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28. Juli 1993

HAUSHALT

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER
REISE NACH ASIEN, AUSTRALIEN,
NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers

NICHTVERBREITUNG

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT DER
US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN

BALKAN

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

KRIEGSVERBRECHEN

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 4102

�G-7

PRODUKTIVSTER G-7-GIPFEL SEIT
10-15 JAHREN
Erklärung von Staatssekretär Summers
über WorldNet

WIRTSCHAFT

GREENSPAN: ZEIT FÜR DEFIZITABBAU
LÄUFT AB
Clintonplan vielversprechender
erster Schritt
DIE SOZIALE DIMENSION DER WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede
von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)

PORTRAT

FREEH GENIESST DEN RUF EINES
ERFAHRENEN VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

�HAUSHALT
28. Juli 1993

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM
IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge haben die Maßnahmen des Kongresses zum Abbau des
amerikanischen Haushaltsdefizits ihm den erforderlichen Handlungsspielraum verschafft, um mit den anderen
Staats- und Regierungschefs der G-7 während des kürzlich abgeschlossenen Wirtschaftsgipfels in Tokio
entscheidende Vereinbarungen zur Senkung der Zölle auszuhandeln.
"Eines steht fest", äußerte Clinton vor den demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses am 20.
Juli 1993,"... die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem Haushalt
im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu sagen, wir tun das
Unsere, tun Sie jetzt das Ihre."
Der Präsident erklärte, ernsthafte amerikanische Bestrebungen zum Abbau des Haushaltdefizits hätten femer
dazu beigetragen, die Japaner zu einer Überprüfung ihres großen bilateralen Handelsüberschusses mit den
Vereinigten Staaten zu veranlassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Wir kommen in einer schwierigen Zeit für das Land und
die Welt hier zusammen. Die Welt befindet sich in
einer gravierenden Wirtschaftskrise. Alle wohlhabenderen Länder der Welt sehen sich mit Problemen bei
der Schaffung von Arbeitsplätzen konfrontiert. Seit
sehr langer Zeit hat es eine Art politischer Lähmung in
diesem Land gegeben, bei der wir stets gewu ßt haben,
was wir tun mußten, uns jedoch nie ganz überwinden
konnten, es auch zu tun. Und weil wir eine geteilte
Regierung hatten, konnte eine Seite der anderen immer
die Schuld für das zuweisen, was nicht getan wurde.
Je schlimmer die Probleme wurden, desto schmerzhafter wurden die Lösungen. Das ist immer so im
menschlichen Leben, nicht nur in der Regierung, sondern
in jedem Bereich unseres Lebens.

das von ihm verursachte Defizit sei groß genug, um
selbst mit sich fertigzuwerden. Heute scherzt niemand
darüber und keiner bezweifelt, daß wir uns ernsthaft
mit der Reduzierung dieses Defizits befassen und
versuchen, uns aus seinem Würgegriff zu befreien, um
jetzt bessere Zeiten und eine bessere Zukunft für
unsere Kinder zu schaffen.
Statt zu debattieren, ob wir das Defizit ignorieren
sollen, haben wir jetzt eine ernsthafte Diskussion
begonnen, wie wir es wirklich verringern können. Das
bedeutet, Wandel herbeizuführen und nicht, sich mit
den Tatsachen abzufinden. Wo Ihnen einstmals Präsidenten Haushaltsentwürfe vorlegten, die das Papier
nicht wert waren, auf dem sie gedruckt waren, haben
wir jetzt einen echten Wirtschaftsplan, der - trotz aller
Kontroversen - im Rekordtempo durch den Kongreß
geht.

Dank Ihrer Hilfe, Ihrer Führungsrolle und des von
vielen von Ihnen bewiesenen seltenen Muts haben wir
einen grundlegenden wirtschaftlichen Wandel in unserem Land vorgenommen. In nur sechs Monaten haben Ich bin amüsiert, wenn ich lese, daß unsere Mehrheitswir zweifelsohne den Charakter der Wirtschaftsdebat- partei jetzt den schwierigen, harten Entscheidungen,
ten hier in der Hauptstadt unserer Nation verändert. die ich dem Kongreß abverlange, mit knapper MehrDie neue Richtung, die ich mit Ihnen im Februar im heit zustimmt, wohingegen im vergangenen Jahr 75
Prozent der Mitglieder des Repräsentantenhauses der
Bericht zur Lage der Nation erörtert habe, ist offenanderen
Partei gegen den Haushalt ihres Präsidenten
sichtlich. Ein Präsident hat einmal im Scherz gesagt,

AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�stimmten und jahrelang die Etats des Präsidenten
politische Dokumente und nicht ernsthafte Versuche
waren, eine Wende in diesem Land herbeizuführen.
Jetzt unternehmen wir einen ernsthaften Versuch, dies
zu tun. Sie und ich führen den Wandel herbei. Wo
einstmals die andere Partei die Mittelschicht besteuerte, so daß die höheren Einkommensgruppen nicht
einmal den ihnen gebührenden Anteil zu entrichten
hatten, haben wir einen Plan, der von denjenigen
fordert, die in den achtziger Jahren am meisten profitiert haben und deren Steuern gesenkt wurden, jetzt
ihren gerechten Anteil zu bezahlen - nicht, weil wir
Erfolg bestrafen wollen, sondern weil es die amerikanische Art ist, jeden zu bitten, entsprechend seiner
Fähigkeiten zu zahlen. Das wird von der Mittelklasse
gefordert, und das ist eine Veränderung, die wir vornehmen.
Wo einstmals nationale Regierungen Schlagworte für
mittelständische Unternehmen hatten, haben wir jetzt
einen Wirtschaftsplan, der tatsächlich Anreize für
Unternehmen enthält, echte Arbeitsplätze zu schaffen
- etwas, das wir seit langer Zeit benötigten. Und diese
Bestrebungen, diesen Plan, so wie er durch den Kongreß gebracht wurde, zu verabschieden, waren eindeutig - wie der Vorsitzende der Notenbank vor nicht
allzulanger Zeit feststellte - die treibende Kraft bei der
Senkung der Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 Jahren. Dies bewirkt eine riesige Summe zur
Refinanzierung von Hypotheken für Eigenheime, Unternehmenskrediten - und wird zweifelsohne positive
Auswirkungen haben, die sich heute in neuen Investitionen und in naher Zukunft in neuen Arbeitsplätzen
niederschlagen.
Wo einstmals die staatlichen Ausgaben explodierten
selbst als die Investitionen in die Zukunft abnahmen,
haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan, der eine drastische Abkehr der Ausgabeprioritäten von verschwenderischen Investitionen, von verschwenderischen
Kürzungen ist und dennoch einige vernünftige, kluge
Investitionen vorsieht.
Früher haben sich unsere Wirtschaftsplaner im Weißen Haus auf rasche Lösungen für die nächste Wahl
konzentriert. Jedes Haushaltsdokument, das in dieses Gebäude gelangte, wurde von ernsthaften Experten beider Parteien abgelehnt. Sie wissen das so gut
wie ich. Es war nur ein politisches Dokument, um
sicherzustellen, daß sich der Präsident weiterhin gut
mit dem amerikanischen Volk verstand, statt ihm die
Wahrheit zu sagen und die harten Entscheidungen zu
treffen.

te, ohne irgendetwas zu unternehmen, um eine einzige
Person von der Sozialhilfe zu einem neuen Arbeitsplatz zu bringen, haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan,
der der erste Schritt einer langfristigen Strategie zur
Beendigung der Sozialhilfe wie wir sie kennen, ist. Die
gerechtfertigten Einkommenssteuerfreibeträge in diesem Plan werden für jeden Einsparungen mit sich
bringen, der mit Kindern 40 Stunden im Haushalt
arbeitet - das ist echte Arbeit, und wir werden sie
vergüten und Sie aus der Armut führen. Dies ist die
einschneidendste Sozialreform, die in diesem Land
seit einer Generation verabschiedet wurde. Und wir
verwirklichen sie durch das Steuersystem, indem wir
Arbeit vergüten.
Wo einstmals ein Präsident mit dem Hut in der Hand
auf internationale Wirtschaftkonferenzen wie die gehen mu ßte, an der ich gerade teilgenommen habe, und
dort sitzen mußte, während Teilnehmer aus anderen
Ländern die Vereinigten Staaten unablässig mit den
Worten kritisierten: "Wie können Sie von uns ein
Wachstum der Weitwirtschaft erwarten, wenn Sie ein
großes Defizit haben und Sie - ein wohlhabendes Land
- die Ersparnisse der ganzen Welt aufsaugen, die
Hälfte - oder zumindest ein Drittel - Ihrer öffentlichen
und privaten Verschuldung aus ausländischen Quellen finanzieren?" Ich hatte das Privileg, an einem G-7Treffen teilzunehmen, bei dem zum ersten Mal seit 10
Jahren die Vereinigten Staaten nicht kritisiert, sondern
zu ihrem ernsthaften Versuch beglückwünscht wurden, ihr Defizit zu reduzieren.
Eines steht fest, das ist es, was mir Handlungsspielraum verschafft hat - Ihre Maßnahmen zur Reduzierung dieses Defizits haben mir den Handlungsspielraum verschafft zu argumentieren, daß es an der Zeit
ist, diese Zölle zu senken und sie zum Bestandteil
eines internationalen Handelsabkommens zu machen, das in den kommenden Jahren Hunderttausende von Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich in diesem
Land schaffen wird.
Das von uns geschlossene Abkommen wird Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in den Vereinigten Staaten schaffen. Daran besteht kein Zweifel. Jeder kann
es sehen. Jeder, der es je studiert hat - es ist nicht wie
viele der Themen, die wir hier vorliegen haben, bei
denen es viele Diskussionen und Argumente gibt.
Jeder weiß, daß dies für die Vereinigten Staaten ein
gutes Geschäft ist - wir müssen es bis zum Jahresende
zum Bestandteil des weltweiten Handelsabkommens
machen, und wir haben eine gute Chance, es jetzt zu
tun, denn die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre
niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem
Haushalt im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu
sagen, wir tun das Unsere, tun Sie jetzt das Ihre.

Heute liegt Ihnen ein Wirtschaftsplan vor, der auf lange
Sicht angelegt ist, nicht nur bis zu nächsten Wahl. Wir
blicken auf die nächste Generation in der Hoffnung,
daß das amerikanische Volk bis zur nächsten Wahl Eines steht fest: Wir hätten diese Vereinbarung mit
erkennen wird, genau dies wurde getan. Wo einstmals Japan zur Veränderung unserer Handelsbeziehungen
die andere Partei Sozialhilfe als Prügelknaben benutz- niemals - niemals - erzielt, wenn ich nicht die Autorität
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AMERIKA DIENST 30

�gehabt hätte zu sagen - Ich weiß, daß Sie in den
achtziger Jahren den Handelsüberschuß, den Sie
hatten, in ein Investitionsdefizit verwandelten, indem
Sie viel von Ihrem Geld zurück in dieses Land leiteten
um uns zu helfen, unser Defizit zu finanzieren und eine
Explosion unserer Zinssätze zu verhindern. Wir bekommen dieses Problem jedoch derzeit in den Griff.
Wir tun das, worum Sie uns gebeten haben. Wir
reduzieren unser Defizit, investieren mehr in unsere
Wirtschaft, und unsere Produktivität steigt. Wir sind
wieder konkurrenzfähig. Jetzt müssen wir die Handelsregeln ändern. Wenn Sie - jedes Haus - nicht eine
Fassung dieses Haushalts verabschiedet hätten, wären
wir nicht in der Lage gewesen, dies zu tun. Genau dies
geschieht heute.

Genau dieses Argument habe ich von Beginn dieses
Prozesses an zu vertreten versucht. Ja, es wird
marginale Veränderungen geben. Ja, es hat bereits
marginale Veränderungen gegeben. Aber wir müssen
einen grundsätzlichen Wandel vollziehen. Welche
Elemente gehören zu diesem Wandel? Erstens müssen
wir die Kontrolle über unser wirtschaftliches Schicksal
erlangen, unser fiskalisches Haus in Ordnung bringen.
Dieses Defizit steckt wie eine Gräte im Hals Amerikas,
und wir sollten es in Angriff nehmen, indem wir einen
Plan verabschieden, der es um 500 Milliarden Dollar
abbaut.

Ich möchte sagen, wie sehr es mich bisweilen schmerzt,
daß dies zu einer Auseinandersetzung zwischen den
Ja, es ist schmerzhaft. Ja, es ist schwierig. Aber es ist Parteien geworden ist. Das habe ich nicht angestrebt.
Fortschritt. Es ist Wandel. Es wird einen Unterschied Ich hege immer noch die Hoffnung, daß einige der
bewirken. Und der Schwerpunkt liegt auf den langfri- wirklich gewissenhaften und verantwortungsbewußstigen Interessen der Bevölkerung dieses Landes. Wir ten Mitglieder der anderen Seite diesem Konferenzbesind bereits weit gekommen. Dies ist nicht die Zeit, um richt zustimmen werden, wenn er fertiggestellt ist. Ich
einen Rückzieher zu machen. Wir sind kühn gewesen. weiß, viele von ihnen sind der Auffassung, daß viel
Gutes darin steckt. Und wir haben offen gestanden
Dies ist keine Zeit für Ängstlichkeit. Wir sind diese
einige Veränderungen vorgenommen, die diese VorlaKrise frontal angegangen. Dies ist nicht der Zeitpunkt
ge in die Richtung bringen, die von den gemäßigteren
zurückzuweichen.
und verantwortungsbewußteren Mitgliedern der andeWir können diese Wirtschaftskonferenz mit einem ren Seite erbeten wurde.
Plan abschließen, der den Kongreß passieren und was am wichtigsten ist - dem kritischen Urteil des Ich werde mich jedoch nicht scheuen, das zu verteidiamerikanischen Volkes standhalten kann, wenn wir gen, von dem ich in meinem tiefsten Innern weiß, daß
es der Wirtschaft helfen wird, wenn es zum Ziel unehrgewährleisten, daß es weiß, was er beinhaltet. Während Sie sich durch die Vielzahl wichtiger Einzelheiten licher und unfairer Angriffe wird. Dies entspricht wohl
dieser massiven Wirtschaftskonferenz arbeiten, wür- dem Charakter unseres Berufs - aber irgendwann
de es uns gut anstehen, im Auge zu behalten, daß die sollte auch das zählen, was wirklich im Interesse des
Geschichte nicht festhalten wird, wer den Sieg in der amerikanischen Volkes liegt.
Arena technischer Einzelheiten davonträgt, die einen
Zum Schluß möchte ich sagen, wenn man weiß, daß
Großteil der Debatte ausmachen könnten.
man diesen Weg allein gehen mu ß und kaum Hilfe von
der
anderen Seite erwarten kann, dann besteht eine
Unsere Kinder und Enkel werden sich jedoch daran
schreckliche
Versuchung, nämlich nichts zu tun, oder
erinnern, ob wir ängstlich oder kühn waren. Sie
zumindest
eine
Zeitlang nichts zu tun. Und ich kann
werden sich entsinnen, ob wir Mut unter Beweis geIhnen
sagen,
der
Preis des Nichtstuns ist in politischer
steift haben oder vor dieser Herausforderung zurückund
ökonomischer
Hinsicht wesentlich höher als wenn
geschreckt sind. Sie werden sich daran erinnern, ob
man
heute
den
Preis
für den Fortschritt bezahlt.
wir uns einer Pattsituation und der Art von leicht
ausgesprochener Rhetorik gefügt haben, die unsere
Politik in den letzten Jahren immer stärker beherrscht
hat, oder ob wir regieren.
Ich bin mir bewußt, daß Kompromiß, Konsens und
Ausgleich das Gebot der Stunde sein müssen. Nichts
von solcher Schwierigkeit und Komplexität läßt sich
erreichen, ohne daß man unterschiedlichen Stimmen
und verschiedenen Ideen zuhört. Ich mache mir
jedoch keine Illusionen über die vor uns liegenden
Herausforderungen.
Gewiß, dies ist politisch schwierig und institutionell
anspruchsvoll. Das wiederum macht diese Herausforderung so reizvoll. Bedenken Sie folgendes: Nichts
wird irgendetwas wert sein, wenn wir am Schluß
weniger als einen grundlegenden Wandel präsentieren.
AMERIKA DIENST 30

Wir wurden gewählt, um zu regieren. Wir wurden
gewählt, um das Patt zu brechen. Ich weiß nicht, wie
viele Leute mir letztes Jahr erklärt haben, wenn Sie
mich in Rage bringen, dann tun Sie etwas. Tun Sie
etwas. Sorgen Sie für Bewegung. Bringen Sie uns da
heraus. Bringen Sie etwas zustande. Wenn wir
kneifen oder scheitern, um unser Mandat für den
Augenblick zu erhalten, würde die Reaktion darauf
weit stärker ausfallen als jede einzelne unpopuläre
Maßnahme im Rahmen dieser Bemühungen.
Wenn wir Erfolg haben und unsere Nation auf einen
neuen Kurs bringen... und dies wird am Tag nach der
Verabschiedung eines gemeinsamen Plans durch beide
Häuser geschehen ... werden die Bürger die Fakten
sehen, nicht den Nebel, sondern die Fakten darüber,

Seite 3

�was zu diesem Programm gehört. Die Realität wird
zum Vorschein kommen. Dann werden wir auf dem
Weg sein, um eine Volkswirtschaft aufzubauen, die
den Amerikanischen Traum wiederherstellt. Seit 20
Jahren sehen wir, wie er uns immer weiter entrückt.

Pflicht ignorieren, unser Haus in Ordnung zu bringen,
in unser Volk zu investieren und die Art von Programm
hervorzubringen, das uns ins 21. Jahrhundert führt.

Dieses Land vollbringt viele gute Dinge, die aufgrund
momentaner Unsicherheiten häufig unbeachtet bleiDer Wohlstand der Mittelschicht erreichte seinen ben. Der Privatsektor hatte einen enormen ProduktiHöhepunkt vor 20 Jahren, im Jahr 1973. Seither sind vitätszuwachs zu verzeichnen. Ihr Land produziert zu
alle Einkommenszuwächse dadurch entstanden, daß geringen Kosten Hunderte, ja Tausende qualitativ
die Menschen länger arbeiteten oder mehr Mitglieder hochwertige, billige Waren und Dienstleistungen, die
einer Familie beschäftigt waren. Seither gab es 20 uns helfen können, wenn wir Märkte öffnen können,
Jahre lang unterschiedliche, aber unzureichende wenn wir unser Haus in Ordnung bringen können,
Reaktionen auf die Herausforderungen der Weltwirt- wenn wir weiterhin die Qualifikationen unserer Menschaft. Und dann probierten wir in den letzten 12 schen verbessern können und wenn wir die speziellen
Probleme verschiedener Teile des Landes und verJahren eine Volkswirtschaft mit Sickereffekt aus, deschiedener
Teile der Wirtschaft in den Griff bekommen
ren Credo lautete, alles nach oben umzuschichten und
können.
Wir
können dies vollbringen. Wir brauchen
zu hoffen, daß es wieder unten investiert wird und dann
nicht
in
der
Klemme
zu bleiben, in der wir gegenwärtig
gut funktioniert.
stecken. Aber wir sind auf die eine oder andere Weise
Ich gehe davon aus, daß die Wahrheit irgendwo dazwi- zwei Jahrzehnte lang auf diesem Weg gewesen. Wir
schen oder jenseits der alten staatlichen Verhaltens- können nicht erwarten, ihn innerhalb von sechs Monamuster liegt. Wir können diese Krise nicht durch ten zu verlassen. Wir werden ihn jedoch nie verlassen,
Mehrausgaben überwinden. Die Regierung kann das wenn wir uns nicht bewegen. Wir können nicht einfach
amerikanische Volk nicht allein von dieser Krise befrei- herumsitzen und um Regen beten. So funktioniert das
en. Wir können aber auch nicht unsere fundamentale nicht.

*

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*

*

*

AMERIKA DIENST 30

�AUSSENPOLITIK
28. Juli 1993

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER REISE
NACH ASIEN, AUSTRALIEN, NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Bei den Vorbereitungen für seine Reise in den Fernen Osten, nach Australien und Nahost
stehen Außenminister Christopher zufolge regionale Sicherheitsfragen, Handelsangelegenheiten und der
Nahost-Friedensprozeß im Mittelpunkt der Themen, die er mit Vertretern in diesen Regionen erörtern werde.
Während einer Pressekonferenz skizzierte Christopher am 21. Juli 1993 die Tagesordnung seiner bevorstehenden Gespräche mit Politikern in aller Welt sowie andere drängende außenpolitische Fragen, darunter auch
Bosnien-Herzegowina und Somalia.
"Meine... Reise zum ASEAN und nach Australien", erklärte der Minister, "unterstreicht das Engagement unserer
Administration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben
hat."
Christopher äußerte, er hoffe, seine Mission in den Nahen Osten werde dazu beitragen "den Friedensprozeß
voranzutreiben", verwies jedoch darauf, Durchbrüche seien nicht zu erwarten.
Die Krise in Bosnien-Herzegowina bezeichnete Christopher als "das schwierigste diplomatische Problem der
Welt". Die Vereinigten Staaten unternähmen "alles in ihrer Macht und im Einklang mit unseren nationalen
Interessen Stehende", um die Lage dort zu verbessern.
Nachfolgend veröffentlichen wir Christophers Eingangserklärung bei der Pressekonferenz im Wortlaut.

Ich werde mit einer kurzen Eingangserklärung im
Hinblick auf meine morgen beginnende Reise anfangen.

bei der Reise, die ich morgen antreten werde, auf
diesen Fortschritten aufzubauen.

Ich sehe der Folgekonferenz zum ASEAN-Ministertreffen, an der ich in Singapurteilnehmen werde, sowie
den anschließenden gemeinsamen Treffen der Außen- und Verteidigungsminister in Australien erwartungsvoll entgegen. Meine auf den Besuch Präsident
Clintons folgende Reise zum ASEAN und nach Australien unterstreicht das Engagement unserer AdminiErstens Bekräftigung der amerikanischen Si- stration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der
cherheitsverpflichtung und des aktiven Engage- Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben hat.
ments in Asien;
Die Säulen dieser neuen pazifischen Gemeinschaft
zweitens die Öffnung von Weltmärkten und sind Fortschritte zu offeneren Volkswirtschaften und
Schaffung von Arbeitsplätzen;
verstärktem Handel, die Verpflichtung der Vereinigten
drittens die Unterstützung der Demokratie in der Staaten zur Aufrechterhaltung einer militärischen
Präsenz in Asien sowie die Unterstützung von Demoehemaligen Sowjetunion, in ganz Asien und
kratie und Menschenrechten. Eine wichtige Stoßrichweltweit.
tung unserer Außenpolitik wird darin bestehen, diese
An jeder dieser drei Fronten wurden gute Fortschritte Engagements in Asien zu stärken, und ein zentrales
erzielt. Unsere Herausforderung besteht nun darin, Anliegen wird sein, dieser Region, die für unsere

Zu Beginn dieses Monats fuhr Präsident Clinton zum
G-7-Gipfel und zu Gesprächen mit den Japanern nach
Tokio und anschließend - wie Sie alle wissen - nach
Seoul. Seine Ziele bei dieser Reise waren klar definiert
und lauteten folgendermaßen:

AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�künftige Sicherheit und unseren Wohlstand von solch unsere wirtschaftlichen Bande stärken. Australien hat
großer Bedeutung ist, große Aufmerksamkeit zu schen- bei vielen asiatisch-pazifischen Fragen von Kambodken.
scha über die Uruguay-Runde bis zur APEC eine
Führungsrolle gespielt.
Die ASEAN-Staaten und andere Länder Asiens haben
multilaterale Sicherheitsgespräche eingeleitet, um Fragen des regionalen Friedens und der Stabilität
Frieden und Stabilität in der Region zu fördern. Die werden auch den letzten Teil meiner Reise, einen
Vereinigten Staaten erwarten, sich aktiv daran zu Besuch im Nahen Osten, beherrschen. Ich habe
beteiligen und diese Fragen bei unserer Konferenz in beschlossen, zu diesem Zeitpunkt in den Nahen Osten
Singapur zu erörtern. Diese regionalen Sicherheits- zu fahren, weil es wichtig ist, den Friedensprozeß
dialoge werden unsere militärische Vornestationie- voranzutreiben.
rung und die bilateralen Bindungen, die Amerika in
dieser Region aufgebaut hat, ergänzen aber nicht Wir sind derzeit und auch in Zukunft kein Ersatz für
direkte Verhandlungen, aber unsere Rolle hat sicherablösen.
lich grundlegenden Charakter.
Die ASEAN-Staaten haben beim historischen und
immer noch risikoreichen Übergang zur Demokratie in Wir sollten uns alle erinnern, daß viel geschehen
Kambodscha eine entscheidende Rolle gespielt. Ich mußte, bevor die Schranken niedergerissen wurden,
werde die ASEAN-Mitglieder auffordern, ihre stand- und wir waren in der Lage, die Schranken zu überwinhafte Unterstützung dieses Prozesses in Kambodscha den und die bilateralen Gespräche aufzunehmen. Heute
bemühen wir uns, den Parteien bei der Überwindung
ebenso wie wir weiterhin aufrechtzuerhalten.
von Hindernissen für substantielle Vereinbarungen zu
Während des ASEAN-Treffens werde ich mehrere helfen. Dies wird sich nicht unmittelbar aus einer
wichtige bilaterale Gespräche führen, zum Beispiel mit einzelnen Reise meinerseits ergeben, aber meine
den Außenministern von Rußland, Japan, China und zeitweilige Präsenz in der Region kann gemeinsam mit
Vietnam, mit den ASEAN-Staaten und deren Dialog- der Präsenz von Dennis Ross und seinem Team dazu
beitragen, das Fundament für künftige Fortschritte zu
partnern.
legen. Sicherlich müssen noch schwierige EntscheiDanach werde ich, wie bereits erwähnt, zum jährlichen dungen getroffen werden, und wir ermutigen zu solamerikanisch-australischen Ministertreffen nach Au- chen Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen,
stralien reisen. Australien ist einer unserer engsten wenn wir Fortschritte auf dem Weg zum Frieden in
Verbündeten, und unsere Konsultationen mit diesem dieser Region erzielen wollen, die allzulange keinen
Land werden sowohl unsere militärischen als auch Frieden gehabt hat.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

�NICHTVERBREITUNG
28. Juli 1993

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT
DER US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN
SINGAPUR - (AD) - Außenminister Christopher zufolge steht "an oberster Stelle der (amerikanischen)
sicherheitspolitischen Tagesordnung die Notwendigkeit für starke internationale Bestrebungen zur Bekämpfung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme".
In einer am 26. Juli 1993 beim Ministerfolgetreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN)
abgegebenen Erklärung betonte Christopher: "Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster Stelle zu
strengen und effektiven weltweiten Regeln zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen."
"Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheidung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests bis
September 1994 getroffen - solange auch andere Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem Grund
verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Aushandlung eines umfassenden multilateralen Vertrags über das
Verbot von Atomtests. Und deshalb werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, die Vereinigten jedoch stets der Tatsache erinnern, daß Sicherheit an
Staaten beim Ministerfolgetreffen des ASEAN vertre- ersterStelle kommt." Ich möchte eindeutig klarstellen,
ten zu dürfen.
die Vereinigten Staaten werden sich in Asien weiterhin
aktiv engagieren. Amerika ist und bleibt eine asiatischWährend seiner Asienreise Anfang dieses Monats hat pazifische Macht. Wir werden unsere feierlichen
der Präsident die Vereinigten Staaten zur Zusammen- Vertragsverpflichtungen einhalten, unsere Vornepräarbeit mit den asiatischen Nationen verpflichtet, um sertz fortsetzen und mit den Nationen der Region
eine "neue pazifische Gemeinschaft" zu gründen, "die zusammenarbeiten, um ein friedliches und sicheres
auf gemeinsamer Stärke, gemeinsamem Wohlstand Asien zu bewahren. Wir werden dies tun, weil es im
und der gemeinsamen Verpflichtung zu demokrati- Interesse der Vereinigten Staaten und seiner asiatischen Werten aufbaut". Die ASEAN-Nationen - und schen Partner liegt.
dieses Folgeforum des Ministertreffens - müssen bei
der Erarbeitung der Vision einer neuen pazifischen An oberster Stelle der (amerikanischen) sicherheitsGemeinschaft eine entscheidende Rolle spielen.
politischen Tagesordnung (steht) die Notwendigkeit
für starke internationale Bestrebungen zur BekämpHeute möchte ich Ihnen meine Gedanken über die fung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
Herausforderungen vermitteln, mit denen wir uns in und ihrer Trägersysteme.
drei Bereichen konfrontiert sehen - Sicherheit, Wirtschaftspolitik und Demokratie. Darüber hinaus möch- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster
te ich mit Ihnen Wege sondieren, wie wir durch Zusam- Stelle zu strengen und effektiven weltweiten Regeln
menarbeit erfolgreich die globalen, regionalen und zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen.
nationalen Dimensionen dieser Herausforderungen Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheiansprechen können.
dung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests
bis September 1994 getroffen - solange auch andere
Sicherheit
Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem
Grund verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Um Präsident Clintons Worte vor der koreanischen
Aushandlung eines umfassenden multilateralen VerNationalversammlung zu zitieren: "Wir müssen uns
trags über das Verbot von Atomtests. Und deshalb
AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen.
Entsprechend sind der Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag und die uneingeschränkte Einhaltung der IAEOSicherheitsbestimmungen sowie der Nord-Süd-Entnuklearisierungserklärung durch Nordkorea unabdingbar. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, eine
atomwaffenfreie nordkoreanische Halbinsel anzustreben. Wie Sie wissen, führen wir intensive Gespräche
mit Nordkorea mit dem Ziel, es in das Gefüge der
nuklearen Verantwortung zurückzuführen. Die jüngsten Gespräche in Genf markierten drei weitere Schritte zur Lösung dieser Probleme. Nordkorea wird Konsultationen mit der IAEO über anhängige Sicherheitsfragen aufnehmen. Nordkorea hat sich verpflichtet,
atomare und andere Themen mit Südkorea zu erörtern. Und Nordkorea hat seine Bereitschaft angekündigt, auf Reaktoren umzurüsten, die sehr viel weniger
zur Produktion von Nuklearwarfenmatehal geeignet
sind. Wir sind zu kontinuierlichen Fortschritten für eine
Lösung des Nuklearproblems entschlossen und werden unseren Dialog mit Nordkorea fortsetzen, solange
er konstruktiv ist. Unsere Wachsamkeit wird erst mit
Nordkoreas uneingeschränkter Einhaltung seiner
Verpflichtungen nachlassen.

verweisen, Frieden und Demokratie für die seit langem
leidenden Menschen in Kambodscha herbeizuführen durch Diplomatie, Stationierung von Einheiten und die
Bereitstellung von Gerät.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin mit Ihnen
und anderen zusammenarbeiten, um eine vielversprechendere Zukunft für das kambodschanische Volk zu
gewährleisten. Seit 1986 haben wir rund 200 Millionen
Dollar für humanitäre Hilfsleistungen bereitgestellt, um
den dringendsten Bedarf in Kambodscha zu decken.
Wir haben über 500 Millionen Dollar für die UN-Friedensmission in Kambodscha beigesteuert. Wir haben
uns zu weiterer Hilfe bei der schwierigen Aufgabe
verpflichtet, das Land wiederaufzubauen.

Auf regionaler Ebene hat die Dynamik nach dem
Kalten Krieg radikale Verlagerungen des althergebrachten Kräftegleichgewichts bewirkt. Eine neue
pazifische Gemeinschaft muß ein neues regionales
Gleichgewicht herstellen, das Stabilität, regionale
Rüstungskontrolle und die friedliche Beilegung von
Konflikten fördert. Der ASEAN ist sich bewußt - und
die Vereinigten Staaten unterstützen dies uneingeschränkt - daß wir einen neuen regionalen Sicherheitsdialog benötigen, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. Dieses Forum ist in dieser Hinsicht
Eine zweite große Herausforderung ist die Verbreitung besonders vielversprechend. Asien ist nicht Europa.
Die neunziger Jahre sind nicht der Kalte Krieg. Daher
von chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen sowie ihrer Trägerraketen. Dies stellt ein streben wir gemeinsam nicht die Bildung von Blöcken
wachsendes Problem für Asien dar, weil die wirtschaft- gegen einen gemeinsame Bedrohung an, sondern
lichen und technologischen Entwicklungen bedeuten, vielmehr intensivierte Gespräche unter den Nationen,
daß die Region jetzt Chemikalien, moderne Elektronik die über die Intentionen des anderen besorgt sind.
sowie andere Produkte und Dienstleistungen herstellen kann, die die Verbreiter wollen, die jedoch heute Unter Berufung auf einen Wandel in der amerikanivon Europa und den Vereinigten Staaten verweigert schen Politik hat Präsident Clinton vor der koreaniwerden. Asien ist in einem Stadium, in dem seine schen Nationalversammlung Anfang dieses Monats
Beteiligung an internationalen Abkommen und die bekanntgegeben, daß wir uns aktiv an einem regionaSchaffung von Exportkontrollregimen äußerst wichtig len Sicherheitsdialog mit Asien beteiligen werden.
Unseres Erachtens können solche Gespräche unsere
ist. Die Vereinigten Staaten werden in absehbarer
Zukunft neue Bestrebungen zur Verwirklichung dieser bilateralen Beziehungen ergänzen, zum Abbau von
Ziele in die Wege leiten. Wir sehen der Zusammenar- Spannungen beitragen, Offenheit und Transparenz
vergrößern und einen destabilisierenden Rüstungsbeit mit Ihnen allen erwartungsvoll entgegen.
wettlauf verhindern. Diese Dialoge sollten daher
Eine andere sicherheitspolitische Herausforderung, umfassend sein: Die Vereinigten Staaten begrüßen
der wir uns gegenübersehen, ist die Notwendigkeit, die progressive Integration von China und Rußland
sowie anderer Nationen in diesen Rahmen des ASEANdurch kollektives Engagement auf die Konflikte weltMinisterfolgetreffens. Präsiden Clinton hat erklärt:
weit zu reagieren. Diese Herausforderung der Friedenssicherung - an Orten wir Bosnien, Somalia und "Diese Arrangements können funktionieren wie einanKambodscha - erfordert eine globale Reaktion, und die der übertappende Panzerplatten... und zusammen die
asiatischen und pazifischen Nationen haben eine lebens- Gesamtheit unserer gemeinsamen Sicherheitsanliegen abdecken." Ich möchte jedoch betonen, daß
wichtige Rolle zu spielen.
regionale Sicherheitsdialoge in keiner Weise BündnisDer ASEAN hat besonders wertvolle Beiträge zum se der Vereinigten Staaten oder ihre Vornepräsenz in
regionalen Frieden geleistet. Seit seiner Gründung im Asien überflüssig machen. Sie sind vielmehr ErgänJahr 1967 war der ASEAN eine Kraft für regionale zungen, um ein friedliches und stabiles Asien in der
Stabilität und Zusammenarbeit. Ich möchte vor allem Zeit nach dem Kalten Krieg sicherzustellen.
auf seine zentrale Rolle bei den mutigen Bestrebungen

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AMERIKA DIENST 30

�Wohlstand
Ich möchte mich nun der wirtschaftlichen Dimension
zuwenden.
Als Außenminister bin ich der Ansicht, daß unsere
Fähigkeit zur Einhaltung vitaler Sicherheitsverpflichtungen durch die Erneuerung der wirtschaftlichen Stärke
Amerikas im In- und Ausland nachhaltig gefördert wird.
Langfristig wird nur ein gesundes, selbstsicheres Amerika
in der Lage und bereit sein, sich positiv in Asien zu
engagieren.
Unter der Führung Präsident Clintons hat Amerika
wieder verantwortungsbewußt die Leitung seiner Volkswirtschaft übernommen und spielt erneut eine führende Rolle bei weltweiten wirtschaftlichen Themen. Die
Reduzierung unseres Haushaltsdefizits um 500 Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre ist in
greifbare Nähe gerückt. Wir ergreifen die erforderlichen harten Maßnahmen beim Defizit sowie in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Wettbewerbsfähigkeit, und wie wir beim G-7-Gipfel festgestellt haben, nimmt der Rest der Welt davon Notiz.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ein vollwertiger
Partner in einer neuen pazifischen Gemeinschaft zu
sein. Vierzig Prozent des amerikanischen Handels
werden heute mit Asien abgewickelt und sichern 2,3
Millionen amerikanische Arbeitsplätze. Noch vor einem Vierteljahrhundert betrug der gesamte amerikanische Handel mit ganz Ostasien weniger als der mit
Lateinamerika - und unser Handel mit den ASEANStaaten war nur ein Bruchteil davon. Im vergangenen
Jahr erreichte unser transpazifischer Handel in beiden
Richtungen 325 Milliarden Dollar - dreimal soviel wie
mit Lateinamerika und nahezu 50 Prozent mehr als
unser Handel mit Westeuropa. Der ASEAN ist heute
unser viertgrößter Handelspartner.
Keine Region ist abhängiger vom Handel als Asien und für keine Region steht beim Erfolg der weltweiten
Handelsliberalisierung mehr auf dem Spiel. Die asiatischen Nationen haben die Vereinigten Staaten gebeten, ihren Markt offen zu harten - und wir sind entschlossen, dies zu tun. Die asiatischen Nationen
haben Amerika gebeten, sich weiterhin in der Region
zu engagieren - und wir sind entschlossen, dies zu tun.
Damit das amerikanische Volk jedoch die Vorzüge
eines solchen Engagements zu würdigen weiß, müssen die asiatischen Märkte für amerikanische Waren
und Dienstleistungen offen sein.
Teilweise dank der Arbeit des jüngsten G-7-Gipfels
besteht ein erneuertes Gefühl der Dringlichkeit beim
Streben nach offeneren Märkten. Die Staats- und
Regierungschefs erzielten eine wichtige Vereinbarung
über Zollsenkungen in der Uruguay-Runde. Der ASEAN
und seine Dialogpartner können einen unmittelbaren
und konstruktiven Beitrag zum Werthandelssystem
leisten, indem sie den beim G-7-Gipfel erzielten Durchbruch beim Marktzugang unterstützen - und indem sie
AMERIKA DIENST 30

sich anderen Staaten beim Streben nach einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde in diesem Jahr
anschließen. Diese Region kann beim erfolgreichen
Abschlußder Runde viel gewinnen und beim Scheitern
der Verhandlungen viel verlieren.
Unser Glaube an die Vorteile der Handelsliberalisierung liegt unserem Engagement für das APEC (Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit) als Eckpfeiler der regionalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zugrunde. Mit der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Welt kann das APEC einen
Schwerpunkt beim Aufbau einer neuen pazifischen
Gemeinschaft bilden - und es wird den Rahmen für die
Ausweitung der Handels- und Investitionsströme durch
die asiatisch-pazifische Region bereitstellen.
Wir sehen der Ausrichtung des APEC-Ministertreffens
in Seattle diesen November erwartungsvoll entgegen.
Ich hoffe, Sie werden gemeinsam mit mir dieses Treffen dazu benutzen, einen Handels- und Investitionsrahmen für marktorientierte Maßnahmen zu verabschieden, dem Privatsektor eine stärkere Rolle einzuräumen und das APEC als Institution zu stärken.
Wie Sie wissen, würde Präsident Clinton es begrüßen,
wenn seine APEC-Kollegen unmittelbar nach dem
Ministertreffen mit ihm gemeinsam an einem ruhigen
Ort die wirtschaftlichen Herausforderungen erörterten,
die wir bewältigen müssen, um die Vision einer neuen
pazifischen Gemeinschaft zu verwirklichen. Der Präsident geht davon aus, daß wir für unsere wirtschaftlichen Probleme kooperative Lösungen finden müssen
- wie das Wachstum aufrechterhalten, Arbeitsplätze
geschaffen, die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrien
und der Lebensstandard aller unserer Bürger verbessert werden können. Ich hoffe, Ihre Regierungschefs
werden einer Teilnahme zustimmen.
Demokratie
Unsere Erfolge in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft haben einen starken neuen Impuls für Freiheit
und Demokratie hervorgebracht. Präsident Clinton hat
dazu erklärt: "Erweiterter Handel und offenere Volkswirtschaften bereichern die Menschen nicht nur, sondern geben ihnen auch mehr Macht." Durch die
Förderung freier Märkte stärken wir freie Gesellschaften sowie regionalen Frieden und Stabilität.
Demokratien sind nicht nur ein moralisches Gebot. Sie
sind eine praktische Notwendigkeit. Demokratien
bedrohen nicht ihre Nachbarn. Sie praktizieren keinen
Terrorismus. Sie bringen keine Flüchtlinge hervor. Sie
gehen auf die Bedürfnisse ihrer Bürger ein - und
erzielen damit mehr Stabilität und Wohlstand für alle.
Wir respektieren die religiösen, sozialen, politischen
und kulturellen Charakteristika, die jedes Ihrer Länder
einzigartig machen. Wir waren erfreut darüber, daß
alle unsere Länder trotz unterschiedlicher Perspektiven in der Lage waren, sich vergangenen Monat bei
Seite 3

�der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien darauf
zu einigen, daß die Menschenrechte universell sind.
Kulturelle, soziale und andere Unterschiede können
die Verweigerung dieser Rechte nicht rechtfertigen.

von der universellen Anziehungskraft von Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit ablegen. Vergangene Woche
erinnerte Präsident Clinton an den vierten Jahrestag
der Inhaftierung der mutigen burmesischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San
Einige haben argumentiert, die Demokratie sei für Suu Kyi. Er erneuerte seine Forderung an die burmeAsien irgendwie ungeeignet und unsere Betonung der sische Militärführung, "die Nobelpreisträgerin Aung
Menschenrechte sei eine Maske für westlichen Kultur- San Suu Kyi und alle anderen politischen Gefangenen
imperialismus. Sie haben ganz und gar unrecht. bedingungslos freizulassen, die Ergebnisse der WahTatsächlich ist die Demokratie im letzten Jahrzehnt len von 1990 zu respektieren und echte demokratische
überall in Asien gestärkt worden - in Taiwan und Korea, Reformen durchzuführen".
auf den Philippinen und in Thailand, in der Mongolei
und andernorts. Das Verlangen nach mehr Freiheit ist Ebenso wie in der übrigen Welt ist in Asien die Freiheit
kein Export des Westens, es ist ein menschlicher mit Entwicklung, Wohlstand und der Verbreitung
Instinkt.
marktwirtschaftlicher Prinzipien verbunden. Unsere
gemeinsame Arbeit und unsere gemeinsamen demoDie ASEAN-Staaten haben eine entscheidende Rolle kratischen Werte werden im kommenden Jahrhundert
beim demokratischen Übergang in Kambodscha geein noch stärkeres Band zwischen Amerikanern und
spielt. Eine 90prozentige Beteiligung an der jüngsten Asiaten knüpfen.
Wahl in Kambodscha ist angesichts von Gewalt und
Einschüchterung Zeugnis vom Mut des kambodschaIn Anerkennung dessen, was wir bisher erreicht hanischen Volkes. Diese Wahlbeteiligung ist darüber ben, gehe ich davon aus, daß wir die Vision einer
hinaus ein Beweis für den Wert hartnäckiger - gemein- neuen pazifischen Gemeinschaft, einer Gemeinschaft
samer - Bemühungen in dieser Frage. Selbst auf dem freier Völker und Nationen verwirklichen können, die
unfruchtbaren Terrain, das einst ein "Feld des Todes" stark genug ist, um Asien und den Pazifik in ein neues
war, schlägt die Demokratie Wurzeln. Die internatio- Zeitalter von Frieden, Wohlstand und Freiheit zu fühnale Staatengemeinschaft muß jedoch engagiert und ren.
wachsam bleiben und den Kambodschanern helfen,
sich eine friedliche und wirtschaftlich blühende Zukunft Meine Delegation und ich sehen den Gesprächen
dieser Folgekonferenz erwartungsvoll entgegen.
zu sichern.
In ganz Asien gibt es vorausschauende und mutige
Personen, deren Leben und Worte beredtes Zeugnis
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AMERIKA DIENST 30

�BALKAN
28. Juli 1993

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im USAußenministerium, Stephen Oxman, hat am 21. Juli 1993 bei einer Anhörung der KSZE-Kommission zum
Thema "Der Jugoslawienkonflikt: Das Potential einer Ausweitung auf dem Balkan" eine Stellungnahme
abgegeben, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Vorsitzender, Herr Ko-Vorsitzender, ich möchte
Ihnen für die Gelegenheit danken, heute vor dieser
Kommission eine Stellungnahme zur Möglichkeit einer
Ausweitung des Bosnienkonflikts und im allgemeineren zu den Auswirkungen dieses Konflikt auf den
Balkan abzugeben.
Wie Sie wissen, ist die Verhütung eines größeren
Balkankrieges seit jeher eines der Hauptziele dieser
Administration. Der Balkan ist nach wie vor das
Pulvorfaß Europas. Wenn der derzeitige Konflikt auf
den Kosovo oder Makedonien oder ein anderes Gebiet
übergreifen würde, könnte dies die gesamte Region
destabilisieren. Andere Länder, darunter auch Verbündete in der NATO, könnten in die Kämpfe hineingezogen werden, was schwerwiegende Konsequenzen
für die europäische Sicherheit haben könnte. Schließlich würde ein größerer Konflikt die Bemühungen der
Balkanstaaten zurückwerfen, Demokratien und Marktwirtschaften aufzubauen.
In meinen Ausführungen werde ich zunächst die Wege
erörtern, auf denen sich der gegenwärtige Konflikt
ausbreiten und warum ein größerer Konflikt wichtige
amerikanische Interessen berühren könnte. Ich werde
sodann erläutern, welche Schritte von den Vereinigten
Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft
unternommen werden, um eine Ausweitung der Kämpfe zu verhindern. Schließlich werde ich beschreiben,
was wir tun, um die umfassenderen Tendenzen zu
Demokratie und freien Märkten in der Region zu fördern.
Die Möglichkeit einer Ausbreitung ergibt sich aus der
ethnischen Geographie des Balkans. Die BalkanNationen sind nicht homogen, sondern enthalten verAMERIKA DIENST 30

mischte ethnische, religiöse und nationale Gruppen.
Wie die serbischen Nationalisten uns ständig in Erinnerung rufen, gibt es Serben in Kroatien, Bosnien und
Makedonien ebenso wie in Serbien. Es gibt Ungarn in
Serbien und Rumänien, Albaner leben in Serbien und
Makedonien, und ich könnte noch weitere Beispiele
anführen.
Das ethnische Pulverfaß kann gezündet werden, wenn
politische Führer die Flammen des Nationalismus und
Separatismus anfachen. Rufe nach einem Großserbien gründen sich beispielweise auf die Behauptung,
serbische Minderheiten könnten nur durch die Union
mit dem eigentlichen Serbien geschützt werden. Wir
sind der Auffassung, daß die Rechte nationaler Minderheiten geschützt und gewahrt werden müssen, und
wir lehnen jeden Versuch ab, nationale Grenzen
gewaltsam zu verändern. Unsere Politik in dieser
geschundenen Region muß die mächtigen emotionalen Auswirkungen berücksichtigen, die solche Rufe
nach ethnischer Solidarität verursachen können.
Ich möchte Ihnen den neuesten Stand in den Gebieten
erläutern, in denen sich der Konflikt ausbreiten könnte:
Kroatien
Die Bedrohung in Kroatien geht nicht von einer Ausweitung des Konflikts im eigentlichen Sinne, sondern
von einer möglichen Intensivierung des Konflikts zwischen der kroatischen Regierung und den kroatischen
Serben in der Krajina aus, die rund ein Viertel des
Landes kontrollieren. Wie Sie sich erinnern werden,
gab es 1991 erbitterte Kämpfe zwischen den Serben
und Kroaten. Die internationale Staatengemeinschaft
hat - bis heute ohne viel Erfolg - versucht, eine SchlichSeite 1

�tungslösung zu vermitteln, obwohl internationale Vermittlungsbemühungen zumindest für den Augenblick
dazu beigetragen haben, am vergangenen Wochenende eine Krise zu entschärfen, als die kroatische
Regierung eine Brücke wiedereröffnete, die Süddalmatien mit dem Rest des Landes verbindet. Präsident
Tudjman hat unlängst zugestimmt, das Mandat der
UN-Friedenstruppe in Kroatien für weitere drei Monate
zu verlängern. Die Lage ist jedoch nach wie vor
äußerst gespannt, und umfassende Kämpfe könnten
jederzeit ausbrechen.

gesetzlichen Schutzes und fühlen sich deshalb verwundbar für Drohungen und Gewalt.

Kosovo und Makedonien

Alle diese Situationen enthalten das Potential für einen
größeren Konflikt, der auf vielfältige Art und Weise
Auswirkungen auf die europäische Sicherheit und
amerikanische Interessen haben könnte:

Unsere Hauptsorge im Kosovo ist, daß die serbische
Regierung entweder zur Förderung der "ethnischen
Säuberung" oder als Reaktion auf Provokationen albanischer Nationalisten im Kosovo mit Gewalt vorgehen
könnte. Kämpfe könnten ferner von extremistischen
Gruppen serbischer Nationalisten ausgelöst werden,
die Operationsbasen in der Region unterhalten. Gewalt
könnte einen Flüchtlingsstrom nach Makedonien hervorbringen, dieses Land in Unruhe stürzen und destabilisieren. Kampfhandlungen im Kosovo könnten ferner auf Makedonien und Albanien übergreifen, wenn
sich Kombattanten zurückziehen oder jenseits der
Grenzen Zuflucht in diesen Ländern suchen, beziehungsweise wenn Angehörige der albanischen Volksgruppe aus der Region versuchen, ihren Brüdern im
Kosovo zu helfen. Schließlich können wir die Möglichkeit einer serbischen Invasion in Makedonien unter
dem Vorwand, die serbische Minderheit dort schützen
zu wollen, nicht völlig ausschließen.
Die Atmosphäre im Kosovo erscheint heute jedoch
stabil, wenn auch gespannt. Obwohl wir nicht davon
ausgehen, daß Gewalttaten unmittelbar bevorstehen,
könnte ein unerwartetes Ereignis doch jederzeit eine
Explosion auslösen. Die Zahl potentiell gefährlicher
Vorfälle hat in den vergangenen Wochen zugenommen, nachdem Serbien seine Absicht zur Beendigung
der Beobachtermission der KSZE bekanntgab. Ich
werde später noch auf die Bemühungen eingehen, die
Serben umzustimmen und die Beobachtermission
fortzusetzen.
Sandschak und Vojvodina

Bisher sind die Maßnahmen der Serben in der Vojvodina und im Sandschak nicht in großem Stil durchgeführt worden. In beiden Regionen sind wir jedoch
besorgt, daß die derzeitigen Aktivitäten lediglich das
Vorspiel einer aggressiveren Kampagne der ethnischen Säuberung darstellen. Tatsächlich sind viele
Mitglieder von Minderheitengruppen in beiden Regionen bereits geflohen.

Flüchtlinge könnten vor ausufernden Gewalttaten in Nachbarstaaten fliehen. Es gibt bereits
über 2,5 Millionen Flüchtlinge aus den Ländern
des ehemaligen Jugoslawien. Ein neuer Flüchtlingsstrom würde die begrenzten Ressourcen
der Balkanländer belasten und könnte einen
destabilisierenden Einfluß ausüben.
Nachbarstaaten könnten hineingezogen werden, um ihre ethnischen Brüder direkt oder
indirekt zu schützen, oder sie könnten versucht
sein, sich den Aufruhr zunutze zu machen, um
territoriale Gewinne zu erzielen. Eine Ausbreitung der Kämpfe in dieser Region, in der auch
zwei unserer NATO-Partner liegen, wäre fürdie
europäische Sicherheit äußerst gefährlich.
Eine Ausweitung des Konflikts könnte den
anderen Balkanstaaten den Todesstoß versetzen, die zur Zeit versuchen, den schwierigen
Übergang zu multiethnischen, demokratischen
Staaten zu vollziehen. Ich werde gleich noch
auf diesen Punkt zurückkommen.
Wenn es uns nicht gelingt, einen größeren Konflikt
zu verhindern, würden sich mögliche Aggressoren, Fanatiker und extreme Nationalisten ermutigt fühlen, Gewalt in anderen Gebieten anzufachen, und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten
Staaten und der internationalen Völkergemeinschaft könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Sandschak und die Vojvodina sind derzeit weniger
explosiv als der Kosovo und Kroatien. In beiden
Aufgrund dieser Gefahren haben die VereinigRegionen sind Bevölkerungsminderheiten jedoch
ten Staaten im Alleingang und durch internatioSchikanen und Einschüchterungsversuchen der Sernale Organisationen wie die Vereinten Nationen
ben ausgesetzt. So war zum Beispiel im Sandschak
und die KSZE an mehreren Fronten gehandelt,
die Minderheit der Muslime Ziel von Prügeleien und
um eine Ausbreitung zu verhindern.
Schußwaffengebrauch durch örtliche Vertreter der
Serben und paramilitärischer Gruppen. In der Vojvo- Im Kosovo:
dina fand eine "stille" ethnische Säuberung gegen die
Wir haben die serbischen Behörden aufgeforungarische Volksgruppe statt. Daß die serbischen
dert, die Unterdrückung der albanischen MinBehörden das Personal von Polizei und Justiz auf
derheit einzustellen, die Anwendung von Gelokaler Ebene in der Vojvodina durch Serben ersetzt
walt zu vermeiden und die Autonomie der Rehaben, empfinden die Ungarn in der Region als Verlust

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AMERIKA DIENST 30

�gion wiederherzustellen. Wir sind ferner mit
dem politischen Vertreter der Albaner im Kosovo, Dr. Rugova, zusammengetroffen, um unsere öffentlich bekundete Ablehnung der vollständigen Unabhängigkeit des Kosovo zu bekräftigen.

Die KSZE-Mission hat auch im Sandschak und der
Vojvodina operiert. Wenn die Mission beendet ist,
werden die Beobachter diese Regionen ebenfalls
verlasssen. Unsere Bestrebungen zielen darauf ab,
Milosevic dazu zu bewegen, auch den weiteren Verbleib dieser Beobachter zu gestatten.

Ich möchte mich jetzt Makedonien zuwenden. Vor
einigen Wochen hatte ich das Privileg, den Kongreß
über die Entscheidung des Präsidenten zu unterrichten, amerikanische Streitkräfte zur Verstärkung des
Kontingents der Vereinten Nationen in Makedonien
Wir haben Milosevic gewarnt, daß wir bereit anzubieten. Die Stationierung dieser Streitkräfte ist
sind, auf einen von serbischen Handlungen aus- jetzt abgeschlossen. Rund 330 amerikanische Soldagelösten Konflikt im Kosovo zu reagieren.
ten sind zu den bereits in Makedonien stationierten 700
nordischen UNPROFOR-Truppen gestoßen.
Wir haben die KSZE-Langzeitmission in Serbien-Montenegro angeregt, unterstützt und uns Nach einmonatiger Ausbildung werden unsere Trupdaran beteiligt. Bis vor kurzem befanden sich 10 pen regelmäßig an die Grenze zwischen Makedonien
KSZE-Beobachter, davon vier Amerikaner, im und dem Kosovo entsandt, um die Grenze auf destaKosovo. Wie Sie wissen, haben wir im Gemein- bilisierende Aktivitäten hin zu überwachen und Sanksamen Aktionsprogramm eine Aufstockung der tionsverletzungen auszumachen. Aufgrund der derZahl von Beobachtern gefordert. Die serbische zeitigen Situation sind wir nicht der Auffassung, daß
Regierung hat jedoch kürzlich angedeutet, sie unsere Truppen drohenden Feindseligkeiten ausgewerde die Mission beenden.
setzt sind. Ihre Präsenz sollte jedoch als Abschrekkung für eine Ausweitung des Konflikts dienen.
Die internationale Staatengemeinschaft ist überzeugt,
daß die KSZE-Beobachtermission fortgesetzt und die Seit September hat die KSZE darüber hinaus eine
Zahl der Beobachter erhöht werden sollte. Die Prä- Langzeitmission in Skopje unterhalten, um die Spansenz der Beobachter hat eine beträchtliche Abnahme nungen zu entschärfen und die Situation auf dem
der Menschenrechtsverletzungen zur Folge gehat, Boden zu überwachen. Die Vereinigten Staaten hainsbesondere Schikanen und Brutalität seitens der ben den Leiter dieser Mission gestellt, seit sie ins
Polizei. Weil die Beobachter Beschwerden schnell Leben gerufen wurde.
und unparteiisch prüfen, entschärfen sie Spannungen
und verhindern, daß Funken zu Feuern werden. Die In Kroatien sind seit Mitte 1992 ungefähr 13.000 UNBeobachter haben der internationalen Staatengemein- Schutztruppen stationiert. Das Mandat dieser Schutzschaft auch ihre "Augen und Ohren" im Kosovo gelie- truppen wurde vor kurzem mit Zustimmung der kroatihen, um angebliche Menschenrechtsverletzungen zu schen Regierung für weitere drei Monate verlängert.
verifizieren oder zu widerlegen.
Obwohl die UNPROFOR-Truppen die Kämpfe nicht
vollständig beenden oder eine friedliche WiederherSie wissen wahrscheinlich, daß Außenminister Chri- stellung der kroatischen Oberhoheit über die von den
stopher eine Botschaft an Präsident Milosevic übermit- kroatischen Serben gehaltenen Gebiete bewirken
telt hat mit der Aufforderung, die Mission zu verlängern konnten, ist ihnen eine Eingrenzung der Kämpfe geund einer maßgeblichen Erhöhung der Anzahl von lungen. Dennoch dauern der bewaffnete Konflikt und
Beobachtern zuzustimmen. Der Minister hat Milosevic die Bombardierungen an, und die Situation ist nach wie
gegenüber erklärt, sollte er die Mission nicht verlän- vor sehr unsicher.
gern, würde dies von unserer Seite als äußerst ernst
angesehen. Andere Länder, einschließlich Rußlands Schließlich ermutigen wir die Parteien des derzeitigen
und der EG, haben ähnliche Demarchen entsandt. Die Konflikts, eine Verhandlungslösung zu erzielen. Eine
KSZE ist mit Vertretern Serbiens und Montenegros von allen Parteien vereinbarte Verhandlungslösung ist
zusammengetroffen, um auf die Verlängerung der der beste Weg zur Beendigung des Konflikts und
Mission zu drängen. Wir arbeiten darüber hinaus mit seiner Ausweitung.
der KSZE zusammen, um diese Angelegenheit vor
den UN-Sicherheitsrat zu bringen, weil Milosevics Wie Sie bei der Ankündigung dieser Anhörung festgeAktion eindeutig das Risiko einer Ausweitung des stellt haben, hat der jugoslawische Konflikt jedoch
Konflikts in der Region birgt. Wir werden Milosevic bereits "wirtschaftlich, politisch und sozial einschneiweiterhin drängen, den Verbleib der Beobachter als dende Auswirkungen auf die anderen Balkanstaaten
substantiellen Beitrag zur Abschwächung der Span- gehabt". Die neuen Demokratien auf dem Balkan
nungen in diesem Gebiet zu gestatten. Sollte er nicht beobachten den blutigen Konflikt in Bosnien - das
zustimmen, werden wir andere Mittel zur Überwa- anfänglich ein multiethnischer, demokratischer Staat
war, der sich westlichen Werten verschrieben hatte chung der Region sondieren.
Wir stellen für den Kosovo humanitäre Hilfe in
Höhe von 5 Millionen Dollar für Nahrungsmittel
und andere Grundversorgungsgüter zur Verfügung.

AMERIKA DiENST 30

Seite 3

�zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst versuchen, die
schwierige Aufgabe zu bewältigen, multiethnische,
demokratische Staaten mit westlichen Werten zu werden.
Der Konflikt in Bosnien ermutigt die Stimmen der
Intoleranz und Reaktion in der gesamten Region. Eine
Ausweitung des Konflikts würde die neuen Demokratien auf dem Balkan gefährden, wo sie am verwundbarsten sind.

donien, Rumänien und Slowenien hartnäckige Verbissenheit bei der Verfolgung von politischen und wirtschaftlichen Reform- und Wiederaufbauprogrammen
an den Tag gelegt, die bereits große Fortschritte erzielt
haben. Dies ist ein Gesicht des Balkans, dessen sich
viele Amerikaner nicht bewußt sind. Meines Erachtens ist es jedoch entscheidend für den langfristigen
Erfolg der amerikanischen Politik in der Region.

Im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des
Konflikts gebührt den an Serbien grenzenden BalkanDemokratien ein Großteil des Verdiensts für die Wirksamkeit der UN-Sanktionen gegen Serbien und Montenegro. Die Durchsetzung der Sanktionen durch
diese Länder kommt sie jedoch teuer zu stehen Kosten, die ihre Volkswirtschaften, die bereits an
Unterentwicklung und den verheerenden Folgen von
vier Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft leiden,
nicht leicht verkraften können. Die Sanktionen haben
ihnen traditionelle Exportmärkte entzogen, sie in unterschiedlichem Maße voneinander und jetzt von neuen
Märkten isoliert, die sie in Westeuropa zu erschließen
suchen. Und die enormen Profite für diejenigen, die zu
einer Verletzung der Sanktionen bereit sind, belasten
die Integrität der Strafverfolgungsbehörden.

Die Balkan-Demokratien führen uns eine Reihe wichtiger Lektionen vor Augen. Sie beweisen, daß demokratische Institutionen das beste Mittel zur Kanalisierung ethnischer, religiöser und anderer Konflikte in den
politischen Prozeß sind. Sie demonstrieren, daß
demokratische Werte und Institutionen Fuß fassen
und selbst an Orten gedeihen können, wo der gesunde
Menschenverstand ihnen den Erfolg abspricht. Und
sie bieten den willkommenen Beweis, daß demokratische Entwicklung im Inland kooperative regionale
Beziehungen fördern kann, selbst unter historischen
Gegnern. Diese Lektionen sind auf der ganzen Welt
anwendbar.

Wir unterstützen die Bestrebungen der Frontlinienstaaten zur Durchsetzung der Sanktionen durch die
Sanktions-Unterstützungsmissionen unter der Schirmherrschaft der KSZE und der Europäischen Gemeinschaft. 187 Zollbeamte aus 26 Ländern arbeiten mit
den Zolldienststellen vor Ort zusammen, um die Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen, zu beraten
und technische Hilfe sowie Ausbildung anzubieten. 27
der Beobachter sind Amerikaner. Die Präsenz der
Sanktionsmissionen versetzt uns in die Lage, die
Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen und zu
verbessern sowie die internationale Staatengemeinschaft über Probleme zu unterrichten. Die Berichte der
Missionen waren die Grundlage für erforderliche Aktionen des UN-Sicherheitsrats zur Verstärkung und
Verschärfung der Wirksamkeit des Embargos.
Abgesehen von den Auswirkungen der Sanktionen
hatte der jugoslawische Konflikt andere negative wirtschaftliche Effekte auf die Region. Der bittere Krieg in
dem Nachbarland verschreckt potentielle ausländische Investoren aus den Balkan-Demokratien, die
dringend Kapital aus dem Ausland benötigen, um die
Expansion ihrer aufstrebenden offenen Martkwirtschaften zu fördern. Und die nationale Unsicherheit könnte
die neuen Demokratien zwingen, Mittel für militärische
Zwecke aufzuwenden, wobei sie es sich nicht leisten
können, diese Mittel aus der geschwächten öffentlichen Verwaltung und den sozialen Dienstleistungen
abzuziehen.
Das Bild für diese aufstrebenden Balkan-Demokratien
ist jedoch nicht nur düster. Ungeachtet der Bedingungen, die den Untemehmergeist weniger flexibler Völker zerstört hätten, haben Albanien, Bulgarien, MakeSeite 4

Die Grundlage unserer Politik auf dem Balkan muß
daher in der Unterstützung der kontinuierlichen Entwicklung demokratischer Institutionen, freier Marktwirtschaften und offener Gesellschaften sowie letztlich
der Integration dieser Nationen in ein europäisches
Sicherheitssystem bestehen. In unmittelbarer Zukunft
beabsichtigen wir die Förderung der demokratischen
Entwicklung in der Region durch die folgenden, sich
gegenseitig verstärkenden Mittel:
Wir werden unser Engagement für die BalkanDemokratien und den Dialog mit ihnen sowohl
bilateral als auch durch die KSZE fortsetzen, um
weiterhin die demokratischen und Marktreformen zu unterstützen, die sie erfolgreich in die
Wege geleitet haben.
Wir werden auf eine Erweiterung des amerikanischen und europäischen Handels mit den Balkanstaaten und Investitionen in diese Länder
hinarbeiten. Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, Rumänien den Meistbegünstigungsstatus einzuräumen - ein wichtiger Schritt
bei der Unterstützung der Volkswirtschaft dieses Landes.
Wir werden wirtschaftliche Unabhängigkeit und
die Integration sowohl zwischen den BalkanDemokratien untereinander als auch zwischen
ihnen und dem Westen fördern.
Durch kulturelle Austausch- und Bildungsprogramme sowie die Zusammenarbeit mit privaten Gruppen wie Geschäftsleuten und privaten
Hilfsorganisationen hoffen wir, das an der Basis
in den Vereinigten Staaten vorhandene immense Interesse und die Ressourcen zu mobilisieren, um die Vereinigten Staaten und den Balkan

AMERIKA DIENST 30

!

�SEED-Programm fortsetzen, um diesen Ländern in den kommenden Jahren behilflich zu
sein. Und wir müssen auch unsere europäischen Verbündeten ermutigen, das Ihre bei der
Bereitstellung von Hilfe und der Öffnung ihrer
Märkte für die Länder dieser Region zu tun.

in einem dichten Beziehungsgeflecht zu verknüpfen.
Schließlich werden wir unsere Hilfsprogramme
zur Förderung unserer Ziele in dieser Region
fortsetzen. Unser wichtigstes Mittel, den Balkan-Demokratien zu helfen, ist das Gesetz zur
Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien SEED (Support for Eastern European
Democracies Act). Seit der Verabschiedung
von SEED durch den Kongreß im Jahr 1989
haben wirüber 150 Millionen Dollarfür Albanien,
Rumänien, Bulgarien und einige andere Länder
im ehemaligen Jugoslawien bereitgestellt, um
ihnen bei der Entwicklung von demokratischen
Institutionen, dem Übergang zu freien Marktwirtschaften und der Verbesserung der Lebensqualität behilflich zu sein. Allein im Rahmen der
SEED-Programme zur Unterstützung der
Demokratie haben wir beispielsweise Schulbücher ohne Propaganda, Geräte und Ausbildung
für unabhängige Medien, Unterstützung neuer
Gewerkschaften und politischer Parteien sowie
technische Hilfe für parlamentarische Institutionen zur Verfügung gestellt. Wir müssen das

* *

AMERIKA DIENST 30

Diese Maßnahmen können unser Ziel entscheidend
voranbringen, langfristigen Frieden für den Balkan
herbeizuführen. Das beste Mittel gegen die Pest des
Krieges ist Wohlstand und Demokratie. Ich möchte die
Überzeugung der Administration unterstreichen, daß
der Balkan von morgen nicht aussehen muß wie
Bosnien heute. Die Zukunft wird nicht von den Gewehrläufen gewalttätiger Nationalisten oder Aggressorenbestimmt. Sie wird jetzt von den Einzelpersonen
und Gruppen gestaltet, die mit Geduld und Entschlossenheit auf Demokratie, offene Märkte und ethnische
Toleranz hinarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisation hoffen wir, den gegenwärtigen
Konflikt einzudämmen, damit diese gemäßigten Kräfte
in der gesamten Region triumphieren können.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne zur Beantwortung
Ihrer Fragen bereit.

* *

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Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
28. Juli 1993

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

WASHINGTON - (AD) - Das vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen eingerichtete Kriegsverbrechertribunal, das Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien aufklären und verfolgen soll, wird von den Vereinigten Staaten "nachhaltig unterstützt", erklärte der
Erste Stellvertretende Rechtsberater des US-Außenministeriums, Michael Matheson, am 22. Juli 1993
Seine Stellungnahme erfolgte nach der Vorführung
eines Dokumentarfilms mit dem Titel "Crimes Against
Humanity" (Verbrechen gegen die Menschlichkeit) im
Auslandspressezentrum. Der Film, der Greueltaten
im ehemaligen Jugoslawien dokumentiert, wurde unter der Leitung des US-Informationsamts produziert.

Auf die Frage eines Reporters, wer entscheide, wann
die Beweise für Kriegsverbrechen so erdrückend sind,
daß die internationale Strafverfolgung gerechtfertigt
ist, erwiderte Matheson, diese Entscheidung werde
vom UN-Sicherheitsrat stellvertretend für die internationale Staatengemeinschaft getroffen.
Der Vertreter des Außenministeriums betonte, das
Kriegsverbrechertribunal sei nicht "die umfassende
Antwort" auf die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien.
Es sei ebenso wichtig, den politischen Prozeß weiterzuverfolgen, um zu versuchen, einen Frieden herbeizuführen.

Auf die Frage, warum die Vereinigten Staaten das
Matheson zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, Waffenembargo gegen die bosnischen Muslime nicht
daß die Richter dieses Tribunals im Sommer und aufheben, äußerte Matheson: "Es ist den Vereinigten
Herbst "ausgewählt und berufen werden". Zur Vorbe- Staaten nicht möglich, das Waffenembargo einseitig
reitung der Verfahren werde ein großer Mitarbeiterstab zu verletzen, weil es kollektiv vom Sicherheitsrat beschlossen wurde." Er betonte jedoch, die Vereinigten
angestellt.
Staaten hätten versucht, andere Staaten von ihrer
Matheson warnte jedoch vor der Erwartung, es werde Haltung in dieser Hinsicht zu überzeugen.
rasch oder leicht zu Verurteilungen kommen. "Es wird
ein langes und detailliertes juristisches Verfahren", Der Direktor des US-Informationsamts, Dr. Joseph
äußerte er. Auf die Frage, ob alle identifizierten Duffey, stellte fest, daß "der KriegsverbrecherkommisKriegsverbrecher und nicht nur Serben verfolgt wür- sion in Genf eine enorme Menge an Aussagenmaterial
den, erwiderte Matheson, die Vereinigten Staaten zugestellt wurde".
unterstützten einen fairen Ansatz. "Die Nationalität ist
Auf die Feststellung eines Reporters, es bestehe
hier nicht entscheidend", fügte er hinzu.
anscheinend ein Mangel an Besorgnis über die Situation,
besonders in Europa, äußerte Duffey: "Ich würde
Auf die Frage, warum lediglich Kriegsverbrechen im
Ihre
Annahme,
es gebe einen Mangel an Besorgnis
ehemaligen Jugoslawien und nicht auch Kriegsverbreüber
die
Situation,
in Frage stellen." Antworten auf die
chen an anderen Orten verfolgt würden, erklärte MaLage
im
ehemaligen
Jugoslawien zu finden, "untertheson, "es könnte durchaus sein, daß anderen Maßzieht
unsere
Zivilisation
einem schmerzhaften Pronahmen gegen andere Länder ergriffen werden sollzeß",
erklärte
er.
ten". Er erwähnte insbesondere ein mögliches Vorgehen gegen Kriegsverbrecher im Irak.
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Seite 1

�Der 50minütige Dokumentarfilm enthält zahlreiche
Aussagen von Augenzeugen und nimmt eine ausgewogene Haltung zu der Tragödie ein. "Die Schuldigen
und ihre Opfer sind Serben, Kroaten und Muslime",

erklärt der Sprecher an einer Stelle. Es mu ß die Pflicht
der internationalen Staatengemeinschaft sein, "die
Schuldigen der Gerechtigkeit zuzuführen, wer immer
sie auch sein mögen", schließt er.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 30

�G-7
28. JUL11993

PRODUKTIVSTER G-7-GIPFEL SEIT 10-15 JAHREN
Erklärung von Staatssekretär Summers über WorldNet
WASHINGTON - (AD) - Der für internationale Angelegenheiten zuständige Staatssekretär im US-Finanzministerium, Lawrence Summers, hat erklärt, der unlängst abgeschlossene G-7-Gipfel in Tokio sei "der produktivste"
seiner Art in den letzten 10-15 Jahren gewesen.
"Wir konnten in einer Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen", teilte Summers am 20. Juli
1993 den europäischen Teilnehmern einer von WorldNet, dem Satellitenfernsehdienst des US-Informationsamts, ausgestrahlten Pressekonferenz mit. In einem dieser entscheidenden Bereiche, nämlich der UruguayRunde, "stellten wir fest, wie Versprechungen durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöllen in einer
Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen untermauert
wurden", erklärte Summers.
Andere entscheidende Bereiche, in denen Fortschritte erzielt wurden, waren die Unterstützung für Ru Bland, eine
Verpflichtung zur Hilfe für die Entwicklungsländer sowie die politische Koordinierung zwischen den sieben
führenden Industriestaaten. "Der wahre Prüfstein für jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen danach getroffen werden", äußerte er. "Deshalb haben wir
im weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns."
Nachfolgend veröffentlichen wir die einleitende Stellungnahme von Summers im Wortlaut.

Dies war meines Erachtens der produktivste G-7Gipfel seit 10 oder 15 Jahren, denn wir konnten in einer
Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen, echte Fortschritte, die sich aus dem Gipfelprozeß ergaben, echte Fortschritte, die aus den Ankündigungen folgten, die beim Gipfel abgegeben wurden.

etwas, woran die G-7 in den vergangenen sechs
Monaten gearbeitet hat. Wir haben uns über den Kurs
verständigt. Das US-Defizit muß abgebaut werden.
Damit werden auch die Zinssätze sinken. Europa mu ß
das Erforderliche tun, um seine Zinssätze zu senken,
und Japan muß seine Wirtschaft ankurbeln, damit
seine derzeit unausgewogene Leistungsbilanz korrigiert wird, damit es mehr Waren aus anderen Ländern
Der erste entscheidende Bereich des Fortschritts war beziehen wird und mehr Arbeitsplätze in anderen
die Uruguay-Runde. Wir haben bereits früher Gipfel- Ländern geschaffen werden. Wir hatten hier bereits
versprechungen erlebt, die Runde abzuschließen. Fortschritte zu verzeichnen: Die Zinssätze in DeutschDieses Jahr stellten wir fest, wie Versprechungen land wurden gesenkt, der Defizitabbau in Amerika
durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöl- kommt in Gang, und Japan hat ein staatliches Konlen in einer Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer junkturprogramm vorgelegt.
beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen
untermauert wurden. Damit werden die Unterhändler Aufgrund der schweren Rezession in Europa, der
mit neuem Schwung nach Genf zurückkehren, und schwachen Wachstumsaussichten in Japan und der
dies wird meines Erachtens ein Abkommen der Uru- nach wie vor bestehenden Fragen im Hinblick auf die
guay-Runde hervorbringen, das eine Wirtschaftslei- amerikanische Wirtschaft bleibt für uns jedoch noch
stung von 5 Billionen Dollar und über eine Million viel mehr zu tun. Die Wirtschaftserklärung dieses
Arbeitsplätze bis zum Ende des Jahrzehnts bedeuten Gipfels enthielt deshalb die nachdrücklichste Sprachkönnte.
regelung seit vielen Jahren bezüglich der Verpflichtung zu einer gemeinsamen Wachstumsstrategie.
Der zweite entscheidende Bereich des Fortschritts
beim Gipfel war die politische Koordinierung. Dies ist
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Seite 1

�Der dritte entscheidende Bereich des Fortschritts ergab
sich bei der Unterstützung für Rußland. Hier kann die
G-7 auf eindrucksvolle Leistungen zurückblicken. Vor
sechs Monaten bestand in Rußland eine echte Möglichkeit der Hyperinflation. Vor sechs Monaten bestand die echte Möglichkeit einer Art Rückkehr zum
Kommunismus, einer Art Rückfall in den Totalitarismus. Heute ist Rußland vom Abgrund der Hyperinflation zurückgetreten, und die Aussichten für Totalrtarismus sind durch den massiven Erfolg bei der Privatisierung erheblich geschwunden. Die Zahl der privatisierten Unternehmen erreicht mittlerweile nahezu 100.000.
Ferner arbeiteten in den vergangenen drei Monaten 10
Prozent der Arbeiter in Rußland in Unternehmen, die
bereits privatisiert wurden.
Die G-7 gab diesem Prozeß der Privatisierung, der
letztlich zur Umgestaltung Rußlands erforderlich ist,
einen wichtigen Impuls, indem sie sich auf ein
18monatiges Privatisierungsprogramm im Umfang von
3 Milliarden Dollar verständigte. Diese Mittel werden
teilweise von den internationalen Finanzinstitutionen
gewährt und teilweise von Exportkreditstellen in jedem
der G-7-Länder. Sie werden dazu beitragen, Exporte
zu fördern sowie Arbeitsplätze in diesen Ländern zu
schaffen, und sie werden diese Unterstützung mit
Geldern zur Förderung von Kapitalbeteiligungen kop-

*

Seite 2

peln - sie können entscheidende technische Hilfe für
diese privatisierten Unternehmen in Rußland unterstützen.
Der vierte wichtige Bereich des Fortschritts der G-7
betraf die Entwicklungsländer. Wir stellten eine Erneuern ng der Verpflichtungen zum Ziel der umweltverträglichen Entwicklung, zum grundsätzlichen Ziel des
Umweltschutzes in den Entwicklungsländern fest. Zum
ersten Mal gab es die allgemeine Verpflichtung - der
sich die Vereinigten Staaten anschließen konnten - zu
einem sehr erheblichen Schuldenabbau für afrikanische Länder und andere Staaten, die sehr arm sind.
Es gab Übereinstimmung zur Verbesserung der Qualität der internationalen Hilfe. Auf unserer Seite in den
Vereinigten Staaten gab es mit den vom Präsidenten
ergriffenen wichtigen Initiativen zur Bildung einer neuen
pazifischen Gemeinschaft echte Bewegung zur Globalisierung unserer Außenpolitik.
Insgesamt bin ich der Auffassung, daß dies einen sehr
erfolgreichen Gipfel ergibt. Der wahre Prüfstein für
jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen
danach getroffen werden. Deshalb haben wir im
weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns.

*

AMERIKA DIENST 30

�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

GREENSPAN: ZEIT FÜR DEFIZITABBAU LÄUFT AB
Clintonplan vielversprechender erster Schritt

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, betrachtet den
von Präsident Clinton vorgelegten auf fünf Jahre angelegten Plan zum Abbau des Defizits um 500 Milliarden
Dollar als vielversprechenden ersten Schritt, der von
weiteren Kürzungen gefolgt werden muß, um stabile
langfristige Zinssätze sicherzustellen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.
In einer Stellungnahme zum Halbjahresbericht über
die Geldmarktpolitik an den Kongreß warnte Greenspan jedoch, die Zeit für die Verabschiedung des
Clintonplans laufe rasch ab.
"Meines Erachtens ist es wichtig, daß eine glaubwürdige weitreichende Vorlage zum Defizitabbau verabschiedet wird", erklärte er einem Unterausschuß für
Bankwesen des US-Repräsentantenhauses. "Wenn
wir dies nicht tun, werden die (Finanz)märkte negativ
reagieren."
Greenspan äußerte die Meinung, wenn Kongreß und
Präsident auf "den richtigen Augenblick" zur Bewältigung des Problems warteten, werde nie etwas geschehen.
"Ich glaube, wir haben keine Zeit mehr", erklärte er.
"Wenn wir dieses Problem nicht jetzt in den Griff
bekommen, werden wir es niemals schaffen."
Der Chef der US-Notenbank verwies darauf, daß die
Finanzmärkte auf den vom Präsidenten geplanten
Defizitabbau reagiert haben, indem sie die mittel- und
langfristigen Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 oder 30 Jahren zurücknahmen. Dies hat ihm
zufolge wiederum die Cash-flows der Kreditnehmer
verbessert, zinsbewußtes Ausgabenverhalten ermutigt und ein bescheidenes Wirtschaftswachstum hervorgebracht.
Auf die Frage, ob eine Vorlage zum Defizitabbau um
400 Milliarden Dollar ausreichen würde, antwortete
AMERIKA DIENST 30

Greenspan: "Ich glaube nicht. Unser Problem ist
substantieller Natur. Selbst die von beiden (großen)
Parteien vorgelegten Gesetzesvorschläge erfüllen nicht
die Erfordernis, die nach oben gerichtete Tendenz des
Defizits zu beseitigen... Meiner Ansicht nach - zu
Einzelheiten möchte ich nicht Stellung nehmen - hat
ein Programm von 500 Milliarden Dollar als erste von
zwei- oder mehreren Tranchen, die zum Abbau des
Defizitabbaus benötigt werden, in etwa den richtigen
Umfang."
Greenspan räumte ein, daß sowohl Steuererhöhungen als auch die Reduzierung von Staatsausgaben
Instrumente zum Defizitabbau sind, die dämpfende
Auswirkungen auf die Wirtschaft haben können. Er
sprach sich jedoch eindeutig dahingehend aus, daß
verringerte Ausgaben langfristig vorzuziehen sind, da
dies den destabilisierenden Effekt staatlicher Kreditaufnahme auf das Wirtschaftswachstum minimiere.
"Wenn wir die Ausgaben nicht reduzieren, wird keine
Steuererhöhung das langfristige Problem des Haushaltsdefizit wirksam lindern können", erklärte er. "Für
die Verringerung der Ausgabenquote und ihre Rückführung auf ein gesundes Verhältnis zur Steuerbasis
gibt es keine Alternative... Unabhängig davon, was auf
der steuerlichen Seite unternommen wird, ist es zur
Lösung dieses Problems unerläßlich, die Ausgaben in
den Griff zu bekommen."
Wie bereits in der Vergangenheit argumentierte Greenspan erneut, die wirksamste Einzelmaßnahme des
Kongresses zur Schaffung von Arbeitsplätzen und
Ankurbelung des Wirtschaftswachstums wäre die
Senkung oder völlige Abschaffung der Kapitalgewinnsteuer.
"Im Grunde müssen wir die Anreize zur Schaffung
neuen Wohlstands und zu Risikobereitschaft überdenken", äu Berte er. Diese Volkswirtschaft verändert sich
sehr rasch. Es gibt ein großes Risiko, aber der

Seite 1

�gesamte von uns geschaffene Wohlstand resultiert
aus Risiken."
Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt erforderlich sei, um langfristig die grundlegenden Probleme
des Landes zu lösen, erwiderte Greenspan: "Was wir
mindestens tun sollten, ist, die Verschuldung zu stabilisieren. Ich möchte entweder einen ausgeglichenen
Haushalt oder einen Haushaltsüberschuß sehen, weil
wir ein Spardefizit aufweisen."

kein großes Problem darstellen", erläuterte er. "Aber
wir würden weit weniger effizient arbeiten als wenn wir
einen Haushalt hätten, der ausgeglichen ist oder einen
Überschuß aufweist."

Greenspan stellte fest, die gegenwärtigen Kreditengpässe seien "grundsätzlich ein psychologisches Problem", das nicht von den Zinssätzen, sondern vom
außerordentlichen Anstieg der Schulden sowie dem
Wertverfall von Immobilien und anderem Anlagevermögen in den achtziger Jahren herrühre. Die NotenDer Vorsitzende der Notenbank räumte ein, die Verei- bank und andere Regierungsbehörden versuchten
nigten Staaten könnten mit einem Defizit im Bundes- heute, zur Lösung des Problems beizutragen, indem
haushalt leben, das rund 2,0 Prozent des Brutto- sie eine stärkere Kreditvergabe als gewöhnlich ermuinlandsprodukts beträgt. "Das würde für die Wirtschaft tigten, fügte er hinzu.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 30

�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

DIE SOZIALE DIMENSION DER
WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)
WASHINGTON - (AD) - Unter der Schirmherrschaft der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Inter-American
Development Bank - IDB), der Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeitnehmer (Inter-American
Regional Organization of Workers - ORIT) sowie des Amerikanischen Instituts für Freie Gewerkschaftsentwicklung (American Institute for Free Labor Development - AIFLD) fand am 19. und 20. November 1992 in
Washington eine Konferenz zum Thema "Die soziale Dimension der wirtschaftlichen Umstrukturierung in
Lateinamerika und der Karibik" statt. Ein Hauptredner bei dieser Veranstaltung war der Schatzmeister des
Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO, Thomas R. Donahue, dessen Rede wir nachfolgend in Auszügen
veröffentlichen.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Bulletin of the Department of International Affairs,
AFL-CIO.

Wie können wir sicherstellen, daß wir im Zuge der
Förderung wirtschaftlichen Wachstums in den weniger
entwickelten Ländern den arbeitenden und einkommensschwachen Menschen in den Industriestaaten
ebenso wie in den Entwicklungsländern keine neuen
Lasten auferlegen? Wie können wir gewährleisten,
daß die Arbeitnehmer in den Entwicklungsländern
prosperieren, wenn ihre Gesellschaften prosperieren?

das Wohlergehen der Arbeitnehmer über die Interessen der Reichen und Mächtigen setzten.
Dies sind nach wie vor unsere Ziele.

In einer Reihe von Ländern konnten wir Siege verzeichnen - und auch in den Vereinigten Staaten feiern wir
einen solchen Sieg. Nach 12jähriger Herrschaft von
Regierungen, die sich die Förderung der Interessen
derjenigen
zum Ziel gesetzt hatten, die bereits reich
Wie können wir sicherstellen, daß die Arbeitnehmer in
sind,
konnten
wir erfolgreich eine Administration ins
den Industriestaaten keinen unverhältnismäßig hohen
Amt
bringen,
die
sich dem Wohlergehen des NormalAnteil an den Lasten in ihren Ländern tragen - oder, um
bürgers
verschrieben
hat. Wir setzen große Hoffnunes anders auszudrücken, wie können wir sicherstellen,
gen
in
die
Administration
des gewählten [am 20. Januar
daß alle Lasten in den Industriestaaten von allen
1993
vereidigten]
Präsidenten
Clinton - große HoffnunBürgern gleichmäßig getragen werden und nicht nur
gen
und
große
Erwartungen.
Wir
zählen auf ihn bei der
von den Arbeitnehmern? Für uns alle in der GewerkVerbesserung
des
wirtschaftlichen
Lebens in diesem
schaftsbewegung trifft diese Frage den Kern unserer
Land
und
bei
den
Bemühungen,
die
Volkswirtschaften
Existenz. Einkommensschwache Menschen und
aller
Staaten
der
westlichen
Hemisphäre
wiederzubeArbeitnehmer bilden unsere Bezugsgruppe, und wir
leben
und
angemessene
Aufmerksamkeit
auf diese
sind da, um zu gewährleisten, daß sie einen fairen
Hemisphäre
zu
konzentrieren.
Anteil an dem von ihnen hervorgebrachten Wohlstand
erhaHen.
Aber selbst in den anderen Staaten der Hemisphäre, in
Viele Jahrzehnte lang haben wir darum gekämpft, denen demokratische Regierungen die Herrschaft
ihnen ein breites Spektrum von sozialen Schutzme- übernommen haben, sehen wir unsere Hoffnungen
chanismen zu verschaffen - das Recht, sich zu organi- durch Wirtschaftspläne bedroht, deren Ziel die Anhesieren und Tarifverträge auszuhandeln, eine faire bung des Bruttoinlandsprodukts und des Wohlstands
Einkommensverteilung, sichere und anständige Ar- eines Landes ist ohne zu berücksichtigen, wie dieser
beitsbedingungen -, und wir haben uns energisch für neue nationale Wohlstand verteilt werden soll - und
die Wahl von Entscheidungsträgern eingesetzt, die anscheinend mit blindem Eifer für die Auffassung,
AMERIKA DIENST 30

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�wenn die Reichen reicher werden, wenn die Unternehmen florieren, wird von diesem Reichtum auch etwas
nach unten durchsickern. In den Vereinigten Staaten
haben wir in den vergangenen zehn Jahren einen
Rückgang der Reallöhne erlebt, während die Einkommen des einen wohlhabendsten Prozents unserer
Bevölkerung von 1980 bis 1990 um 75,3 Prozent
gestiegen sind. Dies legt beredtes Zeugnis vom
Scheitern der Wirtschaftspolitik ab, die auf diesen
Sickereffekt baut.

dem Markt basierenden Ideologie - deren Ethos auf
dem Überleben des Stärkeren und der Verfolgung von
Eigeninteresse gründet - haben solche Werte keinen
sicheren Platz.

Das ist die ideologische Dynamik. Sie wirkt sich im
Verein mit einem weiteren dynamischen Faktor aus,
der strukturellen Charakter hat - der wachsenden Internationalisierung der nationalen Volkswirtschaften.
Die Welt wird kleiner. Wir alle werden wechselseitig
immer abhängiger von unseren Brüdern und SchweDiese Wirtschaftspläne und dieses Kleben an geschei- stern in anderen Ländern. Multinationale Unternehterten Wirtschaftsdoktrinen werden von zwei dynami- men und Finanzinstitutionen sind für uns von einer
schen Faktoren angetrieben.
Bedeutung, die noch vor 20 Jahren niemand von uns
hätte vorhersagen können.
Der erste ist ideologischer Natur. Die meisten wirtschaftlichen Anpassungsprogramme in unserer Hemi- Eines steht fest: Für uns Gewerkschafter sind engere
sphäre sind von einer konservativen Ideologie ge- wirtschaftliche Verbindungen zwischen Nationen nicht
prägt, die vorgibt, an freie Märkte zu glauben. In von vorneherein schlecht - überhaupt nicht. Wir defieinigen Fällen wurde diese konservative Ideologie nieren uns selbst als Internationalisten. Wir glauben
durch ausländischen Druck gefördert - oder sogar daran, daß das Schicksal von Arbeitnehmern in Prttsaufgezwungen. In anderen Fällen wurde sie von Eliten burgh (Pennsylvania) und Los Angeles unauflöslich
der betreffenden Länder aufgegriffen, die auf eigene mit dem von Arbeitnehmern in Mexiko-Stadt, Toronto
Initiative handeln. Aber was auch immer der Impuls und Buenos Aires und natürlich auch von Arbeitnehsein mag, diese Ideologie führt für gewöhnlich zu der mern in Prag und Lusaka verknüpft ist. Aber wir wissen
häßlichen Haltung, daß Einkommensschwache und auch, wenn diese Interdependenz auf das falsche
Arbeitnehmer ein politisches Problem darstellen, wenn Gleis gerät - wenn sie nicht oder schlecht organisiert ist
man ihnen in dem wirtschaftlichen Drama eine bedeu- - kann sie ein Desaster werden.
tende Rolle überträgt. Also gibt man ihnen eine kleine
Wenn wir einen Strom von Investitionskapital oder ein
Rolle oder verweist sie von der Bühne.
neues Handelsabkommen sehen, stellen wir die FraDie Gewerkschaftsbewegung hat schon vor langer ge: Ist es die verschwindend kleine Gruppe am oberen
Zeit begriffen, daß unbeschränkte Märkte nicht ganz
Ende der Wirtschaftsleiter, die davon profitiert, oder
so wunderbar sind wie ihre Befürworter auf der Rech- die ungeheure Zahl derjenigen, die in der Mitte oder
ten uns glauben machen wollen. Tatsächlich zielten unten stehen?
die meisten historischen Bemühungen unserer Bewegung - zur Einführung eines Mindestlohns, Abschaf- Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir gute Gründe, eine
fung der Kinderarbeit, Entwicklung von Arbeitsschutz- skeptische Haltung gegenüber der wachsenden Intergesetzen sowie die Tarifverhandlungen selbst - darauf nationalisierung der nationalen Volkswirtschaften einab, einige der brutalsten Auswirkungen des freien zunehmen. Es ist nicht schwer zu erkennen, warum
dies der Fall ist. Betrachten Sie die Muster von Handel
Markts zu mildem und beschränken.
und Investitionen. Eines der klassischen Argumente
Wir wissen sehr gut, daß wir von einem freien Markt, für den freien Handel lautet, jede Nation werde ihren
der seinen eigenen Mechanismen überlassen bleibt, eigenen relativen Vorteil haben - Wolle in Großbritannien, Wein in Portugal. Heute jedoch hat diese Lehre
nicht erwarten können, gleichmäßiges Wirtschaftswachstum und sozialen Fortschritt hervorzubringen. einen unheilvollen neuen Zug. Einige Regierungen
Die meisten erfolgreichen Volkswirtschaften in Europa vertreten die Auffassung, ihr bester relativer Voneil sei
und Asien haben sich die Lehre des Laissez-faire nie eine Erwerbsbevölkerung, die in Armut und Furcht
zu eigen gemacht. In unserer Hemisphäre jedoch gehalten wird und anfällig für Ausbeutung ist. Diese
sahen sich einige Regierungen gezwungen, auf harte Regierungen möchten die westliche Hemisphäre in
einen riesigen Basar verwandeln, auf dem jede Nation
Weise herauszufinden, was sie bewirken kann.
versucht, eine billigere Erwerbsbevölkerung zu verEin jüngeres Beispiel ist das unserer Nachbarn in kaufen als die Nachbarn. Die Käufer auf diesem
Venezuela. Hier lautet die Lehre, daß die Märkte in riesigen Basar sollen die multinationalen Konzerne
bestimmte Richtungen gelenkt werden müssen, wenn sein. Sie können prosperieren, während die Arbeitdie Wirtschaft den Menschen dienen soll - und das ist nehmer aufgrund niedriger Löhne und schlechter
von höchster Bedeutung. Wir sind der Überzeugung, Arbeitsbedingungen leiden.
daß der Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaftsordnung stehen muß. Wir bestehen darauf, daß die Der irische Staatsmann und politische Philosoph Edmund
Wirtschaftsordnung dem einzelnen dienen sollte und Burke hat gesagt, "eine Nation ohne die Mittel, sich
nicht umgekehrt. Dies sind unsere Werte. In einer auf selbst zu reformieren, entbehrt die Mittel, sich selbst zu

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�erhalten". Was für Nationen gilt, gilt auch für die
hemisphärische Gemeinschaft. Die Zeit ist reif, um
über die Mittel für unsere Selbstreform zu sprechen.
Wir müssen Institutionen aufbauen, die Prozesse
einleiten, mit denen die nachteiligen Auswirkungen
wirtschaftlicher Anpassungspläne und der sie prägenden Dynamik abgebaut werden.
Und ebenso wie die Probleme und die sie verursachende Dynamik grenzüberschreitend sind, werden
auch viele der Lösungen grenzüberschreitend sein
müssen. Hier in Nordamerika benötigen wir dringend
ein neues Regime zur Regelung von Handel und
Investitionen - und zwar sehr verschieden vom Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) mit
all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten, das
von der Bush-Administration ausgehandelt wurde.

Schließlich gibt es Schritte, die von unseren Gewerkschaftsbewegungen in Erwägung gezogen werden
sollten. Wir können weder auf den Staat warten noch
auf den Staat bauen. Unsere Rolle ist entscheidend,
denn wenn Regierungen auf den Sirenengesang der
Markttheorie hereinfallen, sind die Gewerkschaften
die größte - und manchmal die einzige - Institution, die
die Interessen der gro ßen Mehrheit des Volkes vertritt.

Es gibt bereits internationale Gewerbesekretariate als
Strukturen zur Entwicklung der Interessen von Gewerkschaften in ähnlichen Berufs- und Industriezweigen über die nationalen Grenzen hinweg. Sie koordinieren schon einen Teil der Tarifverhandlungen über
nationale Grenzen hinweg und können auf der bisher
geleisteten guten Arbeit aufbauen. Innerhalb der
amerikanischen Bewegung haben wir versucht, Normen für unsere Gewerkschaften zu entwickeln, um
Das NAFTA muß neuverhandelt, seine Konzepte angeschlossene Organisationen zu ermutigen, bei
müssen verändert werden. Die Regierungen Mexikos, Organisationsgrad und Tarifverhandlungen bestimmKanadas und der Vereinigten Staaten sollten einen te Leistungsniveaus zu erreichen. Ein ähnliches
neuen Rahmen für wechselseitiges Wachstum schaf- Konglomerat von "sozialen Zustimmungsnormen", mit
fen, der nachdrückliche und durchsetzbare Schutzbe- denen wir Leistungsverbesserungen nationaler Zenstimmungen für die Rechte der Arbeitnehmer und die tren bei Organisationsgrad, Lohnerhöhungen und
Umwelt sowie demokratische Garantien in allen drei sozialen Schutzbestimmungen fördern könnten, sollte
Ländern beinhaltet. Diese Schutzbestimmungen innerhalb der ORIT entwickelt werden.
könnten unterschiedliche Formen haben. Eine gute
Möglichkeit ist eine interamerikanische Sozial- und All diese Vorschläge beruhen auf derselben Einsicht.
Umweltcharta, ähnlich der EG-Sozialcharta, die Teil Die Welt verändert sich, die Hemisphäre verändert
eines größeren Rahmens ist und Mechanismen zur seh, und wir müssen anerkennen, daß nationale Grenzen
effektiven Durchsetzung beinhaltet.
eine völlig andere Bedeutung haben als in der Vergangenheit.
Dieselben Prinzipien, die ein neues Handelsabkommen in Nordamerika regeln, sollten auch Teil der Der Status einer Nation und nationale Souveränität
amerikanischen Auslandshilfestruktur in der gesam- sind jedoch domige Fragen. Der deutsche Dichterund
ten Hemisphäre sein. Zum Beispiel sollten alle mit Philosoph Johann Gottfried Herder hat einmal gesagt,
Mitteln der US-Auslandshilfe finanzierten Verträge ein Mensch zu sein bedeute, sich an irgendeinem Ort
Klauseln für Arbeitnehmerrechte enthalten, die bei mit Seinesgleichen Zuhause fühlen zu können. Jede
Nichteinhaltung scharfe Sanktionen vorsehen.
Nation in unserer Hemisphäre besitzt, was Herderden
Volksgeist genannt hat: ein Geflecht von GebräuProjekte des AID (US-Amt für Internationale Entwick- chen und Lebensstil, eine Art der Empfindung und des
lung) sollten über örtliche, mit Gewerkschafts, Arbeit- Verhaltens, die dieser Nation zu eigen ist.
geber- und Regierungsvertretern besetzte Gremien
abgewickelt werden. Darüber hinaus sollten politische Wir sollten diese nationalen Identitäten bewahren Initiativen des AID in Zusammenhang mit wirtschaftli- aber wir sollten nicht zulassen, daß nationale Souvecher Umstrukturierung die Beteiligung freier Gewerk- ränität von Regierungen als Entschuldigung benutzt
schaften beim Planungsprozeß und bei der Durchfüh- wird, um arbeitende Menschen zu unterdrücken, die
rung ermutigen.
Umwelt zu zerstören und auf demokratischen Rechten
herumzutrampeln.
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Seite 3

�PORTRAT
28. Juli 1993

FREEH GENIESST DEN RUF EINES ERFAHRENEN
VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Clinton zum
neuen Leiter des amerikanischen Bundeskriminalamts
Federal Bureau of Investigation (FBI) nominierte Louis
Freeh ist ein Bundesrichter mit einer langen und weithin geachteten Karriere als Strafverfolgungsbeamter
sowie höchsten Auszeichnungen als Staatsanwalt und
FBI-Agent.
Zur Zeit als Bezirksrichter in New York tätig, genießt
der 43jährige Freeh den Ruf eines unbeugsamen
Strafverfolgungsbeamten, der aggressiv das organisierte Verbrechen bekämpft.
Rudolph Giuliani, ein ehemaliger Bundesanwalt für
Manhattan, bezeichnete Freeh als "denjenigen in den
Vereinigten Staaten, der zur Leitung des FBI am
besten qualifiziert ist".

den. "Wir leben heute im Hinblick auf die Strafverfolgung in einem 'internationalen Dorf'", stellte er fest.
"Interpol und Rechtshilfemaßnahmen... sind entscheidend für unseren Erfolg und ... müssen fortgesetzt
werden."
Clinton bezeichnete Freeh als "eine Legende der Strafverfolgung ... und am besten zur Leitung des FBI
geeignet". Mit der Feststellung, daß Freeh "einige der
schwersten und kompliziertesten Verbrechen unserer
Zeit aufgeklärt hat", erklärte Clinton, der Nominierte
wird "gut und hart sein - gut für das FBI und hart
gegenüber den Verbrechern".

1974 machte Freeh seinen Abschluß an der Rutgers
Law School und trat 1975 dem FBI als Spezialagent
bei. In den späten siebziger Jahren überwachte er die
Ermittlungen, die zur Verurteilung des Vorsitzenden
In der anläßlich seiner Nominierung am 20. Juli 1993 der internationalen Gewerkschaft der Schauerleute,
abgegebenen Erklärung verwies Freeh auf das FBI als Anthony Scotto, und 125 seiner Anhänger aufgrund
"die größte Strafverfolgungsbehörde, die jemals von von organisierter Erpressung führte. Er erhielt eine
einer demokratischen Gesellschaft geschaffen wurde" besondere Auszeichnung für seine Arbeit an diesem
und versprach "uneingeschränktes Engagement" für Fall.
eine Organisation, "deren einzige Leitlinie die Rechtsstaatlichkeit ist".
Freeh verließ 1981 das FBI und wurde Stellvertretender Bundesanwalt für Manhattan. 1983 führte er
Das FBI, so Freeh, "muß für absolute Integrität stehen, erfolgreich die Ermittlungen und Anklage eines von der
frei von jeglichem politischen Einflu ß, frei von jeglicher sizilianischen Mafia geleiteten Heroinhändlerrings. Der
rassischer oder anderer Willkür sein und ausschließ- als "Pizza Connection" bekannte Fall - weil Pizzarelich im öffentlichen Interesse arbeiten".
staurants zur Tarnung für die Operationen der Bande
benutzt wurden - ist das "umfassendste und komplexeEr verprach eine effiziente Organisation zur Verbreste strafrechtliche Ermittlungsverfahren, das je von
chensbekämpfung, mit 'lachkundigen und engagierder Regierung in die Wege geleitet wurde".
ten Mitarbeitern, modernster Technologie ... und der
größtmöglichen Kooperation" mit den anderen ameri- 1987 zum Leiter der Abteilung für organisiertes Verkanischen Strafverfolgungsbehörden.
brechen des Bundesanwalts von Manhattan ernannt,
leitete Freeh die Ermittlungen bei den BriefbombenanEr verpflichtete sich darüber hinaus zur engen Zusamschlägen
auf einen Bundesrichter und einen Rechtsmenarbeit mit ausländischen Strafverfolgungsbehör-

AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�anwalt der Bürgerrechtsbewegung. Aufgrund seiner
Leistungen wurde der Attentäter gefaßt und verurteilt.

Freeh wurde in Jersey City geboren und ist Sohn eines
Immobilienmaklers. 1971 erlangte er seinen Abschluß
am Rutgers College. Er ist verheiratet und hat vier
1991 wurde Freeh vom ehemaligen Präsidenten Bush Kinder.
an das Bundesgericht berufen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 30

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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 28.07.1993</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Defizitplan hat Handlungsspielraum in Tokio geschaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor Demokraten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher skizziert Ziele seiner Reise nach Asien, Australien, Nahost&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nichtverbreitung ist Priorität der US-Sicherheitspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers beim ASEAN&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Balkan&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oxman erläutert US-Balkanpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor KSZE-Kommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen Kriegsverbrechertribunal zu Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USIA-Film zeigt Tragik der Situation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Produktivster G-7-Gipfel seit 10-15 Jahren &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Staatssekretär Summers über WorldNet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan: Zeit für Defizitabbau läuft ab &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clintonplan vielversprechender erster Schritt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die soziale Dimension der wirtschaftlichen Umstrukturierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freeh genießt den Ruf eines erfahrenen Verbrechensbekämpfers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten FBI-Direktors&lt;/em&gt;</text>
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