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U.S. Information Service
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Sonderdienst
21.Januar 1993

AMTSEINFÜHRUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

PRÄSIDENT CLINTON: USA MUSSEN
WEITERHIN HERAUSFORDERUNGEN
IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten
bei seiner Amtseinführung

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�AMTSEINFÜHRUNG
21.Januar 1993

PRÄSIDENT CLINTON: USA MÜSSEN WEITERHIN
HERAUSFORDERUNGEN IM AUSLAND BEWÄLTIGEN
Rede des neuen Präsidenten bei seiner Amtseinführung
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat am 20. Januar 1993 seinen Mitbürgern erklärt, daß die Vereinigten Staaten weiterhin "Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen" und weiterhin "die Welt
führen müssen, zu deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben".
In seiner Rede anläßlich der Amtseinführung erklärte der neue Präsident auf den Stufen des Kapitols, es gebe
heute "keine klare Trennung mehr zwischen Außen- und Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die AIDSKrise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle."
Clinton verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bei Herausforderungen ihrer vitalen Interessen "wenn
möglich mit friedlicher Diplomatie und wenn nötig mit Gewalt" reagieren würden. "Die mutigen Amerikaner, die
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stehen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit."
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons Rede zur Amtseinführung im Wortlaut.

Meine Mitbürger,
heute feiern wir das Mysterium der amerikanischen
Erneuerung. Diese Zeremonie findet mitten im Winter
statt. Aber mit den Worten, die wir sprechen und mit
den Gesichtern, die wir der Welt darbieten, erzwingen
wir den Frühling - einen Frühling, der in der ältesten
Demokratie der Welt wiedergeboren wird und der die
Vision und den Mut hervorbringt, um Amerika neu zu
erfinden.
Als unsere Gründerväter kühn der Welt die Unabhängigkeit Amerikas und Gott dem Allmächtigen unsere
Ziele erklärten, wußten sie, daß Amerika, um Bestand
zu haben, sich verändern mußte. Verändern nicht um
der Veränderungen willen, sondern verändern, um
Amerikas Ideale - das Leben, die Freiheit und das
Streben nach Glück - zu bewahren. Obwohl wir nach
der Musik unserer Zeit marschieren, ist unser Auftrag
zeitlos. Jede Generation muß definieren, was es
heißt, Amerikaner zu sein.

Heute stellt sich eine im Schatten des Kalten Krieges
aufgewachsene Generation neuen Pflichten in einer
Wert, die vom Sonnenschein der Freiheit erwärmt,
aber immer noch von altem Haß und neuen Plagen
bedroht wird.
Aufgewachsen in beispiellosem Wohlstand erben wir
eine Wirtschaft, die immer noch die stärkste der Wert
ist, aber von Konkursen, stagnierenden Einkommen,
wachsender Ungleichheit und tiefen Gräben zwischen
unseren Bürgern geschwächt wird.
Als George Washington zum ersten Mal den Eid
leistete, den ich gerade zu haften geschworen habe,
verbreiteten sich Nachrichten nur langsam zu Pferde
über Land und per Schiff über die Meere. Heute
werden die Bilder und der Ton dieser Feier unverzüglich zu Milliarden Menschen auf der ganzen Welt übertragen.

Kommunikation und Handel haben globalen Charakter, Investitionen sind mobil, die Technologie grenzt an
Stellvertretend für mein Land beglückwünsche ich Zauberei und der Ehrgeiz für ein besseres Leben ist
meinen Vorgänger für das halbe Jahrhundert seines überall anzutreffen. Wir verdienen unseren LebensunDienstes an Amerika, und ich danke den Millionen terhalt im Amerika von heute in friedlichem WettbeMännern und Frauen, deren Standhaftigkert und Opfer werb mit Menschen auf der ganzen Welt.
über Depression, Faschismus und Kommunismus triumphierten.

SONDERDIENST 1

Seite 1

�Grundlegende und mächtige Kräfte erschüttern unsere Welt und gestalten sie neu, und die drängende
Frage unseres Zeitalters lautet, ob wir den Wandel zu
unserem Freund und nicht zu unserem Feind machen
können.

Dies wird nicht leicht sein, es wird Opfer erfordern.
Aber es kann getan werden und zwar auf faire Weise.
Dies sind nicht Opfer um ihrer selbst willen, sondern
um unseretwillen, denn wir müssen für unsere Nation
sorgen, wie eine Familie für ihre Kinder sorgt.

Diese neue Welt hat bereits das Leben von Millionen
Amerikanern bereichert, die in der Lage sind, in ihr zu
konkurrieren und zu gewinnen. Wenn jedoch die
meisten Menschen für weniger mehr arbeiten, wenn
andere überhaupt nicht arbeiten können, wenn die
Kosten des Gesundheitswesens Millionen ruinieren
und viele unserer Unternehmen - große und kleine - in
den Bankrott zu treiben drohen, wenn die Furcht vor
Verbrechen gesetzestreue Bürger ihrer Freiheit beraubt und wenn Millionen armer Kinder sich das Leben,
das wir sie zu führen auffordern, noch nicht einmal
vorstellen können, haben wir den Wandel nicht zu
unserem Freund gemacht.

Unsere Gründerväter betrachteten sich im Lichte der
Nachwelt. Wir können nicht weniger tun. Jeder, der
jemals beobachtet hat, wie die Augen eines Kindes
langsam vom Schlaf überwältigt werden, weiß, was
Nachwelt ist. Nachwelt ist die Welt, die noch kommen
wird - die Welt, für die wir unsere Ideale aufrechterhalten, von der wir unseren Planeten geliehen haben und
für die wir eine geheiligte Verantwortung tragen.

Von unserer Revolution über den Bürgerkrieg und die
Große Depression bis zur Bürgerrechtsbewegung hat
unser Volk die Entschlossenheit aufgebracht, aus diesen
Krisen die Pfeiler unserer Geschichte zu bauen.

und sie vergessen darüber die Menschen, die uns mit
ihren Mühen und ihrem Schweiß hierhin entsandt
haben und die uns bezahlen.

Wir müssen tun, was keine Generation zuvor tun
mußte. Wir müssen mehr in unser Volk, seine Arbeitsplätze und seine Zukunft investieren und gleichzeitig
unsere massive Verschuldung abbauen. Und wir
müssen dies in einer Welt tun, in der wir um jede
Chance konkurrieren müssen.

Um Amerika zu erneuern, müssen wir Herausforderungen im Ausland ebenso wie im Inland bewältigen.
Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen Außenund Innenpolitik - die Weltwirtschaft, die Umwelt, die
AIDS-Krise der Welt, das weltweite Wettrüsten betreffen uns alle.

Wir müssen tun, was Amerika am besten leistet: mehr
Chancen für alle bieten und von allen mehr Verantwortung fordern.

Es ist Zeit, mit der schlechten Gewohnheft zu brechen,
etwas
ohne Gegenleistung zu erwarten, von unserer
Wir wissen, daß wir uns harten Wahrheiten stellen und
Regierung
und voneinander. Laßt uns alle mehr
energische Schritte unternehmen müssen. Dies haVerantwortung
übernehmen, nicht nur für uns selbst
ben wir jedoch nicht getan. Statt dessen haben wir uns
und
unsere
Familien,
sondern für unsere Gemeinden
treiben lassen, und dieses Treibenlassen hat unsere
und
unser
Land.
Ressourcen erschöpft, unsere Wirtschaft zerrüttet und
unser Vertrauen erschüttert.
Um Amerika zu erneuem, müssen wir unsere Demokratie
neu beleben.
Zwar sind unsere Herausforderungen furchteinflößend,
doch dasselbe gilt auch für unsere Stärken. Die Diese schöne Hauptstadt ist, wie jede Hauptstadt seit
Amerikaner sind seit jeher ein ruheloses, suchendes dem Anbruch der Zivilisation, häufig ein Ort der Intriund hoffnungsvolles Volk gewesen. Unserer heutigen gen und Berechnung. Mächtige Personen schachern
Aufgabe müssen wir die Vision und den Willen derje- um Positionen und machen sich endlos Sorgen darünigen hinzufügen, die vor uns waren.
ber, wer in und wer out ist, wer oben und wer unten ist,

Die Amerikaner haben Besseres verdient. In dieser
Stadt
sind heute Menschen versammelt, die es besser
Thomas Jefferson glaubte daran, daß wir von Zeit zu
machen
möchten. Und deshalb sage ich Ihnen allen
Zeit dramatische Veränderungen benötigen, um die
heute,
laßt
uns beschließen, unsere Politik zu reforFundamente unserer Nation zu bewahren. Meine
mieren,
damit
Macht und Privilegien nicht länger die
Mitbürger, dies ist unsere Zeit. Wir müssen sie nutzen.
Stimme des Volkes ersticken. Laßt uns persönliche
Um unsere Demokratie soll uns nicht nur die ganze Vorteile zur Seite schieben, damit wir den Schmerz
Welt beneiden, unsere Demokratie muß auch die fühlen und die Versprechungen Amerikas sehen.
Lokomotive unserer Erneuerung werden. Amerika hat
keine Schwächen, die nicht durch Amerikas Stärken Laß uns beschließen, unsere Regierung zu einem Ort
dessen zu machen, was Franklin Roosevelt als "kühbehoben werden könnten.
nes, andauerndes Experiment" bezeichnet hat, zu
So geloben wir heute, daß die Ära des Stillstands und einer Regierung für unser Morgen und nicht für unser
des Dahintreibens vorüber ist und ein neues Zeitalter Gestern.
der amerikanischen Erneuerung begonnen hat.
Laßt uns diese Hauptstadt den Menschen zurückgeUm Amerika zu erneuern, müssen wir kühn sein.
ben, denen sie gehört.

Seite 2

SONDERDIENST 1

�Heute ist nach dem Ende einer alten Ordnung die neue
Welt freier aber weniger stabil. Der Zusammenbruch
des Kommunismus hat alte Animositäten und neue
Gefahren heraufbeschworen. Sicherlich müssen die
Vereinigten Staaten weiterhin die Welt führen, zu
deren Entstehung wir so sehr beigetragen haben.

Meine amerikanischen Mitbürger, auch Sie müssen
das Ihre zu unserer Erneuerung beitragen.

Ich rufe eine neue Generation junger Amerikaner auf,
sich ein Jahr in den Dienst an der Allgemeinheit zu
stellen - ihren Idealen gemäß Kindern in Not zu helfen,
Hilfsbedürftigen beizustehen, unsere zerrissenen
Während Amerika Aufbauarbeit im Inland leistet, werden Gemeinden wiederzusammenzufügen. Esgibt soviel
wir weder vor den Herausforderungen dieser neuen zu tun - in der Tat genug für Millionen anderer, die im
Welt zurückweichen, noch versäumen, ihre Chancen Geiste noch jung genug sind, um sich ebenfalls in den
zu ergreifen. Gemeinsam mit unseren Freunden und Dienst an der Allgemeinheit zu stellen.
Verbündeten werden wir danach streben, den Wandel
Wenn wir anderen dienen, erkennen wir eine einfache,
zu gestalten, damit er uns nicht überwältigt.
aber machtvolle Wahrheit: Wir brauchen einander.
Wenn unsere vitalen Interessen herausgefordert oder Und wir müssen uns umeinander kümmern.
der Wille und das Gewissen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet werden, werden wir han- Heute feiern wir nicht nur Amerika, sondern engagiedeln - wenn möglich mit friedlicher Diplomatie und ren uns erneut für die Amerika innewohnende Idee:
wenn nötig mit Gewalt. Die mutigen Amerikaner, die
Eine Idee, die während der Revolution geboren
am Persischen Golf, in Somalia und andernorts stewurde und im Laufe von zwei Jahrhunderten der
hen, sind Zeugnis unserer Entschlossenheit.
Herausforderungen erneuert wurde;
Unsere größte Stärke ist jedoch die Macht unserer
Ideen, die in vielen Ländern immer noch neu sind. Wir
sehen, wie sie auf der ganzen Welt aufgenommen
werden, und wir freuen uns darüber. Unsere Hoffnungen, unsere Herzen, unsere Hände sind auf seiten
derjenigen auf allen Kontinenten, die Demokratie und
Freiheit aufbauen. Ihre Sache ist die Sache Amerikas.

Eine Idee, die mit dem Wissen einhergeht, daß
wir nur durch das Schicksal zu den Glücklichen
oder den weniger Glücklichen gehören;

Das amerikanische Volk hat den Wandel bewirkt, den
wir heute feiern. Sie haben in einem unmißverständlichen Chor Ihre Stimmen erhoben. Sie haben in
historischen Zahlen Ihre Stimmen abgegeben. Und
Sie haben das Gesicht des Kongresses, der Präsidentschaft und des politischen Prozesses selbst verändert.

Eine Idee, die von der Überzeugung geleitet ist,
daß Amerikas lange heroische Reise immer
nach oben führen muß.

Ja, meine amerikanischen Mitbürger, Sie haben den
Frühling erzwungen.
Jetzt müssen wir tun, was die Jahreszeit gebietet.
Dieser Arbeit wende ich mich nun zu, mit der ganzen
Autorität meines Amtes. Ich bitte den Kongreß, sich
mir anzuschließen. Aber kein Präsident, kein Kongreß, keine Regierung kann diese Mission allein in
Angriff nehmen.

Eine Idee, die durch den Glauben veredelt wird,
daß unsere Nation aus ihrer enormen Vielfalt die
größtmögliche Einheit erlangen kann;

Mitbürgerinnen und Mitbürger, an der Schwelle des 21.
Jahrhunderts wollen wir mit Energie und Hoffnung, mit
Glauben und Disziplin neu beginnen und arbeiten, bis
unsere Arbeit getan ist. In der Bibel steht geschrieben:
"Laßt uns nicht müde werden das Gute zu tun, denn
wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten,
sobald die Zeit dafür gekommen ist".
Vom Gipfel des Hügels, auf dem wir freudig feiern,
vernehmen wir den Aufruf zum Dienst aus dem Tal.
Wir haben die Trompeten gehört. Die Wachablösung
hat stattgefunden. Und jetzt muß jeder von uns auf
seine Weise und mit Gottes Hilfe der Aufforderung
Folge leisten.
Ich danke Ihnen und möge Gott Sie schützen.

* * * *

SONDERDIENST 1

*

Seite 3

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