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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

16. Juni 1993

SOMALIA
0

MENSCHENRECHTE

CLINTON: UNO HANDELTE, UM ORDNUNG
IN SOMALIA WIEDERHERZUSTELLEN
Rundfunkansprache des Präsidenten

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM
BRENNPUNKT DER WELTWEITEN AUFMERKSAMKEIT
Ansprache Christophers bei
Menschenrechtskonferenz

NATO

USA BIETEN TRUPPEN ZUR VERSTÄRKUNG
DER UNO-STREITKRÄFTE IN
MAKEDONIEN AN

Erklärung Christophers vor dem
Nordatlantikrat

USA-DEUTSCHLAND

EIN FREUND SAGT "AUF WIEDERSEHEN'
Rede von Botschafter Kimmitt am
Aspen Institut in Berlin

NICHTVERBREITUNG

CHRISTOPHER DRANGT AUF KOLLEKTIVE
AKTIONEN BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung vor der Presse

UNO

UNTERSTÜTZUNG DER USA FÜR SITZ
DEUTSCHLANDS UND JAPANS IM
UN-SICHERHEITSRAT
Albright: Rat muß neue Realitäten
widerspiegeln

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN

AUSSCHUSS FÜR AUFHEBUNG DES
WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Zusatz zum Auslandshilfegesetz

FIRST LADY

HILLARY RODHAM CLINTON KOMBINIERT
VIELE ROLLEN
NBC-Sondersendung

EINWANDERUNG

DIE USA: DAS EWIG UNVOLLENDETE
LAND
von Reed Ueda

�SOMALIA
16. Juni 1993

CLINTON: UNO HANDELTE, UM ORDNUNG
IN SOMALIA WIEDERHERZUSTELLEN
Rundfunkansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Angriffe der Koalitionsstreitkräfte der Vereinten Nationen auf
militärische Stellungen des somalischen Clanführers Farah Aidid als eine Maßnahme der internationalen
Staatengemeinschaft bezeichnet, um in Mogadischu "die Ordnung wiederherzustellen" und "ihre Verpflichtung
zur Wahrung der Sicherheit der UN-Streitkräfte zu unterstreichen".
In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache erklärte der Präsident am 12. Juni 1993, der erfolgreiche
Angriff der vorhergehenden Nacht, an dem sich amerikanische Streitkräfte beteiligten, sei eine Reaktion auf
"einen brutalen Angriff, den Aidids Truppen in der vergangenen Woche gegen UN-Friedenstruppen durchgeführt
haben", bei dem 23 Pakistaner getötet und 3 Amerikaner verletzt wurden, die der UN-Streitmacht angehörten.
"Die Maßnahme der vergangenen Nacht", so der Präsident, "war unerläßlich, um den bewaffneten Banden eine
klare Botschaft zu übermitteln, die überwältigende Mehrheit der sich nach Frieden sehnenden Somalis zu
schützen, die Sicherheit unserer noch in Somalia verbleibenden Streitkräfte zu verbessern, rascher den Tag
herbeizuführen, an dem sie sicher nach Hause zurückkehren können, sowie die Effektivität und Glaubwürdigkeit der UN-Friedenssicherung in Somalia und weltweit zu stärken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache des Präsidenten im Wortlaut.

In der vergangenen Nacht haben die Vereinten Nationen mit amerikanischen und anderen Koalitionsstreitkräften erfolgreich die militärischen Positionen des
Clanführers Mohammed Farah Aidid in Somalia angegriffen. Glücklicherweise erlitten unsere Streitkräfte
keine Verluste. Die Maßnahme der Vereinten Nationen war eine Reaktion auf einen brutalen Angriff, den
Aidids Truppen in der vergangenen Woche gegen UNFriedenstruppen durchgeführt haben. Bei Aidids Angriff
wurden 23 Pakistaner getötet und 3 Amerikaner verletzt, die in der UN-Streitmacht dienten. Es handelte
sich um einen kaltblütigen Hinterhalt gegen UN-Truppen, die Nahrungsmittel lieferten und den Frieden für
das somalische Volk aufbauten.
Die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten
lehnen es ab, diese rücksichtslose Mißachtung des
Willens der internationalen Staatengemeinschaft zu
tolerieren. Deshalb habe ich auf Anforderung der UNO
und im Einklang mit einer Resolution des UN-Sicherheitsrates die Beteiligung amerikanischer Truppen an
dieser Aktion angeordnet. Besonders hervorheben
möchte ich die entschlossene Führung der UNO, von
Generalsekretär Boutros Ghali, des Kommandeurs
AMERIKA DIENST 24

der UN-Streitmacht - des türkischen Generals Cevik
Bir - und des Generalmajors Thomas Montgomery aus
den Vereinigten Staaten.
Mit dieser Maßnahme handelt die internationale Staatengemeinschaft, um die Ordnung in der Hauptstadt
Somalias wiederherzustellen und ihre Verpflichtung
zur Wahrung der Sicherheit der UN-Streitkräfte zu
unterstreichen. Denn, wenn die Friedenssicherungsstreitkräfte der UNO effektive Kräfte des Friedens und
der Stabilität in Somalia sowie andernorts sein sollen,
müssen sie fähig sein, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden, um sich zu verteidigen und ihre Ziele zu
verwirklichen.
Wir müssen uns zunächst daran erinnern, warum USTruppen in Somalia stehen und wieviel seit ihrer Ankunft erreicht wurde. Bereits im vergangenen Dezember entsandten die Vereinigten Staaten Truppen nach
Somalia, um den Vereinten Nationen zu helfen, einen
verzweifelten Hilferuf zu erfüllen. Bei ihrer Ankunft
waren bereits 350.000 Somalier in einem blutigen
Bürgerkrieg gestorben, der das Land in ein Leichentuch aus Hungersnot und Krankheiten hüllte.
Seite 1

�Über 30.000 amerikanische Männer und Frauen, Soldaten ebenso wie Zivilisten, schlössen sich den Truppen und den Angehörigen von Hilfsorganisationen aus
aller Welt in dem Bemühen an, dem Verhungern und
der Hoffnungslosigkeit ein Ende zu bereiten. Sie traten
mit Mut und Engagement dafür ein, die Gewalt zu
ersticken, die Clanführer unter Kontrolle zu bringen
und Tonnen dringend benötigter Nahrungsmittel und
Medikamente zu liefern.
Diese humanitären Bemühungen stellten die Hoffnung
wieder her, förderten unsere Interessen und stellten
die Ideale Amerikas im besten Sinne dar.
Heute wachsen in Somalia wieder Ernten, und der
Hunger ist beendet. Flüchtlinge beginnen, nach Hause zurückzukehren. Schulen und Krankenhäuser werden
wieder geöffnet. Eine zivile Polizei wurde wieder
eingerichtet, und Somalia hat den Prozeß der nationalen Aussöhnung mit dem Ziel eingeleitet, die Institutionen der Demokratie zu schaffen. Infolgedessen waren
wir in den letzten Monaten in der Lage, unsere Truppenpräsenz in Somalia auf weniger als 4.000 zu reduzieren - einen Bruchteil der gesamten UN-Streitmacht.
Obwohl die Bemühungen der USA und der UNO in
Somalia erfolgreich waren, gibt es nach wie vor eine
kleine aber gefährliche Minderheit von Somaliern, die
entschlossen sind, Terror und Chaos zu provozieren.
Die Maßnahme der vergangenen Nacht war unerläßlich, um den bewaffneten Banden eine klare Botschaft
zu übermitteln, die überwältigende Mehrheit der sich
nach Frieden sehnenden Somalis zu schützen, die
Sicherheit unserer noch in Somalia verbleibenden
Streitkräfte zu verbessern, rascher den Tag herbeizu-

*

führen, an dem sie sicher nach Hause zurückkehren
können, sowie die Effektivität und Glaubwürdigkeit der
UN-Friedenssicherung in Somalia und weltweit zu
stärken.
Die Aktion der UNO enthält eine wichtige Lektion im
Hinblick darauf, wie unser Land seine eigenen sicherheitspolitischen Ziele in diesem neuen Zeitalter erlangen kann. Obwohl der Kalte Krieg vorüber ist, bleibt die
Wert ein gefährlicher Ort. Die Vereinigten Staaten
können kein Weltpolizist sein, aber wir können auch
nicht unsere Augen vor den Problemen der Welt
verschließen, denn sie beeinflussen unsere eigene
Sicherheit, unsere eigenen Interessen und unsere
eigenen Ideale.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin ihre einzigartige Führungsrolle in der Weh spielen. Heute können
wir diese Führungsrolle jedoch zunehmend durch
multilaterale Mittel wie die Vereinten Nationen zum
Ausdruck bringen, die die Kosten verteilen und den
gemeinsamen Willen der Völkergemeinschaft ausdrücken. Das war eine der Lehren der Operation
Wüstensturm, und sicherlich war es auch eine der
Lehren der vergangenen Nacht in Somalia.
Für alle Amerikaner bin ich stolz auf die amerikanischen Streitkräfte, die erneut außerordentlichen Mut
und außergewöhnliche Fähigkeiten unter Beweis gestellt
haben. Die Welt dankt ihnen und allen anderen UNStreitkräften in Somalia für ihren Einsatz, für die Ausführung eines Schlages gegen Gesetzlosigkeit und
das Morden sowie für die Förderung des Engagements der Welt für Gerechtigkeit und Sicherheit.

* * *

*

AMERIKA DIENST 24

Seite 2
i

�MENSCHENRECHTE
16. Juni 1993

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM BRENNPUNKT
DER WELTWEITEN AUFMERKSAMKEIT
Ansprache Christophers bei Menschenrechtskonferenz
WIEN - (AD) - "Die weltweiten Aussichten auf Menschenrechte, Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritt
waren niemals besser", erklärte US-Außenminister Christopher, "traurigerweise hat das Ende des Kalten
Krieges jedoch kein Ende von Aggression, Unterdrückung und Unmenschlichkeit gebracht... Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit muß sich weiterhin auf die dunkelsten Winkel konzentrieren, in denen Schandtaten
begangen werden."
Auf der Eröffnungssitzung der Weltkonferenz über Menschenrechte erklärte Au ßenminister Christopher am 14.
Juni 1993, die Vereinigten Staaten wollten das UN-Menschenrechtszentrum stärken, unterstützten die Berufung
eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte und wollten die Besorgnis über die unmenschliche Behandlung
von Frauen auf die globale Menschenrechtstagesordnung setzen.
Auch werden die Vereinigten Staaten dem Minister zufolge "unverzüglich handeln, um die baldige Zustimmung
ihres Senats zur Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung zu erhalten".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext der Ansprache des Außenministers.

Meine Damen und Herren, ich spreche zu Ihnen als
Vertreter einer Nation, die "in Freiheit geboren" wurde.
Die Identität Amerikas als Nation rührt von unserer
Verpflichtung auf den Lehrsatz, "daß alle Menschen
gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit
gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind".
Im Laufe von zwei Jahrhunderten haben die Amerikaner herausgefunden, daß die Förderung von demokratischen Werten und Menschenrechten sowohl unseren tiefverwurzelten Werten als auch unseren praktischen Interessen dient.
Aus diesem Grund stehen die Vereinigten Staaten
überall auf der Seite der Männer und Frauen, die diese
Grundsätze verteidigen. Und aus diesem Grund hat
Präsident Clinton die Stärkung der Demokratie und
den Schutz der Menschenrechte zu einer Säule unserer Au ßenpolitik gemacht - und in das Zentrum unserer
Auslandshilfeprogramme gestellt.
Demokratie stellt den moralischen und strategischen
Imperativ der neunziger Jahre dar. Demokratie wird
den Schutz der Menschenrechte in jeder Nation darstellen. Demokratie ist die beste Möglichkeit, dauerhaften Frieden und Wohlstand in der Wert zu fördern.

AMERIKA DIENST 24

Die Sache der Freiheit stellt eine grundlegende Verpflichtung für mein Land dar. Sie ist auch für mich eine
tiefverwurzelte persönliche Überzeugung. Ich bin stolz
darauf, der ersten interministeriellen Menschenrechtsgruppe der amerikanischen Regierung unter Präsident
Carter vorgestanden zu haben, der heute anwesend
ist. Präsident Carter wird als der erste amerikanische
Präsident in Erinnerung bleiben, der die Menschenrechte auf die internationale Tagesordnung setzte. Er
hat dazu beigetragen, das Leben der Menschen in
jedem Teil der Welt zu verbessern. Heute bauen wir
auf seinen Leistungen auf - und auf jenen der Menschenrechtsbewegung seit ihren Anfängen.
In dieser Zeit nach dem Kalten Krieg befinden wir uns
an einem neuen Zeitpunkt. Unsere Tagesordnung für
die Freiheit muß jeden, der aus Gewissensgründen
gefangengehalten wird, jedes Opfer von Folter, jedes
Individuum, dem die grundlegenden Menschenrechte
verweigert werden, einbeziehen. Auch muß sie die
demokratischen Bewegungen einbeziehen, die die
politische Landkarte auf unserem Globus verändert
haben.

Seite 1

�Der neue Mittelpunkt unserer Tagesordnung für die
Freiheit besteht darin, den demokratischen Prozeß auf
der ganzen Welt auszuweiten, zu festigen und zu
verteidigen. Die Demokratie ist es, die die bürgerlichen
Institutionen errichtet, die die Macht unterdrückerischer Regime ersetzt. Die Demokratie ist das beste
Mittel, Menschenrechte nicht nur zu erringen, sondern
zu garantieren.

das Gleichgewicht der Weit zugunsten der Freiheit zu
verändern. Aus diesem Grund hat er die Vereinigten
Staaten in ein Bündnis mit den russischen Reformkräften unter Leitung von Präsident Jelzin geführt.

Ich kann keine Prognosen über das Ergebnis dieser
Konferenz aufstellen. Aber ich kann Ihnen eines
sagen: Die weltweite Bewegung für Demokratie und
Menschenrechte wird sich durchsetzen. Meine Delegation wird die Kräfte der Freiheit unterstützen - nicht
nur in den nächsten Wochen in Wien, sondern jeden
Tag bei unseren außenpolitischen Aktivitäten auf der
ganzen Wert. Die Vereinigten Staaten werden sich
niemals denjenigen anschließen, die die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte und die Bewegung für
Demokratie und Menschenrechte unterminieren.

Allein im Jahr 1993 waren wir zusätzlich zu einem
massiven Erfolg für die Demokratie in Rußland Zeuge
nie dagewesener freier Wahlen in Kambodscha, Jemen,
Burundi und Paraguay. Die Wahrheitsfindungskommission in El Salvador hat ihre heilsame Arbeit beendet. Und die Menschen in Südafrika haben dramatische Fortschritte für eine Demokratie ohne Rassenschranken gemacht.

Die Förderung der Demokratie ist das Hauptanliegen
der globalen Sicherheit. Eine aus Demokratien bestehende Welt wäre eine sicherere Wert. Sie würde mehr
Mittel für die Entwicklung des Menschen und weniger
Im Kampf für Demokratie und Menschenrechte sind für die Zerstörung des Menschen aufwenden. Sie
Worte von Bedeutung, aber unsere Taten sind noch würde das fördern, was allen Menschen gemeinsam
bedeutungsvoller. Das, was unsere Bürger und Regie- ist, und nicht das, was sie trennt. Es wäre eine Weit der
rungen in den nächsten Tagen tun werden, zählt viel Hoffnung und nicht der Verzweiflung.
mehr als alle Diskussionen oder hier erstellten DokuDemokratie und Vielfalt
mente.

Sicherung der Freiheit nach dem Kalten Krieg
Die Allgemeine Erklärung enthält eine zeitlose Wahrheit für alle Völker und Nationen: Die Achtung der
Menschenrechte und fundamentalen Freiheiten "ist
die Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden
auf Erden". Diejenigen, die diese Erklärung entwarfen,
wurden der Herausforderung gerecht, die Vielfalt auf
der Welt zu respektieren und gleichzeitig universelle
Werte zu reflektieren.

Auf der ganzen Welt leisten Menschen die harte,
bisweilen schmerzliche Arbeit, demokratische Gesellschaften von Grund auf neu aufzubauen. Sie tragen
Sorge, daß die Demokratie nicht nur am Wahltag,
sondern jeden Tag funktioniert. Sie fördern bürgerliche Gesellschaften, die die Rechtsstaatlichkeit und
Rechenschaftspflicht der Regierungen respektieren.
Bürgergruppen fordern soziale Gerechtigkeit und rufen nichtstaatliche Menschenrechtsorganisationen ins
Leben. Frauengruppen befürworten gleiche Behandlung und bekämpfen die weitverbreitete geschlechtsspezifische Gewalt. Arbeitnehmer schließen sich in
freien Gewerkschaften zusammen. Unabhängige
Medien verleihen dem Pluralismus eine Stimme. All
das schafft ein Gegengewicht zur Unterdrückung,
indem die grundlegende Rede- und Versammlungsfreiheit sowie die Freizügigkeit bekräftigt und geltend
gemacht werden.

Noch vor der Annahme dieser Erklärung hatte der
Kalte Krieg bereits seine ersten eisigen Schatten
geworfen. Die Gestattet der Erklärung hofften jedoch,
daß jede nachfolgende Generation die Erklärung durch
die von ihr geführten Kämpfe stärken würde. Es
obliegt jeder Generation, die in der Arbeit des Entwurfs
Die Unterstützung der Demokratie durch die Vereinigenthaltenen Versprechungen einzulösen.
ten Staaten stellt eine andauernde Verpflichtung dar.
Seit der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Wir wissen, daß der Aufbau und die Unterstützung von
Menschenrechte hat der Menschenrechtsaktivismus Demokratie kein geradliniges Vorhaben darstellen.
immer wieder Gefängniszellen geöffnet und unter- Die weltweite Demokratiebewegung wird auf ihrem
drückten Individuen die Freiheit gegeben. Heute wandert Weg von Rückschlägen ereilt werden. Aber mit Hilfe
die weltweite Bewegung vom Despotismus zur Demo- ständiger Wachsamkeit und harter Arbeit wird die
kratie ganze politische Systeme und öffnet ganzen Demokratie erfolgreich sein.
Gesellschaften die Tür zur Freiheit.
Schauen Sie sich die Menschen in Guatemala an. Vor
zwei
Wochen überwanden sie einen Staatsstreich, der
Dieses große Drama spielt sich auf keiner Bühne
ihre
demokratischen
Institutionen aufgelöst hatte. Sie
sichtbarer ab als in der ehemaligen Sowjetunion. Die
bewiesen,
daß
die
Demokratie
in den Ländern des
Sicherung des Erfolgs der Demokratie in Rußland, der
amerikanischen
Kontinents
eine
neue
WiderstandsfäUkraine und den anderen neuen unabhängigen Staahigkeit
hat,
die
tief
in
der
bürgerlichen
Gesellschaft
ten ist die strategische Herausforderung unserer Zeit.
verwurzelt
ist.
Die
Entschlossenheit
der
guatemaltekiPräsident Clinton ist entschlossen, dieser Herausforderung an unsere Führungskraft gerecht zu werden - schen Öffentlichkeit, die von den Vereinigten Staaten
Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�und der internationalen Staatengemeinschaft unter
Führung der Organisation Amerikanischer Staaten
unterstützt wurde, hat zu derWahl eines angesehenen
Menschenrechtsverfechters zum Präsidenten geführt.

kaner. Ihre tapferen Taten und ihr gewaltsamer Tod
hinterließen tiefe Spuren bei einer ganzen Generation
junger Amerikaner - unter ihnen der Student Bill Clinton.

Denjenigen, die behaupten, die Demokratie sei eine
Erfindung des Westens, sage ich, Sie haben vergessen, das den Kambodschanern mitzuteilen. Neunzig
Prozent von ihnen nahmen im Angesicht wirklicher
Gefahren allen Mut zusammen, um in den von der
UNO überwachten Wahlen im letzten Monat ihr Land
zurückzufordern. Auf dem ehemaligen Feld des Todes schlägt jetzt die Demokratie ihre Wurzeln.

Die Demokratie kann die Erwartungen erfüllen

Von Mittelasien bis Mittelamerika sind demokratische
Bestrebungen im Entstehen begriffen. Kein Umstand,
sei es Herkunft, Kultur oder geographische Gegebenheiten, kann das Sehnen des menschlichen Geistes
und das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde
einschränken. Martin Luther King und Gandhi, Fang
Lizhi und Natan Schtscharansie sie alle stammten aus
unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Aber jeder
gestaltete das Schicksal seiner eigenen Nation und
der Welt durch sein Beharren auf der Achtung derselben universellen Rechte.
Die Tatsache, daß jeder von uns aus einer anderen
Kultur stammt, befreit uns nicht von unserer Verpflichtung, uns an die Allgemeine Menschenrechtserklärung zu haften. Folter, Vergewaltigung, Rassismus,
Antisemitismus, willkürliche Verhaftung, ethnische
Säuberung und politisch motiviertes Verschwinden nichts davon wird von irgendeiner Glaubensrichtung,
Religion oder Kultur, die die Menschlichkeit respektiert, toleriert. Auch kann keine dieser Taten aufgrund
der Notwendigkeiten wirtschaftlicher Entwicklung oder
politischer Opportunität gerechtfertigt werden.
Wir respektieren die religiösen, sozialen und kulturellen Charakteristika, die jedes Land einzigartig machen. Aber wir dürfen nicht zulassen, daß kultureller
Relativismus das letzte Mittel der Unterdrückung wird.
Die universellen Prinzipien der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen stellen den Menschen an
die erste Stelie. Wir weisen jeglichen Versuch eines
jeden Staates zurück, seine Bürger zu einem geringeren Maß an Menschenwürde zu verurteilen. Es gibt
keinen Widerspruch zwischen den universellen Prinzipien der UNO-Erklärung und den Kulturen, die unsere
internationale Staatengemeinschaft bereichern. Die
wirkliche Kluft liegt zwischen den zynischen Entschuldigungen unterdrückerischer Regime und den ernsthaften Bestrebungen ihrer Völker.

Viele junge Demokratien haben mit den enormen
Problemen großer Armut, Analphabetentum, schnellem Bevölkerungswachstum und Unterernährung zu
kämpfen. Das Überleben dieser Demokratien hängt
letztlich vielleicht von ihrer Fähigkeit ab, ihren Bürgern
zu zeigen, daß die Demokratie ihre Erwartungen erfüllen wird - daß die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen sich bald, und nicht erst
irgendwann in Zukunft, auszahlen werden.
Die Nationen, die menschliches Potential freisetzen die in den Menschen investieren und die Menschenrechte verteidigen - haben eine größere Chance zu
wachsen und sich weiterzuentwickeln. Die Nationen,
die das Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Diskriminierung durchsetzen, werden gerechtere Gesellschaften
- und produktivere Volkswirtschaften. Und die Nationen, die sich demokratischen Werten verpflichtet haben,
schaffen Bedingungen, unter denen der Privatsektor
blühen und gedeihen und Arbeitsplätze schaffen kann.
Staaten, die die Menschenrechte respektieren und
nach demokratischen Grundsätzen handeln, gehören
zu den friedlichsten und stabilsten der Welt. Andererseits sind die schlimmsten Menschenrechtsverächter
die Aggressoren und Weiterverbreiter von Atomwaffen auf der Wert. Diese Staaten exportieren Gefahren
für die globale Sicherheit, sei es in Form von Terrorismus, massiven Flüchtlingsströmen oder Umweltverschmutzung. Die Verweigerung der Menschenrechte
stellt nicht nur eine Verschwendung menschlichen
Lebens dar, sondern schafft auch Instabilität, die schnell
die Grenzen überschreitet.
Die Zukunft gehört den freien Menschen
Die weltweiten Aussichten für Menschenrechte,
Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritt waren
niemals besser. Traurigerweise hat das Ende des
Kalten Krieges jedoch kein Ende von Aggression,
Unterdrückung und Unmenschlichkeit gebracht.

Neue Schreckenstaten gibt es im Überfluß. Wir brauchen lediglich an die enormen menschlichen Opfer von
regionalen Konflikten, ethnisch begründetem Haß und
despotischer Herrschaft zu denken. Wir brauchen nur
an Bosnien zu denken - nur wenige hundert Meilen von
diesem Saal, aber Welten von der friedlichen und
toleranten
Völkergemeinschaft entfernt, wie sie in der
Keine Nation kann einen Anspruch auf Perfektion
Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte vorgeseerheben. 1968, als die amerikanische Delegation auf
hen
ist.
der ersten Weltkonferenz eintraf, war mein Land durch
die Ermordung Martin Luther Kings erschüttert. Ihr Ein dauerhafter Frieden auf dem Balkan hängt von der
folgte schon bald der Mord an Robert Kennedy. King Gewährleistung ab, daß alle bereit sind, die grundleund Kennedy engagierten sich mit ganzer Kraft für den genden Menschenrechte, besonders die von MinderAufbau einer gerechteren Gesellschaft für alle AmeriAMERIKA DIENST 24

Seite 3

�heilen, zu respektieren. Diejenigen, die diese Rechte
entweihen, müssen wissen, daß sie ausgestoßen
werden. Sie werden Sanktionen ausgesetzt werden.
Sie werden vor Tribunale der internationalen Justiz
gestellt werden. Sie werden keinen Zugang zu Hilfe
oder Investitionen erhalten, und sie werden von der
Gemeinschaft zivilisierter Nationen keine Akzeptanz
erfahren.
Die Zukunft gehört einer anderen Richtung: nicht
unterdrückerischen Regimen, sondern freien Menschen. Sie gehört den Männern und Frauen, die sich
von den Worten der Allgemeinen Erklärung inspirieren
lassen; die selbst bei großem persönlichem Risiko
nach ihren Prinzipien handeln; die Kugeln ausweichen
und Drohungen widerstehen, um ihre Stimme abzugeben; die sich selbstlos um Gerechtigkeit, Toleranz,
Demokratie und Frieden bemühen. Diese Menschen
sind überall zu finden - gewöhnliche Männer und
Frauen, die Außergewöhnliches vollbringen - selbst an
Orten,andenen zur Zeit Haß, Furcht, Kriegund Chaos
herrschen.
Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit muß sich
weiterhin auf die dunkelsten Winkel konzentrieren, in
denen Schandtaten begangen werden. Wir müssen
den dafür Verantwortlichen entgegentreten. Wir müssen
die Instrumente der Menschenrechtsdiplomatie stärken, um Probleme in Angriff zu nehmen, bevor sie zu
Gewalt eskalieren und neue Pariastaaten entstehen
lassen.
Heute präsentiere ich der Völkergemeinschaft stellvertretend für die Vereinigten Staaten einen ehrgeizigen
Aktionsplan, der unser Engagement verkörpert, unabhängig vom Ergebnis dieser Konferenz nach Verwirklichung der Menschenrechte zu streben. Dieser Plan
wird dazu beitragen, die Fähigkeit der Vereinten Nationen zur Praktizierung präventiver Diplomatie, zur Sicherung der Menschenrechte und Unterstützung noch
in den Kinderschuhen steckender Demokratien auszubauen. Wir streben eine Stärkung des UN-Menschenrechtszentrums und seiner beratenden Berichterstattungsfunktionen an. Wir unterstützen die Berufung
eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte.
Förderung der Frauenrechte

dig bleiben und von Dauer sein sollte. Sie waren
entschlossen, ein Dokument zu verfassen, das Frauen
ebenso wie Männer schützen und ihnen zu Selbstbestimmung verhelfen sollte. Dies ist jedoch in allzu
vielen Teilen der Weit, wo Frauen einzig aufgrund ihres
Geschlechts Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind, nach wie vor eine unerfüllte Vision.
Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen machen
nicht nur den einzelnen zum Opfer. Sie verhindern den
Fortschritt ganzer Gesellschaften, indem sie das
menschliche Potential der halben Bevölkerung beschränken. Frauen ihre Menschenrechte zu garantieren, ist ein moralisches Gebot. Es ist femer eine
Investition, die ganze Nationen stärker, fairer und
besser macht.
Frauenrechte müssen weltweit gefördert werden. Die
entscheidende Arbeit muß auf nationaler Ebene geleistet werden. Es liegt im Eigeninteresse jedes Landes,
die ungleiche Behandlung von Frauen zu beenden.
Unsere nächsten Schritte
Über ihre Unterstützung multilateraler Bemühungen
hinaus sind sich die Vereinigten Staaten der Tatsache
bewußt, daß sie eine feierliche Pflicht haben, eigene
Schritte zu unternehmen.
In diesem Geist freue ich mich bekanntgeben zu
können, daß die Vereinigten Staaten unverzüglich
handeln werden, um die Zustimmung ihres Senats zur
Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung
einzuholen.
Wir unterstützen energisch die allgemeinen Ziele der
anderen Verträge, die wir unterzeichnet aber noch
nicht ratifiziert haben. Die Konvention über die Beseitigung aller Formen von Diskriminierung gegenüber
Frauen, die Inter-Amerikanische Menschenrechtskonvention und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte: sie alle werden
wichtige Fortschritte darstellen. Unsere Administration wird sich ihnen unverzüglich zuwenden, sobald
der Senat die Rassismuskonvention behandelt hat.
Darüber hinaus erwarten wir die baldige Verabschiedung von Durchführungsgesetzen zur Konvention gegen
Folter, um das weltweite Ziel zu fördern, die Folter bis
zum Jahr 2000 zu beseitigen. Für uns bedeuten diese
weitreichenden Dokumente nicht lediglich Versprechen, die zu Propagandazwecken schriftlich niedergelegt wurden, sondern feierliche Verpflichtungen, die es
zu verwirklichen gilt.

Die Vereinigten Staaten werden darüber hinaus handeln, um ihre Besorgnis über die unmenschliche
Behandlung von Frauen in die globale Tagesordnung
der Menschenrechte einzubeziehen. Wir werden auf
die Berufung eines UN-Sonderberichterstatters über
Gewalt gegen Frauen drängen. Wir werden darüber
hinaus die Vereinten Nationen auffordern, dieser FraMein Land wird die Menschenrechte in seinen bilaterage mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Koordilen Beziehungen mit allen Ländern verfolgen - großen
nierung ihrer Maßnahmen im Bereich der Frauenrechund kleinen, entwickelten und sich noch entwickelnte zu verstärken.
den. Das amerikanische Engagement für die MenEleanor Roosevelt und die anderen Verfasser der schenrechte ist weltweit, ebenso wie die UN-Erklärung
Erklärung wollten ein Dokument schreiben, das leben- allgemeingültig ist.

Seite 4

AMERIKA DIENST 24

�Bei der Förderung dieser Ziele wird die amerikanische
Außenpolitik sowohl unsere grundsätzlichen Werte
widerspiegeln als auch unsere nationalen Interessen
fördern. Sie mu ß die Erfordernisse unserer nationalen
Sicherheit und unserer Wirtschaft berücksichtigen,
während wir gleichzeitig nach Demokratie und Menschenrechten streben. Wir werden unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten und Freunden aufrechterhalten. Wir werden handeln, um Aggressoren abzuschrecken. Und wir werden mit gleichgesinnten Staaten zusammenarbeiten, um das Überleben der Freiheit sicherzustellen, wenn diese bedroht ist.

tie und Rechtsstaatlichkeit unerläßlichen öffentlichen
und privaten Institutionen zu entwickeln. Femer werden wir die Unterstützung der amerikanischen Nationalen Stiftung für Demokratie (National Endowment
for Democracy) bei der Erfüllung ihres Auftrages fortsetzen, die Demokratie zu fördern, wo immer sie um
den Aufstieg kämpft.

Wir werden den neuen Demokratien helfen, einen
reibungslosen Übergang zur zivilen Kontrolle über das
Militär zu vollziehen. Darüber hinaus werden wir den
Militärs helfen, konstruktive neue Rollen beim Streben
nach Frieden und Sicherheit zu finden - Rollen, die die
Menschenrechte wahren und zum internationalen Frieden beKragen.

haben einen festen Standpunkt: Wenn wir auf den
unveräußerlichen Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen und die weltweite
Demokratiebewegung unterstützen, werden wir den
Anbruch des Tages beschleunigen, an dem alle Völker
der Welt zu einem Leben in Freiheit, Würde, Wohlstand und Frieden erhoben werden.

Ein fester Standpunkt

Die internationale Debatte dreht sich derzeit weniger
darum, ob sich die Menschenrechte für eine Erörterung eignen - und mehr darum, wie sie am wirksamsten
gesichert
werden können. Die Debatte handelt weniDie Vereinigten Staaten werden die Demokratie förger
davon,
ob die Demokratie den Bedürfnissen der
dern und ihre Sicherheit schützen. Wir müssen beides
Menschen allerorten am besten dient - und mehr
tun - und das werden wir auch.
davon, wie bald ihre demokratischen Bestrebungen
Wir werden darauf bestehen, daß unsere Diplomaten erfüllt werden.
weiterhin genau und vollständig über die Menschenrechtslage auf der ganzen Welt berichten. Die Wah- Vor zweihundert Jahren schrieb der politische Philorung der Menschenrechte und das Engagement zur soph Thomas Paine in seinem berühmten Werk 'Die
Förderung der Demokratie werden wichtige Kriterien Rechte des Menschen' folgendes im Hinblick auf das
sein, wenn wir über die Verwendung unserer Mittel für Bild, das Archimedes über die unvergleichliche Kraft
Auslandshilfe entscheiden. Auch in der Handelspolitik der Hebelwirkung gegeben hatte: "Hätten wir einen
werden wir Menschenrechtsgesichtspunkte berück- festen Standpunkt, wir würden die Wert aus den Ansichtigen, wie Präsident Clinton vergangenen Monat geln heben."
gezeigt hat.
Meine Damen und Herren, die Nationen der Welt

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und Das sollte der Standpunkt dieser Konferenz sein. Das
anderen internationalen Organisationen werden wir ist der Standpunkt der Vereinigten Staaten.
dazu beitragen, die für eine funktionierende Demokra-

*

AMERIKA DIENST 24

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Seite 5

�NATO
16. Juni 1993

USA BIETEN TRUPPEN ZUR VERSTÄRKUNG DER
UNO-STREITKRÄFTE IN MAZEDONIEN AN
Erklärung Christophers vor dem Nordatlantikrat
ATHEN - (AD) - US-Außenminister Christopher kündigte am 10. Juni 1993 an, die Vereinigten Staaten hätten
das Angebot gemacht, "eine verstärkte Kompanie" zur Unterstützung des UNO-Kontingents in die ehemals
jugoslawische Republik Makedonien zu entsenden.
"Diese Truppen unterstreichen die Ernsthaftigkeit unserer Warnung an Belgrad und die bosnischen Serben.
Dieses Angebot von Truppen für die Vereinten Nationen hat sowohl symbolische als auch sichtbare Bedeutung",
erklärte Christopher auf einem Ministertreffen des Nordatlantikrates in Athen.
Der Außenminister ließ verlauten, der Konflikt in Bosnien dürfe "nicht ausufern" und stellte fest, es sei von
Bedeutung für jeden in der Region, sich vor Augen zu führen, daß Aggression gegen die ehemalige Republik
Makedonien "ernsthafte Konsequenzen" haben würde.
Christopher zufolge liegt die Hauptverantwortung der NATO darin, "die Sicherheit unserer Länder zu gewährleisten und in ganz Europa die Stabilität aufrechtzuerhalten". Die Vereinigten Staaten, fügte er hinzu, "werden
weiterhin substantielle, effektive Streitkräfte in Europa - ungefähr 100.000 Soldaten - unterhalten, um ihre
feierliche Verpflichtung für die Sicherheit einhalten zu können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenminister Christopher im Wortlaut:

Herr Generalsekretär, es ist mir eine Ehre, hier in
Athen an diesem Treffen des Nordatlantikrates teilzunehmen. Es handelt sich um das erste offizielle
Ministertreffen des Nordatlantikrates seit der Amtsübernahme Präsident Clintons. Deshalb möchte ich
auf die Grundsatzerklärung zu sprechen kommen, die
ich im Februar in Brüssel zur amerikanischen Politik
gegenüber der NATO sowie in weiterem Sinne zur
transatlantischen Sicherheit abgab.

Wir haben das erfolgreichste Bündnis in der Geschichte aufgebaut. Wir sollten diese erstaunliche Wahrheit
niemals aus den Augen verlieren. Die uns gemeinsamen Werte und Interessen bleiben in Kraft - und die
sich uns stellenden Herausforderungen sind weiterhin
enorm.

Mit meiner Teilnahme an dem heutigen Treffen folge
ich der viereinhalb Jahrzehnte währenden Tradition
jedes unserer Außenminister aus beiden Parteien.
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Europas ist nicht an eine Partei gebunden und
ebenso wie der Vertrag von Washington auch nicht an
eine Zeit.

Jenseits von Europa beleben wir die amerikanische
Wirtschaft neu, bilden eine neue Partnerschaft mit den
Reformkräften in Rußland, arbeiten an einem Frieden
zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn,
schaffen ein neues Rahmenwerk für unsere Beziehungen zu Japan, drängen auf Reformen in China, suchen
nach neuen Wegen für den Schutz unserer Umwelt

Vor allem bleibt es die Hauptverantwortung der NATO,
die Sicherheit unserer Länder zu gewährleisten und in
ganz Europa die Stabilität aufrechtzuerhalten. Die
Zunächst einmal möchte ich Manfred Wörner für sein Vereinigten Staaten werden ihre einzigartige militäriSchreiben danken, in dem er die wichtigsten Themen sche Stärke weiter unterstützen. Sie werden weiterhin
für unser heutiges Treffen darlegte. Ich bin sowohl von substantielle, effektive Streitkräfte in Europa - ungeseiner fundierten Analyse als auch von den Schlußfol- fähr 100.000 Soldaten - unterhalten, um ihre feierliche
gerungen, zu denen er gelangt, beeindruckt.
Verpflichtung für die Sicherheit einhalten zu können.

AMERIKA DIENST 24

Seite 1

�und unterstützen Menschenrechte und Demokratie
weltweit.

der "Sicherheitszonen" geschaffen werden. Resolution 836 gestattet den UN-Mitgliedstaaten den Einsatz
von Luftstreitkräften zur Unterstützung der UNPRODas Ende des Kalten Krieges macht eine führende FOR-Truppen bei der Schaffung der SicherheitszoRolle der Vereinigten Staaten noch wichtiger - und wir nen. Meines Erachtens sollte die NATO mit uns
nehmen die Herausforderung an.
gemeinsam das UNPROFOR-Personal mit Luftstreitkräften schützen, wenn sie angegriffen werden und um
In diesem Sinne - und wie ich dem Generalsekretär
Hilfe ersuchen. Die Vereinigten Staaten haben sich
bereits heute morgen andeutete - macht Präsident
bereits dazu verpflichtet, und wir wollen unsere BestreClinton den Vorschlag zu einem Gipfeltreffen mit den
bungen mit denen der anderen Verbündeten bei einer
anderen Staats- und Regierungschefs noch vor Ende
NATO-Operation koordinieren. Eine solche Operation
dieses Jahres. Der Präsident hält ein solches Treffen
sollte sich auf die bereits für die Durchsetzung der
für eine wichtige Gelegenheit, gemeinsam mit seinen
Flugverbotszone geschaffene Struktur gründen.
Amtskollegen zu überlegen, wie das Bündnis gestärkt
werden und seine Tagesordnung an die HerausfordeAls zusätzlichen Beitrag sind die Vereinigten Staaten
rungen der Welt nach dem Kalten Krieg angepaßt
zu einer Luftbrücke für die Nationen bereit, die Trupwerden kann. Wir würden gerne Ihre Ansichten dazu
pen für die Operationen der UNPROFOR in den Sihören und darüber sprechen, wie wir den größtmögli- cherheitszonen bereitstellen, sofern sie Hilfe benötichen Nutzen aus einem derartigen Treffen ziehen gen.
können.
Als Mittel zur Verschärfung des Drucks auf eine LöIm Laufe der letzten Jahre hat die NATO die Weichen sung sollten wir darüber hinaus unsere Partner im
für ihre Zukunft gestellt. Unsere Aufgabe hat jedoch Osten zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
eine wichtige Kontinuität aufgewiesen: Die Sicherung Serbien drängen. Wir unterstützen uneingeschränkt
des Friedens, die Förderung von Freiheit und Sicher- alle Bestrebungen zur Durchsetzung von Sanktionen
heit unserer Mitgliedstaaten und ihrer Völker, die Stär- in der Region.
kung der untrennbaren Bande über den Atlantik hinweg. Und es gibt eine wichtige neue Aufgabe: Den Diese Sanktionen müssen unerbittlich sein. Jeder
neuen Demokratien im Osten einen Anteil an den sollte sich bewußt sein, daß die Vereinigten Staaten
Vorteilen zu geben, die wir aus diesem Bündnis zie- auf der Isolierung Serbiens und Montenegros von der
hen.
Staatengemeinschaft bestehen werden, bis alle Anforderungen der UNO erfüllt sind. Der Status eines Paria
Die gesamte internationale Staatengemeinschaft setzt ist der Preis, der für die stattfindende Aggression
die Suche nach wirksamen Mitteln zur Beendigung des bezahlt werden mu ß. Sanktionen gegen Kroatien sind
Mordens in Bosnien-Herzegowina fort, um einen dau- ebenfalls möglich, wenn dieses Land die Aggression
erhaften und gerechten Frieden herbeizuführen und und ethnischen Säuberungen in Bosnien-Herzegowisicherzustellen, daß dieser tragische Konflikt nicht na unterstützt.
ausufert. Bei der Vefolgung dieser Ziele vereinbarten
die Vereinigten Staaten und andere Mitglieder des UN- Wir erinnern uns gut an das von den Belgrader BehörSicherheitsrats am 22. Mai 1993 in Washington ein den lauthals angekündigte Versprechen, die Grenze
gemeinsames Aktionsprogramm. Es stellt einen Schritt zu Bosnien-Herzegowina zu schließen. Die Welt will,
nach vorne dar und versucht, den Druck auf diejenigen daß Belgrad sein Wort hält - und beobachtet mit
zu verstärken, die dem Frieden in Bosnien im Wege zunehmender Enttäuschung, wie in Belgrad businessstanden. Wir sind uns alle bewußt, daß dies Interims- as-usual betrieben wird.
schritte sind und nicht eine umfassende Lösung dieser
tragischen Situation. Eine ausgehandelte Lösung - der Auch den der Greueltaten Schuldigen muß langfristig
alle drei Parteien zustimmen und die in gutem Glauben der Paria-Status auferlegt werden. Wir beabsichtigen
verwirklicht wird - ist nach wie vor unser Ziel. Ich die Anklage und vehemente Verfolgung derjenigen,
möchte wiederholen, daß neue und härtere Maßnah- die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
men weiterhin auf dem Verhandlungstisch liegen, sollten begangen haben. Diejenigen, die solche Greueltaten
verübt haben, müssen für ihre Verbrechen bezahlen.
sie zur Erlangung dieses Ziels erforderlich sein.
Dieser Konflikt darf nicht ausufern. Wir müssen einen
größeren Balkankrieg verhindern, der die NATO-Verbündeten und mehrere aufstrebende Demokratien
bedrohen könnte. Es ist unabdingbar für jeden in der
Region, sich vor Augen zu führen, daß Aggression
gegen die ehemalige Republik Makedonien ernsthafte
Konsequenzen haben würde. Die Vereinigten Staaten
werden eine Verstärkung der internationalen Präsenz
Wie Sie wissen, hat der UN-Sicherheitsrat am vergan- in dieser Republik unterstützen.
genen Freitag die Resolution 836 verabschiedet, mit

Die NATO unterstützt bereits das gemeinsame Aktionsprogramm durch die Durchsetzung der Flugverbotszone und der Sanktionen in der Adria. Die NATO
kann und sollte heute mehrere Entscheidungen treffen, um Einheit und Entschlossenheit bei dieser Frage
zu demonstrieren - einschließlich der weiteren Unterstützung des gemeinsamen Aktionsprogramms.

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�Ich freue mich, heute ankündigen zu können, daß wir
den Vereinten Nationen ein verstärktes Begleitteam
zur Erweiterung des bereits in der ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien stationierten UN-Kontingents angeboten haben. Diese Truppen unterstreichen die Ernsthaftigkeit unserer Warnung an Belgrad
und die bosnischen Serben. Dieses Angebot von
Truppen für die Vereinten Nationen hat sowohl symbolische als auch sichtbare Bedeutung.
Genausowenig können wir ein scharfes Vorgehen im
Kosovo zulassen, das zu einer Erweiterung des Konflikts führen würde. Die Vereinigten Staaten haben
den serbischen Behörden gegenüber eindeutig klargestellt, daß ein solches Vorgehen nicht toleriert würde.
Die NATO sollte auch eine Erweiterung der langfristigen KSZE-Missionen im ehemaligen Jugoslawien
unterstützen, insbesondere im Kosovo. Ich beabsichtige, dies mit dem amtierenden KSZE-Vorsitzenden
und dem Generalsekretär zu erörtern, wenn ich am
nächsten Montag in Wien sein werde. Zusammen
unterstreichen diese Schritte die Ernsthaftigkeit unserer Warnungen an Belgrad.
Heute müssen wir auch die Bereitschaft der NATO zur
Unterstützung der Vereinten Nationen bei der Duchsetzung einer ausgehandelten Friedensregelung bekräftigen. Glaubwürdige Bestimmungen für die Verwirklichung einer solchen Friedensregelung werden
für ihre Erfolgsaussichten entscheidend sein. Die
Vereinigten Staaten wiederholen ihre Verpflichtung,
gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der NATO
ein solches Abkommen zu verwirklichen und in Kraft zu
setzen, einschließlich des möglichen Einsatzes von
Bodentruppen.

sich nicht nur auf die Erneuerung der NATO zu konzentrieren, sondern auch die GATT-Runde abzuschließen. Die transatlantischen Beziehungen dürfen nicht
zu sehr voneinander abgegrenzt werden - weder inhaltlich noch in zunehmendem Maße bei den Institutionen.
In diesem neuen Zeitalter müssen wir unseren Parlamenten und Völkern zeigen, daß wir die Lasten ebenso
teilen wie die Risiken. Die drastisch verringerte Bedrohung nach dem Kalten Krieg veranlaßt uns zu einer
Reduzierung unserer Verteidigungsausgaben. Wenn
jedoch jeder von uns seine Ausgaben bis zum Punkt
der Gefährdung der gemeinsamen Bedürfnisse des
Bündnisses kürzt - und noch schlimmer wäre ein freier
Fall bei den Verteidigungsausgaben - dann sieht sich
das Bündnis nicht nur mit einer Vertrauenskrise, sondern einer Aushöhlung der Fähigkeiten konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten werden ihr militärisches Engagement und ihre Pflichten in Europa weiterhin wahrnehmen. Präsident Clinton und ich müssen dem
Kongreß jedoch beweisen können, daß die Verbündeten dasselbe tun. Teilen muß ein sichtbares Prinzip der
NATO sein: die Teilung von Lasten, die Teilung von
Pflichten und die Teilung von Entscheidungen.
Herr Generalsekretär, ich gehe davon aus, daß wir
zwischen dem heutigen und unserem nächsten Treffen - das, wie ich hoffe, ein Gipfeltreffen sein wird - in
fünf wichtigen Bereichen Fortschritte erzielen müssen.

Erstens müssen wir die einzigartigen Qualitäten der
NATO-Zusammenarbeit stärken. Nie zuvor haben
sich so viele Nationen zusammengeschlossen, um
gemeinsamen Herausforderungen entgegenzutreten.
Nie zuvor haben die Streitkräfte so vieler Staaten so
Schließlich sind wir uns meines Erachtens alle bewußt, effektiv zusammengearbeitet - sowohl im integrierten
daß der Westen Chancen verpaßt hat, dieses schreck- Kommando der NATO als auch in informellen Arrangeliche Problem von vorneherein zu verhindern. Ich ments. Nie zuvor haben die Rüstungsindustrien so
hoffe, wir lernen daraus, da ß wir von Anfang an zusam- vieler Länder sich dieselben Normen zu eigen gemacht
menarbeiten müssen, um Konflikte möglichst vor ih- und eine solche Vervielfachung militärischer Stärke
rem Ausbruch zu verhindern. Wir müssen Mechanisermöglicht. Diese Leistungen dürfen nicht vergeudet
men entwickeln, um Krisen schnellerund kreativer zu werden. Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit
bewältigen. Darüber hinaus müssen wir der Entwick- bewahren, wenn unsere Interessen herausgefordert
lung von friedenssichernden Fähigkeiten hohe Priori- werden.
tät einräumen.
Trotz der ernsten Lage im ehemaligen Jugoslawien
gibt
es keine grundlegende Herausforderung der poliHerr Generalsekretär, wir haben uns vornehmlich mit
tischen
Ordnung in Europa, die einen neuen Krieg auf
Bosnien beschäftigt. Wir müssen jedoch auch die
dem
gesamten
Kontinent auslösen könnte. Die BeGrundlage für die Sicherheit von morgen im nordatlanwahrung
dieser
Errungenschaft
wird teilweise von der
tischen Gebiet und ganz Europa legen.
Verstärkung unseres Bündnisses, unserer praktischen
Dieses Bündnis kann nur Erfolg haben, wenn wir Zusammenarbeit, unseren soliden militärischen Verunsere politischen und wirtschaftlichen Verbindungen teidigungssystemen und Kommandostrukturen abhänso stark wie unsere militärischen Bande machen. Wir gen.
müssen die Verbindungen zwischen Nordamerika und
der Europäischen Gemeinschaft stärken. In der Tat ist Wenn aufgrund schrumpfender Verteidigungshausdie europäische Sicherheit heute eine Mischung polihalte eine Schwächung der kooperativen Verbinduntischer, wirtschaftlicher, sozialer und militärischer gen zwischen unseren Rüstungsindustrien zugelasBestrebungen. Die Bewahrung der gemeinsamen sen wird, können jedes Mitgliedsland und das Bündnis
Sicherheit über den Atlantik hinweg erfordert von uns, als Ganzes die Vorteile dieses besonderen "Streitkräf-

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�temultiplikators" verlieren. Aus diesem Grund ist der
Verhaltenskodex für den Handel mit Rüstungsgütern
so wichtig. Darüber hinaus müssen wir das gemeinsame Infrastrukturprogramm der NATO kontinuierlich
fortschreiben, um zu gewährleisten, daß wir in die für
die Bewältigung neuer Herauforderungen unverzichtbaren Mittel investieren.

bindungen zur Krisenverhinderung, für das Krisenmanagement und die Kommunikation zwischen ihnen
aufbauen, um die neuen Herausforderungen der europäischen Sicherheit zu bewältigen.

Im Hinblick auf die Vereinten Nationen sollten wir die
Planung über Ad-hoc-Arrangements hinaus auf eine
systematischere Beziehung erweitem. Femer müsZweitens müssen wir dazu beitragen, Frieden in Mittel- sen wir zu gewährleisten versuchen, daß die NATOund Osteuropa zu schaffen und zu bewahren. Für Staaten, die nicht Mitglied des UN-Sicherheitsrates
viele Länder hat das "Wiedererwachen" der Geschich- sind, trotzdem besser am Zustandekommen von
te den Übergang von Kommunismus zu Demokratie Beschlüssen beteiligt werden, die ihre Interessen
enorm kompliziert.
betreffen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die
Idee, eine Kontaktgruppe zu bilden, die aus den wichFriedensschaffung und Friedenssicherung sind am tigsten Unterstützern von Friedenssicherungsmaßnahwirksamsten, wenn ihnen rechtzeitige politische men besteht.
Bemühungen zum Abbau von Spannungen und Beilegung von Streitigkeiten vorausgehen oder sie beglei- Die Vereinigten Staaten begrüßen die Entwicklung
ten. Die NATO muß in der Lage sein, politische einer europäischen Sicherheits- und VerteidigungsiEntscheidungen für frühzeitiges, dauerhaftes und dentität. Diese wird unser eigenes Engagement noch
glaubwürdiges Engagement zu treffen. Ihre militäri- effektiver gestalten. Eine solche Identität kann ferner
schen Befehlshaber müssen Vertrauen in die Fähig- in Europa öffentliche Unterstützung für die Erfüllung
keit dieses Rates haben, rechtzeitige und effektive europäischer Verpflichtungen aufrechterhalten und
politische Orientierung zu geben.
aufbauen. Darüber hinaus begrüßen wir die Chance,
bei militärischen Maßnahmen des Bündnisses noch
Unterschiedliche Mitgliedstaaten werden Situationen enger mit Frankreich zusammenzuarbeiten, und wir
mit unterschiedlichen politischen Sensibilitäten und sehen dem Ausbau dieser Kooperation gerne entgemit unterschiedlichen von ihnen bevorzugten Frie- gen.
denssicherungsstrukturen in Angriff nehmen. Wir
sollten jedoch ebenfalls darauf hinarbeiten, einen Kern Die NATO muß engere Beziehungen zur WEU entvon Friedenssicherungsverfahren der NATO zu ent- wickeln. Wir sollten uns jedoch unserer erklärten
wickeln, der ein Gleichgewicht zwischen politischer Absicht erinnern, "die operative Geschlossenheit aufAkzeptanz und militärischer Effektivität gewährleistet. rechtzuerhalten, die wir derzeit haben und von der
Wir müssen nicht jedes Mal, wenn die Friedenssiche- unsere Verteidigung abhängt". Und wir müssen unter
rungsfähigkeiten der NATO benötigt werden, "das Rad der Prämisse handeln, daß die militärischen Fähigkeineu erfinden". Diese Fähigkeiten sind besonders ten der beiden Institutionen, obwohl sie nicht als gewichtig, um den neuen Demokratien zum Erfolg zu trennt betrachtet werden dürfen, getrennt werden
verhelfen - und unsere Partner im NAKR fest an den können.
Westen zu binden.
Viertens müssen wir die Grundlage für Sicherheit auf
Drittens müssen wir effektiver mit anderen Institutio- dem gesamten Kontinent schaffen. In Deklarationen
nen zusammenarbeiten, deren Ziele denen der NATO des Nordatlantikrats haben wir seit 1990 das Mandat
vergleichbar sind. Das amerikanische Engagement für die Entwicklung eines Sicherheitssystems und der
für die europäische Sicherheit wird nach wie vor haupt- damit einhergehenden Praktiken akzeptiert, das sich
sächlich durch die NATO zum Ausdruck kommen. Wir über den ganzen Kontinent erstreckt. Alle Staaten
bekräftigen, daß "das Bündnis das grundlegende Forum müssen die bereits für Waffenbestände des Kalten
für Konsultationen zwischen seinen Mitgliedstaaten Krieges verhängten Reduzierungen verwirklichen und
und der Ort für Vereinbarungen ist, die sich auf die sämtliche Restrisiken weiter begrenzen. Und Staaten,
Sicherheits- und Verteidigungsverpflichtungen der die außerhalb des Sicherheitssystems verbleiben,
Verbündeten nach dem Vertrag von Washington aus- könnten dieses im Lauf der Zeit gefährden. Maßnahwirken".
men zur Kontaktpflege mit den NAKR-Partnern - und
Arbeit mit der KSZE - sind von entscheidender BedeuAber obwohl die NATO für unsere gemeinsamen Ziele tung. Die innovative Arbeit der KSZE bei Krisenmanavon zentraler Bedeutung ist, steht sie bei der Verfol- gement und Konfliktverhütung ist eines der aussichtsgung von Zielen, die mit der weitesten Definition von reichsten Sicherheitsexperimente, die heute in Europa
Sicherheit im Einklang stehen, nicht allein. Der UNO, stattfinden.
der KSZE, der EG, dem NAKR, der WEU und dem
Europarat fallen wichtige Rollen zu - und jede dieser Die Sicherung der ungeschmälerten Vorteile aus der
Institutionen sollte Impulse erhalten. Wichtige Fort- Beendigung des Kalten Krieges hängt davon ab, daß
schritte wurden bei der Entwicklung einander ergän- der Platz der postkommunistischen Staaten in der
zender und miteinander verflochtener Institutionen Gemeinschaft demokratischer Nationen konsolidiert
gemacht. Aber die NATO muß noch effektivere Ver- wird. Westeuropa hat erfolgreich tausend Jahre des
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�Streits und Aufruhrs in Europa durch einen neuen
Ansatz zur Sicherheit ersetzt, der auf grundsätzlichen
menschlichen Werten und Rechtsstaatlichkeit beruht.
Die große Bewährungsprobe besteht nun darin, ob
dies im Osten erreicht werden kann.

werden. Während der Diskussionsrunde nach dem
Mittagessen werde ich Ihnen gerne detailliert über die
kürzliche Reise von Minister Aspin und Botschafter
Talbott in die Ukraine berichten.

In den letzten Jahren hat der Westen eine Serie von
Zu geeigneter Zeit könnten wir beschließen, die NATO- Ad-hoc-lnstrumenten zur Koordinierung der Politik
Mitgliedschaft zu erweitem. Aber dies steht heute gegenüber den postkommunistischen Staaten in einer
nicht auf der Tagesordnung.
Reihe von Bereichen, insbesondere in der Wirtschaftspolitik, geschaffen. Bisher haben wir jedoch noch
Am wichtigsten ist, daß wir das Arbeitsprogramm für keinen gemeinsamen strategischen Rahmen, um die
den NAKR intensivieren und ausbauen sowie dessen Staaten entlang der ehemaligen Trennlinie zwischen
Mandat erweitern. Diese Institution hat ihren Wert Ost und West miteinander zu verbinden. Wir sollten
bereits bewiesen, indem sie die postkommunistischen den Nordatlantikrat - gemeinsam mit dem NAKR - als
Staaten mit dem Westen in Verbindung gebracht hat. zentrales Forum zur Erörterung umfassender strategiSie kann und muß wesentlich mehr werden. Zum scher Maßnahmen stärken. Wir müssen gewährleiBeispiel sollten die NAKR-Staaten ihre Konsultatio- sten, daß wir einen Ansatz entwickeln, der Rußland
nen, gemeinsamen Aktivitäten bei der Friedenssiche- und alle neuen Staaten der Region einbezieht.
rung, den Personalaustausch, die Ausbildung in zivilmilitärischen Beziehungen und gemeinsame Übungen Fünftens und letztens müssen wir - ebenso wie wir die
verstärken. Wir sind erneut bereit, einen Beitrag von Bedeutung einer nach Osten erweiterten NATO-Rolle
500.000 Dollar zum NATO-Haushalt zu leisten, um auf dem Kontinent anerkennen - die Zusammenarbeit
Aktivitäten des NAKR zu unterstützen, wenn andere gegen Bedrohungen alliierter Interessen intensivieren,
Verbündete einen entsprechenden Anteil überneh- die außerhalb Europas entstehen. Wir haben erfahmen.
ren, daß wir gegen andere Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit von au ßerhalb des VertragsgeBis zu unserem nächsten Treffen sollten wir uns auf bietes der NATO handeln müssen - ob die Verbündeeine erweiterte Tagesordnung des NAKR verständi- ten gemeinsam oder über die Institutionen des Bündgen, die darauf ausgerichtet ist, die postkommunisti- nisses handeln.
schen Staaten enger in die Sicherheitsstruktur für das
Zentrum Europas einzubinden. Gleichzeitig sollten wir Es gibt für uns keine vordringlichere Bedrohung der
neue Wege finden, um die nicht dem NAKR angehö- Sicherheit als die mögliche Verbreitung von Massenrenden europäischen Staaten an der Arbeit der NATO vernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Die
Regierungen der NATO-Staaten müssen darauf hinarteilhaben zu lassen.
beiten, bei der Überprüfungskonferenz von 1995 die
Wie Verteidigungsminister Aspin vor zwei Wochen bedingungslose und unbefristete Verlängerung des
dem Verteidigungsplanungsausschuß berichtet hat, Nichtverbreitungsvertrages zu erwirken. Aber wir
entwickeln die Vereinigten Staaten eine strategische müssen noch mehr tun. Weiterverbreitung bildet die
Partnerschaft mit Rußland, wie sie von den Präsiden- sich abzeichnende Tagesordnung der Rüstungskonten Clinton und Jelzin in Vancouver vereinbart wurde. trolle in den neunziger Jahren - und wir müssen kollekWir möchten ähnliche Beziehungen auf der Grundlage tiv bereit sein, schärfere Maßnahmen zu ergreifen.
gemeinsamer Werte und Prinzipien mit allen neuen Staaten, die bestrebt sind, den Frieden durch die
postkommunistischen Staaten ins Leben rufen. Mit Beschaffung dieser Waffen zu bedrohen, müssen
dem Aufbau zusätzlicher Partnerschaften werden wir wissen, daß wir ihnen entgegentreten.
selbstverständlich eng mit unseren Verbündeten in der
NATO zusammenarbeiten. Unserer Auffassung nach Unsere Tagesordnung im Bereich der Weiterverbreischließen diese Beziehungen niemanden aus, und sie tung muß ferner neue Partner einbeziehen. Vor allem
sind auch kein Ersatz für andere bilaterale oder multi- sollten wir mit Rußland und den neuen unabhängigen
laterale Beziehungen.
Staaten zusammenarbeiten. Alle Regierungen der
NATO-Staaten haben ein unmittelbares Interesse am
Präsident Clinton leitet darüber hinaus eine strategi- raschen und sicheren Abbau der Nuklearstreitkräfte
sche Partnerschaft mit der Ukraine ein. Sicherlich ist der ehemaligen Sowjetunion. Diese Aufgabe überes nach wie vor wichtig, daß die Ukraine ihre Verpflich- steigt die Mittel eines einzelnen Landes, und sie wird
tungen aus dem Lissaboner Protokoll erfüllt, den START- erheblich höhere Kosten verursachen, wenn wir unseI-Vertrag ratifiziert und dem Vertrag über die Nichtver- re Bemühungen nicht bündeln, um die Entnuklearisiebreitung von Kernwaffen als atomwaffenfreier Staat rung heute zu beschleunigen.
beitritt. Die Ukraine und andere neue unabhängige
Staaten der ehemaligen Sowjetunion müssen als beste Herr Generalsekretär, bis zu unserem nächsten TrefVersicherung für ihre Unabhängigkeit, Sicherheit und fen sollten wir zusammenarbeiten, um konkrete Erterritoriale Unverletzbarkeit ebenfalls in europäische gebnisse in jedem dieser fünf Bereiche zu erzielen.
Institutionen - wie den NAKR und die KSZE - integriert Wir sollten spezifische Schritte unternehmen, um die

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�Stärke der NATO zu bewahren, die Friedensschaffung
und Friedenssicherung zu verbessern, enger mit anderen
Institutionen zu kooperieren, die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten auszudehnen und auf Bedrohungen von außerhalb des Kontinents zu reagieren.
Präsident Clinton hat mit Dr. Robert Hunter eine herausragende Persönlichkeit als neuen amerikanischen
Botschafter bei der NATO nominiert. Wir möchten,
daß er möglichst bald seine Tätigkeit mit den Verbündeten im Rat aufnimmt. Ich habe ihn gebeten, in
diesen Schlüsselbereichen eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, damit wir bei unserem nächsten Treffen
Fortschritte verzeichnen können.

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Herr Generalsekretär, ich weiß, daß ich dem Nordatlantikrat für die kommenden Monate eine ehrgeizige
Tagesordung vorgeschlagen habe. Ich gehe jedoch
davon aus, daß es eine den Herausforderungen angemessene Tagesordnung ist. Wir trachten nicht danach, neue Aufgaben zu finden, um ein altes Bündnis
zu rechtfertigen, sondern dieses fortbestehende Bündnis einzusetzen, um neue Herausforderungen zu
bewältigen. Diese Tagesordung zeigt, daß das Atlantische Bündnis für uns alle von entscheidender Bedeutung ist.

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�USA -

DEUTSCHLAND
16. Juni 1993

EIN FREUND SAGT "AUF WIEDERSEHEN"
Rede von Botschafter Kimmitt am Aspen Institut Berlin
BERLIN - (AD) - Bei seinem letzten offiziellen Besuch in Berlin vor seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten
im August hat US-Botschafter Robert M. Kimmitt in einer Rede festgestellt, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen "befinden sich heute an ihrem stärksten Moment der Geschichte". "Keine bilaterale Beziehung
ist für beide Länder wichtiger als die deutsch-amerikanische Beziehung. Die Entwicklung Deutschlands
bestimmt die Entwicklung Europas. Die Entwicklung Europas bestimmt die transatlantischen Beziehungen,
die für die amerikanische und europäische Sicherheit so lebenswichtig sind", äußerte der Botschafter.
Auf Einladung des Aspen Instituts erörterte Botschafter Kimmitt am 8. Juni 1993 in Berlin die wichtigsten
Leistungen der deutsch-amerikanischen Beziehungen seit seinem Amtsantritt als amerikanischer Botschafter
in Deutschland im August 1991. Er verwies auf die fortdauernde Bedeutung der Sicherheitsbeziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, bezeichnete jedoch Handel und Kultur als die beiden
Wachstumssektoren dieser Beziehungen. Zu den Wirtschaftsbeziehungen erklärte der Botschafter, "unsere
bemerkenswerteste Leistung bestand darin, die amerikanischen Handelsaktivitäten in den neuen Bundesländern mehr als zu verdoppeln", wo heute über 200 amerikanische Firmen tätig sind, "die mehr als 6 Milliarden
D-Mark investiert und über 42.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten haben". Im kulturellen Bereich
konnten die Vereinigten Staaten mit der Eröffnung eines neuen Konsulats und Amerika Hauses in Leipzig ihre
Präsenz in Deutschland ausbauen, erläuterte der Botschafter. Die vor uns liegende Aufgabe besteht dem
Botschafter zufolge darin, "auf dieser Bilanz solider Leistungen aufzubauen", um die deutsch-amerikanische
Partnerschaft zu vertiefen.
Bei seinem Aufenthalt in Berlin stattete der Botschafter dem Regierenden Bürgermeister Diepgen, Ministerpräsident Stolpe und der Präsidentin der Treuhandanstalt, Breuel, offizielle Abschiedsbesuche ab und
überreichte eine vollständige Sammlung von 8.000 englischsprachigen Büchern der Bibliothek des USArmeestützpunkts Giebelstadt an die Stadtteilbibliothek Altglienicke in Treptow. Bisher wurden insgesamt
etwa 300.000 Bücher an Bibliotheken in den neuen Bundesländern gespendet.

Herr Direktor und Frau Anderson,
Herr Cramer,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich danke Ihnen für die Ehre Ihrer Anwesenheit heute
abend. Wie Herr Cramer sagte: Hans Wallenberg
spielte eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer
demokratischen Presse im Nachkriegsdeutschland,
und diese Vortragsreihe hält sein Andenken in Ehren.
Es ist ein Privileg, unter den zur Teilnahme an dieser
Vortragsreihe Eingeladenen zu sein, die von der AxelSpringer-Stiftung so großzügig unterstützt wird.
Ich möchte auch David Anderson und dem Aspen
Institut für die Organisation dieser Veranstaltung meinen Dank aussprechen. Die Arbeit dieses privaten,
gemeinnützigen, überparteilichen Instituts zur Förderung der internationalen Beziehungen und Verständigung spiegelt ziemlich genau die Ziele wider, die ich als
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Botschafter in Deutschland verfolgt habe. Aus diesem
Grund bin ich besonders erfreut, meine Gedanken
über die vergangenen zwei Jahre vor einem solchen
Forum darlegen zu können.
Als David Anderson und ich diese Rede vor zwei
Monaten erörterten, ging ich davon aus, daß mein
Nachfolger ernannt worden sei und plante daher meine
Abreise für Anfang Juli. Bisher ist jedoch noch kein
Nachfolger genannt worden, und so werden wir voraussichtlich bis zum Spätsommer in Deutschland bleiben, jedoch im September wieder in den Vereinigten
Staaten sein, wenn unsere fünf Kinder das neue
Schuljahr beginnen müssen.
Obwohl wir Berlin vor unserer Abreise aus Deutschland noch privat besuchen werden, ist dies mein letzter
offizieller Besuch. Nach meinem Abschiedsbesuch
beim Regierenden Bürgermeister Diepgen erachte ich

Seite 1

�es daher für angebracht, meine Abschiedsrede in
dieser Stadt zu halten, die mir so sehr am Herzen liegt
- und die auf solch einzigartige Weise die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands repräsentiert.

danken, die meine Familie und ich in ganz Deutschland
erfahren haben. Wenn wir neue Leute kennenlernten,
lautete die erste Frage stets: "Fühlen Sie sich wohl in
Deutschland?" Wir geben immer dieselbe Antwort:
"Wir vermissen unser Heimatland, aber wir fühlen uns
hier sehr wohl und äu ßerst willkommen." Selbst unseHeute abend stehe ich vor Ihnen als lebendes Beispiel re Kinder, die nicht sicher waren, was sie erwartete, als
der modernen deutsch-amerikanischen Beziehungen: wir im August 1991 das Flugzeug bestiegen, sind jetzt
Wie über 50 Millionen Amerikaner bin ich deut- sehr traurig, ein Land verlassen zu müssen, das ihnen
scher Abstammung, da die Vorfahren meiner in nur zwei Jahren zu einer zweiten Heimat geworden
Mutter Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aus ist.
der Nähe von Detmold an der Lippe nach Amerika Wir werden die Deutschen, die so freundlich zu uns
auswanderten. Obwohl meine Mutter in den waren, vermissen und niemals vergessen. Ich denke
Vereinigten Staaten geboren wurde, sprach sie an offizielle Aufmerksamkeiten wie die von Bundeszu Hause Deutsch, bis sie zehn Jahre alt war. präsident von Weizsäcker, dem Regierenden Bürgermeister Diepgen und Ministerpräsident Stolpe, die
meine Eltern einluden, als sie im vergangenen Jahr zur
Feier ihres 45. Hochzeitstages nach Deutschland
zurückkehrten. Ich denke jedoch auch an die ältere
Dame, die bei einem Weinfest auf mich zukam und mir
eine Weinflasche mit den Worten überreichte: "Ich
wollte schon immer den amerikanischen Botschafter
Und wie über 12 Millionen Amerikaner, die als kennenlernen, um Ihrem Land für alles zu danken, was
Soldaten oder Familienangehörige seit dem Krieg Sie für uns nach dem Krieg getan haben." Und ich
in Deutschland stationiert waren, lebte auch ich denke an die vielen meiner Frau und meinen Kindern
von 1960 bis 1964 mit meiner Familie in Heidel- gegenüber erwiesenen Liebenswürdigkeiten, wie die
berg und Baumholder und verbrachte den des Restaurantbesitzers in der Nähe von Dresden, der
Sommer 1968 im Dienst bei der 3. Infanteriedi- unserem acht Jahre alten Sohn als Überraschung eine
Geburtstagstorte überreichte, nachdem unser Sohn
vision in Aschaffenburg.
die Bewandtnis des Tages voller Stolz bekanntgegeIch kann jedoch auch auf einige einzigartige Charakte- ben hatte!
ristika meiner Verbindung zu Deutschland verweisen.
Wie David Anderson sagte, lernten sich meine Eltern Aber nun rückt die Zeit meiner Rückkehr in die Vereiin Berlin kennen und heirateten 1947 in dieser Stadt. nigten Staaten näher. Heute abend möchte ich meine
Da ich genau neun Monate später in den Vereinigten verbleibende Zeit hier darauf verwenden, über die
Staaten geboren wurde, war ich immer stolz, ein deutsch-amerikanischen Beziehungen von heute und
Produkt "Made in Germany" zu sein. In meinem insbesondere unsere Beziehungen in der Zukunft zu
gesamten Berufsleben hat mich jedoch nichts mehr sprechen. Ich möchte zwei Themen erörtern:
mit Stolz erfüllt, als die Vereinigten Staaten von AmeErstens: Keine bilaterale Beziehung ist für
rika - mein Geburtsland - als Botschafter in der Bunbeide
Länderwichtigeralsdie deutsch-amerikadesrepublik Deutschland - dem Land meiner Vorfahnische
Beziehung. Die Entwicklung Deutschren - zu vertreten.
lands bestimmt die Entwicklung Europas. Die
Entwicklung Europas bestimmt die transatlantiBereits früh in meiner Amtszeit wurde mir bewußt, daß
schen Beziehungen, die für die amerikanische
meine Arbeit in Bonn nur Teil meiner Aufgaben als
und europäische Sicherheit so lebenswichtig
Botschafter ist. Wie die Vereinigten Staaten hat
sind.
Deutschland ein wirklich föderatives System mit wirklicher - sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Zweitens: Die Beziehungen befinden sich heute
Macht, die in Bonn und den sechzehn Bundesländern
an ihrem stärksten Moment der Geschichte,
angesiedelt ist. Infolgedessen stelle ich fest, daß ich
aber die Beziehungen werden nur gestärkt,
im Durchschnitt nur 40 % meiner Arbeitstage in Bonn
wenn wir unsere Arbeit härter, klüger und umund die restlichen auf Reisen durch das gesamte Land
fassender angehen als in der Vergangenheit.
verbracht habe. Um vor allem die Priorität anschaulich
unter Beweis zu stellen, die wir dem erfolgreichen Und zu diesem letzten Punkt muß ich offen die WarAbschluß des Einigungsprozesses beimessen, bin ich nung aussprechen, daß eszunehmend schwierig wird,
mehr als fünfundzwanzigmal in die neuen Bundeslän- unser gemeinsames Ziel zu erreichen - eine starke
der und allein über dreißigmal nach Berlin gereist.
bilaterale Beziehung, die sowohl unseren beiden Ländern
als auch Europa und der Welt insgesamt dient - weil wir
Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, diesem
die heutige Generation junger Deutscher und AmerikaLand und seinem Volk für die herzliche Aufnahme zu
Wie über 3 M illionen Amerikaner dienten sowohl
mein Vater als auch meine Mutter während des
Zweiten Weltkrieges in Europa und Deutschland, mein Vater im Kampf bei der 78. Division
und meine Mutter beim amerikanischen Roten
Kreuz.

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�ner nicht so wirksam erreichen wie ihre Eltern und
Großeltern.

zur Zeit - kollektive Ansätze zur Verwirklichung gemeinsamer Sicherheitsinteressen suchen.

Historischer Kontext: Die dritte Nachkriegszeit

Ein Rückblick

Bevor wir unsere gegenwärtigen und künftigen Bezie- Wenn ich auf meine zweijährige Amtszeit hier in Deutschhungen erörtern, sollten wir den historischen Kontext land zurückblicke, tue ich dies mit einem gewissen
in Betracht ziehen. Wir sind alle privilegiert, aber Stolz. Zu unseren gemeinsamen Leistungen zählen:
insbesondere diejenigen von uns im öffentlichen Dienst,
Im Bereich der Sicherheit: Der sichere Abzug
diese letzten dramatischen Jahrzehnte und Jahre eraller amerikanischen landgestützten Nuklearlebt zu haben. Noch heute ist es kaum zu glauben, daß
waffen aus Deutschland. Darüberhinaus haben
die Mauer gefallen ist, Berlin und Deutschland vereiwir erfolgreich das Zusatzabkommen zum NATOnigt sind und Europa nicht mehr nur davon träumen
Truppenstatut abgeschlossen, mit dem wir eine
kann, ungeteilt und frei zu sein. Um das Tempo zu
solide Grundlage für die weitere Präsenz amebegreifen, mit dem sich die Gegebenheiten verändert
rikanischer Streitkräfte in Deutschland als Teil
haben, muß man sich nur die Tatsache vor Augen
der insgesamt 100.000 in Europa stationierten
führen, daß es heute vor genau drei Jahren war - am
Soldaten gelegt haben. Wir haben auch zwei
8. Juni 1990 - als Vaclav Havel bei den ersten freien
gemeinsame deutsch-amerikanische Korps ins
Wahlen des Landes nach 44 Jahren zum Präsidenten
Leben gerufen und Einigung über die Beziehunder Tschechoslowakei gewählt wurde.
gen zwischen dem europäischen Korps und der
NATO erzielt. Wir haben uns zusammengeDie Ereignisse in Deutschland und im Ausland erinschlossen, um den Nordatlantischen Kooperanern uns jedoch daran, daß unsere Arbeit noch lange
tionsrat zu gründen, mit dem der Dialog zwinicht beendet ist. Tatsächlich befinden wir uns in der
schen der NATO und den aufstrebenden Demodritten Nachkriegszeit dieses Jahrhunderts mit zwei
kratien im Osten und ihre Einbeziehung in die
diametral entgegengesetzten Modellen als AusgangsWege geleitet wurde. Den Höhepunkt bildete
basis - dem protektionistischen, isolationistischen Muster
die erst am vergangenen Samstag vollzogene
nachdem Ersten Weltkrieg, das die Große Depression
Eröffnung des George C. Marshall-Europazenund den Zweiten Weltkrieg zur Folge hatte, bezietrums für Sicherheitsstudien in Garmisch-Parhungsweise der Politik des aktiven, kollektiven Engatenkirchen. Und nicht zuletzt haben unsere
gements, die zum Wiederaufbau Westeuropas und
Streitkräfte Seite an Seite gearbeitet, um humaden dramatischen Ereignissen des Jahres 1989 führnitäre Hilfe nach Somalia, Bosnien und in die
te. Trotz der in einigen Lagern heute vorherrschenden
ehemalige Sowjetunion zu liefern.
isolationistischen und protektionistischen Einstellungen sind wir zweifelsohne klug genug zu erkennen,
Im Bereich des Handels konnten wir eine kontidaß nur eine Politik des aktiven, kollektiven Engagenuierliche
Zunahme der amerikanischen Invements zwischen Amerika und Deutschland, zwischen
stitionen
in
Deutschland und deutscher InvestiAmerika und Europa zu dauerhaftem Erfolg führen
tionen
in
den
Vereinigten Staaten beobachten.
wird.
Unsere bemerkenswerteste Leistung bestand
darin, die amerikanischen Handelsaktivitäten in
Diese Politik des Engagements basiert jedoch auf der
den neuen Bundesländern mehr als zu verdopErkenntnis, daß - obwohl politische und militärische
peln. Während wir heute abend zusammenFragen nach wie vor Bedeutung haben - die echten
kommen, sind über 200 amerikanische Firmen
Wachstumssektoren unserer Beziehungen in den
in der ehemaligen DDR tätig, die mehr als 6
Bereichen Handel und Kultur liegen, einschließlich
Milliarden D-Mark investiert und über 42.000
anderer nicht herkömmlicher Themen wie UmweltArbeitsplätze geschaffen oder erhalten haben.
schutz, Bildungs- und Gesundheitswesen. In Wirklichkeit befinden wir uns am Beginn einer Periode, in der
Im kulturellen Bereich konnten wir unsere Prädie deutsch-amerikanische bilaterale Beziehung, das
senz in Deutschland nicht nur beibehalten,
transatlantische Bündnis und in der Tat das Konzept
sondern mit der Eröffnung eines neuen Konsunationaler Interessen und nationaler Sicherheit an sich
lats und Amerika Hauses in Leipzig sogar erweiin sehr viel weiter reichenden, sehr viel umfassendetem. Wir haben nahezu 500 Bürger aus den
ren Begriffen definiert werden müssen. Wir sollten uns
neuen Bundesländern und dem Osten Berlins
in unserem Verständnis auch eindeutig bewußt sein,
im Rahmen von Austauschprogrammen in die
daß - ebenso wie es einen Unterschied zwischen
Vereinigten Staaten eingeladen, zum Teil aufPatriotismus und Nationalismus gibt - es nicht per se
grund einer speziellen Budgeterhöhung, dank
nationalistisch ist, wenn ein Land seine nationalen
der wir die Programme im Osten erweitem
Interessen definiert oder seine nationale Sicherheit
konnten, ohne die erfolgreichen Programme im
verteidigt. Dies gilt insbesondere wenn Deutschland,
Westen zu kürzen. Darüber hinaus haben wir
die Vereinigten Staaten und andere Verbündete - wie

AMERIKA DIENST 24

Seite 3

�"Ambassadeurs Prizes" für ausgezeichnete Leistungen bei Englisch- und Amerikanistikstudien
ins Leben gerufen, wobei die letztere Fachrichtung aus meiner Sicht ein unterentwickelter Studienzweig ist. Im Rahmen eines meiner bevorzugten Programme haben wir femer inzwischen
über 300.000 englischsprachige Bücher aus
geschlossenen amerikanischen Stützpunkten
im Westen an Bibliotheken und Bildungseinrichtungen in den neuen Bundesländern übergeben, einschließlich einer Spende von über 8.000
Büchern, die ich erst gestern der Stadtteilbibliothek Altglienicke in Treptow überreicht habe.
Mit diesem Programm werden wirklich "Schwerter zu Pflugscharen". Ich möchte hinzufügen,
daß diese Bücherspende für Treptow verdeutlicht, wie gut wir verstehen, daß die Bürger aus
dem Osten Berlins ebenso begierig auf Kontakte mit Amerika sind wie ihre Landsleute in den
fünf neuen Ländern.

gemeinsame Zukunft in Angriff nehmen. Wenden wir
uns nun dieser Zukunft zu.
Neue bilaterale Beziehungen für ein neues Zeitalter
Im Mai 1989 forderte der damalige Präsident Bush
Deutschland auf, gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten als "Partner in der Führung" zu wirken. Ich bin
mir vollkommen bewußt, daß dieser Begriff einigen
Deutschen aufgrund historischer Bedenken ein gewisses Unbehagen bereitet hat.

Ich gehe jedoch davon aus, daß zu viele Menschen
sich auf den Begriff "Führung" konzentriert haben, der
- obwohl bedeutsam - nicht so stark war wie das Wort
"Partnerschaft". Partner arbeiten an gemeinsamen
Projekten, und beide teilen die Vorteile und Risiken
dieser Projekte. Mit dieser Erklärung, die nahezu ein
halbes Jahr vordem Fall der Mauer abgegeben wurde,
verdeutlichten die Vereinigten Staaten, daß sie Deutschland nicht länger als besiegten Feind, als besetztes
Einer meiner stolzesten Momente ereignete sich schließ- Land oder Juniorpartner des Bündnisses, sondern als
lich am 9. Januar dieses Jahres, als Präsident von vollwertigen und gleichberechtigten Partner der VereiWeizsäcker, der Regierende Bürgermeister Diepgen nigten Staaten in unserem Streben nach einer friedliund ich in Anwesenheit von Hans-Dietrich Genscher cheren, sichereren Zukunft betrachteten. Es sollte
und der Präsidentin der Treuhandanstalt, Birgit Breuel, deshalb niemanden überraschen, daß die Vereinigten
sowie Hunderter anderer den ehemaligen und künfti- Staaten die Vereinigung Deutschlands uneingeschränkt
gen Standort der amerikanischen Botschaft in Berlin und ohne auch nur den Anflug von Zögern oder Ängstam Pariser Platz, unmittelbar neben dem Brandenbur- lichkeit unterstützten - denn wer würde nicht die Einheit
ger Tor, einweihten - im Zentrum Berlins, im Herzen seines Partners wünschen, mit der die Partnerschaft
Deutschlands und an der Wegscheide Europas.
beim Streben nach gemeinsamen Zielen noch stärker
wird?
Hindernisse für Aktionen
Und doch ist es so, wie auf dem Gebäude unseres
Nationalarchivs geschrieben steht: "Die Vergangenheit ist Prolog." Die heute vor uns liegende Aufgabe
lautet, auf dieser Bilanz solider Leistungen aufzubauen, um unseren Völkern noch bessere Beziehungen
und eine noch bessere Zukunft zu sichern. Wie ich
bereits zu Beginn meiner Ausführungen erklärt habe,
wird dies jedoch aufgrund mehrerer Faktoren in Zukunft noch schwieriger sein.

Aber selbst die beste Partnerschaft - sei es in der
Wirtschaft, in der Ehe oder in den internationalen
Beziehungen - bedarf fortwährender Erneuerung. Dies
gilt besonders dann, wenn die Partnerschaft so ungeheuer stark von äußeren Veränderungen beeinflußt
wird, wie dies bei der unsrigen seit 1989 der Fall war.

Bevor ich nun einige Gedanken dazu äußere, wie wir
unsere Partnerschaft in Zukunft verbessern könnten,
müssen wir uns jedoch über die Vergangenheit und die
Gegenwart
im klaren sein:
Angesichts der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
seit dem vergangenen Jahr 20 neue Botschaften in der
Was die Vergangenheit anbetrifft, so kann und
ehemaligen Sowjetunion, dem ehemaligen Jugoslawird Deutschland seine schrecklichen Taten in
wien sowie der früheren Tschechoslowakei eröffnet
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts niemals
haben, müssen meine Mitarbeiter und ich an der
vergessen. Und doch bedeutet, sich ständig nur
Botschaft jeden Tag kämpfen, um unser Netz von
mit der Vergangenheit zu beschäftigen, sich
Konsulaten und Amerika Häusern in ganz Deutschnicht mit ganzer Kraft der Verbesserung der
land beizubehalten. Wir tun dies zu einer Zeit, in der
nach dem Krieg geschaffenen erfolgreichen
die Zahl unserer Soldaten und deren Familienangehösozialen und demokratischen Marktwirtschaft
rigen lediglich ein Drittel des Standes von vor drei
zu widmen, von der Deutschland, Europa und
Jahren beträgt, und sie wird weiter sinken. In Berlin
Menschen in weit entfernten Gebieten profitiert
werden wir unsere gesamten Streitkräfte bis Ende des
haben.
Jahres 1994 abgezogen haben. Kurzum: Die natürlichen Kontakte, auf die wir u ns in der Vergangenheit so
Im Hinblick auf die Gegenwart sind dies in
sehr gestützt haben, werden stark abnehmen. Wir
Deutschland, den Vereinigten Staaten und der
werden zahlenmäßig kleiner sein, daher müssen wir
Welt schwierige Zeiten. Niemand von uns sollte
unsere Anstrengungen verdoppeln, wenn wir unsere
jedoch in Pessimismus verfallen, denn wir leben
Seite 4

AMERIKA DIENST 24

�besser als 90 Prozent der Weltbevölkerung und
tragen entscheidende Verantwortung für ein
besseres Leben für unsere Bürger ebenso wie
für diejenigen, die weit schwerere Zeiten zu
bewältigen haben als wir. Wir dürfen nicht
blauäugig sein, aber durch die uns als Nationen
und Völkern innewohnende Stärke haben wir
Grund zu Optimismus, wenn wir bereit sind, zu
arbeiten und Opfer zu bringen, um unser Potential vollständig zur Geltung zu bringen.
Bevor meine Worte in eine Predigt ausarten, wende ich
mich nun einigen spezifischen Beobachtungen und
Vorschlägen für unsere künftige Zusammenarbeit zu.
An diesem Punkt möchte ich klarstellen, daß sich
meine Botschaft an jeden einzelnen der hier Anwesenden richtet, innerhalb und außerhalb der Regierung,
weil unsere künftigen Beziehungen ebensosehr, wenn
nicht noch stärker, vom privaten Sektor geprägt werden, dem auch ich in wenigen Monaten wieder angehören werde.
Im Bereich der Sicherheit ist es meines Erachtens
äußerst wichtig, daß wir eingehend die Zwänge berücksichtigen, von denen die verteidigungspolitische
Diskussion in unseren jeweiligen Ländern beeinflußt
wird. Das bedeutet meiner Meinung nach, die Vereinigten Staaten sollten - mit Taten ebenso wie mit
Worten - die deutschen und europäischen Bemühungen zur Entwicklung einer gemeinsamen Sicherheitsidentität weiterhin unterstützen. Wir sollten uns unsere
erfolgreichen Bemühungen während des Vereinigungsprozesses zu Herzen nehmen, indem wir unmißverständlich unsere strategischen Interessen - ein gestärktes Europa und eine gestärkte NATO - zum
Ausdruck bringen und dann Vertrauen in die Fähigkeit
Deutschlands bekunden, mit uns und anderen bei der
Verwirklichung dieses Zieles zusammenzuarbeiten.
Schließlich ist unser gemeinsames Ziel ein Deutschland, das in der Lage ist, seine multilateralen Verpflichtungen zu erfüllen. Indem man eine Europa, das
Bündnis und die Vereinten Nationen einbeziehende
Dimension dieser Verpflichtungen vorweist, kann man
die Notwendigkeit einer fähigen deutschen militärischen Komponente noch überzeugender verdeutlichen.

sich von selbst, daß wir dies eher tun werden, wenn
effektive kollektive Partner für ein gemeinsames Vorgehen zur Verfügung stehen. Kurzum: Sollte nicht
jedes Mitglied einer multinationalen Organisation über
die gesetzliche Grundlage verfügen, auf der es seine
Verpflichtungen gegenüber der Organisation erfüllen
kann, auch wenn es Fälle geben mag, in denen man
sich ausßoJjliscHejiGründen entscheidet, dies nicht zu
tun?
Um beim Bereich der Sicherheit zu bleiben, möchte ich
deutlich machen, welch wichtige und schwierige Entscheidung es für die Clinton-Administration war, 100.000
amerikanische Soldaten in Europa zu lassen. Es war
im Januar 1992 bei der Wehrkunde-Tagung in München, als amerikanische Vertreter Zahlen von 75.000
oder noch weniger diskutierten. Auf einem Stand von
100.000 können und werden wir weiterhin ein aus zwei
Heeresdivisionen und den damit verbundenen Luftstreitkräften bestehendes einsatzfähiges Korps in
Deutschland und andernorts stationieren.
Mit der Schließung Hunderter Stützpunkte in den
Vereinigten Staaten werden jedoch weitere Forderungen nach Verringerung unserer Truppenstärken in
Europa und Deutschland laut werden. Ich glaube, wir
werden die innenpolitische Unterstützung für unsere
hier stationierten Streitkräfte nur aufrechterhalten
können, wenn es uns gelingt unter Beweis zu stellen,
daß sie aus soliden strategischen Gründen und auf
kostengünstiger Basis hier sind. Im Hinblick auf den
letztgenannten Punkt wird es sehr wichtig sein, daß
unsere beiden Regierungen rasch und kooperativ eine
annehmbare Formel ausarbeiten, um die Vereinigten
Staaten fürdie Wertsteigerungen zu entschädigen, die
aus Verbesserungen unserer an die Bundesrepublik
Deutschland zurückgegebenen Stützpunkte resultieren. Geschieht dies nicht, wird es für uns schwieriger
werden, unsere Streitkräfte in Deutschland künftig
ebenso effektiv zu stationieren und auszubilden wie in
der Vergangenheit.

Im wirtschaftlichen Bereich wird unsere gemeinsame
Zukunft vielversprechend sein, wenn wir die Interdependenz unserer Volkswirtschaften klar erkennen und
uns für ihre Förderung einsetzen. Multilateral besteht
unsere offenkundige Herausforderung nicht nur darin,
Bevor nun jemand urteilt, ich versuchte, den Ausgang ein Zieldatum für den Abschluß der Uruguay-Runde
der "Out-of-Area"-Debatte vorwegzunehmen, möchte des GATT festzulegen - in dieser Übung sind wir
ich betonen, daß nur Deutschland und die Deutschen mittlerweile ziemlich bewandert -, sondern dies auch
diese Entscheidung treffen können. Ich muß jedoch zu verwirklichen. Weder Deutschland noch die Vereioffen sein und erklären, daß nach all der seit Vietnam nigten Staaten können dies allein tun, aber jeder von
erfolgten Kritik wegen mangelnden multilateralen uns hat die Pflicht, individuelle Flexibilität an den Tag
Handelns viele in den Vereinigten Staaten ziemlich zu legen und unseren Einfluß geltend zu machen, um
verwirrt darüber sind, daß Deutschland nicht mit uns auch die Flexibilität anderer sicherzustellen. Meiner
gemeinsam eine historische Kehrtwendung zu kollek- Ansicht nach wird keine andere staatliche Maßnahme
tivem Handeln als bevorzugtem Vorgehen in der welt- für unsere nationalen Volkswirtschaften und die Weltweiten Sicherheitspolitik vollzieht. Die Vereinigten wirtschaft solch positive kurzfristige Folgen haben,
Staaten werden niemals ihr Recht aufgeben, zum denn das Vertrauen der Verbraucher und UnternehSchutz ihrer Interessen einseitig zu handeln, aber wir mer wird direkt und positiv durch den greifbaren Beziehen es vor, kollektiv zu handeln. Dabei versteht es weis beeinflußt, daß auch Regierungen die zur SchafAMERIKA DIENST 24

Seite 5

�fung langfristigen Wirtschaftswachstums erforderlichen
schwierigen Entscheidungen treffen können.
Ich möchte hier kurz abschweifen um hervorzuheben,
daß es fürdie Amerikaner von Bedeutung ist, maßvolle
Erwartungen an Deutschland zu stellen. Wo Deutschland selbst Ergebnisse erzielen kann, können und
sollten unsere Erwartungen hoch sein. Beispiele hierfür sind unter anderem die erfolgreichen Bemühungen
um das Zusatzabkommen und die Frage jüdischer
Ansprüche. In Bereichen wie dem GATT jedoch, wo
Deutschland zu einem Ergebnis beitragen, aber nicht
im Alleingang handeln kann, dürfen wir nicht zuviel
erwarten oder Deutschland für die Unnachgiebigkeit
anderer verantwortlich machen. In solchen Fällen
können wir nicht mehr erwarten oder verlangen, als
daß Deutschland soviel Druck wie möglich ausübt aber wir erwarten auch nicht weniger. Dasselbe gilt für
die Erwartungen der Deutschen an die Vereinigten
Staaten.

nen über die Auswirkungen amerikanischer Maßnahmen gegenüber ausländischen Unternehmen auf amerikanische Arbeitsplätze zu präsentieren. Daher hoffe
ich, daß deutsche Geschäftsleute von Zeit zu Zeit,
vielleicht in Zusammenhang mit einer Vorstandssitzung in den Vereinigten Staaten, nach Washington
reisen werden. Auch möchte ich hier meinen früher
gemachten Vorschlag wiederholen, daß deutsche
Unternehmen in Betracht ziehen sollten, einen Amerikaner mit deutschen Sprachkenntnissen in ihren Aufsichtsrat aufzunehmen, damit bei ihren Gesprächen
die amerikanische Perspektive regelmäßig eingebracht
wird. (Ich möchte auch anmerken - jedoch keinen
diesbezüglichen Vorschlag machen, da mir das zu
vermessen erscheinen würde - daß Deutschland, ebenso
wie wir das auch getan haben, davon profitieren könnte, wenn mehr Regierungsvertreter in die Privatwirtschaft gingen, und mehr Vertreter der Privatwirtschaft
in die Regierung. Meines Erachtens tauschen wir zu
viele Leute aus, wenn eine neue Administration an die
Macht kommt, während Sie in einer Welt, in der die
Regierung und die Wirtschaft sich gegenseitig viel
besser verstehen und schätzen lernen sollten, vielleicht zu wenige auswechseln).

Was besonders uns betrifft: Bei unseren bilateralen
Handelsbeziehungen erzielen wir gute Ergebnisse, die
aber noch besser sein könnten. Obwohl deutsche und
amerikanische Geschäftsleute viel über das jeweils
andere Land wissen, gibt es noch einige wichtige Das Endergebnis dieser Initiativen wird meiner MeiLücken, die gefüllt werden müssen, um künftige Erfol- nung nach auf besseren Informationen basierende
ge sicherzustellen.
Investitionsentscheidungen sein, da dann der Einfluß
der
Regierung auf Investitionen weder unter- noch
Beispielsweise neigten in der Vergangenheit viele
überschätzt
werden wird, wie das jetzt oft der Fall ist.
amerikanische Führungskräfte in Unternehmen und
Und
bessere
Investitionsentscheidungen bedeuten mehr
Banken dazu, Entscheidungen über Investitionen in
Investitionen
und mehr Arbeitsplätze in beiden LänDeutschland überwiegend auf der Grundlage von
dern.
Medienberichterstattung und Berichten von Untergebenen zu treffen. Ungeachtet dessen, wie gut solche
Berichterstattung sein mag, ist sie kein Ersatz für
Anschauung aus erster Hand. Folglich haben wir eng
mit der amerikanischen Industrie zusammengearbeitet, um ihre Vorstandsmitglieder zu Vorstandssitzungen nach Deutschland einzuladen. Im vergangenen
Jahr haben wir die Vorstandsmitglieder von Mobil Oil,
Pitney Bowes, Fluor Daniel und Exxon begrüßt, und
ich freue mich feststellen zu können, daß Merrill Lynch
heute zu einer Sitzung in Berlin zusammentrifft. Im
September werden wir den Vorstand von Phillip Morris
willkommen heißen und danach Whirlpool und noch
viele andere. Unser an diese Firmen gerichteter
Vorschlag lautet, deutsche Redner zu ihren Treffen
einzuladen, danach Deutschland zu bereisen und in
den neuen Bundesländern sowie in Bonn mit Regierungsvertretern zu Gesprächen zusammenzutreffen.

Eine Dimension dieser Angelegenheit muß jedoch im
deutschen Zusammenhang betrachtet werden. Als
jemand, der sich tagtäglich für größere amerikanische
Investitionen hier in Deutschland einsetzt, muß ich
offen sagen, daß es für meinen Nachfolger zunehmend schwierig sein wird, Investitionen in Deutschland
zu bewirken, wenn nicht die in Zusammenhang mit
dem Standort Deutschland stehenden Fragen direkt
angesprochen werden. Ich möchte diesen Abschnitt
daher mit einem Zitat aus einem Vortrag des ehemaligen Botschafters Arthur Bums abschließen, den dieser
1985, kurz nachdem er Bonn verlassen hatte, hielt, da
er genau die Punkte enthält, die auch von potentiellen
amerikanischen Investoren angesprochen werden,
insbesondere denjenigen, die an den neuen Bundesländern interessiert sind:

Ebenso habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, daß nur wenige Entscheidungsträger der deutschen Wirtschaft jemals zu ähnlichen Treffen und
Gesprächen nach Washington gereist sind. Viele von
ihnen hatten Kontakte mit Gouverneuren und Bürgermeistern, aber - genauso wie in Deutschland - ist das
auch in Amerika nur die Hälfte der Geschichte. Deutsche Unternehmen beschäftigen über 400.000 Amerikaner. Daher sind sie in der Lage, wichtige Informatio-

"Ich besuchte Europa zum ersten Mal im Jahre
1950, als ich Studienurlaub von meiner Universität hatte. In meiner ersten Nacht in Deutschland konnte ich nicht schlafen, da auf der Straße
vor meinem Hotel in Frankfurt Bauarbeiten
durchgeführt wurden. Nachdem meine Frau
und ich uns fast den ganzen nachfolgenden Tag
ausgeruht hatten, machten wir einen Spaziergang entlang der Hauptverkehrsstraßen dieser
belebten Stadt. Der eindrucksvollste - in der Tat

Seite 6

AMERIKA DIENST 24

�wirklich erstaunliche - Anblick war der der Maurer,
die Abends um neun oder zehn Uhr ihre Arbeit
bei elektrischem Licht verrichteten. Als ich
wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehrte,
antwortete ich, von meinen Geschäftsfreunden
nach meinen Eindrücken von der europäischen
Wirtschaft befragt, ohne Zögern: 'In wenigen
Jahren wird Deutschland wieder die größte
Industriemacht Europas sein.' Den erstaunten
Fragern, die die Gründe hierfür wissen wollten,
gab ich einfach die Antwort: 'Im Unterschied
zum Großteil Europas arbeiten die Deutschen
wirklich hart.'"

Wenn wir jedoch dieses anhaltende Interesse an Informationen über die Vereinigten Staaten befriedigen
wollen, benötigen wir in der Regierung die Hilfe des
Privatsektors unserer beiden Länder. Hinter uns liegen 40 Jahre Erfahrung, in denen wir auch eine Infrastruktur aufgebaut haben; jetzt brauchen wir mehr
Gelder, um die Bildungs-, Austausch- und anderen
Programme, die im Westen für die Anknüpfung unserer Beziehungen nach dem Krieg so lebenswichtig
waren, fortzusetzen - und sie insbesondere auf die
neuen Bundesländer auszudehnen. Solche Fonds als
Teil einer Partnerschaft zwischen Regierung und Privatsektor bereitzustellen, ist eine Investition in die
Stabilität Deutschlands, die von Vorteil für die WirtBotschafter Burns fuhr fort: "Das kann ich jetzt schaft in Deutschland, Europa und den Vereinigten
nicht länger behaupten. Die Wirtschaft West- Staaten ist. Wie ich bereits betonte: Die Entwicklung
deutschlands ist sicherlich immer noch die stärk- Deutschlands bestimmt die Entwicklung Europas. Und
ste in Europa. Ein Großteil der deutschen meiner Meinung bestimmt die Entwicklung OstdeutschWissenschaft, Forschung und Technologie hat lands auch die Entwicklung ganz Deutschlands.
überall einen guten Ruf, aber die Deutschen
arbeiten nicht mehr so wie in den Jahren direkt In diesem Zusammenhang erfüllt es mich mit Stolz,
nach dem Krieg. Die Arbeitswoche ist kürzer heute abend die Einrichtung eines "Ambassador's
geworden, es werden mehr Ferien genommen, Enterprise Scholars"-Programms anzukündigen. Dieses
praktisch jeder macht lange Ferien, die Zahl der Programm, das zunächst durch einen besonderen
Krankheitstage und Kuraufenthalte hat sich ver- Zuschuß des US-Informationsamtes finanziert wird,
vielfacht, Frühpensionierungen sind häufiger soll Studentinnen und Studenten aus den fünf neuen
geworden und die großzügige Unterstützung Bundesländern und Ostberlin ein einjähriges Stipender Regierung für die Arbeitslosen hat zu einer dium in wirtschaftlichen und technischen FachbereiErhöhung ihrer Zahl beigetragen. Und dieser chen an einem College in den Vereinigten Staaten
Prozeß der Reduzierung der Arbeit ist noch ermöglichen. Wir erwarten, daß die ersten Studentinnen und Studenten bereits diesen Herbst ihr Studium
nicht beendet."
aufnehmen können und in den kommenden Jahren im
Erlauben Sie mir, meine spezifischen Ausführungen Rahmen dieses Programms so viele Studentinnen und
über die Zukunft unserer Beziehungen mit einigen Studenten in die Vereinigten Staaten geschickt werWorten über die kulturelle Seite der Beziehungen zu den können, wie die Spenden für dieses Programm
beenden. Wie ich bereits betonte, erreichen wir die zulassen.
jüngere Generation von Deutschen nicht so gut wie
ihre Eltern oder Großeltern. Eine einfache, aber Auch freue ich mich ankündigen zu können, daß die
beunruhigende Berechnung verdeutlicht diesen Punkt: amerikanische Handelskammer in Deutschland dieHeute vor 40 Jahren hatten wir im damaligen West- ses Programm unterstützt und von ihren Mitgliedern
deutschland mit seinen ungefähr 50 Millionen Einwoh- Beiträge hierzu erbitten wird. Eine besondere Freude
nern 50 Amerika Häuser. Heute unterhalten wir 8 bereitet es mir auch bekanntzugeben, daß die erste
Amerika Häuser für 80 Millionen Deutsche, und ich Firmenspende in Höhe von 120.000 Dollar von Merrill
muß dafür kämpfen, selbst diese zu erhalten. Mit der Lynch zugesagt wurde. Mit diesem Beitrag wird sechs
Eröffnung zahlreicher neuer Botschaften im Osten Studenten - einem aus jedem der neuen Bu ndesländer
wird es jedoch noch schwieriger werden, diese Pro- und einem aus Ostberlin - in den nächsten drei Jahren
ein Studienjahr in den Vereinigten Staaten ermöglicht.
gramme zu finanzieren.
Wenn diese Stipendien verliehen werden, wird auf
Wenn Sie sich fragen, ob solche Institutionen heute jedem Zertifikat das Unternehmen, die Bank oder ein
benötigt werden, sollten Sie folgendes in Betracht anderer Geldgeber vermerkt sein, der diesen Studienziehen: An der Eröffnung unseres Konsulats im Juni aufenthalt ermöglichte - und das ist ein Zeichen für das
letzten Jahres in Leipzig nahmen über 400 Gäste teil. Vertrauen, das in einen jungen Mann oder in eine junge
So sehr ich mich schon über dieses Ergebnis gefreut Frau gesetzt wird, das diese nie vergessen werden.
habe, war ich doch überwältigt von den Zahlen des Natürlich wäre es uns eine große Freude, wenn sich
folgenden Tages, als das Amerika Haus und seine deutsche Institutionen an dieser Investition in unsere
Bibliothek zum ersten Mal ihre Pforten für das Publi- gemeinsame Zukunft beteiligen würden.
kum öffneten: Nahezu 1.000 Besucher in den ersten
drei Stunden, von denen gut über die Hälfte jünger als Ich möchte diese Erörterung der kulturellen Bande mit
25 Jahre waren.
dem Hinweis auf ein einzigartiges Programm in Berlin

AMERIKA DIENST 24

Seite 7

�beenden, das zur Aufrechterhaltung der besonderen
Beziehungen zwischen dieser Stadt und dem amerikanischen Militär beitragen wird, das sie nahezu 50 Jahre
lang schützte. Obwohl unsere Streitkräfte bis zum
Ende des Jahres 1994 aus Berlin abgezogen werden,
erwarten wir sie und andere in Zukunft als Besucher in
dieser Stadt zurück, da die USQ von diesem Jahr an
dauerhaft in Berlin präsent sein wird. Die USO ist eine
private amerikanische Organisation, die sich der Betreuung amerikanischer Militärangehöriger bei ihren
Freizeitaktivitäten widmet. Ebenso wie die USOVertretungen in New York, Paris und Rom wird diese
Einrichtung ein Ort sein, an dem die Mitglieder amerikanischer Streitkräfte und ihre Familien Hilfe bei der
Organisation ihrer Reisen und Suche nach Hotelunterkünften erhalten können. Wenn Paris als Maßstab
dient, ist eine solche Einrichtung für weitere Beziehungen von unschätzbarem Wert. Obwohl unsere Streitkräfte im Jahre 1967 Frankreich verließen, buchte
USO Paris im Jahr 1992, 25 Jahre später, Hotelzimmer für über 7.000 amerikanische Militärangehörige
und ihre Familien. Ich danke den folgenden Berlinern
für ihre Bereitschaft, dieses Projekt zu unterstützen
und ihrer Wertschätzung für unser Militär sichtbar
Ausdruck zu verleihen:

noch in Deutschland aufgrund der Geschichte Anlaß
zur Sorge geben. Trotzdem sind wir der Meinung, daß
sie auf eine Art und Weise eingesetzt werden können,
die die Übeltäter abschreckt und dennoch die Rechte
des Einzelnen schützt.
Jene europäischen Nachbarn Deutschlands, die mit
der Kritik an diesen Ereignissen so schnell bei der
Hand waren, frage ich: Erwarten Sie von Deutschland,
jedes Jahr eine Million Menschen aufzunehmen, 70
Prozent aller nach Europa kommenden Einwanderer?
Können nicht auch Sie dazu beitragen, den weniger
Glücklichen zu helfen? Wenn Sie das nicht können,
sollten Sie sich jedoch vor Augen halten, daß auch Sie
von der Entwicklung in Deutschland beeinflußt werden.

Dr. Fischer, HerrGafron, Herr Goldberg, HerrGrönke,
Herr Sieveking.

Letztlich ist das jedoch eine Angelegenheit, mit der
sich Deutschland und seine Bürger befassen müssen,
und nicht nur im Hinblick auf Reaktion und Abschrekkung. Heute leben mehr als 6 Millionen Ausländer in
Deutschland, und es gibt kaum Grund zu glauben, daß
diese Zahl je abnehmen wird. Die Frage, wie die
Integration dieser Menschen in diese Gesellschaft und
Kultur fortgesetzt werden kann - einschließlich der
Punkte Wahlrecht und Staatsbürgerschaft - muß sicherlich mit offenem Geist und offenem Herzen angegangen werden.

Gewalt gegen Ausländer

Schlußbemerkung

Zum Schluß meiner Rede möchte ich einige Worte zu
der Angelegenheit anmerken, die die Deutschen zur
Zeit am meisten beschäftigt: die sinnlosen, brutalen
und feigen Gewaltakte gegen Ausländer, die jüngsten
davon in Solingen. Ungeachtet der Schwierigkeiten,
mit denen Deutschland jetzt oder in Zukunft konfrontiert sein mag, ist eine solche Gewaltanwendung in
einer modernen Demokratie, in der Toleranz ein wichtiges Element ist, schlichtweg nicht akzeptabel. Die
Deutschen - sowohl Vertreter der Regierung als auch
die Bürger - müssen klarmachen, daß solche Taten
nicht akzeptabel sind und schwer bestraft werden.

Ich habe mich heute Abend um dreierlei bemüht: eine
Zusammenfassung meiner Zeit hier zu geben, Deutschland und seinen Menschen für die Gastfreundschaft
und Freundschaft zu danken und meine Gedanken zu
den künftigen bilateralen Beziehungen darzulegen.

Jetzt ist die Zeit für alle Freunde Deutschlands, zu
helfen, wo es ihnen möglich ist. Die Vereinigten
Staaten erweitern beispielsweise ihre gemeinsamen
Ausbildungsprogramme für Polizeibeamte, insbesondere in den neuen Bundesländern. Wirksame Abschreckung bei der Bekämpfung derjenigen, die unsere demokratischen Systeme zerstören würden, ist
noch wichtiger als angemessene Reaktionen, und wir
haben bedeutende Erfahrung mit den Techniken zur
Abschreckung von Gewalttaten gewonnen. Ich weiß,
daß bestimmte Maßnahmen, die von Polizeibehörden
in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und anderen Demokratien häufig angewandt werden, immer

Seite 8

Ich verlasse Deutschland traurig, aber mit einem Gefühl
des Stolzes auf das Geleistete. Und obwohl meine
Familie und ich Deutschland verlassen und in die
Vereinigten Staaten zurückkehren, werden wir Deutschland und seine Menschen stets in unserem Herzen
bewahren.
Das Wunderbare an unserem System in den Vereinigten Staaten ist die Tatsache, daß ich zuversichtlich
sein kann, sei es in 4, 8 oder 12 Jahren, wieder der
Regierung zu dienen. Vielleicht wird man mich bitten,
nach Deutschland zurückzukehren, um meine Arbeit
hier abzuschließen, dieses Mal in Berlin, der einstigen
und künftigen Hauptstadt dieses großartigen Landes.
Und vielleicht werde ich die Ehre haben, die amerikanische Mannschaft bei der Olympiade in Berlin willkommen zu heißen!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und noch
mehr für Ihre Freundschaft. Ich werde jeden von Ihnen
vermissen.

AMERIKA DIENSf\24

�NICHTVERBREITUNG
16. Juni 1993

CHRISTOPHER DRÄNGTAUF KOLLEKTIVE
AKTIONEN BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung vor der Presse
LUXEMBURG -(AD)- Au ßenminister Christopher zufolge sind entschiedene, kollektive Aktionen der Vereinigten
Staaten und Europas erforderlich, "um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, deren Trägersystemen, modernen konventionellen Waffen und Mehrzwecktechnologien zu bewältigen".
Die durch die Werterverbreitung entstandene langfristige Gefahr ist "das drängendste Thema der Rüstungskontrolle in den neunziger Jahren", stellte Christopher in einer Erklärung vor der Presse am 8. Juni 1993 in
Luxemburg im Anschluß an das Treffen mit den Außenministern der Europäischen Gemeinschaft fest.
Der Außenminister fügte hinzu, abgesehen von der Frage der Nichtverbreitung habe er mit seinen Kollegen die
Bestrebungen zur Erlangung dauerhaften Friedens im Nahen Osten, die Suche nach einer Lösung des Konflikts
im ehemaligen Jugoslawien, die Intensivierung der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte in der
ehemaligen Sowjetunion sowie die Stärkung der amerikanischen und europäischen Volkswirtschaften erörtert.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Außenministerium freigegebene Erklärung von Minister Christopher im
Wortlaut.

Ich möchte Minister Helvog Petersen für die Führungs- Staaten und Europa eine historische Chance zu einer
rolle während derdänischen Präsidentschaft der Euro- neuen Tagesordnung. Diese umfassende, positive
päischen Gemeinschaft danken.
Tagesordnung gründet sich auf die gemeinsame Verpflichtung zu demokratischen Werten, kollektiver SiUnter der Präsidentschaft Dänemarks haben wir eine cherheit sowie den Prinzipien von Menschenrechten
außerordentlich gute Zusammenarbeit erlebt und bei und freien Märkten.
Schlüsselfragen beachtliche Fortschritte erzielt. Wir
sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit der im Ich habe heute Ausführungen zu fünf Bereichen gemacht,
Juli beginnenden belgischen Präsidentschaft erwar- die Anlaß zur Besorgnis für die Vereinigten Staaten
tungsvoll entgegen.
und Europa bieten. Zu diesen Themen zählen: 1.
Stärkung unserer Volkswirtschaften, 2. die IntensivieDies ist das erste Mal, daß ich mit den Außenministem rung der Unterstützung für Demokratie und freie Märkder EG als Gruppe zusammengetroffen bin und ich te in der ehemaligen Sowjetion, 3. die Suche nach
habe das Gefühl, es war wichtig - während unserer Ar- einer Lösung des Konflikts im ehemaligen Jugoslabertssitzung heute morgen und beim Mittagessen - zu wien und die Sicherstellung, daß er sich nicht zu einem
bekräftigen, wieviel Bedeutung die Clinton-Admini- größeren Balkankrieg auswertet, 4. die Erlangung
stration der Partnerschaft mit Europa beimißt.
eines dauerhaften Friedens im Nahen Osten und 5.
Nichtverbreitung und Verhinderung der Verbreitung
Die Vereinigten Staaten und Europa sind untrennbar
von Massenvernichtungswaffen.
verbunden. Unsere Bande könnten nicht enger sein.
Die Vereinigten Staaten sind der europäischen Sicher- Die Clinton-Administration definiert die amerikanische
heit und einem breiten Spektrum wirtschaftlicher und Sicherheit nicht nur in politischen und militärischen
politischer Interessen uneingeschränkt verpflichtet, die Begriffen, sondern auch in Begriffen wirtschaftlicher
wir gemeinsam verfolgen werden.
Stärke. Die von uns heute erörterten Wirtschaftsbeziehungen umfassen nicht nur den Atlantik, sondern
Das Ende des Kalten Kriegesund unser gemeinsamer
reichen ostwärts, über Eu ropa und Ru Bland hinweg bis
Sieg über den Kommunismus bieten den Vereinigten
hin nach Asien.
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�ich habe Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm im
Hinblick auf unsere Volkwirtschaft skizziert und festgestellt, daß dieses Programm bereits dazu beigetragen
hat, die langfristigen Zinssätze in den Vereinigten
Staaten auf ihren niedrigsten Stand in zwei Jahrzehnten sinken zu lassen. Die Verabschiedung von Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm wird das amerikanische Haushaltsdefizit verringern und Wirtschaftswachstum ankurbeln.
Die Stärke der amerikanischen Volkswirtschaft - und
der Volkswirtschaften aller unserer Nationen - hängt
jedoch auch von der Öffnung von Märkten und der
Erweiterung des Handels ab.

zur Diktatur zurückkehrt, wären die Konsequenzen
erschreckend. Wir sähen uns erneut dem Schatten
einer Nuklearkonfrontation, gestiegenen Verteidigungshaushalten und einem gravierenden Rückschlag der
weltweiten Bewegungen zur Demokratie gegenüber.
Darüber hinaus haben wir die Bedeutung eines politischen Engagements gegenüber der Ukraine erörtert.
Ich habe die von Au ßenminister Aspin und Botschafter
Talbort kürzlich nach Kiew unternommene Reise erläutert.

Drittens, Bosnien. Unsere Arbeit hier und später in
Athen wird sich auf die Durchführung von Resolution
836 des UN-Sicherheitsrats zur Einrichtung von Schutzzonen konzentrieren. Diese Resolution ist eine InteIn diesem Tenor haben wir unsere Entschlossenheit rimsmaßnahme, um das Töten zu beenden und trägt
zum erfolgreichen Abschluß der Handelsgespräche zu unserem Ziel der Eindämmung des Balkankonflikts
der Uruguay-Runde bis zum Ende des Jahres bekräf- bei, während sich der Druck auf die kriegführenden
tigt. Wir haben festgestellt, daß bei den Vereinbarun- Parteien - insbesondere die Serben - zur Aufnahme
gen über Marktzugang beachtliche Fortschritte erzielt von Verhandlungen verstärkt, die zu einer in gutem
wurden.
Glauben ausgehandelten politischen Lösung führen
werden.
Unsere Handelsbeziehungen belaufen sich bereits auf
nahezu 200 Milliarden Dollar pro Jahr, und ein umfas- Ich habe unsere Verpflichtung eindeutig klargestellt,
sendes Handelsabkommen wird weiteres Wirtschafts- Luftstreitkräfte zum Schutz der UNPROFOR-Streitwachstum und Wohlstand auf beiden Seiten des Atlan- kräfte am Boden zur Verfügung zu stellen sowie unsetiks bewirken.
re Bereitschaft, gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der NATO ein in gutem Glauben von allen
Ich habe die von Europa unternommenen Schritte zur
Parteien ausgehandeltes Abkommen durchzuführen,
Integration begrüßt und unsere Unterstützung einer
einschließlich dem möglichen Einsatz von Bodentrupgestärkten Europäischen Gemeinschaft bekräftigt. Die
pen. Darüber hinaus habe ich die Entschlossenheit
Integration Europas kann auch zu einer gestärkten
der Vereinigten Staaten unterstrichen, Schritte im Kosovo
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
und in Makedonien zu unternehmen, die eine Ausweider EG führen, insbesondere wenn wir ostwärts bliktung dieses Konflikts in Nachbarländer verhindern
ken.
werden. Ich bin sicher, daß zu diesen Punkten keine
Zweitens, Unterstützung der Reformen in der ehema- Verwirrung herrscht oder falsche Eindrücke gewonnen
ligen Sowjetunion. Selbst in Zeiten, in denen wir in den wurden.
Vereinigten Staaten den Gürtel enger schnallen müsViertens, der Nahe Osten. Ich habe meinen Kollegen
sen, hat Präsident Clinton eine Reihe vom mutigen
erklärt, daß die Nahost-Friedensgespräche am 15.
Schritten zur Unterstützung der Reformen in Ost- und
Juni unter der Schirmherrschaft der Vereinigten StaaMitteleuropa sowie Rußland unternommen. Er hat
ten und Rußlands in Washington wiederaufgenomseine Gründe dem amerikanischen Volk gegenüber
men werden. Meines Erachtens sind greifbare Ergebaufgrund seiner Überzeugung dargelegt, daß nichts
nisse möglich. Ich bin überzeugt, daß 1993 den
fürdie Sicherheit Europas und Nordamerikas wichtiger
Durchbruch bedeuten kann und die Vereinigten Staaist als der Erfolg der wirtschaftlichen und politischen
ten intensive Bestrebungen verfolgen werden, um die
Reformen in Rußland.
Parteien an einen Tisch zu bringen.
Ich habe die EG zur Unterstützung von drei beim
Ich habe drei unmittelbare Ziele umrissen, die wir bei
Ministerteffen der G-7 im April in Tokio angekündigten
der Erfüllung unserer Rolle als gleichberechtigter Partner
wichtigen Initiativen aufgefordert: 1. Der spezielle
bei diesen Gesprächen haben. Erstens helfen wir den
Privatisierungs- und Umstrukturierungsfonds in Höhe
Parteien, die Kluft zu überwinden und eine Sprachrevon 2 Milliarden Dollar, 2. das nach unserem Nunngelung zu formulieren, die sich abzeichnende BereiLugar-Programm entworfene Programm zur Verringeche der Übereinstimmung abdeckt. Zweitens drängen
rung der nuklearen Bedrohung und 3. die Gründung
wir die Parteien zu kontinuierlichen Bemühungen zur
eines besonderen Durchführungsbüros der G-7 in
Verbesserung der Situation vor Ort. Sicherheit ist
Moskau, zur Überwachung der Hilfe und zum Abbau
wichtig, aber grundlegende Menschenrechte müssen
bürokratischer Engpässe.
auch respektiert werden, um den Menschen Grund zur
Wir waren uns alle einig, unsere Bestrebungen zur Fortsetzung dieser Gespräche zu geben. Drittens
Unterstützung der russischen Reformen zu verdop- müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die wirtpeln. Wenn die Reformen scheitern, wenn Rußland schaftlichen und sozialen Bedürfnisse in der Region zu
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�bewältigen. Ich habe finanzielle Verpflichtungen erörtert, die wir in dieser Hinsicht eingegangen sind und
vorgeschlagen, daß auch die EG eine konstruktive
Rolle spielen sollte.

sen. Der Iran muß überzeugt werden, seine nuklearen, chemisch-biologischen und Raketenprogramme
aufzugeben.

Die Volkswirtschaft des Iran befindet sich in Schwierigkeiten. Der Iran wird für konzertierten Druck des
Westens verwundbar sein, wenn klar ist, daß wir
eindeutig definierte Veränderungen seines Verhaltens
anstreben. Zu gewissen Kosten für die Vereinigten
Staaten haben wir uns entschlossen, dem Verkauf
bestimmter mehrfach verwendbarer Waren vorzugreiIch bin von der Tagesordnung dieser Diskussionen fen und Exportkontrollen für bestimmte strategische
abgewichen, um das meines Erachtens zentrale The- Waren und Technologien in die Wege geleitet.
ma anzusprechen: Entschiedene, kollektive Aktionen
der Vereinigten Staaten und Europas sind erforderlich, Der Iran muß verstehen, daß er keine normalen Hanum die Weiterverbreitung von Massenvernichtungs- delsbeziehungen unterhalten und einerseits Mehrzweckwaffen, deren Trägersystemen, modernen konventio- technologien beschaffen kann, während er anderernellen Waffen und Mehrzwecktechnologien zu bewäl- seitsversucht, Massenvernichtungswaffen zu entwiktigen.
keln.
Fünftens haben mich die Aussichten fauf Frieden in
dieser geplagten Region zu Ausführungen über die
durch das drängendste Thema der Rüstungskontrolle
in den neunziger Jahren entstandene langfristige Gefahr
- die Weiterverbreitung - veranlaßt.

Wie benötigen konzertierte Aktionen, um entschieden
und kreativ mit gefährlichen Staaten fertigzuwerden,
die zu Spannungen in Regionen wie dem Nahen Osten
beitragen.
Das beunruhigendste dieser Länder - das Europa am
direktesten beeinflussen kann - ist der Iran.
Ich möchte hier bei der EG vorschlagen, daß wir einer
kollektiven Politik der Eindämmung zustimmen müs-

* *

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Diese Politik der Eindämmung und des Drucks wird
funktionieren, wenn wir sie gemeinsam mit Europa
verfolgen. Ich habe Europa aufgefordert, einen koordinierten Ansatz zu dieser bedeutenden und lebenswichtigen Frage in Erwägung zu ziehen.
Dies sind die Grundbestandteile meiner heute bei den
Treffen hier in Luxemburg gemachten Äußerungen
und Einlassungen.

* *

*

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�UNO
16. Juni 1993

USA UNTERSTUTZEN SITZ DEUTSCHLANDS UND
JAPANS IM UN-SICHERHEITSRAT
Albright: Rat muß neue Realitäten widerspiegeln
NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten gehen
davon aus, daß sowohl Japan als auch Deutschland
einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat haben sollten,
erklärte US-Botschafterin Madeleine Albright am 8.
Juni 1993.
In einer Rede vorder New York Foreign Policy Association über die Reform der Vereinten Nationen stellte
Albright fest, frühere amerikanische Administrationen
hätten Erweiterungen des Sicherheitsrates abgelehnt,
während "die Clinton-Administration im Gegensatz
dazu der Auffassung ist, daß sowohl Japan als auch
Deutschland" ständige Mitglieder des Rates sein sollten.

regionalen Vertreter Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas sein sollten, sowie bei Erörterungen über die
Tatsache, daß der regionale Sitz nach dem Rotationsprinzip vergeben werden sollte", äußerte Albright.
Sie fügte hinzu, "wir werden bei der Untersuchung von
Vorschlägen über die Aufnahme weiterer Mitglieder
darauf achten, daß die neugefundene Effektivität des
Rates nicht auf dem Altar der Reformen geopfert wird."
Albright verwies darauf, daß "der Sicherheitsrat eine
Zunahme von Sitzungen bis zu dem Punkt erfahren
hat, daß wir nahezu an jedem Tag der Woche und
nahezu jede Woche des Jahres zusammenkommen".

Im vergangenen Dezember verabschiedete die Generalversammlung eine Resolution, in der Generalsekretär Boutros-Ghali aufgefordert wird, bis zum 30. Juni
1993 einen Bericht über die Erweiterung des derzeit
aus 15 Mitgliedern bestehenden Sicherheitsrats vorzulegen. Die von Japan, Brasilien, Indien und 34
Auf die Frage, ob auch die Entwicklungsländer Nigeria Ländern - vorwiegend aus der Dritten Welt - eingeund Brasilien ständige Mitglieder im Sicherheitsrat brachte Resolution war die erste, die angenommen
werden sollten, erwiderte sie jedoch, daß "zunehmen- wurde, seit das Thema 1979 auf die Tagesordnu ng der
de Komplikationen" auftreten, wenn die Frage nach Generalversammlung gesetzt wurde. Der Schritt wurde
Erweiterung des Rates erörtert wird, und "wir haben weithin als Eröffnungszug in einer Kampagne der
darauf noch keine konkrete Antwort".
Entwicklungsländer betrachtet, größeren Einfluß auf
die Maßnahmen des Rates zu erlangen, möglicherwei"Wenn wir die verschiedenen vorgelegten Formeln se zum 50jährigen Bestehen der UNO im Jahr 1995.
betrachten, taucht der Gedanke auf, daß die europäischen Länder bei einer Aufnahme Deutschlands einen Jede Veränderung in der Struktur des Sicherheitsrates
überwältigenden Einfluß auf den Rat haben - betrach- erfordert eine Revision der UN-Charta.
tet man Rußland als europäisches Land, Frankreich
und Großbritannien", erklärte sie. "Deshalb sind ande- Derzeit haben fünf Länder im Sicherheitsrat einen
re Länder aus anderen Regionen zu Recht der Ansicht, ständigen Sitz mit Vetorecht - China, Frankreich,
Großbritannien, Rußland und die Vereinigten Staaten.
daß sie ebenfalls mehr Einfluß haben sollten."
Die anderen 10 werden auf zwei Jahre gewählt. Sie
"Im Lauf unserer Gespräche über dieses Thema ha- vertreten regionale Gruppierungen und haben kein
ben wir festgestellt, daß es offensichtlich Meinungs- Vetorecht.
verschiedenheiten darüber gibt, welche Länder die
Bei der Forderung nach bürokratischen und haushaltspolitischen Reformen für die UNO als Ganzes im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg verdeutlichte Albright,
der Rat müsse sich femer "neuen Realitäten und
neuen Pflichten anpassen".

* * * *

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*

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�BOSNIEN
16. Juni 1993

AUSSCHUSS FÜR AUFHEBUNG DES
WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Zusatz zum Auslandshilfegesetz
WASHINGTON - (AD) - Der Auswärtige Ausschuß des
Repräsentantenhauses hat für die Aufhebung des
Waffenembargos gegen Bosnien-Herzegowina und
die Ermächtigung Präsident Clintons gestimmt, der
bosnischen Regierung zur Verteidigung gegen die
serbische Aggression militärisches Gerät im Wert von
bis zu 200 Millionen Dollar zu liefern.

Stimme im UN-Sicherheitsrat schwächen, der 1991
das Embargo gegen die Republiken des ehemaligen
Jugoslawien verhängt hatte. Ein solcher Schritt entbehre außerdem möglicherweise einer rechtlichen
Grundlage, stellte sie fest.

Die Aufhebung des Embargos gegen Bosnien ohne
eine gleichzeitige Ermächtigung zu selektiven LuftanDie von dem republikanischen Abgeordneten Henry griffen auf serbische Militärzentren wird die bosniHyde vorgeschlagene Maßnahme wurde am 8. Juni schen Muslime laut Hamilton "in größere Gefahr"
1993 nach leidenschaftlicher Debatte mit 24 gegen 15 bringen. "Das Ungleichgewicht wird damit nicht beseiStimmen ohne Fraktionszwang angenommen. Dabei tigt. Die reine Aufhebung des Embargos ist das
stimmten zehn Demokraten gemeinsam mit 14 Repu- Schlimmste, was man machen kann", äußerte er. "Es
setzt sie der eindeutig überlegenen serbischen Macht
blikanern für diesen Schritt.
aus."
Die Abstimmung fand nach einer ganztätigen Behandlung zweier Gesetzesvorlagen statt - des Bewilligungs- Hyde sowie der dienstälteste Republikaner des Ausgesetzes für Auslandshilfe im Haushaltsjahr 1994 sowie schusses, Benjamin Gilman, erklärten jedoch, nach
des Bewilligungsgesetzes für die Betriebskosten des nichtöffentlichen Anhörungen hochrangiger Vertreter
Außenministeriums, des US-Informationsamts (USIA) des Außenministeriums seien sie zu der Überzeugung
und des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung gelangt, Clinton wolle das Embargo nach wie vor
(ACDA) sowie des Amts für internationale Entwicklung aufheben. Der Zusatz werde dem Präsidenten "einen
(AID) für die Haushaltsjahre 1994 und 1995. Zum wichtigen Trumpf bei den Verhandlungen" verschafersten Mal wurden damit beide Gesetze in einem fen, so Gilman.
einzigen Paket zusammengefaßt.
Die Alternative zu dem Zusatz besteht Hyde zufolge
Die nach einer Abstimmung durch Zuruf verabschie- darin "weiterhin nichts zu tun", um den "schutzlosen"
dete Vorlage in Höhe von 7 Milliarden Dollar wird Bosniern zu helfen, die sterben, während "Europa sich
voraussichtlich am 15. Juni 1993 im Plenum behan- abwendet".
delt. Von der Gesamtsumme sind 2,5 Milliarden Dollar
für die Betriebskostender Dienststellen für auswärtige "Wenn wir es nicht tun, wird es niemand tun", fügte
Hyde hinzu. Der Zusatz enthält folgende FormulieAngelegenheiten bestimmt.
rung: "Der Präsident kann das Waffenembargo der
Beim Ausschußvorsitzenden Lee Hamilton sowie der Vereinigten Staaten gegen die Regierung von Bosfür parlamentarische Angelegenheiten zuständigen nien-Herzegowina beenden, sobald er von dieser
Abteilungsleiterin im Außenministerium, Wendy Sher- Regierung eine Bitte um Hilfe in Ausübung ihres Rechts
man, stieß der Zusatz zum Auslandshilfebewilligungs- auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta
gesetz, der die Aufhebung des Waffenembargos gegen der Vereinten Nationen erhalten hat."
Bosnien vorsieht, auf scharfe Ablehnung.
Darüber hinaus wird der Präsident ermächtigt, "die
"Dies ist eine äußerst ernste Angelegenheit", erklärte Weitergabe von militärischer Ausrüstung aus den
Sherman. Wenn die Vereinigten Staaten das Embar- Beständen des Verteidigungsministeriums, militärischen
go einseitig durchbrechen würden, könne dies ihre Dienstleistungen des Verteidigungsministeriums so-

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�wie militärischer Aus- und Fortbildung zu steuern, um
der Regierung von Bosnien-Herzegowina Hilfe zu leisten".
Darüber hinaus wird jedoch festgestellt, Mitglieder der
US-Streitkräfte, die solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen, "dürfen sich an keinerlei Kampfeinsätzen
beteiligen, einschließlich von Tätigkeiten in Zusammenhang mit Ausbildung und Beratung, die sie in
Kampfhandlungen verwickeln könnten".

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Der Zusatz verleihe dem Präsidenten lediglich die
Befugnis, den Bosniern Waffen zu liefern, erklärte
Hyde. "Es ist seine Aufgabe zu entscheiden, wie,
wann, wo und welche Art von Waffen" geliefert werden.
Der demokratische Abgeordnete Tom Lantos verwies
darauf, daß dies die erste Abstimmung des Repräsentantenhauses über Bosnien sei. "Es ist das erste Mal,
daß wir (im Kongreß) uns erheben und uns zählen
lassen müssen", äußerte er. "Unsere Stimme wird für
immer auf unserem Gewissen lasten", fuhr er fort.

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�FIRST

LADY
16. Juni 1993

HILLARY RODHÄM CLINTON KOMBINIERT
VIELE ROLLEN
NBC-Sondersendung
WASHINGTON - (AD) - Hillary Rodham Clinton, die vielleicht einflußreichste Frau in den Vereinigten Staaten,
erklärt, sie unterscheide sich nicht von Millionen anderer Frauen im Land, die täglich mit den von ihnen gespielten
verschiedenen Rollen kämpfen.
In einer einstündigen NBC-Sondersendung erörterte die First Lady am 10. Juni 1993 ihre jeweilige Rolle als
Ehefrau, Mutter, Beraterin ihres Gatten und Leiterin der vom Präsidenten vorgeschlagenen Bestrebungen zu
bahnbrechenden Reformen im nationalen Gesundheitswesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem von Katie Couric geführten Interview. Es war das erste
landesweit im Fernsehen übertragene Interview mit der First Lady, seit ihre Familie im Januar ins Weiße Haus
einzog.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von NBC. Copyright (c) 1993 National
Broadcasting Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Frage: Millionen von Menschen sehen Sie als Modell
und Millionen von Menschen als furchteinflößende
Person. Warum sind Sie Ihrer Meinung nach solch ein
Blitzableiter?
Antwort: Weil aus meiner Sicht heute die Rollen der
Frauen die Blitzableiter sind. Tagtäglich kämpfen
Menschen auf höchst unterschiedliche Weise, am
Arbeitsplatz, in der Küche, an Orten überall in Amerika,
um herauszufinden, was es heißt, Frau, Mutter und
Ehefrau zu sein - all die unterschiedlichen Rollen, die
wir spielen. Und weil mein Mann der erste unserer
Generation ist, derzum Präsidenten gewählt wurde, ist
es das erste Mal, daß viele dieser privaten Diskussionen gut sichtbar an so prominenter Stelle in unserem
öffentlichen Leben geführt werden.
Frage: Sie haben beträchtlichen Einfluß. Manche
Leute sagen, daß es Amerikaner gibt, denen dabei
nicht ganz wohl in ihrer Haut ist, weil sie nicht sicher
sind, wieviel Einfluß Sie haben. Schließlich wurden Sie
nicht gewählt. Wieviel Einfluß haben Sie?
Antwort: Ich weiß nicht, ob ich mehr Einfluß habe als
jeder andere Berater des Präsidenten. Und es gibt
Dutzende, mit denen er regelmäßig spricht und deren
Rat er einholt - wie er das immer getan hat.
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Mein Mann sucht gerne Menschen mit unterschiedlichen Standpunkte - und ich bin eine derjenigen, zu
denen er bei bestimmten Fragen sagt: "Nun, wie
denkst Du darüber?" Oder: "Hast Du dazu eine
Meinung?" Andere Themen wiederum erörtern wir
überhaupt nicht. Das sind Bereiche, über die ich nichts
weiß oder über die er nicht mit mir sprechen möchte.
Ich glaube jedoch, jeder, der eine Ehe führt - und
besonders die Ehen, die in diesem Haus geführt wurden - weiß, daß Ehegatten einanderbeeinflussen. Das
ist schlicht und einfach tägliche Praxis.
Frage: Im Zusammenhang mit Ihren Einfluß sagen
einige, Sie hätten das letzte Wort bei allen hochrangigen Ernennungen. Sie schütteln den Kopf.
Antwort: Das ist solcher Unsinn. Wissen Sie, ich
nehme die Zeitung zur Hand und lese, ich unterstütze
jemanden, den ich nie zuvor getroffen habe, an dem
ich kein Interesse habe, von dem ich nicht einmal wei ß,
daß er einen Job suchte. Das ist einfach nicht wahr. Es
gibt eine Reihe von Leuten, die sowohl mein Mann als
auch ich unser Leben lang kennen, und bei denen wir
begeistert sind, wenn sie der Regierung beitreten.
Daran bin ich jedoch weder täglich noch sehr häufig
beteiligt.
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�Frage: Einige Republikaner und einige Demokraten
sagen, sie fühlten sich durch die Art und Weise an der
Nase herumgeführt, wie Sie sich im Wahlkampf präsentiert haben und nach dem berüchtigten Satz: "Ich
hätte Zuhause bleiben, Kaffeekränzchen veranstalten
und Plätzchen backen können", tatsächlich an einem
Backwettbewerb teilgenommen haben - Dinge, die
wirklich nicht für Hillary Clinton stehen. Hatten Sie das
Gefühl, Sie mußten das tun, damit Ihr Mann gewählt
wurde, oder haben Sie Ihre Philosophie bezüglich
Ihres Verhaltens beim Wahlkampf in gewisser Weise
geändert?

Antwort: Dazu ist bisher noch keine Entscheidung
getroffen worden.

Frage: Was an Hillary Rodham Clinton befähigt Sie,
diese enorme Bewegung zur Gesundheitsreform
anzuführen? Was qualifiziert Sie, die Verantwortung
dafür zu übernehmen - wir sprechen von einem Sechstel der Volkswirtschaft? Die Leute vergleichen dies
mit dem New Deal.

Es handelt sich für ihn nicht nur um politische Fragen,
die in irgendwelchen Wahlkampfstatistiken zu finden
sind. Er ist der Ansicht, daß wir die Probleme im
Gesundheitswesen lösen müssen. Er möchte sich
nicht davon distanzieren. Er will sie direkt angehen. Ist
das ein Risiko? Natürlich ist das ein Risiko. Bin ich mir
der Tatsache bewußt, daß ich verantwortlich gemacht
oder kritisiert werden könnte? Natürlich bin ich das.
Aber mein Mann ist der Ansicht, daß dieses Risiko es
wert ist, eingegangen zu werden - und ich stimme darin
mit ihm überein.

Frage: Es gibt Stimmen, denen zufolge es ausgeschlossen ist, in einem Jahr den Haushalt! und die
Gesundheitsreform zu verabschieden.

Antwort: Nun, Sie wissen, viele in Washington sagen,
daß etwas nicht getan werden kann. Ich glaube nicht,
daß der Präsident das annimmt. Meines Erachtens ist
er der Überzeugung, daß vor diesem Land große
Herausforderungen liegen. Er möchte, daß wir die
beiden wichtigsten Themen ansprechen - die WirtAntwort: Nein. Ich meine, jeder, der mich kannte, schaft, Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bewältibevor wir in diesem Wahlkampf zum Thema nationales gung der Krise im Gesundheitswesen. Das ist seine
Bewußtsein gelangten, wußte, daß ich Plätzchen backe Haltung.
und von Zeit zu Zeit meinem Mann bewundernd zunikFrage: Möchten Sie, daß sie in diesem Jahr in Angriff
ke. Ich glaube, das ist der Eindruck von Au ßenstehengenommen wird?
den.
Antwort: Jedes Jahr, das wir abwarten, werden die
Wissen Sie, es liegt daran, wie Frauen angesehen
Kosten weiter explodieren, Hunderttausende verlieren
werden. Wir werden so oft in die eine oder andere
ihre Versicherung ohne eigenes Verschulden. Die
Schublade gesteckt, damit die Leute mit uns umgehen
Versicherten müssen zusehen, wie ihre Leistungen
können, wie sie es definieren. Geschehen ist - glaube
gekürzt werden. Und ich glaube, jedes Jahr, das wir
ich -, daß vielleicht mehr über mich und das von mir in
warten, bringt uns weiter ins Hintertreffen bei dem
meinem Leben Geleistete bekannt wurde, denn weder
Versuch, das Problem zu lösen.
über Bill noch mich war sehr viel bekannt, als wir den
Präsidentschaftswahlkampf begannen.
Frage: Es wurde schon viel über den Erfolg der
Clinton-Administration gesprochen, eine Reform des
Frage: Aber war das in Wirklichkeit nicht eine politi- Gesundheitswesens anzustreben. Dadurch wird auf
sche Entscheidung des Wahlkampfstabes? Ich weiß, Sie enormer Druck ausgeübt, und meines Erachtens
daß es ein Memorandum gab, in dem angeblich stand, scheint es sich hier auch um ein enormes politisches
die Wähler seien besorgt über eine "mit Macht verse- Risiko zu handeln. Wäre es nicht klüger gewesen,
hene" Nancy Reagan, daß Sie den Leuten sehr be- wenn Ihr Gatte dafür jemanden eingestellt hätte, der
wußt diese andere Seite zeigen mußten.
entlassen werden kann, wenn er scheitert?
Antwort: Ich möchte, daß man mich als ganzen Antwort: Nun, mir scheint, daß das vom traditionellen
Menschen sieht. Wenn jemand ein Urteil über Sie fällt politischen Standpunkt aus gesehen wohl der Fall
und sagt, er mag Sie nicht, oder was immer er über Sie gewesen wäre, aber wir wollen unter anderem klarmasagen mag - dann hoffe ich, daß er sein Urteil auf so chen, daß mein Mann an diesen Dingen sehr großes
viele Information wie möglich gründet.
Interesse hat.

Antwort: Meines Erachtens, weil ich bereit bin, mich
in all die harten Entscheidungen zu vertiefen, die
getroffen werden müssen, weil mich der Präsident
darum gebeten hat - und dies ist wirklich, was ich im
Augenblick als meine oberste Verantwortung betrachte - und weil ich versuche, diese Probleme nicht aus
dem Blickwinkel einer bestimmten Interessengruppe,
sondern als Mensch zu sehen, als Mutter, als jemand,
der das Gesundheitswesen in Anspruch nehmen mu ß.
Ist dies, was ich für mich selbst möchte?

Frage: Werden Sie zur Verantwortung gezogen,
wenn Sie scheitern?

Antwort: Du liebe Zeit! Lesen Sie die Zeitungen.
Stellen Sie das Fernsehen an. Es gibt so viele, die
bereitwillig mit den Fingern auf mich zeigen und sagen
Frage: Wir haben gehört, daß die Gesundheitsreform werden: "Das habe ich direkt gesagt." Aber es geht
jetzt bis September vertagt wird.
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�nicht darum, ob ich scheitere, oder ob der Präsident
scheitert, sondern darum, ob das Land scheitert. Ich
meine, das hört sich vielleicht albern und altmodisch
an, aber so denke ich darüber.
Frage: Was denken Ihrer Ansicht nach die Leute
darüber, daß Sie verantwortlich sind? Glauben Sie,
daß hochrangige Mitarbeiter zu Ihrem Mann gehen
und sagen können: "Herr Präsident, ich bin der Ansicht, Ihre Frau ist völlig auf dem Holzweg"?
Antwort: Sicher habe ich soetwas schon gehört. Wir
haben eine sehr offene Beziehung. Wissen Sie, die
Menschen haben alle möglichen stereotypen Ansichten über ein bestimmtes Rollenverhalten, daher kann
man sie nicht auf eine bestimmte Art behandeln. Mir
scheint, einige fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, aber
sie würden sich auch nicht wohlfühlen, wenn sie zu
jedem direkt über ihre Ansichten sprechen würden.

Wahl gewonnen. Und im Hinblick auf das Wirtschaftspaket: Am Tag nach der Wahl aufzuwachen und zu
entdecken, daß das Defizit schlimmer ist als man
glauben gemacht wurde, daß man eine Menge schwieriger Entscheidungen treffen muß, die aufgrund der
wirtschaftlichen Veränderungen noch schwieriger
wurden - all das forderte ihn, Verantwortung zu zeigen.
Und meiner Meinung nach hat er das getan. Es zeugt
meines Erachtens nicht von linker oder rechter Einstellung zu sagen: "Wir werden schon das Problem des
Haushaltsdefizits angehen. Wir werden die Ausgaben
kürzen, und wir werden Investitionen in die Schaffung
von Arbeitsplätzen tätigen." Ich harte das für ziemlich
gemäßigte Ansichten.

Frage: Ihr Mann hat kürzlich eine ziemlich schwierige
Zeit durchlebt was das Urteil der Öffentlichkeit betrifft.
Meinungsumfragen zufolge ist er unbeliebter als jeder
andere Nachkriegspräsident nach so kurzer Amtszeit.
Einige vertreten die Ansicht, wenn Sie nicht für das
Der Präsident ermutigt das jedoch. Er gibt sich große Gesundheitswesen verantwortlich wären, wären einiMühe, jeden nach seiner Meinung zu fragen - und das ge dieser peinlichen Fiaskos nicht geschehen - der
ist meines Erachtens eine seiner großen Stärken. Ich Haarschnitt, das Debakel mit dem Reisebüro -, daß
habe an vielen Sitzungen teilgenommen, auf denen Sie, wenn Sie ein Auge auf alles gehabt hätten, diejegesagt wurde: "Also wissen Sie, da bin ich anderer nige gewesen wären, die gewarnt haben könnte "Hey,
Meinung". Und ich habe gesagt: "Also wissen Sie, da Bill, so geht das nicht".
bin ich anderer Meinung". Und so ging das hin und her.
So werden bessere Entscheidungen gefällt.
Antwort: Ich denke, das stimmt so einfach nicht mit
der Realität überein. Ich meine, ich engagiere mich
Frage: Die Ernennung von David Gergen zum Präsiwirklich dafür, das zu tun, worum er mich gebeten hat,
dentenberater ist von vielen als ein Schritt Ihres Mannämlich, im Bereich der Gesundheitsfürsorge zu arbeines zur Mitte interpretiert worden - eine Rückkehr zur
ten. Und wissen Sie: Viele dieser anderen Dinge
Mitte, wenn Sie so wollen. Sind Sie davon begeistert?
geschehen einfach. Die Menschen machen einfach
Harten Sie das für notwendig?
Fehler. Und die bereut man dann. Aber man lernt
davon
und das Leben geht weiter.
Antwort: Nun, mir scheint, daß erdie Mitte nie wirklich
verlassen hat. Jeder, der sich mit dem beschäftigt,
was er in den letzten Monaten getan hat, würde zu Ich denke, es wird immer jemanden geben wie Bill, der
dieser Schlußfolgerung gelangen, aber ich weiß, was versucht, vieles zu erreichen, da er der Ansicht ist, das
die herrschende Auffassung war. Meines Erachtens Land brauche Wandel, um seiner Verantwortung gewird David Gergen, der seit mehreren Jahren unser recht werden zu können... Von seiner Warte aus
Freund war, eine wirklich neue Perspektive bringen. gesehen gibt es viele schwierige Dinge, die in Angriff
Er hat Erfahrung mit dem Weißen Haus. Es ist in genommen werden müssen. Und ehrlich gesagt glaudieser Stadt gewesen, deren Funktionsweise - meiner be ich nicht, daß er sich viele Gedanken um seine
kurzen Erfahrung nach - manchmal sehr schwierig zu Popularität macht, außer wenn sie seine Fähigkeit
verstehen ist. Und ich meine, daß er ein guter Berater beeinträchtigt, das, was seiner Ansicht nach getan
sein wird, worum ihn der Präsident ja auch gebeten werden muß, auch zu tun.
hat.
Frage: Sind diese zwei Dinge nicht miteinander verFrage: Sicherlich handelt es sich hier nicht nur um
eine Auffassung, daß er (der Präsident) einen Linksruck vollzogen hat, wie von vielen Kolumnisten beschrieben. Ich meine, Homosexuelle im Militär, Recht
auf Schwangerschaftsabbruch, Steuererhöhungen
anstelle einer Steuersenkung für die Mittelklasse, wie
während des Wahlkampfes versprochen. Finden Sie
nicht, daß es offensichtlich ist, daß er etwas von
seinem Kurs abgewichen ist?
Antwort: Wissen Sie, diese beiden Fragen wurden
auch im Wahlkampf angesprochen. Er hat seine
Ansichten zu diesen Fragen offen dargelegt - und die
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bunden?
Antwort: Nun, sie sind zwar miteinander verbunden,
aber eher in theoretischer als in praktischer Hinsicht,
denn ich glaube nicht, daß irgendein Präsident beliebt
sein kann, wenn er einige der bitteren Notwendigkeiten
angeht, die er im Moment im wirtschaftlichen Bereich
vorhat.
Er nimmt den Job, für den er gewählt wurde, sehr ernst.
Und er ist davon überzeugt, daß er als Präsident den
Kopf für alles hinhalten muß. Das bedeutet auch, zu
sagen: "Schaut her, wir müssen die Ausgaben kür-

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�zen." Und Sie wissen, daß Ausgabenkürzung in vielen
Situationen auch bedeutet, den Menschen etwas
wegzunehmen, an das sie glauben oder das ihnen
wichtig ist oder das sie sogar brauchen. Es ist einfach,
hier über Ausgabenkürzungen zu sprechen, aber vielfach bedeutet das auch Abbau von Arbeitsplätzen.
Es bedeutet Kürzungen im Dienstleistungsbereich. Er
war hierzu bereit. Und er ist bereit zu sagen: "Wir
müssen uns dem Defizitproblem widmen", und das
bedeutet, wir müssen mit unseren Einnahmen verantwortlich umgehen.
Frage: Aber einige seiner Probleme mit seinem
Ansehen in der Öffentlichkeit haben damit gar nichts
zu tun - mit schwierigen Entscheidungen. Sie haben
etwas mit falschen Entscheidungen zu tun, mit einer
Art schwachem Urteilsvermögen in den letzten Wochen.

Antwort: Wenn er nicht versuchen würde, schwierige
Dinge zu tun, und wenn er nicht dafür kämpfen würde,
zum ersten Mal einen vernünftigen Haushalt zu verabschieden - dem sich offen gesagt viele mächtige
Interessengruppen widersetzen - dann würde vieles
einfach so aussehen, als habe jemand einen Fehler
gemacht, eine falsche Entscheidung getroffen. Das ist
nicht das Ende der Welt. Damit bekommt niemand
weniger zu essen, weil diese Politik falsch war. Dadurch wird nicht die Bereitstellung von Gesundheitsfürsorge für die Amerikaner verzögert.
Daher hat ihn meines Erachtens die Tatsache, daß er
viele dieser schwierigen Dinge in Angriff genommen
hat, für au ßerordentliche Angriffe von außen verwundbar gemacht, die von Menschen kommen, die viel
dadurch gewinnen würden, wenn die Veränderungen,
die er anstrebt, nicht stattfinden würden.

* * * *

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�EINWANDERUNG
16. Juni 1993

DIE USA: DAS EWIG UNVOLLENDETE LAND
von Reed Ueda
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert nimmt Amerika - traditionell das für kulturellen Pluralismus stehende Land
der Welt - weiterhin Einwanderer in den als Vereinigte Staaten bekannten Schmelztiegel auf, so der Verfasser,
der Statistiken und andere Details der Bevölkerungsvermischung erörtert, die sich im Verlauf von zwei
Jahrhunderten vollzogen hat.
Der Autor unterrichtet Geschichte an der Tufts University (Medford, Massachusetts) und war Gastprofessor an
den Universitäten Harvard und Brandeis. Er schreibt ein Buch über Einwanderung und Nationalität im Amerika
des 20. Jahrhunderts.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Ausgabe vom Oktober 1992. Nachdruck und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung von The World &amp; I, einer Publication von The Washington Times Corporation.
Copyright (c) 1992.

Das 20. Jahrhundert wird wegen des Aufstiegs der
Vereinigten Staaten zur Führungsmacht der Welt als
das "amerikanische Jahrhundert" bezeichnet. Es ist
auch das Zeitalter, in dem die Nation das Einwanderungsland der Welt wurde. Die historische Rolle der
Vereinigten Staaten als von Einwanderern aufgebaute
Gesellschaft mit Magnetwirkung hat sich erweitert, um
größerer ethnischer Vielfalt gerecht zu werden. Bis zu
den neunziger Jahren zählten zu dem Strom der Neuankömmlinge Menschen aus jeder Region und Kultur
des Globus.
Diese "neue Vielfalt" ist jedoch nur eine Weiterentwicklung der herkömmlichen historischen Muster. Solange
dies nicht verstanden wird, werden wir wahrscheinlich
diese neue Vielfalt mit einer neuen Bedrohung oder
neuen Utopie verwechseln, wohingegen sie in Wirklichkeit eine Frucht der in unserer nationalen Vergangenheit begründeten Wurzeln ist. Daher sollte die
Frage: "Wie neu ist Vielfalftatsächlich lauten: "Wie alt
ist Vielfalt?"
Die historische Bilanz belegt, daß ethnische Vielfalt so
alt wie die Vereinigten Staaten ist. Die erste amerikanische Volkszählung 1790 ergab, daß die Mehrheit der
Amerikaner nicht englischer Abstammung war. Kalifornien hatte im Jahr 1880 einen höheren Anteil an
Asiaten als 1980. Im Jahr 1900 waren die Einwohner
der Großstädte mehrheitlich Einwanderer oder Kinder
von Immigranten. 1910 wurden von Einwanderern in
den Vereinigten Staaten über 50 Sprachen gesprochen. Historische Dokumente der Regierung und des

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Statistischen Bundesamts belegen eindeutig die seit
langem bestehende Realität amerikanischer Vielfalt.
Diese phänomenale ethnische Vielfalt ist vornehmlich
auf bestimmte einzigartige Kriterien der Einwanderung
in die Vereinigten Staaten zurückzuführen. Das erste
wesentliche Merkmal ist die bloße Größenordnung der
Einwanderung: Bis 1990 waren 57 Millionen Menschen in die Vereinigten Staaten emigriert - die größte
internationale Bevölkerungsbewegung der Geschichte. In die Vereinigten Staaten kamen mehr Einwanderer als in alle anderen führenden Einwanderungsländer zusammengenommen. Von 1820 bis 1930 zogen
38 Millionen in die Vereinigten Staaten, wohingegen
insgesamt 24 Millionen nach Kanada, Argentinien,
Brasilien, Australien, Neuseeland und Südafrika auswanderten. Die Vereinigten Staaten zogen drei Fünftel
der in die führenden Einwanderungsländer strömenden Bevölkerung an. Von Mitte des 19. Jahrhunderts
bis zur Großen Depression (1929 -1939) nahmen die
Vereinigten Staaten über 30 Millionen Neuankömmlinge auf, Argentinien jedoch nur 6,4 Millionen, Kanada
5,2 Millionen, Brasilien 4,4 Millionen und Australien 2,9
Millionen.
Das zweite entscheidende Merkmal der Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist, daß es die größte
Bandbreite von Nationalitäten aller modernen internationalen Bevölkerungsbewegungen umfaßt. 15 Prozent der amerikanischen Einwanderer kamen aus
Deutschland, 11 Prozent aus Italien, 10 Prozent aus
Irland, 9 Prozent aus Österreich-Ungarn, 8 Prozent

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�aus Kanada und nur 7 Prozent aus England. Mehr
lateinamerikanische, karibische und asiatische Immigranten haben sich für Amerika anstelle eines anderen
Landes entschieden. Im Gegensatz dazu haben andere
englischsprachige Einwanderungsländer neue Siedler
praktisch ausschließlich aus anderen englischsprachigen Nationen angezogen. 80 Prozent der Einwanderer nach Australien kamen aus Großbritannien, wohingegen 37 Prozent aus Großbritannien und weitere 37
Prozent aus den Vereinigten Staaten nach Kanada
kamen. Die Auswanderung nach Lateinamerika ist
vornehmlich auf Bürger der iberischen Halbinsel oder
italienischer Herkunft begrenzt. 47 Prozent der nach
Argentinien Eingewanderten kamen aus Italien und 32
Prozent aus Spanien, 34 Prozent der nach Brasilien
Eingewanderten aus Italien, 29 Prozent aus Portugal
und 14 Prozent aus Spanien.

definition der Nation gleichkommt. In den Vereinigten
Staaten kommt die Stärke der Nation aus der immensen Vielfalt ethnischer Gruppen. Darüberhinaus ist sie
von der Existenz von Bedingungen abhängig, die das
gemeinsame Handeln und Zusammenleben andersartiger Gruppen gestatten. Die sich daraus ergebende
wechselseitige Verschmelzung und Interdependenz
trägt zur Integration der Nation bei. Die große Mehrheit
der Nationen auf der Welt hat wenig historische Erfahrung oder politisches Interesse, als Einwanderungsland zu fungieren. Der deutsche Politiker Volker Rühe
brachte seine Meinung 1991 mit der Ankündigung zum
Ausdruck: "Wir (in Deutschland) sind kein Einwanderungsland und werden auch keines werden." Andere
Gesellschaften - wie Japan, Norwegen, Schottland,
Schweden oder Korea - haben ebenfalls keine Tradition als Einwanderungsland und wenig Interesse daran, eine zu entwickeln.

Jeder Immigrant, vom mexikanischen Landarbeiter bis
zum polnischen Stahlarbeiter, war ein mutiger Abenteurer auf Entdeckungsreise. Emma Lazarus hatte
unrecht, als sie die Einwanderer in ihrem Gedicht The
New Colossus, das die Freiheitsstatue ziert, als "jämmerlichen Abschaum" beschrieb. In Wirklichkeit sind
die Einwanderer mutig, einfallsreich, tatkräftig und mit
der Flexibilität der Immigranten ausgestattet, mit enormen sozialen Veränderungen und sozialem Verlust
fertigzuwerden.

Im Gegensatz dazu war Einwanderung die gestaltende Kraft der amerikanischen Nation und ihrer Rolle in
der Weltgeschichte. Sie hat unendlich zur amerikanischen Sozialgeschichte beigetragen und die Nation,
mit den Worten des Soziologen Nathan Glazer, zum
"ewig unvollendeten Land" gemacht. Die Einwanderung nach Amerika hat das Gleichgewicht von Humankapital und materiellen Ressourcen zwischen den
Nationen hergestellt und neue internationale wirtschaftliche und kulturelle Bindungen geschaffen. Otto von
Die frühen Einwanderer brachten riesige Opfer und Bismarck, der "Eiserne Kanzler", der Deutschland im
hielten durch, um eine neue Vision des Menschen und 19. Jahrhundert vereinigte, bezeichnete die amerikader Gesellschaft zu verwirklichen. Sie stellten fest, nische Einwanderung als den "entscheidenden Fakdaß die neuartige tolerante amerikanische Haltung tor" der modernen Welt.
gegenüber Pluralismus und Vielfalt die Schaffung neuer
Identitäten und kultureller Bande unvermeidlich mach- Damit bildet der Zyklus der Gestaltung und Neugestalte. Der eingewanderte Amerikaner ist ein Mensch, der tung der Nation durch Einwanderung den Kern der
von den Nachbarn, die anders sind, neue Wege über- amerikanischen Geschichte. Die soziale Grundlage
nimmt. Die Kinder japanischer Einwanderer in Hawaii der politischen Nation ist ein historisches Einwandelernen von ihren Nachbarn - die Hawaiianer, Filipinos, rungsland, das sich immer wieder gewandelt hat.
Deutsche, Chinesen und Portugiesen sind - neue Historisch entstanden nacheinander drei EinwandeSpiele, neue Wörter, neue Werte, entwickeln einen rungsnationen, die sich in den zwei Jahrzehnten nach
neuen Geschmack bei Nahrungsmitteln, Kleidern und der Amerikanischen Revolution (1775 - 1781) verFrisuren, schließen neue Freundschaften und gehen mischten und enorme Veränderungen bei sozialen
neue Beziehungen ein. Amerikaner sind nicht an Organisationen, im Kulturleben und in der Nationalität
Traditionen gebunden, sondern offen für Veränderun- hervorbrachten. Die von protestantischen Kolonialigen und Wahlmöglichkeiten, die von Außenstehenden sten von den britischen Inseln aufgebaute neue Repukommen. Sie lernen von anders gearteten Menschen blik mußte bis zum Bürgerkrieg (1861 -1865) eingeNeues über andere Nahrungsmittel, Musik, Qualifika- wanderte irische Katholiken sowie Neuankömmlinge
tionen, Künste und Werte. Die amerikanische Spra- aus Deutschland und Skandinavien aufnehmen. Anche ist eine Einwanderersprache, eine Mischung fang des 20. Jahrhunderts bildete sich eine vornehmzahlreicher ethnischer Formulierungen.
lich aus Immigranten aus Süd- und Osteuropa sowie
Ostasien, Mexiko und der Karibik zusammengesetzte
Die in die Vereinigten Staaten Eingewanderten haben Einwanderungsnation. Ende des 20 Jahrhunderts ergab
eine sich diametral von alten Gesellschaften wie Schwe- sich ein multikulturelles Einwanderungsland aus der
den, Schottland oder Japan unterscheidende Gesell- Ausweitung der Immigration auf ein weltweites Ausschaft gegründet. Diese Gesellschaften hatten ihre maß. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind die
Stärke aus der Homogenität bezogen. Die Solidarität Vereinigten Staaten eine kumulative Vermischung dieser
erwuchs aus der Tatsache, daß alle Menschen gleich Einwanderungsnationen, eine Synthese, die zur Versind. Die eingewanderten Amerikaner haben eine körperung einer "Welt" oder internationalen Kultur
Gesellschaft aufgebaut, die einer radikal neuen Selbst- geworden ist.

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�Die zeitgenössische Konzentration auf die Unterschiede und individuellen Erfahrungen verschiedener Gruppen beginnt häufig mit einer gewissen Kurzsichtigkeit
gegenüber der enormen Größenordnung ethnischer
Assimilation, die Teil der amerikanischen Geschichte
ist. Als David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeistervon New York, seine Antrittsrede hielt, würdigte er
die Stadt als "schönes Mosaik". Die einzelnen und
statischen Teile des Mosaiks formen ein Bild, das zur
Legitimierung eines Modells ethnischer Beziehungen
verwendet wird, das die Bewahrung der Kultur befürwortet.
Dieses Bild stellt jedoch nur einen Teil der amerikanischen Sozialgeschichte dar - die unter allen Gruppen
zu findenden unvermischten Elemente. Der andere
Teil des Bildes ist das Muster des Wandels bei Status,
Kultur und Identität. Dieser Prozeß war nicht so
weitreichend oder einheitlich wie das früher beschriebene und vorhergesagte Bild ethnischer Beziehungen
- der Schmelztiegel. Es wäre jedoch unrealistisch, die
von jeder Gruppe seit der Ankunft einwandernder
Vorfahren über Generationen hinweg erlebten Dimensionen der sozialen Mobilität und Akkuiteration zu
ignorieren.
Es ist ein Klischee, das Modell des Schmelztiegels
ethnischer Beziehungen als Weg zur Homogenisierung oder sogar "Anglokonformität" abzuwerten. Es
trifft zu, daß angelsächsische Nativisten desfrühen 20.
Jahrhunderts diese Methode des Umgangs mit ethnischem Pluralismus vorschrieben. In jüngster Zeit
ließen jedoch Journalisten und Befürworter diese stereotype Sichtweise der Schmelztiegel-Kultur Wiederaufleben in dem Versuch, sie als Ziel für die Bewegung
zur Förderung multikultureller Unterschiede zu verwenden.
Der Schmelztiegel als soziale und kulturelle Realität
der Geschichte war nie anglokonformistisch oder
homogen. Es war die gemeinsame nationale Kultur,
eine Vermischung von aus einer Vielfalt von Gruppenkulturen bezogenen Elementen. Assimilation war ein
in viele Richtungen gehender Prozeß, der in gegenseitigem Einvernehmen unter lokalen Gruppen in die
Wege geleitet wurde. Gruppen veränderten und vermischten sich wie die Bilder eines Kaleidoskops, mit
verblüffenden und unberechenbaren Mustern der Vielfalt,
die dennoch eine Einheit ergaben. Darüber hinaus
blieben zahlreiche Aspekte des Gruppenlebens unberührt und wurden nicht vermischt. Das Verschmelzen
war unvollständig, nicht immer linear und vollzog sich
in unterschiedlichem Tempo bei den jeweiligen Gruppen. Die nordeuropäischen Gruppen, die seit zwei
oder mehr Generationen die Alte Welt verlassen hatten, verfügten über den am wenigsten ausgeprägten
Sinn für ethnische Identität. Einige Beispiele europäischer Gruppen, die eine spezifische Zugehörigkeit
nicht länger betonten, waren die schottischen Iren, die
Waliser und die Holländer. Obwohl sie ein stärkeres

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Gefühl für die besondere Identität bewahrten, entfernten sich die Norweger, Dänen, Schweden und Deutschen ebenfalls von der im Heimatland begründeten
Identität. Amerikaner, deren Vorfahren aus Süd- und
Osteuropa, Asien, der Karibik und Lateinamerika kamen,
zeigten eine stärkere Tendenz zur Bewahrung ausgeprägter ethnischer Züge.
Eines der sensibelsten Anzeichen gegenseitiger Assimilation oder in viele Richtungen gehender Vermischung der amerikanischen Gesellschaft war die Mischehe. Die Amerikaner japanischer Abstammung und
Juden, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Heirat
innerhalb der ethnischen Gruppe betonten, heiraten
jetzt am häufigsten außerhalb der Gruppe - rund einer
von zwei Ehepartnern hat einen anderen ethnischen
Hintergrund. Die dramatische Geschichte des Anstiegs von Mischehen ist in den Daten des Statistischen Bundesamtes enthalten.
Vorurteilen und Diskriminierung aufgrund der ethnischen Identität waren zeitweilig alle Gruppen ausgesetzt, aber die Einwanderer eroberten einen Platz auf
der sozialen Leiter, der eine sichere Ausgangsbasis für
weiteren Aufstieg war. Die neuen Einwanderer - wie
die Griechen, Juden, Italiener, Slawen, Armenier, Chinesen, Japaner und Mexikaner - waren größtenteils
von Arbeitsplätzen, Schulen und der Nachbarschaft
ausgeschlossen. Die meisten Arbeiter kamen kaum
voran und lebten in bitterer Armut wie in einer Übergangsphase. Für ihre Kinder und Enkel verbesserte
sich jedoch die Chancengleichheit, auf die sie bauten,
um einen Kurs des gesellschaftlichen Aufstiegs über
Generationen hinweg zu entwerfen. Die Nachkommen selbst der ärmsten u nd machtlosesten Einwanderer erwarben bessere Arbeitsplätze, mehr Ausbildung
und einen höheren Status als ihre eingewanderten
Vorfahren. In der Medien- und politischen Kultur der
Massenparteien waren sie besser repräsentiert und
hatten ein größeres Sagen als ihre Ahnen. Die jüngsten Einwanderer aus Lateinamerika, Asien, der Karibik und dem Nahen Osten scheinen ihren eigenen
Zyklus der sozialen Mobilität über Generationen hinweg zu beginnen. Jedes Urteil über die Identität der
Vereinigten Staaten als ein Land der Chancen muß
sich auf die umfassendere Sichtweise der Versprechungen des amerikanischen Lebens gründen, wie sie
den Kindern und Enkeln der Einwanderer weitergegeben wurde.
Die Gruppen, die durch Eroberung und Sklaverei unfreiwillig in die Nation eingegliedert wurden - Indianer
und schwarze Afrikaner - sahen sich den größten
Schwierigkeiten bei der Erlangung sozialer Mobilität
gegenüber. Die als getrennte Quasi-Nation behandelten Indianer wurden in Reservaten isoliert. Die Schwarzen mußten gegen Sklaverei und ihre verbliebenen
Schranken kämpfen. Die Behebung der Armut unter
der indianischen und schwarzen Bevölkerung ist nach
wie vor eine entscheidende Herausforderung.

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�Die Notwendigkeit für die Einwanderer, sich zum Zweck
des Überlebens mit Außenstehenden zu befassen, die
anders waren, machte ethnische Grenzüberschreitungen praktisch und opportunistisch. Die Chancen des
einzelnen erhöhten sich entsprechend der Fähigkeit,
vielfältige soziale Kontakte zu entwickeln. Um das
gesamte Sprektrum der Möglichkeiten auszuschöpfen, mußte man über ethnische Unterschiede und
Zugehörigkeiten hinwegsehen. Die Angehörigen ethnischer Gruppen waren bereit, die Religion oder Abstammung der Person zu ignorieren, zu der sie förderliche soziale Beziehungen und wirtschaftliche Bande
entwickelt hatten, von denen beide Seiten profitierten.
Die Einwanderer konnten nur politische Macht und
Ämter erlangen, indem sie Bündnisse mit Außenstehenden schlössen. Keine ethnische Gruppe stellte
eine sichere Mehrheit dar, außer auf örtlicher Ebene.
Um zu einer Kraft zu werden, mußten die Gruppen
Koalitionen bilden, die ethnische Trennungen überwanden. Den ethnischen Gruppen in den Vereinigten
Staaten fehlte die Größe und Macht, ihre Mitglieder zu
isolieren. Ihre Mitglieder gingen Verbindungen zu
Menschen anderer Gruppen ein und lösten diese
wieder, je nachdem wie es das Eigeninteresse und
diskriminierende Einschränkungen erforderten. Die
dynamischen Gegebenheiten der amerikanischen
Gesellschaft, die Menschen von ihren Familien und
Gruppen gleicher Herkunft trennten und sie in neue
Familien und neue Gemeinden aufnahmen, schufen
neuartige Kombinationen ethnischer Identität.
Die kaleidoskopartige Vielfalt der amerikanischen
Identität offenbart auch, daß die Dynamik der Sozialgeschichte Ethnizität nur zu einem Teil der menschlichen Identität gemacht hat. Das Wesen der ethnischen Identität veränderte sich in dem Maße, in dem
es durch die Entwicklung vielfältiger Identitäten und
konkurrierender Zugehörigkeiten umgangen und verlagert wurde. Die Angehörigen ethnischer Minderheiten gingen sich überschneidende Verbindungen zu
anderen Arten von Gemeinden ein, die in der Generationenfolge zunahmen. Selbst die jüngsten neuen
Amerikaner sind von der heterogenen Welt der Klassen- und Spielkameraden geprägt.

Die Bedingungen, die eine Vermischung zwischen
Gruppen und Kulturen förderten, bewahrten jedoch
auch die Fähigkeit, die Erhaltung des kulturellen Erbes
zu unterstützen. Die amerikanischen Gegebenheiten
gestatten ein gleichberechtigtes Nebeneinander zwischen der Vermischung von Rassen und der Bewahrung der ethnischen Identität. Die Juden, Koreaner,
Iren, Armenier und anderen in ihrem Heimatland Verfolgten sahen den Schmelztiegel Amerika als das
Land, in dem sie die größte Freiheit hatten, ihren
Lebensstil beizubehalten. Das war der Vorteil der
Demokratie, für die sich die schwierige Reise lohnte.
Hier ließ die Regierung sie in Ruhe ihre Religion
ausüben, ihre nachbarschaftlichen Institutionen aufbauen, ihre eigenen Schulen gründen. Heute geht die
Tendenz dahin, die Vereinigten Staaten als gleichgültig und assimilationistisch anzusehen. Wir sollten uns
jedoch vor Augen führen, daß die Einwanderer im
gesamten Verlauf der Geschichte mit den Füßen
abgestimmt haben, daß die Vereinigten Staaten die
toleranteste Nation der Welt sind.
Die Weltklugen von heute verfallen allzuleicht in Skeptizimus oder Zynismus über die historische Nation als
Refugium des multikulturellen Pluralismus. Die weniger weltklugen Einwanderer von 1910 fanden in Amerika
einen Zufluchtsort, um ihr Gruppenleben und ihre
Kultur zu schützen. Die Iren, Italiener, Griechen,
Japaner, Chinesen und Mexikaner hatten keine aktivistischen staatlichen Programme zum Schutz ihrer
Kulturen, dennoch belegt die historische Bilanz, daß
ihre kulturellen Identitäten systematisch und dauerhaft
bewahrt wurden. Kirchliche irische Schulen sowie
deutsche und japanische Sprachschulen erreichten
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ohne
die Unterstützung öffentlicher Institutionen einen
Höhepunkt.
Die Amerikaner haben ihr Land lange als das Land der
Chancen und individuellen Freiheit angesehen. Die
Ängste, daß die Vereinigten Staaten aufgrund der
durch Einwanderung ausgelösten sozialen Unruhen
zerfallen würden, sind dennoch immer wieder aufgelebt. Renommierte amerikanische Wissenschaftler
wie der große Ökonom Francis Walkerund der Anthropologe Madison Grant haben die Alarmglocke geläutet, daß Einwanderung eine die Nation aushöhlende
Kraft ist.

In der Tat identifizieren sich viele Amerikaner nicht mit
einer bestimmten ethnischen Gruppe. Ihre Identität
leitet sich primär von ihrer Tätigkeit, Generation,
Wohngegend, Massenkultur und ihren Verbrauchergewohnheiten ab. In einer 1970 durchgeführten spe- Schließlich ebneten ihre Ansichten der aufkeimenden
ziellen Erhebung zog es nahezu die Hälfte der reprä- Idee den Weg, daß Einwanderung bei der Entwicklung
sentativen Gruppe europäischer Herkunft vor, sich der Nation eine positive Rolle spielt. Die intellektuellen
nicht mit einem bestimmten ethnischen Erbe zu iden- Wendepunkte bei diesem ideologischen Sinneswantifizieren. Hätte die Stichprobenerhebung Hawaiianer del wurden durch die Arbeiten der Historiker Marcus
gemischter Abstammung einbezogen, hätte sich Lee Hansen und Oscar Handlin markiert. Sie sahen
wahrscheinlich ein ähnliches Muster ergeben. Diese Einwanderung als Quelle des nationalen Ethos von
Populationen verkörpern eine transnationale Gruppe, Freiheit und Individualimus. Handlins historische
die an Umfang und Bedeutung gewonnen hat, ein- Schriften über Einwanderung bildeten die intellektuelle
schließlich der wachsenden Zahl von Menschen und ethische Krönung der Sichtweise von Einwandegemischter ethnischer Abstammung und unterschied- rung als befreiender und nationalisierender Kraft. In
seinen Arbeiten wurde Einwanderung mit dem Mythos
licher Rassen.
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�der Schaffung einer modernen Identität gleichgesetzt.
Der eingewanderte Amerikaner wu rde der Archetypus
des von den Fesseln vorgeschriebener Rollen Befreiten, der sich in eine fremde Welt begab, um eine neue,
Macht verleihende Identität zu entdecken. Einwanderung erleichterte die Erfüllung des nationalen und
globalen Schicksals der Vereinigten Staaten als durch
die gemeinsamen Bestrebungen unterschiedlicher
Gruppen vereinigte prototypische moderne Nation.

struktive Ängste über die neue Vielfalt zu zerstreuen.
Es ist auch nötig, um die künstliche Spaltung der
Gesellschaft in getrennte ethnische Klassen im Rahmen der Sozialpolitik der Regierung zu beheben. Die
historisch verwurzelten Kräfte, die die amerikanische
Identität homogen gemacht haben und die Schwierigkeiten überwinden ließen, waren unvermeidlich und
sind noch heute lebenswichtig. Die wechselseitige
Assimilierung der Einwanderer, die Notwendigkeit,
Interdependenz mit den sie umgebenden Gruppen zu
Die Vision von Hansen und Handlin kann dazu beitra- schaffen und ihre Vision der amerikanischen Demogen, das Bewu ßtsein der Öffentlichkeit wieder auf die kratie als bestem Zufluchtsort für kulturellen Pluralishistorischen liberalen Bedingungen zu konzentrieren, mus gewährleistet wahrscheinlich, daß freiwillige und
die zur Gestaltung einer nationalen Gemeinschaft sich verändernde Identitäten die Einwanderung weiführen. In unserer Zeit ist dies erforderlich, um de- terhin zu einer nationalisierenden Erfahrung machen.

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