaligen Sowjetunion wird
keinen Erfolg zeitigen, wenn dem einzelnen nicht der Schutz von Privateigentum und die Durchsetzung von
Verträgen gewährleistet wird, argumentiert der Verfasser.
Mancur Olson ist der Autor von The Rise and Decline of Nations, Vorsitzender des Center on Institutional
Reform and the Informal Sector und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Maryland.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. Copyright (c) 1993 Mancur
Olson.

Wenn der Staat alles kontrolliert, funktioniert die Wirtschaft nicht. Für eine erfolgreiche Volkswirtschaft
muß die Gesellschaft dem Markt eine größere - und
dem Staat eine kleinere - Rolle einräumen als es die
kommunistischen Länder getan haben. Diese Meinung wird inzwischen sowohl im Osten als auch im
Westen generell akzeptiert. Entsprechend haben sich
die Menschen in den ehemals kommunistischen Ländern zugunsten von Kapitalismus und Demokratie
entschieden und beschneiden die wirtschaftliche Rolle
des Staates.

man nahezu weltweit davon aus, daß die Volkswirtschaften Deutschlands und Japans Jahrzehnte benötigen würden, um sich von derZerstörung des Krieges,
veränderten Grenzen und totalitärer Kontrolle zu erholen, und dennoch erfreuten sie sich bald eines Wirtschaftswunders. Selbst der von den Sowjets aufgezwungene Übergang zum Kommunismus in Ostmitteleuropa wurde trotz all seiner Tragödien und Brutalität
nicht mit einer längeren Produktionsabnahme in Verbindung gebracht.

Unfähig, die Ernsthaftigkeit der Wirtschaftsprobleme
nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu
erklären, suchen viele in Metaphern Zuflucht: "Es ist
leicht genug, Fischsuppe aus dem Inhalt eines Aquariums zu machen, aber mit Fischsuppe kann man kein
Aquarium bevölkern." Warum sollte jedoch der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft schwieriger sein als umgekehrt? Die Binsenwahrheit lautet,
daß Märkte nicht mühevoll von Regierungen konstruiert werden müssen - sie entstehen spontan und
prosperieren unter dem Laisser-faire. Zweifelsohne
waren die Märkte früherer Zeiten wie die Marktwirtschaften, die der Industrialisierung von Westeuropa
Viele sind zu der Schlußfolgerung gelangt, der Über- und Nordamerika zur Blüte verhalfen, nicht das Ergebgang von einem Gefüge wirtschaftlicher Arrangements nis eines staatlichen Plans zur Gründung von Marktzu einem anderen reduziere zwangsläufig die Produk- wirtschaften. Im Gegensatz dazu müssen zur Schaftion. Dies trifft jedoch in Wirklichkeit nicht zu. Die von fung einer kommunistischen Volkswirtschaft detaillierDeng kurz nach dem Tod von Mao eingeleitete wirt- te Pläne und Bürokratien entwickelt werden.
schaftliche Liberalisierung hatte prompt einen großen
Produktionszuwachs zur Folge. Nach der Niederlage Daher reichen weder die vertrauten Schlußfolgerunder rechten Diktaturen des Zweiten Weltkriegs ging gen über das spontane Entstehen von Marktwirtschaf Während sich neue Märkte entwickelten und die Rolle
des Staates eingeschränkt wurde, hätte sich die Wirtschaftsleistung in den Gesellschaften sowjetischen
Typs verbessern sollen. In der Tat hat sie sich jedoch
verschlechtert - in der ehemaligen Sowjetunion sogar
erheblich. Warum? Wenn zuviel staatliche Kontrolle
der Wirtschaft zum Zusammenbruch der kommunistischen Volkswirtschaften geführt hat, warum hat sich
die Wirtschaftsleistung dann nicht verbessert, als der
Kommunismus aufgegeben und die staatliche Kontrolle eingeschränkt wurde?

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�ten noch die neuen Metaphern aus. Ebenso wie die
marxistischen Ideen nicht das Funktionieren des
Kommunismus bewirkten, konnten die vertrauten
westlichen Ideen nicht die Schwierigkeiten des Übergangs zu einer Marktwirtschaft erklären.

von einer unabhängigen Judikative verstanden wird)
und Entschädigungszahlungen zu berauben. Entsprechend sind auch Vertragsrechte nicht gesichert,
solange die Institutionen der Gesellschaft den Gegnern der derzeitigen politischen Führung - und ausländischen gleichermaßen wie inländischen Firmen - die
Die Wirtschaftsleistung während der Übergangsphase unparteiische Durchsetzung von Verträgen gewährist zum Teil deswegen gering, weil eine prosperierende leisten.
Marktwirtschaft im Gegensatz zu den Aussagen einiger nicht einfach das Ergebnis dessen ist, den "Kapi- Interessanterweise sind die einzigen Gesellschaften,
talismus geschehen zu lassen" und sich nicht spontan die das Recht des einzelnen auf Privateigentum und
aus dem Blauen heraus ergibt. Sie erfordert ein die Durchsetzung von Verträgen langfristig geschützt
besonderes Gefüge institutioneller Arrangements, die haben, Demokratien. Ein Diktator hat immer die
die meisten Länder der Welt nicht haben. Den wohlha- Macht, Besitz zu enteignen und die Entscheidungen
bendsten Ländern stehen diese institutionellen Arran- eines Gerichts außer Kraft zu setzen.
gements zur Verfügung, aber sie erachten sie als
selbstverständlich. Diese Arrangements werden für Unter dem Kommunimsus existierte das Recht des
gewöhnlich in der ideologischen Debatte und bei wis- einzelnen auf Eigentum und die Durchsetzung von
senschaftlicher Forschung übersehen, und daher wird Verträgen praktisch nicht, und es ist in den meisten im
ihre Bedeutung in den reifen Marktwirtschaften und Umbruch befindlichen Gesellschaften noch immer
den im Umbruch befindlichen Gesellschaften nicht unzulänglich definiert, unsicher oder unzugänglich.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Rechte des einzelentsprechend gewürdigt.
nen haben diese Gesellschaften keine großen und
Der Charakter dieser vernachlässigten Institutionen ist effektiven Märkte. Sie haben beispielsweise weder
offenkundig aus dem in Diskussionen über den Über- Zugang zu Kapitalmärkten, auf denen ihre Firmen
gang verwendeten Schlüsselbegriff "Privatisierung" durch die Ausgabe von Aktien langfristig Kapital aufabzuleiten. Die Bedeutung dieses Begriffes wird klar, nehmen oder aufbringen können, noch viele Märkte,
wenn er auf die industrialisierten Demokratien mit die ausländische Investitionen anziehen. Die Märkte
Marktwirtschaften angewandt wird, wie Großbritan- erzeugen daher nicht annähernd soviel neue Einnahnien, als Margaret Thatcher Premierministerin war. men, wie sie sollten.
Diese Gesellschaften haben klar definierte persönliche Rechte und hochentwickelte öffentliche Mecha- Und es gibt nicht genügend neue Einnahmen, um den
nismen zu deren Schutz. Wenn persönliche Rechte Niedergang - oder vielmehr den Zusammenbruch - der
klar und sicher sind, kann ein staatliches Unternehmen Produktion in Staatsbetrieben aufzufangen. Warum
unmißverständlich privatisiert werden; sind sie es nicht, fällt die Produktion im staatlichen Sektor? Vor allem,
sind Bedeutung und Konsequenzen der Privatisierung weil die Demokratien nicht soviel Produktion aus zentral gelenkten und Staatsbetrieben abschöpfen wie es
dubios.
die grausamen totalitären Diktaturen taten, obwohl sie
Wenn Einzelpersonen oder Firmen in den industriali- für die Aufrechterhaltung von Besitz und Vertragsrechsierten Demokratien mit Marktwirtschaften rechtmäßi- ten sowie Marktwirtschaften auf lange Sicht unerläßge Verträge abschließen, vertrauen sie darauf, daß lich sind.
diese Vereinbarungen vom Staat durchgesetzt werden und Meinungsverschiedenheiten über einen Ver- Um dies zu verstehen, muß man sich die Anreize vor
trag von Richtern entschieden werden, die kein per- Augen führen, die sich Stalin und anderen kommunistisönliches Interesse an der Kontroverse haben und schen Diktatoren in den ersten zehn oder zwanzig
deren Arbeitsplatz nicht von der derzeitigen politischen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg boten. Die totaFührung abhängt. Die Einzelpersonen und Firmen in litäre Kontrolle der Gesellschaften sowjetischen Typs
diesen Gesellschaften können auch darauf vertrauen, war damals so uneingeschränkt, daß ein Diktator mehr
daß ihr Recht auf Privateigentum von Beamten ge- oder weniger das gleiche Interesse an der Produktivischützt wird, die gegebenenfalls auf die zwingende tät der Gesellschaft hatte wie der Besitzer eines PrivatMacht des Staates zur Wahrung dieser Rechte zurück- unternehmens im Westen an der Produktivität der
greifen. In einer Anarchie kann eine Einzelperson Firma. Wenn die Produktivität der sowjetischen WirtBesitztümer haben • quasi wie ein Hund einen Kno- schaft zunehmen würde, konnte der Generalsekretär
chen besitzt -, aber es kann kein Privateigentum ohne der Kommunistischen Partei einen Großteil dieses
Zuwachses für seine eigenen Zwecke benutzen - für
den Staat geben.
militärische Stärke, internationalen Einfluß und politiIn der Tat ist Privateigentum generell nicht sicher, es sche Macht. Er hatte ein, wie ich es formuliere,
sei denn, es gibt einen Staat ganz besonderen Zu- "umfassendes" Interesse an dei Gesellschaft - einen
schnitts - in dem kein Regierungsvertreter die Macht mächtigen Anreiz, die ihm "gehörende" Domäne so
hat, eine Einzelperson oder eine Firma ihres Eigen- produktiv zu gestalten, wie er konnte.
tums ohne angemessenes Gerichtsverfahren (wie es
Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�Obwohl alle kommunistischen Regime durch ihre
Aversion gegenüber Märkten gehandikapt waren,
konnten Stalin und seine unmittelbaren Nachfolger
eine gewisse Zeitlang den Konkurrenzkampf unter
ihren Untergebenen ausbeuten, um einen beträchtlichen und zunehmenden Ertrag aus ihrer Domäne zu
schöpfen. Die Untergebenen, die die höchste Produktivität aus den von ihnen verwalteten Ressourcen
erzielten, wurden belohnt und die unwilligen bestraft.
Die Leistung der Produktionsleiters der jeweiligen Unternehmen in einem bestimmten Industriezweig konnte im großen und ganzen an dem Vergleich gemessen
werden, wieviel Produktivität jeder von ihnen in Relation zu den von ihm verwalteten Ressourcen erzielte.

vität der Wirtschaft insgesamt gewinnen und hatte
dementsprechend wenig oder keinen Grund, irgendetwas zur Effizienzverbesserung der Gesellschaft zu
unternehmen. Als Unternehmen wurden Standorte
und Koterien stärker, die Nomenklatura oder "neue
Klasse" privilegierter, die Zentralregierung weniger
mächtig, und die Wirtschaft verknöcherte Zusehens.

Diese Devolution hatte zur Folge, daß die Gesamteinnahmen eines Industriezweiges oder Sektors unter
allen Unternehmen aufgeteilt wurden, wobei diejenigen, die die Gesellschaft nur auszehrten, nahezu
ebensoviel erhielten wie diejenigen, die einen Überschuß erwirtschafteten. Neue Investitionen flössen
nicht in die Bereiche, wo sie am produktivsten geweSolange jeder Untergebene der Ansicht war, seinem sen wären, sondern in die Unternehmen mit dem
Fortkommen sei am besten durch Ausstechen seiner größten bürokratischen Einfluß. In den letzten Jahren
Kollegen gedient, indem er mehr Produktivität aus den des Kommunismus war das umfassende Interesse der
verfügbaren Ressourcen erwirtschaftete, dienten die Zentralregierung nicht annähernd so stark, um wie
zentral gelenkten Volkswirtschaften ihren diktatori- bisher Investitionen zu dirigieren und die Produktivität
schen Besitzern relativ gut. Die Gesellschaften sowje- auszuschöpfen.
tischen Typs wuchsen ziemlich schnell und viele erwarteten, sie würden letztlich die Vereinigten Staaten Als die kommunistischen Regierungen zusammenbrachen, wurden sie in den meisten Fällen durch relativ
übertreffen.
zersplitterte Demokratien ersetzt. Das umfassende
Mit der Zeit konnten die Untergebenen in allen Indu- Interesse der Zentralregierung verschwand praktisch
striezweigen oder Standorten Vorteile aus ihrem po- und die Fähigkeit, Produktivität aus der staatlich getentiellen Informationsmonopol über die Produktions- lenkten Wirtschaft abzuschöpfen, verschwand mit ihm.
prozesse ziehen, die sie verwalteten. Ohne Informa- Die neuen demokratischen Regieningen waren im
tionen dieser Untergebenen konnte die Zentralregie- allgemeinen schwach. Bei den jüngsten Wahlen in
rung nicht wissen, wieviel aus einer bestimmten Men- Polen erhielt die erfoglreichste Partei beispielsweise
ge an Ressourcen produziert werden konnte. Wenn weniger als 14 Prozent der Stimmen, und in den
alle Produktionsleiter eines Industriezweigs unauffällig Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind die Zentralrezusammenarbeiteten, um die Erwartungen ihrer Vor- gierungen praktisch machtlos. Die großen Staatsbegesetzten bezüglich des Produktionssolls zu senken, triebe sind andererseits jedoch weiterhin gut organiginge es allen Untergebenen besser. Wenn sie Situa- siert und haben politische Macht. In einer Demokratie
tionen vermieden, in denen jeder von ihnen einen können sie offener als vorher als Lobby funktionieren,
Anreiz hätte, den anderen bei der Produktivität auszu- und ihre Arbeiter können auch streiken. Als Teil der
stechen, wie es der Fall wäre, wenn einzelne Unter- Regierung sind die Produktionsleiter und Arbeitnehnehmen in einem riesigen bürokratischen Betrieb ohne mer von Staatsbetrieben immer noch Insider und sie
Konkurrenten oder Vergleichsstandard zusammenge- machen Ansprüche auf öffentliche Gelder gehend, die
faßt würden, wäre ihr Leben sehr viel leichter. Es denen von Beamten und Rentnern vergleichbar sind.
bedurfte einiger Zeit - und wahrscheinlich auch des Es gibt also praktisch keine Macht, die dem staatlichen
Endes der stalinistischen Säuberungen mittels Bestra- Sektor der im Umbruch befindlichen Gesellschaften
fung aufgrund eines Verdachts - bis es den Untergebe- kohärente Pläne aufzwingen oder Produktivität abvernen in einem Industriezweig oder Standort gelang, langen kann. Daher ist die Leistung des staatlichen
geheime Absprachen auf Kosten ihrer Vorgesetzten Sektors noch schlechter als in den letzten Jahren des
zu treffen. In vielen Industriezweigen, Standorten und Kommunismus.
Betriebshierarchien sowie in großen, fusionierten
Unternehmen dauerte es noch länger, bis wirklich Heute sind wir in der Lage zu erkennen, daß die
effektive, eigenständige Inskfer-Lobbies entstanden Binsenwahrheit, Privatisierung von Staatsbetrieben
sei das Kernstück des Übergangs vom Kommunismus
waren.
zu einer Marktwirtschaft, falsch ist. Sie ist falsch, weil
Als dies jedoch geschah, wurden die Gesellschaften Gesellschaften das Potential einer Marktwirtschaft
sowjetischen Typs zwangsläufig weniger produktiv - nicht freisetzen können, solange sie nicht die Institutikein Unternehmen, kein Standort und keine Koterie onen geschaffen haben, die das Recht auf Privateihatte ein solch umfassendes Interesse an der Produk- gentum und die Durchsetzung von Verträgen schüttivität der Wirtschaft wie der Diktator. Im Gegensatz zen. Ohne Institutionen, die persönliche Rechte defizum Diktator würde der Kreis der Untergebenen oder nieren und wahren, ist der Nutzen der Privatisierung
die Koterie wenig oder nichts durch größere Produkti- unsicher. Mit den richtigen Institutionen werden die im

AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�Umbruch befindlichen Gesellschaften riesige Gewinne aus den neuen Firmen sowie aus Auslandskapital
und Unternehmertum erzielen.
Die traditionelle Konzentration auf Privatisierung ist
also zum Teil falsch, weil sie davon ausgeht, daß
Staatsbetriebe und die enormen Summen des in sie
investierten Kapitals zwangsläufig kommerziell wertvoll sind. Zweifelsohne sind einige Staatsbetriebe
äußerst wertvoll, insbesondere diejenigen, die einen
Großteil der Rohstoffe kontrollieren. Wir wissen jedoch aus der Erfahrung mit Marktwirtschaften, daß
Firmen häufig geteilt, umstrukturiert, fusioniert oder
geschlossen werden müssen und das vor relativ kurzer Zeit investierte Kapital oftmals den Einsatz nicht
wert ist, weil es nicht den veränderten Bedingungen
entspricht. In den ehemals kommunistischen Ländern
waren zahlreiche Staatsbetriebe von Anfang an falsch
konzipiert und die in sie getätigten Kapitalinvestitionen
nicht durch die Marktkräfte dirigiert. Wie wir in den
letzten 10 oder 20 Jahren der kommunistischen Herrschaft beobachten konnten, war das Investitionsmuster in der Tat ebenso vom bürokratischen Einfluß der
Unternehmen geleitet wie vom umfassenden Interesse der Zentralregierung. Entsprechend sind viele der
großen Staatsbetriebe in den Gesellschaften im Übergang wertlos - und die Debatte über Privatisierung viel
Lärm um nichts.

Die Frage ist, wie man durch die Entwicklung eines
sozialen Netzes und großzügige Abfindungen die
Arbeitnehmer in diesen Firmen schützen und ihnen
eine Beschäftigung in produktiven neuen Unternehmen vermitteln kann. Angesichts der starken Lobby
von Großunternehmen besteht die schwierigste Aufgabe darin, den Schutz oderdie Subventionierung von
Firmen zu vermeiden, die die Ressourcen der Gesellschaft verschwenden - und das Mitgefühl der Gesellschaft erneut auf den einzelnen statt die Unternehmen
zu lenken.
Die Diskussion darüber, wer ein zu privatisierendes
Unternehmen besitzen sollte, ist ebenfalls per se
kontrovers und langwierig. Politische Meinungsverschiedenheiten und Verzögerungen sind schädlich,
selbst wenn sie gegenstandslos sind, weil sich das
Unternehmen am Ende als unnütz erweist.

Im Gegensatz dazu können alle von der Formulierung
des Rechts auf Eigentum und der Durchsetzung von
Verträgen sowie anderen Institutionen profitieren, die
der Privatsektor benötigt. Alle können auch davon
profitieren, wenn den 'bedürftigen" Unternehmen Schutz
oder Subventionen verweigert werden, die Ressourcen vergeuden, die mehr wert sind als die von ihnen
hergestellten Produkte und statt dessen bedürftigen
Einzelpersonen geholfen wird. Wenn die im Übergang
vom Kommunismus befindlichen Gesellschaften die
Als Lobby sind große Staatsbetriebe politisch mächtig, Verschwendung ihrer Ressourcen an Unternehmen
selbst wenn sie Ressourcen verbrauchen, die wertvol- verhindern können, die unter dem Strich die Geselller sind als das Produkt, und sie unter dem Strich die schaft ausbluten, und wenn sie auch sicherstellen
Gesellschaft auszehren. Ein Großteil der Diskussion können, daß das Recht des einzelnen auf Eigentum
über "Privatisierung" sollte daher in eine Debatte über und die Durchsetzung von Verträgen klar und sicher
"Liquidation" umfunktioniert - oder offen als solche ist, dann werden sie sich bald eines unvergleichlich
höheren Lebensstandards erfreuen, als sie je erlebt
anerkannt - werden.
haben.
*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN
11. August 1993

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLAN
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten begrüßen die Zustimmung der NATO zu einem "detaillierten
Operationsplan für Luftangriffe" gegen die bosnischen Serben, falls sie ihr "unerträgliches Verhalten" in BosnienHerzegowina nicht ändern, erklärte Außenminister Christopher in einer am 9. August 1993 veröffentlichten
Stellungnahme.
Christopher zufolge unterstützen die heute vom Nordatlantikrat ergriffenen Maßnahmen "die Initiative der
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos und
anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern."
Der Plan "enthält die Zielerfassungsverfahren sowie die Führungsarrangements für Luftangriffe" erläuterte der
Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten sind erfreut über die heute
vom Nordatlantikrat ergriffenen entscheidenden Maßnahmen. Diese Schritte unterstützen die Initiativeder
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos
und anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung
der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern. Beim Treffen des Nordatlantikrats
am 2. August hat sich die NATO einstimmig für die
Vorbereitung von Luftangriffen entschieden und eine
eindeutige Warnung an diejenigen ausgesprochen,
die für die Einkesselung Sarajevos und anderer ziviler
Gebiete verantwortlich sind. Heute hat das Bündnis
einstimmig einem detaillierten Operationsplan für Luftangriffe zugestimmt, der in der vergangenen Woche
vom Militärausschuß der NATO in Zusammenarbeit

mit der UNO-Schutztruppe UNPROFOR erarbeitet
wurde. Der Plan ist solide und umfassend. Er enthält
dieZielerfassungsverfahrensowiedieFührungsarrangements für Luftangriffe,
Mit der

heutigen Entscheidung stehen dem Bündnis
J e t z t a l , e erforderlichen Mittel für entschiedene Maßnahmen gegen die Serben zur Verfügung, falls sie ihr
unerträgliches Verhalten nicht andern. Die emstimmig e Entscheidung von heute signalisiert, daß die internationale Staatengemeinschaft die Belagerung von
Stadte
n und die andauernden Bombenangriffe auf
Zivilisten, die Verweigerung humanitärer Hilfe für die
Bedürftigen oder leere Versprechungen als Deckmantel
*&amp; Aggression nicht hinnehmen wird. Die Serben
s,nd
gewarnt - und der Einsatz von Luftstreitkräften
han
&amp; won l h r e m Vorgehen ab.

* * * * *

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�NAHER

OSTEN
11. August 1993

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN
DER NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als aktiver Vermittler
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
fühlt sich durch die Ergebnisse seiner Nahostreise in
der vergangenen Woche ermutigt. Im Verlauf seiner
Gespräche wurde ihm auch eine neue Rolle übertragen - die eines "aktiven Vermittlers" zwischen Israel
und Syrien.

Christopher berichtete, "es gibt einige Fortschritte und
viele Schwierigkeiten", räumte jedoch ein, es sei nicht
an der Zeit, bezüglich der Einzelheiten oder Substanz
der Verhandlungen ins Detail zu gehen.

In den Gesprächen mit Assad kam man dem Außenminister zufolge überein, "daß die Vereinigten Staaten
eine wichtige Rolle als aktiver Vermittler von Ideen
spielen und bei Formulierungen zur Überwindung der
Kluft behilflich sein können".

Infolge der Nahostreise des Außenministers in der
vergangenen Woche führten die Parteien Diskussionen darüber, wie die Gespräche am besten wiederaufgenommen werden könnten, so McCurry. 'Zweifelsohne wünschen wir eine Fortsetzung des Dialogs."

"Wir haben keinen Termin für die nächste Gesprächsrunde festgesetzt", stellte der Außenminister fest und
"Die Friedensgespräche sind wieder in Gang gekom- fügte hinzu, obwohl alle Parteien weiteren Gesprächen
men. Ich reise zuversichtlicher ab, als ich es bei erwartungsvoll entgegensehen, "besteht das Problem
meiner Ankunft in der Region erwarten konnte", erklär- darin, den richtigen Termin zu finden".
te Christopher bei einer Pressekonferenz in Damaskus am 6. August 1993, räumte jedoch ein, "viele In einer Pressekonferenz am 9. August 1993 zitierte
Probleme und viele Hindemisse sind noch zu bewälti- Außenamtssprecher Mike McCurry die Aussage des
gen. Wir werden sie in Angriff nehmen", versprach er. Außenministers: "In den kommenden Wochen und
Monaten bleibt zweifelsohne noch sehr viel zu tun.
Da sich die Parteien im Friedensprozeß mit schwer- Man hat jedoch auch das Gefühl, daß sich die Parteien
wiegenden politischen Entscheidungen zu Kernfragen jetzt in anderer Weise auf einige der Kernfragen kon-wie Land, Frieden und Sicherheit -konfrontiert sehen, zentrieren, und wir erachten dies als ermutigend."
werden die Verhandlungen im weiteren Verlauf schwieEine weitere Schwierigkeit wurde jedoch am 9. August
riger, nicht einfacher.
durch Berichte verursacht, daß Faisal Husseini, der
Dies ist einer der Gründe, warum Christopher in der palästinensische Delegationsleiter, mit Israel über
vergangenen Woche die Rolle eines aktiven Vermitt- Arrangements für die Selbstverwaltung der besetzten
lers übernahm und Botschaften - Fragen und Antwor- Territorien verhandelt habe und zwei seiner engsten
ten- zwischen dem israelischen Premierminister Rabin Vertrauten ihren Rücktritt beabsichtigten.
und dem syrischen Präsidenten Assad übermittelte.
Der Außenminister hat zwei getrennte Treffen mit McCurry betonte, es habe "widersprüchliche Berichte
über ihren Status innerhalb der Delegation" gegeben
jedem von ihnen abgehalten.
und erklärte, er überlasse den Palästinensern die
Am 5. August stellte Christopher vor Journalisten fest, Erörterung dieser Frage.
seine geplante Rückkehr nach Syrien sei "nur Teil des
derzeitigen Sondierungsprozesses - die Beantwor- "Während die Gespräche zwischen den Palästinentung von Fragen und die Formulierung von Fragen". sern und Israel in eine Phase gelangen, in der sie sich
Es sei eine "entscheidende Entwicklung", daß die mit einigen äußerst schwierigen Problemem auseinVereinigten "von den Parteien gebeten worden sind, andersetzen, führen sie zahlreiche Gespräche unterBotschaften zu übermitteln und als Vermittler zu fun- einander über die zu treffenden schweren und harten
Entscheidungen", erläuterte der Sprecher.
gieren", fügte er hinzu.

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�McCurry zufolge ist es unabdingbar, "auf die fruchtbaren Diskussionen aufzubauen", die der Außenminister
in der vergangenen Woche geführt hat. "Wir haben nur
noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen
getroffen". Laut McCurry bestehen "derzeit keine
Pläne", daß Dennis Ross, der Sonderkoordinator der
Vereinigten Staaten für den Nahost-Friedensprozeß,
in die Region zurückkehrt, und Christopher wird frühestens mit Herbstbeginn erneut in den Nahen Osten
reisen.
Es ist ebenfalls nicht klar, ob es in Washington eine
neue Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn - Syrien, Libanon
und Jordanien - sowie eine Fortsetzung des palästinensisch-israelischen Dialogs geben wird. Seitdem
der Friedensprozeß bei der Madrider Konferenz im
Oktober 1991 in die Wege geleitet wurde, haben zehn
Gesprächsrunden stattgefunden.
McCurry widersprach der Ansicht, Christophers Reise
habe sich auf die israelisch-syrische Alternative konzentriert. "Überall, auch in Damaskus, bestand starkes Interesse an den einzelnen Alternativen, die geprüft werden."
Während seiner Reise deutete der Außenminister
jedoch Reportern gegenüber an, daß bei der israelisch-syrischen Alternative "ein anderes Gefühl" vorherrsche, da Christopher als "aktiver Vermittler" zwischen Rabin und Assad fungiere.
Christopher war ebenfalls erfreut über die Reaktion der
palästinensischen Delegation während seiner Nahostreise. Bevor die letzte Gesprächsrunde am 1. Juli
*

Seite ö

*

in Washington abgeschlossen wurde, legten die Vereinigten Staaten Israel und den Palästinensern ein
Arbeitspapier vor, von dem die Vereinigten Staaten
hoffen, daß die Parteien es als Ausgangsbasis für eine
Grundsatzerklärung über die Befugnis einer zwischenzeitlichen Selbstverwaltung benutzen werden. Die
Palästinenser "haben genau das getan, war wir von
ihnen erhofften und uns Zeile für Zeile Kommentare
oder eine Umformulierung des von uns unterbreiteten
Entwurfs übermittelt", stellte der Außenminister am 5.
August in Jerusalem fest.
Bei seiner Abreise am 6. August erklärte Christopher
freimütig vor Journalisten, er sei "ziemlich ängstlich
und besorgt" in die Region gereist, "daß der Friedensprozeß" aufgrund der jüngsten Kämpfe im Libanon und
Verzögerungen bei der Festsetzung eines Termins für
die Wiederaufnahme der Gespräche "entgleist sei".
"Ich reise voller Hoffnung und Enthusiasmus ab, daß
der Prozeß gerettet wurde und wieder in Gang gekommen ist und wir Fortschritte erzielen können, wenn wir
in den kommenden Monaten sorgfältig, gewissenhaft
und besonnen vorgehen", stellte der Außenminister
fest.
In seiner Abschiedsrede am 6. August würdigte der
israelische Außenminister Peres zwei Leistungen der
Reise Christophers - den Friedensprozeß wiederbelebt und ihm neuen Auftrieb verliehen zu haben. "Wir
hoffen, daß Sie so bald wie möglich zurückkommen,
um die ausgezeichnete Arbeit fortzusetzen, die Sie
begonnen haben", äußerte er Außenminister Christopher gegenüber.

*

*

AMERIKA DIENST $2

�TERRORISMUS
11. August 1993

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert
WASHINGTON - (AD) - In der häßlichen Geschichte
des weltweiten Terrorismus könnte 1993 "das bisher
blutigste Jahr" werden, prognostiziert Professor Yonah Alexander, ein Fachmann für Terrorismusbekämpfung an der George Washington University.
Der Zerfall der Sowjetunion führe durch die "Weiterverbreitung von Waffen ... ethnische, rassische und religiöse Intoleranz" sowie nationalistischen und separatistischen "Extremismus" und nicht zuletzt grenzüberschreitende Konflikte zu einer Eskalation des Terrorismus weltweit, stellte Alexander bei einem am 3. August
1993 in Washington veranstalteten Seminar fest.
Alexander zufolge manifestiert sich Terrorismus heute
in vielfältiger Weise, unter anderem durch:
Gruppen mit extremistischen Ideologien wie
ausländerfeindliche "Skinheads" und linke Terroristen",
"theologischen Terrorismus" sowie Terrorismus unter verschiedenen Rassen, ethnischen
Gruppen und Stämmen",
"Nullsummennationalismus oder -extremismus",
bei dem eine Nation auf terroristische Taktiken
zurückgreift und Gewalt einem Kompromiß
vorzieht,
Drogenterrorismus,
gegen Regierungen gerichteten Terrorismus,
wie derzeit in Ägypten und Italien der Fall,

"Fanatiker" wie Tierschützer, die "biologische
Forschung" zerstören und Abtreibungsgegner
sowie diejenigen, die Kampagnen gegen "Universitätsprofessoren und Wissenschaftler" richten, deren Forschung ihren Überzeugungen
zuwiderläuft.
Kevin Giblin, ein Beamter für Terrorismusbekämpfung
beim FBI stellte fest, daß Drohungen gegen die Vereinigten Staaten immer noch außerhalb ihrer Grenzen
am häufigsten sind, weil das FBI "unzählige Male
erfolgreich die geplanten Terroranschläge im Land
abgewehrt hat".
Die Verhaftung eines Terroristen stellt ihm zufolge eine
"ausdrückliche Warnung" an Terrorgruppen dar, und
das FBI wird in "zunehmendem Maße Terroristen
weltweit verfolgen", wenn sie gegen die Vereinigten
Staaten operieren. Trotz der jüngsten Terroraktivitäten in New York sei das "Aufkommen terroristischer
Aktivitäten" in den Vereinigten Staaten nach wie vor
"bemerkenswert niedrig", weil "die US-Regierung in
den vergangenen Jahren dem Problem sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet hat".
Giblin äußerte die Ansicht, daß der Bombenanschlag
auf das World Trade Center "nicht als Auftakt" einer die
Vereinigten Staaten heimsuchenden Welle von Terror-akten angesehen werden sollte, obwohl die Nation
offenkundig gegen solche Anschläge "nicht immun"
sei.

Martin Mendelsohn, Assistent von Senator Alfonse
d'Amato, verwies darauf, daß d'Amato Morddrohun"Terrorismus im Mafiastil", bei dem Gangster gen wegen seiner offen geäußerten Ablehnung des
Tenoranschläge gegen Bezahlung verüben sowie Terrorismus erhalten und seine persönlichen Sicher'Terrorismus gegen Kinder", wie er aus einigen heitsvorkehrungen verschärft hat.
brasilianischen Städten berichtet wird. "Gegen
die Presse gerichteten Terrorismus", um diese "Terrorismus beginnt, in diesem Land zu gedeihen",
einzuschüchtern sowie "staatlich geförderten warnte Mendelsohn, in Ermangelung einer "geeigneTerrorismus" durch "neue Akteure wie den Sudan ten Abschreckung", wie etwa der Todesstrafe für
Terroristen, die d'Amato befürwortet.
und alte Akteure wie Nordkorea,

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�Mendelsohn fugte hinzu, "unsere offenen Grenzen"
und "durchlässige Visaverfahrenkönnten letztlich dazu
führen, daß die Vereinigten Staaten "ein uns fremdes
Land werden", wenn die Amerikaner nicht "wachsamer" sind.
Der Assistent eines Kongreßabgeordneten, Kenneth
Timmerman, stellte fest, die Einreise von Scheich
Omar Abdel-Rahman in die Vereinigten Staaten habe
"die Aufmerksamkeit des Kongresses erregt", und
dieses Gremium versuche, "strukturelle Mängel" bei
den Einreiseverfahren in die Vereinigten Staaten zu
beheben.

Timmerman bekräftigte, daß die Einreise des blinden
Geistlichen auf "groteske menschliche Fehlleistungen
und ein archaisches System" im amerikanischen
Konsulat in Khartoum zurückzuführen sei. Er verlieh
seiner Erwartung Ausdruck, daß das Außenministerium "Gebühren" für Visaantragsteller einführen wird,
um die Kosten für ein neues computergestütztes System
zu decken.
Timmerman nannte Iran, Syrien, Libyen, Irak und
Sudan als wichtigste Länder mit staatlich gefördertem
Terrorismus.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

�LANDMINEN
11. August 1993

UNGERÄUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE KILLER
UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Schätzungsweise 150 Personen, darunter zahlreiche Kinder, werden jede Woche
von den über 85 Millionen ungeräumten Landminen
getötet oder verstümmelt, die in 62 Ländern der Welt
gelegt wurden.
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt ein 260 Seiten
umfassender Bericht des US-Außenministeriums mit
dem Titel: Hidden Killers: The Global Problem with
Uncleared Landmines (Versteckte Killer: Das weltweite Problem ungeräumter Landminen), der die eingehendste Studie zu diesem Thema ist. Der Bericht
wurde dem Kongreß am 4. August 1993 vorgelegt.

kurs für ausländische Dozenten an der School of the
Americas in Port Benning (Georgia). 15 Dozenten aus
mehreren lateinamerikanischen Ländern wurden in
Nicaragua für die Überwachung des Minenentschärfungsprogramms der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) ausgebildet. Pro Teilnehmer beliefen
sich die Kosten des Kurses auf rund 4.000 Dollar.

Obwohl die Vereinigten Staaten "ein enormes Ausbildungs- und technologisches Potential haben, das bei
dem Entschärfungsproblem zum Tragen kommen
könnte", so der Bericht des State Department, mu ß die
amerikanische Hilfe mit begrenzten Ressourcen und
anhand der von der Minenentschärfungs-KoordinieDem Bericht zufolge wurden in den vergangenen 15 rungsgruppe erarbeitenen Parameter durchgeführt
Jahren über 67 Millionen Landminen gelegt, und ihre werden. Amerikanisches Militär wird Landminen in
Zahl steigt täglich. Obwohl keine schnelle Lösung des anderen Ländern nicht räumen.
Problems in Sicht ist, unternehmen die Vereinigten
Staaten Schritte, um anderen Ländern bei der Bewäl- Die US-Regierung kann den größten Beitrag zur Lötigung ihrer Probleme mit Landminen behilflich zu sein. sung des weltweiten Problems ungeräumter Landminen leisten, "indem sie in vier generellen Bereichen
"Das Aufspüren ungeräumter Landminen ist eine ar- Hilfestellung bietet: Ausbildung, technischem Knowbeitsintensive, langwierige und gefährliche Operation, how, Geräten und Technologie sowie diplomatischen
bei der moderne Technologien kaum eingesetzt wer- Bestrebungen, um den Verkauf und Einsatz von Landden können", führt der Bericht aus, und das Verfahren, minen zu begrenzen", stellt der Bericht fest.
sie zu entschärfen, sei noch schwieriger und "außerordentlich gefährlich".
Die Vereinigten Staaten haben im laufenden Haushaltsjahr über 9 Millionen Dollar für MinenentschärUnter der Ägide des Außenministeriums wurde die fungsprojekte in Afghanistan, Mosambik, Somalia,
interministerielle Arbeitsgruppe zur Koordinierung der Kambodscha und Mittelamerika aufgewendet. In den
Minenentschärfung (Demining Coordination Group - nächsten 12 Monaten hofft das Außenministerium,
DCG) ins Leben gerufen, die die Bewohner vor Ort in mehr als 17 Millionen Dollar für Minenentschärfungsder Beseitigung und Zerstörung von Landminen aus- programme in 18 Ländern bereitstellen zu können.
bildet und ihnen die Geräte zur Verfügung stellt sowie
bei der Entwicklung neuer Minenabwehrtechnologien "Diese Mittel werden zur Finanzierung der Ausbildung
behilflich sein soll. Das US-Amt für internationale und für den Kauf von Geräten verwendet, die es den
Entwicklung (Agency for International Development - betroffen Nationen ermöglichen, die Räumung der
AID), das Büro des Verteidigungsministers, die Ge- Minen selbst durchzuführen", so der Bericht. Ein Teil
meinsamen Stabschefs und ausgewählte Landminen- des Geldes wird für die Einstellung von fachkundigen
Experten des Verteidigungsministeriums sind eben- Subunternehmern benutzt, die bestimmte spezifische
falls Mitglieder der Arbeitsgruppe.
Projekte wie etwa Straßennetze räumen.
Vor knapp vier Monaten beendete die US-Armee ihren Laut Bericht ist es nicht möglich, die genaue Anzahl
ersten einmonatigen Minenentschärfungs-Ausbildungs- ungeräumter Landminen weltweit festzustellen, weil
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�Minen per se außerordentlich schwierig zu lokalisieren
und viele Minen spezifisch entworfen sind, um unentdeckt zu bleiben.

fung konnten statt der geplanten 10.000 pro Woche
nur rund 1.000 kambodschanische Flüchtlinge pro
Woche in ihre Heimat zurückkehren, weil ein Großteil
des für sie vorgesehenen Agrarlandes wegen der
"Das wirklich Grausame an Landminen ist, daß sie das Minen unbenutzbar ist und dies noch auf Jahrzehnte
Land, von dem die Bevölkerung für ihren Lebensunter- hinaus der Fall sein kann, fährt der Bericht fort. Den
halt abhängig ist, für Jahre - wenn nicht Generationen vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bereit- unbewohnbar macht", erläutert der Bericht und ver- gestellten Daten zufolge gibt es in Kambodscha über
weist darauf, daß in den Niederlanden pro Jahr immer 30.000 Amputierte, von denen die meisten Minenopfer
noch 12 Personen durch Landminen aus dem Zweiten sind.
Weltkrieg verletzt werden.
In einer Bestandsaufnahme der gravierenden SituaObwohl das Legen von Minensperren seit langem eine tion in anderen Gebieten der Welt gelangt der Bericht
effektive militärische Strategie ist, haben in den ver- zu der Schlußfolgerung, daß in Afghanistan Zehntaugangenen 20 Jahren zunehmend Terroristen und sende durch Minen getötet oder verstümmelt wurden,
Guerrilla-Gruppen dieses Mittel als offensive Waffe die während des andauernden Konflikts in diesem
zur Störung der politischen und wirtschaftlichen Infra- Land von der ehemaligen Sowjetarmee - den Mudjahestruktur eines Staates angewandt. Regierungstrup- din - und der ehemaligen kommunistischen Regierung
pen setzen sie inzwischen zum Schutz oder zur Vertei- Afghanistans gelegt worden sind. Noch über 10 Milliodigung der Infrastruktur ein.
nen Minen befinden sich in Afghanistan, die das Haupthindernis für die Rückführung der noch 2 Millionen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen ungeräumter Landafghanischen Flüchtlinge in Pakistan und 1,5 Millionen
minen sind beträchtlich. Agrarland kann nicht bestellt
im Iran sind. Millionen sogenannter "Schmetterlingswerden, solange die Bevölkerung nicht sicher sein
minen" wurden während des afghanischen Konflikts
kann, daß die Minen von den Land- und Wasserwegen
abgeworfen. Diese kleinen, farbigen Plastikminen
geräumt worden sind. Ein paar Minen reichen aus, um
erregen häufig die Aufmerksamkeit von Kindern, die
die Transportwege und Kraftwerke lahmzulegen.
verstümmelt oder getötet werden, wenn sie sie aufhe"Landminen verhindern die Rückführung von Flüchtlin- ben wollen.
gen, behindern den wirtschaftlichen Wiederaufbau und
schaffen ein dauerhaftes Chaos in Ländern, die nach
politischer Stabilität streben", führt der Bericht aus.

In Somalia wurden Minen um Brunnen, Militärlager
und -einrichtungen sowie auf Haupt- und Nebenstraßen verstreut. Weil es wenige Karten oder andere
In den meisten Ländern sind die örtlichen Krankenhäu- Orientierungshilfen zur Lokalisierung der Landminen
ser nicht in der Lage, Minendpfer adäquat zu versor- gibt, wurden die humanitären Hilfsbestrebungen in
gen. I n Angola gibt es zur Zeit über 20.000 Amputier- Somalia ernsthaft behindert. Ein amerikanischer Solte, die Opfer von Landminen wurden", stellt der Bericht dat und ein ziviler Bauingenieur wurden verwundet, als
fest und fügt hinzu, "die in einem solchen Umfang ihr Lastwagen am 4. August auf einer Vorortstraße von
Mogadischu auf eine Landmine fuhr.
erforderlichen chirurgischen Einrichtungen und Medikamente zur Behandlung von Minenopfern existieren
Schätzungsweise 17 bis 24 Millionen Minen befinden
in vielen Ländern einfach nicht".
sich dem Bericht zufolge noch im Nahen Osten. Die
Dem Bericht zufolge gibt es in Afrika die meisten meisten davon in Kuwait, dem Irak und Iran sowie auf
Landminen - 1 8 bis 30 Millionen in 18 Ländern. Ein beiden Seiten der israelischen Grenzen mit Syrien,
Drittel der afrikanischen Länder haben Probleme mit Libanon und Jordanien. Kuwait sieht sich bei dem
ungeräumten Landminen, und in Angola, Mosambik, Versuch, die fast 7 Millionen von der irakischen BeSomalia und dem Sudan ist die Situation am schlimm- satzungsstreitmacht 1990 gelegten Minen aufzuspüsten. In Mosambik sind laut Zahlen der Vereinten ren und zu räumen, mit den weltweit gravierendsten
Nationen alle 28 wichtigsten Straßennetze des Landes Minenentschärfungsproblemen konfrontiert.
durch ungeräumte Landminen blockiert.
In Lateinamerika befinden sich auf 8 Länder verteilt
schätzungsweise
300.000 bis 1 Million Landminen,
Zwischen 15 und 23 Millionen Minen wurden in Ostgrößtenteils
in
den
mittelamerikanischen Ländern
asien gelegt, stellt der Bericht fest und fügt hinzu,
Nicaragua,
El
Salvador,
Honduras, Costa Rica und
Kambodscha sei wahrscheinlich das Land mit dem
Guatemala.
größten Problem ungeräumter Landminen. Das von
den Vereinten Nationen gegründete kambodschaniSchätzungen der Vereinten Nationen zufolge beläuft
sche Minenräumzentrum zur Koordinierung der Misich die Anzahl ungeräumter Minen in Bosnien-Hernenentschärfungsoperationen hat umfangreiche Mizegowina auf ungefähr 1,5 Millionen, und nach Ernensperren in über der Hälfte des Landes entdeckt.
kenntnissen des Berichts verschärft sich das Problem
Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Minenentschär- ständig.
*
Seite 2

*

*

*
AMERIKA DIENST 32

�MARTIN

LUTHER

KING
11. August 1993

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch
In dem nachfolgenden Artikel wird die Geschichte des von Martin Luther King, Jr. angeführten Marsches nach
Washington wiedergegeben, der "einen Wendepunkt in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung" markierte.
Im August wird Coretta Scott King diesen Marsch mit Anhängern wiederholen, um des 30. Jahrestages dieses
Ereignisses zu gedenken.
Der Verfasser ist freiberuflicher Journalist mit Sitz in Washington.
Der 28. August 1993 steht für einen Wendepu nkt in der
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung - den 30.
Jahrestag des Marschs nach Washington. Reverend
Martin Luther King, Jr. und andere Bürgerrechtler
führten eine Viertelmillion Menschen entlang der Mall
in das Zentrum der Bundeshauptstadt, um die breite
Unterstützung des Volkes bei den Bestrebungen zur
Beendigung der Rassentrennung zu demonstrieren.
In diesem August wird die Witwe von Dr. King, Coretta
Scott King, des Jahrestages gedenken, indem sie mit
Anhängern denselben Weg geht, der vor 30 Jahren
genommen wurde. Die enorme Teilnehmerzahl im
Jahr 1963, die hehren Ziele der Demonstranten und
Kings bewegende Ansprache am Ende des Tages
haben den positiven Effekt der Bewegung in den
Augen der Amerikaner außerordentlich gestärkt.
Als junger Baptistenpriester in Montgomery (Alabama)
sah sich King in die Führungsrolle des afroamerikanischen Boykotts des lokalen, nach Rassen getrennten
Bussystems gedrängt. Die Nachrichtenberichterstattung über den Boykott und die erfolgreiche Aufhebung
der Rassentrennung in den Bussen von Montgomery
katapultierten King auf die Titelseiten der Zeitungen
und Fernsehschirme.

Die Birmingham-Demonstrationen begannen im April
1963, nachdem die Verhand lu ngen mit U nternehmern
über die Beendigung der Rassentrennung in Imbißständen und anderen öffentlichen Lokalen sowie über
Diskriminierung bei der Einstellung gescheitert waren.
Die wirksamsten Taktiken waren der Boykott großer
Warenhäuser in der Innenstadt und "Sit-ins" in Restaurants und Imbißständen. Junge Afroamerikaner betraten Restaurants, setzten sich und weigerten sich, das
Restaurant zu verlassen, wenn sie nicht bedient wurden. Die Polizei verhaftete sie dann wegen unbefugten
Betretens. Die Festnahmen erfolgten für gewöhnlich
nachdem die Kellner und Besitzer des Restaurants sie
mit wüsten rassistischen Beschimpfungen bedacht
und sogar Speisen und Getränke nach den Protestierenden geworfen hatten. Die - von King angeführten jungen Leute leisteten weder Widerstand, noch übten
sie Vergeltung.

Dieser "passive Widerstand" kombinierte christlichen
Pazifismus mit den Methoden, die Mahatma Gandhi
beim Protest gegen die britische Kolonialherrschaft im
Indien der vierziger Jahre angewandt hatte. Die Idee,
erklärte King aus seiner Gefängniszelle in Birmingham, ist, daß "jemand, der ein ungerechtes Gesetz
bricht, es öffentlich tun muß ... und mit der BereitBirmingham (Alabama) hatte mit den schlechtesten schaft, die Strafe zu akzeptieren." Er fügte hinzu, "der
Ruf aller Städte in den Südstaaten. King schrieb, es amerikanische Neger... wurde zusammen mit seinen
"ist wahrscheinlich die am gründlichsten nach Rassen schwarzen Brüdern aus Afrika und seinen brauen und
getrennte Stadt in den Vereinigten Staaten. Ihre häß- gelben Brüdern aus Asien, Südamerika und der Kariliche Bilanz der Brutalität seitens der Polizei ist in bik ... vom Streben nach Gerechtigkeit erfaßt". Gejedem Teil dieses Landes bekannt. Es hat mehr werkschaften sowie schwarze und wei ße Anhänger im
unaufgeklärte Bombenanschläge auf Häuser von ganzen Land brachten die Kaution für King und seine
Schwarzen und Kirchen in Birmingham gegeben, als in Anhänger auf.
jeder anderen Stadt dieser Nation." Die städtische
Polizei unter Polizeichef "Bull" Connor hatte einen Der Einsatz von Polizeihunden und Wasserwerfern
äußerst schlechten Ruf, brutal gegen Gewerkschafts- zur Unterdrückung der Proteste in Birmingham machte
mitglieder und in jüngerer Zeit in ähnlicher Weise weltweit Schlagzeilen. Es war äußerst peinlich für die
gegen Bürgerrechtler vorzugehen.
Kennedy-Administration, die Reverend King ihrerseits
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�bat, die Sit-ins zu beenden und Druck auf die lokalen
weißen Regierungsvertreter ausübte, in gutem Glauben zu verhandeln. Schließlich entsandte Justizminister Robert F. Kennedy Emissäre nach Birmingham,
um den Disput zu schlichten. Im Mai gab die aus
Vertretern weißer und schwarzer Geschäftsleute und
Unternehmer, der Gemeindeverwaltung und Bürgerrechtlern zusammengesetzte Gruppe von Unterhändlern endlich eine Vereinbarung bekannt, mit der die
Proteste beendet wurden. Alle Seiten hielten sich an
die Lösung, selbst nachdem Bombenanschläge von
Weißen auf Häuser und Kirchen der Bürgerrechtler
beinahe einen Aufstand in der schwarzen Gemeinde
verursacht hätten.
Birmingham machte die Bürgerrechtsbewegung zum
Brennpunkt des Gewissens der Nation. Darüber hinauswurde eine Protestwelle gegen Rassentrennungsgesetze im gesamten Süden in Gang gesetzt. Nach
dem Sieg in Birmingham entschieden Martin Luther
King und seine neugegründete Soutern Christian
Leadership Conference, daß ein Marsch nach Washington die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiterhin
auf das Problem lenken und den Druck auf Präsident
Kennedy verstärken würde, einen Präsidialerlaß zur
Beendigung der Rassentrennung zu verfügen.
Der afroamerikanische Gewerkschaftsführer A. Philip
Randolph begrüßte Kings Interesse an einer Idee, die
er seit über 20 Jahren hegte. Randolph und sein
Kollege Bayard Rustin hatten zuerst während des
Zweiten Weltkriegs einen Marsch nach Washington
geplant. Sie sagten ihn ab, nachdem Präsident Roosevelt eine Richtlinie gegen Rassendiskriminierung
bei der Einstellung von Bundesbediensteten erlassen
hatte. Die beiden Männer begeisterten sich 1963
erneut für die Idee und machten sich an die Gründung
einer Koalition von Bürgerrechts-, Gewerkschafts- und
religiösen Gruppen, um den Marsch Realität werden
zu lassen.
Die beiden ältesten Bürgerrechtsorganisationen, die
Nationale Vereinigung für die Förderung von Farbigen
(National Association for the Advancement of Colored
People - NAACP) und die National Urban League
zogen es vor, sich an Prozesse und stilles Lobby ing zu
halten, womit sie bereits befaßt waren, stimmten jedoch schließlich zu. Eine neue, jüngere und militantere
Gruppe, das studentische gewaltlose Koordinationskomitee (Student Non-Violent Coordination Committee - SNCC) trat der Koalition trotz der Auffassung bei,
der Marsch sei irrelevant für die zur Beendigung der
Rassentrennung und Einschreibung neuer Wähler
erforderliche direkte Aktion. Der allgemein als ebenso
militant wie das SNCC angesehene, in Chicago ansässige Kongreß für rassische Gleichstellung (Congress
of Racial Equality • CORE) wurde ebenfalls Mitglied
der Koalition. Auch mehrere Gewerkschaften unterstützten die Idee, unter ihnen die Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW), de-

Seite 2

ren Vorsitzender, Walter Reuther, einer der wenigen
weißen Organisatoren des Marsches war.
Das Weiße Haus unternahm den nächsten Schritt. Die
Proteste von Birmingham hatten die Administration
zutiefst beeindruckt, und besonders Vertreter des
Justizministeriums waren sich ihrer Unfähigkeit bewußt, legal im Namen der Bürgerrechtsgruppen zu
intervenieren. Präsident Kennedy, sein Bruder, Justiz
minister Kennedy, und Vizepräsident Lyndon B. Johnson entschieden sich für den Entwurf eines umfassenden Bürgerrechtsgesetzes, das der amerikanischen
Regierung die Befugnis verleihen würde, die Rechte
aller Bürger zu schützen. Der Mut und das Engagement der Demonstranten von Birmingham hatte das
Weiße Haus zu der Gesetzesvorlage veranlaßt, die
der Präsident in einer Femsehansprache am 11. Juni
1963 bekanntgab. Die Ermordung des NAACP-Vorsitzenden Medgar Evers aus Mississippi vor seinem
Haus unmittelbar nach der Rede des Präsidenten
unterstrich die Notwendigkeit für Gesetze.
Die Ermordung Evers rief der Öffentlichkeit die Ziele
der Bewegung in Erinnerung, und die Gesetzesvorlage des Präsidenten verlieh der Bewegung für den
Marsch ein definitives Ziel. Aber selbst unter diesen
Voraussetzungen war nicht jeder der Meinung, der
Marsch sei eine gute Idee. Die erwartete Beteiligung
von 200.000 bis 300.000 Menschen war größer als bei
jeder politischen Demonstration in der Geschichte des
Landes und verursachte große Besorgnis. Selbst
einige schwarze Mitglieder des US-Repräsentantenhauses warnten, der Kongreß könne negativ auf den
Marsch reagieren und gegen das neue Bürgerrechtsgesetz stimmen. Präsident Kennedy und Vizepräsident Johnson vertraten dasselbe Argument, als sie die
Organisatoren des Marschs ins Weiße Haus einluden.
Die Veranstalter verwarfen diese Warnungen. Reverend King verwies darauf, ähnliche Argumente seien
bereits vor Birmingham geäußert worden und erklärte,
daß er dort gar nichts erreicht hätte, wenn er auf sie
gehört hätte. Einige, darunter auch King selbst, bezweifelten, daß der Kongreß das Bürgerrechtsgesetz
überhaupt verabschieden würde.
Die Anführer des Marschs bemühten sich trotzdem
aktiv, alle Befürchtungen zu zerstreuen. Rustin kam
zu dem Schluß, daß die Kontrolle über die Menschenmassen wichtig sein würde und arrangierte, daß ein
aus schwarzen Polizisten aus New York zusammengesetztes Kontingent von Freiwilligen als Ordnungskräfte mitwirkten. Darüber hinaus veranstaltete er
Treffen mit Polizei und Regierungsvertretern in Washington, die danach trachteten, ihre eigenen Ängste
abzubauen, indem sie ihm bei logistischen und Sicherheitsproblemen halfen. Martin Luther King und Roy
Wilkins von der NAACP wurden Hauptsprecher des
Marschs und versicherten dem Land bei einem gemeinsamen Fernsehauftritt, es werde keinen zivilen

AMERIKA DIENST 32

�Ungehorsam geben. Die Besorgnis über den Marsch
begann zu schwinden, und sechs Wochen vor dem
festgesetzten Termin brachte Präsident Kennedy öffentlich seine Unterstützung dafür zum Ausdruck.
Die drückende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit von
Augustnachmittagen in Washington haben schon oft
Temperamente in Wallung gebracht, aber an jenem
28. August kam es nicht zu Ausbrüchen.
In einem Beitrag in der New York Times über die
"sanfte Armee", die in die Hauptstadt einmarschiert
war, bemerkte Russell Baker, daß ihre "Liebenswürdigkeit und Geduld... vielleicht eine Art von nationaler
Hochwassermarke für Massenanstand gesetzt haben
könnte". Der SNCC-Vorsitzende John Lewis erinnerte
sich später, "es war so friedlich, es bestand ein solches
Familien- oder Gemeinschaftsgefühl, daß man sich
wünschte, es würde nie aufhören. Es war Amerika von
seiner besten Seite." Die Stimmung der Teilnehmer
war besonders eindrucksvoll, wenn man bedenkt, daß
die meisten von ihnen eine schlaflose Nacht in Bussen
oder Zügen verbracht hatten.
In den frühen Morgenstunden hatte die Polizei "eine
nahezu geschlossene Schlange von Bussen" auf den
wichtigsten Autobahnen nach Washington gemeldet
und über 100 Busse pro Stunde gezählt, die den
Baltimore Harbor Tunnel nördlich der Hauptstadt
passierten. Die Menschen in diesen Bussen und in
den Zügen von weiter entfernten Orten wie Chicago
und Miami waren zu aufgeregt zum Schlafen und
verbrachten die Nacht mit Gesprächen und Gesang.
Als Fernsehteams aus mehreren Ländern am folgenden Tag das Ereignis über Satellit live in alle Welt
übertrugen, sangen die Teilnehmer weiterund wiederholten dabei oft das populärste Lied "We Shall Overcome", die inoffizielle Hymne der Bewegung mit dem
Refrain:

King sprach als Letzter. "Jetzt ist die Zeit gekommen,
die Versprechen der Demokratie in die Tat umzusetzen", erklärte er und forderte seine Zuhörer auf, "geht
zurück nach Mississippi, geht zurück nach Alabama...
Geht zurück in die Slums und Ghettos unserer Städte
im Norden." Sie sollten dies tun, auch wenn sie mit
Schwierigkeiten konfrontiert sein würden. Dann fuhr er
aus dem Stehgreif fort:
"Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im Amerikanischen Traum verwurzelt ist. Ich träume davon, daß sich diese
Nation eines Tages erheben und gemäß der
wahren Bedeutung ihres Bekenntnisses leben
wird: 'Wir halten diesen Grundsatz für selbstverständlich, daß alle Menschen gleich geschaffen worden sind.'"
"Ich träume davon, daß eines Tages in Alabama
... kleine schwarze Jungen und kleine schwarze
Mädchen den kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen die Hände als Brüder und Schwestern reichen können. Ich habe heute einen
Traum!"
"... und wenn wir die Freiheit wirklich erschallen
lassen ... werden wir dem Tag schnell näherkommen, an dem alle Kinder Gottes... einander
die Hände reichen und das alte Spiritual anstimmen: 'Free at last, free at last; thank God
Almighty, we are free at last.'"

Dr. Kings eindringliche Worte klingen den Amerikanern noch nach 30 Jahren im Ohr. John Lewis, der
heute einen Wahlkreis von Atlanta (Georgia) im USRepräsentantenhaus vertritt, erinnert sich an diesen
Tag als "einen der prägenden Augenblicke in der
modernen amerikanischen Geschichte... Diese unglaubliche Koalition aus schwarzen und weißen Amerikanern hatte grundlegende Auswirkungen auf den
Oh, deep in my heart, I do believe
Kongreß." Walter Reuthers Bruder Victor hat ähnliche
Erinnerungen: "Wir hatten das Gefühl, daß wir endlich
We shall overcome some day.
den Durchbruch geschafft hatten." Der Marsch beschleunigte den Wandel im politischen Klima gegenA. Philip Randolph war der erste Redner, der die über den Bürgerrechten, der in Birmingham begonnen
Teilnehmer vor der riesigen Statue von Präsident hatte, und vergrößerte enorm die Aussichten, daß der
Abraham Lincoln begrüßte, der 100 Jahre zuvor die Kongreß Kennedys Vorlage verabschieden würde.
Sklaven befreit hatte. Roy Wilkins gab in seiner Rede Der Kongreß brauchte nahezu ein Jahr, um den Widerbekannt, daß einer der Gründer der NAACP, W.E.B. stand aus dem Süden und von Konservativen zu
DuBois, ein Sohn von Sklaven, der im Jahr 1895 an der überwinden, aber er verabschiedete das Gesetz 1964
Harvard University promoviert hatte, an demselben und zusätzlich im Jahr 1965 ein Wahlrechtsgesetz.
Morgen in Akkra (Ghana) gestorben war. Walter
Reuther warnte den Präsidenten und den Kongreß, Diese Gesetze verlagerten den Kampf um die Bürger"wir können die Freiheit in Berlin nicht verteidigen, rechte schließlich von der Straße in die Gerichtssäle.
solange wir die Freiheit in Birmingham verweigern". Die Veränderung vollzog sich nicht auf einmal, und sie
John Lewis, dessen Rede mehr Applaus erhielt als geschah nicht ohne Opfer. Nur zwei Wochen nach
jede andere mit Ausnahme von Kings, erinnerte die dem Marsch forderte ein weiterer Bombenanschlag
Menge an die Amerikanische Revolution von 1776 und auf eine Kirche in Birmingham das Leben von fünf
rief sie auf, weiterzumarschieren, bis diese Revolution kleinen schwarzen Mädchen. Drei Monate nach dem
vollendet sei.
Marsch wurde Präsident Kennedy ermordet. Im turbu-

AMERIKA DIENST 32

Seite 3

�lenten Jahr 1968 wurde - nur wenige Wochen vor der
Ermordung von Senator Robert F. Kennedy - auch
King ermordet und die Bewegung ihres wirkungsvollsten Führers, das Land eines seiner wertvollsten Bürger
beraubt.
Seit dem Marsch von 1963 und dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 haben Afroamerikaner eine immer größere Rolle im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Amerikas übernommen. Der demokratische Abgeordnete Walter Tucker aus Kalifornien, ein
afroamerikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses, der zu jung ist, um sich an den Marsch von 1963
erinnern zu können, erklärt, "ohne die Opfer von Dr.
King und Hunderttausenden anderen wäre ich heute
nicht im Kongreß". Und doch erwies sich die Beseitigung die Rassen trennender juristischer Hindemisse
lediglich als Beginn der längeren und weit komplexe-

*

Seite 4

*

ren Aufgabe, eine echte vielrassische Demokratie
aufzubauen. Die Anhänger, die Coretta Scott King im
August 1993 die Mall hinunterführen wird, werden die
Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre feiern
und einander auch daran erinnern, was noch zu tun
bleibt.
Vielleicht sind der Marsch von 1963, die von ihm
verkörperte Bewegung und die inhaftierten, geschlagenen und ermordeten Bürgerrechtsaktivisten, für die
er sprach, bereits dadurch am vielsagendsten gewürdigt worden, daß viele Sommer danach ihre Hymne in
Städten angestimmt wurde, die viele Tausend Meilen
von Washington und Birmingham entfernt sind. Nach
Demokratie verlangende chinesische Demonstranten
sangen sie 1989 auf dem Platz des Himmlischen
Friedens in Beijing, und 1991 wurde sie von ihren
Gefährten in Moskau vor dem russischen Weißen
Haus angestimmt: "We shall overcome."

*

*

AMERIKA DIENST 32

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11851">
              <text>11.08.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11852">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11853">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11854">
              <text>Amerikadienst 11.08.1993</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="11855">
              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton bittet um Unterstützung für Plan zur Gesundung der Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Gesetz soll Defizit um 500 Milliarden Dollar senken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über die Gesetzesvorlage&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum hat sich die Wirtschaftsleistung nach der Abschaffung des Kommunismus sogar noch verschlechtert?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mancur Olson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Aktionspläne der NATO zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher von Ergebnissen der Nahostreise ermutigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Rolle des Außenministers als aktiver Vermittler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Experten warnen vor anhaltender terroristischer Bedrohung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Strategien zur Bekämpfung erörtert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Landminen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungeräumte Landminen: versteckte Killer und ein weltweites Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marsch nach Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert E. Mutch&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
