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U.S. Information Service
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HANDEL

21. Juli 1993

KANTOR BEZEICHNET TOKIOTER RAHMENVEREINBARUNGEN ALS ERSTE SCHRITTE

Stellungnahme vor Unterausschuß für Handel

PROLIFERATION

NORDKOREA ZU NUKLEARGESPRÄCHEN MIT
IAEO UND SEOUL BEREIT
Erklärungen bei Gesprächen USA-Nordkorea

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER GIBT NAHOSTREISE BEKANNT
Unterstützung des Friedensprozesses

AID

WICHTIGE ROLLE FÜR AID NACH DEM
KALTEN KRIEG
Auszüge aus der Erklärung von
Clifton Wharton

GUS-HILFE

US-KRANKENHAUSER AKTIV IN GUS
Beitrag zur Linderung der Krise
im Gesundheitswesen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�HANDEL
21. Juli 1993

KANTOR BEZEICHNET TOKIOTER RAHMENVEREINBARUNGEN ALS ERSTE SCHRITTE
Stellungnahme vor Unterausschuß für Handel
WASHINGTON - (AD) - Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor hat die beiden größten Leistungen des
kürzlichen G-7-Gipfels in Tokio - die Quad-Vereinbarung über Marktzugang sowie das amerikanisch-japanische
wirtschaftliche Rahmenabkommen - als gute erste Schritte bezeichnet, die weitere unmittelbare Anschlußmaßnahmen erforderten, wenn sie irgendeine Bedeutung haben sollen.
In einer Stellungnahme vor dem Unterausschuß für Handelsfragen des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses erklärte Kantor am 13. Juli 1993: "Die Ergebnisse von Tokio stellen einen großen Schritt nach vom
dar, mit dem die QUAD-Länder (die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft, Japan und Kanada)
Führungskraft unter Beweis gestellt haben, um den Verhandlungsprozeß in Genf zu beleben, wo unsere
wichtigsten Handelspartner nun unseren Bemühungen entsprechen müssen, um das Paket über Marktzugang
bis Dezember zu verwirklichen."
Kantor bezeichnete das bilaterale amerikanisch-japanische Abkommen ebenfalls als "einen Rahmen für künftige
Verhandlungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den geringfügig gekürzten vorbereiteten Text von Kantors Stellungnahme.

Ich begrüße die Gelegenheit, heute vor diesem Ausschuß eine Stellungnahme zu den Handelsaspekten
des G-7-Gipfels abgeben zu können. Für diejenigen,
die in der Administration und im Kongreß mit der
Formulierung der amerikanischen Handelspolitik befaßt sind, sind die uns konfrontierenden Herausforderungen nach wie vor umfangreich. Ich hoffe jedoch,
daß Sie meine Ansicht teilen werden, wonach der
Durchbruch im Hinblick auf die Uruguay-Runde und
die Vereinbarung über einen Rahmen für die Verhandlungen mit Japan einen bedeutenden Fortschritt für
unser Land, Arbeitsplätze für das amerikanische Volk
und eine stärkere Weltwirtschaft bedeuten.

überzeugt, daß wachsender Handel sowie die Schaffung neuer Märkte und Chancen für unser Programm
zur wirtschaftlichen Wiederbelebung und Schaffung
von Arbeitsplätzen unerläßlich sind.
Die Uruguay-Runde

Jahr für Jahr haben die Staats- und Regierungschefs
der G-7 ihrer Ansicht Ausdruck verliehen, es sei wichtig, die im Jahr 1986 aufgenommene Uruguay-Runde
abzuschließen. Da sich die Verhandlungen hinzogen,
war es von entscheidender Bedeutung, daß dieser
Gipfel über rhetorische Floskeln hinausging, um konkrete Ergebnisse zu erlangen und den Schwung für
Präsident Clinton reiste vergangene Woche in dem den Abschluß der Runde hervorzubringen. Ich gehe
Wissen zum G-7-Gipfel nach Japan, daß einem Erfolg davon aus, daß die Quad-Staaten - die USA, die EG,
seiner Reise eine Schlüsselfunktion für seine Bemü- Japan und Kanada - im Hinblick auf die Uruguayhungen zur Stärkung der amerikanischen Wirtschaft Runde einen Durchbruch erzielt haben.
zukam. Die Wirtschaftspolitik dieser Administration
Vor uns liegen zwei wichtige Aufgaben, um die Runde
beginnt mit dem Binnenwirtschaftsprogramm des
bis zum Jahresende zum Abschluß zu bringen. Wir
Präsidenten, das sich unseren hausgemachten Promüssen unsere Verhandlungen über Marktzugang bei
blemen widmet. Defizitabbau, neue Investitionen in
Waren, Dienstleistungen und Landwirtschaft vollenBildungswesen und Infrastruktur, das Gesundheitsden, und gleichzeitig müssen wir die regelschaffenden
wesen sowie die Neugestaltung der staatlichen VerVereinbarungen verbessern, die im Entwurf der "Schlußwaltung sind allesamt entscheidende Teile des Proakte" enthalten sind. Die vom Präsidenten beim Tokiogramms. Der Präsident ist jedoch voll und ganz davon
AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�ter Gipfel ausgeübte Fühaingsrolle verschafft uns die
Gelegenheit, diese Aufgaben in Genf zu vollenden.

hat unter Führung dieses Ausschusses unschätzbare
Beiträge zu unseren Bemühungen geleistet, indem er
Rat, Scharfblick sowie einen klaren Sinn für die VerIch sollte hinzufügen, daß die Vereinbarung von Tokio handlungsziele beigesteuert und dem Präsidenten vor
kein endgültiges Übereinkommen darstellt. Es gibt seiner Abreise nach Tokio das Fast-Track-Mandat
eine Redewendung in diesen Verhandlungen, wonach gegeben hat.
nichts vereinbart ist, bevor nicht alles vereinbart ist.
Trotzdem stellen die Ergebnisse von Tokio einen gro- Darüber hinaus nahm der Präsident die führenden
ßen Schritt nach vorn dar, mit dem die Quad-Länder Politiker der Welt persönlich und telefonisch in die
Führungskraft unter Beweis gestellt haben, um den Pflicht und forderte sie auf, gemeinsam mit ihm diesem
Verhandlungsprozeß in Genf zu beleben, wo unsere Paket zum Marktzugang Impulse zu geben.
wichtigsten Handelspartner nun unseren Bemühungen entsprechen müssen, um das Paket über Markt- Das Paket von Tokio enthält folgende Bestandteile:
zugang bis Dezember zu verwirklichen. Die Quad- Eine Vereinbarung der Quad-Staaten zur Abschaffung
Länder haben weiterhin besonderen Ehrgeiz, wesent- tarifärer und nichttarifärer Maßnahmen bei pharmaliche Reduzierungen von Schranken für den Marktzu- zeutischen Produkten, Baugerät, medizinischem Gerät,
gang zu erzielen. Unsere Vereinbarung von Tokio legt Stahl (abhängig von der Erzielung eines multilateralen
den Grundstein für ein bedeutendes Paket von Zoll- Stahlabkommens), Bier und - mit gewissen Ausnahmen - Möbel, Landmaschinen und Spirituosen. Dies
senkungen bei Industrieprodukten.
sind die sogenannten Null/Null-Initiativen. Am wichtigEine Hauptkomponente des Pakets geht auf die enor- sten ist jedoch unsere Einigung, uns zu bemühen,
men Bemühungen und Exportinteressen amerikani- dieser Liste weitere Sektoren hinzuzufügen.
scher Industriebranchen ein, indem die Zölle in acht
Sektoren abgeschafft und in anderen reduziert wer- Wir verständigten uns auf eine Harmonisierung der
den. In den Bereichen, in denen wir noch keinen Erfolg Zölle auf chemische Produkte zu einem niedrigeren
erzielt haben - Papier, Holz, wissenschaftliches Gerät, Satz, in einigen Fällen bis auf Null. Diese neun
nichteisenhaltige Metalle und Elektronik - sind die Sektoren umfassen gegenwärtig amerikanische ExVerhandlungen noch keineswegs beendet. Wir haben porte von 75 Milliarden Dollar - eine Summe, die nach
das Patt gebrochen und einen unverzichtbaren Schritt einer vollendeten Uruguay-Runde noch wesentlich
zur Beendigung der Uruguay-Runde in diesem Jahr wachsen würde.
getan.
Bei den verbleibenden Produkten haben wir ein allgeWie die Mitglieder dieses Ausschusses wissen, ist die meines Ziel von 33 Prozent festgelegt - das dem
Vereinbarung über Marktzugang das Ergebnis von Endziel der Zollsenkungen im Rahmen des Montrealer
Bemühungen, die in der ersten Woche dieser Admini- Protokolls von 1988 entspricht -, identifizierten jedoch
stration eingeleitet wurden. Damals stellte Präsident eine Reihe von Sektoren, in denen die Zölle erheblich
Clinton klar, daß der Abschluß der Uruguay-Runde in unter dieses Niveau abgesenkt werden könnten, in
diesem Jahr zu seinen höchsten Prioritäten gehört. einigen Fällen um mehr als 50 Prozent. Unsere
Auf seine Anweisung habe ich im Februar die Arbeit mit Vereinbarung verweist auf ein besonderes Interesse
meinem EG-Amtskollegen, Sir Leon Brrttan, aufge- von einigen Teilnehmern, in Bereichen wie Holz, Papier
nommen, um Fortschritte bei Fragen des Marktzu- und Zellstoff sowie wissenschaftlichem Gerät weiter
gangs zu erzielen, zunächst zwischen den Vereinigten zu gehen - alles entscheidende Sektoren für die VereiStaaten und der EG und dann mit den anderen Quad- nigten Staaten. Ich verpflichte mich zu versuchen,
Staaten. Das Ziel war dabei, bis zum Gipfel der G-7 beim Abbau der Zölle in diesen Bereichen wesentlich
den Rahmen für ein weitreichendes Marktzugangspa- mehr zu erreichen. Dasselbe gilt für den Elektronikbereich, in dem die EG bereit war, eine Überschreitung
ket abzustecken.
des Zieles von 33 Prozent in Erwägung zu ziehen,
Der Präsident hat wiederholt gemeinsam mit anderen sowie bei nichteisenhaltigen Metallen.
führenden Staatsmännern sowie Entscheidungsträgern im Finanzwesen aus aller Welt die Notwendigkeit Schließlich werden in dem Paket auch die "Spitzen"
betont, die Uruguay-Runde unverzüglich zu beleben, angesprochen - die von den Quad-Ländern unterhaltesowie die Bedeutung, die der Erlangung eines Abkom- nen Zölle, die bei 15 Prozent oder höher liegen. Die
mens über ein Paket zum Marktzugang bis zum Gipfel Quad-Länder haben im Durchschnitt relativ niedrige
zukomme. Unter den Staats- und Regierungschefs Zölle, aber esgibt nach wie vor einige Spitzen. Wie Sie
der Quad-Staaten stießen wir auf zahlreiche Verbün- sehr gut wissen, hat man sich mit den amerikanischen
dete, die unsere Ansicht teilten, daß der Abschluß der Spitzenzöllen befaßt - in Bereichen wie Textilien,
Runde entscheidend für die Weltwirtschaft sei und Bekleidung, Keramik und Glas. Wir haben nach ausführlichen innenpolitischen Konsultationen bei einer
dieses Jahr die letzte gute Chance dafür bestehe.
Reihe von Spitzenzöllen Reduzierungen in Bereichen
Wir wollten unser Engagement für den Abschluß der angeboten, in denen unsere Quad-Partner die hauptRunde unterstreichen, indem wir die Fast-Track-Voll- sächlichen oder wichtige Anbieter sind...
macht nur für diesen Zweck anstrebten. Der Kongreß
Seite 2

AMERIKA DIENST 29

�Obwohl der Schwerpunkt in Tokio auf Industriewaren
lag, kamen wir überein, daß eine erfolgreiche Uruguay-Runde ein wesentliches Paket von Verpflichtungen zu Marktzugang bei den Dienstleistungen, dem
am schnellsten wachsenden Teil der Weltwirtschaft,
bei dem die Vereinigten Staaten enorme Stärken haben,
enthalten muß. Beim Zugang im Dienstleistungsbereich sind substantielle Fortschritte erzielt worden. Die
Quad-Gespräche konzentrierten sich auf die verbleibenden Gebiete, auf denen weitere Arbeit erforderlich
ist, bevorein Erfolg erzielt werden kann: Dienstleistungen im Finanzsektor, im Telekommunikationswesen,
im Seeverkehr, im audiovisuellen Bereich und im
Personenverkehr. Wir haben eine gute Grundlage, auf
der wir in Genf aufbauen können.

Falle eines Abbaus der Zölle um ein Drittel sowie eines
Abbaus der nichttarifären Handelshemmnisse das
durchschnittliche Jahreseinkommen einer vierköpfigen Familie um 1.700 Dollar steigen würde.
Die Zeit zu einem Abschluß der Runde ist schon lange
gekommen. Wir können keine Situation dulden, in der
Abkommen in Bereich des Handels sieben Jahre brach
liegen. Die Welt verändert sich jetzt sehr schnell.
Regierungen kommen und gehen, die Technologie
ändert sich und Volkswirtschaften entwickeln sich
innerhalb kürzester Zeit.
Rahmenwerk für amerikanisch-japanische Verhandlungen

Der andere Tagesordnungspunkt in Tokio war die
Nun möchte ich noch auf die Landwirtschaft zu spre- Bemühung, sich auf ein neues Rahmenwerk für die
chen kommen, die für die Vereinigten Staaten weiter- Verhandlungen mit Japan bei sektoralen und struktuhin ein zentraler Bestandteil des Pakets der Uruguay- rellen Angelegenheiten zu einigen, die unsere Exporte
Runde ist. In Tokio einigten wir uns, daß die Arbeit in und die anderer Nationen nach Japan behinderten und
Genf fortgesetzt werden muß, damit die Zeitpläne für unseren wahrscheinlich wichtigsten bilateralen Beziedie einzelnen Länder abgeschlossen und Einzelheiten hungen schadeten. Ein Abkommen über ein neues
der Verpflichtungen über Marktzugang festgelegt werden Rahmenwerk wurde nur wenige Stunden vor der Abkönnen. Nach Abschluß des Abkommens von Blair reise des Präsidenten aus Tokio erreicht.
House bleibt der Marktzugang das Hauptanliegen bei
den Genfer Verhandlungen. Die Vereinigten Staaten Neben dem Abschluß der Uruguay-Runde und dem
arbeiten mit ihren Handelspartnern in der Cairns- NAFTA ist das wichtigste handelspolitische Ziel dieser
Gruppe zusammen, die darauf bestehen, daß der als Administration ein wirklicher Fortschritt bei der VerErgebnis dieser Runde erreichte Marktzugang über besserung unserer ungleichen Handelsbeziehungen
den gegenwärtigen hinausgehen muß. Das ist ein mit Japan. Der Präsident und seine Mitarbeiter waren
Grundsatz, der unsere Verhandlungen weiterhin be- sich stets bewußt, daß viele Faktoren zu unserem
stimmen wird.
bilateralen Handelsdefizit mit Japan beitragen. Wir
sind uns der Auswirkungen unserer Haushaltsdefizite
In Tokio einigten wir uns, in Genf unser Abkommen bewußt, unserer niedrigen Sparquote und der historisofort zu einem ersten Schritt zum erfolgreichen Ab- schen Betonung des Militärs anstelle ziviler F &amp; E,
schluß der Runde zu machen. Unsere Verhandlungs- sowie vieler anderer Faktoren. Wir hegen große
führer begannen gestern die Serie von Gesprächen Bewunderung für die Errungenschaften Japans: Die
mit ihren Kollegen aus anderen Nationen, um die in Qualität und Entschlossenheit seiner Arbeitskräfte,
Tokio geleistete Arbeit zu erläutern und mit ihnen über sein vorzügliches Erziehungssystem und die dort
ihr Angebot zu einem Abbau oder einer Abschaffung hergestellten Produkte.
dertarifären und nichttarifären Handelshemmnisse zu
sprechen. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, Darüber hinaus verkörpert Japan jedoch immer noch
daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ihren Teil zu einen Markt, der auf dramatische Weise weniger offen
einer erfolgreichen Runde beizutragen; unsere Quad- ist als der unsrige, und bedeutend weniger offen als er
Partner haben eine ähnliche Entschlossenheit demon- aufgrund der Größe der japanischen Wirtschaft und
striert. Viele andere betroffene Nationen werden je- des Stands seiner Entwicklung sein sollte. Das relative
doch ebenfalls einen Beitrag leisten müssen, damit wir Fehlen tarifärer Handelshemmnisse ist von geringerer
ein Ergebnis erzielen, das für uns alle von Vorteil ist. Bedeutung als die verblüffende Vielfalt nichttarifärer
Hemmnisse, die einen Erfolg auf dem japanischen
Die Ru nde stellt keinen Gefallen dar, den wir dem Rest Markt so erschweren. Immer wieder haben amerikader Welt erweisen. DRI, das größte Unternehmen für nische Produkte und Dienstleistungen, die auf der
Wirtschaftsprognosen, nimmt an, daß neben den ganzen Welt begehrt sind, nur geringen Erfolg in
erwarteten Verbesserungen bei Beschäftigung, Real- Japan. Viele unserer Handelspartner mu ßten dieselbe
löhnen und Produktivität ein guter Abschluß der Uru- Erfahrung machen.
guay-Runde in den Vereinigten Staaten nach zehn
Jahren zu einem Anstieg der Nettobeschäftigung von Gleichzeitig sind wir uns bewußt, daß Japan eine
1,4 Millionen Arbeitsplätzen, einem durchschnittlichen offenere Wirtschaft hat als noch vor fünf oder zehn
Produktivitätszuwachs von etwas über 2 Prozent und Jahren. Das Land ist tatsächlich der zweitgrößte
einer Reallohnerhöhung von 1,6 Prozent führen wird. Abnehmer amerikanischer Exporte (nach Kanada),
Zusätzlich schätzten die US-Handelsbeauftragte und und die amerikanische und japanische Volkswirtschaft,
der Rat der Wirtschaftsberater im Jahr 1990, daß im die zusammen 40 Prozent zum weltweiten BruttoinAMERIKA DIENST 29

Seite 3

�landsprodukt beitragen, sind eng miteinander verbunden und stehen in zunehmender wechselseitiger
Abhängigkeit. Darüber hinaus streben wir, wie der
Präsident in seiner Rede in der Waseda University
beredt hervorhob, eine offenere, stärker verbraucherorientierte japanische Volkswirtschaft an und unternehmen Schritte, die nicht nur für die Vereinigten
Staaten, sondern auch die Menschen in Japan von
Vorteil sind, die um die Früchte ihrer harten Arbeit und
ihrer Leistungen betrogen werden.
Aus diesem Grund haben wir ein Rahmenwerk für die
Verhandlungen mit Japan angestrebt, das es uns
erlaubt, stetige und bedeutsame Fortschritte im Hinblick auf die Öffnung des japanischen Marktes zu
erzielen, ohne die Bitterkeit, die während des letzten
Jahrzehnts unserer Beziehung schadete. Das von uns
angestrebte Rahmenwerk sollte uns gestatten, uns auf
vordringliche Sektoren und Praktiken sowie auf strukturelle makroökonomische Angelegenheiten zu konzentrieren. Es sollte uns gestatten, innerhalb eines
engen Zeitrahmens (ein halbes oder ein ganzes Jahr)
über Schlüsselfragen zu verhandeln und wichtige objektive Kriterien festsetzen, d.h. Bewertungen für den
erzielten Fortschritt. Wir haben die Verhandlungen
aus einer starken Position heraus begonnen, da Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm das Haushaltsdefizit und die innenpolitischen Schwächen anging, die
Japan als Hauptgründe für das Handelsungleichgewicht zwischen unseren Nationen anführt.
Dieses Abkommen verpflichtet die japanische Regierung, greifbare Fortschritte zu machen sowie quantitative und qualitative Maßnahmen zur Erfassung dieses
Erfolgs zu ergreifen.

3.

das Ineinandergreifen sektoraler und struktureller Maßnahmen in jedem Korb sowie

4.

einen festgelegten Zeitrahmen für den Abschluß
der Verhandlungen.

So sieht der Rahmen für künftige Verhandlungen aus.
An sich stellt er keine Marktöffnung dar, ist keine
Garantie für künftige Erfolge und kein Allheilmittel für
bilaterale Differenzen, die unsere Beziehungen zu
Japan charakterisierten. Es müssen weiterhin schwierige Verhandlungen über wichtige Angelegenheiten
geführt werden, einschließlich der Durchsetzung bereits in Kraft getretener Abkommen. Wir beabsichtigen, Fortschritte zu machen und sind uns bewußt, daß
das nicht immer einfach sein wird. Wir engagieren uns
dafür, große Anstrengungen nicht zu scheuen, um
innerhalb dieses Rahmenwerkes Ergebnisse zu erzielen, aber wenn die Konsultationen und Verhandlungen
innerhalb dieses Rahmenwerkes nicht zu den erforderlichen Fortschritten führen, werden wir ohne Zögern andere Ansätze wählen, die der Kongreß in dem
Handelsgesetz zur Verfügung stellte.
Schlußbemerkung
Ich bin mir durchaus der Tatsache bewu ßt, daß für den
Collegeabgänger auf der Suche nach einem ersten
Arbeitsplatz, den jungen Afroamerikaner in einer Innenstadt, der dem Teufelskreis der Armut entkommen
will, den entlassenen Fabrikarbeiter oder den um seine
Existenz kämpfenden Farmer im Mittleren Westen die
Uruguay-Runde und das Rahmenabkommen mit Japan
von geringer Bedeutung in ihrem Leben sind.

Wie ich jedoch bereits bei meiner Anhörung im Januar
hervorhob, ist nichts Akademisches oder TheoretiDas von uns ausgehandelte Rahmenwerk verpflichtet sches an der Arbeit, die der Präsident mir zugewiesen
Japan zu einem signifikanten Abbau seines Leistungs- hat. Jede Milliarde Dollar an Exporten schafft 20.000
bilanzüberschusses mit der Welt, zu bedeutenden neue Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Das
Erhöhungen seiner Importe aus der ganzen Welt und sind außerdem gute Arbeitsplätze, die Mehrheit im
die Vereinigten Staaten zu einem wesentlichen Abbau Produktionssektor, mit einem durchschnittlich um 3.500
ihres Haushaltsdefizits. Es bahnt den Weg für VerDollar höheren Einkommen als auf Arbeitsplätzen
handlungen über Autos und Autoersatzteile, staatliche außerhalb der Exportbranche. In DienstleistungsbeBeschaffungen und eine Reform der diesbezüglichen trieben auf exportorientierten Gebieten erhalten die
Vorschriften. Es sorgt für die vollständige InkraftsetArbeitnehmer 20 Prozent höhere Löhne als die Arbeitzung bestehender Abkommen und Verpflichtungen.
nehmer in den anderen Dienstleistungsbetrieben.
Das Rahmenwerk umfaßt auch kooperative Bemühungen unserer beiden Länder zur Förderung auslän- Die Welt hat sich in den letzten Jahren auf eine Art und
discher Direktinvestitionen, beim Zugang zu Techno- Weise gewandelt, wie wir es uns nicht erträumt hätten
logie, geistigen Eigentumsrechten und im Bereich der - der Kalte Krieg ist zu Ende gegangen, und im Gefolge
Umwelt. Durch objektive Kriterien werden Fortschritte sind neue Staaten entstanden. Auch die Wirtschaft hat
auf halbjährlichen Treffen zwischen dem Präsidenten sich weltweit gewandelt. Die Technologie und mobile
und dem japanischen Premierminister erfaßt.
Kapitalressourcen haben eine Weltwirtschaft geschaffen. Unser Wohlstand und der unserer Kinder hängt
Das Abkommen enthält die vier Hauptanliegen des von unserer Konkurrenzfähigkeit in der neuen WeltPräsidenten:
wirtschaft ab, mit der die Vereinigten Staaten untrennbar verbunden sind.
1.
eine ergebnisorientierte Politik,
2.

quantitative und qualitative Maßnahmen,

Seite4

Wir sind weltweit der größte Exporteur. Wir setzen
Maßstäbe für die Welt auf so unterschiedlichen Gebie-

AMERIKA DIENST 29

�ten wie Computer, Maschinenbau, Filmindustrie, Landwirtschaft, Architektur. Wir haben von offenen Märkten und erweitertem Handel nichts zu befürchten, da
wir so starke Wettbewerber sind. Das Ziel unserer
Handelspolitik besteht darin sicherzustellen, daß un* *

AMERIKA DIENST 29

sere Handelsgesetze eingehalten werden, daß andere
Staaten sich an die mit uns eingegangenen Abkommen halten und daß die Märkte anderer Nationen für
unsere Waren und Dienstleistungen ebenso offen sind
wie unser Markt für die ihren.
* *

Seite 5

�PROLIFERATION
21. Juli 1993

NORDKOREA ZU NUKLEARGESPRÄCHEN
MIT IAEO UND SEOUL BEREIT
Erklärungen bei Gesprächen USA-Nordkorea
GENF - (AD) - Nordkorea ist nach einer Ankündigung vom 19. Juli 1993 zur Aufnahme von Konsultationen mit
der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und zu bilateralen Gesprächen mit Südkorea über
Themen in Zusammenhang mit seinem Atomprogramm bereit.
In einer von Nordkorea und den Vereinigten Staaten vereinbarten Erklärung, die von beiden Parteien am Ende
ihrer zweiten Gesprächsrunde zum nordkoreanischen Atomprogramm veröffentlicht wurde, wird festgestellt, die
Vereinigten Staaten seien bereit, Nordkorea bei der Umstellung von Graphit- auf Leichtwasserreaktoren zu
helfen, die für die Kernwaffenproduktion weniger geeignet sind.
Der Erklärung zufolge werden Vertreter der beiden Staaten innerhalb der nächsten zwei Monate erneut
zusammentreffen, um das Nuklearproblem zu erörtern und "die Grundlage für die Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen der DVRK und den USA zu legen".
In einer anschließend vom Abteilungsleiter für politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium,
Robert Galluci, verlesenen eigenen Erklärung stellten die Vereinigten Staaten fest, mit der nun zum Ausdruck
gebrachten Bereitschaft Nordkoreas zur Aufnahme eines Nukleardialogs mit Seoul erhofften die Vereinigten
Staaten 'Von den beiden koreanischen Staaten Einigung über die Durchführung eines wirksamen bilateralen
Inspektionsregimes".
Femer wurde darin festgestellt, die Vereinigten Staaten seien zwar bereit, die Umstellung Pjöngjangs auf
Leichtwasserreaktoren zu unterstützen, könnten jedoch "keine nukleare Zusammenarbeit zu friedlichen
Zwecken mit der DVRK unterhalten", bis Nordkorea seine "Nichtverbreitungsverpflichtungen eindeutig einhält".
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame amerikanisch-nordkoreanische Erklärung sowie die anschließend verlesene getrennte amerikanische Erklärung im Wortlaut.

Amerikanische Presseerklärung

Beide Seiten anerkennen die Zweckdienlichkeit der
Absicht der DVRK, ihre Graphitreaktoren und damit
Von den Vereinigten Staaten und der DVRK ver- verbundenen Nukleareinrichtungen durch Leichtwaseinbarte Erklärung
serreaktoren zu ersetzen. Als Teil einer abschließenden
Lösung der Nuklearfragen und unter der VorausDie Delegationen der Vereinigten Staaten und der
setzung,
daß eine Lösung in Zusammenhang mit der
DVRK trafen vom 14.-19. Juli 1993 zu einer zweiten
Bereitstellung
von Leichtwasserreaktoren (LWR) erGesprächsrunde zur Lösung nuklearer Fragen in Genf
reichbar
ist,
sind
die Vereinigten Staaten bereit, die
zusammen.
Einführung von LWR zu unterstützen und mit der
Beide Seiten bekräftigten die Prinzipien der gemeinsa- DVRK Wege zur Beschaffung von LWR zu sondieren.
men Erklärung USA/DVRK vom 11. Juni 1993.
Beide Seiten stimmten überein, daß die vollständige
Die Vereinigten Staaten bekräftigten ihrerseits speziell und unvoreingenommene Anwendung der Schutzmeihre Verpflichtung zu den Prinzipien im Hinblick auf chanismen der IAEO unverzichtbar ist, um ein nachGarantien gegen die Androhung oder den Einsatz von haltiges internationales Regime zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen zu erlangen. Auf dieser Grundlage ist
Gewalt, einschließlich von Kernwaffen.

AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�die DVRK bereit, mit der IAEO so bald wie möglich
Konsultationen über noch ausstehende Schutzmechanismen und andere Fragen aufzunehmen.
Die USA und die DVRK bekräftigten darüber hinaus die
Bedeutung der Implementierung der Gemeinsamen
Nord-Süd-Erklärung über die Entnuklearisierung der
koreanischen Halbinsel. Die DVRK bekräftigt, daß sie
nach wie vor bereit ist, so bald wie möglich die NordSüd-Gespräche über bilaterale Fragen, einschließlich
der Nuklearfrage, aufzunehmen.
Die USA und die DVRK haben vereinbart, in den
kommenden beiden Monaten erneut zusammenzutreffen, um noch ausstehende Probleme im Hinblick
auf die Lösung des Nuklearproblems zu erörtern,
daruntertechnische Fragen in Zusammenhang mit der
Einführung von LWR, sowie die Grundlage für die
Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen der
DVRK und den USA zu schaffen.

zu zerstreuen, und wir fordern die DVRK auf, unverzüglich zu einer Einigung mit der IAEO zu gelangen.
Zweitens hat die DVRK der möglichst baldigen Wiederaufnahme von Gesprächen mit der Republik Korea
über die Verwirklichung der Nord-Süd-Entnuklearisierungserklärung und andere bilaterale Themen zugestimmt. Die Republik Korea hat darüber hinaus erklärt,
sie sei zu einem Dialog bereit. Aus diesem Grund
erwarten wir von den beiden koreanischen Staaten
Einigung über die Durchführung eines wirksamen bilateralen Inspektionsregimes.

Drittens hat die DVRK angekündigt, sie sei zur Abschaffung der Graphitreaktoren und verwandter Einrichtungen zugunsten von Leichtwasserreaktoren bereit,
die zur Produktion von Nuklearwaff enmaterial weniger
geeignet sind. Wir haben vereinbart, in die nächste
Gesprächsrunde zwischen den Vereinigten Staaten
und der DVRK Erörterungen dieses Themas einzubeziehen. Obwohl wir die Umstellung auf LeichtwasserEinseitige Presseerklärung der Vereinigten Staa- reaktoren als Teil einer endgültigen Lösung der Nuten
klearfrage unterstützen, ist davon auszugehen, daß
die Vereinigten Staaten keine nukleare ZusammenarSie alle haben die von den Delegationen der Vereinigbeit zu friedlichen Zwecken mit der DVRK unterhalten
ten Staaten und der DVRK vereinbarte Presseerkläoder anderen bei der Unterstützung der DVRK behilfrung gesehen. Ich möchte die amerikanische Haltung
lich sein können, bis die DVRK ihre Nichtverbreitungszu dieser wichtigen Frage sowie zum derzeitigen Stand
verpflichtungen eindeutig einhält, einschließlich des
der Verhandlungen erläutern.
NW, der IAEO und der Nord-Süd-Erklärung.
Wir der Präsident kürzlich feststellte, bedeutet das
Atomprogramm der DVRK eine schwerwiegende Offenkundig beinhaltet der Verkauf eines NuklearBedrohung der internationalen Sicherheit und des reaktors auch komplexe finanzielle und rechtliche Fragen,
Nichtverbreitungsregimes. Unsere Gespräche in Genf die zu einem geeigneten Zeitpunkt in der Zukunft
sind Teil kontinuierlicher und entschlossener Bemü- angesprochen werden mü ßten. Dennoch vertreten wir
hungen der internationalen Staatengemeinschaft und die Auffassung, daß unseren langfristigen Nichtverder Vereinigten Staaten, die Nuklearfrage zu lösen und breitungszielen gedient sein wird, wenn wir Möglichkeiten für die DVRK zur Umstellung auf Leichtwasserdie Sicherheit in der Region zu stärken.
reaktoren sondieren, sobald die DVRK ihre Nichtverbreitungsverpflichtungen
voll und ganz einhält.
Unser Ziel ist eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel und ein starkes weltweites Nichtverbreitungsregime. Wir wünschen, daß die DVRK weiterhin Mitglied Im Verlauf unserer Gespräche haben beide Seiten die
des NW bleibt, die Sicherheitsbestimmungen der Prinzipien der von den Vereinigten Staaten und der
IAEO in vollem Umfang einhält und die Nord-Süd- DVRK am 11. Juni 1993 veröffentlichten gemeinsaErklärung zur Entnuklearisierung uneingeschränkt men Presseerklärung bekräftigt. Die in dieser Erkläverwirklicht. Bei unseren Gesprächen vergangenen rung erwähnten Prinzipien und ihre Bekräftigung in
Monat in New York stimmte die DVRK zu, ihren Austritt Genf basieren auf den amerikanischen Verpflichtunaus dem N W aufzuschieben. Dies war ein positiver gen im Rahmen der UN-Charta. Diese VerpflichtunSchritt. Im Einklang mit ihrem Status als Vertragspar- gen zwingen uns, von einer Androhung oder dem Eintei des NW erwarten wir auch in Zukunft, daß die satz von Gewalt gegen ein anderes Land Abstand zu
nehmen, ausgenommen als Selbstverteidigung oder
DVRK regelmäßige lAEO-lnspektionen zuläßt.
in anderer Weise mit der Charta der Vereinten NatioBei dieser Gesprächsrunde haben wir drei weitere nen im Einklang stehend. Offensichtlich bewahren
Schritte zu einer Lösung der Nuklearfrage in die Praxis diese Prinzipien unsere Verpflichtung und Fähigkeit,
umgesetzt. Erstens hat die DVRK der Aufnahme von der Republik Korea bei ihrer Selbstverteidigung behilfKosultationen mit der IAEO über anhängige Fragen lich zu sein, einschließlich dem Recht, defensive
der Sicherheit zugestimmt, einschließlich des Antrags Übungen durchzuführen.
der IAEO auf zusätzliche Information und Besuche
weiterer Standorte. Die Frage des Zugangs zu diesen Wie wir bereits erklärt haben, sind die Vereinigten
Standorten ist nach wie vor entscheidend, um interna- Staaten zur Fortsetzung ihres Dialogs mit der DVRK
tionale Bedenken über das Nuklearprogramm der DVRK bereit, solange wir Fortschritte bei der Lösung der
Nuklearfrage erzielen. Aufgrund der Ergebnisse die-

Seite 2

AMERIKA DIENST 29

�ser Gesprächsrunde haben wir ein erneutes Treffen in
den nächsten zwei Monaten vereinbart, um unsere
Bestrebungen zur Lösung der Nuklearfrage fortzusetzen. In diesem Zusammenhang möchte ich hinzufügen, daß wir aufgrund der Erklärung der DVRK, sie
werde Gespräche mit der IAEO und der Republik
Korea aufnehmen, den Beginn einer dritten Gesprächsrunde zwischen den Vereinigten Staaten und der DVRK

*

AMERIKA DIENST 29

*

nicht erwarten, bis ernsthafte Diskussionen mit der
IAEO und der Republik Korea in die Wege geleitet
worden sind. Wir haben ferner eindeutig klargestellt,
daß unser Dialog nicht fortgesetzt werden kann, wenn
die DVRK aus dem N W austritt, weiterhin Kernbrennstoffe aufbereitet und regelmäßigen lAEO-lnspektionen nicht zustimmt, die für die kontinuierliche Einhaltung der Sicherheitsvorschriften unabdingbar sind.

*

*

Seite 3

�NAHER

OSTEN
21. Juli 1993

CHRISTOPHER GIBT NAHOSTREISE BEKANNT
Unterstützung des Friedensprozesses

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
wird im Rahmen der amerikanischen "Bestrebungen
zu gleichberechtigter Partnerschaft" und in der "Rolle
eines ehrlichen Maklers" im Friedensprozeß vom 1. bis
5. August 1993 mit Regierungsvertretern im Nahen
Osten zusammenkommen.
Bei einem Phototermin mit dem belgischen Außenminister Claes am 16. Juli erklärte Christopher femer, er
werde nächste Woche nach Singapur abreisen, wo er
am Treffen der ASEAN (Verband Südostasiatischer
Nationen) im Anschluß an das Ministertreffen teilnehmen und dann vor der Reise in den Nahen Osten
Australien einen Besuch abstatten werde.
Christopher charakterisierte seine Reise in den Nahen
Osten als "Teil langwieriger, umfassender Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Erlangung des Friedens" in dieser Region.
"Ich erwarte keinen entscheidenden Durchbruch von
dieser Reise", stellte er fest. "Meines Erachtens ist sie
jedoch Teil eines Prozesses, den wir mit großer Entschlossenheit bei dem Versuch verfolgen wollen, den
Parteien zu helfen."
Der Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry, betonte später, daß "es jetzt an der Zeit ist, sich
direkt mit den Parteien in Verbindung zu setzen, um die
in ihren Positionen bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken".

Obwohl die Planungen für die Reise des Außenministers noch nicht abgeschlossen sind, so McCurry,
stehe der Termin vom 1.-5. August für die Reise in die
Region fest. Der Außenminister wird voraussichtlich
mit Regierungsvertretern in Kairo, Jerusalem, Amman
und Damaskus zusammentreffen, jedoch nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.
"Wir hoffen, mit dieser Reise den Grundstein für kontinuierliche Fortschritte zu legen", erklärte McCurry.
"Wir haben immer wieder gesagt, daß langwierige
Arbeit vor uns liegt... und hoffen zweifelsohne, daß die
Reise des Außenministers dazu beiträgt, den
(Friedens)prozeß voranzubringen.
Auf die Frage, ob der Außenminster in diesem Jahr
mehrere Reisen in die Region unternehmen werde,
antwortete McCurry: "Wir machen einen Schritt nach
dem anderen und sind bereit, die zum jeweiligen
Zeitpunkt angemessene Rolle zu übernehmen,... es
ist jedoch durchaus denkbar, daß zusätzliche Reisen
erforderlich sein werden... Wir sehen darin einen
Prozeß, der sich in den kommenden Monaten bis Ende
des Jahres entwickeln wird und nicht als etwas, bei
dem wir infolge der Reise unverzüglich einen Durchbruch erlangen können."

McCurry erklärte den Journalisten, die Parteien in der
Region "haben klargestellt, daß sie die Fortsetzung der
Rolle der Vereinigten Staaten als gleichberechtigter
Partner wünschen und sie die Teilnahme des Außenministers als aktiver Vermittler in diesem Prozeß zu
"Der Außenminister ist sich zweifellos bewußt, daß
schätzen wissen... Sie haben unmißverständlich festsein persönliches Engagement kontinuierlich erfordergestellt, daß sie die Teilnahme des Außenministers
lich sein wird, wenn wir den Parteien helfen wollen, die
begrüßen würden."
einem Abkommen im Wege stehenden Hindernisse zu
überwinden", fügte McCurry bei einer Pressekonfe- Auf die Frage nach einem möglichen Stichtag für die
renz im Außenministerium hinzu. "Dies ist der Zweck Beendigung der amerikanischen Beteiligung am Frieseiner Gespäche mit den Parteien bei der Reise An- densprozeß antwortete McCurry, seiner Ansicht nach
fang August."
'haben unsere Vermittler im Friedensprozeß das Gefühl,

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Seite 1

�daß 1993 das Jahr ist, in dem Fortschritte erzielt
werden können, vorbehaltlich der richtigen Art von
Beteiligung der Vereinigten Staaten und vorbehaltlich
der Bereitschaft seitens der Parteien, die äußerst
schwierigen Fragen anzusprechen, mit denen sie sich
in diesen Verhandlungen konfrontiert sehen".

nister und andere gehen davon aus, daß sie jetzt
darüber nachdenken müssen, wie die in den Positionen der Parteien bestehenden Meinungsverschiedenheiten am besten überbrückt - und eine Annäherung
erzielt - werden können, während sie die Kernfragen
dieses Dialogs ansprechen.

"Der 31. Dezember ist nicht zwangsläufig ein willkürli- "Meines Erachtens zeigen sich Fortschritte - wenn sie
cher Stichtag", fügte er hinzu, "aber wir sehen dies als gemacht werden - an der Bereitschaft der Parteien,
das Jahr an, in dem sich Chancen bieten, die genutzt sich mit diesen Kernfragen zu befassen, sie in Angriff
zu nehmen und sich mit den Entscheidungen auseinwerden müssen."
anderzusetzen, die sie treffen müssen, wenn sie den
In einer Bewertung dessen, was man als Fortschritt Verhandlungen zum Erfolg verhelfen wollen."
definieren könne, stellte McCurry fest, "der Außenmi-

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* * *

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AMERIKA DIENST 29

�AID
21. Juli 1993

WICHTIGE ROLLE FÜR AID NACH DEM KALTEN KRIEG
Auszüge aus der Erklärung von Clifton Wharton
WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister Clifton Wharton hat erklärt, das Amt für internationale Entwicklung (AID) habe in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine wichtige Rolle zu spielen.
Vor einem Unterausschu ß des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten erklärte Wharton am 14. Juli
1993, die ihm unterstehende Arbeitsgruppe sei einstimmig zu dem Schluß gekommen, "daß Auslandshilfe
angesichts der neuen internationalen Gegebenheiten und Herausforderungen weiterhin ein Grundstein der
amerikanischen Außenpolitik bleibt und so wichtig wie eh und je, wenn nicht sogar wichtiger ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Erklärung Whartons vor dem Unterausschuß des Senats für
internationale Wirtschaftspolitik, Handel, die Ozeane und Umwelt.
Hat das Amt für Internationale Entwicklung im Zeitalter
nach dem Kalten Krieg eine Rolle zu spielen?
Die grundsätzliche Frage, die wir uns stellen müssen,
lautet, ob Auslandshilfe, und insbesondere die Art von
Entwicklungshilfe, die AID anbieten kann, in der Zeit
nach dem Kalten Krieg weiterhin unverzichtbar ist.
Unsere Arbeitsgruppe ist einstimmig zu dem Schluß
gekommen, daß Auslandshilfe angesichts der neuen
internationalen Gegebenheiten und Herausforderungen weiterhin ein Grundstein der amerikanischen
Außenpolitik bleibt und so wichtig wie eh und je, wenn
nicht sogar wichtiger ist.
Präsident Clinton hat drei Gebiete definiert, die für die
Vereinigten Staaten von lebenswichtigem Interesse
sind und auf denen effektiv durchgeführte Auslandshilfe einen wichtigen Beitrag leisten kann:
Nationale Sicherheit. Trotz des Zusammenbruchs des Kommunismus auf der ganzen Welt
und der damit in Zusammenhang stehenden
Gefahren von Aggression und Instabilität bleibt
die harte Wirklichkeit bewaffneter Konflikte und
von Gewalt bestehen. Diese beinhalten das
Potential, sich zu größeren grenzüberschreitenden Flächenbränden auszuweiten, die unsere
Bürger und lebenswichtigen Interessen bedrohen, und zu Terrorakten zu führen, die für uns im
In- und Ausland eine Gefahr darstellen. Einige
dieser Konflikte sind die Folge ethnischer oder
religiöser Unterschiede, viele resultieren jedoch
aus wirtschaftlichen Spannungen und Ungerechtigkeit. In dem Ausmaß, in dem Instabilität
durch Armut, Ungerechtigkeit beim Zugang zu
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Wirtschaft und Politik sowie durch gesellschaftliche Veränderungen verursacht wird - wie das
oftmals der Fall ist -, kann eine wirksame Entwicklungshilfe zum Abbau der Spannungen
beitragen, die die gewaltsamen Konflikte auslösen. Das AID kann in diesen Fällen zum friedlichen Wiederaufbau und zur Entwicklung beitragen und damit unsere nationalen sicherheitspolitischen Ziele fördern.
Ankurbelung der Wirtschaft. Die Herausforderung besteht darin, einen Beitrag zu einer
wachsenden, blühenden Weltwirtschaft zu leisten und gleichzeitig unsere eigene Wirtschaft
wiederaufzubauen. Aufstrebende Volkswirtschaften stellen ein enormes Wachstumspotential
und neue Märkte dar. Ein Beitrag zu ihrem
Wachstum erweitert den Markt für unsere eigenen Waren durch Handel und Investitionen.
Dadurch werden auch Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten geschaffen, das Angebot
von Konsumgütern erhöht und der Fluß von
strategischem Material verbessert. Präsident
Clinton hat hervorgehoben, daß der "Sieg" in
dieser Schlacht kein Nullsummenspiel zu sein
braucht, denn die Förderung der Volkswirtschaften anderer Länder führt zu Frieden, Arbeitsplätzen, Stabilität, einer Nachfrage nach amerikanischen Waren und Dienstleistungen sowie
einem höheren Lebensstandard für alle.
Die Förderung von Demokratie. Wirtschaftliche Entwicklung hat den besten Nährboden in
Demokratien, die den Bürgern eine Teilnahme
am politischen Leben ermöglichen. Die VereiSeite 1

�nigten Staaten haben ein fundamentales Eigeninteresse an der Schaffung einer funktionierenden "internationalen Staatengemeinschaft",
deren Merkmale gemeinsame demokratische
Werte und Ideale sowie relative politische Stabilität innerhalb der Länder und Regionen sind.
Die Demokratie hat weltweit Fuß gefaßt, aber in
vielen Ländern reichen ihre Wurzeln nicht sehr
tief. Programme zur Unterstützung und Stärkung auf Bürgerbeteiligung basierender Institutionen können durch die Stärkung aufstrebender Demokratien unseren nationalen Interessen
dienen.
Um diese grundlegenden nationalen Interessen zu
schützen und zu fördern, müssen unsere außenpolitischen Hilfsprogramme die Tatsache in Betracht ziehen, daß die innenpolitische Stärke der Vereinigten
Staaten für die Erreichung unserer Ziele von fundamentaler Bedeutung ist. Wir erreichen nichts, wenn wir
uns isolieren. Es gibt unlösbare Bande zwischen
unserer wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Gesundheit im Inland und derjenigen im Rest der Welt.
Zur Förderung unserer wirtschaftlichen und politischen
Ziele müssen wir die Teilnahme der Vereinigten Staaten an einer wachsenden Weltwirtschaft unterstützen.
Das Amt für Internationale Entwicklung steht an vorderster Front bei der Förderung von Demokratie und
Marktwirtschaften in anderen Ländern.
Als einzige verbleibende Supermacht der Welt befinden sich die Vereinigten Staaten in der beispiellosen
Position, eine aufgeklärte Führungsrolle bei globalen
Fragen in der Welt zu einer Zeit zu übernehmen, in der
eine starke Nachfrage nach einer solchen Führung
besteht. Der Verlust des gemeinsamen ideologischen
Feindes hat enorme Ressourcen zur positiven Nutzung durch die industrialisierte Welt freigesetzt. Ohne
eine starke Führungsrolle der Vereinigten Staaten
während dieser Zeit schleppender Wirtschaftsleistung
und neuer Sicherheitsherausforderungen besteht die
Gefahr einer Rückkehr zu einem System internationaler Beziehungen, das auf Isolationismus und Merkantilismus gründet.
Die wichtigste Quelle für eine Führungsrolle werden
weiterhin die Größe und Gesundheit unserer eigenen
Wirtschaft, die Macht und Einsatzbereitschaft unserer
Streitkräfte sowie unser Wille zu einem Engagement in
internationalen Fragen sein - insbesondere in vorausschauender und konstruktiver Weise. Unsere Führungsrolle mu ß also auf der Verfolgung der am meisten
andauernden Werte gründen - Achtung der Menschenrechte jedes einzelnen und ihr Schutz, starker Verlaß
auf Privatinitiative zur Förderung des sozialen Wohlergehens, Rechtsstaatlichkeit sowie eine den Bürger
einbeziehende und auf ihn eingehende Regierungsführung. Die Herausforderung für die amerikanische
Führungsrolle besteht in der Erhaltung von Frieden
und Stabilität durch die Förderung von Demokratie,

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des Schutzes der Umwelt weltweit, des Erhalts eines
starken Militärs sowie der Stärkung des internationalen Handelssystems.
Die Vereinigten Staaten halten nicht eine Lösung für
jedes Problem der Welt bereit. Unsere Nation hat
jedoch Eigenschaften, die aus unserer langen demokratischen Vergangenheit herrühren: Mitgefühl, aufgeklärtes Eigeninteresse, Bereitschaft zum Teilen sowie
ein tiefverwurzelter Respekt für die Menschenrechte
jedes einzelnen. Diese Instinkte stellen die Grundlage
für die amerikanische Unterstützung der Auslandshilfe
dar.
AID - Abschaffung oder Reform?
In Übereinstimmung damit, daß Auslandshilfe für unsere
nationalen Interessen von lebenswichtiger Bedeutung
bleibt, widmete sich die Arbeitsgruppe als nächstes
der Frage, ob ein neubelebtes und umorientiertes Amt
für Internationale Entwicklung am geeignetsten zur
Durchführung von entwicklungspolitischen Aspekten
des Gesamtauftrages sei, oder ob eine andere Behörde für diese Rolle besser geeignet ist.
Die Arbeitsgruppe zog mehrere Optionen in Erwägung, einschließlich der Abschaffung des Amtes, seiner Eingliederung in das Außenministerium sowie der
Übertragung seiner Funktionen auf andere Ministerien
und Behörden. Diese letztgenannte Alternative umfaßte die Unteroption, ein kleineres Nachfolgeamt
beizubehalten, um ein Programm für umweltverträgliches Wachstum vor allem durch nichtstaatliche Organisationen und Rechtsnachfolger durchzuführen.
Eine weitere Option sah vor, daß das AID sein Mandat
auf Katastrophenhilfe begrenzen und die langfristige
Hilfe multilateralen Behörden überlassen sollte. Die
Arbeitsgruppe erkannte jedoch eine eindeutige Notwendigkeit für eine gesonderte nationale Entwicklungsbehörde, die Programme durchführt, die von
multilateralen Institutionen nicht bereitgestellt werden
können:
Zunächst und als wichtigsten Punkt stellt das
AID eine direkte Verbindung zwischen den Zielen der amerikanischen Außenpolitik in unseren
bilateralen Beziehungen her. Multilaterale
Behörden bringen in ihren Programmen und
Maßnahmen nicht notwendigerweise die amerikanische Außenpolitik zum Ausdruck.
Das AID kann mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten und
damit effektiv die Empfänger an der Basis erreichen. Multilaterale Organisationen, insbesondere die internationalen Finanzinstitutionen,
verkehren nahezu ausschließlich mit ausländischen Regierungen.
Das lokale Fachwissen der AID-Stellen vor Ort
stellt eine seltene Gelegenheit zur Verfügung,
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�GUS-HILFE
21. Juli 1993

US-KRANKENHÄUSER AKTIV IN GUS
Beitrag zur Linderung der Krise im Gesundheitswesen

WASHINGTON - (AD) - Ein Lehrkrankenhaus der
Tufts University in Boston wird geschlossen, und
sämtliche Medikamentenvorräte werden an ein Krankenhaus in Nordwestrußland geliefert, um dessen
nahezu erschöpfte Vorräte an Medikamenten und
Verbrauchsmaterial aufzufüllen. Ärzte und Krankenschwestern des Medical College of Virginia besuchen
im Rahmen der zunehmenden Partnerschaften zwischen Krankenhäusern die Hafenstadt Wladiwostok
im Fernen Osten, um dort Verbesserungen bei medizinischen Verfahren zu unterstützen.
Vertretern des US-Gesundheitswesens zufolge lassen Initiativen wie diese Millionen von Menschen in
Rußland und anderen Republiken der ehemaligen
Sowjetunion hoffen, deren Gesundheitswesen durch
Mangel an Mitteln sowie veraltete medizinische Systeme belastet sind.
"In den vergangenen beiden Jahren ist das gesamte
russische Gesundheitssystem in seinen Grundfesten
erschüttert worden", erklärt Curtiss Swezy, Programmdirektor bei der American International Health Alliance,
einem Konsortium von Organisationen der Krankenhäuser und verwandter Einrichtungen. "Sie haben
kaum noch Verbandsmaterial, Nadeln und Impfstoffe.
Die pharmazeutische Industrie ist im Grunde ein Chaos."
Die Alliance hat in Zusammenarbeit mit dem US-Amt
für Internationale Entwicklung (AID) die Gründung von
über 20 Partnerschaften zwischen amerikanischen
Krankenhäusern und Einrichtungen in 10 Staaten der
ehemaligen Sowjetunion geleitet - von dem nördlich
des Polarkreises gelegenen Murmansk bis Kiew in der
Ukraine.
Das Partnerschaftsprogramm, das seit seinen Anfängen im Juli 1992 rasch gewachsen ist, hat den Charakter langfristiger technischer Hilfsbemühungen, durch
die Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungsfachleute aus den Vereinigten Staaten durch Austauschbesuche von zwei- bis vierwöchiger Dauer mit ihren
Kollegen in der ehemaligen Sowjetunion direkt in Kontakt
gebracht werden.
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"Verwaltungsfachleute und Ärzte fahren dorthin, und
wir bringen umgekehrt dieselbe Art von Leuten in unser
Land", so Swezy. "Wir erzielen bereits ziemlich erstaunliche Ergebnisse. Es finden Veränderungen
statt. Die Auswirkungen sind dramatisch."
Das AID hat 13,5 Millionen Dollar für das Programm
bereitgestellt, mit denen die internationalen Reisen der
Teilnehmer getragen werden. Zur Zeit ist ein Vorschlag zur Erhöhung der Bundesmittel auf 20 Millionen
Dollar im Gespräch. Die amerikanischen Krankenhäuser bestreiten die Verwaltungskosten, während die
Ärzte und Krankenschwestern freiwillig ihre Zeit zur
Verfügung stellen. Der Beitrag der Krankenhäuser
beläuft sich schätzungsweise auf 3 Dollar für jeden
Dollar aus Bundesmitteln.
Die Partnerschaft konzentriert sich auf schlichte Technologien sowie die bessere Nutzung vorhandener
Ressourcen. Zu den Beispielen partnerschaftlicher
Bemühungen gehören geburtshilfliche und gynäkologische Verfahren, die Einführung von institutsweiten
Infektionsschutzverfahren sowie Lehrgänge, in denen
Techniken für eine kostenwirksame Krankenhausverwaltung vermittelt werden. Die Partnerkrankenhäuser
dienen als Modelle, die in der gesamten ehemaligen
Sowjetunion Nachahmer finden sollen.
Die Partner wählen selbst die Schwerpunkte jeder
Partnerschaft aus und konzentrieren sich dabei auf
solche Bereiche, in denen der dringendste Bedarf
besteht und die die größten Auswirkungen auf die
medizinische Leistungsfähigkeit haben. Swezy zufolge steht aufgrund des "beispiellosen" ehrenamtlichen
Engagements medizinischen Fachpersonals zu erwarten, daß diese Aktivitäten auch noch Jahre nach
dem Auslaufen staatlicher Zuschüsse fortgesetzt
werden.
Parallel zu dem Partnerschaftsprogramm verschicken
Hunderte von Krankenhausgruppen in den Vereinigten Staaten medizinisches Gerät und Medikamente in
die ehemalige Sowjetunion.

Seite 1

�Bei einer kürzlichen Reise von Vertretern der Tufts
University School of Medicine in eine Stadt in der Nähe
von St. Petersburg zu Gesprächen über medizinische
Bildung in diesem Gebiet wurden in den Krankenhäusern der Region "krisenhafte Verhältnisse" festgestellt.
"Was wir vom Gesundheitssystem in Nordwestrußland zu sehen bekamen, ist der Anfang einer Katastrophe", erklärte Dr. Richard Ryan, geschäftsführender
Dekan der medizinischen Fakultät von Tufts. "Ein
System, das bis vor kurzem in der Lage war, dem
Bedarf der Bevölkerung angemessen Rechnung zu
tragen, beginnt auf alarmierende Weise zu zerfallen."

Cleveland äußerte, der anhaltende Mangel könne einen
alarmierenden Anstieg der Säuglingssterblichkeit sowie
beim Auftreten solcher Krankheiten wie Masern und
Tuberkulose zur Folge haben, die normalerweise vermeidbar sind. Cleveland erklärte, ein kürzlicher Ausbruch von Diphterie habe das US-Amt für Seuchenbekämpfung dazu veranlaßt, einen Reisehinweis für
Besucher dieser Region herauszugeben.

"Wir haben bei Tufts ein Lehrkrankenhaus, das an
einen anderen Standort in der Stadt verlegt wird", so
Cleveland. "Wir haben beschlossen, alle Medikamente dieses Krankenhauses in das Gebiet von St. Petersburg zur Verteilung innerhalb des dortigen Krankenhaussystems zu liefern. Darüberhinaus versenden wir
Bei Besuchen von Krankenhäusern und Praxen in der 20.000 Impfstoffeinheiten gegen Diphterie und TetaRegion St. Petersburg sowie bei Gesprächen mit nus sowie von einem privaten Spender bereitgestellte
russischen Ärzten stießen die Vertreter von Tufts auf Nadeln und Spritzen."
schwere Engpässe bei grundlegenden Medikamenten
und Verbrauchsmaterial.
Mit dem Eingeständnis, daß die Lösung des Problems
die Ressourcen einer einzigen medizinischen Faultät
"Insulin zur Behandlung von Diabetes wird knapp; es oder auch eines einzelnen Landes bei weitem übergibt kaum noch gerinnungs- und krampfhemmende steigt, verbinden die Ärzte von Tufts die Ansicht, daß
Mittel sowie Antibiotika", so der Vorsitzende des Aus- eine umgehende internationale Reaktion erforderlich
schusses für internationale Gesundheit von Tufts, Dr. ist, um eine potentielle Katastrophe im GesundheitsRichard Cleveland." In der Chirurgie ist der Vorrat an wesen abzuwenden.
Anästhetika und Muskelrelaxantien, von Chirurgenhandschuhen und sogar Gips für Verbände nahezu "Die dringlichste Notwendigkeit besteht darin, die ruserschöpft."
sische Wirtschaft zu stabilisieren", betonte Cleveland.
"Nur unter dieser Bedingung werden pharmazeutische
Die ehemalige Sowjetunion erwarb einen großen Teil Unternehmen einen Anreiz haben, um mit neuen
ihrer medizinischen Verbrauchsgüter durch Tausch- Fabriken und Vertriebssystemen sowie der Hoffnung
geschäfte mit osteuropäischen Ländern. Dieser Tausch- auf Gewinne in dem Land zu investieren. Bis dies
handel endete mit dem Zerfall der Sowjetunion. Seit- geschieht, befindet sich das Gesundheitssystem in
her hat der enorme Verfall des Wertes des Rubels Rußland in echter Gefahr."
Anbieter pharmazeutischer Produkte davon abgehalten, an russische Krankenhäuser und Praxen zu liefern.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 29

�"guten Regierungsweise" in anderen Ländern sowie
zur Schaffung eines Umfeldes, in dem demokratische
Werte verstanden sowie in Politik und EntscheidungsDas AID spielt eine führende Rolle beim demo- findungsprozessen auf allen Ebenen angewendet
kratischen Aufbau, bei der Familienplanung und werden.
umweltpolitischen Fragen, also in Bereichen, in
denen multilaterale Organisationen weniger aktiv Direktor Atwood hat bereits damit begonnen, die
Fähigkeit des Amts zur Unterstützung und Vertiefung
waren.
von Demokratie zu stärken, indem er diesen Aspekt
Schließlich garantiert das AID, daß die von den zum integralen Bestanteil seines EntwicklungsaufVereinigten Staaten finanzierten Entwicklungs- trags gemacht hat. Er hat die Mitarbeiter des AID
programme die Werte des amerikanischen Volkes aufgefordert, Projektansätze für jede Komponente oder
widerspiegeln.
jeden "Sektor" der demokratischen Entwicklungsarbeit zu erstellen: zivile Gesellschaft; MittlerorganisaInfolge der obigen Diskussion ergab sich ein überwältionen; politische, Wahl- und Regierungsinst'rtutionen;
tigender Konsens, daß das AID als Behörde nach wie
Reformen in der Justiz; Beziehungen zwischen Militär
vor äußerst lebensfähig ist und daß seine Probleme
und Zivilsektor; freie Presse. Diese Ansätze werden in
weniger von der Zuordnung seiner Funktionen als
strategischen Länder- und Regionalplänen zusamvielmehr von einem ungenau definierten Mandat,
mengefaßt, die alle anderen Disziplinen der Entwickübermäßiger Belastung durch Vorschriften und schlechlungsarbeit - Wirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt,
tem Management herrühren.
Bevölkerung, Gesundheit - in einen sich wechselseitig
verstärkenden
Rahmen einbeziehen.
Die Arbeitsgruppe geht davon aus, daß die Hilfsprogramme (des AID) in Übersee auf einem neuen gesetzlichen Rahmen beruhen sollten, der im weiteren 3. Behandlung weltweiter Probleme. Die Folgen
ansteckender Krankheiten, von Umweltbelastungen
Sinne die folgenden vier Strategien umfaßt:
oder Rauschgifthandel machen vor nationalen Gren1. Die Förderung umweltverträglichen Wirtschafts- zen nicht hart. Wir können jedoch mit anderen zusamwachstums und umweltverträglicher Entwicklung. menarbeiten, um diese Probleme in Angriff zu nehmen
Diese Strategie ist der entscheidende Punkt für die und ihre negativen Auswirkungen auf die EntwickErlangung unserer politischen Gesamtziele im In- und lungsländer und die Vereinigten Staaten zu minimieren.
Ausland.
um auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittene
Programme zu entwickeln.

Umweltverträgliche Entwicklung erfordert einen langfristigen Beteiligungsprozeß, in dem ein besonderer
Schwerpunkt der benachteiligten Mehrheit gilt und den
Menschen in den Empfängerstaaten von Hilfe Chancen zur Verbesserung ihres Einkommens und ihrer
Lebensqualität liefert. Umweltverträgliche Entwicklung zielt auf die Beseitigung von Hunger, Armut,
Krankheiten und Unwissen bei gleichzeitigem Schutz
der Umwelt ab. Dazu gehört die Förderung von
Humankapital durch den Ausbau von Bildungschancen für alle Gesellschaftsschichten, der Abbau des
Bevölkerungswachstums, der Ausbau von Verbesserungen in Gesundheitswesen und Ernährung sowie
die Erweiterung der Fähigkeiten von Frauen. Umweltverträgliche Entwicklung hängt femer davon ab, daß
Hindernisse für die Beteiligung der Menschen beseitigt
und Möglichkeiten geschaffen werden, die es allen
Menschen gestatten, sich produktiver am Aufbau der
Wirtschaft ihres Landes zu beteiligen.

So wird zum Beispiel die Behandlung von Umweltproblemen in den Entwicklungsländern deren negative
Auswirkungen auf die Volkswirtschaften und das
Wohlergehen der Bevölkerung in Nachbarländern
verringern. AIDS ist eine weitere weltweit verbreitete
Geißel, die potentiell verhütet oder eingedämmt werden kann. Hohe Geburtenraten in den Entwicklungsländern bedrohen Bemühungen zur Verbesserung von
Familiengesundheit, Ernährung und Zugang zu sozialen Leistungen sowie zum Schutz der Umwelt. Bevölkerungsdruck führt darüber hinaus zu großen ungewollten Wanderungsbewegungen und verschärft das
Flüchtlingsproblem. Weltweite Bemühungen sind erforderlich, um die Vorteile freiwilliger Familienplanung
in allen Entwicklungsländern zu verbreiten.

4. Reaktion auf humanitäre Notstände. Entschlossene humanitäre Aktionen zur Reaktion auf natürliche
oder vom Menschen verursachte Katastrophen begrenzen häufig die langfristigen Schäden und Kosten
2. Aufbau demokratischer Beteiligung an der für Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Die
Entwicklung. Die Vereinigten Staaten vertreten die alternativen Kosten im Falle einer Vernachlässigung
allgemeingültige These, daß alle Menschen gleich liegen oft höher, insbesondere wenn solche Situatiogeschaffen sind. Demokratische Gesellschaften för- nen eine Destabilisierung auslösen und zu offenem
dern unter anderem Pluralismus, Meinungs- und Ver- Konflikt sowie Bürgerkrieg führen. Das AID muß über
sammlungsfreiheit, ein Wahlsystem, Rechtsstaatlich- die traditionelle Katastrophenhilfe - Nahrungsmittel
keit und den Schutz der Menschenrechte des einzel- und Unterkünfte - hinausgehen und eine rasche, den
nen. Die Ermutigung zur Demokratisierung erfordert Aufbau von Staaten begünstigende Reaktionsfähigden Einsatz von Auslandshilfe zur Unterstützung einer keit schaffen, um Gesellschaften zu helfen, die von
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Seite 3

�Konflikten und Anarchie heimgesucht werden oder
deren Stabilität ernsthaft bedroht ist.
Das AID sollte in die Lage versetzt werden, begrenzte
Mittel für genau definierte kurzfristige Bedürfnisse
bereitzustellen, die sich von den langfristigen Entwicklungsbemühungen unterscheiden. Dies beinhaltet
einsatzfähige Programme zur Beobachtung von Wahlen,
Stärkung von Institutionen einer zivilen Gesellschaft,
Durchführung staatsbürgerlicher Bildungsmaßnahmen,
Stärkung der Justiz und Durchführung anderer Maßnahmen zum Aufbau eines Staates in Zusammenar-

beit mit den Vereinten Nationen, anderen internationalen Organisationen sowie amerikanischen oder anderen multilateralen Friedenssicherungsstreitkräften.
Der Bericht der Arbeitsgruppe vertritt die Ansicht, daß
die bilateralen Entwicklungsprogramme des AID mit
der Verfolgung dieser vier Strategien zu einer weiter
wachsenden Gemeinschaft stabiler, florierender,
demokratischer Nationen, zu erweiterten Märkten für
wechselseitig vorteilhaften Handel sowie zur Verhütung und Eindämmung von Konflikten beitragen können.
* *

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AMERIKA DIENST 29

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