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dicrv&gt;t

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

21. April 1993

«r^§&gt;
G-7

USA ZUFRIEDEN MIT MULTILATERALEM
HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Erklärung von Außenminister
Christopher

BENTSEN WÜRDIGT UNTERSTÜTZUNG DER
G-7 FÜR RUSSLAND
Erklärung des Finanzministers

RUSSLAND

AMERIKANER ERACHTEN HILFE FÜR
RUSSLAND ALS RICHTIG
Das Meinungsbild in den
Vereinigten Staaten

BOSNIEN

BERICHT ÜBER DIE HUMANITÄRE
LAGE IN BOSNIEN-HERZEGOWINA
Erklärung Bouchers und amtliche
Zusammenfassung

REGIONALE KONFLIKTE

USA STREBEN MULTILATERALE LOSUNGEN
FÜR REGIONALE KONFLIKTE AN
Albright: Optionen in Bosnien
werden geprüft

JEFFERSON

WANDEL SOLL ZEITLOSE WERTE BEWAHREN
Ansprache Clintons zu
Thomas Jefferson

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�•

HAUSHALT

CLINTON LEITET HAUSHALT 1994
DEM KONGRESS ZU
Ziele sind Wirtschaftswachstum
und Defizitabbau

HOLOCAUST-MUSEUM

DAS WASHINGTONER HOLOCAUST-MUSEUM
- EIN MANDAT DER "ERINNERUNG"
Eröffnung der Gedenkstätte für
Opfer des Naziregimes

PORTRÄT

DUFFEY SIEHT "AUFREGENDE PERIODE"
STAATLICHER ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Porträt des designierten
USIA-Direktors Joseph Duffey

»

�G-7
21. April 1993

USA ZUFRIEDEN MIT MULTILATERALEM
HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Erklärung von Außenminister Christopher
TOKIO - (AD) - "Die Vereinigten Staaten sind zufrieden mit der größten Leistung dieser Konferenz - der Einigung
zwischen den Ländern der G-7, Rußland und den großen internationalen Finanzinstitutionen IWF (Internationaler Währungsfonds), Weltbank und EBWE (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) über ein
neues und substantielles multilaterales Wirtschaftshilfspaket für die Reformen in Rußland", erklärte USAußenminister Warren Christopher am 15. April 1993 zum Abschluß des zweitägigen Treffens der Außen- und
Finanzminister der G-7 vor der Presse.
"Sollten die von Präsident Jelzin geleiteten Reformbemühungen vereitelt werden, sähen wir uns zunehmender
Instabilität, dem Verlust großer potentieller Märkte für unsere Unternehmen und der Notwendigkeit gegenüber,
weiterhin Dollars in die Verteidigung und nicht in die vordringlichen innenpolitischen Bedürfnisse unseres Volkes
zu investieren", so Christopher.
"Wir müssen langfristig denken. Wenn das russische Volk Erfolg hat, werden die freien Menschen auf der ganzen
Welt Erfolg haben."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Christophers im Wortlaut.
Minister Bentsen und ich haben gerade eine Reihe
außerordentlicher Zusammenkünfte mit unseren Kollegen aus den führenden Industrienationen und Vertretern der russischen Regierung beendet. Als ich zu
diesen Gesprächen in Tokio eintraf, sagte ich, daß hier
eine entscheidende, in der Tat edle Aufgabe vor uns
liegt - zu bestimmen, wie die führenden Demokratien
der Welt am besten geschlossen den historischen
Kampf des russischen Volkes für den Aufbau einer
freien Gesellschaft und einer florierenden Marktwirtschaft unterstützen können.

Clinton und Premierminister Miyazawa zur Sprache
kommen werden.

Unsere Beratungen während der letzten zwei Tage
wurden dieser Aufgabe gerecht. Wir haben uns geschlossen hinter die Reformen in Rußland gesteift und
konkrete und substantielle Unterstützung dafür bewiesen. Bei diesen Bemühungen haben wir ein außergewöhnliches Maß an Einigkeit an den Tag gelegt.

Über 45 Jahre lang führten die Industrienationen mit
der Sowjetunion einen Kalten Krieg. Während dieser
Zeit gaben wir Billionen von Dollar aus und verloren
kostbares Leben bei der Verteidigung der demokratischen Werte, die unseren Staaten so wichtig sind.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben sich die
Außen- und Finanzminister der G-7 getroffen, um über
nur ein Thema zu sprechen - den Kampf des russischen Volkes für eine demokratische Zukunft. Unser
Treffen ist an sich schon ein bemerkenswertes Symbol
für die von uns in nur wenigen Jahren beim Aufbau
neuer Beziehungen mit Rußland gemachten Fortschritte.

Die demokratische Revolution in der ehemaligen
Sowjetunion
und der Aufstieg demokratischer ReforWir möchten der japanischen Regierung fürdie ausgemer
wie
Boris
Jelzin eröffneten neue Chancen für
zeichnete Organisation dieser Konferenz und ihre
Russen,
Amerikaner,
Japaner und Europäer gleicherFührungsrolle bei unseren Bemühungen danken. Die
maßen.
Meines
Erachtens
können wir hier bei unseRolle Japans auf diesem Gebiet sowie bei vielen
rem
Treffen
in
Tokio
die
begründete
Behauptung aufanderen unsere Zukunft betreffenden Fragen ist entstellen,
daß
wir
uns
an
der
Schwelle
zu einem neuen
scheidend. In dieser Hinsicht diente unser Treffen
Zeitalter
befinden
einer
Zeit
der
Herausforderung,
auch dazu, zahlreiche der Fragen kurz anzuschneiden, die morgen in Washington zwischen Präsident aber auch der Hoffnung auf eine friedlichere und
AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�sicherere Zukunft kurz vor Anbruch des nächsten
Jahrhunderts.
Wir kamen nach Tokio in der Überzeugung, daß die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen in
Rußland unerschütterlich unterstützen müssen. Ich
weiß, daß Präsident Clinton ebenso wie seine Amtskollegen in der G-7 fest davon überzeugt war, daß wir
einfach nicht bis zu unserem jährlich stattfindenden
Gipfeltreffen im Juli warten konnten, bis wir in dieser
wichtigen Zeit entschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Reformregierung in Moskau und der
Reformer in ganz Rußland ergreifen. Meiner Meinung
nach haben wir die Herausforderung angenommen.
Die Vereinigten Staaten sind zufrieden mit der größten
Leistung dieser Konferenz - der Einigung zwischen
den Ländern der G-7, Rußland und den großen internationalen Finanzinstitutionen IWF (Internationaler
Währungsfonds), Weltbank und EBWE (Europäische
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) über ein
neues und substantielles multilaterales Wirtschaftshilfepaket fürdie Reformen in Rußland. Minister Bentsen
wird diese entscheidende und bedeutendste Errungenschaft ansprechen.

würde Darlehen und Kredite fürdie kürzlich privatisierten russischen Unternehmen sowie örtliche Arbeitnehmer und Gemeinden bereitstellen, die sich inmitten
des schwierigen Übergangsprozesses von einer
Kommando- zu einer Marktwirtschaft befinden.
Der Prozeß der Umgestaltung der russischen Wirtschaft wird lang und schwierig sein, und die G-7 wird
durch diese Initiative die Art von Hilfe und Ermutigung
bereitstellen, die der Privatsektor in Rußland am dringendsten benötigt. Wir hoffen, daß wir mit unseren
Partnern in der G-7 so bald wie möglich über diesen
Fonds Einigung erzielen. Ich freue mich, daß wir der
Bildung einer speziellen Arbeitsgruppe zugestimmt
haben, die das Konzept eines Privatisierungsfonds
untersucht.

Zusätzlich erörterten wirdie Schaffung eines weiteren,
neuen Fonds zur Unterstützung der Entnuklearisierung Rußlands und der anderen neuen Staaten. Die
Vereinigten Staaten haben im Rahmen des NunnLugar-Fonds bereits 800 Millionen Dollar für diese
Bestrebungen bereitgestellt und erbitten vom Kongreß
für das Haushaltsjahr 1994 zusätzliche 400 Millionen
Dollar. Wir hoffen, daß bis zum Tokioter Gipfel im Juli
Einigung über neue Anstrengungen der G-7 erzielt
wird, mehr Mittel für dieses wichtige Vorhaben aufzuWie Sie wissen, kündigte Präsident Clinton beim Gipfel wenden.
von Vancouver 1,6 Milliarden gezielter, konkreter Hilfe
der Vereinigten Staaten für Rußland an. Nach den Ich möchte hier für die amerikanischen Bürger, die
hiesigen Beratungen mit unseren Verbündeten, mit vielleicht diese Ankündigung im Fernsehen oder Radio
der russischen Regierung und dem Kongreß entschied verfolgen, betonen, daß die von den Vereinigten Staader Präsident, daß es im Interesse der Vereinigten ten zur Unterstützung des Reformprozesses in RußStaaten liege, aufbauend auf dem in Vancouver ange- land eingeleiteten Bemühungen keinesfalls Mildtätigkündigten Hilfspaket die westliche Unterstützung für keit sind. Präsident Clinton hat sich zur Unterstützung
die Reformen zu verstärken.
der russischen Reformen entschlossen, weil diese im
Eigeninteresse des amerikanischen Volkes liegen. Ich
In Übereinstimmung damit gebe ich hier bekannt, daß habe bereits mehrfach darauf hingewiesen: Für das
der Präsident zusätzliche 1,8 Milliarden Dollar Hilfe für amerikanische Volk könnte gar nicht mehr auf dem
die Reformen in Rußland erbitten wird. Dieses neue Spiel stehen.
amerikanische Hilfspaket enthält ungefähr 1,55 Milliarden Dollar an Krediten, von denen 300 Millionen Dollar Sollten die von Präsident Jelzin geleiteten Reformbefürdie anderen neuen Staaten bestimmt sind und die mühungen vereitelt werden, sähen wir uns zunehmenverbleibenden Gelder an Rußland gehen. Dieses der Instabilität, dem Verlust großer potentieller Märkte
Paket wird verstärkte amerikanische Unterstützung für für unsere Unternehmen und der Notwendigkeit geInitiativen in den Bereichen Energie und Umwelt, genüber, weiterhin Dollars in die Verteidigung und
Unterbringung für Offiziere, Hilfe für den Privatsektor, nicht in die vordringlichen innenpolitischen BedürfnisAustauschprogramme, Medikamente, Handel und se unseres Volkes zu investieren. Wir müssen langfriInvestitionen umfassen. Angesichts der schwierigen stig denken. Wenn das russische Volk Erfolg hat,
Finanzsituation Ru ßlands sind wir der Meinung, es sei werden die freien Menschen auf der ganzen Welt
angemessen, den Großteil dieser Hilfsleistungen in Erfolg haben.
Form von Krediten zur Verfügung zu stellen.
Zusammenfassend haben wir in Tokio sehr gute FortDer neue Hauptbestandteil dieses Pakets ist ein Kredit schritte dabei gemacht, uns der großen Herausfordein Höhe von 500 Millionen Dollar für den Aufbau eines rung des Aufbaus neuer Beziehungen mit Rußland zu
neuen, speziellen Privatisierungs- und Umstrukturie- stellen. Der Präsident ist entschlossen, die Intensität
rungsfonds in Rußland, der von Beiträgen anderer und das Tempo dieser Bemühungen in den nächsten
Regierungen innerhalb der G-7 abhängig ist. Es ist Monaten beizubehalten. Und er freut sich auf die
unser Ziel, einen 2-Milliarden-Dollar-Fondsder G-7 mit weitere enge Zusammenarbeit mit der russischen
zusätzlichen Verbindlichkeiten der internationalen Regierung und unseren Partnern in der G-7 bei diesen
Finanzinstitutionen zu schaffen. Dieser neue Fonds Fragen.
* *
Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�G-7
21. April 1993

BENTSEN WÜRDIGT UNTERSTÜTZUNG
DER G-7 FÜR RUSSLAND
Erklärung des Finanzministers
TOKIO - (AD) - "Mit diesem weitreichenden multilateralen Programm können wir gemeinsam mit Rußland den
Weg zu Reformen beschreiten, bei dem jeder Schritt mit geeigneter finanzieller Unterstützung der G-7 gefördert
wird", erklärte Finanzminister Lloyd Bentsen am 15. April 1993 zum Abschlu ß der Tokioter Konferenz der G-7 über
Hilfe für Rußland vor Vertretern der Presse.
"Die heute von uns angekündigten multilateralen Bestrebungen sind weitreichende, koordinierte Bestrebungen
zur Unterstützung der russischen 'Reformrevolution' sowie der Reformer", stellte Bentsen fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bentsens Erklärung im Wortlaut.

Das diese Woche in Tokio veranstaltete Treffen ist die
erste Sitzung, die gemeinsam von den Außen- und
Finanzministem der G-7 anberaumt wurde. Dies ist
jedoch nicht die einzige Tatsache, die es zu einem
einzigartigen Ereignis macht. Unsere Tagesordnung
wird nicht länger von nuklearer Sicherheit und dem
Kräftegleichgewicht definiert, sondern befaßt sich mit
wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Partnerschaft,
die weltweiten Frieden und Wohlstand fördern.

Wir begrüßen den Vorschlag einer Fazilität zur
Umgestaltung des Systems (Systemic Transformation Facility), die der IWF (Internationaler
Währungsfonds) voraussichtlich in den kommenden Wochen gründen wird. Sie könnte bis
zu 3 Milliarden Dollar für Rußland bereitstellen,
die Hälfte davon, sobald Rußland die ersten
Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternimmt.

Unsere Gespräche waren außerordentlich konstruktiv.

Darüber hinaus arbeiten der IWF und Rußland
an einem Beistandskredit in Höhe von 4,1 Milliarden Dollar, der den Weg zur Aktivierung des
6 Milliarden Dollar umfassenden Rubel-Stabilisierungsfonds ebnen würde.

Sieben Nationen haben sich zusammengesetzt und
ein multilaterales Wirtschaftshilfepaket für Rußland in
Höhe von 28,4 Milliarden Dollar erarbeitet. Es wird
Hilfe bereitstellen, die Rußland bei der erfolgreichen
Bewältigung der größten politischen und wirtschaftlichen Herausforderung unterstützen soll, mit der es
sich in seiner Geschichte je konfrontiert sah: Dem
Aufbau von Demokratie und einer florierenden Marktwirtschaft. Dieser Prozeß erfordert die kontinuierliche
Umgestaltung Rußlands und andauernde Unterstützung der wohlhabenden Nationen der G-7 sowie internationaler Finanzinstitutionen. Er wird viele Jahre
benötigen, und deshalb müssen wir ihn unverzüglich in
die Wege leiten.
Außenminister Christopher hat über die kühnen, bilateralen Initiativen gesprochen, die Präsident Clinton
zur Unterstützung Rußlands unterbreitet hat. Ich
möchte kurz das von uns hier in Tokio geschnürte
multilaterale Hilfspaket umreißen.
AMERIKA DIENST 16

Wir fordern die Weltbank ferner auf, ihre Unterstützung der Strukturreform in Rußland zu beschleunigen. Die Bank kann 4 Milliarden Dollar
an neuen Verbindlichkeiten aufbringen, um
Rußland bei der Umgestaltung von Schlüsselsektoren, vor allem Energie und Landwirtschaft,
behilflich zu sein.
Die EBRWE(Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) muß ebenfalls eine größere Rolle bei der Unterstützung der Privatunternehmer Ru ßlands übernehmen. Wir fordern
die EBWE zur Aufstellung eines Fonds in Höhe
von 300 Millionen Dollar auf, der kleine und mittelständische Unternehmen in Rußland finanzieren soll.

Seite 1

�Wir begrüßen Andeutungen unserer G-7-Partner, daß ihre Exportkreditinstitutionen ebenfalls
Ressourcen in einer Größenordnung von 10
Milliarden Dollarbereitstellen werden. Derkürzlich mit der amerikanischen Export-Import-Bank
vereinbarte Kreditrahmen für öl und Gas sollte
bis zu 2 Milliarden Dollar zur Modernisierung der
russischen ölförderanlagen bereitstellen und
gleichzeitig amerikanische Exporte fördern.

Mit diesem weitreichenden multilateralen Programm
können wir gemeinsam mit Rußland den Weg zu
Reformen beschreiten, bei dem jeder Schritt mit geeigneter finanzieller Unterstützung der G-7 gefördert wird.
Die heute von uns angekündigten multilateralen Bestrebungen sind weitreichende, koordinierte Bestrebungen zur Unterstützung der russischen 'Reformrevolution' sowie der Reformer.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 2

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�RUSSLAND
21. April 1993

AMERIKANER ERACHTEN HILFE
FÜR RUSSLAND ALS RICHTIG
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Mehrere kurz vordem Gipfeltreffen der Präsidenten Clinton und Jelzin in Vancouverund
dem G-7-Ministertreffen in Tokio durchgeführte Meinungsumfragen ergaben, daß die Amerikaner eher zur
Beibehaltung der Hilfe für Rußland auf dem derzeitigen Niveau tendieren als sie entweder aufzustocken oder
zu reduzieren.
Die Umfragen belegen ferner die sehr viel größere Bereitschaft zu humanitärer Hilfe für Rußland sowie
Unterstützung bei der Zerlegung seiner Nuklearwaffen als für Hilfestellung bei den politischen und wirtschaftlichen Reformen oder die Unterstützung Präsident Jelzins.

Wieviel Hilfe?

dafür

In der von Gallup/USA Today vom 29. bis 31. März
durchgeführten Meinungsumfrage wurde die Frage

dagegen

Bereitstellung von Nahrungsmitteln
und anderer humanitärer Hilfe

79% 19%

Zerlegung von Nuklearwaffen

73% 25%

Beseitigung von Altlasten

55% 42%

Aufbau von Privatunternehmen

44% 53%

gestellt, ob die Vereinigten Staaten "die Finanzhilfe an

Rußland aufstocken, auf demselben Niveau belassen
oder reduzieren" sollten. Die Angaben lauteten:
Aufstockung der Finanzhilfe

18%

Beibehaltung

46%

Reduzierung

34%

Der sich für eine Aufstockung der Hilfe aussprechende
Prozentsatz ist beträchtlich niedriger als in seit Beginn
des Jahres 1993 durchgeführten Umfragen, in denen
im wesentlichen gefragt wurde, ob die Vereinigten
Staaten die Hilfe für Rußland erhöhen oder nicht
aufstocken sollten - ohne die Angabe "Beibehaltung
auf dem derzeitigen Niveau". In diesen Umfragen
sprachen sich rund 30 Prozent zugunsten einer Aufstockung der Hilfe für Rußland und ungefähr 60 Prozent dagegen aus.

In einer von CBS/NY Times vom 28. bis 31. März
durchgeführten Umfrage wurde ermittelt, ob die Vereinigten Staaten "Wirtschaftshilfe an Rußland leisten
sollten", um:
dafür

dagegen

Rußland bei der Vermeidung eines
möglichen Bürgerkriegs zu helfen

52% 40%

Rußland bei der Wirtschaftsreform
behilflich zu sein

41% 51%

Zur Machterhaltung von Boris Jelzin
beizutragen

29% 6 1 %

Welche Art von Hilfe?
Zwei kürzlich durchgeführte Umfragen ermittelten die
Präferenzen der Öffentlichkeit bei unterschiedlichen
Arten und Zielen der amerikanischen Hilfsleistungen:
Die oben genannte Umfrage von Gallup/USA Today
wollte von den Befragten wissen, ob sie für oder gegen
"eine Aufstockung der Finanzhilfe an Rußland" aus
den folgenden Gründen waren:

AMERIKA DIENST 16

Welche Auswirkungen wird die Hilfe haben?
Auf die in der Umfrage von Gallup/USA Today gestellte Frage, ob die amerikanische Hilfe für Rußland
"Rußland bei Fortschritten zu einer freien Marktwirtschaft und Demokratie entscheidend behilflich" sein
wird, gaben die Befragten folgende Antworten:

Seite 1

�Entscheidende Hilfe

39%

Unmaßgebliche Hilfe

55%

Auf die Frage, ob "die Vereinigten Staaten" durch
Reduzierung der Verteidigungsausgaben dank der
amerikanischen Hilfe "Geld sparen können", lauteten
die Antworten:

Auf die von Gallup/Newsweek am 25. und 26. März
gestellte Frage: "Sollten die Vereinigten Staaten Ihres
Erachtens bei dem derzeitigen Machtkampf zwischen
dem russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem
russischen Parlament Jelzin dabei behilflich sein, an
der Macht zu bleiben, oder sollten sie sich neutral
verhalten?", wurden folgende Antworten gegeben:

Werden Geld sparen

37%

Jelzin helfen

31%

Werden kein Geld sparen

56%

Neutral verhalten

62%

Hilfe und Jelzin

Keine Angaben, sonstiges

In einer am 25. und 26. März durchgeführten Umfrage
von Gallup/Newsweek wurde ermittelt, wie die Vereinigten Staaten die Hilfe für Rußland handhaben sollten, falls Jelzin "die Macht verliert". Folgende Angaben
wurden gemacht:

Rußland ohne Jelzin
Auf die Frage nach der Ansicht der Befragten, ob
Rußland "eine entscheidende Bedrohung" für die
Vereinigten Staaten würde, wenn Jelzin die "Macht
verliert", lauteten die Angaben:

Einstellung der Hilfe an Rußland

Würde eine entscheidende Bedrohung

59%

Würde keine entscheidende Bedrohung

33%

Fortsetzung der Hilfe nur, wenn die
russische Führung weiterhin
Kapitalismus und Demokratie anstrebt

15%

7%

54%

Fortsetzung der Hilfe auf jeden Fall,
um dem russischen Volk zu helfen
Keine Angaben

24%
7%
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�BOSNIEN
21. April 1993

BERICHT ÜBER DIE HUMANITÄRE LAGE IN
BOSNIEN-HERZEGOWINA
Erklärung Bouchers und amtliche Zusammenfassung
WASHINGTON - (AD) - Das interministerielle Team zur Untersuchung der humanitären Lage, das im letzten
Monat nach Bosnien-Herzegowina reiste, hat einen Bericht vorgelegt. Nachfolgend veröffentlichen wir die von
Richard Boucher, dem Sprecher des US-Außenministeriums dazu abgegebene Erklärung sowie die amtliche
Zusammenfassung des Team-Berichts.

Erklärung Bouchers
Anbei erhalten Sie die amtliche Zusammenfassung
des Berichts des interministeriellen Teams zur Untersuchung der humanitären Lage, das im letzten Monat
Bosnien-Herzegowina bereiste. Die amtliche Zusammenfassung ist ein sechsseitiges Dokument, das die
Punkte behandelt, die das Team bei der Abfassung
seines umfassenden Berichts als Schlüsselfragen
betrachtet.

Vereinten Nationen ihre Bemühungen fortgesetzt,
Hilfskonvois in den östlichen und andere Teile Bosniens zu entsenden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an der Spitze derjenigen stehen, die sich bemühen, eine Einstellung der Kämpfe zu erreichen, den bosnischen Serben
eine ausgehandelte Lösung vorzulegen und den vielen
Unschuldigen zu helfen, die unterden Kämpfen leiden.
Amtliche Zusammenfassung des Berichts

Wir werden alle in dem Bericht gemachten Anregungen prüfen.
Für viele der von dem Untersuchungsteam geforderten humanitären Aktionen, einschließlich einiger, deren Bedeutung zu gering war, um in dem allgemeinen
Bericht erwähnt zu werden, sind die entsprechenden
Behörden ohne Rückfrage bei übergeordneten Regierungsebenen zuständig. Einige dieser Aktionen werden bereits überprüft oder tatsächlich durchgeführt.
Wie in dem Bericht festgestellt, haben einige der
Empfehlungen weiterreichende Auswirkungen auf die
Politik und erfordern daher eine umfassendere Überprüfung auf höherer Ebene. Diese Überprüfung ist
noch im Gang. Wir werten die Empfehlungen im
Kontext unserer allgemeinen Bemühungen aus, sowohl eine Schlichtung zu erreichen als auch Hilfe zu
leisten. Am 10. Februar versprach der Minister "ziemlich entschiedene" Schritte zur Sicherung der Hilfslieferungen. Wir haben seit 44 Tagen mit Flugzeugen
humanitäre Hilfsgüter abgeworfen und den Notleidenden in Ostbosnien mehr als 1.800 Tonnen Nahrungsmittel und Medikamente geliefert. Trotz der fortdauernden Kämpfe und der Sicherheitsrisiken haben die
AMERIKA DIENST 16

Einführung
Die internationalen Hilfsbemühungen und ein ungewöhnlich milder Winter auf dem Balkan sind die zwei
Hauptfaktoren, die zusammengenommen die vorausgesagten noch wesentlich höheren Verluste an Menschenleben im kriegszerrütteten Bosnien-Herzegowina verhinderten. Während sich die wirtschaftliche
Situation in Bosnien-Herzegowina weiter verschlechtert, steigt die Abhängigkeit von internationaler Hilfe
zum Überleben gewaltig. Die bosnischen Muslime
sind überwiegend die Opfer des gegenwärtigen Krieges.
Dieser Bericht konzentriert sich darauf, Mittel und
Wege zu finden, wie die amerikanische Regierung ihre
eigenen Hilfsbemühungen sowohl erhöhen als auch
verbessern kann, um einen Beitrag zu den größeren,
laufenden internationalen Programmen zu leisten. Er
bestätigt aber auch erneut die Beschränkungen der
humanitären Hilfslieferungen in einem von kriegerischen Handlungen, insbesondere gegen die Zivilbevölkerung, geprägten Umfeld. In einer solchen Situation gibt es keine Zauberformeln zur Perfektionierung
der internationalen Hilfslieferungen in Bosnien-Herzegowina.
Seite 1

�ANMERKUNG: Obwohl diese Empfehlungen sich an
amerikanische Politiker und Behörden richten, ist das
Untersuchungsteam der Ansicht, daß sie im Falle ihrer
Umsetzung in Zusammenarbeit mit den Vereinten
Nationen, anderen Geberländern und privaten Hilfsorganisationen durchgeführt werden sollten.
Erkenntnisse
1. Politisch/militärisch:
a. Der Hauptgrund für das menschliche Leiden und
das Sterben in Bosnien-Herzegowina bleiben der Krieg
und die folgenden ihn begleitenden Fragen:

größeren Ausmaßes auf die Hilfsleistungen nach sich
ziehen könnte.
f. Die erzwungene Beendigung der Präsenz der
UNPROFOR-Schutztruppen in Kroatien und jegliche
Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen Serben und
Kroaten in diesem Gebiet würde direkte, größere und
zerstörerische Auswirkungen auf die Hilfsbemühungen in der ganzen Region haben, einschließlich Serbiens, Kroatiens und insbesondere Bosnien-Herzegowinas. Flüchtlinge und Vertriebene sowie andere
ungeschützte Gruppen in allen Republiken wären
ernsthaft negativ betroffen.

2. Die Luftbrücke nach Sarajevo und die humanitären
Hilfsflüge nach Ostbosnien sind von großer Bedeutung, obwohl sie nur einen Teil des benötigten Nachschubs liefern - sie ergänzen die Nahrungsmittel- und
Medikamentenlieferungen und dienen den unschuldigen
Opfern der bosnischen Katastrophe als Quelle der
fehlender Zugang zu großen Teilen der betroffeHoffnung.
nen Bevölkerungsgruppen.
Sicherheit für die beiden betroffenen Bevölkerungsgruppen und die Hilfeleistenden, wenn
insbesondere die Zivilbevölkerung zum Kriegsziel wird und

3. Die Stadt und das Gebiet um Tuzla herum im nördlichen und mittleren Bosnien sind in Gefahr, von großen Flüchtlingsströmen überschwemmt zu werden,
falls zusätzliche belagerte Enklaven in Ostbosnien
fallen. Weiterhin macht die Schlüsselrolle Tuzlas bei
der Produktion von Kohle und Elektrizität für einen
Großteil Bosnien-Herzegowinas es zu einem strategisch wichtigen Ort für die Verhinderung des Zusamc. Das Team fand Beweise dafür, daß die bosnisch- menbruchs der verbleibenden Wirtschaft Bosnienkroatischen Streitkräfte (HVO) ihren Druck auf die Herzegowinas und einer weiteren Verschlechterung
Hilfskonvois und auf die muslimische Zivilbevölkerung der ohnehin katastrophalen Elektrizitäts- und Wasserin den von ihnen kontrollierten und in den im Vance- versorgungssysteme, beispielsweise in Sarajevo.
Owen-Plan als Kroatien bezeichneten Gebieten ver- Schlechte bis unpassierbare Stra ßen auf der Südroute
stärken. Die HVO sind anfällig für von der kroatischen von Kroatien aufgrund des Tauwetters im Frühling
Regierung ausgeübten Druck und ihren Einfluß.
(wenn es gute Straßen gibt, werden sie von den
Kriegsparteien blockiert) und Unsicherheiten beim
d. Die Entsendung von UNO-Schutztruppe (UNPRO- Zugang über die nördlichen Straßen aus Serbien fühFOR) hat trotz fortgesetzter Angriffe einen beruhigen- ren zu pessimistischen Voraussagen über die Aufden, förderlichen Einfluß auf viele Teile Bosnien-Herz- rechterhaltung des Nachschubs nach Tuzla, selbst bei
egowinas. Obwohl Einheiten der UNPROFOR in dem jetzigen Bevölkerungsstand. Der Flugplatz von
Bosnien humanitäre Hilfsleistungen nicht auf aggres- Tuzla wurde - in bezug auf seine Beschaffenheit und
sive Weise durchsetzen sollen, haben sie die Durch- die Bereitschaft der verantwortlichen Behörden Bosfahrt von Konvois durch Kontrollpunkte erleichtert, nien-Herzegowinas zur Zusammenarbeit - von einem
Postdienste organisiert, Gefangenen- und Personen- dem Team beigeordneten Spezialisten überprüft und
austausch organisiert und Krankenhäusern und ande- für zur Zeit zumindest minimal betriebsbereit befunren kommunalen Einrichtungen Hilfe geleistet. Das den.
Fehlen einer ständigen Truppenpräsenz in den umkämpften Gebieten oder zumindest von Vertretern 4. Es bestehen Mängel großen Ausmasses bei der der
einer Verbindungsorganisation in direkter Nachbar- Bevölkerung zur Zeit zur Verfügung stehenden medischaft zu diesen Gebieten stellt vielleicht eine verlore- zinischen Versorgung, die von Region zu Region verne Gelegenheit dar, um Spannungen zu reduzieren schieden ist und in unterschiedlichem Ausmaß, abund die Hilfsbemühungen zu erleichtern.
hängig von den oben angesprochenen Fragen von
Zugang und Sicherheit verbessert werden sollte. Die
e. Die Annahme und Durchführung des Vance-Owen- größte Notwendigkeit besteht bei der Versorgung von
Plans, insbesondere wenn er von einem relativen Notfällen, der Überwachung und Lenkung des GeFrieden und der Einstellung der Kämpfe begleitet wird, sundheitssystems und es besteht die Möglichkeit, daß
könnte zu spontanen Bevölkerungstransfers großen sich die Bedingungen ernsthaft verschlechtern. (Die
Ausmaßes führen, insbesondere von Muslimen in Ärzte vom Zentrum für Seuchenbekämpfung (CDC)
muslimisch-kontrollierte Gebiete, was Auswirkungen und anderen Behörden, die sich dem Team ange-

b. Trotz der Einwände der Serben und der bosnischen
Serben, daß die bosnisch-serbischen Militärkommandeure in isolierten Gebieten Bosnien-Herzegowinas
unabhängig handeln, wenn sie Mitarbeiter der Hilfskonvois schikanieren oder die Hilfslieferungen behindern, ist es offensichtlich, daß Belgrad und Pale wenig
unternehmen, um die Situation zu Lande zu ändern.

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�schlössen haben, bereiteten eine ausführliche Beschreibung der Erfordernisse im Bereich der medizinischen Versorgung vor).
5. Es besteht eine Anzahl von Problemen im Ernährungs- und Nahrungsmittelbereich für große Teile der
Einwohner und Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina
und den umgebenden Gebieten.
Angesichts der bevorstehenden Saatzeit besteht die dringende Notwendigkeit, den Bevölkerungsgruppen in und um Bosnien-Herzegowina, die in der Lage sein könnten, im Jahr 1993
einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst anzubauen, eine angemessene Mischung von Saatgut
bereitzustellen. Die Landwirtschaft in BosnienHerzegowina, die vor dem Krieg nur einen Teil
der Bedürfnisse der Bevölkerung decken konnte, ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Es erfordert die volle Aufmerksamkeit sicherzustellen, daß in der nahen und mittleren Zukunft
der weitere Nachschub an Nahrungsmitteln
gesichert ist, während angesichts des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und des gegenwärtigen Rückgangs privater Hilfe die Zahl der Bedürftigen wächst.
6. Logistik/Systeme für Hilfslieferungen/öffentliche
Angelegenheiten und örtliche Beziehungen:
a. Obwohl sich die Mitarbeiter des UNHCR und der
UNPROFOR für die Durchsetzung ihrer gemeinsamen Aufgabe bei der Leitung dieser internationalen
Hilfsbemühungen engagieren, schaffen Personalknappheit, operativer Druck, unverbundene Hauptquartiere,
Kommunikationsschwierigkeiten und riesige logistische Hindemisse zusammengenommen Probleme bei
der Koordinierung der Hilfslieferungen im Großteil
Bosnien-Herzegowinas. Die Koordinierung mit den
nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) ist besonders
schwierig.
b. Es besteht ein ständiger Informationsmangel unter
der Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas im Hinblick
auf ihre eigene Situation sowie die Entwicklung der
internationalen politischen Situation und Hilfsanstrengungen. Eine Rundfunkstation, die das Land über
Kurz/Mittelwelle erreichen könnte, sowie die Verteilung von Programmaterial an örtliche Radiostationen
könnte bedeutende Auswirkungen haben. Eine ähnliche Fähigkeit der Printmedien könnte bei der Festigung der Moral der Bevölkerung und für die Förderung
positiver Beziehungen zwischen dem Volk und Schlüsselelementen der Hilfsgemeinschaft von großer Bedeutung sein.
c. Die UNPROFOR sieht wichtige Chancen für die
Verbesserung der Gemeinschaftsbeziehungen auf
lokaler Ebene, verfügt jedoch über extrem beschränktes Fachwissen aus den UNPROFOR-Beitragsländern für den Umgang mit der Öffentlichkeit.
AMERIKA DIENST 16

7. Wirtschaftliche Gesundung: Neben direkter Notlinderung würde die Wiederherstellung der wichtigen
Wirtschaftssektoren Bosnien-Herzegowinas - insbesondere Stromerzeugung/-übertragung und Landwirtschaft - das Leiden in großen Ausmaß verringern und
die Aussichten auf eine mittelfristige Überwindung der
Abhängigkeit von Hilfsleistungen verbessern.
8. Verläßliche Daten sowohl zu den genauen Dimensionen spezifischer Erfordernisse als auch zu dem
Ausmaß, in dem den Bedürfnissen der Menschen mit
den bestehenden Hilfsleistungen entsprochen wird,
sind nicht erfaßbar, obwohl in den letzten Monaten im
Bereich der Informationssammelsysteme eine geringe
Verbesserung zu beobachten war.
Empfehlungen
1. Politisch/militärisch:
a. Obwohl praktische Empfehlungen überdie Behandlung des Krieges an sich das Mandat dieses Teams
überschreiten, vermerkt das Team einige Elemente
innerhalb des Spektrums umfassenderer politischer
Optionen, die in humanitärer Hinsicht vorteilhafte
Auswirkungen haben könnten:
Die Schaffung und Durchsetzung sicherer Zufluchtsstätten für besonders gekennzeichnete
Gemeinden oder Bevölkerungsteile,
ein militärisch wirksames System für die Lieferung von Hilfsgütern an solche Gemeinden und
Bevölkerungsteile, auch bei Fehlen geschützter
sicherer Zufluchtsstätten oder
die Anwendung wirksamer militärischer und/
oder erneuerter diplomatischer Mittel, um die
schweren Waffensysteme zum Schweigen zu
bringen, die einen Großteil der Opfer und psychologischen Traumata unter der Zivilbevölkerung verursachen.
b. Die amerikanische Regierung sollte den serbischen
und bosnischen Entscheidungsträgem so nachdrücklich wie möglich übermitteln, daß die Vereinigten Staaten sowohl die Führungen als auch diejenigen örtlichen
Kommandeure in Bosnien-Herzegowina, die humanitäre Hilfslieferungen blockieren, unmittelbar fürTodesfälle und menschliches Leid verantwortlich machen.
Strafmaßnahmen (zum Beispiel im Kontext der Verhandlungen oder vertrauensbildender Maßnahmen)
für die Behinderung der Hilfsbemühungen sind zu
entwickeln.
c. Maßnahmen gegen die Auswirkungen der HVOBehinderungen von Hilfslieferungen für die Muslime:
Die amerikanische Regierung sollte darauf
bestehen, daß die kroatische Regierung bei den
HVO interveniert, damit diese ihre Schikanen
gegen muslimische Zivilisten und die Hilfsoperationen einstellen.
Seite 3

�Die amerikanische Regierung sollte zu den Kosten
Menschenleben in Bosnien-Herzegowina retfür die Verstärkung der Zahl ausländischer Fahrer
ten.
und Lkw-Fahrten beitragen, die erforderlich sind,
um Hilfsmaterial durch die zentralbosnischen 5. Nahrungsmittel und Ernährung:
Kontrollstellen der kriegführenden Parteien zu
Die amerikanische Regierung (AID/USDA/DOD)
transportieren.
sollte sowohl die ernährungsphysiologisch richtige Mischung von Saatgut identifizieren als
d. Vorteilhafte Auswirkungen der UN-Militärpräsenz:
auch zur Deckung der Beschaffungs- und Transportkosten einer angemessenen Menge davon
Die amerikanische Regierung sollte innerhalb
beitragen, einschließlich von Abwürfen aus der
der UNO Diskussionen über kreative MechanisLuft - mit sofortigem Beginn. Angesichts des
men zur Schaffung einer kleinen militärischen
vergleichweisen
Nachteils einer Lieferung von
Präsenz, etwa eines UNPROFOR-Verbindungsgroßen
Mengen
an Gütern aus den Vereinigten
stabes, in östlichen Enklaven von BosnienStaaten
und
aufgrund
von derzeitigen HinderHerzegowina einleiten, die hinter den Frontlinissen
für
großangelegte
landwirtschaftliche
nien gelegen sind und gleichzeitig die MöglichMaßnahmen
in
Bosnien-Herzegowina
sollten
keit bieten, die Hilfslieferungen und Versöhsich
die
amerikanischen
Bemühungen
auf
Hilfe
nungsinitiativen oder Angebote dieser Art zwifür
den
einzelnen
durch
Unterstützung
eines
schen den Fraktionen zu erleichtern.
Programms mit dem Namen "victory gardens"
Eine Stationierung der UNPROFOR in Banja
(Gärten des Sieges) konzentrieren.
Luka sollte erneut untersucht werden.
Die Planung zur Aufnahme einer Flüchtlings2. Luftbrücke nach Sarajevo und Abwurfaktionen in
welle nach Tuzla und anderen von den MusliOstbosnien:
men kontrollierten Gegenden, darunter entweder
die Voreinlagerung von Nahrungsmitteln
Beide Operationen sollten zum gegenwärtigen
und
medizinischen Gütern oder die Fähigkeit,
Zeitpunkt fortgesetzt werden,
auf eine solche Welle zu reagieren, ist in Konsultation mit anderen Gebern erforderlich.
Vertreter des US-Verteidigungsministeriums
sollten Beratungen mit Experten des Amts für
internationale Entwicklung (AID), des Landwirt- 6. Logistik/Systemefürdie Hilfslieferungen/öffentliche
schaftsministeriums (USDA) und des CDC über Angelegenheiten und örtliche Beziehungen:
eine veränderte Zusammensetzung der Liefe- a. Vielfältige, miteinander verbundene Koordinierungsrungen in beiden Operationen aufnehmen, um zentren, die mit Konvois des UNHCR und von NGOs,
die Vorteile für die Empfänger zu maximieren.
Eskorten, Verkehrsleitung etc. befaßt sind, sollten
geschaffen werden. Die amerikanische Regierung
(DOD/AID) sollte Koordinierungs- und anderes UnterDie amerikanische Regierung sollte dringend Optio- stützungspersonal für UNHCR und UNPROFOR sowie
nen zur Teilnahme an UN-Aktionen und zu ihrer akti- Kommunikations- und ähnliches Gerät zur Verfügung
ven Unterstützung untersuchen, um den Flugplatz von stellen, das in engen Konsurtationen mit UNHCR und
Tuzla in naher Zukunft für Lieferungen von Nahrungs- UNPROFOR festgelegt wurde.
mitteln sowie äußerst wichtigem Material für die Kohb. Die amerikanische Regierung sollte zivile und
leförderung/Energieproduktion zu öffnen.
militärische Medieneinrichtungen identifizieren, die der
Auch ohne eine Wiedereröffnung sollte der UNPROFOR zur Verfügung gestellt werden, um zum
Flugplatz von Tuzla vordringlich als Ort für eine Beispiel ein intensives und kontinuierliches Programm
mögliche Luftbrücke oder Abwürfe von wichti- zur Unterrichtung der Öffentlichkeit durchzuführen.
gen Hilfsgütem in Betracht gezogen werden.
Alternativ sollten bei Schaffung eines umfassenderen Informationssystems zur besseren
4. Medizinische Versorgung und öffentliches GesundUnterrichtung der Bevölkerung Bosnien-Herzeheitswesen:
gowinas über die sie betreffenden internationaDie amerikanische Regierung (AID/DOD) sollte
len Bemühungen Möglichkeiten gefunden werPersonal und Gerät zur Verfügung stellen, um
den, um Programmaterial zur Unterstützung
maßgeblich an der Verbesserung der medizinivon Rolle und Aktivitäten der UN in Bosnienschen Versorgung und öffentlicher mediziniHerzegowina einzusetzen.
scher Präventivmaßnahmen in Bosnien-Herzegowina mitzuwirken. Selbst wenn den militäri- c. Die amerikanische Regierung sollte angemessen
schen Angriffen auf die Zivilbevölkerung nicht ausgebildetes militärisches Personal mit geeigneten
Einhalt geboten werden kann, werden diese Ressourcen zur Verfügung stellen, um die noch in den
Schritte die größtmögliche Zahl unschuldiger Kinderschuhen steckende Öffentlichkeitsarbeit der
3. Der Flugplatz von Tuzla:

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�UNPROFOR zur Verbesserung ihrer Beziehungen zur
Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina zu verstärken,
die deren begrenzte, auf Hilfe beschränkte Mission nur
schwer versteht. Dies würde keine formelle amerikanische Rolle in der UNPROFOR bedingen, sondern
die Bereitstellung einer begrenzten Anzahl von G-5Spezialisten, um den G-5-Stab der UNPROFOR zu
verstärken und auszubilden. Ein mögliches Modell
könnte bei der UNPROFOR in Sarajevo geschaffen
werden.
7. Eine kombinierte zivil-militärische Einsatzgruppe
zur Stromversorgung in Bosnien-Herzegowina sollte
gemeinsam mit Vertretern von Bosnien-Herzegowina
gebildet werden, um die Kohleförderung zu verbessern, Kraftwerke instandzusetzen und andere trotz der

* *

AMERIKA DIENST 16

gegenwärtigen Feindseligkeiten mögliche Programme
durchzuführen.
Finanzierungsfragen
Den Dienststellen des Außenministeriums, des AID
und des Verteidigungsministeriums, die normalerweise die Kosten humanitärer Hilfe tragen, stehen nur
wenige noch nicht ausgegebene oder verplante Mittel
zur Verfügung. In dem Maß, in dem die in dieser
Zusammenfassung oder in dem vollständigen Bericht
präsentierten Optionen bedeutende zusätzliche Finanzmittel erfordern, wird das Team Empfehlungen für
die Umwidmung oder zusätzliche Anforderung von
Mitteln unterbreiten.

* *

*

Seite 5

�(

REGIONALE

KONFLIKTE
21. April 1993

USA STREBEN MULTILATERALE LÖSUNGEN FÜR
REGIONALE KONFLIKTE AN
Albright: Optionen in Bosnien werden geprüft
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
bevorzugt wo immer möglich bei der Lösung regionaler
Konflikte multilaterale Maßnahmen und prüft unter
diesem Aspekt derzeit die verfügbaren Optionen im
Hinblick auf Bosnien-Herzegowina und Haiti. Dies
erklärte die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright.
Albright bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten nicht
"der einsame Weltpolizist gegen feindselige Regime"
sein können und forderte die Nationen auf, zur Durchsetzung des Völkerrechts eine multilaterale Politik zu
konzipieren.
Bei einer Versammlung der International Women's
Media Foundation (IWMF) erklärte die Botschafterin
am 19. April 1993, die beiden jüngsten UN-Resolutionen zu Bosnien "signalisieren eine neue Entschlossenheit der Völkergemeinschaft, der serbischen Aggression entgegenzutreten". Sie verurteilte den "verwerflichen Angriff auf Srebrenica und andere, gegen
Zivilisten in Ostbosnien begangene Gewalttaten" und
stellte fest, die Greueltaten bestätigten "erneut den
aggressiven Charakter der bosnisch-serbischen Führung sowie ihres Verbündeten in Belgrad".

ersten 20 Tagen der Administration entwickelten
Sechspunkteplan für das ehemalige Jugoslawien. Viele
Elemente dieses Plans sind ihr zufolge bereits verwirklicht worden.
Die Botschafterin sieht die wichtigsten Ziele des Planes folgendermaßen: Aufrechterhaltung und Stärkung der "lebenswichtigen humanitären Verbindungen" für die bosnisch-muslimische Zivilbevölkerung,
Versorgung der Flüchtlinge, Lähmung Restjugoslawiens durch harte Sanktionen, Druck auf die bosnischen Serben zur Erzwingung der Einhaltung der
Waffenstillstandsabkommen und der UNO-Resolutionen, Durchsetzung der Flugverbotszone, Einsetzung
eines energischen Kriegsverbrechertribunals, die Einnahme einer klaren Haltung gegenüber weiteren serbischen Aggressionen auf dem Balkan sowie die Forderung nach einer auf den Vance-Owen-Dokumenten
basierenden Verhandlungslösung und die Planung
einer Eventualstrategie mit der NATO, um deren Einhaltung zu gewährleisten.

Vor Reportern teilte Albright mit, die Clinton-Administration habe in Bosnien einen "schrittweisen Ansatz"
verfolgt und überprüfe nun alle Optionen. Die Lage
verändere sich rasch und sei sehr "dynamisch". Auf
Albright verwies ferner auf die Lage in Haiti und erklär- Fragen über die Praxis der ethnischen Säuberung, die
te, sie "stellt eine direkte Herausforderung" für den von den bosnischen Serben trotz aller Versuche zur
Trend zur Demokratisierung in der Hemisphäre dar. Beendigung des Konfliktes fortgesetzt werde, erklärte
Die Clinton-Administration "unterstützt nachdrücklich" die Botschafterin, "wir untersuchen, was getan werden
die Bemühungen des UNO-Sonderbotschafters Dante kann".
Caputo zur Wiederherstellung der Demokratie in Haiti
und Rückkehr von Präsident Aristide, so Albright.
Im Hinblick auf die Lehren, die aus der bosnischen
Krise gezogen werden können, erklärte sie, es sei
"Die Clinton-Administration ist entschlossen, die ver- unbedingt erforderlich, daß "Völker, die der Tyrannei
bleibenden Hindernisse zu überwinden und - mit der ausgesetzt waren, mit demokratischen Werten und
UNO und der OAS (Organisation Amerikanischer Institutionen auf eine Art und Weise vertraut gemacht
Staaten) - die Demokratie und die Hoffnung des haitia- werden, die ihre ethnischen, kulturellen, sozialen und
nischen Volkes auf eine bessere Zukunft wiederherzu- religiösen Vereinigungen respektiert und wirklich förstellen", erklärte sie.
dert".
Albright bekräftigte die Bedeutung Bosniens als außenpolitischem Schwerpunkt der Clinton-Administration und erwähnte dabei den von den USA in den
AMERIKA DIENST 16

Die Zehntausenden von Toten, die Hundertausenden
von Verwundeten, die erst vergewaltigten und danach
umgebrachten Frauen, die Millionen seit Beginn der
Seite 1

�bosnischen Krise obdachlos gewordenen, sind Albright zufolge eine eindeutige Mahnung, daß das Böse
freien Lauf hat, "wenn ein ethnischer Konflikt außer
Kontrolle gerät". Sie warnte, daß der für diese Greueltaten auf dem Balkan zu zahlende psychologische
Preis noch nach Generationen spürbar sein werde und
prognostizierte, daß sich die Opfer rächen werden.

schwerwiegende mögliche Bedrohung für Frieden und
Sicherheit". Dieses Land, erklärte sie, "hat erneut
schwerwiegende Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines
erklärten Engagements für die Entnuklearisierung der
koreanischen Halbinsel geweckt".

Die Botschafterin betonte, die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen und verwandten MateAlbright zufolge entwickeln sich in der Welt zwei ge- rialien sei eines der "höchsten außenpolitischen Ziele"
genläufige Tendenzen: zunehmende internationale der Clinton-Administration. Wenn sich Nordkorea
Zusammenarbeit und der Versuch ethnischer Grup- weigere, seine Entscheidung zu ändern und "seine
pen, sich in noch kleinere Untergruppen aufzuspalten. Beziehungen zur internationalen Staatengemeinschaft
Sie empfahl, die Kraft der Tendenz hin zu einem zu verbessern" - und sie hob hervor, daß Zeit für eine
Internationalismus zu nutzen, um die bösartigsten nochmalige Erwägung bleibe - werde der SicherheitsTeile dieser kleineren ethnischen Konflikte zu spren- rat "weitere Schritte unternehmen müssen".
gen. Ethnische Identifikation sollte der Botschafterin
zufolge nicht mit Grenzen assoziiert werden, und in Zu Libyen erklärte Albright, die Erneuerung der SankZukunft sollte größeres Gewicht auf die Respektierung tionen des UNO-Sicherheitsrates vom April sei unzureichend. Die Vereinigten Staaten werden daran arkultureller Unterschiede gelegt werden.
beiten, "die Sanktionen vor der nächsten Überprüfung
Die Rednerin sprach auch andere Regionen der Welt im Juli zu verschärfen", fügte sie hinzu, da Libyen
an, in denen sich die Clinton-Administration um Arbeit "seiner Verantwortlichkeit oder Haftbarkeit" für terrorimit "unbußfertigen" Staaten, einschließlich Nordko- stische Gewalttaten, beispielsweise des Bombenanrea, Irak und Libyen bemüht habe. Sie beschrieb ein schlags von Lockerbie, nicht entfliehen könne.
neues, unglückliches Konzept einer Welt, die gespalten sei zwischen Nationen, die ein Interesse am inter- Die Botschafterin bezeichnete den Irak als "eines der
nationalen System haben und denjenigen Regimen, unbu ßf ertigsten und brutalsten aller herausfordernden
die jenseits der Grenzen des Erlaubten "herausfor- Regime". Die Clinton-Administration gibt Albright zufolge "Baghdad ein klares Zeichen, daß sie die volle
dernd" seien.
Einhaltung aller Resolutionen des UNO-Sicherheitsra
Die jüngste Entscheidung Nordkoreas, sich nicht an tes erwartet". Die Führung des Irak müsse akzeptiedas Atomsicherheitsabkommen der Internationalen ren, "daß die internationale Solidarität stark ist und daß
Atomenergieorganisation zu halten sowie seine An- es keinen Ausweg aus der vollen Einhaltung der
kündigung, es plane seinen Ausstieg aus dem Nicht- Resolutionen des Sicherheitsrates gibt".
verbreitungsvert rag von 1968 ist Albright zufolge "eine
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Seite 2

* *

AMERIKA DIENST 16

�JEFFERSON
21. April 1993

WANDEL SOLL ZEITLOSE WERTE BEWAHREN
Ansprache Clintons zu Thomas Jefferson
WASHINGTON - (AD) - Thomas Jefferson hat verstanden, daß sich Menschen ändern müssen, um zeitlose
Werte zu bewahren, äußerte Präsident Clinton, "und freie Menschen müssen Mittel und Wege suchen, um einen
tiefgreifenden und gleichzeitig friedlichen Wandel herbeizuführen."
In einer Rede vor dem Jefferson-Memorial am 13. April 1993 zum Gedenken an den 250. Jahrestag der Geburt
des dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten erklärte Clinton: "Zweifelsohne beabsichtigte Jefferson mit
seinem Ruf nach Wandel, daß er Generation um Generation seinen Widerhall finden würde."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache Präsident Clintons im Wortlaut:

Heute begehen wir den Geburtstag des vielleicht herausragendsten Gründervaters unserer Nation in einer
Umgebung, die Thomas Jefferson sicherlich gefallen
hätte, einer Umgebung, die vom Menschen geschaffene architektonische Schönheit mit der begeisterungswürdigen Seite der Natur vereint, mit den Kirschblüten,
die überall um uns herum ihre Blüten entfalten.

sprechen. Er hätte sicherlich genügend Ideen, was wir
unternehmen sollten, denn er war eine Persönlichkeit,
die gesegnet war mit einem Auge für Erfindungen,
einem Ohr für Musik, den Händen eines Farmers, dem
Geist eines Philosophen, der Stimme eines Staatsmannes, der Seele eines die Wahrheit suchenden
Menschen.

Thomas Jefferson pflegte mit einer gewissen Portion
Stolz zu sagen, daß er stets vor Sonnenaufgang
aufstand, und er war stolz darauf, selbst im Alter von
mehr als 70 Jahren jeden Tag mehrere Kilometer
reiten zu können, ohne zu ermüden. Zu Ehren seines
Geburtstages bin ich heute morgen ebenfalls früh
aufgestanden, und da ich in der Nähe des Weißen
Hauses keine Pferde vorfand, bin ich um das schöne
Tidal Basin gejoggt, wo ich viele meiner Mitbürger traf,
die sogar noch vor mir, bei Tagesanbruch, dort waren,
um diesen herrlichen Anblick zu genießen.

Das Genie Thomas Jeffersons war seine Fähigkeit,
dem Heute das Meiste zu entringen, ohne das Morgen
aus den Augen zu verlieren, in großen Kategorien zu
denken und sich gleichzeitig an den kleinen Dingen des
Lebens zu erfreuen. Am wichtigsten ist vielleicht: Er
verstand, daß sich die Menschen ändern müssen,
damit wir unsere zeitlosen Werte bewahren können.
Und freie Menschen müssen Mittel und Wege suchen,
um einen tiefgreifenden und gleichzeitig friedlichen
Wandel herbeizuführen.

Heute legen wir zu Ehren von Thomas Jefferson
Kränze nieder, während sein Ebenbild hinter uns sichtbar ist. Aber es gibt gar nicht genug Bronze, um die
Größe eines Mannes widerzugeben, der uns half, den
Weg für unsere Nation zu bahnen, der selbst die
Prinzipien aufstellte, die uns als Amerikaner und als
freiheitsliebende Menschen weiterhin leiten.

Wenn Sie nach der Zeremonie noch einmal zu dem
Monument zurückkehren, werden Sie an der Wand die
folgende Inschrift lesen können:
"Gesetze und Institutionen müssen Hand in Hand mit
dem Fortschritt des menschlichen Geistes gehen,
während dieser sich entwickelt, erleuchtet wird, während neue Entdeckungen gemacht und neue Wahrheiten gefunden werden und sich die Sitten und Ansichten
ändern. So, wie sich die Umstände ändern, müssen
sich auch die Institutionen weiterentwickeln, um mit der
Zeit Schritt zu halten."

Dieses Monument wurde, wie bereits erwähnt, vor
einem halben Jahrhundert aus Anlaß von Jeffersons
200. Geburtstag von Präsident Franklin Roosevelt
eingeweiht, einem würdigen Erben Jeffersons. Wäre
Jefferson heute hier anwesend, würde er wohl nicht Eine äußerst moderne Aussage unseres dritten Präsiwollen, daß viel über das Amerika seiner Zeit gespro- denten. Zu seiner Zeit war das Tempo des Wandels
chen wird; vielmehr würde er über das heutige Amerika enorm. Erinnern Sie sich - unter Jeffersons PräsidentAMERIKA DIENST 16

Seite 1

�schaft gab das Dampfschiff sein Debüt und revolutionierte das Reisen. Die Einfuhr von Sklaven wurde verboten und ebnete den Weg zur Emanzipation und Neuordnung der Gesellschaft. Und er erwarb Louisiana für
die damals ungeheure Summe von 15 Millionen Dollar.
Es hat sich als au ßerordent lieh solide Investition erwiesen, die Größe unserer Nation verdoppelt, eine neue
Grenze geöffnet und mir gestattet, in den Vereinigten
Staaten von Amerika geboren zu werden - ebenso wie
vielen unter Ihnen, nehme ich an.

licher Gesundheitsfürsorge hat - etwas, das wir hoffentlich in Kürze ändern können.

Wenn Sie die Stufen hinaufgehen und lesen, was auf
den Wänden steht, so finden Sie eine unglaublich
bewegende Äußerung, in der Jefferson erklärt, der
Gedanke ließe ihn erzittern, daß Gott gerecht sei,
wenn er die wahre Bedeutung der Institution der Sklaverei bedenke. Ich glaube daher, daß er über die
Fortschritte erfreut wäre, die wir im Bereich der Menschenrechte erzielt haben, und wie wir jetzt über rasOb Sie es glauben oder nicht, jeder Schritt auf Jeffer- sische Grenzen hinweg zusammenleben. Weil er
sons Weg traf jedoch auf Widerstand. Die einen waren einen so überzeugten Glauben an die Freiheit des
gegen den Kauf von Louisiana, andere widersprachen einzelnen hatte, wäre er aus meiner Sicht erfreut über
seinem für die damalige Zeit radikalen Konzept der die Bandbreite der Wahlfreiheiten des einzelnen und
menschlichen Freiheit sowohl im Hinblick auf Einzel- der Redefreiheit, die das amerikanische Volk heute
personen als auch die Beschränkungen der Regie- genießt - sogar Dinge zu sagen, die er als ungehörig
erachten würde, denn er war sich der unmißverständrung. Er kämpfte und überstand.
lichen Bedeutung des ersten Zusatzartikels bewußt.
Ich frage mich, was er über unsere Zeit sagen würde,
in der das Tempo des Wandels noch schneller ist. Ich Ich glaube, er wäre jedoch abgestoßen von dem
glaube, er wäre sehr stolz auf die Tatsache, daß wir Mangel an Selbstachtung und Selbstkontrolle und
jetzt Mittel und Wege gefunden haben, unser Wissen Respekt für andere, der sich in der Art blinder Gewalt
alle paar Jahre buchstäblich zu verdoppeln. Aber ich manifestiert, deren Opfer diese und andere Städte in
glaube auch, er wäre sehr enttäuscht, daß das Ver- den vergangenen Jahren wurden und erschreckt über
ständnis von Wissenschaft und Mathematik - die er so die Millionen junger Menschen, die niemals das volle
liebte - in unserem Land noch immer so begrenzt und Ausmaß ihrer Freiheit kennenlernen werden, weil sie
verglichen mit dem Stand zahlreicher anderer Natio- ohne Ordnung, ohne Liebe, ohne Familie, selbst ohne
nen unzureichend ist.
die grundlegende Sicherheit aufgewachsen sind, die
Menschen als Bürger einer echten Demokratie fast
Meines Erachtens wäre er erfreut, daß die Prinzipien schon als selbstverständlich hinnehmen. Mit anderen
der Freiheit, für die er sein gesamtes Leben eintrat, Worten, Thomas Jefferson würde uns wahrscheinlich
schließlich zum Ende des Kalten Krieges und dem sagen, daß dies eine Zeit ist, in der wir Wandel
Niedergang des Kommunismus geführt haben. Er bewirken müssen.
wäre andererseits aber auch zutiefst enttäuscht, daß
ethnischer und in Rassenfragen begründeter Haß die Zweifelsohne beabsichtigte Jefferson mit seinem Ruf
Welt immer noch zu einem so gefährlichen und unsi- nach Wandel, daß er Generation um Generation seicheren Ort macht, auf eine Weise, die in krassem nen Widerhall finden würde. Er vertrat die Auffassung,
Gegensatz zu dem steht, was er als Vernunft definier- wenn wir die Verfassung in ihrem eigentlichen Sinne
te.
geltend machten, würden Amerikaner mit Mut und
gutem Willen sich immer und ewig mehrheitlich für
Meiner Ansicht nach wäre er stolz auf den technologi- einen Wandel aussprechen, wenn dies von ihnen
schen und wirtschaftlichen Fortschritt dieser Zeit, auf erwartet würde. Er glaubte an eine Regierung, die
die zunehmenden Verbindungen zwischen Menschen ständig durch Vernunft und den Willen des Volkes
in einer Weltwirtschaft über nationale Grenzen hin- reformiert wird.
weg. Er wäre jedoch auch auch zutiefst beunruhigt,
daß selbst die reichsten Länder einschließlich seiner Genau dies möchte die Administration nun bewirken.
geliebten Vereinigten Staaten jetzt enorme Schwierig- Wir wissen, daß unsere Volkswirtschaft trotz Wachskeiten haben, genügend Arbeitsplätze für ihre Bürger tums keine neuen Arbeitsplätze hervorbringt. Wir
bereitzustellen und soviel technologischer Fortschritt wissen, daß wir in den vergangenen 12 Jahren die
anscheinend zur Zerstörung eines Großteils der Umwelt Schulden dieses Landes vervierfacht haben, und wir
führt, um die er so besorgt war.
können dem nicht viel Positives entgegenhalten. Wir
wissen, daß die Bürger uns jetzt mutig aufgefordert
Meines Erachtens wäre Jefferson beeindruckt von den haben, die Probleme von Arbeitsplätzen und Defizit,
enormen Fortschritten im Gesundheitswesen. Er war von Umwelt, Bildungswesen und Krankenversichesehr um seine Gesundheit besorgt und wurde 83 Jahre rung in Angriff zu nehmen, zu versuchen, unsere
alt, größtenteils, weil er gut auf seine Gesundheit Bürger wieder an die erste Stelle zu setzen und die
achtete. Und er wäre wahrscheinlich etwas enttäuscht, Regierung für sie arbeiten zu lassen.
daß viele von uns sich nicht besser um sich kümmern,
und abgestoßen von dem bloßen Gedanken, daß die Das amerikanische Volk ist - ohne sich dessen bewu ßt
Vereinigten Staaten das einzige fortschrittliche Land zu sein - mit Leib und Seele dem Wandel verpflichtet,
sind, in dem nicht jeder Bürger Zugang zu erschwing- den Thomas Jefferson auf ewig in unserer Verfassung
Seite2

AMERIKA DIENST 16

�verankern wollte. Denn letzten Endes war sich Jefferson der Tatsache bewußt, daß kein Politiker, keine
Regierung, kein Stück Papier für das amerikanische
Volk leisten könnte, was es für sich selbst tun muß. Er
verstand vielleicht besser als viele seiner Kollegen,
daß die Bürger dieses Landes stets nicht nur die
Verteidiger ihrer Freiheit, sondern auch die treibende
Kraft der Umgestaltung und Veränderung sein mußten.

fremde Menschen handelte. Jefferson selbst hat in
Monticello müden Reisenden oft sein Haus geöffnet.

Heute würden viele Bürger unseres Landes dasselbe
tun. Aber gemeinsam - gemeinsam - haben wir uns
weder den Problemen der müden Reisenden in unserem Land, noch den uns alle gemeinsam konfrontierenden Problemen gestellt. Wir können die Probleme
nicht ignorieren. Es ist Zeit für einen vernünftigen
Wandel. Es ist Zeit, daß die Amerikaner in unserer Zeit
Er wußte jedoch auch, daß die Regierung willens sein den Prinzipien gerecht werden, die in dieser prächtigen
muß, die Instrumente für diesen Wandel zu liefern. Gedenkstätte in Stein gemeißelt sind.
Und genau dies ist heute unsere Aufgabe. Schließlich:
Was ist eine gute Ausbildung anderes als ein Instru- Betrachten Sie nur die Schönheit, die uns heute umgibt.
ment für ein besseres Leben. Was ist ein Arbeitsplatz Wissen Sie, daß zu der Zeit Thomas Jeffersons fast
anderes als ein Instrument, um wirtschaftliche Unab- alles hier Sumpfland war? Die Menschen mieden
hängigkeit, Selbstachtung und Würde für den Arbeit- diesen Ort wie die Pest, weil sie Angst vor der Pest
hatten. Aber mit einem Plan, mit Investitionen, mit
nehmer und seine Familie zu schaffen.
Mühen und mit Vorstellungskraft gestalteten AmerikaWenn ich diese Nation betrachte, so weiß ich, daß der ner diesen Ort um. Und aus diesem unwirtlichen
Großteil dessen, was hier geschehen ist, Thomas Gebiet entstand die vor uns liegende Stadt, eine der
Jetferson mit Stolz und Genugtuung erfüllen würde. prächtigsten Hauptstädte der Weltgeschichte. Abar
Ich vermute, es würde ihn amüsieren, überraschen die Bauwerke um uns herum sind lediglich Gebäude.
und sehr stolz machen, wenn er wü ßte, daß im Alltags- Lebendig werden sie nu r, wenn sie von dem Willen der
leben der meisten Amerikaner Menschen von über 150 Menschen erfüllt werden. Das wußte bereits Thomas
rassischen und ethnischen Gruppen im allgemeinen Jefferson.
nicht nur friedlich und gesetzestreu, sondern auch in
gegenseitigem Respekt und einander bestärkend Wir sind die Erben des reichen Vermächtnisses von
zusammenleben. Ich denke, das würde ihn mit Stolz Jefferson. An diesem seinem 250. Geburtstag können
wir ihn am besten würdigen, indem wir uns unserer
erfüllen.
Rolle bei der Regierung unserer selbst und unserer
Meines Erachtens wäre er stolz auf die geistige Groß- Nation erinnern, zu sprechen, uns zu bewegen, uns zu
zügigkeit, die unser Volk charakterisiert und am deut- verändern, denn nur durch Veränderung bewahren wir
lichsten in einer Zeit nationaler Krise und nationaler die zeitlosen Werte, für die Thomas Jefferson vor über
Tragödie zum Ausdruck kommt. Schließlich gab man zwei Jahrhunderten sein Leben gab.
zu Zeiten Jeffersons Reisenden, die an die Türe klopften, Nahrung und Obdach, auch wenn es sich um völlig Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

*

AMERIKA DIENST 16

* * *

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Seite 3

�HAUSHALT
21. April 1993

CLINTON LEITET HAUSHALT 1994 DEM KONGRESS ZU
Ziele sind Wirtschaftswachstum und Defizitabbau
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat dem
Kongreß den von ihm bereits im Februar grob skizzierten Haushalt für 1994 vorgelegt, dessen Details auf
1.478 Seiten eingehend erläutert werden. Das vollständige, am 8. April 1993 übermittelte Dokument
sieht Vorschläge für Ausgaben in Höhe von rund 1,52
Billionen Dollar und Einnahmen von rund 1,22 Billionen
Dollar in dem Haushaltsjahr vor, das vom 1. Oktober
1993 bis zum 30. September 1994 dauert. Das Defizit
würde demzufolge von den im Haushaltsjahr 1993
erwarteten 322 Milliarden Dollar auf 264 Milliarden
Dollar sinken.
Vertreter der Administration erklärten vor Reportern,
der Haushaltsplan werde den Grundstein legen, um
Clintons Ziele zu erreichen - die Steigerung der Produktivität und des Wirtschaftswachstums bei gleichzeitigem Abbau des Defizits im Bundeshaushalt, das
viele für eine Bedrohung der langfristigen Wirtschaftskraft halten. Die Reduzierung des Defizits würde
demnach durch eine Kombination von Ausgabensenkungen bei einem breiten Spektrum von Programmen,
insbesondere in der Verteidigung, sowie Steuererhöhungen verwirklicht, die wohlhabende Amerikaner am
stärksten belasten.

schiedet, die nicht nur den Rahmen für die Durchführung eines Großteils von Clintons umfassendem Programm liefert, sondern noch über seinen Vorschlag
hinausgeht, indem sie über die von ihm beabsichtigen
weitere Ausgabenkürzungen von 59 Milliarden Dollar
vorsieht.
Die Zusammenstellung des detaillierten Dokuments
gestattet esdem Präsidenten jedoch, eine Feinabstimmung vorzunehmen und den Bewilligungsausschüssen des Kongresses bei ihrer Erarbeitung spezifischer
Steuer- und Ausgabengesetze in den kommenden
Monaten Leitlinien zu geben.
Clintons Haushaltsplan sieht einen Nettoabbau des
Haushaltsdefizits um insgesamt 447 Milliarden Dollar
über fünf Jahre vor. Bei Einbeziehung der vom Kongreß zusätzlich vorgenommenen Kürzungen sowie
daraus resultierenden Einsparungen bei Zinszahlungen auf die nationalen Schulden ergibt sich bis zum
Haushaltsjahr 1998 ein planmäßiger Defizitabbau von
514 Milliarden Dollar.

Bei der Erarbeitung der Defizitprognosen legten die
Regierungsvertreter die im Haushaltsdokument bezeichneten "äußerst vorsichtigen wirtschaftlichen
In einem kurzen Begleitschreiben erklärte Clinton, sein Annahmen" des Haushaltsbüros des Kongresses
Plan werde dazu beitragen, "die amerikanische Wirt- (Congressional Budget Office - CBO) zugrunde.
schaft wieder in Schwung zu bringen, die Finanzen des Wirtschaftsexperten der Regierung haben jedoch ihre
Bundes wieder auf eine solide Grundlage zu stellen eigene Schätzung angestellt - eine Prognose, die
und die Hoffnung in den Herzen der amerikanischen ihnen zufolge "den durchschnittlichen Prognosen der
Bürger wiederzubeleben".
Volkswirtschaftler sehr nahe kommt" und wesentlich

In mancher Hinsicht erscheint die gesetzlich vorgeschriebene Übermittlung des Haushaltsdokuments eher
unspektakulär. Für gewöhnlich gestattet sie einen
ersten Blick auf die haushaltspolitischen Prioritäten
eines Präsidenten. In diesem Jahr jedoch hatte Clinton bereits fast zwei Monate bevor seine Administration die mühsame Aufgabe beenden konnte, die vielen
tausend Zahlen zusammenzustellen, die in das Endprodukt einflössen, einen allgemeinen Abriß gegeben.
Mit ungewohnter Schnelligkeit hat der Kongreß sogar
bereits eine Haushaltsentschließung für 1994 verabAMERIKA DIENST 16

optimistischer ausfällt als die des CBO, ohne jedoch
völlig unrealistische Erwartungen zu haben.
Falls diese Prognose zutrifft und die zusätzlichen, vom
Kongreß verabschiedeten Ausgabenkürzungen in Kraft
treten, so der Haushaltsdirektor der Administration,
Leon Panetta, vor der Presse, könnte das jährliche
Defizit bis 1997 sogar auf 160 Milliarden Dollar anstatt
der im Haushalt des Präsidenten vorgesehenen 214
Milliarden Dollar sinken.
Vizepräsident Gore, Panetta und andere Regierungsvertreter benutzten die Pressekonferenz, um den
Seite 1

�Kongreß erneut zur Verabschiedung eines separaten trächtlich geringer ist." Diese Steuererhöhungen werden
Planes zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu drängen, Bentsen zufolge "von steuerlichen Anreizen für die
den der Präsident als integralen Bestandteil seiner Unternehmen ausgeglichen, die die Wirtschaft dieses
Gesamtstrategie betrachtet.
Landes wieder in Schwung bringen".
Gore nahm stellvertretend für den Präsidenten, der
nach dem Tod seines Schwiegervaters Hugh Rodham
nach Little Rock gereist war, an der Pressekonferenz
teil.
Das 16,3 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturprogramm zur Schaffung von Arbeitsplätzen hat nicht so
gut abgeschnitten wie der Haushaltsplan: Die Verabschiedung wurde im Senat von Republikanern blokkiert, die erklären, es enthalte verschwenderische
Ausgaben und würde das Defizit unnötig aufblähen.

Bentsen stellte fest, daß dem Plan zufolge für 98
Prozent aller Amerikaner der Einkommensteuersatz
nicht steigen wird und der Satz vom 15. April dieses
Jahres (dem jährlichen Abgabetermin für die Steuererklärung) "auch der Satz vom 15. April der Jahre 1994,
'95, '96 und '97 sein wird".
Auf die Frage, ob er einzelne Steuererhöhungen in der
Zukunft ausschließe - so wie es der ehemalige Präsident Bush in seinem Versprechen "keine neuen Steuern" getan hatte, das er später zurücknehmen mußte
- wollte Bentsen nicht so weit gehen. "Also, wir haben
solche Steuererhöhungen nicht geplant. Keine", stellte er fest.

Gore kritisierte die "Senatoren, die unser Paket zur
Schaffung von Arbeitsplätzen als Geisel betrachtet
und für eine Lähmung anstatt für Fortschritt gearbeitet
haben". Gorefuhrfort: "Wirwollen, daß dieses Patt mit Nachfolgend einige der Ausgabenposten im Budget
der Verabschiedung des dringlichen Konjunktur- und des Präsidenten:
Investitionsprogramms beendet wird, weil wir den
52 Milliarden Dollar in einem Zeitraum von fünf
Menschen Arbeit verschaffen und dazu beitragen
Jahren
für Investitionen in Autobahnen und öf
möchten, diesen Aufschwung zu verwirklichen, ihn so
fentliche
Verkehrsmittel, Umweltinfrastruktur, Bau
zu gestalten, daß er Arbeitsplätze für das amerikaniund
Restaurierung
von Häusern sowie Schutz
sche Volk schafft." Er forderte die Wähler auf, von
und
Entwicklung
alternativer
Energiequellen.
ihren Senatoren Maßnahmen zu verlangen, sobald die
gegenwärtige Sitzungspause des Kongresses beenWeitere 52 Milliarden Dollar in demselben Zeitdet ist.
raum für Erziehungs- und Reformprogramme;
die
volle Finanzierung des Head Start-ErzieAuf eine Frage bestätigte Finanzminister Lloyd Benthungsprogramms
für Vorschulkinder und des
sen, er habe mit dem Minderheitsführer im Senat und
WIC-Ernährungsprogramms
für Frauen, Kinder
führenden Gegner des Programms, dem Republikaund
Säuglinge;
ein
nationales
Programm des
ner Robert Dole, Gespräche über das KonjunkturproDienstes
an
der
Allgemeinheit
für Studenten
gramm geführt, und beide würden erneut miteinander
sowie
Initiativen
zur
Ausbildung
am ArbeitsKontakt aufnehmen, um ausder Sackgasse herauszuplatz.
kommen.
Auf die Frage, ob er Zugeständnisse ankündige, antwortete der ehemalige Senator Bentsen: "Ich habe seit
Jahren mit Senator Dole Verhandlungen geführt, und
wir werden diese Karten einzeln aufdecken."
Im Zusammenhang mit in dem Haushaltsplan enthaltenen Steuererhöhungen erklärte Bentsen, "der ganze
Prozess wurde dadurch erträglich, daß Präsident Clinton etwas vorlegte, das wir für faire Steuern halten."
Die vorgeschlagene neue Energiesteuer "wird zur
Energieeinsparung beitragen, die Abhängigkeit von
oftmals in politischer Hinsicht instabilen Ölförderregionen reduzieren, sie betrifft jede Region des Landes auf
gleiche Weise und kostet eine Familie mit einem
Jahreseinkommen von 40.000 Dollar jeden Monat 17
Dollar."
Andere Aspekte umfassen ihm zufolge "eine Einkommensteuer für die reichsten ein oder zwei Prozent der
Bevölkerung und einen Unternehmenssteuersatz, der
lediglich um zwei Prozent stieg, was im Vergleich zu
diesem Steuersatz in Japan und Deutschland beSeite 2

Ein Fünfjahresprogramm in Höhe von 32 Milliarden Dollar für die Ausweitung des Einkommensteuergutschriftprogramms und verstärkte weitere Anstrengungen, um Arbeiterfamilien den
Weg aus der Armut zu bahnen.
Ungefähr 4 Milliarden für unter dem Schlagwort
"Sichere Straßen" durchgeführte Initiativen zur
Verbrechensbekämpfung, beispielsweise ein Programm, das die Städte mit zusätzlichen 100.000
Polizeibeamten versorgt.
Ausgaben in Höhe von 32 Milliarden über einen
Zeitraum von fünf Jahren für das Gesundheitswesen und die Forschung im Bereich der Gesundheit der Frau, die gesamte Finanzierung
eines Vorsorge- und Behandlungsprogramms
gegen AIDS und Gesundheitsfürsorge für Veteranen.
50 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von
fünf Jahren für steuerliche Anreize für Unternehmen, einschließlich einer Steuergutschrift

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�fürdie Investitionen von Kleinunternehmern und
deren Befreiung von der Kapitalertragssteuer,
die Ausweitung von Steuergutschriften für Forschungsvorhaben sowie die Errichtung von
Unternehmenszonen in strukturschwachen
Gebieten.

diese einem ablehnenden, von Demokraten kontrollierten Kongreß vorgelegt wurden.

"Dieser Haushalt ist alles andere als kühn und bringt
den Amerikanern keinesfalls die Neuerungen, für die
sie sich bei den Wahlen ausgesprochen haben - dieser
Haushalt ist nichts anderes als eine Rückkehr zu der
Den Berechnungen der Administration zufolge werden gescheiterten Politik der Vergangenheit: höhere Steusich die Nettodefizitkürzungen in den nächsten fünf ern für jeden, erhöhte Ausgaben der Regierung und
Jahren zu 52 Prozent aus Ausgabenkürzungen und zu mehr Verwaltung", so Kasich in einer schriftlichen
48 Prozent aus Steuererhöhungen zusammensetzen. Stellungnahme.
Republikanische Kritiker vertreten die Ansicht, eine
exakte Berechnung würde zeigen, daß die Steuerer- Die Demokraten unterstützten im allgemeinen den
Plan des Präsidenten.
höhungen überwiegen.
Unter den Republikanern stieß die Freigabe des detail- Senator James Sasser, Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Senats, erklärte, das detaillierte
lierten Haushalts auf mehr Kritik.
neue Dokument werde Kongreßausschüssen bei der
Ausübung
ihres Haushaltsmandats als "Landkarte für
John Kasich, langgedientes Mitglied des Haushaltsdie
Prioritäten
des Präsidenten" dienen.
ausschusses des Repräsentantenhauses, bezeichnete den Haushaltsplan als "von vorneherein verschuldet". Das war ein Wortspiel mit dem Satz " von vorne- "Ich bin zuversichtlich, daß das Paket des Präsidenten
herein gestorben", der auf viele Budgets der Reagan- noch in diesem Sommer Gesetzeskraft erlangen wird",
und Bush-Administrationen angewandt wurde, wenn so Sasser.

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�HOLOCAUST

MUSEUM
21. April 1993

DAS WASHINGTONER HOLOCAUST MUSEUM EIN MANDAT DER "ERINNERUNG"
Eröffnung der Gedenkstätte für Opfer des Naziregimes

WASHINGTON - (AD) - Vor fünfzig Jahren wagte eine
belagerte, in einem von Mauern umgebenen Teil
Warschaus eingeschlossene Gruppe von Juden einen
bewaffneten Angriff auf ihre nationalsozialistischen
Peiniger. Der am 19. April 1943 begonnene spektakuläre Aufstand hatte zu wenig Schlagkraft und kam obwohl die Straßenkämpfer sich dessen zu jener Zeit
nicht bewußt waren - zu spät.
Denn die Verfolgung (und schließliche Vernichtung)
der Juden im Warschauer Ghetto spiegelte in einem
Mikrokosmos den methodischen, kontinentalen, von
Adolf Hitler und seiner Gefolgschaft sorgfältig geplanten Genozid wider, der für immer als Holocaust in die
Geschichte einging.
In den seit dem Zweiten Weltkrieg vergangenen Jahrzehnten lautete die mit dieser Vernichtung assoziierte
Losung stets "Erinnerung" - auf Hebräisch "Zachor".
Die Eröffnung des United States Holocaust Memorial
Museum im Zentrum Washingtons am 22. April 1993
verkörpert dieses Mandat.
Die Gründung des in unmittelbarer Nähe der von
Grünflächen umgebenen Mall in der amerikanischen
Bundeshauptstadt und sozusagen im Schatten des
Washington Monument gelegenen Museums geht auf
eine ungewöhnliche Initiative des öffentlichen und
Privatsektors zurück, die Amerika dazu verpflichtet,
eine qualvolle Lektion aus einem dunklen Kapitel der
Geschichte aufzuzeichnen und das Licht der Erinnerung darauf zu werfen.
Mit einem 1980 einstimmig vom amerikanischen Kongreß
verabschiedeten Gesetz wurde der 68 Mitglieder
(einschließlich 13 Regierungsvertretern der Exekutive
und des Kongresses) umfassende United States Holocaust Memorial Council gegründet und die Übergabe
von rund einem Hektar Land an das neue Gremium als
Standort der von James Ingo Freed entworfenen 21.000
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Quadratmeter großen Gedenkstätte beschlossen. Das
Gesetz legte ferner fest, daß alle Baukosten durch
private Spenden aufgebracht werden müssen.
Im Verlauf der 15 Jahre haben sich die Präsidenten
Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush und Bill
Clinton mit der Geschichte und dem Fortschritt des
Projekts befaßt. Obwohl keiner von ihnen unmittelbar
Zeuge der Folgen des Holocaust war, sind sie im
Geiste und durch ihr Amt mit einem von denen verbunden, der sie gesehen hatte.
Präsident Dwight Eisenhower - in seiner damaligen
Funktion als Kommandeur der Alliierten Streitkräfte in
Europa - besuchte im April 1945 ein Konzentrationslager. "Ich sah es als meine Pflicht an, von jenem
Zeitpunkt an Zeugnis über das Geschehene ablegen
zu können, falls jemals zu Hause die Überzeugung
oder Vermutung aufkeimen sollte, 'die Geschichten
über die Brutalität der Nazis waren nur Propaganda'",
stellte er damals fest.
Wie viele der Institutionen an der Mall, beispielsweise
das Air and Space Museum, das National Museum of
Natural History und die National Gallery of Art, soll das
Holocaust Memorial Museum vor allem der Erinnerung
und der Erziehung dienen: den Horizont der Interessierten zu erweitern und revisionistischem Denken
entgegenzuwirken, vor dem schon Eisenhower warnte. Es ist das Hauptziel dieses Museums, mit Hilfe
verschiedener Mittel die Geschichte von Hitlers Versuch einer "Endlösung", der Ausrottung der europäischen Juden zwischen 1933 und 1945, zu erzählen.
Es wird jedoch nicht nur der Blick auf die Zerstörung
gelenkt, sondern eine Dauerausstellung wird auch
Symbole für Mut, Widerstand und Befreiung zeigen von den Juden, die im Warschauer Ghettoaufstand
gegen Panzer ankämpften bis zu denen, die über
Europa mit dem Fallschirm absprangen, um andere

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�Juden zu retten, den "gerechten NichtJuden" in Europa,
die den Naziopfern zu helfen und sie zu schützen
versuchten, den amerikanischen Soldaten, die Auschwitz, Bergen-Belsen und andere Konzentrationslager befreiten.
Obwohl nahezu sechs Millionen Juden im Laufe der
Nazikampagne umkamen, waren sie nicht die einzigen, die ausgerottet werden sollten. Im Holocaust
Memorial Museum wird auch anderer Opfer gedacht Homosexueller, Polen, Sinti und Roma, politischer
Gefangener, Zeugen Jehovas und anderer.

Auf der zweiten Etage wird die grauenhafte Zeit - von
1939 bis 1945 - der Ghettoisierung, des Abtransports,
der Konzentration in Lagern und der Vernichtung dargestellt, aber auch Trotz und Widerstand sowie die
Aktivitäten mutiger NichtJuden, die viele Menschen
retteten. Auf der ersten Etage wird dokumentiert, wie
die Überlebenden in Amerika, Israel und Europa ein
neues Leben aufbauten - sowie die Suche nach Gerechtigkeit, Moral und Humanität unmittelbar nach der
Verwüstung.

Das Museum bietet noch weitere erzieherische Komponenten. Ein "Saal des Wissens" (Hall of Know
Sowohl in bezug auf seine Architektur, als auch im ledge), dessen interaktives, computergestütztes InHinblick auf die Ausstellungen, fesselt das neue Mu- ventar Wissenschaftlern und Forschem gestattet, selbseum die Aufmerksamkeit der Besucher. "Wie kann ständig Nachforschungen anzustellen. Eine ständig
ein Gebäude eine Katastrophe darstellen?", fragte der wachsende Sammlung von Kunstwerken, persönliArchitekturkritiker Herbert Muschamp 1989 in einem chen Gegenständen, mündlich überlieferten ZeugnisZeitschriftenartikel. "Welcher Formen bedient man sen und anderen Exponaten, die die Greueltaten des
sich, um ein amerikanisches Gebäude für ein Ereignis Dritten Reiches dokumentieren, sind in einem auf dem
zu schaffen, das weit entfernt stattgefunden hat?". Museumsgelände errichteten Forschungsinstitut unSeine Antwort lautete: Eine Mischung aus der Archi- tergebracht.
tektur des Washingtoner Regierungsviertels, des Klassizismus des 18. Jahrhunderts kombiniert mit moder- Zahllose Erinnerungsstücke - ein Viehwaggon, mit
ner Architektur des 20. Jahrhunderts und abstrakten dem Juden auf der unheilvollen Strecke von Warschau
Visionen der Konzentrationslager- und Ghettoarchi- in das Vernichtungslager Treblinka transportiert wurtektur, die an Eisentore, Ofenklappen und Ghettobrüc- den, ein unsicheres Holzboot der Art, wie sie die Dänen
ken erinnern.
benutzten, um Juden heimlich über das Meer nach
Schweden zu bringen, eine echte Baracke aus dem
Einer der visuellen Mittelpunkte des Museums ist der Frauenlager in Auschwitz, Kanister mit dem Giftgas
Saal der Erinnerung (Hall of Remembrance) - dessen Zyklon B, das für den Massenmord an den Juden
Form zu Ehren der sechs Millionen Toten und des benutzt wurde, Gebetsmäntel und Pappkoffer, gelbe
Davidsterns sechseckig ist. Wenn dort keine Ausstel- Judensterne, die zu tragen Juden zu ihrer Kennzeichlung untergebracht ist, bietet der helle Saal mit den nung gezwungen wurden, gestreifte Häftlingskleidung
klaren Linien die Möglichkeit, eine Pause einzulegen, - werden ausgestellt. Die Exponate wurden von Einnachzudenken und sich zu sammeln.
zelpersonen und ausländischen Regierungen gleichermaßen zur Verfügung gestellt.
Der Saal des Zeugnisses (Hall of Witness), der zentrale Sammelplatz für Besucher, durchzieht das Haupt- Und dann die Kinder - die eineinhalb Millionen, die als
gebäude. Muschamp wies bereits darauf hin, daß er Teil der sechs Millionen ihr Leben verloren - und die
mit seiner durch einen großen Riß gespaltenen Mar- jungen Besucher des neuen Museums, von denen
morverkleidung "ein Symbol für das Scheitern einer viele Kinder und Enkel der Überlebenden sind. TauZivilisation ist, aber auch für das Scheitern der Fähig- sende von Kacheln, handbemalt von amerikanischen
keit des Architekten, das Gesehene und seine Gefühle Grundschülern, bilden eine "Wand der Kinder", die in
darzustellen".
einem Flügel des Gebäudes aufgebaut wurde. "Die
Mit Hilfe der Dauerausstellung durchläuft der Besu- Geschichte von Daniel" ist Teil einer Ausstellung mit
cher des Holocaust Memorial Museums den zwölfjäh- dem Titel "Erinnert Euch der Kinder" (Remember the
rigen Abstieg bis zu dem, was der Nobelpreisträger Children), in der die Ereignisse des Holocaust aus der
Elie Wiesel, ein Überlebender des Holocaust, "das Perspektive eines Kindes dargestellt werden, die auf
Dauer im Museum gezeigt wird.
Königreich der Nacht" nannte.
Der Besucher erhält eine paßähnliche Ausweiskarte
mit dem Namen eines tatsächlichen Opfers oder
Überlebenden (die Informationen werden im Verlauf
des Besuchs aktualisiert) und beginnt seine Tour im
dritten Stock des Gebäudes, in dem an die Anfangstaten des Hitlerreiches erinnert wird - die zunehmende
Unterdrückung, Bücherverbrennungen, die Nürnberger Rassengesetze, die systematische Zerstörung
von Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen
im Rahmen der Reichskristallnacht.
Seite 2

Seit das Konzept und der vorgeschlagene Ort für das
Museum vor einigen Jahren bekanntgegeben wurden,
ist eine Frage wiederholt gestellt worden: Warum
sollte eine solche Einrichtung - die Zeugnis von Schrekken, und zwar weit entfernten Schrecken ablegt - unter
den kulturellen und historischen Monumenten der
Vereinigten Staaten angesiedelt werden?
Die Antwort liegt in der Aufgabe des Holocaust Memorial Museum begründet, Aufzeichnungen zu sammeln

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�und die Erinnerung wachzuhalten. Durch die Darstellung der furchtbaren Verbrechen an Juden und anderen in Übersee schärft es das Bewußtsein gegenüber
jeglicher Bedrohung der Demokratie und - wie Projektleiter Michael Berenbaum in seinem Museumskatalog
schreibt - unterstreicht, "wie zerbrechlich die Demokratie ist".

Laut Berenbaum ist das Museum weit mehr als eine
Gedenkstätte für den Völkermord an den Juden: "Es
ist ein Zeugnis und vielleicht auch eine Herausforderung für das zentrale Thema jeder demokratischen
Gesellschaft: die Verantwortung des einzelnen in
einer freien Gesellschaft sowie einer demokratischen
Wetten verpflichteten Nation, wenn die Freiheiten des
Menschen ernsthaft in Gefahr sind."

* * * * *

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Seite 3

�PORTRAT
21. April 1993

DUFFEY SIEHT "AUFREGENDE PERIODE"
STAATLICHER ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Porträt des designierten USIA-Direktors Joseph Duffey

WASHINGTON - (AD) - Wenn Joseph Duffey sein Amt
als Direktor des US-Informationsamts (USIA) antritt,
wird ersieh bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben auf
starke freundschaftliche Bindungen zu Präsident Clinton sowie seine allseits anerkannten Fähigkeiten in
den Bereichen der höheren Bildung, Soziologie und
des kulturellen Austauschs stützen können.

erklärte der Washington Post, Duffey habe der Universität ein Gefühl der Zielstrebigkeit und Prestige
verliehen und dazu beigetragen, einen neuen Sinn für
Gemeinschaft zu wecken, "so daß die Studenten das
Gefühl hatten, stärker gehört zu werden".

In einem Essay, das 1990 im USIA-Magazin Impact
veröffentlicht wurde, brachte Duffey, der bei der GrünClinton erklärte, Duffeys "fachliche Qualifikationen in dung des Nationalen Rates für Wettbewerbsfähigkeit
den Bereichen Bildungswesen, Kommunikation und mitgewirkt hat, sein Vertrauen in die Zukunft der Verauswärtige Angelegenheiten sind enorm und werden einigten Staaten zum Ausdruck. In dem Beitrag "Global
ihm gute Dienste leisten, wenn er an die Spitze des Competitiveness: Getting the U.S. Back on Track",
USIA tritt und darauf hinarbeitet, die Ideale von Demo- stellte er fest, das 21 .Jahrhundert "könnte sehr gut von
steigenden Lebensstandards, sich lohnender Arbeit
kratie und Freiheit im Ausland zu fördern".
sowie einer starken und positiven amerikanischen
Als er die American UnK/ersity davon in Kenntnis Präsenz charakterisiert werden". Eine solche Zukunft,
setzte, daß er nach zwei Jahren als deren Präsident so erläuterte er, müsse jedoch geschaffen werden und
dieses Amt zur Verfügung stelle, verwies Duffey dar- "kommt nicht von selbst".
auf, er werde "die Verantwortung für eine Behörde
übernehmen, deren Auftrag die Verbesserung des Duffey schrieb, ein wohlhabendes Amerika des 21.
Verständnisses der Vereinigten Staaten" in anderen Jahrhunderts "wird grundlegende Veränderungen in
unserer Haltung zur Arbeit, zum Staat und in den
Ländern und Regionen sei.
Beziehungen zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehDer designierte Direktor stellte fest, dies sei eine mern erfordern". Die Vereinigten Staaten sollten von
wichtige und aufregende Periode in der staatlichen ihren Handelspartnern lernen, wie nützlich "nationale
Öffentlichkeitsarbeit. Der Vorsitzende des Beirats der Verpflichtungen für die langfristige WettbewerbsfähigAmerican University, Edward Carr, äußerte, Duffey keit" seien.
werde "zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die
Verbesserung amerikanischer Öffentlichkeitsarbeit im Ein anderer Artikel mit dem Titel "Japan Bashing Won't
Ausland" für das US-Informationsamt "Format und Help U.S." wurde 1985 von der Zeitung The SpringKreativität" mitbringen.
field Republican abgedruckt. Neben Beiträgen über
wirtschaftliche und soziale Fragen hat Duffey zahlreiDas weiße Haus gab seine Absicht, den 60jährigen che Arbeiten über das höhere Bildungswesen veröfDuffey als 13. Direktordes Amts zu nominieren, am 15. fentlicht.
April 1993 bekannt. Die Berufung bedarf der Bestätigung durch den Senat.
Bevor Duffey 1991 sein Amt als 12. Präsident der
American University antrat, war er seit 1990 Präsident
Duffey, der an der Universität auch einen Lehrstuhl für der University of Massachusetts und davor seit 1982
Soziologie innehatte, wird aufgrund seiner starken Kanzler der Massachusetts State University gewesen.
Präsenz auf dem Campus, seiner Fähigkeiten im Damals hatte er dazu beigetragen, durch den Aufbau
Umgang mit Menschen und der Betonung von Team- einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und den
arbeit in Erinnerung bleiben. Ein Professorenkollege
AMERIKA DIENST

Sehe 1

�Ausbau der Forschungsstipendien für den Lehrkörper
den Bekanntheitsgrad der Universität zu verstärken.
1978 war er von Präsident Carter zum Vorsitzenden
der Nationalen Stiftung für Geisteswissenschaften (The
National Endowment for the Humanities - NEH) ernannt worden. Er bekleidete dieses Amt bis 1982, ein
Jahr, nachdem Reagan Präsident geworden war. Bei
der NEH leitete er ein komplexes nationales Förderprogramm zur Unterstützung von Museen, Forschungsstipendien, öffentlichem Feinsehen und Bibliotheken.
Seine Konzentration auf Qualität und interdisziplinäre
Forschung verfolgte das Ziel, die Geistes- und Sozialwissenschaften zu verbinden, insbesondere im Bereich der internationalen Beziehungen. Während seiner Amtszeit war er in der Lage, der NEH in einer Zeit
staatlicher Ausgabendisziplin die Unterstützung von
Regierung und Kongreß zu bewahren.
Unmittelbar vor der Übernahme dieses Postens war
Duffey als Abteilungsleiter im Außenministerium mit
der Aufsicht über die Tätigkeit des Büros für Bildungsund Kulturangelegenheiten betraut, das vor der Verlagerung in den Aufgabenbereich des US-Informationsamts das Fulbright-Programm verwaltete.

Examina in Theologie ab und promovierte 1969 an der
Hartford Seminary Foundation of Connecticut. Seine
Dissertation war einem amerikanischen Sozialphilosophen und Architekturkritiker gewidmet und trug den
Titel "Lewis Mumford's Philosophy of Technology and
Cufture".
Der ordinierte baptistische Geistliche Duffey war in
Connecticut in den sechziger Jahren in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und arbeitete mit führenden
Persönlichkeiten wie Martin Luther King und Andrew
Young zusammen. Darüber hinaus organisierte er
College-Protestveranstaltungen gegen den Vietnamkrieg.
Der seit langem mit der Demokratischen Partei verbundene Duffey war im Präsidentschaftswahlkampf
Jimmy Carters in Washington als Berater für politische
Fragen und Wahlkampfthemen zuständig und arbeitete danach in dessen Übergangsteam. Darüber hinaus
war er Vorsitzender der Organisation Americans for
Democratic Action sowie 1968 Ko-Vorsitzender der
erfolglosen Wahlkampagne von Eugene McCarthy.

Der designierte Direktor traf Präsident Clinton 1970
während einer erfolglosen Senatskandidatur gegen
Duffey wurde von 14 amerikanischen Colleges und Lowell Weicker aus Connecticut. Der damalige JuraUniversitäten mit der Ehrendoktorwürde ausgezeich- student Clinton an der Yale University arbeitete in
net. Unter anderem wurde ihm vom belgischen König Duffeys Wahlkampfteam, und diese Erfahrung soll ihn
der Kronorden (Order of the Crown) im Range eines motiviert haben, selbst ein politisches Amt anzustreKommandeurs verliehen. Der höchste jemals an einen ben.
Ausländer verliehene Rang wurde ihm für seine Unterstützung der Künste im Rahmen einer amerikanischen Duffeys Frau Anne Wexler war seine WahlkampfleiteTournee durch zahlreiche Städte beim "Festival Bel- rin in Connecticut. In der Carter-Ära war Wexler
Stellvertretende Staatssekretärin im Handelsministegien Heute" zuerkannt.
rium. Sie ist in Washington als Lobbyistin der Wexler
Der designierte Direktor erwarb 1954 an der Marshall Group, eines mit der PR-Firma Hill &amp; Knowlton verbunUniversity in Huntington (West Virginia) den Grad denen Unternehmens, bekannt.
eines Bachelor of Arts in Geschichte und Altgriechisch,
legte 1958 an der Andover Newton Theological School Duffey und Wexler leben in Washington und haben je
of Massachusetts und 1963 an der Yale University zwei Söhne aus erster Ehe.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 16

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zufrieden mit multilateralem Hilfspaket für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bentsen würdigt Unterstützung der G-7 für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Finanzministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner erachten Hilfe für Russland als richtig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die humanitäre Lage in Bosnien-Herzegowina&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Bouchers und amtliche Zusammenfassung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Regionale Konflikte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben multilaterale Lösungen für regionale Konflikte an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Albright: Optionen in Bosnien werden geprüft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Jefferson&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wandel soll zeitlose Werte bewahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Clintons zu Thomas Jefferson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton leitet Haushalt 1994 dem Kongress zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ziele sind Wirtschaftswachstum und Defizitabbau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Holocaust-Museum&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Washingtoner Holocaust-Museum - ein Mandat der "Erinnerung"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnung der Gedenkstätte für Opfer des Naziregimes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Duffey sieht "aufregende Periode" staatlicher Öffentlichkeitsarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten USIA-Direktors Joseph Duffey&lt;/em&gt;</text>
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