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U.S. Information Service
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30. Juni 1993

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LUFTANGRIFF ANTWORT AUF IRAKISCHES
MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers

DIE AMERIKANISCHE MILITARAKTION
GEGEN DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen
Regierung

MENSCHENRECHTE

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz
über Menschenrechte

UNO

USA MUSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright
vor Kongreßausschuß

START II

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�HANDEL

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR
URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton

FRAUEN

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN AUF
MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht

GESELLSCHAFT

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS
WIRD ÄLTER
von Marc Leepson

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993

�IRAK
30. Juni 1993

LUFTANGRIFF ANTWORT AUF
IRAKISCHES MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat das Mordkomplott des Irak gegen Präsident Bush als "Anschlag
gegen unser Land und gegen alle Amerikaner" bezeichnet. Man habe "eine solche Aktion gegen unser Land"
nicht unbeantwortet lassen können.
"Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum", erklärte Clinton in einer landesweit übertragenen Fernseh- und
Rundfunkansprache. Er habe deshalb am Freitag (25. Juni) einen Angriff mit Marschflugkörpern auf das
Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes angeordnet, um "Saddam Hussein von der Unterstützung solch
gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft abzuschrecken".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend möchte ich zu Ihnen über einen Angriff der Regierung des
Irak gegen die Vereinigten Staaten und die Maßnahmen sprechen, die wir soeben ergriffen haben, um
darauf zu antworten.
Im vergangenen April hat die kuwaitische Regierung
einen vermutlich geplanten Autobombenanschlag zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten George Bush
bei seinem Besuch in Kuwait-Stadt aufgedeckt. Die
kuwaitischen Behörden nahmen 16 Verdächtige fest,
darunter zwei irakische Staatsbürger. Im Anschluß an
diese Festnahmen habe ich unsere eigenen Nachrichtendienste und Ermittlungsbehörden angewiesen, eine
gründliche und unabhängige Untersuchung durchzuführen. In den vergangenen Wochen haben Vertreter
dieser Behörden ein Spektrum nachrichtendienstlicher Informationen geprüft, sind nach Kuwait und an
andere Orte gereist, haben die Verdächtigen intensiv
vernommen und die forensischen Beweise eingehend
untersucht. Am vorigen Donnerstag haben Justizministerin Reno und CIA-Direktor Woolsey mir ihre Erkenntnisse vorgelegt.
Aufgrund ihrer Ermittlungen ergeben sich zwingende
Beweise dafür, daß es in der Tat ein Komplott zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush gegeben hat und daß dieses Komplott, das den Einsatz
eines im Irak hergestellten mächtigen Sprengsatzes
einbezog, vom irakischen Geheimdienst geleitet und
verfolgt wurde.

AMERIKA DIENST 26

Wir sollten von solchen Taten nicht überrascht sein,
kommen sie doch von einem Regime wie dem Saddam
Husseins, das durch Greueltaten geherrscht und seine
eigenen Bürger abgeschlachtet hat, in zwei Nachbarländer eingefallen ist, weitere angegriffen, chemische
Kriegführung eingesetzt sowie Krieg gegen die Umwelt geführt hat. Saddam hat wiederholt den Willen
und das Gewissen der Völkergemeinschaft verletzt,
aber dieser Versuch der Rache eines Tyrannen an
dem Führer der weltweiten Koalition, die ihn im Krieg
besiegte, ist besonders verabscheuungswürdig und
feige. Wir danken Gott, daß er erfolglos war.
Die Behörden, die ihn zunichte machten, genießen die
Hochachtung aller Amerikaner. Es ist klar, daß dies
kein impulsiver oder zufälliger Akt war. Es war ein vom
irakischen Regime ersonnener, gut durchdachter Plan,
der sich gegen einen früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgrund der von ihm als Präsident
ergriffenen Maßnahmen richtete. Damit war der irakische Anschlag auf Präsident Bush ein Anschlag gegen
unser Land und gegen alle Amerikaner. Wir konnten
eine solche Aktion gegen unser Land nicht unbeantwortet lassen, und das haben wir auch nicht getan.
Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum. Eine
feste und angemessene Reaktion war unerläßlich, um
unsere Souveränität zu schützen, denjenigen eine
Botschaft zu senden, die staatlich geförderten Terro-

Seite 1

�rismus einsetzen, weitere Gewalttaten gegen unser
Volk abzuschrecken und die Erwartung zivilisierten
Verhaltens zwischen Nationen zu bekräftigen.
Deshalb habe ich am Freitag angeordnet, daß unsere
Streitkräfte das Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes in Bagdad mit Marschflugkörpern angreifen.
Diese Flugkörper wurden heute nachmittag um 16.22
Uhr östlicher Zeit gestartet. Sie trafen vor etwa einer
Stunde ein. Ich habe diese Aktion mit der Führung des
Kongresses sowie mit unseren Verbündeten und Freunden in der Region erörtert, und ich habe eine Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
beantragt, um das Verbrechen des Irak bloßzustellen.
Diese Aktionen richteten sich gegen die irakische
Regierung, die für das Mordkomplott verantwortlich
war. Saddam Hussein hat wiederholt bewiesen, daß
er zu Terrorismus oder Aggression greifen wird, wenn
man ihm nicht Einhalt gebietet. Unsere Absicht war es,
die Fähigkeit des Irak zur Unterstützung von Gewalt
gegen die Vereinigten Staaten und andere Nationen
anzugreifen sowie Saddam Hussein von der Unterstützung solch gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft
abzuschrecken.

Nation, Gruppe oder Person zu vermitteln beabsichtigen, die unsere führenden Vertreter oder unsere Bürger schädigen möchte, sollte kein Zweifel bestehen:
Wir werden den Terrorismus bekämpfen. Wir werden
Aggression abschrecken. Wir werden unser Volk
schützen.
Die Welt hat wiederholt klargestellt, was der Irak tun
muß, um in die Völkergemeinschaft zurückzukehren,
und der Irak hat dies wiederholt verweigert. Wenn
Saddam und sein Regime weitere illegale, provokative
Aktionen planen sollten, können sie unserer Antwort
gewiß sein.
Den Männern und Frauen in unseren Streitkräften
sowie unseren Nachrichtendiensten und Ermittlungsbehörden, die die Untersuchung und unsere militärische Reaktion durchgeführt haben, möchte ich mitteilen: Sie haben meine Dankbarkeit und die Dankbarkeit
aller Amerikaner. Sie haben einen schwierigen Auftrag mit Mut und Professionalismus ausgeführt.

Abschließend möchte ich dem ganzen amerikanischen
Volk noch folgendes sagen: Obwohl der Kalte Krieg
geendet hat, ist die Welt nicht frei von Gefahr, und ich
bin entschlossen, die erforderlichen Schritte zu unterDeshalb haben wir unsere Aktion gegen eine mit der nehmen, um die Sicherheit unseres Landes zu bewahirakischen Unterstützung des Terrorismus in Verbin- ren. Wir werden unsere Streitkräfte kampfbereit haldung gebrachte Anlage gerichtet und gleichzeitig alles ten. Wir werden uns dafür einsetzen, entstehende
Erdenkliche getan, um Verluste an unschuldigen Bedrohungen abzuwenden, und wir werden Maßnahmen ergreifen, wenn Maßnahmen erforderlich sind.
Menschenleben so gering wie möglich zu halten.
Das genau haben wir auch heute getan.
An der Botschaft, die wir mit diesen Aktionen Saddam
Hussein, dem Rest der irakischen Führung und jeder Ich danke Ihnen, und Gott segne Amerika.

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AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers
Zu Beginn einer Pressekonferenz am 26. Juni 1993 gab Verteidigungsminister Les Aspin die folgende Erklärung
ab.

WASHINGTON - (AD) -"... General Powell und ich
werden Ihnen heute abend einige zusätzliche Informationen geben, aber da die Operation erst vor kurzem
beendet wurde, haben wir noch keine Ergebnisse
vorliegen. Wir hoffen, daß wir Ihnen am morgigen Tag
mehr sagen können, wahrscheinlich jedoch erst am
Nachmittag.
Tomahawk-Marschflugkörper von Kriegsschiffen der
US-Marine waren auf die irakische Geheimdienstzentrale gerichtet. Diese Operation sollte eine entschiedene und unmißverständliche Antwort der Vereinigten
Staaten auf den Versuch des Irak darstellen, den
ehemaligen Präsidenten George Bush im April dieses
Jahres während seines Besuchs in Kuwait zu ermorden. Der Attentatsversuch war nicht der Akt einer
kleinen Gruppe Unabhängiger. Alle Beweise deuten
darauf hin, daß es sich um das Werk des irakischen
Geheimdienstes (Iraqi Intelligence Service - IIS) handelt und um eine Aktion, die von höchster Ebene der
irakischen Regierung genehmigt worden sein mußte.
Nach einer Überprüfung des Beweismaterials wies
Präsident Clinton das Verteidigungsministerium an,
eine Reihe von Optionen zu entwickeln. Der Präsident
entschied sich dann für eine dieser Optionen, die das
Ziel sein würde - eine Option, die die Behörde treffen
würde, die unseren Erkenntnissen zufolge direkt für
die Planung und Ausführung dieses Verbrechens
verantwortlich ist. Wir werden auf diesem Schaubild
einige Gründe dafür geben, warum wir die irakische
Geheimdienstzentrale als Ziel ausgewählt haben.
Der irakische Geheimdienst ist die größte nachrichtendienstliche Organisation des Irak. Er ist verantwortlich
für die Untersuchung und Verfolgung jeder vermeintlichen Illoyalität. Er ist ebenfalls verantwortlich für die
Überwachung irakischer Bürger und ihrer politischen
Aktivitäten sowie die Bekämpfung irakischer Dissidenten und Oppositioneller im Ausland.
AMERIKA DIENST 26

Der irakische Geheimdienst ist die Behörde, die für
Terroranschläge im Ausland die Hauptverantwortung
trägt - und in diesem Fall hat er wieder einen Versuch
unternommen.
Der irakische Geheimdienst hat zahlreiche verdeckte
Aktivitäten durchgeführt, einschließlich von Attentaten, zuerst gegen irakische politische Dissidenten,
dann gegen abtrünnige Wissenschaftler und Kurdenführer. Er hat eine Terrorkampagne in Kuwait durchgeführt, Autobomben im Nordirak gelegt und die UNOHilfskonvois sowie Mitarbeiter der UNO angegriffen.
Und jetzt ist da natürlich der Attentatsversuch auf den
ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Das Herzstück des irakischen Geheimdienstes ist ein
großes, mehrstöckiges Gebäude - das Hauptquartier
in Bagdad. Dieses Gebäude war das Ziel des gerade
beendeten Angriffs. Darin befinden sich die Büros
seines Direktors, und es ist der Brennpunkt aller
Operationen des IIS im Inland und in ÜberseeS Es ist
das Zentrum der Operationsplanung, von Verhören,
des Kommunikationswesens und der Computeroperationen.
Durch die Wahl dieser Einrichtung für den heutigen
Angriff haben wir eine angemessene Antwort gegeben, die den Irak eine Zeitlang zu künftigen Aktionen
dieser Art unfähig machen wird. Und wir sind der
Ansicht, daß das irakische Volk und seine Führung
diesen Angriff richtig einschätzen werden - als einen
lediglich gegen das Regime, das für den Angriff auf
Präsident Bush verantwortlich ist, und nicht gegen das
irakische Volk gerichteten Angriff.
Die Aktion des heutigen Abends wurde ausschließlich
von den amerikanischen Streitkräften durchgeführt.
Das Verbrechen war gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet, und wir entschieden uns, darauf zu reagieren und unser Recht auf Selbstverteidigung gemäß
Seite 1

�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen geltend
zu machen.
Ein Verhalten wie der Attentatsversuch gegen Präsident Bush konnte nicht unbeantwortet bleiben. Wenn
das Regime in Bagdad in dem Glauben gelassen wird,
daß es sich der Verantwortung für eine solche Verhaltensweise entziehen kann, dann wird es nur zu einer
Wiederholung ermutigt.

Die einseitige Aktion des heutigen Abends mindert in
keiner Weise die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Maßnahmen der Koalition oder für die Autorität
der Vereinten Nationen.
Uns liegen zwar noch keine spezifischen Ergebnisse
dieser Operation vor, ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß das Können und professionelle Verhalten des
amerikanischen Militärs dem Präsidenten die Vielzahl
von Optionen gaben, die er benötigte, um angemessen auf diesen Angriff auf einen ehemaligen Präsidenten reagieren zu können..."

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

DIE AMERIKANISCHE MILITÄR AKTION GEGEN
DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen Regierung
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 27. Juni 1993 dem UN-Sicherheitsrat die folgende
Übersicht mit dem Titel "Die Militäraktion der Vereinigten Staaten gegen den irakischen Terrorismus am 26. Juni
1993" übergeben.
Zu Beginn eines dreitägigen Besuches des ehemaligen Präsidenten George Bush in Kuwait-Stadt am 14.
April 1993 vereitelten die kuwaitischen Behörden ein
tenoristisches Komplott. Dabei stellten sie eine mächtige Autobombe sowie weiteren Sprengstoff sicher und
nahmen 16 Verdächtige fest, die von zwei irakischen
Staatsbürgern angeführt wurden.

hergestellt haben. Gewisse Baumuster dieser Sprengsätze wurden ausschließlich bei Vorrichtungen angetroffen, die mit dem Irak in Verbindung stehen, und
nicht bei Vorrichtungen, die von anderen terroristischen Gruppen benutzt werden.

2. Nach Aufassung der Sachverständigen enthielten
auch andere in Zusammenhang mit diesem Komplott
In den beiden folgenden Monaten haben Ermittlungs- sichergestellte Sprengsätze, darunter "kubische
teamsdes FBI und der Nachrichtendienste eine gründ- Bomben", Komponenten, die von der- oder denselben
liche Untersuchung dieser Operation durchgeführt. Person(en) gebaut wurden, die bereits früher sicherAufgrund dieser Untersuchung sind das Justizministe- gestellte Bomben der Iraker hergestellt haben.
rium und der Nachrichtendienst CIA zu dem Schluß
gelangt, daß der Irak die terroristische Operation geplant, 3. Die Autobombe selbst besaß ungeheure Vernichausgerüstet und geleitet hat, die im April in Kuwait das tungskraft. Es handelte sich um eine äußerst raffinierLeben von Präsident Bush bedrohte. Darüber hinaus te Vorrichtung, die einen komplizierten Herstellungssind unsere Nachrichtendienste aufgrund aller ihnen prozeß erforderte und in dem Fahrzeug gut versteckt
zur Verfügung stehenden Beweisquellen der festen war. Sie enthielt etwa 80 Kilogramm Sprengstoff. Sie
Überzeugung, daß dieses Mordkomplott vom iraki- war so konstruiert, daß sie über eine Fernbedienung,
schen Geheimdienst (IIS) geleitet und betrieben wur- einen Zeitzünder oder manuell gezündet werden konnte. Die Sachverständigen sind zu dem Schlu ß gelangt,
de.
daß diese Bombe stark genug war, um Menschen in
Zu den Beweisen, die als Grundlage für diese Schlüs- einem Radius von etwa 400 Metern zu töten.
se herangezogen werden, gehören folgende EinzelB. Die Verdächtigen
heiten:
1. Das FBI hat die 16 zur Zeit in Kuwait vor Gericht
stehenden Verdächtigen eingehend vernommen. Die
1. Eine in einem Toyota Landau iser versteckte Bombe beiden Hauptverdächtigen - Ra'ad al-Asadi und Wali
wurde von den Verdächtigen in der Nacht des 13. April al-Ghazali - sind irakische Staatsbürger. Sie erklärten
1993 überdie irakisch-kuwaitische Grenze geschmug- dem FBI, daß sie in Basra (Irak) angeworben und dort
gelt. Diese Bombe und die anderen beschlagnahmten von Personen Befehle erhalten hätten, die sie für
Sprengsätze wurden von Sachverständigen des FBI Angehörige des irakischen Geheimdienstes hielten.
persönlich untersucht. Nach dem Urteil dieser Experten wurden Schlüsselkomponenten, darunter der fern- 2. Diese Verdächtigen erklärten dem FBI, ihre irakigesteuerte Zünder, der Plastiksprengstoff, die Zünd- schen Auftraggeber hätten ihnen die Autobombe und
kapsel, die integrierten Schaltkreise und die Verdrah- die anderen Sprengsätze am 10. April 1993 in Basra
tung von der- oder denselben Person(en) gebaut, die übergeben.
bereits früher beschlagnahmte Bomben der Iraker
A. Forensische Erkenntnisse

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�3. Einer der Verdächtigen, al-Ghazali, sagte aus, ersei ten, Präsident Bush werde persönlich für den Krieg
ausdrücklich für die Ermordung von Präsident Bush in verantwortlich gemacht. Man werde ihn jagen und
Kuwait-Stadt angeworben worden.
bestrafen, selbst nach seinem Ausscheiden aus dem
Amt. Verschiedene geheime nachrichtendienstliche
4. Der andere Hauptverdächtige, al-Asadi, teilte dem Quellen belegen die Schlußfolgerung, daß die irakiFBI mit, seine Aufgabe sei es gewesen, al-Ghazali und sche Regierung den Anschlag auf Präsident Bush
die Autobombe zur Universität von Kuwait (wo Präsi- angeordnet hat.
dent Bush und der Emir von Kuwait auftreten sollten)
zu führen und kleinere Sprengsätze an anderen Stel- 2. Aufgrund aller ihr zur Verfügung stehenden Beweilen in Kuwait zu plazieren.
se ist sich die CIA sehr sicher, daß die irakische
Regierung auf höchster Ebene ihren Geheimdienst
C. Nachrichtendienstliche Bewertung
angewiesen hat, den ehemaligen Präsidenten Bush
bei dessen Besuch in Kuwait vom 14.-16. April 1993 zu
1. Während und unmittelbar nach dem Golfkrieg ließ
ermorden.
Saddam - durch seine kontrollierten Medien - verbrei-

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AMERIKA DIENST 26

�MENSCHENRECHTE
30. Juni 1993

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz über Menschenrechte
Wl EN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Wertkonferenz über Menschenrechte in Wien,
John Shattuck, hat bei der Schlußsitzung am 25. Juni 1993 erklärt, das von der Konferenz erarbeitete "starke,
zukunftsorientierte Dokument" bekräftige "die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die grundlegenden
Prinzipien, für die mein Land eintritt".
Shattuck verwies darauf, "die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und
der Urbevölkerung gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt
werden". Die Konferenz habe ferner "Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen
Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte".
Nachfolgend veröffentlichen wir Shattucks Stellungnahme im Wortlaut.

Die Weltkonferenz über Menschenrechte hat ein starkes, zukunftsorientiertes Dokument hervorgebracht,
das die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und
die grundlegenden Prinzipien, für die mein Land eintritt, bekräftigt. Die Wiener Erklärung verweist auf die
Erkenntnis der internationalen Staatengemeinschaft,
daß diese Werte von allen Menschen geteilt werden.
Die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und der Urbevölkerung
gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt werden und daß
der Schutz des einzelnen für die Menschenrechtsgemeinschaft von übergeordneter Bedeutung bleibt. Die
Konferenz hat darüber hinaus Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte.
Femer hat die Konferenz signalisiert, daß grobe Verletzungen wie Folter, das Verschwindenlassen von
Menschen, Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren und
willkürliche Verhaftungen eingestellt werden müssen.
Die in dem Dokument zum Ausdruck gebrachte Verpflichtung zu verbesserter Durchführung sowie verstärkter Beratung und technischer Zusammenarbeit,
die durch ein finanziell gut ausgestattetes Zentrum für
Menschenrechte unterstützt wird, wird in den kommenden Jahren große Fortschritte bei der Effektivität
der UN-Menschenrechtsmechanismen nach sich ziehen. Wir freuen uns, daß die Konferenz empfohlen
hat, die Generalversammlung der Vereinten Nationen
möge sich vordringlich mit der Einsetzung eines HoAMERIKA DIENST 26

hen Kommissars für die Förderung und den Schutz der
Menschenrechte befassen. Diese weitreichenden
Aktionsziele werden nur dann verwirklicht werden,
wenn sich die internationale Staatengemeinschaft für
diese Errungenschaft engagiert. Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, diese Errungenschaft mit in die
Wege zu leiten.
Die Beteiligung nichtstaatlicher Organisationen (NGOs)
hat einen enormen Beitrag zur Arbeit der Konferenz
geleistet und das Schlußdokument bereichert. Wir
sind zuversichtlich, daß die NGOs eine noch wichtigere Kraft für Gerechtigkeit und Freiheit weltweit werden,
da sie die Stimmen einer mächtigen Basisbewegung
für Menschenrechte und Demokratie repräsentieren.
Herr Vorsitzender, wir haben nach wie vor Bedenken
im Hinblick auf Sprachregelungen, die in einigen Teilen
des Dokuments anzutreffen sind, insbesondere gegen
jede Andeutung, daß eine ausländische Besatzung in
jedem Fall eine Verletzung von Menschenrechten
darstellt und die Tatsache, daß diese Konferenz die
Pressefreiheit nicht so nachdrücklich unterstützt hat,
wie wir uns dies gewünscht hätten.
Herr Vorsitzender, wir sind der Überzeugung, daß die
Pressefreiheit gemeinsam mit der Meinungsfreiheit
den Kern des demokratischen Prozesses bildet. Paragraph 26 fordert die Staaten auf, Freiheit und Schutz
der Presse im Rahmen der nationalen Gesetzgebung
zu garantieren. Obwohl diese Bestimmung als im
Einklang mit den internationalen Normen für eine freie
Seite 1

�Presse verstanden werden kann und trotz der nachhaltigen Bekräftigung des Prinzips der Allgemeingültigkeit in dieser Erklärung sind wir der Auffassung, die
Konferenz hätte ein umfassenderes und weitreichenderes Prinzip im Hinblick auf die Pressefreiheit artikulieren können und sollen. Mit Bestürzung nehmen wir
überdies die Auslassung eines Hinweises auf den
Antisemitismus zur Kenntnis, der gemeinsam mit
anderen Formen von Rassismus und Rassendiskriminierung unserer Ansicht nach eine schwerwiegende
Verletzung der Menschenrechte darstellt.
*

Seite 2

*

Wir gratulieren Ihnen, Herr Vorsitzender, ebenso wie
Generalsekretär Fall und Botschafter Saboia, der so
geschickt den Entwurfsausschuß geleitet hat, und
Frau Warsazi, die Vorsitzende des Hauptausschusses
war, sowie allen Konferenzteilnehmern, dem Sekretariat, den für die Konferenz verantwortlichen Beamten
sowie den Vertretern unseres Gastlandes und dieser
Stadt für die hervorragende Arbeit, die sie alle geleistet
haben.

*

*

AMERIKA DIENST 26

�UNO
30. Juni 1993

USA MÜSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG
FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die friedenssichernden Maßnahmen der Vereinten Nationen sind fürdie amerikanischen
Interessen von lebenswichtiger Bedeutung, so UNO-Botschafterin Madeleine Albright, und die Vereinigten
Staaten müssen bei diesen Bemühungen eine führende Rolle übernehmen.
"Wenn wir uns Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und
das Gemetzel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der
Preis dieses fehlenden Engagements schließlich mindestens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
bestehen, die wir zu tragen haben." Wahrscheinlicher sei jedoch, "daß zu den Kosten die Entsendung
amerikanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden",
erklärte Albright am 24. Juni 1993 vor einem Kongreßausschuß.
Sie äußerte, "falsche Vorstellungen" in der amerikanischen Öffentlichkeit von den Vereinten Nationen und ihrer
Rolle bei der Friedenssicherung könnten die amerikanische Politik "in die falsche Richtung" lenken, falls diese
nicht angefochten werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vorbereiteten Erklärung von Botschafterin Albright.

Ich möchte einige falsche Vorstellungen von den Vereinten Nationen und der Friedenssicherung ansprechen, die - meiner Ansicht nach fälschlicherweise - die
öffentliche Diskussion in diesem Land über seine Rolle
im UN-System bestimmen.
Es handelt sich kurz gesagt um Mythen über die
Vereinten Nationen, die entkräftet werden müssen,
bevor sie uns während dieses turbulenten neuen Zeitalters in der Weltpolitik in die falsche Richtung lenken:
Mythos Nr. 1: Die UN-Friedenssicherung hat nichts
mit dem nationalen Interesse der Vereinigten Staaten
zu tun. Ich glaube, daß meine Aussage vor diesem
Unterausschu ß vom 3. Mai diesem Märchen ein Ende
setzte. Die Friedenssicherung ist zu einem wichtigen
Instrument geworden, um drei grundlegende, in unserem nationalen Interesse liegende Gebote zu erfüllen,
die wirtschaftlicher, politischer und humanitärer Art
sind. Ich bin in meiner jüngsten Rede vordem Council
on Foreign Relations näher darauf eingegangen. Die
Welt bleibt weiterhin ein gefährlicher Ort.
Stellen Sie sich jedoch einen Moment vor, wie der
Verteidigungshaushalt der Welt und der Vereinigten
Staaten heute aussähe, wenn es keine friedenssichernden Operationen der UNO gäbe, und welch
AMERIKA DIENST 26

einen Anreiz das daraus resultierende Machtvakuum
für eine Intervention durch Nachbarstaaten oder
Möchtegern-Regionalmächte bieten würde. Wir sehen uns zunehmend dem oft gewalttätigen Ausbruch
lokaler oder regionaler Streitigkeiten gegenüber, die
die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erfordern.
Und in dieser neuen Welt sind die Friedenssicherung
und die moderne Verantwortung für die kollektive
Sicherheit für unsere eigene Sicherheit von essentieller Bedeutung.
Mythos Nr. 2: Wenn die Vereinten Nationen eine
Sicherheitsoperation durchführen, können die Vereinigten Staaten "aussteigen". Wenn der Tenor lautet
"Die UNO soll das regeln", kann das fürdie Vereinigten
Staaten keine Untätigkeit bedeuten. Dieses Land ist
Teil des UNO-Systems - wir sind tatsächlich ein einflußreiches Mitglied und sollten das auch weiterhin
bleiben - und unsere Teilnahme und führende Rolle
sind für die Arbeit der Vereinten Nationen von lebenswichtiger Bedeutung. Die Alternativen - glückselige
Isolation oder der kostspielige Dienst als Weltpolizist sind unrealistisch und nicht akzeptabel. Die Operation
in Somalia ist ein gutes Beispiel dafür, daß eine
fortgesetzte Rolle der Vereinigten Staaten - gering im
Vergleich zu unserem anfänglichen UNITAF Einsatz -

Seite 1

�ein integraler Bestandteil der Formel "Die UNO soll das der UNO zu verbessern. Am 28. Mai einigte sich der
regeln" ist.
Sicherheitsrat auf eine Liste von Reformen bei der
Friedenssicherung, und die Pläne zu deren UmsetMuthos Nr. 3: Friedenssichemde Operationen grün- zung werden uns vom Generalsekretär im September
den auf einem Konsens, vermeiden Gefahren und vorgelegt werden. Innerhalb unserer Regierung hat
verlängern lediglich die Konflikte zwischen Regierun- die Administration seit Februar eine intensive intermigen. Viele friedenssichernde Operationen, insbeson- nisterielle Überprüfung sowohl der amerikanischen
dere in der heutigen Zeit der gescheiterten GesellRolle bei der Friedenssicherung als auch der Plaschaften, finden im Rahmen interner Konflikte oder nungs- und Leitungsfähigkeiten der Vereinten NatioAnarchie statt und sind somit nicht abhängig von nen bei der Friedenssicherung durchgeführt. Wir erkonventionellen Vorstellungen von der Zustimmung warten den baldigen Abschluß dieses Überprüfungsjeder Konfliktpartei. Auch sind friedenssichernde verfahrens. Schließlich hoffen wir, daß im September
Operationen keinesfalls ohne Risiko. Im Laufe der eine Sitzung des Sicherheitsrates auf Ministerebene
Geschichte der UNO wurden 925 Blauhelmsoldaten stattfindet, um die Friedenssicherung zu überprüfen.
im Einsatz getötet, 528 davon starben im Verlauf noch
andauernder Operationen. 53 britische, 49 französiMythos Nr. 5: Die innenpolitische Tagesordnung in
sche, 43 irische, 35 kanadische und 10 amerikanische den Vereinigten Staaten hindert uns daran, eine freie
Soldaten starben in Erfüllung ihrer Pflicht. Im ehema- und sichere Welt zu führen und zu gestalten. Dies ist
ligen Jugoslawien wurden 43 Blauhelmsoldaten getöim besten Fall ein logischer Fehler und im schlechtetet. 186 B lau helme opferten auf Zypern ihr Leben. Das sten eine katastrophale öffentliche Politik. Die StabiMassaker in Somalia vom 5. Juni war eine deutliche lität der Weltwirtschaft sowie der regionalen und der
Erinnerung daran, wie ungeschützt einige Blauhelm- Weltpolitik ist tief in den amerikanischen Interessen
soldaten in der sehr feindlichen Umgebung sind, in die und unserer Wirtschaft verankert. Wenn wir uns
sie entsandt werden.
Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und das GemetDie Hälfte (14) der 28 friedenssichernden Operationen zel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu
in der Geschichte der UNO wurden innerhalb von ein unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der Preis
oder zwei Jahren nach ihrem Beginn beendet. Einige dieses fehlenden Engagements schließlich mindefriedenssichernde Operationen mögen vielleicht zu stens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
einer Pattsituation beitragen, aber die Alternative wäre bestehen, die wir zu tragen haben. Wahrscheinlicher
oftmals ein blutiger und kostspieliger Konflikt - der die ist jedoch, daß zu den Kosten die Entsendung ameriGefahr einer Eskalation beinhaltet, die niemand wünscht. kanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden.
Mythos Nr. 4: Friedenssicherung ist zu kostspielig und
Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben
leidet unter Betrug und Mißmanagement. Ich habe
stets anerkannt, daß Außen- und Innenpolitik untrennhäufig zu den Ad-hoc-Ansätzen Stellung genommen,
bar miteinander verbunden sind. Je eher wir alle diese
von denen Operationen zur Friedenssicherung beGrundtatsache verstehen, desto eher werden wir die
herrscht werden. "Improvisation" ist der Begriff, derdie
Friedenssicherung durch die UNO als kleines aber
Probleme der Friedenssicherung am besten umschreiwichtiges Teil in den Gesamtbestrebungen anerkenben könnte. Und obgleich das Potential für Betrug und
nen, weltweit Stabilität und Wohlstand hervorzubrinMißmanagement besteht, wie dies in jeder großen
gen sowie Demokratien und ihre für gewöhnlich marktOrganisation der Fall ist, betreffen die drängendsten
orientierten Volkswirtschaften zu fördern.
Probleme der UN-Friedenssicherung den rein improvisierenden Charakter des Systems. Dies führt einer- All dies verweist auf die Tatsache, daß wir in einem
seits zu großen Lücken in der institutionellen Fähigkeit großen Dialog stehen, dessen Ausgang noch niemand
und andererseits zu Ineffizienz. Tatsächlich leistet der mit Gewißheit vorhersagen kann. In unseren Bemükleine Friedenssicherungsstab im UNO-Hauptquartier hungen, einen Plan dafür zu entwerfen, welche Rolle
hervorragende Arbeit, und derzeit werden Schritte die Vereinigten Staaten in diesem neuen Zeitalter
unternommen, um seinen Umfang und seine Effektivi- spielen sollten, können wir den Pflichten einer Supertät zu steigern. Die für Friedenssicherungsoperatiomacht nicht entsagen. Wir können nicht "altes Dennen ausgegebenen Millionen - im Jahr 1993 insgesamt ken" benutzen, um unsere Haltung zu Friedenssicheüber 3 Milliarden Dollar - müssen an den wesentlich rungsoperationen und -missionen von heute und in der
höheren Kosten gemessen werden, die entstehen, Zukunft festzulegen. Die beitragenden Länder sind mit
wenn man Konflikte weiter schwären und explodieren einem völlig neuen Problemspektrum konfrontiert,
läßt.
darunter die Entsendung von Truppen bei innenpolitischen Konflikten sowie der Schutz humanitärer HilfsIch möchte hinzufügen, daß sich die Administration an
konvois. Wir benötigen mehr Köpfe, die sich kühn über
führender Stelle bemüht, durch die Verwirklichung
die Konventionen der Vergangenheit hinwegsetzen
wichtiger Initiativen bei den Vereinten Nationen und
und die Macht dieser Nation ins 21. Jahrhundert fühinnerhalb unserer Regierung die Friedenssicherung
ren.
* * * * *
Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�START

II
30. Juni 1993

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR
ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme, die von CIA-Direktor R. James
Woolsey am 24. Juni 1993 bei einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses des Senats zum START-II -Vertrag
abgegeben wurde.

Herr Vorsitzender, Mitglieder dieses Ausschusses, ich
freue mich über diese Gelegenheit, heute vor Ihnen
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste sprechen zu
können, den START-II-Vertrag zu überwachen. Dies
ist ein historisches Abkommen, weil es nicht nur ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen - MIRVed ICBMs - beseitigt, sondern auch den
Abbau der schwersten und zerstörerischsten ICBMs
im Arsenal der ehemaligen Sowjetunion fordert: der
SS-18.
Zu Beginn möchte ich jedoch eine wichtige Unterscheidung treffen. Ich bin bereit, zu Ihnen heute über unsere
Fähigkeit im Hinblick auf die Bestimmungen des STARTI-Vertrags zu sprechen. Dabei handelt es sich um
unsere Fähigkeit zur Entdeckung von Aktivitäten, die
im Gegensatz zu den vertraglichen Verpflichtungen zu
stehen scheinen.
Ich werde jedoch keine Urteile im Hinblick auf die
Verifizierung abgeben - eine Funktion, die dazu dient,
die Einhaltung vertraglicher Bestimmungen zu bewerten und die von den zuständigen politischen Gremien
mit Unterstützung der Nachrichtendienste erfüllt wird.
Nach dieser Einleitung möchte ich Sie über unsere
grundsätzliche Bewertung der Aussichten für die
Überwachung des START-Il-Vertrags in Kenntnis
setzen. Wie beim START-I-Vertrag ist das Vertrauen,
das wir in die Überwachung bestimmter Verfügungen
des Vertrags haben, unterschiedlich. Obwohl die
Nachrichtendienste in der Lage sein werden, viele
Bestimmungen des Vertrags mit einem hohen Maß an
Sicherheit zu überwachen, wird unsere Fähigkeit in
einigen Bereichen problematisch sein. Insgesamt
jedoch haben wir in den Nachrichtendiensten Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Aufgaben zu erfüllen, die
uns diesem Abkommen gemäß zufallen.

AMERIKA DIENST 26

Ich möchte Ihnen nun erläutern, wie wir zu unserem
Gesamturteil gelangt sind. Insbesondere möchte ich
darüber sprechen, wie die Nachrichtendienste die
politischen Entscheidungsträger während der Verhandlungen über den Vertrag unterstützt haben, sowie über
die wichtigsten nachrichtendienstlichen Überwachungsaufgaben und unsere Fähigkeit, bedeutsame Fälle
potentieller russischer Betrugsmanöver zu entdecken.
Ich werde mit einer Erörterung einiger Herausforderungen abschließen, vor denen die Russen bei der
Verwirklichung von START II stehen.
Nachrichtendienstliche Unterstützung
Die Nachrichtendienste haben in allen Phasen des
Vertrags eine aktive Rolle bei der polnischen Unterstützung gespielt - von der Konzipierung einer amerikanischen Verhandlungsposition bis zum Genfer Treffen vom Dezember 1992, bei dem die Einzelheiten von
START II den letzten Schliff erhielten.
Es ist zutreffend zu sagen, daß unsere Unterstützung
in zwei Bereichen besonders wichtig war. Erstens
halfen wir den politischen Entscheidungsträgem, die
Folgen des Zerfalls der Sowjetunion zu verstehen - die
Folgen nicht nur für ihre Kemwaffeninfrastruktur, sondern
auch für die Verhandlungsposition der Russen.
Zweitens spielten die Nachrichtendienste eine aktive
Rolle, indem sie dazu beitrugen, den Vertrag auf eine
Art und Weise zu gestalten, die sowohl unsere Überwachungsfähigkeiten ergänzt als auch Betrugsversuche der Russen behindert.
In diesem Zusammenhang haben wir uns zum Beispiel
besonders auf die SS-18-Raketensilos konzentriert.
Wir betonten dabei die Bedeutung vertraglicher Bestimmungen, die uns die Überwachung der Umrüstung
von SS-18-Raketensilos zur Aufnahme einer kleineren
Seite 1

�Rakete mit einem Einfachgefechtskopf gestatten würde.
Femer wurden Vertragsbestimmungen entwickelt, die
gewährleisten, daß nach der Umrüstung jeder Versuch Rußlands, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete SS-18 erneut in diesen Silos zu stationieren,
ein langer, kostspieliger und wahrnehmbarer Prozeß
sein würde.
Überwachungsaufgaben
Die vollständige Verwirklichung von START II wird
sieben bis zehn Jahre dauern. In diesem Zeitraum
werden die Nachrichtendienste gefordert sein, dramatische Reduzierungen und zahlenmäßige Begrenzungen von Raketen, U-Booten und Bombern zu überwachen. Darüber hinaus werden wir extrem technische
Beschränkungen der Leistungsfähigkeit von Raketen
sowie Verbote im Hinblick auf die Standorte dieser
Raketen und deren Systemkomponenten überwachen.
Ich möchte kurz einige unserer neuen Aufgaben laut
START II benennen. Dazu gehören:
Überwachung einer Reduzierung der russischen
Kernwaffen auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfen.
Überwachung eines Verbots von Produktion,
Flugerprobung und Stationierung von MIRVed
ICBMs.
Überwachung der Umrüstung einiger SS-ISSilos zur Aufnahme einer kleineren Rakete mit
einem Einfachgefechtskopf.

chung von bereits stationierten Waffen geht, wie der
silogestützten ICBMs, der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und schweren Bomber. Wir
haben ein hohes Maß an Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Überwachung von Waffenreduzierungen - einschließlich der Beseitigung der SS-18. Darüber hinaus
vertrauen wir auf unsere Fähigkeit, das Verbot von
strategischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
zu überwachen.
Unsere Zuversicht in die Überwachung einer Reihe
dieser Aktivitäten wird durch neue Bestimmungen
über Vor-Ort-Inspektionen im START-Il-Vertrag gestärkt. Dafür möchte ich folgende Beispiele anführen:
Wir hätten das Recht, die Zerstörung aller angemeldeten SS-18-Rugkörperzellen und -Startbehälter zu beobachten.
Wir hätten das Recht, die zur Aufnahme der
kleineren Rakete umgerüsteten SS-18-Silos zu
beobachten und zu vermessen.
Wir hätten ebenfalls das Recht, zusätzliche
Inspektionen von umgerüsteten SS-18-Silos vorzunehmen, um unter anderem zu bestätigen,
daß die neue in dem Silo gelagerte Rakete einen
Einfachgefechtskopf hat.
Und wir hätten das Recht, zu besonderen Zeiten
schwere Bomber zu inspizieren, um zu gewährleisten, daß sie nicht dafür ausgelegt sind, mehr
als die zulässige Höchstzahl von Kernwaffen
tragen zu können.

Überwachung der Umrüstung einiger MIRVed

In einigen Bereichen von START II - wie bei der
Überwachung der Raketenproduktion - werden unsere
Unsicherheiten größer sein. Einige Einrichtungen
werden
ständiger Vor-Ort-Inspektion unterliegen, und
Überwachung der Zahl von Kernwaffen auf
unser
Vertrauen
in die Überwachung der Raketenprorussischen schweren Bombern sowie die Geduktion
in
diesen
Einrichtungen wird selbstverständwährleistung, daß die als Träger von konventiolich hoch sein. Umgekehrt werden wir jedoch weniger
nellen Waffen umgerüsteten keine Kernwaffen
Vertrauen in unsere Schätzungen bezüglich der Rakemit sich führen oder auf nukleare Aufträge
tenproduktion in Einrichtungen haben, bei denen kein
ausgerichtet werden.
ständiges Inspektionsregime vorhanden ist.
Überwachungserkenntnisse
Angesichts der historischen Schwierigkeiten bei der
Wie ich bereits erklärte, ist unsere Fähigkeit zur Über- Kontrolle der Raketenproduktion, als wir kein Recht
wachung bestimmter Verfügungen von START II un- auf die Durchführung von Inspektionen hatten, sind wir
terschiedlich ausgeprägt, aber insgesamt sind wir daher nicht sicher, wieviele Raketen von den Russen
zuversichtlich, daß wir die Fähigkeit zur Überwachung produziert, aber nicht disloziert wurden. Folglich sind
des Vertrags besitzen. Dieses Urteil basiert auf einer wir uns der Möglichkeit bewußt, daß einige nicht
Vielzahl von Faktoren, nicht zuletzt auf unserer großen angemeldete Raketen an uns unbekannten Orten lagern.
Erfahrung. Über drei Jahrzehnte lang haben wir Daten Obwohl der START-Il-Vertrag uns nicht bei der Kläüber die sowjetischen strategischen Streitkräfte ge- rung dieser Unsicherheiten hilft, haben wir unseres
sammelt und analysiert sowie andere Rüstungskon- Erachtens genügend Informationen um beurteilen zu
können, daßdie Russen kein umfassendes Programm
trollabkommen überwacht.
für die Lagerung von Hunderten oder mehr nicht angeOhne sicherheitsempfindliche Quellen und Methoden meldeter und nicht stationierter strategischer ballistipublik zu machen, kann ich sagen, daß unsere Zuver- scher Raketen haben.
sicht am höchsten sein wird, wenn es um die ÜberwaICBMs vom Typ SS-19 zur Aufnahme eines Einfachgefechtskopfs.

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AMERIKA DIENST 26

�Potential für Betrugsmanöver

dem in den beiden Verträgen geforderten Abbau. Die
in Zusammenhang mit der Verschrottung dieser AusAls wir die Möglichkeiten für die Umgehung von START rüstung und Modernisierung der verbleibenden StreitII untersuchten, widmeten wir den Szenarien besonde- kräfte stehenden Kosten werden die angeschlagene
re Aufmerksamkeit, die theoretisch für die Russen russische Wirtschaft noch zusätzlich belasten. Darüsowohl möglich als auch attraktiv erschienen sowie ber hinaus wird die Bereitschaft Rußlands, sich an die
denjenigen, die die größte Bedrohung für unsere Bestimmungen des START-Il-Vertrages zu halten,
Überwachungsfähigkeiten darstellen. Wir berieten vom Erfolg seines Modernisierungsprogramms sowie
auch mit dem Büro der Vereinigten Stabschefs und seiner Fähigkeit zur Schaffung einer einsatzfähigen
anderen Experten um sicherzustellen, daß wir Szena- strategischen Truppe für die Zukunft abhängen.
rien einbezogen, die für unsere Militärplaner die größte
Bedeutung haben.
Die Beziehungen zwischen Rußland und der Ukraine
drohen auch, die Fortschritte Rußlands bei der InkraftEbenso wie unter dem START-I-Vertrag sind die setzung der START-Bestimmungen zu behindern.
möglicherweiserisikoreichstenSzenarien diejenigen, Rußland hat Vorbedingungen für den Austausch von
die die heimliche Produktion und Dislozierung mobiler Ratifizierungsurkunden für START I und die RatifizieRaketen und ihrer Abschußrampen implizieren. Der rung von START II gestellt: Weißrußland, Kasachstan
START-Il-Vertrag hat diese Besorgnis weder verschärft und die Ukraine sollen den START-I-Vertrag ratifizienoch abgebaut.
ren sowie dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als
Bei der Untersuchung der Szenarien sowie unserer nuklearwaffenfreie Staaten beitreten.
Möglichkeiten zur Aufdeckung des Potentials für Betrugsversuche zogen wir auch die verstärkte Offenheit
der Russen - insbesondere in aggressiveren Bereichen - in Betracht sowie die Möglichkeit weiterer
verfassungsmäßiger Reformen. Wir sind der Ansicht,
daß solche Entwicklungen nicht nur heimliche Aktionen der Regierung erschweren, sondern auch die
Vertuschung eines absichtlichen Betruges erschweren. Unseres Erachtens werden angesichts solcher
Reformen weder Rußland noch die anderen Staaten
der ehemaligen Sowjetunion in der Lage sein, ein
raffiniertes Betrugsprogramm einzuleiten oder in die
Tat umzusetzen. Auch würde wohl der Versuch, eine
kleine Anzahl von Waffen zu verstecken, zwar nicht
auffallen, ihnen jedoch kaum Vorteile verschaffen.

Zur Zeit scheint die Ukraine der Staat zu sein, der am
stärksten motiviert ist, strategische Streitkräfte zu halten
- und sie ist auch der Staat, der am ehesten zu ihrer
Unterhaltung in der Lage ist. Während Präsident
Krawtschuk weiterhin darauf besteht, daß die Ukraine
atomwaffenfrei wird, fordert eine beträchtliche Zahl
von Parlamentsabgeordneten, daß die Ukraine die
Kontrolle über die auf ihrem Territorium stationierten
Nuklearwaffen übernimmt. Die Haltung und Aktionen
der Ukraine könnten Kasachstan beeinflussen, das
sein Interesse daran bekundet hat, einige der SS-18Silos und -Raketen als Träger für Raumkapseln zu
nutzen.

Bislang waren Rußland und die Ukraine noch nicht in
der Lage, ihre Differenzen über die Kontrolle strategiDie Herausforderung an Rußland bei der Imple- scher Nuklearwaffen auf ukrainischem Territorium
mentierung von START II
beizulegen. Die Präsidenten Jelzin und Krawtschuk
waren
optimistisch angesichts des Ergebnisses ihres
Herr Vorsitzender, in den letzten Minuten habe ich
jüngsten
Gipfels, auf dem Jelzin sich bereiterklärte,
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste gesproder
Ukraine
noch vor der Ratifizierung von START I
chen, die Durchführung von START II zu überwachen.
durch
Kiew
Sicherheitsgarantien zu geben und ihr
Nun möchte ich mich auf einige der wichtigsten politieinen
Beitritt
zum Nichtverbreitungsvertrag zu ermögschen und militärischen Fragen beziehen, denen sich
lichen.
Die
Einzelheiten
der von Rußland abgegebeRußland und die anderen Republiken der ehemaligen
nen
Garantien
müssen
jedoch
noch mit der Ukraine
Sowjetunion gegenübersehen - Fragen, die einen diausgearbeitet
werden,
und
frühere
Bemühungen in
rekten Einfluß auf die Fähigkeit Rußlands haben,
dieser
Hinsicht
waren
erfolglos.
diesen Vertrag in Kraft zu setzen.
Ru ßland sieht sich der nie dagewesenen Herausforde- Wir sind uns auch bewußt, daß eine weitere Verzögerung gegenüber, die in den beiden START-Verträgen rung der Ratifizierung von START I durch die Ukraine
geforderten Einschränkungen in Kraft zu setzen. Es ist den russischen Zeitplan für die völlige Implementieeine Ironie, daß einer der Faktoren, die die Implemen- rung der beiden START-Verträge umwerfen und die
tierung des START-Il-Vertrages komplizieren können, Rußland zur Reduzierung seiner strategischen StreitRu ßlands eigener ehrgeiziger Plan ist, einen noch über kräfte zur Verfügung stehende Zeit verkürzen wird.
den in START I und START II hinausgehenden Abbau Selbst nach Inkrafttreten des Vertrages könnte Rußvon Waffen und Raketensystemen vorzunehmen. land sich weiterhin besorgt die Frage stellen, ob die
Rußland plant beispielsweise die Verschrottung Hun- Ukraine wirklich ihre gesamten strategischen und
derter von Raketen und Sprengköpfen zusätzlich zu nuklearen Waffen verschrottet hat.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�Schlußbemerkung

Verfügung stehender technischer Hilfsmittel zur
Sammlung von Informationen so wachsam wie möglich zu sein - und sicherzustellen, daß wir weiterhin die
Unabhängigkeit und Fähigkeit bewahren, die Implementierung des Vertrages zu überwachen.

Herr Vorsitzender, zum Abschluß meiner Ausführungen möchte ich nochmals betonen, daß wir in den
Nachrichtendiensten zuversichtlich sind, daß wir mit
Hilfe der von uns in unseren Haushaltsvorlagen angeforderten Mittel und Instrumente in der Lage sein Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Nachrichtendienste
werden, die uns unter diesem Vertrag zufallenden diese Fähigkeit - und sie sind darauf eingestellt und
Kontrollfunktionen zu erfüllen.
bereit, die mit der Kontrolle der START-Verträge einhergehenden Herausforderungen anzunehmen.
Ebenso wie bei anderen Rüstungskontrollverträgen
werden wir in gewissem Ausmaß von den Informatio- Ich möchte dieser Einschätzung jedoch eine wichtige
nen zur Vertragsüberwachung abhängen, die uns Einschränkung hinzufügen: Unsere Einschätzung und
Rußland zur Verfügung stellt. Wir müssen jedoch unser umfassendes Vertrauen in die Kontrolle des
sorgfältig darauf achten, daß wir nicht in zu große START-II-Vertrages hängt großenteils von den Mitteln
Abhängigkeit von solchen Informationen gelangen. und Instrumenten ab, die uns zur Verfügung gestellt
Angesichts des Potentials an Instabilität in jenem Teil werden. Es ist nur fair zu sagen: Wenn unsere
der Weh besteht die einzig vernünftige Möglichkeit für Fähigkeiten durch eine Kürzung unserer Mittel unteruns darin, weiterhin mit Hilfe der Vielzahl uns zur miniert werden, könnte unser Vertrauen in die Kontrolle dieses Vertrages schwinden.
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Seite 4

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AMERIKA DIENST 26

�HANDEL
30. Juni 1993

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton
WASHINGTON - (AD) - Die Mitglieder des Finanzausschusses des Senats haben Präsident Clintons Antrag auf
Verlängerung des "Fast-Track"-Mandats für Handelsgespräche zugestimmt und beschlossen, im Zuge dieser
Entscheidung dem Präsidenten ein Schreiben zu übersenden, in dem sie ihre Ansichten zu den amerikanischen
Zielen im Hinblick auf die seit langem auf der Stelle tretende Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche
darlegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Schreiben vom 23. Juni 1993 im Wortlaut.
Der Finanzausschuß hat die Fortschritte in den Verhandlungen der Uruguay-Runde seit ihrer Einleitung in
Punta del Este im September 1986 intensiv beobachtet. Wie Sie wissen, hat der Kongreß im Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetz von 1988 die wichtigsten Verhandlungsziele für die Runde festgelegt.
Diese waren und sind nach wie vordie Meßlatte, ander
wir das Ergebnis dieser Verhandlungen beurteilen
werden.

offenerem, gleichmäßigerem und auf Gegenseitigkeit
beruhendem Zugang für amerikanische Exporteure
von Waren und Dienstleistungen führen muß. Im
Hinblick auf Fertigwaren sollten die Vereinigten Staaten ein Abkommen anstreben, das tarifäre und nichttarif äre Hemmnisse für amerikanische Exporte abbauen
und Zölle beseitigen wird, wo unsere Privatwirtschaft

eine solche Maßnahme befürwortet und wichtige
Handelspartner dem zustimmen.

Seither haben sich die Verhandlungen jedoch weiterentwickelt, und die Probleme sind eindeutiger definiert
worden. Insbesondere hat GATT-Direktor Arthur Dunkel
im Dezember 1991 seinen "Entwurf der Schlußakte"
vorgelegt, und dieses Dokument ist seitdem zur überwiegenden Verhandlungsgrundlage geworden.

Bei den Verhandlungen über den Handel mit Dienstleistungen sollten die Vereinigten Staaten wesentliche
Marktzugangsverpflichtungen anstreben, die unseren
Firmen nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit
und gleichwertige Wettbewerbschancen gewähren.
Ländern, die solche Verpflichtungen nicht eingehen,
sollten die Vorzüge des Dienstleistungsabkommens
Während der Kongre ß den Antrag des Präsidenten auf verwehrt werden. Über eine erhebliche Reduzierung
Verlängerung der Verhandlungsvollmacht und "Fast- bestehender Handelsschranken hinaus sollte die Runde
Track"-Verfahren für die Uruguay-Runde behandelt, femer Regeln festsetzen, um zu verhindern, daß die
ist es deshalb angemessen, angesichts von spezifi- Länder neue Schranken aufrichten.
schen Fragen, die im Entwurf der Schlußakte angesprochen oder nicht aufgegriffen werden, erneut über Marktzugang ist auch ein wichtiges Ziel bei den Verunsere Ziele nachzudenken. Nachfolgend haben wir handlungen über den Agrarhandel, in denen wir beunsere Ansichten zu den Zielen dargelegt, die die deutsame Verpflichtungen anstreben sollten, die
Vereinigten Staaten unseres Erachtens im Hinblick auf Exportchancen für amerikanische Erzeuger erweitern
sieben Schlüsselbereiche der Verhandlungen verfol- werden. Darüber hinaus sollten wir uns einen wesentgen sollten. Der Ausschuß beabsichtigt, jedes endgül- lichen Abbau von Exportsubventionen und landwirttige Abkommen der Uruguay-Runde an diesen sowie schaftlichen Stützungsprogrammen zum Ziel setzen,
an den im Handelsgesetz von 1988 formulierten Zielen die durch die Förderung von Überproduktion und
zu messen.
Dumping überschüssiger Erzeugnisse auf dem Weltmarkt die Weltmarktpreise verzerren. Ferner sollten
Während die Verhandlungen über Marktzugang im wir sicherstellen, daß ungerechtfertigte sanitäre und
Vorfeld des im Juli stattfindenden Treffens der Ent- phytosanitäre Maßnahmen beschränkt werden, bei
scheidungsträger der G-7-Länder weiter fortschreiten, gleichzeitiger Bewahrung unseres Rechts, legitime
bekräftigt der Ausschuß erstens seine seit langem Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit, Hygiene
bestehende Überzeugung, daß die Uruguay-Runde zu und Umwelt aufrechtzuerhalten.
AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Auch die Verhandlungen über staatliche Beschaffungen bieten eine Chance, den Marktzugang für amerikanische Unternehmen zu verbessern. Neben der
Bestrebung, die Hemmnisse auf Auslandsmärkten
abzubauen, sollten sich die Vereinigten Staaten darum
bemühen, den Geltungsbereich des staatlichen Beschattungskodex zu erweitem sowie Fairneß und
Transparenz von Verwaltungsverfahren zu steigern.
Der Ausschuß geht nach wie vor davon aus, daß die
Vereinigten Staaten einen nachhaltigeren GATTMechanismus zur Schlichtung von Streitfällen anstreben sollten, der innerhalb von festgelegten Fristen die
unverzügliche und effektive Durchsetzung unserer
Rechte gewährleistet. Gleichzeitig müssen wir die
Fähigkeit beibehalten, unsere Handelsgesetze zu
benutzen, um die Verletzung von Handelsabkommen
zu korrigieren und auf die unfairen Handelspraktiken
unserer Konkurrenten einzugehen. In diesem Zusammenhang ist der Ausschuß der Ansicht, daß Schlichtungsausschüsse, die über Klagen bezüglich unserer
Maßnahmen zur Verhängung von Antidumping- oder
Ausgleichszöllen verhandeln, daran gehindert werden
sollten, das Urteil der amerikanischen Internationalen
Handelskommission, des Handelsministeriums oder
amerikanischer Gerichtshöfe durch ihr eigenes Urteil
zu ersetzen.
Der Ausschuß ist der festen Überzeugung, daß unsere
Gesetze zur Verhängung von Antidumping- und Ausgleichszöllen als effektive Instrumente zur Bekämpfung unfairen Dumpings und unfairer staatlicher Subventionen bewahrt werden müssen. Wir sind insbesondere besorgt über die im Entwurf der Schlußakte
enthaltenen Bestimmungen über Klageberechtigung,
Kumulierung, Kosten/Nutzen-Methodologien, Mindestausnahmen, nichteinklagbare Subventionen und die
Beendigung von Antidumping- und Ausgleichszollordnungen. Wir sollten verschärfte Disziplinen gegen
Export- und Binnensubventionen (darunter Kapitalinfusionen, Subventionen für natürliche Ressourcen und
regionale Subventionen) sowie effektive Maßnahmen
anstreben, um die Umgehung von Antidumping- und
Ausgleichszollordnungen sowie das Dumping über
Drittländer zu verhindern. Gleichzeitig sollten wir auf
größere Transparenz bei den von unseren Handelspartnern ergriffenen Antidumping- und Ausgleichszollmaßnahmen sowie auf die Klarstellung wichtiger Regeln
und verschärfte Verfahrensnormen drängen, um den
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Seite 2

*

Mißbrauch dieser Regeln gegen amerikanische Exporteure zu verhindern.
Bei den Verhandlungen über geistiges Eigentum sollte
unser Hauptziel unseres Erachtens ein Abkommen
sein, das angemessenen Schutz und effektive Durchsetzung aller Arten von Rechten an geistigem Eigentum sicherstellt. Wir gehen jedoch davon aus, daß der
Entwurf der Schlußakte in mehrfacher Hinsicht unzureichend ist. Die Übergangsfristen sollten - insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungsländer - verkürzt
werden. Das Abkommen sollte einen frühzeitigen
Patentschutz für Produkte umfassen, die vor der
Markteinführung auf Gesetzeskonformität geprüft
werden müssen. Die Regeln über die Anwendung der
Lizenzpflicht sollten gestärkt werden. Darüber hinaus
sollte das Abkommen vertragliche Arrangements und
Transfers uneingeschränkt anerkennen sowie amerikanischen Eigentümern von Rechten an geistigem
Eigentum die umfassende nationale Behandlung zusichern.
Abschließend sind wir im Hinblick auf die Verhandlungen über Textilien und Bekleidung der Auffassung, die
Vereinigten Staaten sollten gewährleisten, daß alle
Länder gleichwertigen Zugang zu ihren Binnenmärkten bereitstellen und Maßnahmen verwirklicht werden
sollten, um handelsverzerrende Maßnahmen wie
Umschlag über Drittländer, Falschdeklaration, Schmuggel und andere Formen der Umgehung von Handelsbestimmungen zu verhindern. Ferner sind wir der
festen Überzeugung, daß jedes Land, das sich nicht an
das Rahmenabkommen der Uruguay-Runde hält, keinen
Nutzen aus dem Auslaufen des Mehrfaserabkommens (MFA) ziehen sollte. Darüber hinaus fordern wir
Sie auf, bei allen Verhandlungen über Zollsenkungen
in den Bereichen Textil und Bekleidung die wichtige
handelsliberalisierende Wirkung des Auslaufens des
MFA sowie die Auswirkungen auf die Umwelt zu
berücksichtigen.
Wir fordern Sie auf, bei Ihren Bemühungen, die Uruguay-Runde bis zum Jahresende abzuschließen, diese Ziele gemeinsam mit den im Handelsgesetz von
1988 enthaltenen Zielen im Auge zu behalten. Wir
sehen der Zusammenarbeit beim weiteren Fortschreiten dieser Verhandlungen gerne entgegen und stehen
bereit, Ihnen jede Hilfe und jeden Rat zu geben, die Sie
für nützlich halten mögen.
*

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AMERIKA DIENST 26

�FRAUEN
30. Juni 1993

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN
AUF MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht
WIEN - (AD) - Hunderte von Frauenrechtsgruppen aus
der ganzen Welt sind Feiice Gaer, einem Nichtregierungsmitglied der US-Delegation zufolge die "dynamischste Kraft" auf der von den Vereinten Nationen
veranstalteten Weltkonferenz über Menschenrechte.

Christopher vor den Konferenzteilnehmern aus mehr
als 180 UNO-Mitgliedstaaten. "Dies ist jedoch in allzu
vielen Teilen der Weh, wo Frauen einzig aufgrund ihres
Geschlechts Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind, nach wie vor eine unerfüllte Vision."

"Sie stellen die am besten organisierte Gruppe dar und
sind am stärksten auf ihr Ziel ausgerichtet: Frauenfragen in den Mittelpunkt der Tagesordnung für die
Menschenrechte zu stellen", so Gaer, geschäftsführende Direktorin des Jacob Blaustein Instituts für
Menschenrechte in einem Interview während der
zweiwöchigen Konferenz.

Einige Teilnehmerstaaten der Konferenz hatten versucht, das Prinzip der Universalität der Menschenrechte unter dem Vorwand zu unterminieren, die spezifische historische und kulturelle Situation müsse in
Betracht gezogen werden. Frauengruppen halten
jedoch die Errichtung von kulturellen Begrenzungen
oder wirtschaftlichen Vorbedingungen für die Gewährleistung von Menschenrechten für besonders frauenfeindlich.

Die Bemühungen der Frauen, so Gaer, stehen jetzt in
Einklang mit denen der US-Regierung, die "sich gewandelt" und die Integration von Frauenfragen im
gesamten UNO-System zu einem wichtigen Ziel dieser Konferenz gemacht hat.

"Wenn Männer über kulturellen Relativismus sprechen, wollen sie den Frauen mit dem Argument ihre
Rechte verweigern, daß es um eine Frage der kulturellen Identität geht", so Hamida Mirabet Labidi, eine
Frauengruppen sammelten sich unter dem Slogan Juristin aus Tunesien. Obwohl Tunesien fortschrittli"Frauenrechte sind Menschenrechte" u nd richteten die che Gesetze zum Schutz der Frauen hat, so Labidi,
allgemeine Aufmerksamkeit auf Fragen wie Gewalt drängen die islamischen Extremisten in ihrem Land auf
gegen Frauen, sexuelle Ausbeutung, Verstümmelung eine Umkehrung der Gewährung von Frauenrechten.
der Geschlechtsorgane, Kindesmord an weiblichen
Nachkommen, politische und wirtschaftliche Diskrimi- Wie viele andere Frauen auf dieser Konferenz erklärte
nierung sowie Mißbrauch innerhalb der Familie.
Labidi, sie sei nach Wien gekommen, um Gruppen aus
anderen Ländern zu treffen und von ihren Erfahrungen
Gaer zufolge war die Wiener Konferenz bereits in zu lernen. Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) aus
vielerlei Hinsicht ein Sieg für die Frau: "Die Schlußer- allen Teilen der Welt treffen sich im Erdgeschoß des
klärung der Weltkonferenz wird ein wirklicher Meilen- Gebäudes, in dem die UNO-Konferenz stattfindet.
stein für Frauenrechte sein. Sie stellt tatsächlich einen
Durchbruch dar, und Frauen werden damit zu einem Ein Blick auf die sechsseitige Liste der Aktivitäten der
festen Bestandteil der Tagesordnung."
nichtstaatlichen Organisationen für einen Konferenztag macht deutlich, daß ein Drittel der dort stattfindenAußenminister Christopher hatte in einer Rede zu den Aktivitäten sich auf Frauenrechte bezieht. GrupBeginn der Konferenz die Notwendigkeit der Gewähr- pen von Frauen, die in einem muslimisch beherrschten
leistung von Frauenrechten als ein "moralisches Gebot" Staat leben (Women Living under Muslim Law) bis hin
bezeichnet.
zum Menschrechtsrat der asiatischen Frauen (Asian
Diejenigen, die die Charta der Vereinten Nationen Women's Human Rights Council) nehmen an Workentwarfen, "waren entschlossen, ein Dokument zu shops und Diskussionen über eine Vielzahl von Theverfassen, das Frauen ebenso wie Männer schützen men teil - aber das übergreifende Thema, das alle
und ihnen zu Sebstbestimmung verhelfen sollte", erklärte Frauengruppen vereint, ist die Frage, wie Gewalt
gegen Frauen verhindert werden kann.
AMERIKA DIENST 26

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�"Wenn Sie nach einem Thema suchen, das wirklich
universal ist, dann ist es Gewalt gegen Frauen", erklärte das amerikanische Delegationsmitglied Arvonne
Fräser. Eine auf der Konferenz verteilte Übersicht des
US-Außenministeriums macht deutlich, daß Gewalt
gegen Frauen selten als Menschenrechtsverletzung
betrachtet wird, "obwohl Mißbrauch solcher Größenordnung gegen jede andere Gruppe auf der Wert als
wichtiger humanitärer Notstand anerkannt worden wäre".
Um die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf diese Frage zu lenken, organisierte ein Bündnis verschiedener Frauengruppen am zweiten Konferenztag eine 11 stündige internationale Gerichtsverhandlung über die Verletzung von Frauenrechten.
Mehr als eintausend Menschen hörten die Zeugenaussagen von 33 Frauen, einschließlich einer Pakistanerin, die erzählte, wie sie von ihrer eigenen Familie
angezündet wurde, einer koreanischen "comfort woman"
(Bezeichnung für Frauen, die im Zweiten Weltkrieg
von den japanischen Besatzern zur Prostitution gezwungen wurden, Anm. d. Red.) und einer Afroamerikanerin, die von Körperverletzung zu Hause durch
ihren ehemaligen Ehemann, einen Polizisten, erzählte.
Frauen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Somalia
und anderen Kriegsgebieten erklärten, daß im Namen
der "Verbesserung der Moral" und der "ethnischen
Säuberung" Kriegsverbrechen gegen Frauen begangen wurden. Die dem Gericht vorgelegten Beweismaterialien umfaßten auch ein Dokument aus dem Iran,
das die Größe der Steine festlegt, mit denen des
Ehebruchs schuldige Frauen gesteinigt werden sollen.
Anfang dieses Jahres beschloß die UNO-Menschenrechtskommission prinzipiell die Ernennung eines UNOSonderberichterstatters über Gewalt gegen Frauen;
hierbei handelt es sich um eine von den Vereinigten
Staaten unterstützte Maßnahme, die in dem letzten
Entwurf für eine Erklärung der Weltkonferenz befürwortet und begrüßt wird. Die Vereinigten Staaten
möchten, daß das Mandat des Sonderberichterstatters auch das Recht enthält, Körperverletzung innerer * *

Seite 2

halb der Familie, Vergewaltigung, Kindesmord an
weiblichen Nachkommen, "Tötungen um der Ehre
willen", "Mitgift-Morde" sowie andere im Zusammenhang mit Traditionen und Gebräuchen stehende Praktiken zu untersuchen.
Die Frauengruppen begrüßten auch die Ankündigung
Außenminister Christophers, die Clinton-Administration werde auf die Ratifizierung der Internationalen
Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen drängen, nachdem der Senat eine andere UNO-Konvention über
rassische Diskriminierung ratifiziert hat.
Die Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen ist das wichtigste
internationale Rechtsinstrument zum Schutz der
Menschenrechte der Frau. Verfassungsmäßige, legislative und andere in der Konvention beschriebene
Maßnahmen haben das Ziel, durch Gleichstellungsmaßnahmen Chancengleichheit zu erreichen, Schwangere und Mütter zu schützen, gleiche Arbeitsplatzchancen zu bieten sowie Gleichheit vor dem Gesetz zu
garantieren.
Bis heute haben 120 Länder die Konvention ratifiziert
und sind somit rechtlich verpflichtet, ihre Bestimmungen in die Tat umzusetzen. Aber Verfechter von
Frauenrechten weisen darauf hin, daß viele Staaten
den Vertrag an Vorbehalte gebunden haben, die so
grundlegend sind, daß sie im Prinzip seinem Ziel
widersprechen.
Zusätzlich haben Gaer zufolge viele Staaten, die die
Konvention unterzeichneten, keine gutentwickelten
Rechtssysteme, und Frauen haben keinen Regreßanspruch auf die Inkraftsetzung der Gesetze.
"Der Unterschied zu den Vereinigten Staaten ist der:
Wenn wir einen Vertrag unterzeichnen, bedeutet das,
daß wir ihn auch wirklich in die Tat umsetzen werden",
so Gaer. "Genauer gesagt sind wir damit in einer
Position, mit anderen Staaten darüber zu sprechen,
wie sie die Frauen in ihren Gesellschaften behandeln."

*

4t

AMERIKA DIENST 26

�GESELLSCHAFT
30. Juni 1993

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS WIRD ÄLTER
von Marc Leepson
Die Generation des Baby-Booms (in Deutschland allgemein als die "geburtenstarken Jahrgänge" bezeichnet)
hatte dem Autor zufolge "enormen Einfluß auf praktisch jeden Aspekt der amerikanischen Gesellschaft". Der
nachfolgende Beitrag untersucht die Kräfte, von denen diese Generation geprägt wurde, sowie den Einfluß, den
die "Baby-Boomer" auf das politische und gesellschaftliche Leben in den Vereinigten Staaten gehabt haben. In
einem Anhang werden bekannte Vertreter dieser Generation genannt.
Marc Leepson lebt als freier Schriftsteller in der Bundeshauptstadt Washington. Er war zuvor Mitarbeiter beim
Congressional Quarterly sowie Kolumnist beim Magazin American PolHics. Der 1945 Geborene gehört somit
fast auch zur "Baby-Boom"-Generation.
Man hat sie unter anderem die Dr.-Spock-Generation,
die Fernsehgeneration, die Pepsi-Generatbn, die Rockand-Roll-Generation, die Jetzt-Generation, die Generation der 60er, die Woodstock-Generation, die Vietnam-Generation und die Yuppie-Generation genannt.
Am häufigsten jedoch werden die 76 Millionen Amerikaner, die in den 18 Jahren (1946-64) nach dem
Zweiten Weltkrieg geboren wurden, als Baby-BoomGeneration bezeichnet.
Diese Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge
haben enormen Einflu ß auf praktisch jeden Aspekt der
amerikanischen Gesellschaft ausgeübt, und zwar aus
einem einzigen Grund: Sie sind die zahlenmäßig
größte Generation der amerikanischen Geschichte.
"Wenn in einem Jahrhundert die Geschichte unserer
Zeit geschrieben wird, könnte durchaus gesagt werden, daß der Baby-Boom einer der mächtigsten und
dauerhaftesten Einflüsse auf diese Nation gewesen
ist", äußerten die Demographen Leon F. Bouvier und
Carol J. De Vita in einem unlängst vom privaten
gemeinnützigen Population Reference Bureau veröffentlichten Bericht. Die Angehörigen dieser Generation wurden "von Schriftstellern, Wissenschaftlern,
Planern, Politikern, Marketing-Fachleuten und der
populären Presse für die Probleme der Nation gescholten, für ihre Erfolge anerkannt, beobachtet, untersucht, analysiert und eingehend geprüft".
Die Bedürfnisse der geburtenstarken Jahrgänge haben seit den frühen fünfziger Jahren, als ihre ersten
Angehörigen in Rekordzahlen eingeschult wurden,
wichtige Segmente der amerikanischen Gesellschaft
geprägt. Als der älteste Teil der Generation das
Jugendalter erreichte, drückte er dem Jahrzehnt der
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sechziger Jahre, als ein "Jugendbeben" die gesamte
soziale Landschaft der Vereinigten Staaten erschütterte und alles - von Frisuren bis zum Lebensstil beeinflußte, einen unauslöschlichen Stempel auf. Als
die "Boomer" in den siebziger Jahren ins Erwerbsleben
eintraten, hatten sie am meisten unter den Wirtschaftsproblemen dieses Jahrzehnts zu leiden. Als die älteren
Angehörigen dieser Generation dagegen in das mittlere Lebensalter und die jüngeren in die Erwerbsbevölkerung eintraten, profitierten viele von ihnen besonders stark vom Wirtschaftsboom der achtziger Jahre.
Als der 46jährige (Geburtsdatum: 19. August 1946)
Bill Clinton am 20. Januar 1993 den Amtseid des
Präsidenten ablegte, übernahm er als erster Angehöriger der geburtenstarken Jahrgänge das höchste
politische Amt des Landes. "Vierzig Jahre lang, von
Dwight Eisenhower [Präsident von 1953 bis 1961] bis
zu George Bush [1989-1993] war die Präsidentschaft
das Monopol von Männern, die im Zweiten Weltkrieg
die Uniform des Landes getragen hatten", stellte der
Veteran unter den politischen Kolumnisten, David Broder,
fest. "Sie alle hatten persönliche Erinnerungen an die
Große Depression. Sie alle hatten teil an der verbindenden Erfahrung der nationalen Mobilisierung gegen
den Nazismus, Faschismus und das kaiserliche Japan."
Clintons Generation, fügte Broder hinzu, hat ein unterschiedliches Konglomerat an "prägenden Ereignissen" vorzuweisen, darunter die Bürgerrechts-, Frauen- und Umweltbewegung sowie anhaltende nationale
Auseinandersetzungen über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und über den Vietnamkrieg von
1965-1973. Baby-Boomer - die etwa ein Drittel der
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�amerikanischen Bevölkerung stellen - haben darüber
hinaus ein neues und äußerst verschiedenes Geflecht
von sozialen und kulturellen Faktoren geprägt - und
sind von diesem geprägt worden. Clintons Wahl, so
der Kulturkritiker Hai Hinson, bekräftigte "einen grundlegenden Wandel im kulturellen Temperament des
Landes", der sich "überall, am auffälligsten jedoch in
der populären Kultur" feststellen lasse - "im Femsehen, auf Schallplatten, in Magazinen, in der Werbung
und natürlich in den Spielfilmen".

mindestens ein vierjähriges Collegestudium abgeschlossen hatten, stieg von etwa 10 Prozent in den fünfziger
Jahren auf 16 Prozent im Jahr 1970 bis auf 23 Prozent
im Jahr 1980. Damit wurden die Angehörigen der
geburtenstarken Jahrgänge zur gebildetsten Generation in der amerikanischen Geschichte. Als die ersten
"Baby-Boomer" ihr Collegestudium abschlössen,
beeinflußten sie die amerikanische Gesellschaft und
Kultur in den sechziger Jahren auf eine Art und Weise,
die weiterhin ihren Nachhall findet.

Der Boom beginnt

Die Sechziger

Der amerikanische Baby-Boom war kein isoliertes
Phänomen. In der gesamten Geschichte der Menschheit und weltweit sind die Geburtenraten im Anschluß
an Kriege normalerweise gestiegen. Ein gewisser
Baby-Boom fand in den ersten Jahren nach dem
Zweiten Weltkrieg in der Tat auch in anderen Teilen der
Welt statt, als die Geburtenraten in den späten vierziger Jahren in ganz Westeuropa ebenso wie in Australien, Kanada und Neuseeland beträchtlich anstiegen.
Diese Entwicklung endete in Europa jedoch 1950, als
die Geburtenraten stark zu sinken begannen.

Die unverhältnismäßig hohe Zahl junger Leute hatte
tiefgreifende Auswirkungen in den instabilen sechziger
Jahren, einer Zeit, in der "es fast schien, daß Amerika
zur Filiarchie wurde", so der Historiker William Manchester in seinem Buch The Glory and the Dream
(1974). In den ersten Jahren ihres Erwachsenenlebens waren viele Baby-Boomer in den sechziger und
frühen siebziger Jahren voller Verachtung für die sozialen,
religiösen, moralischen und politischen Werte der
Generation ihrer Eltern. Einige schlugen eine Laufbahn in der Wirtschaft aus, um für den sozialen Wandel
zu arbeiten. Sie schlössen sich Bewegungen für
Die Demographen hatten für die Vereinigten Staaten Bürger- und Persönlichkeitsrechte, für Umweltschutz
einen ähnlich kurzlebigen Anstieg der Geburtenraten und Frauenrechte, gegen den Vietnamkrieg und andenach dem Krieg prophezeit. Tatsächlich kam es ren Bewegungen an, die sich gegen das Establishjedoch in den Worten von Bouvier und De Vita zu "einer ment richteten.
beispiellosen, eineinhalb Jahrzehnte währenden Fruchtbarkeitsexplosion", die schon bald "Anpassungen in Viele Angehörigen dieser Generation aus allen soziaunseren Schulen, Arbeits-, Wohnungs- und Verbrau- len Schichten blieben jedoch den Werten ihrer Eltern
chermärkten sowie bei staatlichen Programmen" er- treu. Andere aber - vorwiegend der Mittelschicht
forderten. Die Geburtenraten schössen von 85,9 (pro entstammende weiße Teenager und junge Erwachse1.000 Frauen im gebärfähigen Alter) im Jahr 1945 auf ne - folgten den Schlagworten der Subkultur der sech101,9 im folgenden Jahr bis auf den Rekordstand von ziger Jahre (etwa "tune in, tum on, drop out") und
122,7 auf dem Höhepunkt des Baby-Booms 1957 lehnten die Moral des Establishments ab. Diese
empor. Auch in Kanada, Australien und Neuseeland sogenannten Hippies kleideten sich radikal anders,
blieben hohe Geburtenraten bis in die frühen sechziger lebten in Wohngemeinschaften oder in aller Offenheit
Jahre bestehen.
als unverheiratete Paare zusammen, propagierten
den Konsum von Drogen wie Marihuana und LSD und
Die erste - und von einigen Beobachtern als wesent- wandten sich von Christen- und Judentum ab, um sich
lichste betrachtete - Auswirkung der geburtenstarken mit fernöstlichen Religionen wie Buddhismus und HinJahrgänge auf die amerikanische Gesellschaft trat duismus zu beschäftigen.
Anfang der fünfziger Jahre ein, als ihre Angehörigen
das öffentliche Schulsystem des Landes überschwemm- Die Hippies waren die sichtbarsten Vertreter der sogeten. So stieg beispielsweise die Zahl der Grundschüler nannten Subkultur, einer Bewegung, mit der sich auch
(Alter von 5-12) von 1950 bis 1970 um über 60 Prozent viele andere, weniger radikale Angehörige dieser
(von 23 auf 37 Millionen). Die Zahl der Besucher Generation identifizierten. "Wir waren frei zu experihöherer Schulen verdoppelte sich von 1950 bis 1975. mentieren, und alles schien möglich: Alles konnte
Dieser starke Zustrom von Schülern führte Mitte der verändert werden", kommentierte der Journalist und
fünfziger Jahre in den Grundschulen und in den sech- Autor Charles Kaiser in seinem 1988 erschienenen
ziger Jahren in den weiterführenden Schulen landes- Buch 1968 in America, dessen Untertitel - Music,
weit zu einer ernsten Überlastung sowie einem Mangel Politics, Chaos, Counterculture and the Shaping
of a Generation - einen Hinweis auf den Einflu ß dieser
an Lehrern und Klassenräumen.
Generation auf die amerikanische Gesellschaft der
In den sechziger Jahren überschwemmten die gebur- sechziger Jahre enthält. "Selbst wenn wir es gewollt
tenstarken Jahrgänge dann die Colleges. Von 1957 hätten, konnten wir die Leistungen unserer Eltern nicht
bis 1975 vermehrte sich die Zahl der Collegestudenten nachahmen, da wir keine Wirtschaftskrise erlebten,
sprunghaft von etwa 3 Millionen auf rund 11 Millionen. die wir überwinden mußten (oder eine Nazi-BedroDer Prozentsatz junger Erwachsener (Alter 25-29), die hung, die wir besiegen mußten)", schrieb Kaiser. "Das
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�Fehlen einer offenkundigen wirtschaftlichen Heraus- Die überwältigende Mehrheit der Männer und Frauen,
forderung zwang uns, darüber nachzudenken, wie wir die in Vietnam dienten, entstammten Familien der
unteren Mittel- oder der Arbeiterschicht. Nur ein
uns selbst neuerfinden könnten."
geringer Anteil der privilegierten Schichten nahm am
Gegen Ende der sechziger Jahre, so Kaiser, waren Krieg teil. Viele der 16 Millionen, die nicht im Militär
viele Angehörige dieser Generation von einer "Malai- dienten, wählten gut durchdachte Wege, wie die Anse" betroffen. Zu den Ursachen dieses Unbehagens nahme von Beschäftigungen, die vom Wehrdienst
gehörten "das Fehlen religiöser Überzeugungen, eine ausgenommen waren, die Verlängerung ihrer akadeungewollte Gewöhnung an die nukleare Katastrophe, mischen Ausbildung, Heirat und Kinder, um dem
eine unerwartete Vertrautheit mit dem politischen Mord Wehrdienst zu entgehen. Andere unternahmen drasti- die Ermordung von Malcolm X1965 ebenso wie die sche Schritte und wählten das Exil im Ausland oder
John F. Kennedys 1963 - sowie ein Verlangen nach gingen ins Gefängnis, anstatt den Wehrdienst abzuleiIdealismus, der von Kennedys Präsidentschaft am sten.
dauerhaftesten in Erinnerung blieb".
Viele derjenigen, die während der Vietnam-Ära im
Diese "grundverschiedenen Elemente", schrieb Kai- Militär dienten, unterstützten das amerikanische Vorser, "verstärkten zwei scheinbar gegensätzliche, prak- gehen in Vietnam. Andere unterstützten den Krieg
tisch jedoch einander ergänzende Impulse: Den Wunsch zwar nicht, besaßen aber nicht die Mittel, um dem
nach Schaffung unserer eigenen Kulturen, unserer Dienst zu entgehen, oder dienten gegen ihren Willen.
eigenen Welt, in der wir uns von der Welt unserer
Eltern zurückziehen konnten, sowie die Notwendig- Die Präsidentschaftswahl von 1992 bewies Hoagland
keit, uns höheren Anliegen zu widmen, Kreuzzügen, zufolge, daß es "politisch in Amerika immernoch keine
die uns die Chance geben würden, uns als moralische Verjährungsfrist" für den Vietnamkrieg gibt. Hoagland
Menschen zu definieren."
bezog sich auf den vom dem damaligen Präsidenten
George Bush (der im Zweiten Weltkrieg gedient hatte)
Der wichtigste Kreuzzug war für viele Baby-Boomer gegen Bill Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 1992
die Ablehnung der amerikanischen Beteiligung am geführten "Generationskrieg", wie es der politische
Vietnamkrieg. Der Krieg begann in großem Maßstab Beobachter Sidney Blumenthal vom Magazin The
1965 und erreichte seinen Höhepunkt 1969, als 550.000 New Yorker bezeichnete. "Ich meine, es ist falsch,
amerikanische Soldaten in Südostasien gegen das gegen sein eigenes Land zu demonstrieren oder
kommunistische Nordvietnam und seinen südvietna- Demonstrationen gegen sein eigenes Land im Ausmesischen Verbündeten, den Vietcong, kämpften. Der land zu organisieren", erklärte Bush in einer PräsidentVietnamkrieg war der längste und seit dem Amerikani- schaftsdebatte im Hinblick auf Clintons gegen den
schen Bürgerkrieg von 1860-65 umstrittenste Krieg in Krieg gerichtete Aktivitäten, als dieser an der Univerder amerikanischen Geschichte.
sität von Oxford in England studierte. "Ich bin der
Überzeugung", erklärte Bush ebenfalls im Wahlkampf,
Die nationale Debatte über den Krieg "traumatisierte "daß der Dienst in Uniform ein gutes Kriterium füreinen
[die] Nation, zerstörte das Leben von Millionen Ameri- Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist."
kanern, führte für [Präsident Lyndon] Johnson und die
Demokraten zum Verlust des Weißen Hauses [in den Tatsächlich erwies sich die "generationsorientierte"
Wahlen von 1968] und hat immer noch starken Einllu ß Strategie Meinungsumfragen zufolge als weitgehend
auf die Weltpolitik", schrieb der politische Kommenta- erfolglos, hauptsächlich deshalb, weil die meisten
tor Jim Hoagland Mitte 1992. Zu diesem Zeitpunkt Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge Sympawurde die Frage der Kriegsgegnerschaft des damali- thie für Clintons Umgehung des Wehrdienstes und für
gen Kandidaten Clinton zu einem Phänomen, das seine Ablehnung des Krieges empfanden. So erklärHoagland als "einen unwahrscheinlichen Prüfstein" im ten mehr als zwei Drittel der in einer Meinungsumfrage
Präsidentschaftswahlkampf bezeichnete.
von The Washington Post zwei Wochen vor der
Präsidentschaftswahl Befragten, ihrer Meinung nach
Das Thema von Clintons Umgehung des Wehrdienhätten Clintons Ansichten zu Vietnam und sein nichtstes - unter männlichen amerikanischen Collegeabsolgeleisteter Wehrdienst im Wahlkampf überhaupt kein
venten in den sechziger Jahren ein alltägliches PhänoThema sein dürfen.
men - schlug 1992 politische Wellen. Nahezu 27
Millionen Amerikaner erreichten während des Viet- Dies steht in krassem Gegensatz zur öffentlichen
namkrieges das wehrfähige Alter. Mehr als 60 Prozent Meinung in früheren Präsidentschaftswahlen. "Für
dieser Gruppe - rund 16 Millionen - leisteten keinen [Präsident] Kennedy waren der Militärdienst und die
Wehrdienst. Von den fast 11 Millionen, die sich Teilnahme an Kampfhandlungen [im Zweiten Weltfreiwillig meldeten oder einberufen wurden, dienten krieg] eine Referenz für nationale Führungsqualitäetwa 2,7 Millionen in Vietnam. Mit anderen Worten: ten", so der politische Kolumnist Mark Shields. "FairerRund 90 Prozent der jungen Männer, die für Kampfein- weise läßt sich jedoch sagen, daß sich Männer im
sätze in Vietnam in Frage kamen, entzogen sich mittleren Alter aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung
diesem Dienst.

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�wesentlich stärker mit Bill Clinton identifizieren" als mit den Vereinigten Staaten. Clinton, Vizepräsident Albert
Gore und die anderen Angehörigen dieser Generation
denen, die in Vietnam gedient haben.
werden zumindest in den kommenden beiden Jahr"Baby-Boomer" in wirtschaftlich schlechten und zehnten das Schicksal des Landes bestimmen. "Für
guten Zeiten
die nächsten 20 Jahre", so Bouvier und De Vita,
"werden die geburtenstarken Jahrgänge nicht nur die
Präsident Nixon schaffte zu Beginn des Jahres 1973
Grundlagen für ihren eigenen Ruhestand und die Jahre
die entzweiende Wehrpflicht ab, und in demselben
danach, sondern auch für die Zukunft der Nation
Jahr beendeten die Vereinigten Staaten ihre erfolglose
schaffen."
militärische Intervention in Vietnam. Mit dem Abflauen
der politischen Leidenschaften gingen die "Baby-Boo- ZurZeit beginnen fürdie ersten Vertreter der geburtenmer" in großer Zahl auf Arbeitsplatzsuche. In 13 starken Jahrgänge die produktivsten Arbeitsjahre,
aufeinanderfolgenden Jahren - von 1968 bis 1980 - während in den Vereinigten Staaten eine Zeit wirttraten jedes Jahr rund zwei Millionen Amerikaner neu schaftlicher Ungewißheit herrscht. In naher Zukunft
ins Erwerbsleben ein. Obwohl Millionen neuer Arbeits- werden die Kinder dieser Generation erwachsen werplätze geschaffen wurden, wurde der Arbeitsmarkt von den, und ihre Eltern werden in den Ruhestand treten.
den Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge "Sowohl direkt als auch indirekt", stellen Bouvier und
überschwemmt. Die daraus folgende Belastung der De Vita fest, werden die geburtenstarken Jahrgänge
Wirtschaft brachte für viele "Baby-Boomer" in den "die Tagesordnung im Hinblick auf Entscheidungen
siebziger Jahren hohe Arbeitslosenquoten, verbreitete des Landes im Bildungswesen, bei Maßnahmen zur
Unterbeschäftigung, schwaches Produktivitätswach- Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei Rentenpolitik
stum und auch in anderer Hinsicht wirtschaftlich schwe- und Gesundheitswesen bestimmen."
re Zeiten mit sich.
Es ist nicht leicht, eine genaue Prognose darüber
"Als die ersten Baby-Boomer [im Jahr 1973] zur Er- abzugeben, wie diese Tagesordnung aussehen wird.
werbsbevölkerung stießen, hatten wir das ölembargo Ein Grund ist, daß die Angehörigen der geburtenstarder OPEC", erklärte Paul Light, ein Politologieprofes- ken Jahrgänge zwar eine Altersstufe und viele Lebenssor an der Un iversity of Minnesota. "Danach hatten wir erfahrungen gemeinsam haben, diese Gruppe jedoch
eine Rezession nach der anderen. Wir hatten die aus Personen besteht, deren Positionen, Lebenstile
Hyperinf lat ion der späten siebziger Jahre und dann ein und politische Überzeugungen erheblich voneinander
Jahrzehnt der Schrumpfung... Als Generation sind sie abweichen. Als Beispiel mögen die letzten beiden
außergewöhnlich anfällig für kurzfristige Wirtschafts- Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten AI Gore und
kräfte."
sein Vorgänger Dan Quayle dienen, die beide den
geburtenstarken Jahrgängen angehören.
Wirtschaftlich verbesserte sich die Lage für viele
Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in den Gore, der in Vietnam gedient hat, ist ein liberaler
frühen achtziger Jahren - einer Zeit, in der viele ehema- Demokrat, der viele der aktivistischen politischen und
lige Anhänger der Subkultur sich enthusiastisch die sozialen Ansichten der frühen "Baby-Boomer" vertritt.
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Werte der Der ehemalige US-Senator aus Tennessee setzt sich
Mitte zu eigen machten. "Viele Boomer, die als Twens offen für den Umweltschutz ein. Während seiner
die Gründung einer Familie aufgeschoben hatten, gesamten politischen Laufbahn vertrat Gore überdies
begannen damit in den frühen achtziger Jahren. Tat- zahlreiche populistische Anliegen, darunter eine höhesächlich produzierten die Boomer in der Mitte des re Besteuerung der besonders Wohlhabenden, EinJahrzehnts ihren eigenen kleinen Baby-Boom (von sparungen im Verteidigungshaushalt sowie staatliche
Demographen als 'Miniboom' bezeichnet)."
Arbeitsbeschaffungsprogramme.
Im selben Jahrzehnt trat der sogenannte Yuppie auf der junge, aufstiegsbereite "Baby-Boomer", der in der
allgemeinen Hochkonjunktur von Mitte bis Ende der
achtziger Jahre den wirtschaftlichen Jackpot gewann.
Viele "Boomer" durchliefen eine Metamorphose "von
J'accuse zu Jacuzzi", erklärte der ehemalige Anführer
der studentischen Antikriegsbewegung Todd Gitlin zu
der Neigung seiner Generation, sich vom aktiven
Kämpfer gegen das Establishment zum gierigen Konsumenten teurer Luxusgüter zu entwickeln.

Quayle, ein ehemaliger US-Senator aus Indiana, der
während des Vietnamkriegs in der Nationalgarde (einer
auf Teilzeitbasis funktionierenden Reservetruppe) seines
Staates diente, ist sozial und politisch ein konservativer Republikaner. Gemeinsam mit seiner Frau Marilyn
vertritt Quayle viele soziale und politische Ideen, die
besonders von der Generation seiner Eltern befürwortet werden. "Vor zwanzig Jahren galt es für Frauen als
unpassend zu sagen, daß sie heiraten wollten... oder
zu sagen 'ich liebe meinen Mann, ich liebe meine
Kinder1", erklärte Marilyn Quayle während des PräsiDie neunziger Jahre und danach
dentschaftswahlkampfs, die sich trotz eines abgeDie Wahl Präsident Clintons im Jahr 1992 symbolisier- schlossenen Jurastudiums entschied, sich voll und
te den Aufstieg seiner Generation in die obersten ganz ihrem Mann und der Familie zu widmen, anstatt
Ränge der politischen und wirtschaftlichen Macht in Jura zu praktizieren.
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�Neben den Differenzen zwischen gleichaltrigen BabyBoomern gibt es in dieser Generation eine weitere
Kluft: zwischen den frühen Baby-Boomern wie Präsident Clinton, die Mitte bis Ende der vierziger Jahre
geboren wurden und denen, die 10 bis 15 Jahre später
auf die Welt kamen. "In den Jahren 1946,1947 und
1948 geborene Personen wuchsen gegenüber den
1964 geborenen mit sehr unterschiedlichen [Erfahrungen] auf, so De Vita in einem Interview. "Obwohl die
geburtenstarken Jahrgänge demographisch betrachtet von 1946 bis 1964 reichen, haben wir es im Hinblick
auf den Einfluß individueller Lebenserfahrung und den
Einfluß bestimmter Dinge auf das Leben mit einer
älteren und einer jüngeren Hälfte dieser Generation zu
tun."

Darstellende Künste
1946 Gregory Hines, Tänzer, Schauspieler
1947 Kevin Kline, Schauspieler
1947 Peter Serkin, Pianist
1947 David Letterman, Moderator von Fernsehtalkshows, Komödiant
1950 William Hurt, Schauspieler
1950 Whoopi Goldberg, Schauspielerin, Komödiantin
1954 Oprah Winfrey, Moderatorin von Fernsehtalkshows

Die wichtigste Frage besteht vielen Beobachtern zufolge darin, ob die vielfältige Gruppe der Baby-Boomer 1955 Kevin Costner, Schauspieler
bei der Übernahme wichtiger nationaler Führungspositionen politisch, sozial und kulturell mit einer Stimme 1957 Spike Lee, Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler
spricht. Wahrscheinlich ist, daß es keine einheitliche
Stimme geben wird. Schon aufgrund ihrer beispiello- 1958 Madonna, Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin
sen Zahl werden die Baby-Boomer jedoch weiterhin
einen tiefgreifenden Einfluß auf das Geflecht der 1958 Prince, Sänger, Songschreiber
amerikanischen Gesellschaft haben.
1962 Paula Abdul, Tänzerin, Sängerin
"Vielleicht keine Generation in der Geschichte", so
Bouvier und De Vita, "hatte soviel Einfluß auf den 1962 Tom Cruise, Schauspieler
Verlauf der menschlichen Entwicklung (oder wird jemals
1963 Whitney Houston, Sängerin
soviel Einfluß haben)."
Sport
Bekannte Angehörige der Baby-Boom-Generation

1947 Kareem Abdul-Jabbar, Basketballspieler
1955 Moses Malone, Basketballspieler

Nachfolgend veröffentlichen wir eine Liste bekannter
Angehöriger der Baby-Boom-Generation in Amerika.
Angegeben wird das Geburtsjahr (und in Klammem
das Todesjahr):

1955 Edwin Moses, Läufer

Politik

1963 Michael Jordan, Basketballspieler

1946 David Stockman, ehemaliger Haushaltsdirektor
der Regan-Administration

Medien

1946 William Clinton, US-Präsident
1947 Carol Moseley Braun, US-Senatorin

1959 John McEnroe, Tennisspieler

1946 Sandy Woodruff, Rundfunkjournalistin
1948 Bryant Gumbel, Rundfunkjournalistin
1950 Jane Pauley, Fernsehjournalistin

1947 Mark Rudd, prominentes Mitglied der Bewegung gegen den Vietnamkrieg

Wirtschaft

1947 Dan Quayle, US-Vizepräsident, 1989-93

1955 Steven Jobs, Gründer von Apple Computer

1948 Albert Gore Jr., US-Vizepräsident

1955 William Gates, Gründer von Microsoft Computers

1948 Clarence Thomas, Richter am Obersten Bundesgericht,

1952 Christie Hefner, Zeitschriftenverlegerin

1948 Hillary Rodham Clinton, Rechtsanwältin, First
Lady der Vereinigten Staaten

Literatur

1951 Lee Atwater, Spitzenwahlkampfberater der
Republikaner (1992 verstorben)

1947 Tom Clancy, Romanautor

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1947 Stephen King, Romanautor

Seite 5

�1947 Ann Beattie, Verfasserin von Kurzgeschichten,
Romanautorin

1947 Dave Barry, Humorist
1949 Mary Gordon, Romanautorin

* * * * *

Seite 6

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�THEMENINDEX
30. Juni 1993

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Holocaust-Museum

17

AID

20

Afroamerikaner

5

ILO

23

Amtseinführung

3, Sonderdienst

IWF

18

Außenpolitik

2,3,4,9,11,13,22

Irak

2, 3, 26

Bosnien

2,7,9,16,17 ,18 ,19,
20,21

Jefferson

16

KSZE

22

Chemische Waffen

2

Kongreß

15

Kriegsverbrechen

8,22

Demographie

20
Lage der Nation

Sonderdienst

Einwanderung

22,23
Marshall-Zentrum

23

Frauen

7, 8, 26

Martin Luther King

3,15

Friedenssicherung

25

Medien

11,12,13,15

Menschenrechte

4,5,6,7,8,10,24,26

Militärmacht

2

NAFTA

13

G-7

16

GATT

7,23

Gesellschaft

4,26

NATO

13,19,24,25

Handel

7,8,10,17, 18, 19,
21,22,26

Naher Osten

6,17

Hochgeschwindigkeitszüge

18

Nationaler Sozialer Dienst

19

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Nichtverbreitung

12,24

Technologie

8

Terrorismus

11,18

OECD

tt

Thurgood Marshall

4

Porträt

1,2,7,18,22

UNO

4, 24, 26

US-Militär

5

Regionale Konflikte

16

USA-Afrika

21

Rundfunk

25

USA-Deutschland

5,24

Rußland

11,12,13 ,14,16,17

USA-EG

5

USA-Europa

10

SDI

20

USIA

21

Somalia/Bosnien

25

Umwelt

17,18, 23, 25

START II

1,20,21, 26

Serbien

13

Verteidigung

10,25

Sicherheit

20

Somalia

2,19,24

Wirtschaft

5,9,12

Wissenschaft

15

* * * *

Seite 2

*

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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 30.06.1993</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Irak&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Luftangriff Antwort auf irakisches Mordkomplott&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Clintons an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angriff auf Herzstück des irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Militäraktion gegen den irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wiener Dokument betont Allgemeingültigkeit der Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Shattuck zum Abschluss der Weltkonferenz über Menschenrechte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen bei UNO-Friedenssicherung führende Rolle übernehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongressausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Start II&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CIA-Direktor Woolsey zur Überwachung von Start II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor Senatsausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senatoren äußern sich zur Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Brief des Finanzausschusses an Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchbruch für Frauen auf Menschenrechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Frauenfragen im Rampenlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Generation des Baby-Booms wird älter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marc Leepson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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