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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

6. Januar 1993

c f&gt;fytCCJ

Etnboss

53OO Bonn ^

START II

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

PORTRAT

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN DER
AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten
Nationalen Sicherheitsberaters
ERSTE FRAU AN DER SPITZE DES
JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER
IST ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung
alternativer Energieträger

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON
DENVER ZUM VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten
Landwirtschaftsministers
ERNENNUNG EINES LANDESWEIT
GESCHÄTZTEN BILDUNGSPOLITIKERS
ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madelaine Albright
MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey

�START

II
6. Januar 1993

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht zum am 3. Januar 1993 in Moskau von den Präsidenten Bush und Jelzin unterzeichneten START-Il-Vertrag wurde am 1. Januar 1993 vom Weißen Haus veröffentlicht.
Am 3. Januar 1993 werden Präsident George Bush
und Präsident Boris Jelzin den Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen
Föderation über die Weitere Reduzierung und Begrenzung Strategischer Offensivwaffen unterzeichnen. Der
häufig als START II bezeichnete Vertrag wird die von
den beiden Präsidenten beim Washingtoner Gipfeltreffen am 17. Juni 1992 unterzeichnete Gemeinsame
Vereinbarung kodifizieren.
Der Vertrag wird die destabilisierendsten strategischen
Waffen - schwere ballistische Interkontinentalraketen
(ICBMs) und ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVed ICBMs) - beseitigen und die in beiden Ländern stationierten Bestände an strategischen Nuklearwaffen um zwei Drittel der gegenwärtigen Niveaus
drastisch reduzieren.
Der Vertrag umfaßt ein Protokoll über die Beseitigung
oder Konversion von schweren ICBMs und schweren
ICBM-Silos, ein Protokoll über die Vorführung und
Inspektion schwerer Bomber sowie eine Regierungsvereinbarung über die Zuordnung.
Beziehung zum START-Vertrag
Der neue Vertrag baut auf dem am 31. Juli 1991
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterzeichneten START-Vertrag auf, fordert jedoch
sehr viel einschneidendere Reduzierungen der strategischen Nuklearstreitkräfte. Alle START-Regelungen
bleiben bestehen, sofern sie in dem neuen Vertrag
nicht ausdrücklich geändert wurden. Aufgrund der
engen Beziehung zwischen den beiden Verträgen
kann START II nicht vor dem START-Vertrag in Kraft
treten. Darüber hinaus soll er während der gesamten
Dauer von START in Kraft bleiben.
Zentrale Obergrenzen
Der Vertrag wird gleiche Obergrenzen für die Anzahl
strategischer Nuklearwaffen festsetzen, die von beiAMERIKA DIENST 1

den Seiten disloziert werden können. Die Obergrenzen werden für zwei Phasen definiert: Phase I soll
sieben Jahre nach Inkrafttreten des START-Vertrags
und Phase II bis zum Jahr 2003 abgeschlossen sein.
Phase II kann bis Ende des Jahres 2000 beendet
werden, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung der Beseitigung strategischer Offensivwaffen in
Rußland beitragen können.
Der Vertrag wird Reichweiten für einige der zentralen
Obergrenzen festsetzen.
Phase I
Bis zum Ende der ersten Phase muß jede Seite die
Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.800-4.250 reduziert haben.
Dies beinhaltet sowohl die Anzahl der auf dislozierten
ICBMs und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBMs) befindlichen Gefechtsköpfe als auch
die Zahl der Gefechtsköpfe, mit denen schwere Bomber mit nuklearem Auftrag ausgerüstet sind.
Von der Gesamtzahl von 3.800-4.250 Gefechtsköpfen
dürfen sich nicht mehr als 1.200 auf stationierten
MIRVed ICBMs, nicht mehr als 2.160 auf dislozierten
SLBMs und nicht mehr als 650 auf schweren ICBMs
befinden.
Phase II
Bis zum Ende der zweiten und letzten Phase muß jede
Seite die Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen
nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.000-3.500 reduziert
haben. Von diesen dürfen sich keine auf MIRVed
ICBMs einschließlich schwerer ICBMs befinden. Daher
müssen alle MIRVed ICBMs von den dislozierten
Streitkräften beider Seiten beseitigt werden. Mit nur
einem Gefechtskopf bestückte ICBMs sind erlaubt.
Auf SLBMs dürfen sich nicht mehr als 1.700-1.750
stationierte Gefechtsköpfe befinden.
Bezüglich
MIRVed SLBMs besteht kein Verbot.
Seite 1

�Vergleich zwischen den zentralen Obergrenzen
von START und START-II
Der nachfolgende Vergleich zwischen den vom STARTVertrag und vom START-Il-Vertrag festgesetzten
zentralen Obergrenzen stellt sichfolgendermaßendar:

ten um bis zu jeweils vier Gefechtsköpfe pro
Rakete reduzieren. Es besteht keine Gesamtobergrenze bei der Anzahl von Gefechtsköpfen,
die verringert werden können.
Eine Obergrenze von 105 ICBMs von einem
dieser Typen kann um bis zu jeweils fünf Gefechtsköpfe reduziert werden. Eine solche ICBM
darf nur in Silos stationiert werden, in denen sie
zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des STARTVertrags disloziert war.

Bei der Gesamtzahl der strategischen Gefechtsköpfe sieht der START-Vertrag eine Obergrenze von 6.000 anrechnungsfähigen Gefechtsköp-fen vor. Phase I von START II geht von
3.800 bis 4.250 tatsächlichen Gefechtsköpfen
aus. Diese Zahl soll schließlich in Phase II von Daher können die mit drei Gefechtsköpfen bestückte
START II auf 3.000 bis 3.500 begrenzt werden. amerikanische Minuteman-Ill-ICBM und die russische
SS-17-ICBM mit vier Gefechtsköpfen sowie 105 der
Für Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen mit sechs Gefechtsköpfen ausgerüsteten russischen
legt der START-Vertrag eine Obergrenze von SS-19-ICBM auf einen einzigen Gefechtskopf redu4.900 fest, während bei START II in beiden ziert werden, um der Forderung nach Beseitigung aller
Phasen keine spezifischen Grenzen definiert MIRVed ICBMs gerecht zu werden. Die amerikanisind.
sche ICBM Peacekeeper und die russische schwere
ICBM SS-18 sowie die SS-24-ICBM, die alle mit jeBallistische Interkontinentalraketen mit Mehrweils 10 Gefechtsköpfen bestückt sind, und die verfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBMs) werden
bleibenden SS-19-ICBM müssen im Einklang mit den
von START nicht erfaßt, während START II,
START-Verfahren beseitigt werden.
Phase I, eine Obergrenze von 1.200 festlegt
und START II, Phase II, deren völlige Abschaf- Beseitigung von Raketensystemen
fung vorsieht.
Im START-Vertrag können stationierte SLBMs und die
Gefechtsköpfe auf seegestützten ballistischen meisten dislozierten ICBMs der Anrechnungsfähigkeit
Raketen (SLBMs) sind im START-Vertrag nicht entweder durch Zerstörung ihrer Abschußvorrichtunenthalten. START II, Phase I, legt eine Ober- gen (Silos für stationäre ICBMs, mobile Abschußvorgrenze von 2.160 fest, die in START II, Phase II, richtungen für mobile ICBMs und Abschußbereiche
auf 1.700-1.750 gesenkt wird.
auf Unterseebooten für SLBMs) oder durch Umrüstung dieser Abschußvorrichtungen enthoben werBei Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs sieht
den, so daß sie nur einen anderen Typ einer erlaubten
START eine Obergrenze von 1.540 vor. Diese
Rakete tragen können. Die einzige Ausnahme ist die
wird in START II, Phase I, auf 650 reduziert. In
SS-18. Im START-Vertrag muß die Forderung nach
Phase II von START II sollen diese vollständig
der Beseitigung der 154 stationierten SS-18 durch die
abgeschafft werden.
Zerstörung, nicht die Umrüstung der Silos, erfüllt werden.
Bei Gefechtsköpfen auf mobilen ICBMs setzt
der START-Vertrag eine Obergrenze von 1.100 In dem neuen Vertrag behalten diese Regeln im allgefest, die in beiden Phasen von START II ihre meinen ihre Gültigkeit. Die wesentliche Ausnahme ist
wiederum die SS-18. 90 SS-18-Silos können umgerüGültigkeit behält.
stet werden, um eine Rakete mit einem Gefechtskopf
zu
tragen, der Rußland zufolge ein SS-25-Typ sein
Die Gesamtzahl der strategischen nuklearen
wird.
Der Vertrag schreibt spezifische Verfahren einTrägersysteme ist in START mit 1.600 festgeschließlich
Vor-Ort-Inspektionen vor, um sicherzustelsetzt. Diese Zahl gilt ebenfalls für beide Phasen
len,
daß
diese
umgerüsteten Silos nie wieder zum
von START II.
Abschuß einer schweren ICBM in der Lage sein werReduzierung der Anzahl von Gefechtsköpfen pro den. Die verbleibenden 64 SS-18-Silos, die GegenRakete
stand dieses Vertrages sind, müssen zerstört werden.
Der Vertrag erlaubt eine Reduzierung der Anzahl von
Gefechtsköpfen auf bestimmten ballistischen Raketen. Eine solche Reduzierung ("downloading") ist in
einer sorgfältig strukturierten Weise mit einer Modifizierung der im START-Vertrag vereinbarten Regeln
gestattet:

Im Gegenzug für das Recht zur Beibehaltung von bis
zu 90 umgerüsteten SS-18-Silos wird der Vertrag
erfordern, daß alle stationierten und nichtstationierten
SS-18-Raketen und Behälter bis spätestens zum 1.
Januar 2003 beseitigt werden. Dies ist eine wesentliche Abweichung vom START-Vertrag. Generell strebte der START-Vertrag nicht die Zerstörung von RakeJede Seite darf zusätzlich zu der amerikani- ten an. Im START-Il-Vertrag hat die russische Seite
schen Minuteman IM und der russischen SS-N- jedoch der Beseitigung aller stationierten und nichtsta18 zwei bestehende Typen ballistischer Rake- tionierten SS-18-Raketen zugestimmt. Damit wird ein

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�seit langem bestehendes Ziel der amerikanischen Vertrag nie als luftgestützte atomare MarschflugkörSeite verwirklicht - die vollständige Beseit igu ng schwe- per großer Reichweite anzurechnen waren, jetzt für
konventionelle Aufgaben umgerüstet werden können.
rer ICBMs.
Solche Bomber werden bei den durch den Vertrag
Schwere Bomber
festgelegten Obergrenzen für Gefechtsköpfe nicht mit
angerechnet. Sie werden von den für Nuklearwaffen
Im START-Vertrag unterliegen nukleare schwere
ausgerüsteten schweren Bombern getrennt stationiert,
Bomber einer flexibleren Zählweise als ballistische
lediglich für Aufgaben nichtatomarer Natur genutzt
Raketen. Jeder schwere Bomber, der nur Kurzstrekund sich sichtlich von den anderen schweren Bombern
kenraketen oder Freifallbomben tragen kann, zählt als
desselben Typs unterscheiden, die nicht für konventioein Gefechtskopf. Die zum Tragen von luftgestützten
nelle Zwecke umgerüstet werden. Solche schweren
atomaren Marschflugkörpern großer Reichweite
Bomber können nach dreimonatiger Benachrichtigung
(ALCMs) ausgerüsteten amerikanischen schweren
wieder für atomare Zwecke genutzt werden, dürfen
Bomber zählen jeder wie zehn u nd die zum Tragen von
danach jedoch nicht wieder für konventionelle Aufgaatomaren Marschflugkörpern großer Reichweite ausben umgerüstet werden.
gerüsteten sowjetischen schweren Bomber jeder wie
acht Gefechtsköpfe.
Verifizierung
Im START-Il-Vertrag werden die schweren Bomber
gemäß der Zahl der Atomwaffen - seien es luftgestützte Marschflugkörper großer Reichweite, Kurzstrekkenraketen oder Freifallbomben -fürdie sie tatsächlich
ausgerüstet sind, gezählt. Diese Zahl wird in der
Regierungsvereinbarung über die Anrechnungsfähigkeit im Vertrag spezifiziert und bei einer einmaligen
Vorführung und routinemäßigen Vor-Ort-Inspektion
bestätigt.
Neu am START-Il-Vertrag ist ferner die Bestimmung,
daß bis zu 100 schwere Bomber, die unter dem START-

Das umfassende Verifizierungssystem des STARTVertrages wird unter dem neuen Vertrag weiterhin
gültig sein. Zusätzlich wird der START-Il-Vertrag
einige neue Verifizierungsmaßnahmen umfassen, wie
die Beobachtung der Konversion der SS-18-Silos sowie
die Beseitigungsverfahren, Vorführung und Inspektion
aller schweren Bomber zur Bestätigung der Waffenladungen und die Vorführung der schweren Bomber, die
für konventionelle Zwecke umgerüstet werden, um
ihre sichtbaren Unterschiede zu bestätigen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 1

Seite 3

�PORTRAT
6. Januar 1993

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der als "Vollblutdiplomat"
bezeichnete Warren Christopher wird allgemein respektiert und ist bekannt für einen Führungsstil, der
von Ruhe und Rationalität anstatt Zwang und Einschüchterung geprägt ist.

Die amerikanische Außenpolitik sei dann am besten,
wenn sie von Überparteilichkeit gekennzeichnet sei
und Maßnahmen fördere, über die sich beide politischen Parteien einig seien, wie etwa bei den NahostFriedensgesprächen und der Hilfsaktion in Somalia.

Der neu gewählte Präsident Bill Clinton erklärte zur
Wahl des 67jährigen Rechtsanwalts, altgedienten Diplomaten und geschickten Verhandlungsführers als
Außenminister, er habe immer stärker "auf sein Urteilsvermögen zu vertrauen gelernt... Er ist ein Freund,
den ich in meiner Nähe haben möchte."

Darüber hinaus machte er deutlich, daß Außen- und
Innenpolitik "gleichzeitig und nicht nacheinander behandelt werden" müßten.

Clinton bezeichnete Christopher als "eine Person mit
unvergleichlichem Urteilsvermögen" und verwies darauf, er habe niemand anderen kennengelernt, der
"bessere Urteilskraft oder ein breiteres Spektrum einschlägiger Erfahrungen vorzuweisen hatte". Er habe
nur deshalb auch mit anderen Kandidaten für den
Posten des Außenministers gesprochen, weil er nicht
geglaubt habe, er werde Christopher überzeugen
können, ihn anzunehmen.
Christopher war bisher Leiter von Clintons Übergangsteam und hatte sich selbst deshalb als Kandidat für
einen Kabinettsposten ausgenommen.
Mit dem Hinweis auf Christophers "hervorragende
Dienste unter früheren Administrationen" erklärte Clinton, er habe "exzellente Arbeit" geleistet, als er die
Freilassung der amerikanischen Geiseln im Iran im
Jahr 1981 aushandelte. Er würdigte darüber hinaus
Christophers Bemühungen während der Carter-Administration, China in die Völkergemeinschaft einzugliedern.
In einer kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung verwies Christopher darauf, mit dem
Ende des Kalten Krieges sei die Welt in "ein neues und
bei weitem komplizierteres Zeitalter" mit einem "neuen
Spektrum von Gefahren" eingetreten, zu denen ethnische und religiöse Rivalitäten sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen gehörten.

AMERIKA DIENST 1

Christoper weigerte sich jedoch, vor seiner Bestätigungsanhörung im US-Kongreß Fragen zu bestimmten außenpolitischen Themen zu beantworten.
Christopher ist zur Zeit von seiner Tätigkeit bei O'Melveny und Myers, einer Anwaltskanzlei in Los Angeles
mit über 500 Rechtsanwälten, beurlaubt.
Er war Stellvertretender Außenminister in der CarterAdministration, Stellvertretender Justizminister in der
Johnson-Administration und Verhandlungsführer der
Kennedy-Administration bei Handelsgesprächen.
Carter charakterisierte Christopher als Regierungsvertreter, der ihn mehr als jeder andere beeindruckt
habe, und der ehemalige Präsident verlieh ihm am 16.
Januar 1981 die Medal of Freedom - die höchste zivile
Auszeichnung der Vereinigten Staaten.
Nach seiner Vereidigung als Stellvertretender Außenminister am 26. Februar 1977 erwarb sich Christopher
den Ruf einer raschen Auffassungsgabe in der Au ßenpolitik und spielte eine entscheidende Rolle als Chefunterhändler der Administration bei den Verträgen
über den Panamakanal.
Im Außenministerium wurde er zum Koordinator von
Carters Menschenrechtspolitik im Ausland sowie zum
Vorsitzenden einer interministeriellen Kommission
ernannt, die die Menschenrechtsbilanz für jedes Land
getrennt beurteilte.
Ende 1980 bediente sich Christopher einer intensiven
Reisediplomatie und flog nach Algerien, um die Freilassung der amerikanischen Botschaftsgeiseln im Iran
Seite 1

�auszuhandeln. Die Geiseln wurden erst kurz nach der York Times folgendermaßen zitiert: "Christopher ist
Amtseinführung Ronald Reagans im Januar 1981 frei- keiner, der Geschäfte macht oder manipuliert. Er ist
mehr als eine politische Figur. Er ist ein Mann der Tat,
gelassen.
nicht der Worte... Ich würde ihm jedes Geheimnis
Christopher wurde von Clinton gebeten, ein Team zu anvertrauen. Clinton weiß, was er mit Warren alles
leiten, dessen Aufgabe die Überprüfung der Liste erreichen kann."
möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten war und
das ihm helfen sollte, einen Kandidaten auszuwählen. Der am 27. Oktober 1925 in Scranton (North Dakota)
Dieser Prozeß führte schließlich zur Wahl des Sena- geborene Christopher schloß 1945 an der University of
tors aus Tennessee, AI Gore, der sich als starke Southern California seine Collegeausbildung ab. Von
Ergänzung der demokratischen Liste erwies.
Juli 1943 bis September 1946 war er in der Marinereserve und kam als Leutnant zur See auf dem pazifiChristopher übernahm unlängst den Vorsitz der Bür- schen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Von 1946 bis
gerkommission, die das Verhalten der Polizei von Los 1949 besuchte er die juristische Fakultät der Stanford
Angeles während und nach der auf einem Videofilm University und leitete dort die Zeitschrift Law Review.
aufgezeichneten Mißhandlung von Rodney King durch
Polizeibeamte im Jahr 1991 untersuchte. Die Kom- Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr
mission wurde gegründet, als der Freispruch der 1981 kehrte Christopher zu O'Melveny and Myers
Beamten von den meisten der ihnen zur Last gelegten zurück - einer Anwaltskanzlei, mit der er nahezu sein
Anklagepunkten im Frühjahr 1992 in Los Angeles zu ganzes Berufsleben verbunden war, außer während
seiner Regierungstätigkeit. In den vergangenen 11
schweren Ausschreitungen führte.
Jahren war Christopher Vorsitzender der UnternehBürgermeister Tom Bradley ernannte Christopher in mensleitung und damit in der Praxis für die Tagesgedas Gremium, dasspäteralsChristopher-Kommission schäfte zuständig.
bekannt wurde. Diese empfahl tiefgreifende Reformen innerhalb der Polizei, und die Wähler von Los Als ehemaliger Präsident des Anwaltsvereins im LandAngeles sprachen sich in einem Volksentscheid für die kreis Los Angeles war Christopher 1959 SonderberaReformen aus.
ter des kalifornischen Gouverneurs Edmund Brown.
Er war Direktor des Los Angeles World Affairs Council
Bryce Nelson, Professor für Publizistik an der Univer- und Mitglied der Trilateral Commission. Von 1961 -65
sity of Southern California, der während der Polizeibe- war er Sonderberater von Staatssekretär George Ball
fragung Christophers Sprecher war, wird in der New für auswärtige Wirtschaftsprobleme.
*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 1

�PORTRAT
6. Januar 1993

INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt
oder der scheidende Senator Tim Wirth für den Posten
an der Spitze des Innenministeriums berufen wird.
"Unsere Botschaft war eindeutig: Im Innenministerium
sind Führungsqualitäten erforderlich, und es werden
Menschen wie Babbitt oder Wirth gebraucht", erklärte
Umweltschützer sind einer Meinung mit ihm, was einer eine Sprecherin des Sierra Club am 24. Dezember
der Gründe dafür ist, daß sie seine am 24. Dezember 1992.
1992 vom künftigen Präsidenten Clinton verkündete
Nominierung umgehend billigten. Das Innenministe- Um das Treffen hatten Umwettschützer gebeten, da
rium ist für die Nationalparks und das an Farmer und sie über einige andere, in den Medien genannte KanBergarbeiter verpachtete, dem Staat gehörende Land, didaten für das Amt nicht glücklich waren.
für die Beziehungen zu den Stämmen der UreinwohDer 54jährige Babbitt stammt aus dem Westen der
ner und die Überwachung privater Bergwerksbetriebe
Vereinigten Staaten, was eine bedeutende Qualifikazuständig.
tion für den Posten des Innenministers ist. Bergbau-,
Ein weiterer Grund ist, daß sie einander gut kennen - Wasserversorgungs- und Erschließungsprojekte sowie
Babbitt ist zur Zeit Präsident der League of Conserva- Nationalparks sind überwiegend im Westen konzention Voters, dem politischen Arm einer Koalition füh- triert und für die regionale Beschäftigung, die Bilanzen
render Umweltschutzgruppen in den Vereinigten Staa- verschiedener großer Unternehmen sowie den Nachschub von Nahrungsmitteln und Mineralien auf Bunten.
desebene lebenswichtig.
Jay Hair, Präsident der National Wildlife Federation,
nannte Babbitts Nominierung eine "ausgezeichnete" Er wurde 1977 Gouverneur von Arizona, als der damalige
Entscheidung. Er erklärte, "Babbitt teilt die Sorgen der Amtsinhaber starb. 1978, dem Jahr, in dem Clinton
Mehrheit der Amerikaner, daß wir uns stärker um das zum Gouverneur von Arkansas gewählt wurde, geuns anvertraute, im Staatsbesitz befindliche Land und wann Babbitt seine Wiederwahl. Während seiner
Amtszeit brachte er ein Gesetz über die Grundwasserdie Natur kümmern müssen."
versorgung ein, indem er Konflikte zwischen Farmern,
Babbitt, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Bergleuten und Stadtbewohnern löste.
Arizona, ist der letzte in einer Reihe "grüner" Nominierungen für die zukünftige Administration von Clinton Babbitt, Clinton und andere gewählte Beamte wie
und Vizepräsident Gore. Carol Browner, die zur Leite- Senator Gore, die 1982 wiedergewählt worden waren,
rin des Umweltschutzamtes (Environmental Protec- gründeten den Demokratischen Führungsrat (Demotion Agency - EPA) berufene ehemalige Assistentin cratic Leadership Council), um die Demokratische
Gores, wurde von Umweltschutzgruppen für ihre Ar- Partei stärker ins Zentrum zu rücken.
beit als Beamtin für Umweltfragen in Florida gelobt.
Hazel O'Leary, die designierte Energieministerin, er- 1988 beteiligte sich Babbitt am Rennen um das Amt
klärt, die Prioritäten des Energieministeriums sollten des Präsidenten, verlor aber in mehreren Vorwahlen
bei der Förderung von Energieeinsparung und der der Demokraten und mußte ausscheiden.
Nutzung alternativer Energieträger liegen.
1960 legte er sein erstes Examen an der University of

WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
Bruce Babbitt ist dafür bekannt, daß er das Innenministerium, an dessen Spitze er berufen wurde, ein
"Durcheinander" nannte.

Am 23. Dezember 1992 trafen sich mehrere Führer
von Umweltschutzgruppen mit Beamten von Clintons
Übergangsteam, um darauf zu drängen, daß Babbitt
AMERIKA DIENST 1

Notre Dame mit Geologie im Hauptfach ab. Als
Marshall-Stipendiat konnte er an der University of
Newcastle in Großbritannien Geophysik studieren und
machte dort 1962 seinen Magister.
Seite 1

�Nach einer Reise nach Lateinamerika schrieb er sich
an der juristischen Fakultät der Harvard University ein,
nahm an Demonstrationen der Bürgerrechtsbewegung teil und machte 1965 seinen Abschluß.
1974 gewann er die Wahl zum Justizminister des
Bundesstaates Arizona mit einem Wahlprogramm,
das auf die Beseitigung der Korruption in der Regierung und die strafrechtliche Verfolgung von Grundstücksbetrügereien abzielte.

In Zeitungsinterviews sprach Babbitt kürzlich über die
Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf
gegen weltweite Umweltprobleme. Ihm zufolge müssen die Entwicklungsländer ihre Volkswirtschaften
modernisieren, aber sie lehnen Ratschläge der Industrieländer ab, die selbst nicht genug zur Bekämpfung
ihrer eigenen Umweltprobleme unternehmen.

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 1

�PORTRÄT
6.Januar 1993

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
WASHINGTON - (AD) - Der vom neugewählten Präsidenten Clinton für den Posten des Verteidigungsministers nominierte Les Aspin hat erklärt, er werde sich
bemühen, trotz der Reduzierung der amerikanischen
Streitkräfte in "der neuen postsowjetischen Welt nach
dem Kalten Krieg" deren hohe Qualität und technologische Überlegenheit zu bewahren.

Kuwait nicht ändern würden und unterstützte 1991
energisch die Bemühungen der Bush-Administration,
den Irak aus Kuwait zu vertreiben.
Während seiner Tätigkeit im Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses hat er eine Reihe großer und
teurer Waffensysteme abgelehnt, darunter den B-2
Tarnbomber. Andererseits unterstützte er einen Finanzierungskompromiß für die Interkontinentalrakete
MX. Er interessiert sich brennend für Rüstungskontrolle und ist als Gegner einer weltraumgestützten
Strategischen Verteidigungsinitiative bekannt. Er war
bestrebt, Versuche der Administration zur Neuinterpretation des amerikanisch-sowjetischen ABM-Vertrags von 1972 zu vereiteln.

In dem neuen Zeitalter hat sich, wie Aspin in einer
kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 feststellte, die Definition der amerikanischen nationalen Sicherheit verändert und erweitert. Dazu gehören ihm zufolge mögliche Bedrohungen seitens regionaler Mächte sowie
Gefahren, die sich aus der weiteren Verbreitung von
Kernwaffen ergeben und "die Möglichkeit einer Umkehr der Reformen in der ehemaligen Sowjetunion, die In der Ausgabe 1992 von Politics in America heißt es,
Aspin habe sich besonders verteidigungspolitischen
unermeßliche Folgen hätte".
Themen wie konventionellen Waffen und MilitärpersoAspin verwies femer darauf, daß die neue Definition nal sowie "der sinkenden Abhängigkeit von Kernwafder nationalen Sicherheit auch die wirtschaftliche fen als Mittel gegen eine schwindende sowjetische
Komponente umfasse. Das Verteidigungsministerium Bedrohung" gewidmet.
könne zur Wiederbelebung der amerikanischen BinAspin lehnte das militärische Engagement der Vereinenwirtschaft beitragen.
nigten Staaten in Vietnam ab und befürwortete die
Clinton erklärte, er habe Aspin als seinen wichtigsten Unterstützung der Contras in Nicaragua im Jahr 1986.
zivilen Militärberater berufen, weil dieser "die Einzel- In jüngster Zeit kritisierte er die langsame Reaktion der
heiten der Verteidigungspolitik meisterhaft beherrscht". republikanischen Administration auf die VeränderunTatsächlich hat Aspin im Repräsentantenhaus an gen im Osten und den Niedergang des Kommunismus
führender Stelle daran mitgewirkt, den Umfang des in Osteuropa sowie das abnehmende Einvernehmen
Verteidigungshaushalts festzulegen. Während des zwischen den Vereinigten Staaten und der SowjetuniPräsidentschaftswahlkampfs trug er wesentlich zur on.
Gestaltung der militärpolitischen Haltung Clintons bei.
Der gewählte Präsident erklärte, Aspin sei "Experte in Der im Jahr 1985 zum Vorsitzenden des StreitkräfteVerteidigungsfragen", und diese Einschätzung wird ausschusses des Repräsentantenhauses ernannte
von Vertretern der Rüstungsindustrie, Militärs, Vertei- Aspin hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, seinem
Ausschuß eine Rolle bei der Gestaltung der Verteididigungsfachleuten und Politikern allgemein geteilt.
gungspolrtik zu sichern. Aspin hat seither die Position
In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat der des Ausschußvorsitzenden behalten - mit Ausnahme
gemäßigte Demokrat den Kurs der amerikanischen von zwei Wochen im Jahr 1987, als er vorübergehend
Verteidigungspolitik maßgeblich beeinflußt. Aspin kam durch ein Mißtrauensvotum von dieser Funktion entbereits frühzeitig zu dem Schluß, daß internationale bunden wurde, das durch seinen Hang zu AlleingänWirtschaftssanktionen die irakischen Bestrebungen in gen motiviert war.

AMERIKA DIENST 1

Seite 1

�Aspin errang 1970 zum ersten Mal in Wisconsin ein
Mandat für den US-Kongreß und wurde sofort Mitglied
im Streitkräfteausschuß. Er hatte zuvor bereits zwei
Jahre im Pentagon als einer der "Wunderknaben" des
damaligen Verteidigungsministers McNamara gearbeitet und 1966-68 in der Armee gedient. In seinen
ersten Jahren im Kongreß gab er bis zu 60 Pressemitteilungen monatlich zu verteidigungspolitischen Fragen heraus.

gungsministeriums gegenüber Homosexuellen zu
ändern, und Aspin hat erklärt, die Frage müsse "äußerst sorgfältig und offen" erörtert und gelöst werden.
Es sei "eine gute Sache", da ß das Thema "unmittelbar"
behandelt werden wird.
Der 1938 in Milwaukee (Wisconsin) geborene Aspin
erhielt im Jahr 1960 einen B.A. in Geschichte an der
Universität Yale, im Jahr 1962 seinen M.A. in Volkswirtschaft, Politologie und Philosophie an der Universität Oxford und promovierte 1965 am Massachusetts
Institute of Technology in Volkswirtschaft.

Die New York Times beschreibt Aspin als jemanden,
der "in großen, analytischen Konstrukten und Szenarien denkt, als ob die Welt ein gigantisches Puzzle sei
und seine Arbeit darin bestehe, zu versuchen, die Er begann seine politische Laufbahn als Mitarbeiter
Einzelteile in verschiedenen Kombinationen zusam- des ehemaligen Senators William Proxmire. Später
wurde er Mitarbeiter des Vorsitzenden des Rats der
menzufügen".
Wirtschaftsberater in der Kennedy-Administration.
Ein Thema, dem er sich frühzeitig wird stellen müssen, Darüber hinaus lehrte er zwei Jahre lang an der
ist die Politik der Streitkräfte, Homosexuelle vom Dienst Marquette University in Wisconsin Volkswirtschaft bevor
auszuschließen. Der gewählte Präsident Clinton hat er in den Kongreß gewählt wurde.
im Wahlkampf versprochen, die Politik des Verteidi*

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�PORTRAT
6.Januar 1993

ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJAHRIGE
ERFAHRUNG IN DER AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten Nationalen Sicherheitsberaters
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton für den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters - eine der wichtigsten außenpolitischen Positionen in der amerikanischen Regierung - nominierte
Anthony Lake bringt umfassende Erfahrung für diese
Tätigkeit mit. Der 53jährige trat bereits 1962 in den
auswärtigen Dienst ein und ist seither in außenpolitischen Kreisen aktiv.

auf Kambodscha durch die Nixon-Administration und
schrieb später ein kritisches Buch über Kissingers
Haltung gegenüber Afrika.
1977 wurde Lake unter der Carter-Administration Leiter des politischen Planungsstabs des Außenministeriums. In dieser Stellung war er unmittelbar Außenminister Cyrus Vance unterstellt und wurde Zeuge der
bürokratischen Manöver zwischen Vance und Carters
Nationalem Sicherheitsberater, Zbigniew Brzezinski.

Wie Clinton gehört auch Lake zu der von Kennedys
Präsidentschaft Anfang der sechziger Jahre sowie
durch den Vietnamkrieg geprägten idealistischen Als Ronald Reagan 1981 Präsident wurde, zog sich
Generation. Lakes Idealismus trat offen zutage, als er Lake in das akademische Leben zurück und wurde
1970 von seinem Posten als Referent Henry Kissin- Professor am Amherst College in Massachusetts.
gers zurücktrat, um gegen die Ausweitung des Viet- 1984 wechselte erzürn Mount Holyoke College, wo er
namkrieges auf Kambodscha durch die Nixon-Admini- Seminare über den Vietnamkrieg, Revolutionen in der
Dritten Welt und amerikanische Außenpolitik abhielt.
stration zu protestieren.
Im Präsidentschaftswahlkampf 1992 war er einer der
Lakes umfassende Erfahrung im Außenministerium wichtigsten außenpolitischen Berater des Kandidaten
sowie seine wesentliche wissenschaftliche Beschäfti- Clinton. (Clinton und Lake hatten 1972 im Wahlkampf
gung mit internationalen Angelegenheiten sollten ihm des Präsidentschaftskandidaten George McGovern
dabei helfen, eine profunde Kenntnis von den Realitä- zusammengearbeitet.) Lake ist darüber hinaus ein
alter Freund von Warren Christopher, der von Clinton
ten der Macht in diese Stellung einzubringen.
zum Außenminister berufen wurde.
Der 1939 in New York geborene Lake schloß sein
Studium an der Harvard University mit einem B.A. ab Zu den Veröffentlichungen Lakes gehören The 'Tar
und studierte danach zwei Jahre lang Volkswirtschaft Baby' Operation: American Policy Toward Souan der Cambridge University in England. Er promo- thern Rhodesia, (1976); Third World Radical Regivierte an der Woodrow Wilson School of Public and mes : U.S. Policy Under Carter and Reagan, (1985);
International Affairs in Princeton.
Somoza Falling: A Case Study of Washington at
Work, (1990). Darüberhinaus war er an derGründung
1962 trat Lake in den auswärtigen Dienst ein und der einflußreichen Fachzeitschrift Foreign Policy
wurde nach Vietnam entsandt, wo er persönlicher beteiligt.
Referent des damaligen Botschafters Henry Cabot
Lodge wurde. Der bereits frühzeitig als besonders Lake wurde in der Presse als "kreativer und einfallsreitalentiert geltende Lake stieg rasch auf und wurde cher Denker" bezeichnet. Er gilt als fähige Integra1969 Referent Henry Kissingers. In dieser Funktion tionsfigur in der Bürokratie, und es wird angenommen,
begleitete er den Außenminister bei seinem ersten daß er eine Stärkung der Vereinten Nationen als
Geheimtreffen mit nordvietnamesischen Unterhänd- multilaterales Instrument zur Beilegung internationaler
lern in Paris. 1970 hatte er eine scharfe Auseinander- Konflikte befürwortet.
setzung mit Kissinger über die Ausweitung des Krieges
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�PORTRAT
6. Januar 1993

ERSTE FRAU AN DER SPITZE
DES JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
WASHINGTON - (AD) - Zoe Baird, die designierte
Justizministerin des künftigen Präsidenten Clinton, ist
die erste Frau, die je an der Spitze des Justizministeriums stand.
Baird, ranghöchste Abteilungsleiterin und Justiziarin
der Versicherungsgesellschaft Aetna Life and Casualty Company ist die fünfte Frau, die eine Spitzenposition in der Clinton-Administration erhält.
Als Clinton ihre Ernennung verkündete, stellte er fest,
daß das Justizministerium in den letzten Jahren 'bewegte
Zeiten" durchlebte, daß die "entschlossene, verläßliche und talentierte" Baird das Ministerium jedoch "neu
beleben" und zur Sicherung der fundamentalen "Rechte aller" Amerikaner einsetzen werde.

Ministeriums und anschließend des Weißen Hauses
tätig, wo sie mit dem damaligen Stellvertretenden
Außenminister Warren Christopher zusammenarbeitete, der am 22. Dezember 1992 von Clinton für den
Posten des Außenministers nominiert wurde. Baird
konzentrierte sich auf in Zusammenhang mit der Freilassung der im Iran gefangengehaltenen Amerikaner
stehende Rechtsangelegenheiten.
Im Jahr 1990 trat sie Aetna als Abteilungsleiterin und
Justiziarin bei. Im April letzten Jahres wurde sie zur
ranghöchsten Abteilungsleiterin berufen und steht zur
Zeit an der Spitze von 400 Rechtsanwälten.
Im Juni wählte die Wirtschaftszeitschrift Business
Week sie zu einer der 50 führenden Geschäftsfrauen
und bezeichnete säe als "strategische Aktivistin", die
"an allen wichtigen politischen Entscheidungen bei
Aetna mitwirkt und die Haltung des Versicherungsunternehmens gegenüber öffentlichen Angelegenheiten,
wie beispielsweise Gesundheitsfürsorge beeinflußt".

Baird ist zwar die erste Vertreterin ihres Geschlechts,
die für dieses Amt nominiert wird, Clinton prognostizierte jedoch, sie werde "einer der besten" Justizminister in der Geschichte der Nation werden. Er fügte
hinzu, sie sei eine fähige, ideenreiche Kämpfernatur,
die "kein Blatt vor den Mund nehme", wenn sie ein Ziel Baird war von 1986-90 als Beraterin und leitende
Angestellte bei der General Electric Company tätig
erreichen wolle.
und von 1981 -86 Sozius bei der Anwaltskanzlei O'MelEinem Mitglied von Clintons Übergangsteam zufolge veny and Myers in der Bundeshauptstadt Washington.
äußerten sich diejenigen, die Baird kennen, mit "überschwenglicher Begeisterung" über sie. "Sie vermute- Die in Brooklyn, (New York), geborene Baird erhielt
ten, sie würde Rechtsberaterin im Weißen Haus, und 1974 an der University of California in Berkeley den
als die Nachricht kam, wurde gesagt, das sei 'eine akademischen Grad eines Bachelor und legte 1977 an
Wucht'". Hillary Clinton sei von ihr sehr beeindruckt dieser Universität ihr juristisches Staatsexamen ab.
gewesen, als sie sich kürzlich trafen.
Baird lebt mit ihrem Ehemann Paul Gewirtz, einem
Die 40jährige Baird war unter der Carter-Administra- Verfassungsrechtler der Yale University, und ihrem
tion als Beraterin in der Rechtsberatungsabteilung des Sohn Julian in New Haven, (Connecticut).
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�PORTRAT
6.Januar 1993

DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER IST
ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Mickey Kantor, vom künftigen
Präsidenten Clinton als Handelsbeauftragter nominiert, kann auf keine große Erfahrung im Au ßenhandel
verweisen, ist jedoch mit Konkurrenzkampf vertraut.
"Ich kann es nicht ausstehen zu verlieren," wurde
Kantor in einem Artikel der Washington Post vom
Juni zitiert. "Ich bin der schlechteste Verlierer, den Sie
je in Ihrem Leben getroffen haben. Ich werde wütend."
Der 53jährige Syndikus aus Los Angeles, der Clintons
Präsidentschaftswahlkampf leitete, war in seiner Jugend als fanatischer Baseballspieler in Nashville
(Tennessee) bekannt. Zeitungsberichten zufolge genießt
er jedoch auch den Ruf eines Mannes, der Menschen
in einer Krise zusammenführen und die Dinge wieder
ins Lot bringen kann.
Anfang 1992 war Kantor Mitglied der Kommission, die
im Anschluß an die durch den Freispruch von Polizisten ausgelösten Unruhen mit der Empfehlung von
Reformen für die Polizei von Los Angeles beauftragt
wurde. Eine Videoaufzeichnung belegte, wie die Polizisten einen Schwarzen zusammenschlugen.
Als gegen den Bürgermeister von Los Angeles, Tom
Bradley, ein Ermittlungsverfahren wegen angeblichen
Mißbrauchs seiner persönlichen Finanzen anberaumt
wurde, wandte er sich für seine Verteidigung an Kantor.
Kantor ist das Verdienst zuzuschreiben, daß Clintons
Wahlkampftruppe wieder an einem Strang zog, als die
Meinungsumfragen nach Berichten über Clintons nicht
geleisteten Wehrdienst und angebliche Affären um 20
Prozentpunkte sanken.
"Mickey weiß, wo's lang geht", stellt Sargent Shriver
fest, der Kantor mit der Leitung seines Wahlkampfes
als Vizepräsidentschaftskandidat des Demokraten
George McGovern im Jahr 1972 beauftragte." Shriver
lernte Kantor bereits in den sechziger Jahren kennen,
als Kantor seine Karriere als Armenanwalt begann, der
die Rechte von Wanderarbeitern schützte.

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"M ickey stand an vorderster Stelle im Kampf gegen die
Armut", so Shriver, der das Programm für Präsident
Johnson organisierte. "Und statt nur den Mund aufzureißen und zu theoretisieren, krempelte er die Ärmel
hoch und leistete die Arbeit, die getan werden mußte."
In der Carter-Administration war Kantor zusammen
mit Hillary Clinton im Vorstand der Legal Services
Corporation, der amerikanischen Regierungsbehörde,
die den Armen Rechtsbeistand leistet.
Seit jener Zeit sind Kantor und die Clintons befreundet.
Ein weiterer langjähriger Freund ist Warren Christopher, der vom künftigen Präsidenten Clinton als Außenminister nominiert wurde.
Kantor hat auch seine Kritiker, vor allem den ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, einen
vehementen Gegner während der Vorwahlen zur
Präsidentschaftswahl 1992. Brown hatte Kantor zum
Leiter seiner gescheiterten Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 1976 eingesetzt, in diesem Jahr sah
er in ihm jedoch einen der "zynischen Politiker", die ihm
zufolge die amerikanische Demokratie zerstören.
"Er ist auch nur einer der Politiker, die von Idealismus
geleitet beginnen und als Lobbyisten enden, die den
Mächtigen schöntun", erklärte Brown im Juni in einem
Interview mit der New York Times.
Kantors Kanzlei vertritt einige sehr mächtige Unternehmen wie etwa Litton Industries, Lockheed, Martin
Marietta, General Electric, United Air Lines, Atlantic
Richfield und Chemical Banking.
Auch einige Umweltschützer könnten über Kantors
Nominierung nicht allzu beglückt sein. 1988 leitete
Kantor eine mehrere Millionen Dollar teuere Kampagne im Namen von Armand Hammer und seiner Firma
Occidental Petroleum für ein Referendum des Bundesstaates zu Ölbohrungen vor der kalifornischen
Küste.

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�In einem Artikel in der Los Angeles Times vom Mai
wies Kantor Kritik bezüglich eines angeblichen Interessenkonflikts zwischen seiner Tätigkeit als Syndikus
und der Lokalpolitik von Los Angeles zurück.

Ansichten zur Handelspolitik - zum Handelsbeauftragten zu ernennen. Mit der Entscheidung für ihn umging
der gewählte Präsident zwischenzeitlich die eingehend in der Presse kommentierte Kontroverse zwischen den Befürwortern von freiem und den Verfech"Es besteht immer ein potentieller Konflikt, wenn Sie so tern von gelenktem Handel. Jede Seite verbreitete
aktiv sind wie viele Rechtsanwälte in dieser Stadt... Gerüchte über den potentiellen Kandidaten der andeMan muß lernen, den Kopf dafürhinzuhalten", stellte er ren Seite für dieses Amt.
fest.
Kantor machte seinen Abschluß an der Vanderbilt
Darüberhinaus hat er seiner Meinung nach Prinzipien, University und der juristischen Fakultät der Georgedenn er gab die Vertretung für eine Fluggesellschaft town University und diente dann vier Jahre als Offiauf und wies ein führendes Agraruntemehmen als ziers-anwärter in der US-Marine. Seine erste Frau
möglichen Mandanten ab, weil die Fälle seinen Nach- starb 1978 bei einem Flugzeugabsturz, sein 17jähriger
forschungen zufolge den Gewerkschaften schadeten. Sohn 10 Jahre später bei einem Autounfall. Kantorund
Clinton könnte einen weiteren Grund dafür gehabt seine zweite Frau, mit der er seit 10 Jahren verheiratet
haben, Kantor - einen Mann ohne weithin bekannte ist, haben eine Tochter.
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�PORTRAT
6.Januar 1993

O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung alternativer Energieträger
WASHINGTON (AD) - Als leitende Angestellte und
Befürworterin alternativer Treibstoffe ist Hazel O'Leary genau die Persönlichkeit, die der neu gewählte Präsident Clinton an der Spitze eines aktiveren Energieministeriums zu sehen wünscht.

Ministerium sei in der Vergangenheit von Nuklearfragen beherrscht gewesen. Es werde jedoch "eine
wichtige Aufgabe derkünftigen Energieministerin sein,
die Prioritäten des Energieressorts neu festzulegen",
erklärte er.

Etwa zwei Drittel des Haushalts von 18,8 Milliarden
Dollar für dieses Ressort sind für die Entwicklung von
Kernwaffen und die Beseitigung von Umweltschäden
bestimmt, die deren Produktion hinterläßt. O'Leary hat
jedoch bereits Erfahrung mit der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie gesammelt, da das Energieversorgungsunternehmen Northern States Power Company, in dem sie als Vorstandsmitlied für den Bereich
Unternehmenspolitik zuständig war, drei Kernkraftwerke betreibt. In dieser Funktion hat sie die Bundesregierung aufgefordert, ihre Bemühungen zur Einrichtung eines Endlagers für nukleare Abfälle aus privaten
Kernkraftwerken zu beschleunigen.

"In unserem Wahlkampf haben Senator Gore und ich
deutlich gemacht, wo unsere Prioritäten liegen: stärkere Berücksichtigung amerikanischen Erdgases,
Verbesserung der Energieausnutzung, verstärkte
Entwicklung alternativer Energiequellen, eine stärkere
Verpflichtung, eine gute Energiepolitik und eine gute
Umweltpolitik zu einer guten Wirtschaftspolitik für die
Vereinigten Staaten zu machen", stellte Clinton fest.

Obwohl Umweltschutzgruppen über dieses Amt nicht
sehr glücklich sind, betonen sie - ebenso wie Clinton
bei einer Pressekonferenz am 21. Dezember 1992 -,
daß O'Leary sich nachdrücklich für Energiesparmaßnahmen sowie den Einsatz von Erdgas und anderen
Brennstoffen als Ersatz für Erdöl einsetzt.

Bei der Pressekonferenz verwies O'Leary darauf, sie
selbst fahre ein mit Erdgas betriebenes Auto. Anfang
Dezember war sie von dem Energieversorgungsunternehmen, für das sie tätig ist, zur Vorstandsvorsitzenden des Erdgasbereichs ernannt worden und sollte
diese Position im Januar übernehmen.
Vordem Eintritt in dieses Unternehmen im Jahr 1989
hatte sie als Beraterin in Energiefragen und Mitarbeiterin im Energiebereich Erfahrungen in zwei Administrationen gesammelt.

O'Leary schloß 1959 ihr Studium an der Fisk University
"Wir können sie nicht danach (der Position zu atomaab und legte im Jahr 1966 ihr Juraexamen an der
ren Abfällen) beurteilen, da wir nicht wissen, wie sie
Rutgers University ab. Anschließend war sie als
dabei Einfluß genommen hat. Wir hören nur, daß sie
Staatsanwältin im Justizministerium des Staates New
in dem Unternehmen als Vermittler tätig war", erklärte
Jersey und danach im Büro des Staatsanwalts eines
eine Sprecherin des Sierra Club, einer der größten
Verwaltungsbezirks von New Jersey tätig.
Umweltschutzorganisationen der Vereinigten Staaten,
in einem Interview am 22. Dezember.
Nach einer Tätigkeit für ein Buchhaltungsunternehmen in der Bundeshauptstadt Washington wurde sie
"Wir kennen sie nicht sehr gut, aber wir sehen der
von Präsident Ford in die Federal Energy AdministraZusammenarbeit mit ihr gern entgegen, weil wir erwartion sowie von Präsident Carter in das 1977 gegründeten, daß sie die Energiepolitik von Clinton und Gore
te Energieministerium berufen.
durchführen wird", stellte die Sprecherin fest.
Das Ministerium hat heute rund 20.000 Mitarbeiter
Bei der Pressekonferenz am 21. Dezember, in deren
sowie weitere 140.000 Beschäftigte, die in von UniverRahmen er die Berufung der 55jährigen O'Leary als
sitäten und Privatunternehmen betriebenen Fabriken
Energieministerin ankündigte, bekannte Clinton, das
und Laboratorien arbeiten.

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�1980 heiratete die designierte Energieministerin John
O'Leary, der im folgenden Jahr O'Leary Associates,
eine internationale Beratungsfirma für Energiefragen,

gründete. Sie war Abteilungsleiterin und Justiziarin
des Unternehmens. Ihr Ehemann ist 1987 verstorben,

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�PORTRAT
6.Januar 1993

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON DENVER ZUM
VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Federico
Pena als Verkehrsminister bringt einen zweiten Hispano-Amerikaner in das Kabinett des künftigen Präsidenten Clinton und unterstreicht dessen Versprechen,
seine Administration werde "aussehen wie Amerika".
Wie sein bereits früher als Leiter des Ressorts für
Wohnungs- und Städtebau nominierter Freund Henry
Cisneros war Pena Bürgermeister einer Großstadt - in
seinem Fall von Denver in Colorado. Wie Cisneros ist
er gebürtiger Texaner.
Der 45jährige Pena leitet Clintons Übergangsteam im
Bereich Verkehrswesen.
Der designierte Minister war zwei Amtszeiten lang
Bürgermeister von Denver. Er wurde im Jahr 1983
zum ersten hispanischen Oberhaupt der Stadt gewählt
und setzte sich 1987 in einer hart umkämpften Wiederwahlkampagne durch. Nach dem Ausscheiden aus
dem Amt eröffnete er die Investmentberatungsfirma
Pena Investment Advisors, Inc.
Sein Interesse an Verkehrsfragen wird von dem neuen, 3 Milliarden Dollar teuren Flughafen von Denver
symbolisiert, der im kommenden Herbst eröffnet werden soll. Die Pläne für diese Einrichtung wurden in
seiner Amtszeit konzipiert.
Pena hat angedeutet, er befürworte für Fragen wie die
Verkehrsplanung regionale Ansätze. Er erklärte Teilnehmern an einem öffentlichen Forum in Denver im
vergangenen Jahr, daß die Stadt "einiges an Macht
abgeben und einige Juwelen teilen muß ... und die
Vororte bereit sein müssen, einen gewissen Ausgleich
zu leisten".

"Mindestens müssen wir einen städtischen Verkehrsdistrikt schaffen, der sich mit Schnellverkehrstechnologien beschäftigt... sowie eine städtische Wasserbehörde", stellte er fest.
Im vergangenen Juli nahm er eine nebenberufliche
Tätigkeit als Rechtsberater der Kanzlei Brownstein
Hyatt Farber &amp; Strickland in Denver mit der Aufgabe
auf, Klienten in Fragen der Wirtschaftsbeziehungen zu
Mexiko und Kanada zu beraten.
Noch zwei Wochen vor seiner Nominierung beharrte
Pena darauf, geschäftliche und familiäre Erwägungen
würden ihn daran hindern, eine langfristige Tätigkeit in
Washington auszuüben.
Die Funktion als Leiter der Verkehrsgruppe sei seine
Art, einen Beitrag zu leisten, erklärte er gegenüber der
Zeitung Rocky Mountain News am 9. Dezember
1992. "Es ist eine kurzfristige Investition meiner Zeit,
und es beeinträchtigt nicht meine Geschäfte in Denver. Ich kann meine Firma jedoch nicht verlassen und
eine Dauerstellung annehmen", stellte er damals fest.
Der in Laredo (Texas) am 15. März 1947 geborene
Pena erhielt 1969 an der University of Texas den Grad
eines Bachelor und legte dort drei Jahre später sein
juristisches Examen ab.
Bis zu seiner Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters war er Sozius in der Kanzlei Pena &amp; Pena. Von
1979 bis 1983 war er Abgeordneter im Parlament von
Colorado. Im Jahr 1981 wurde er zum herausragenden jungen Abgeordneten der Demokraten gewählt.
Pena heiratete im Jahr 1988 Ellen Hart. Das Ehepaar
hat zwei Töchter, die zweijährige Nelia und die im
vergangenen Februar geborene Cristina Lucila.

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�PORTRAT
6.Januar 1993

LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten Landwirtschaftsministers
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Landwirtschaftsminister auserkorene
Kongreßabgeordnete Mike Espy aus Mississippi gilt
als führende Persönlichkeit der neuen Generation
schwarzer Politiker, deren Engagement für Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung ihnen den Respekt schwarzer und weißer Wähler gleichermaßen
eingetragen hat.

Um einige der von der Kommission vorgeschlagenen
Wirtschaftsprogramme zu verwirklichen, war Espy mit
an der Gründung des House Delta Caucus beteiligt,
einer überparteilichen Gruppe von Abgeordneten aus
sieben Bundesstaaten, deren Vorsitzender er heute
ist.

Der in Yazoo City (Mississippi) geborene 39jährige
"linke" Demokrat war Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, des Haushaltsausschusses sowie des
Sonderausschusses "Hunger" des Repräsentantenhauses. Er unterstützte das Recht der Frau auf
Schwangerschaftsabbruch, befürwortete die Todesstrafe und setzte sich für zusätzliche Mittel für Bildungs- und Wohnungswesen sowie für einen Abbau
des Haushaltsdefizits ein.

die Vergabe von zwei nichtgebundenen Bundeszuschüssen für zwei neue Verarbeitungsbetriebe.

Als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses hatte
Espy darüber hinaus Erfolg mit einem Zusatz zum
Espy wurde im Jahr 1986 in das US-Repräsentanten- Landwirtschaftsgesetz von 1990, der weitere technihaus gewählt und war damit der erste schwarze Abge- sche Hilfe und Bildungsmöglichkeiten für Bauernfamiordnete des Bundesstaates Mississippi seit der Re- lien aus Minderheiten vorsah.
construction-Zeit im Anschluß an den Amerikanischen
Espy hat sich führend für die Welsindustrie eingesetzt.
Bürgerkrieg. Er wurde dreimal wiedergewählt. Als
Der Großteil der Welszucht des Landes findet sich in
einziges schwarzes Kongreßmitglied vertritt er einen
seinem Wahlkreis. Dazu zählen 34.000 Hektar an
ländlichen Wahlbezirk, und er gehört zu der Handvoll künstlich angelegten Teichen für die Welszucht. Espy
Abgeordneter, die nahezu ebenso viele weiße wie trug dazu bei, die US-Armee davon zu überzeugen, die
schwarze Wähler repräsentieren.
Welsankäufe zu erhöhen. Darüber hinaus erreichte er

Espy wurde jedoch hauptsächlich deshalb wiedergewählt, weil er sich auf Fragen der wirtschaftlichen
Entwicklung konzentrierte, die über Parteigrenzen
hinausgehen und den einkommensschwachen Wählern seines ländlichen Wahlkreises auf den Nägeln
brennen, einer Region, die sich über das Delta des
Mississippi sowie einen kleinen Teil des Mississippi
Valley mit der Stadt Vicksburg erstreckt.
In seiner ersten Amtszeit war Espy führend an der
Erarbeitung eines Gesetzes beteiligt, mit dem die
Lower Mississippi Delta Commission eingerichtet wurde,
die innerhalb von zwei Jahren Ideen zur Bekämpfung
der Armut in Mississippi und anderen Bundesstaaten
der Region erarbeiten sollte.
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Vor der Wahl 1990 wurde Espy jedoch kritisiert, weil er
erklärt hatte, er wolle neutral bleiben, um die Beilegung
eines Streiks von Angehörigen einer Fischverarbeitungsfirma zu erleichtern, die sich gegen Löhne wandten, die unter der Armutsgrenze lagen. Später unterstützte er dann die Arbeiter, und der Streik wurde
schließlich beigelegt.
Espy wurde darüber hinaus wegen seiner Unterstützung der Vereinigung der amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle Association - NRA) kritisiert, die
1989 eine Kampagne startete, um das negative Image
dieser Lobby gegen die Kontrolle des Verkaufs von
Schußwaffen zu verbessern. Als Teil der Kampagne
trat Espy in Werbeanzeigen der NRA in landesweit
verbreiteten Magazinen auf. Die Anzeige schockierte
viele Demokraten, aber Espy, der seit 1974 Mitglied
der NRA ist, betrachtete die Anzeige "als Erklärung
meiner Unabhängigkeit".
Espy wurde in den Kongreß gewählt, nachdem er 1984
bis 1985 als Abteilungsleiter im Justizministerium von

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�Mississippi tätig war. Davor war er Anwalt bei den
Central Mississippi Legal Services und Abteilungsleiter in der Verwaltung des staatlichen Landbesitzes
gewesen.

Espy erhielt 1975 einen B.A. von der Howard Universrty in der Bundeshauptstadt Washington und legte
1978 an der juristischen Fakultät der University of
Santa Clara in Kalifornien sein Juraexamen ab. Er ist
geschieden und hat zwei Kinder.

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6. Januar 1993

ERNENNUNG EINES LANDESWEIT GESCHÄTZTEN
BILDUNGSPOLITIKERS ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
von South Carolina und designierte amerikanische
Erziehungsminister, Richard Riley, ist ein landesweit
anerkannter führender Politiker im Bereich der Bildungsreform, der ein Modellprogramm entwickelte,
das von seinem Bundesstaat eingeführt wurde.

Andere im Erziehungsbereich Tätige bezeichneten
Riley als gewissenhaften, hart arbeitenden, ruhigen
und bescheidenen Bildungsgouvemeur. Auch sagen
sie voraus, daß Riley einen nationalen Bildungsplan für
landeseinheitliche Prüfungen und Maßstäbe unterstützen wird.

Clinton versicherte, "keine Angelegenheit ist für mich
wichtiger als Erziehung und Bildung", und erklärte vor
Reportern, Riley sei sein Partner und oft sein Mentor
bei Bildungsfragen gewesen, nachdem sie beide im
Jahr 1978 zu Gouverneuren gewählt worden waren.
Er fügte hinzu, Riley sei "in vielerlei Hinsicht von der
ganzen Nation um sein Paket von Bildungsreformen in
South Carolina beneidet worden".

Bei der Annahme seiner Ernennung betonte Riley, "es
gibt keine Möglichkeit, die Erziehungsprobleme einfach mit dem Schwenken eines Zauberstabes zu lösen. Wir müssen weiterhin Anstrengungen unternehmen..., auf positive Art und Weise einen grundlegenden Wandel herbeizuführen."

Riley, 59, wurde in Greenville (South Carolina) geboren und wohnt zur Zeit in Columbia (South Carolina).
"Dieses Reformprogramm umfaßt Maßnahmen für Erstudierte an der Furman University und legte im Jahr
Kinder im Vorschulalter, höhere Anforderungen an 1960 an der University of South Carolina sein juristiSchüler und Studenten, die Möglichkeit, die Arbeitsbe- sches Staatsexamen ab. Nachdem er bei der Marine
dingungen von Lehrern zu verbessern sowie mehr gedient und als Rechtsberater im Rechtsausschuß
finanzielle Mittel für Colleges und Universitäten", stell- des Senats gearbeitet hatte, wurde er 1962 in das
Repräsentantenhaus von South Carolina und 1966 in
te der gewählte Präsident fest.
den Senat dieses Bundesstaates gewählt. 1978 geJedoch wurde -so Clinton - das Programm für South wann er die Gouverneurswahlen in South Carolina und
Carolina am bekanntesten aufgrund der Unterstüt- 1982 die Wiederwahl für dieses Amt.
zung an der Basis, die es erhielt - Menschen mit ganz
unterschiedlichem Hintergrund unterstützten den Plan Nachdem er die Residenz des Gouverneu rs verlassen
- und "da es einfache, klare und unmißverständliche hatte, war Riley vier Jahre lang Mitglied der Nationalen
Beurteilungsbehörde, die die Richtlinien für im VerantZeichen für den Fortschritt setzte".
wortungsbereich des Kongresses liegende landesweiClinton erklärte, das System von South Carolina sei te Eignungsprüfungen im Bildungsbereich festlegte.
"das erste und wohl das beste System um festzustellen, ob esden Menschen heute besser als früher geht". Seit 1987 ist Riley als Rechtsanwalt in South Carolina
Das sollte ihm zufolge "das elementare Kriterium all tätig. In Clintons Übergangszeit leitete er die Suche
unserer Anstrengungen im Bildungs- und Erziehungs- nach Kandidaten für den Kabinettsmitgliedern unterbereich und auf vielen anderen Gebieten sein".
stellte Posten sowie für andere hochrangige Regierungsämter.
Gene Wilhoit, geschäftsführender Direktor der Nationalen Vereinigung der Schulbehörden der Bundes- Riley und seine Frau Ann haben vier Kinder.
staaten wies darauf hin, daß Riley die "einzigartige
Fähigkeit" besitze, "verschiedene Bereiche zusam- Riley leidet unter einer schmerzhaften Knochenkrankmenzubringen und aus jeder Gruppe das Beste her- heit, Spondylitis, die zu einer Deformierung seiner
Wirbelsäule führte. Aus diesem Grund kann Riley
auszuholen".
nicht seinen Kopf drehen, ohne dabei auch seinen

AMERIKA DIENST 1

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�Körper zu bewegen. Seine Freunde behaupten, sein
Kampf gegen diese Krankheit sage viel über seine
Bildung und Disziplin aus.
Als Erziehungsminister wird Riley an der Spitze eines
Ministeriums stehen, das für jegliche staatliche Unterstützung im Erziehungswesen zuständig ist, einschließlich der für die weiterführende Bildung gewährten
Darlehen, der Vorschulprogramme und der Erwachsenenbildung und Fortbildung. Auch unterstützt das
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Ministerium Schulbezirke, in denen Militärpersonal
ansässig ist, und gewährt Gelderfürdie Erziehung von
Wanderarbeitern und Indianern sowie Programme für
behinderte Kinder.
Clinton zufolge kann der Erziehungsminister "einen
Ansporn zu Kreativität und Wandel geben und zwar auf
eine Art und Weise, die Erziehung überall in Amerika
zu dem aufregenden Unternehmen macht, das es sein
sollte".
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�PORTRAT
6. Januar 1993

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Albright
WASHINGTON - (AD) - Vorbehaltlich der Bestätigung
von Madeleine Korbel Albright als amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen durch den Senat
wird sie nicht nur die erste Inhaberin dieses Amtes
sein, die nicht in Amerika geboren wurde, sondern
auch eine Familienodyssee beenden, die vor ungefähr
40 Jahren begann.
"Ich möchte unterstreichen, daß es für mich eine
besondere persönliche Ehre ist, dieses Amt ausüben
zu dürfen", erklärte Albright, nachdem der designierte
Präsident Clinton ihre Nominierung verkündet hatte.
Ihr Vater, Joseph Korbel, ein tschechoslowakischer
Diplomat, vertrat sein Land als Vorsitzender eines
Sonderausschusses der Vereinten Nationen, als die
Kommunisten im Jahr 1948 in Prag die Macht übernahmen. Nach Beendigung seiner Arbeit bat er die
amerikanische Regierung um Asyl.
"Durch die Großzügigkeit des amerikanischen Volkes
genossen die Mitglieder unserer Familie das Privileg,
als freie Amerikaner aufzuwachsen", so Albright. "Daher
können Sie sich wohl vorstellen, mit welch großem
Stolz es mich erfüllt, bei den Vereinten Nationen hinter
dem Namensschild mit der Aufschrift 'Vereinigte Staaten von Amerika' sitzen zu dürfen."
Die 55jährige Albright ist als Intellektuelle und Aktivistin der Demokratischen Partei bekannt, die in ihrem
Backsteinhaus in Georgetown Gesprächsrunden über
außenpolitische Fragen veranstaltet.
Die Expertin für russische und osteuropäische Angelegenheiten ist Professorin für internationale Politik an
der Georgetown University und Direktorin von deren
Programm "Frauen im auswärtigen Dienst". Auch ist
sie Vorsitzende des Center for National Policy, einer
demokratisch orientierten "Denkfabrik" zur Förderung
der Beschäftigung mit innenpolitischen und internationalen Fragen.

und arbeitete für Zbigniew Brzezinski, einen ihrer
ehemaligen Professoren. Zuvor war sie Rechtsberaterin des demokratischen Senators Edmund Muskie.
Albright erhielt 1968 ihren M.A. in Öffentlichem Recht
und Staatswissenschaft an der Columbia University,
wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie im
Wellesley College ihr Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Sie ist Vorsitzende von Clintons Übergangsteam im
Nationalen Sicherheitsrat und war bei den letzten drei
Wahlen hochrangige außenpolitische Beraterin der
Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Sie ist
eine wichtige Beraterin des ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Vaclav Havel und seiner
Regierung.
Neben der englischen Sprache beherrscht sie Tschechisch, Französisch, Polnisch und Russisch in Wort
und Schrift.
Albright hat drei Töchter und ist von dem Journalisten
und Zeitungserben Joseph Albright geschieden.
Clinton nannte Albright "eine Expertin für Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion betreffende Fragen"
und erklärte, sie werde "den Nationen des ehemals
kommunistischen Ostblocks in einer schwierigen Zeit
besonderes Verständnis entgegenbringen. Ich freue
mich auf die Zusammenarbeit mit ihr, um die Demokratie und den wirtschaftlichen Fortschritt in diesen Ländern zu fördern."
Albright zufolge hält Clinton die Vereinten Nationen für
ein Forum der Zusammenarbeit "auf der Suche nach
Frieden und Sicherheit", wobei die Vereinigten Staaten
nicht als Weltpolizist, sondern als der erste unter
gleichberechtigten Partnern den Kurs festlegen und
die Lasten aufteilen."

"Als wir über diesen Posten sprachen, erklärte er,
Unter der Carter-Administration war sie im Weißen seiner Meinung nach solle die UNO den Frieden nicht
Haus als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates tätig nur sichern, sondern auch schaffen, und nicht nur bei

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�der Lösung von Konflikten, sondern auch bei ihrer
Verhinderung tätig sein. Es wäre für jeden Amerikaner
eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei den Vereinten

Nationen zu vertreten, wenn der Präsident eine Politik
unterstützen will, mit der etwas erreicht werden kann",
äußerte sie.

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�PORTRAT
6.Januar 1993

MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiter des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA nominierte R. James Woolsey ist Fachmann für Militär-und Rüstungskontrollfragen sowie für
nukleare Strategie.
Als Vertrauter des gegenwärtigen Nationalen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft besitzt Woolsey umfassende Kenntnis der militärischen Nachrichtendienste
und von Angelegenheiten der nationalen Sicherheit.
Im Falle seiner Bestätigung durch den Senat wird er als
Leiter der Central Intelligence Agency sowohl Erfahrung als auch Kontinuität gewährleisten.
Bei seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 stellte
Clinton fest, daß Woolsey, der als politisch gemäßigt
gilt, von Republikanern und Demokraten gleichermaßen geschätzt werde. Er erinnerte daran, daß die
Bush-Administration Woolsey berufen habe, um den
historischen Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa auszuhandeln, während Präsident
Carter ihn als Staatssekretär ins Marineministerium
geholt habe.

Der 51jährige Woolsey wird von Mitarbeitern als zu
Sarkasmus neigender, selbstkritischer Mensch beschrieben, der einen lebendigen Sinn für Humor und
die Gabe besitzt, stark divergierende Meinungen in
sinnvollen Analysen zusammenzufassen. Er ist seit
langem mit nachrichtendienstlichen Aufgaben befaßt
und hat präzise Vorstellungen von den erforderlichen
Veränderungen. Es wird erwartet, daß er sich weniger
auf die Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen als auf die rasche Verarbeitung und Analyse der
angehäuften Daten konzentrieren wird.
"Jim wird Wert darauf legen, daß die Analytiker sich
den Blickwinkel der Menschen zu eigen machen, deren Verhalten sie beurteilen und prognostizieren
möchten", erklärte der ehemalige hochrangige CIAVertreter George A. Carver, Jr.
Ein anderer mit Woolseys Ansichten vertrauter Kollege stellt hingegen in Frage, daß er kühne und durchgreifende Veränderungen bei der Behörde durchsetzen wird. "Er ist ein ungeheuer kompetenter Mann,
aber er wird kein Porzellan zerbrechen", meint dieser.

Mit dem Ende des Kalten Krieges, so Clinton, müsse
sich die CIA "neuen Herausforderungen" anpassen.
Er prognostizierte, daß Woolseys analytischer Scharfsinn, seine Fähigkeit und Ehrlichkeit "der CIA gute
Dienste dabei erweisen" werden, der neuen Administration "präzise, vollständige, politisch unvoreingenommene" Informationen zu liefern und "ehrlich zu
bekennen, welche Informationen fehlen".

Woolsey leitete im vergangenen Sommer eine von
CIA-Direktor Robert Gates eingesetzte Arbeitsgruppe, die Vorschläge zur Zukunft der Satellitenaufklärung unterbreiten sollte. Ein CIA-Sprecher erklärte,
der Bericht sei "von den Nachrichtendiensten und dem
Kongreß wohlwollend aufgenommen" worden. Woolsey traf Clinton vor etwa einem Jahr und beriet den
künftigen Präsidenten gemeinsam mit anderen gemäßigten Verteidigungsexperten im Wahlkampf.

In einer vor mehreren Wochen vor dem World Affairs
Council gehaltenen Rede hatte Woolsey erklärt, "diese
sich jetzt abzeichnende Welt ... (erscheine) zunehmend als noch todbringendere Version der alten Welt,
die vor 1914 existierte, als ein Spektrum nationalistischer Gefühle den Holocaust des Ersten Weltkrieges
hervorbrachte". Darüber hinaus forderte er einen
neuen Ansatz zur kollektiven Sicherheit unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

In seiner 22jährigen Laufbahn in Washington diente
Woolsey in vier Administrationen, beginnend mit der
von Präsident Nixon. Von 1968-70 war er Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats, von 1970-73 Berater
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie von
1977-79 Staatssekretär im Marineministerium unter
Präsident Carter. Auf dem letztgenannten Posten
führte er die Aufsicht über die nachrichtendienstlichen

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�Operationen der Marine und "war eingehend mit den
Einzelheiten der Beschaffung nachrichtendienstlicher
Informationen betraut", wie ein Kollege feststellte.
Präsident Reagan berief Woolsey als Delegierten zur
besonderen Verwendung bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) sowie den Gesprächen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) von 1983-86. Darüber hinaus war er Chefberater von Scowcroft in einer
Kommission, die den Weg für den Bau der MX-Rakete
sowie die Entwicklung einer kleineren MidgetmanRakete ebnete. Von 1989-91 war er Präsident Bushs
Botschafter und US-Vertreter bei den Verhandlungen
über den KSE-Vertrag.

"Er hat hervorragende Arbeit dabei geleistet, KSE über
äußerst schwierige Hürden hinwegzuhelfen", so Jack
Mendelsohn, Leiter der privaten Rüstungskontrollvereinigung (Arms Control Association). "Es war eine
unglaublich positive Leistung."
Der in Tulsa (Oklahoma) geborene Woolsey schloß
1963 sein Studium an der Stanford University mit
einem B. A. ab. Er und ein weiterer Mann aus Oklahoma, der demokratische Senator David Boren, der
heute Vorsitzender des Geheimdienstausschusses
des Senats ist, erhielten 1965 Rhodes-Stipendien.
Woolsey legte 1968 sein Juraexamen an der Yale
University ab.
Der Hauptmann i.R. und seine Frau Suzanne Haie
haben drei Söhne.

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