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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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Deichmanns Aue 29

9. Juni 1993

5300 Bonn 2

MARSHALL-ZENTRUM

ASPIN UMREISST NEUE STRATEGISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede des Verteidigungsministers
bei der Eröffnung des
Marshall-Zentrums

OECD

BENTSEN FORDERT OECD ZUR
ANKURBELUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS AUF
Erklärung bei OECD-Treffen

GATT

KANTOR FORDERT BESSERE ANGEBOTE
BEI GATT-VERHANDLUNGEN
Erklärung bei OECD-Konferenz

ILO

REICH VERWEIST AUF WACHSENDEN
BEDARF AN QUALIFIZIERTEN
ARBEITSKRÄFTEN
Rede bei ILO-Tagung

UMWELT

USA: VERTRAG KANN "ARTENVIELFALT"
ERHALTEN

A

4

Gemeinsame Erklärung von Albright
und Wirth

EINWANDERUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EINWANDERUNG ALS ANTRIEBSKRAFT
FÜR DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Von Janis Johnson

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�MARSHALL-ZENTRUM
9. Juni 1993

ASPIN UMREISST NEUE STRATEGISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede des Verteidigungsministers bei der Eröffnung
des Marshall-Zentrums
GARMISCH-PARTENKIRCHEN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister LesAspin leitete heute einen
Prozeß in die Wege, der eine neue strategische Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den
ehemaligen Gegnern im Kalten Krieg zum Ziel hat.
In einer Grundsatzrede bei der Einweihung des George C. Marshall-Zentrums in Garmisch-Partenkirchen am
5. Juni 1993 forderte Aspin die Nationen des Ostens und Westens auf, sich erneut Marshalls Vision "wirtschaftlich
erfolgreicher Demokratien, die in ihren internationalen Beziehungen zu ihrer wechselseitigen Sicherheit
zusammenarbeiten" zu verschreiben.
Unter Verweis auf die aus ethnischen oder nationalistischen Konflikten resultierenden neuen Gefahren, denen
sich die europäischen Nationen heute gegenübersehen, appellierte der Verteidigungsminister an die Länder, auf
zwei parallele Ziele hinzuarbeiten.
"Erstens müssen wir für die uns heute konfrontierenden Gefahren ein neues europäisches Sicherheitssystem
schaffen, mit dem das alte System des Kalten Krieges für ein gespaltenes Europa ersetzt wird", erläuterte Aspin.
"Zweitens müssen wir darauf hinarbeiten, den Erfolg der demokratischen und wirtschaftlichen Reformen in
diesen Nationen sicherzustellen unter besonderer Berücksichtigung der mutigen Bestrebungen der Reformer in
Rußland, der Ukraine und den anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion und in den osteuropäischen
Nationen", so Aspin.
Aspin verpflichtete die Vereinigten Staaten auf drei sich ergänzende Initiativen zum Aufbau der strategischen
Partnerschaft. Er forderte die Stärkung und Erweiterung von NATO und KSZE, die Ausweitung der amerikanischen bilateralen Beziehungen zu Nationen, die an Programmen des Marshall-Zentrums teilnehmen, sowie die
Förderung von Verständnis auf regionaler Ebene und Verbindungen unter Nachbarstaaten.
Aspin bezeichnete Rußland als den "Schlüsselfaktor bei der Schaffung des künftigen sicherheitspolitischen
Umfelds" der Vereinigten Staaten und des neuen Europas gleichermaßen und verwies darauf, daß "wir die
Verteidigungsausgaben nur dann reduzieren, wenn sich die Bedrohung unserer Sicherheit, der Sicherheit
unserer Verbündeten und der demokratischen Staaten weltweit verringert hat. Um einen wirtschaftlichen Begriff
auf ein sicherheitspolitisches Thema anzuwenden - der Erfolg der russischen Reformen ist der wichtigste Faktor,
der die 'Nachfrage' nach amerikanischer Verteidigung und den dafür aufgewendeten Dollars beeinflußt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Aspin im Wortaut.
Vielen Dank für diese Gelegenheit und Ehre, an der
feierlichen Einweihung des Marshall-Zentrums teilnehmen zu dürfen.
Ich möchte heute einige Ausführungen zu der einzigartigen Chance machen, die diese Veranstaltung bietet.
Wir sind hier versammelt - Verbündete und ehemalige
Gegner gleichermaßen - um der Eröffnung einer InstiAMERIKA DIENST 23

tution zu gedenken, die uns noch näher zusammenbringen wird. Wir übergeben dieses Zentrum am 46.
Jahrestag der berühmten Rede von George C. Marshall in Harvard. Ein Rückblick auf dieses historische
Ereignis ruft einem meistens den Marshallplan ins
Gedächtnis. Ich möchte heute über George Marshalls
Vision sprechen, die nur zum Teil durch den Plan
verwirklicht wurde, der seinen Namen trägt.

Seite 1

�Heute vor 46 Jahren stellte Minister Marshall den
Ländern Europas eine Herausforderung. Wenn diese
Länder gemeinsam einen Plan entwickeln könnten,
"Europa wirtschaftlich auf die Füße zu stellen", würden
die Vereinigten Staaten einen solchen Plan unterstützen und finanzieren, "soweit sich dies für uns als
praktisch erweist".
Viele haben vergessen, daß George Marshall dieses
Angebot allen Ländern vom Atlantik bis zum Ural
einschließlich der Sowjetunion und der Länder Osteuropas unterbreitete.
Marshalls Vision war in ihrem Wesen umfassend und
sah wirtschaftlich erfolgreiche Demokratien, die in
ihren internationalen Beziehungen zu ihrer wechselseitigen Sicherheit zusammenarbeiten, voraus. Kein
Land war ausgeschlossen.
Zu jenem Zeitpunkt nahmen jedoch die Ereignisse
ihren Lauf. Stalin lehnte das Angebot ab. Der Eiserne
Vorhang fiel. Und nur die Hälfte von Marshalls Vision
wurde verwirklicht.

Ethnische Konflikte sind ein Destabilisierungsfaktorfür
das Gastland und können sich auf die Nachbarländer
ausbreiten beziehungsweise diese mit einbeziehen.
Selbst die Staaten, die nicht in der betreffenden Region liegen und folglich nicht direkt bedroht sind, können in Form von wirtschaftlichen Schäden und Flüchtling sströmen unterden Folgen ethnischerund nationalistischer Konflikte leiden.
Aus diesem Grund muß das neue Europa sich bemühen, das historische Erbe der Vergangenheit zu bewältigen, nicht nur dem Kalten Krieg, sondern jahrhundertelangen Konflikten, die ihm vorausgingen. Viele
schwelende Feindschaften und Ängste, die ebenso
wieder neu entfacht werden könnten und werden wie
die ethnischen Rivalitäten auf dem Balkan, hat der
Kalte Krieg unterdrückt, jedoch nicht beendet. Sie
könnten die Stabilität ganz Europas bedrohen. Die
Vereinigten Staaten können sich nicht von Instabilität
und Konflikten in Europa fernhalten. Das zeigt sich
zweifelsohne an dem Engagement der Vereinigten
Staaten in zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert.

Wie soll dieses neue Sicherheitssystem für diesen
großen Raum dann geschaffen werden? Nicht durch
eine Unterminierung der Stärke und Solidarität der
NATO und der Stärke und Solidarität unserer bilateralen Beziehungen zu ihren Mitgliedern, einschließlich
Deutschlands, auf dessen Gebiet wir uns jetzt befinden. Nicht durch die Ankündigung einer neuen, großartigen Architektur. Nicht durch fruchtlose Argumentationen darüber, welche derzeitigen Institutionen welErstens müssen wirfürdieuns heute konfrontierenden che Befugnisse erhalten sollen. Ich bin der ÜberzeuGefahren ein neues europäisches Sicherheitssystem gung, daß wir pragmatisch und geduldig das nahtlose
schaffen, mit dem das alte System des Kalten Krieges Sicherheitsnetz für dieses Gebiet weben sollten für ein gespaltenes Europa ersetzt wird. Zweitens Faden um Faden.
müssen wir darauf hinarbeiten, den Erfolg der demokratischen und wirtschaftlichen Reformen in diesen Die diesbezüglichen Bemühungen der Vereinigten
Nationen sicherzustellen unter besonderer Berück- Staaten umfassen drei sich ergänzende Initiativen.
sichtigung der mutigen Bestrebungen der Reformer in Erstens streben wir eine Stärkung und Erweiterung der
Rußland, der Ukraine und den anderen Republiken der zur Zeit funktionierenden Institutionen an: der NATO
ehemaligen Sowjetunion sowie in den osteuropäi- und des Nordatlantischen Kooperationsrates, der Gruppe
schen Nationen. Meines Erachtens wird das Marshall- der Verteidigungsminister aus den NATO-MitgliedZentrum, das wir heute einweihen, eine zentrale Rolle staaten und dem ehemaligen Warschauer Pakt sowie
bei beiden dieser Bestrebungen spielen. Ich möchte der KSZE.
jede für sich erläutern.
Zweitens sollten wir die bilateralen Beziehungen zwi-

Jetzt ist es 46 Jahre und einen Kalten Krieg später. Wir
haben eine Chance, die in der Geschichte ihresgleichen sucht - nicht einen neuen Marshallplan zu unterbreiten, sondern uns selbst erneut Marshalls Vision zu
verschreiben. Diese Vision galt für ein ungeteiltes und
freies Europa. Die Verwirklichung dieser Vision könnte
in greifbare Nähe gerückt sein. Um diese Chance zu
ergreifen, müssen wir zweierlei tun.

Ein neues Sicherheitssystem für Europa. Während
des Kalten Krieges bestand Europa aus zwei feindlichen Bündnissen. Es gab keine gemeinsame Sicherheit, sondern nur die Sicherheit vor dem anderen.
Jetzt sehen sich alle Nationen Europas neuen Gefahren gegenüber, die für uns eine Herausforderung zur
Zusammenarbeit darstellen. Die größte Gefahr resultiert aus ethnischen oder nationalistischen Konflikten,
die durch das Ende des Kalten Krieges entstanden
sind. Das ehemalige Jugoslawien ist bereits in einen
solchen Konflikt verwickelt, und ein derartiger Konflikt
bedroht auch einige Bereiche an der Peripherie der
ehemaligen Sowjetunion.
Seite 2

schen allen Nationen auf diesem Gebiet stärken. Die
Vereinigten Staaten streben eine Ausweitung ihrer
bilateralen Beziehungen in wirtschaftlicher, politischer
und militärischer Hinsicht mit jederderNationen an, die
an den Progammen des neuen Marshall-Zentrums
teilnehmen. Der deutsche Verteidigungsminister Rühe
sprach gerade über einige der auf bilateraler Ebene
unternommenen Dinge; wir ermutigen andere Nationen zu ähnlichen Aktionen.
Drittens befürworten wir die Förderung von Verständnis auf regionaler Ebene und Verbindungen unter
Nachbarstaaten. Beispielsweise könnten Polen, Ungarn
sowie die Tschechische und die Slovakische Republik

AMERIKA DIENST 23

�eine solche Gruppe bilden, die die sicherheitspoliti- In diesem Zusammenhang möchte ich unmittelbar auf
schen Ängste ihrer Nachbarn abbauen und die umfas- das Verhältnis zwischen dem, was wir in unseren
sende Sicherheit für uns alle erhöhen kann.
Beziehungen zu Rußland zu erreichen versuchen und
der Sicherheit Europas eingehen.
Bei all diesen Bemühungen wird das Marshall-Zentrum eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Si- Zweifellos ist Rußland für die Vereinigten Staaten
cherheitsstrukturen in dem neuen Europa spielen. Es ebenso wie für das neue Europa der absolute Schlüsunterstreicht das Engagement der Vereinigten Staa- selfaktor bei der Gestaltu ng des künftigen Sicherheitsten für eine neue Partnerschaft zwischen Ost und umfeldes. Wenn ich als Verteidigungsminister der
West. Es ist ein Teil des Netzes bilateraler und Vereinigten Staaten nur für mein eigenes Land spremultilateraler Institutionen, die uns enger zusammen- che, so können wir die Verteidigungsausgaben nur
schweißen sollen.
dann reduzieren, wenn sich die Bedrohung unserer
Sicherheit, der Sicherheit unserer Verbündeten und
Das Zentrum wird einen Ort zur Entwicklung eines der Sicherheit von demokratischen Staaten weltweit
umfassenden Systems zur Förderung der nationalen verringert hat. Um einen wirtschaftlichen Begriff auf
Sicherheit und Reduzierung des Risikos von Atom- ein sicherheitspolitisches Thema anzuwenden - der
krieg und Terror darstellen. Es kann ein Militär unter- Erfolg der russischen Reformen ist der wichtigste
stützen, das einer demokratisch gewählten Regierung Faktor, der die "Nachfrage" nach amerikanischer
verantwortlich ist. Es kann entmilitarisierte Marktwirt- Verteidigung und den dafür aufgewendeten Dollars
schaften fördern. Es kann kleinere Streitkräfte unter- beeinflußt.
stützen, die sich eher der Verteidigung als der Aggression verschrieben haben. Es wird der Entwicklung Ich gehe davon aus, daß ein demokratisches, nichtimmoderner, professioneller und defensiv eingestellter periales Rußland die beste Garantie für Sicherheit und
Militärs in den Staaten des ehemaligen Warschauer Stabilität im neuen Europa darstellt. Ein demokratiPakts dienen. Es wird der Ausbildung von zivilen sches Rußland, das uneingeschränkt an der euroatVerteidigungsexperten zuträglich sein, demokratischen lantischen Staatengemeinschaft teilhat und dessen
Methoden der Verteidigungsplanung und des Verteidi- Werten folgt, wird das Sicherheitsgefühl seiner Nachgungsmanagements dienlich sein und die regionale barn erhöhen, die Gefahr eines Rückfalls in die deverteidigungspolitische Zusammenarbeit vertiefen. Das struktiven Muster der Vergangenheit abbauen und die
Marshall-Zentrum ist ein kleiner Schritt, aber es ist kontinuierliche Umgestaltung der europäischen Siauch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen cherheitsinstitutionen zu umfassenderen und kooperativeren Instrumenten ermöglichen.
europäischen Sicherheitsstruktur.
Unsere zweite Aufgabe bei der Verwirklichung der
unvollendeten Vision George Marshalls ist die Unterstützung demokratischer und wirtschaftlicher Reformen in dieser Region mit meines Erachtens besonderer Betonung auf Rußland.
Wenn beispielsweise die Reformen in Rußland scheitern und der Diktatur oder Anarchie weichen, werden
die Gefahren und Kosten für den Westen und die
osteuropäischen Nachbarn Rußlands enorm sein.
Dadurch würden die Aussichten auf eine Partnerschaft
zerstört, die entstehenden europäischen Sicherheitsinstitutionen einer großen Belastung ausgesetzt, die
Risiken eines Konfliktes im Osten drastisch erhöht und
neue Anforderungen an die Verteidigungsausgaben
der Vereinigten Staaten gestellt.

Unsere Sicherheitszusammenarbeit mit Rußland sollte unseren europäischen Freunden und Verbündeten
keinen Anlaß zur Sorge geben. Sie bedeutete keine
Abschwächung unseres Engagements für die Sicherheit Europas. Sie sollte vielmehr als Verbesserung
unserer gemeinsamen Sicherheit betrachtet werden.
Überdies arbeiten wir nicht nur mit Moskau zusammen. Wir sind bestrebt, auch unsere Sicherheitsbeziehungen mit den anderen Nationen der ehemaligen
Sowjetunion und des Warschauer Pakts zu stärken.

Der Präsident hat erklärt: "Die Entwicklung zu politischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland und
den anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist die größte sicherheitspolitische Herausforderung unserer Tage." Wir müssen zusammenarbeiten,
um die Mittel- und Osteuropäer in das neue Europa zu
Der Erfolg der russischen Reformer wird die Kräfte der integrieren und den Erfolg der Reformen sicherzustelDemokratie und ökonomischen Reformen in den nicht- len.
russischen Republiken ermutigen und die Basis für die
wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen ihnen stär- Wie können wir dies erreichen? Auf der wirtschaftliken. Ebenso wird der Erfolg der demokratischen und chen Ebene spielt die Europäische Gemeinschaft im
wirtschaftlichen Reformen in der Ukraine und den Hinblick auf das Ergebnis der Bemühungen im Osten
anderen nichtrussischen Republiken zum Erfolg der eine entscheidende Rolle. Damit die demokratischen
Reformen in Rußland sowie zum Wiederaufbau der und wirtschaftlichen Reformen Erfolg haben, benötiregionalen Wirtschaftsbeziehungen auf einer demo- gen die Mittel- und Osteuropäer Zugang zu westlichen
kratischen, nichtimperialen Grundlage beitragen.
Märkten, Investitionen und Hilfe beim Aufbau der
Institutionen einer freien Marktwirtschaft. Die Aussicht

AMERIKA DIENST 23

Seite 3

�auf eine EG-Mitgliedschaft stärkt die Reformen. Eine Übergang vom Kommunismus zur Demokratie und
enge Assoziierung trägt dazu bei, die neuen Demokra- freien Marktwirtschaft in einem Prozeß, der die von
tien Europas enger an den Westen heranzuführen.
uns allen gewünschte Welt nach dem Kalten Krieg
einleitet - und nicht lediglich das Fehlen der KonfrontaAuf der sicherheitspolitischen Ebene wird die NATO tion zwischen den Supermächten, sondern die ErweiSolidarität nicht mit Mangel an Flexibilität verwech- terung der demokratischen Staatengemeinschaft auf
seln. In Zukunft müssen wir überlegen, wie sich den gesamten Kontinent und darüber hinaus.
unsere engere Assoziierung mit den demokratischen
Staaten des Ostens entwickeln wird. Für die Gegen- Heute haben wir die Chance, in Zusammenarbeit mit
wart müssen wir jedoch innovative Wege finden, um unseren ehemaligen Gegnern eine neue Beziehung
unsere mittel- und osteuropäischen Partner enger mit aufzubauen, die Frieden und Sicherheit in Europa
dem Bündnis zu verbinden.
gewährleisten wird. Das Marshall-Zentrum unterstreicht
das amerikanische Engagement für eine neue PartBei all dem kann das Marshall-Zentrum eine entschei- nerschaft zwischen Ost und West. Es wird Teil des
dende Rolle spielen. Es wird ein Ort sein, an dem wir Geflechts sein, das uns alle enger miteinander verbinmiteinander Ideen und technischen Rat austauschen det.
können. Es wird dazu beitragen, ein Geflecht von
Beziehungen zwischen und mit den neuen unabhängi- In beiden ehemals geteilten Hälften Europas haben die
gen Staaten zu knüpfen.
Staaten eine Verpflichtung zu Demokratie, freien
Märkten, Frieden und gemeinsamer Sicherheit zum
Abschließend möchte ich erneut feststellen, daß wiran Ausdruck gebracht. Gemeinsam können und müssen
einem entscheidenden historischen Moment stehen, wir diese Verpflichtungen unterstützen, schützen und
der die Möglichkeit eröffnet, George Marshalls ur- fördern. George Marshall hätte nicht weniger von uns
sprüngliche Idee eines freien und wirtschaftlich blü- erwartet.
henden Europas vollständig zu verwirklichen. Der
Ich danke Ihnen.
*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 23

�OECD
9. Juni 1993

BENTSEN FORDERT OECD ZUR ANKURBELUNG
DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS AUF
Erklärung bei OECD-Treffen
PARIS - (AD) - Mit der Warnung "die größte Gefahr für fortgesetzten offenen Handel ist Stagnation" rief USFinanzminister Lloyd Bentsen die Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dazu auf, mehr zur Ankurbelung ihrer Volkswirtschaften zu unternehmen.
Auf dem Ministertreffen der OECD am 2. Juni 1993 in Paris erklärte Bentsen, die Bemühungen der Vereinigten
Staaten zur Senkung ihres Haushalts- und Handelsdefizits "werden nur von Erfolg gekrönt sein, wenn sie von
schnellerem Wachstum in der übrigen Welt begleitet sind. Die Welt kann nicht auf den Wirtschaftsaufschwung
in den Vereinigten Staaten setzen, um die Rezession zu überwinden."
Bentsen bezeichnete die wachsenden Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse Japans als "globales Problem". Diese Überschüsse "schaden dem Weltwirtschaftswachstum", so der Minister. "Das muß sich ändern."
Bentsen forderte die europäischen Nationen dazu auf, weiter die Zinssätze zu senken und die notwendigen
Strukturänderungen vorzunehmen, um ihre Arbeitsmärkte flexibler zu gestalten. Ferner rief er die OECD dazu
auf, Rußland ebenso wie den anderen osteuropäischen Nationen entgegenzukommen und Mexiko als
Vollmitglied aufzunehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Ausführungen von Minister Bentsen.

Herr Vorsitzender Dawkins, Herr Generalsekretär Paye,
verehrte Delegierte, es ist mir eine Freude, an meiner
ersten OECD-Ministertagung teilzunehmen. Ich möchte
Ihnen heute die Botschaft übermitteln, daß wir gemeinsam handeln müssen, um den Kurs der Weltwirtschaft
zu ändern.
Nachdem die Bedrohung durch den Kommunismus
zurückgegangen ist, werden wir nach dem definiert,
wofür wir uns aussprechen, und nicht danach, wogegen wir sind. Wir sprechen uns für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung für alle Nationen
aus, das überragende Ziel dieser Organisation. Wir
wissen heute, daß Wohlstand nur mit Hilfe des Marktes erzielt werden kann. Der Anreiz zu Wettbewerb ist
der einzige Weg zum Wohlstand.

die Arbeitslosenzahl in den OECD-Ländern mehr als
30 Millionen beträgt und immer noch ansteigt.
Im letzten Jahrzehnt haben ungefähr 60 Nationen
außerhalb der OECD ihre Handelssysteme geöffnet,
und die Aussicht auf Wachstum hängt entscheidend
vom Zugang zu offenen Märkten ab. Auf keinem
Gebiet ist das wichtiger als in den Ländern, die jetzt
Demokratie und Marktwirtschaft aufbauen.
Wir müssen zusammenarbeiten, denn die größte Gefahr
für fortgesetzten offenen Handel ist Stagnation. Die
Erfahrung lehrt uns, daß die Schubkraft der Integration
nachläßt, wenn das Wachstum sich verlangsamt, und
daß Protektionismus mit größerem Wachstum zurückgeht.

Unsere wichtigste Herausforderung besteht darin, das Wir können den Status quo verändern, wenn wir Mut
Wachstum wiederherzustellen und das multilaterale zum Handeln haben - sowohl allein als auch zusammen. Die von uns getroffenen Maßnahmen werden
Handelssystem zu erhalten und zu öffnen.
natürlich die spezifischen Gegebenheiten in jeder unserer
Warum gerade jetzt? Der Grund ist, daß das Wachs- Volkswirtschaften und unsere eigenen nationalen Intum in den Vereinigten Staaten schleppend war und teressen widerspiegeln. Glücklicherweise stimmen
AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�nationale Imperative und internationale Interessen in
zunehmendem Maße überein.

stungsbilanzdefizit in Japan steigt weiter an und die
Inlandsnachfrage wächst sogar noch langsamer als
das Einkommen. Diese Überschüsse stellen ein gloDie Vereinigten Staaten erkennen, daß wir uns wan- bales Problem dar. Sie schaden dem Weltwirtschaftsdeln müssen. Aus diesem Grund haben wir ein ehrgei- wachstum. Das muß sich ändern.
ziges Programm zur wirtschaftlichen Wiederbelebung
ins Leben gerufen.
In Japan besteht die Notwendigkeit, die Inlandsnachfrage zu erhöhen und den Au ßenhandelsüberschu ß zu
Präsident Clinton hat unsere nationale Debatte über senken, und das Land besitzt dazu auch die Mittel.
die Wirtschaftspolitik geändert. Jetzt stellen sich die Das jüngste Paket zur Ankurbelung der Wirtschaft ist
Amerikaner nicht länger die Frage, ob es einen Abbau ein nützlicher Schritt, muß aber im nächsten Jahr
des Defizits geben wird, sondern ob dieser substantiell beibehalten werden, damit es keinen Verlust gibt wie
und dauerhaft sein wird.
im letzten Jahr.
Wir haben erkannt, daß unsere Wettbewerbsprobleme in Washington entstanden sind, nicht in London,
Paris, Bonn oder Tokio. Wir sind uns bewußt, daß wir
unseren Weg zum Wohlstand nicht durch Abwertungen erkaufen können. Wir können ihn nur durch
erhöhte Investitionen in unserem Land beschreiten.
Wir unternehmen wesentliche Schritte und reduzieren
unser Gesamtdefizit um 500 Milliarden Dollar. Das
geschieht durch erhöhte Investitionsanreize sowohl im
öffentlichen als auch im privaten Sektor.
Letzte Woche haben wir einen wichtigen Sieg für
Amerikas Zukunft errungen, als unser wirtschaftliches
Maßnahmenpaket vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Wir werden auch den Senat dafür
gewinnen.

Glücklicherweise ist die japanische Finanzlage auch
nach dem im April angekündigten Konjunkturprogramm
stark. Die rückläufigen Einnahmen sind vor allem auf
das langsame Wachstum zurückzuführen und können
mit der Wiederherstellung eines normaleren Wachstums behoben werden.
Die Prognosen für Europa sind nach wie vor beunruhigend, und der Handlungsspielraum ist noch weiter
begrenzt. Die Zahl der Arbeitslosen nähert sich 21
Millionen, und die meisten Länder auf dem Kontinent
befinden sich in einer Rezession oder sind auf dem
Weg dorthin.

Die Aussichten für eine rasche Erholung sind unsicher.
Die jüngste Senkung der Zinnsätze sollte helfen.
Angesichts der derzeitigen Rezession und des abnehDie Märkte setzen auf unser Programm und die Erho- menden Lohn- und Preisdrucks sind weitere beträchtlung unserer Wirtschaft. Die Zinssätze sind wesentlich liche Senkungen angebracht.
gesunken, und die Aktienkurse befinden sich auf
Die europäischen Nationen, insbesondere die mit wenig
Rekordniveau.
Spielraum für Wechselkursveränderungen, benötigen
Unsere Wirtschaft erholt sich - zumindest in beschei- Strukturveränderungen, um die Flexibilität der Arbeitsdenem Ausmaß. Wir haben die Inflation unter Kontrol- märkte zu erhöhen. Dies kann die Anpassung an
le, die Produktivität steigt, die Produktionskosten stei- Einflüsse von außen gestatten, ohne das Wachstum
gen nur mäßig. Wir machen uns jedoch Sorgen, da die aufs Spiel zu setzen.
Zahl der Arbeitsplätze kaum ansteigt. Viel zu viele
Arbeitnehmer stehen vor dem Arbeitsamt anstatt vor Makroökonomische Maßnahmen zur Förderung des
dem Fließband. Zusätzlich wird - so einschneidend Wachstums müssen mit Handelsmaßnahmen zur
unser Plan zum Abbau des Defizits auch sein mag - Erhaltung und Erweiterung des offenen internationaeine dauerhafte Senkung des Defizits nur erreicht len Handelssystems einhergehen. Die Grundlage für
werden, wenn wir die Kosten im Gesundheitswesen die Handelspolitik dieser Administration wird "Exporteindämmen. Diese Kosten beeinflussen unsere Kon- aktivismus" sein. Wir wollen den Handel erweitern,
junktur, was der Hauptgrund dafür ist, sie unter Kon- nicht verringern.
trolle zu bringen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Vereinigten
Unsere Bemühungen zur Senkung des Haushalts- und Staaten gemäß der Worte von Präsident Clinton hanHandelsdefizits werden nur von Erfolg gekrönt sein, deln werden: "Wir müssen uns dem Wettbewerb
wenn sie von schnellerem Wachstum in der übrigen stellen und dürfen uns nicht zurückziehen." Wir wollen
Welt begleitet sind. Die Welt kann nicht auf den den unverzüglichen und erfolgreichen Abschluß der
Wirtschaftsaufschwung in den Vereinigten Staaten Handelsgespräche sowie ein faires und ausgewogesetzen, um die Rezession zu überwinden.
nes Abkommen. Ein erfolgreiches Abkommen der
Uruguay-Runde ist, wie es die Finanzminister der G-7
Besondere Sorge bereitet uns Japan. Den Schätzun- im vergangenen Monat formulierten, "unerläßlich für
gen dieser Organisation zufolge wird Japans Wachs- die Maximierung des Wachstumspotentials der Welt".
tum in diesem Jahr unter einem Prozent liegen, trotz
des jüngsten Programms zur Ankurbelung der Wirt- Die Stärkung des multilateralen Handelssystems
schaft, und nächstes Jahr werden ebenfalls nicht alle bedeutet auch, daß andere Länder, insbesondere die
Möglichkeiten ausgeschöpft. Das Handels- und Lei- mit relativ geschlossenen Märkten, jetzt mehr tun
Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�müssen, um mit der offenen amerikanischen Wirtschaft Schritt zu halten und das Spielfeld zu ebnen.

Herr Vorsitzender, Herr Generalsekretär, verehrte
Delegierte, wir müssen jetzt gemeinsam darauf hinarbeiten, unseren neuen Frieden in einer gestärkten und
Ebenso wie die Welt sich drastisch verändert hat, mu ß wachsenden Weltwirtschaft zu sichern, und wir müssich auch die OECD verändern, um ein breiteres sen zusammenarbeiten, um offene Märkte zu erhalten
Spektrum von Ländern einzubeziehen. Unsere Ant- und zu erweitern. Der Preis des Scheiterns ist ein
wort an die Nationen Osteuropas war ermutigend. Es Rückfall in Stagnation und Protektionismus. Die Beist an der Zeit, dasselbe für Rußland zu tun, um bei lohnung für Erfolg ist Wohlstand.
seiner Integration in die Weltwirtschaft behilflich zu
sein. Darüber hinaus sind wir auch der Ansicht, daß
die Zeit für Mexiko gekommen ist, der OECD als
Vollmitglied beizutreten.

* * * *

AMERIKA DIENST 23

*

Seite 3

�GATT
9. Juni 1993

KANTOR FORDERT BESSERE ANGEBOTE
BEI GATT-VERHANDLUNGEN
Erklärung bei OECD-Konferenz
PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge müssen alle an der
gegenwärtigen Uruguay-Rundevon Handelsgesprächenteilnehmenden Länder "ihre Angebote gegenüber dem,
was derzeit auf dem Tisch liegt, erheblich verbessern".
Beim Ministertreffen der Organisation für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung stellte Kantor am 2.
Juni 1993 fest, wenn die gegenwärtig stattfindenden Konsultationen einen Rahmen für ein gutes Abkommen über
Marktzugang entwickelten, sollten die Unterhändler in der Lage sein, die verbleibenden wichtigen Aufgaben zu
lösen, wenn sie im Juli ihre Verhandlungen in Genf wiederaufnehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Kantors Stellungnahme.

Dieses Zusammentreffen bietet eine gute Gelegenheit, um den Abschluß der Uruguay-Runde zu beschleunigen - und damit die wirtschaftliche Erholung in
allen Mitgliedstaaten der OECD zu stimulieren.

Juli. Die Führungen von Senat und Repräsentantenhaus haben gleichermaßen erklärt, daß
sie die Bedeutung einer baldigen Behandlung
dieser Vorlagen verstehen.

Die zentralen Ziele der amerikanischen Handelspolitik 2.
sind die Öffnung von Märkten und die Schaffung von
Handelschancen, die Ankurbelung der Weltwirtschaft,
die Stärkung des internationalen Handelssystems und
vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Wir haben intensive "QUAD"-Verhandlungen
mit der Europäischen Gemeinschaft, Japan und
Kanada eingeleitet, um rechtzeitig zum Weltwirtschaftsgipfel im Juli einen Durchbruch bei
den Verhandlungen über Marktzugang zu erzielen. Wir sind übereingekommen, daß wir auf ein
kühnes Paket von Maßnahmen zum Marktzugang hinarbeiten müssen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihrer Verantwortung für das Wachstum des Welthandels und die
Stärkung der internationalen Handelsregeln gerecht
zu werden. Von unseren Handelspartnern erwarten
wir jedoch nicht weniger als Gegenseitigkeit der Verpflichtungen und Vergleichbarkeit der Maßnahmen.
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist der wichtigste
Einzelschritt, den wirunternehmen können, um Märkte
zu öffnen und den Handel mit Fertigwaren, landwirtschaftlichen Produkten und Dienstleistungen weltweit
zu erweitern.
Die Vereinigten Staaten haben unlängst eine Reihe
von Maßnahmen ergriffen, um die Verhandlungen
voranzutreiben:
1.

Am 27. April hat die Administration dem Kongreß Gesetzentwürfe zur Verlängerung der FastTrack-Vollmacht zugeleitet. Unser Ziel ist die
Verwirklichung dieses Vorhabens bis Anfang

AMERIKA DIENST 23

3.

Wir haben erhebliche Fortschritte beim Abbau
der verbleibenden Meinungsverschiedenheiten
zwischen den USA und der EG erzielt.

Um wirkliche Fortschritte bei Fragen des Marktzugangs zu machen, müssen alle an den Verhandlungen
teilnehmenden Länder ihre Angebote gegenüber dem,
was derzeit auf dem Tisch liegt, erheblich verbessern.
Meine Delegation ist bereit, mit jeder nationalen Delegation zusammenzutreffen, um die Verhandlungen
voranzubringen.
Wenn die derzeit stattfindenden Konsultationen einen
Rahmen für ein gutes Abkommen über Marktzugang
ergeben, sollten wir in der Lage sein, im Juli an den
Verhandlungstisch in Genf zurückzukehren, um die
verbleibenden wichtigen Aufgaben zu vollenden.
Seite 1

�Unsere wichtigsten Herausforderungen sind:
1.

Einigung über ein kühnes Paket von Maßnahmen zum Marktzugang zu erzielen, das eine
Reihe von Sektoren umfaßt, in denen die wichtigsten Anbieter ihre Zölle abschaffen - die
sogenannte "Null-gegen-NulP'-Option.

2.

Die letzten Unstimmigkeiten bei den handelsliberalisierenden nationalen Marktzugangsverpflichtungen im Dienstleistungsbereich auszuräumen.

3.

Unseren vereinbarten Ansatz im Agrarbereich
in detaillierte Verpflichtungen bei einzelnen
Produkten umzusetzen.

Wie sollten das Handelssystem und die es unterstützenden Institutionen sich an die Realitäten der neuen
Weltwirtschaft anpassen? Von allen internationalen
Institutionen ist die OECD am besten geeignet, diese
Frage durch ihr Arbeitsprogramm zu behandeln.
Die Globalisierung von Produktion und Märkten hat die
Rolle und Auswirkungen des Ausßenhandels und der
Auslandsinvestitionen in unseren Volkswirtschaften
grundlegend verändert. Innenpolitische Maßnahmen
sind zu wichtigen Wettbewerbsfaktoren im Welthandel
geworden.

Eine weitere neue Frage ist die wachsende Bedeutung
der regionalen Zusammenarbeit im Kontext des Welthandelssystems. Initiativen wie NAFTA, der EGBinnenmarkt und das Forum für asiatisch-pazifische
4.
Den Entwurf der "Schlußakte" zu verbessern,
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) können eine
wozu alle Vereinbarungen gehören, mit denen
äußerst nützliche Rolle bei der Förderung des explosiRegeln geschaffen werden.
ven Wachstums von regionalem Handel und InvestitioWir haben eine kleine Chance, die wir nutzen müssen. nen spielen. Wir sind uns einig, daß solche regionalen
Es ist politisch schwierig, Märkte in einer Zeit zu öffnen, Initiativen den multilateralen Handel erleichtern, nicht
in der die Weltwirtschaft nicht wächst. Präsident behindern sollten.
Clinton vertritt jedoch die Auffassung, daß es genau
jetzt an der Zeit ist, den Handel zu erweitem, um neue
Arbeitsplatzchancen zu schaffen.

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AMERIKA DIENST 23

�ILO
9. Juni 1993

REICH VERWEIST AUF WACHSENDEN BEDARF AN
QUALIFIZIERTEN ARBEITSKRÄFTEN
Rede bei ILO-Tagung
WASHINGTON - (AD) - US-Arbeitsminister Robert Reich zufolge hat die weltweit steigende Nachfrage nach
qualifizierten Arbeitnehmern, abhängig von der Politik der jeweiligen Regierungen, unterschiedliche Auswirkungen auf die Erwerbsbevölkerung der Industriestaaten.
In den Vereinigten Staaten und Großbritannien, so Reich bei einer Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf am 4. Juni 1993, haben staatliche Maßnahmen ein verstärktes Lohngefälle hervorgebracht,
gleichzeitig jedoch die Schaffung von Arbeitsplätzen angekurbelt, da zugelassen wurde, daß bei zurückgehender
Nachfrage Löhne gesenkt und Arbeitnehmer entlassen werden konnten.
In Kanada, Deutschland, Italien, Frankreich, Schweden, Österreich und Australien waren die Lohnunterschiede weniger ausgeprägt, fügte er hinzu, weil der Staat mit der Festsetzung von Löhnen und Gewährung von
Arbeitsplatzsicherheit eingegriffen habe. Infolgedessen seien jedoch weniger Arbeitsplätze geschaffen worden.
Reich empfahl eine dritte Alternative, zu der verstärkte Aus- und Fortbildung, die Bereitstellung einer zeitgemäßen Berufsberatung sowie die Einführung einer investitionsotientierten, auf die Aufrechterhaltung einer
anhaltend starken Nachfrage nach Arbeit ausgerichteten Haushaltspolitik gehörten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reichs Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute bei der 80. Jahreskonferenz
der Internationalen Arbeitsorganisation sprechen zu
dürfen. Zunächst möchte ich Herrn Assem Abdel Haq
zu seiner Wahl zum Präsidenten der diesjährigen
Konferenz gratulieren. Darüber hinaus gratuliere ich
Michel Hansenne zu seiner Wahl für eine zweite Amtszeit
als Generalsekretär der ILO. Die fortdauernde Führungsrolle dieser beiden Herren wird zweifellos unserer Arbeit hier in Genf zugute kommen und zur Erfüllung des Auftrages der ILO beitragen.
Während ihrer gesamten langen und ehrenvollen
Geschichte hat sich die ILO für soziale und wirtschaftliche Verbesserungen in der Völkergemeinschaft durch
freie und unabhängige Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Regierungen eingesetzt. Als neuer
Arbeitsminister der Vereinigten Staaten weiß ich das
Vermächtnis der ILO bei den anhaltenden weltweiten
Bemühungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller Arbeitnehmer zu schätzen. Mit Begeisterung
kann ich sagen, daß ich unserer Zusammenarbeit in
den nächsten acht Jahren gerne entgegensehe.

AMERIKA DIENST 23

Ein wichtiges Element der ILO-Arbeit ist der Kodex
internationaler Arbeitsnormen, die von der Organisation in den vergangenen 75 Jahren verabschiedet
wurden. Ich möchte das unerschütterliche und seit
langem bestehende Engagement der Vereinigten
Staaten für die Bemühungen der ILO zur Förderung
von Menschen- und Arbeitnehmerrechten sowie zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit und
für ihre Mechanismen zur Beobachtung und Überwachung der Anwendung frei ratifizierter Konventionen
bekräftigen.
Heute möchte ich zu Ihnen über meine Sorgen im
Hinblick auf vier Probleme sprechen, mit denen die
amerikanische Erwerbsbevölkerung derzeit konfrontiert ist. Andere Nationen haben zum großen Teil die
gleichen Probleme, wenn auch in unterschiedlichem
Ausmaß. Die Frage lautet, was gegen sie unternommen werden kann. Die Antwort auf diese Frage
erfordert eine Untersuchung der ihnen zugrundeliegenden Ursachen.

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�Das erste Problem besteht darin, daß der Konjunkturzyklus nicht erwartungsgemäß verläuft. Obwohl die
Rezession in den USA offiziell vor zwei Jahren im März
1991 zu Ende ging, bringt die derzeitige Erholung nicht
so viele Arbeitsplätze hervor, wie in traditionellen
Aufschwungphasen. Die Arbeitslosigkeit verharrt bei
7 Prozent und ist damit sogar höher als die 6,8 Prozent,
die auf der angeblichen Talsohle der Rezession verzeichnet wurden. Dies ist der 17. Monat in Folge, in
dem die Arbeitslosenquote bei 7 Prozent oder höher
steht. Nahezu 10 Millionen Amerikaner sind immer
noch ohne Arbeit, und mehr als eine weitere Million
sind zu entmutigt, um Arbeit zu suchen.
Zweitens wird eine überraschend hohe Zahl derjenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ihre alte
Tätigkeit nie mehr ausüben können. In den vier
vorhergehenden Rezessionen betrafen 44 Prozent
der Nettoverluste an Arbeitsplätzen Personen, die bei
einem erneuten Konjunkturaufschwung erwarten
konnten, ihre alte Tätigkeit wiederaufzunehmen. Dieses Mal erwarten lediglich 14 Prozent, ihren alten
Arbeitsplatz zurückzuerhalten, und ein überproportional großer Prozentsatz der neuen Arbeitsplätze sind
Teilzeitbeschäftigungen.

Unter der Herausforderung des weltweiten Wettbewerbs und arbeitsparender Technologien sind amerikanische Unternehmen gezwungen worden, die großvolumige, standardisierte Massenproduktion zu überwinden und sich statt dessen auf Erzeugnisse und
Dienstleistungen zu konzentrieren, die auf die Bedürfnisse einzelner Kunden zugeschnitten sind: Spezialwerkstoffe, nach bestimmten Bedürfnissen gefertigte
Computerchips, SpezialChemikalien, für Marktnischen
konzipierte Automobile und Lastwagen, spezialisierte
Bank- und Investmentdienstleistungen, spezialisierte
Reise- und Versicherungsdienstleistungen.
Der "Wissensgehalt" der meisten Güter und Dienstleistungen steigt. Der Preis eines neuen Computers ist
überwiegend auf die Entwicklung der Software zurückzuführen; Hardware wird zunehmend billiger. Ein
neuer Jet ist vorwiegend das Ergebnis von Ingenieurund Fertigungsplanung, ausgefallener Elektronik und
raffinierter Finanzierung.

Diese Verlagerung von Volumen zu Wert - von starren
und eingefahrenen Produktionssystemen zu flexiblen
und innovativen - ist gekennzeichnet durch eine Verschiebung der relativen Nachfrage nach Arbeitskräften auf Kosten von schlechter ausgebildeten und weniger
Drittens scheint es, daß die sogenannte "natürliche" qualifizierten Arbeitnehmern, die Routineaufgaben
Arbeitslosenquote - die niedrigste Quote, die zuverläs- übernehmen, zum Vorteil besser ausgebildeter und
sig erreicht werden kann, ohne die Inflation zu schüren qualifizierter Arbeitnehmer, die Probleme lösen kön- im Ansteigen begriffen sein könnte. Es ist zu früh, um nen. Das mittlere Management, das lediglich Anweisagen zu können, ob die in den letzten Wochen sungen von oben ausführt, wird nicht länger benötigt.
geäußerten vagen Inflationswamungen Anlaß zu ern- Alle Dienstleistungen, die von spezialisierten Anbiester Besorgnis sind, aber die hohen Arbeitsplatzverlu- tern außerhalb des Unternehmens erhältlich sind, werden
ste und der wachsende Prozentsatz von Langzeitar- durch Outsourcing an diese vergeben. Ungelernte
Arbeiter werden von Maschinen oder in den Entwickbeitslosen sind besorgniserregend.
lungsländern durch schlechter bezahlte Arbeitnehmer
Viertens und letztens ist das Gefälle zwischen gutver- ersetzt.
dienenden und schlechtbezahlten Arbeitnehmern
ebenfalls gewachsen. In den achtziger Jahren hat sich Mit dieser Umgestaltung wird überdies großer Wert auf
der Abstand zwischen dem obersten Zehntel und dem Arbeitnehmer gelegt, die neue Marktchancen entdekuntersten Zehntel der amerikanischen Lohnempfän- ken und Technologien daran anpassen können gerum 20 Prozent vergrößert. Dies gilt für Männer und Designer, Ingenieure, Händler und Verkäufer, die eine
Frauen gleichermaßen. Die Löhne von Arbeitnehmern ähnliche Funktion haben wie Managementberater für
ohne Aufsichtsfunktion sind real gesunken. Zwischen Klienten und Kunden. Obwohl Roboter und Computer
1979 und 1990 stieg der Anteil von Arbeitnehmern, in Fabriken oder Dienstleistungsunternehmen in zuderen Gehalt an oder unter der Armutsgrenze für eine nehmendem Maße die körperlich belastenden Routivierköpfige Familie lag, von 12,1 auf 18 Prozent. nearbeiten verrichten, gibt es viele Arbeitsplätze für
Jungen Arbeitnehmern erging es sogar noch schlech- diejenigen, die die Roboter und Computer programter: Der Anteil der vollzeitbeschäftigten und dabei mieren, sie in wirksame Systeme eingliedern, ihr reieinkommensschwachen 18- 24jährigen explodierte von bungsloses Funktionieren überwachen und ständig
22,9 Prozent im Jahr 1980 auf 43,4 Prozent 1990.
versuchen, sie noch effektiver zu gestalten.
Wie können diese Muster erklärt werden? In gewissem Maß sind sie meines Erachtens die Folge einer
Umstrukturierung der amerikanischen Wirtschaft - einer
Umgestaltung, die auch in anderen Industriestaaten
stattfindet. Diese Umgestaltung gewann in den achtziger Jahren an Schwungkraft, und der Druck auf die
Untemehmensgewinne gegen Ende des Jahrzehnts
beschleunigte sie lediglich.

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Die Verlagerung bei der Nachfrage nach Arbeitskräften von weniger ausgebildeten und qualifizierten zu
besser ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmern
hatte unterschiedliche Auswirkungen auf die Erwerbsbevölkerung in Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, was im großen und ganzen von der
Politik der jeweiligen Regierung abhing.

AMERIKA DIENST 23

�In einigen Ländern, insbesondere den Vereinigten
Staaten und Großbritannien - hat diese Verlagerung zu
einem größeren Lohngefälle geführt. In den Vereinigten Staaten führte sie auch zu einem abnehmenden
Realeinkommen der Arbeitnehmer am u nteren Teil der
Einkommenspyramide. Beide Nationen neigen dazu,
die Arbeit wie jede andere Ware zu behandeln - lassen
eine Senkung der Löhne zu und geben den Arbeitgebern die relative Freiheit, Arbeitnehmer bei einem
Sinken der Nachfrage freizusetzen. Gleichzeitig - und
vor allem aufgrund dieser Flexibilität - war in beiden
Ländern zwischenzeitlich eine kräftige Zunahme an
Arbeitsplätzen zu beobachten. Jedoch war dieser
Zuwachs in Zeiten der Rezession von hoher Arbeitslosigkeit unterbrochen, und in beiden Ländern war eine
ständig steigende strukturbedingte Arbeitslosigkeit zu
beobachten.

gebern Spielraum. Dieser dritte Weg behandelt unmittelbar die Nachfrageverlagerung auf dem Arbeitsmarkt,
indem er drei Faktoren betont: Erstens eine allen
Bürgern, nicht nur den Kindern einer privilegierten
Minderheit zugängliche gute Ausbildung und kontinuierliche Fortbildung. Derzweite Schwerpunkt solltedie
Bereitstellung zeitgemäßer Arbeitsinformationen,
Berufsberatung und Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche für
alle Berufsanfänger sowie alle neuen Arbeitslosen
sein. Das dritte Element ist eine investitionsorientierte,
auf die Aufrechterhaltung einer anhaltend starken
Gesamtnachfrage nach Arbeit ausgerichtete Haushalt spolitik.

Diese Ziele auszusprechen, ist wesentlich leichter, als
sie zu verwirklichen. Mehr Geld für Aus- und Fortbildung ist erforderlich, aber dies ist schwerlich ausreichend. Das Geld mu ß sinnvoll ausgegeben und auf die
In anderen hochindustrialisierten Staaten - einschließ- Fähigkeit zu lebenslangem Lernen am Arbeitsplatz
lich Kanadas, Deutschlands, Italiens, Frankreichs, zugeschnitten sein. Qualitativ hochwertige InformatioSchwedens, Österreichs und Australiens - waren die nen über Arbeitsplätze der Zukunft sowie Hilfe bei
Einkommensunterschiede weniger markant. Durch deren Erlangung erfordert die Anwendung von bisher
die offene Einmischung der Regierungen bei der unerprobter Informationstechnologie. Eine an solchen
Festsetzung von Löhnen und der Sicherung von Ar- Investitionen - ebenso wie an öffentlich geförderter
beitsplätzen wurde eine Verschärfung dieser Ungleich- Forschung, Umweltschutz und Verkehrsinfrastrukturgewichte verhindert. Doch hauptsächlich aufgrund ausgelichtete Haushaltspolitik ist angesichts großer
dieses Mangels an Flexibilität bei Löhnen und Arbeits- Haushaltsdefizite schwer zu realisieren.
plätzen wurden in diesen Ländern im Verhältnis weniger Arbeitsplätze geschaffen, und die durchschnittli- Trotzdem bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten
Staaten und andere Länder diesen dritten Weg beche Arbeitslosigkeit in diesem Jahrzehnt war höher.
schreiten müssen. Die bedingungslose Wahl zwiMüssen sich die Staaten aufgrund dieses neuen Zeit- schen Gleichheit und Beschäftigung wird unsere
alters des weltweiten Wettbewerbs und der modernen Gesellschaften spalten und uns nicht auf die Welt der
Technologie zwischen Gleichheit und Schaffung von Zukunft vorbereiten.
Arbeitsplätzen entscheiden? Zwischen aktiven Eingriffen, mit denen Löhne festgesetzt und die Rechte Ich begrüße das Engagement der ILO für die Verbesder Arbeitgeber beschnitten werden, und marktwirt- serung der Lebensqualität und Arbeit für alle Arbeitschaftlichen Strategien, die sinkende Löhne erlauben nehmer auf der Wert. Ebenso wie mein Vorgänger
Frances Perkins beim ILO-Treffen in Paris im Jahr
und den Arbeitgebern großen Spielraum lassen?
1945 verspreche auch ich die uneingeschränkte und
Ich gehe davon aus, daß es eine dritte Alternative gibt, kontinuierliche Unterstützung der Vereinigten Staaten
die den beiden anderen potentiell überlegen ist. Sie von Amerika fürden Auftrag dieser Institution-Verbeserfordert aktive Interventionen, erlaubt jedoch ande- serung des Status und Erweiterung der Aussichten für
rerseits Flexibilität bei den Löhnen und gibt den Arbeit- die arbeitenden Menschen auf diesem Planeten.

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�U M W E LT
9. Juni 1993

USA: VERTRAG KANN "ARTENVIELFALT" ERHALTEN
Gemeinsame Erklärung von Albright und Wirth
WASHINGTON - (AD) - In einer am 4. Juni 1993 veröffentlichten gemeinsamen Erklärung stellten die Ständige
Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, und der"Counsellor"des USAußenministeriums, Timothy Wirth, fest, die Vereinigten Staaten werden den Vertrag zur Schutz der Artenvielfalt
auf der Erde unterzeichen, weil er die internationale Unterstützung für die Erarbeitung eines Plans zu deren
Erhaltung konzentrieren kann und darüber hinaus die Nationen wirtschaftlich vom Schutz der Artenvielfalt
profitieren könnten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Erklärung im Wortlaut.

Unsere Unterzeichnung der Konvention zum Schutz
der Artenvielfalt spiegelt die Verpflichtung von Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und unserer Nation
zur Erhaltung der Artenvielfalt auf der Erde wider.
Unseres Erachtens kann diese Konvention eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung des Verlusts von Flora
und Fauna, ihrer Lebensräume und Ökosysteme spielen, indem sie ein Forum bietet, in dem die internationale Besorgnis auf einen schlüssigen, dynamischen
und unverzüglichen Aktionsplan für die Zukunft konzentriert werden.
Die Clinton-Administration beabsichtigt, daß die Vereinigten Staaten eine führende Rolle bei der Erarbeitung
eines Konsenses nicht nur zu dieser Konvention, sondern
insgesamt bei der durch den Artenschwund gestellten
Herausforderung spielen. Unseres Erachtens muß
unsere Führungsrolle im eigenen Land beginnen. Die
Erstellung einer Übersicht über die Artenvielfalt durch
den Präsidenten und Innenminister Bruce Babbitt bietet
die nationale Ausgangsbasis zur Bestandsaufnahme
und Überwachung unserer eigenen biologischen
Ressourcen und für die Gewährleistung, daß hochqualifizierte biologische Ratschläge die Grundlage für
die Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen bilden. Dieser entscheidende Schritt demonstriert die
Priorität, die die Vereinigten Staaten der Durchführung
dieser Konvention im Inland beimessen. Dies wird
auch durch die Betonung deutlich, die wir auf das
Konzept des ökomanagements als bestem Mittel zur
Vermeidung der weiteren Beeinträchtigung der Umwelt legen, denn andernfalls könnten Arten und deren
Lebensraum bedroht werden.

AMERIKA DIENST 23

Die Vereinigten Staaten vertreten ferner die Auffassung, daß die Konvention eine einzigartige Gelegenheit für die Nationen darstellt, nicht nur die Artenvielfalt
der Welt zu erhalten, sondern auch die wirtschaftlichen
Vorteile aus der Erhaltung und umweltverträglichen
Verwendung ihrer genetischen Ressourcen zu realisieren. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten den Einsatz kreativer Wirtschaftsinitiativen - wie die faire und gerechte Verteilung der sich aus
der Verwendung genetischer Ressourcen ergebenden Vorteile - und geeigneter Formen von Technologietransfer, die zur Unterstützung der Maßnahmen
beitragen, die von den Ländern zur Durchführung der
Verpflichtungen der Konvention zum Schutz der Artenvielfalt verabschiedet wurden.
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
freiwillige Beteiligung des Privatsektors an der Entwicklung neuer auf genetische Ressourcen gegründeter Technologien den Wert der in der Konvention
vorgeschlagenen wirtschaftlichen Vorteile und der
Anreize maximieren wird, die Länder beim Schutz der
Artenvielfalt haben. Richtig durchgeführt kann diese
Konvention eine Situation schaffen, in der es nur
Gewinnergibt - bei gleichzeitiger Förderung von Unternehmergeist und der kreativen Erhaltung unseres
wertvollen biologischen Erbes. Zur Stimulierung der
Beteiligung des Privatsektors fordern die Vereinigten
Staaten alle Vertragsparteien zur Verabschiedung von
Maßnahmen auf, die:
angemessenen und wirksamen Schutz des
Rechts auf geistiges Eigentum für auf geneti-

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�sehe Ressourcen gegründete Erfindungen bieten,
sicherstellen, daß die Bedingungen für die Verteilung der Vorteile und den Technologietransfer freiwillig von allen beteiligten Parteien angenommen werden und

rung der Länder schaffen wird, die über genetische
Ressourcen verfügen. Eine solche Zusammenarbeit
bietet die wirksamsten Mittel für den Transfer neuer
Technologien und ermutigt die Anwendung neuer
Technologien zur Erhaltung und umweltverträglichen
Nutzung der Artenvielfalt.

Die Vereinigten Staaten werden sicherstellen, daß die
Notwendigkeit eines Protokolls über die Artenvielfalt
und die Modalitäten dafür umfassend und fair erörtert
werden. Obwohl die Konvention die Erarbeitung eines
Protokolls über Artenvielfalt nicht vorschreibt, sehen
die
Vereinigten Staaten der uneingeschränkten BeteiStatt jetzt eine Erklärung zur Unterstreichung dieser
ligung
an der internationalen Diskussion über ArtenPunkte abzugeben, die in vielfältiger Weise ausgelegt
vielfalt
erwartungvoll entgegen. Eines unserer vorranwerden kann, wie andere Nationen dies getan haben,
gigen
Ziele
besteht in der Gewährleistung, daß ausder
werden die Vereinigten Staaten anhängige Fragen
Konvention
resultierende Vorschriften über Artenvielzum Zeitpunkt der Ratifizierung ansprechen. Das
falt
wissenschaftlich
fundiert und gründlich analysiert
Außenministerium wird weiterhin Konsultationen mit
sind.
anderen Ländern über gemeinsame Ansätze in dieser
Hinsicht führen. Wir erwarten, daß diese Konsultatio- Schließlich werden die Vereinigten Staaten eine Schlüsnen die Grundlage für die rechtzeitige Ratifizierung selrolle dabei spielen sicherzustellen, daß konstruktidurch die Vereinigten Staaten bieten werden.
ve Arbeitsbeziehungen von beiderseitigem Nutzen
zwischen der Konferenz der Parteien und der umstruk
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
turierten Globalen Umweltfazilität (Global EnvironmenVerabschiedung dieser Maßnahmen die Entwicklung
tal Facility - GEF) geschaffen werden. Die Vereinigten
und den Verkauf neuer auf genetischen Ressourcen
Staaten fördern Reformen, die dazu beitragen, daß die
basierender Technologien ankurbeln wird und ein
Fazilität die Finanzierung kostengünstiger und umangemessenes Klima für Zusammenarbeit zwischen
weltverträglicher Projekte über Artenvielfalt besser
amerikanischen Firmen und akademischen Einrichbereitstellen kann.
tungen, Regierungen, der Industrie und der Urbevölkekeine Einschränkungen für die Entwicklung, den
Verkauf oder die Vermarktung neuer auf genetischen Ressourcen basierender Technologien
oder Produkte auferlegt werden.

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AMERIKA DIENST 23

�EINWANDERUNG
9. Juni 1993

EINWANDERUNG ALS ANTRIEBSKRAFT FÜR DIE
AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
von Janis Johnson
Der Autorin des vorliegenden Artikels zufolge hat Einwanderung äußerst positive Auswirkungen auf das
Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten. In dem vorliegenden Artikel werden Wirtschaftssektoren und
geographische Regionen aufgeführt, in denen der Beitrag der Einwanderer am größten ist. Janis Johnson ist
freiberufliche Schriftstellerin und lebt in Alexandria (Virginia).

Eine Szene in Miami (Florida) Anfang der achtziger
Jahre: Jeden Tag gehen mindestens zwei oder drei
gutgekleidete Männer mit Aktentaschen unter dem
Arm in die noch aus alten Zeiten stammende Eingangshalle der Biscayne Bank, murmeln dem Empfangschef etwas auf Spanisch oder Portugiesisch zu
und warten auf kunstvoll geschnitzten Bänken, um
Tausende, manchmal Millionen aus Lateinamerika
stammende Dollars in Miami zu investieren. Sie
gehörten zu den Tausenden von Einwanderern, die
Miami in nur zwanzig Jahren aus einem Ferienparadies für Touristen in eine boomende Wirtschaftsmetropole verwandelten. "Sie taten das mit Disziplin, kubanischem Flair und amerikanischem Know-how", erklärte ein Aktivist aus dem in unmittelbarer Nachbarschaft zu Miami gelegenen "Klein-Havanna".
In New York war die Sunset Park-Gemeinde aus
Brooklyn nahezu verschwunden. Nachdem die ursprünglichen skandinavischen und irischen Siedler in
die Vorstädte abgewandert waren, wurden ihre Geschäfte mit Brettern vernagelt. "Nichts als Spinnweben - bis die neue Welle von Einwanderern heranrollte", erklärte Louis Winnick, hochrangiger Berater des
Fonds für die Stadt New York. "Heute ist es ein sehr
lebhaftes Viertel vder Dominikaner und Chinesen, ein
drittes Chinatown."

kinderlieb", teilte Ben J. Wattenberg, hochrangiges
Mitglied des American Enterprise Institute in der Bundeshauptstadt Washington dem Christian Science
Monitor mit.
"Einwanderer hatten einen äußerst positiven Einfluß
auf das Wirtschaftswachstum, der insbesondere in
verschiedenen Sektoren nachweisbar ist", erklärte
Winnick, Autor von New People in Old Neighborhoods: The Role of New Immigrants in Rejuvenating New York's Communities. "Sie richten sich in
hohem Maße nach ihrem Arbeitsplatz. Sie kommen
nicht nur wegen einem Arbeitsplatz hierher, sondern
wegen zwei oder drei - in einer Familie gibt es mehrere
Geldverdiener. Sie arbeiten an Arbeitsplätzen, die auf
den wichtigsten Arbeitsmärkten in Mißkredit gebracht
wurden. Die meisten der produktiven landwirtschaftlichen Sektoren lägen ohne die Arbeitskraft der Einwanderer brach. Praktisch alle unbeliebten Arbeitsplätze
im Haushalt und Gesundheitswesen sind in hohem
Maße von Einwanderern abhängig."

Thomas Muller schreibt in seinem neuen Buch Immigrants and the American City: "Die jüngste Einwanderungswelle, die in den sechziger Jahren begann, hat
die städtische Erneuerung durch die Stärkung kleinerer Unternehmen und die Erhaltung der für eine starke
wirtschaftliche Aktivität erforderlichen BevölkerungsSeit der frühen Besiedelung der amerikanischen Kolo- grundlage erleichtert. Die neuen Einwanderer - ungenien durch die Briten hat die Einwanderung zu einer lernte Arbeiter, Akademiker und Unternehmer - haben
Ankurbelung der Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu Investitionen angeregt, Fabriken und Dienstleibeigetragen. "Einwanderer sind - insoweit man sie stungsunternehmen mit Arbeitnehmern ausgestattet
charakterisieren kann - aufstiegsbereit, mobil, ehrgei- und bei der Wiederbelebung heruntergekommener
zig, sparsam, traditionellen Werten verpflichtet und Stadtviertel geholfen. Das galt insbesondere in StädAMERIKA DIENST 23

Seite 1

�ten, die als Tor zu anderen Kontinenten dienen - Los
Angeles, New York, Miami und San Francisco."

derten (die fünf Jahre oder noch kürzer in den Vereinigten Staaten gelebt haben) sind Collegeabgänger,
verglichen mit 25 Prozent der gebürtigen Amerikaner,
Muller, der bis 1986 wichtigster wissenschaftlicher so ein Bericht von Business Week. Die in Miami
Mitarbeiter am Urban Institute in der Bundeshaupt- gemachte Erfahrung zeigt, daß viele Einwanderer
stadt Washington war, untersuchte die neuesten Sta- heutzutage keine armen Flüchtlinge sind, wie zu Beginn
tistiken der amerikanischen Volkszählung auf die der Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Sie
Auswirkungen der Einwanderung auf diese Städte hin. bringen Kapital und Beziehungen sowie die Fähigkeit
Er entdeckte, daß zwei Fünftel aller kürzlich Einge- zur Förderung des Welthandels mit.
wanderten sich in diesen vier Städten niedergelassen
haben, obwohl diese Gemeinden nur acht Prozent der Untersuchen wir einmal die heutigen Zahlen. In den
amerikanischen Bevölkerung darstellen. Ferner stell- achtziger Jahren kamen 8,7 Millionen Einwanderer in
te er fest, daß jeder dritte Einwohner dieser Städte ein die Vereinigten Staaten, eine Zahl, die einem Artikel
Einwanderer ist und das Bevölkerungswachstum dieser der Business Week zufolge der großen EinwandeStädte seit 1970 "ausschließlich auf die Einwande- rungswelle von 1900-10 gleichkommt. Zwischen 1971
rung" zurückzuführen ist. Weiterhin sind ihm zufolge and 1991 kamen der Zeitschrift zufolge 35,2 Prozent
zwei Drittel aller Niederlassungen ausländischer Ban- der Einwanderer aus Asien, 23,7 aus Mexiko, 13,1 aus
ken in den Vereinigten Staaten in diesen Städten zu der Karibik, 11,1 aus Mittel- und Südamerika und 12
finden, und in ihren Häfen werden zwei Fünftel aller Prozent aus Europa.
amerikanischen Exporte abgewickelt.
Muller schätzt, daß im ganzen Land 20 Prozent derjeDie wirtschaftliche Entwicklung in Miami pumpte An- nigen, die in den siebziger und achtziger Jahren eine
fang bis Mitte der achtziger Jahre 2,3 Milliarden Dollar Erwerbstätigkeit aufnahmen, Einwanderer sind, und
in die städtische Bauwirtschaft, von luxuriösen Eigen- daß diese Zahl in den wichtigsten Städten sogar noch
tumswohnungen und glitzernden Bürotürmen bis zu höher ist. Die Statistiken zeigen auch, daß die neu
einem neuen Tagungszentrum und einem Schnell- Eingewanderten, insbesondere diejenigen aus Asien
bahnsystem. Miami, das aufgrund seiner geographi- und Lateinamerika, in größerer Zahl als die gebürtigen
schen Lage vom Rest der Vereinigten Staaten etwas Amerikaner vor allem an den beiden äußeren Enden
isoliert ist, konnte aus seiner Verbindung zum Süden, der Beschäftigungsleiter zu finden sind. Inder, Filipizu Lateinamerika, mehr Kapital schlagen als aus der nos und Briten finden sich vor allem in den akademizum Norden der Vereinigten Staaten. Miami wurde im schen Berufen, während Mexikaner, Vietnamesen und
Geiste die "Hauptstadt Lateinamerikas" und de facto Haitianer eher als Fabrikarbeiter tätig sind.
der Marktplatz des amerikanischen Kontinents.
Ihr Beitrag zur Wirtschaft ist verschiedenen Studien
Im 18. und 19. Jahrhundert war die ungezügelte Ein- zufolge auf mehreren Gebieten besonders bemerwanderung für das Wachstum vieler amerikanischer kenswert:
Städte von entscheidender Bedeutung. Die Einwanderer füllten die auf der untersten Stufe der Beschäfti- Einzelhandel: Koreaner, Araber und Afrikaner haben
gungsleiter angesiedelten Arbeitsplätze, und die qua- die leeren Geschäfte wieder aufgebaut, die von frühelifizierten gebürtigen Amerikaner stiegen auf. In dem ren irischen, jüdischen und italienischen Siedlern sowie
auf den ersten Weltkrieg folgenden Jahrzehnt stellten von amerikanischen Schwarzen verlassen wurden,
die europäischen Einwanderer Muller zufolge unge- die auf der Beschäftigungsleiter nach oben gestiegen
fähr ein Viertel des Arbeitskräftepotentials in Amerikas und in die Vorstädte gezogen sind. In einigen Gebieten
wachsenden Industriezentren und die Hälfte in Chica- werden ganze Sektoren von Angehörigen einer Nationalität dominiert. Griechen besitzen Kaffeehäuser,
go und New York.
Koreaner Obst- und Gemüsemärkte, Chinesen ReUmgekehrt gehörten zwei Jahrzehnte nach der Ein- staurants, Dominikaner Baufirmen, Araber Zeitungsführung von Einwanderungskontrollen in den zwanzi- buden und Salvadorianer und Mexikaner Pizzabuden.
ger Jahren Städte wie Chicago, Cleveland, Oho, Detroit, Inder führen Reisebüros, Textilreinigungen, Hotels
Michigan, Newark und New Jersey zu den am stärk- und Motels. All diese Tätigkeiten treiben das ehemals
sten benachteiligten des ganzen Landes, ohne da ß die schrumpfende Steueraufkommen wieder in die Höhe.
Geschäftstätigkeit und die Produktion in den kleineren
Unternehmen der Städte von Einwanderern aufgefan- "In vielen Städten", stellt Winnick fest, "kann man
meilenweit laufen und sieht nur ausländische Namen.
gen werden konnten, schreibt er.
Die Söhne von Koreanern wollen dasselbe tun wie die
Die jüngste Einwanderungswelle seit 1965 zeichnet Söhne von Chinesen - Ärzte und Juristen werden.
sich vor allem durch den hohen Bildungsgrad der Aber die erste Welle von Einwanderern eröffnet GeAnkömmlinge aus, insbesondere unter den Asiaten. schäfte im Einzelhandel... Es gibt immer noch viele,
37 Prozent aller asiatischen Einwanderer haben vier die in ihrer arten Umgebung gefangen sind, und man
oder mehr Jahre das College besucht, berichtet Muller. hört Horrorgeschichten darüber, unter welchen UmNahezu 27 Prozent aller in der letzten Zeit Eingewan- ständen sie so weit reisen mußten, um einen Liter

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AMERIKA DIENST 23

�Milch kaufen zu können. Die neuen Einwanderer
schaffen eine MikroÖkonomie in den Nachbarschaften, die sonst ausgestorben wären."
Der Wert dieser MikroÖkonomie geht weit über diese
Nachbarschaften hinaus. InLosAngelesbeispielsweise, wo der Handel in Koreatown eine überwiegend
farbige Nachbarschaft mit niedrigem Einkommensniveau versorgt, "die im allgemeinen von den großen
Einzelhandelsunternehmen ignoriert und schlecht
bedient wird", zieht die Stadt Vorteile in Form erhöhten
Einkommensteueraufkommens, stellt Ivan Light in
Clamorat the Gates: The New American Immigration fest. "Einige Amerikaner arbeiteten in mit koreanischem Kapital errichteten und in koreanischem Besitz
befindlichen Unternehmen. Wenn diese Amerikaner
ihren Lohn ausgeben, werden andere Amerikaner
indirekte Nutznießer koreanischer Immigration und
koreanischen Unternehmertums."

terhin gewinnbringend tätig sein zu können", schreibt
Muller. "Ohne diese Arbeitskräfte hätten wir die Produktion wahrscheinlich in Billiglohnländer verlegen
müssen."

Hochtechnologie: In den achtziger Jahren bereicherten der Business Week zufolge 1,5 Millionen
Einwanderer mit College-Ausbildung das amerikanische Arbeitskräftepotential. "Die Hälfte aller Collegeabgänger in den Naturwissenschaften und der
Mathematik sind Einwanderer", fügt Winnick hinzu
"und in einer Wirtschaft, die zunehmend internationaler und technisierter wird, ist das eine unserer größten
Stärken". Das bedeutet, daß ausländische Studenten
bereits die kommende Generation von Wissenschaftlern in High-tech-Unternehmen dominieren. Der
Business Week zufolge stellen Asiaten bereits ein
Drittel der Ingenieure im kalifornischen Silicon Valley.
Genauer gesagt stammen laut Muller drei Viertel der
Ingenieure in den Bereichen Forschung und EntwickGesundheitswesen: Labor- und Röntgentechniker lung bei einem führenden Computerchiphersteller aus
sowie eine steigende Anzahl von Ärzten in Großstadt- dem Ausland.
krankenhäusern und Mitarbeiter in Pflegeheimen sind
Einwanderer. "An einigen Orten machen sie 80 Pro- "Ausländische Ingenieure leisten in den Bereichen, die
zent der medizinischen Angestellten und des Pflege- für die Zukunft Amerikas entscheidend sind, einen
personals aus", von den Dienstleistungsberufen bis zu besonders wichtigen Beitrag", argumentiert Joel Kotden Ärzten, so Winnick. Krankenschwestern und kin, Gastdozent an der School of Business and Manaanderes Pflegepersonal stammen aus ganz unter- gement der Pepperdine University in Los Angeles in
schiedlichen Regionen wie Irland, den Philippinen, Chronicle of Higher Education. Die aufgrund ihrer
ausländischen Staatsbürgerschaft von der Arbeit an
Korea und der Karibik.
Verteidigungsprojekten ausgeschlossenen IngenieuHotel- und Gaststättengewerbe: Die harte Arbeit re treten nicht unseren schrumpfenden Rüstungsfirder Einwanderer ist auch anderen Dienstleistungsin- men bei, sondern den schnell wachsenden Sektoren
dustrien, beispielsweise Restaurants, Hotels und Motels wie Personalcomputer, Telekommunikation und Entzugute gekommen. Die Einwanderer verrichten schlecht- wicklung medizinischer Geräte."
bezahlte Arbeiten wie Spülen oder Putzen, aber sie
besitzen und leiten diese Betriebe auch, und ihre Ausländische Einwanderer regen neuesten Forschungsgesamte Familie ist darin beschäftigt. Ihre Tätigkeit ergebnissen von Maria Enchautegui in ihrem Bericht
kommt der Mittelschicht zugute, die normalerweise in Policy and Research des Urban Institute das Wachsden Ferien oder auf Geschäftsreise in kleinen Hotels tum von Arbeitsplätzen ebenso an wie Migranten aus
und Motels absteigt. Selbst leitende Angestellte in dem Inland. Wenn der Bevölkerung eines Landes
Luxushotels weisen darauf hin, daß gebürtige Ameri- ausländische Einwanderer hinzugefügt werden und
kaner diese niederen Arbeiten einfach nicht verrichten alle anderen Faktoren gleich bleiben, werden doppelt
wollen.
so viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wir bei
einer zahlenmäßig ebenso großen Erhöhung der
Fertigung: Nahezu ein Drittel aller Neueinwanderer ansässigen Bevölkerung, so ihr Ergebnis. "Entscheiarbeitete einer Studie von Muller zufolge im Jahr 1980 dend für die Zunahme örtlicher Arbeitsplätze ist ein
im verarbeitenden Gewerbe - eine wesentlich größere stetiger Zufluß von Zuwanderern, seien sie aus dem
Zahl als bei den in Amerika Geborenen. Die Einwan- Ausland oder dem eigenen Land", so die Zeitschrift.
derer arbeiten, so Muller, für niedrigere Löhne, erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit und die Nachfrage nach Nicht jeder teilt diese positive Einschätzung des Einmehr zu Niedrigtarifen entlohnten Produktionsarbei- flusses der Immigration auf die Wirtschaft. In einer von
tern. In Los Angeles sind beispielsweise die Mehrheit Louis Harris für Business Week durchgeführten
der Arbeitnehmer in der Möbelindustrie Einwanderer, Umfrage wird beispielsweise festgestellt, daß 68 Prodas Gleiche gilt für nahezu die Hälfte der in der zent der Befragten die Einwanderung als nachteilig für
Nahrungsmittelindustrie Beschäftigten, und die Schuh- die Vereinigten Staaten einschätzen. Ihre größte
industrie ist in hohem Maße von der Arbeitskraft der Sorge besteht darin, daß die Zugewanderten ihnen
Eingewanderten abhängig. "Viele Arbeitgeber hätten Arbeitsplätze wegnehmen, insbesondere den schlechbeim gegenwärtigen Lohnniveau nicht genügend in ter ausgebildeten und schwarzen Arbeitnehmern, und
Amerika geborene Arbeitnehmer für die Textilindustrie mehr als den ihnen zukommenden Teil der staatlichen
und andere Niedriglohnindustrien gefunden, um wei- Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wie Sozialhilfe,
AMERIKA DIENST 23

Seite 3

�Gesundheitsfürsorge und Lebensmittelmarken, vor allem Land läßt. Sie führen deren Beitrag zu der kriminellen
in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.
Schattenwirtschaft an, zu der erhöhten Zahl relativ
armer Einwohner und den unausweichlichen sozialen
Zusätzlich macht man sich Sorgen über den Wider- Spannungen. Andere, wie Winnick, behaupten: "Sie
stand der Einwanderergegen eine Eingliederung in die verrichten Arbeiten, die kein anderer will."
Gesellschaft und über deren Auswirkung auf die staatlichen Schulen, die dadurch gezwungen werden, be- In seinem Buch The First Universal Nation bekräftigt
trätliche Gelder für die Unterrichtung von Englisch als der Autor und Kommentator Wattenberg, daß diese
Fremdsprache aufzuwenden. In Fairfax County (Vir- "neue Universalisierung Amerikas zwar nicht ohne
ginia) und im Stadtgebiet der Bundeshauptstadt Probleme verläuft, jedoch gut für uns ist. Sie kann
Washington bieten 103 Schulen mehr als 6.500 Kin- dazu beitragen, das globale Handelsgleichgewicht zu
dern, die mindestens 78 verschiedene Mutterspra- unserem Vorteil zu verändern. Auch kann sie das
chen haben, Unterricht in Englisch als erste Fremd- damit verbundene Gleichgewicht geopolitischer, techsprache an.
nologischer und demographischer Macht zu unseren
Gunsten verändern. Sie kann einen ohnehin schon im
Die Reaktion auf die Zweisprachigkeit war besonders Gange befindlichen Prozeß beschleunigen - die
in den achtziger Jahren in vielen größeren und kleine- Amerikanisierung der Weltkultur."
ren Städten der Vereinigten Staaten zu beobachten.
"200 Jahre lang ist niemand hierhergekommen und hat Kotkin betont, jeder solle die "historische Rolle" verstedie hier lebenden Menschen mit seiner Sprache be- hen, "die die Migration bei der technischen und wissendrängt und erstickt", ereiferte sich Emmy Schafer, die schaftlichen Entwicklu ng" auf der ganzen Welt gespielt
Anfang der achtziger Jahre in Miami einen Kreuzzug habe. "Die Zeit für die Einsicht ist gekommen, daß
gegen die Zweisprachigkeit führte. Eduardo Padron, Amerikas wichtigste Trumpfkarte die dem Land eigene
Kopf der ortsansässigen Kubaner, kontert mit der Anziehungskraft für die besten wissenschaftlichen und
Bemerkung: "Zweisprachigkeit ist ein praktischer technischen Köpfe ist", fügt Kotkin hinzu, dessen letzLebensstil."
tes Buch den Titel Tribes: How Race, Religion, and
Identity Determine Success in the New Global
Die Behauptung, die Einwanderung verschlechtere Economy trägt.
entscheidend die Arbeitsplatzchancen auf den untersten Stufen der Beschäftigungsleiter wird trotz der Wenn er Taxifahrern in Washington, die aus Afrika,
Konkurrenz von den Statistiken nicht untermauert. Im Lateinamerika, dem Nahen Osten, Indien und Asien
Hinblick auf Kalifornien, das in den letzten 20 Jahren stammen die Frage stellt, wie sich Amerika von ihrem
mehr Einwanderer aufgenommen hat als jeder andere Heimatland und von anderen Nationen unterscheidet,
Bundesstaat, fand Muller heraus, daß die Einwanderer dann bekommt Wattenberg eigenen Angaben zufolge
die an diesen Arbeitsplätzen Arbeitenden ersetzt, nicht immer ein und dieselbe Antwort. Sie besteht aus
einem Wort, das immer "Chancen" heißt.
verdrängt haben.
"Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen war
die Einwanderung positiv", stellt er fest, "aber das
wirkliche Argument dagegen hatte soziale Gründe."
Einige Fachleute warnen jedoch weiterhin vor einer
Politik, die so viele unqualifizierte Arbeitnehmer ins

Darin liegt also die schwierige Herausforderung begründet, die Einwanderungspolitik der Vereinigten
Staaten sorgfältig mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten abzuwägen, so daß jeder einzelne eine Chance
hat.

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Seite 4

AMERIKA DIENST 23

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