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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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20

19. Mai 1993

BOSNIEN

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten
in Auszügen

START II

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES IM
INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß

SICHERHEIT

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT
VIER SICHERHEITSPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin

SDI

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND
NEUEN SCHWERPUNKT DES SDIBÜROSAN

r~

Veränderungen infolge neuer Prioritäten
nach dem Kalten Krieg

AID

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION
DER AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood

DEMOGRAPHIE

VEREINIGTE STAATEN KUNDIGEN
WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�f
BOSNIEN
19. Mai 1993

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen
WASHINGTON - (AD) - Bei einer am 14. Mai 1993 veranstalteten Pressekonferenz bekräftigte Präsident Clinton,
das Waffenembargo der Vereinten Nationen dürfe einen Sieg der Serben bei den Kämpfen in Bosnien nicht
vorherbestimmen.
Unter erneutem Verweis auf seine Besorgnis, das Waffenembargo der Vereinten Nationen im ehemaligen
Jugoslawien hätte die "unbeabsichtigte" Folge gehabt, den serbischen Streitkräften einen enormen Vorteil zu
verschaffen, stellte Clinton gegenüber den Journalisten fest, aus diesem Grund sei er stets für eine gewisse
Aufhebung des Embargos gewesen.
Auf die Frage, ob die bosnischen Kämpfe einen Bürgerkrieg oder einen Angriffskrieg bedeuteten, antwortete der
Präsident, sie seien beides. "Es ist ein Bürgerkrieg und ein Angriffskrieg", stellte Clinton fest, "weil Bosnien als
juristisch eigenständige Einheit gegründet wurde", als die Föderative Republik Jugoslawien in ihre Einzelteile
zerfiel. "Es ist ein Bürgerkrieg", erklärte der Präsident, weil "Bevölkerungsteile, die auf diesem Territorium leben,
gegeneinander kämpfen und es Aggression von außen ... vornehmlich von den Serben" gegeben hat.
Der Präsident fügte hinzu, er habe noch keine Empfehlung vom Verteidigungsministerium bezüglich des
Vorschlags erhalten, amerikanische Truppen in Makedonien zu stationieren, um serbische Grenzübergriffe zu
vereiteln. Er verwies darauf, daß die Bush-Administration im Hinblick auf den Kosovo, eine mehrheitlich von
Albanern bevölkerte serbische Provinz, gewarnt hatte, "wenn sie (die Serben) versuchen,... die Albaner dort zu
unterdrücken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Frage: Herr Präsident, Sie haben erklärt, die Vereinigten Staaten würden eine Militäraktion in Bosnien nicht
im Alleingang unternehmen. Und dennoch haben die
europäischen Verbündeten die Zustimmung zu Ihren
Vorschlägen verweigert. Wenn sich die Verbündeten
weigern, mitzumachen, wie lautet dann die Position
der Vereinigten Staaten?
Antwort: Ich möchte das von mir bereits Gesagte
wiederholen, weil die Vereinigten Staaten meines
Erachtens die richtige Position eingenommen und wir
einige gute Ergebnisse erzielt haben. Ich habe gesagt
- ich wiederhole - meiner Ansicht nach müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihren Verbündeten handeln, insbesondere weil Bosnien im Herzen
Europas liegt und die Europäer dort sind. Wir müssen
über die Vereinten Nationen zusammenarbeiten.

AMERIKA DIENST 20

Zweitens glaube ich nicht, daß die Vereinigten Staaten
Truppen dorthin entsenden sollten, um im Namen
einer der Parteien in den Konflikt einzugreifen. Meines
Erachtens sollten wir weiterhin den Druck verstärken.
Wie Sie wissen, vertrete ich die Position, daß der beste
Weg dies zu tun in der Aufhebung des Waffenembargos mit Unterstützung einer auf Abruf bereitstehenden
Luftstreitmacht besteht, für den Fall, daß die gegenwärtige Situation durch den unfairen Einsatz von Artillerie seitens der bosnischen Serben gestört wird. Diese
Position liegt immer noch auf dem Verhandlungstisch.
Sie wurde nicht von vornherein verworfen. In der Tat
haben einige europäische Verbündete ihr zugestimmt
und andere sind noch nicht bereit, so weit zu gehen.
Wir müssen jedoch den Druck aufrechterhalten. Ich
möchte Sie nur daran erinnern, daß seit unserer Zusa-

Seite 1

�ge, uns für den Van ;e/Owen-Friedensprozeß zu engagieren, zwei der drei Parteien unterschrieben haben.
Wir haben die Durchsetzung der Flugverbotszone
durch die Vereinten Nationen bewirkt. Wir konnten
mehr humanitäre Hilfsgüter dorthin liefern, und wir
konnten ein äußerst hartes Embargo gegen Serbien
aufrechterhalten, das meiner Ansicht nach zusammen
mit dem Druck weiterer Aktionen direkt zu der von
Präsident Milosevic abgegebenen Erklärung geführt
hat, er würde die Unterstützung der bosnischen Serben einstellen.
Von hier aus wollen wir weiterhin in die richtige Richtung drängen. Während wir uns hier unterhalten,
erwägen die Vereinten Nationen eine Resolution, dank
der wir UN-Truppen entlang der Grenze zwischen
Serbien und Bosnien stationieren könnten, um die
Entschlossenheit der Regierung Milosevic auf die Probe
zu stellen und zu verstärken, die Lieferungen an die
bosnischen Serben zu unterbinden. Wenn diese
Resolution verabschiedet wird, ist sie ein sehr guter
nächster Schritt. Wir werden einfach weiterhin in diese
Richtung arbeiten und drängen. Und ich denke, wir
werden immer mehr Ergebnisse erzielen.
Frage: Erwägen Sie die Entsendung amerikanischer
Streitkräfte nach Makedonien und vielleicht zum Schutz
von Sicherheitszonen in Bosnien?
Antwort: Bezüglich Makedoniens prüft das Verteidigungsministerium diese und viele andere Optionen,
was die Vereinten Nationen - und die Verbündeten tun könnten, um sicherzustellen, daß wir diesen Konflikt eindämmen und ihn vor einer Ausweitung bewahren. Ich habe vom Verteidigungsministerium noch
keine Empfehlung erhalten und daher noch keine
Entscheidung getroffen.
Frage: Herr Präsident, es herrscht allgemein der
Eindruck, daß Sie schwafeln und sich nicht entscheiden können. An einem Tag sagen Sie, in wenigen
Tagen werden wir eine Entscheidung treffen, wir haben einen gemeinsamen Ansatz - am nächsten Tag
sagen Sie, wir arbeiten immer noch an einem Konsens. Werden amerikanische Truppen zu der Grenzpartrouille gehören, über die die Vereinten Nationen
abstimmen, und wissen Sie, wo wir stehen?

vorgeschlagen, wir sollten uns an dieser Schutztruppe
beteiligen.
Frage: Vergangene Woche haben Sie erklärt, wenn
Sie die Luftwaffe in Bosnien einsetzen würden, hätten
Sie eine klare Strategie, und diese hätte einen Anfang,
eine Mitte und ein Ende. Aber was geschieht, wenn
eine Maschine abgeschossen wird, wenn Sie einen
Piloten oder mehrere verlieren, oder wenn die bosnischen Serben • oder die Serben - sich entschließen,
den Konflikt zu eskalieren, indem sie beispielsweise in
den Kosovo einmarschieren?
Antwort: Nun, bevor ich Präsident wurde, hat die
Bush-Administration eine klare Warnung an die Serben mit dem Inhalt gerichtet, wenn sie versuchten, den
Kosovo zu besetzen und die Albaner dort zu unterdrükken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt. Allgemein ist festzustellen, daß man niemals amerikanische Truppen unter der Voraussetzung entsenden
kann, daß es keine Verluste gibt. Das ist schlicht
unmöglich, und wie das Pentagon Ihnen sagen wird,
verlieren wir sogar jetzt im Frieden Soldaten in der
harten Ausbildung, die unsere Streitkräfte durchführen
müssen.
Frage: Bosnien scheint sich zu einer ausweglosen
Situation zu entwickeln. Sie haben stets erklärt, Sie
wollten einen Konsens mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten haben. Bis zur Herstellung dieses
Konsenses war es für Sie anscheinend äußerst schwierig, dem amerikanischen Volk präzise zu erklären, wie
dieser Krieg definiert werden sollte - handelt es sich um
einen Bürgerkrieg, ist es ein Angriffskrieg? Und auch
nicht unbedingt, welches der nächste Schritt sein
sollte. Aber welches sind die übergeordneten Prinzipien, die Ihre Politik leiten sollten? Was können Sie
dem amerikanischen Volk zum jetzigen Zeitpunkt darüber
sagen?

Antwort: Erstens, daß es sowohl ein Bürgerkrieg als
auch ein Angriffskrieg ist, weil Bosnien als juristisch
eigenständige Einheit gegründet wurde. Es ist ein
Bürgerkrieg, in dem Bevölkerungsteile, die auf diesem
Territorium leben, gegeneinander kämpfen. Gleichzeitig gab es eine Aggression von außen, teils von den
Kroaten und teils von den Serben - vornehmlich von
Antwort: Erstens habe ich mich entschieden und den Serben -, so daß die unvermeidliche, wenn auch
Ihnen erklärt, wie meine Position lautet. Und ich habe unbeabsichtigte Folge des Waffenembargos die Versie so klargemacht, wie ich kann. Meines Erachtens ist einten Nationen in die Lage brachte, eine enorme
es jedoch auch unabdingbar, daß wir gemeinsam mit Waffenüberlegenheit der bosnischen Serben zu ratifiunseren Verbündeten daran arbeiten. Die Vereinigten zieren. Unser Interesse - zumindest meines ErachStaaten sind weder in einer Position, im Alleingang tens - besteht jedoch darin zu gewährleisten, daß die
vorzugehen, noch sollten wir dies tun. Das ist die Vereinten Nationen das Ergebnis eines Bürgerkriegs
Antwort auf Ihre Frage.
nicht vorherbestimmen - deshalb war ich stets für eine
Art Aufhebung des Waffenembargos -, daß wir den
Die von den Vereinten Nationen erwogene Resolution
Konflikt eindämmen und alles in unserer Macht Stezieht meines Wissens eine Verlegung an die Grenze
hende tun, damit er beendet wird und die ethnischen
und Erweiterung der UNPROFOR-Truppen in BeSäuberungen eingestellt werden.
tracht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde nicht

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�Dies sind unsere Interessen dort, und dies sind die
Interessen, die zu verwirklichen ich bestrebt sein werde.
Wir sollten jedoch keine amerikanischen Bodentruppen auf seiten irgendeiner kriegfü hrenden Partei in den
Konflikt einschalten, und wir müssen mit unseren
Verbündeten vorgehen. Es ist ein sehr schwieriges
Problem. Ich bin mir bewußt, daß es in einer Welt, in
der wir alle über alles Gewißheit haben möchten,
schwer ist, damit umzugehen, es ist wirklich ein schwieriges Problem.

Frage: Ich möchte nochmals auf die vorhin gestellte
Frage zu Ihrer Unschlüssigkeit in bezug auf Bosnien
zurückkommen. Wie mag sich das Ihrer Meinung nach
wohl auf Ihr Ansehen als Entscheidungsträger ausgewirkt haben? In Meinungsumfragen und einigen
Bemerkungen demokratischer Kongreßmitglieder wird
die Besorgnis laut, daß Sie unentschlossen und vielleicht nicht hart genug sind, alle Probleme in den Griff
zu bekommen.

Antwort: Ich möchte Sie lediglich fragen, wo die
Beweise dafür sind? Als Rußland ein Thema wurde,
übernahmen die Vereinigten Staaten die Führungsrolle, und wir erhielten ein sehr befriedigendes Resultat.
Als ich mein Amt antrat, erklärte ich, wir würden mehr
im Hinblick auf Bosnien tun. Wir erklärten uns bereit,
den Vance/Owen-Friedensprozeß zu unterstützen, und
zwei der drei Parteien unterzeichneten ihn. Wir brachten die Durchsetzung der Flugverbotszone zuwege,
wir begannen, unsan multinationaler humanitärer Hilfe
zu beteiligen. Wir haben wesentlich schärfere Sanktionen erreicht, die Drohung mit militärischer Gewalt liegt
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die Auseinander- als mögliche Option auf dem Tisch. Milosevic hat
setzungen zwischen Kroaten und Muslimen die Dinge seine Haltung geändert, und alles, weil diese Adminikomplizierter machen, aber zumindest haben sich die stration mehr getan hat als die vorherige.
führenden Köpfe auf ein Ende des Konflikts verständigt. Zu dem anderen Thema meine ich, daß Luftstreit- Und jedes Mal, wenn ich den Kongreß konsultiert
kräfte am besten auf die von mir erläuterte Art und habe, wurde mir vertraulich gesagt, dies sei wirklich ein
Weise eingesetzt werden, und zum jetzigen Zeitpunkt schwieriges Problem. Ich weiß nicht, was Sie tun
sollten, aber Sie sind der einzige Präsident, der uns
befürworte ich keine andere Option.
überhaupt jemals vorher konsultiert hat. Statt uns zu
Frage: Herr Präsident, die serbische Regierung hat sagen, was Sie zu tun gedenken, fragen Sie uns
wissen lassen, sie werde die Waffenlieferungen an die tatsächlich um unsere Meinung. Ich glaube nicht, daß
bosnischen Serben einstellen. Würde ein solcher dies ein Zeichen der Schwäche ist, und ich bin mir
Schritt die Option ausschließen, die bosnischen Mus- bewußt, daß es fürSie alle vielleicht frustrierend ist, mit
lime aufzurüsten?
der Zweischneidigkeit dieses Problems fertig zu werden, aber es ist ein schwieriges Problem.
Antwort: Darauf habe ich zwei Antworten. Erstens
hoffe ich, daß die Resolution der Vereinten Nationen Ich verfolge eine klare Politik. Ich habe mehr erreicht
Erfolg hat, damit wir einige UN-Vertreter an der Grenze als mein Vorgänger. Daß er nicht mehr getan hat, liegt
stationieren können, um zu sehen, ob dies wirklich vielleicht darin begründet, daß man wegen Unentgeschieht. Zweitens, ob dies die Option der Bewaff- schlossenheit kritisiert werden kann, wenn man nicht
nung hinfällig macht, hängt wirklich davon ab, wieviele alle über Nacht geschlossen hinter sich bringt, MenWaffen bereits in Bosnien gehortet wurden, insbeson- schen, die jahrhundertelang gegeneinander gekämpft
dere schwere Waffen, schwere Artillerie. Meines haben. Wir sind nicht unschlüssig. Wir verfolgen eine
Erachtens ist dies das Problem, und das ist eine klare, solide Politik.
Sachfrage, die wir beantworten müssen.

Frage: Herr Präsident, zum Thema Waffenembargo,
glauben Sie, daß die Kämpfe zwischen Kroaten und
Muslimen den europäischen Einwänden gegen Ihren
Vorschlag zur Aufhebung des Waffenembargos eine
Berechtigung geben, weil diese zeigen, wie kompliziert
es ist und wie leicht diese Waffen in andere Hände
gelangen können? Und zweitens, glauben Sie, daß
man versuchen sollte, ein Gleichgewicht allein durch
Luftangriffe herzustellen, wenn Ihnen beim Waffenembargo die Hände gebunden sind?

*

AMERIKA DIENST 20

* * *

*

Seite 3

�START

II
19. Mai 1993

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES
IM INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Ratifizierung des START-Il-Rüstungskontrollvertrages liegt US-Außenminister
Christopher zufolge sowohl im Interesse der Vereinigten Staaten als auch Rußlands und "stellt ein politisches
Symbol von großer Bedeutung dar".
In einer Erklärung vordem Auswärtigen Ausschuß des Senats äußerte Christopheram 11. Mai 1993, "durch die
Beseitigung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden
Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht". Der Vertrag muß vom Senat mit einer
Zweidrittelmehrheit ratifiziert werden.
Christopher erklärte femer, der Vertrag werde die russisch-amerikanische Partnerschaft stärken, "indem
Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren".
Nachfolgend veröffentlichen wirden vorbereiteten Redetext der Eingangserklärung des Außenministers vordem
Senatsausschuß im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, hier heute über den START-Il-Vertrag zu
sprechen. Es gibt nur wenige Aufgaben des Senats,
die von größerer Bedeutung sind als Ihre verfassungsmäßige Pflicht, über die Ratifizierung von Verträgen zu
beraten und Ihre Zustimmung dazu zu geben. Heute,
da der Ausschuß und der Senat ihre Beratungen über
den Start-Il-Vertrag beginnen, sind wir in ein neues
Zeitalter der russisch-amerikanischen Beziehungen
eingetreten. Dieser historische Rüstungskontrollvertrag wird im Falle seiner Ratifizierung den paradoxen
aber positiven Effekt haben, da ß der Rüstungskontrollprozess nicht länger im Mittelpunkt unserer Beziehungen steht.
Die beiden ehemaligen Gegner des Kalten Krieges
bilden jetzt eine neue Partnerschaft auf der Grundlage
gemeinsamer Interessen, die von zunehmender politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Diese neue Art der Beziehung ermöglichte den START-Il-Vertrag. Die zügige Ratifizierung
dieses Vertrages wiederum wird sowohl unsere nationale Sicherheit als auch die russisch-amerikanischen
Beziehungen stärken und vertiefen.
START II liegt zuallererst im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten. Durch die BeseitiAMERIKA DIENST 20

gung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die
Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht. Die erweiterte kooperative Beziehung,
die die Vereinigten Staaten und Rußland derzeit aufbauen, wird dadurch auf eine solide Grundlage gestellt. Diese Partnerschaft wird gestärkt, indem Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und
freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren.
START II liegt auch im Interesse Rußlands. Hiermit
will ich natürlich nicht andeuten, daß unsere Interessen sich immer mit denen Rußlands decken. Wir
werden sicherlich bei Gelegenheit verschiedener
Meinung sein, genauso wie wir manchmal mit unseren
Freunden verschiedener Meinung sind. Im Hinblick
auf die Ratifizierung des START-Il-Vertrages decken
sich jedoch die amerikanischen und russischen Interessen in bemerkenswertem Ausmaß.
Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland
Das Zeitalter der Konfrontation ist zwar beendet, aber
die zentrale Bedeutung Rußlands für die amerikaniSeite 1

�sehe Außenpolitik dauert an. Keine Entwicklung
außerhalb unserer Grenzen wird in größerem Ausmaß
zur Sicherung einer friedlichen und prosperierenden
Welt beitragen als eine Fortsetzung des Prozesses der
Demokratisierung und Wirtschaftsreformen in Rußland.

zur Zusammenarbeit bei anderen Sicherheitsfragen
führen.

Wenn wir uns mit diesem Vertrag befassen, müssen
wir auch die Fähigkeiten unseres ehemaligen Gegners
im Auge behalten, falls sich seine Absichten durch eine
tragische Fehlentwicklung der Geschichte ändern sollten.
Wir alle,die wirdie Demokratie und den Reformprozeß Dieser Vertrag geht auch hierauf ein. Sollte es wieder
in Rußland unterstützen, wurden durch das Ergebnis ein Zeitalter der Konfrontation geben, werden die
des russischen Referendums letzten Monat ermutigt. Bestimmungen des START-Il-Vertrages die Stabilität
Das greifbare Ergebnis war auch ein schlagender bedeutend erhöhen und die Gefahr eines Krieges
Beweis dafür, daß die Demokratie in Rußland Fuß faßt senken.
und das russische Volk bereit ist, seine schwierigen
START II schreibt eine Reduzierung der strategischen
Reformvorhaben fortzusetzen.
Waffen beider Seiten vor, die vor nur zwei Jahren noch
Präsident Clinton versicherte Präsident Jelzin in Van- undenkbar gewesen wäre. Am 2. Januar 2003 werden
couver erneut, daß die Vereinigten Staaten beabsich- die strategischen Waffen auf ein Drittel ihres jetzigen
tigen, ihren Teil zur Unterstützung von Reformen und Niveaus gesenkt werden. Wenn es uns und den
Demokratie beizutragen. Diese Unterstützung liegt Russen gelingt, uns auf ein Programm für amerikaniwesentlich im Interesse der Vereinigten Staaten. Keine sche Hilfe beim Abbau strategischer Offensivwaffen
Beziehung ist für die langfristige Sicherheit der Verei- zu einigen, wird dieser Abbau Ende des Jahres 2000
nigten Staaten von größerer Bedeutung als unsere erfolgen - ein ermutigender Meilenstein für das neue
Jahrtausend.
strategische Beziehung zu Rußland.
Wir waren in vielen Bereichen Zeuge der Entwicklung
einer kooperativen und konstruktiven Beziehung zu
Rußland. Letzte Woche war ich in Moskau zu Konsultationen über die Krise in Bosnien. Während dieser
Gespräche sagte Rußland zu, sich an der Durchsetzung einer ausgehandelten Lösung in Bosnien zu
beteiligen, wenn eine Einigung erzielt wird. Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit amerikanischer und
russischer Streitkräfte bei der Friedenssicherung ist
ein Beweis dafür, wie weit sich die Beziehungen bereits entwickelt haben.

Wichtiger noch als der Abbau an sich ist die Beseitigung der Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen, insbesondere der schweren ICBMs,
des gefährlichsten und destabilisierendsten Vermächtnisses aus dem Zeitalter der atomaren Konfrontation.
Unter dem START-Il-Vertrag werden alle schweren
russischen SS-18 und alle ihre Silos zerstört oder für
zivile Zwecke genutzt. Nichts symbolisiert besser das
Ende des Rüstungswettlaufs zwischen den Supermächten. Während wirtschaftlicher Druck von Rußland eine drastische Reduzierung seiner strategischen
Waffen erfordert haben mag, ist es der START-IlLetztlich sind der Erfolg der Demokratie in Rußland - Vertrag, der eine stabilisierende Reduzierung sichert.
und seine Umwandlung zu einer Marktwirtschaft - die Und es ist der START-Il-Vertrag, der die Frage des
beste Garantie für internationale strategische Stabili- Umfangs der strategischen Waffen von der politischen
tät. Der Kongre ß hat viel getan, um Ru ßlands Entwick- Tagesordnung in Rußland entfernen wird.
lung zu einer von Rechtsstaatlichkeit bestimmten freien Marktwirtschaft zu ermutigen. Ich fordere Sie dazu START II vollendet die Arbeit des ersten STARTauf, diese Unterstützung des russischen Volkes und Vertrages. Während der START-I-Vertrag die Interseiner Regierung fortzusetzen, die in den nächsten kontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen mißMonaten mit noch größeren Herausforderungen kon- billigte, werden sie im zweiten START-Vertrag verbofrontiert sein werden.
ten. Während der erste START-Vertrag die Hälfte der
Abschußrampen für die schweren ICBMs abschaffte,
START II und die nationalen Interessen der Verei- sieht START II ihre gesamte Beseitigung vor - auch die
nigten Staaten
ihrer Raketen. Gleichzeitig behält START II die für die
Abschreckung
erforderliche Struktur der US-StreitRüstungskontrolle ist zwar nur ein Element unserer
kräfte
bei
und
ermöglicht
es uns, die Stärke unserer
neuen Beziehungen zu Rußland, bleibt jedoch ein sehr
Bomberflotte
an
künftige
Notwendigkeiten
anzupaswichtiges. START II, zusammen mit dem ersten
sen.
START-Vertrag, liegt auch in der Zeit nach dem Kalten
Krieg in unserem Interesse. Der Vertrag bietet erhöhte
Stabilität, fördert Transparenz und Offenheit und beseitigt die Fähigkeit zum Erstschlag und die Strategien
einer vergangenen Zeit. Seine formelle, bindende
Struktur unterstützt die politischen Elemente unserer
Beziehungen. Und die für die Einführung des umfassenden Abbaus notwendige Zusammenarbeit wird auch

Seite 2

Nicht nur die Vereinigten Staaten und Rußland haben
Vorteile vom START-Il-Vertrag. Die starke Reduzierung der amerikanischen und russischen Streitkräfte
unter das Niveau von START I erhöht auch die Sicherheit anderer Unterzeichnerstaaten des START-I-Vertrages - der Ukraine, Kasachstans und Belarus'. START
II unterstützt ferner unsere Bemühungen, dem Nicht-

AMERIKA DIENST 20

�Verbreitungsvertrag zu universeller Geltung zu verhel- ges zugestimmt. Mit der Annahme von START I
verband das russische Parlament die Bedingung, daß
fen.
Rußland keine Ratifizierungsinstrumente austauschen
In Verbindung mit dem START-I-Vertrag wird START dürfe, bis Belarus, Kasachstan und die Ukraine dem
II eine Welt schaffen, in der in allen Staaten der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen als
ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme von Rußland atomwaffenfreie Staaten beigetreten sind. Bis heute
Atomwaffen abgeschafft worden sind - und eine Welt, hat lediglich Weißrußland beide Verträge angenomin der die strategischen Waffen in Rußland dramatisch men. Kasachstan hat START I ratifiziert und wir
reduziert und neustrukturiert sind. START II wird die erwarten, daß das Parlament Kasachstans in naher
politische Integration Rußlands in die Familie der Zukunft seine Zustimmung zum Beitritt zum NichtverNationen vervollständigen, in dem eine für ein Zeitalter breitungsvertrag geben wird.
der Zusammenarbeit anstelle der Konfrontation angemessene strategische Beziehung geschaffen wird.
Das ukrainische Parlament hat Anhörungen zum STARTI-Vertrag und zum Nichtverbreitungsvertrag begonSTART II und die russischen Interessen
nen. Obwohl einige Ukrainer auf eine Verzögerung
des Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag drängen,
Dauerhafte Verträge müssen im Interesse beider
bleibt die ukrainische Regierung weiterhin dem STARTVertragsparteien liegen. START II ist ein solcher
I-Vertrag und einer atomwaffenfreien Ukraine verVertrag. Ich habe bereits die Vorteile erwähnt, die ein
pflichtet. Wir haben eine Anzahl von Schritten untersolcher Vertrag für die Vereinigten Staaten haben wird,
nommen, um den von der Ukraine geäußerten Beaber - wie ich bereits sagte - liegt START II auch im
fürchtungen zu begegnen und begrüßen es, daß sowohl
Interesse der Russen. START II wird Rußland wirtdie Ukraine als auch Kasachstan ihre Maßnahmen zu
schaftliche Vorteile bringen. Der Vertrag wird es
START und dem Nichtverbreitungsvertrag bald verRußland ermöglichen, die künftige Last großer stratevollständigen.
gischer Arsenale zu vermeiden sowie die Notwendigkeit, bedeutende Ressourcen zur Aufrechterhaltung Ich weiß, daß vielen Mitgliedern dieses Ausschusses
moderner strategischer Waffen mehr oder weniger auf dieser Aufschub Sorgen bereitet. Ich teile diese Bedem gegenwärtigen Niveau zu investieren. Auf diese sorgnis und habe ihr in der Ukraine auch Ausdruck
Weise wird START II auch den Übergang Rußlands verliehen. Wir müssen jedoch den Aufschub vor
von einer militärisch dominierten Wirtschaft zu einer seinem Hintergrund sehen. Meines Erachtens würden
freien Marktwirtschaft erleichtern, die sich der Dek- alle Amerikaner eine freie Debatte einer noch aus der
kung der Bedürfnisse des russischen Volkes widmet. Zeit der früheren Sowjetunion stammenden routineDer START-II- Vertrag ist ein politisches Symbol von mäßigen Zustimmung vorziehen. Es gibt jedoch eine
großer Bedeutung, da er die neue Partnerschaft und Zeit für Debatten und Diskussionen und eine Zeit für
Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen wider- Taten. Ich hoffe, daß die Ukraine diese Verträge bald
spiegelt.
annimmt. Danach können unsere beiden RegierunSchließlich wird START II Rußland und die Vereinigten
Staaten zu stabileren Waffenstrukturen führen. Eine
der größten Errungenschaften des Vertrages ist die
Beseitigung der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die traditionell als große Bedrohung
der strategischen Stabilität betrachtet werden. Die
weniger bedrohlichen Waffen, die noch verbleiben,
werden die Stabilität erhöhen und Rußlands politische
Beziehung mit seinen Nachbarn verbessern.
Der Stand der Ratifizierung in der ehemaligen
Sowjetunion
Herr Vorsitzender, als Sie mich einluden, heute zu
Ihnen zu sprechen, baten Sie mich insbesondere, die
verbleibenden Hindernisse für eine Ratifizierung von
START I durch die Ukraine zu erörtern, sowie den
Beitritt Kasachstans und der Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag. Diese Entwicklungen sind von entscheidender Bedeutung, da START II nicht vor START
1 in Kraft treten kann.
Die Parlamente Rußlands, Belarus' und Kasachstans
haben bereits einer Ratifizierung des START-I-Vertra-

AMERIKA DIENST 20

gen an einer breiteren Tagesordnung für Zusammenarbeit und Partnerschaft arbeiten, die wir mit dieser
großen europäischen Nation aufstellen möchten.
Auf jeden Fall ist eine Verzögerung der Annahme des
START-I-Vertrages für uns kein Grund, Maßnahmen
im Zusammenhang mit START II zurückzustellen.
Schließlich senkt START II die Gefahr für alle Nachbarn Rußlands, indem die Zahl der russischen Atomwaffen reduziert wird. Daher wird zügiges Handeln des
Senats zur Annahme des START-Il-Vertrages zügiges Handeln auf Seiten Kasachstans und der Ukraine
ermutigen.
Zusammenfassung
Ungeachtet des Ergebnisses des Kampfes für Demokratie und freie Marktwirtschaft in Rußland stellt START
II eine enorme Verbesserung der strategischen Stabilität dar, indem die letzten Spuren der alten sowjetischen strategischen Waffen für einen Erstschlag beseitigt
werden. Folglich liegt es in unserem Interesse und
tatsächlich im Interesse der ganzen Welt, daß dieser
Vertrag so bald wie möglich ratifiziert und in Kraft
gesetzt wird.

Seite 3

�START II ist ein außergewöhnlicher Vertrag, der von
einer Administration ausgehandelt wurde und von der
nachfolgenden Administration, die einer anderen Partei angehört, ratifiziert und durchgeführt wird. Wie
dieser Ausschuß weiß, hat Präsident Clinton die Aushandlung des Vertrages nachdrücklich befürwortet
und vor seiner Amtsübernahme seine grundlegenden
Konzepte unterstützt. Seit Januar haben wir die Ein-

zelheiten des START-H-Vertrages sorgfältig geprüft.
Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, daß der
Vertrag auf einer soliden Grundlage steht und unverändert angenommen werden sollte. Daher fordere ich
den Senat im Namen des Präsidenten auf, zügig seine
Zustimmung zu diesem bedeutenden Vertrag zu geben.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 20

�SICHERHEIT
19. Mai 1993

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT VIER
SICHERHEITSPOLITISCHEN HERAUSFORDERUNGEN
KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin
BELOIT (WISCONSIN) - (AD) - Verteidigungsminister Aspin zufolge stehen die Vereinigten Staaten in der Weh
nach dem Kalten Krieg vor vier sicherheitspolitischen Herausforderungen, die von der Clinton-Administration mit
einer dreifachen Strategie in Angriff genommen werden.
Vor einer Abschlußklasse des Beloit College nannte der Minister am 16. Mai 1993 die folgenden - von den
Gefahren für die freie Welt während des Bestehens der Sowjetunion grundverschiedenen - Bedrohungen:
Kleinere Nuklearangriffe durch gefährliche Außenseiterstaaten;
regionale ethnische und religiöse Konflikte;
Scheitern der demokratischen Reformen in der ehemaligen Sowjetunion und andernorts;
Nichteinbeziehung lebenswichtiger wirtschaftlicher Anliegen bei der Verfolgung der nationalen Sicher
heitsinteressen.
Um diese vier Probleme in den Griff zu bekommen, müssen sich die Vereinigten Staaten laut Aspin
drei grundsätzliche Ziele zu eige n machen:
Entwicklung einerden unterschiedlichen Bedürfnissen des neuen Zeitalters angemessenen Militärstreitmacht;
Sicherstellung, daß der Abbau der US-Streitkräfte nicht zu Lasten von Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der verbleibenden Streitmacht bei der Bewältigung von Krisen geht;
Gewährleistung, daß der Militärhaushalt nicht die wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten aufzehrt,
ein Ziel, das durch bessere Nutzung der begrenzten Ressourcen zu erreichen sei.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Aspins Rede im Wortlaut.

Zwei große Veränderungen haben stattgefunden.
Erstens das Ende des Kalten Krieges. Wir haben ihn
gewonnen. Das sowjetische Imperium existiert nicht
mehr. Die Sowjetunion selbst ist in 15 unabhängige
Staaten zerfallen. Die Politik der Eindämmung der sowjetischen Expansion hat unsere Au ßenpolitik seit den
späten vierziger Jahren beherrscht. Demokratien sind
angeblich nicht in der Lage, langfristig eine kontinuierliche Politik zu verfolgen, aber wir haben die Politik des
Containment mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit
verfolgt, und sie war erfolgreich.
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Die zweite große Veränderung besteht darin, daß die
monolithische militärische Bedrohung durch die Sowjets, die unser militärisches Denken vier Jahrzehnte
beherrschte, verschwunden ist. Es ist nahezu unmöglich, den Einfluß der sowjetischen Bedrohung auf
unser Denken im Hinblick auf die nationale Sicherheit
zu überschätzen. Sie bestimmte den Umfang unseres
Verteidigungshaushalts. Sie bestimmte Stärke und
Struktur unserer Streitkräfte. Sie dominierte unsere
Ausbildung. Sie beherrschte sogar die Art und Weise,
in der wir unsere Waffen konzipierten. Nun ist sie
verschwunden.
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�Es ist deshalb leicht vorstellbar, daß diese beiden
Veränderungen äußerst große Auswirkungen auf unsere
Verteidigung haben müssen. Angesichts dieser Veränderungen müssen wir uns fragen, wovor wir in
diesem neuen Zeitalter eine Verteidigung benötigen.
Welchem Zweck dient sie? Gegen wen werden wir
kämpfen?

Demokratien neigen dazu, weniger Kriege zu führen,
den Terrorismus weniger zu unterstützen und bessere
Verträge abzuschließen und einzuhalten. Mehr
Demokratien, niedrigere Verteidigungsausgaben. Mehr
Diktaturen, höhere Verteidigungsausgaben. Das
Aufkommen von Diktaturen in den ehemals kommunistischen Republiken und andernorts würde wahrscheinlich eine weniger friedliche Welt und für die Vereinigten
Das sind gute Fragen. Und ich werde Ihnen die meiner Staaten gewiß eine schwierigere Welt bedeuten, die
Meinung nach richtige Antwort darauf geben. Unsere überdies auch noch kostspieliger wäre.
Verteidigung für die absehbare Zukunft sollte auf die
Bewältigung von vier Gefahren abzielen, die mit dem Bei der vierten Gefahr verlassen wir gänzlich die
Ende des Kalten Krieges zutage getreten sind.
traditionellen Anliegen der Verteidigung. Präsident
Clinton hat zu der vierten Gefahr beredt Stellung
Die erste ist die neue nukleare Gefahr. Während des genommen und würde sie in der Tat an die erste Stelle
Kalten Krieges waren wir mit Tausenden von strategi- setzen und nicht an die vierte. Diese Gefahr ist eine
schen atomaren Gefechtsköpfen in der Sowjetunion Betrachtungsweise unserer nationalen Sicherheitsinkonfrontiert. Sie sind dort immer noch vorhanden, aber teressen, die wirtschaftliche Interessen ausschließt.
die Bedrohung eines Konflikts mit strategischen Kern- Wirtschaftliches Wohlergehen ist fürunsere Sicherheit
waffen ist bis zur Unkenntlichkeit geschwunden.
von entscheidender Bedeutung. Meines Erachtens
kann das Verteidigungsministerium hier einen echten
Die uns konfrontierende neue atomare Gefahr ergibt
Beitrag leisten.
sich aus einer Handvoll Gefechtsköpfen, die sich in
den Händen anderer befinden. Die politisch Verant- Wenn dies die Gefahren sind, mit denen wir konfronwortlichen der Sowjetunion mögen ein Reich des Bösen tiert sind, wie sollten wir dann mit ihnen umgehen? Es
geführt haben, aber im Hinblick auf Atomwaffen waren wird Sie sicherlich freuen zu wissen, daß wir nächtesie nicht verrückt. Wenn die Verbreitung von Kernwaf- lang und auch an den Wochenenden daran arbeiten,
fen andauert, können wir in bezug auf die neuen diese Frage zu beantworten.
Besitzer nicht immer so sicher sein.
Ich möchte Ihnen heute darüber berichten, wie wir dies
Zwar wären die Zahlen gering, aber dies gilt nicht für in die Wege leiten. Und ich wollte dies besonders hier
die Bedrohung. Eine Waffe kann eine Stadt zerstören, an diesem College tun, dessen Kuratorium ich angeeine Handvoll Waffen können eine nationale Katastro- höre, und in diesem Wahlkreis, den ich über 20 Jahre
phe bedeuten.
lang im Kongreß vertreten habe. Ich bin kein Kongreßabgeordneter mehr, ich bin Verteidigungsminister, aber
Die zweite Gefahr, mit der wir konfrontiert sind, rührt
ich meine immer noch, daß Rechenschaftspflicht eine
von regionalen/ethnischen/religiösen Konflikten her.
gute Sache ist. Ich möchte Ihnen deshalb einen
Ich spreche hier vom Irak, von Panama und Bosnien.
Vorschlag machen, wie Sie meine Leistungen in dieDiese Gefahren stellen kein existentielles Risiko für die
sem neuen Amt benoten könnten. Wir sind zu dem
Vereinigten Staaten dar. Eine solche Bedrohung
Schluß gekommen, daß alles, was wir tun, an drei
könnte nur von einer Macht wie der ehemaligen SoZielen orientiert sein muß.
wjetunion ausgehen. Statt dessen bedrohen die hier
herrschenden Gefahren potentiell vitale Interessen Erstes Ziel: Die für die heutige Zeit angemessenen
der Vereinigten Staaten, amerikanischer Freunde, Streitkräfte aufzustellen. Das Ende der sowjetischen
amerikanischer Verbündeter und des amerikanischen Bedrohung und das Entstehen der vier neuen BedroAnstandsgefühls.
hungen übermitteln uns zusammengenommen eine
Die von der neuen nuklearen Bedrohung und regiona- wichtige Nachricht. Diese großen Veränderungen
len Konflikten ausgehenden Bedrohungen entspre- zeigen uns, daß wir uns mit kleineren Streitkräften als
chen im großen und ganzen traditionellen sicherheits- während des Kalten Krieges verteidigen können, aber
politischen Anliegen. In dieser neuen Welt müssen wir sie dürfen nicht einfach eine kleinere Version der
jedoch unsere Vorstellung von nationaler Sicherheit Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges darstellen.
Wir sind nicht mit einer kleineren Sowjetunion konfronerweitern.
tiert, sondern mit neuen Bedrohungen.
Dieser Punkt wird durch die dritte Gefahr belegt. Sie
ergibt sich aus der Möglichkeit eines Scheiterns demo- Wir könnten der sowjetischen atomaren Bedrohung
kratischer Reformen, und zwar besonders aber nicht beispielsweise mit der traditionellen Abschreckung
ausschließlich in der ehemaligen Sowjetunion. Diesist begegnen. Das bedeutet, wir könnten für den Fall
eine andere Betrachtungsweise für Bedrohungen eines nuklearen Angriffs mit nicht akzeptablen Vergelunserer nationalen Sicherheit, die in dieser neuen Welt tungsmaßnahmen drohen, die diesen verhindern
würden. Es ist absolut nicht sicher, daß Abschreckung
sinnvoll ist.
in Zukunft angesichts der durch die Verbreitung von

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�Atomwaffen geschaffenen Bedrohung immer funktionieren wird.

Unsicherheit, und Unsicherheit kann der Truppe schaden.

Wir bereiteten unsere nichtatomaren Streitkräfte darauf vor, sich auf einem europäischen Schlachtfeld
gegen einen Angriff des Warschauer Pakts zu verteidigen. Wir dachten uns, wenn uns dies gelingen
würde, könnte uns auch alles andere gelingen. Jetzt
existiert diese Bedrohung nicht länger. Welches Ausmaß
und welche Gestalt sollten unsere Streitkräfte jetzt
annehmen?

Wir sind uns auch bewußt, daß die Teilstreitkräfte
großen sozialenund kulturellen Änderungen unterworfen sind. Wir hatten den Tailhook-Skandal und Probleme mit sexueller Belästigung. Wir wollen eine funktionierende Politik ausarbeiten, um den Ausschluß von
Homosexuellen aus dem Militär nur auf gru nd ihrer Neigung abzuschaffen. Wir öffnen mehr Arbeitsplätze für
weibliche Konkurrenz, weil wir sicherstellen müssen,
daß wir in diesem neuen Zeitalter die Besten bekommen.

Kurzum, der alte Ansatz entspricht nicht den Gegebenheiten eines neuen Zeitalters. Daher ist es unser
oberstes Ziel, der neuen Ära entsprechende Streitkräf- Wir können nicht einfach Vogel-Strauß-Politik betreite zu unterhalten.
ben. Die Streitkräfte sind Teil der größeren amerikanischen Gesellschaft, in der diese Fragen AufmerkZu Beginn dieser Aufgabe nahm ich eine Neuorganisa- samkeit erfordern. Wir haben nur eine Möglichkeit - so
tion des Büros des Verteidigungsministers vor, damit klug wie möglich mit ihnen umzugehen.
es der Welt nach dem Kalten Krieg gewachsen ist.
Und, was für unser heutiges Thema am wichtigsten ist: Eines unserer Probleme besteht jedoch darin, daß wir
Ich rief eine Dienststelle ins Leben, die die Strategien während der Umstrukturierung nicht einfach ein Schild
für unseren Umgang mit der neuen Welt an die Res- mit der Aufschrift "Wegen Renovierung geschlossen"
sourcen bindet, die hierzu vonnöten sind.
an die Türe hängen können. Wir haben 24 Stunden am
Tag und 365 Tage im Jahr geöffnet. Aus diesem
Diese Dienststelle leitet jetzt eines unserer wichtigsten Grund müssen wir mit diesen Änderungen klug umgeProjekte, das wir die "Überprüfung von Grund auf" hen, auf eine Art und Weise, die Amerika jeden Tag
nennen. Ich hatte bereits seit langem das Gefühl, einsatzbereite Streitkräfte zur Verfügung stellt. Dies
wenn wir einfach unsere Streitkräfte aus der Zeit des ist das zweite Ziel: Eine einsatzbereite Streitmacht.
Kalten Krieges von oben nach unten abbauen würden, Wir unternehmen au ßerordentliche Schritte, um das in
hätten wir im Endeffekt einfach eine verringerte Streit- die Tat umzusetzen.
macht des Kalten Krieges. Diese Überprüfung beschäftigt sich mit den existierenden Bedrohungen, wie Wir haben es zum Kernstück unserer Operationen
wir ihnen begegnen und wie wir unsere jetzigen Streit- gemacht. Die erste Frage, die wir uns bei jeder Aktion
kräfte umwandeln können, um diesen Bedürfnissen zu stellen müssen, lautet, ob sie unsere Einsatzbereitentsprechen.
schaft beeinträchtigt.
Die Überprüfung von Grund auf wird uns zeigen, wie
wir von Streitkräften aus der Zeit des Kalten Krieges zu
den der heutigen Zeit angemessenen Streitkräften
überwechseln können.

Wir bemühen uns um ein besseres Verständnis dessen, was die wirklichen Elemente von Einsatzbereitschaft darstellt. Zu diesem Zweck habe ich neue
Bestrebungen innerhalb des Bürosdes Verteidigungsministers angeordnet, um Frühindikatoren für ProbleIch sollte auch hervorheben, daß die Überprüfung von me mit der Einsatzbereitschaft sowie ein System zur
Grund auf eine echte Zusammenarbeit mit dem unifor- Überwachung dieser Indikatoren zu entwickeln. Andemierten Militär darstellt. Die einzelnen Teilstreitkräfte, re Schritte sind noch in der Planungsphase. Wir
Mitarbeiter der Vereinigten Stabschefs sowie die werden eine einsatzbereite Truppe haben.
Oberbefehlshaber der Einsatzstäbe auf der ganzen
Welt nehmen daran teil.
Drittes Ziel: Ein besserer Verteidigungshaushalt im
Inland. Unsere nationale Sicherheit hängt kurzfristig
Zweites Ziel: Eine einsatzbereite Truppe. Zur Zeit von militärischer Macht ab. Langfristig hängt unsere
verfügen wir über die besten, stets einsatzbereiten nationale Sicherheit von einer starken Wirtschaft ab.
Streitkräfte der Welt. Die Operation Wüstensturm hat Die Verteidigung kann auf zweierlei Weise zu einer
uns das gezeigt, aber wir müssen vorsichtig sein, weil starken Wirtschaft beitragen: Einmal durch klugen
wir mit tiefgreifenden Veränderungen rechnen müs- Umgang mit überschüssigen Ressourcen und zweisen.
tens durch den klugen Umgang mit dem Geld im
Wir sind uns bewußt, daß ein Abbau in jeder Organisa- Verteidigungshaushalt. Lassen Sie mich das erklären.
tion zu Turbulenzen führt. Unsere Streitkräfte werden
in großem Ausmaß abgebaut, und das könnte zu
Turbulenzen großen Ausmaßes führen. Wir werden
auch mögliche Änderungen bei der Rolle und den
Aufgaben der Truppen untersuchen. Das führt zu
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Erstens, die überschüssigen Ressourcen. Ein Abbau
unserer Streitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges
bedeutet, daß wir Dollars, Mitarbeiter im Verteidigungsbereich und Angehörige der Streitkräfte freisetzen. Sie stellen keine Probleme dar, mit denen man
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�fertigwerden muß, sondern Ressourcen, die genutzt
werden müssen. Die Frage lautet, wie das geschehen
soll. Es ist kein Geheimnis, daß wir eine andere
Weltanschauung als die vorherige Administration haben.
Sie erklärte, der Markt würde das Problem schließlich
lösen, und das wäre auch - schließlich - der Fall. Aber
manchmal kann schließlich eine lange Zeit sein. Daher
wollen wir aktiver werden, hochbezahlte Arbeitsplätze
mit großem Wachstumspotential schaffen und die
Dinge ins Rollen bringen. Wir haben im Haushaltsjahr
1994 700 Millionen Dollar bereitgestellt, um Gemeinden und Einzelpersonen beim Übergang von einer
Wirtschaft aus der Zeit des Kalten Krieges zu einer
Wirtschaft nach dem Kalten Krieg zu helfen.
Zweitens, der Verteidigungshaushalt. In diesem Bereich stellen Forschung und Entwicklung den Schlüssel dar. Unser System hat die besten, fortschrittlichsten Waffensysteme der Wert hervorgebracht. Das
konnten wir in der Operation Wüstensturm beobachten. Wir waren erfolgreich dabei, Technologie in
Waffen umzuwandeln. Wir waren nicht so erfolgreich
dabei, Technologie in kommerzielle Produkte umzuwandeln. Die Liste der Dinge, die hier erfunden, aber
andernorts - beispielsweise in Deutschland oder Japan - in Goldminen des Handels oder für die Verbraucher umgewandelt wurden, ist sehr lang. Das muß
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sich ändern. Dort liegen die hochbezahlten Arbeitsplätze mit großem Wachstumspotential. Dort wird der
internationale Wettbewerb stattfinden, der letztlich
entscheidend ist.
Dort kommen die Forschung im Verteidigungsbereich
und das Entwicklungsbudget ins Spiel. Wir werden in
Technologie investieren, die sowohl militärischen als
auch zivilen Zwecken dient. Diese Mehrzwecktechnologien können hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen
und uns auf den Weltmärkten konkurrenzfähig machen.
Soweit eine kurzer Abriß unseres Programms. Meine
wichtigste Bewährungsprobe als Verteidigungsminister steht mir auf diesen drei Gebieten bevor. Haben
wir die fürdie jeweilige Zeit angemessenen Streitkräfte
geschaffen? Haben wir die Truppen einsatzbereit
gehalten, während wir gleichzeitig diese enormen
Veränderungen in Angriff genommen haben? Und
schließlich, haben wir bei uns zu Hause einen besseren Verteidigungshaushalt aufgestellt?
Wenn wir all das in die Tat umsetzen, werden wir
kurzfristig eine starke Verteidigung und langfristig einer
stärkere Wirtschaft haben.

* * *

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�SDI
19. Mai 1993

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND NEUEN
SCHWERPUNKT DES SDI-BÜROS AN
Veränderungen infolge neuer Prioritäten nach dem Kalten Krieg

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Aspin
hat am 13. Mai 1993 die Umbenennung und Schwerpunktverlagerung des Büros für die Strategische Verteidigungsinitiative (Strategie Defense Initiative Office
- SDIO) angekündigt. Dieser Schritt spiegelt Aspin
zufolge die Prioritäten der Clinton-Administrationen in
der Wert nach dem Karten Krieg wider.

tiert sein, die sowohl nukleare Gefechtsköpfe als auch
ballistische Raketen besitzen, die die Vereinigten Staaten
erreichen können. Aus diesem Grund haben wir die
kriegsschauplatzgebundene ballistische Raketenabwehr zu unserer Hauptpriorität bei der Bewältigu ng der
postsowjetischen neuen Welt nach dem Karten Krieg
gemacht."

M it der Erklärung, das Zeitalter des "Kriegs der Sterne"
in der strategischen Verteidigung sei beendet, gab
Aspin bekannt, die "Organisation für die ballistische
Raketenabwehr" (Ballistic Missile Defense Organization - BMDO) werde das SDIO ablösen, und der
"kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr" werde "unsere vordringliche Aufmerksamkeit"
bei der Bewältigung der neuen weltweiten Gefahren
gelten.

Aspin erläuterte, daß sich die BMDO zusätzlich zur
kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr vordringlich "der nationalen Raketenverteidigung,
einer Verteidigung des amerikanischen Volkes mit
landgestützten Systemen" sowie "Nachfolgetechnologien, die bei der taktischen und strategischen Verteidigung aussichtsreich erscheinen", widmen wird.

"Diese Veränderungen", erklärte er, "bedeuten eine
Abkehr von einem massiven Programm zur StationieDas Jahrzehnt des Kriegs der Sterne begann am 23. rung weltraumgestützter Waffen, um eine Bedrohung
März 1983, alsderdamalige Präsident Ronald Reagan zu bewältigen, die fast bis zur Unkenntlichkeit abgeankündigte, er werde ein Programm einleiten, um nommen hat: der massive Überraschungsangriff aus
"nukleare Waffen unschädlich und überflüssig zu der ehemaligen Sowjetunion."
machen". Sein strategisches Verteidigungsprogramm
wurde rasch mit dem Namen Star Wars nach dem Aspin betonte, daß "immer noch eine nukleare Bedrohung besteht". Er fügte jedoch hinzu, es sei "eine
gleichnamigen populären Spielfilm jener Zeit belegt.
andere Art der nuklearen Bedrohung", die von "ande"Zehn Jahre später", so Aspin bei einer Pressekonfe- ren Leuten" kommt... Es ist eine nukleare Bedrohung
renz im Pentagon, "stellen wir fest, daß sich unser durch ein halbes Dutzend oder weniger Atomwaffen in
Bedarf für eine ballistische Raketenabwehr gewandert den Händen eines terroristischen Staates."
hat - wir benötigen nicht mehr das massive Programm
weltraumgestützter Waffen, wie Ronald Reagan es Im Hinblick auf die mit der neuen Initiative in Zusammenhang stehenden organisatorischen Veränderunsich vorstellte."
gen erklärte Aspin, obwohl das SDIO dem VerteidiWährend des Golfkriegs hätten der irakische Präsi- gungsminister direkt unterstellt gewesen sei, werde
dent Saddam Hussein und seine Scud-Raketen "uns die BMDO dem Staatssekretär im Verteidigungsminigezeigt, daß wir eine Abwehr gegen ballistische Rake- sterium für Beschaffung und Technologie, John Deutch,
ten für unsere Truppen im Feld benötigen. Diese unterstehen.
Bedrohung besteht hier und jetzt", erklärte Aspin.
Diese Veränderung "trägt der Tatsache Rechnung,
In Zukunft, so fügte er hinzu, "könnten wir mit gegne- daß das Programm von Forschung auf die Entwickrischen oder irrational handelnden Staaten konfron- lung und Beschaffung von Systemen verlagert wird",
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�stellte er fest. "Und es gestattet uns, unsere Arbeit an
der ballistischen Raketenabwehr entsprechend ihrem
Stellenwert im gesamten Verteidigungsprogramm
durchzuführen."

Die ehemalige Sowjetunion sei sich ihm zufolge "der
enormen Fortschritte bewußt, die die Vereinigten Staaten
im militärischen Bereich erzielt haben - nicht nur bei
Star Wars, sondern bei... Technologie allgemein. Und
sie erkannten, daß sie nicht konkurrieren konnten...
Sie haben einfach nicht die wirtschaftliche Grundlage
in ihrem Land, die die für Star Wars, präzisionsgesteuerte Munition und für all diese Dinge erforderliche Art
hochtechnologischer Waffen, Systeme und Nebenprodukte herstellen könnte."

Präsident Clintons Haushaltsentwurf für 1994 beantragt 3,8 Milliarden Dollar für die BMDO - dies ist der
gleiche Betrag wie für die Finanzierung des SDIO im
Jahr 1993.
Auf die Frage, wie das Programm Krieg der Sterne zu
der jetzt in die Wege geleiteten kriegsschauplatzgebundenen Raketenabwehr beigetragen habe, erklärte
Aspin, obwohl einige Technologien in beiden Fällen
"relevant" seien, "wurde die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr, über die wir jetzt verfügen unabhängig von ihrem Zustand - im großen und ganzen getrennt von der SDIO-Arbeit entwickelt, die sich
... vornehmlich auf den 'Astrodome'-Ansatz bei der
Handhabung unserer Verteidigung und stark gegen
die Hauptbedrohung der Vereinigten Staaten -... den
... Abschuß von ... Waffen aus der Sowjetunion konzentrierte".

"Sie sahen eine Situation, in der... es nur eine allmähliche Auflösung der Macht gab", stellte er fest. "Meiner
Ansicht nach war das zumindest zum Teil der Grund
für die tiefgreifende Verlagerung, zu deren Versuch
und Verwirklichung in der Sowjetunion sich die Gorbatschow-Generation entschied."

Auf die Frage, ob die Amerikaner mit Krieg der Sterne
etwas Vollwertiges erhalten, antwortete Aspin: "Meines Erachtens haben wir sehr viel gelernt, wenn wir
etwas von den gemachten Erfahrungen ableiten und
anwenden können. Ich denke, wenn es dazu beigetragen hat, die Art von Veränderungen zu bewirken, die in
In einer Bewertung des möglichen Nutzens der Strate- der Sowjetunion stattgefunden haben, so lautet die
gischen Verteidigungsinitiative stellte Aspin fest, es Antwort meiner Ansicht nach 'Ja'."
werde eine "große Debatte darüber geben, ob das
Programm Krieg der Sterne zum Zusammenbruch der
Sowjetunion beigetragen habe. (Aber) meines Erachtens hatte es etwas damit zu tun."

* *

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*

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�AID
19. Mai 1993

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION DER
AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood
WASHINGTON - (AD) - Dem neuen Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge muß sich
das amerikanische Auslandshilfeprogramm auf weniger Ziele konzentrieren. Das Hauptziel müsse darin
bestehen, "umweltverträgliche Entwicklung zu fördern".
Amtsleiter J. Brian Atwood, der sein Amt offiziell erst zwei Tage zuvor angetreten hatte, gab am 12. Mai 1993
vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses eine Stellungnahme ab. Danach sei es Aufgabe
des USAID, die Erlangung anderer wichtiger Aspekte der Außenpolitik zu fördern, darunter amerikanische
Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Aber: "Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzentrieren und
diese bestmöglich verwirklichen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Atwoods vorbereiteten Redetext im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
ich freue mich, vor diesem Ausschuß meine erste
Erklärung im Kongreß als Leiter des AID abgeben zu
können. Die Mitglieder dieses Ausschusses wissen
wahrscheinlich besser als jeder andere, in welchem
Umfang wir heute unser Auslandshilfeprogramm neu
orientieren und neu ausrichten können. Sie haben im
Lauf der Jahre eine entscheidende Führungsrolle bei
der Analyse der Probleme, Definition der Fragen und
Beschreibung der Herausforderungen gespielt, mit
denen das AID konfrontiert ist. Deshalb ist es nur recht
und billig, daß ich mit einem Abriß der spezifischen
Maßnahmen beginne, die von der Administration zur
Stärkung und Neuausrichtung der Auslandshilfe geplant sind und erörtere, wie diese Veränderungen in
unserer Haushaltsvorlage 1994 zum Ausdruck kommen.
Da ich erst seit einem Tag als Leiter des AID im Amt
bin, kann ich Ihnen heute zweifellos noch keinen
umfassenden Plan zur Umstrukturierung und Reform
des Amtes vorlegen. In Zusammenarbeit mit dem
Stellvertretenden Außenminister Wharton werde ich
diesen Plan in enger Konsultation mit Ihnen und Ihren
Kollegen in den nächsten Monaten entwickeln. Ich
möchte diese Gelegenheit jedoch ergreifen, um Ihnen
einige allgemeine Gedanken darüber vorzutragen,
welchen Weg das Amt meiner Meinung nach gehen
sollte.
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Das AID genießt, wie Sie wissen, die zweifelhafte
Ehre, von allen Behörden die meisten Berichte, Studien, Kommissionen und Arbeitsgruppen hervorgebracht zu haben. Es wurde fast "zu Tode untersucht".
Ich möchte Ihnen heute versichern, daß ich nicht
beabsichtige, diesen vielen Bänden weitere hinzuzufügen und lediglich über die Probleme des AID zu
sprechen. Ich möchte Maßnahmen ergreifen.
Über die neuen, infolge der Beendigung des Kalten
Krieges vor uns liegenden Herausforderungen und
Möglichkeiten ist vieles geschrieben und gesagt worden. Diesem Ausschuß ist gut bekannt, wie sehrgeound sicherheitspolitische Anliegen unsere Wirtschaftshilfeprogramme in der Vergangenheit beherrscht sowie
ihre Prioritäten und ihre Richtung bestimmt haben.
Heute benötigen wir einen neuen Ansatz zur Auslandshilfe, der den uns heute konfrontierenden Herausforderungen gerecht wird.
Können wir uns Auslandshilfe leisten?
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist für das amerikanische Volk von entscheidender Bedeutung, weil er in seinem vitalen Interesse
liegt. Wir müssen nicht nur gewährleisten, daß unsere
Programme einhelligen amerikanischen Interessen
dienen, sondern auch den Nachweis dafür erbringen,
daß sie dem amerikanischen Volk und seinen Vertretern im Kongreß dienen.

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�Erstens sollte Auslandshilfe dazu beitragen,
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu
schaffen. Der Lebensunterhalt der Amerikaner
hängt immer stärker vom Welthandel und den
Weltmärkten ab. Die Entwicklungsländer bilden
heute den am schnellsten wachsenden Markt
für amerikanische Exporte. Unsere Auslandshilfeprogramme müssen darauf abzielen, nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Damit werden wir
heute den Grundstein für das amerikanisches
Exportwachstum von morgen legen, und dies
wird mehr Arbeitsplätze für Amerikaner bedeuten.
Zweitens ist unser Land mit ernsten Problemen
konfrontiert, die nationale Grenzen überschreiten. Diese Probleme können nicht von einem
Land allein gelöst werden. Wir haben gemeinsame Interessen bei der Suche nach Lösungen,
von denen wir alle profitieren.
Zum Beispiel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Gesundheit der Amerikaner
hängt nicht nur davon ab, was in ihrer unmittelbaren Umgebung vorgeht, sondern auch davon,
wie gut die internationale Staatengemeinschaft
Infektionskrankheiten in den Griff bekommt. Neue
Krankheiten wie AIDS und neue Arten von
Malaria und Tuberkulose stellen die moderne
Medizin auf die Probe und bedrohen das Wohlergehen von Amerikanern ebenso wie von Menschen in den Entwicklungsländern. Unser Auslandshilfeprogramm sollte weiterhin dringend
benötigte Hilfe zur Finanzierung von Schutzimpfungen für die bereits bekannten Krankheiten
zur Verfügung stellen und Forschungsarbeiten
unterstützen, um die Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten einzudämmen.
Die Umwelt in den Vereinigten Staasten wird
auch von Faktoren beeinflußt, die weit außerhalb unserer Nachbarschaft liegen. Wir wissen
heute, daß die Erwärmung des Erdklimas, der
Abbau der Ozonschicht und der Artenschwund
reale Auswirkungen auf uns alle haben, unabhängig davon, wo wir leben. Die Rettung einer
gefährdeten Art in den Vereinigten Staaten wird
bei weitem aufgewogen, wenn wir in anderen
Regionen Hunderte von Arten verlieren und das
ökologische Gleichgewicht zerstören. Die Förderung umweltverträglicher Entwicklung an weit
entfernten Orten kann dazu beitragen, die fortschreitende Beeinträchtigung der Umwelt und
die Zerstörung des Ökosystems Erde zu verhindern. Unser Auslandshilfeprogramm muß diesen Ländern helfen, neue, umweltverträgliche
Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, und
andere davon überzeugen, daß gemeinsame
Ansätzen für weltweite Umweltprobleme in ihrem Interesse liegen.
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Die Zunahme der Weltbevölkerung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Amerikaner. Selbst
optimistische Prognosen gehen davon aus, daß
sich die Weltbevölkerung bis Anfang des nächsten Jahrhunderts verdoppeln wird. Diese
Bevölkerungsexplosion vollzieht sich in erster
Linie in den Entwicklungsländern.
Eine Verlangsamung und Stabilisierung des Bevölkerungswachstums auf niedrigerem Niveau
erfordert Fortschritt in den Entwicklungsländern.
Wir wissen, daß Frauen, die - durch Bildung, Beschäftigung in einer wachsenden Volkswirtschaft,
angemessene medizinische Versorgung für sich
und ihre Familien sowie Zugang zu moderner
Familienplanung - ihre individuellen Chancen
und Wahlmöglichkeiten verbessert haben,
weniger Kinder zur Welt bringen. Hilfe beim
Aufbau wirtschaftlicher und politischer Systeme
in den Entwicklungsländern, die erweiterte
Chancen und Wahlmöglichkeiten bieten, trägt
zur Lösung der gemeinsamen weltweiten Herausforderungen in der Bevölkerungspolitik bei.
Politische und wirtschaftliche Unsicherheit in
anderen Ländern führt zu Problemen weltweiter
Wanderungsbewegungen. Die meisten Menschen würden es vorziehen, in ihrer Heimat zu
bleiben, aber wenn sie dort keine echten wirtschaftlichen Möglichkeiten vorfinden, werden
sie diese im Ausland suchen. Hilfe beim Aufbau
der Grundlagen für erweiterte Chancen trägt
dazu bei, die Anreize zur Massenauswanderung abzubauen.
Drittens rufen korrupte und nicht rechenschaftspflichtige politische Systeme Frustration hervor,
die häufig zu Gewalt und Konflikten führt. Die
von uns in Somalia beobachtete Anarchie beruht teilweise auf unserem Versäumnis der
Vergangenheit, umfassende wirtschaftliche und
politische Hilfsprogramme mit den Schwerpunkten Wirtschaftswachstum und Demokratie durchzuführen. Heute bezahlen wir den Preis für
diesen Fehler. Wirksame Auslandshilfeprogramme, deren Ziel die Verhinderung von Bedingungen ist, die solchen vom Menschen verursachten Katastrophen Vorschub leisten, werden dem
amerikanischen Steuerzahler in der Zukunft
Kosten ersparen.
Die Entwicklungsländer und die neuen unabhängigen
Staaten leisten zu vielen globalen Probleme die Amerika im Inland bedrohen, einen wichtigen Beitrag und
sind gleichzeitig aber auch Teil ihrer Lösung. Um dauerhafte Lösungen für weltweite Probleme zu finden,
müssen die Frauen, Männer und Kinder in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten
unsere aktiven, konstruktiven und beitragenden Partner werden. Um dies zu tun, müssen sie das Wissen
und die Fähigkeiten haben, die sie zum Handeln
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�befähigen, sowie die wirtschaftlichen und politischen
Institutionen, die ihnen die Möglichkeit bieten, ihre
Zukunft selbst zu gestalten.
Ein wirksames Wirtschaftshilfeprogramm kann zur
Bildung einer anderen Welt beitragen, in der der einzelne für sich und seine Kinder ein neues Leben aufbauen
kann. Unser Auslandshilfeprogramm spielt eine entscheidende Rolle dabei, Ländern zu helfen, vollwertige
Partner zu werden. Auslandshilfe ist für die Interessen
der amerikanischen Bürger nicht unbedeutend. Im
Gegenteil, amerikanischen Interessen wird unmittelbargedient, wenn man den Menschen in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten die
Fähigkeiten und das Verständnis gibt, ihr Leben selbst
in die Hand zu nehmen.

Schwerpunkt
Erstens benötigt das AID weniger Ziele. In
diesem Punkt besteht eine erstaunliche Übereinstimmung. Praktisch jeder Bericht und jede
Analyse des AID betont die Notwendigkeit für
das AID, Schwerpunkte zu setzen. Wir können
es nicht allen recht machen und trotzdem das
Erforderliche gut leisten.

Einfach ausgedrückt, hat das AID einen doppelten
Auftrag. Wir müssen die Fähigkeit haben, auf von
Menschen verursachte und Naturkatastrophen - wie in
Somalia - zu reagieren und Hilfe auf Dringlichkeitsbasis zu gewähren sowie politische und wirtschaftliche
Institutionen wiederaufzubauen. Unser Hauptziel besteht
jedoch darin, umweltverträgliche Entwicklung zu fördern, um ein Auftreten solcher Katastrophen zu verhinWirksamere Hilfe
dern. Wir möchten die Selbständigkeit der Frauen,
Um diese Ergebnisse zu erzielen, müssen wir jedoch Männer und Kinder in den Entwicklungsländern sowie
ein aufgeschlossenes und innovatives, gleichzeitig den neuen unabhängigen Staaten unterstützen. Injedoch verantwortungsbewußt verwaltetes Hilfspro- dem sie ihre individuellen Fähigkeiten stärken, ihre
gramm haben, das klare Leistungen vorweisen kann. wirtschaftlichen Chancen fördern und ihre politischen
In meiner Bestätigungsanhörung habe ich eingeräumt, Freiheiten ausbauen, können sie für sich eine bessere
daß das AID wesentlicher Verbesserungen bedarf, Zukunft schaffen. Weltweit streben die Menschen
bevor es dies effektiv tun kann. Ich werde die Liste der nach den gleichen Chancen - um ihr Leben und ihr
Schwächen und Defizite des AID, die von diesem Schicksal zu kontrollieren.
Ausschuß und anderen erwähnt wurde, nicht wiederholen. Statt dessen möchte ich darüber sprechen, wie Entwicklung kann nicht umweltverträglich sein, wenn
wir sie zu überwinden und eine Behörde zu stärken sie nicht auf Beteiligung beruht und am Menschen
gedenken, die für die nationalen Interessen der Verei- orientiert ist. Dies gilt im Ausland ebenso wie im Inland.
nigten Staaten so lebenswichtig ist.
Erfolgreiche Programme müssen die Fähigkeiten und
das Fachwissen der Ortsansässigen, auf die sie zugeSie wissen bereits um die Bemühungen der Clinton- schnitten sind, einbeziehen und auf ihnen aufbauen.
Gore-Administration zur Umgestaltung der institutio- Das AID muß - häufig mit Hilfe amerikanischer privater
nellen Kultur der Verwaltung auf Bundesebene. Die Hilfsorganisationen und NGOs - auf diejenigen Einzelnationale Leistungsüberprüfung des Vizepräsidenten personen und Gruppen zugehen, die auf lokaler Ebene
bietet eine enorme Chance, im Hinblick auf Reformen entscheidenden Einfluß auf ihre Gemeinwesen ausüim AI D den Worten Taten in Form von spezifischen und ben.
grundlegenden Veränderungen folgen zu lassen. Ich
habe zugesagt, daß die Bemühungen des AID zur Andere besonders wichtige Aspekte der amerikani"Neuerfindung der Regierung" nicht auf einige wenige schen Außenpolitik wie Sicherheit und wirtschaftliche
kleine Experimente in einer oder zwei Abteilungen Wettbewerbsfähigkeit werden von der Clinton-Adminibegrenzt sein, sondern das ganze Amt erfassen wer- stration energisch vertreten. Das AID spielt eine
den.
entscheidende Rolle dabei, die Verwirklichung dieser
anderen amerikanischen Ziele zu erleichtem, indem
Dies ist eine ehrgeizige Verpflichtung, und ich mache es ein geeignetes politisches Umfeld schafft sowie
mir keine Illusionen über die bevorstehenden Schwie- stabile und wachsende Gesellschaften aufbaut. Ich
rigkeiten. Aber wir haben keine andere Wahl. Der beabsichtige, die Koordinierung des AID mit diesen
Kongreß und das amerikanische Volk werden wenig anderen Behörden zu verstärken, so daß unsere
Verständnis für ein zielloses und verschwommenes Programme sich gegenseitig unterstützen und ergänHilfsprogramm haben, das keine Ergebnisse zeitigen zen können. Wir müssen uns jedoch darüber klar
kann.
werden, für was das AID unmittelbar verantwortlich
sein sollte und für was nicht.
Ich möchte, daß dies eine gemeinsame Bestrebung
ist, und ich benötige Ihre Unterstützung, um Erfolg zu Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzenhaben. Lassen Sie mich ein paar allgemeine Prinzi- trieren und diese bestmöglich verwirklichen.
pien nennen, die meines Erachtens unsere künftigen
Entscheidungen und Pläne leiten sollten.
Die jüngste Straffung der Ziele des AID mu ß sich in der
Gesetzgebung widerspiegeln. Dieser Ausschuß hat

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Seite 3

�das Problem erkannt, das durch eine Überzahl von
Zielen entsteht, und bei der Entwicklung eines überarbeiteten Gesetzesüber Auslandshilfe beeindruckende
Fortschritte gemacht. Diese neuesten Fortschritte
bieten eine solide Grundlage für die künftige Gesetzgebung. Die Administration verpflichtet sich, mit diesem und anderen relevanten Kongreßausschüssen
zusammenzuarbeiten, um ein Abkommen über die
neue Gesetzgebung zu erzielen, das diese neuen
Ziele umreißt. Ich hoffe, daß wir diesen Sommer mit
den Gesprächen beginnen und zu einer Einigung über
ein neues gesetzliches Rahmenwerk für die amerikanische Auslandshilfe in der Zeit nach dem Kalten Krieg
kommen werden.
Konzentration auf die Ergebnisse
Zweitens: Sobald wir uns über die verringerte Anzahl
von Zielen geeinigt haben, müssen wir sicherstellen,
daß diese klar definiert sind. Das ist von essentieller
Bedeutung, wenn sich das Amt auf die Messung der
erzielten Ergebnisse konzentrieren soll. Der Kongreß
kennt die genauen Einzelheiten, wieviel das AID fürdie
verschiedenen Programme ausgegeben hat, aber mit
wenigen Ausnahmen wissen Sie wenig darüber, was
wir mit unseren Programmfonds erreicht haben.
Die Konzentration auf die Ergebnisse spiegelt sich in
der Haushaltsvorlage des Außenministeriums für das
Haushaltsjahr 1994 wider. Die Vorlage präsentiert die
wichtigsten Ziele, die die Administration zu erreichen
hofft, sei es die Unterstützung des Übergangsprozesses auf dem Weg zur Demokratie, des Friedens im
Nahen Osten oder der Lösung globaler Probleme.
Die Administration wird den ersten Schritt unternehmen, aber wir können ohne Ihre Hilfe keinen Erfolg
haben. Ich möchte die aktive Kooperation und Unterstützung des Kongresses bei der Schaffung einer
neuen institutionellen Kultur beim AID gewinnen. Ich
bitte Sie, Ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich
den Ausgaben zu widmen. Sie sollten das AID aufgrund der erzielten Ergebnisse zur Rechenschaft ziehen, nicht aufgrund der ausgegebenen Gelder. Wenn
Ressourcen in Programme gesteckt werden, die keine
Ergebnisse zeitigen, dann sollten sie für etwas anderes verwendet werden. Bestimmte Interessengruppen
mögen hiergegen vielleicht Einwände haben. Aber wir
können und sollten keine Programme unterstützen,
die das Erreichte nicht demonstrieren können.

cen effektiv einzusetzen, sollten unsere Hilfsprogramme reduziert oder neuorientiert werden. Das wird
unweigerlich bedeuten, daß das AID in weniger Ländern Programme durchführt oder präsent ist. Das wird
auch bedeuten, daß wir uns in größerem und effektiverem Ausmaß auf die Durchführung unserer Programme konzentrieren.
Ich habe eine sofortige Überprüfung aller bedeutenden
AID-Programme angeordnet, um zu bestimmen, ob
sie identifizierbaren Interessen dienen und klare Ergebnisse vorweisen können. Ich werde festsetzen,
welche Länder nicht länger weitere Investitionen und
Energie unsererseits verdienen. Hochrangige Beamte
des AID werden im Verlauf unserer Bemühungen mit
Ihnen und anderen relevanten Ausschüssen beraten.
Organisatorische Änderungen
Drittens: Ich werde in der nahen Zukunft Entscheidungen zur Durchführung einer Anzahl organisatorischer
Änderungen beim AID treffen. Wir werden den unnötigen bürokratischen Aufwand und die sich überlagernden oder irrelevanten Funktionen abschaffen. Nur
dann werden wir in der Lage sein, die Energien und
Bemühungen der Mitarbeiter des AID in kreative und
effektive Bahnen zu lenken.
Die Aufrechterhaltung einer soliden Präsenz des AID
in Übersee ist von lebenswichtiger Bedeutung. Nur
durch unsere Missionen vor Ort können wir strategische Entwicklungspläne entwerfen und durchführen,
die sowohl globale als auch die nationalen Beschränkungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Missionen in Übersee sind jedoch teuer und ich bin mir
bewußt, daß es noch Raum für erhöhte Effizienz und
Missionen kleineren Umfangs gibt. Ich bin bereit, um
dem Abbau der uns zur Verfügung stehenden Gelder
Rechnung zu tragen, innerhalb der nächsten Monate
Maßnahmen zur Senkung der Kosten unserer Präsenz in Übersee durchzuführen.

Ich plane auch die Stärkung der zentralen politischen
Leitung des Amtes sowie die Rationalisierung und
Durchführung individueller Programmanstrengungen.
Wir müssen die strategische Planung stärken um
sicherzustellen, daß das AID die Herausforderungen
der Zukunft vorhersieht, anstatt auf die Probleme der
Vergangenheit zu reagieren. Wir benötigen eine stärkere und effektivere zentrale Fähigkeit, politische
Führung zu zeigen, sowie Expertenwissen und UnterDie Konzentration auf die Ergebnisse muß die Aus- stützung für unsere Missionen vor Ort und zur Durchwahl der Länder umfassen, in denen AI D-Programme führung der notwendigen Forschung.
durchgeführt werden. Wirtschaftshilfe sollte nicht als
Anspruch gehandelt werden. Unser Budget ist zu Schließlich müssen wir erneut Zusammenarbeit und
begrenzt, und die Forderungen nach Ressourcen sind Teamwork innerhalb des Amtes fördern und jede Art
zu hoch, um Zeit, Energie und das Geld des Steuer- von Arbeit ohne Sinn für das Ganze abschaffen. Neue
zahlers in Ländern zu vergeuden, die sich nicht wirklich operative Verfahrensweisen müssen mit dem Ziel
der Ausweitung der Möglichkeiten und Chancen des eingeführt werden, einen größeren Sinn für Transpaeinzelnen widmen. Dort, wo es eindeutig unmöglich renz und Teilnahme am Entscheidungsfindungsproist, unsere knapp bemessenen Entwicklungsressour- zeß sowie Zusammenarbeit bei der Erreichung gemeinsamer Ziele zu ermutigen.
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AMERIKA DIENST 20

�Verstärkte Koordination

Übergang zur Demokratie

Koordination ist der Schlüssel zur bestmöglichen Nutzung
unserer knappen Ressourcen. Wie ich bereits herausstellte, muß das AID mit anderen Behörden der USRegierung zusammenarbeiten, um komplementäre
Programme zu entwickeln und auf unserer relativen
Stärke und Erfahrung aufzubauen. Die Clinton-Administration widmet sich der Verbesserung der Kommunikation, Konsultation und Koordination zwischen den
einzelnen Ämtern. Ein größeres Verständnis der
jeweiligen Rollen und Verantwortung der verschiedenen außenpolitischen und einschlägigen innenpolitischen Behörden wird zur Zeit entwickelt.

Die Vereinigten Staaten haben großes und dauerhaftes Interesse an der aktiven Unterstützung der aufkeimenden demokratischen Regierungsformen auf der
ganzen Welt. Und nirgendwo haben wir ein direkteres
oder unmittelbareres Interesse am erfolgreichen
Übergang zu einer stabilen Demokratie als in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion.

Eine verbesserte Koordination ist ein Ziel, das sich
nicht auf die amerikanische Regierung beschränkt.
Auf internationaler Bühne waren die Vereinigten Staaten viele Jahre lang nicht nur das größte Geberland der
Welt, sondern leisteten auch den Großteil derglobalen
Wirtschaftshilfe. Das ist nicht länger der Fall. Wir
sollten uns über die Tatsache freuen, daß wir nicht
länger praktisch allein die Hauptlast der Wirtschaftshilfe tragen.
Da unsere Freunde und Verbündeten selbst bedeutende Ressourcen zur Verfügung gestellt haben, ist jetzt
eine neue Art der Beziehungen erforderlich. Wir
müssen mit anderen Geberländern einen gemeinsamen Ansatz für die wichtigsten entwicklungspolitischen Herausforderungen erarbeiten. Wir sind zwar
nicht länger der größte Geber, aber immer noch der
erfahrenste.

Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut
Wirtschaftswachstum ist ein zentrales Ziel kontinuierlicher Entwicklung. Wir können es uns nicht länger
leisten, ein internationales Sozialhilfeprogramm zu
unterstützen. Wir müssen uns auf die Unterstützung
eines Prozesses des im Inland erzeugten Wachstums
konzentrieren, der erweiterte Chancen und Ressourcen bietet, die kontinuierliches und umfassendes
Wachstum ermöglichen. Die zur Erlangung von dauerhaftem, breitgefächertem Wachstum erforderlichen
Maßnahmen werden von Land zu Land variieren, und
die Hauptverantwortung unserer Missionen vor Ort
besteht darin herauszufinden, wie Lösungen für unterschiedliche Probleme integriert und knappe AID-Ressourcen wirksam eingesetzt werden können, um kontinuierliches Wachstum zu erzielen.
Lösung globaler Probleme

Im Einklang mit der Tagesordnu ng der Clinton-Administration wird das AID weltweiten Problemen wie Bevölkerungswachstum, Umweltverträglichkeit und neuen
Für die Zukunft sind nicht zusätzliche amerikanische Bedrohungen der Gesundheit wie AIDS besondere
Finanzmittel, sondern erneut eine amerikanische Aufmerksamkeit widmen. Sie werden sehen, daß die
Führungsrolle vonnöten. Ich möchte, daß das AID Haushaltsvorlage für 1994 Aufstockungen für Initiatidiese Führungsrolle übernimmt und zwar sowohl in der ven in den Bereichen Bevölkerungswachstum und
US-Regierung als auch innerhalb der Gemeinschaft Umweltschutz enthält.
der Geberländer.
Humanitäre Belange
IV. Der Haushaltsantrag für 1994
In jüngster Vergangenheit konnte das Ausmaß beobachtet
werden, in dem die Vereinigten Staaten sich
Ich möchte kurz die Haushaltsvorlage für 1994 erörweiterhin
dringender humanitärer Bedürfnisse annehtern. Wie von Außenminister Christopher erläutert, ist
men,
und
wir können davon ausgehen, daß diese
der Haushaltsantrag für 1994 ein Übergangsetat für
Beanspruchung
unserer Ressourcen in absehbarer
die Zeit, in der wir von einem von Belangen des Karten
Zukunft
anhält.
Krieges geleiteten Programm zu einem übergehen,
das den Chancen eines neuen Zeitalters Rechnung
Im allgemeinen spiegelt der Haushaltsentwurf die Prioträgt.
ritäten wider, die diese Administration der Hilfe für die
Die Bewilligungsanträge und Ausgabeermächtigun- neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten der ehegen des AID für das Haushaltsjahr 1994 sind in beilie- maligen Sowjetunion beimißt. Es sollte jedoch nicht
gender Tabelle zusammengefaßt. Ich möchte mit unerwähnt bleiben, daß wir unsere Verpflichtungen
Ihnen nur einige der Höhepunkte des diesjährigen gegenüber Afrika nicht gekürzt haben, indem wir
Haushaltsentwurfs erörtern. Die Vorlage hebt Schlüs- denselben Beitrag für den Entwicklungshilfefonds für
selaspekte der amerikanischen Außenpolitik hervor, Afrika wie im Haushaltsjahr 1993 beantragt haben.
die auch die Aufgabe des AID verkörpern: UnterstütSchlußbemerkung
zung des Übergangs zur Demokratie, Förderung von
Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut, Lö- Abschließend möchte ich feststellen, daß der vorliesung globaler Probleme und Reaktion auf humanitäre gende Haushaftsentwurf für 1994 Ressourcen für unsere
Belange.
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Seite 5

�vordringlichsten außen- und entwicklungspolitischen
Anforderungen bereitstellt. Mehr als je zuvor bildet die
Arbeit des AID das Kernstück unserer außenpolitisehen Tagesordnung. Es liegt in unser aller Interesse
-einschließlich dem der Amerikaner-sicherzustellen,
daß das AID diese Arbeit erfolgreich leistet. Ich bin

zuversichtlich, daß ich auf diesen Ausschuß und die
Mitarbeit anderer bei der Neudefinition der Rolle der
amerikanischen Auslandshilfe, der Wiederbelebung
des AID und der Erläuterung seiner lebenswichtigen
Rolle gegenüber dem amerikanischen Volk zählen
kann.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 20
l

�DEMOGRAPHIE
19. Mai 1993

VEREINIGTE STAATEN KÜNDIGEN WICHTIGE
VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis auf das weltweite Bevölkerungswachstum als einer der größten
Herausforderungen dieses Jahrhunderts hat Tim Wirth, "Counselor" (rangmäßig vergleichbar mit Ministerialdirektor, Anm. d. Red.) des US-Außenministeriums, die Absicht dar Vereinigten Staaten bekundet, ihre
Bemühungen zu intensivieren und das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen ihrer internationalen Prioritäten zu machen.
In einer am 11. Mai 1993 beim Treffen des Vorbereitungsausschusses für die Internationale Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung 1994 gehaltenen Rede betonte Wirth die von den Vereinigten Staaten eingeleiteten Maßnahmen zur Umkehrung einer 10 Jahre alten Politik, darunter die Wiederaufnahme der Finanzierung
internationaler Programme für Familienplanung.
Wirth, ein ehemaliger Senator aus Colorado, leitet eine umfangreiche amerikanische Delegation bei dieser
Sitzung. Er stellte fest, die Clinton-Administration werde den Kongreß für 1994 um eine Aufstockung der Mittel
für bevölkerungspolitische Maßnahmen um 100 Millionen Dollar ersuchen und stehe kurz vor einer abschließenden Entscheidung über Bedingungen und Ausmaß der finanziellen Unterstützung des Bevölkerungsfonds der
Vereinten Nationen (UNFPA).
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext Wirths im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin, verehrte
Delegierte. Es ist mir eine Ehre, heute die Vereinigten
Staaten hier bei diesem zweiten Vorbereitungstreffen
zur Internationalen Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung in Kairo im Jahr 1994 vertreten zu dürfen.

Ferner möchte ich die entscheidende Rolle der Nichtregierungsorganisationen und -experten bei den Vorbereitungen für Kairo anerkennen. Die NGOs haben
während des Erdgipfelprozesses herausragende Beiträge geleistet, und wir müssen diese Art der Beteiligung auf dem Weg nach Kairo ermutigen. Ihre Ideen,
Zunächst möchte ich Dr. Fred Sai zu seiner Wahl zum Energie, Erfahrung und Verbindungen zu den MenVorsitzenden gratulieren. Wir sehen seiner fähigen schen in jedem Winkel der Welt haben uns geholfen,
Führung gerne entgegen. Ferner möchte ich die so weit zu kommen. Sie werden unsere Erörterungen
Organisatoren der UNO zu der grundlegenden Vorar- in Kairo und darüber hinaus mit Leben erfüllen.
beit beglückwünschen, die für produktive Debatten bei
diesem und den bis Kairo noch stattfindenden Treffen Heute möchte ich Ihnen die neuen politischen Entwickgeleistet wurde. In den nächsten 15 Monaten haben lungen in den Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt
wir viel Arbeit vor uns, aber es wurden bereits wesent- Präsident Clintons erläutern. Diese Entwicklungen
liche Fortschritte erzielt. Es ist uns ein besonderes spiegeln unsere Entschlossenheit wider, erneuerte
Vergnügen, mit Dr. Nafis Sadik und dem fähigen weltweite Bemühungen zur Behandlung von BevölkeSekretariat zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, mei- rungsproblemen an führender Stelle mitzugestahen.
ne heutigen Ausführungen sind so umfassend und Noch schwerer wiegt die Tatsache, da ß wir uns für die
zwingend wie ihre gestern zur Eröffnu ng des Vorberei- Förderung eines internationalen Konsenses im Hintungsausschusses gehaltene Rede.
blick auf das Ziel der Stabilisierung des Wachstums
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Seite 1

�der Weltbevölkerung durch einen umfassenden Ansatz zu Rechten und Bedürfnissen von Frauen, zur
Umwelt und zur Entwicklung einsetzen. Diese Elemente bilden die Grundlagen für eine neue Partnerschaft von Nationen, Männern und Frauen und der
Natur. Nur als innovative und engagierte Partner
können wir dieser dringlichen weltweiten Herausforderung gerecht werden.

und verantwortlich über die Größe ihrer Familie
zu entscheiden;

Eine breitere Perspektive in der amerikanischen
Politik

Betonung der Notwendigkeit für Regierungen
sowie öffentliche und private Organisationen,
sich zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen im Bereich Familienplanung zu verpflichten;

Präsident Clinton engagiert sich nachdrücklich dafür,
das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen der internationalen Prioritäten der Vereinigten Staaten zu machen. Er ist sich der Kosten exzessiven Bevölkerungswachstums fürdie Gesundheit von
Frauen, die Umwelt und unsere Hoffnungen auf Beseitigung der Armut bewußt. Er geht davon aus, daß die
Vereinigten Staaten kein Zuschauer sein können,
währenddie Welt einedergrößten Herausforderungen
dieses Jahrhunderts und des nächsten in Angriff nimmt.
Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Clinton Maßnahmen ergriffen, um die amerikanischen Bemühungen
neu zu beleben. Der Präsident hat die sogenannte
Mexiko-Stadt-Politik beendet, indem er Beschränkungen aufhob, die einigen Familienplanungsorganisationen amerikanische Mittel vorenthielten, weil sie Maßnahmen in Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen durchführten. Er hat eine Reorganisierung
des Außenministeriums angeordnet, die auch dem
höheren Stellenwert Rechnung tragen soll, den wir
dem Thema Bevölkerung als weltweitem Anliegen
einräumen. Er hat eine Umstrukturierung unserer
Auslandshilfeprogramme gefordert, um Entwicklung
effektiver zu fördern. Darüber hinaus hat er für das
Haushaltsjahr 1994 zusätzliche 100 Millionen Dollar
für Bevölkerungsplanung beantragt.
Diese Aktionen haben verdeutlicht, wie wichtig Fragen
der internationalen Bevölkerungsentwicklung für die
Vereinigten Staaten sind. Die amerikanische Regierung unternimmt noch einen weiteren Schritt. Ich freue
mich, heute die Absicht der Clinton-Administration
bekräftigen zu können, einen Beitrag zum Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zu leisten. Wir
stehen kurz vor einer abschließenden Entscheidung
über Bedingungen und Umfang der finanziellen Unterstützung.
Schließlich entwickeln die Vereinigten Staaten unter
der Leitung Präsident Clintons zur Zeit einen umfassenden und weitreichenden neuen Ansatz zu internationalen Bevölkerungsfragen. Damit werden unsere
Aktivitäten ausgebaut und besser mit kollektiven internationalen Bemühungen abgestimmt. Die Schlüsselelemente unseres Ansatzes sind:
Gewährleistung, daß Paare und Einzelpersonen in der Lage sind, ihr Recht auszuüben, frei

Seite2

Förderung des Zugangs zu der ganzen Bandbreite qualitativ hochwertiger medizinischer Leistungen im Fortpflanzungsbereich, einschließlich von Dienstleistungen, die auf Frauen zugeschnitten und von Frauen geleitet werden;

Förderung der Gleichstellung von Frauen, so
daß alle Gesellschaften Fortschritte zu vollständiger Gleichberechtigung bei allen Aspekten der
Entscheidungsfindung im Hinblick auf wirtschaftliche und soziale Entwicklung machen;
Sicherstellung des Zugangs zu medizinischer
Grundversorgung, mit Betonung des Überlebens von Kindern;
Schutz der gefährdeten natürlichen Umwelt auf
unserem Globus;
Gewährleistung, daß unsere Politik den weltweit anerkannten Vorrang umweltverträglicher
Entwicklung unterstützt.
Obwohl diese Verpflichtungen unmittelbarer in anderen Foren behandelt werden, stärkt ihre Verbindung
mit den bevölkerungspolitischen Fragen dieser Konferenz deren Erörterung in diesem Gremium.
Ich wende mich nun drei Hauptanliegen zu, die meines
Erachtens den Rahmen dieser Konferenz bilden:
Gesundheit und Status der Frau, Bevölkerung und
Entwicklung sowie Wanderungsbewegungen.
Gesundheit und Status der Frau
Bei unseren Vorbereitungen für Kairo müssen wir die
Tatsache anerkennen, daß Frauen auf der ganzen
Welt für ihre eigenen Anliegen und zum Wohle ihrer
Familien, ihrer Gemeinden und ihrer Länder eine
Führungsrolle übernehmen. Sie wissen, was sie
benötigen, und sie müssen bei Programmen und
Maßnahmen gleichberechtigte Partner sein.
Frauen sind allzuoft Opfer von Armut, Diskriminierung
und realer physischer Gewalt. Ohne Nahrung, ohne
Gesundheit, ohne Kontrolle über die Fortpflanzung
können Frauen weder ihr Potential vollständig zur
Geltung bringen noch zu umweltverträglicher Entwicklung beitragen. In vielen Ländern herrscht eine unannehmbar hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Unzureichender Zugang zu Gesundheitsvorsorge für Mütter, zu Verhütungsmitteln und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen führt Jahrfür Jahr zum Tod von über
500.000 Frauen infolge von vermeidbaren, schwanAMERIKA DIENST 20

�gerschaftsbedingten Ursachen. Die weltweite Pande- hung demographischer Gesichtspunkte in die Umweltmie AIDS und andere Geschlechtskrankheiten betref- planung auf allen Ebenen vorsehen.
fen ebenfalls immer mehr Frauen ebenso wie Männer.
Wanderungsbewegungen
Der ungedeckte Bedarf an sicheren, wirksamen Methoden der Empfängnisverhütung ist in den meisten Ein drittes wichtiges Thema der Bevölkerungspolitik
Ländern heute gut dokumentiert. Viele Frauen haben sind die internationalen Wanderungsbewegungen.
weiterhin keinen Zugang zu irgendeiner, geschweige Unkontrollierte Wanderungsbewegungen werden von
denn zu der von ihnen bevorzugten Methode oder zu demographischem Druck angeheizt, und der gleiche
Beratung und Anschlußversorgung, die deren korrekte Druck stellt unsere Fähigkeit in Frage, mit unserer
Umwelt in Frieden zu leben. Der Kairo-Prozeß sollte
Anwendung sicherstellen könnte.
die Vorrangstellung bekräftigen, die wir der VerbesseInsgesamt müssen wir zu Gesundheitsfragen im Hin- rung von Bedingungen einräumen, die Menschen zum
blick auf Sexualität und Fortpflanzung einen breiteren Verlassen ihrer Heimat bewegen - Verarmung, VerfolAnsatz einnehmen. Wir müssen erkennen, daß die gung und Konflikte.
Förderung von Rechten und Gesundheit der Frau
sowie die Unterstützung der Familienplanung einan- Alle Menschen sollten das Recht haben, in Sicherheit
der verstärkende Ziele sind. Noch grundlegender ist und Würde in ihrer Heimat zu bleiben. In den Fällen,
die Tatsache, daß alle Schranken, die Frauen die in denen Einzelpersonen auf Dauer umgesiedelt sind,
Gleichstellung verwehren, beseitigt werden müssen. sollten die Regierungen alles in ihrer Macht Stehende
Bildungschancen für alle, besonders für Mädchen und tun, um sie vollständig in das soziale und politische
Frauen, sind eine unverzichtbare Vorbedingung für Leben ihrer neuen Heimat einzugliedern.
deren wirtschaftliche Gleichberechtigung.
Neue Chancen: Die Konferenz von Kairo
Bevölkerung und Entwicklung
Die Konferenz von Kairo und der zu ihr führende
Prozeß werden neue Möglichkeiten erschließen, um
sich auf durchführbare Empfehlungen zu den soeben
von mir erörterten Fragen zu einigen. Das Sekretariat
für die Konferenz hat uns einen gut durchdachten
konzeptionellen Rahmen geliefert, derumdas zentrale
Thema von "Wahlmöglichkeiten und Pflichten" gezogen ist. Wir müssen sorgfältig die Pflichten erwägen,
die Männer und Frauen gegenseitig haben, die PflichDie Bürger der Industriestaaten müssen erkennen, ten, die Regierungen gegenüber den innerhalb ihrer
daß unsere gegenwärtigen Verhaltensmuster bei Grenzen lebenden Bürgern haben sowie die Pflichten
Bevölkerungszahl, Technologie und Verbrauch unse- aller gegenüber der Völkergemeinschaft. Indem wir
ren Staaten einen wichtigen und unverhältnismäßig dies tun, können wir sicherstellen, daß Einzelpersonen
großen Einfluß auf die Umwelt einräumen. Obwohl sie eine Wahlmöglichkeit haben.
weniger als ein Viertel der Weltbevölkerung repräsentieren, verbrauchen die Industriestaaten 75 Prozent Darüber hinaus sehen die Vereinigten Staaten der
aller Rohstoffe und produzieren einen ähnlichen Anteil Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft entgegen, um einen Konsens im Hinblick
an festen Abfällen.
auf vordringliche, langfristige und quantitative Ziele zur
Unter Präsident Clinton widmet sich Amerika heute Stabilisierung der Weltbevölkerung zu entwickeln,
aktiver diesen Problemen. So werden die Vereinigten ebenso wie wir uns bemühen, die globale Umwelt zu
Staaten beispielsweise die Konvention zum Arten- bewahren, die Gesundheit zu verbessern und andere
schutz unterzeichnen und verpflichten sich, bis zum Entwicklungsziele zu erlangen.
Jahr 2000 ihre Emissionen von Treibhausgasen auf
den Stand von 1990 zu senken. Die vom Präsidenten Femer ermutigen wir zur Entwicklung regionaler Ziele
vorgestellte langfristige Haushaltsstrategie sieht Inve- bei Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum, wie
stitionen in den Abbau von Umweltbelastungen, in eine auf den Regionalkonferenzen von Bali und Dakar
wirksamere Energieausnutzung, erneuerbare Ener- vereinbart wurde. Gleichzeitig sollten diese Ziele nicht
gien, Beseitigung von Altlasten und Wasserreinhal- mit solchen Zielen und Quoten verwechselt werden,
tung vor. Die Vereinigten Staaten nehmen die in die bei Nichterreichen Strafen vorsehen. Dies ist ein
Agenda 21 aufgeführten Punkte sehr ernst und formu- selbstzerstörerischer Ansatz. Die Annahme vernünflieren aktiv einen Plan zur umweltverträglichen Ent- tiger Ziele kann uns dabei helfen, die erforderlichen
wicklung, um sie zu erfüllen. Wir werden darüber Ressourcen abzuschätzen und zu beurteilen, was wir
hinaus Maßnahmen im Hinblick auf die Ziele von geleistet haben.
Agenda 21 treffen, die weitere Forschungsarbeiten
zum Verhältnis Bevölkerung/Umwelt und die Einbezie- Von heute an bis zur Konferenz in Kairo unterstützt die
amerikanische Regierung die Notwendigkeit, neue

Zweitens haben die Welt und die amerikanische Politik
die falsche Vorstellung überwunden, daß das Bevölkerungswachstum ein "neutrales Phänomen" ist. Seine
Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung sind
nicht neutral. Auch seine Verbindung zur Umwelt ist
nicht neutral, und neutral ist auch nicht die Verbindung
zwischen Bevölkerung und Ressourcenverbrauch.

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Seite 3

�Schätzungen im Hinblick auf die Ressourcen anzustellen, die für bevölkerungs- und fortpflanzungsbezogene Gesundheitsprogramme erforderlich sind. Schätzungen sollten ebenso im Hinblick auf die für die
medizinische Versorgung von Kindern, die Bereitstellung allgemeinen Zugangs zu elementarer Bildung und
die zur Verringerung der Säuglings- und Müttersterblichkeit benötigten Mittel vorgenommen werden.

Thema Schwangerschaftsabbruch sollte direkt mit
Toleranz und Mitgefühl behandelt anstatt offiziell ignoriert werden, während Frauen, insbesondere einkommensschwache Frauen, und ihre Familien leiden. Die
amerikanische Regierung geht davon aus, daß die
Konferenz von Kairo nachlässig wäre, wenn sie keine
Empfehlungen und Leitlinien im Hinblick auf Schwangerschaftsabbrüche entwickeln würde. Unsere Position lautet, daß wir die Wahlfreiheit bei der FortpflanAls Völkergemeinschaft müssen wir bei der Wahrung zung unterstützen, einschließlich des Zuganges zu
der Rechte aller Menschen mit einer Stimme sprechen sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.
und denjenigen entgegentreten, die sich Zwangsmaßnahmen bedienen. Eine Schlüsselfrage, die von der Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin und Mitdeinternationalen Staatengemeinschaft untersucht wer- legierte, viele von Ihnen haben gehört, wie ich über den
den sollte, ist, wie Regierungen rechenschaftspflichtig tiefgreifenden Effekt sprach, den der Erdgipfel in Rio
gemacht werden sollten. Eine Regierung, die grundle- auf die Menschen in den Vereinigten Staaten und auch
gende Menschenrechte verletzt, sollte sich nicht hinter auf mich persönlich hatte. Er gab uns - den Politikern,
dem Argument der Souveränität verstecken.
NGOs und normalen Bürgern - neue Energie und
Entschlossenheit, komplizierte und dringliche ProbleSo schwierig dies ist, so müssen wir doch die Frage me frontal in Angriff zu nehmen und die notwendigen
des Schwangerschaftsabbruchs eingehend erörtern. Veränderungen in unserem eigenen Land vorzunehJüngste internationale Treffen haben die Aufmerk- men - sowohl in der Politik als auch im Verhalten des
samkeit auf die menschliche Tragödie gelenkt, die mit einzelnen -, um bessere Partner beim Kampf zur
illegalen und unsicheren Abtreibungen verbunden ist. Rettung der Umwelt auf diesem Globus zu sein. Die
Es wird geschätzt, daß bis zu einem Viertel der schwan- Konferenz von Kairo kann für uns alle einen ebensolgerschaftsbedingten Todesfälle - die Zahl reicht von chen Wendepunkt darstellen. Kein Thema wird größe50.000 bis zu 200.000 Fällen jährlich - auf diese re Auswirkungen auf künftige Generationen haben als
Ursache zurückzuführen ist, und zwar nahezu voll- Bevölkerungsfragen. Die Vereinigten Staaten werden
ständig in Entwicklungsländern.
alles in ihrer Macht Stehende beitragen, um diese
Herausforderungen so zu bewältigen, daß die Rechte,
Ein internationaler Konsens über die korrekte und das Wohlergehen und die Zukunft der Menschen auf
angemessene Rolle des Staates und staatlicher Politik der ganzen Welt geschützt werden.
in diesem Bereich bleibt noch zu entwickeln. Das

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 20

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