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U.S. Information Service
Embassy oftoe&lt;ÜtöftedStates of America
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13. Januar 1993

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MILITÄRMACHT

AMERIKANISCHE MILITÄRMACHT MUSS
FRIEDEN FÖRDERN
Rede von Präsident Bush vor Militärakademie

AUSSENPOLITIK

EAGLEBURGER SIEHT FORTSCHRITTE,
WARNT VOR KÜNFTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor dem Council on Foreign Relations

CHEMISCHE WAFFEN

DIE KONVENTION ÜBER CHEMISCHE
WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

BOSNIEN

ERMORDUNG DES BOSNISCHEN VIZEPREMIERS ALS "KALTBLÜTIGEN
MORD" BEZEICHNET
Völlige Verachtung der UNO durch
bosnische Serben

IRAK

VEREINIGTE STAATEN FORDERN IRAK
AUF, WARNUNG DER UNO ERNST ZU
NEHMEN
Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen

SOMALIA

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE
BESCHLAGNAHMEN WAFFEN AUF MARKT
IN MOGADISCHU
Führer der Bürgerkriegsparteien
unterzeichnen Abkommen nicht

PORTRAT

CLINTON WÄHLT ERFAHRENEN MANN
FÜR VETERANENMINISTERIUM AUS
Porträt von Jesse Brown

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�MILITÄRMACHT
13. Januar 1993

AMERIKANISCHE MILITÄRMACHT MUSS
FRIEDEN FÖRDERN
Rede von Präsident Bush vor Militärakademie
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush bot seinem Nachfolger am 5. Januar 1993 eine Reihe von Richtlinien
für den Einsatz amerikanischer Streitkräfte im Ausland an und betonte die Notwendigkeit, Flexibilität zu zeigen
und gegebenenfalls auch im Alleingang zu handeln.
Bush erklärte vor dem Kadettenkorps der Militärakademie, gerne würde er sagen, "mit dem Ende des Kalten
Krieges wird die Inanspruchnahme der Vereinigten Staaten abnehmen. Das kann ich jedoch nicht." Der
Präsident sagte eine von Gewalt, Chaos, Aggression und Terrorismus gekennzeichnete Welt für den Fall
voraus, daß die Vereinigten Staaten sich in den Isolationismus zurückziehen würden.
"Es ist die Rolle der Vereinigten Staaten", stellte er fest, "ihre moralischen und materiellen Ressourcen zur
Förderung eines demokratischen Friedens einzusetzen".
Washington soll sich ihm zufolge zwar um internationale Unterstützung für die amerikanischen Aktionen
bemühen, diese dürfe aber keine "Vorbedingung ...sein. Manchmal muß eine Großmacht im Alleingang handeln."
Er äußerte, die Vereinigten Staaten sollten ihre Militärmacht einsetzen, wenn sie im Inland dafür Unterstützung
erhielten, die Aufgaben klar umrissen und die Kriterien für den Abzug bereits im voraus festgelegt seien.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.
Jeder Präsident erfüllt verschiedene Funktionen. Er ist
das Sprachrohr der Nation und spricht zu ihr. Er ist
verpflichtet, die Gesetze getreulich in die Tat umzusetzen. Und er muß führen.

nigten Staaten abnehmen. Das kann ich jedoch nicht.
Wir alle würden wohl zugeben, daß das Ende des
Kalten Krieges ein Segen ist. Es ist eine äußerst
vielversprechende Zeit. Nie zuvor gab es so viele
demokratische Regierungen. Was vor zwei oder drei
Keine Funktion des Präsidenten ist jedoch meines Tagen in Moskau geschah, wäre in den Tagen des
Erachtens wichtiger als seine Rolle als Oberbefehlsha- Kalten Krieges nicht möglich gewesen. Dank historiber der Streitkräfte. Denn in dieser Eigenschaft wird scher Verträge, wie der gerade mit Rußland abgeder Präsident mit Entscheidungen konfrontiert und hat schlossene START-Il-Vertrag, ist die Wahrscheinlichsolche zu fällen, die auf die eine oder andere Weise keit eines atomaren Holocaust enorm gesunken.
das Leben jedes einzelnen in diesem Land sowie in
vielen anderen Ländern der Welt berühren.
Das bedeutet jedoch nicht, daß das Gespenst des
Krieges nun verschwunden wäre und wir mit keinen
Ich hatte zahlreiche Gelegenheiten, diese wichtigste Bedrohungen mehr rechnen müssen. Wir sehen bealler Rollen des Präsidenten auszuüben. In den letzten reits beunruhigende Anzeichen dafür, wie diese neue
vier Jahren waren die Männer und Frauen, die stolz Welt aussehen könnte, falls wir passiv und distanziert
und mutig die Uniformen der Streitkräfte der Vereinig- sind. Wir würden das Risiko des Entstehens einer
ten Staaten getragen haben, aufgerufen, sich dem neuen Welt auf uns nehmen, die von Gewalt und
Übel entgegenzustellen - und sie haben die ihnen Chaos gekennzeichnet ist, in der Diktatoren und Tyauferlegte Aufgabe ehrenvoll und professionell erfüllt. rannen ihre Nachbarn bedrohen, von MassenvernichIch wünschte, ich könnte sagen, solche Forderungen tungswaffen strotzende Waffenlager anlegen und das
gehören der Vergangenheit an und mit dem Ende des Wohlergehen ihrer eigenen Bürger - Männer, Frauen
Kalten Krieges wird die Inanspruchnahme der Verei- und Kinder - au ßer acht lassen. Und wir würden einen

AMERIKA DIENST 2

Sehe 1

�entsetzlichen Anstieg des internationalen Terrorismus sollte auch gar nicht so sein. Wir würden uns erschöpbeobachten, womit amerikanische Bürger sich in grö- fen und dabei die wertvollen Mittel verschwenden, die
ßerer Gefahr befänden als je zuvor.
wirfürdie Lösung der Probleme bei uns und in anderen
Ländern benötigen, die wir nicht ignorieren dürfen.
Wir können und dürfen nicht zulassen, daß das geschieht. Es muß unser Ziel sein, die sich nach dem Nach dem Kalten Krieg, in einer Welt, in der wir die
Ende des Kalten Krieges ergebende einzigartige Ge- einzige verbleibende Supermacht sind, ist es jedoch
legenheit zu ergreifen: Darauf hinzuarbeiten, dieser die Rolle der Vereinigten Staaten, ihre moralischen
neuen Welt eine neue Weltordnung zu geben, mit und materiellen Ressourcen zur Förderung eines
demokratischen, toleranten Regierungen, die wirtschaft- demokratischen Friedens einzusetzen. Es liegt in
lichen Freiraum im Inland haben und allgemein der unserer Verantwortung und es ist unsere Chance, die
friedlichen Lösung der unvermeidbaren Differenzen Führungsrolle zu ergreifen. Es gibt niemanden sonst,
ohne Androhung oder Anwendung von Gewalt ver- der das tut.
pflichtet sind.
Eine Führungsrolle kann nicht einfach geltend geLeider hat sich nicht jeder diesen Prinzipien verschrie- macht oder gefordert werden. Man muß sie unter
ben. Es gibt immer noch führende Politiker, die die Beweis stellen. Das erfordert, daß man hehre Ziele
grundlegenden Menschenrechte nicht anerkennen und formuliert, andere von deren Wert überzeugt und
sichungeacht et der damit verbundenen menschlichen seinen Teil zu den gemeinsamen Anstrengungen beiOpfer Land zu eigen machen. Nein, eine Völkerge- trägt. Führung erfordert Zeit, Gedult und Arbeit.
meinschaft, die im Einklang mit diesen fortdauernden
Prinzipien lebt, die Amerika schon vor so langer Zeit für Ein Teil dieser Arbeit muß hier zu Hause geleistet
so viele Menschen zu einem Land der Hoffnung wer- werden. Der Kongreß hat eine verfassungsmäßige
den ließen, entsteht nicht einfach so. Man muß daran Rolle zu spielen. Führung bedeutet infolgedessen
auch, mit dem Kongreß - und dem amerikanischen
arbeiten.
Volk - zusammenzuarbeiten, um die für die Erfüllung
Vor zweihundert Jahren warnte ein anderer scheiden- der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staader Präsident vor den Gefahren sogenannter "verstrik- ten notwendige Unterstützung im Inland zu erhalten.
kender Bündnisse". Er schlug den zum damaligen
Zeitpunkt in der Geschichte richtigen Kurs ein. Was Genau das hat unsere Administration, die Bushjedoch zur Zeit von Präsident Washington "verstrik- Administration, versucht. Als Saddam Hussein in
kend" war, ist heutzutage lebenswichtig. Aus diesem Kuwait einmarschierte, waren es die Vereinigten StaaGrund sprach ich vor einigen Wochen vor Texas A&amp;M ten, die den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum
von der Torheit des Isolationismus and der morali- Handeln veranlaßten und die dann die erfolgreiche
schen, wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung Koalition auf dem Schlachtfeld mobilisierten. In Somalia
des Engagements der Vereinigten Staaten in interna- war die Situation ähnlich: Die Vereinigten Staaten
tionalen Angelegenheiten. Wir müssen uns engagie- betonten, wie wichtig es ist, die wachsende Tragödie
ren, wenn eine neue Weltordnung - die stärker im abzumildern, und anschließend organisierten wir
Einklang mit unseren Werten steht und sich mit unse- humanitäre Hilfsmaßnahmen, um den Menschen
ren Interessen deckt - entstehen soll. Noch wichtiger Hoffnung, Nahrungsmittel und Frieden zu bringen.
ist jedoch, daß wir eine führende Rolle übernehmen.
Manchmal erfordert wirkliche Führung die Bereitschaft
Eine Führungsrolle kann verschiedene Formen an- zum Einsatz militärischer Gewalt. Und diese kann den
nehmen. Es kann sich um politische oder diplomati- nützlichen Hintergrund für die Diplomatie bilden, sie
sche, wirtschaftliche oder militärische, moralische oder ergänzen oder gegebenenfalls zeitweise eine Alternageistige Führung handeln. Eine Führungsrolle kann tive hierzu darstellen.
jede dieser Formen annehmen oder eine Kombination Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte habe ich die
dessen sein.
schwierige Entscheidung für den Einsatz militärischer
Gewalt getroffen. Ich entschied, wir dürfen nicht
zulassen, daß Saddams Streitkräfte Kuwait verwüsten
und diese wichtige Region mit vorgehaltener Waffe in
Schach halten. Damals war ich der Ansicht - und bin
es auch heute noch - daß der Einstz militärischer
Gewalt zur Durchsetzung der Resolutionen des UNOSicherheitsrates im Interesse der Vereinigten Staaten
und der Völkergemeinschaft lag. Die Notwendigkeit
des Einsatzes von Gewalt ergab sich auch nach dem
Nein, die Vereinigten Staaten sollten nicht nach der Golfkrieg, als wir den Völkern sowohl im Norden als
Rolle des Weltpolizisten streben. Hierfür finden wir auch im Süden des Irak zu Hilfe kamen. Und wie Sie
weder im In- noch im Ausland Unterstützung. Und das alle sicher wissen, entschied ich vor kurzem, daß nur

Führung sollte nicht mit Unilateralismus oder Universalismus verwechselt werden. Wir müssen nicht auf
jede gewalttätige Ausschreitung reagieren. Die Tatsache, daß Amerika handeln kann, bedeutet nicht, daß
es dazu verpflichtet ist. Der Sinn einer Nation für
Idealismus muß nicht mit ihren Interessen kollidieren.
Und Prinzipien können kein Ersatz für kluges Handeln
sein.

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AMERIKA DIENST 2

�der Einsatz von Gewalt die menschliche Tragödie in
Somalia eindämmen könnte.
Die Vereinigten Staaten sollten nicht tatenlos zusehen, wenn so viele Menschenleben auf dem Spiel
stehen und ein begrenzter Einsatz amerikanischer
Streitkräfte, verstärkt durch die Streitkräfte anderer
Länder und mit voller Ermächtigung der Vereinten
Nationen dazu führt, daß man unverzüglich einen
dramatischen Unterschied bewirkt - und das ohne allzu
große Risiken und Kosten. Die Operationen "Provide
Comfort" und "Southern Watch" im Irak und die Operation "Restore Hope" in Somalia sind der Beweis für
die Richtigkeit des selektiven Einsatzes von Gewalt für
ausgewählte Zwecke.
Manchmal ist die Entscheidung, keine Gewalt einzusetzen, sich zurückzuhalten, ebenso schwierig wie die
Entscheidung, unsere Soldaten in die Schlacht zu
schicken. Im ehemaligen Jugoslawien entstand eine
solche Situation. Wir alle wissen, daß dort wichtige
humanitäre und strategische Interessen auf dem Spiel
stehen. Aber bis heute hat sich nicht gezeigt, daß ein
begrenzter Einsatz militärischer Gewalt von seifen der
Vereinigten Staaten oder ihrer traditionellen Freunde
und Verbündeten die angesichts der Natur und der
Komplexität der Situation erwünschten Auswirkungen
haben würde.

In ähnlicher Weise können wir nicht immer im voraus
sagen, welche Interessen den Einsatz militärischer
Gewalt erfordern. Die relative Bedeutung der einzelnen Interessen ist hier nicht hilfreich: Militärische
Gewalt ist vielleicht nicht der beste Weg, etwas Lebenswichtiges zu schützen, während der Einsatz von Gewalt
vielleicht die beste Möglichkeit ist, wichtige, aber eben
nicht lebenswichtige Interessen zu schützen.
Die Warnung vor der vergeblichen Suche nach starren, schnell verfügbaren Regeln für den Einsatz militärischer Gewalt impliziert nicht, daß wir uns bei unserer
Entscheidungsfindung nicht an einige Prinzipien halten. Solche Leitlinien können nützlich für die Entscheidung über den Umfang unserer Streitkräfte und in der
Tat bei ihrer Strukturierung sein und uns beim Nachdenken über diese Schlüsselfrage helfen.
Der Einsatz militärischer Gewalt als politische Maßnahme ist sinnvoll, wenn viel auf dem Spiel steht, der
Einsatz von Gewalt wirksam sein kann, andere politische Maßnahmen sich als unwirksam erweisen, ihre
Anwendung in bezug auf Umfang und Zeit eingeschränkt ist und wenn die möglichen Vorteile die
möglichen Kosten und Opfer rechtfertigen.

Wenn wir sicher sind, daß der Einsatz von Gewalt
sinnvoll ist, müssen wir mit der größtmöglichen Unterstützung handeln. Die Vereinigten Staaten können
Unsere Einschätzung der Situation im früheren Jugo- und sollten eine führende Rolle spielen, aber wir wollen
slawien könnte sich sehr wohl ändern - falls und je mit anderen zusammen handeln, falls möglich mit den
nachdem wie sich die Situation dort ändert. Es könnte Vereinten Nationen oder anderen multinationalen
immer mehr auf dem Spiel stehen; der Konflikt könnte Gruppierungen. Die Vereinigten Staaten können und
sich ausweiten. Tatsächlich bewerten wir unsere sollten entsprechend unserem Wohlstand und unserer
Optionen ständig neu und führen Gespräche mit ande- Stärke an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligt
ren über mögliche Schritte zur Eindämmung der Kämpfe, sein. Aber auch andere sollten einen militärischen
zum Schutz der Bestrebungen im humanitären Be- Beitrag leisten, sei es durch die Bereitstellung von
reich und um Serbien um die Früchte seiner Aggres- Kampf- oder Unterstützungstruppen, Zugang zu Einrichtungen oder Militärstützpunkten oder Überflugrechsion zu bringen.
te. Und in ähnlicher Weise sollten andere einen
Militärische Gewalt sollte nie leichtfertig oder allge- wirtschaftlichen Beitrag leisten. Man kann nicht erwarmein als Werkzeug eingesetzt werden. Unter man- ten, daß die Vereinigten Staaten die ganze finanzielle
chen Umständen ist sie vielleicht notwendig, unter Last einer Intervention tragen, wenn für andere Natioanderen kontraproduktiv. Ich weiß, daß viele Men- nen ebenfalls viel auf dem Spiel steht.
schen gerne ein Patentrezept finden würden - das
einfach anzuwenden ist und genau vorschreibt, wann Der Wunsch nach internationaler Unterstützung darf
und wo wir mit militärischer Gewalt intervenieren soll- jedoch nicht die Vorbedingung für das Handeln sein.
ten. Jeder, der nach etwas wissenschaftlich Fundier- Manchmal muß eine Großmacht im Alleingang hantem sucht, wird eine Enttäuschung erleben. In der deln. Ich habe die äußerst schwierige Entscheidung
komplexen neuen Welt kann es nicht ein einziges, getroffen - ich könnte vielleicht sagen, auf Anraten
einfaches Rezept für den Einsatz von Gewalt geben. unserer ausgezeichneten Militärs, die jeder der hier
Die Frage einer militärischen Intervention erfordert Anwesenden so gut kennt - in Panama militärische
unweigerlich Urteilskraft, denn jeder Fall ist auf seine Gewalt einzusetzen, als das Leben von Amerikanern
Weise einzigartig. Hier starre Kriterien anzulegen und die Sicherheit der Kanalzone von Geächteten
würde unweigerlich zu Fehlern führen, die amerikani- bedroht wurde, die im Angesicht von freien Wahlen die
sche Interessen und Menschenleben bedrohen wür- Macht an sich rissen. Und in ähnlicher Weise haben
den. Und das würde auch den potentiellen Störenfrie- wir schnell gehandelt, um die Demokratie auf den
den einen Plan für ihre eigenen Aktionen liefern. Es Philippinen zu schützen.
könnte unseren Freunden und Verbündeten signalisieren, daß man sich auf unsere Unterstützung nicht In jedem Fall eines Einsatzes von Gewalt ist es jedoch
unabdingbar, eine eindeutige und durchführbare Misverlassen kann.
AMERIKA DIENST 2

Seite 3

�sion, einen realistischen Plan zur Verwirklichung des
Auftrags und ebenso realistische Kriterien für den
Abzug der amerikanischen Streitkräfte zu haben, sobald
die Mission erfüllt ist. Nur wenn wir uns diese Prinzipien vor Augen führen, kann das potentielle Opfer
erklärt und gerechtfertigt werden. Wir dürfen niemals
vergessen, daß der Einsatz von Gewalt nicht irgendeine politische Abstraktion, sondern eine reale Verpflichtung unserer Väter und Mütter, Söhne und Töchter,
Brüder und Schwestern, Freunde und Nachbarn ist.
Wir müssen ihn unter humanitären Bedingungen betrachten.
Um jedoch überhaupt eine Wahl zu haben, müssen
uns geeignete Streitkräfte zur Verfügung stehen, die
auf ein breites Spektrum von Eventualfällen einschließlich der Friedenssicherung zugeschnitten sind. Die
Bestrebungen zur Verwirklichung einer neuen Weltordnung erfordern in der Tat ein modernes, fähiges
Militär und in einigen Bereichen mehr statt weniger
Verteidigungsausgaben.

Es ist auf schlu ßreich, sich vor Augen zu führen, warum
dies so ist. Im Grunde ihres Herzens gründet sich eine
Freiwilligenarmee auf eine Entscheidung - Sie alle
wissen das -, die freie, von jungen Männern und
Frauen getroffene Entscheidung, den Streitkräften
beizutreten und die Entscheidung reiferer Männer und
Frauen, bei den Streitkräften zu bleiben. Die Institution
der Streitkräfte ist außerdem an der Verpflichtung
gereift, vorzügliche Leistungen zu erbringen und zu
fördern. Es ist eine Leistungsgesellschaft in Aktion.
Rasse, Religion, Wohlstand, Herkunft zählen nicht. In
der Tat bietet das Militär zahlreiche Beispiele für die
übrige Gesellschaft, indem es beweist, was getan
werden kann, um die Geißel des Drogenhandels zu
bekämpfen, die Schranken der Rassendiskriminierung niederzureißen und Frauen gleiche Chancen
anzubieten.
Dies ist nicht nur eine Folge der Auswahl. Es spiegelt
auch das Engagement des Militärs für Aus- und Fortbildung wider. Wie Sie wissen, spricht man von der
Konversion der Rüstungsindustrie, dem Prozeß, mit
dem die Rüstungsindustrie für zivile Zwecke umgerüstet wird. Nun, die Konversion beim Militär dauert seit
Jahren an. Es ist der konstante Prozeß der Aus- und
Weiterbildung, den das Militär so ausgezeichnet meistert, der es dem einzelnen gestattet, mit dem neuesten Stand der Technologie vertraut zu sein, herausforderndere Verwendungen anzunehmen und sich auf
ein Leben als Zivilist vorzubereiten.

Als Präsident habe ich erklärt, daß mir die Entsendung
von Streitkräften aufgrund der Wahrung amerikanischer Interessen im Ausland möglich war, weil frühere
Präsidenten - und ich möchte hier meinen Vorgänger
Ronald Reagan besonders hervorheben - und frühere
Verteidigungsminister ein starkes Militär beibehalten
haben. In diesem hehren Vertrauen erfüllt es mich mit
Stolz, meinem Nachfolger, dem neugewählten Präsidenten Clinton, ein einzigartiges Militär übergeben zu
können. Wir haben nur die Besten.
Aus dieser Kultur von Leistung und Konkurrenzkampf
sind Hunderttausende höchst qualifizierter Männer
Und dennoch muß man sich vor Augen führen, daß - und Frauen mit echtem Selbstvertrauen hervorgeganso wichtig diese Faktoren auch sein mögen - jedes gen. Sie verfügen über eine spezielle Mischung von
Militär mehr ist als nur die Summe seiner Waffen oder Disziplin, eine Bereitschaft, Führung zu akzeptieren
der Stand seiner Technolgie. Was Streitkräfte wirklich und das Vertrauen - die Bereitschaft - Verantwortung
effektiv macht, ist die Qualität ihrer Führung, die Qualität zu übernehmen. Zusammengenommen bieten Disziihrer Ausbildung, die Qualität ihrer Menschen.
plin und Vertrauen die Grundlage für den Erfolg und
dafür, gute Arbeit zu leisten.
Wir haben im Ausland nicht zuletzt wegen unserer
Menschen in Uniform Erfolg gehabt. Die Männer und Es gibt keine höhere Berufung, keine ehrenwertere
Frauen in unseren Streitkräften haben ihre Fähigkeit Entscheidung als die von den heute hier Anwesenden
zur Bewältigung der Herausforderungen einer moder- getroffene. Den Streitkräften beizutreten heißt bereit
nen Kriegführung unter Beweis gestellt. Und gleichzei- zu sein, für Ihr Land und Ihre Mitmenschen das höchtig haben die amerikanischen Soldaten ihren Auftrag ste Opfer zu bringen.
stets mit der Tugend der Fürsorge und Freundlichkeit
versehen - sei es auf dem Schlachtfeld im Irak oder in Was Sie getan haben, was Sie tun, übermittelt eine
einem kleinen Dorf in Somalia. Wer wird jemals die wichtige Botschaft, die - so fürchte ich - inmitten der
völlig verängstigten irakischen Soldaten vergessen, heutigen, häufig materialistischen, egozentrischen Welt
die sich den amerikanischen Truppen ergaben? Ich manchmal verloren geht. Es ist von Bedeutung, sich
nicht, das weiß ich. Und wer wird vergessen, wie der zu erinnern, zu demonstrieren, daß es einen höheren
amerikanische Soldat den Arm ausstreckte und sagte: Zweck des Lebens neben dem eigenen Ich gibt. Ich
"Jetzt ist alles in Ordnung." Oder den jungen Marinein- spreche von Familie, Gemeinschaft und Idealen. Ich
fanteristen in Somalia, der mit Tränen in den Augen spreche von Pflicht, Ehre, Vaterland.
den zerbrechlichen Arm eines abgemagerten Kindes
Es gibt viele Formen, einen Beitrag für dieses Land zu
hielt.
leisten, des Dienstes an der Öffentlichkeit. Ja, es gibt
Es kann kein Zweifel daran bestehen: Die Freiwilligen- die Regierung. Es gibt Freiwilligenverbände - ich
armee ist eine der wirklichen Erfolgsgeschichten des spreche gerne von den Tausend Punkten des Lichts heutigen Amerikas.
Beispiele, wie Amerikaner einander helfen. Die tägliSeite 4

AMERIKA DIENST 2

�chen Aufgaben erfordern Taten - in unseren Klassenzimmern, Krankenhäusern, Städten, Bauernhöfen. Sie
alle können eine Form des Dienstes repräsentieren
und tun dies auch. Egal in welcher Form - Dienste
nutzen unserer Gesellschaft und adeln den Gebenden. Es ist ein in Ehren gehaltenes amerikanisches
Konzept, das wir weiterhin praktizieren und an unsere
Kinder weitergeben sollten.

18. Geburtstag. Als die Begrüßungszeremonie endete, fuhr ich nach Boston und schrieb mich als Gefreiter
bei der Marine ein. Und ich habe es nie bereut.
Auch Sie haben sich eingeschrieben. Auch Sie werden es nie bereuen. Und ich beglückwünsche Sie
dazu.
Aufgrund der in den vergangenen Jahren und heute
noch erbrachten Opfer sollten Sie in der glücklichen
Lage sein, diese Phase Ihrer Ausbildung abzuschließen. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit ich
von der Schule abging, um den Steitkräflen beizutreten. Ein halbes Jahrhundert ist seit jenem Tag vergangen, an dem Stimson von der Herausforderung sprach,
eine neue Welt zu schaffen.

Dies wollte ich bei dieser Gelegenheit vermitteln. Sie
beginnen Ihren Dienst am Vaterland, und ich nähere
mich dem Ende meines Dienstes. Vor einem halben
Jahrhundert, im Juni 1942, befanden wir uns - wie
General Graves erwähnte - im Krieg, und ich machte
gerade meinen Schulabschlu ß. Der Redner an jenem
Tag in Andover war der damalige Kriegsminister, Henry
Stimson. Und seine Botschaft war eine des Dienstes
Auch Sie werden in eine neue Weh eintreten, eine sehr
an der Öffentlichkeit, jedoch etwas verschlüsselt: die
viel bessere Welt als die ich kennengelernt habe - eine
Bedeutung, die Schule zu beenden, bevor man für sein
Welt mit dem Potential, noch viel besser zu sein. Dies
Vaterland in den Krieg geht.
ist die Herausforderung, dies ist die Chance Ihres
Ich habe seinen Worten aufmerksam zugehört, seinen Lebens. Ich beneide Sie darum und wünsche Ihnen
Rat jedoch nicht angenommen. Jener Tag war mein viel Glück...
* * * * *

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Seite 5

�Internationales Besucherprogramm — Im Rahmendes Internationalen Besucherprogramms gibt die Regierung der Vereinigten Staaten ausgewählten Teilnehmern aus allen Bereichen der
Gesellschaft die Möglichkeit, eine einmonatige beruflich orientierte Reise in die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Im Laufe
der letzten Jahre ist die Zahl der Teilnehmer aus den neuen
Ländern bedeutend angestiegen: Von 35 im Jahr 1991 auf 45 im
Jahr 1992. Für 1993 rechnet man mit 57.
Studentenberatung — Das US-Informationsamt hat aufgrund
der Bedeutung, die persönlichen Kontakten zwischen jungen
Menschen für die Völkerverständigung beigemessen wird, besonderen Wert auf die Förderung von Studentenaustauschprogrammen zwischen amerikanischen und ostdeutschen Universitäten gelegt. In Leipzig, Berlin, Bonn und Hannoverarbeiteten
Mitglieder des US-Informationsamtes mit verschiedenen Universitäten in den neuen Bundesländern an der Weiterentwicklung und Ausweitung von studentischen Austauschprogrammen zusammen. Im Einklang mit dieser Initiative haben private
amerikanische Verleger und solche des US-Informationsamtes
vielen Universitäten im Osten Bücher und andere Materialien mit
praktischen Informationen über amerikanische Universitäten,
Austauschprogramme und die Kosten eines Studiums in den
Vereinigten Staaten gestiftet.

nen der englischen Sprache zu geben, indem es bei der Aufstellung eines Netzes von fähigen Englischlehrern auf allen Ebenen
des Erziehungssystems behilflich ist. Ein Unterrichtsbeauftragter des US-Informationsamtes vom Amerika Haus Berlin besuchte in den letzten zwei Jahren mehr als zwei Dutzend Institutionen, um Lehrern und Professoren bei der Verbesserung ihrer
Fähigkeiten behilflich zu sein und sie mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet des Englischunterrichts vertraut zu
machen. Auch hat das US-Informationsamt zahlreichen Institutionen in den neuen Bundesländern Materialien für den Englischunterricht zur Verfügung gestellt.
Programme und Redner — Ausstellungen, Vorführungen und
Vorträge im kulturellen Bereich sowie renommierte amerikanische Redner haben zu einer verstärkten amerikanischen
Präsenz in den neuen Bundesländern beigetragen und den
Bundesbürgern im Osten eine Vielzahl von Aspekten der Gesellschaft und Kultur Amerikas zugänglich gemacht. Aufführungen
berühmter amerikanischer Künstler und Tanztruppen - einschließlich einer Tournee der Susan Marshall Dance Company
in Ostdeutschland im Jahr 1992, einer der führenden postmodernen Tanztruppen der Vereinigten Staaten - haben den Menschen in den neuen Bundesländern eine Begegnung aus erster
Hand mit der amerikanischen Kultur verschafft. Die vielen hochrangigen amerikanischen Redner, die mit Unterstützung des
US-Informationsamtes die neuen Bundesländer besuchten,
führten Gespräche über die deutsch-amerikanischen Beziehungen, die Umwelt, Stadtplanung, neue Technologien, Erhaltung von Geschichtsdenkmälern, die multikulturelle Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und andere wichtige Themen
und trugen damit zu einer verbesserten Kommunikation und
Verständigung zwischen Amerika und den neuen deutschen
Bundesländern bei.

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Weitere Informationen sind bei den folgenden Stellen erhältlich:

Botschafter Robert M. Kirnmitt überreicht Bücherspende an
Regionalbibliothek Neubrandenburg
Bücherspenden — Das US-Informationsamt reagierte auf die
Schwierigkeiten, denen sich die Bibliotheken und Lehrinstitute in
den neuen Bundesländern gegenübersehen, indem es die ehemals in den westlichen Bundesländern stationierten amerikanischen Streitkräfte um Spenden von durch ihren Abzug verfügbaren Büchern und Informationsmaterialien an ostdeutsche
Institutionen bat. Bis Ende 1992 spendete das amerikanische
Militär verschiedenen Stadt- und Universitätsbibliotheken in den
neuen Bundesländern nahezu 300.000 Bücher, wodurch diese
ihre Sammlungen zu amerikanischer Geschichte, Gesellschaft
und Kultur beträchtlich erweitern konnten.
Englischunterricht — Das US-Informationsamt bemüht sich,
den neuen Bundesbürgern verstärkt die Möglichkeit zum Erler-

Amerika Haus Leipzig
Wilhelm-Seyfferth-Straße4
0-7010 Leipzig
Amerika Haus Berlin
Hardenbergstraße 22-24
1000 Berlin 12
U.S. Foreign Commercial Service
Wilhelm-Seyfferth-Straße 4
0-7010 Leipzig
U.S. Foreign Commercial Service
Neustädtische Kirchstraße 4-5
0-1080 Berlin
U.S. Embassy Office
Neustädtische Kirchstraße 4-5
0-1080 Berlin
U.S. Embassy
Deichmanns Aue 29
5300 Bonn 2

Tel: (0341)21178 65
Fax: (0341)2117855
Tel: (030)310001-1
Fax: (030)317945
Tel: (0341) 211 79 28
Fax: (0341)21179 27
Tel: (030) 238 51 74
Fax: (030)238 62 96
Tel: (030)238 5174
Fax: (030) 251 02 37
Tel: (0228) 339-1
Fax: (0228)334102

DESIGN &amp; PRINTING USIS BONN 1993

...die fünf
neuen Bundesländer
und Amerika

�ENGAGEMENT DER VEREINIGTEN STAATEN
IN DEN FÜNF NEUEN BUNDESLÄNDERN
HANDEL
Handel und Investitionen sind die wichtigsten Aspekte beim
Wiederaufbau in den neuen Bundesländern, und amerikanische
Unternehmen waren mit Unterstützung der deutschen und der
US-Regierung bereits in diesem Bereich tätig. Seit der Vereinigung haben sie in den neuen Bundesländern Investitionen im
Wert von mehr als 5 Milliarden DM getätigt, womit nahezu
40.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden. Amerikanische Unternehmen sind auf den Gebieten Verkauf und
Investitionen in den neuen Bundesländern führend.
Im Osten sind große und kleine Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen in vielen Geschäftsbereichen tätig,
u.a. in der Nahrungsmittel-, Automobil-, Computer- und der Verarbeitenden Industrie, auf dem Immobilienmarkt, in der pharmazeutischen Industrie, im Telekommunikationsbereich und im
Dienstleistungssektor.

KULTURELLE BINDUNGEN
Nachfolgend einige Beispiele für das wirtschaftliche Engagement amerikanischer Unternehmen in den östlichen Bundesländern:
• Coca-Cola investiert 750 Millionen DM und schuf
2.750 neue Arbeitsplätze;
• Esso kündigte an, daß es Ende 1992 55 Tankstellen betrieb
und 100 Millionen DM investiert hatte;
• Ford investierte in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Händlern 500 Millionen DM und schuf 5.000 Arbeitsplätze;
• General Motors tätigte mit 1 Milliarde DM in seinem Opel-Werk
in Eisenach die größte amerikanische Investition in den neuen
Ländern;
• McDonald's gab den Plan bekannt, Ende 1993 26 Schnellrestaurants zu betreiben - eine Gesamtinvestition von nahezu
125 Millionen DM in den nächsten Jahren.

LANDWIRTSCHAFT
Die amerikanische Regierung und Landwirtschaftsvereinigungen des Privatsektors beteiligen sich aktiv an der landwirtschaftlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern. Mit Hilfe des
Foreign Agricultural Service des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums hat die US-Regierung verschiedenen staatlichen und privaten Organisationen im Osten Information und
Beratung zu landwirtschaftlichen Verwaltungspraktiken zur Verfügung gestellt. Zusätzlich knüpften zahlreiche amerikanische
Landwirtschaftsvereinigungen in den östlichen Bundesländern
berufliche und geschäftliche Beziehungen an. Die amerikanische Sojabohnenvereinigung und der US Dairy Genetics Council erarbeiten beispielsweise mit kleinen und großen Viehzuchtbetrieben Möglichkeiten zur Verbesserung der Futterqualität und
der Erbanlagen von Tieren. Der Verband der amerikanischen
Sperrholzindustrie arbeitet mit Hausbauern aus dem Osten an
der Verwendung von Holzeinfassungen beim Hausbau.

Deutsche Arbeiter montieren Autos im Opel-Werk in Eisenach
Zur Unterstützung der amerikanischen Exporteure und Investoren in den neuen Ländern fördert der Foreign Commercial Service
der US-Regierung (der 1990 in Berlin und 1992 in Leipzig neue
Niederlassungen aufgemacht und damit seine Aktivitäten im
Osten erweitert hat) die Teilnahme amerikanischer Unternehmen an Messen, Handelsmissionen, Konferenzen und Seminaren mit dem Ziel, deutsche Behörden mit amerikanischen Produkten und Technologien vertraut zu machen und die Partnerschaft zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen
bei der Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten im Osten zu verbessern. Wichtig sind hierbei die Bereiche Recycling, Beseitigung von Altlasten, Entsorgung von Sondermüll, Kapitalbeschaffung, Stromerzeugung und Franchising.

ZUSAMMENARBEIT IM POLIZEIWESEN
Die Polizei- und Sicherheitskräfte in den neuen Bundesländern
passen sich an die als Folge der Vereinigung geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Zusätzlich zu der im Rahmen
des deutschen Polizeiwesens stattfindenden Ausbildung unterstützt die amerikanische Regierung die Behörden auf Bundes-,
Landes- und Gemeindeebene durch vom FBI organisierte Sonderprogramme bei der erforderlichen Ausbildung. Das umfaßt
Schulungen für ausgewählte Strafverfolgungsbeamte in der FBIAkademie in der Nähe der Bundeshauptstadt Washington sowie
von Mitgliedern der amerikanischen Strafverfolgungsbehörde in
Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium vor Ort abgehaltene Übungstreffen in den neuen Bundesländern.

Seit der Vereinigung Deutschlands hat das US-Informationsamt
(United States Information Service - USIS) bei der Wiederanknüpfung von Beziehungen zwischen Amerikanern und Bürgern
der fünf neuen Bundesländer eine wichtige Rolle gespielt:

Amerikanisches Generalkonsulat
und Amerika Haus Leipzig
Amerika Haus Leipzig — Am 30. Juni 1992 eröffnete das
US-Informationsamt in Leipzig das erste Kulturinstitut in den
neuen Bundesländern. Der amerikanische Botschafter Robert
M. Kimmitt weihte das Amerika Haus Leipzig in einer Feierstunde, der 400 hochrangige Gäste beiwohnten, ein und unterstrich
die Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den kulturellen
Beziehungen zu den neuen Bundesländern beimessen. Das
Amerika Haus Leipzig und seine althergebrachte Schwesterinstitution, das Amerika Haus Berlin, fördern kulturelle Austauschprogramme in den neuen Bundesländern und verfügen über
eine für die Öffentlichkeit zugängliche Bibliothek mit einer großen Sammlung englischsprachiger Bücher und Zeitschriften
über alle Aspekte des Lebens und der Gesellschaft in Amerika.
Austauschprogramme — Akademische und berufliche Austauschprogramme sind wahrscheinlich die wichtigste Möglichkeit, die Völkerverständigung zu verbessern, und das USInformationsamt hat eine Vielzahl solcher Austauschaktivitäten
in den neuen Bundesländern entwickelt. Hierzu gehören das
Fulbright-Programm, die RIAS-Kommission und das Parlamentarische-Patenschafts-Programm (PPP), ein vom amerikanischen Kongreß und dem Deutschen Bundestag durchgeführtes
Jugendaustauschprogramm:
• Seit der Vereinigung ist die Zahl der am Fulbright-Programm
teilnehmenden Professoren und Studenten aus den östlichen
Bundesländern von 12 im Jahr 1991 auf 39 im Jahr 1992
angestiegen. Für 1993 wird ein Anstieg auf 99 erwartet
• Kürzlich wurde die RIAS-Kommission gegründet, um die
Tradition von RIAS im Rundfunkwesen durch die Finanzierung
von Ausbildungsprogrammen für Journalisten, mit besonderer
Ausrichtung auf Journalisten aus den neuen Bundesländern,
weiterzuführen.
• Seit der Vereinigung wurde das PPP allein im Jahr 1992 um
ungefähr 100 Teilnehmer aus Ostdeutschland erweitert

�AUSSENPOLITIK
13. Januar 1993

EAGLEBURGER SIEHT FORTSCHRITTE, WARNT VOR
KÜNFTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Rede vor dem Council on Foreign Relations
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Eagleburger zufolge besteht die wichtigste außenpolitische Herausforderung für die Vereinigten Staaten heute darin, den Wesensgehalt der Demokratien, der den Sieg im Kalten Krieg
gesichert hat, zu bewahren und zu stärken.
In einer Rede vor dem Council on Foreign Relations stellte Eagleburger am 7. Januar 1993 fest, daß wir "uns
inmitten einer globalen Revolution befinden, einer Zeit der Veränderungen und Instabilität, deren einzige
Parallelen in der Neuzeit die Französische und die Russische Revolution sind".
Eagleburger nannte Jugoslawien und Somalia als Paradebeispiele für den Zusammenbruch des nach dem
Zweiten Weltkrieg entstandenen postkolonialen Staatensystems. Dadurch seien viele Nationen "zunehmend
unfähig, grundlegende staatliche Funktionen zu erfüllen, ihre inneren Angelegenheiten zu kontrollieren oder
partikularistischen und separatistischen Tendenzen innerhalb ihrer Grenzen zu widerstehen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Im September 1989 habe ich eine Rede gehalten, in
der ich die einzigartigen und schwierigen Herausforderungen erörterte, mit denen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten beim Übergang von einer bipolaren
zu einer multipolaren Welt unweigerlich konfrontiert
sein würde. Mein guter Freund Peter Tarnoff beeilte
sich daraufhin, mich in der New York Times ins Gebet
zu nehmen, weil ich eine Nostalgiefürden Kalten Krieg
gezeigt hätte. Damals habe ich diese Charakterisierung bestritten. Heute jedoch, Peter, muß ich ein
Geständnis machen: Ich hege inzwischen wirklich
nostalgische Gefühle für den Kalten Krieg - und ich
vermute, Sie könnten sich dieses Gefühl bald selbst zu
eigen machen.
Tatsache ist, daß es mir damals unmöglich war, vorauszusehen, wie turbulent das neue Zeitalter in Wirklichkeit werden würde. Heute jedoch ist überreichlich
klar, daß wir uns inmitten einer globalen Revolution
befinden, einer Zeit der Veränderungen und Instabilität, deren einzige Parallelen in der Neuzeit die Französische und die Russische Revolution sind. Überall wird
der Status quo in Frage gestellt. So hat das Ende der
durch den Kalten Krieg hervorgerufenen scharfen
Trennung der Welt in zwei von Supermächten geführte
Blöcke zu einem weit offeneren internationalen System geführt, in dem Saddam Husseins Invasion in
Kuwait nur das ungeheuerlichste Beispiel des wesent-

AMERIKA DIENST 2

lich größeren Potentials für globale Anarchie bietet,
das heute besteht.
Darüber hinaus befindet sich das nach dem Zweiten
Weltkrieg entstandene postkoloniale Staatensystem
selbst im Zusammenbruch, während viele Nationen
zunehmend unfähig sind, grundlegende staatliche
Funktionen zu erfüllen, ihre inneren Angelegenheiten
zu kontrollieren oder partikularistischen und separatistischen Tendenzen innerhalb ihrer Grenzen zu widerstehen. Hier sind Somalia und Jugoslawien die augenfälligsten, jedoch bei weitem nicht die einzigen Beispiele für diese Tendenz zur Zersplitterung.
Gemeinsam mit der Erfüllung der M ission der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg stellen diese Veränderungen die Vereinigten Staaten vor die existentielle Notwendigkeit, ihren Platz und ihre Ziele in der Wert neu zu
definieren. Einige betrachten den jüngsten weltweiten
Aufschwung der Demokratie als prägendes Charakteristikum dieses Zeitalters, und sie gehen davon aus,
daß das Endedes Kalten Krieges esfürdie Vereinigten
Staaten sowohl sicher als auch erforderlich gemacht
habe, zugunsten der Demokratie eine Außenpolitik
Wilsonscher Prägung zu betreiben. Andere betrachten die Welt als voll von einzigartiger Gefahr und
Unordnung und meinen, da die Vereinigten Staaten
nicht mehr dieselbe politisch und wirtschaftlich domi-

Seite 1

�nierende Rolle spielen können wie in der Vergangenheit, müßten sie weiterhin nationale Sicherheit und
internationale Stabilität als ihre höchsten außenpolitischen Ziele verfolgen.
Ich werde die Debatte zwischen den Anhängern des
Idealismus und der Realpolitik heute abend nicht entscheiden. Ich möchte jedoch untersuchen, wie die
Bush-Administration einige der Herausforderungen
bewältigt hat, mit denen sie in den vergangenen vier
Jahren konfrontiert war. Ich tue dies nicht nur, um - zu
meiner, wenn nicht zu Ihrer Zufriedenheit - zu demonstrieren, wo wir mit Erfolg einen Grundstein für die
amerikanische Außenpolitik im Zeitalter nach dem
Kalten Krieg gelegt haben, sondern auch, damit ich
einige der Lehren beschreiben kann, die meines Erachtens aus unserer Erfahrung gezogen werden sollten.

Reich, das ohne bösartige und gewalttätige Zuckungen zusammengebrochen ist. Niemand erwartete
darüber hinaus, daß die Kommunistische Partei ihr
Machtmonopol im Inland sowie die imperiale Vorherrschaft im Ausland kampflos preisgeben würde. Es war
durchaus vorstellbar, daß das Ableben der Sowjetunion von Bürgerkrieg, Krieg in Europa und vielleicht
sogar dem Risiko eines weltweiten nuklearen Schlagabtauschs begleitet würde.

Daß dies nicht der Fall war, ist meines Erachtens
teilweise der geschickten, wenn auch bisweilen mißverstandenen Diplomatie George Bushs zuzuschreiben. Selbst heute noch argumentieren seine Kritiker,
der Präsident habe beim Umgang mit der ehemaligen
Sowjetunion ständig den Ereignissen hinterhergehinkt
- mit seiner späten und lauwarmen Unterstützung
Gorbatschows, seiner späten und unauffälligen Reaktion auf den Zusammenbruch der sowjetischen KonViele haben behauptet, wir hätten es überhaupt nicht trolle über Osteuropa und seiner späten Lösung von
geschafft, einen neuen Grundstein zu legen - daß Gorbatschow und Hinwendung zur Sache der demounsere Außenpolitik grundsätzlich reagierend und dem kratischen Reformen in Rußland und Unabhängigkeit
Status quo ungebührlich verhaftet gewesen sei und in den Republiken. An jedem Punkt wurde dem
daß es ihr an strategischer Logik oder demokratischer Präsidenten ungebührliche Anhänglichkeit an den Status
Vision gefehlt habe. Wie Sie erwarten werden, stimme quo und ungenügender Eifer für die amerikanischen
ich dem nicht zu. Ich glaube, daß diese Administration Ideale vorgeworfen.
drei einzigartige Herausforderungen erfolgreich bewältigt hat:
Was jedoch hat der Präsident zu erreichen versucht?
Sein erster Ansatz bestand darin, Gorbatschow dazu
die friedliche Beendigung des Kalten Krieges,
aufzufordern, dem neuen sowjetischen Denken bei
die Auseinandersetzung mit der durch das Ende Fragen von regionalen Auseinandersetzungen bis zur
des Kalten Krieges hervorgerufenen Instabilität Rüstungskontrolle praktischen Inhalt zu verleihen. Als
später die Revolution begann, ganz Osteuropa zu
und
erfassen, arbeitete er im Stillen daran, Gorbatschow
den Beginn des Baus einer neuen Architektur und seine Generäle davon zu überzeugen, daß der
Westen nicht danach trachten werde, ihre Probleme
für die neue Weltordnung.
auszunutzen, und daß die Sowjetunion in einem
Man könnte es uns vielleicht ankreiden, daß wir uns demokratischen Europa eine neue Art von Sicherheit
dafür entschieden haben, unsere Vision mehr in Taten genießen könnte, wenn friedliche Normen akzeptiert
als in Worten zum Ausdruck kommen zu lassen. Ich würden. Und später drängte er sowohl die Zentralrebin jedoch voll und ganz davon überzeugt, daß die gierung als auch die Unabhängigkeitsbewegungen zur
Bilanz dessen, was wir getan haben und wie wir es Vorsicht, was ihm innenpolitische Kritik eintrug. Damit
getan haben, so beschaffen ist, daß unsere Nachfol- entzog er jedoch dem rechten Flügel in der Sowjetuniger erfolgreich darauf aufbauen können, wenn auch on jeglichen Vorwand, um Gorbatschow in ihre Bemüsie einer Welt gegenübertreten, die auf viele Jahre hungen zur Zerstörung des Reformprozesses einzuhinaus weiterhin instabil und unberechenbar sein wird. beziehen.
Ich möchte mich nun dieser Bilanz zuwenden - der
Bilanz dessen, wie wir die drei bereits erwähnten
Herausforderungen bewältigt haben.

Erfolgreiche Diplomatie ist eine Frage des Urnings
ebenso wie der Substanz. Letz lieh wird die Geschichte
George Bush an den Ergebnissen seiner Bemühungen messen - an seiner Beherrschung von Timing und
Die erste Herausforderung: Beendigung des KalSubstanz -, insbesondere gegenüber den zahlreichen
ten Krieges
alternativen Szenarien, die sich hätten ereignen könHeute nehmen wir als gegeben hin, was Experten und nen. Die Geschichte wird feststellen, daß während
Historiker noch vor nur einem Jahrzehnt für unglaub- seiner Amtszeit die friedliche demokratische Revolulich gehalten hätten, nämlich, daß die Preisgabe Ost- tion in Osteuropa, die Vereinigung Deutschlands und
europas durch die Sowjetunion und die Auflösung der die Einbeziehung eines vereinigten Deutschlands in
UdSSR selbst so rasch, so gründlich und vor allem so die NATO, das Ende von regionalen Konflikten, besonfriedlich erreicht werden konnte. Inder Geschichtegibt ders in Mittelamerika, das Anhalten und später der
es - wenn überhaupt - nur wenige Beispiele für ein Abbau des nuklearen Wettrüstens sowie schließlich

Seite 2

AMERIKA DIENST 2

�der friedliche Zusammenbruch eines Regimes stattfanden, das sowohl den gewaltigsten totalitären Apparat in der Geschichte und mit seinem nuklearen Potential das Schicksal der Welt beherrschte. Dies ist ein
Vermächtnis, das an sich schon Präsident Bush zu
einem der größten Diplomaten unserer Nation qualifizieren würde.

entgegenzutreten. Was hätte sie ihm antworten sollen? Daß wir eine halbe Million Soldaten um die halbe
Erdkugel schicken können und der Kongreß mit ganz
knapper Mehrheit letzten Endes dem Plan des Präsidenten zustimmen würde, diese Truppen in die Schlacht
zu schicken?

Ich möchte hier keine billigen Argumente anführen,
sondern einen wichtigen Punkt eindeutig klarstellen.
Zweifelsohne haben wir Fehler begangen und - zusammen mit allen anderen - die irakische Invasion
Aber die Geschichte forderte diesen Präsidenten fer- nicht vorhergesehen. Was wir jedoch nicht wußten
ner dazu auf, sich den zahlreichen Herausforderungen und was Saddam Hussein unter Beweis stellen mußte,
einer zerfallenden Weltordnung zu stellen, zunächst war, daß das Ende des Kalten Krieges die internatioam Persischen Golf und später in Afrika und auf dem nalen Spielregeln verändert hatte und regionale MächBalkan.
te jetzt eine Aggression aufgrund der Annahme in
Erwägung ziehen konnten, daß die Supermächte nicht
Wiederum hat er sich einigen zufolge auch dieser
länger ihre Manövrierfähigkeit einschränken konnten.
Herausforderung weitgehend entzogen. In einigen
Was Saddam Hussein nicht wu ßte und Präsident Bush
Kreisen wird sogar behauptet, die Administration trage
beweisen mußte, war, daß das amerikanische Volk selbst einen Teil der Verantwortung für die Invasion in
Kuwait, indem sie den irakischen Diktator "verhät- wenn nicht sogar die gesamte politische Klasse - nicht
schelt" habe, sowie für den tragischen Bürgerkrieg im länger unter dem Vietnam-Syndrom litt.
ehemaligen Jugoslawien, indem sie es versäumt habe, Letztlich war es die doppelte Leistung von Präsident
die verschiedenen Republiken in ihrenmStreben nach Bush, Saddam von der Einführung der Gesetze des
Unabhängigkeit zu unterstützen. Wie bei unserer Dschungels als internationaler Verhaltensnorm in der
Haltung zu Gorbatschow gehe ich jedoch davon aus, Zeit nach dem Kalten Krieg abzuhalten und ein Modell
daß die Diplomatie des Präsidenten mißverstanden für kollektive Reaktionen auf internationale Akte von
und in einigen Fällen absichtlich verzerrt wurde.
Aggression zu erarbeiten. Damit demonstrierte er, wie
absolut entscheidend amerikanische Diplomatie und
Beispielsweise waren unsere Bestrebungen, Saddam
die amerikanische Bereitschaft für den Einsatz von
Hussein mit diplomatischen Mitteln zu beeinflussen,
Gewalt für die Aussichten auf Stabilität in der ansonoffenkundig nicht erfolgreich - diese Bestrebungen
sten chaotischen Zeit nach dem Kalten Krieg ist.
waren meines Erachtens jedoch die erforderliche
Voraussetzung für unseren letztlichen Erfolg. Tatsa- Der Präsident wurde auch für seine Entscheidung zur
che ist, daß es vor der Invasion am 2. August weder Beendigung der Kampfhandlungen zu dem von ihm
einen Konsens für multilaterale Wirtschaftssanktionen gewählten Zeitpunkt angegriffen. George Bush vernoch für ein militärisches Vorgehen gegen den Irak stand jedoch eine andere Realität der Zeit nach dem
gab. Es war Saddam Hussein selbst, der diesen Kalten Krieg - das heißt, weil er persönlich und geKonsens durch seinen Einmarsch in Kuwait hervor- zwungenermaßen eine internationale Koalition der
brachte. Bis zu jenem Augenblick erachteten unsere Streitkräfte vereinigte, mußte erdie Ansichten unserer
arabischen Freunde Vergeltungsmaßnahmen als beteiligten Verbündeten berücksichtigen und hatte vor
ungerechtfertigt und auch provokativ und wären Sad- allem die Verpflichtung, sich innerhalb des Rahmens
dam zu Hilfe geeilt, wenn wir ihn zu isolieren oder der UN-Resolutionen zu bewegen. Darüber hinaus,
bestrafen versucht hätten. Daher war es eben dieser und dies ist vielleicht am wichtigsten, verstand er, daß
Diplomatie zu verdanken, für die der Präsident jetzt ihm angesichts der präzisen Definition des Zwecks
kritisiert wird und die Ursache seiner Glaubwürdigkeit unserer Mission die Verpflichtung - gegenüber dem
in der arabischen Welt war, daß wir die Unterstützung amerikanischen Volk und der Zukunft - zum Abzug der
gewinnen konnten, ohne die wir Kuwait nicht hätten amerikanischen Streitkräfte oblag, sobald die Mission
befreien können.
erfüllt war.

Die zweite Herausforderung: Eine sich zersplitternde Welt

Ich bin ferner der Überzeugung, daß der Eindruck
behoben werden muß, wir hätten Saddam Hussein
kurz vor dem 2. August von der Invasion Kuwaits
abschrecken können. Das Problem war Saddams
Ansicht, wir müßten uns noch von der Schande und
dem Schatten des Vietnamkriegs befreien. Er machte
dies unserer Botschafterin gegenüber äußerst deutlich, indem er ihr erklärte, wir hätten seiner Meinung
nach nicht den Mumm, ihm auf dem Schlachtfeld

AMERIKA DIENST 2

Ein zweiter Beweis der heute vorherrschenden globalen Unordnung ist die Ausweitung althergebrachter
Stammes-, ethnischer und religiöser Rivalitäten zu
Konflikten. Dies ist im ehemaligen Jugoslawien am
offenkundigsten. Wir müssen uns jedoch vor Augen
führen, daß Jugoslawien nur die augenfälligste Manifestation dessen ist, was sich heute vielerorts vollzieht
und wahrscheinlich das internationale Umfeld auf vielleicht Jahrzehnte hinaus charakterisieren wird.

Seite 3

�Für viele ist Jugoslawien ein weiteres Beispiel dafür,
wie die Politik der Administration den Ereignissen
hinterherhinkt und sich nicht mit den amerikanischen
Idealen deckt. Ich persönlich bin nicht der Ansicht, daß
Gewalt unter allen Umständen hätte vermieden werden können. Ich bin jedoch nach wie vor der Überzeugung, daß die einseitigen und unkoordinierten Unabhängigkeitserklärungen der Republiken, die wir erfolglos ablehnten, unweigerlich zum Bürgerkrieg führten.
Damals wie heute bestand die einzige Alternative zu
ewigem Blutvergießen für die Parteien darin, die Trennung voneinander auf dem Verhandlungsweg bei gleichzeitiger Garantie der Respektierung von Pluralismus
und der Rechte von Minderheiten innerhalb ihrer Grenzen
herbeizuführen. Die einzig verantwortungsbewußte
Politik fürdie Vereinigten Staaten war diejenige, die wir
befolgten: die Entmutigung unilateraler Akte, die auf
die Vermeidung solcher Verhandlungen und Garantien abzielten. Wie der Präsident zu Recht in seiner
verspotteten und mißverstandenen Rede in Kiew feststellte, bestand unsere Politik nicht in der Unterstützung "derjenigen, die auf ethnischen Haß gegründeten
selbstmörderischen Nationalismus fördern".

vernachlässigt haben. Meines Erächtens werden sie
jedoch eine solide Grundlage in vielen wichtigen Bereichen vorfinden.
Zu diesen Bereichen institutioneller Kreativität zähle
ich die folgenden:
1.

Europa, wo wir versuchen, die demokratische
Staatengemeinschaft zu erweitern, indem wir
dazu beitragen, die ehemals kommunistischen
Nationen in sichere und stabile freie Marktwirtschaften umzugestalten. Hier haben wir zwei
innovative institutionelle Strukturen geschaffen
- den G-24-Prozeß, mit dem wir die Hilfe für
Mittel- und Osteuropa koordiniert haben und
den Nordatlantischen Kooperationsrat, mit dem
wir versuchen, im Lauf der Zeit die sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen beiden Hälften Europas zu stärken. Ich möchte die neue
Administration auffordern, auf diese noch in den
Kinderschuhen steckende Struktur aufzubauen.

2.

Nordamerika, wo wir versuchen, die kontinentale Basis unserer Nation durch die Schaffung
eines Binnenmarktes zu konsolidieren, der die
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada verbindet - das Nordamerikanische Freihandelsabkommen. Unser Erfolg bei dieser Bestrebung
wird in sicherheitspolitischer Hinsicht Dividenden abwerfen und den Volkswirtschaften aller
drei Nationen nutzen.

Natürlich wirft all dies die Frage auf, was wirtun sollten,
wenn die irrationalen Kräfte der Geschichte und des
Hasses über unsere Appelle zur Vernunft dominieren,
wie es heute in Jugoslawien, in einigen Teilen der
ehemaligen Sowjetunion, in Somalia und andernorts
der Fall ist.
Es gibt keine einfachen Antworten. Wie der Präsident
in dieser Woche in West Point erklärte, wird es Zeiten 3.
geben, in denen unsere lebenswichtigen Interessen
auf dem Spiel stehen und wir intervenieren müssen wie wir dies am Golf getan haben. Es wird Zeiten
geben, in denen eine menschliche Tragödie uns zum
Eingreifen zwingt, vorausgesetzt, wir können die Kosten
gegenüber dem amerikanischen Volk rechtfertigen wie wir es in Somalia und im Namen der Kurden im
Nordirak getan haben. Und es wird Zeiten geben, in
denen weder die Kraft amerikanischer Ideen noch die
Macht amerikanischer Waffen einen Unterschied für
die Menschen bewirken können, die wirklich nicht zu 4.
einer friedlichen Koexistenz bereit sind.
Die dritte Herausforderung: Aufbau einer neuen
Weltordnung
Die vielleicht grundlegendste Kritik an der Au ßenpolitik
der Bush-Administation lautet, da ß sie zu stark auf sich 5.
verändernde Ereignisse mit wenig Augenmerk für die
längerfristigen Erfordernisse eines neuen Zeitalters
reagiert hat. Ich bin jedoch der Meinung, daß wir in der
Tat das Verdienst füruns in Anspruch nehmen können,
das in die Wege geleitet zu haben, was die lange Arbeit
des fürdie Schaffung einer neuen Weltordnung erfor- 6.
derlichen Aufbaus eines internationalen Rahmens sein
wird und sein soll. Unsere Nachfolger werden an Orten
Aufbauarbeit leisten müssen, die wir übersehen oder

Seite4

Lateinamerika, wo diese Administration unsere
kontinenteübergreifenden Beziehungen in vielleicht dem besten Zustand in diesem Jahrhundert hinterläßt. Präsident Bushs Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas wurde auf dem gesamten Kontinent
als ein historischer Wendepunkt und eine Chance willkommen geheißen, Demokratie in ganz
Nord- und Südamerika in einem System freier
Märkte zu konsolidieren.
Asien, wo wir die asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit in die Wege geleitet haben,
um unser Engagement für die dynamischste
Wirtschaftsregion der Welt zu erweitern und wo
wir die Entwicklung einer globalen Partnerschaft
mit Japan begonnen haben.
Der Nahe Osten, wo wir auf den Sieg der
Koalition im Golfkrieg aufgebaut haben, um die
ersten direkten Verhandlungen zwischen Israel
und den arabischen Nachbarländern in die Wege
zu leiten.
Und schließlich das breite Spektrum transatlantischer Themen, wo wir versuchen, die Tagesordnung der Zeit nach dem Kalten Krieg von
weltweitem Freihandel bis zu den GATT-Ver-

AMERIKA DIENST 2

�handlungen und durch Verhandlungen über die
Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen voranzubringen.

i

ner Amtszeit und bezahlte dafür oft einen hohen politischen Preis. Aufgrund seines Bestrebens, mit den
Regierungen zusammenzuarbeiten und Einfluß auf
sie auszuüben, die seine Kritiker bestrafen und isolieDas Vermächtnis Präsident Bushs
ren wollten - ich denke hier insbesondere an die
Volksrepublik China - gelang es ihm, eine internationaIch bin mir bewußt, daß ich keineswegs ein unbeteiligle Koalition unter der Schirmherrschaft der Vereinten
ter Beobachter bin. Aber ich denke, daß die gerade
Nationen zu bilden, die sich mit den bedeutenden
von mir gezogene Bilanz eine angesichts großer GeBedrohungen des Friedens und der Stabilität auf der
fahren und Herausforderungen bedeutsame Leistung
Welt befaßten, einschließlich des erfolgreichen Krieges
ist. Auch bin ich überzeugt, daß die Außenpolitik
gegen Saddam Hussein.
Präsident Bushs besser war als die Summe ihrer
Einzelteile und dahinter eine Strategie lag, die wir Drittens war die Außenpolitik der Administration von
verstehen müssen, weil sie der vollkommen geänder- der Verpflichtung gekennzeichnet, die Macht der Verten internationalen Situation, mit der wir uns jetzt einigten Staaten - sowohl im militärischen als auch im
konfrontiert sehen, auf einzigartige Weise angepaßt diplomatischen Bereich - zu nutzen, um die langfristige
ist. Zusammenfassend würde ich dieses Vermächtnis Vision des Präsidenten von einer neuen Weltordnung
folgendermaßen beschreiben:
in die Tat umzusetzen. Die Bilanz der letzten vier Jahre
zeigt, daß wir nicht einmal nahe daran sind, die neue
Erstens war die Außenpolitik Präsident Bushs von
Weltordnung zu verwirklichen - nicht angesichts der
Pragmatismus und Flexibilität gekennzeichnet. In
gegenwärtig frei wütenden zerstörerischen Kräfte. Das
dieser Hinsicht haben wir uns oft eines Ad-hoc-AnsatAusmaß jedoch, in dem wir diese Kräfte in Schach
zes schuldig gemacht. Ein gewisses Maß einer Adhalten konnten, war hauptsächlich das Ergebnis der
hoc-Haltung ist eine Tugend, kein Laster, wenn man es
amerikanischen Bereitschaft zu handeln, Ad-hocmit einer von Krisen und Chaos gekennzeichneten
Koalitionen zu bilden und mit dem Aufbau der InstituWelt zu tun hat, in der man unmöglich vorhersagen
tionen einer besseren und sichereren Welt zu beginkann, was in einem halben Jahr sein wird. Es ist eine
nen.
Tatsache, daß wir uns auf lange Sicht in einer postrevolutionären Übergangzseit befinden werden, die von Prognose
uns die Fähigkeit erfordert, schnell auf die Ereignisse
zu reagieren. Unter diesen Umständen sind ein guter Abschließend möchte ich einige persönliche AnmerInstinkt von ebenso unschätzbarem Wert wie ein guter kungen über den vor uns liegenden Weg machen und
Plan.
darüber, was meiner Ansicht nach unsere Prioritäten
und Ziele sein sollten.
Zweitens hat sich der Präsident dem Prinzip und der
Anwendung der Diplomatie verpflichtet. Er hat viel Ich halte die Bewahrung und Stärkung des Wesensgebesser als seine Kritiker verstanden, daß das Ende halts der Demokratien, der den Sieg im Kalten Krieg
des Kalten Krieges bedeutete, daß die Vereinigten gesichert hat, für unsere wichtigste außenpolitische
Staaten nicht länger wie zur Zeit der Blockteilung Herausforderung. In meiner Rede in Georgetown im
entweder die Feinde oder die Verbündeten beherr- Jahr 1989 habe ich bereits darauf hingewiesen, daß es
schen können. Wenn wir unseren Weg gehen und schwieriger sein wird, diesen Wesensgehalt zu beandere dazu bringen wollen, unsere Last mit uns zu wahren, wenn die ihm innewohnenden Zentrifugalkräfteilen - so wie es das amerikanische Volk sicher te der Multipolarität zusammenwirken, um uns auseinwünscht -, müssen wir in immer stärkerem Maße die anderzutreiben. Wenn wir aber eine Rückkehr zu der
Ansichten und Interessen anderer in Betracht ziehen. für die Zeit vor dem Kalten Krieg charakteristischen
Und wir werden manchmal Ad-hoc-Bündnisse mit gefährlichen Politik des Gleichgewichts der Kräfte
gleichgesinnten Nationen schließen müssen, wie es vermeiden wollen, müssen wir die wirtschaftlichen,
die neuen, oft einzigartigen Umstände erfordern mögen. politischen und militärischen Bindungen zwischen den
Mit anderen Worten: Wir werden die Kunst des Demokratien des Westens sowie die im Laufe der
Kompromisses und somit die Kunst der Diplomatie letzten 50 Jahre geschaffenen multilateralen Institutiopflegen.
nen stärken. Gelingt uns die Stärkung dieser kollektiven Bindungen und Institutionen nicht, werden wir nie
Das ist eine Kunst, die für uns nicht einfach zu pflegen in der Lage sein, den jetzt jenseits des Westens
ist. Es ist unsere nationale Tugend, daß wir uns nur mit entstehenden Instabilitäten zu begegnen.
einer Au ßenpolitik wohlfühlen, die in den Werten unserer politischen Tradition verwurzelt ist; es ist unser In dieser Hinsicht hinterlassen wir der nächsten Adminationales Laster, in der Außenpolitik eine Tendenz nistration verschiedene ungelöste Aufgaben: Den
hin zu Moralismus zu zeigen und eine Art moralischer Aufbau umfassenderer und dauerhafter politischer
Hybris, die die Handlungen anderer nur durch das Beziehungen mit Japan, die Gewährleistung, daß die
Prisma unserer eigenen Verhaltensregeln sieht. Prä- Europäische Gemeinschaft ihre Einheit nicht auf Kosten
sident Bush widerstand dieser Tendenz während sei- der Vereinigten Staaten fördert sowie die Wahrung
AMERIKA DIENST 2

Seite 5

�eines offenen Welthandelssystems durch den erfolgreichen Abschluß der GATT-Verhandlungen und die
frühzeitige Ratifizierung des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens.

eine Weltmacht, wir schlössen uns der Welt im Namen
einer Mission an, die wir jetzt weitgehend beendet
haben. Heute sehen wir uns einer von zunehmender
Unsicherheit gekennzeichneten internationalen Lage
gegenüber und uns wird immer stärker bewußt, daß
Die zweite vor uns liegende Herausforderung ist die unsere Rolle und unser Ziel sich angesichts dieses
Ausweitung des Wesensgehalts der Demokratien, um veränderten Umfelds ändern müssen. Wir wissen
die ehemals kommunistische Welt miteinzubeziehen aber nicht, wie diese Änderungen auszusehen haben.
sowie die Nationen, die sich unsere politischen und
wirtschaftlichen Werte zu eigen gemacht haben. Auf Wir halten uns jedoch vielleicht nicht ausreichend vor
diesem Gebiet stimmen unsere Interessen und unsere Augen, daß diese Unsicherheit sowohl normal als
Ideale vollkommen überein. Unsere Sicherheit ist auch gesund ist. Während wir unseren alltäglichen
besonders eng mit der Reform in Eurasien verbunden, Geschäften im Bereich der Außenpolitik nachgehen,
der am stärksten bewaffneten Region der ganzen entdecken wir unser Ziel neu - und dies gilt auch auf
Welt, die zweimal in diesem Jahrhundert die Quelle absehbare Zukunft. Es erübrigt sich zu sagen, daß wir
globaler Konflikte war. Aus diesem Grunde ist es unsere eigenen Ideen vorbringen und unser Denken
ermutigend, daß der künftige Präsident die Unterstüt- von dem Wunsch beeinflußt ist, diese Ideale zu förzung der Demokratie in Rußland und in ganz Mittel- dern. Die wachsende Einsicht jedoch, daß unsere
und Osteuropa zu einer seiner höchsten Prioritäten Mittel und unsere Macht begrenzt sind, zwingt uns zu
erklärt hat.
entscheiden, was im Bereich der Außenpolitik für uns
wichtig ist und folglich inmitten vielfältiger Interessen
Schließlich müssen wir uns mit den vielfältigen Übeln und Prioritäten einen Sinn für Hierarchie zu entwickeln.
befassen, die die sogenannte Dritte Welt befallen
haben -die Probleme der Armut, Verschuldung, Unter- All das ist äußerst positiv. Ich sehe viele Beweise
entwicklung und Überbevölkerung, die die Gefahr eines dafür, daß die Amerikaner die Lektionen des 20.
weltweiten Chaos beinhalten und daher unsere eigene Jahrhunderts gelernt haben und verstehen, daß die
Sicherheit und unseren Wohlstand bedrohen. Zu den Zeit unserer eigentlichen Vorherrschaft vorüber ist und
Aufgaben der nächsten Administration wird die Ent- unser Schicksal jetzt und auf immer mit dem verknüpft
wicklung weltweiter Nichtverbreitungssysteme und ist, was jenseits unserer Grenzen geschieht. Abzuverstärkter friedenserhaltender und friedenschaffen- warten bleibt nicht so sehr, ob wir weiterhin die Last
der Fähigkeiten der Vereinten Nationen gehören.
einer weltweiten Führungsrolle tragen können, die
notwendigerweise uns auferlegt wird, sondern vielIch habe meine Ausführungen mit dem Hinweis auf die mehr, ob wir im nächsten Jahrzehnt die neuen Herauszur Zeit in unserem Land stattfindende Debatte über forderungen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg mit
das Ziel der amerikanischen Außenpolitik begonnen. der Klugheit und Charakterstärke behandeln, die insMir scheint, daß wir jetzt an einem wichtigen Wende- gesamt gesehen unser Vorgehen auf internationaler
punkt in unserer Geschichte angelangt sind. Wir Ebene während des letzten halben Jahrhunderts
haben nie eine normale Haltung gegenüber unserer kennzeichneten. Ich jedenfalls bin stolz auf die Rolle,
Außenpolitik angenommen, zumindest in dem Sinne, die George Bush bei der Planung eines neuen von
wie andere Länder das tun. Seit unsere Nation exi- Amerika einzuschlagenden Kurses gespielt hat. Und
stiert, haben wir der Welt jenseits unserer Küsten ich bin stolz darauf, an diesem Abenteuer teilgenommeistens den Rücken zugekehrt. Danach wurden wir men zu haben.
* * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 2

�CHEMISCHE

WAFFEN
13. Januar 1993

DIE KONVENTION ÜBER CHEMISCHE WAFFEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zur Konvention über chemische Waffen (CWC), die am 13.
Januar 1993 in Paris unterzeichnet wird, wurde am 5. Januar 1993 vom US-Amt für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) veröffentlicht.

Das Ziel der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik
zu chemischen Waffen (CW) besteht im Abschluß
eines Vertrags über das Verbot chemischer Waffen.
Ein solches Verbot steht seit August 1968 auf der
Tagesordnu ng der Genfer Abrüstungskonferenz (CD).
Am 18. April 1984 legten die Vereinigten Staaten einen
Vertragsentwurf zur Verwirklichung dieses Ziels vor.
Australien unterbreitete daraufhin am 19. März 1992
einen Vertragsentwurf mit Kompromißlösungen zu
ausstehenden Fragen als Grundlage für einen unverzüglichen Abschluß der Verhandlungen der Genfer
Abrüstungskonferenz. Am 22. Juni 1992 veröffentlichte der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses zu chemischen Waffen, Adolph Ritter von Wagner aus Deutschland, den Entwurf eines "endgültigen Textes des Vorsitzenden" einer Konvention über chemische Waffen
zur Erörterung bei der Genfer Abrüstungskonferenz.
Dieser Entwurf enthielt einvernehmliche Kompromißvorschläge sowie den vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagenen Wortlaut zu anhängigen Problemen. In
dem Bestreben, den Anliegen einiger Nationen gerecht zu werden, unterbreitete der Vorsitzende Wagner am 7. August 1992 eine Reihe von Änderungen
zum Konventionsentwurf. Am 7. September 1992
vereinbarte die Genfer Abrüstungskonferenz, den
Entwurf der Konvention über chemische Waffen (CWC)
den Vereinten Nationen zur Genehmigung vorzulegen. Die Zustimmung der Vereinten Nationen, mit der
die CWC unterschriftsreif wurde, erfolgte am 30.
November 1992.

zubehalten, oder chemische Waffen an irgend
jemanden direkt oder indirekt weiterzugeben,
chemische Waffen einzusetzen,
militärische Vorbereitungen zum Einsatz chemischer Waffen vorzunehmen und
irgend jemandem behilflich zu sein, ihn zu
ermutigen oder zu veranlassen, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die den Signatarstaaten im
Rahmen dieser Konvention untersagt sind.
Darüber hinaus verpflichten sich alle Signatarstaaten
im Einklang mit den Verfügungen der Konvention:
die in ihrem Besitz oder an irgendeinem Ort
unter ihrer Gerichtsbarkeit oder Kontrolle befindlichen chemischen Waffen zu zerstören,
alle chemischen Waffen zu zerstören, die sie
auf dem Territorium eines anderen Signatarstaates zurückgelassen haben und
alle in ihrem Besitz oder an irgendeinem Ort
unter ihrer Gerichtsbarkeit oder Kontrolle befindlichen Produktionsanlagen für chemische
Waffen zu zerstören.
Schließlich verpflichten sich alle Signatarstaaten,
Reizstoffe nicht als Mittel der Kriegführung einzusetzen.

Mit ihrem Inkrafttreten wird die Konvention über chemi- Die Konvention über chemische Waffen sieht sowohl
sche Waffen die Herstellung, Beschaffung, Lagerung Routine- als auch Ad-hoc-lnspektionen zur Verifizierung der Einhaltung der Konvention vor.
und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.
In der Konvention verpflichtet sich jeder Signatarstaat, Routineinspektionen der bekanntgegebenen Anlagen,
die sowohl peinlich genau als auch kurzfristig anbeunter allen Umständen niemals:
raumt durchgeführt werden, sind von der Konvention
chemische Waffen zu entwickeln, herzustellen, zwingend vorgeschrieben. Zu "bekanntgegebenen
anderweitig zu beschaffen, zu lagern oder bei- Anlagen" zählen alle staatlichen ChemiewaffeneinAMERIKA DIENST 2

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�richtungen und zivile chemische Anlagen, die bestimmte Chemikalien verwenden, die zur Herstellung
chemischer Waffen eingesetzt oder konvertiert werden könnten. Diese Einrichtungen müssen einem
internationalen Gremium mit Inkrafttreten des Vertrags bekanntgegeben werden.
Ad-hoc-lnspektionen können bei jeder Einrichtung
durchgeführt werden, in dereine Vertragspartei illega-

le Aktivitäten vermutet. Diese Inspektionen erfolgen
kurzfristig anberaumt und erlauben den Inspektoren
gemäß dem Prinzip des verwalteten Zugangs die
Besichtigung des Standorts sowie Ermittlungen, ob
verbotene Aktivitäten stattfinden oder nicht. Die Inspektionen werden vom Internationalen Technischen
Sekretariat durchgeführt, und die Inspektoren legen
dem Exekutivrat einen Bericht über die Ergebnisse
ihrer Inspektion vor.

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�BOSNIEN
13. Januar 1993

ERMORDUNG DES BOSNISCHEN VIZEPREMIERS
ALS "KALTBLÜTIGEN MORD" BEZEICHNET
Völlige Verachtung der UNO durch bosnische Serben
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium
hat die Ermordung des bosnischen Vizepremierministers Hakija Turajlik als "kaltblütigen Mord" verurteilt
und erklärt, dieser Akt in der vergangenen Woche
unterstreiche die "völlige Verachtung der Vereinten
Nationen" durch die bosnischen Serben.
"Wir haben die Ermordung bedauert und verurteilt",
erklärte Sprecher Richard Boucher bei einer Pressekonferenz am 11. Januar 1993.
Es wurde zur Kenntnis genommen, daß sich der
Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, in
Genf für die Ermordung entschuldigt und diese als
"einen unglücklichen Vorgang" bezeichnet habe.
Boucher stellte jedoch fest: "Offen gestanden sind wir
der Ansicht, daß Glück dabei keine Rolle gespielt hat.
Es handelte sich um einen kaltblütigen Mord von
Soldaten, die unter seinem Kommando standen."
Turajlik war am 8. Januar von einem bosnisch-serbischen Soldaten erschossen worden, während er sich
in einem Wagen der UN-Schutztruppe (UNPROFOR)
auf der Straße zum Flughafen von Sarajevo befand.
Boucher erklärte, die Erschießung habe nach einer
längeren Diskussion zwischen Vertretern der UNPROFOR und serbischen Truppen stattgefunden.

dert wird", äu ßerte Boucher vor Reportern. Er verwies
darauf, daß der UN-Sicherheitsrat die Ermordung erörtert
und am 8. Januar dazu eine Erklärung abgegeben
habe.
Trotz der Ermordung, so Boucher, hätten alle Parteien
in dem bitteren Konflikt, der das ehemalige Jugoslawien zerrissen hat, am 10. Januar in Genf die Gespräche über die Zukunft von Bosnien-Herzegowina unter
der gemeinsamen Schirmherrschaft der Vereinten
Nationen u nd der Eu ropäischen Gemeinschaft wiederaufgenommen.
Die Präsidenten von Bosnien, Serbien/Montenegro
und Kroatien nahmen gemeinsam mit dem Führer der
bosnischen Serben, Karadzic, und dem Führer der
bosnischen Kroaten, Mate Boban, an der Sitzung teil.
Auch der serbische Präsident Slobodan Milosevic
habe am 11. Januar zum ersten Mal an den Gesprächen teilgenommen, stellte er fest.

Die Parteien halten bilaterale Gespräche über drei von
den Vorsitzenden der Konferenz, dem Sonderbeauftragten der UNO, Cyrus Vance, und dem Sonderbeauftragten der EG, Lord David Owen, vorgeschlagene
Vertragsentwürfe ab. Die drei Entwürfe beinhalten
Vorschläge für eine Verfassung, eine Landkarte mit
den künftigen Verwaltungsgebieten und ein Militärab"Die bosnischen Serben hatten kein Recht, den Mann- kommen.
schaftstransportwagen der UNPROFOR zu stoppen
oderzu belästigen", stellte Boucherfest. "Niemand hat "Wir ermutigen alle Parteien, sich ernsthaft um die
das Recht, einen unschuldigen Zivilisten zu erschie- Herbeiführung einer Einigung im Einklang mit den
ßen, der unter dem Schutz der Vereinten Nationen Prinzipien der UNO-Resolutionen, den Vereinbarunsteht. Wir gehen davon aus, daß dies eine völlige gen der Londoner Konferenz und den Prinzipien der
Verachtung der Vereinten Nationen seitens der bosni- KSZE zu bemühen", erklärte Boucher.
schen Serben zeigt."
Boucher äußerte, es sei "zu früh", um über "das
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß Karadzic und Endergebnis" der Verhandlungen zu spekulieren und
die bosnischen Serben "dies untersuchen, die Verant- verwies darauf, Außenminister Eagleburger habe
wortlichen für diesen abscheulichen Mord bestrafen vergangenen Monat in Genf erklärt, es gebe "eine
und sicherstellen, daß die UNPROFOR nicht an der Menge Leute, die für ihre Handlungen" in dem bitteren
Ausübung internationaler humanitärer Pflichten gehin- Konflikt "Rechenschaft ablegen müssen".

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�Der Sprecher betonte die Notwendigkeit einer politischen Lösung der Krise und stellte fest, die betreffenden Personen sollten mit Vance und Owen "voll und
ganz zusammenarbeiten'', um dies zu erlangen.

und die Unabhängigkeit von Bosnien-Herzegowina
anerkennen" und es den Menschen wieder erlauben
muß, in Bosnien in Frieden zu leben. "Es ist von der
internationalen Staatengemeinschaft reichlich demonstriert worden, daß das Ziel einer politischen Lösung
"Wir sind in der Tat der Auffassung, daß ein Wandel im nicht darin besteht, die Resultate der ethnischen
serbischen Verhalten erforderlich ist", erklärte Bou- Säuberung zu ratifizieren", erklärte Boucher.
cher. Er erinnerte die Reporter daran, daß die Vereinten Nationen harte Sanktionen gegen Serbien ver- Der Sprecher hatte "an diesem Punkt keine Reaktion"
hängt hätten und diese Sanktionen weiter durchführ- auf Fragen über Bemerkungen des französischen
ten und verschärften, "um zu gewährleisten, daß für Außenministers Roland Dumas vom Wochenende,
die Art von Verhalten, das die Serben in Bosnien wonach Frankreich gegebenenfalls allein handeln werde,
unterstützt haben, ein Preis zu zahlen ist".
um Gefangene aus Lagern und anderen Internierungseinrichtungen in Bosnien zu befreien.
Er bekräftigte die von den Vereinigten Staaten vertretene klare Haltung, daß eine Lösung "die Souveränität
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�IRAK
13. Januar 1993

VEREINIGTE STAATEN FORDERN IRAK AUF,
WARNUNG DER UNO ERNST ZU NEHMEN
Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen
WASHINGTON - (AD) - Die Warnung des UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die anhaltenden Verletzungen
seiner Resolutionen durch den Irak könnte als Grundlage für Maßnahmen der UNO oder der Koalition
gegen den I rak dienen, erklärte das US-Au ßenministerium am 12. Januar 1993. Dabei könne ein Einsatz von
Gewalt nicht ausgeschlossen werden.

Der Sicherheitsrat habe die irakischen Aktionen als
"eindeutige Mißachtung" seiner Autorität und als "direkte Herausforderung" der Irak-Kuwait-Beobachtermission (UNIKOM) bezeichnet.

Am vergangenen Wochendende hatte die Regierung
in Bagdad einem Flugzeug mit UNO-Waffenexperten
die Landung verweigert, deren Auftrag die Beseitigung
Der Sicherheitsrat warnte den Irak am 11. Januar vor der irakischen Massenvernichtungswaffen ist. Darüschwerwiegenden Konsequenzen, falls er weiterhin ber hinaus verlegte sie Luftabwehrraketen in die FlugUNO-Flüge verhindere oder in die von der UNO über- verbotszone am 32. Breitengrad.
wachte neutrale Zone zwischen dem Irak und Kuwait
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Frtzwater,
eindringe.
erklärte in einem Femsehinterview am 12. Januar, "wir
Joseph Snyder, ein Sprecher des Ministeriums, ver- sind äußerst besorgt überdiesen dritten Vorfall, weil er
wies darauf, die Erklärung des Sicherheitsrats lege ein Muster des Betruges gegenüber den UN-Resolu"die Grundlage für Maßnahmen des Rats oder der tionen fortsetzt, das wir in den vergangenen Monaten
Mitgliedstaaten, die im Einklang mit Resolution 678 beobachtet haben". Dies sei eine "Angelegenheit
(die den Waffenstillstand am Persischen Golf zum extremer Besorgnis".
Inhalt hat) mit Kuwait zusammengearbeitet haben",
um auf die irakischen Verletzungen "zu reagieren". Snyder verwies darauf, daß der irakische Präsident
"Der mögliche Einsatz von Gewalt ist nicht ausge- Saddam Hussein bei zahlreichen Gelegenheiten versucht habe, die UN-Resolutionen zu umgehen. Die
schlossen", fügte er hinzu.
Verurteilung des Iraks durch den Sicherheitsrat am 11.
Januar
habe die Ansicht der internationalen StaatenSnyder erinnerte daran, daß am 11. Januar und erneut
am 12. Januar etwa 200 Iraker - "in Zivilkleidung" - die gemeinschaft aktenkundig gemacht, daß die Aktionen
von der UNO überwachte neutrale Zone zwischen dem des Iraks unannehmbar seien.
Irak und Kuwait betreten und "Lagerhäuser ausgeräumt sowie Güter ohne Erlaubnis der UNO abtransportiert" haben.
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�SOMALIA
13. Januar 1993

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE BESCHLAGNAHMEN
WAFFEN AUF MARKT IN MOGADISCHU
Führer der Bürgerkriegsparteien unterzeichnen Abkommen nicht
MOGADISCHU - (AD) - Mitglieder amerikanischer
Streitkräfte haben auf einem großen Waffenmarkt in
der somalischen Hauptstadt Hunderte von Waffen beschlagnahmt. Die Operation fand drei Tage nach einer
ähnlichen Aktion auf einem kleineren Markt im nördlichen Teil Mogadischus statt.
Ein US-Militärsprecher teilte am 11. Januar mit, die
Einsatztruppe sei noch dabei, die Waffen zu zählen
und zu sortieren, jedoch seien fünf oder sechs große
Depots beschlagnahmt worden. Augenzeugenberichten zufolge wurde eine große Menge Munition entdeckt, und nach Abschluß der Operation wurden mehrere
Laster zum Abtransport der Waffen benötigt.
Die als "Operation Nußknacker" bezeichnete Razzia
begann kurz nach Tagesanbruch, als 900 Marinesoldaten das Gebiet um den Baraka-Markt abriegelten
und Geschäfte, Warenhäuser und Fahrzeuge nach
schweren Waffen durchsuchten, die die ausländischen
Streitkräfte für gefährlich und für den persönlichen
Schutz nicht notwendig halten. Dem US-Militärsprecher Michael Hagee zufolge lief die Operation ohne
Zwischenfälle ab, und in einigen Fällen halfen ortsansässige Somalis den Truppen sogar, indem sie ihnen
die Waffenverstecke zeigten.

Die von den Amerikanern angeführten ausländischen
Streitkräfte haben sich in den letzten Tagen aggressiver um eine Entwaffnung der gewalttätigen Elemente
der Bevölkerung bemüht. Den Behörden zufolge
stehen jetzt die zur Durchführung solcher Operationen
notwendigen Streitkräfte zur Verfügung, da ein Teil der
US-Kampftruppen aus dem Inneren Somalias zurückgezogen wurde, nachdem dort Tausende von Soldaten aus anderen Ländern stationiert worden waren.
Mittlerweile ist auf dem umstrittenen Gebiet im nördlichen Mogadischu wieder Ruhe eingekehrt, nachdem
Parteienkämpfe am 10. Januar Berichten der örtlichen
Krankenhäuser zufolge die schwersten Opfer seit
Wochen gefordert hatten.
Die in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zusammengetroffenen Führer der somalischen Bürgerkriegsparteien unterzeichneten nicht wie vorgesehen
am 11. Januar das Waffenstillstandsabkommen, sondern stritten über Einzelheiten einer bevorstehenden
Nationalen Versöhnungskonferenz.
Nach Berichten zeigen die Vereinten Nationen und die
äthiopische Regierung, die die einwöchigen Gespräche gefördert hatten, nun Ungeduld mit den Somalis
und erwarten von ihnen endlich eine Einigung.

"Die Operation heute morgen Verlief äußerst erfolgreich, ganz reibungslos", erklärte Hagee. "Es befanden sich 900 Marinesoldaten auf dem Gebiet. Wir
riegelten es schnell ab, stürmten die fünf oder sechs
Waffenlager und zogen uns zurück, ohne daß es
Verluste gegeben hätte. Ich würde eine derartige
Aktion als äußerst erfolgreich bezeichnen."

Anstatt wie geplant am 11. Januar voller Freude an
einer Unterzeichnungszeremonie teilzunehmen, zogen sich die Führer der 14 somalischen Bürgerkriegsparteien in Addis Abeba zu einer weiteren Runde des
Feilschens über die Einzelheiten einer Waffenruhe
und einer Nationalen Versöhnungskonferenz zurück.

Die Razzia folgte auf eine ähnliche Aktion vom 8.
Januar auf einem kleineren Markt im Norden Mogadischus, bei der 250 Angriffswaffen und ein Dutzend gepanzerte Fahrzeuge beschlagnahmt wurden. Oberst
Hagee teilte am 11. Januar mit, am Wochenende
hätten zwei weitere Aktionen zur Beschlagnahme von
Waffen stattgefunden, in deren Verlauf zwei Dutzend
Waffen ergriffen wurden.

Am 8. Januar unterzeichneten sie zwar ein vorläufiges
Abkommen zu diesen Fragen, eine endgültige Übereinstimmung hing jedoch von ihrer Fähigkeit ab, bis
zum 11. Januar sämtliche Einzelheiten auszuarbeiten.
Einige Teilnehmer ließen verlauten, die Gespräche
könnten am 12. Januar fortgesetzt werden. Angeblich
hatten sich die Führer der Bürgerkriegsparteien nach
sich am 10. Januar bis spät in die Nacht hinziehenden
Debatten über alle Punkte einer Waffenruhe geeinigt,

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�aber am nächsten Morgen wurden - was typisch für die Versöhnungskonferenz teilnehmen soll. Dort sollen
Verhandlungen ist - Einwände laut.
die Parteiführer ejne nationale Charta entwerfen und
eine somalische Übergangsregierung einsetzen.
In der vorläufigen Einigung über die Waffenruhe werden alle Stammesführer aufgefordert, ihre Waffen bis General Aideed, der Führer einer Koalition, die das
zur Einsetzung einer legitimen somalischen Regierung südliche Mogadischu und die südlichen Landesteile
einer Überwachungsgruppe für das Waffenstillstands- kontrolliert, will angeblich, daß nur die Hauptmilizionäabkommen auszuhändigen. Alle bewaffneten Grup- re an der Nationalen Versöhnungskonferenz teilnehpen sollen zur Auslieferung ihrer Waffen gezwungen men. Andere wiederum wollen keine Splitterpartei
werden, und somalische Zivilisten müssen ihre Waffen ausschließen. Am Wochenende unternahm die äthioregistrieren lassen.
pische Regierung einen Schlichtungsversuch, und
Präsident Meles Zenawi übte Berichten zufolge Druck
Die Entwaffnung soll am 1. März vollzogen sein. Auch auf bestimmte Parteiführer wie General Aideed aus,
einigten sich die Parteien, ihre Milizen in von den damit diese sich der Meinung der Mehrheit anschlösgrößeren Städten entfernten Lagern zu stationieren sen.
und alle politischen Gefangenen freizulassen. Es war
nicht sofort klar, was der Inkraftsetzung des Waffen- Die größeren und kleineren somalischen Parteien haben
stillstands im Wege stand, aber angeblich sprach sich sich seit der Amtsenthebung des ehemaligen PräsiGeneral Mohamed Farah Aideed gegen die UNO- denten Mohamed Siad Barre vor zwei Jahren gestritÜberwachungsgruppe für das Waffenstillstandsabkom- ten und bekämpft. Ihre tiefverwurzelte und bisweilen
men aus.
mörderische Rivalität stürzte Somalia in einen Bürgerkrieg und verschlimmerte noch den Hunger, der bis
Den Führern der somalischen Bürgerkriegsparteien heute mehr als 300.000 Opfer gefordert hat.
gelang auch keine Einigung darüber, weranderfürden
15. März in Addis Abeba anberaumten Nationalen

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�PORTRAT
13. Januar 1993

CLINTON WÄHLT ERFAHRENEN MANN FÜR
VETERANENMINISTERIUM AUS
Porträt von Jesse Brown
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton für die Spitze des Veteranenministeriums
ausgewählte Jesse Brown bringt in dieses Amt 25jährige
Erfahrung bei der Vertretung der Interessen ehemaliger Soldaten mit.

Er trat 1963 in das Marine Corps ein und wurde 1965
in Vietnam verwundet. Die Verwundung seines rechten Armes hatte dessen teilweise Lähmung zur Folge.

Brown wurde zum Fürsprecher der Rechte von Veteranen und trat 1967 als Berater in den DAV ein. Seine
Jesse Brown, der am 17. Dezember 1992 für das Amt dort gesammelten Erfahrungen veranlaßten ihn schließnominiert wurde, ist selbst Kriegsinvalide und Ge- lich, ein umfassendes und fortbestehendes Aus- und
schäftsführer des Verbandes amerikanischer Kriegs- Fortbildungsprogramm für die Mitarbeiter des DAV zu
invaliden (Disabled American Veterans - DAV). In konzipieren.
dieser Funktion vertritt er die Interessen des DAV mit
seinen 1,3 Millionen Mitgliedern gegenüber dem Kon- Im Jahr 1973 zog Brown nach Washington um, wo er
Leiter der nationalen Beratungsstelle des DAV wurde.
greß und dem Weißen Haus.
1976 wurde er Leiter des nationalen BeschwerdeausIn Zusammenarbeit mit 400 DAV-Mitarbeitern in 70 schusses des DAV. Im Jahr 1981 wurde ihm die
über das ganze Land verteilten Büros liefert er politi- Leitung der Anspruchsabteilung in der Zentrale des
sche Leitlinien für die Gestaltung von Bundesgesetzen DAV in Washington übertragen. Zwei Jahre darauf
und Verwaltungsvorschriften, die unmittelbar das Leben wurde er zum stellvertretenden Leiter der Organisation
amerikanischer Kriegsinvaliden sowie das ihrer Fami- ernannt.
lienangehörigen und Hinterbliebenen beeinflussen.
Brown ist lebenslanges Mitglied des Ortsvereins ChiDer 48jährige Brown wurde in Chicago (Illinois) gebo- cago des DAV und hat als Vizepräsident des Vietnam
ren und schloß sein Studium am Chicago City College Civic Council gedient. Darüber hinaus war er Mitglied
mit Auszeichnung ab. Darüber hinaus besuchte er die der Behindertenkonferenz des Weißen Hauses sowie
Roosevelt University in Chicago sowie die Catholic des vom Bürgermeister von Chicago eingesetzten
Ausschusses für Beschäftigung von Behinderten.
University in der Bundeshauptstadt Washington.

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