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10. März 1993

10

MENSCHENRECHTE

CLINTON DER SACHE DER DEMOKRATIE
UND MENSCHENRECHTE VERPFLICHTET
Schifter vor UN-Menschenrechtskommission

USA-EUROPA

UNGEWISSHEITEN IN DEN
AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN
BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Dobbins in Bonn

HANDEL

NEUE AMERIKANISCHE
HANDELSPOLITIK FÜR 1993
Kantor drängt auf neue Handelspolitik

VERTEIDIGUNG

WISNER WARNT VOR GEFAHR DER
NUKLEAREN WEITERVERBREITUNG
Rede vor Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�MENSCHENRECHTE
10. März 1993

CLINTON DER SACHE DER DEMOKRATIE
UND MENSCHENRECHTE VERPFLICHTET
Schifter vor UN-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Botschafter Richard Schifter hat am 3. März 1993 das Engagement Präsident Clintons "für die
Sache der Demokratie und der Menschenrechte sowie für multilaterales Handeln" unterstrichen.
"Die neue Administration ist zutiefst von den in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Idealen überzeugt
und strebt deren Verwirklichung an", erklärte Schifter bei der Sitzung der UN-Menschenrechtskommission in
Genf.
Der Leiter der amerikanischen Delegation forderte Reformen des UNO-Systems und äußerte, man solle der
Unterstützung von Regierungen, die um Hilfe bei der Lösung von Menschenrechtsproblemen bitten, mehr
Aufmerksamkeit widmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Schifters Rede im Wortlaut.

Wenn wir die Art und Weise untersuchen, in der
Regierungen auf dieses Phänomen reagieren, können
wir feststellen, daß es solche gibt, die Maßnahmen
dagegen ergreifen und damit effektiv reagieren. Dann
gibt es solche, die einfach nicht wissen, wie sie das sie
betreffende Problem behandeln sollen. Und dann gibt
es Regierungen, die das Problem noch verschärfen,
indem sie die dominierende ethnische Gruppe gegen
Personen anderer Volkszugehörigkeit aufhetzen, die
im selben Land leben. Letztere, davon gehe ich aus,
sind durchweg Regierungen, die alle ihre Bürger unterWir haben zu Recht der Erörterung der Greueltaten drücken. Die Geschichte hat bewiesen, daß Regierunbreiten Raum gegeben, die kürzlich im ehemaligen gen, die ihre eigenen Bürger schlecht behandeln,
Jugoslawien begangen wurden. Wie so häufig, neigen diejenigen wahrscheinlich noch härter anfassen, die
wir jedoch dazu, den Medien zu folgen. Sie berichten sie als Fremde betrachten, ob sie in ihrer Mitte leben
über Jugoslawien. Es dauerte eine Weile, bis sie über oder ihre Nachbarn sind.
Somalia berichteten. Afghanistan scheinen sie vergessen zu haben, und Ruanda müssen sie noch Die Vereinigten Staaten haben einen neuen, jungen
entdecken.
und dynamischen Präsidenten, der voll und ganz der
Überzeugung ist, daß Worten auch Taten folgen müssen.
Die Gefahr eines nuklearen Holocaust, das Risiko der Er ist in den letzten Tagen vor das Land getreten, um
Vernichtung der Menschheit, über die einige Mitglied- dem amerikanischen Volk zu erklären, daß wir ernste
staaten in dieser Kommission vor Jahren zu debattie- Probleme haben, deren Lösung harte Arbeit und Opfer
ren bestrebt waren, sind glücklicherweise erheblich verlangt.
abgebaut worden. Anstatt des politischen Kampfes,
der einst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, Im Lauf des Wahlkampfs hat unser Präsident ferner
sehen wir uns heute jedoch in vielen Teilen der Wert mit sein Engagement für die Sache der Demokratie und
Tod, Qualen und Zerstörung konfrontiert, die durch der Menschenrechte sowie für multilaterales Handeln
den Haß zwischen Gruppen ausgelöst werden.
deutlich gemacht. Die neue Administration ist zutiefst

Die ersten Rechte, die in der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte verkündet werden, sind das Recht
auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Wenn
wir die Entwicklungen des vergangenen Jahres im Bereich der Menschenrechte betrachten, müssen wir die
traurige Tatsache erkennen, daß auf ethnischen, religiösen oder sogar Stammesunterschieden beruhende
Konflikte zwischen Gruppen in vielen Teilen der Welt
Millionen von Menschen dieser Grundrechte beraubt
haben.

AMERIKA DIENST 10

Seite 1

�von den in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Idealen überzeugt und strebt deren Verwirklichung an.

Europa und Nordamerika Gültigkeit, möchte ich an ein
historisches Beispiel erinnern. Vor ungefähr 700 Jahren
wurden viele der fundamentalen Prinzipien, die wir
jetzt als Menschenrechte bezeichnen, von den BürIm System der Vereinten Nationen, und insbesondere gern dreier nicht weit von hier entfernter Gemeinden
auch in der Menschenrechtskommission der Verein- anerkannt: Uri, Schwyz und Unterwaiden - der Kern
ten Nationen, sind jedoch dringend institutionelle Re- des jetzt als Schweiz bekannten Landes.
formen erforderlich. Es besteht kein Zweifel, daß wir
im Lauf der Jahre Errungenschaften zu verzeichnen Es ist denkbar, daß Mitglieder des Hofes des Heiligen
hatten. Aber gibt es nicht Probleme in dem riesigen Römischen Kaisers damals behaupteten, wenn die
Bereich der Menschenrechte, die von unseren Aktivi- von diesen mutigen Menschen eingeforderten Rechte
täten unberührt blieben? Sollte es nicht eine Heraus- überhaupt irgendwelche Gültigkeit hätten, dann nur in
forderung für uns sein, die weltweiten Menschen- den Schweizer Bergen und nirgendwo sonst, ganz
rechtsprobleme auszumachen, die wir außer acht sicher nicht im restlichen Europa. Und was hätte über
gelassen haben, zu deren Lösung wir jedoch beitragen die Gültigkeit der demokratischen Ideen und Prinzipien
könnten, wenn wir in der Lage wären, sie zu behan- der Menschenrechte im England unter Heinrich VIII., in
deln?
Frankreich unter Ludwig XIV. oder der Sowjetunion
unter Joseph Stalin gesagt werden können?
Manche sagen, verschiedene Kulturen hätten eine
unterschiedliche Sichtweise der Menschenrechte, und Besorgte Gedanken wurden auch über die wechseldie Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vertre- seitige Beziehung zwischen politischer und wirtschaftte lediglich die Sichtweise einer Kultur.
licher Entwicklung geäußert. In vielen Ländern, einschließlich der Vereinigten Staaten, wird die Ansicht
Zweifellos sehen verschiedene Kulturen Menschen- vertreten, daß diese beiden Formen der Entwicklung
rechtsprobleme mit anderen Augen. Aber gibt es nicht Hand in Hand gehen. Es wird jedoch auch manchmal
zahlreiche Lebenserfahrungen, die der ganzen Mensch- die Behauptung aufgestellt, die wirtschaftliche Entheit gemeinsam sind? Trauert die Mutter in Sarajevo, wicklung müsse der politischen vorausgehen.
deren Sohn der Gewalt zwischen den Gruppen zum
Opfer fiel, etwa mehr als die Mutter in Kigali? Kann ein Bewiesen wurde jedoch genau das Gegenteil. Wenn
Einwohner von Bagdad die Folter besser ertragen als es auf diesem Gebiet je einen Reagenzglasversuch
ein Bewohner von, sagen wir, Kopenhagen? Ist ein gab, dann in West- und Ostdeutschland. Ein politisch
Bürger Havannas kulturell besser dafür geschaffen, freies Westdeutschland brachte eine der weltweit
polizeiliche Bespitzelung zu ertragen als ein Bürger stärksten Volkswirtschaften hervor. Ein politisch unMadrids? Ist ein Einwohner von Peking eher bereit, freies Ostdeutschland blieb weit dahinter zurück.
sich wegen freier Meinungsäußerung inhaftieren zu
Mit Blick auf Ostasien finden wir in Nordkorea, einer
lassen als ein Bewohner Londons?
der unterdrückerischsten Diktaturen der Welt, eine an
In der Vergangenheit wurde die von mir gerade aufge- die alptraumartige Vision von George Orwells Buch
worfene Frage, nämlich die der unterschiedlichen "1984" erinnernde Gesellschaft. Heutzutage ist NordHaltungen zu den Menschenrechten, in dieser Kom- korea ein wirtschaftlicher Zwerg. Im Gegensatz dazu
mission im Rahmen der Spaltung zwischen Ost und hat sich die Republik Korea politisch und wirtschaftlich
West erörtert. Nachdem diese Spaltung jedoch ver- entwickelt. Sie ist jetzt eine vollentwickelte Demokraschwunden ist, hatte ich die Gelegenheit, eine der tie, die einen immer weiter steigenden LebensstanPersonen zu treffen, mit denen ich mir einmal in dieser dard genießt.
Kommission Wortgefechte geliefert hatte. Das erste,
was er mir sagte, war: "Sie wußten doch die ganze Wir können auf der ganzen Welt feststellen, daß
Zeit, daß ich nicht ein Wort von dem geglaubt habe, Regierungen, die nicht dem Volk verantwortlich sind
und nicht von einer freien Presse kontrolliert werden,
was ich sagte. War es nicht so?"
eine kontraproduktive Wirtschaftspolitik einführten,
Wir sollten also die künstlichen Argumente beiseite Auslandsgelder verschwendeten, die Taschen ihrer
lassen, die in diesem Zeitalter nach dem Kalten Krieg führenden Politiker mit dem Geld des Volkes füllten
über Nord gegen Süd sowie über christliche Kultur oder unnötigerweise die Ausgaben für militärische
gegen nichtchristliche Kulturen vorgebracht wurden, Zwecke erhöhten.
und uns auf die simple Tatsache einigen, daß wir alle
Mitglieder des menschlichen Geschlechts sind, es Aus dem zuvor Gesagten können wir die Schlu ßfolgeZiele im Bereich der Menschenrechte gibt, die wir alle rung ziehen, daß Wirtschaftshilfe tatsächlich vielerorts
verwirklichen möchten und daß wir uns in unseren zur Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung
Bemühungen vereinen sollten, diese Ziele zu errei- benötigt wird. Eine Möglichkeit, die richtige Verwendung der Hilfe sicherzustellen, wäre eine verbesserte
chen.
Kontrolle der Regierung. Es gibt nur wenige Länder,
Diejenigen, die behaupten, die Prinzipien der Allge- denen unter der Führung eines wohlwollenden Alleinmeinen Erklärung der Menschenrechtebesäßennurin herrschers eine wirtschaftliche Entwicklung gelang.
Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Die meisten Alleinherrscher neigen jedoch zu Unberechenbarkeit und Gier und hemmen die Entwicklung.
Die Rechenschaftspflicht einer Regierung ist die beste
Garantie für eine stetige wirtschaftliche Entwicklung.

Außenseiter, insbesondere unter der Schirmherrschaft
der Vereinten Nationen handelnde, vielleicht bessere
Vermittler sind als aus einem von Rivalitäten zwischen
verschiedenen Gruppen geplagten Land stammende
Personen. Darüber hinaus könnten Regierungen
Ich habe bereits zu Beginn meiner Ausführungen eventuell ermutigt werden, Erziehungsprogramme in
darauf hingewiesen, daß es nahezu überall Probleme den Schulen durchzuführen, die der Überwindung von
im Bereich der Menschenrechte gibt, und daß es Haß und Feindseligkeit aufgrund von rassischen, etheinigen Regierungen gelingt, sie zu lösen, daß andere nischen oder religiösen Meinungsverschiedenheiten
sie lösen wollen, ohne dazu in der Lage zu sein, und zwischen einzelnen Gruppen dienen. Auch hier könnwieder andere Regierungen ein integraler Bestandteil te das Menschenrechtszentrum unter Führung der
des Problems sind.
Kommission eine höchst wichtige Rolle spielen.
Diese Kommission und das System der Vereinten
Nationen sollten derzweiten Kategorie mehr Aufmerksamkeit widmen. Diese Regierungen sollten nicht
bestraft werden. Sie brauchen Hilfe. Das UN-System,
das für Programme und Projekte zweifelhaften Wertes
beträchtliche Gelder zur Verfügung stellt, sollte seine
Prioritäten neu setzen und sich darauf konzentrieren,
wie es den Ländern, die solche Hilfe wünschen, bei
ihren Bemühungen um Verbesserung ihrer Menschenrechtsbilanz behilflich sein kann.

Wie ich jedoch schon zuvor festgestellt habe, bedeutet
die Tatsache, daß viele Regierungen, die Unterdrükkung aisoffizielle Politik praktizieren, abgelöst wurden,
nicht, daß dieses Phänomen vom Erdboden verschwunden ist. Folglich muß diese Kommission jenen Regierungen die Botschaft übermitteln, daß die internationale Staatengemeinschaft angesichts dieser Praktiken
große Besorgnis empfindet, aber auch eine Botschaft
der Hoffnung an die Bürgerdieser Länder schicken, die
Opfer der Unterdrückung sind.

Es hat sich immer wieder gezeigt, daß Menschenrechtsprobleme durch politischen Willen und den Einsatz von Mitteln gelöst werden können. In meinem
Heimatland wurde die Praxis, von Inhaftierten ein
Geständnis zu erpressen, allmählich eingestellt, als
sich die Gerichte schlicht und einfach weigerten, derartige Geständnisse anzuerkennen. In Mexiko hat
Präsident Salinas in den letzten Jahren den politischen
Willen gezeigt, die auf den Polizeiwachen im ganzen
Land üblichen Praktiken zu ändern. Die mexikanische
Menschenrechtskommission hat kürzlich unter der
hervorragenden und mutigen Leitung von Richter Jorge
Carpizo, der jüngst zum Justizminister befördert wurde, bei der Durchsetzung des Mandats des Präsidenten enorme Fortschritte gemacht.

Die uns vorliegenden Berichte aus der Feder der
Berichterstatter zu Burma, dem Iran und dem Irak
beschreiben Systeme, die sich voneinander in Einzelheiten unterscheiden, aber alle zu demselben Ergebnis führen - zur Schaffung einer alles durchdringenden
angsterfüllten Atmosphäre in diesen Staaten.

Auch müssen wir anerkennen, daß internationale
Kontroversen jetzt großenteils von intra-nationalen
Disputen ersetzt worden sind. Ebenso wie die Vereinten Nationen sich mit den internationalen Kontroversen befaßt haben, so können und sollten sie sich mit
dem befassen, was zur Zeit der verbreitetste Grund für
Menschenrechtsverletzungen geworden ist: Kontroversen zwischen verschiedenen Gruppen, die zu
Gewalttaten führen. Es gibt viele Situationen, in denen

Abgesehen von den Oppositionsführern wurden auch
ethnische Minderheiten, insbesondere in den Grenzregionen, vom burmesischen Militär verfolgt. Über
270.000 muslimische Flüchtlinge aus dem burmesischen Staat Arakan sind vor Verfolgung, Zwangsarbeit
und Vergewaltigung durch das burmesische Militär
nach Bangladesch geflohen. 1992 retteten sich rund
70.000 Karen und andere Flüchtlinge über die thailändische Grenze. Über 1.000 Nagas suchten in Indien
Zuflucht.

Kein Bürger - mag er noch so genügsam und politisch
desinteressiert sein - kann sich ihr entziehen. Der
große Bruder paßt immer auf, und selbst geringfügige
Abweichungen von festgelegten Verhaltensnormen
können schwer bestraft werden. Einschüchterung,
Verweigerung von Ausbildungs- oder wirtschaftlichen
Chancen, Folterung, langjährige Inhaftierung und sogar
Massen- oder willkürliche Hinrichtungen, Exekutionen
oder Inhaftierung aufgrund erfundener BeschuldigunErfahrungen dieser Art können und sollten mit Ländern gen zählen zu den Maßnahmen, auf die diese Länder
geteilt werden, deren Regierungen keine Anwendung zurückgreifen, um ihr Volk unter Kontrolle zu halten.
der Folter wünschen, es jedoch schwierig finden, sie Wir müssen wiederum die Aufmerksamkeit auf diese
zu verhindern. Wir müssen die Rolle, die das Men- Tatsache lenken und erneut darauf drängen, daß
schenrechtszentrum unter einem angemessenen diese Formen der Unterdrückung beendet werden.
Mandat der Kommission spielen könnte, untersuchen,
um die Länder in die Lage zu versetzen, ihre bei der In Burma befindet sich die Nobelpreisträgerin von
Lösung von Menschenrechtsproblemen gemachten 1991, Aung San Suu Kyi, weiterhin unter Hausarrest.
Erfahrungen mit anderen zu teilen. Mit Blick auf die 1.200 politische Gefangene wurden 1992 inhaftiert.
Zukunft kann dies tatsächlich eines der wichtigsten Schätzungsweise 1.000 politische Gefangene waren
Ziele dieser Kommission sein.
Anfang 1993 noch in Haft.

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�Wie das Dokument des Sonderberichterstatters zu
Kuba belegt, wird das Eintreten für friedlichen politischen Wandel in diesem Land mit Inhaftierung bestraft. Yndamiro Restano, der Leiter der Harmoniebewegung, wurde vergangenes Jahr zu 10jähriger Gefangenschaft verurteilt. Marco Antonio Abad, Jorge
Crespo Diaz und Maria Elena Cruz Varela bezahlen
den Preis für freien künstlerischen Ausdruck mit Jahren im Gefängnis. Sie mußten erleben, wie ihre Arbeit
als "feindliche Propaganda" bezeichnet wurde und
ihnen der Staat Kuba ihre Freiheit nahm.
Der Preis für die Bildung einer Menschenrechtsgruppe
in Kuba ist ein von der Regierung organisierter Mob,
der das Haus umzingelt, die Tür einschlägt und bis zur
Bewußtlosigkeit auf die Bewohner einschlägt. Gustave- Arcos, Aida Valdez, Elizardo Sanchez und andere
respektierte Menschenrechtsverfechter erfuhren dies
vor nur wenigen Wochen am von den Vereinten Nationen ausgerufenen Tag der Menschenrechte am eigenen Leib. Das Dokument des Sonderberichterstatters
nennt Dutzende weiterer, für rein politische Vergehen
inhaftierter Kubaner sowie andere, die ausschließlich
aufgrund ihrer Überzeugung bedroht, belästigt oder
entlassen wurden. Die Existenz des allmächtigen
kubanischen Sicherheitsapparats unterstreicht die Angst
der kubanischen Regierung vor freien und fairen Wahlen,
dem Versammlungsrecht oder sogar dem Besuch
eines Gesandten der UNO.

sende Unschuldiger, einschließlich Kindern, umgebracht wurden. Viele andere wurden verhaftet, ausder
Gegend vertrieben und ermordet.
Kampfhubschrauber beteiligten sich an Angriffen auf
Zivilisten, bis sie durch die Verhängung der Flugverbotszone gemäß Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats daran gehindert wurden. Hunderte politischer
Gefangener wurden im Frühjahr letzten Jahres im AlRadwaniya-Gefängnisinder Nähe von Bagdadgetötet
und zahlreiche andere in irakischen Gefängnissen
gefoltert. Junge Frauen werden manchmal als Form
der Degradierung, oder um sie durch Erpressung zur
Informantentätigkeit zu zwingen, vergewaltigt.

Wir müssen unser Augenmerk auch auf die Situation
im Sudan lenken. Im Sudan finden weiterhin Massenexekutionen, willkürliche Verhaftungen und Folterungen statt, von denen viele in Isolationshaft durchgeführt werden. Im Juli letzten Jahres töteten Regierungstruppen in Kuba Berichten zufolge mehrere Hundert
unbewaffneter Zivilisten und verhafteten weitere Hunderte nach einem Rebellenangriff auf die Stadt. Über
100 der Inhaftierten werden immer noch vermißt. In
der Provinz Nuba wurden 1992 Hunderttausende Zivilisten aus ihren Häusern in verlassene Gebiete im
nördlichen Kordofan vertrieben. Viele starben oder
verschwanden während der Umsiedlung. Hunderttausende wurden von Khartum in unzulängliche Lager
außerhalb der Stadt zwangsumgesiedelt. Berichten
Im Iran exekutiert die Regierung weiterhin politische zufolge dauern die massiven Umsiedlungen ebenso
Gegner und ermordet ihre im Ausland lebenden Geg- wie die mutwilligen Bombenangriffe auf die Zivilbevölner - wie in jüngster Zeit beispielsweise die Ermordung kerung auch 1993 an. Internationalen Hilfsorganisavon vier kurdischen Dissidenten im September 1992 in tionen wird weiterhin der Zugang zu einem Großteil der
Berlin belegt. Ein prominenter Anhänger des Bahais- Bevölkerung verweigert, die verzweifelt der Hilfe bemus, Bahman Samandari, wurde im März 1992 bei darf.
einer Massenexekution hingerichtet.
Obwohl wir die jüngsten Ankündigungen der baldigen
Die Inhaftierten werden systematisch gefoltert und Freilassung mehrerer bekannter politischer Dissidenwillkürliche Brutalität gegenüber Gefangenen ist an ten begrüßen, schmachten noch immer Hunderte der Tagesordnung, wie erzwungenes Ausharren in wenn nicht mehr - in chinesischen Gefängnissen. Wir
verrenkten Stellungen, Verbrennungen mit Zigaretten stellen fest, daß entgegen jüngsten öffentlichen Zugesowie schwere und wiederholte Schläge mit Kabeln ständnissen Chinas nicht alle der an der Demonstraoder anderen Instrumenten auf den Rücken oder die tion auf dem Tiananmen-Platz 1989 beteiligten StuFußsohlen.
dentenführer freigelassen wurden. Studentenführer
Liu Gang ist beispielsweise noch immer in einem
Bahais sehen sich weiterhin willkürlicher Verhaftung Gefangenenlager im Nadosten Chinas inhaftiert. Einem
und Inhaftierung ausgesetzt. Im August 1992 befan- Bericht zufolge wurde während eines Hungerstreiks im
den sich rund 20 Bahais im Gefängnis, während die Jahr 1992 aus Protest gegen die Bedingungen im
Regierung ihre Praxis fortsetzte, jederzeit eine kleine, Gefängnis sein Arm von Gefängniswärtern gebroaber konstante Zahl von Bahais festzunehmen.
chen, die versuchten, ihn zwangszuernähren.
Im Irak stellt die Bilanz endloser Menschenrechtsverletzungen für zivilisierte Menschen einen Affront dar.
Der Irak hat ein uneingeschränktes Embargo, das
auch Nahrungsmittel und Medikamente einschließt,
gegen seine drei nördlichen Provinzen verhängt.
Besonders gravierende Menschenrechtsverletzungen
sind militärische Operationen gegen schiitische zivile
Nichtkombattanten im südlichen Irak, bei denen im
vergangenen Jahr Hunderte, wenn nicht sogar Tau-

Seite 4

Heute werden in China weiterhin politische und religiöse Dissidenten verhaftet, angeklagt und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Bedingungen in den chinesischen Strafvollzugsanstalten sind hart und häufig
erniedrigend. Es gibt zahlreiche Berichte von Gefangenen, denen angemessene medizinische Versorgung trotz ernsthafter Gesundheitsprobleme verweigert wird. Grundlegende Menschenrechtsnormen
werden somit weiterhin mißachtet.
AMERIKA DIENST 10

�Indem wir unsere Botschaft diesen tyrannischen
Regierungen übermitteln, senden wir auch all den
unterdrückten Bewohnern dieser Länder eine Botschaft. Unsere Botschaft vermittelt ihnen unsere
Besorgnis. Sie sollte auch eine Botschaft der Hoffnung
sein im Sinne eines Liedes aus einem Nazi-Konzentra* *

AMERIKA DIENST 10

tionslager von vor sechzig Jahren. Eine Strophe des
Liedes "Die Moorsoldaten" lautet folgendermaßen:
"Doch für uns gibt es kein Klagen, ewig kann's nicht
Winter sein, eines Tages werden froh wir sagen:
'Heimat, du bist endlich mein.'"

*

*

Seite 5

�USA - E U R O P A
10. März 1993

UNGEWISSHEITEN IN DEN AMERIKANISCHEUROPÄISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von Botschafter Dobbins in Bonn
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede mit dem Titel "Ungewißheiten in den amerikanischeuropäischen Beziehungen", die von Botschafter James F. Dobbins am 4. März 1993 vor dem CDUWirtschaftsrat gehalten wurde. Dobbins ist amerikanischer Botschafter bei der EG in Brüssel.

Dies ist eine Zeit erheblicher Ungewißheit in den
transatlantischen Beziehungen, Ungewißheit in dreierlei Hinsicht:

en im Nahen Osten eingeladen, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Er ist mit dem russischen Außenminister zusammengetroffen und hat den
4. April als Datum für einen frühzeitigen russischErstens Ungewißheit in bezug auf die Politik der neuen amerikanischen Gipfel vereinbart. Am 26. Februar
amerikanischen Administration,
hatte Außenminister Christopher sein erstes Treffen
mit dem NATO-Rat.
zweitens Ungewißheit über das Schicksal der neuen
europäischen Union und
Wirtschaftswachstum ist Präsident Clintons wichtigdrittens Ungewißheit über die neue Weltunordnung, in stes Anliegen. Er hat ein aus drei Teilen bestehendes
der sich die Vereinigten Staaten und Europa gemein- Programm zur wirtschaftlichen Erholung präsentiert.
Dieses Clinton-Programm ist nahezu ein Gegenstück
sam befinden.
zur europäischen Strategie für die konjunkturelle Erholung, zu der die EG-Kommission die Mitgliedstaaten
Die Politik der neuen Administration
der Gemeinschaft gedrängt hat.
Ungewißheit über die Absichten der amerikanischen
Administration bilden die neueste, die intensivste und Teil eins des Clinton-Vorschlags ist ein 30-Milliardenaller Voraussicht nach vorübergehendste dieser drei Dollar-Konjunkturprogramm, das 500.000 neue ArQuellen transatlantischer Beunruhigung. Präsident beitsplätze schaffen soll. Im vergangenen Dezember
Clinton hat bereits begonnen, die wichtigsten Linien beschloß der Europäische Rat in Edinburgh das kurzseiner Au ßen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik zu formu- fristige Konjunkturprogramm der Gemeinschaft, das in
lieren . Diese Politik bringt Europa und Amerika in einer etwa denselben Umfang hat.
Reihe von Bereichen näher zusammen.
Teil zwei ist ein Investitionsprogramm in Höhe von 160
Trotz ihres Wunsches, sich anfänglich auf die Innen- Milliarden Dollar, das die Modernisierung der amerikapolitik zu konzentrieren, hat die Clinton-Administration nischen Infrastruktur, einschließlich der Infrastruktur
bereits politische Initiativen zu Bosnien, dem Nahen im Informationswesen, zum Ziel hat, um die amerikaOsten und Rußland bekanntgegeben. Ihre erste wich- nische Industrie wettbewerbsfähiger zu machen und
tige Ankündigung galt de facto nicht ihrem Wirtschafts- die amerikanische Erwerbsbevölkerung für hochqualiprogramm für das Inland, sondern einem neuen ame- fizierte, hochwertige Arbeitsplätze im Spitzentechnorikanischen Ansatz für das Jugoslawienproblem, mit logiebereich zu befähigen. Europäische Programme
dem das amerikanische Gewicht bei den diplomati- zur Förderung von Spitzentechnologie und deutsche
schen, humanitären und friedenssichernden Bemü- Systeme der beruflichen Bildung und Lehrlingsausbilhungen zur Beendigung des Konflikts zur Geltung dung wurden ausdrücklich unter den Vorbildern dieser
gebracht wird. Außenminister Christopher hat bereits neuen amerikanischen Programme genannt.
eine Woche im Nahen Osten verbracht und die ParteiAMERIKA DIENST 10

Seite 1

�Teil drei ist ein Paket zum Defizitabbau von 500
Milliarden Dollar. Diese Maßnahme wird das amerikanische Haushaltsdefizit von gegenwärtig 5,5 Prozent
des BSP bis 1997 auf 2,75 Prozent senken.
Europa hat sein eigenes, im Vertrag von Maastricht
enthaltenes makroökonomisches Konvergenzprogramm. Das Ziel des Defizitabbaus in Europa ist dem
Clinton-Vorschlag sehr ähnlich.

dem Weltmarkt Probleme hatten, so argumentierte die
Bush-Administration, diese Hindernisse seien vorwiegend das Ergebnis von Handelsschranken und strukturellen Behinderungen amerikanischer Exporte in
anderen Ländern. Da die grundlegenden Probleme im
Ausland und nicht im Inland bestünden, müsse die
Handelspolitik, nicht die Innenpolitik die Hauptlast der
Wiederherstellung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit tragen.

Die von Präsident Clinton vorgeschlagenen Maßnahmen auf der steuerlichen und Einnahmeseite werden
es den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1997 sogar
gestatten, alle im Vertrag von Maastricht enthaltenen
ökonomischen Kriterien für die Aufnahme in die Europäische Währungsunion (EWU) zu erfüllen.

Präsident Clinton ist nicht der Ansicht, die amerikanische Wirtschaft sei in guter Verfassung. Er glaubt
deshalb nicht, daß die Handelspolitik allein die amerikanische Konkurrenzfähigkeit wiederherstellen kann.
Er ist der Überzeugung - und die Wahl deutet darauf
hin, daß das amerikanische Volk dieser Meinung
ist -, daß Reformen im Inland der erste Schritt zur WieNatürlich sind die Vereinigten Staaten kein Bewerber
derherstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit im Ausfür die Aufnahme in die EWU. Aber die neue amerikaland sind.
nische Administration ist darauf bedacht, innerhalb
des G-7-Rahmens engere Konsultationen und eine "Unsere Wettbewerbsfähigkeit wird durch vieles beeffektivere Koordinierung der makroökonomischen und einträchtigt", erklärte Präsident Clinton vergangenen
Währungspolitik zwischen Europa und den Vereinig- Freitag an der American University, "das nicht nur
ten Staaten herbeizuführen.
durch Vergeltung im Handelsbereich behoben werden
kann. Besser geschulte und ausgebildete ArbeitskräfAuch die amerikanische Sozialpolitik nähert sich der
te, ein niedrigeres Defizit, stabile, niedrige Zinssätze,
europäischen in Bereichen wie Gesundheitswesen,
ein reformiertes Gesundheitswesen, Technologien von
Energie- und Umweltpolitik an. Präsident Clinton ist
Weltruf, wiederbelebte Städte: Dies muß das Gerüst
entschlossen, eine nationale Krankenversicherung
unserer Wettbewerbsfähigkeit sein. Unternehmen,
einzuführen. Auch hier werden europäische Modelle
Arbeitskräfte und auch die Regierung müssen unerangeführt.
müdlich ein immer höheres Produktionsniveau anstreben."
Im vergangenen Juni verständigte sich die EG-Kommission auf eine umfassende Energiesteuer, falls Japan
und Amerika eine vergleichbare Maßnahme einfüh- Dieser innenpolitische Schwerpunkt bedeutet keine
ren. Präsident Clinton hat nun eine amerikanische Abwendung vom internationalen Handel. Ganz im
Energiesteuer vorgeschlagen, die nicht an Bedingun- Gegenteil. Die ganze Stoßrichtung von Clintons Programm zielt auf die Behandlung struktureller Probleme
gen geknüpft ist. Jetzt ist Europa wieder am Zug.
in der amerikanischen Wirtschaft ab, um Amerika
Die neue amerikanische Administration befürwortet besser dazu zu befähigen, seine Produkte und Diensteine aktivere Rolle des Staates beim Schutz der Umwelt. leistungen auf dem Weltmarkt abzusetzen. "WettbeAuch hier nähern sich die amerikanische und europäi- werb, nicht Rückzug" ist das Motto Präsident Clintons.
sche Politik einander an.
Der Erfolg von Präsident Clintons Programm hängt
von einer Zunahme des Welthandels, nicht einer
Handelspolitik: Wettbewerb, nicht Rückzug
Abnahme ab. Für die Clinton-Administration ist interJa, aber wie steht es um die Handelspolitik, werden Sie nationale Wettbewerbsfähigkeit die höchste Meßlatte
fragen, nachdem Sie die Berichte von Konflikten über der Innenpolitik, die Arena, in der Reformen die höchStahl, staatliche Beschaffungen und den Airbus gele- sten Dividenden bringen werden.
sen haben. Auch hier bringt die neue amerikanische
Betonung von Wettbewerbsfähigkeit, Gegenseitigkeit, Während die Clinton-Administration bestrebt ist, Amerika
Industriepolitik und aktiverem staatlichem Engage- wettbewerbsfähiger zu machen, muß sie sich ebenment die amerikanische Wirtschaftsphilosophie stär- falls bemühen, Amerika diesen Wettbewerb zu erlauben. Lassen Sie mich deshalb nacheinander auf die
ker mit europäischen Positionen in Einklang.
drei bereits erwähnten Sektoren eingehen, drei SektoIm Gegensatz zu ihrer Vorgängerin betrachtet die ren, in denen fairer Wettbewerb gegenwärtig verwehrt
neue amerikanische Administration die Handelspolitik wird - Stahl, staatliche Beschaffungen und Zivilflugnicht als Alternative für innenpolitische Reformen, zeuge.
sondern als deren logische Erweiterung.
Stahl
Im großen und ganzen ging die Bush-Administration
davon aus, daß die amerikanische Wirtschaft in guter Von 1982 bis 1992 gelangte europäischer Stahl im
Verfassung sei. Wenn amerikanische Produkte auf Rahmen eines freiwilligen SelbstbeschränkungsabSeite 2

AMERIKA DIENST 10

�kommens in die Vereinigten Staaten. Die Absicht
dieses Abkommens bestand darin, einen ordentlichen
Markt aufrechtzuerhalten, während Europa seine Industrie rationalisieren, die Kapazitäten abbauen und
sich über Regeln zur Kontrolle der Subventionen verständigen könnte. Aber die europäischen Stahlhersteller setzten ihre Subventionen nicht ein, um Kapazitäten abzubauen, sondern um sie in einem schrumpfenden Markt aufrechtzuerhalten. Zehn Jahre später
streben die europäischen Stahlerzeuger bei unverminderten Kapazitäten und ohne Rationalisierung ihrer
Branche eine weitere Runde von Subventionen an,
verlangen sie den Ausschluß von Konkurrenten aus
Osteuropa und beschweren sich, wenn die amerikanische Stahlindustrie denselben Schutz vor westeuropäischen Produkten verlangt.

selbst stärker von Rüstungsaufträgen abhängen als
Boeing. Tatsächlich produziert Boeing noch nicht
einmal Militärflugzeuge. Die amerikanischen Unternehmen, die das tun, McDonell Douglas und Lockheed, haben kontinuierlich Marktanteile verloren, nicht
nur an Airbus, sondern auch an Boeing. Infolgedessen
hat sich das Unternehmen mit der geringsten Abhängigkeit von Rüstungsaufträgen als effizientester Hersteller von Zivilflugzeugen erwiesen.

Das Abkommen zwischen der EG und den USA von
1992 hat vereinbarte Niveaus von Entwicklungs- und
Produktionssubventionen für amerikanische und europäische Zivilflugzeuge festgelegt. Die Entwicklungsbeihilfen werden auf 33 Prozent der Kosten begrenzt.
Produktionssubventionen sind verboten. Das Abkommen sieht darüber hinaus die Rückzahlung aller BeihilDer Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Ru- fen zu vorher vereinbarten Bedingungen vor und erforprecht Vondran, beklagte kürzlich, daß verstaatlichte dert, daß die Vereinigten Staaten über diese BedinStahlunternehmen, die mit Steuergeldern arbeiten, gungen informiert werden. Die Vereinigten Staaten
jahrelang mit großen Verlusten produziert und ihre werden die Einhaltung dieses Abkommens sorgfältig
Kapazitäten sogar noch erweitert haben, während beobachten. Wir möchten sicherstellen, daß vorheriunabhängige Unternehmen verpflichtet waren, den ge Subventionen wie vereinbart zurückgezahlt werGürtel enger zu schnallen. Subventionen und unfaire den. Wir werden femer die Begrenzung neuer SubImporte zerstören Vondran zufolge die Marktmecha- ventionen in den Bereichen Marketing und Exportfinismen. Die Zustimmung der amerikanischen Stahler- nanzierung sowie die Straffung und Erweiterung der
Disziplinen bei Subventionen auf multilateraler Grundzeuger ist ihm gewiß.
lage anstreben.
Vergangene Woche rechtfertigte der französische
Handelsminister neue EG-Beschränkungen für Stah- Staatliche Beschaffungen
limporte aus Osteuropa mit dem Argument, "die Europäische Gemeinschaft könnte Arbeitsplätze in Lothrin- Staatliche Beschaffungen sind ein weiterer Bereich, in
gen nicht opfern, um Arbeiter in Böhmen zu retten". Es dem der Handel zur Zeit weder frei noch fair ist. Am 1.
bedarf kaum der Erwähnung, daß die Arbeiter in Januardieses Jahres setzte die Europäische Gemeinschaft eine Richtlinie in Kraft, die amerikanische AnPittsburgh ähnlich denken.
bieter auf umfassender, europaweiter Ebene diskriminiert. Die Gemeinschaft behauptet, das diskriminieAirbus
rende Instrument seiner neuen Gesetzgebung sei ein
Wenn ein Unterschied zwischen freiem Handel und Verhandlungsinstrument zur Öffnung amerikanischer
fairem Handel besteht, dann liegt dieser Unterschied in Märkte. Wir verstehen diese Überlegung, und wir
den Subventionen. Subventionierter Handel ist nicht führen gleichfalls ähnliche Beschränkungen für amerifair, und unfairer Handel kann nicht frei bleiben. Wir kanische Beschaffungen aus Europa ein, ebenfalls als
sehen dies beim Stahl, und wir sehen dies bei zivilen Faustpfand für Verhandlungen.
Flugzeugen.
Es ist schade, daß wir uns nicht auf eine gegenseitige
In den letzten Wochen haben 28.000 Arbeitnehmer bei Öffnung des amerikanischen und europäischen Markts
Boeing ihren Arbeitsplatz verloren. Diese Arbeitneh- für staatliche Beschaffungen verständigen konnten,
mer waren nicht unzureichend ausgebildet, schlecht ohne auf solche Verhandlungstaktiken zurückzugreimotiviert oder unproduktiv. Aber ihr Unternehmen hat fen. Die amerikanischen Märkte sind bereits offener
Aufträge gegen einen Wettbewerber verloren, der als die Europas, aber wir sind bereit, sie noch weiter zu
staatliche Subventionen in Höhe von 26 Milliarden öffnen. Wir verhandeln mit der EG seit über vier
Dollar erhalten hat. Die Europäer rechtfertigen die Jahren über dieses Thema.
Subventionen für den Airbus dagegen mit dem Argument, auch Boeing erhalte über Rüstungsaufträge Dem gegenwärtigen GATT-Kodex für staatliche Bestaatliche Subventionen. Hätte Amerika aufgrund schaffungen zufolge öffnen die Vereinigten Staaten
seines militärischen Beitrages zur Befreiung Europas staatliche Beschaffungen in Höhe von 16,8 Milliarden
und danach zur Verteidigung Europas während der Dollar für EG-Angebote - frei von irgendwelchen "Buyvergangenen 45 Jahre einen Vorsprung im zivilen American"-Beschränkungen. Die EG öffnet ihrerseits
Flugzeugbau erlangt, so wäre dies doch kaum eine lediglich 7,8 Milliarden Dollar für die Vereinigten Staalegitime Quelle für europäische Beschwerden. Tatsa- ten. Im Rahmen der gegenwärtigen GATT-Regeln
che ist jedoch, daß die wichtigsten Airbus-Partner bieten die Vereinigten Staaten der EG demzufolge

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�doppelt so viel Zugang wie die EG uns im Gegenzug
gestattet.

Während die Clinton-Administration Verhandlungslösungen für jeden dieser seit langem bestehenden
Streitfälle anstrebt, hat sie ihre Absicht bekräftigt, das
Europa beschwert sich über unsere "Buy-American"- Nordamerikanische Freihandelsabkommen zu ratifiRegeln. Diese Verfügungen betreffen lediglich ameri- zieren, die GATT-Vereinbarungen abzuschließen und
kanische Beschaffungen von 20 Milliarden Dollar jähr- zu diesem Zweck vom Kongreß das Fast-Track-Manlich. Die "Buy-European"-Vorschrift der neuen EG- dat anzustreben. Vergangenen Freitag forderte PräsiGesetzgebung dagegen betrifft über 50 Milliarden dent Clinton den "unverzüglichen und erfolgreichen
Dollar jährlich.
Abschluß der Uruguay-Runde". Wie im Fall der Landwirtschaft wird eine Einigung zwischen den USA und
Die neue europäische Gesetzgebung schreibt nicht
der EG überdie anderen noch ausstehenden Themen,
nur die Bevorzugung europäischer Produkte vor. Darüber
darunter Marktzugang, Dienstleistungen, Subventiohinaus gestattet sie europäischen Regierungen, jedes
nen, Dumping und neue institutionelle Arrangements
amerikanische Angebot in seiner Gesamtheit grundlos
erforderlich sein, um dieses Ziel zu erlangen.
und unabhängig davon, wie niedrig der Preis oder wie
qualitativ hochwertig die Produkte auch sein mögen, Die Zukunft der Europäischen Union
abzulehnen. Die amerikanischen Gesetze verlangen
andererseits, daß die amerikanische Regierung euro- Die zweite die amerikanisch-europäischen Beziehunpäische Angebote selbst dort akzeptieren muß, wo gen beeinflussende Ungewißheit ist, wie ich bereits
"Buy American" gelten soll, wenn diese europäischen erwähnte, die Unsicherheit bezüglich der europäiOfferten am preiswertesten sind und das Gefälle be- schen Union.
rücksichtigen.
Wird Maastricht ratifiziert werden? Falls es ratifiziert
Unsere Gespräche mit der EG zur Erweiterung der wird, wird es durchgeführt und in welchem zeitlichen
jeweiligen Beschaffungen haben sich auf zwei Berei- Rahmen? Wenn es durchgeführt wird, welche Art von
che konzentriert - Telekommunikation und schwere europäischer Union wird daraus entstehen?
elektrische Güter.
Es gibt drei unterschiedliche Visionen der europäi1992 errangen ausländische Firmen 54 Prozent des schen Union, die um die Seele Europas konkurrieren.
amerikanischen Marktes für Telefonschalter. Der Eine ist die Vision von einem "Europa der Nationen",
europäische Anteil an diesem amerikanischen Markt von einer sich erweiternden Handelszone, für die der
ist in den letzten fünf Jahren Jahr für Jahr kontinu ierlich Vertrag von Maastricht auf ewige Zeiten das Höchstgewachsen. Andererseits hat Deutschland noch nie maß an Integration verkörpern wird. Ein zweites
einen amerikanischen Schalter gekauft. Dasselbe gilt Modell sieht einen föderalen Kern von westeuropäifür Frankreich, Belgien, Griechenland und Dänemark. schen Staaten mit unabhängiger Verteidigungs- und
Außenpolitik vor. Ein drittes Modell strebt ein Europa
Bei schwerem elektrischem Gerät ist die Lage ähnlich. an, das gleichzeitig vertieft, erweitert und geöffnet wird
EG-Firmen liefern 20 Prozent der Gasturbinen und 30 - die Ausweitung der Mitgliedschaft auf Osteuropa, die
Prozent der Dampfturbinen in Amerika. Kein amerika- Entwicklung zu stärkeren zentralen Strukturen, die
nisches Unternehmen hat jemals eine Dampfturbine in weitere Liberalisierung seiner Außenhandelsbeziehundie Europäische Gemeinschaft verkauft. Der letzte gen sowie die weitere enge Verbindung mit den Vereiamerikanische Verkauf eines Großtransformators nach nigten Staaten in einer Sicherheitspartnerschaft.
Europa fand im Jahr 1983 statt.
Das dritte Modell ist das ehrgeizigste, da es von der EG
Der baldige Abschluß der Uruguay-Runde
verlangt, gleichzeitig ihre Integration zu vertiefen, ihre
Mitgliedschaft zu erweitern und ihre Grenzen weiter zu
Die neue amerikanische Betonung des umfassenden
öffnen. Dieses Modell verlangt auch am meisten von
Aspekts könnte unseren Dialog über den Handel verden Vereinigten Staaten, indem es erfordert, daß wir
schärfen, aber die Argumentation der Administration
uns weiter in Europa engagieren und Verpflichtungen
zugunsten wirtschaftlicher Reformen ist nach außen
eingehen, während wir ständig unsere Interaktionsforgerichtet, nicht nach innen. Sie stützt sich stark auf
men anpassen, um eine sich entwickelnde Reihe von
vergleichende Studien und stellt die amerikanischen
europäischen Institutionen einzubeziehen. Ich perLeistungen denen unserer Konkurrenten gegenüber.
sönlich gehe jedoch davon aus, daß dieses größere,
Ob diese Vergleiche - wie beim deutschen System der
vertiefte, offenere Europa das Modell ist, das am
Lehrlingsausbildung - positiv sind oder negativ, wie im
ehesten mit den langfristigen Interessen der VereinigFalle der Subventionierung des Airbus, die Absicht ist
ten Staaten an europäischer Sicherheit und weltweidieselbe. Dieses Lob und diese Kritik werden zur
tem Wirtschaftswachstum in Einklang steht. Darüber
Unterstützung eines Wirtschaftsprogramms eingesetzt,
hinaus bin ich der Ansicht, daß diese Vorstellung von
das darauf abzielt, Amerika zur Beteiligung an einem
Europa am weitestgehenden dem Wunsch der meioffeneren, interdependenteren, stärker von Wettbesten Europäer in Ost und West entspricht.
werb geprägten internationalen Umfeld zu befähigen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 10

�Dieses letztere Urteil - daß die europäischen Völker ein Sicherheitsherausforderungen abgelöst wurde.
größeres, integrierteres Europa möchten - wird sicherEs ist eine Art Binsenweisheit geworden, daß in dieser
lich auf Einwände stoßen.
neuen Ära nach dem Kalten Krieg die Geoökonomie
Im vergangenen Jahr hat die Öffentlichkeit in verschie- die Geopolitik als dominanten Faktor in den internatiodenen europäischen Ländern erheblich weniger Be- nalen Beziehungen ersetzen wird. Weil die Vereiniggeisterung für die europäische Union an den Tag ten Staaten und Europa wirtschaftliche Konkurrenten
gelegt als die Verfasser des Maastrichter Vertrages sind, erwarten viele, daß Konflikte Kooperation als
erwartet hatten. Über die Ursachen dieses Schwunds Norm in den transatlantischen Beziehungen ablösen
an öffentlicher Unterstützung ist viel spekuliert wor- werden.
den. Ist es das Demokratiedefizit der Gemeinschaft
und mangelnde Transparenz bei der Entscheidungs- Es ist jedoch wahrscheinlich falsch zu erwarten, daß
findung? Ist es die Komplexität des Maastrichter Sicherheit als Schwerpunkt westlicher Anliegen in den
Vertrags und fehlende Ausgewogenheit zwischen seinen Hintergrund tritt. Sicherlich, die sowjetische Bedrowirtschaftlichen und politischen Elementen? Ist Sub- hung ist verschwunden. Aber die nukleare Weiterversidiarität die Antwort? Muß der Vertrag geändert breitung, zunehmender Nationalismus, Rassismus und
werden? Ist eine konstitutionelle Reform der Gemein- Fundamentalismus, die zum anhaltenden Verfall des
Ostens führen, sowie fortdauernde Instabilität südlich
schaft erforderlich?
von Europa werden gewährleisten, daß Sicherheit ein
Wenn diese Diagnosen zutreffen, wenn diese Abhilfen entscheidendes Anliegen des Westens und Sicherunerläßlich sind, dann könnte die Krankheit Europas heitszusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staatödlich sein, denn grundsätzliche Reformen der Ge- ten und Europa ein zentrales Gebot bleiben.
meinschaft können aller Wahrscheinlichkeit nach nur
nach der Wiederherstellung der öffentlichen Unterstüt- Neu ist, daß diese westliche Zusammenarbeit schwieriger zu verwirklichen und in ihrem Ergebnis weniger
zung für die Integration erfolgen, nicht vorher.
erfolgreich sein mag als wir in den vergangenen 40
Glücklicherweise gibt es eine einfachere Erklärung für Jahren erfahren haben. Seit das Bündnis in den
den Rückgang der öffentlichen Unterstützung für Europa fünfziger Jahren seine Politik des Containment und
im vergangenen Jahr. Die richtige Frage lautet hier seine Strategie der Abschreckung entwickelte, besaß
nicht, warum einzelne Europäer zu Euroskeptikern der Westen eine erprobte, erwiesene und gut verstanwurden, sondern warum es heute mehr Euroskeptiker dene Reaktion auf die sowjetische Herausforderung.
gibt als vor 18 Monaten. Sicherlich konnte man die Die Vereinigten Staaten und Europa mögen vielleicht
Antwort auf diese Frage von der Wand in Bill Clintons über Details debattiert haben - über die Stationierung
Wahlkampfzentrale ablesen, an der ein Schild mit von Raketen oder die taktische Doktrin -, aber im
folgender Aufschrift hing: "Es ist die Wirtschaft, Grundsatz waren wir einig. Wir hatten Antworten, und
Dummkopf."
wir wußten, daß sie funktionierten.
Im vergangenen Jahr haben europäische und amerikanische Wähler als Reaktion auf die hartnäckig hohe
Arbeitslosigkeit und niedriges Wachstum der Politik,
den Politikern und dem eingefahrenen Trott eine Absage
erteilt. In den Vereinigten Staaten lehnten sie George
Bush ab. In Europa war ihr Ziel der Vertrag von
Maastricht.

Dies ist nicht länger der Fall.
Jugoslawien ist dafür beispielhaft. Die Vereinigten
Staaten und Europa haben keine unterschiedlichen
Interessen in Jugoslawien. Auch unsere Beurteilung
der dortigen Ereignisse unterscheidet sich nicht. Was
wir gemeinsam haben, ist die Frustration über den
schwer faßbaren Charakter des Problems und die
Unwirksamkeit der von uns bisher ergriffenen Maßnahmen.

Wenn diese Analyse zutreffend ist, dann ist der Rückgang der europäischen öffentlichen Zustimmung zur
Integration zyklisch, und es steht zu erwarten, daß der
Europessimismus wiederum dem Euroenthusiasmus Es könnte noch lange dauern, bis wir wirklich effektive
weichen wird, wenn sich die europäische Wirtschaft Antworten auf die neuen, ebenso akuten aber diffuseren Sicherheitsherausforderungen finden, denen wir
von der derzeitigen Rezession erholt.
heute ausgesetzt sind. Während wir nach Antworten
Die neue Weltunordnung
suchen, könnten unsere Bemühungen zur Zusammenarbeit ebenso häufig Hitze wie Licht erzeugen.
Die dritte Quelle der Ungewißheit, die über den ame- Unsere Sicherheitspartnerschaft wird zwar wichtig
rikanisch-europäischen Beziehungen hängt, ist die bleiben, aber sie könnte aus diesem Grund weniger
Unsicherheit über die neue Weltunordnung, eine Welt Solidarität und weniger Isolierung für die Beziehungen
ohne die Sowjetunion, ohne den Eisernen Vorhang als Ganzes hervorbringen.
und praktisch ohne Kommunismus. Es ist eine Welt,
in der das einigende Element einer einzelnen, gut Vierzig Jahre lang hatte die Wirtschaft auf beiden
verstandenen äußeren Bedrohung durch eine verwir- Seiten des Atlantiks infolge der atlantischen Sicherrende Ansammlung neuer, schlecht verstandener heitspartnerschaft eine Art Freifahrtschein. Europa
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Seite 5

�war in der Lage, sich auf seine ökonomische Integration zu konzentrieren, darauf vertrauend, daß die
NATO nicht nur seine äußeren Grenzen garantierte,
sondern auch verhinderte, daß sicherheitsrelevante
Anliegen eine Quelle von Reibungen zwischen den
westeuropäischen Nationen selbst wurde. Die amerikanische Wirtschaft konnte ebenfalls ihre unternehmerischen und branchenspezifischen Wirtschaftsziele
in der sicheren Gewißheit verfolgen, daß die umfassenderen transatlantischen Beziehungen für sich selbst
sorgen und die politischen Entscheidungsträger infolge des sicherheitspolitischen Imperativs gewährleisten würden, daß kein Hähnchen- oder Spaghettikrieg
außer Kontrolle geriete.

danach, beschleunigt sich die weltweite wirtschaftliche
Interdependenz noch weiter. Es ist unerläßlich, daß
die Fähigkeit für weltweites wirtschaftliches Management damit Schritt hält.
Die Interdependenz hat unter den Ländern Westeuropas ihr höchstes Niveau erreicht. Der Vertrag von
Maastricht und die geplante europäische Währungsunion stellen eine regionale Antwort auf die Notwendigkeit neuer Arrangements dar, um noch enger verflochtene Volkswirtschaften zu leiten. Europa muß an
diesem Weg festhalten, um seinen Binnenmarkt aufrechtzuerhalten und zu einer gestärkten weltweiten
Fähigkeit für den Umgang mit einer offeneren Weltwirtschaft beizutragen.

Fürdie Zukunft können wirdessen weniger sicher sein.
In der Welt nach dem Kalten Krieg wird die Geoökonomie sicherlich einen ebenbürtigen Platz neben der
Geopolitik einnehmen, wenn nicht gar sie ersetzen.
Wirtschaftliche Dispute in den atlantischen Beziehungen werden primär aus wirtschaftlichen Gründen
bewertet und beigelegt werden. Neue Argumente für
transatlantische Solidarität werden deshalb besonders stark auf wirtschaftlichen Gründen beruhen müssen.
Wirtschaftliche Interessengruppen müssen eine Hauptstütze der Atlantischen Gemeinschaft werden und
einen Großteil der Last übernehmen, die lange vom
"militärisch-industriellen Komplex" getragen wurde.

In den kommenden Monaten werden die Vereinigten
Staaten von den anderen führenden Mitgliedern der
G-7 entschlossene, politisch schwierige Schritte zur
Wiederbelebung der Weltwirtschaft erwarten. Nachdem er sein eigenes umfassendes Programm für
Wachstum, Strukturreformen und Defizitabbau vorgelegt und damit die Vereinigten Staaten auf den schwierigen Weg gebracht hat, den Europa und Japan seit
langem fordern, rief Präsident Clinton vergangene
Woche unsere wichtigsten Partner dazu auf, ihren Teil
beizutragen, "um die Zinssätze zu senken, Investitionen anzukurbeln, strukturelle Handelshemmnisse
abzubauen und ein robustes Wirtschaftswachstum
wiederherzustellen".
Diese Aufforderung ist lediglich
Unter diesen Umständen ist es für die amerikanische
der
Anfang
langfristiger
Bemühungen, unsere gemeinWirtschaft wichtig, eine sichtbare Präsenz in Europa
same
Fähigkeit
zum
Umgang
mit der Interdependenz
geltend zu machen und ein aktives Interesse an der
zu
verbessern.
Entwicklung Europas zum Ausdruck zu bringen. Ebenso
wichtig ist es für die europäische Wirtschaft, sich auf
europäischer Ebene zu organisieren, um am transat- Schlußbemerkung
lantischen politischen Dialog teilzunehmen. VerschieBereits jetzt ist klar, daß Präsident Clinton die Sozialdene Initiativen dieser Art werden zur Zeit von der
und Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten auf
Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks betrieben.
einen Kurs bringt, der sie näher an Europa heranführt.
Ich bin sicher, diese Bemühungen werden von den
Unser Handelsdialog wird energisch, bisweilen scharf,
europäischen Regierungen und der amerikanischen
aber beiderseitig produktiv sein, während die Vereinigbegrüßt werden, die den Bedarf eines aktiveren Engaten Staaten danach streben, zu konkurrieren und sich
gements der Wirtschaft zur Unterstützung der transatnicht vom Weltmarkt zurückzuziehen. Europa wird
lantischen Beziehungen erkannt haben.
von amerikanischem Wachstum und vom amerikanischen Erfolg bei der Öffnung von Märkten profitieren.
Der Umgang mit der Interdependenz
Die Interdependenz der Weltwirtschaft wächst. Diese Ungewißheit über die Zukunft der europäischen Union
Interdependenz macht sie produktiver, aber auch wird die transatlantischen Beziehungen etwas länger
verwundbarer. In den dreißiger Jahren brach die beeinflussen. Aber Europa wird amerikanische UnterWeltwirtschaft zusammen, weil die politischen Arran- stützung genießen, während es versucht, seinen Weg
gements für den Umgang mit ihr nicht mit der Zunahme in die Zukunft zu finden. Amerikanisches Wirtschaftsder internationalen Handels- und Investitionstätigkeit wachstum, das zu einem Wirtschaftsaufschwung in
Schritt gehalten hatten. In den vierziger Jahren wurde Europa führt, wird das beste Elixier gegen den derzeidas System von Bretton Woods konzipiert, um diesen tigen Anfall von Europessimismus und die beste GrundMangel zu korrigieren. In den siebziger Jahren began- lage für weitere Fortschritte zur europäischen Union
nen auch diese Arrangements unter dem Gewicht sein.
einer noch komplexeren, interdependenteren Welt zu
Die Bewältigung der Herausforderung einer immer
zerfallen. Das System von Bretton Woods wurde
interdependenteren Wert wird unsere dauerhafteste
modifiziert und durch die Hinzufügung jährlicher WirtHerausforderung darstellen. Die Geoökonomie wird
schaftsgipfel und regelmäßiger Konsultationen der
G-7-Finanzminister ergänzt. Heute, nahezu 20 Jahre bei der Gestaltung der transatlantischen Beziehungen
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AMERIKA DIENST 10

�ihren Platz an der Seite der G eopolit ik einnehmen. Die
Regierungen werden ihre Fähigkeit verbessern müssen, mit einer enger verflochtenen Weltwirtschaft
umzugehen. Die Wirtschaft auf beiden Seiten des
Atlantiks wird sich stärker engagieren müssen, um

diese wichtigsten aller internationalen Beziehungen zu
verstehen, zu ihnen beizutragen und sie aufrechtzuerhalten: die Beziehungen zwischen Europa und Amerika.

* * * *

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*

Seite 7

�H A N D EL
10. März 1993

NEUE AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK FÜR 1993
Kantor drängt auf neue Handelspolitik
WASHINGTON - (AD) - Die handelspolitischen Zielsetzungen der Clinton-Administration für das Jahr 1993
enthalten die gewohnten Themen: Die Uruguay-Runde der Welthandelsgespräche, Liberalisierung des
regionalen und bilateralen Handels, insbesondere mit der Europäischen Gemeinschaft, Japan und China sowie
die Durchsetzung bestehender Handelsabkommen.
Die Administration engagiert sich jedoch auch dafür, im Bereich der Handelspolitik neue Fragen anzusprechen
wie Arbeitsbestimmungen, Umweltschutz, Wettbewerbs- und Technologiepolitik, so der Handelsbericht von
1993 und der Jahresbericht 1992 des Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Programm der Handelsabkommen, die am 5. März 1993 veröffentlicht wurden.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor unterstrich in der Einleitung zu dem Bericht die Überzeugung
Clintons, "Wettbewerb, nicht Rückzug" sei erforderlich.
Kantor versprach, den Handel durch "auf Öffnung der Märkte abzielende Maßnahmen, unterstützt von einer
strengen Durchsetzung der amerikanischen Gesetze" zu erweitern.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Teil des Berichts, der die handelspolitische Tagesordnung für 1993 enthält.

Die Handelspolitik der Clinton-Administration ist ein
integraler Bestandteil der gesamten Wirtschaftspolitik
des Präsidenten. Das Fundament dieser Strategie
besteht darin, "den Menschen an die erste Stelle zu
setzen". Ihre Schubkraft umfaßt tiefgreifende Wirtschaftsreformen im Inland und eine Führungsrolle in
der Weltwirtschaft.
Der Präsident wies bereits in seiner Amtsantrittsrede
darauf hin: "Wir müssen mehr in unser Volk, seine
Arbeitsplätze und seine Zukunft investieren und gleichzeitig unsere massive Verschuldung abbauen. Und
wir müssen dies in einer Wert tun, in der wir um jede
Chance konkurrieren müssen."
Eine erfolgreiche Handelspolitik trägt zu unserem wirtschaftlichen Wohlergehen bei, indem die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen angeregt, Löhne und Gehälter erhöht und die internationale Konkurrenzfähigkeit verbessert werden. Andererseits werden Maßnahmen zur Erhöhung der Investitionen im
Produktionsbereich, Verbesserung der Ausbildung der
Arbeitnehmer und Erhöhung des Bildungs-und Ausbildung sstandards uns in der Weltwirtschaft konkurrenzfähiger machen.
Diese Verbindung zwischen Handel und unserer nationalen Wirtschaftsstrategie kann gar nicht genug betont
AMERIKA DIENST 10

werden. Sie bestimmt unsere Prioritäten und die
zeitliche Steuerung unserer Handelspolitik als Ganzes. Wie Präsident Clinton vor der American University bereits erklärt hat: "Unsere Handelspolitik wird
Bestandteil eines integrierten Wirtschaftsprogramms
sein...".
Leider werden wir Zeit brauchen, bis die Synergieeffekte zwischen Handel und wirtschaftlicher Erholung
zum Tragen kommen. Dieses Jahr wird besonders
schwierig werden. Wirtschaftliches Wachstum im
Inland wird unsere Nachfrage nach Gütern aus dem
Ausland erhöhen, während die Rezession, unter der
zurZeit unsere wichtigsten Handelspartner leiden, das
Wachstum amerikanischer Exporte verlangsamen wird.
Der beunruhigende 29prozentige Anstieg des amerikanischen Handelsdefizits im Warenhandel während
des Jahres 1992 ist ein Symptom für dieses Problem.
Positiv ist jedoch, daß die amerikanischen Handelsgewinne im Bereich der Dienstleistungen 1992 um 25
Prozent stiegen. Folglich änderte sich die kombinierte
Bilanz für Waren und Dienstleistungen nur leicht; das
Defizit stieg von 21,8 Milliarden 1991 auf 32,7 Milliarden 1992.
Vor diesem Hintergrund setzen wir die folgenden wichtigen Prioritäten:

Seite 1

�a)

Wir sind bereit, bei der Uruguay-Runde der
Welthandelsgespräche energisch auf Fortschritte zu drängen.

b)

Wir werden große Anstrengungen unternehmen, um die Ziele des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens zu erreichen, indem
wir die notwendigen Zusatzabkommen mit Mexiko
und Kanada aushandeln.

c)

Wir werden andere bilaterale und regionale Initiativen untersuchen, um eine Ermutigung zu
verstärkten Handelsmöglichkeiten zu geben.
Diese umfassen Bemühungen um Zusammenarbeit mit den Pazifikrandstaaten sowie anderen Staaten der westlichen Hemisphäre. Die
Asiatisch-Pazifische Wirtschaftliche Zusammenarbeit ist besonders vielversprechend.

d)

Wir führten auch ernsthafte substantielle Gespräche
mit unseren wichtigsten Handelspartnern - einschließlich Kanadas und der EG - über die nächsten im
Rahmen des GATT zu unternehmenden Schritte.
Natürlich kann ein Abkommen bei der Uruguay-Runde
nicht so früh geschlossen werden, daß es unter dem
existierenden amerikanischen Gesetz für die sehr
wichtige "Fast-Track"-Behandlung im Kongreß in Frage kommt. Folglich schlägt die Administration eine
Gesetzgebung vor, die das Fast-Track-Mandat erneuern soll.
B.

Abschluß der NAFTA-Vereinbarungen

Das Abkommen über die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) erstreckt sich auf ganz Amerika, es
erweitert und modifiziert das Freihandelsabkommen
zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada aus
dem Jahr 1988. Durch die Aufnahme Mexikos wird die
Nordamerikanische Freihandelszone mehr als 360
Millionen Menschen und eine Jahresproduktion von
mehr als 6 Billionen Dollar umfassen.

Wir werden die bereits bestehenden Handelsvereinbarungen und amerikanischen Handelsgesetze entschlossen durchsetzen, um mehr
Märkte für unsere Exportartikel zu öffnen, beispielsweise bei den staatlichen Beschaffungen,
der Telekommunikation, den Dienstleistungen Ziel von NAFTA ist die Ankurbelung von Handel und
Wachstum in allen drei Ländern, einschließlich der
und der Landwirtschaft.
Vereinigten Staaten. Als solches ist das Abkommen in
e)
Wir werden sicherstellen, daß die neueren Fra- die längerfristigen wirtschaftlichen Ziele der Adminigen im Bereich der Handelspolitik - insbesonde- stration wie besserbezahlte Arbeitsplätze und größere Umweltschutz, Wettbewerbs- und Technolo- res Wohlergehen unserer Arbeitnehmer, Unternehgiepolitik - ein integraler Bestandteil unserer men und Gemeinschaften eng eingebunden. Wir
unterstützen es nur in dem Maße, in dem es diese Ziele
Tagesordnung werden.
unterstützt.
A.
Weitere Fortschritte bei der Uruguay-Runde
des GATT
Das grundlegende NAFTA-Abkommen wurde am 17.
Dezember 1992 von Präsident George Bush, PräsiIm letzten Jahr wurden die Hoffnungen auf einen dent Carlos Salinas de Gortari aus Mexiko und PreAbschluß der Uruguay-Runde der Welthandelsgesprä- mierminister Brian Mulroney aus Kanada unterzeichche wieder einmal zerschlagen. Zu Beginn des Jahres net. Es würde alle Zölle zwischen den Vereinigten
1993 waren besonders im Bereich der Landwirtschaft Staaten und Mexiko stufenweise abbauen, die Mehrund bei den bilateralen Diskussionen zwischen den zahl über einen Zeitraum von 10 Jahren, bei den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemein- sensibelsten Produkten in einer Übergangszeit von bis
schaft Fortschritte zu verzeichnen.
zu 15 Jahren.
Ein erfolgreiches Abkommen zum Abschluß der Uruguay-Runde würde der schleppenden Weltwirtschaft
kurzfristig einen Vertrauensschub geben. Wir schätzen, daß die Produktion weltweit schließlich auf mehr
als 5 Billionen Dollar ansteigen würde - allein in den
Vereinigten Staaten auf mehr als 1 Billion Dollar.

Das NAFTA-Abkommen geht über den Güterhandel
hinaus - es senkt die Handelsschranken im Dienstleistungsbereich (beispielsweise Finanzdienstleistungen,
verstärkte Telekommunikation und Beförderung) und
bei Investitionen. Es befaßt sich auch mit vielen
nationalen Regelungen. Was Mexiko betrifft, verstärkt
Verschiedene komplexe Angelegenheiten verlangen es beispielsweise den Schutz geistigen Eigentums,
jedoch nach einer Lösung. Die Clinton-Administration schafft diskriminierende Regelungen für Lastwagenist bereits bei ihrer internen Überprüfung der Verhand- transporte ab und öffnet den Markt für Beschaffungen
lungen vorwärtsgekommen. Wir konzentrieren uns der mexikanischen Regierung.
auf einige Bestimmungen des Entwurfs der Schlußak- Das Akommen wird, falls es von den Gesetzgebungste und auf die größtenteils noch unvollendete Arbeit im organen derdrei Länder angenommen wird, im Januar
Hinblick auf Marktzugang. Es besteht eine zwingende 1994 in Kraft treten.
Notwendigkeit, einen größeren Marktzugang zu erhalten - das heißt niedrigere Zölle und Abbau nichttarifä- In einer am 4. Oktober vergangenen Jahres gehalterer Handelshemmnisse für Fertigwaren und landwirt- nen Rede und in späteren Äußerungen verlieh Präsischaftliche Erzeugnisse sowie ein größerer Zugang im dent Clinton seiner Unterstützung des grundlegenden
Dienstleistungsbereich.
Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�NAFTA-Abkommens Ausdruck und erklärte, er wolle
es nicht neuverhandeln. Er forderte jedoch die Stärkung einiger amerikanischer Programme - einschließlich der Ausbildung der Arbeitnehmer, der Beseitigung
von Umweltschäden an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, Hilfe für Farmer, größerer Teilnahme
der Öffentlichkeit an den Diskussionen über NAFTA
und der Schließung der Schlupflöcher für ausländische Arbeitnehmer. Präsident Clinton forderte auch
die Aushandlung von Zusatzabkommen zum Schutz
der Umwelt, der Verbesserung der Arbeitsgesetze und
Sicherheit am Arbeitsplatz sowie die Bereitstellung
weiteren Schutzes gegen den überwältigend hohen
Anstieg von Importen. Auf diesen Gebieten suchen wir
nach konkreten und durchsetzbaren Maßnahmen.

Herausforderungen können jedoch hervorgehoben
werden.

Bis jetzt stehen die Zeichen gut. Die Aussicht auf
NAFTA verbessert bereits unsere Möglichkeiten. Der
amerikanische Handel mit Mexiko, der 1990 ein leichtes Defizit zu verzeichnen hatte, erreichte 1992 einen
Überschuß von 5,4 Milliarden Dollar. Die Mexikaner
konsumieren bereits pro Person mehr amerikanische
Waren als die Europäer oder die Japaner, und der
erhöhte Wohlstand in Mexiko wird wohl zu einer noch
größeren Nachfrage nach amerikanischen Gütern und
Dienstleistungen beitragen.

Trotz einiger Fortschritte (beispielsweise einer Reform
des Verteilungssystems) bleibt eine Anzahl von Handelsschranken bestehen. Einige sind ordnungspolitischer, andere struktureller und wieder andere produktspezifischer Natur.

C.

China ist potentiell ein riesiger Markt für amerikanische
Produkte und Dienstleistungen. Um China zur Einführung von Verfahren und Verhaltensweisen zu ermutigen, die mit dem internationalen Handelssystem in

Die Pazifikrandstaaten
Im Unterschied zu anderen Ländern der Welt ist in den
Pazifikrandstaaten ein kräftiges Wachstum zu verzeichnen. Die Clinton-Administration überprüft Wege
zur Stärkung der Beziehungen mit dieser wichtigen
Region auf den Gebieten Handel und Investitionen.
Neben diesen Chancen bestehen auch eine Reihe von
Handelsproblemen, insbesondere mit zwei wichtigen
Staaten:

Japan: Nach unserer eigenen ist die japanische
Wirtschaft die zweitgrößte der Welt, und nach Kanada
In ähnlicherWeise haben wir vorläufige Diskussionen ist Japan unser zweitgrößter Handelspartner. Im
mit kanadischen und mexikanischen Vertretern über letzten Jahr stieg Japans Überschuß beim Handel mit
Zusatzabkommen geführt. Die Verhandlungen wer- den Vereinigten Staaten von 43 Milliarden auf ungeden im März beginnen. Obwohl über den Gang der fähr 49 Milliarden Dollar, was einen jahrelang anhalVerhandlungen keine Prognosen angestellt werden, tenden Rückgang umkehrte. Ungefähr zwei Drittel
hoffen wir, daß sie so schnell wie möglich abgeschlos- unseres Defizits mit Japan bestehen bei Automobilen
sen werden können, damit NAFTA wie vorgesehen im und Autoteilen, gefolgt von Gütern der ElektroinduJanuar 1994 in Kraft gesetzt werden kann.
strie.

Wir sind besorgt über eine Reihe von speziellen Problemen. Dazu gehört, sicherzustellen, daß Japan das
Halbleiterabkommen einhält, seine Politik im Hinblick
auf den Handel mit Automobilen und Autoteilen sowie
seine Bereitschaft, Abkommen zu Supercomputern,
NAFTA wird letzlich mehr Arbeitsplätze in Amerika Computern, wichtigen Projekten und einer Vielzahl
schaffen. Dennoch ist es wahrscheinlich, daß einige anderer Probleme zu verwirklichen. Wir engagieren
amerikanische Arbeitnehmer in einigen Sektoren ihren uns dafür, alle Verhandlungsformen auszuloten - bilaArbeitsplatz verlieren. Präsident Clinton versprach terale oder multilaterale, strukturelle oder produktbeeine Vielzahl von Maßnahmen, um ihnen zu helfen, zogene -, um Handelsprobleme zu lösen.
einschließlich der Unterstützung für besonders anfälChina: China ist nach wie vor ein Schwerpunkt ernster
lige Arbeitnehmer und Gemeinschaften.
Bedenken seitens der Vereinigten Staaten.
Neben seinen wirtschaftlichen Auswirkungen stellt
NAFTA ein Schlüsselelement bei den mutigen, von Die Verhandlungen mit China über Marktzugang wurPräsident Salinas unternommenen Anstrengungen dar, den vergangenen Herbst erfolgreich abgeschlossen.
Mexiko zu öffnen und zu modernisieren. Die Durchset- Es bleiben jedoch noch schwerwiegende Probleme zu
zung von NAFTA wird es Präsident Salinas und ande- lösen. Amerikanische Waren sind weiter mit hohen
ren amerikafreundlichen, die Marktkräfte befürworten- Zöllen, Zulassungserfordernissen und Quoten konden Kräften in Mexiko gestatten, ihre Politik fortzuset- frontiert. Das chinesische System entbehrt nach wie
zen. NAFTA den Rücken zuzukehren würde nicht nur vor der Transparenz bei der Verkündung und Anwendiese Reformen gefährden, sondern auch die Zusam- dung von Gesetzen und Vorschriften. Im Dienstleimenarbeit mit Mexiko in vielen gemeinsamen Pro- stungssektor war die Liberalisierung nur schwach
blembereichen negativ beeinflussen, einschließlich des ausgeprägt, und amerikanische Unternehmen sind
weiterhin rigorosen Beschränkungen unterworfen.
Drogenhandels und der Einwanderungsfrage.
Weitere bilaterale und regionale Initiativen

In den letzten Kapiteln dieses Berichts werden viele
bilaterale und regionale Initiativen angesprochen. Einige

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�Einklang stehen, sind wir führend daran beteiligt, Chinas Mitgliedschaft im GATT zu sichern.

gesetze nachhaltig durchsetzen. AnsorjÄA hltten
die Abkommen und Gesetze kaum eine MjAitung.

Europa

Titel VII des Handelsgesetzes

Europäische Gemeinschaft: Unsere Handelsbeziehungen zur EG sind für die Integrität und Vitalität des
multilateralen Handelssystems von entscheidender
Bedeutung. Wir sind füreinander die größten Handelspartner, wobei der Gesamthandel in beiden Richtungen 214 Milliarden und das amerikanische Defizit im
Jahr 1992 nahezu 8 Milliarden Dollar erreichte. Wir
unterstützen die weitere Integration Europas, aber wir
werden energisch handeln, um unsere Interessen zu
schützen, falls die am 1. Januar 1993 eingeleitete
Verwirklichung des Europäischen Binnenmarkts oder
der Vertrag von Maastricht amerikanische Firmen
diskriminieren oder Schranken gegen amerikanische
Exporte errichten sollte. Während die EG die Bildung
des Europäischen Wirtschaftsraums mit anderen
westeuropäischen Staaten, die Einbeziehung neuer
Mitglieder sowie die Durchführung von Assoziierungsabkommen mit Osteuropa vorantreibt, werden wir
unsere internationalen Abkommen und die amerikanischen Handelsgesetze nutzen, um die Märkte offen zu
halten. Wir werden mit der EG zusammenarbeiten, um
die für den Abschlu ß der Uruguay-Runde erforderliche
Führung zu gewährleisten. Die effektive Verwirklichung des bilateralen Abkommens über die AirbusSubventionen sowie die Aushandlung scharfer multilateraler Disziplinen für die Unterstützung des Flugzeugsektors werden ebenfalls hohe Priorität genießen.

Titel VII des Handelsgesetzes von 1^81 forttert die
Identifizierung anderer Länder, die tmlrtanische
Produkte und Dienstleistungen b«i st*ffcffrn Beschaffungen diskriminieren. In diesem JuÄmmenhang hat die Clinton-Administration schart iufjie neue
Sektorenrichtlinie der Europäischen OÄdpischaft
reagiert. Diese Richtlinie, die im Janulr Jijfeiin Kraft
trat, sieht eine klare Präferenz für A r t g r o A J h in der
Gemeinschaft hergestelltem Gerät U p f l P j n den
Vereinigten Staaten oder andernor^
HfV^*™
Gerät vor und gestattet die Ablehnun$llPffl|iSoten,
deren Nicht-EG-Anteil über 50 Prozent M f l i f L Durch
Verhandlungen und, falls nötig, durch Sanktionen wird
die Administration eine Beendigun| M M I fllkriminierung anstreben.
Dumping und Subventionen
Einige der am häufigsten angewiriÄi Jmerfkanischen Handelsgesetze dienen der Abftjir ausländischer Dumping- und SubventionsprUtijfc. $o wurden in den vergangenen Monaten vöh cAlfltf rnationalen Handelskommission sowie ddm Äiwlsministerium einstweilige Feststellungen gettonen, denen
zufolge die amerikanische Wirtschaft ^schltiigt wurde, weil ausländische Hersteller von unfegVrtim Stahl
ihre Produkte in den Vereinigten Stauen unter Wert
verkauft haben und weil zahlreiche iuSlrWische Hersteller von ihren Regierungen subventioniert wurden.

Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion: Die
meisten osteuropäischen Länder machen Fortschritte Diese Verwaltungsverfahren werden gemlß tmerikabei der Umgestaltung ihrer Volkswirtschaften zu markt- nischen Gesetzen durchgeführt. Bis Ü ihrem Aborientierten Systemen. Die Fortschritte in den unab- schlußvergeht eine gewisse Zeit. In der Zwischenzeit
hängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion sind hat sich die Administration, um eine sfnrMrile Disziplin
dagegen begrenzt. Die Vereinigten Staaten werden in diesem Sektor zu erlangen, auch an Vtöiandlungen
die Entwicklung der Demokratie und marktorientierter über ein multilaterales Stahlabkomm^i SPtWlgt.
Systeme durch Verhandlungen unterstützen, die darauf ausgerichtet sind, einen Rahmen für die rasche
Ausweitung von Handel und Investitionen zwischen
den Vereinigten Staaten sowie den Ländern Osteuro- Die in Paragraph 201 des HandelsglM jfcy^n 1974
pas und der ehemaligen Sowjetunion bereitzustellen. (mit Zusätzen) enthaltene Konze*sWj WMtlhmeklausel sieht ein breites Spektrum rrftrttfier AbhilfeAmerika
maßnahmen zugunsten einer heinM | ^ J ^ c h e
vor, wenn verstärkte Importe etn»jfl
m&amp;
Mehrere Staaten dieser Region haben weitreichende Ursache ernster Schädigung Sind m
BWfc
Reformen eingeführt, um ihre Haushaltsdefizite abzu- Schädigung droht. Während der BvB^M ÄNganbauen, die Auslandsschulden zu reduzieren und ihre Administrationen geriet diese BestM
I A GeVolkswirtschaften für den weltweiten Wettbewerb zu setzes in Vergessenheit. Die Clinton R-nhfctrition
öffnen. Präsident Clinton hat erklärt, ein Erfolg von untersucht, ob sie zur verstärkten ArlÄÄJhg" dieses
NAFTA könne weiteren, den Handel erweiternden seit langem existierenden Instrumentseifcutigen sollArrangements mit anderen marktorientierten Ländern te, das im Einklang mit dem GATT 4%W i .
der westlichen Hemisphäre sehr gut den Weg ebnen.
D. Durchsetzung bestehender Handelsabkommen
und amerikanischer Gesetze
Die Clinton-Administration wird unsere bestehenden
Handelsabkommen und die amerikanischen HandelsSeite 4

Paragraph 301 des Handelsgest«|B
Zusätzen) ist ein wichtiges gesetJHfl
das zur Öffnung von Auslandsmarkt»«J

limit
Bnt,
Binn,

�Das Basisabkommen zu NAFTA enthält eine Reihe
von Bestimmungen, um die US-Gesetze über Umwelt
und Gesundheit zu schützen und Unternehmen davon
Die Clinton-Administration zieht die verstärkte Anwen- abzuhalten, auf der Suche nach laxeren Umweltschutzdung von Paragraph 301 unter geeigneten Bedingun- vorschriften von Land zu Land zu ziehen. Präsident
gen in Erwägung, um zur Öffnung weiterer Auslands- Clinton hat jedoch einseitige amerikanische Bemühunmärkte zu ermutigen. Sie wird ferner sicherstellen, gen gefordert, um Umweltschäden im Grenzgebiet zu
daß die bestehenden Vereinbarungen im Rahmen von beseitigen und mehr öffentliche Beteiligung an den
301 uneingeschränkt verwirklicht werden.
Debatten über die Umwelt in Zusammenhang mit
NAFTA zu gewährleisten. Darüber hinaus unterstützt
E. Auftretende Probleme in der Handelspolitik
er ein Ergänzungsabkommen, das gemeinsame
Die amerikanische Handelspolitik findet nicht isoliert Bemühungen zur Beseitigung von Umweltschäden im
von anderen politischen Maßnahmen statt. Wie be- Grenzgebiet behandelt, eine von allen drei Partnern
reits festgestellt, ist sie integraler Bestandteil unserer gebildete Umweltkommission mit erheblichen Vollmachten einrichtet und eine verbesserte nationale
nationalen Wirtschaftsstrategie.
Durchsetzung nationaler Umweltgesetze vorsieht. In
Mehrere "neue" Probleme verdienen stärkere Auf- ähnlicher Weise erfordert der Entwurf des Abkommerksamkeit. Die wichtigsten sind unter anderem mens der Uruguay-Runde, das Augenmerk auch auf
Umweltschutz, Wettbewerbspolitik und Technologie- die umweltpolitische Dimension zu richten, und daspolitik. Andere Themen, die ebenfalls intensiverer selbe gilt auch für die Evolution des GATT selbst.
Beschäftigung bedürfen, sind Arbeitsbestimmungen,
Rechte an geistigem Eigentum und Investitionsfragen. Im Hinblick auf Handels- und Technologiepolitik hat die
Clinton-Administration unlängst eine wichtige neue
Probleme, die mit dem Verhältnis von Handel und Technologieinitiative bekanntgegeben, die eine erhebUmwelt zusammenhängen, werden vordringlich be- liche Verlagerung von aufgabenorientierter Forschung
handelt werden. Wir werden nach Wegen suchen, um und Entwicklung der Bundesregierung zu Investitioden komplementären Charakter von Handels- und nen vorsieht, die der Stärkung der amerikanischen
Umweltanliegen zu stärken sowie Kompensations- industriellen Wettbewerbsfähigkeit und Schaffung von
maßnahmen ausgewogener zu gestalten.
Arbeitsplätzen gelten.

wenn ein anderes Land ein Handelsgesetz verletzt
oder andere unfaire Praktiken anwendet.

* * * * *

AMERIKA DIENST 10

Seite 5

�VERTEIDIGUNG
10. März 1993

WISNER WARNT VOR GEFAHR DER
NUKLEAREN WEITERVERBREITUNG
Rede vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - "Nukleare Weiterverbreitung, verschärft durch die potentielle Gefahr des Verlusts der
uneingeschränkten Kontrolle über die Nuklearwaffen in der ehemaligen Sowjetunion", ist dem designierten
Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium Frank Wisner zufolge "eine der wesentlichen Bedrohungen der
nationalen Sicherheit, mit denen sich die Vereinigten Staaten heute konfrontiert sehen."
Bei seiner Anhörung vor dem Streitkräfteausschu ß des Senats am 4. März 1993 zählte Wisner weitere Gefahren
auf: "regionale, ethnische und religiöse Konflikte, das Risiko der Umkehrung von Reformen in Rußland und den
anderen ehemaligen Sowjetrepubliken".
Wisner erklärte, die "US-Streitkräfte müssen so strukturiert und ausgerüstet sein, daß die Auswirkungen der
Weiterverbreitung auf ein Mindestmaß begrenzt werden, falls unsere Bemühungen zu ihrer Verhinderung
scheitern" und fügte hinzu, die Streitkräfte "müssen jedoch uneingeschränkt in der Lage sein, regionale
Bedrohungen amerikanischer Interessen und Werte zu bewältigen - wenn möglich zusammen mit unseren
Verbündeten, wenn nötig im Alleingang."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus Wisners vorbereitetem Redetext für den Ausschuß.

Während des Kalten Krieges dominierte die sowjetische Bedrohung die Militärplanung der Vereinigten
Staaten. Sie bestimmte die Höhe unseres Verteidigungsbudgets, die Struktur unserer Streitkräfte und
den Entwurf unseres militärischen Geräts. In einem
Rückblick auf die Zeit nach dem Kalten Krieg sprach
der ehemalige Präsident Bush von einer "neuen Weltordnung". Wie Verteidigungsminister Aspin bemerkte,
war das "neu" von längerer Dauer als die "Ordnung".
Das Sicherheitsumfeld nach dem Kalten Krieg ist
vieldeutig, kompliziert und veränderbar. Die alte Welt
bipolarer Blöcke wurde durch eine neue Welt multipolarer Komplexität ersetzt. Das Verständnis der Unterschiede zwischen alten und neuen Bedrohungen ist
entscheidend für die Veränderungen, die wir zur
Gewährleistung unserer Sicherheit in diesem neuen
Umfeld vornehmen müssen.
Erstens ist nukleare Weiterverbreitung, verschärft durch
die potentielle Gefahr des Verlusts der uneingeschränkten Kontrolle überdie Nuklearwaffen in derehemaligen
Sowjetunion, eine der wesentlichen Bedrohungen der
nationalen Sicherheit, mit denen sich die Vereinigten
Staaten heute konfrontiert sehen. Obwohl sich die
stets geringe Gefahr eines massiven Atomangriffs auf
die Vereinigten Staaten stark verringert hat, ist die
AMERIKA DIENST 10

Gefahr, daß eine, zwei oderzehn Nuklearwaffen sogar
gegen die Vereinigten Staaten eingesetzt werden
könnten, größer. In der Tat muß die Verbreitung aller
Massenvernichtungswaffen - chemischer, biologischer
und ihrer Trägersysteme - an oberster Stelle unserer
Tagesordnung stehen und die politischen oder militärischen Implikationen ihres tatsächlichen oder angedrohten Einsatzes sind äußerst ernst.
Unsere jüngsten Erfahrungen am Persischen Golf
führen uns die Bedeutung vor Augen, die Gefahr
nuklearer und anderer Weiterverbreitung abzuwehren. Niemand bezweifelt, daß die Golfkrise sehr viel
gefährlicher gewesen wäre, hätte Saddam Hussein
Nuklearwaffen besessen. Und seit dem Golfkrieg
haben wir gelernt, wie schwierig es ist, einen verbrecherischen Staat seiner Fähigkeit zur Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme
zu berauben.
Die zweite Gefahr entstammt regionalen, ethnischen
und religiösen Konflikten. Obwohl heute kein Land das
Überleben der Vereinigten Staaten bedroht, hat Saddam Hussein demonstriert, daß regionale Mächte
amerikanische Interessen bedrohen können. Ethnische Nationalisten und sektiererischer Haß schüren

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�auch gewalttätige Konflikte, die den Ruf nach Aktionen Die vierte Gefahr ist wirtschaftlicher Natur. Das wirtaus Gewissensgründen und aufgrund amerikanischer schaftliche Wohlergehen aller Amerikaner ist unerläßWerte laut werden lassen.
lich für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten . Au ßen- und Innenpolitik sind in der heutigen Welt
Die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien und die untrennbar. Präsident Clinton hat wiederholt erklärt,
Hilfsbestrebungen in Somalia unterstreichen die Schwie- daß die Vereinigten Staaten keine Führungsrolle in der
rigkeiten der uns konfrontierenden Herausforderung. Welt, zu deren Gestaltung wir so viel beigetragen
Die Vereinigten Staaten müssen gemeinsam mit an- haben, spielen können, wenn wir nicht im Inland stark
deren effektivere Wege sondieren, um das Entstehen sind. Und wenn wir uns von der Welt zurückziehen,
solcher Konflikte zu vermeiden, einschließlich eines wird uns dies im Inland wirtschaftlichen Schaden zufüfrühzeitigen Engagements für friedensbewahrende/ gen. Darüber hinaus würde auch unsere Sicherheit
friedenschaffende und humanitäre Hilfe. Gleichzeitig gefährdet.
müssen wir uns jedoch bewußt sein, daß wir nicht
überall hingehen und jede Last tragen können. Wir Wirkungsvolle und entschlossene Reaktionen auf die
müssen unsere Verbündeten und die Vereinten Natio- folgenden vier Gefahren sind die wichtigste nationale
nen zu größerem Engagement auffordern.
sicherheitspolitische Herausforderung für das neue
Clinton-Team:
Die dritte Gefahr ist das Risiko einer Umkehrung der
Reformen in Rußland und den anderen ehemaligen
Die Bewältigung der Bedrohung durch die WeiSowjetrepubliken. Die Verstärkung des Kurses der
terverbreitung von Massenvernichtungswaffen
politischen und wirtschaftlichen Reformen in der eheerfordert ein wirkungsvolles und vielfältiges
maligen Sowjetunion ist für die amerikanische SicherArsenal von Instrumenten, um die Anreize für
heit unabdingbar. Wie Präsident Clinton ausführte, ist
Weiterverbreiter und potentielle Weiterverbreider Erfolg der Demokratie wichtig für unsere wirtter zu reduzieren und die Anbieter zu zügeln.
schaftliche Zukunft: ... Kürzungen unserer VerteidiDie US-Streitkräfte müssen so strukturiert und
gungsausgaben, die langfristig einen wesentlichen
ausgerüstet sein, daß die Auswirkungen der
Bestandteil unseres innenpolitischen WirtschaftsproWeiterverbreitung auf ein Mindestmaß begrenzt
gramms bilden, können nur aufrechterhalten werden,
werden, falls unsere Bemühungen zu ihrer
solange Rußland und die anderen Atomrepubliken
Verhinderung scheitern.
eine abnehmende Gefahr für unsere Sicherheit, die
Die Präsenz amerikanischer Streitkräfte in
unserer Verbündeten und der Demokratien auf der
Übersee und die amerikanische Beteiligung an
Welt darstellen.
internationalen friedenserhaltenden und friedenschaffenden Arrangements können zur AbschrekVerteidigungsminister Aspin hat betont, daß wir die
kung regionaler Konflikte beitragen. Die ameri"Nachfrage" nach Verteidigungsfähigkeiten und Dolkanischen Streitkräfte müssen jedoch uneingelars für Verteidigungszwecke im Auge behalten müsschränkt in der Lage sein, regionale Bedrohunsen. Er hat das Argument vorgebracht, daß die
gen amerikanischer Interessen und Werte zu
alleinige und wichtigste außenpolitische Variable in
bewältigen - wenn möglich zusammen mit unsebezug auf die "Nachfrage" nach Verteidigung in dem
ren Verbündeten, wenn nötig im Alleingang.
Unterschied zwischen einem Rußland auf Reformkurs
und der Rückkehr zu einem Gegner Rußland besteht.
Unsere Verteidigungsmaßnahmen und -initiativen können dazu beitragen, die Umkehrung der
Die Umkehr der Reformen in Rußland könnte die
Reformen in Rußland und der Ukraine zu verVereinigten Staaten auch ihres neuen Partners bei der
hindern und die Demokratie weltweit zu fördern,
Bewältigung globaler Sicherheitsprobleme berauben.
indem wir beispielsweise dabei helfen, dort neue
Die russische Zusammenarbeit bei der Lösung regioSicherheitsidentitäten zu entwickeln und neue
naler Konflikte, insbesondere am Persischen Golf, und
Prozesse für die zivile Kontrolle über das Militär
jetzt die Bereitschaft Rußlands zur Unterstützung der
zu etablieren. Die Vorstellungskraft der SenatoFallschirmabwürfe über Bosnien, waren eines der
ren Nunn und Lugar sowie anderer Parlamentabemerkenswertesten Kriterien des Anbeginns der Zeit
rier hat diese Initiativen ermöglicht.
nach dem Kalten Krieg. Ein Ende der Reformen
könnte auch den aussichtsreichen Kurs verlangsaDie Bewältigung von Bedrohungen unserer
men, den wir mit Rußland bei der Einflußnahme auf
wirtschaftlichen
Sicherheit stellt eine schwierige
START I und die Ratifizierung von START II sowie bei
Herausforderung
der Verteidigungspolitik dar.
der Verwirklichung des breiten Spektrums der von uns
Ein
Großteil
des
Drucks
zum Abbau der Verteiüber Jahre hinweg ausgehandelten vielversprechendigungsausgaben
entspringt
der Notwendigkeit,
den Rüstungskontrollinitiativen eingeschlagen haben.
Mittel
für
innenpolitische
Investitionen
und den
Wirtschaftsreformen, Rüstungskontrolle, die Stärkung
Defizitabbau
freizusetzen.
Dies
ist
eine
Realität
von Demokratie und Stabilität sind Kernziele für uns in
derZeit
nach
dem
Kalten
Krieg.
Ich
bin
jedoch
der Ukraine, den anderen Staaten der ehemaligen
auch
der
Überzeugung,
daß
wir
mit
unseren
Sowjetunion und auch in Rußland.
Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�wichtigsten Verbündeten in Europa und Japan
zusammenarbeiten müssen, um ein neues
"strategisches Geschäft" abzuschließen, das
uns in die Lage versetzt, zur Bewältigung der
neuen militärischen Bedrohungen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig in der Weltwirtschaft
zu konkurrieren.
Verteidigungsminister Aspin reorganisiert das Verteidigungsministerium, damit wir uns auf diese neuen
Bedrohungen konzentrieren können. Diese Umgestaltung wird die Organisation des Staatssekretärs für
politische Angelegenheiten unmittelbar betreffen. Wir
beabsichtigen, Dienststellen einzurichten, deren Hauptaufgabe die Reaktion auf diese neuen Bedrohungen
sein wird.

Besetzung dieser Funktionen nominieren. Sie verdienen Ihr Vertrauen, und ich hoffe, Sie werden ihnen Ihre
Unterstützung gewähren, wenn die Nominierungen
Ihrem Ausschuß unterbreitet werden. Wir haben viel
gemeinsam zu tun. Dazu gehören die Verabschiedung eines wichtigen Haushalts sowie START II und
der Vertrag über chemische Waffen, deren Ratifizierung wir anstreben.

Damit komme ich zur zweiten Reihe von Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, nämlich wie wir
trotz des Abbaus der Verteidigungsausgaben eine
effektive militärische Streitmacht aufrechterhaften. Im
Falle meiner Bestätigung bin ich entschlossen, meinen
Teil dazu beizutragen. Ich bin ein Kind des Zweiten
Weltkrieges, ich habe den Krieg zeit meines Lebens
gekannt. Ich habe bereits frühzeitig verstanden, daß
Der Minister plant eine starke Organisation für regiona- wir als freie, wohlhabende Nation nur dann Bestand
le Angelegenheiten, um uns die Reaktion auf regionale haben können, wenn wir sicher sind und die Ordnung
Bedrohungen zu ermöglichen. Er möchte eine Dienst- international aufrechterhaften wird.
stelle mit den Programmen des Ministeriums zur
Bekämpfung der Weiterverbreitung betrauen und sie Wir müssen die außergewöhnliche Qualität unserer
mit unseren Exportkontrollbehörden sowie dem ge- Streitkräfte und den Vorsprung in der Spitzentechnosamten von uns eingerichteten Spektrum an Program- logie bewahren, die im Krieg gegen den Irak unter
men zum Abbau der Bedrohung und zur Nuklearpoli- Beweis gestellt wurden. Bei Operation Wüstensturm
tik koppeln. Die Reaktionen auf Bedrohungen von war die Ausbildung der US-Streitkräfte von entscheiDemokratie und Menschenrechten werden in einer dender Bedeutung. General Schwartzkopf witzelte
neuen, von einem Abteilungsleiter geführten Organi- sogar, daß Ausbildung und Führung unserer Truppen
sation gebündelt, der für Friedenssicherung und selbst dann den Sieg gesichert haben könnten, wenn
humanitäre Angelegenheiten zuständig sein wird. wir die irakischen Waffen und der Irak unsere gehabt
Abteilungsleiter werden darüber hinaus für die Funk- hätten. Wir werden eine abgespeckte Streitkräftetionen Strategie und Ressourcen sowie Planung und struktur haben, aber sie muß einsatzfähig und effektiv
Politik verantwortlich sein, um diesen Organisationen sein.
eine stärkere Führungsrolle zu verleihen und damit
sicherzustellen, daß unser neues Militär tatsächlich Im Golfkrieg haben wir auch den Wert von High-Techvon der neuen Strategie geleitet wird, und um die Waffen kennengelernt. Sie reduzierten die Zahl
langfristige Planung sowie Entwicklung von Maßnah- amerikanischer Verluste und führten ein rascheres
Kriegsende herbei. Die heute vor uns liegende Hermen neu zu beleben.
ausforderung besteht darin, wie unsertechnologischer
Bis auf weiteres werden andere Elemente der politi- Vorsprung und die industrielle Grundlage zur Produkschen Organisation so funktionieren wie bisher, darun- tion der erforderlichen Systeme bewahrt werden könter Sondereinsätze/Konflikte geringer Intensität (SO/ nen, ohne daß wir die hohen Produktionsniveaus des
LIC) und Sicherheitspolitik. Der Verteidigungsminister Kalten Krieges haben.
versteht, wie wichtig Sondereinsatzkommandos und
ähnliche Truppen in unserem neuen Sicherheitsum- Die Ziele, für die amerikanische Militärmacht eingefeld sind. Mit zunehmender Bedeutung von Missionen setzt werden kann, müssen Grenzen haben. Wir
wie Aufbau von Nationen, humanitären Angelegenhei- müssen die Energie unserer Nation auf das für uns
ten, Friedenssicherung und Maßnahmen zur Bekämp- Wichtigste konzentrieren - die Bewahrung des Friefung der Weiterverbreitung wird die potentielle Rolle dens, Förderung von Frieden und Menschenrechten,
solcher Streitkräfte sogar noch wichtiger. Er ist sich Sicherung unserer Bündnisse und Schutz des Handarüber hinaus der Tatsache bewußt, daß die hoch- dels. Die amerikanischen Streitkräfte sollten selektiv
rangige zivile Oberaufsicht über diese besonders fol- eingesetzt werden - vorwiegend in solchen Fällen, in
genreichen militärischen Operationen absolut uner- denen wichtige amerikanische Interessen bedroht und
läßlich ist. Deshalb wird Fragen in Zusammenhang mit militärische Mittel erforderlich sind, um sie zu schütKonflikten geringer Intensität mehr und nicht weniger zen, wo diese Ziele klar definiert sind und wo wir
innerhalb kurzer Zeit einen Unterschied bewirken können.
Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Der Präsident wird ein hervorragendes Team aus
Mitgliedern und Nichtmitgliedern der Regierung zur
* *

AMERIKA DIENST 10

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