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U.S. Information Service
Embassy ofibg Uni ted States of America
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16. Dezember 1992

50

5300
KSZE

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen

MENSCHENRECHTE

BUSH: IM BEREICH MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS
IDEALISMUS UND REALITÄT VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN
IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter

SERBIEN

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK
EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales

PORTRÄT

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty
BENTSEN ALS FINANZMINISTER
NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat
starke wirtschaftliche Interessen

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown
DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich
CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN
FÜR DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
PANETTA ZUM DIREKTOR DER HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß
CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats
der Wirtschaftsberater
RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin
UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin des EPA

�KSZE
16. Dezember 1992

EAGLEBURGER FORDERT ENERGISCHERE
MASSNAHMEN IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Rede bei KSZE-Außenministertreffen
STOCKHOLM - (AD) - US-Außenminister Eagleburger hat erklärt, die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) müsse "energischere Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerträgliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien "zu revidieren".
Beim Treffen des KSZE-Ministerrats in Stockholm stellte Eagleburger am 14. Dezember 1992 fest, eine mögliche
Maßnahme sei es, Personen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, namentlich zu
identifizieren und zu gewährleisten, daß sie persönlich zur Verantwortung gezogen werden.
Im Hinblick auf die ehemalige Sowjetunion müsse die KSZE "eine effektivere Rolle dabei spielen, durch
Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte... die aktuellen und potentiellen ethnischen
Konflikte zu behandeln".
"Nur, wenn wir den Willen aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa sowohl einzeln als auch kollektiv
zu verteidigen", erklärte Eagleburger, "können wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen Aufruhr als
kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird."
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Rede im Wortlaut.

Wir kommen heute hier in Stockholm zusammen,
nachdem wir die Schwelle zu einem neuen Zeitalter
bereits längst überschritten haben. Bisher hat dieses
neue Zeitalter noch keinen Namen. Wir beschreiben
es vorläufig lediglich als Negation dessen, was ihm
vorausging - als Zeitalter nach dem Kalten Krieg.
Ironischerweise sind wir, die den Namen nicht kennen
können, den die Geschichte dieser Zeit einmal geben
wird, diejenigen, deren Handlungen seine spätere
Bezeichnung am meisten bestimmen werden. In der
Tat liegt es in unserer Macht, zu entscheiden, ob die
Historiker dies als ein Zeitalter der Demokratie oder als
Zeitalter des Aufruhrs bezeichnen werden.

daß wir uns in einer Übergangsphase zwischen einer
alten Ordnung befinden, die tot oder im Sterben begriffen ist, und einer neuen, die noch in den Geburtswehen
liegt.

Glücklicherweise hat die internationale Staatengemeinschaft zumindest die Entschlossenheit bewiesen, für
eine zivilisiertere Weltordnung zu handeln, als sie mit
den Notlagen in Kuwait und Somalia konfrontiert wurde. Die bedeutsamere und vor allem schwieriger zu
bewältigende Herausforderung, der wir uns noch stellen müssen, ist die Notwendigkeit, neue internationale
Strukturen zu entwickeln, um die weltweiten Veränderungen in dieser neuen Ära zu bewältigen. Kurzum:
Mit dem Niedergang des Kommunismus ist zumindest Dies ist eine Zeit für den Aufbau von Institutionen, die
klar, wo die Bestrebungen der Menschheit liegen: Sie der Periode nicht unähnlich ist, die unmittelbar auf den
sind allgemein auf die Freiheit und damit auf die Zweiten Weltkrieg folgte.
Demokratie gerichtet. Ebenso klar ist jedoch, daß der
Zusammenbruch des statischen internationalen Sy- Während jedoch die Nachkriegsinstitutionen über Jahre
stems des Kalten Krieges eine weltweite Dynamik des - sogar Jahrzehnte - hinweg entwickelt wurden, zeigt
Wandels freigesetzt hat, die - ungezügelt - diese das anhaltende Gemetzel im ehemaligen JugoslaBestrebungen überwältigen und auf lange Sicht Insta- wien , da ß wir den Luxu s von Zeit nicht besitzen und wir
bilität androhen könnte. Die irakische Besetzung in der Tat das Rennen gegen die Zeit, die Kräfte des
Kuwaits, der Hunger in Somalia und "ethnische Säube- Hasses und des Zerfalls verlieren könnten, die die
rungen" auf dem Balkan verdeutlichen die Tatsache, neue demokratische Ordnung in Europa bedrohen.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Jugoslawien ist eine schockierende Mahnung, daßdie
Barbarei in unserer Mitte existiert und wir das neue
Europa weder zivilisiert noch sicher nennen können,
bevor wir nicht solidere Mechanismen entwickelt haben, um diese und ähnliche Krisen in den Griff zu
bekommen.

Demgemäß möchte ich die folgenden Themen als
vordringlich für die Tagesordnung dieses Treffens
vorschlagen.

Erstens sollten wir auf den Beschlüssen von Helsinki
aufbauen und eine KSZE-Strategie entwickeln, die
agiert und nicht reagiert, die frühe Warnzeichen für
Wenn wir jedoch ehrlich sind, werden wir tiefer schür- Instabilität entdeckt und präventive diplomatische
fen und das ehemalige Jugoslawien als Spiegel unse- Maßnahmen ergreift. Wir müssen frühzeitig genug
rer eigenen düsteren Seite erkennen - ein Spiegel bestrebt sein, den Ausbruch von Konflikten zu verhindessen, was auch aus uns werden könnte, wenn wir dern, denn andernfalls werden wir uns - wie im Falle
dem ethnischen Haß und der Intoleranz gegenüber der Jugoslawiens - in einer Lage befinden, in der wir
Vielfalt erliegen würden, die wir dieses Jahr auch in ständig auf neue Schrecken reagieren.
Westeuropa und Nordamerika erlebt haben. Jugoslawien sollte uns bewußt machen, daß unsere Hoffnun- Die KSZE hat diese Lektion gelernt und mehrere
gen auf ein Leben in einer friedlicheren und zivilisierte- Beobachtermissionen auf dem Balkan und in der
ren Welt unauflöslich mit der Art und Weise verbunden ehemaligen Sowjetunion stationiert, darunter im Kosovo, in der Wojwodina, dem Sandschak, in Mazedonien
sind, wie wir uns im eigenen Land verhalten.
und Georgien. Wir begrü ßen die Arbeit dieser MissioGenau aus diesem Grund ist die KSZE heute in der Tat nen.
von solch entscheidender Bedeutung. Sie bringt unsere
Überzeugung zum Ausdruck, daß ein wahrhaft demo- Letztlich werden wir jedoch an den Ergebnissen
kratisches Europa ein friedliches Europa sein wird, gemessen, und meines Erachtens haben wir das
daß ein Europa, das seine Geschichte ethnischen Potential der KSZE für präventive Diplomatie bei den
Hasses überwindet, seine unendliche Geschichte aktuellen Krisen noch nicht vollständig ausgeschöpft.
mörderischer Auseinandersetzungen nicht wiederho- Besonders auf dem Balkan müssen wir energischere
len muß. Die KSZE verkörpert das revolutionäre Maßnahmen beschließen, um zu beginnen, eine unerKonzept, demzufolge sich Sicherheit in Zukunft mehr trägliche Situation zu revidieren.
aus der Wahrung von Menschenrechten und demoWir müssen die Personen namentlich identifikratischen Prinzipien als aus vergangenen Mechaniszieren, die im ehemaligen Jugoslawien Verbremen des Kräftegleichgewichts ableitet.
chen gegen die Menschlichkeit begangen haben und gewährleisten, daß sie persönlich zur
Die KSZE mu ß jedoch mehr sein als nur das Gewissen
Verantwortung
gezogen werden - genau wie
Europas, wenn sie ihrem ehrgeizigen Ziel gerecht
dies
mit
Hitlers
Komplicen
in Nürnberg geschah.
werden möchte. Gemeinsam mit den anderen Säulen
der politischen und Sicherheitsarchitektur Europas
Wir müssen die KSZE-Missionen erweitern, um
muß die KSZE angesichts wachsender Instabilität in
die Durchführung von UN-Sanktionen zu unterihrer Arbeit effektiver und lösungsorientierter werden.
stützen und damit den Druck auf diejenigen zu
verstärken, die den Krieg weiter anheizen.
Unser Treffen in Helsinki hat gerade diese Rolle der
KSZE bekräftigt und ihr eine Vielzahl von Instrumenten
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln,
gegeben, um die Arten von destabilisierenden Verändas Übergreifen des Krieges auf benachbarte
derungen zu bewältigen, mit denen wir konfrontiert
Regionen und Länder zu verhindern - insbesonsind. Wie die sich verschlechternde Lage in Jugosladere dadurch, daß wir hier und jetzt eine umwien demonstriert, wurden diese Instrumente bedaufangreiche Mission im Kosovo zusagen. Laserlicherweise weder vollständig weiterentwickelt, noch
sen Sie mich in diesem Zusammenhang festhaben wir sie so gut oder so unmittelbar eingesetzt, wie
stellen, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits
wir es hätten tun können. Unser heutiges Ziel muß
auf vordringlicher Basis einen Beitrag zu dieser
deshalb darin bestehen, den Schwerpunkt der KSZE
erweiterten Mission leisten werden.
auf die Wurzeln der Instabilität in Europa zu legen und
die Organisation zu ermutigen, einen aktiveren Ansatz
Schließlich müssen wir, wenn wir unsere Unterzur Problemlösung zu wählen. Sicherlich gibt es auch
stützung für die Schaffung sicherer Gebiete in
Fragen struktureller Reformen und Ressourcen, mit
Bosnien für die Hunderttausenden von Opfern
denen wir uns ebenfalls beschäftigen müssen. Vor
der "ethnischen Säuberung" erklären, sicherallen Dingen sind der politische Wille und die Fühstellen, daß diese humanitären Bemühungen
rungskraft aller Mitgliedstaaten erforderlich, das genicht mißbraucht werden, um die Ergebnisse
samte Potential der KSZE-Mechanismen auszuschöpdieser abscheulichen Politik zu verfestigen.
fen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Die KSZE muß ferner eine effektivere Rolle dabei
spielen, durch Überwachung der Wahrung der Menschen- und Minderheitenrechte in allen Staaten der
GUS und durch die Beschleunigung von Konfliktverhütungsmissionen an Orten wie Georgien und Moldawien die aktuellen und potentiellen ethnischen Konflikte zu behandeln. Die uneingeschränkte Unterstützung
der Minsk-Gruppe durch alle KSZE-Staaten ist unerläßlich, um den Frieden in Nagorny-Karabach zu sichern. Natürlich muß die internationale Staatengemeinschaft ihre Strategien zur Verhütung, Eindämmu ng und Beendigu ng solcher Konflikte an d ie speziellen Bedingungen in den einzelnen Regionen anpassen. Alle Bemühungen sollten jedoch im Rahmen der
KSZE-Prinzipien und des politischen Engagements
der KSZE stattfinden. Deshalb sollten wir bereit sein,
verantwortungsbewußte Friedenssicherungsbemühungen Rußlands und anderer GUS-Staaten unter dem
Dach der KSZE zu unterstützen.

terten Arten aktiveren politischen Engagements werden von uns allen zusätzliche Leistungen in Gestalt
von Finanzmitteln, Ausrüstung und Personal erfordern. Einige, und ich zögere nicht, die Vereinigten
Staaten hier einzubeziehen, haben bisher erhebliche
Mittel zugesagt. Aberwir alle können mehr tun. Wenn
die KSZE ihre Missionen erfüllen soll, muß unsere
Übereinstimmung im Hinblick auf Rechte durch einen
Konsens über die Pflichten untermauert werden.

Abschließend möchte ich meine Ansicht bekräftigen,
daß es - so wichtig unsere Bemühungen zur Stärkung
dieser Organisation auch sein mögen - letztlich Aufgabe der Mitgliedstaaten selbst ist, die schwere Arbeit
der Verteidigung des Friedens unserer demokratischen Ordnung zu leisten. Es obliegt jedem einzelnen
unter uns, die Normen der KSZE für das politische
Verhalten innerhalb unserer Grenzen aufrechtzuerhalten. Und es ist unsere kollektive Aufgabe, die KSZEMechanismen zur Konfliktverhütung und zum KrisenZweitens müssen wir die KSZE organisatorisch an- management zu unterstützen, die ich heute hier erörpassen, um eine wirksame Reaktion auf die Herausfor- tert habe.
derungen der Konfliktverhütung und des Krisenmanagements zu gewährleisten. In ihrer jetzigen Verfas- Wir können nicht erwarten, daß unsere Probleme von
sung ist die KSZE kaum in der Lage, die gegenwärti- einem deus ex machina gelöst werden. Weder die
gen Herausforderungen - geschweige denn die dro- Vereinigten Staaten noch die KSZE selbst können
henden - administrativ in den Griff zu bekommen. diese Rolle spielen - obwohl ich garantieren kann, daß
Benötigt werden ein Verwaltungschef für die verschie- die Vereinigten Staaten mit ihren europäischen Partdenen KSZE-Institutionen, ein zwischen den Konfe- nern zusammenarbeiten werden, um der KSZE zum
renzen hochrangiger Vertreter tagendes Gremium zur Erfolg zu verhelfen. Am wichtigsten ist jedoch, daß wir
Bewältigung der Tagesgeschäfte sowie mehr admini- die Vision, den Mut und die Solidarität bewahren, mit
strative Geschlossenheit und Fähigkeiten. Ich bin denen sowohl die demokratischen Nationen des
gewiß, daß diese Ziele ohne Schwächung der Stärken Westens als auch die Völker, die im Osten nach
der KSZE - Kreativität, Flexibilität und politische Re- Freiheit strebten, die gewaltigen Gefahren und Herchenschaftspflicht - erlangt werden können. Wir müssen ausforderungen des Kalten Krieges überwanden. Wenn
sicherstellen, daß die Organisationen weiterhin frei wir etwas in diesem Jahrhundert gelernt haben, dann
das, daß weder Frieden noch Freiheit ohne Opfer
von bürokratischen Schwächen bleibt.
bewahrt werden können. Nur, wenn wir den Willen
Schließlich müssen wir uns darüber im klaren sein, aufbringen, unser neues ungeteiltes und freies Europa
daß weder die gestärkte Rolle der KSZE noch die von sowohl einzeln als auch kollektiv zu verteidigen, könmir skizzierten institutionellen Reformen etwas bewir- nen wir sicherstellen, daß die Demokratie sich gegen
ken werden, wenn die Mitglieder nicht ein mit Ressour- Aufruhr als kennzeichnendes Merkmal des Zeitalters
cen untermauertes Engagement unter Beweis stellen. nach dem Kalten Krieg durchsetzen wird.
Die Konfliktverhütungsmissionen und die von mir erör* *

AMERIKA DIENST 50

*

Seite 3

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

BUSH: IM BEREICH DER MENSCHENRECHTE
BLEIBT NOCH VIEL ZU TUN
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, daß trotz "großer Fortschritte" im Bereich der Menschenrechte "noch vieles zu tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten, die Schaffung stabiler demokratischer
staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern".
Anläßlich der Proklamierung des 10. Dezembers als Tag der Menschenrechte, des 15. Dezembers als Bill-ofRights-Tag und der am 10. Dezember beginnenden Woche als Woche der Menschenrechte verwies Bush darauf,
die Vereinigten Staaten würden "nicht hinnehmen", daß der Konsens über internationale Menschenrechtsnormen "von denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer
Kontext entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der Rechte des einzelnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten im Wortlaut.

Diese Woche gedenken wir der Ratifizierung unserer bestehen geblieben - ein Maßstab, an dem wir die
Bill of Rights am 15. Dezember 1791. Dabei danken Rechtmäßigkeit amerikanischer Gesetze und Instituwir nicht nur für das fortbestehende, gesetzlich veran- tionen messen.
kerte Vermächtnis der Freiheit unseres Landes, sondern wir feiern auch ihre Rolle bei der Förderung der Im Lauf der Zeit hat sich die Bill of Rights auch als
Eckpfeiler erwiesen: Heute erkennen wir dieses große
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Dokument als Grundlage neuerer Urkunden der Freiheit
an, darunter die Allgemeine Deklaration der
Unsere Bill of Rights garantiert neben anderen GrundMenschenrechte,
die von der Generalversammlung
freiheiten die Religions-, Rede-und Pressefreiheit. Sie
der
Vereinten
Nationen
am 10. Dezember 1948 verabbekräftigt das Recht der Menschen, Waffen zu besitschiedet
wurde.
zen und zu tragen. Sie stellt sicher, daß niemand ohne
ordentliches Gerichtsverfahren des Lebens, der Freiheit oder des Eigentums beraubt werden darf und In der Erkenntnis, daß die Wahrung "der allen Angehögarantiert das Recht des Bürgers auf Sicherheit vor rigen der menschlichen Familie zukommenden Würde
unangemessener Durchsuchung oder Festnahme ihrer sowie ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die
Person, Häuser, Papiere und Effekten. Die Bill of Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden bilRights etabliert ferner grundsätzliche Regeln der Fair- det", bekräftigten die Unterzeichner der Deklaration,
neß im Rechtssystem unseres Landes, darunter das daß "jedermann das Recht auf Leben, Freiheit und
Recht auf ein Geschworenenverfahren, den Beistand Sicherheit seiner Person" habe. Die Unterzeichner
eines Anwalts und die Freiheit vor grausamer und erklärten ebenso, "alle Menschen sind vordem Gesetz
außergewöhnlicher Bestrafung. Schließlich behält die gleich und haben ohne Unterschied Anrecht auf gleiBill of Rights den Bundesstaaten beziehungsweise chen Schutz durch das Gesetz". Sie vereinbarten,
dem Volk solche Befugnisse vor, die nicht von der Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit für alle
Verfassung auf die Bundesregierung übertragen wer- Menschen zu respektieren, ohne Ansehen von Rasse,
Nationalität, Geschlecht oder Glauben und erklärten,
den.
"jedermann hat das Recht, sei es direkt oder durch
In den vergangenen 200 Jahren wurden unserer Ver- Vermittlung von frei gewählten Vertretern, sich an
fassung siebzehn Zusätze hinzugefügt, aber die Bill of öffentlichen Angelegenheiten seines Landes zu beteiRights ist als leuchtendes Symbol unserer Freiheit ligen". Diese Grundsätze wurden erneut im Jahr 1975

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�bekräftigt, als die Vereinigten Staaten, Kanada und 33
europäische Staaten in Helsinki gemeinsam die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa unterzeichneten.

Absage, Menschenrechtsabkommen unter Berufung
auf besondere sozioökonomische Bedingungen oder
religiöse und kulturelle Traditionen zu verwässern oder
zu verzerren. Nachdem wir so lange für die Anerkennung eines internationalen Maßstabs für die Menschenrechte gekämpft haben, der in grundlegenden
Normen von Moral und Gerechtigkeit verwurzelt ist,
werden wir nicht hinnehmen, daß dieser Konsens von
denjenigen ausgehöhlt wird, die vorgeben, ihr besonderer wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Kontext
entbinde sie von ihrer Verpflichtung zum Schutz der
Rechte des einzelnen. Die für Juni 1993 anberaumte
Weltmenschenrechtskonferenz wird den Vereinigten
Staaten eine weitere Gelegenheit verschaffen, um die
Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die
gemeinsame Pflicht aller Regierungen zu bekräftigen,
sie zu bewahren.

Obwohl wir im Hinblick auf die in Helsinki vorgesehenen und bei KSZE-Folgekonferenzen in Kopenhagen,
Genf und Moskau bekräftigten Ziele große Fortschritte
gemacht haben, wissen wir, daß immer noch vieles zu
tun bleibt, um die friedliche Beilegung von Konflikten,
die Schaffung stabiler demokratischer staatlicher Institutionen sowie die allgemeine Einhaltung internationaler Menschenrechtsabkommen zu fördern. Als wir im
Jahr 1789 für unsere Verfassung eine Bill of Rights
vorschlugen, stellte James Madison klug fest, ein
solches Dokument werde die Demokratie stärken,
indem es eine Tyrannei der Mehrheit verhindere, in der
der Wille einer großen Zahl von Bürgern gegen die
Rechte weniger gerichtet werden könnte.
Aus diesem Grund proklamiere ich, George Bush,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
Das Wiederaufleben ethnisch begründeter Gewalt und der mir durch die Verfassung und die Gesetze der
bitterer nationalistischer Rivalität hat die Dringlichkeit Vereinigten Staaten verliehenen Autorität, hiermit den
des Schutzes von Minderheitenrechten unterstrichen. 10. Dezember 1992 zum Tag der Menschenrechte und
Wie sie dies in der Vergangenheit bereits konsequent den 15. Dezember 1992 zum Bill-of-Rights-Tag und
getan haben, fordern die Vereinigten Staaten alle fordere alle Amerikaner auf, die am 10. Dezember
Unterzeichnerstaaten der Schlußakte von Helsinki und 1992 beginnende Woche als Woche der Menschender Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte auf, rechte zu begehen. Ich appelliere an alle Amerikaner,
ihre feierliche Verpflichtung zum Schutz der Rechte diese Woche mit geeigneten Feiern und Aktivitäten zu
des einzelnen unabhängig von Rasse, Nationalität würdigen.
oder Glauben zu erfüllen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am diesem achten Tag
In der Erkenntnis, daß weiterhin nicht nur in den des Dezembers im Jahr des Herrn neunzehnhundertRegionen, die Teil der KSZE sind, sondern auch in undzweiundneunzig und im Jahr zweihundertundsiebanderen Regionen der Welt schwere Menschenrechts- zehn der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten hierauf
verletzungen begangen werden, erteilen die Vereinig- meine Unterschrift geleistet.
ten Staaten darüber hinaus jeglichem Versuch eine
* * * * *
•

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

MENSCHENRECHTSPOLITIK MUSS IDEALISMUS
UND REALISMUS VERBINDEN
von Paul Wolfowitz
Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel gründet sich auf seinen
Vortrag über internationale Angelegenheiten mit dem Titel "Alte Ideen und neue Realitäten: Die Verwirklichung
der Ziele Amerikas in der Welt nach dem Kalten Krieg", den er am 3. Dezember 1992 an der Yale University
gehalten hat.

Im Licht der idealistischen Traditionen der amerikanischen Außenpolitik ist die Förderung demokratischer
Werte ein wiederkehrendes Thema in unserer Geschichte. Es hat sich jedoch insbesondere unter den
letzten drei Präsidentschaften zu einem expliziten
außenpolitischen Ziel entwickelt. Präsident Carter
legte besondere Betonung auf Menschenrechte in der
amerikanischen Außenpolitik. Präsident Reagan weit davon entfernt, das Thema Menschenrechte außer
acht zu lassen - förderte aktiv Demokratie an so
unterschiedlichen Orten wie El Salvador und Korea,
Chile und den Philippinen sowie - historisch am bedeutendsten und augenf ällisgsten - in der Sowjetunion. In
der Tat verpflichtete er die Vereinigten Staaten zur
Unterstützung von Freiheit und Demokratie innerhalb
der Grenzen des ehemaligen sowjetischen Blocks in
einer verglichen mit den bisherigen Präsidenten beispiellosen Weise und mit einer Zuversicht, die jetzt
erstaunlich weitblickend erscheint. Reagan erklärte
zum Beispiel: "Der Westen wird den Kommunismus
nicht eindämmen, sondern überwinden. Er wird sich
nicht damit aufhalten, ihn öffentlich zu brandmarken,
sondern ihn als ein bizarres Kapitel in der Geschichte
der Menschheit verwerfen, dessen letzte Seiten immer
noch geschrieben werden." Er machte solche Feststellungen bereits 1981, was dazu führte, daß nicht nur
seine Kritiker, sondern auch einige seiner Anhänger
seinen Realitätssinn in Frage stellten. Heute, da jeder
behauptet, niemand habe diese Entwicklungen vorhergesehen, zollen ihm wenige Tribut für seine Prognosen.

tisch gewählten Regierung in Panama zur Macht verhalfen und den neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion lebenswichtige Hilfe gewährten.

Als jemand mit der festen Überzeugung, daß dieser
demokratische Fortschritt sowohl die amerikanischen
Interessen als auch Ideale fördert, war es für mich ein
Privileg, in diesem Prozeß während der Reagan- und
Bush-Administrationen eine Rolle spielen zu können,
insbesondere im Hinblick auf die amerikanische Politik
in Ostasien und den aufstrebenden Demokratien im
ehemaligen sowjetischen Imperium. In den vergangenen vier Jahren haben meine Erfahrungen meine
Überzeugung noch untermauert, daß die eng definierte "realistische" Perspektive, derzufolge die amerikanische Außenpolitik sich ausschließlich darauf konzentrieren sollte, wie andere Regierungen die amerikanischen Interessen berühren statt vielmehr darauf, wie
sie ihr eigenes Volk behandeln, tatsächlich nicht so
realistisch ist wie sie zu sein vorgibt. Zum einen
ignoriert sie die Tatsache, daß eine so eng gefaßte
Außenpolitik sich niemals der uneingeschränkten
Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung erfreuen und daher niemals über die Stärke verfügen
wird, die sich aus breiter innenpolitischer Unterstützung ableitet. Noch wichtiger ist, sie ignoriert die
Realität, daß die Rolle der Vereinigten Staaten als
Vorreiter der Demokratie uns weltweit Freunde gewonnen hat, demokratische Länder sich als diejenigen
erwiesen haben, die ihre Interessen am ehesten als
deckungsgleich mit unseren ansehen und daher die
Präsident Bush hat das Engagement für Menschen- verläßlichsten Verbündeten sind, und die Ziele der
rechte und Demokratie mit Maßnahmen und Aktionen Demokratie im ehemaligen sowjetischen Imperium für
fortgeführt, die das kommunistische Nicaragua zur die Sicherheit der Vereinigten Staaten unkalkulierbare
Veranstaltung von Wahlen veranlaßten, der demokra- Vorteile hervorgebracht haben.

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Eine rein "idealistische'' Sicht wäre mir jedoch ebenso
ungemütlich, die den Schluß nahelegt, unsere Menschenrechtspolitik sollte nicht an den von ihr erzielten
Ergebnissen, sondern an der Reinheit unserer Intentionen gemessen werden. Dieser Sichtweise zufolge
wäre eine Politik hochherziger Proteste und kategorischer Weigerung, sich mit Regierungen zu befassen,
die unseren Standard nicht erfüllen, offenkundig einer
vorzuziehen, die unter Einsatz weniger antiseptischer
Mittel zu einer echten Verbesserung der Menschenrechtssituation führt.

klasse hervorbringen, die eine mächtige Kraft für den
demokratischen Wandel darstellen werde. Er hatte
absolut recht, als erdie engen amerikanischen Verbindungen zum koreanischen Militär aufrechterhielt und
unmißverständlich die amerikanische Verpflichtung
für die Sicherheit Südkoreas bekräftigte, weil dies
unter anderem unsere Fähigkeit maximierte, das Militär von einer Intervention zur Unterbrechung des
demokratischen Prozesses abzuhalten.

Viele kritisierten diesen Ansatz. Sie waren der Meinung, wir sollten die südkoreanische Regierung verurEine wirklich effektive Menschenrechtspolitk (und dies teilen und isolieren, wenn ihre politisch Verantwortliist meines Erachtens ein grundlegender Punkt) muß chen westliche Forderungen im Hinblick auf die Besich auf die realistischen Chancen konzentrieren, handlung von Dissidenten nicht erfüllten. Präsident
systemimmanente politische Veränderungen zu för- Reagan hat die Einzelfälle nicht ignoriert. Tatsächlich
dern und ihre Methoden anpassen - sei es anhand von nutzte er seinen Einfluß, um die koreanische RegieÖffentlichkeitsarbeit oder vertraulicher Diplomatie, rung zu bewegen, Kim Dae Jungs Todesurteil im Jahr
Zuckerbrot und Peitsche im wirtschaftlichen und mili- 1981 umzuwandeln und ihm später zu gestatten, aus
tärischen Bereich, spezifischem Druck oder Vertrauen seinem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea
auf langfristige Tendenzen - im Einklang mit ihrer zurückzukehren. Er befürwortete jedoch eine breitere
Analyse dieser Möglichkeiten.
Perspektive zur Frage der Menschenrechte und konzentrierte sich auf die wesentlich größeren FortschritFühren Sie sich den wichtigen Fall Südkorea vor te, die durch grundlegende politische Veränderungen
Augen. Dieses Land hat in den vergangenen 10 erzielt werden konnten, anstatt durch die Behandlung
Jahren bemerkenswerte Fortschritte zur Demokratie von Einzelfällen.
erzielt, obwohl diese Fortschritte nicht annähernd so
häufig in den Schlagzeilen waren wie die mehr drama- Ich habe mich mit solchen Einzelfällen befaßt, und sie
tischen Revolutionen. Südkorea steht jedoch vor der sind wichtig. Einzelne Erfolge bringen ein hohes Maß
zweiten freien Präsidentschaftswahl, in der dieses Mal an persönlicher Befriedigung, aber sie sind kein Ersatz
das Feld von zwei Kandidaten angeführt wird, die unter für die harte Arbeit und Geduld, die erforderlich sind,
dem alten Militärregime Dissidenten waren. Ich habe um die zugrundeliegenden politischen Kräfte zu beeinKim Dae Jung, einen dieser Kandidaten, zum ersten flussen. Diese Art von Erfolg stellt sich langsamer ein,
Mal getroffen, als er für eine unsichere Zukunft - und wenn sie es tut, ist es wesentlich schwieriger, die
einschließlich möglicher Inhaftierung -1985 aus sei- Verdienste daran jemandem zuzuordnen, doch ist sie
nem Exil in den Vereinigten Staaten nach Korea zu- wesentlich bedeutsamer.
rückkehrte. Unser nächstes Zusammentreffen erfolgte vor nur wenigen Monaten, als er mich als einer der Eine Politik zur Förderung systematischen demokratiführenden Kandidaten für die nächste demokratisch schen Wandels sollte anhand gewisser Richtlinien
gewählte Präsidentschaft der Republik Korea im angestrebt werden. Ich biete dazu vier Faustregeln an.
Pentagon besuchte.
Regel 1: Obwohl Reden allein gewiß nicht ausreichen,
Der Fortschritt, der sich im Gegensatz zwischen die- ist es wichtig, eindeutig über die von uns befürworteten
sen beiden Ereignissen manifestiert, resultierte nicht Prinzipien zu reden. Als Präsident Reagan 1984 nach
primär aus unseren Bemühungen für Kim Dae Jung - Beijing reiste, bekräftigte er in seiner Hauptrede das
obwohl wir solche Bemühungen unternahmen und Engagement der Vereinigten Staaten für Demokratie,
dabei erfolgreich waren -, sondern aus der von uns obwohl er sich einer offenen Kritik an China enthielt.
verfolgten Strategie zur Förderung grundsätzlicher Die Botschaft wurde jedoch deutlich sichtbar - sichtbar
Veränderungen im politischen System Südkoreas, genug, um die Chinesen zu veranlassen, die geplante
Veränderungen, die nicht nur Kim Dae Jung, sondern Liveübertragung der Rede zu zensieren. Dieser Akt
der Zensur an sich hat jedoch eine eindringlichere
dem gesamten koreanischen Volk zugute kamen.
Botschaft ausgesandt als ein direkter scharfer Angriff
Als Präsident Reagan vor zehn Jahren nach Südkorea auf die chinesische Politik bewirkt hätte und hat - als
reiste, wurde er kritisiert, weil er dieses Land trotz Nebeneffekt - der Rede des Präsidenten unter der
seiner zweifelhaften Menschenrechtsbilanz besuchte. chinesischen Elite eine breite Leserschaft gesichert.
Aber Präsident Reagan hatte recht, als er sich darauf
konzentrierte, den koreanischen Präsidenten Chun Regel 2: Ein Schlüssel zur Maximierung des amerikazur Erfüllung seiner Verpflichtung zu bewegen, nach nischen Einflusses liegt darin, daß die amerikanische
einer Amtszeit im Jahr 1988 den friedlichen Macht- Regierung mit einer einheitlichen Stimme spricht. Es
wechsel durchzuführen, und als er davon ausging, das ist schwierig, die Auswirkungen der amerikanischen
Wirtschaftswachstum Koreas würde eine neue Mittel- Politik gegenüber dem Schah in seinen letzten zwei
Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Regierungsjahren einzuschätzen, weil verschiedene
Vertreter der Carter-Administration völlig unterschiedliche Ansichten zum Ausdruck brachten und es den
Anschein hatte, daß sie am einen Tag den Schah
unterstützten und ihm am nächsten in den Rücken
fielen. Das Ergebnis einer solchen Praxis besteht
darin, überhaupt keine Politik zu haben, oder - noch
schlimmer - diejenigen zu ermutigen, die unseren
Einfluß untergraben wollen, damit wir uns auf die
Formulierung konzentrieren, die ihnen am nützlichsten
ist.

einen Putsch unterstützen sollten. Wir förderten zwar
die demokratische Bewegung auf den Philippinen,
aber diese Art von Ratschlägen war nicht nur eine
grobe Überschätzung unseres Einflusses - hätte Marcos
von Präsident Reagan eine solche Auffordern ng erhalten, hätte er sie sofort zurückgewiesen -, sondern
übersah auch auf gravierende Weise die Bedeutung,
die eine wirklich philippinische Lösung sowohl für die
Vereinigten Staaten als auch für die Philippinen hat.

Einflusses ist die Stärkung der bedeutenden prodemokratischen Kräfte, die in anderen Ländern bereits tätig
sind, anstatt anderen unsere eigenen Lösungen aufzuoktroyieren. Im letzten Jahr von Marcos als Präsident der Philippinen bestanden viele amerikanische
Beobachter darauf, daß Präsident Reagan Marcos zur
Abdankung bewegen sollte, oder die Vereinigten Staaten einen Nachfolger ernennen und in seinem Namen

Wir mußten sehr vorsichtig sein, um die philippinischen Institutionen nicht zu destabilisieren, während
wir Druck auf Marcos ausübten. Statt dessen konzentrierten wir unseren Druck auf Marcos vor allem darauf,
ihn zu einer Änderung seiner Politik zu bewegen, die
genau jene Institutionen schwächte, indem die Armee
politisiert, der Wahlprozeß korrumpiert und die ökono-

Regel 4: Wenn wir auf andere Regierungen Druck
ausüben, damit sie einen Wandel herbeiführen, dann
Wir haben versucht, im Zeitraum von 1982 -1986 aus müssen wir uns auch die wirklichen Alternativen vor
diesen Erfahrungen zu lernen - der Periode, die zu der Augen halten. Das kann man auch durch eine Paraph"People's Power-Revolution auf den Philippinen führ- rasierung des Hippokratischen Eides ausdrücken: "Vor
te. Zu jener Zeit war ich im Außenministerium als allem darf man nichts verschlimmern."
Leiter der Ostasienabteilung verantwortlich für die
Koordinierung unserer Philippinenpolitik auf hoher Wir müssen daran denken, daß nicht jeder Wandel
Ebene. Im großen und ganzen hatten wir - und zwar zum Besseren führt, selbst bei unerwünschten Regiin nicht geringem Maß dank der Führungsrolle von men. Was den Iranern nach dem Sturz des Schahs
Außenminister Shultz - Erfolg dabei, eine einheitliche passierte, sollte hier als Warnung dienen. Die RegieBotschaft der Unterstützung demokratischer Refor- rung des Schahs hatte sich sicher der Menschenmen auf den Philippinen und der Ablehnung einer Art rechtsverletzungen schuldig gemacht, aber das nachvon Destabilisierung zu vermitteln, die einertotalitären folgende Regime läßt ihn im Vergleich richtig gütig
kommunistischen Revolution zur Macht verholten haben erscheinen. Zweifellos ist sein Sturz auf sein eigenes
Versagen zurückzuführen. Aber der von den Vereinigkönnte.
ten Staaten in dem Glauben an die Möglichkeit einer
Bedenken Sie, daß ich von einer einheitlichen Stimme besseren Alternative ausgeübte Druck, der sein Regigesprochen habe. Es ist nicht nur hoffnungslos, zu me schwächte, war auf tragische Weise fehlgeleitet
erwarten, daß die amerikanische Regierung mit einer und zu siegesgewiß.
Stimme spricht, es ist noch nicht einmal notwendigerweise eine gute Sache. Tatsächlich gibt es Zeiten, in Wenn der auf eine Regierung ausgeübte Druck im
denen Spannungen zwischen Exekutive und Legisla- Hinblick auf eine Änderung ihrer Menschenrechtspolitive nützlich sein können, wenn diese beiden Teile der tik zu stark ist, können die führenden Politiker dadurch
Regierung ein Stück nach dem Muster "guter Polizist, isoliert und zu noch repressiveren Maßnahmen veranböser Polizist" spielen. Es gab eine Reihe von Anläs- laßt werden. Was noch schlimmer ist: Ein derartiger
sen, bei denen wir Präsident Marcos warnten, wenn er Druck könnte nicht nur zu einer Schwächung des
nicht mit uns zusammenarbeite, würde es unmöglich, Regimes führen, sondern auch die für einen langfristinoch einschneidendere Optionen des Kongresses gen politischen Prozeß notwendigen Institutionen
abzuwenden. Dieses Spiel ist jedoch nicht mehr untergraben.
nützlich, wenn der Kongreß die Außenpolitik praktisch
Bei der Entwicklung der amerikanischen Politik gegenübernimmt und die Exekutive der Glaubwürdigkeit
über den Philippinen haben wir oft an die iranische
beraubt, indem er eine Lage schafft, in der wir nicht
Parallele gedacht und uns gefragt, ob Druck auf das
eine, sondern zwei - oder vielleicht 536 - AußenpolitiMarcos-Regime nicht das Risiko beinhaltete, daß alles
ken haben. Auch ist es von Nachteil, wenn der
noch viel schlimmer wird. Insgesamt waren wir davon
Kongreß so scharfe Kritik an der Exekutiven übt, daß
überzeugt, daß eine lebensfähige Alternative zu Marim Ausland die Freunde der Demokratie entmutigt und
cos existierte, daß eine Fortsetzung seiner Herrschaft
die Feinde der Demokratie in dem Gefühl ermutigt
die Philippinen in der Tat auf einen Weg führen würde,
werden, der Präsident oder seine Administration beder das größte Risiko eines Sieges des Kommunismus
fürworteten die undemokratische Seite der Angelebeinhaltete - angesichtsderverabscheuungswürdigen
genheit.
Menschenrechtspraktiken der Neuen Volksarmee wirkRegel 3: Eine der größten Quellen amerikanischen lich entsetzliche Aussichten.

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�mie von Vetternwirtschaft bestimmt wurde. Wir mußten gegen ständige Bemühungen des Kongresses
angehen, die Unterstützung für das philippinische Militär
einzustellen, während wir gleichzeitig seine Reform
förderten. Wir erkannten, daß eine Berufsarmee auf
den Philippinen ein entscheidendes Hindernis für einen kommunistischen Sieg und das für eine erfolgreiche Demokratie benötigte Bollwerk war.
Das Beispiel China veranschaulicht viele dieser Punkte, die meiner Meinung nach für eine realistische Politik
der Unterstützung von Freiheit und Demokratie von
zentraler Bedeutung sind. Vielleicht handelt es sich
hier auch um das wichtigste und schwierigste Beispiel
für eine solche Politik. Wir werden unseren Einfluß
durch eine Förderung dessen, was die chinesischen
Kommunisten ängstlich die "friedliche Revolution" Chinas
nennen, verstärken - das heißt, seine allmähliche
Annahme der politischen und wirtschaftlichen Ideen
des Westens - und nicht durch eine internationale
Isolierung Chinas. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Kräfte in der chinesischen
Gesellschaft einzubeziehen und zu stärken, die friedlichen Wandel ermutigen, einschließlich des sich so
schnell entwickelnden neuen Unternehmertums.
Die wirtschaftliche Dynamik, die einen Großteil Ostasiens gewandelt hat, zeigt auch in China ihre Wirkung. Durch die Forderung nach zunehmendem Handel
und seine Unterstützung, durch Kontakte mit der westlichen Welt auf den Gebieten Wissenschaft und Bildung, eine Dezentralisierung der politischen Macht
und verstärkte Aufklärung der chinesischen Bevölke-

Seite 4

rung über die Welt außerhalb ihres Landes sowie ihre
Funktionsweise stellt dieser Prozeß für uns eine sehr
mächtige Kraft dar. Die Zurücknahme der Meistbegünstigungsklausel für China würde genau dieser
Evolution, die wir ermutigen sollten, außerordentlich
schaden; dies ist eine Waffe mit nur einem Schuß
Munition und würde wenig bewirken außer den Amerikanern die Genugtuung zu verschaffen, ihrem Mißfallen über die Menschenrechtspraktiken in China Ausdruck zu verleihen. Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit, das zu tun: Wir sollten bei ernsteren Angelegenheiten unsere Stimme erheben und unseren Einflußgeltend machen, beispielsweise bei der Unterstützung der demokratischen Initiativen von Hongkongs
neuem Gouverneur Chris Patten, China an seine Verpflichtung "ein Land, zwei Staatssysteme" für die Zeit
nach Beendigung der britischen Herrschaft im Jahr
1997 zu erinnern oder so China zum Gewaltverzicht
gegen Taiwan zu bewegen. In dieser Hinsicht ist die
jüngste Erklärung des künftigen Präsidenten Clinton,
er schätze den durch die amerikanische Politik herbeigeführten Fortschritt und halte eine Isolation Chinas
nicht für die richtige Antwort, ein begrüßenswertes
Zeichen.
Es ist leicht zu verkünden, daß wir für die Menschenrechte eintreten, und wir können unseren moralischen
Bedenken durch symbolische Schritte Ausdruck verleihen. Eine ernstzunehmende Menschenrechtspolitik
erfordert jedoch einen verantwortungsvollen Umgang
mit unserem Einfluß und die Bereitschaft, selbst in
Ländern engagiert zu bleiben, in denen Menschenrechtsverletzungen zu beobachten sind.

AMERIKA DIENST 50

�MENSCHENRECHTE
16. Dezember 1992

ENGAGEMENT FÜR MENSCHENRECHTE
SCHWERPUNKT DER BEMÜHUNGEN IN SOMALIA
Rede von Staatssekretär Kanter
WASHINGTON - (AD) - Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der humanitären Hilfsaktion in Somalia
ist einem hohen Vertreter des US-Außenministeriums zufolge das jüngste Beispiel des amerikanischen
Engagements für die Menschenrechte.
"Das Ausmaß unseres Engagements für die Verteidigung der Menschenrechte in Somalia könnte nicht
offenkundiger sein", erklärte der für politische Angelegenheiten zuständige Staatssekretär Arnold Kanteram 10.
Dezember 1992 anläßlich eines Seminars zum Tag der Menschenrechte.
Kanter verwies darauf, daß einige der schwersten Menschenrechtsverletzungen, die gegenwärtig auf der Welt
begangen werden, von Konflikten ausgingen, die durch ein Wiederaufflammen des Nationalismus, von
ethnischem Haß, zivilen Unruhen und Anarchie hervorgerufen würden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Kanters Rede im Wortlaut.
I. Warum wir hier sind
Abteilungsleiter Dennis, verehrte Gäste, meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre, mit ihnen
gemeinsam den Tag der Menschenrechte zu begehen. Sie fragen vielleicht, welche Vorteile ein solcher
Gedenktag mit sich bringt? Warum sind wir heute hier
versammelt?

und diejenigen zu bestrafen, die ihre Pflicht zur
Einhaltung internationaler Normen menschlicher Anständigkeit nicht erfüllen.

Wir sind hier versammelt, um den Männern und Frauen, die ihr Leben der Unterstützung der Menschenrechte widmen, zu sagen: Wir würdigen Ihr Engagement, wir sind dankbar für Ihre unermüdlichen Bemühungen, und wir respektieren Sie als Vorbilder für
Um es schlicht auszudrücken, wir sind heute hier, um unsere gemeinsame Achtung der Menschenwürde.
eine Botschaft auszusenden:
Den internationalen Organisationen, die sich für die
an diejenigen, die des Rechts auf Rede- oder Menschenrechte einsetzen, sage ich: Wir würdigen
Versammlungsfreiheit beraubt sind,
Ihre Sachkenntnis, ihren Mut und Einfallsreichtum.
Ihre Arbeit richtet die Besorgnis und Aufmerksamkeit
an diejenigen, die die Regierung, die über sie
der internationalen Staatengemeinschaft auf diejeniherrscht, nicht selbst wählen können,
gen, die sonst leiden - und oft nicht überleben - würden.
an diejenigen, die Opfer von Folter, Terror und
Den privaten gemeinnützigen Organisationen und
ethnischer Säuberung sind,
Institutionen, die Briefe schreiben, Telegramme senan diejenigen, die sich bemühen, ihren Mitmen- den, Wahlen beobachten und organisieren, möchte ich
schen zu helfen, und diejenigen, die deren Qualen sagen: Sie vereinigen in beispiellosem Maß unsere
humanitären Impulse mit den technischen Fähigkeiverursachen.
ten, die den Traum von Freiheit und Demokratie WirkDaß die Vereinigten Staaten ihr historisches lichkeit werden lassen.
Engagement als weltweite Führungsmacht für
die Förderung und den Schutz der Menschen- Und den Ländern, die - wie das unsere - danach
trachten, im Hinblick auf die Menschenrechte und
rechte erneuern,
häufig unvollkommen das Beste zu tun, sage ich: Wir
ihre Entschlossenheit bekräftigen, die zu unter- applaudieren Ihren Bemühungen und respektieren
stützen, die die Rechte und Menschlichkeit ihrer Ihre Entschlossenheit.
Bürger wahren
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�II. Was wir bisher erreicht haben

Einklang mit Artikel 21 der Allgemeinen Deklaration
voll und ganz der Ansicht, daß alle Menschen das
Heute begehen wir den 44. Jahrestag der Allgemeinen Recht haben, sei es direkt oder durch Vermittlung von
Deklaration der Menschenrechte. Darüber hinaus frei gewählten Vertretern, sich an öffentlichen Angelekönnen wir die Tatsache feiern, daß Akzeptanz und genheiten ihres Landes zu beteiligen. Um dieses
Wahrung der Menschenrechte heute wesentlich ver- Zieles willen
breiteter sind als vor 44 Jahren. Dies ist das Ergebnis
vieler Faktoren - der unermüdlichen Bemühungen von
haben wir uns für freie und faire Wahlen in
Menschen wie Ihnen, des Wiederaufbaus Europas,
Namibia, Pakistan, El Salvador und schon bald
der modernen Kommunikationsmittel und der Bildung,
in Kenia eingesetzt, indem wir Ländern juristiprimär jedoch des durchschlagenden Erfolges, der in
sche und technische Hilfe geleistet haben, die
politischen Systemen zum Ausdruck kommt, die die
auf der ganzen Welt Fortschritte auf dem Weg
Rechte des einzelnen achten - und des völligen Scheizur Demokratie machen.
terns derjenigen, die dies nicht geleistet haben. In
Wir stellen den nichtstaatlichen OrganisatioLateinamerika und Afrika haben wir erlebt, wie Diktanen, die zur Abhaltung und Beobachtung dieser
turen der Demokratie gewichen sind, und gerade erst
Wahlen mit dem Ziel beitragen, deren Freiheit
haben wir gesehen, wie der Zusammenbruch der
und Fairneß zu gewährleisten, finanzielle Mittel
Sowjetunion und ihrer Herrschaft über Osteuropa den
zur Verfügung.
Widerstand gegen die Wahrung der Menschenrechte
und Demokratie dort geschwächt hat, wo er einst am
Wir liefern Hilfe in Länder, die demokratische
stärksten ausgeprägt war.
Verhältnisse anstreben. So werden zum Beispiel durch das Freedom Support Act über 400
Darüber hinaus haben wir gesehen, daß MenschenMillionen Dollar an Hilfe für die Republiken der
rechte nicht länger als Luxus betrachtet werden, den
ehemaligen Sowjetunion bereitgestellt. Diese
sich nur die Reichen leisten können oder der nur im
Unterstützung wird ihnen dabei helfen, den
Westen geschätzt wird. Das Grundprinzip der MenÜbergang zu friedlicheren, demokratischen und
schenrechte - die Wahrung der gleichen und unveräumarktorientierten
Ländern zu bewältigen.
ßerlichen Würde aller Menschen - ist allgemeingültig.
Um die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit zu fördern,
stellen wir weltweit Ländern Hilfe zur Verfügung, um
den Zugang des einzelnen Bürgers zu juristischen
Wir begrüßen diese wachsende Akzeptanz der Men- Leistungen zu verbessern, ihr Rechtssystem zu reforschenrechte, und ich erneuere an diesem Ort heute mieren und ihnen dabei zu helfen, die Bedeutung
unser Versprechen, bei ihrer Förderung weiterhin eine ordentlicher Verfahren sowie des Schutzes der Rechte
Führungsrolle zu spielen. Die Menschenrechte waren aller Bürger, einschließlich von Minderheiten, zu verein Kernstück der amerikanischen Außenpolitik und stehen.
werden dies auch bleiben. Dies ist so, weil die Menschenrechte in unseren Werten und unserer Geschich- Der Aufbau von Marktwirtschaften
te verwurzelt sind und weil eine Welt, die diese Rechte
Vom Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg bis
respektiert, im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
zum Freedom Support Act von 1992 haben die VereiDie Würde und Gleichberechtigung des einzelnen, das nigten Staaten dazu beigetragen, stabile, marktorienRecht eines Volkes auf Bestimmung seiner Regierung tierte Volkswirtschaften aufzubauen, die eine Grundlaund das Recht auf faire Behandlung vor dem Gesetz ge für die Entwicklung demokratischer Werte und der
sind Eckpfeiler der amerikanischen Republik. Als Menschenwürde bereitstellen. Wenn die Regierung
Amerikaner halten wir diese Wahrheiten für selbstver- die Produktionsmittel einer Gesellschaft kontrolliert,
ständlich. Darüber hinaus glauben wir, daß Regierun- wird der einzelne unserer Ansicht nach weniger Freigen, die ihren Bürgern gestatten, frei zu sprechen und heit haben, seine Meinung zu sagen - aus Angst,
sich zu versammeln, ihre Führung zu wählen und vor seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Wo wirtschaftliche
dem Gesetz mit Würde und Anstand behandelt zu Freiheit Wurzein schlägt, wird unserer Überzeugung
werden - selbst in Zeiten innenpolitischer Krisen -, nach politische Freiheit erblühen. Dieses Jahr haben
stabiler, friedlicher und wohlhabender sind und weit die Vereinigten Staaten wie in den letzten Jahrzehnten
weniger dazu neigen, Konflikte mit ihren Nachbarn zu mehr als jede andere Nation Milliarden Dollar für die
Erleichterung dieser entscheidenden Aufgabe zur
entfachen.
Verfügung gestellt. Die Administration und der KonDie Förderung von Demokratie und Rechtsstaat- greß haben zusammengearbeitet und über 10 Milliarden Dollar zur Erreichung unserer Ziele in den Bereilichkeit
chen wirtschaftliche Entwicklung und humanitäre
Die Fördeoing demokratischer Werte und der Rechts- Hilfe bewilligt. Ich möchte hier kurz einige der wichtigstaatlichkeit sind elementare Prioritäten unserer welt- sten Elemente ansprechen:
weiten außenpolitischen Bemühungen. Wir sind im
III. Das amerikanische Engagement für die Menschenrechte

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AMERIKA DIENST 50

�Wir stellen Geldmittel bereit, um mehr als 70
Ländern zu umfassendem umweltverträglichen
Wirtschaftswachstum zu verhelfen.
Durch unsere technische Hilfe wird die Entwicklung des Privatsektors und die Weiterentwicklung demokratischer Institutionen ermöglicht.

zungen der Menschenrechte - sei es Folter,
politische Einschüchterung oder Verschwinden
- , wo immer sie auch begangen werden. Mit
Hilfe von Informationen aus vielen Organisationen, deren Vertreter hier anwesend sind, ist es
uns allein in den letzten vier Jahren gelungen,
die Freilassung von Hunderten von Gefangenen aus über 20 Ländern zu bewirken.

Wir zahlen großzügige Beiträge an multilaterale
Entwicklungsbanken, auf bilateraler Ebene durch Und wir verhängen Sanktionen gegen MenschenrechtsWirtschaftsförderungsprogramme sowie Millio- verletzer - so wie wir es mit dem Iran, Libyen, Südafrinen Dollarfreiwilliger Zuschüsse an UNO-Orga- ka, Serbien und Montenegro, Somalia und China genisationen wie zum Beispiel UNICEF und das tan haben.
Entwicklungsprogramm UNDP.
Wo wir nun schon bei China sind, mu ß offen auch eine
Die Bestrafung der Menschenrechtsverletzer
Warnung ausgesprochen werden. Menschenrechte
Die Vereinigten Staaten arbeiten auf allen Ebenen der stehen an erster Stelle unserer außenpolitischen Ziele
Diplomatie, bi- und multilateral an der Aufdeckung von und das wird auch so bleiben. Aber weder sie noch ein
Menschenrechtsverletzungen, erregen die Aufmerk- anderer Punkt können der einzig entscheidende Faksamkeit der Völkergemeinschaft und fordern bei Ver- tor unserer Politik gegenüber einem Land sein. Nachstößen von dem jeweiligen Land wenn möglich einen dem wir alle Zeugen der brutalen Mißachtung der
fundamentalen Menschenrechte auf dem Platz des
Preis.
Himmlischen Friedens waren, haben wir von allen
Unsere Jahresberichte über Menschenrechte in Ländern der Wert Chinas Menschenrechtsverletzunjedem Land der Welt veröffentlichen Informatio- gen gegenüber die härteste Position eingenommen.
nen über die Situation in den jeweiligen Län- Unser Sanktionsprogramm ist nach wie vor das widerdern, sind für unsere eigene Entscheidungsfin- standsfähigste der Wert. Wir glaubten jedoch damals
dung von Bedeutung und stärken die weltweiten - und ich glaube das auch heute noch - daß wir unsere
Ziele zunichte machen würden, wenn wir eine Politik
Verhaltensregeln.
der Isolation oder Konfrontation verfolgen würden, um
Wir richten im Rahmen internationaler Organi- Chinas Verhalten zu beeinflussen. Wir haben in unsesationen die weltweite Aufmerksamkeit auf rem Dialog mit China über die Menschenrechte Fortunerhörte Menschenrechtsverletzer. Die Verei- schritte gemacht - wir erreichten die Freilassung von
nigten Staaten haben dieses Jahr mit Erfolg politischen Gefangenen und ermöglichten es denjeniResolutionen in der Generalversammlung des gen, die es wünschen, zu emigrieren - aber bei weitem
UNO-Sicherheitsrats unterstützt, um Menschen- nicht so vielen wie wir gerne sähen.
rechtsverletzungen in Kuba und im Sudan aufWir täuschen uns nicht über die erzielten Fortschritte,
zuzeigen.
sondern geben zu, daß sie nicht ausreichen. Es steht
Die Vereinigten Staaten haben entschieden das weiterhin an erster Stelle unserer politischen TagesPrinzip unterstützt, daß jeder, der sich Men- ordnung, in China auf allen Ebenen auf die Achtung der
schenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen Menschenrechte zu dringen. Gleichzeitig verfolgen
schuldig macht, einzeln zur Rechenschaft gezo- wir die erfolgreiche Politik, durch Engagement in China
gen werden muß. Aus diesem Grunde haben einen Wandel herbeizuführen. Die von uns ermutigte
wir internationale Bemühungen zur Gründung wirtschaftliche Liberalisierung und Reform in China
einer UNO-Expertenkommission zu den Greu- hat ein unwiderstehliches Drängen auf Wandel nach
eltaten im ehemaligen Jugoslawien angeführt. sich gezogen. Jeder, der einmal in Südchina und
Und wir haben dem UNO-Generalsekretär vier Zeuge der dort stattfindenden Umgestaltung war, weiß,
Berichte über die dortigen Menschenrechtsver- daß wir Erfolg haben.
letzungen vorgelegt, alle mit dem Ziel, die Täter
dieser barbarischen Verbrechen vor Gericht zu Die Förderung von Frieden und Stabilität
bringen.
Das sich am stärksten entfaltende Gebiet unserer
In anderen Teilen der Welt stellen wir ganz oder Menschenrechtspolitik ist das der humanitären Hilfe.
teilweise unsere Hilfe an die Länder ein, in Einige der schwerwiegendsten Menschenrechtsverdenen gravierende Menschenrechtsverletzun- letzungen in der heutigen Welt rühren von Konflikten
gen zu beklagen sind, beispielsweise Indone- aufgrund von wiederauflebendem Nationalismus, ethnischem Haß oder mangelnder bürgerlicher Ordnung
sien, Togo, Kamerun und Kenia.
und Anarchie her. Die Vereinigten Staaten haben eine
Wir erheben regelmäßig auf höchster Regie- Reihe bedeutsamer Anstrengungen unternommen, um
rungsebene Einspruch gegen ernsthafte Verlet- Frieden und Stabilität auf der Welt zu fördern und bei

AMERIKA DIENST 50

Seite 3

�der Verhinderung und Lösung dieser Konflikte zu
helfen - Konflikte, die das Recht der Menschen auf
Leben und ihre Niederlassungsfreiheit in ihrem Heimatland bedrohen.

Leben gekommen. Jedes vierte somalische Kind unter
fünf Jahren mußte bei der Hungersnot sein Leben
lassen. Wir haben das Leiden im Fersehen gesehen:
Kinder mit hervortretenden Augen und aufgeblähten
Bäuchen, Dörfer mit Menschen, die eher Skeletten
Präsident Bush hat zur Unterstützung der inter- gleichen als Menschen. Wir sahen uns mit dem
nationalen Maßnahmen zur Friedenssicherung möglichen Tod von einer Million oder mehr Menschen
bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten konfrontiert. Und warum? Weil Kriegstreiber, Verbredie Agenda für den Frieden des Generalsekre- cher und jugendliche Banditen zufrieden sind, ihre
tärs unterstützen und unser nationales Engage- Nachbarn und die Hilfe für sie vor unseren Augen
ment für die Erweiterung unserer Fähigkeiten verfaulen zu sehen?
zur Friedenserhaltung und die der Vereinten
Nationen eindeutig dargelegt. Wir haben die Aufgrund unseres Mitgefühls für das somalische Volk
Friedensbemühungen der Vereinten Nationen und unseres Entsetzens über diesen enormen Verlust
von Zypern über den Libanon bis nach Kambod- an Menschenleben haben wir eine Mission zur Rettung
scha und dem ehemaligen Jugoslawien ent- Somalias vor dem Verhungern in die Wege geleitet.
schieden unterstützt, ebenso wie die regionalen Das Ausmaß unseres Engagements zur Verteidigung
Maßnahmen zur Friedenssicherung der KSZE, der Menschenrechte in Somalia könnte nicht offenkundiger - oder wertvoller sein. Wir versprechen mehr als
WEU, NATO und anderer.
Nahrungsmittel und Geld, wir entsenden 28.000
Wir leisteten Hilfe zur Förderung der Stabilität in Amerikaner unter Einsatz aller erforderlichen Mittel,
den von Drogenhändlern und Terroristen heim- um Somalia vor dem Verhungern zu retten. Kontingesuchten Ländern.
gente aus Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten
und Asien werden sich beteiligen. Ihr Auftrag ist rein
Wir unterstützen die Bestrebungen der UNO zur humanitär: die Hilfslieferungen sicherzustellen und
Ächtung von Ländern wie Irak und Libyen, deren den Weg für die UN-Friedenstruppen sowie den ProAktionen ihre Nachbarstaaten destabilisieren zeß der politischen Aussöhnung zu bereiten.
und unser Gefühl grundlegender menschlicher
Würde verletzen.
Wir können keine größere Verpflichtung zur VerteidiWir stellen Millionen Dollar an Katasfrophenhilfe gung der Menschenrechte eingehen als das Leben
für von künstlich verursachten und Naturkata- unserer jungen Soldaten zur Rettung des Lebens
strophen betroffene Menschen zur Verfügung - anderer aufs Spiel zu setzen.
von den nahezu 20 Millionen aufgrund der Dürre
im südlichen Afrika vom Hungertod Bedrohten
bis zu den Bestrebungen, die Flüchtlinge und
Vertriebenen im ehemaligen Jugoslawien und
nördlichen Irak mit Nahrungsmitteln, Kleidern,
Decken und Unterkunft zu versorgen.

Schlußbemerkung

Als Regierung und als Volk sind wir stolz auf die
amerikanische Führungsrolle und die Bilanz der Vereinigten Staaten bei der Verwirklichung von Menschenrechten. Unser Engagement gründet sich auf starke
überparteiliche Unterstützung, die vor allem die offene
Wir liefern massive Hilfe an die Opfer von Rechts- Geisteshaltung der Amerikaner widerspiegelt.
verletzungen. Allein in diesem Jahr werden die
Vereinigten Staaten durch den Bewilligungs- Die Tatsache, daß ein Großteil der Welt in jüngster Zeit
fonds für Migration und Flüchtlingshilfe sowie in eine Phase zunehmender ethnischer Gewalt und
den Nothilfefonds des Präsidenten nahezu 700 Bürgerkriege getreten zu sein scheint, stellt für uns
Millionen Dollar an Hilfe für die Opfer politischer, eine Herausforderung dar. Wir gedenken daher des
gesellschaftlicher und religiöser Verfolgung Tags der Menschenrechte als Ausdruck unserer Verbereitstellen.
pflichtung zur Bewältigung dieser Herausforderung.
Wir wollen nicht auf das zurückblicken, was wir geleiSomalia
stet haben, sondern nach vorne auf das, was wir tun
können und müssen, um wachsenden Respekt für
Das jüngste und vielleicht anschaulichste Beispiel des
Menschenrechte und das menschliche Leben zu föramerikanischen Engagements für Menschenrechte ist
dern. Es ist eine Herausforderung, zu deren Bewältidie von uns übernommene Führungsrolle bei der Hilfe
gung sich die Vereinigten Staaten - als unabdingbarer
für Somalia. Dort werden wir Zeuge einer MenschenTeil unserer Au ßenpolitik - verpflichtet haben. Und es
rechtstragödie monumentalen Ausmaßes. Über 250.000
ist eine Herausforderung, die wir - obwohl wir bezüglich
Somalier sind an Unterernährung oder durch hungerder Mittel oder Strategien unterschiedlicher Meinung
bedingte Krankheiten gestorben. 30.000 Menschen sind - gemeinsam angehen werden.
vornehmlich Zivilisten - sind bei den Kämpfen ums
* * * * *

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�SERBIEN
16. Dezember 1992

KOSTEN DER SERBISCHEN UND
MONTENEGRINISCHEN POLITIK EXTREM HOCH
Ansprache von Robert Rackmales
BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Geschäftsträger Robert Rackmales sprach am 8. Dezember 1992 vor
dem Institut für Weltpolitik und -Wirtschaft über "Die Aussichten für die Beziehungen zwischen Belgrad und
Washington".
Nachfolgend veröffentlichen wir seine Ausführungen im Wortlaut.

In nur wenigen Wochen werden die neuen Regierungen in Belgrad und Washington mit Entscheidungen
konfrontiert, die für unsere künftigen Beziehungen von
lebenswichtiger Bedeutung sind. Diese Beziehungen
befinden sich offensichtlich in einer Krise, und ich
werde gleich einige meiner Ansichten darüber darlegen, wie diese Krise entstand. Es ist jedoch nicht mein
Ziel, eine weitere Diskussion über die Geschichte zu
beginnen und darüber zu debattieren, wer was hätte
tun können, und wann man die in einem Großteil des
ehemaligen Jugoslawiens stattfindende schreckliche
Tagödie hätte verhindern können. Es wird bereits auf
übertriebene, um nicht zu sagen besessene Art und
Weise immer wieder über vergangene Missetaten der
anderen gesprochen. Das mag im Moment vielleicht
Genugtuung bereiten, lenkt jedoch ab von dem für die
Einschätzung der gegenwärtigen Situation des Landes und die Entwicklung einer Politik zur Erreichung
einer Zukunft in Sicherheit und Wohlstand für die
Bürger notwendigen nüchternen Nachdenken.
Vor dieser Zuhörerschaft brauche ich nicht darauf
hinzuweisen, daß eine Zukunft in Sicherheit und
Wohlstand fürdie Bürgervon Serbien und Montenegro
wohl kaum erreichbar ist, wenn das jetzige Ausmaß an
Isolierung von der Völkergemeinschaft und Konfrontation mit ihr bestehen bleibt, geschweige denn, wenn es
verstärkt wird. Ich kenne bereits viel zu viele Familien,
deren jüngere Mitglieder in anderen Ländern ein produktiveres Leben führen wollen. Wenn dieses Land
erfolgreich sein soll, kann es sich nicht leisten, einige
der fähigsten Mitglieder der kommenden Generation
zu verlieren. Wir wissen, daß ein Land lange Zeit in
fast völliger Isolation überleben kann - Libyen, Burma
oder Albanien vor dem Jahr 1990 sind Beispiele hierfür. Ich kann jedoch nicht glauben, daß diese Länder
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attraktive Modelle für ein Volk darstellen, das sich
seiner aktiven Einbeziehung in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Region und Europas rühmte. Es ist eine traurige Ironie der jetzigen
Situation, daß diejenigen, die in den Jahren nach 1948
mutig die ihnen auferzwungene Isolation durchbrachen, in Osteuropa die ersten waren, die ihre Grenzen
öffneten und Beziehungen zu Organisationen wie der
OECD anknüpften, jetzt stärker isoliert sind als jemals
vor 1948.
Unglücklicherweise hat eine anhaltende Kampagne in
den staatlichen Medien viele wohlmeinende Menschen
hier davon überzeugt, daß Belgrads Isolation einfach
auf die böswilligen Motive anderer Länder, natürlich
einschließlich der Vereinigten Staaten, zurückzuführen ist. Ich werde Ihre und meine Zeit nicht mit einer
detaillierten Widerlegung der wilden Anschuldigungen
verschwenden, wie unserem angeblichen Interesse
an der Errichtung eines islamischen Fundamentalistenstaates in Bosnien, um uns bei den islamischen
Staaten beliebt zu machen, oder den üblichen
Falschmeldungen über die vorgebliche Macht der albanischen oder kroatischen Lobbyisten im amerikanischen Kongreß oder die paranoiden Fantasien über
obskure internationale Verschwörungen. Tatsächlich
ist es ganz offensichtlich, daß diejenigen, die derartigen Unsinn venbreiten, normalerweise die zynische
Absicht verfolgen, ihre politischen Förderer von der
Verantwortung für die jetzige Situation des Landes zu
befreien. In diesem Sinne erkenne ich die Verantwortung, die Frage anzusprechen, die mir öfter als jede
andere gesteift wird: Warum behandeln die Vereinigten Staaten, die in zwei Weltkriegen unser Verbündeter waren, Serbien und Montenegro jetzt als Gegner
und verhängen Sanktionen und andere StrafmaßahSehe 1

�men gegen sie? Ich stelle fest, daß genau diese Frage
am Ende von Dr. Petkovics kürzlich veröffentlichter
Untersuchung über 100 Jahre der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien gestellt wird, und daß sie eine ernstzunehmende Antwort
verdient.

Monate nach Unterzeichnung der Charta von Paris
erkannte die Welt folglich mit wachsender Ungläubigkeit und Bestürzung, daß eine neue und verhängnisvolle Bedrohung der friedlichen demokratischen Ordnung in Europa aufgetaucht war - eine Bedrohung, die
den faschistischen Bewegungen der zwanziger und
dreißiger Jahre besorgniserregend ähnlich war. Genau
Diese Antwort muß mit einer Untersuchung der Natur wie diese vermischte die neue Bedrohung Elemente
und der Ziele der Allianz, die im Zweiten Weltkrieg des übertriebenen Nationalismus, der Verherrlichung
gegen Faschismus und Aggression kämpfte, eingelei- militärischer Stärke, des Vertrauens in paramilitäritet werden. Nachdem die Vereinigten Staaten und ihre sche und kriminelle Organisationen, die weitverbreitewestlichen Verbündeten Zeugen des Scheiterns ihrer te Ausnutzung von Angst und Einschüchterung, die
Anstrengungen waren, die Welt trotz des unglaubli- Verteufelung von Gegnern, die besessene Beschäftichen Leids und der Opfer des Ersten Weltkrieges für gung mit tatsächlicher oder eingebildeter Ungerechtigdie Demokratie zu sichern, sahen sie die Notwendigkeit gegen die eigene Gruppe sowie die Ausnutzung
keit, ein Gerüst von Werten und Prinzipien bekanntzu- von Propaganda, um die eigenen Anhänger von der
geben, die als ihre fundamentalen Kriegsziele und als Weltmeinung zu isolieren und sie gegen Kritiker im InCharta für die Nachkriegszeit dienen sollten. Der erste und Ausland zu mobilisieren.
fundamentale Ausdruck dieser Ziele war die am 14.
August 1941 von Präsident Roosevelt und Premiermi- Keines dieser Phänomene war einzigartig für Serbien
nister Churchill bekanntgegebene Atlantikcharta. In oder das ehemalige Jugoslawien. Das Anwachsen
diesem Dokument stellten die Verbündeten fest, daß von extremistischen nationalistischen Bewegungen,
sie nach der endgültigen Zerschlagung des Naziter- die aus Haß gegründet wurden und zu Gewalttätigkeit
rors "einen Frieden, der allen Nationen die Mittel an die neigen, ist in großen Teilen Europas zu beobachten Hand gibt, ein Leben in Sicherheit zu führen", suchten von Frankreich über Deutschland bis Rußland. Aber
und allen Menschen "ein Leben befreit von Angst und während die Regierungen dieser Länder versucht haben,
Not" ermöglichen wollten. Im letzten Absatz der Atlan- diese antidemokratischen Bewegungen zu bekämptikcharta werden "alle Nationen der Welt aus realisti- fen, hat die Regierung Serbiens, gelinde gesagt, eine
schen und geistigen Motiven" dazu aufgerufen, "auf freundliche Umgebung für diejenigen geschaffen, die
Gewalt zu verzichten."
Verbrechen begingen, die die Menschheit schockierten. Diese Verbrechen wurden unter dem Banner der
An diese Prinzipien, die in der Charta der Vereinten "Selbstbestimmung" begangen, haben aber tatsächNationen weiter kodifiziert wurden, dachten die Alliierlich nichts mit diesem Konzept zu tun.
ten direkt nach dem Krieg, als die Sowjetunion mit Hilfe
von Gewaltanwendung und Einschüchterung die Völ- Aus Zeitgründen kann ich nicht auf Einzelheiten der
ker Osteuropas unterwarf. Die westliche Antwort Serie tragischer Ereignisse eingehen, die in dem entbestand nicht nur in der erforderlichen Eindämmung setzlichen, noch andauernden Blutbad in Bosniender sowjetischen Militärmacht und ihres politischen Herzegowina ihren Höhepunkt fanden. Es gibt ganz
Einflusses, sondern auch in der noch deutlicheren offensichtlich große Unterschiede zwischen dem Urteil
Formulierung von Prinzipien und Normen demokrati- der Völkergemeinschaft über diese Ereignisse und
schen Verhaltens als Grundlage einer Ordnung in dem vieler hier lebender Menschen. Ich sagte bereits
Europa für die Zeit nach dem Kalten Krieg. Jetzt ist zu Anfang meiner Ausführungen, daß es wenig hilfdeutlich geworden, daß die KSZE-Schlußakte in der reich ist, wenn hier eine Debatte über die in der ersten
Nachkriegsgeschichte Europas einen viel größeren Hälfte dieses Jahres stattgefundenen Ereignisse
Wendepunkt darstellte, als man sich bei ihrer Unter- angeregt wird, bei denen alle Parteien Fehler gemacht
zeichnung im Jahr 1975 bewu ßt war. Ihre Bestimmun- haben. Es ist jedoch meine Pflicht, die drei Hauptgrüngen zu Menschenrechtsfragen (an deren Formuliede zu nennen, warum in den Augen der meisten
rung ich in meiner Eigenschaft als Mitglied der KSZEMenschen auf der Welt die Hauptlast der VerantworArbeitsgruppe Anfang der siebziger Jahre in Washing- tung für die Tragödie von Bosnien-Herzegowina bei
ton in geringem Ausmaß mitgewirkt habe) spielten den Serben liegt.
eine bedeutende Rolle als stimulierende Kraft für den
Erstens wurden die frühesten Gewalttaten (vor ihrer
Demokratisierungsprozeß in Osteuropa und schließlich in der Sowjetunion selbst. Der Sieg dieser Kräfte Aufdeckung) von paramilitärischen Einheiten aus Serbien
in den Jahren 1989,1990 und 1991 führte zum ersten und Montenegro begangen, die gegen Nichtserben
Mal seit 1945 zu der realen Hoffnung, daß sich Europa Akte der Gewalt und der Einschüchterung begingen.
Der Krieg brach nicht spontan aus sondern wurde,
kurz vor einem neuen, beispiellosen Zeitalter der Sicherheit, demokratischen Freiheiten und friedlichen ohne daß eine nennenswerte Bedrohung der Sicherheit der serbischen Bevölkerung vorlag, von außen
Zusammenarbeit befand. Die Unterzeichnung der
Charta von Paris im Jahr 1991 war ein Symbol für diese bewußt angezettelt.
Hoffnungen.

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AMERIKA DIENST 50

�Zweitens hat der Krieg zwar zu Grausamkeiten gegen
unschuldige Opfer aus allen drei ethnischen Gruppen
geführt, aber die größte Greueltat - der systematische
Beschuß und die Aushungerung großer Städte durch
ihre Belagerung - wurde von serbischen Truppen
begangen, die als einzige die Mittel und den Willen
haben, solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in
großem Ausmaß zu begehen. Genau diese Verbrechen haben mehr als alles andere die Welt zum
Handeln veranlaßt. Mehr als in jedem anderen Krieg
in diesem Jahrhundert sind vor allem die Zivilisten das
Hauptziel militärischer Aktionen, was eine Verhöhnung der Genfer Konventionen darstellt.
Drittens wurde die Politik der Vertreibung unschuldiger, aus einer anderen ethnischen oder religiösen
Gruppe stammender Zivilisten aus ihren Häusern, die
sogenannte "ethnische Säuberung", von den serbischen Truppen in Bosnien in einem Ausmaß betrieben, das alles seit den Zeiten des Nationalsozialismus
in Europa Geschehene in den Schatten stellt. Niemand hat ethnische Säuberung "erfunden" - leider war
sie schon seit Menschengedenken ein brutaler Bestandteil unserer Geschichte. Im gegenwärtigen Krieg
waren die Serben Opferderselben Praxis. Aber nichts,
was die anderen Konfliktparteien taten, kommt der
systematischen, von offizieller Seite begonnenen
Kampagne der ethnischen Säuberung gleich, die von
den bosnisch-serbischen Truppen - bei Beginn des
Konfliktes in Zusammenarbeit mit der jugoslawischen
Armee - durchgeführt wurde.
All dies bedeutet nicht, daß wir den Leiden der zahlreichen serbischen Kriegsopfer gegenüber gleichgültig
oder unsensibel sind. Die von den Vereinigten Staaten
für internationale Organisationen wie den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) oder
UNICEF bereitgestellten über 140 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe wurden in nichtdiskriminierender Weise
an alle verteilt, auch die serbischen Flüchtlinge und alle
betroffenen ethnischen Gruppen in den Kriegszonen
von Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise behinderten die bosnisch-serbischen Streitkräfte selbst am
häufigsten die Hilfskonvois, die den belagerten Städten Hilfe bringen wollten, und zwangen damit den
UNHCR zu einem Zeitpunkt, jegliche Hilfe für Ostbosnien einzustellen. Im Gegensatz zu der Empörung, die
die Blockade der Hilfslieferungen weltweit auslöste,
legten die offiziellen Medien hier Indifferenz gegenüber dem Leiden der NichtSerben an den Tag - eine
Tatsache, die wenig zur Verbesserung des Images
von Serbien in der Welt beigetragen hat.
Die Serben dürfen nicht für Maßnahmen verantwortlich gemacht werden, die ohne ihre Zustimmung durchgeführt und mutwillig von den offiziellen Medien verzerrt werden. Ihr Interesse am Wohlergehen ihrer
Mitbürger in Bosnien-Herzegowina ist natürlich und
legitim. Selbst die offiziellen Medien können inzwischen die Tatsache nicht mehr verschleiern, daß die

AMERIKA DIENST 50

Politik der Gewaltanwendung und ethnischen Säuberung die Zukunft aller Völkergemeinschaften in diesem
Land untergraben hat. Alle Berichte über das Leben in
"befreiten" Städten wie Foca und Visegard bestätigen
die Aussicht auf langfristige Armut und Elend. Die
beste Hilfe, die Serben ihren Brüdern in BosnienHerzegowina anbieten können, ist, darauf zu bestehen, daß die verheerende Politik aufgegeben wird, die
ihrem Volk nur Elend beschert hat.
Blickt man über die vordringlichen Themen der Krise in
Bosnien-Herzegowina hinaus, so hängt die Wiedereinnahme des rechtmäßigen Platzes von Serbien und
Montenegro in der Weh und die Wiederherstellung der
traditionell freundschaftlichen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten auch von einer amtierenden
Regierung ab, die zu bindenden Verpflichtungen in der
Lage ist, auf deren Einhaltung man vertrauen kann.
Offen gesagt, berechtigt die Bilanz der vergangenen
18 Monate nicht zur Hoffnung. Die Beispiele nichteingehaltener Zusagen, leerer Deklarationen, von Erinnerungslücken und des Umschreibens der Geschichte
können hier nicht alle aufgezählt werden. Ich möchte
feststellen, daß die Bundesregierung von Dobrica Cosic
und Milan Panic diese Mängel zu Recht in der Erkenntnis des Schadens zu beheben versucht hat, den unseriöses Verhalten gegenüber der übrigen Welt auf den
internationalen Stand von Serbien und Montenegro
hat. Obwohl es ihr gelungen ist, eine Tür zu der
internationalen Staatengemeinschaft offen zu halten,
reichten ihre Bestrebungen jedoch angesichts der
verfestigten Opposition nicht aus, mit der sie sich
konfrontiert sahen.
Nehmen Sie beispielsweise den Vanceplan. Diesem
Abkommen stimmten führende Politiker in Belgrad unter ihnen der serbische Präsident Milosevic, die
Präsidentschaft von Restjugoslawien und der damalige ranghöchste Offizier der jugoslawischen Bundesarmee, General Kadijevic, - vor nahezu einem Jahr zu.
Ungeachtet dieser Unternehmungen ist die Bilanz der
Einhaltung durch Belgrad eine Kette gebrochener
Versprechen. Die Stationierung der UNO-Schutztruppe UNPROFOR wurde genehmigt, andere zentrale
Aspekte wurden jedoch verzögert oder niemals erfüllt:
Der Abzug der letzten Einheiten der jugoslawischen Armee aus Kroatien dauerte bis zum
Herbst. Präsident Cosic wurde dafür von eben
denjenigen hart kritisiert, die vor fast einem Jahr
Cyrus Vance ihr Wort dafür gegeben hatten.
Weder die Demobilisierung noch Entwaffnung
der serbischen Miliz in den von der UNO geschützten Gebieten hat stattgefunden. Belgrader Behörden haben ihre Hände angesichts
dieses Problems in Unschuld gewaschen und
jede Verantwortung für Waffen weit von sich
gewiesen, mit denen die Serben vor Ort von der
jugoslawischen Armee ausgerüstet wurden.

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�In serbisch kontrollierten Gebieten Kroatiens
wurde die "ethnische Säuberung" fortgesetzt.
Sowohl Serben als auch Nichtserben sind Opfer
der Gesetzlosigkeit. Das örtliche Rechtssytem
ist seiner Funktion enthoben.
Heute ist die Mißachtung der Rechtsstaatlichkeit nicht
nur ein Problem in den von der UNO geschützten
Gebieten, sondern bereitet auch Serbien und Montenegro zunehmend Anlaß zur Sorge. Bewaffnete paramilitärische Einheiten und Banden haben Gemeinden
in Wojwodina und Sandschak terrorisiert und dennoch
sehen sich die Gericht außerstande, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Im Kosovo ist es
praktisch unmöglich, von Gesetz zu sprechen, wenn
der Notstand herrscht. Die Welt und besonders mein
Land können nicht verstehen, wie es internationalen
Kriminellen gestattet wird, die persönlich für die Ermordung unbewaffneter Zivilisten in Kroatien und ähnliche
Greueltaten in Bosnien verantwortlich sind, sich frei zu
bewegen, sich als Geschäftsleute auszugeben - oder
sich sogar als Kandidaten für das Parlament aufstellen
zu lassen. Die ins Ausland vermittelte Botschaft lautet:
Hier wird Gewehren die Vorherrschaft über das Gesetz eingeräumt. Um Präsident Cosic zu zitieren: Die
den Paramilitärs gegebene freie Herrschaft bedroht
jeden in den beiden Republiken Lebenden - und ich
möchte hinzufügen, ungeachtet seiner Nationalität.

Bosnien-Herzegowina führte am 30. Mai 1992 zur
Verhängung von Sanktionen durch die Vereinten
Nationen. Die Profite aus Handel, technischer Hilfe zur
Umstrukturierung der Wirtschaft sowie des Finanzflusses - für die Entwicklung und letztlich den Wohlstand
von Serbien und Montenegro entscheidend - sind
eingefroren.
Es steht außer Frage, daß diese Sanktionen in Kraft
bleiben werden, bis die Bedingungen von Resolution
752 des UN-Sicherheitsrats und der nachfolgenden
Resolutionen erfüllt sind. Wie wir kürzlich beobachten
konnten, veranlaßten Beweise für die Verletzung der
Übergangsbestimmungen für Sanktionen die Vereinten Nationen am 16. November zu einer weiteren
Verschärfung des Sanktionsregimes. Gegebenenfalls
werden weitere Schritte unternommen.
Am 22. September entschied die UN-Generalversammlung, daß die "Föderative Republik Jugoslawien" nicht
die Fortsetzung der "Sozialistischen Republik Jugoslawien" ist und die FRJ als neues Land einen Antrag auf
Mitgliedschaft in der UNO und ihren Organisationen
stellen muß. Diese Entscheidung wird weitgehend
angewandt: von der OECD bis zu Weltbank und IWF,
von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation bis
zum GATT.

Seit Verhängung der Sanktionen habe ich eine Reihe
von
der Regierung und den Oppositionsparteien vorAll dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die Position
gelegter
"Wirtschaftsprogramme" gesehen. Sie waren
von Serbien und Montenegro im Ausland. Das Prosich
in
einem
einig: Der Unmöglichkeit der Verwirkliblem, auf das ich mich beziehe, ist umfassender als die
chung
eines
rationalen
wirtschaftlichen Entwicklungsoffizielle Duldung von Kriminellen. Zeitweise ist es für
programms
solange
die
Sanktionen in Kraft sind. Der
ausländische Beobachter unklar, ob ein institutionaliPreis
für
Serbien
und
Montenegro für die aktuelle
siertes Regierungssystem - wie das Konzept von der
Politik
ist
die
internationale
Isolation und kontinuierliKSZE verstanden wird - hier überhaupt existiert. Selbst
che
Dezimierung
der
Wirtschaft.
als Serbien und Montenegro sich in diesem Frühjahrzu
einer Föderation zusammengeschlossen haben, mißInternational bleibt der Handel eingefroren.
achteten die Regierungen der Republiken die Autorität
Ausländische Investitionen fließen in andere
des Staates weiterhin. Die Besetzung des HauptquarLänder. Wissenschaftliche und akademische
tiers der Bundespolizei durch die serbische RepublikAustauschprogramme gehören der Vergangenpolizei in Mißachtung der Gerichtsbeschlüsse ist nur
heit an.
ein Beispiel für die Bereitschaft der Behörden der
Republik, ihre eigenen Regeln aufzustellen. Obwohl
Im Inland sind die Volkswirtschaften von Serdie Bundesverfassung die Bundesregierung mit der
bien und Montenegro bereits schwer angeschlaFührung der auswärtigen Angelegenheiten für die beiden
gen, nicht nur durch die Sanktionen, sondern
Republiken beauftragt, gibt es keine einheitliche Auauch aufgrund jahrzehntelanger Planwirtschaft
ßenpolitik. Zumindest im Falle Serbiens ertaubt die
und sozialistischer Selbstverwaltung. InsbeVerfassung der Republik darüber hinaus den serbisondere die derzeitige Politik der serbischen
schen Behörden ausdrücklich, die ihnen nicht genehRegierung ist ein Rückschritt und verschleiert
men staatlichen Maßnahmen zu ignorieren. Ein solnur vorübergehend die Auswirkungen der Sankches System ist bestenfalls verwirrend und untergräbt
tionen und einer anachronistischen Volkswirtdie Fähigkeit jedes politisch Verantwortlichen, eine
schaft. Im nächsten Jahr werden nur weitere
ernsthafte Außenpolitik zu betreiben und die Welt
massive Arbeitslosigkeit, Produktionsrückgang
davon zu überzeugen, daß er Verpflichtungen eingeund galoppierende Inflation zu beobachten sein.
hen kann.
Bisher wurden die Auswirkungen der Sanktionen
Das Fehlen einer effektiven, verantwortungsbewuß- besonders aufgrund der laschen Durchsetzung teilten staatlichen Autorität und die Unterstützung der weise umgangen und durch die Vergabe neugedruckRegierungsvertreter der Republik für den Krieg in ter Dinarscheine an Arbeiter (die häufig nicht arbeiten),

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AMERIKA DIENST 50

�Bauern und Rentner verdeckt. Wir alle wissen jedoch,
daß es so etwas wie ein kostenloses Mittagessen nicht
gibt. Die Hyperinflation wird noch mehr Dinare verschlingen, bis der Wert des Dinars völlig vergeudet ist.
Wie werden die ohnehin untätigen Arbeiter dann bezahlt? Jugoslawiens neuester Dinar hat bereits seit
Juni dieses Jahres 85 Prozent an Wert verloren.
Es ist ein Fehler anzunehmen, Serbien und Montenegro könnten das Ende der Sanktionen abwarten, die
UNO würde allmählich ermüden und die Blockade
aufheben. Das wird sie nicht tun. Die Sanktionen
wurden gerade verschärft und werden gegebenenfalls
weiter verschärft.

und Femsehanbietern auf ausgewogener und bezahlbarer Grundlage Frequenzen zugänglich machen. Sie
kann sicherstellen, daß private Publikationen Zugang
zu Verbrauchsmaterial, Geräten und einem zuverlässigen Verteilungssystem erhalten. Darüber hinaus
darf die Regierung nicht wegsehen, wenn Journalisten
von radikalen Politikern bedroht werden und Firmen
von Werbemaßnahmen oder Geschäften mit unabhängigen Medien entmutigt werden.

Kurzum, Objektivität bedeutet, daß man unter Nutzung so vieler Quellen wie möglich alle verfügbaren
Informationen offenlegt und nicht nur eine Seite der
Geschichte präsentiert. Objektive Medien unterscheiden eindeutig zwischen Tatsache und Meinung. DieEs ist auch ein Fehler, sich in dem Glauben zu wiegen, ser Maßstab muß auf sämtliche gesendeten Informaeine Umgehung der Sanktionen würde irgendwie tionen angewendet werden, nicht nur auf die Abendermöglichen, daß das Leben weitergeht wie bisher. nachrichten. Medien, die dies nicht tun, produzieren
Selbst vor den Sanktionen wurden 10 bis 20 Prozent Propaganda, keine Nachrichten.
des serbischen Handels auf dem "grauen" Markt abgewickelt - außerhalb des Gesetzes. Wie hoch ist der Genau dies bedeutet Ausgewogenheit in der BerichtProzentsatz heute? 30? 40 oder noch höher? Wieviel erstattung über Wahlen. Es bedeutet nicht, einer
Wirtschaft außerhalb des Gesetzes - mit Schwarz- Gruppe oder politischen Partei einen kurzen Abschnitt
märkten, offizieller Korruption und Schutzbanden - am Ende der Nachrichten zu widmen. Ich fürchte, die
wollen Serbien und Montenegro dulden? Haben sie Medien in Serbien und Montenegro - besonders die
einmal Fuß gefaßt, sind Kriminelle und Korruption offiziellen Medien - erfüllen die Kriterien für Objektivität
außerordentlich schwer wieder zu beseitigen. Die und Fairneß bei weitem nicht.
Folge einer auf das reine Überleben ausgerichteten
Volkswirtschaft wird letztlich Armut und wachsende Zuschauer von TV Belgrad hatten keine ausgewogene
Kriminalität sein, wenn organisierte Banden die lukra- Erklärung, warum UNO-Resolution 787 zur Verschärtiven Schwarzmärkte übernehmen und sich bei Regie- fu ng der Sanktionen verabschiedet wurde. TV Belgrad
rungsvertretern einschmeicheln, die sie mit Konzes- räumte Radovan Karadzic und Ratko Mladic lange
Sendezeit ein, um ihre Meinung zu den Vorgängen in
sionen belohnen können.
Bosnien kundzutun. Über die Ansichten der anderen
Der freie Informationsfluß ist eine weitere grundlegen- Konfliktparteien oder der Mitgliedstaaten des UN-Side Komponente des KSZE-Prozesses und eines der cherheitsrats, die für die Resolution gestimmt hatten,
Schlüsselelemente einer funktionierenden Demokra- wurde jedoch kaum berichtet.
tie. In der Tat wird die Fairness der Wahlen vom 20.
Dezember bereits aufgrund der restriktiven Medien- Auch die westlichen Medien begehen Fehler. Die
landschaft in Serbien und Montenegro in Zweifel gezo- westlichen Medien sind jedoch ebenso wenig in einer
gen. In seiner Beurteilung der Lage vor den Wahlen für antiserbischen Verschwörung miteinander verbunden
den Zeitraum Mitte November stellte das Internationa- wie all die Länder der Vereinten Nationen, die für die
le Republikanische Institut (IRI) fest: "Nach Ansicht Verhängung der Sanktionen stimmten. Wenn die
der Fernseh- und Sonderinformationsprogramme ist Medien nicht immer völlig objektiv sind, so sind sie
das IRI der Überzeugung, daß die serbischen und doch grundsätzlich ehrlich. Wenn sie mehr über
montenegrinischen elektronischen Medien nach wie serbische Angriffe und Beschießungen sowie, ja, über
vor als massive Propagandamaschinerie dienen. Dem Greueltaten berichten, so informieren sie über das,
IRI liegen Beweise dafür vor, daß die Fernsehnach- wozu sie Zugang haben und was sie selbst sehen und
richten in der Woche vor der Entsendung der Untersu- erfahren können. Was sie sehen und erfahren, ist das,
chungsmission vom 17.-22. November auf das Ni- worüber sie berichten.
veau einer Vorwahlmanipulation durch die Regierungspartei gesunken war." Es bedarf kaum besonderer Was können die politisch Verantwortlichen in Serbien
Erwähnung, daß die Fortsetzung solcher Praktiken und Montenegro tun, um die Isolation und internationaalle Bemühungen untergraben wird, die Wert davon zu le Verurteilung zu überwinden, die künftige Generatioüberzeugen, die bevorstehenden Wahlen seien frei nen gefährdet?
und fair.
Erfüllung der bei der Londoner Konferenz getroffenen Vereinbarungen sowie Einsatz des
Was zur Korrektur dieses entstellten Bildes erforderpolitischen, moralischen und wirtschaftlichen
lich ist, sind radikale Veränderungen der MediengesetEinflusses, den Belgrad besitzt, um zu gewährze und -politik. Dazu kann die Regierung mehrere
leisten, daßdie Führung der bosnischen Serben
Schritte unternehmen. Sie kann privaten Rundfunkdasselbe tut.
AMERIKA DIENST 50

Seite 5

�Dem seibischen und montenegrinischen Volk
die Wahrheit sagen. Solange Serben und Montenegriner ein ehrliches Bild dessen entbehren,
was in Bosnien-Herzegowina geschieht, wird es
schwierig sein, die katastrophale Politik zu ändern.
Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in Serbien und
Montenegro. Solange es paramilitärischen
Kräften und gewöhnlichen Verbrechern gestattet wird, den Durchschnitt sbürgerstraflos einzuschüchtern und zu terrorisieren, wird die Bereitschaft und Fähigkeit Belgrads, das Völkerrecht
einzuhalten, in Zweifel gezogen.
Herstellung von Chancengleichheit für die Wahlen
am 20. Dezember, indem faire Behandlung der
Opposition in den staatlich kontrollierten Medien gewährleistet wird, die heute gegen sie

eingestellt sind, und indem man dem serbischen
Volk die Chance gibt, in einem echten demokratischen Prozeß für die Kandidaten seiner Wahl
zu stimmen.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Zukunft
der Beziehungen zwischen Belgrad und Washington
vor allem von der Bereitschaft der von den Wählern
dieses Landes am 20. Dezember bestimmten Entscheidungsträger abhängt, sich erneut die Werte zu
eigen zu machen, für die wir gemeinsam gegen den
Faschismus gekämpft haben, sich wieder der Welt der
neunziger Jahre anzuschließen und politische Maßnahmen aufzugeben, die drohen, uns über ein halbes
Jahrhundert zurückzuwerfen und die Bemühungen
einer ganzen Generation hier zunichte zu machen, die
die Chance verdient, ein besseres Leben aufzubauen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

LANGJÄHRIGER PERSÖNLICHER FREUND
ALS CLINTONS STABSCHEF
Thomas F. "Mack" McLarty

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Thomas F. "Mack" McLarty zu seinem Stabschef hat der
künftige Präsident Bill Clinton einen langjährigen Freund,
erfolgreichen Geschäftsmann und Politiker ausgewählt,
um die Aufsicht über seine Mitarbeiter zu führen und
seine Zeit im Weißen Haus zu organisieren.

Seine Wahl als Abgeordneter des Kongresses von
Arkansas im Jahr 1969 machte den 23jährigen zum
jüngsten Volksvertreter in der Geschichte des Bundesstaates. Teilweise aufgrund des Einflusses seiner
Familie wurde McLarty, als er Ende zwanzig war, in
den Vorstand des Erdgasunternehmens Arkla Inc. in
Lousiana gewählt. McLarty beschloß schließlich, ganz
McLarty, 46, ist für sein freundliches Wesen und seine bei Arkla zu arbeiten. Ihm gelang schnell der Aufstieg
gesellschaftlichen Fähigkeiten bekannt, und politische innerhalb des Unternehmens, und 1985 wurde er
Analytiker prophezeien, daß er seine eigene Persön- dessen Vorsitzender. Presseberichten zufolge ist
lichkeit und seine Vorrechte denen Clintons unterord- McLarty jetzt Millionär.
nen wird. Auch nimmt man an, daß McLarty Clinton
verschiedene Ansichten vorlegen wird, anstatt auf Ebenso wie Clinton engagierte sich McLarty im politiseiner eigenen zu bestehen.
schen Leben von Arkansas. Er war Parteivorsitzender
der Demokraten in Arkansas, war während Clintons
McLarty, der Clinton schon seit seiner Kindheit kennt, Wahlkampagnen für das Amt des Gouverneurs als
erklärte, es werde seine Aufgabe sein, dem neuen Schatzmeister tätig und beriet auch andere Politiker
Präsidenten die Wahrheit zu sagen. Und erversprach, aus Arkansas.
Clinton gegenüber "immer direkt (ehrlich) zu sein", um
sicherzustellen, daß Clinton als Führer der Nation nicht Zu seiner neuen Rolle merkte McLarty an: "Ich habe
isoliert wird.
mein Leben im Herzen des Landes (außerhalb Washingtons) verbracht... aber durch meine Erfahrung
McLarty und Clinton besuchten zusammen in Hope, als... Geschäftsmann, in der Legislative des BundesArkansas, den Kindergarten. McLartys Familie war staates und als ehemaliger Parteivorsitzender kenne
wohlhabend und besaß die örtliche Autohandelsnie- ich Washington gut und weiß, wie der Verwaltungsapderlassung von Ford, Clintons weniger begüterter Stief- parat dort funktionieren muß."
vater die von Buick. Ihre Freundschaft blieb auch
bestehen, als sie erwachsen waren und dauert bereits McLarty lebt gegenwärtig mit seiner Frau Donna in
ihr ganzes bisheriges Leben.
Little Rock, Arkansas. Sie haben zwei Kinder.
Nachdem er seinen Abschluß an der University of
Arkansas gemacht hatte, baute McLarty den Autohandel der Familie zu einem der größten Transportunternehmen der Region aus.
* * * * *

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Seite 1

�PORTRAT
16. Dezember 1992

BENTSEN ALS FINANZMINISTER NOMINIERT
Langjähriges Senatsmitglied hat starke wirtschaftliche Interessen

WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton hat Senator Lloyd Bentsen als Chef des Finanzministeriums nominiert. Dies ist zweifellos der wichtigste
wirtschaftspolitische Posten in der amerikanischen
Regierung.
Durch die Entscheidung für Bentsen, der seit 22 Jahren Mitglied des Senats ist, scheint Clinton die Aussichten zu verbessern, seine wirtschaftspolitischen
Programme im Kongreß durchzusetzen und eine seit
vier Jahren andauernde Pattsituation in Schlüsselbereichen der Steuer- und Ausgabenpolitik zu beenden.
Bei der Ankündigung der Nominierung für das Finanzressort erklärte Clinton am 10. Dezember 1992, Bentsen zeichne sich besonders dadurch aus, daß er den
Respekt der amerikanischen Finanzwelt genieße und
gleichzeitig Mitgefühl für die finanziell weniger Begünstigten zeige.

Er verwies auf seine Frustration darüber, daß die
Bemühungen zur Verabschiedung eines harten Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, einer Wahlkampfreform und eines Steuergesetzes, das wirtschaftliche
Anreize zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Ankurbelung der Konjunktur einbezog, am Veto von Präsident Bush scheiterten.
Der in Texas geborene Bentsen bringt in seine Position
eine umfassende Kenntnis des Kongresses sowie
langjährige Erfahrung in der Beschäftigung mit
Steuer-, Handels- und Gesundheitspolitik ein.
Er war 1970 nach einem Sieg über George Bush in den
Senat eingezogen.

Es wird erwartet, daß die Nominierung Bentsens, der
für seine staatsmännische Haltung im Finanzausschuß
des Senats und seine Leistungen als Kandidat der
Demokratischen Partei für das Amt des Vizepräsiden"Wenn man in der amerikanischen Politik die Worte ten im Jahr 1988 gerühmt wurde, den Finanzmärkten
Statur, Würde und Respekt ausspricht, denkt man an die Sicherheit vermittelt, daß die wirtschaftspolitischen
den Namen Lloyd Bentsen", erklärte Clinton. "Ich hatte Schaltstellen des Landes in guten Händen sind und
ihre Interessen berücksichtigt werden.
ihn seit langem für diese Position im Sinn."

Bentsen, der Clintons wichtigster wirtschaftspolitischer In den Jahren seiner Tätigkeit als Vorsitzender des
Sprecher sein wird, teilte Reportern nach der Ankündi- Finanzausschusses des Senats, des Gemeinsamen
gung mit, die nächste Administration erbe ein doppel- Steuerausschusses, als Mitglied des Gemeinsamen
tes Defizit sinkender Investitionen und unausgegliche- Wirtschaftsausschusses sowie des Senatsausschusner Haushalte.
ses für Handel, Wissenschaft und Verkehr hat Bentsen
die Interessen der Wirtschaft stärker unterstützt als die
"Wir sind entschlossen, beide auf ein normales Maß zu meisten anderen demokratischen Parlamentarier.
begrenzen", erklärte Bentsen. "Was es (das amerikanische Volk) fordert, sind keine Wunder, sondern Als eines der wohlhabendsten Mitglieder des Senats
Fortschritte, und die wird es bekommen."
mit einem Nettoeinkommen von über 10 Millionen
Dollar, das er aus Beteiligungen an Immobilien, RanAuf den kritischen Hinweis, seine Berufung bringe ches, Landwirtschaft, Bergbau, öl und Gas bezieht,
einen Ansatz des "business as usual" in die Clinton- war Bentsen ein energischer Befürworter von SteuerAdministration, erwiderte Bentsen: "Ich habe all diese erleichterungen für Immobilieninteressen sowie ölGeschichten über meine Position als Insider gehört. und Gasproduzenten.
Ich möchte Ihnen sagen, daß ich mich seit zwölf
Jahren wie ein Au ßenseiter fühle und der Pattsituation Obwohl er die Senkung der Kapitalertragsteuer theoüberdrüssig bin."
retisch befürwortet, lehnte Bentsen eine solche Redu-

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�zierung ab, als Präsident Bush sich weigerte, diese mit unterstützt, obwohl er der Meinung war, es müsse
einer Steuererhöhung für Besserverdienende zu ver- mehr getan werden, um damit zusammenhängende
knüpfen.
Arbeits- und Umweltfragen zu behandeln.
Darüber hinaus hat er sich für eine Anhebung der Von politischen Aktionskomitees wurde Bentsens
Summe eingesetzt, die Einzelpersonen auf steuerfreie Unterstützung bestimmter politischer Programme weder
Rentenkonten einzahlen können sowie dafür, die von Liberalen noch von Konservativen als besonders
Verwendung dieser Mittel für die Finanzierung von prägnant eingestuft.
Ausbildung und Wohneigentum zu gestatten.
Obwohl Bentsens Ausscheiden aus dem Senat ClinEr hat eine Reduzierung der Sozialversicherungssteu- tons Unterstützung im Finanzausschuß schwächen
er mit dem Argument abgelehnt, sie werde das Defizit könnte, hat der als wahrscheinlicher Nachfolger Bentsteigern und die Anhebung anderer Steuern erfordern. sens als Ausschußvorsitzender angesehene Senator
Daniel Patrick Moynihan bereits erklärt, seine wichtigBentson spielte gemeinsam mit dem für das Amt des ste Priorität werde es sein, "das Programm des PräsiDirektors der Haushaltsbehörde nominierten Leon denten durch den Kongreß zu bringen".
Panetta eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung des
1990 verabschiedeten auf fünf Jahre angelegten Pakets Die Gouverneurin von Texas, Ann Richards, hat die
zum Defizitabbau um 500 Milliarden Dollar.
Besorgnis geäußert, Bentsens Ausscheiden könnte
den Republikanern eine Chance eröffnen, einen Sitz
"Mehr als die meisten Demokraten im Kongreß ver- im US-Senat zu erringen.
traut er auf den Markt und militärische Stärke ... aber
er ist ebenso stark davon überzeugt, daß die Armen Der 71jährige Bentsen wurde zum ersten Mal 1948 in
und Hilflosen Schutz und Beistand vom Staat benöti- den Kongreß gewählt, schied jedoch nach sechs Jahren
gen", schrieb das National Journal in seiner letzten aus, um ein Versicherungsunternehmen in Houston
Zweijahresanalyse der Kongreßmitglieder.
aufzubauen. Erverbrachte 16 Jahre als Unternehmer
in Houston und wurde vor seinem Sieg bei der SenatsIn Handelsfragen war Bentsen eines der einflußreich- wahl von 1970 Präsident von Lincoln Consolidated,
sten Kongreßmitglieder. Er ist grundsätzlich Befür- einer Finanzholding.
worter des freien Handels, hat jedoch Besorgnis über
japanischen Protektionismus geäußert. Er hat das Er wurde am 11. Februar 1921 in Mission (Texas)
Handelsgesetz Super 301 unterstützt, das amerikani- geboren und schloß im Jahr 1942 sein Jurastudium an
sche Regierungsvertreter für Handelsfragen auffor- der juristischen Fakultät der University of Texas ab.
dert, einseitige Maßnahmen gegen als unfair angese- Danach trat er in die US-Armee ein. Im Zweiten
hene Handelspartner zu verhängen.
Weltkrieg wurde er als B-24-Pilot und Staffelkommandeur zum Major befördert. Er wurde mit dem DistinBentsen hat ein Junktim zwischen Auslandshilfe und guished Flying Cross ausgezeichnet.
Handel befürwortet, die Initiative für das Karibische
Becken durch den Kongreß geleitet und das Nordame- Mit seiner Frau Beryl Ann, geb. Longino, die auch als
rikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) energisch B.A. bekannt ist, hat er zwei Söhne, Lan und Lloyd III.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 50

�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON ERNENNT PARTEIVORSITZENDEN
DER DEMOKRATEN ZUM HANDELSMINISTER
Porträt von Ron Brown

WASHINGTON - (AD) - Ron Brown hat dazu beigetragen, die Demokratische Partei im Präsidentschaftswahlkampf 1992 hinter Bill Clinton zu vereinen. Jetzt
möchte Clinton, daß Brown Wirtschaft und Regierung
zur Bewältigung einer weiteren großen Herausforderung, dem internationalen Wettbewerb, vereint.

Darüber hinaus wird er für die erfolgreiche Organisation des demokratischen Konvents für Clinton in New
York verantwortlich gemacht, wobei er die erforderlichen Kompromisse mit so unterschiedlichen führenden Persönlichkeiten der Partei wie Jackson, dem
Clinton-Gegner Jerry Brown aus Kalifornien und Gouverneur Mario Cuomo aus New York aushandelte.

Der von Clinton für das Amt des Handelsministers
berufene 51jährige Brown wird vom Wall Street Jour- Ferner wird ihm Anerkennung gezollt, weil er die
nal als "der Washingtoner Insider schlechthin" be- Bemühungen der Demokratischen Partei bei Finanzierung, Forschung und Strategie reformierte, die zum
zeichnet.
Wahlsieg Clintons im November beitrugen.
Er war 11 Jahre als Rechtsanwalt fürdie Bürgerrechtsorganisation National Urban League tätig und diente Seit 1982 ist Brown als Lobbyist für die wichtige in
darüber hinaus als mit der ständigen Vertretung beauf- Washington ansässige, für Unternehmen tätige Antragter Anwalt und Stabsdirektor für Senator Edward waltskanzlei Patton, Boggs and Blow tätig, bei der er
Kennedy sowie als juristischer Chef berater des Justiz- Teilhaber ist.
ausschusses des Senats.
Wenn es Opposition gegen seine Berufung für das
Brown unterstützte Kennedys erfolglose und entzwei- Handelsressort geben sollte, dann wäre dies eine
ende Bewerbung gegen den Amtsinhaber Präsident mögliche Quelle. Zu seinen Klienten zählten Japan Air
Jimmy Carter um die Präsidentschaftsnominierung Lines, 21 japanische Elektronikfirmen sowie die eheder Demokratischen Partei im Jahr 1980. Seither hat malige Regierung Haitis unter Jean-Claude "Baby
sich Brown jedoch häufig um die Einheit der Partei Doc" Duvalier.
bemüht.
Brown erklärte am 12. Dezember 1992 während der
Der Nachrichtenagentur Reuter zufolge erklärte sich Pressekonferenz in Little Rock, bei der Clinton seine
Brown 1988 nur auf Drängen von Parteifunktionären, Berufung bekanntgab, er werde seine Erfahrung eindie darauf bedacht waren, Konflikte mit dem Präsi- setzen, um das Handelsministerium zu motivieren,
dentschaftskandidaten Michael Dukakis zu entschär- Clintons Ziel der wirtschaftlichen Erneuerung zu verfen, bereit, den Auftritt seines Mitstreiters für die Bür- wirklichen.
gerrechte, Jesse Jackson, beim demokratischen Par"Das wird Teamarbeit sein", stellte Brown in einer
teikonvent zu organisieren.
vorbereiteten Erklärung fest. "Die Erhöhung der ExDem 1989 zum Vorsitzenden des Nationalen Aus- porte, Förderung neuer Technologien, Unterstützung
schusses der Demokraten gewählten Brown wird das der wirtschaftlichen Entwicklung - all dies erfordert
Verdienst zugeschrieben, Clinton während des Vor- integriertes, behördenübergreifendes Handeln, das
wahlkampfs um die Nominierung 1992 vor möglichen die alten Grenzen zwischen Wirtschaft, Gewerkschafschädlichen Auseinandersetzungen innerhalb der ten und Regierung überschreitet."
Partei bewahrt zu haben.
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�PORTRAT
16. Dezember 1992

DESIGNIERTER ARBEITSMINISTER LEGT
BETONUNG AUF AUS- UND FORTBILDUNG
Porträt von Robert Reich

WASHINGTON - (AD) - Obwohl der vom künftigen
Präsidenten Clinton für das Amt des Arbeitsministers
nominierte Robert Reich viel über Arbeitsfragen publiziert hat, ist er kein Wirtschaftswissenschaftler.
Aber Reich - Dozent an der Harvard University, profilierter Autor, prominenter Fernsehkomentator, Verfasser von Leitartikeln und Mitbegründer des Economic
Policy Institute - ist ein langjähriger Freund von Bill
Clinton.
Seit sie sich als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford
University kennenlernten und gemeinsam die juristische Fakultät von Yale besuchten, haben Clinton und
Reich kontinuierlich über Wirtschaft und Politik diskutiert.
Clinton hat Reich zum Leiter der Wirtschaftsgruppe
des Übergangsteams ernannt. Obwohl bisherige
Arbeitsminister nicht viel zur Wirtschaftspolitik zu sagen
hatten, könnte Reich aufgrund seiner langen Verbindung zu Clinton einen Unterschied bewirken.
Aus Reichs Sicht erfordert die zunehmend grenzenlose Weltwirtschaft mit multinationalen Unternehmen,
die ihre Produktion in den Ländern ansiedeln, wo sie
die profitabelsten Möglichkeiten vorfinden, eine neue
amerikanische Beschäftigungspolitik.
Reich zufolge werden Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in andere Länder verlagert. Obwohl die Zahl der
Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zunimmt, werden die Gehälter aufgrund der Einwanderer niedriggehalten.

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Was die Vereinigten Staaten benötigen, so Reich, sind
mehr Wissenschaftler, Ingenieure, Berater, KünstlerMenschen, die er als symbolische Analytiker bezeichnet, die ihr Wissen und ihre Kreativität dazu verwenden, den Wert von Waren und Dienstleistungen zu
steigern, die andere Menschen produzieren. Sie lösen
die großen Probleme und werden gut bezahlt.
Amerikanische und ausländische Firmen werden sich
nur dann in den Vereinigten Staaten ansiedeln, wenn
sie gut ausgebildete Arbeitskräfte und hochentwickelte Technologie sowie ein ausgebautes Straßen- und
Kommunikationsnetz vorfinden.
Um die Zahl der symbolischen Analytiker aufzustokken, erläutert Reich, sind bessere Aus- und Fortbildung erforderlich als die meisten der privilegierten
Amerikaner heute erhalten sowie ausreichende Ernährung und Gesundheitsfürsorge für Kinder, um eine
solche Ausbildung zu gewährleisten.
"Statt die Rentabilität der unter ihrem Banner segelnden Unternehmen zu erhöhen oder die weltweite Beteiligung ihrer Bürger zu erweitern, besteht die wirtschaftliche Rolle einer Nation darin, den Lebensstandard ihrer Bürger durch eine Aufstockung dessen zu
verbessern, was sie zur Weltwirtschaft beitragen",
schrieb Reich in seinem 1991 veröffentlichten Buch
The Work of Nations.
Zur Zeit ist Reich Dozent für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University. Unter der Ford-Administration war Reich persönlicher Referent des Stellvertretenden Justizministers
und während der Carter-Administration Leiter für politische Planung der staatlichen Handelskommission.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON SIEHT HERAUSFORDERUNGEN FÜR
DESIGNIERTE GESUNDHEITSMINISTERIN
Porträt von Donna Shalala
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill Clinton vertraut darauf, daß Donna E. Shalala, die er als
nächste Gesundheitsministerin (Secretary of Health and Human Services - HHS) nominiert hat, das Fachwissen besitzt, um sich nach ihrem Amtsantritt im Januar einer Reihe beängstigender Herausforderungen zu stellen
und diese in den Griff zu bekommen.

In einer Pressekonferenz am 11. Dezember 1992
bezeichnete Clinton eine vollständige Reform des
amerikanischen Gesundheitswesens, die Beschäftigung mit der eskalierenden AIDS-Krise des Landes
sowie die Erweiterung des Head-Start-Programms,
das darauf abzielt, Vorschulkindern aus einkommensschwachen Familien eine ausreichende Ernährung
und Bildungschancen zu garantieren, als vordringlichste dieser Herausforderungen.
Gleichzeitig, so betonte der gewählte Präsident, wird
kein Ministerium der Bundesregierung stärker dazu
angehalten werden, das Anwachsen des US-Haushaltsdefizits in den nächsten vier Jahren eindämmen
zu helfen.

Als Zeugnis für ihren Erfolg bei der Leitung der sechstgrößten Universität des Landes wurde ihr im Jahr 1992
von der amerikanischen Gesellschaft für öffentliche
Verwaltung der Preis für Verdienste um den öffentlichen Dienst sowie vom amerikanischen Politologenverband der jährlich vergebene Preis für besondere
Forschungsleistungen in Urbanistik verliehen. Zuvor
war sie vom Wirtschaftsmagazin Business Week
bereits zu einer der fünf besten Verwaltungsfachleute
im höheren Bildungswesen und von Ladies Home
Journal zu einer der 50 einflußreichsten Frauen in den
Vereinigten Staaten erklärt worden.
Vor ihrer Tätigkeit bei der University of Wisconsin in
Madison war die designierte Ministerin sieben Jahre
lang Rektorin des zur City University of New York
gehörenden Hunter College.

"Alle Berge, die Donna Shalala in der Vergangenheit
erstiegen hat, sind nichts im Vergleich zu der Aufgabe,
vor der sie nun steht", erklärte Clinton.
Darüber hinaus war sie von 1972 - 79 au ßerordentliche
Professorin für Politologie und Pädagogik an der CoShalala, die zur Zeit Professorin für Politologie und lumbia University, von 1970 - 72 Professorin für PoliRektorin der University of Wisconsin in Madison ist, tologie am Bemard M. Baruch College (ebenfalls Teil
verwies darauf, daß sie als Kind und junge Erwachse- der City University of New York) sowie von 1965 - 70
ne stets davon geträumt hatte, einen wichtigen Beitrag Leiterin des Fachbereichs Urbanistik und später Assizum Aufbau einer besseren Wert zu leisten.
stentin des Dekans der Syracuse University.
"Diesen Traum habe ich immer noch", erklärte sie.

Kurz nach ihrem Collegeexamen im Jahr 1962 reagierte
Seitdem sie 1988 in Madison als erste Frau die Leitung Shalala auf den Appell Präsident John F. Kennedys
einer großen Universität des Mittelwestens übernahm, an die Jugend Amerikas und trat in den Entwicklungshat sich Shalala auf die Verbesserung der Collegeaus- dienst Peace Corps ein. Sie ging zwei Jahre in den
bildung, die Anwerbung und Beibehaltung hervorra- Iran, wo sie Englischunterricht gab und bei der Gegender Dozenten, Mitarbeiter und Studenten, die meindeentwicklung half.
Modernisierung der Forschungseinrichtungen und Während der Carter-Administration war sie erneut im
Verbesserung der Chancen für Frauen und Angehöri- öffentlichen Dienst tätig und von 1977 - 80 als Abteige von Minderheiten konzentriert.

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�lungsleiterin im Ministerium für Wohnungsbau und
Stadtentwicklung (HUD) für politische Konzepte und
Forschung zuständig.
~. ^ . „ L . « L . .
. ,.
....
Die 51 jahnge Shalala wurde als Tochter libanesischer
Eltern am 14. Februar 1941 in Cleveland (Ohio) gebo-

ren. Nach dem Besuch öffentlicher Schulen erhielt sie
1962 am Western College for Women (Oxford, Ohio)
ihr Bakkalaureat. 1968 legte sie an der Syracuse
University ihre Magisterprüfung ab und promovierte
^^ 1 g 7 0 i n Soziologie

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

PANETTA ZUM DIREKTOR DER
HAUSHALTSBEHÖRDE ERNANNT
Renommierter Experte im Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von Leon
Panetta zum Direktor der US-Haushaltsbehörde hat
sich derkünftige Präsident Clinton für einen in Finanzfragen äußerst versierten Experten des Landes entschieden.
Panetta, 54, seit 1977 Mitglied des Repräsentantenhauses, war seit 1979 für zunächst 6 Jahre im Haushaltsausschuß des Hauses tätig. 1989 trat er die
Nachfolge seines Kollegen im Repräsentantenhaus,
William Gray, als Vorsitzender dieses Gremiums an.

Zwei Jahre später arbeitete er am Entwurf eines Abkommens mit der Reagan-Administration mit, das zu
Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in den
Haushaltsjahren 1988 und 1989 führte - ein Pakt, den
Reagan später öffentlich brandmarkte, weil er sich zu
stark auf die Steuerseite stützte.

Panetta genießt den Ruf, Meister des unergründlichen
Haushaltsverfahrens zu sein. Und obwohl er au ßergewöhnlich geschickt in der Erfassung der kleinsten
Details ist, vermittelt er eine deutliche Sicht des Gesamtbildes. Bei der Übernahme des Ausschu ßvorsitEr war einer der Unterhändler des Kongresses in den zes stellte er fest: "Mit dem Haushalt geben Sie eine
langen und häufig kontroversen Haushaltsdebatten Erklärung ab, wo die Nation steht und in welche
der Bush-Administration im Herbst 1990, die zu einem Richtung Sie sie dirigieren wollen."
auf fünf Jahre befristeten Haushaltsplan führten, der
zumindest im Augenblick noch in Kraft ist.
Obwohl er wortgewandt für die Reduzierung des enormen Haushaltsdefizits eintritt, bewirkte Panetta doch Diese Vereinbarung sollte Präsident Bush in ernsthaf- unterstützt von der Bush-Administration - einen Sinte politische Schwierigkeiten bringen, da sie eine Abkehr neswandel im Kongreß, der einen ausgeglichenen
von seinem Wahlkampfversprechen des Jahres 1988 Haushalt durch ein Änderung der amerikanischen
"keine neuen Steuern" während seiner Amtszeit be- Verfassung zwingend vorschreiben wollte.
deutete.
Er verwarf diesen Ansatz als Trick und brachte eine
Im Rahmen der Bestimmungen des Etats können die eigene Gesetzesvorlage ein, die einen ausgeglicheGesetzgeber zumindest theoretisch keine neuen nen Etat bis zum Haushaltsjahr 1998 durch die KomAusgaben vorschlagen ohne ausgleichende Kürzun- bination von schrittweisen Ausgabenkürzungen in
gen bei anderen Programmen oder Steuererhöhungen Gesamthöhe von 725 Milliarden Dollar und Steuererzu deren Finanzierung. Obwohl der Mechanismus höhungen über diesen Zeitraum hinweg zum Ziel hat.
weit davon entfernt ist, perfekt zu funktionieren, erklä- Sein Gesetzentwurf lag dem Repräsentantenhaus
ren Panetta und andere an der Erarbeitung des Pakts jedoch noch nicht vor, als sich der Kongreß im Oktober
Beteiligte, das Defizitproblem wäre - so gravierend es vertagte.
ist - ohne diese Vereinbarung um etliche Millionen
Dollar schlimmer.
Panetta gelingt es, seine Konzentration auf Haushaltsfragen durch die Fähigkeit auszugleichen, sich über
Die zähen Verhandlungen von 1990 waren nicht das sich selbst und die Probleme lustig zu machen. Eine
erste Mal, bei dem Panetta sich in den Mittelpunkt der geistreiche Bemerkung, die mit Gelächter quittiert
Haushaltserörterungen stellte: 1985 war er ein Prota- wird, ist Standard bei seinen häufigen Pressekonfegonist bei der Aushandlung des Gramm-Rudman- renzen.
Haushaltsausgleichsgesetzes zwischen Repräsentantenhaus, Senat und dem damaligen Präsidenten Ronald Unter seinen Kollegen auf dem Capitol Hill ist er sehr
Reagan.
beliebt - ein Bonus, der der Clinton-Administration
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�zugute kommen wird, wenn sie ihre Programme durch
den Kongreß bringen will.

Schutz der Küstengewässer vor öl- und Erdgasbohrungen stark gemacht.

Inzwischen als gemäßigter bis liberaler Demokrat
eingeschätzt, begann Panetta seine politische Laufbahn als Republikaner.

Als Sohn italienischer Einwanderer wurde Panetta in
Monterey (Kalifornien) geboren, dem Wahlkreis, den
er heute vertritt. Er machte 1960 seinen Abschluß an
der University of Santa Clara und legte 1963 dort sein
Juraexamen ab. Von 1964 bis 1966 diente er in der
US-Armee.

Er war juristischer Assistent von Thomas Küchel,
einem republikanischen Senator aus Kalifornien und
danach Leiter des US-Büros für Bürgerrechte unter
der Nixon-Administration. 1970 wurde er aus diesem
Amt entlassen, nachdem er sich über die seines Erachtens zu langsamen Bestrebungen der Administration zur Beseitigung der Rassentrennung beschwert
hatte, und wechselte im Jahr darauf die Partei.

Nach seiner Tätigkeit für Küchel und das Büro für
Bürgerrechte war Panetta persönlicher Referent des
New Yorker Bürgermeisters John Lindsay und praktizierte dann als Rechtsanwalt, bis er sich 1976 für den
Kongreß aufstellen ließ.

Obwohl Haushaltspolitik Panettas Stärke im Kongreß
Panetta und seine Frau Sylvia haben drei Söhne. Die
ist, war er aktives Mitglied des LandwirtschaftsausFamilie wohnt weiterhin in Kalifornien. Panetta fliegt
schusses, schützte die Interessen der Agrar- und für gewöhnlich am Wochenende nach Hause. WähFertigungsindustrie in seinem vorwiegend ländlichen rend der Arbeitswoche in Washington wohnt er zusamWahlbezirk, der sich von der kalifornischen Küste ins men mit drei Kongreßabgeordneten in einem StadtInland erstreckt. Er hat sich für Umweltthemen wie den haus auf dem Capitol Hill.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

CLINTON BERUFT HANDELSEXPERTIN ALS
WICHTIGSTE WIRTSCHAFTSBERATERIN
Erste Frau als Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater

WASHINGTON - (AD) - Die vom künftigen Präsidenten Clinton getroffene Wahl für den Posten des Vorsitzenden des Rats der Wirtschaftsberater (CEA) läuft
den traditionellen Mustern für diesen Posten des
Chefberaters in Wirtschaftsfragen zuwider.
Die Professorin für Volks- und Betriebswirtschaft an
der University of California (Berkeley), Laura D'Andrea
Tyson, ist bekannter für ihre Werke über Handels- und
Investitionsprobleme als über umfassendere makroökonomische Fragen, auf die sich die meisten ihrer
Vorgänger spezialisiert hatten.
"Laura Tysons wegbereitende Arbeiten über internationale Wettbewerbsfähigkeit und Handel, Produktions- und Technologiefragen haben unser Verständnis dessen verbessert, was die Vereinigten Staaten
zum wirtschaftlichen Erfolg in der neuen Weltwirtschaft benötigen", erklärte Clinton bei der Bekanntgabe dieser Berufung am 11. Dezember 1992. "Als
Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater wird sie
in die wirtschaftlichen Analysen dieselbe Integrität
einbringen wie Leon Panetta und Alice Rrvlin in den
Haushaltsprozeß. Darüber hinaus wird sie eine beeindruckende Arbeitsbilanz in speziellen ökonomischen
Bereichen mitbringen, die meines Erachtens außerordentlich wichtig ist."

strie unterstützt Tyson darüber hinaus Gesetze, die es
den Vereinigten Staaten erlauben würden, einseitige
Maßnahmen gegen Länder zu ergreifen, denen unfaire Handelspraktiken unterstellt werden.
"Bisweilen hat man nur die Wahl zwischen Untätigkeit
einerseits und bilateralen Abmachungen oder einseitigen Handlungen andererseits", schrieb sie in ihrem
Buch. "Unter gewissen Umständen sind die Kosten
der Untätigkeit für das wirtschaftliche Wohlergehen
der Vereinigten Staaten unannehmbar hoch."
Reportern teifte Tyson am 11. Dezember mit, die
traditionelle Rolle des CEA, den Präsidenten in makroökonomischen und technischen Fragen zu beraten, werde nach wie vor von übergeordneter Bedeutung sein.
Darüber hinaus gab sie jedoch zu verstehen, daß ihre
Arbeit über Industriepolitik und Wettbewerbsfähigkeit
eine wichtige Rolle in der Tätigkeit des CEA spielen
werde.

"In den letzten Jahren ... hat die Wirtschaftswissenschaft zu erkennen begonnen, daß ein gesundes
makroökonomisches Umfeld keine Garantie für die
langfristige Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft
darstellt", erklärte sie. "Wir benötigen sicherlich eine
Tyson wird die erste Frau in der Position eines Vorsit- gesunde Haushaltspolitik. Wir benötigen gewiß eine
gesunde Geldpolitik. Aber wir brauchen auch andere
zenden des CEA sein.
Dinge. Wir benötigen ein faires und vertretbares
In ihrem neuesten Buch "Who's Bashing Whom?" Krankenversicherungssystem. Wir benötigen eine
(etwa: "Wer schlägt auf wen ein?") setzt sich Tyson für erstklassige nationale Infrastruktur. Wir benötigen
engere Beziehungen zwischen Wirtschaft und Regie- eine starke Produktionsbasis. Wir brauchen wettberung ein, um der japanischen und deutschen Konkur- werbsfähige amerikanische Unternehmen. Wir brauchen neue Technologien, um unsere Unternehmen
renz entgegenzutreten.
wettbewerbsfähiger zu machen und unsere Umwelt zu
Als Befürworterin verstärkter Steuergutschriften und verbessern sowie die wichtigsten Umweltherausfordeöffentlicher Technologiefinanzierung für Branchen wie rungen der Zukunft in den Griff zu bekommen. Wir
die Halbleiter-, Flugzeug- und Supercomputerindu- benötigen ein offenes Welthandelssystem."

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�Clinton erklärte, wegen des Primats der Wirtschaft
werde dem Rat der Wirtschaftsberater in seiner Administration eine zentralere Rolle zukommen als in jeder
Administration seit Präsident Kennedy in den frühen
sechziger Jahren.
Ihm zufolge hat Tyson sowohl "einen außerordentlichen analytischen Ruf... (als auch) die Fähigkeit, die
zugrundeliegenden politischen und globalen Realitäten zu verstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit als
Amerikaner beeinflussen".

Neben ihrem jüngsten Bush über Wettbewerbsfähigkeit hat Tyson zahlreiche Arbeiten über die Volkswirtschaften in Osteuropa und Japan vorzuweisen.
Tyson erwarb ihr Bakkalaureat am Smith College und
promovierte am Massachusetts Institute of Technology in Volkswirtschaft.

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16. Dezember 1992

RUBIN IN WIRTSCHAFT UND POLITIK
GLEICHERMASSEN ERFAHREN
Wirtschaftsberater Robert Rubin

WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Bill Clinton ausgewählte Direktor des neuen Nationalen Wirtschaftsrates ist Berichten zufolge ein Mann, der das Funktionieren der Weltmärkte versteht und auch die
Politik liebt.

Am 10. Dezember 1992 kündigte Clinton an, er habe
Robert Rubin, 54jährigen Vorsitzenden der gigantischen Investmentgesellschaft an der Wall Street,
Goldman, Sachs &amp; Company, als Wirtschaftsberater
des Präsidenten ausgewählt. Rubin soll den neuen
Wirtschaftsrat, dem Clinton selbst Vorsitzen wird,
koordinieren und leiten.
Rubin, der bereits während der Wahlkampagne für
Clinton als Wirtschaftsberater tätig war, hat Berichten
des Wirtschaftsmagazins Business Week zufolge auf
jedem Finanzmarkt - vom Wertpapier- bis zum Rohstoffmarkt - gearbeitet.

Rubin wird als langjähriger Freund von Robert Strauss
bezeichnet, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der
Demokratischen Partei, gegenwärtigen amerikanischen
Botschafter in Rußland und früheren Handelsbeauftragten.
Rubin, der schon lange politisch aktiv ist, hat nicht nur
für Clinton, sondern auch für die ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten Walter Mondale und Michael Dukakis Geldmittel aufgebracht.
Laut Business Week ist Rubin ein Freund von Mario
Cuomo, Gouverneur des Bundesstaates New York,
und David Dinkins, Bürgermeister von New York City.

Rubin bestand die Abschlußprüfung an der Havard
University 'summa cum laude', besuchte die London
School of Economics, machte einen Abschluß in Jura
an der Yale University, war zwei Jahre als Jurist tätig
und begann 1966 bei Goldman. Ende der siebziger
Jahre war er für die Börsengeschäfte des UnternehEs wird berichtet, die beiden hätten dem Unternehmen mens verantwortlich.
durch Diversifizierung neue Märkte erobert, in der
Rohstoffabteilung durch Devisengeschäfte Erfolg gehabt
und ihre Investitionen bis nach Mexiko, Rußland und
Spanien ausgedehnt.

In ihrer Ausgabe vom 23. November pries die Zeitschrift die "geschäftstüchtige Strategie" von Rubin und
Stephen Friedman - beide seit 1990 Mitvorsitzende
von Goldman - zur Erzielung hoher Bruttogewinne der
Gesellschaft im Jahr 1991.

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�PORTRAT
16. Dezember 1992

UMWELTSCHUTZGRUPPEN BEGRÜSSEN
BROWNERS NOMINIERUNG
Clinton ernennt Leiterin der EPA

WASHINGTON - (AD) - Carol Browner, die ehemalige
parlamentarische Direktorin von einem der stärksten
Verfechter des Umweltschutzes im amerikanischen
Senat - dem jetzt gewählten Vizepräsidenten AI Gore
- wurde vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiterin
des höchsten Postens für Umwehfragen der Vereinigten Staaten nominiert.

und innovative Führungskraft bei der Verwirklichung
von Fortschritten im Umweltbereich" ist.
Michael McCIoskey, Vorsitzender des Sierra Club,
einer der größten Umweltschutzgruppen, stellte in
einer Erklärung fest: "Ihre Ernennung ist eine
100prozentige Abkehr von der Polititk der Reaganund Bush-Administrationen, die Sonderinteressen über
die der amerikanischen Mittelschicht stellten."

In den vergangenen zwei Jahren leitete die 36jährige
die Abteilung für Umweltfragen des Staates Florida.
Davor war sie anderthalb Jahre als Leiterin des Mitar- Ihm zufolge hat sie als Leiterin des Umweltschutzambeiterstabs von Senator Gore tätig, der mit der Formu- tes von Florida Wiederverwertung der Verbrennung
von Abfall Vorrang eingeräumt und den Kampf zur
lierung von Gesetzesvorlagen betraut ist.
Erhaltung der Feuchtgebiete und zum Schutz der
Ihre Nominierung als Leiterin des Umweltschutzamtes Küsten vor öl- und Erdgaserschließungen angeführt.
(Environmental Protection Agency - EPA) wurde von
Umweltschutzgruppen begrüßt, die der Bush-Admini- Kurz nachdem sie im Jahr 1979 ihr Juraexamen abgelegt hatte, wurde Browner die mit der ständigen Vertrestration äußerst kritisch gegenüberstanden.
tung beauftragte Anwältin eines Ausschusses des
"Die Gemeinde der Umweltschützer nimmt ihre Ernen- Parlaments von Florida. 1983 zog sie als Stellvertrenung positiv auf, erklärte ein Sprecher des Fonds zur tende Direktorin von Citizen Action - einer BasisorgaVerteidigung der Umwelt, als er um eine Stellungnah- nisation - nach Washington.
me dieser gemeinnützigen Gruppe gebeten wurde.
"Ihre Tätigkeit in Senator Gores Büro wird geschätzt", 1986 wurde Browner M itarberterin von Senator Lawton
Chiles und trat drei Jahre später dem Mitarbeiterstab
stellt er fest.
des Senatsausschusses für Energie und Rohstoffe
Der Geschäftsführer des Fonds, Fred Krupp, bezeich- bei, bevor sie zu Gores Stab überwechselte.
nete es als "ausgezeichnete Entscheidung", da sie
unter Beweis gestellt habe, daß sie eine "talentierte Browner ist verheiratet und hat einen fünfjährigen
Sohn.
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