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                  <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

£0^ 3 &lt; ^
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24. März 1993

12
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RUSSLAND

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—

CLINTON: USA UNTERSTUTZEN DEMOKRATIE
IN RUSSLAND
Erklärung bei Pressekonferenz
USA WERDEN UNTERSTÜTZUNG FÜR
RUSSLAND VERSTÄRKEN
Rede von Außenminister Christopher

WIRTSCHAFT

SUMMERS: DEMOKRATIE IN RUSSLAND
VORDRINGLICHES ANLIEGEN DER USA
Erklärung vor Finanzausschuß des Senats
DIE WIRTSCHAFTS- UND HANDELSPOLITIK UNTER PRÄSIDENT CLINTON
Rede von Donald B. Kursch,
Gesandter für Wirtschaft

NICHTVERBREITUNG

KAMPF GEGEN WEITERVERBREITUNG VON
ATOMWAFFEN HAT FÜR DAVIS PRIORITÄT
Auszüge aus Anhörung

MEDIEN

DER VIERTE STAND - RECHTE UND
PFLICHTEN
von Robert H. Estabrook

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�RUSSLAND
24. März 1993

CLINTON: USA UNTERSTÜTZEN DEMOKRATIE
IN RUSSLAND
Erklärung bei Pressekonferenz
WASHINGTON - (AD) - Demokratische Reformen in Ru ßland sind nach Ansicht von Präsident Clinton die Basis
für eine bessere Zukunft des russischen Volkes sowie für eine "kontinuierliche russisch-amerikanische
Partnerschaft". Die Vereinigten Staaten erwarteten, daß Präsident Jelzin bei diesen Bestrebungen die führende
Rolle spielt.
"Die Vereinigten Staaten unterstützen die historischen Schritte zu demokratischen politischen Reformen in
Rußland", erklärte Clinton bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 23. März 1993. "Präsident Jelzin ist
die führende Persönlichkeit in diesem Prozeß. Er ist ein demokratisch gewählter nationaler Entscheidungsträger, tatsächlich ist er der erste demokratisch gewählte Präsident in tausend Jahren russischer Geschichte. Er
genießt die Unterstützung der Vereinigten Staaten, und dasselbe gilt für seine Reformregierung und alle
Reformer in ganz Rußland."
Der Präsident stellte auf die Frage eines Reporters weiterhin fest, letztlich sei es Aufgabe des russischen Volkes,
die gegenwärtigen Probleme "selbst zu lösen, und ich hoffe, es wird die Gelegenheit erhalten, dies in geeigneter
Weise zu tun". Er glaube nicht, "daß wir entscheidend sein können in dem Sinn, daß wir den Lauf der Ereignisse
in Rußland oder - offen gestanden - in den anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bestimmen, an
denen wir ebenfalls ein großes Interesse haben. Ich glaube jedoch nicht, daß wir lediglich Zuschauer sind."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten zu Beginn der Pressekonferenz im Wortlaut.

Bevor ich heute Ihre Fragen beantworte, möchte ich
kurz auf einige außen- und innenpolitische Themen
eingehen.
Erstens möchte ich bekräftigen, daß die Vereinigten
Staaten die historischen Schritte zu demokratischen
politischen Reformen in Rußland unterstützen. Präsident Jelzin ist die führende Persönlichkeit in diesem
Prozeß. Er ist ein demokratisch gewählter nationaler
Entscheidungsträger, tatsächlich ist er der erste
demokratisch gewählte Präsident in tausend Jahren
russischer Geschichte. Er genießt die Unterstützung
der Vereinigten Staaten, und dasselbe gilt für seine
Reformregierung und alle Reformer in ganz Rußland.

Wir fühlen uns ermutigt, daß Präsident Jelzin der
Verteidigung der bürgerlichen Freiheiten, der Fortsetzung der Wirtschaftsreformen und der weiteren außenpolitischen Zusammenarbeit für eine friedliche Welt
verpflichtet ist. Rußland ist eine Demokratie - und muß
eine Demokratie bleiben. Demokratische Reformen in
Rußland sind die Basis für eine bessere Zukunft des
russischen Volkes, für eine kontinuierliche russischamerikanische Partnerschaft sowie fürdie Hoffnungen
der gesamten Menschheit auf eine friedlichere und
sicherere Welt.

Die Vereinigten Staaten tragen große Verantwortung
im In- und Ausland. Um dieser Verantwortung gerecht
zu werden, müssen wir nicht nur fortfahren, Reformen
Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Rußland in einer und Wandel im Ausland zu unterstützen, sondern
konstitutionellen und politischen Krise. Präsident Jel- ebenso unsere Wirtschaft hier im Inland wiederzubelezin schlägt vor, das Patt zu beenden, indem das ben. Wir müssen uns grundlegend ändern, wie es
russische Volk am 25. April die Gelegenheit erhält, zu diese Zeiten erfordern.
entscheiden. Das ist in einer Demokratie ein angemessener Schritt. Unser Interesse besteht darin, daß Am 17. Februar habe ich einen Wirtschaftsplan angesich dieser Prozeß friedlich vollzieht.
boten, um diese Art wirtschaftlichen Wandels zu
AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�bewirken. Vor fünf Tagen erst hat das Repräsentantenhaus einen Riesenschritt unternommen, um die
Blockadepolitik und das Patt hier in Washington zu
beenden, indem es den Wirtschaftsplan verabschiedete. Und in nur ein oder zwei Tagen wird der Senat
die Gelegenheit haben, unter Beweis zu stellen, daß
auch er den Ruf der Menschen nach Veränderungen
gehört hat. Täuschen Sie sich nicht - auch unser Volk
hat eine Neuorientierung unserer Wirtschaft verlangt:
Abbau des Defizits, Investitionen in unsere Menschen
sowie die Schaffung hochqualifizierter, gutbezahlter
Arbeitsplätze für die arbeitenden Frauen und Männer
sowie für unsere Kinder.

Werten gerecht wird, indem er von Blockade zum
Handeln übergeht, von einer Regierung, die nur Sonderinteressen dient zu einer Regierung, die dem öffentlichen Interesse dient, vom Bezahlen fürdie Fehler
der Vergangenheit und dem Opportunismus der Gegenwart zu Investitionen in die Bedürfnisse der Zukunft.

Die Arbeit hat erst begonnen. Der Vizepräsident leitet
unsere Bemühungen, die Regierung neu zu erfinden.
Durch die Beschneidung von Programmen, die nicht
funktionieren oder deren Arbeit bereits getan ist, werden wir leisten, was die klügsten Unternehmen in
unserem Land bereits getan haben: unsere OperatioUnser Plan reduziert das Defizit im Bundeshaushalt nen straffen, unwirtschaftliche Managementebenen
inzwischen um rund 500 Milliarden Dollar in den näch- beseitigen und die Arbeitnehmer, die an vorderster
sten fünf Jahren. Ebenso wichtig ist überdies, daß er Front stehen, befähigen, die Initiative zu ergreifen und
Wirtschaftswachstum durch Investitionen in die Men- uns auf einen besseren Kurs zu bringen. Wir werden
schen, ihre Qualifikationen, ihre technologische Zu- die Regierung weniger kostspielig und effektiver machen.
kunft, ihre Gesundheit und durch das Angebot neuer Bei unserem Bestreben nach grundlegenden VeränAnreize für die Wirtschaft zur Schaffung von Arbeits- derungen in unserer Wirtschaft, unserem Gesundheitswesen und unseren Schulen werden wir unsere
plätzen hervorbringen wird.
Bürger auffordern, ihren Teil dazu beizutragen.
Indem wir der Wirtschaft dabei helfen, Millionen neuer
Arbeitsplätze zu schaffen, die überwältigende Mehr- Der Wandel, für den das amerikanische Volk gestimmt
heit davon in der Privatwirtschaft, legen wir das Funda- hat, beginnt nun. Wirerleben einen seltenen Moment
ment künftigen Wohlstandes - von Verkehrs- und in der Geschichte Washingtons, in dem die Stimme
Kommunikationsnetzen der Weltklasse bis zu sichere- des Volkes Gehör findet, und eine seltene Gelegenren Straßen und besseren Schulen. Jedes dieser heit, um Aufgaben zu erledigen. Mit dem kontinuierliElemente - Abbau des Defizits, Aufforderung an die chen Engagement unseres Volkes und der UnterstütBesserverdienenden, ihren fairen Anteil zu bezahlen, zung des Kongresses können wir die Veränderungen
Investitionen in die Zukunft und Schaffung von Arbeits- verwirklichen, die das Volk hier im Inland fordert. Wir
plätzen - wird im Paket funktionieren, und der Kongreß können dem Land die besten Jahre geben, die es je
sollte dieses Paket verabschieden.
gehabt hat, und gleichzeitig können die Vereinigten
Staaten weiterhin auf der Seite der Freiheit und DemoEin Arbeitsplatz ist das beste Sozialprogramm, und kratie sowie marktwirtschaftlicher Reformen in aller
ebenso ist eine wachsende Wirtschaft das beste Pro- Welt stehen. Dies sind die Ziele dieser Administration.
gramm zum Defizitabbau. Dieser Plan bringt unser
Land auf einen neuen Kurs, der unseren ältesten

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIENST 12

�RUSSLAND
24. März 1993

USA WERDEN UNTERSTÜTZUNG
FÜR RUSSLAND VERSTÄRKEN
Rede von Außenminister Christopher
CHICAGO - (AD) - Au ßenminister Christopher hat am 22. März 1993 erklärt, die Vereinigten Staaten würden ihre
Unterstützung der russischen Demokratie "verstärken und beschleunigen". Er fügte hinzu, "wir sollten dem
russischen Volk nicht eine Hand des Mitleids, sondern eine Hand der Partnerschaft reichen".
Vor dem Chicago Council on Foreign Relations und Vertretern von zwei anderen Vereinigungen bekräftigte
Christopher, die Hilfe für das russische Volk beim Aufbau einer freien Gesellschaft und einer Marktwirtschaft sei
"die größte strategische Herausforderung unserer Zeit".
Christopher zufolge wird die Clinton-Administration in den nächsten Tagen eine umfassende Strategie zur
Unterstützung der Demokratie in Rußland und seinen "Bestrebungen zum Aufbau einer Marktwirtschaft"
vorstellen.
Trotz der Konzentration auf Rußland vernachlässigten die Vereinigten Staaten nicht die anderen neuen unabhängigen Staaten, erklärte er, und stellte fest: "Das Wohlergehen ... aller anderen ehemaligen Republiken ist
für Amerika von höchster Bedeutung."
Christopher äußerte, er unterstütze die Forderung des russischen Präsidenten Jelzin nach einem nationalen
Referendum zur Lösung der Verfassungskrise zwischen dem Präsidenten und dem Parlament und verwies
darauf, Jelzin habe "erneut sein Vertrauen in die einzige Kraft unter Beweis gestellt, die den Erfolg der Reformen
garantieren kann - das russische Volk".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Es ist mir ein Vergnügen, heute bei Ihnen sein zu
können. Ich freue mich besonders, daß ich vor diesem
Publikum sprechen kann. Außenminister verbringen
so viel Zeit damit, die amerikanische Politik ausländischen Diplomaten zu erläutern, daß sie dazu neigen,
das einzig wirklich zählende Publikum als selbstverständlich zu betrachten: Sie, das amerikanische Volk.
Besonders begrüßen möchte ich die Studenten, die
aus den Wahlkreisen der Kongreßabgeordneten
Reynolds und Rush hierher gekommen sind. Sie
haben ein enormes Interesse an unserer Außenpolitik.
Schließlich sind Sie es, die mit den Folgen unserer
Maßnahmen leben müssen. Deshalb ist es äußerst
wichtig, daß Ihre Stimme gehört wird. Ich bin sehrfroh,
daß Sie heute zu uns kommen konnten.

Volk über die neue Wert, in der wir leben, sowie über
die angemessene Rolle unseres Landes darin aufzunehmen.
Es ist passend, daß ich diesen Prozeß in Chicago
beginne. Ihre Stadt symbolisiert auf vielfältige Weise
Amerika - durch ihre Lage im Herzen unseres Landes
und durch ihren Kampfgeist, ihre breiten Schultern und
ihren gesunden Menschenverstand.
Gleichzeitig jedoch ist Chicago auch in hohem Maße
ein Zentrum der Welt - mit seinen mächtigen Industrien, die Waren in die ganze Welt exportieren, und
mit seinen Warenmärkten, die internationale Investoren in nah und fern verbinden.

Die Bürger von Chicago und alle Amerikaner haben
Meine Reise hierhin ist lediglich die erste von vielen das gute Recht, eine Außenpolitik zu verlangen, die
weiteren, die ich in Groß- und Kleinstädte dieses konkret ihren Interessen dient. Sie möchten eine
Landes unternehmen werde. Meine Mission ist schlicht: Außenpolitik, die eine sicherere Welt, eine Welt größeeinen anhaltenden Dialog mit dem amerikanischen ren Wohlstands und eine Welt mit gesicherten Werten
aufbaut.
AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�Genau dies ist die Art von Außenpolitik, mit deren
Durchführung Präsident Clinton mich betraut hat. Im
Außenministerium haben wir Referate, die für die
Politik in praktisch allen Ländern zuständig sind - so
gibt es zum Beispiel ein Chinareferat, ein Rußlandreferat und ein Ägyptenreferat.

Wohlstands. Zweitens die Modernisierung der amerikanischen Streitkräfte. Drittens die Förderung der
Demokratie im Ausland. Die grundsätzliche Prämisse
der Politik ist die Tatsache, daß in der Welt von heute
Außen-und Innenpolitik untrennbarsind. Wenn esuns
nicht gelingt, unsere Stärke im Inland zu bewahren,
können wir im Ausland keine Führungsrolle übernehAls Außenminister ist es mein fester Wille, daß das men. Wenn wir uns jedoch isolationistisch zurückzieAußenministerium auch ein "Amerikareferat" erhält - hen, wird es unmöglich sein, unsere innere Stärke
und ich werde dessen Leiter sein. Meine wichtigste wiederzugewinnen. In einer Welt, die von Rezession,
Aufgabe besteht darin, die lebenswichtigen Interessen gewalttätigen Konflikten und Diktaturen gekennzeichder Bürger der Vereinigten Staaten zu fördern. Heute net ist, kann Amerika nicht gedeihen.
- sowie in den kommenden Wochen und Monaten möchte ich erläutern, wie die Clinton-Administration Es ist kein Zufall, daß Präsident Clinton die Förderung
der wirtschaftlichen Sicherheit Amerikas als erste Säule
dieses Ziel zu verfolgen gedenkt.
unserer neuen Außenpolitik identifiziert hat. Wir sind
Amerika in einer neuen Welt
in ein Zeitalter eingetreten, in dem unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheidend für unsere Fähigkeit ist,
Unsere Welt hat sich in den letzten Jahren grundleim Ausland Erfolg zu haben. Als unerläßlichen ersten
gend verändert. Mauern sind zerfallen. Imperien sind
Schritt hat der Präsident ein kühnes Programm vorgezusammengebrochen. Das wichtigste: Der Kalte
legt, um die amerikanische Wirtschaft wieder in OrdKrieg ist vorüber. Die Sowjetunion existiert nicht mehr.
nung zu bringen. Es handelt sich um eine umfassende
Der Sowjetkommunismus ist tot. Dasselbe gilt jedoch Strategie, die darauf abzielt, in die Bedürfnisse unsefür den Bezugspunkt, der unsere Politik 40 Jahre lang res Volkes zu investieren, unsere Defizite abzubauen
leitete. Dieser Bezugspunkt erklärte, warum unsere und den Grundstein für langfristiges Wirtschaftswachsinternationale Führungsrolle so notwendig war, warum tum zu legen.
unsere Verteidigungslasten so groß waren und warum
unsere Hilfe für andere Länder so entscheidend war. Der wichtigste Einzelschritt, den wir unternehmen
können, um unsere Position auf der ganzen Welt zu
Heute sind wir mit einer Welt konfrontiert, die weit stärken, besteht darin, das Wirtschaftsprogramm des
komplexer ist. Es ist eine Welt atemberaubender Präsidenten zu verabschieden - und dies so bald wie
Chancen zum Ausbau von Demokratie und freien möglich zu tun.
Märkten. Aber es ist auch eine Welt ernster neuer
Gefahren. Seit langem schwelende ethnische Konflik- Maßnahmen im Inland allein können jedoch den
te sind ausgebrochen. Massenvernichtungswaffen Wohlstand Amerikas nicht sichern. Heute sind wir
fallen in die Hände gefährlicher Diktatoren, und neue unumkehrbar mit der Weltwirtschaft verflochten. Unser
weltweite Herausforderungen schreien förmlich nach Leben wird ständig von den riesigen Strömen des
Aufmerksamkeit, darunter zum Beispiel die Umwelt, Handels und der Finanzwelt beeinflußt, die unsere
Grenzen überschreiten. Über sieben Millionen AmeriÜberbevölkerung, Drogenhandel und AIDS.
kaner sind heute in Exportbranchen beschäftigt.
Wie die großen politischen Entscheidungsträger der
vergangenen Generation, die der Herausforderung Unsere Fähigkeit, in dieser Weltwirtschaft zu prospedes Kalten Krieges gerecht wurden, brauchen wir eine rieren, hängt von unserer Wettbewerbsfähigkeit ab.
neue Strategie für den Schutz und die Förderung Das heißt, unsere Diplomatie muß dazu eingesetzt
amerikanischer Interessen in diesem neuen Zeitalter. werden, unseren Wirtschaftszielen im Ausland zu dienen:
Wir benötigen eine Strategie zur Beantwortung der Wir müssen gewährleisten, daß die Auslandsmärkte
Fragen, die von den meisten Amerikanern heute ge- amerikanischen Waren und amerikanischen Investistellt werden: Warum müssen wir nach dem Ver- tionen offenstehen. Wir müssen unfairen Wettbewerb
schwinden der sowjetischen Bedrohung in der interna- gegenüber amerikanischen Unternehmen und Arbeittionalen Arena aktiv sein? Warum muß Amerika nehmern bekämpfen. Darüber hinaus müssen wir die
immer noch die Lasten der Führungsrolle tragen? anderen Finanzmächte der Welt dazu drängen, verWenn wir so dringend eine Erneuerung im Inland antwortungsbewußte Maßnahmen zur Förderung des
benötigen, warum sollten wir dann weiterhin Ressour- weltweiten Wirtschaftswachstums durchzuführen.
cen für das Ausland zuweisen?
Die zweite Saule unserer Au ßenpolitik wird die ModerDie drei Säulen: Die Erneuerung der amerikani- nisierung unserer Streitkräfte sein, um neuen und
anhaltenden Bedrohungen zu begegnen. Der Zusamschen Außenpolitik
menbruch der Sowjetunion ermöglicht esuns, unseren
Präsident Clinton hat reagiert, indem er eine amerika- militärischen Komplex erheblich abzubauen. Trotznische Außenpolitik konzipierte, die auf drei Säulen dem muß unsere Macht immer ausreichen, um jeder
beruht. Erstens den Ausbau des amerikanischen Bedrohung unserer lebenswichtigen Interessen entSeite 2

AMERIKA DIENST 12

�gegenzutreten. Wir müssen in der Lage sein, jeden
potentiellen Gegner abzuschrecken und gegebenenfalls zu besiegen.

Ich möchte mich nun der dritten Säuleder Außenpolitik
dieser Administration zuwenden: der Ermutigung der
weltweiten demokratischen Revolution, die unsere Welt
umgestaltet. Indem wir bei der Förderung der DemoAus diesem Grund ergreifen wir Maßnahmen, um kratie mitwirken, tun wir mehr, als unsere wichtigsten
unser Militär agiler, mobiler, flexibler und intelligenter Grundwerte zu ehren. Darüber hinaus tätigen wir eine
zu machen. Wir sind entschlossen, die am besten strategische Investition in die Sicherheit unseres Lanausgerüstete und ausgebildete Truppe der Welt zu des. Die Geschichte lehrt, daß eine Welt mit mehr
haben.
Demokratien eine sicherere Welt ist. Es ist eine Welt,
die mehr zur menschlichen Entwicklung und weniger
Amerika kann kein Weltpolizist sein. Wir können nicht
zur Zerstörung des Menschen beitragen wird. Und es
für die Schlichtung jedes Streits verantwortlich sein
ist eine Welt, die fördern wird, was allen Menschen
oder auf jeden Alarm reagieren. Wir sind unverzichtgemeinsam ist, anstatt dessen, was sie trennt.
bar, aber wir können nicht unterschiedslos tätig werden.
Die Herausforderung unserer Zeit: Hilfe für die
russische Demokratie
Eine aufgeklärte amerikanische Führungsrolle wird
erfordern, daß wir die kollektive Stärke des Westens Diese drei Säulen - Ausbau des amerikanischen
zum Tragen bringen. Ethnische Konflikte - und die von Wohlstands, Modernisierung der amerikanischen Streitihnen hervorgebrachten humanitären Katastrophen - kräfte und Förderung demokratischer Werte - bilden
beleidigen zutiefst unser Gewissen. In vielen Fällen das Kernstück der neuen amerikanischen Diplomatie
stellen sie auch ein schweres Risiko für den internatio- der Clinton-Administration. Ich möchte Ihnen nun
nalen Frieden dar. Darüber hinaus produzieren sie erläutern, wie sie sich zusammenfügen und darüber
Tausende von Flüchtlingen, die die politische und hinaus die Grundlage einer unserer wichtigsten auwirtschaftliche Stabilität einer ganzen Region belasten ßenpolitischen Prioritäten bilden: die Hilfe für das
können.
russische Volk beim Aufbau einer freien Gesellschaft
und einer Marktwirtschaft. Dies ist die größte strategiUnser Gebot lautet deshalb, daß wir die internationa- sche Herausforderung unserer Zeit. Rußland, das
len Mittel entwickeln müssen, um diese Konflikte vor historisch gesehen zu den mächtigsten Ländern gedem Ausbruch einzudämmen und, was noch wichtiger hört, in die Familie friedliebender Nationen einzuglieist, zu verhindern. Hier ist es entscheidend, daß wirdie dern, wird unseren höchsten sicherheitspolitischen,
Vereinten Nationen so einsetzen, wie es ihre Begrün- moralischen und wirtschaftlichen Interessen dienen.
der beabsichtigten. Die Friedenssicherungsfähigkeiten der UNO müssen gestärkt werden, um unverzüg- Für Amerika und die Welt steht enorm viel auf dem
liches präventives Handeln zu ermöglichen. Femer Spiel. Sollten wir Erfolg haben, werden wir die Grundmüssen unsere anderen Instrumente der kollektiven lage für dauerhafte Sicherheit im nächsten JahrhunSicherheit, wie die NATO, angepaßt werden, um die dert gelegt haben. Sollte jedoch in Rußland die AnarVereinten Nationen bei diesen Bemühungen zu unter- chie die Oberhand gewinnen oder das Land wieder
stützen.
dem Despotismus verfallen, müssen wir unter UmEines der aussichtsreichsten Gebiete für präventive ständen einen entsetzlich hohen Preis zahlen. Es
Diplomatie ist der Nahe Osten. Hier hat das Ende des steht nicht weniger auf dem Spiel als die Möglichkeit
Kalten Krieges den Konflikt nicht geschürt. Statt einer erneuten nuklearen Bedrohung, eines erhöhten
dessen hat es neue Chancen zu seiner Beendigung amerikanischen Verteidigungshaushalts, einer sich
geschaffen. Ich bin kürzlich aus der Region zurückge- verbreitenden Instabilität und eines verheerenden
kehrt, wo ich ausführliche Gespräche mit führenden Rückschlags für die weltweite Demokratiebewegung.
Das erfordert die Aufmerksamkeit eines jeden Ameriarabischen und israelischen Politikern geführt habe.
kaners.
Ich bin überzeugt, daß eine historische Chance besteht, Fortschritte auf dem Weg zum Frieden in dieser In den nächsten Tagen und Wochen wird die Clintongepeinigten Region zu erzielen. Es ist unumgänglich, Administration eine umfassende Strategie vorstellen,
daß alle Seiten handeln, um diese Gelegenheit zu um in Rußland die Demokratie und die Bestrebungen
ergreifen und am 20. April in Washington an den zum Aufbau einer Marktwirtschaft zu unterstützen. Es
Verhandlungstisch zurückzukehren. Wenn sie dies ist heute nicht meine Absicht, ein detailliertes Protun, sind die Vereinigten Staaten bereit, als vollwerti- gramm neuer Initiativen anzukündigen. Vielmehr möchte
ger Partnerbei ihren Bemühungen mitzuwirken. Wenn ich einen strategischen Zusammenhang für unseren
sie dies nicht tun, wenn sie diese einzigartige Chance Ansatz herstellen. Ich möchte darlegen, welch enorverstreichen lassen, könnte eine weitere Generation mes Interesse wir daran haben, alles in unserer Macht
im Nahen Osten einem endlosen Kreislauf der Kon- Stehende zu tun, um der Demokratie in Rußland zum
frontation und letztlich des Krieges zum Opfer fallen. Erfolg zu verhelfen.

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�Wenn ich mich hier vorwiegend auf Rußland konzentriere, bedeutet das nicht, daß ich die anderen neuen
Staaten vernachlässige. Das Wohlergehen der Ukraine, Kasachstans, Weißrußlands, Armeniens und aller
anderen ehemaligen Republiken ist für Amerika von
höchster Bedeutung. Wir sind der Entwicklung starker
bilateraler Beziehungen mit jedem dieser Lander nachhaltig verpflichtet. Wir unterstützen ihre Unabhängigkeit und sind bei ihrer vollen Eingliederung in die
Völkergemeinschaft behilflich. Es ist in Wirklichkeit
teilweise aus Sorge um ihr Wohlergehen, daß ich mich
heute auf Ru ßland konzentriere. Tatsache ist, daß die
künftige Sicherheit der Nachbarn Rußlands in großem
Ausmaß vom Erfolg der demokratischen Revolution in
Rußland abhängt.

wieder zu Wohlstand verhalfen. Und wir spielten eine
führende Rolle in einem demokratischen Bündnis, das
den sowjetischen Kommunismus eindämmte und ihm
schließlich den Nährboden entzog.
Heute sehen wir uns zum dritten Mal in diesem Jahrhundert einer historischen Gelegenheit gegenüber,
eine sicherere Welt zu schaffen. Wir müssen unsere
Anstrengungen verdoppeln, um dem russischen Volk
zu helfen, das ein in der Geschichte nie dagewesenes
Unterfangen begonnen hat. Mit viel Mut versucht es,
drei Revolutionen zur gleichen Zeit zu führen. Erstens,
das totalitäre System in eine Demokratie umzuwandeln. Zweitens, eine Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft überzuführen. Drittens, ein Imperium in einen
modernen Nationalstaat zu verwandeln. Wenn das
russische Volk Erfolg hat, werden wir alle Erfolg haben.

Schauen wir doch einmal einen Moment zurück und
halten wir uns die atemberaubenden Vorteile vor Augen,
die das Ende des Kalten Krieges für die Vereinigten Jetzt scheint es, daß bei dem in Rußland stattfindenden Übergang erneut ein Wendepunkt erreicht wurde.
Staaten und die Welt mit sich gebracht hat:
Seit Monaten hat ein Verfassungskonflikt zwischen
Es wurden historische Abkommen geschlos- Präsident Jelzin und dem Parlament die russische
sen, um die Atomwaffenarsenale, die eine Politik lahmgelegt. Diese Krise hat sich jetzt dramaBedrohung für die Existenz unseres Landes tisch zugespitzt. Präsident Jelzin hat einen Volksentscheid gefordert, um aus der verfassungsmäßigen
darstellten, drastisch zu reduzieren.
Sackgasse herauszufinden. Dabei hat er wiederum
Die Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts sein Vertrauen in die einzige Kraft unter Beweis gesind frei von sowjetischer Beherrschung und der stellt, die den Erfolg der Reformen garantieren kann:
Last des Kommunismus.
das russische Volk.
Die Möglichkeit eines auf dem europäischen
Kontinent ausgetragenen Konflikts zwischen den
Supermächten besteht nicht mehr, was es uns
ermöglicht, Tausende unserer Soldaten abzuziehen und unseren Verteidigungsetat zu reduzieren.
Totalitäre Regime auf der ganzen Welt, die die
Unterstützung der Sowjetunion benötigten, sind
isoliert und in der Defensive.

Wir begrüßen die Zusicherung Präsident Jelzins, daß
die bürgerlichen Freiheiten, einschließlich der Meinungs- und Pressefreiheit, in vollem Umfang respektiert werden. Wir begrüßen auch seine entschiedene
Zurückweisung des Imperialismus und der Politik aus
der Zeit des Kalten Krieges. Am wichtigsten ist wohl,
daß Rußland eine Demokratie bleiben muß, die sich
auf eine Marktwirtschaft hinbewegt. Das ist die einzige
Grundlage für eine neue amerikanisch-russische Partnerschaft.

Von Vilnius in den Baltischen Staaten bis nach
Wladiwostok am Pazific öffnen sich langsam
neue Märkte für westliche Unternehmen.

Die Vereinigten Staaten haben Ru ßlands Anstrengungen zum Aufbau einer Demokratie entschieden unterstützt. Unter der Führung Präsident Jelzins wurden
All diese historischen Errungenschaften waren beim Aufbau einer freien Gesellschaft historische
möglich mit einem Rußland, das Reformen Fortschritte gemacht. Wir dringen darauf, daß dieser
durchführt. Ohne ein solches Rußland werden Prozeß sich fortsetzt und daß es dem russischen Volk
gestattet wird, seine eigene Zukunft mit friedlichen und
sie vielleicht nicht aufrechtzuerhalten sein.
demokratischen Mitteln zu gestalten. Auf dieser GrundWir stehen an einem historischen Scheideweg. Er lage können wir Rußland in den vor ihm liegenden
erinnert an den Scheideweg, an dem wir uns 1918 und schwierigen Zeiten unserer vollen Unterstützung ver1945 befanden. Damals wie heute waren wir aufgeru- sichern.
fen, beim Aufbau des Friedens in der Welt die Führungsrolle zu übernehmen. Nach dem Ersten Welt- Die heutige Krise ist teilweise die Folge einer unbekrieg beschlossen wir, uns zurückzuziehen, und die streitbaren Tatsache: Der Aufbau eines neuen Systems praktisch aus dem Nichts fordert seinen Tribut.
Folgen dieser Entscheidung waren katastrophal.
Die Geduld des russischen Volkes erschöpft sich
Nach dem Zweiten Weltkrieg besaßen unsere führen- allmählich, und diese Tatsache wird durch die politiden Politiker die Weisheit, auf den Ruf zu reagieren. sche Pattsituation reflektiert, in der sich Rußland zur
Wir unterstützten die Institutionen, die der freien Welt Zeit befindet.

Seite 4

AMERIKA DIENST 12

�Dennoch haben Präsident Jelzin und die anderen
Demokraten in Rußland im letzten Jahr ihr Engagement für Reformen unter Beweis gestellt. Eine dramatische Ausbreitung der bürgerlichen Freiheiten war zu
beobachten. Der Militärhaushalt wurde bedeutend
gekürzt. In den meisten Sektoren wurden die Preise
eingefroren, was ein Ende der ehemals allgegenwärtigen Warteschlangen vor Rußlands Geschäften zur
Folge hatte. Auch beim Verkauf Tausender von
Geschäften, Restaurants und anderer kleiner Unternehmen wurden große Fortschritte erzielt. Bei dem
schwierigen Prozeß der Privatisierung großer Unternehmen wurde ein wirklicher Anfang gemacht. Folge
davon war, daß sich die Zahl der in der Privatwirtschaft
Beschäftigten in den letzten zwei Jahren mehr als
verdoppelt hat.

uneingeschränkten Unterstützung der dauerhaften
demokratischen Entwicklung Rußlands versichern. Und
wir werden unser Anliegen vermitteln, daß die derzeitige Situation in Moskau friedlich und im Einklang mit
der Respektierung bürgerlicher Freiheiten gelöst wird.

Bei seinem Treffen mit Präsident Jelzin in Vancouver
im kommenden Monat beabsichtigt Präsident Clinton,
praktische Maßnahmen zu formulieren, die wir zur Unterstützung des russischen Reformprozesses ergreifen werden. Der Präsident erörtert noch die spezifischen Maßnahmen, die er bekanntgeben wird. Der
Grundgedanke ist jedoch, daß wir unsere Unterstützung für die russische Demokratie verstärken und
beschleunigen werden. Dies können wir nicht allein
tun - wir müssen jedoch bereit sein, unseren Teil zu
leisten. In diesem Zusammenhang befürworten wir ein
Am Wochenende hat Präsident Jelzin seine Regierung Treffen Ende April, bei dem die Außen- und Finanzmierneut den Wirtschaftsreformen verpflichtet. Er legte nister der führenden demokratischen Industrienatioklar und entschieden die Schlüsselelemente eines nen ihre gemeinsamen Bestrebungen zur Unterstütsolchen Programms dar: eine Fortsetzung der Priva- zung der Umgestaltung in Rußland koordinieren wertisierung von Unternehmen, Verkauf von Land an die den.
Landwirte, Eindämmung der Inflation und Stabilisierung des Rubels. Wenn dieses Programm in die Tat Wir ich bereits ausgeführt habe, besteht meine Aufgaumgesetzt wird, wird unsere Fähigkeit sowie die unse- be heute nicht darin, der Arbeit der Präsidenten Clinton
rer westlichen Partner und der internationalen Finan- und Jelzin in Vancouver vorzugreifen. Ich möchte
zinstitutionen, Rußland bei seinen Reformen zu hel- jedoch einige philosophische Gedanken zum Thema
der westlichen Hilfe im allgemeinen anführen. Zweifen, erheblich gestärkt.
felsohne muß unsere Hilfe für Rußland besser abgeRu ßlands Reformer erwarten in diesem Moment extre- stimmt und koordiniert werden als bisher. Sie mu ß sich
mer Schwierigkeiten Unterstützung vom Westen. Die auf Bereiche und Gemeinden in Rußland konzentrieVereinigten Staaten haben selbst ein großes Interesse ren, die den größten Einfluß auf den langfristigen
daran, auf diese historische Herausforderung zu rea- Erfolg der Reformen haben. Sie kann sich nicht
gieren. Wir sollten dem russischen Volk nicht eine einfach auf öffentliche Mittel beschränken. Sie muß
Hand des Mitleids, sondern eine Hand der Partner- vielmehr unsere Privatsektoren dazu veranlassen, eine
schaft reichen. Wir müssen eine langfristige westliche führende Rolle bei der Umgestaltung Rußlands durch
Strategie zur Unterstützung der Demokratie verfolgen. Handel, Investitionen und Ausbildung zu übernehmen.
Und unsere Hilfe muß sich an der Basis bemerkbar
In den Vereinigten Staaten können wir nicht eine machen, um das Leiden der russischen Kinder, Arbeiirregeleitete Wahlmöglichkeit zwischen der Entschei- ter und älteren Mitbürger zu mildern.
dung zwischen dem, was zur Wiederbelebung unserer
Wirtschaft zu Hause notwendig ist und dem, was zum Trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Schutz unserer Interessen im Ausland erforderlich ist, muß man sich vor Augen führen, daß Rußland im
schaffen. Wir müssen an beiden Fronten tätig werden. Grunde ein sehr reiches Land ist. Das russische Volk
Während des langen Kampfes im Kalten Krieg hielten hat ein hohes Ausbildungsniveau. Und die Bodenwir den Amerikanischen Traum für unser Volk am schätze Rußlands sind reichhaltiger als die jedes
Leben. Gleichzeitig brachten wir zur Wahrung unserer anderen Landes der Welt. Rußlands Ölvorkommen
nationalen Sicherheit große Opfer.
sind beispielsweise enorm und können bei sachgemäßer Ausschöpfung wahrscheinlich einen Großteil der
Heute müssen wir uns derselben Herausforderung russischen Wirtschaftsreformen allein finanzieren. Heute
stellen. Um Erfolg zu haben, müssen wir zunächst sind jedoch Tausende veraltender Ölquellen und Pipeunsere Einstellung ändern. Wirmüssen unsvor Augen lines ungenutzt, verfallen und bedürfen dringend entführen, daß unser Beitrag zur Konsolidierung der scheidender Ersatzteile. Wenn Rußland die Mittel zu
Demokratie in Rußland kein Almosen ist, sondern ein ihrer Reparatur aufbringen könnte, wäre das verkaufte
Sicherheitsanliegen höchster Priorität. Er ist für unser Öl eine lukrative Deviseneinnahmequelle, die für entWohlergehen ebenso wichtig wie die Notwendigkeit, scheidende Importe und die Stabilisierung der Demodie feindselige Sowjetunion früherer Zeiten einzudäm- kratie eingesetzt werden könnte.
men.
Ein Bereich der Umgestaltung Rußlands, von dem die
Im Verlauf dieser Woche werden Präsident Clinton und vitalen amerikanischen Interessen direkt betroffen sind,
ich in Washington mit dem russischen Außenminister ist das Bestreben um die Zerlegung der Nuklearwaffen
Kosyrew zusammentreffen. Wir werden ihn unserer
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�der ehemaligen Sowjetunion. Das von den Senatoren
Nunn und Lugar ins Leben gerufene Programm in
Höhe von 800 Millionen Dollar zur Vernichtung dieser
Waffen ist eine direkte Investition in unsere eigene
Sicherheit. Bedauerlicherweise konnte aufgrund von
Engpässen nu r ein geringer Teil dieses Geldes genutzt
werden. Die Verzögerungen wurden teils durch bürokratische Hindemisse in Washington verursacht. Wir
engagieren uns für die Beseitigung dieser Hindemisse. Wir möchten diese Waffen so schnell wie möglich
zerlegt sehen.
Ein weiteres wichtiges Ziel, das wir uns setzten sollten,
ist die Stärkung der Gruppen, die das Bollwerk einer
prosperierenden Demokratie bilden werden. Meinungsumfragen unter der russischen Bevölkerung haben
immer wieder ergeben: Es ist die große Mehrheit der
jüngeren Generation, die die größte Unterstützung für
die Demokratie zum Ausdruck bringt. Sie sind diejenigen, die auf größere wirtschaftliche Freiheit und engere Kontakte zum Westen drängen. Was immer das
Ergebnis der heutigen politischen Unruhen sein wird sie sind die Gruppe, die den Sieg beim erfolgreichen
Übergang Rußlands zur Demokratie davontragen
werden.

zits, Kontrolle des Kapitalflusses, Stabilisierung des
Rubels und Schließung unwirtschaftlicher Fabriken
sind unabdingbar. Dies sind jedoch auch die Schritte,
die menschlich am schmerzhaftesten und politisch am
riskantesten sind. Nochmals - Rußland benötigt unsere Hilfe. Der Westen muß einen Weg finden zu
reagieren. Und die Reaktion darf sich nicht auf große
Versprechungen beschränken, denen kaum Taten
folgen. Wir unterhalten derzeit intensive Konsultationen mit unseren Partnern aus den demokratischen
Industrienationen, um ein gemeinsames Hilfsprogramm
zu erarbeiten.
Hilfe für die russische Demokratie: Ein langfristiges Engagement
Abschließend möchte ich zwei Punkte anmerken.
Erstens dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben.
Selbst mit unserer Hilfe ist der vor uns liegende Weg
steinig. Rückschläge sind unvermeidlich. Die Umgestaltung Rußlands erfordert viel harte Arbeit und ihre
Verwirklichung wird wahrscheinlich eine Generation
lang dauern.

Während unseres Treffens wird darum gekämpft, wie
Rußland als Nation definiert wird. Während wir uns
jedoch
auf das heutige Drama konzentrieren, müssen
Durch Austauschprogramme können Tausende junwir
eine
langfristige Perspektive im Auge behalten.
ger Russen den Westen besuchen und sich mit der
Ebenso
wie
es über vier Jahrzehnte dauerte, bis sich
Funktionsweise von Demokratie und freien Märkten
unsere
Wachsamkeit
im Kalten Krieg auszahlte, muß
auseinandersetzen. Russische Studenten, Beamte,
unser
Engagement
fürdie
demokratische Entwicklung
Wissenschaftler und Geschäftsleute hungern nach
Rußlands
von
Dauer
sein.
Unser Engagement für die
solchen Erfahrungen. Nach ihrer Rückkehr können sie
Reformkräfte
muß
langfristig
angelegt sein - ob sie
ihr Wissen auf die russischen Gegebenheiten anwen"out"
oder
"in"
sind,
ob
sie
in
der
Regierungsverantworden. Am wichtigsten ist vielleicht, daß wir langfristig
tung
sind
oder
nicht.
Partner für die Freiheit gewinnen.
Auch die Existenz starker, unabhängiger Medien ist für
eine demokratische Gesellschaft unabdingbar. Obwohl die russische freie Presse in den vergangenen
Jahren enorme Zuwachsraten zu verzeichnen hatte,
besteht immer noch ein echter Bedarf für die berufliche
Ausbildung von Reportern, Redakteuren und Zeitungsverlegern. Hier kann die technische Hilfe des Westens
einen Unterschied bewirken.

So schwierig die Dinge kurzfristig auch sein mögen, wir
sollten Vertrauen haben, daß der von uns eingeschlagene strategische Kurs - die Unterstützung für den
Sieg der Demokratie - der richtige ist.

Natürlich können sich letztlich die russischen Fortschritte zu freier Marktwirtschaft und Demokratie nicht
ohne eine Überholung der Grundregeln der russischen
Wirtschaft vollziehen. Der Abbau des Haushaltsdefi-

In einer Zeit großer innenpolitischer Herausforderungen könnten einige das Argument vorbringen, wir
sollten auf kühne Aktionen auf ausländischem Terrain
verzichten. Bedauerlicherweise wartet die Geschichte

Zweitens sollten wir uns bewußt sein, daß jedes realistische Programm zur Unterstützung der russischen
Demokratie nicht billig sein wird. Es steht jedoch außer
Frage, daß unsere Nation ihren gerechten Anteil an
internationalen
Bestrebungen leisten kann. Wir müsEin weiterer Bereich, der Unterstützung verdient, sind
sen
so
handeln.
Gemeinsam mit dem Präsidenten bin
die Privatisierungbestrebungen Rußlands. Dieser
ich
zur
Zusammenarbeit
mit dem Kongreß entschlosProzeß wurde trotz der jüngsten politischen Probleme
sen,
um
die
Mittel
aufzubringen.
Ich bin zuversichtlich,
in Moskau in vielen Regionen Rußlands fortgesetzt.
daß
die
notwendigen
Ressourcen
erschlossen werden
Die Übergabe von Privateigentum in die Hände des
können,
während
wir
unseren
Verteidigungshaushalt
russischen Volkes ist ein entscheidender Schritt beim
Aufbau einer freien Marktwirtschaft. Er wird dazu umstrukturieren und abbauen. Dies erfordert jedoch
führen, daß Millionen Besitzer von Privatvermögen Überparteilichkeit. Es erfordert Führungskraft und
werden oder ein eigenes Unternehmen gründen - eine Vision. Und am allerwichtigsten ist - es erfordert einen
echte Mittelklasse mit einem mächtigen Anteil an dau- russischen Partner, der weiterhin demokratischen
Werten und Marktreformen verpflichtet ist.
erhaften Reformen.

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�nicht. Abraham Lincoln gab seinen Mitbürgern folgenden Rat: "Wir können uns der Geschichte nicht
entziehen. Trotz unserer Fehler und Schwächen wird
man sich an uns erinnern.'' Heute ruft die Geschichte
unsere Nation erneut auf zu entscheiden, ob wir eine
Führungsrolle übernehmen oder abwarten sollen, ob
wir dieses neue Zeitalter gestalten wollen oder von ihm

gestaltet werden. Wie wird die Geschichte uns erinnern? Ich für meinen Teil bin zuversichtlich, daß wir die
richtige Wahl treffen werden - daß wir kühn und mutig
unsere Nation zu Hause wiederbeleben werden, während
wir weiterhin unsere Interessen und Ideale im Ausland
fördern.

* * * *

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�WIRTSCHAFT
24. März 1993

SUMMERS: DEMOKRATIE IN RUSSLAND
VORDRINGLICHES ANLIEGEN DER USA
Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Lawrence Summers, der für den Posten des Staatssekretärs für internationale
Angelegenheiten des Finanzministeriums nominiert wurde, geht davon aus, daß seine vordringliche Aufgabe
darin bestehen wird, zu gewährleisten, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um den
politischen und wirtschaftlichen Übergang in Rußland zu unterstützen.
"Rußland ist einer Hyperinflation gefährlich nahe, und wenn es den politisch Verantwortlichen dort nicht gelingt,
die makroökonomische Disziplin wiederherzustellen, könnte das Land eine ähnliche Entwicklung durchlaufen
wie Deutschland während der Weimarer Republik oder Argentinien unter der Junta", erklärte Summers bei seiner
Anhörung vor dem Finanzausschuß des Senats am 18. März 1993.
Summers skizzierte noch drei weitere entscheidende Bereiche der Politik, die auf seiner Prioritätenliste weit oben
stehen werden. Dies sind
die bessere Koordinierung wirtschaftlicher Maßnahmen unter den führenden Industriestaaten,
der Ausbau amerikanischer Waren- und Dienstleistungsexporte durch die Öffnung ausländischer Märkte
in demselben Maß wie der amerikanische Markt ausländischen Waren und Dienstleistungen offensteht,
Unterstützung für umweltverträgliche und verantwortungsvolle Entwicklung in den Entwicklungsländern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Summers im Wortlaut.

Ich begrüße die Möglichkeit, mich heute als Präsident
Clintons Kandidat für das Amt des Staatssekretärs für
internationale Angelegenheiten des Finanzministeriums
vor Ihnen äußern zu können.

setzen, die früher für Verteidigungszwecke ausgegeben wurden, freie Wahlen und freie Volkswirtschaften
von Polen bis Peru zu fördern und das ungeheure
Potential der weltweiten wirtschaftlichen Integration zu
realisieren. Die Nationen der Welt haben die Chance,
Im Falle meiner Bestätigung für das Amt des Staatsse- gemeinsam zu wachsen und zu prosperieren - oder zu
kretärs sehe ich meiner Tätigkeit unter Präsident Clin- stagnieren und durch gegenseitige Schuldzuweisunton und Finanzminister Bentsen sowie der Zusam- gen auseinanderzudriften.
menarbeit mit Ihnen und Ihren Kollegen im Kongreß
gerne entgegen, um das wirtschaftliche Wohlergehen Der Staatssekretär für internationale Angelegenheiten
der Vereinigten Staaten zu fördern und zu verteidigen. des Finanzministeriums hat die Aufgabe, dem Präsidenten und dem Minister bei der Konzipierung und
Präsident Clinton hat seine Administration zu einer Durchführung von Maßnahmen in den Bereichen der
Politik des engagierten, aufgeklärten und hartnäcki- internationalen makroökonomischen politischen Koorgen wirtschaftlichen Internationalismus verpflichtet, dinierung, Wechselkurspolitik, Handels- und Investdie im Einklang mit seinem Programm der innenpoliti- mentpolitik, der internationalen Schuldenstrategie sowie
schen Erneuerung voranschreiten soll. Wir leben in der amerikanischen Beteiligung an internationalen
einem Zeitalter zunehmender weltweiter wirtschaftli- Finanzinstitutionen zu helfen. Der Staatssekretär dient
cher Interdependenz, in dem nationale Volkswirtschaf- darüber hinaus als Delegierter für Finanzen bei der
ten wie niemals zuvor miteinander verflochten sowie G-7, dessen Hauptverantwortung die Koordinierung
Innen- und Außenpolitik unauflöslich miteinander ver- der Wirtschaftspolitik mit anderen Industriestaaten ist,
bunden sind. Wir haben die Chance, Milliarden freizuAMERIKA DIENST 12

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�sowie als "Sherpa" des Finanzministeriums bei der
Vorbereitung der jährlichen Wirtschaftsgipfel.
Diese Stellung hat viele Aspekte, aber ich möchte
Ihnen heute morgen ... vier entscheidende politische
Bereiche erläutern, die im Falle meiner Bestätigung
auf meiner Tagesordnung ganz oben stehen werden.
Erstens müssen wir die makroökonomische Koordinierung zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
G-7-Partnern verbessern. Die amerikanische Wirtschaft wird in den nächsten ein bis zwei Jahren wahrscheinlich weit schneller wachsen als die Volkswirtschaften Europas und Japans. Zwar können wir über
unseren Aufschwung befriedigt sein, aber schleppendes Wachstum im Ausland hat ein geringeres Wachstum der amerikanischen Exporte sowie steigende
Ungleichgewichte im Handel zur Folge.

Lateinamerika und Europa legen. Unsere Finanzinstitutionen sind Neuerer von Weltklasse. Wenn sie die
Chance zum Wettbewerb erhalten, werden sie Erfolg
haben. Ich werde auch versuchen sicherzustellen,
daß amerikanische Unternehmen kein Opfer von
Wechselkursmanipulationen werden. Das Finanzministerium wird darauf bestehen sicherzustellen, daß
nicht nur unsere Märkte für unsere investitionswilligen
ausländischen Freunde offen sind, sondern auch die
ausländischen Märkte für amerikanische Investoren.

Drittens müssen wir alles in unserer Macht Stehende
tun, um den Erfolg der demokratischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland sicherzustellen. Politologen haben aus der Geschichte die folgende wichtige
Lehre gezogen: Demokratien führen nicht miteinander
Krieg. Ein Wirtschaftswissenschaftler würde dieser
wichtigen politischen Maxime eine bedeutende Schlußfolgerung hinzufügen: Demokratien können keine
Minister Bentsen hat die Initiative ergriffen, den Koor- Hyperinflation überleben. Diese beiden miteinander
dinierungsprozeß neu zu beleben - er ist wichtig für die verknüpften Wahrheiten müssen auf jeden Fall in
Wiederherstellung von Wachstum und Beschäftigung Betracht gezogen werden, wenn wir mit dem amerikaweltweit. Das Wirtschaftsprogramm des Präsidenten nischen Interesse an einem Erfolg des in Rußland
hat uns neuen Respekt in der internationalen wirt- stattfindenden Reformprozesses konfrontiert werden.
schaftlichen Arena verschafft. Darüber hinaus wird es Rußland ist einer Hyperinflation gefährlich nahe, und
unsere Position dabei stärken, unsere wichtigsten wenn es den politisch Verantwortlichen dort nicht
Handelspartner zu ermutigen, ähnliche Maßnahmen gelingt, die makroökonomische Disziplin wiederherzuzur Stärkung des Wachstums in ihren Ländern zu stellen, könnte das Land eine ähnliche Entwicklung
ergreifen. Der Minister hat diese Bemühungen in durchlaufen wie Deutschland während der Weimarer
London aufgenommen. Sowohl er als auch der Präsi- Republik oder Argentinien unter der Junta.
dent haben deutlich gemacht, daß sie bis zum Wirtschaftsgipfel in Tokio auf echte Fortschritte hoffen.
Die Clinton-Administration zeigt in Zusammenarbeit
Zweitens müssen wir darauf hinarbeiten, die internationale wirtschaftliche Integration zu fördern und zu
gewährleisten, daß ihre Vorzüge fair zwischen den
Nationen geteilt werden. Es gibt für die wirtschaftliche
Integration keine Alternative. Wie Präsident Clinton an
der American University erklärt hat, ist das Gebot für
die Vereinigten Staaten Konkurrenz - nicht Rückzug.
Das bedeutet, daß wir Exporte fördern müssen, weil
Exporte den Weg zu Wirtschaftswachstum und zur
Schaffung besserer Arbeitsplätze in den Vereinigten
Staaten darstellen. Damit Amerika seine Exporte
ausbauen kann, müssen die Auslandsmärkte offen
sein. Gute Abkommen im Rahmen der UruguayRunde und des NAFTA werden einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit unserer Volkswirtschaft und der
unserer Handelspartner leisten.

mit unseren Verbündeten bereits großes Engagement
bei der Ausarbeitung und Realisierung effektiver Hilfspakete für Rußland und die anderen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion. Das Finanzministerium schlägt
wichtige wirtschaftliche Maßnahmen zur Stabilisierungspolitik, Schuldenfrage, technischen Hilfe und
wirtschaftlichen Umstrukturierung vor. Der Wiederaufbau der russischen Wirtschaft ist seit dem Marshallplan das größte Unternehmen zum Wiederaufbau
einer Wirtschaft. Im Falle meiner Bestätigung werde
ich unter der Leitung von Minister Bentsen mit der
Administration und dem Kongreß zusammenarbeiten,
um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten alles
in ihrer Macht Stehende tun, um den politischen und
wirtschaftlichen Übergang in Rußland in diesem so
bedeutenden Moment der Geschichte zu unterstützen.

Viertens müssen wir eine umweltverträgliche und
verantwortungsbewußte Entwicklung in den Ländern
der Dritten Welt fördern. Angesichts der Tatsache,
daß eine Milliarde Menschen mit weniger als einem
Dollar pro Tag zu überleben versuchen, ist dies ein
moralischer Imperativ. Es ist jedoch auch ein wirtschaftlicher Imperativ, da die Entwicklungsländer den
am schnellsten wachsenden Absatzmarkt für amerikanische Exportartikel darstellen. Und es ist ein sicherIm Falle meiner Bestätigung werde ich besonderen heitspolitischer Imperativ, da im Wohlstand lebende
Wert auf die Liberalisierung der Finanzmärkte in Asien, Nationen friedfertiger sind.

Der Abschluß von Handelsverträgen ist jedoch nicht
genug. Wo nach wie vor schwerwiegende Schranken
gegen amerikanische Exporte existieren, müssen wir
energisch die bestehenden Handelsgesetze anwenden, um sie zu beseitigen. Die Handelspraktiken der
Staaten, die gegenüber den meisten Regionen der
Welt chronische und steigende Überschüsse aufweisen, geben offenkundig Anlaß zu besonderer Sorge.

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�Der Finanzminister der Vereinigten Staaten ist der
amerikanische Gouverneur der internationalen Finanzinstitutionen - des IWF, der Weltbank und der regionalen Entwicklungsbanken. Diese Institutionen geben
den Vereinigten Staaten außerordentlich viel Einfluß.
Die Weltbank hat beispielsweise in den letzten vierzig
Jahren den weniger entwickelten Ländern der Welt
mehr als 220 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt,
während der Beitrag der Vereinigten Staaten zur
Weltbank den amerikanischen Steuerzahler im gleichen Zeitraum weniger als 2 Milliarden Dollar gekostet
hat.
Wenn diese Institutionen den Interessen der Vereinigten Staaten in der Dritten Welt dienen sollen, dann
müssen sie viel mehr sein als bloße Finanzinstitutionen. Sie müssen in Wort und Tat den Armen helfen

und die Umwelt schützen. Das Finanzministerium wird
mit den Traditionen brechen, um sicherzustellen, daß
die Vertreter Amerikas bei diesen Institutionen sich
das Fachwissen von Umwelt- und Entwicklungsexperten ebenso wie das der Finanzwelt zunutze machen.
In seiner Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des
Finanzministeriums erklärte Finanzminister Bentsen,
nachdem das Außen- und Verteidigungsministerium
während des Kalten Krieges der Garant für militärische
Sicherheit gewesen seien, müsse jetzt das Finanzministerium der Garant für Amerikas wirtschaftliche Sicherheit in derzeit nach dem Kalten Krieg sein. Es ist
ein großes Privileg und eine Ehre, von Finanzminister
Bentsen gebeten worden zu sein, während dieser
wichtigen Zeit im Finanzministerium mitzuarbeiten,
und vom Präsidenten hierzu nominiert worden zu sein.

* * * * *

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�WIRTSCHAFT
24. März 1993

DIE WIRTSCHAFTS- UND HANDELSPOLITIK
UNTER PRÄSIDENT CLINTON
Rede von Donald B. Kursch, Gesandter für Wirtschaft
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede zur amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik, die vom Gesandten für Wirtschaft bei der Amerikanischen Botschaft, Donald B. Kursch, am 10. März 1993
vor der Industrie- und Handelskammer Berlin gehalten wurde.

Sehr geehrter Herr Klopsch,
sehr geehrter Herr Schlegel,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

Sektoren zu untergraben. Vor allem wünschte sich die
Mehrheit der Wähler eine entschlossene Führung bei
der Lösung der anstehenden Probleme. Zu lange
hatte der Staat sinkenden Produktivitäts- und Wachsvielen Dank für die freundliche Einladung, hier vor der tumsraten, stagnierenden Einkommen der breiten
Industrie- und Handelskammer in Berlin über die Wirt- Schichten und dem hartnäckigen Fortbestand von
schafts- und Handelspolitik der Vereinigten Staaten zu Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung tatenlos zusprechen. In Berlin und in den neuen Bundesländern gesehen.
stehen Sie vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen, die den Aufbau nach mehr als vierzig Jahren Präsident Clintons Wirtschaftsphilosophie und sein
kommunistischer Mißwirtschaft betreffen. In den Programm sind die unmittelbare Reaktion auf diesen
Vereinigten Staaten stehen wir zwar nicht vor einem Stimmungsumschwung in der amerikanischen Bevölwirtschaftlichen Wiederaufbauprozeß, wie es manche kerung. Ich bin vor kurzem aus Washington zurückgepopuläre Niedergangsszenarien nahelegen. Vielmehr kehrt, und ich kann Ihnen sagen, daß der Stimmungssind wir mit der Aufgabe konfrontiert, unsere Volkswirt- wandel beträchtlich ist. Mit Clinton und seinem Team
schaft wettbewerbsfähiger zu gestalten und für langfri- herrscht ein neuer Geist und eine neue Generation in
stige Strukturprobleme Lösungen zu finden. Gelingt der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Das vielleicht
uns dies, wird es auch beträchtliche Wachstumsanrei- auffälligste Merkmal der wirtschaftspolitischen Philoze für die Weltwirtschaft geben und den Auf bauprozeß sophie von Präsident Clinton und seinen Beratern ist
in den neuen Ländern und Osteuropa erleichtern. So eine Neubewertung der Rolle des Staates. Im Wahlglaube ich, daß Berlin ein guter Ort ist, um einen Abriß kampf wie bei der Entwicklung seines Regierungsproder Grundzüge der neuen amerikanischen Wirtschafts- grammes hat Präsident Clinton deutlich gemacht, daß
politik zu geben.
der Staat bei der Lösung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme unverzichtbar ist. Das heißt
Die Wähler der Vereinigten Staaten haben am 3. nicht, daß der Staat privates wirtschaftliches Handeln
November mit der Wahl von Bill Clinton für Wandel und das soziale Engagement der Bürger ersetzen soll,
gestimmt. Jeder, der den Wahlkampf in den Vereinig- sondern daß er es ergänzt und durch geeignete
ten Staaten verfolgt hat, wird bemerkt haben, daß die Maßnahmen flankiert. Auch für Präsident Clinton ist
Wähler vor allem mit der Wirtschaftslage unzufrieden der Privatsektor der primäre Wachstumsmotor. Nötig
waren. Die Vereinigten Staaten fanden nur langsam sind öffentliche und private Investitionen in die ökonoaus einer schleichenden Rezession heraus, die wach- mische Zukunft Amerikas, die sowohl dem Humankasenden Haushaltsdefizite machten Sorgen, und lange pital, der Ausbildung, und der öffentlichen Infrastruktur
vernachlässigte Strukturprobleme, vor allem des als auch hochmoderner Ausrüstung und modernen
Gesundheits- und Ausbildungssystems, schienen die umweltfreundlichen Technologien zugute kommen
Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und einzelner müssen.

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�Zu lange hat die amerikanische Politik diesen Bedarf
zugunsten von Konsum übersehen. Das wirtschaftspolitische Programm von Präsident Clinton gibt deshalb den Investitionen eindeutigen Vorrang und baut
auf einer langfristig angelegten Verschiebung vom
Konsum zu Investitionen auf. Amerika wird auf breiter
Front wieder mehr in die Zukunft investieren und damit
die amerikanische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger machen. Ziel des Programmes von Präsident
Clinton ist die Schaffung der sozialen und binnenwirtschaftlichen Voraussetzungen, um die amerikanische
Volkswirtschaft leistungsfähiger und effizienter zu
machen.

Milliarden aus verschiedenen Ausgabenprogrammen.
Ich glaube, es wird an diesen Zahlen deutlich, daß
Präsident Clinton bereit ist, zur wirtschaftlichen Sanierung Amerikas den Bürgern Belastungen zuzumuten.

Die Einnahmeverbesserungen werden durch eine
Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 31 auf 36
Prozent, (einschließlich eines Zuschlages zur Einkommenssteuer für Höchstverdiener), eine Erhöhung der
Körperschaftssteuer von 34 auf 36 Prozent und eine
Energiesteuer, die auf Energiebrenneinheiten beruht
und die für Öl höher sein wird als für andere Energieträge, erzielt. Auch werden die Renten von Beziehern
höherer Einkommen teilweise besteuert. Die Ausgabenkürzungen belaufen sich auf 253 Milliarden Dollar
für die nächsten vier Jahre. Dazu gehören 76 Milliarden aus dem Verteidigungshaushalt, 91 Milliarden von
gesetzlich vorgeschriebenen Sozialausgaben und 54

Der Präsident hat hervorgehoben, daß sein Programm
zur Steigerung öffentlicher und privater Investitionen
langfristig angelegt ist. Die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen, der Ausbau der Infrastruktur
und der Hochtechnologiebasis, die Erhöhung der nationalen Ersparnis durch Defizitabbau sind nicht Ziele,
die auf einen Streich durch ein Konjunkturprogramm
erreicht werden können. Er ist fest entschloßen, die
Herausforderungen einer Politik des langen Atems
anzunehmen. Gleichzeitig sieht er aber auch die
Notwendigkeit, den Konjunkturaufschwung zu stabilisieren und insbesondere die Schaffung von neuen
Arbeitsplätzen, die nicht ganz so zufriedenstellend wie

Das Haushaltsdefizit von mehr als 330 Milliarden Dollar
in diesem Jahr wird bis 1997 auf 206 Milliarden Dollar
fallen. Damit halbieren wir seinen Anteil am Bruttosozialprodukt von 5,4% auf 2,7%. Wir haben es hier mit
dem größten Defizitreduzierungsprogramm in der
amerikanischen Geschichte zu tun, das bei weitem die
Ausgabenkürzungen des Budgetkompromisses von
1990 übertrifft. Sie sehen, daß wir bereit sind, die
erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen, unser
Präsident Clinton hat auch keinen Zweifel daran gelas- Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
sen, daß wir Haushaltsdefizite, wie wir sie in den
vergangenen 10 Jahren registriert haben, nicht mehr Gleichzeitig müssen wir jedoch auch die Investitionen
in unsere produktive Zukunft erhöhen. Priorität erhallänger tolerieren können. Zu der Strategie der Bevorten
Ausgaben, die langfristig das ökonomische Wachszugung von Investitionen gegenüber dem Konsum
tum
steigern und den Lebensstandard erhöhen. Dazu
gehört auch eine nachhaltige und glaubhafte Bekämpgehören
Ausgaben für die Infrastruktur, für den Ausfung des Haushaltsdefizits. Der Abbau des Defizits
bau
der
Verkehrssysteme,
für eine zivile Technologiewird auf realistischen Annahmen über die Wirtschaftsbasis,
Umweltschutz
und
Energieeinsparungen. In
entwicklung beruhen. Wir werden uns nicht darauf
den
nächsten
vier
Jahren
sind
auch knapp 38 Milliarverlassen, daß wir schmerzlos aus dem Defizit herausden
Dollar
für
Ausbildung
und
Weiterbildung
vorgesewachsen können. Ein realistisches Program zur Defihen,
die
neue
Programme
für
die
Qualifizierung
von
zitreduzierung wird die nationale Ersparnis erhöhen,
Arbeitnehmern
und
eine
Initiative
für
ein
nationales
die dem Privatsektor für Investitionen zur Verfügung
steht, wird die Zinssätze senken und den hohen Anteil Berufsbildungsprogramm für Lehrlinge finanzieren
des Bundeshaushalts reduzieren, der allein für den sollen. Eine umfassende Initiative für die Reform des
Schuldendienst zu veranschlagen ist. Amerika wird Gesundheitswesen ist für Mai angekündigt.
weniger auf ausländischen Kapitalmärkten borgen,
Die neuen wirtschaftspolitischen Programme sollen
um staatlichen und privaten Konsum zu finanzieren.
nicht
den Markt verdrängen, sondern zu einer besseDies wird auch die Risiken der Störung von Finanzren
Kooperation
zwischen Staat und Wirtschaft fühmärkten vermindern.
ren. Der Staat muß einen Rahmen vorgeben, innerhalb dessen sich Wettbewerb und LeistungssteigeDer Präsident hat den amerikanischen Bürgern deutrung vollziehen können. Die neue nationale Wirtlich zu verstehen gegeben, daß sein Wirtschaftsprogramm ihnen Opfer abverlangen wird und sie sich auf schaftsstrategie, die der Präsident entworfen hat,
Belastungen einstellen müssen. Wir müssen die Steuern versucht zwei verschiedene Elemente zu vereinbaren:
erhöhen und staatliche Ausgaben und Leistungen Die Ausgaben für investive Zwecke zu steigern und
kürzen. Angesichts der Höhe des zu erwartenden gleichzeitig das Haushaltsdefizit zu reduzieren. BeiDefizits von über 330 Milliarden Dollar in diesem Jahr des dient dem Zweck, die Wettbewerbsfähigkeit der
amerikanischen Volkswirtschaft und den Lebensstanwerden die zusätzlichen Steuerbelastungen nicht auf
nur wenige Gruppen in der amerikanischen Gesell- dard der amerikanischen Bevölkerung zu steigern.
Diese Doppelstrategie ist eine große Herausfordeschaft beschränkt bleiben können, obwohl die größeren Belastungen, denen aufgebürdet werden, die sie rung, aber nur mit ihr werden wir unser wirtschaftliches
Haus in Ordnung bringen.
leichter tragen können.

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�in früheren Aufschwüngen verläuft, zu stützen. Er hat
deshalb ein Konjunkturankurbelungsprogramm von
30 Milliarden Dollar vorgeschlagen, das kurzfristige
Infrastrukturmaßnahmen, Steuererleichterungen für
Investitionen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für
Jugendliche vorsieht.
Sie mögen nun fragen, was bedeutet diese Wirtschaftsstrategie für uns hier in Europa. Ich glaube, wir
sollten es alle begrüßen, daß die Vereinigten Staaten
beginnen, ihre Hausaufgaben zu machen. Unsere
Partner haben ja schon seit Jahren gefordert, daß wir
dem Abbau der Haushaltsdefizite Vorrang einräumen,
kurz, daß wir unser Haus in Ordnung bringen und in
das Ausbildungswesen und Technologie investieren,
um unsere Produktivität zu erhöhen. Präsident Clintons Programm verspricht, diese Forderung einzulösen. Dies ist ein wesentlicher Beitrag der Vereinigten
Staaten für die Stabilisierung der Weltwirtschaft.
Präsident Clintons Wirtschaftsplan bietet eine realistische Perspektive zur Defizitreduzierung, und dies ist
von eminenter Bedeutung für Amerikas Wirtschaftspartner.
Sie werden nun weiterhin fragen, ob die Hinwendung
zu den binnenwirtschaftlichen Problemen und den
langfristigen Strukturproblemen der amerikanischen
Gesellschaft auch eine Abkehr von der Verantwortung
der Vereinigten Staaten für die Weltwirtschaft bedeutet. Nichts kann weiter von den Realitäten entfernt sein
als die Annahme, die dieser Frage zugrunde liegt. Die
neue Ausrichtung unserer Wirtschaftspolitik zu Hause
heißt nicht, daß wir uns von der Weltwirtschaft abkoppeln wollen. Ganz im Gegenteil, diese Neuausrichtung
ist die Voraussetzung dafür, auch in unserem außenwirtschaftlichen Engagement neue Akzente zu setzen.
Präsident Clinton hat keinen Zweifel daran gelassen,
daß die Vereinigten Staaten voll in die Weltwirtschaft
integriert sind und daß wir Globalisierung und Interdependenz nicht nur akzeptieren, sondern begrüßen.
Amerika wird sich nicht aus dem globalen Wettbewerb
zurückziehen, sondern als vollwertiger Mitspieler im
Wettbewerb der Nationen auftreten.
Wir befinden uns in der dritten wichtigen Entscheidungssitutation dieses Jahrhunderts. In der ersten in
den zwanziger und dreißiger Jahren haben wir uns
zurückgezogen und uns alle hinter Zollschranken
versteckt - mit verheerenden Konsequenzen für die
Welt und für Europa. Nach dem zweiten Weltkrieg
haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen und
für eine kompromi ßlose Außenorientierung optiert und
damit spektakuläre Erfolge im weltweiten Wachstum
des Wohlstands und des Aufbaus leistungsfähiger
freier Volkswirtschaften erzielt.
Wir werden nicht die Fehler aus den zwanziger Jahren
wiederholen, sondern sind entschlossen, an die Erfolge aus der Nachkriegszeit in den 40er und 50er Jahren
anzuknüpfen. Kapital-, Dienstleistungs- und viele
Warenmärkte sind heute global, die amerikanische
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Volkswirtschaft ist stärker als je zuvor mit der Weltwirtschaft verflochten. Importe und Exporte machen einen
immer größeren Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts aus. Im gewissen Sinne sind wir auch exportabhängig geworden. Zwei Drittel unseres Wirtschaftswachstums seit 1988 sind auf den Export zurückzuführen. Unsere Rezession hätte viel länger angedauert,
wären wir nicht auf manchen Märkten so erfolgreich
gewesen. Jede Milliarde Dollar an amerikanischen
Exporten schafft 20.000 gut bezahlte Arbeitsplätze in
den Vereinigten Staaten, wie Präsident Clinton kürzlich in seiner Rede an der American University betont
hat. Eine offene und wettbewerbsbezogene Welthandelsordnung macht uns als Nation reicher, zwingt uns,
unsere Leistungsfähigkeit zu steigern und macht uns
zu besseren Wettbewerbern. Wir haben deshalb kein
Interesse an geschlossenen Märkten, sondern ganz
im Gegenteil an weiterer und effektiver Marktöffnung.
Amerika ist bereit, seinen Beitrag zu einer prosperierenden Weltwirtschaft zu leisten und sein Vorgehen
mit den führenden Industrieländern zu koordinieren.
Aber wir können die Welt nicht alleine auf den Wachstumspfad führen. Präsident Clintons Plan zur Reduzierung des Haushaltsdefizits ist ein Beitrag zu diesem
Ziel. Auch ist in den USA wieder der Konjunkturmotor
angesprungen, und wir können mit sehr ordentlichen
Wachstumsraten aufwarten. Doch unsere Partner
müssen auch ihre Beiträge leisten. In Europa sind
niedrigere Zinssätze vonnöten und in Japan eine Stimulierung der inländischen Nachfrage, wenn wir alle
am gleichen Strang ziehen wollen.
Über den zukünftigen Kurs der amerikanischen Handelspolitik ist Zweifel laut geworden. Natürlich wird die
Administration von Präsident Clinton ihre eigenen
Akzente setzen. Einer dieser Punkte ist die enge
Verzahnung zwischen den binnenwirtschaftlichen Initiativen zur Steigerung unserer Wettbewerbsfähigkeit
und unserer Handelspolitik. Präsident Clintons Programm erkennt gerade an, daß viele der Schwierigkeiten der Vereinigten Staaten im internationalen Wettbewerb hausgemacht sind und Veränderungen unserer
Strukturen im Innern erforderlich machen. Das ist die
Essenz seines Investitionsprogrammes.
Diese Einsicht ist ein Teil der umfassenden Handelspolitik, die meine Regierung gerade entwickelt. Die
Grundidee wird unverändert die Schaffung eines offenen Welthandelssystems sein, dessen Grundlage offene
Märkte und effektive Markzugangschancen sein müssen.
Das globale Handelssystem, das wir anstreben, muß
den Realtitäten der neunziger Jahre angepaßt sein
und sich nicht an den handelspolitischen Konstellationen der Vergangenheit orientieren. Es muß alle Trittbrettfahrerei vermeiden und ein Regelsystem umfassen, das dem Element von Reziprozität gerade zwischen leistungsfähigen Ländern großes Gewicht beimißt. Kurz, es wird ein System sein müssen, in dem
die Verantwortung nicht einseitig verteilt ist, sondern
von allen getragen wird.
Seite 3

�Wir werden uns in der Zukunft nicht mehr in abstrakten
philosophischen Diskussionen darüber verlieren, welche Ansätze am besten für die amerikanische Handelspolitik sind, seien es multilaterale, regionale, bilaterale oder unilaterale. Entscheidend wird sein, ob
diese Ansätze offene Märkte für Güter und Dienstleistungen schaffen und klare und durchsetzbare Regeln
begründen, die eine Ausweitung des Welthandels erlauben.

Abschluß die beste Voraussetzung für einen Aufschwung der Weltkonjunktur liefert, scheint diesen
Politikern entgangen zu sein. Die Schlußfolgerung
liegt nahe, daß ihnen die wachstumsschaffenden Effekte des freien Welthandels völlig gleichgültig sind
und daß es ihnen vielleicht eher darumgeht, das GATT
zu torpedieren. Was wir zum Abschluß der UruguayRunde brauchen, ist der entschiedene Wille, zu einem
Abschluß zu kommen. Seit drei Jahren schon haben
sich alle Beteiligten der Weltwirtschaftsgipfel für einen
Das heißt, daß wir in der Zukunft weniger geneigt sein Abschluß ausgesprochen, leider aber blockierten hinwerden, Konzessionen zur bloßen Aufrechterhaltung terher immer wieder einige der Teilnehmer eine Einitheoretischer Positionen oder als Ausdruck unseres gung. Auf dem Spiel stehen nicht nur eine kurzfristige
Harmoniestrebens zu machen. Wir wollen unsere Stimulierung der Weltwirtschaft - die wir alle nötig
Märkte offen halten, aber erwarten, daß unsere Han- haben - sondern globale Wachstumchancen von 5
delspartner das Gleiche tun. Wir heißen Auslandsin- Billionen Dollar im nächsten Jahrzehnt.
vestitionen willkommen, aber gehen davon aus, daß
unsere Investoren auf keine Barrieren stoßen. In Auch die Entschlossenheit meiner Regierung, das
vielen Kreisen ist Besorgnis vor einem verstärkten Ende letzten Jahres abgeschlossene Freihandelsabamerikanischen Protektionismus laut geworden. Prä- kommen mit Mexiko und Kanada in die Praxis umzusident Clinton hat protektionistische Stimmen in den setzen, kann nicht als eine Abkehr vom GATT interpreUSA wie im Ausland durchaus wahrgenommen. Aber tiert werden. NAFTAliberalisiert den Handel zwischen
er hat darauf hingewiesen, daß die protektionistischen den Vertragspartnern substantiell und erhöht nicht den
Kräfte in den USA gerade durch Handelsbarrieren und Außenschutz. In Bereichen wie Dienstleistungen,
unfaire Handelspraktiken unserer Handelspartner geistiges Eigentum und Investitionen haben wir sogar
Auftrieb erhalten. Protektionistische Stimmen werden Lösungen gefunden, die über das GATT hinausgehen
am besten durch den Abbau von Handelsschranken und vorbildlichen Charakter haben, der durch die von
und unfairen Maßnahmen zum Schweigen gebracht. Präsident Clinton angestrebten Zusatzabkommen im
Bereich Umwelt- und Arbeitsschutz noch unterstriEbenso ist in der europäischen Öffentlichkeit Zweifel chen wird. Ich glaube, daß NAFTA ein hervorragendes
laut geworden, ob die Vereinigten Staaten noch Inter- Beispiel ist, wie ein weniger entwickeltes Land wie
esse an dem Abschluß der Uruguay-Runde haben. Mexiko Anschluß an die entwickelte industrialisierte
Diese Zweifel sind völlig unbegründet. Präsident Clin- Welt finden kann. Aus diesem Grund sollte es auch
ton hat unzweideutig zu verstehen gegeben, daß er für den Beziehungen der EG zu Osteuropa Anstöße geben.
einen schnellen Abschluß der Uruguay-Runde eintritt NAFTA ist Ausdruck unseres Glaubens, daß Handel
und hat deshalb angekündigt, die Verlängerung des ein wesentlich effektiveres Instrument zur WiederbeleVerhandlungsmandats durch den Kongreß zu errei- bung von Volkswirtschaften ist als Beihilfen.
chen. Er hat aber auch zu verstehen gegeben, daß die
Runde sich viel zu lange hingezogen hat. Dies ist Sie können sich sicher vorstellen, daß auch die jüngste
sicherlich nicht auf amerikanische Verzögerungstaktik Bananenentscheidung der EG nicht gerade das Verzurückzuführen. Ganz im Gegenteil, wir waren im trauen in die europäische Handelspolitik gestärkt hat.
letzten Herbst trotz der Wahlen und - ich darf hinzufü- Hier geht es nicht nur um die Preiserhöhungen, die
gen, auch noch im Januar- fest entschloßen, zu einem gerade deutsche Konsumenten und gerade die in den
Abschluß zu kommen. Aber unsere europäischen neuen Bundesländern verstärkt treffen werden, obPartner haben uns immer wieder hingehalten - wegen wohl diese natürlich auch höchst ärgerlich sind. Hier
bevorstehender Wahlen oder irgendwelcher anderer geht es vielmehr um das Prinzip: daß zur Harmonisieinnenpolitischer Konflikte zwischen den Partnern.
rung des Binnenmarktes das Instrument der Abschottung nach außen gewählt wird, und das bei einem
Nur wenn wir eine solche Argumentation akzeptieren, Produkt, bei dem die EG den eigenen Bedarf nur zu
dann kann man nicht gerade hoffnungsvoll auf die 20% aus eigener Produktion deckt. Mit dieser Enteuropäische Gemeinschaft schauen, denn zu jeder scheidung, die ja auch gravierende entwicklungspolitiZeit stehen irgendwelche Wahlen an. Meine Damen sche Implikationen hat, wird es immer schwerer, den
und Herren, wir haben in der Uruguay-Runde große Eindruck zu verwischen, daß sich die EG in der HanChancen verpaßt, und daraus erklärt sich der Mißmut delspolitik auf den Weg zur Festung Europa begibt.
in den Vereinigten Staaten. Diese Verärgerung ist
keine Abkehr vom GATT. Vielmehr haben wir allen Daß der GATT-Abschluß die europäisch-amerikaniGrund mißtrauisch zu sein, wenn wir Äußerungen von schen Beziehungen so belastet, ist um so bedauerlihochrangiger europäischen Politikern hören, daß das cher, als der europäisch-amerikanische Handel sich
GATT veralte: sei oder daß GATT-Abschlüsse nur bei gut entwickelt und unsere Volkswirtschaften eng verguter Weltkonjunktur möglich seien. Daß ein GATT- flochten sind. In den letzten 10 Jahren haben beide

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AMERIKA DIENST 12

�Seiten Überschüsse und Defizite aufzuweisen gehabt,
was für die Anpasungsf ähigkeit der Handelsströme an
die makroökonomischen Gegebenheiten spricht. Auch
die europäischen Direktinvestitionen in den USA haben erheblich zugenommen. BMW mit seiner Entscheidung, einen Produktionsstandort in den USA zu
eröffnen, ist hier nurdas letzte Beispiel einer Firma, die
die großen Möglichkeiten des offenen und dynamischen Marktes in den USA zu nutzen sucht.

Belgien, Dänemark und Griechenland noch nie amerikanische Anlagen gekauft. Ähnlich verhält es sich im
Turbinenmarkt, wo europäische Firmen einen 20prozentigen beziehungsweise 30prozentigen Anteil am
Gas- und Dampfturbinengeschäft haben. Dagegen
war es amerikanischen Firmen wegen restriktiver
Beschaffungsregeln bisher verwehrt, überhaupt Turbinen in Europa zu verkaufen. Ich möchte auch hier
darauf verweisen, daß dieses Problem nicht erst der
neuen Administration aufgefallen ist, sondern daß
Die wachsende Interdependenz schließt natürlich nicht schon die frühere Handelsbeauftrage Carla Hills eneraus, daß wir einzelne Konfliktpunkte miteinander haben. gisch gegen die Beschaffungsrichtlinie protestiert hat.
Aber es wäre völlig falsch, sie zu überdramatisieren
oder sie als Kehrtwendung in der amerikanischen Ich glaube, daß die europäisch-amerikanischen HanHandelspolitik hochzuspielen. Im Stahlstreit geht es delsbeziehungen weiterhin ihr großes Potential entfalum reguläre Antidumping- und Ausgleichszollverfah- ten werden, das schon heute in der engen Verflechren, wie sie auch die EG kennt. Sie sind kein plötzlicher tung unserer Volkswirtschaften angelegt ist. Die EinEinfall der neuen Regierung, sondern gesetzlich gere- zelkonflikte können diesen Tatbestand nicht überdekgelte Verfahren, die lange Zeit vorher in Gang gesetzt ken. Aber gleichzeitig können wir heute in der Zeit
wurden und nach dem Gesetz abgeschlossen werden nach dem Kalten Krieg keinen Automatismus in der
müssen. Doch der Hintergrund dieser Verfahren ist, Lösung dieser Konflikte mehr annehmen.
daß wir bis 1992 ein freiwilliges Selbstbeschränkungsabkommen hatten, das es den europäischen Ländern In einer Zeit, wo die Geoökonomie zunehmend gleicherlauben sollte, Kapazitäten abzubauen, die Stahlin- berechtigt neben die Geopolitik tritt, spielt das Netz der
dustrie zu rationalisieren und zu einer Übereinkunft Sicherheitspolitik, das den wirtschaftspolitischen Aküber Subventionen zu kommen. Nichts von dem ist teuren die Sicherheit gab, daß einzelne wirtschaftliche
jedoch geschehen. Statt dessen wurden in vielen Konflikte nicht zum Schaden der Gesamtbeziehung
Ländern Europas die Subventionen benutzt, um Kapa- eskalierten, eine immer geringere Rolle. Heute werden handelspolitische Streitigkeiten primär an wirtzitäten zu erweitem oder zu erhalten.
schaftspolitischen Kriterien gemessen, und deshalb
Die Frage der Airbussubventionen berührt ein sehr müssen wir um so größere Anstrengungen unternehsensibles Gebiet. An dem Bau ziviler Flugzeuge men, sie einer Lösung zuzuführen. Nur so läßt sich
hängen in den USA wie in Europa sehr viele gut- eine neue transatlantische Solidarität begründen, deren
bezahlte Arbeitsplätze, und die Industrien wie die Grundlage zunehmend die Wirtschaftsbeziehungen
Märkte auf beiden Kontinenten sind eng verflochten. sein werden, in der beide Seiten die gleiche VerantworEntsprechend dem im letzten Jahr geschlossenen tung für offene Märkte tragen. Für Europa bedeutet
Abkommen hat meine Regierung um Konsultationen dies vor allem die Entwicklung einer uneingeschränknachgesucht. Die Initiativen meiner Regierung bezüg- ten Außenorientierung sowohl nach Westen wie nach
lich der Airbussubventionen haben zum Ziel, auf eine Osten.
Einhaltung der im letzten Jahr geschlossenen Vereinbarung zu drängen. Vor allem geht es uns darum, daß Für die Vereinigten Staaten bedeutet transatlantische
die Zusage eingehalten wird, früher gezahlte Subven- Solidarität aber auch unser fortgesetztes Engagement
tionen zurückzuzahlen, unddaßwirüberdie Rückzah- bei der Stabilisierung der russischen Republik und der
lungsbedingungen informiert werden. Aus diesem Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Präsident Clinton
Grunde hoffen wir auch, daß die Subventionen für hat die ökonomische Stabilisierung dieser Region und
Vermarktung im Ausland und Exportfinanzierung einer Hilfe bei Problemen wie der nuklearen Reaktorsicherheit zu einer seiner Hauptprioritäten erklärt. Er ist sich
strengeren Kontrolle unterworfen werden können.
bewußt, daß diese Länder vor allem ihre eigenen
Was die strittigen Beschaffungsrichtlinien der europäi- Ressourcen mobilisieren müssen, um ihre Volkswirtschen Gemeinschaft betrifft, so geht es uns um eine schaft umzustrukturieren. Aber zielgerichtete Hilfe
reziproke Öffnung der Beschaffungsmärkte, ohne kann wie der Marshallplan nach dem zweiten WeltRückgriff auf diskriminierende Bestimmungen als krieg wichtige Anstöße geben und als vertrauensbilVerhandlungshebel. Wir bedauern deshalb, daß die dende Maßnahme Reformprozesse in Gang setzen,
EG bei der Beschaffungsrichtlinie eine so stark diskri- die sich schließlich selber tragen. Damit investieren
minatorische Lösung mit einem 50prozentigen einhei- wir sowohl in unsere Sicherheit als auch in unseren
mischen Produktanteil vorsieht. Wir wollen mit unse- zukünftigen Wohlstand.
rer Beschwerde vor allem darauf hinweisen, daß schon
jetzt in kritischen Märkten Ungleichgewichte herrschen. Die Schaffung einer neuen transatlantischen SolidariIn der Telekommunikation gingen im letzten Jahr 54% tät ist nicht nur die Aufgabe der staatlichen Instanzen
der Aufträge für Vermittlungsanlagen an ausländische und der Politik. Gerade der Privatsektor, den Sie,
Firmen. In der EG haben Deutschland, Frankreich, meine Damen und Herren, hier überwiegend repräAMERIKA DIENST 12

Seite 5

�sentieren, die Firmen und Verbände, spielen dabei
eine überragende Rolle. Die privatwirtschaftlichen
Akteure sollten sich auf europäischer Ebene enger
zusammenschließen und auf ein größeres Engagement Europas im Welthandelssystem drängen. Dabei
sollte man auch engen Kontakt zum amerikanischen
Privatsektor suchen. Kontakte auf dieser Ebene soll-

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ten nicht nur stabilisierend wirken, wenn der handelspolitische Dialog gelegentlich etwas rauher werden
sollte, sondern sie sind bei der Schaffung der neuen
transatlantischen Solidarität unabdingbar. Diese Solidarität werden wir nämlich in einer Welt brauchen, die
immer interdependenter und damit anfälliger wird. Ich
danke Ihnen.

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�NICHTVERBREITUNG
24. März 1993

KAMPF GEGEN WEITERVERBREITUNG VON
ATOMWAFFEN HAT FÜR DAVIS PRIORITÄT
Auszüge aus Anhörung
WASHINGTON - (AD) - Lynn Davis erklärte, wenn sie als Präsident Clintons Staatssekretärin für internationale Sicherheitsfragen bestätigt werde, würden ihre Prioritäten bei der Eindämmung der Weiterverbreitung
todbringender Waffen liegen.
Bei ihrer Anhörung vordem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten am 17. März nach ihrer Nominierung erklärte Davis, die Administration habe sie gebeten, "sich darauf vorzubereiten, einen Entwurf für eine
umfassende Nichtverbreitungsstrategie vorzulegen, die auf dem Nichtverbreitungsvertrag aufbaut, auf den
verschiedenen Systemen und Mechanismen, die heute für die Kontrolle von Exporten in Kraft sind, sowie auf
der bereits existierenden Gesetzgebung zur Exportkontrolle."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge der vorbereiteten Rede von Davis.

Lassen Sie mich kurz die wichtigsten Punkte anführen,
die meines Erachtens die zukünftige internationale
Sicherheitstagesordnung und möglicherweise meinen
Verantwortungsbereich ausmachen werden.

die Leistungen der Bush-Administration bei der Aushandlung von Abkommen über strategische Nuklearwaffen (START I und START II), konventionelle Streitkräfte in Europa (KSZE, Offener Himmel) und Chemiewaffen (Chemiewaffenkonvention) als HinterlassenIn seiner Anhörung vor diesem Ausschuß konzentrier- schaft übernommen hat.
te sich Außenminister Warren Christopher auf die
Leitlinien unserer Au ßenpolitik, von denen eine fordert, Außenminister Christopher hat auf die große Bedeu"eine starke Verteidigung aufrechtzuerhalten, wäh- tung hingewiesen, die er Fortschritten bei der Ratifizierend wir unsere Streitkräfte auf neue und andauernde rung der beiden START-Verträge in der ehemaligen
Herausforderungen im Bereich der Sicherheit vorbe- Sowjetunion und auch hier in den Vereinigten Staaten
beimißt. Diese Verträge werden die strategischen
reiten".
Nuklearwaffen in den Vereinigten Staaten und in Rußland
Diese neuen Herausforderungen erfordern, daß wir entscheidend und gerecht reduzieren. Dem Ziel, die
neue Konzeptionen für Sicherheit und Zusammenar- Kontrolle und den Abbau von Nuklearwaffen in den
beit für eine Welt definieren, in der viele neue Staaten neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion sicherzuund Gruppen die Ziele erreichen wollen, die wir Ame- stellen, wird Priorität eingeräumt. Nunn-Lugar Mittel
rikaner während unserer gesamten Geschichte geför- werden für Programme zum Abbau strategischer
dert haben: Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie Nuklearwaffen, zur Beseitigung nuklearer Materialien,
und kollektive Sicherheit. Die Politik der Clinton- der Errichtung von Zentren für Wissenschaft und
Administration in Somalia und Bosnien enthält die Technologie sowie zur Konversion verwendet.
Elemente für einen künftigen Ansatz: Unterstützung
für die Vereinten Nationen, multilaterale Diplomatie, Als Außenminister Christopher mit mir über meine
um die kriegerischen Parteien zu einer politischen Tätigkeit sprach, konzentrierte er sich auf NichtverLösung zu bringen, alles unterstützt von der Möglich- breitung und die Priorität, die die Clinton-Administrakeit zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte. Ziel ist tion der Eindämmung der Weiterverbreitung todbrines, diese Konflikte zu lösen und gleichzeitig deren gender Waffen - atomarer, chemischer, biologischer
Ausbreitung auf andere Gebiete zu verhindern.
und hochentwickelter konventioneller Waffen sowie
ihrer Trägersysteme - einräumt. Er bat mich, eine umJetzt möchte ich nochmals auf die Abrüstungsfrage zu fassende Nichtverbreitungsstrategie zu entwerfen, die
sprechen kommen, bei der die Clinton-Administration auf dem Nichtverbreitungsvertrag aufbaut, auf den
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�verschiedenen Systemen und Mechanismen, die heute
für die Kontrolle von Exporten in Kraft sind, sowie auf
der bereits existierenden Gesetzgebung zur Exportkontrolle.

Sicherheit umzubenennen, um die neuen Prioritäten
der Clinton-Administration im Umgang mit der erhöhten Gefahr der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen widerzuspiegeln.

Ich erinnere an den Erfolg, den die Vereinigten Staaten
in den sechziger Jahren hatten, als die Administration
im Zusammenhang mit dem Nichtverbreitungsvertrag
eng mit diesem Ausschuß zusammenarbeitete. Im
Falle meiner Bestätigung hoffe ich jene Atmosphäre,
jenen Geist wieder neu zu beleben, um so eine Nichtverbreitungsstrategie für das 21. Jahrhundert zu entwerfen.

Im Falle meiner Bestätigung werde ich in meiner
Eigenschaft als eben diese Staatssekretärin in meinem Ressort alle Aspekte der Nichtverbreitungspolitik
behandeln, also der Weiterverbreitung atomarer,
chemischer, biologischer und konventioneller Waffen.
Dies schließt auch unsere Politik zur Kontrolle der
Exporte ein, die zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen beitragen oder den amerikanischen
Interessen auf andere Weise schaden, wie die Kontrolle sicherheitsempfindlicher Technologien, die sowohl
für militärische als auch für zivile Zwecke genutzt
werden können. Die Aushandlung und Durchführung
von Rüstungskontrollabkommen - für strategische und
konventionelle Waffen - werden im Bereich meines
Ressorts liegen, ebenso wie Aktivitäten zum Abbau
von Atomwaffen in der ehemaligen Sowjetunion. Das
Büro für militärpolitische Angelegenheiten wird dem
Außenminister durch mich Bericht erstatten. Das Büro
strukturiert zur Zeit seine Tätigkeit neu, um neue
Konzepte und Ansätze in bezug auf die internationale
und regionale Sicherheit in der Zeit nach dem Kalten
Krieg zu definieren. Unterstützung im Bereich der
Sicherheit und Waffentransfer werden weiterhin im
Verantwortungsbereich des Staatssekretärs für internatione Sicherheit liegen.

Zum Abschluß möchte ich noch kurz die Schritte
beschreiben, die Außenminister Christopher im Hinblick auf die Organisation des Außenministeriums
unternimmt, um diese internationalen Sicherheitsherausforderungen anzugehen.
Außenminister Christopher gab letzten Monat seine
Pläne zur Ernennung eines Stellvertretenden Außenministers sowie von fünf Staatssekretären als seine
wichtigsten außenpolitischen Berater bekannt. Die
Ressorts wurden etwas geändert, um den Aufgaben
nach dem Kalten Krieg Rechnung zu tragen.
Außenminister Christopher schlägt tatsächlich - mit
Zustimmung des Kongresses - vor, das Amt des
Staatssekretärs für internationale Sicherheit in das
des Staatssekretärs für Abrüstung und internationale

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�MEDIEN
24. März 1993

DER VIERTE STAND - RECHTE UND PFLICHTEN
von Robert H. Estabrook
Die Unabhängigkeit der Presse von der Regierung ist das grundlegendste ethische Dogma des Journalismus
in den Vereinigten Staaten, so der Autor des vorliegenden Artikels. Obwohl eine freie Presse die Regierung
bisweilen in Verlegenheit bringe, sei sie einzig und allein ihren Lesern verantwortlich.
Robert H. Estabrook, ehemaliger Auslandsreporter von The Washington Post, ist Redakteur und Verleger im
Ruhestand von The Lakeville Journal, einer wöchentlich erscheinenden Lokalzeitung im Nordwesten Connecticuts. 1987 reiste er nach Indien und nahm an dem indisch-amerikanischen Workshop über kleine und
mittelgroße Zeitungen teil.

Der erste Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung enthält den oft zitierten Satz:" Der Kongreß darf
kein Gesetz erlassen, das ... die Rede- oder Pressefreiheit ...einschränkt." Aus diesem in der Bill of Rights
enthaltenem Gebot leitet sich das ab, was ich als das
vielleicht grundlegendste ethische Dogma des Journalismus in den Vereinigten Staaten betrachte: "Die
Presse ist von der Regierung unabhängig."

Presse ist ihren Lesern - und nur ihnen - verantwortlich.
Sie kann nicht Sklave oder Lakai der Regierung sein.

Unabhängigkeit ist das Herzstück jeder Erklärung über
die ethischen Prinzipien, die das Verhalten der Presse
respektieren. Zeitungsverleger können sich entscheiden, eine bestimmte Partei oder Interessengruppe zu
unterstützen, aber in den Vereinigten Staaten ist eine
steigende Zahl von Zeitschriften und Magazinen unabDie Gründerväter der damals noch in den Kinderschu- hängig von Partei oder Regierung. Das bedeutet nicht,
hen steckenden Nation waren argwöhnisch gegen- daß sie nicht eine bestimmte Partei oder einen beüber der Tendenz der Regierung - selbst wenn sie die stimmten Kandidaten den anderen vorziehen, aber sie
besten Absichten hatte - , bisweilen zum Tyrann zu schulden ihnen keine Loyalität, und ihre Unterstützung
werden. Regierungen setzen sich aus Menschen ist die Praktizierung ihrer Unabhängigkeit. Es handelt
zusammen, und Menschen können Fehler machen sich von Seiten des Verlegers und der Herausgeber
und tun dies auch. Aus diesem Grund stellten sich die um eine freie Entscheidung.
Verfasser des ersten Verfassungszusatzes die Presse, trotz all ihrer Mängel, als eine Art Sozialkritiker vor, Hieraus folgt, daß eine unabhängige Presse diese
der eine gesonderte, von der Regierung getrennte Rolle in Ehren halten sollte, indem sie jeder Art von
Druckausübung widersteht - von Seiten der KommuRolle spielt.
nal- und der Bundesregierung, von Interessengruppen
Journalisten legen bei der Verfolgung nationaler Inter- in der Gemeinde, mächtigen Einzelpersonen und
essen ebensoviel Patriotismus an den Tag wie jeder Werbefachleuten. Das ist ein hehrer Maßstab, und
andere, und nichts in der Bill of Rights deutet darauf bisweilen ist es in einer kleinen Gemeinde schwieriger
hin, daß die Zeitungen und die Regierung nicht gele- als in einer größeren, sich daran zu orientieren. Es
gentlich zusammenarbeiten könnten. Aber es war die mag für eine große und ausreichend mit finanziellen
klare Absicht der Gründerväter, daß die Presse und Mitteln ausgestattete Zeitung relativ leicht sein, das
die Regierung nicht zusammen im Bett liegen sollten. Mißfallen einer Interessengruppe oder von Vertretern
Sie sind natürliche Gegner mit unterschiedlichen aus der Werbebranche zu riskieren; eine kleine ZeiFunktionen und jeder muß die Rolle des anderen tung jedoch, bei der die Unterstützung eines solchen
respektieren. Manchmal kann eine freie Presse für Werbeagenten oder Interessenvertreters direkte Auseine Regierung entschieden ein Ärgernis darstellen wirkung auf die Finanzlage hat, braucht Mut, um
oder sie in Verlegenheit bringen, aber das ist der Preis, diesem Druck zu widerstehen. Einige Zeitungen brinder für die Freiheit gezahlt werden muß. Eine freie gen mehr Mut auf als andere, aber die Respektierung

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Seite 1

�dieses Prinzips ist eine der Pflichten, die die Presse
aufgrund der ihr von der Verfassung zugewiesenen
Sonderrolle hat. Die Weigerung, sich von irgend
jemandem einschüchtern zu lassen, sollte das Kennzeichen des Berufs eines Journalisten sein.
Hieraus leitet sich auch ab, daß eine Zeitung und ihre
Mitarbeiter bei ihren eigenen Aktivitäten ein Beispiel
für Unabhängigkeit geben. Sie sollten nicht nur de
facto, sondern - wie die Briten von der Justiz sagen sichtbar unabhängig sein. Eine Zeitung, die ihre
Freunde mit erfundenen Sensationsgeschichten oder
schmeichlerischen Leitartikeln belohnt, wird binnen
kurzem nicht mehr ernstgenommen. Eine Zeitung,
deren Reporter auch auf der Gehaltsliste von Interessengruppen stehen, die Gratisreisen oder großzügige
Geschenke annehmen, wirkt mit ihrer Kritik an der
Korruption oder anderen unmoralischen Praktiken in
der Regierung nicht glaubwürdig.

auch immer ihr Gewissen zuläßt. Und obwohl Zeitungen unter die Gesetze zu Verrat, Volksverhetzung und
Verleumdung fallen, legen sie doch in großem Umfang
selber fest, welches ihre Pflichten sind. Die innewohnende Idee ist, daß aus dem Zusammenprall der von
der freien Presse präsentierten Meinungen und Ideen
letztlich etwas entsteht, das der Wahrheit nahekommt.
Schon John Milton schrieb in seiner Aeropagitica,
selbst wenn die Winde der Doktrin frei wehen dürften,
so müsse die Wahrheit auf der Erde vorherrschen, und
ihre Kraft dürfe nicht durch Verordnungen und Verbote
angezweifelt werden. Wer hätte - ihm zufolge - je
erlebt, daß bei einer fairen und offenen Gegenüberstellung von Wahrheit und Lüge die Wahrheit den
Kürzeren zog?

Als philosophische Doktrin mag das zwar beeindrukkend sein, aber Sie wissen ebensogut wie ich, daß das
in der Praxis nicht immer so funktioniert. Die Wahrheit
erscheint manchmal nur, wenn jemand sie ausgräbt,
Manchmal versuchen Zeitungen die Entgegennahme und es gibt keine patentierte Version der Wahrheit. In
von Geschenken oder Dienstleistungen zu rechtferti- einer Gemeinschaft, in der nur eine Zeitung überlebt gen. Es wird das Argument angeführt, ein gewissen- und das ist in den Vereinigten Staaten zunehmend der
hafter Reporter werde sich wohl kaum mit einer Einla- Fall - wird der Leser nur dann mit unterschiedlichen
dung zum Essen, einer Eintrittskarte für eine Sportver- Meinungen konfrontiert, wenn die Zeitung beschließt,
anstaltung oder einer Theaterkarte bestechen lassen. sie vorzustellen. Radio und Fernsehen sind nicht
Das ist vielleicht richtig, aber auch der Schein ist von immer ein wirksamer Ersatz.
Bedeutung. Ich kenne eine Zeitung, die jedes Gratisangebot, jedes Reiseangebot und jedes Geschenk mit Das ist jedoch kein so großes Unglück, wie es früher
dem Argument annimmt, daß sie durch die Annahme den Anschein gehabt hätte, da die amerikanischen
jedes Angebots unbestechlich wirke. Ich bin anderer Journalisten in zunehmendem Maße einen Sinn für
Ansicht, und ich habe den Verdacht, daß das auch für professionelles Verhalten entwickeln. Hierzu gehört
einige Zeitungsleser gilt: Zeitungen sollten selbst für die Anerkennung der Bedeutung fairer und ausgewoihre Ausgaben aufkommen.
gener Berichterstattung, in der die dargelegten Ansichten sich von denen des Berichterstatters, der
Ich gebe zu, daß es für die Journalisten in kleinen Zeitung oder eines Regierungsvertreters unterscheiGemeinden manchmal schwierig erscheint, vollkom- den und trotzdem akkurat vorgestellt werden. Tatmen unabhängig zu bleiben. Sie werden gedrängt, sächlich ist einer der besten Beweise für professionelWohltätigkeitsorganisationen, Clubs, geschäftlichen len Journalismus die Fähigkeit, objektiv über jemanVereinigungen oder sogar der Kommunalregierung den oder etwas zu berichten, mit dem der Berichterbeizutreten. Daraus können häufig Interessenkonflik- statter oder die Zeitung überhaupt nicht übereinstimte entstehen. Man kann von Journalisten nicht erwar- men.
ten, daß sie sich wie Mönche von der Gesellschaft
absondern. Aber sie können auch nicht gleichzeitig Es gibt heutzutage in den Vereinigten Staaten kaum
zwei Herren dienen, die unterschiedliche Interessen eine Zeitung, die nicht bewußt ihre eigene Meinung
verfolgen. Ein gewissenhafter Herausgeber oder von einer objektiven Darstellung der Tatsachen trennt.
Reporter wird sich zumindest der Konflikte bewußt und Nachrichten und Analysen werden im Nachrichtenteil
setzt seine beruflichen Pflichten an erste Stelle. Es präsentiert, und ihre Herkunft und Quelle wird mögüberrascht daher nicht, wenn ein unabhängiger Jour- lichst angegeben. Die von der Zeitung vertretene
nalist sehr einsam ist und in der Gemeinde, in der er Meinung wird auf der Seite mit dem Leitartikel dargetätig ist, nur wenige oder keine engen Freunde hat. stellt, auf der auch Beiträge von freien Journalisten
Manchmal sind seine besten Freunde zwangsläufig oder von Mitarbeitern der Zeitung abgedruckt werden
ebenfalls Journalisten. Aber das ist ein Preis, den er können.
für die von ihm gewählte Karriere und HerausfordeAmerikanische Zeitungen sind sich heutzutage ihrer
rung zahlen muß.
Pflicht bewußt, ihre Nachrichtenkolumnen und die
Welche besonderen Pflichten geht die Presse ihrer- Leitartikelseite für jede Überzeugung zu öffnen. Viele
seits als Gegenleistung für den besonderen Schutz Zeitungen erhalten viel mehr Leserbriefe als sie veröfihrer Pressefreiheit ein? Keine explizit formulierten. fentlichen können und müssen deshalb auswählen,
Eine Zeitung genießt das Recht, reißerisch oder par- was sie für eine faire Darstellung halten; sie müssen
teiisch oder unaufrichtig oder bigott zu sein oder was Verleumdungen vermeiden und auf Anstand und
Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�Angemessenheit achten. Viele Zeitungen beschäftigen eine Art Ombudsman, dessen Aufgabe darin
besteht, als eine Art Anwalt der Öffentlichkeit Beschwerden zuzuhören, Abhilfe zu schaffen und die
Arbeit der Zeitung zu bewerten. Die meisten Zeitungen erkennen auch ihre Pflicht an, Fehler prompt zu
korrigieren, oftmals in einer in jeder Ausgabe an derselben Stelle abgedruckten Spalte.

einzelnen Journalisten heutzutage angeboten werden. Vor einigen Jahren gewann The Washington
Post, mein ehemaliger Arbeitgeber, den Pulitzer Preis
für ihre Berichterstattung über einen achtjährigen
Drogenabhängigen. Die Recherche durch andere
führte zu dem Eingeständnis der Reporterin, Janet
Cooke, daß sie sich die Geschichte ausgedacht hatte,
um eine Situation zu illustrieren. Sie kündigte, und die
Zeitung gab den Preis in großer Verlegenheit zurück.
Natürlich ist es möglich, daß eine Zeitung die höchsten Ich habe keinen Zweifel daran, daß es noch weitere,
ethischen Maßstäbe anlegt und ihr Ruf dennoch durch nicht aufgedeckte fiktive Geschichten gibt. Und selbst
das Verhalten ihrer Mitarbeiter geschädigt wird. Arro- wenn man keine Tatsachen" erfindet, ist es doch
ganz und Mißachtung der Rechte anderer sind der relativ einfach, sie so zu präsentieren, daß man bei den
sicherste Weg, um das zu erreichen. Zeitungen müssen Preisrichtern großen Eindruck hinterläßt.
sorgfältig ein unerlaubtes Eindringen in das Privatleben derjenigen vermeiden, über die sie berichten. Das Preise sind nicht schlecht, aber die besten sind diejePhoto eines Menschen, der aus einem Gebäude springt nigen, die von Au ßenseitem ohne das Wissen oder die
oder sich in ein Feuer stürzt, mag zwar dramatisch Teilnahme einzelner Journalisten oder Zeitungen versein, aber die Herausgeber sollten lange und einge- liehen werden. Gewissenhafte Journalisten und Zeihend darüber sprechen, ob sie durch seine Veröffent- tungen müssen der Versuchung widerstehen, ihre
lichung die Rechte oder die Würde eines Menschen Geschichte so darzustellen oder zusammenzuschumißachten. Dient die Veröffentlichung einem vertret- stern, daß sie einem Zweck dient, der nicht in direktem
baren Zweck, den die Leser verstehen? Oder wird eine Zusammenhang mit der Nachrichtenübermittlung steht.
Demütigung dazu benutzt, die Neugier anzustacheln?
In meinem eigenen Journalistenkodex gibt es keine
Reporter genießen im Vergleich zu anderen Bürgern weiteren Gebote außer Unabhängigkeit, Nichteinmikeine Sonderrechte. Sie müssen aggressiv nach schung, Objektivität, Fairneß und die Bereitschaft zur
Fakten suchen. Eine der wichtigsten Funktionen der Fehlerkorrektur. Das ist das Erkennen unserer eigefreien Presse besteht in der Tat darin, als Wachhund nen Fehlbarkeit. Journalisten haben von Gott kein
zu dienen. Aber ihre Mitglieder haben keine Entschul- spezielles Mandat erhalten und ein wenig Bescheidendigung für unverschämtes oder unhöfliches Beneh- heit steht uns gut an. Manchmal hat die Wahrheit viele
men. Das Fernsehen hat viele Nachteile, aber es zeigt Facetten. Niemand hat ein Monopol darauf. Selbst bei
den Zuschauern sehr schnell, ob die an einer Presse- der engagierten Suche nach der Wahrheit werden oft
konferenz teilnehmenden Journalisten Arroganz oder Fehler begangen, unter denen eventuell Unschuldige
unnötige Schroffheit an den Tag legen. Einige von leiden müssen. Es ist meines Erachtens eine journaihnen scheinen leider zu Schauspielern geworden zu listische Todsünde, daß wir Journalisten vielfach dazu
sein, die ihre Aufgabe darin sehen, für Neuigkeiten zu neigen, uns selbst zu ernst zu nehmen, und daß wir
sorgen anstatt darüber zu berichten.
eine überzogene Vorstellung von der eigenen Bedeutung haben. Daher hätte ich es gerne, wenn über dem
Abgesehen von ihrem charakteristischen Verhalten Schreibtisch jedes Mitarbeiters der Presse der Ratweisen die Zeitungen auch ein Phänomen auf, das ich schlag hinge, den Oliver Cromwell der Vollversammdie "Preisjagd" nenne - die Schilderung einer Bege- lung der Kirche von Schottland im Jahr 1650 gab: "Ich
benheit entweder durch den Reporter oder aufgrund beschwöre Euch beim Kreuze Gottes, zieht in Beeiner übergeordneten Entscheidung der Zeitungsre- tracht, daß auch Ihr Euch irren könntet."
daktion auf eine Art und Weise, die darauf abzielt,
einen der Preise zu gewinnen, die Zeitungen und

* * * * *

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              <text>Amerikadienst 24.03.1993</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA unterstützen Demokratie in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden Unterstützung für Russland verstärken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Summers: Demokratie in Russland vordringliches Anliegen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor Finanzausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wirtschafts- und Handelspolitik unter Präsident Clinton&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Donald B. Kursch, Gesandter für Wirtschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Weiterverbreitung von Atomwaffen hat für Davis Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus Anhörung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der vierte Stand - Rechte und Pflichten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert H. Estabrook&lt;/em&gt;</text>
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