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amcrika
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. Dezember 1992

49

SOMALIA

STARKE AMERIKANISCHE STREITMACHT
NACH SOMALIA ENTSANDT
Fernsehansprache von Präsident Bush
CLINTON UNTERSTÜTZT BUSHS
ENTSCHEIDUNG ZU SOMALIA
Erklärung des gewählten Präsidenten
OPERATION RESTORE HOPE
Übersicht des US-Außenministeriums

GATT

WIE DIE USA UND EUROPA DAS
GATT-AGRARABKOMMEN ERZIELTEN
Rede von Botschafter Dobbins

MENSCHENRECHTE

SERBISCHE FÜHRUNG FÜR MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERANTWORTLICH
Erklärung von Botschafter Abram
WEITERE GREUELTATEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN DOKUMENTIERT
Vierter US-Bericht für Vereinte Nationen

AUSSENPOLITIK

, RASSENBEZIEHUNGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTONS GRUNDKONZEPTE BEREITS
DEUTLICH SICHTBAR
Rede von Botschafter Seitz

DIE BEKÄMPFUNG VON HASSVERBRECHEN
IN AMERIKA
von Michele St. George

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�SOMALIA
9. Dezember 1992

STARKE AMERIKANISCHE STREITMACHT
NACH SOMALIA ENTSANDT
Fernsehansprache von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 4. Dezember 1992 die Entsendung "einerstarken amerikanischen
Streitmacht" nach Somalia angeordnet, um die multinationalen militärischen Bemühungen der Vereinten
Nationen zur Lieferung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und humanitärer Hilfe an vom Hungertod bedrohte
Somalier zu unterstützen.
"Unsere Mission verfolgt ein begrenztes Ziel - Nachschubrouten zu öffnen, Nahrungsmittellieferungen auf den
Weg zu bringen und Vorbereitungen zu treffen, damit eine UN-Friedenstruppe diese Lieferungen weiter
aufrechterhalten kann", erklärte Bush in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache aus dem Weißen
Haus.
"Dieser Einsatz hat kein offenes Ende", fügte er hinzu. "Wir werden keinen Tag länger bleiben, als absolut
erforderlich."
Bush verwies darauf, daß die Vereinigten Staaten bereits rund 180.000 Tonnen Nahrungsmittel geliefert hätten
- über die Hälfte der aus aller Welt geschickten Nahrungsmittel. Diesen Sommer sei jedoch "das Verteilungssystem zusammengebrochen", und "die Sicherheitslage hat sich verschlechtert". Die Vereinten Nationen sind
Bush zufolge "an der Stationierung der von ihnen zunächst zugesagten Truppen gehindert worden. In vielen
Fällen werden mit Hilfsflügen eingetroffene Nahrungsmittellieferungen geplündert, Nahrungsmittelkonvois
entführt und Helfer angegriffen, und es gab Artillerieangriffe auf Schiffe, die ihnen das Anlegen unmöglich
machten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Heute möchte ich zu Ihnen über die Tragödie in
Somalia und über eine Mission sprechen, die das
Leiden lindern und Leben retten kann. Jeder Amerikaner hat die schockierenden Bilder aus Somalia gesehen. Das Ausmaß des Leidens dort ist schwer vorstellbar. Bereits über eine Viertelmillion Menschen, soviele
wie in Buffalo (New York) leben, sind in Somalia bereits
den Hungertod gestorben. In den kommenden Monaten könnten bis zu fünfmal soviele, eineinhalb Millionen
Menschen, verhungern.

chen. Lastwagenkonvois aus den Häfen Somalias
wurden blockiert. Es gelang nicht, die Hungernden im
Innern Somalias ausreichend mit Nahrungsmitteln zu
versorgen.

Im August trafen wir deshalb zusätzliche Maßnahmen.
In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen entsandten wir die US-Luftwaffe, um Nahrungsmittel in
die Städte einzufliegen. Bis heute haben amerikanische Piloten über 1.400 Flüge durchgeführt und über
17.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfe geliefert. Und als
Viele Monate lang engagieren sich die Vereinigten die Vereinten Nationen die Entsendung einer Truppe
Staaten bereits aktiv an den massiven internationalen von 3.500 Mann zum Schutz der Hilfsoperation genehHilfsbemühungen, um das Leiden in Somalia zu lin- migten, flogen wir die ersten ein - 500 Soldaten aus
dem. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten Somalia Pakistan.
200.000 Tonnen (1 Tonne = 907,185 kg, Anm. d. Red.)
Nahrungsmittel nach Somalia geliefert, über die Hälfte In den folgenden Monaten hat sich die Sicherheitslage
der aus aller Welt geschickten Nahrungsmittel. Diesen verschlechtert. Die Vereinten Nationen sind an der
Sommer ist das Verteilungssystem zusammengebro- Stationierung der von ihnen zunächst zugesagten
Truppen gehindert worden. In vielen Fällen werden mit
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Hilfsflügen eingetroffene Nahrungsmittellieferungen
geplündert, Nahrungsmittelkonvois entführt und Helfer angegriffen, und es gab Artillerieangriffe auf Schiffe, die ihnen das Anlegen unmöglich machten.

Indem ich diese Maßnahme ergreife, möchte ich betonen, ich bin mir darüber im klaren, daß die Vereinigten
Staaten allein nicht alle Mißstände auf der Weh beheben können. Aber wir wissen auch, daß einige Krisen
auf der Welt nicht ohne amerikanisches Engagement
Es gibt keine Regierung in Somalia. Recht und Ord- beigelegt werden können, daß amerikanisches Hannung sind zusammengebrochen - es herrscht Anar- deln häufig als Katalysator erforderlich ist, um die
chie.
internationale Staatengemeinschaft zu breiterem
Engagement zu veranlassen. Nur die Vereinigten
In einem Bild kommt die ganze Geschichte zum AusStaaten haben den weltweiten Aktionsradius, um eine
druck. Stellen Sie sich vor, wie an einem Dock in
große Sicherheitsstreitmacht an einem solch entfernMogadischu eine Lagerhalle praktisch bis zum Bersten
ten Ort so rasch und effizient zu stationieren und damit
mit 7.000 Tonnen Nahrungsmitteln gefüllt ist, während
Tausende Unschuldiger vor dem Tod zu bewahren.
weniger als einen Kilometer entfernt Somalier verhungern, weil das Hilfspersonal den Spießrutenlauf durch Wir werden jedoch nicht allein handeln. Ich erwarte
in der Stadt marodierende bewaffnete Banden nicht Streitkräfte aus etwa einem Dutzend Länder, um mit
bestehen kann.
uns gemeinsam diese Mission durchzuführen. Wenn
Angesichts dieser Bedingungen forderten die Hilfsgruppen, mit der Entsendung von Truppen die Sicherheit zu gewährleisten, damit sie die Menschen verpflegen können. Heute ist klar, daß militärische Unterstützung erforderlich ist, um die sichere Lieferung von
Nahrungsmitteln zu gewährleisten, die von den Somaliern zum Überleben benötigt werden.
Es war diese Lage, die uns dazu veranlaßte, den
Vereinten Nationen zu erklären, daß die Vereinigten
Staaten bereit wären, mehr Hilfe für die Sicherung der
Hilfslieferungen zur Verfügung zu stellen. Gestern
abend hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig und nach
den unermüdlichen Bemühungen von Generalsekretär Boutros-Ghali das Angebot der Vereinigten Staaten begrüßt, eine Koalition anzuführen, um die Nahrungsmittellieferungen zu ermöglichen.
Nach Konsultationen mit meinen Beratern, mit führenden Politikern in der ganzen Welt sowie der Führung
des Kongresses habe ich Generalsekretär BoutrosGhali heute mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten
dem Ruf antworten werden. Ich habe Verteidigungsminister Cheney angewiesen, eine starke amerikanische Streitmacht nach Somalia zu entsenden. Während ich spreche, befindet sich eine amphibische Eingreiftruppe der Marineinfanterie, die ständig auf See
stationiert ist, vor der Küste von Mogadischu. Diese
Truppe wird von Einheiten der 1. Marineexpeditionsstreitmacht aus Camp Pendieton (Kalifornien) und der
10. Gebirgsjägerdivision aus Fort Drum (New York)
verstärkt.
Diese und andere amerikanische Streitkräfte werden
bei der Operation Restore Hope Hilfe leisten. Sie sind
die besten Amerikas. Sie werden diese Mission mit
Mut und Mitgefühl erfüllen, und sie werden erfolgreich
sein.
Die Bevölkerung Somalias, insbesondere die Kinder
Somalias, benötigen unsere Hilfe. Wir können ihre
Leiden lindern. Wir müssen ihnen helfen, zu leben.
Wir müssen ihnen Hoffnung geben. Amerika muß
handeln.
Seite 2

wir sehen, wie Somalias Kinder verhungern, dann
schmerzt dies ganz Amerika. Wir haben auf vielerlei
Weise zu helfen versucht. Täuschen Sie sich nicht:
Wir und unsere Verbündeten werden jetzt sicherstellen, daß die Hilfe durchkommt.
Wir und unsere Koalitionspartner werden folgende
Maßnahmen ergreifen: Erstens werden wir in den am
härtesten betroffenen Teilen Somalias ein sicheres
Umfeld schaffen, damit per Schiff gelieferte Nahrungsmittel auf dem Landweg zu den Menschen im Landesinnem transportiert werden können, das durch die
Hungersnot verwüstet ist.
Zweitens werden wir unsere Truppen nach der Schaffung dieses sicheren Umfelds abziehen und den Sicherungsauftrag wieder einer regulären Friedenstruppe der Vereinten Nationen übergeben. Unsere Mission verfolgt ein begrenztes Ziel - Nachschubrouten zu
öffnen, Nahrungsmittellieferungen auf den Weg zu
bringen und Vorbereitungen zu treffen, damit eine UNFriedenstruppe diese Lieferungen weiter aufrechterhalten kann. Dieser Einsatz hat kein offenes Ende.
Wir werden keinen Tag länger bleiben als absolut
erforderlich. Ich möchte eindeutig feststellen, daß
unsere Mission humanitär ist, aber wir werden es nicht
tolerieren, daß bewaffnete Banden ihre eigenen Bürger ausplündern und sie zum Hungertod verurteilen.
General Hoar und seine Truppen haben die Vollmacht,
alle erforderlichen militärischen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben unserer Soldaten und das
Leben der Somalier zu schützen.
Die gesetzlosen Elemente in Somalia müssen verstehen, daß dies eine ernste Angelegenheit ist. Wir
werden unseren Auftrag erfüllen. Wir haben nicht die
Absicht, mit Kampftruppen in Somalia zu bleiben, aber
wir sind entschlossen, das Richtige zu tun, um ein
Umfeld sicherzustellen, das die Lieferung von Nahrungsmitteln an die vom Hungertod bedrohten Menschen in Somalia ermöglicht.

AMERIKA DIENST 49

�Dem Volk von Somalia verspreche ich: Wir planen
nicht, politische Resultate zu diktieren. Wir respektieren Ihre Souveränität und Unabhängigkeit. Aufgrund
meiner Gespräche mit anderen politisch Verantwortlichen der Koalition kann ich mit vollem Vertrauen
feststellen: Wir kommen nur aus dem einen Grund in
Ihr Land, die Verpflegung der Hungernden zu gewährleisten.
Den Männern und Frauen unserer Streitkräfte möchte
ich sagen: Wir bitten Sie, einen schwierigen und
gefährlichen Auftrag zu erfüllen. Als Oberbefehlshaber versichere ich Ihnen, Sie werden bei der Verwirklichung dieser Aufgabe unsere volle Unterstützung
haben, und wir werden Sie so bald wie möglich wieder
nach Hause bringen.
*

AMERIKA DIENST 49

Ich möchte mit einer Botschaft an die Familien der
Männer und Frauen schließen, die an dieser Mission
teilnehmen. Ich verstehe, daß es schwer ist, ihre
geliebten Angehörigen abreisen zu sehen, sie auf den
Weg zu schicken und dabei zu wissen, daß sie die
Feiertage nicht zu Hause verbringen werden. Die von
ihnen durchgeführte humanitäre Mission steht jedoch
in der besten Tradition unserer Streitkräfte. Jedem
Matrosen, Soldaten und Marineinfanteristen, der an
dieser Mission beteiligt ist, möchte ich sagen, daß Sie
eine von Gott gestellte Aufgabe erfüllen. Wir werden
nicht scheitern. Ich danke Ihnen, und möge Gott die
Vereinigten Staaten von Amerika segnen.

* * *

*

Seite 3

�SOMALIA
9. Dezember 1992

CLINTON UNTERSTÜTZT BUSHS ENTSCHEIDUNG
ZU SOMALIA
Erklärung des gewählten Präsidenten
LITTLE ROCK - (AD) - Derkünftige Präsident Bill Clinton erklärte am 4. Dezember 1992, er befürworte Präsident
Bushs Entscheidung, amerikanische Streitkräfte "als Unterstützung der klar umrissenen humanitären Mission
der Vereinten Nationen" nach Somalia zu entsenden.
"Die Behinderung von Hilfssendungen und insbesondere die Plünderung von lebensrettenden Nahrungsmittellieferungen muß unterbunden werden", stellte er in einer von seinem Büro veröffentlichten Erklärung fest.
"Das Mandat unserer Streitkräfte und Koalitionspartner besteht in der Herstellung eines sicheren Umfelds zur
Rettung von Menschenleben, und ich beglückwünsche Präsident Bush zu der von ihm übernommenen Führungsrolle bei dieser entscheidenden humanitären Bestrebung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Clinton im Wortlaut.

Gestern abend haben die Vereinten Nationen einen
wichtigen Schritt zur Milderung des Leidens der somalischen Bevölkerung unternommen. Mit der einstimmigen Enscheidung zum Einsatz aller erforderlichen
Mittel zur Schaffung eines sicheren Umfelds für humanitäre Hilfsoperationen in Somalia hat die internationale Staatengemeinschaft ihre Entschlossenheit unter
Beweis gestellt, nicht tatenlos zuzusehen, während
bewaffnete Banditen den Hungertod von Millionen
Menschen erzwingen, die zu Schachfiguren in einem
politischen Machtkampf geworden sind.
Und heute hat Präsident Bush bewiesen, daß das
amerikanische Volk seinen Teil dazu beitragen wird,
dieses tragische Elend zu einem Ende zu bringen. Ich
befürworte Präsident Bushs Entscheidung, amerikanische Streitkräfte als Unterstützung der klar umrissenen humanitären Mission der Vereinten Nationen nach
Somalia zu entsenden. Die Behinderung von Hilfssendungen und insbesondere die Plünderung von lebensrettenden Nahrungsmittellieferungen muß unterbun-

den werden. Das Mandat unserer Streitkräfte und
Koalitionspartner besteht in der Herstellung eines sicheren Umfelds zur Rettung von Menschenleben und
ich beglückwünsche Präsident Bush zu der von ihm
übernommenen Führungsrolle bei dieser entscheidenden humanitären Bestrebung.
Ich bin von den Aktionen der Administration unterrichtet und heute morgen von der Entscheidung des
Präsidenten zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte
in Kenntnis gesetzt worden. Ich bin ebenfalls zur
Gewährleistung des Erfolgs dieser wichtigen Mission
entschlossen und werde diese entscheidende internationale Bestrebung genau verfolgen.
Ich möchte auch ein Wort an die Männer und Frauen
der Streitkräfte richten, die die bevorstehenden Feiertage vielleicht fem der Heimat verbringen werden. Die
Vereinigten Staaten stehen hinter Ihnen und unterstützen diesen wichtigen Auftrag. Sie erfüllen uns mit
Stolz. Möge Gott Sie schützen.

* * * *

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 1

�SOMALIA
9. Dezember 1992

OPERATION

RESTORE

HOPE

Übersicht des US-Außenministeriums
Die folgende Übersicht über die Hilfsoperation der Vereinigten Staaten in Somalia, Operation Restore Hope,
wurde am 4. Dezember 1992 vom US-Außenministerium veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten haben angeboten, eine unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehende Koalition von Streitkräften zu leiten, um Nahrungsmittellieferungen und humanitäre Hilfe für Somalia zu
sichern.
Folgende Ereignisse führten diese Entscheidung herbei:
Obwohl die Vereinigten Staaten und andere Geberländer auf internationaler Ebene genügend Nahrungsmittel zur Beendigung der Hungersnot in Somalia zur
Verfügung stellten, verhinderten weitverbreitete Plünderungen, Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen
und der völlige Zusammenbruch aller Ebenen der
Regierung, daß die Nahrungsmittel zumindest die
Hälfte der Bevölkerung erreichten.
Es wird geschätzt, daß mehr als 250.000 Menschen
verhungert oder an Krankheiten gestorben sind, die
mit dem Hunger in Verbindung stehen. Das Zentrum
für Seuchenbekämpfung schätzt, daß in Somalia jeden Tag 3.000 Menschen sterben. Eineinhalb Millionen Menschen sind in großer Gefahr.
In den letzten anderthalb Jahren haben die Vereinigten
Staaten für Hilfsmaßnahmen in Somalia 200 Millionen
Dollar und mehr Nahrungsmittel als jedes andere Land
zur Verfügung gestellt.
Diese Summe beinhaltet 125 Millionen Dollar für
Nahrungsmittelhilfe, 40 Millionen Dollar für medizinische Hilfe, zusätzliche Ernährung, Rehabilitationsmaßnahmen und Unterstützung unserer Nothilfe-Luftbrücke sowie 34 Millionen Dollar für direkte Flüchtlingshilfe.
Im August begannen die Vereinigten Staaten und
andere Länder eine großangelegte Luftbrücke, um die
Gebiete des Landes mit den meisten Notleidenden zu
erreichen. Da mit Hilfe der Luftbrücke nur Nahrungsmittel zur Deckung des Bedarfs von 20 Prozent der
AMERIKA DIENST 49

gefährdeten Bevölkerung transportiert werden können, ist sie als eine Übergangsmaßnahme bis zur
Aufstellung umfangreicher Lastwagenkonvois gedacht.
Bis heute wurden im Rahmen dieser Luftbrücke mit
1.400 Flügen 21.000 Tonnen Lebensmittel geliefert.
Die UNO entwarf einen Plan zur Entsendung von
3.500 Friedenstruppen zum Schutz und zur Bewachung der Lastwagenkonvois in Somalia. Ende September flogen die Vereinigten Staaten die ersten 500
pakistanischen Soldaten nach Mogadischu, jedoch
wurden diese seit ihrer Ankunft von überlegenen regionalen Gruppen an der Ausführung ihres Auftrags gehindert.
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
kamen zu der Erkenntnis, daß die 3.500 Mann starke,
zur Friedenssicherung stationierte Truppe die Verteilung von Nahrungsmitteln nicht sichern konnte.
Angesichts dieser Tatsache beschloß der Präsident
die Entsendung einer viel größeren militärischen Einheit nach Somalia. Da die Vereinigten Staaten als
Leiter einer solchen Mission gut geeignet sind, machte
er den Vereinten Nationen den Vorschlag, daß die
Vereinigten Staaten eine militärische Koalition beteiligter Länder in Somalia zur Sicherung von Nahrungsmittel- und anderen Hilfslieferungen an die Notleidenden
führen sollten.
Der Auftrag der Koalition ist begrenzt und präzise: die
für die Lieferung von Hilfsmitteln an die Bevölkerung
Somalias notwendige Sicherheit sowie eine Atempause für die Friedenstruppen der UNO und den Beginn
politischer Versöhnung zu gewährleisten.
Die militärischen Ziele zur Durchführung dieses Auftrags leiten sich aus den unmittelbaren Schwierigkeiten bei den Hilfsmaßnahmen ab: Die Notwendigkeit
der Sicherung von Häfen, Flughäfen und Lieferwegen
sowie der Lagerung und Verteilung von Hilfsgütern.
Seite 1

�Diese Ziele können und sollten in naher Zukunft erreicht werden. Sobald das geschehen ist, können die
Truppen der Koalition aus Somalia abziehen und ihre
Sicherheitsfunktion an eine vollständig besetzte UNFriedenstruppe übergeben.

Der Präsident ist sich der Gefahr für die amerikanischen Truppen im Falle von Kampfeinsätzen wohl
bewußt, entschied jedoch, daß die Risiken angesichts
der Natur und der Ziele des Auftrags akzeptabel seien.
Wiederum werden wir jetzt und in Zukunft von dem
Wunsch geleitet, dem Hungertod so vieler Menschen
in Somalia ein Ende zu bereiten.

Die Vereinigten Staaten haben kein anderes Ziel außer
der Teilnahme an den Maßnahmen, zu denen die
Resolution ermächtigt. Die in Somalia stationierten Abgesehen von dem rein humanitären Aspekt der
US-Streitkräfte werden nicht länger als nötig in diesem Anstrengungen der Koalition zeigt sich auch die uneinLand bleiben.
geschränkte Unterstützung für die UNO bei ihrem
Bemühen, den Gefahren für den Weltfrieden und die
Die Vereinigten Staaten haben sich mit zahlreichen Stabilität zu begegnen.
potentiellen Koalitionsteilnehmern in Verbindung gesetzt und bereits bedeutende Zusicherungen für Trup- Es wäre wünschenswert, dies im Fall einer ernsten
pen und finanzielle Unterstützung erhalten.
Notlage immer zu tun, aber der Krieg im ehemaligen
Jugoslawien zeigt, daß das nicht möglich ist.
Wir freuen uns auf einen baldigen Übergang zu einer
wirksamen UNO-Friedenstruppe.
In Somalia haben wir ein klar definiertes Ziel - die
Sicherung von Häfen und Verteilungszentren im LanJe schneller den Streitkräften von außerhalb die Schaf- desinneren u nd der Nahrungsmitteltransport zwischen
fung eines sicheren Umfelds gelingt, desto eher kann ihnen-, was unserer Meinung nach mit akzeptablen
die Bevölkerung Somalias mit dem Wiederaufbau ihrer Risiken und innerhalb einer begrenzten Zeit erreicht
eigenen Gesellschaft beginnen.
werden kann.
Wir sind uns sehr wohl bewußt, daß eine militärische
Intervention kein Ersatz für politische Versöhnung ist,
und daß diese Aufgabe fest in der Hand der somalischen Bevölkerung liegen muß.

Obwohl wir uns in Zukunft möglicherweise humanitären Krisen, ähnlich der in Somalia, gegenübersehen
werden, müssen wir jede Situation neu einschätzen
und bewerten. Wir sind davon überzeugt, daß wir in
Somalia die richtige Entscheidung getroffen haben.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 49

�GATT
9. Dezember 1992

WIE DIE USA UND EUROPA DAS
GATT-AGRARABKOMMEN ERZIELTEN
Rede von Botschafter Dobbins
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter James F. Dobbins, am 2. Dezember 1992 bei der Konferenz des United
Parcel Service gehaltene Rede mit dem Titel "Mythos und Realität: Wie Europa und die Vereinigten Staaten das
Abkommen über Agrarhandel im Rahmen des GATT erzielten und seine Bedeutung für Europa" im Wortlaut.
Im Juni dieses Jahres erzielte die Europäische Gemeinschaft Einigung über eine weitreichende Reform
ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Vor zwei
Wochen vereinbarten die Vereinigten Staaten und die
Gemeinschaft einen gemeinsamen Ansatz zu den
ausstehenden Themen der Uruguay-Runde - einschließlich Marktzugang, Dienstleistungen, staatliche Beschaffung und Landwirtschaft. Obwohl das Abkommen
umfangreich war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vornehmlich auf die Bestimmungen zum Agrarsektor. Infolgedessenkonnten wir ein Wiederaufleben
der Debatte über die künftige Richtung der Agrarpolitik
der Gemeinschaft in Europa beobachten.

In der Tat waren die Vereinigten Staaten wie die
meisten anderen GATT-Mitglieder seit einem Jahr
bereit, ein Abkommen im Rahmen der Uruguay-Runde
auf der Grundlage eines von GATT-Direktor Dunkel
vorbereiteten Kompromißtextes abzuschließen, der
für die meisten GATT-Teilnehmerstaaten akzeptable
Bestimmungen zum Agrarsektor enthielt. Es war
einzig und allein unter allen GATT-Mitgliedern die
Europäische Gemeinschaft, die darauf bestand, dieser Text sei inakzeptabel. Es war die Europäische
Gemeinschaft, die den Abschnitt Landwirtschaft als
das Element - das einzige Element - ausmachte, das
Neuverhandlungen erforderte.

Im Verlauf der Debatte verbreiteten sich eine Reihe
von Mißverständnissen. Beispielsweise wurde behauptet, es seien die Vereinigten Staaten gewesen,
die den Bereich Landwirtschaft für eine Sonderbehandlung ausgeklammert hätten, sie hätten von allen
Verhandlungspartnern der Gemeinschaft im Landwirtschaftssektor die höchsten Forderungen gestellt, das
Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Gemeinschaft verlange unverhältnismäßige Opfer von
Europa und Europa ändere seine Agrapolitik, um die
amerikanischen Forderungen zu erfüllen.

Generell war es die Europäische Gemeinschaft, die
konsequent gedrängt hat, der Agrarhandel sollte nicht
wie andere Sektoren behandelt werden. Es war daher
die Europäische Gemeinschaft, die den Agrarbereich
für eine Sonderbehandlung bestimmt hat und der es
jetzt gelungen ist, die Unterstützung der Vereinigten
Staaten für diese Bestrebungen zu gewinnen.

Weil das Ergebnis dieser Debatte von solch grundlegender Bedeutung für die Zukunft der Gemeinschaft,
die Aussichten für die atlantische Zusammenarbeit
und den Wohlstand von Europäern und Amerikanern
gleichermaßen ist, müssen solche Mißverständnisse
aus dem Weg geräumt werden. Ich möchte daher jede
dieser Behauptungen im einzelnen prüfen.

Tatsächlich hat sich die Gemeinschaft nicht für die
Aushandlung der Agrarbestimmungen der UruguayRunde auf bilateraler Ebene mit den Vereinigten Staaten entschieden, weil die Vereinigten Staaten die
höchsten Forderungen unter den EG-Nachbarstaaten
stellten, sondern weil die Vereinigten Staaten der
führende Partner sind, dessen Interessen denen der
Gemeinschaft am nächsten liegen, selbst im Hinblick
auf die Landwirtschaft.

Mythos Nr. 1: Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten den Agrarbereich zum besonderen
Schwerpunkt in der Runde bestimmt.

AMERIKA DIENST 49

Mythos Nr. 2: Die Vereinigten Staaten stellen unter
den Haupthandelspartnem der Gemeinschaft im Agrarbereich die höchsten Forderungen.

Seite 1

�Isoliert wie die Gemeinschaft vor einem Jahr in ihrer
Ablehnung des Dunkel-Textes war, hätten die EGNachbarstaaten eine Veränderung seiner Agrarbestimmungen über multilaterale Verhandlungen in Genf
anstreben können. Als Alternative hätte sich die
Gemeinschaft an andere GATT-Mitgliedstaaten wenden können, insbesondere die Entwicklungsländer
und die "Cairns-Gruppe" führender Agrarexporteure
wie Australien, Kanada und Argentinien, um deren Unterstützung zu gewinnen. Diese Länder bestanden jedoch auf einer noch weiterreichenden Liberalisierung
des Agrarhandels als die Vereinigten Staaten. Statt
dessen entschied sich die Gemeinschaft, mit den
Vereinigten Staaten zu verhandeln und ihre Unterstützung für die Abänderung des Dunkel-Textes zu gewinnen.

Abkommens gegen Anrufung der GATT-Schlichtungsgremien geschützt sind.
Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der EG fordert eine 21prozentige mengenmäßige
Kürzung der subventionierten Exporte. Dies sind drei
Prozent weniger als die im Dunkel-Text enthaltenen 24
Prozent, 15 Prozent weniger als die von den Vereinigten Staaten vor einem Jahr angestrebten 36 Prozent
und 79 Prozent weniger als die von den Vereinigten
Staaten für die ersten fünf Jahre der Verhandlungen
befürwortete und von den meisten anderen GATTMitgliedstaaten immer noch bevorzugte vollständige
Beseitigung von Exportsubventionen.

Seit dem Ende des Basiszeitraums von 1986 -1990,
aus dem sich die 21 prozentige Kürzung ableitet, wurden
die Subventionsprogramme der Vereinigten StaaDie Gemeinschaft blickte zwecks Unterstützung auf
ten
in
rascherem Tempo erweitert als die der Gemeindie Vereinigten Staaten, weil sowohl die Vereinigten
schaft.
Das bedeutet, die amerikanischen SubventioStaaten als auch Europa ihren Agrarbereich schützen.
nen
müssen
jetzt sehr viel drastischer gekürzt werden
Nach der Gemeinschaft sind die Vereinigten Staaten
als
die
der
Gemeinschaft.
weltweit der zweitgrößte Subventionierer der Landwirtschaft. Die Reform der GAP hat die amerikaniVerglichen mit dem Umfang der von den Vereinigten
schen und europäischen Praktiken einander nähergeStaaten in diesem Herbst zum Verkauf im Haushaltsbracht. Am 20. November 1992 vereinbarten die
jahr 1993 angebotenen subventionierten Exporte werden
Vereinigten Staaten und Europa ihre Zusammenardie Vereinigten Staaten im Verlauf der ersten sechs
beit, um das GATT-Regime zu Landwirtschaft in EinJahre des GATT-Abkommens ihre subventionierten
klang mit der Struktur der amerikanischen und europäischen Agrarpolitik zu bringen. Die Vereinigten Exporte von Weizen um 54 Prozent, Gerste um 78
Staaten und die Europäische Gemeinschaft arbeiten Prozent, Reis um 95 Prozent, von Pflanzenölen um 84
jetzt zusammen, um die anderen GATT-Mitgliedstaa- Prozent und von Geflügelfleisch um 52 Prozent reduten von der Annahme dieses zurückgeschraubten zieren müssen.
Agrarabkommens zu überzeugen und konstruktive Im Verhältnis zu den während des Haushaltsjahres
Angebote zu Marktzugang und Dienstleistungen zu 1992 subventionierten amerikanischen Exporten werunterbreiten.
den die Kürzungen geringer ausfallen, sind jedoch
immer noch höher oder vergleichbar mit denen der
Mythos Nr. 3: Das Agrarabkommen zwischen den Gemeinschaft und belaufen sich auf Kürzungen von 32
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemein- Prozent bei Weizen, 75 Prozent bei Gerste, 90 Prozent
schaft im Rahmen des GATT erfordert von der Ge- bei Reis und 69 Prozent bei Pflanzenölen. Anhand von
meinschaft größere Opfer als von den Vereinigten Prognosen des Europäischen Bauernverbandes für
Staaten.
subventionierte Agrarexporte der Gemeinschaft im
Tatsächlich zielt das Abkommen zwischen den Verei- laufenden Jahr müßte die EG im Vergleich Reduzienigten Staaten und der EG darauf ab, auf beiden rungen von 39 Prozent bei Weizen, 9 Prozent bei
Seiten bereits getroffene Entscheidungen und den Gerste, 49 Prozent bei Reis und 39 Prozent bei Geflübereits in die Wege geleiteten Abbau des Schutzes zu gelfleisch vornehmen. Wie Sie sehen, sind die ameriberücksichtigen. Keine Seite wird daher ihre beab- kanischen Kürzungen bei subventionierten Exporten
sichtigten Binnensubventionsprogramme über das vergleichbar, wenn nicht einschneidender als die der
bereits entschiedene Maß hinaus anpassen müssen, Europäischen Gemeinschaft.
und die Kürzungen der Vereinigten Staaten bei sub- Mythos Nr. 4: Europa ändert seine Agrarpolitik unter
ventionierten Exporten sind vergleichbar, wenn nicht dem Druck der Amerikaner.
sogar höher als die der Gemeinschaft.
Tatsächlich stand für Europa die GAP-Reform an
Im Rahmen des Abkommens zwischen den Vereinig- erster und ein GATT-Abkommen an zweiter Stelle.
ten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft wird Dies trifft sowohl im Hinblick auf den Zeitpunkt als auch
das in der GAP-Reform enthaltene System direkter die den beiden Zielen eingeräumte Priorität zu. Die
Beihilfen für die Landwirte nicht begrenzt. Der Ge- Vereinigten Staaten haben bei der Erarbeitung der
meinschaft steht es vollständig frei, diese direkten GAP-Reform keine Rolle gespielt. Sobald die EntZahlungen auf einer von ihr bestimmten Ebene und für scheidung für eine Reform gefallen war, stellte die
einen von ihr bestimmten Zeitraum festzusetzen. Ebenso Gemeinschaft wiederholt klar, daß das einzige für
wichtig ist, daß diese Subventionen für die Dauer des Europa akzeptable GATT-Abkommen eines ist, das
Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�internationale Lösungen für bereits für eigene Zwecke
von der Gemeinschaft getroffene Entscheidungen
enthält.
17 europäische Kommissare aus allen 12 Ländern
haben den EG-Mitgliedsregierungen Zahlen vorgelegt, die belegen, daß die Einigung zwischen den
Vereinigten Staaten und der EG zum Agrarsektor den
bereits von der EG getroffenen Entscheidungen zur
GAP-Reform vergleichbar ist und den Mitgliedsregierungen versichert, daß bei einem GATT-Abkommen
über die auf jeden Fall zur Durchführung der GAPReform benötigten Disziplinen keine weiteren erforderlich seien.

sie für europäische Landwirte enthalten können, seien
auf amerikanischen Druck zurückzuführen, wäre ein
fadenscheiniges Zurückschrecken vor der Verantwortung.

Den europäischen Staats- und Regierungschefs obliegt die Verpflichtung, ihren Wählern diese Realitäten
zu erläutern. Die europäischen Politiker haben die
Verpflichtung, die Verantwortung für den von ihnen
eingeschlagenen Kurs und die von ihnen geschlossenen Vereinbarungen zu übernehmen. Die politisch
Verantwortlichen auf beiden Seiten des Atlantiks teilen
die Verantwortung, Appelle zu fremdenfeindlichem
Nationalismus, die Suche nach ausländischen Sündenböcken und den Gebrauch ketzerischer Rhetorik
In Europa ist man mit den von der EG im vergangenen zu vermeiden.
Juni getroffenen Entscheidungen zur GAP-Reform
nicht vollständig zufrieden. Das Landwirtschaftsab- Die Europäische Gemeinschaft sieht sich heute mit
kommen zwischen den Vereinigten Staaten und der einer umfangreichen und dringlichen internen TagesEG bietet eine Chance zur Wiedereröffnung dieser ordnung konfrontiert - Ratifizierung des MaastrichtDebatte und vielleicht zur Revision dieser Entschei- Vertrags, Ankurbelung von Wirtschaftswachstum,
dungen. Daran ist im Prinzip nichts verkehrt. Politik Festsetzung von Haushaltsprioritäten, Beistand für
dreht sich schließlich um die ewige Wiederherstellung ihre ärmeren Mitglieder und Eröffnung von Verhanddes Gleichgewichts gegenläufiger Interessen. Demo- lungen über die Erweiterung. Die atlantische Gemeinkratie tut dies in einer offenen und unvoreingenomme- schaft - Europa und die Vereinigten Staaten - sehen
nen Weise, die es den Wählern gestattet, die Themen sich einer sehr viel beängstigenderen Tagesordnung
und damit einhergehenden Geschäfte zu verstehen. gegenüber - Konsolidierung der Demokratie in der
gesamten ehemals kommunistischen Welt, BeendiDie erneute Debatte über Agrarpolitik in Europa spielt gung des Blutvergießens in Jugoslawien, Frieden im
die Interessen der großen, effizienten Landwirte ge- Nahen Osten zu schaffen und die Hungersnot in Afrika
gen die der kleinen, ineffizienten aus. Sie stellt die zu mildern.
Interessen hoher Haushaltsabgaben denen der Nutznießer umfangreicher Subventionen gegenüber. Sie Unter diesen Umständen ist es von Bedeutung, daß
wägt die Interessen von Nettoexporteuren gegen die die europäische Öffentlichkeit ein genaues Gefühl
von Nettoimporteuren ab. Nur ganz am Schlu ß und als erhält, wie die Vereinigten Staaten und die EuropäUnwichtigstes stellt sie die Interessen der europä- ische Gemeinschaft zu dem Agrarabkommen im Rahischen Landwirte denen der übrigen Welt gegenüber. men des GATT gelangt sind und welche Auswirkungen
Die europäischen Landwirte können nur auf Kosten es für Europa hat. Sie müssen sich bewußt werden,
des europäischen Steuerzahlers und der europäischen daß die Verantwortung für die Aushandlung eines
Verbraucher geschützt werden. Kein für die EG noch GATT-Abkommens den zur Europäischen Kommisso günstiges Abkommen kann diese grundlegende sion entsandten EG-Mitgliedsregierungen obliegt, daß
Last verlagern. Wie groß diese Last sein und wie sie es die Gemeinschaft war, die den Agrarbereich für eine
innerhalb Europas verteilt werden sollte, ist ein Thema, Sonderbehandlung ausklammerte, die Gemeinschaft
über das die europäischen Politiker uneingeschränkte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für dieses
Ziel gesucht und inzwischen erhalten hat, der GemeinKontrolle und Verantwortung haben.
schaft die Aushandlung eines Arrangements mit den
Die Besorgnis der ländlichen Bevölkerung Europas Vereinigten Staaten gelungen ist, das die GATT-Regeln
richtet sich vornehmlich auf das Hauptziel der GAP- in Einklang mit der Agrarpolitik der Gemeinschaft
Reform - daß Europa, wie von Jacques Delors im bringen wird, dieses Abkommen die amerikanischen
vergangenen Jahr formuliert, "weniger produzieren, und europäischen Programme in vergleichbarer Weiweniger exportieren und mehr importieren" sollte. Dieses se beeinflussen wird und - vor allem - die bevorstehenAnliegen konzentriert sich ebenfalls auf die techni- den Veränderungen in der Struktur der europäischen
schen Mittel, mit denen die Gemeinschaft dieses Ziel Agrarsubventionen - Preisreduzierungen, direkte
verwirklichen will - niedrigere Preise, direkte Zahlun- Zahlungen und obligatorischer Verzicht - ausschließgen und obligatorischen Verzicht. Diese Entscheidun- lich im Interesse der Europäer als Reaktion auf zwingen wurden aus europäischen Gründen von europä- gende haushalts- und umweltpolitische Erwägungen
ischen Regierungen ohne die Beteiligung anderer und ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten oder
Regierungen getroffen. Den Eindruck zu erwecken, einer anderen Regierung eines Nichtmitgliedstaates
diese Entscheidungen und die möglichen Opfer, die vorgenommen wurden.

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Seite 3

�Das Agrarabkommen mit den Vereinigten Staaten im
Rahmen des GATT hatte seinen Preis. Der Preis war
die einjährige Verzögerung bei der Erlangung eines
neuen globalen Handelsabkommens, ein Jahr, in dem
Europa enger an den Rand einer Rezession gerückt
ist, von der viele annehmen, sie könnte die schlimmste
in der europäischen Erfahrung nach dem Zweiten
Weltkrieg sein.
Schätzungen zufolge wird das jetzt vorliegende Welthandelsabkommen allein bei Fertigwaren eine Zunahme der Weltproduktion im Wert von über 5 Billionen
Dollar in den nächsten zehn Jahren zur Folge haben.
Die Vereinigten Staaten würden ein Fünftel dieser
Erhöhung erhalten - 1 Billion Dollar und die Europäische Gemeinschaft sogar noch mehr -1,4 Billionen

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Dollar. Dies ergibt eine durchschnittliche Erhöhung
des Einkommens jeder europäischen Familie von 16.000
Dollar über einen Zeh njahreszert räum hinweg. Derauf
die Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen
und geistigem Eigentum zurückzuführende Nutzen für
Europa wird ebenso dramatisch sein.
Ein Abkommen dieser Dimension ist in greifbare Nähe
gerückt. Es kann binnen Wochen abgeschlossen
werden. Wenn wir diese Gelegenheit nicht ergreifen,
wird sie sich uns in den nächsten Jahren nicht wieder
bieten - Jahre, in denen die Gemeinschaft vielleicht
keine weiteren Fortschritte zu einer Europäischen
Union erzielt, Jahre, in denen Europa und die Vereinigten Staaten vielleicht der dringenden Herausforderung
der Welt nach dem Kalten Krieg nicht gerecht werden.

AMERIKA DIENST 49

�MENSCHENRECHTE
9. Dezember 1992

SERBISCHE FÜHRUNG FÜR
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
VERANTWORTLICH
Erklärung von Botschafter Abram
GENF - (AD) - Die am 1. Dezember 1992 von der UN-Menschenrechtskommission angenommene Resolution
gibt - so der amerikanische Botschafter Morris Abram - "der serbischen Führung die Hauptschuld" an den im
ehemaligen Jugoslawien angewandten "verabscheuungswürdigen" Praktiken.
"Es wird nicht das serbische Volk als Ganzes verantwortlich gemacht", erklärte Abram, Ständiger Vertreter der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen in Genf auf einer am 1. Dezember 1992 anberaumten
Pressekonferenz.
Abrams wies vorder Erläuterung der Resolution bei der Sitzung der UN-Menschenrechtskommission darauf hin,
es würde einen "entsetzlichen Präzedenzfall" schaffen, wenn die Welt nicht auf die Vorgänge im ehemaligen
Jugoslawien reagieren würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Abrams einleitende Erklärung auf der Pressekonferenz im Wortlaut.

Eine Rekordzahl von Staaten hat sich dem Antrag der zudenken, inwieweit diese ethnischen Säuberungen
Türkei und der Vereinigten Staaten auf dieses Treffen Völkermord sind. Ich freue mich darüber, daß im
angeschlossen: 44 aller im Menschenrechtsausschuß Bericht des Sonderberichterstatters, den wir außerorvertretenen Staaten. Die Resolution, die ich heute dentlich schätzen, gestern drei auch in der Resolution
nachmittag im Namen der Türkei und der Vereinigten angesprochene wichtige Themen erwähnt werden.
Staaten vorstellen werde, wird von 48 Staaten unter- Folglich gab es ohne einen Versuch zur vorherigen
stützt, von denen 27 der Menschenrechtskommission Absprache - und ohne die Möglichkeit hierzu - in
angehören. Ich weiß nicht, ob es in der Geschichte unserer Resolution Übereinstimmung im Hinblick auf
Vergleichbares gibt, aber ich bin sicher, daß das eine drei gestern vom Sonderberichterstatter erörterte
außergewöhnlich hohe Zahl ist.
Themen.
Ich möchte gerne kurz auf die Resolution zu sprechen
kommen. Sie enthält eine entschiedene Verurteilung
der im ehemaligen Jugoslawien angewandten Praktiken. Die Verantwortung - die Hauptverantwortung trägt ihrzufolge die serbische Führung. Ich möchte
das hier ganz deutlich sagen: Nicht das serbische Volk
als Ganzes wird für die Vorgänge verantwortlich gemacht.
Ich bin sicher, mein Land stimmt mit mir überein, daß
es keine Sprachregelung gibt, die ein ganzes Volk
verurteilt. Wir weisen hauptsächlich der serbischen
Führung die Schuld zu.

Die Resolution fordert, wie es auch der Sonderberichterstatter tat, die Schließung der Lager - dieser Gefangenenlager, dieser stinkenden Löcher. Sie fordert, wie
auch der Sonderberichterstatter, die Schaffung von
Hilfskorridoren. Und sie fordert, ebenso wie der Sonderberichterstatter, die Errichtung von Sicherheitszonen zum Schutz von Vertriebenen. Au ßerdem geht die
heute nachmittag vorzustellende Resolution weiter als
der Sonderberichterstatter in seinem gestrigen Bericht. Wir müssen daran denken, daß es sich hier um
seinen gewohnheitsmäßigen Bericht handelt. Wir in
unserer Resolution, die wie gesagt so viele Mitglieder
In der Resolution wird das Ende einer der verabscheu- inzwischen unterstützen, fordern Zusammenarbeit
ungswürdigsten Praktiken der letzten 50 Jahre gefor- zwischen dem Sonderberichterstatter und der Experdert, die der ethnischen Säuberung. Nichts daran ist tenkommission. Und wir fordern, daß die Expertensauber. Allen Staaten wird empfohlen, darüber nach- kommission - die manchmal zu Recht Kommission für

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Kriegsverbrechen genannt wird - angemessen mit
Mitarbeitern und Mitteln ausgestattet wird. Unsere
Resolution proklamiert das Prinzip von Nürnberg. Das
heißt, daß Verbrechen gegen die Menschlichkeit und
Kriegsverbrechen nicht damit gerechtfertigt werden
können, daß man sich auf höheren Befehl beruft.
In unserer Resolution wird noch etwas anderes gefordert: die Untersuchung der Massengräber. Wir unterstützen weitere politische Verhandlungen im Rahmen
der internationalen Jugoslawienkonferenz, der die
ehemaligen Außenminister Vance und Owen Vorsitzen, von denen man in meinem Land die höchste
Meinung hat. Auch bitten wir den Sonderberichterstatter, in seiner Arbeit fortzufahren, und ermutigen ihn,
denn er leistet unserer Meinung nach ausgezeichnete
Arbeit. Ich möchte noch hinzufügen, daß die Weltgeschichte vielleicht etwas anders verlaufen wäre, wenn
wir in den vierziger Jahren einen solchen Sonderberichterstatter gehabt hätten. Um unter Beweis zu
stellen, daß die Vereinigten Staaten nicht nur mit
Worten Zuspruch bekunden, unterstützen wir die Arbeit
des Sonderberichterstatters mit 500.000 Dollar.
In unserer Resolution fordern wir den Generalsekretär
zur Gewährleistung der uneingeschränkten Zusammenarbeit aller mit diesem Thema befaßten UN-Gremien auf. Wie bei anderen Problemen - vielleicht
jedoch bei diesem noch mehr als sonst - wollen wir
einmütige Vereinte Nationen. Und wir bitten die Generalversammlung und den Generalsekretär um die
Bereitstellung angemessener Ressourcen.
Ich bin nicht hier um zu behaupten, dies sei eine
perfekte Resolution. Sie ist ausgewogen. Es besteht
die Möglichkeit, daß jemand einen Vorschlag unterbreitet, der eine leichte Verbesserung darstellt. Was
wir jedoch in stundenlangen, von unseren wichtigsten
Unterhändlern geführten Verhandlungen und in uneingeschränkter Konsultation angestrebt haben, ist eine
Resolution, die größtmögliche Unterstützung genießt.
Weil dies unseres Erachtens ein Thema ist, bei dem
die Menschenrechtskommission so einmütig wie möglich
sein sollte, um die maximale Wirkung zu erzielen.
Zweifelsohne müssen wir Geschlossenheit demonstrieren und wenn nicht mehr, so belegt diese Resolution mit ihrem Wortlaut zumindest die Geschlossenheit
der internationalen Staatengemeinschaft bei der Verurteilung dessen, was nicht einmal eine Flugstunde
von hier geschieht.

*

Seite 2

Dies ist die zweite, im Rahmen der Resolution des
Wirtschafts- und Sozialausschusses genehmigte
außerordentliche Sitzung, und es erfüllt mich mit Stolz,
feststellen zu können, daß mein Land diese beiden
Sitzungen gefordert hat - die ursprüngliche außerordentliche Sitzung über das ehemalige Jugoslawien -,
und gemeinsam mit der Türkei haben wir diese hier
anberaumt.
Warum ist dies letztlich wichtig? Wie Sie wissen, sind
seit der letzten Sitzung hundert Tage verstrichen. Die
Lage hat sich nicht zum Besseren gewendet, aber
zumindest haben wir die Arbeit eines Sonderberichterstatters vorliegen sowie das von der Menschenrechtskommission genehmigte und von dem Ernannten
geprüfte Instrument. Niemand kann jetzt Ignoranz
vortäuschen. Ich habe gerade General Taylors Buch
über die Nürnberger Prozesse gelesen und wie häufig
wird dort gesagt: "Nun, ich wußte einfach nicht, was
vorging." Sie können das jetzt nicht behaupten und
schon gar nicht hundert Tage nach der letzten Sitzung
der Menschenrechtskommission und nach den Berichten des Sonderberichterstatters.
Wir mußte diese verabscheuungswürdigen Taten als
solche bezeichnen, wir mu ßten mit dem Finger zeigen,
und wir mu ßten es in Genf tun. Denn dies ist der Sitz
so vieler Organisationen der Vereinten Nationen, die
sich ebenso wie diese mit einer Krise befassen. Die
Menschenrechtskommission, das Menschenrechtszentrum, der Hohe Flüchtlingskommissar - der infolgedessen überlastet ist - sind hier ansässig, die Kommission
für Kriegsverbrechen hält hier ihre Sitzungen ab, die
Minister Vance und Owen treffen sich hier, und der
Treuhänder der Genfer Konvention - das IKRK - befindet sich, auch wenn es kein Mitglied der Vereinten
Nationen ist, auf der gegenüberliegenden Straßenseite und leistet hervorragende Arbeit.
Ich möchte Ihnen erklären, warum das hiesige Geschehen meines Erachtens absolut entscheidend ist.
Wenn solche Dinge mitten im Herzen Europas, 50
Jahre nach dem Holocaust, geschehen können, und
die Welt darauf nicht so reagiert, wie sie muß, dann
schaffen wir einen entsetzlichen Präzedenzfall. Und
aus diesem Präzedenzfall läßt sich sehr einfach für alle
Übeltäter der Welt, die es immer gibt, ableiten: die
Welt ist abgestumpft gegenüber den Ereignissen. Diesen
Eindruck dürfen wir nicht vermitteln. Aus diesem
Grund ist das heutige Handeln der Kommission unserer Meinung nach so wichtig, und der Ruf danach von
solcher Bedeutung.

* * *

*

AMERIKA DIENST 49

�MENSCHENRECHTE
9. Dezember 1992

WEITERE GREUELTATEN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN DOKUMENTIERT
Vierter US-Bericht für Vereinte Nationen
GENF - (AD) - Vorsätzliche Tötung, Folterung von Gefangenen, gezielte Angriffe auf Nichtkombattanten,
mutwillige Verwüstung und Zerstörung von Eigentum sowie gewaltsame Massenvertreibung und Deportation
von Zivilisten gehören zu den gegenwärtig im ehemaligen Jugoslawien begangenen Menschenrechtsverletzungen, stellt ein neuer Bericht der Vereinigten Staaten fest.
Dieser vierte amerikanische Bericht über schwere Verletzungen der Genfer Konventionen im ehemaligen
Jugoslawien wurde am 7. Dezember 1992 den Vereinten Nationen übergeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus diesem Bericht, wobei stellvertretend für die Vielzahl der
Greueltaten einige wenige Beispiele herausgegriffen wurden.
Vorsätzliche Tötung
25. September
Ein 48jähriger bosnischer Muslim wurde am 25. oder
26. September in seinem Heimatort Bijelijina auf der
Straße festgenommen und in ein Internierungslager in
Klis bei Batkovic gebracht. Die Einrichtung in Klis, die
früher zur Lagerung landwirtschaftlicher Produkte benutzt
worden war, wurde von Männern in grünen Uniformen
bewacht.

schlagen wurde, kehrte nicht mehr zurück, nachdem
er eines Abends in ein benachbartes Gebäude abgeführt worden war. Der Zeuge gab an, ein alter Gebäudereiniger habe ihm versichert, auch der dritte Mann
sei an den Schlägen gestorben.
21. Juli-4. August

Ein 36jähriger bosnischer Muslim befand sich in seinem Dorf Ribvanovici bei Prijedor, als die serbische
Armee am 21. Juli alle Dörfer in diesem Gebiet umzingelte und alle männlichen Erwachsenen gefangenDer Zeuge beschrieb, wie drei "reiche Männer" ausge- nahm - ein Vorfall, über den bereits früher berichtet
sondert und mißhandelt wurden. Man schlug sie mit wurde.
Fäusten und Gewehrkolben und trat auf sie ein. Es
handelte sich um einen Nachbarn, der mit Gold und Die serbischen Soldaten schlugen mit ihren Gewehren
Schmuck handelte, einen Kaffeehändler und einen auf die Gefangenen ein. Ein Mann begann zu weinen
weiteren Mann, den der Zeuge nicht kannte.
und wurde deshalb von den Soldaten erschossen. Die
Hälfte der Männer, darunter der Zeuge, wurden mit
In der zweiten Nacht, dieder Zeuge im Lager verbrach- Bussen in das Lager Keraterm in Prijedor und danach
te, beobachtete er, wieder Kaffeehändler und mehrere nach Omarska sowie zum Schluß nach Trnopolje
andere zu unterschiedlichen Zeiten aus ihrem Gebäu- gebracht. Der Zeuge weiß nicht, was mit den Zurückde zu einer benachbarten Einrichtung gebracht wur- gebliebenen geschah.
den. Während ihrer Abwesenheit vernahm er zahlreiche Schreie. Die anderen kehrten schließlich zurück, Nach einem Tag in Trnopolje wurde der Zeuge wieder
der Kaffeehändler jedoch nicht. Der Zeuge erfuhr in das Lager Omarska gebracht, wo er 15 Tage lang in
später, daß seine Leiche kurz darauf seiner Familie das "weiße Haus" gesteckt wurde. Er wurde in einem
übergeben worden war.
Raum mit Dutzenden von Männern eingesperrt, von
denen er viele aus seinem Dorf kannte. Er gab an,
In der fünften Nacht, die der Zeuge im Lager verbrach- jeden Tag seien Gefangene in eines von fünf Verhörte, erlitt der Goldhändler ein ähnliches Schicksal. Er zimmern gebracht worden, wo man sie mit Eisenstanerlag seinen Verletzungen. Der andere "reiche" Mann, gen und Holzknüppeln geschlagen habe.
der zusammen mit den weiteren Opfern häufig geAMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Der Mann seiner Schwester wurde auf diese Weise
totgeprügelt. Man hatte ihn in einer Nacht so schwer
geschlagen, daß ein Teil seiner Stirn fehlte, den man
offenbar mit einer Eisenstange abgeschlagen hatte.
Bald darauf starb er.

Der Zeuge gab weiterhin an, die Zahl der in Kotor
Varos Getöteten sei nahezu unvorstellbar hoch gewesen. Allein am 11. Juni lagen 300 - 400 Leichen auf der
Straße. Er und mehrere andere Gefangene mußten
die Leichen in schwarze Nylonsäcke legen. Diese
Säcke wurden danach mit einem Bulldozer in ein
nahegelegenes Massengrab transportiert, dessen Lage
er detailliert beschrieb. Er berichtete, an jenem Tag
selbst über 70 Leichen in Säcke gesteckt zu haben und
schätzte, daß mindestens 1.000 Menschen in diesem
Grab begraben wurden.

Der Zeuge beobachtete einmal durch das Fenster, wie
Wächter Gefangene aus dem "weißen Haus" herausholten, sie aufforderten wegzulaufen und sie dann auf
der Flucht in den Rücken schössen. Er berichtete, daß
erden Lärm von zahlreichen Exekutionen gehört habe,
die er jedoch nicht habe sehen können, da sie hinter
dem Gebäude oder in einem in der Nähe befindlichen Folterung von Gefangenen
roten Gebäude stattfanden.
August - September
Jede Nacht wählten die Wächter zwei Gefangene aus,
die die Toten begraben mußten. Der Zeuge wurde Ein amerikanischer Chirurg aus Kalifornien verbrachte
eine Nacht zur Mithilfe gezwungen und sah elf Leichen. Ende August bis Anfang September zwei Wochen in
Er gab an, die Wächter hätten die Körper kreuzweise Bosnien-Herzegowina (einschließlich eines Aufentin einer Grube aufgeschichtet. Etwa um den 4. August halts im Kosevo-Krankenhaus von Sarajevo), um
urologische Eingriffe vorzunehmen.
wurde er aus Omarska verlegt.

Der Arzt gab an, Freischärler von Muslims und Mujaheddin - darunter einige aus Afghanistan und SaudiEin 24jähriger bosnischer Muslim aus Kotor Varos Arabien - hätten an bosnisch-serbischen Soldaten
wurde als Zivilist festgenommen und vom 11. Juni bis regelmäßig primitive, entstellende Beschneidungen
zum 10. Oktober an mehreren Orten in Kotor Varos ohne medizinische Betreuung durchgeführt, und er
interniert. Er beschrieb, wie er mehrmals heftig und habe einen 18jährigen bosnisch-serbischen Soldaten
sadistisch geschlagen wurde, erzwungene sexuelle behandelt, der so brutal beschnitten wurde, daß schließAkte unter männlichen Gefangenen beobachten mußte lich das gesamte Glied habe amputiert werden müsund mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurde, an sen.
einer Massenvergewaltigung und Ermordung einer
11. Juni-10. Oktober
muslimischen Frau teilzunehmen.
11. Juni-10. Oktober

An einem Tag wurden der Zeuge und 11 weitere
Gefangene gezwungen, an der Vergewaltigung der
Frau eines muslimischen Polizisten teilzunehmen. Er
rief aus: "Sie taten alles. Man kann sich nicht vorstellen oderglauben, was sie taten. Sie sind Tiere!" Ergab
an, die Frau sei eine Woche später an ihren Verletzungen gestorben.
In den ersten acht Tagen seiner Internierung sei ein
serbisches Fernsehteam aus Banja Luka eingetroffen
und habe ihn beschuldigt, während seiner Dienstzeit
als Soldat der kroatischen Streitkräfte Frauen geschlagen und Föten umgebracht zu haben. Er wurde
gezwungen, ein Geständnis vorzulesen, in dem er
diese Taten zugab, da ihm ein Hauptmann der serbischen Armee drohte, andernfalls würden seine Eltern
und Familienangehörigen umgebracht.

Ein 24jähriger bosnisch-muslimischer Agrartechniker
aus Kotor Varos wurde als Zivilist verhaftet und an
verschiedenen Orten in Kotor Varos interniert.
Zwölf serbische Soldaten in Uniformen mit weißen
Adlern verhafteten den Zeugen am 11. Juni in seinem
Haus und schlugen in seinem Hof auf ihn ein, bevor sie
ihn zur Koza Proletaria-Pelzfabrik verschleppten, wo
er befragt und weiter geschlagen wurde.
In der Pelzfabrik steckte ein Wächter ein Gewehr in
den Mund des Zeugen und hob ihn hoch. Ein anderer
Wächter zog ihm mit einer Zange zwei Zähne des
Oberkiefers. Seinen Aussagen zufolge wurden er und
100 andere Männer acht Tage lang geschlagen und zu
sexuellen Handlungen untereinander gezwungen.

Er wurde später in ein Hinterzimmer im Osnovi Sud dem städtischen Gerichtsgebäude - gebracht, wo er
Der Zeuge wurde später in einen Raum auf der Rück- dreieinhalb Monate festgehalten wurde. Er sagte aus,
seite des städtischen Gerichtsgebäudes verlegt, wo 170 Männer seien dort unter extrem schlechten Bedinihm zufolge drei Männer in seinen Armen an Schlägen
gungen interniert.
und Verletzungen starben: Enver Beharic, Mato Vatelj
und Smajo Celinac. Er benannte diese Männer und Sein Raum war nur 2,5x3,5 Meter groß und dennoch
behauptete, ihre Körper seien nach ihrem Tod ver- waren manchmal bis zu 70 Männer dort eingepfercht.
stümmelt worden. Alle drei wurden zwischen dem 13. Die serbischen Wächter spielten laute Musik, während
und 15. August getötet.
sie die Gefangenen in den Nachbarräumen und im Hof

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AMERIKA DIENST 49

�schlugen. Der Raum war ekelhaft dreckig. Sie aßen
verdorbene, verschimmelte Lebensmittel und hatten
keinen Zugang zu Toiletten. Zu einem Zeitpunkt litten
10 bis 15 Männer unter Durchfall. Die Haut der
Gefangenen verfärbte sich aufgrund der Gelbsucht
gelblich. Der Zeuge verbrachte über drei Monate unter
solchen Bedingungen, ohne jemals ein Bad nehmen
oder seine Kleider waschen zu können.
Am 10. Oktober wurden der Zeuge und zwei weitere
Muslims gegen einen Serben ausgetauscht. Drei
serbische Wärter, die er wiedererkannte, brachten ihn
in den Hof des Gerichtsgebäudes, wo sie wild auf ihn
einschlugen, dann seinen Arme und Beine wie bei
einen Schaf zusammenbanden und ihn zwangen zu
blöken. Später banden sie ihn an einen Jeep und
fuhren zum Krankenhaus, wobei der Zeuge hinter dem
Landrover herlaufen mußte. Am Krankenhaus angekommen, zwangen sie ihn zu kriechen, zu blöken und
Gras zu essen und befahlen ihm dann, das Gras zu
erbrechen, weil es serbisches Gras sei.
Ein Wächterbrachte stark säurehaltiges Gewehrreinigungsöl und zwang den Zeugen, einen halben Liter
davon zu trinken. Sofort bekam er Magenkrämpfe. Ein
zweiter Wächter rollte seinen Ärmel hoch und drückte
acht Zigarretten auf seinem Arm aus. Kurz danach
wurde er muslimischen Streitkräften im Dorf Vecic
übergeben.
Gezielte Angriffe auf Nichtkombattanten
18. November
Am 18. November bombardierten bosnische Serben
die Hauptverkehrsstraße von Norden nach Süden in
der Nähe der Stadt Mostar. Aufgrund dessen mußten
ein UN-Nahrungsmittelkonvoi und seine Eskorte spanischer Friedenstruppen den Versuch aufgeben,
Nahrungsmittel und Baumaterial nach Sarajevo zu
bringen.

matischen Gewehren auf einen britischen Konvoi, der
versuchte, Routen für UN-Hilfskonvois in der Nähe von
Tuzla ausfindig zu machen, und trafen einen britischen
Landrover. "Zum ersten Mal sind wir direkt unter
Beschuß geraten, und zum ersten Mal haben wir
zurückgeschossen", stellt ein Sprecher des britischen
Verteidigungsministeriums fest.
Mutwillige Verwüstung und Zerstörung von Eigentum
25. Mai
Ein 43jähriger Muslim aus Hambarine beobachtete
von einem nahegelegenen Hügel, wie serbische Artillerie am 25. Mai das Nachbardorf Kozarac zerstörte.
Die Artillerieeinheit unterstand der sogenannten Miliz
"Weißer Adler", deren Kommandeur und Führer der
Panzereinheit er identifizierte.
17. Mai
Kozarac im bosnischen Krajina wurde im Mai von
serbischen Streitkräften dem Erdboden gleichgemacht.
April - Oktober
Seit Ausbruch des Krieges im April haben Freischärler
der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) von den
Sarajevo umgebenden Hügeln die Stadt bombardiert,
in der sich praktisch nichts befindet, was als militärisches Ziel bezeichnet werden könnte. Bei dem Angriff
auf die Stadt wurden Krankenhäuser, Schulen, Wohnhäuser, Moscheen, Kirchen und zahlreiche andere
zivile Einrichtungen zerstört.
Herbst 1991

Im Herbst 1991 räumten die serbischen Streitkräfte
Vukovar und mehrere andere umliegende Städte im
Ostsektorder UNO-Schutzzone (UN Protected Area UNPA) in Kroatien und hinterließen ein Bild wie Berlin
im Jahr 1945. Praktisch alle Wohn- und Geschäftsge16. November
bäude, Kulturstätten und religiöse Einrichtungen waren geplündert oder schwer beschädigt. GetreideaufIm Nordosten von Bosnien stationierte serbische Artil- züge, Kräne im Hafen entlang des Flusses, Fabriken
lerie feuerte 100 Granaten auf Zupanja und die umlie- und Apartment-Hochäuser wurden praktisch nutzlos
genden Dörfer in Kroatien. Zwei Menschen kamen und unbewohnbar gemacht.
ums Leben, darunter ein zweijähriges Kind, ein weiteres Kind wurde verletzt. Berichten zufolge wurden auch Erzwungene Massenvertreibung und Deportation
die Häuser schwer beschädigt.
von Zivilisten
7. - 8. November

November

Am 8. November stoppten bosnische Serben Hilfskonvois auf der Straße nach Mostar. Ein von Briten
eskortierter Konvoi der UNO-Friedenstruppen UNPROFOR wurde von Streitkräften des Kroatischen
Verteidigungsrates (HVO) 10 Kilometer nördlich von
Mostar aufgehalten.

Anfang November 1992 begannen serbische Militärbehörden mit der erzwungenen Mobilisierung von
Kroaten und Muslims im Gebiet von Banja Luka und
holten 50 bis 200 dieser Wehrpflichtigen aus den
Vororten von Gornji Seher und Debeljaci, weil es
einem serbischen Regierungsvertreter zufolge "dort
zuviele Muslims gibt".

Am 7. November feuerten bosnische Serben 200
Salven aus Maschinengewehren, Mörsern und autoAMERIKA DIENST 49

Seite 3

�26. Mai

Darüber hinaus wurden alle Haushalte in der Gegend
zur Aufnahme einer großen Zahl von Bewohnern aus
Eine 35jährige muslimische Frau, die in Tmopolje Kozarac gezwungen. Ihre Familie nahm 38 dieser
wohnte, lange bevor die Stadt zu zweifelhaftem Ruhm Flüchtlinge auf.
als Ort eines brutalen Intemierungslagers gelangte,
war am 26. Mai zugegen, als Tausende Kinder und Viele der Flüchtlinge, auch die in ihrem Haus, wurden
ältere Muslims aus der nahegelegenen Stadt Kozarac schließlich in Güterwaggons - rund 100 pro Waggon nach deren Zerstörung durch serbische Artillerie auf in weiter entfernt gelegene Einrichtungen abtransporLastwagen und Traktoren verladen wurden. Die neu- tiert. Am 8. Juli kamen Soldaten ins Haus und erklärangekommenen Flüchtlinge wurden auf dem Gelände ten, das gesamte Dorf werde "ethnisch gesäubert".
der örtlichen Grundschule untergebracht.
Sie und ihre Familie wurden gezwungen, ihr Haus zu
verlassen. Drei Tage später wurden sie und ihre
Der muslimischen Frau und anderen Bewohnern der Kinder zusammen mit anderen in einen Bahnwaggon
Stadt wurde gestattet, ihnen Lebensmittel durch den gepfercht und in der Nähe eines von Muslims kontrolum das Gelände errichteten Zaun zu reichen. Wäh- lierten Gebiets zum Aussteigen gezwungen, von wo
rend der ersten fünf Tage waren es die einzigen sie ihre Flucht ins Ausland antraten.
Lebensmittel, die die Neuankömmlinge erhielten.
* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 49

�US-AUSSEN

POLITIK
9. Dezember 1992

CLINTONS GRUNDKONZEPTE BEREITS
DEUTLICH SICHTBAR
Rede von Botschafter Seitz
LEEDS - (AD) - Der gewählte Präsident Clinton "hat bereits mehrere Grundkonzepte seiner künftigen
Administration verdeutlicht", erklärte der amerikanische Botschafter im Vereinigten Königreich, Raymond G. H.
Seitz, am 30. November 1992 bei einem Vortrag in Leeds.
"Als wichtigste Priorität betrachtet er rasche Impulse für unsere Wirtschaft sowie eine längerfristige Strategie zur
Behebung unserer eher strukturellen wirtschaftlichen Mängel", stellte Seitz fest.
Ein weiteres Konzept gehe davon aus, "daß die Kreativität und Sicherheit unserer Demokratie unauflöslich mit
dem Schicksal der Demokratie im Ausland verbunden ist", während das dritte Konzept dem Botschafter zufolge
darin besteht, "daß im Inland vielleicht die Betonung auf Wandel gelegt wird, im Ausland jedoch auf Kontinuität.
Die grundlegenden Interessen eines Landes verändern sich nicht mit der jeweiligen politischen Jahreszeit."
Der Präsident "hat ferner verdeutlicht, daß er keine Zeit für eine neoisolationistische Alternative hat. Dies ist
einfach für einen amerikanischen Präsidenten keine realistische Option", erklärte Seitz.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Seitz im Wortlaut.
Ich freue mich, diese Montague-Burton-Gedächtnisvorlesung in Leeds 50 Jahre nach der Antrittsrede
meines Vorgängers John Winant halten zu können.
Ich mag Symmetrie.

Armee, die über vier Jahrzehnte lang im Zentrum
Europas gestanden hatte, strömte plötzlich zurück in
ihr weit entferntes Heimatland. Ohne diesen Stützpfeiler fiel die Berliner Mauer. Weder Tumult noch Haß
folgten, als sich Deutschland in voller Souveränität
Überall im England dieses Jahres 1992 sind Men- vereinigte. Die alte Spaltung Europas war ausgelöscht
schen von beiden Seiten des Atlantiks bei Wiederse- und neues Licht erhellte die Düsternis Osteuropas.
henstreffen und Gedenkfeiern zusammengekommen, Unterjochte Staaten verspürten die Freude der lange
um den 50. Jahrestag der Ankunft der ersten amerika- verzögerten Freiheit.
nischen Truppen in diesem belagerten Land zu begehen. Tausende und Abertausende folgten, und so Die Europäische Gemeinschaft handelte ehrgeizige
begann ein großes und gemeinsames Unternehmen Pläne aus, um die Integration ihrer Mitgliedstaaten zu
unserer beiden Nationen, zu nächst die große Schlacht stärken. All die degenerierten Strukturen der alten
zu gewinnen und dann deren Vermächtnis, den langen Sowjetunion brachen zusammen, und viele etablierte
Frieden, zu bewahren.
Institutionen des Westens dehnten als institutionelle
Sicherheitsnetze auf die eine oder andere Weise ihre
In seinem Vortrag machte sich Winant Gedanken Tätigkeit nach Osten aus. Die Vereinigten Staaten
darüber, wie seine Welt der Kriegszeit in solche Dun- schlössen zwei Abkommen mit Moskau, die Europa
kelheit gestürzt worden sei, was er als diese "Revolte praktisch denuklearisierten und das atomare Armaggegen die Zivilisation" in einer "Welt verringerter Hoff- gedon in das Alte Testament der Weltpolitik verbannnungen" bezeichnete. Er war der Meinung, die Welt ten.
selbst sei aufgrund von Zynismus und Vernachlässigung gescheitert, hoffte jedoch, der Krieg sei ein Darüber hinaus endeten schwelende Bürgerkriege,
Vorspiel zur Erlösung. Einige seiner Anliegen sind es die in einer Welt der Rivalität zwischen den Superwert, heute erneut betrachtet zu werden.
mächten überleben konnten, mit politischen - wenn
auch unsicheren - Regelungen in Afghanistan und
Vor nicht viel mehr als einem Jahr strotzte die westli- Angola, Kambodscha und Mittelamerika. Der Sicherche Welt vor Erfolg in ihren gemeinsamen Unterneh- heitsrat der Vereinten Nationen erhielt einen neuen
mungen. Eine massive und bedrohliche sowjetische
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Charakter als Friedensbewahrer, Schlichter und Legitimitätsträger. Und als der Irak aus den Wüsten des
Nahen Ostens zuschlug und sich einen kleinen Nachbarstaat gewaltsam einverleibte, erklärte die internationale Staatengemeinschaft, daß diese Art von Verhalten nicht toleriert werden könne und keinen Bestand haben werde. Sodann sammelte eine Koalition
von westlichen und arabischen Staaten unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ihre Streitkräfte, um den Aggressor zu vertreiben. Im Sog dieser
großen Ereignisse setzten sich Palästinenser und
Juden zusammen, um miteinander zu sprechen.

über nationale und internationale Ziele zu sprechen,
und ein gemeinsames Vokabular zur Beschreibung
unserer kollektiven Rolle in dieser neuen Welt muß
noch entwickelt werden. Ferner sind wir auch noch
nicht in der Lage, die neuen Ziele und die neuen
Grenzen unserer gemeinsamen Institutionen zu artikulieren.
Schließlich sind diese ihrem Charakter nach internationalen und demokratischen Institutionen eines der
Unterscheidungsmerkmale unseres Zeitalters. Trotzdem scheinen wir gerade in dem Moment, in dem wir
uns auf ihre Lebens- und Anpassungsfähigkeit stützen
sollten, ins Stocken zu geraten. Gerade im Augenblick
unseres Erfolges scheint der Westen jetzt unter einer
Art institutioneller Melancholie zu leiden.

Beim Londoner Weltwirtschaftsgipfel vor gerade 16
Monaten untersuchten unsere verantwortlichen Politiker diese aussichtsreiche Lage und verliehen ihrer
Zuversicht Ausdruck, daß die wirtschaftliche Verzweiflung, die den Großteil der Welt erfaßt hatte, bald Wenn man nur die Staaten betrachtet, aus denen die
weichen und ein neues Regime des internationalen Gruppe der Sieben besteht, kann man ein Gefühl
Handels und verstärkter finanzieller Stabilität einleiten umfassender institutioneller Funktionsstörung ausmawerde, das uns bald in ein Zeitalter beispiellosen chen.
Wohlstandes führen würde.
In Japan hat die erdrückende Dominanz der LiberaldeWelch erstaunliche Welt zog da an unseren Augen mokratischen Partei zu einer in Fraktionen gespaltenen Regierung geführt, wobei ein politischer Entscheivorüber.
dungsträger nach dem anderen in einem Verwirrspiel
Es war bemerkenswert, vielleicht sogar einmalig, daß von Skandalen oder Korruption von der Bühne tausolch ein tiefgreifender, grundlegender Wandel ohne melt. Zum ersten Mal in seiner langen Nachkriegsgedie Heraufbeschwörung eines Krieges errungen wer- schichte unterliegt das japanische Wirtschaftswunder
den konnte. Europa hatte sich selten - wenn überhaupt schweren Erschütterungen. Vor einem Monat veröf- ohne einen militärischen Konflikt so grundsätzlich fentlichte ein aktiver Offizier der Japanischen Selbstneu konstituiert. Unter all den dramatischen Merkma- verteidigungsbehörde, wie die Armee dort bezeichnet
len dieses historischen Zeitabschnitts war seine Fried- wird, einen Artikel in einem renommierten Magazin, in
lichkeit vielleicht das bemerkenswerteste. Die Struk- dem er die Meinung vertrat, ein Staatsstreich sei die
turen der Spaltung, der Aggression und Unterdrük- einzige Lösung für die demokratische Krise Japans.
kung wurden hinweggefegt. Ohne vorhergehende Das ist ein absurder Vorschlag - und wird auch in Japan
Zerstörung erhielten wir eine Chance für die Zukunft. so eingeschätzt -, aber wenn ein einzelner isolierter
Offizier unter solchen Umständen einen solchen
Heute sind wir vielleicht ernüchterter als in jenen Gedanken auch nur äußert, ist dies ein Schock.
berauschenden Tagen. Wir haben gesehen, daß auf
Veränderungen nicht automatisch Ordnung folgt und Vor einem Monat stimmten die Kanadier in allen zehn
die bloße Niederlage des Kommunismus nicht aus- Provinzen mit überwältigender Mehrheit gegen ein
reicht. Warum sollten wir auch annehmen, daß sich Referendum, das von der Bundesregierung und allen
unsere Generation von allen vorhergehenden unter- Provinzregierungen unterstützt worden war und als
scheidet, daß wir auf irgend eine Weise klüger und neuester und vielleicht letzter Versuch galt, die Verfasweniger anfällig für Fehleinschätzungen und Torheiten sungsspannungen in diesem großen Land beizulegen.
sind oder auf irgend eine Weise freier von den Leiden- Aber die vorgeschlagene Lösung wurde kategorisch
schaften und Vorurteilen, die so häufig den Glanz abgelehnt. Im großen und ganzen besteht dieser Zwist
Europas erstickt haben? Sich vorzustellen, eine über Binationalität und Zweisprachigkeit in Kanada
Generation könne sich innerhalb ihrer Grenzen von bereits seit langer Zeit. Neu ist die Unfähigkeit seiner
der Vergangenheit emanzipieren, wäre eine gefährli- staatlichen und verfassungsmäßigen Institutionen,
che Einbildung, die wir uns kaum leisten können.
akzeptable Alternativen zu entwickeln, und das gescheiterte Referendum hat eine unheilverkündende
Es ist eine Ironie, daß der Erfolg langer gemeinsamer Kluft zwischen Gewählten und Wählern gezeigt.
Bemühungen nun zu einer Erschütterung des Vertrauens gerade in die Institutionen geführt hat, die uns Die Vereinigten Staaten leiden nicht unter einer institudiesen Erfolg überhaupt beschert haben. Das Ende tionellen Krise von Regierung oder Verfassung. Aber
des Kalten Krieges kam so plötzlich und so umfas- unser Wahlprozeß, der zu Beginn dieses Monats
send, daß wir durch das entstandene Vakuum die endlich seinen Abschluß fand, enthüllte eine weitverOrientierung verlieren. Es ist für unsere politischen breitete Unzufriedenheit und Frustration im Hinblick
Entscheidungsträger heute wesentlich schwieriger, offen auf ein politisches System, das als unfähig angesehen

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�wurde, auf die Anliegen der Wähler einzugehen. Es
bestand ein greifbares Mißtrauen gegenüber dem
politischen Establishment als Ganzem, und so konnte
eine Figur wie Ross Perot schlicht behaupten, das
Land sei erledigt und funktioniere nicht mehr - eine
Botschaft, die sogar noch mehr Resonanz fand als
sein bereits hoher Stimmenanteil andeutet. Zum ersten Mal nach langer Zeit wurde es als Nachteil angesehen, ein Amt innezuhaben, und die Wähler hatten
offenkundig genug von institutionellen Kleinkriegen
und der augenscheinlichen Ineffektivität, die aus der
Tatsache herrührte, daß das Weiße Haus in den
Händen der einen Partei und der Kongreß in den
Händen der anderen war.
Und nun zu Europa.
In Deutschland kann man die enormen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Belastungen kaum
überschätzen, die der deutschen Vereinigung so rasch
folgten. Niemand hat bisher das Ausmaß und die
tiefgreifenden Konsequenzen dessen so recht begriffen, was zweifellos die bedeutsamste Entwicklung in
der Nachkriegsgeschichte Europas darstellt. Sowohl
die jüngsten finanziellen Unruhen in Europa als auch
der ehrgeizige Charakter von Maastricht lassen sich
auf dieses grundlegende Ereignis zurückführen. Hier
besteht schließlich eine immense Macht inmitten des
europäischen Kontinents, dessen territoriale Grenzen
keine Tradition haben und dessen widersprüchliche
Geschichte sowohl Stolz als auch Schande enthält und
der in seine relativ neuen Strukturen eine völlig entfremdete Masse von 17 Millionen Menschen integrieren muß, die seit den dreißiger Jahren keinen Hauch
von Demokratie oder freiem Unternehmertum erlebt
haben. Und in dieses belastende Gemisch ergießt
sich nun ein wachsender Strom von Flüchtlingen, der
Ausschreitungen von Skinheads auslöst und beunruhigende Erinnerungen weckt. Europa erklärt Deutschland, daß die Flüchtlinge Deutschlands Problem sind,
und die deutschen politischen Parteien streiten über
die Änderung des Grundgesetzes, wenn diese so
offenkundig erforderlich ist.

Und zuletzt zu Großbritannien. Nachdem ich eine
Theorie entwickelt habe, wäre es verlockend, einige
verzerrte Reflexionen über das Vereinigte Königreich
anzustellen, damit sie mit akademischer Makellosigkeit in diese Argumentationskette hineinpassen. Man
muß jedoch Bemerkungen über Direktverwaltung und
den unbarmherzigen Eigensinn Nordirlands, die sporadische Unzufriedenheit Schottlands und die Schadenfreude der Sensationspresse über die königliche
Familie sowie die Qualen der Church of England außer
acht lassen. Dies sind schwierige Probleme, deren
Wurzeln jedoch unabhängig vom gegenwärtigen Kontext
bestehen. Die Institutionen und die etablierte Verfassung Großbritanniens funktionieren selbst unter schwierigen Bedingungen. Das ist vielleicht eine prosaische
Beobachtung, die es jedoch in schweren Zeiten wert
ist, gemacht zu werden.
Dieser Überblick von Staat zu Staat ist weder vollständig noch widerspruchsfrei, und das sollte er auch nicht
sein. Man muß jeder Theorie mit Mißtrauen begegnen,
die versucht, alles miteinander zu verbinden. Es sollte
jedoch festgestellt werden, daß die Unzufriedenheit
und Desillusionierung in all diesen Ländern in gewissem Maß eine Erschütterung des Vertrauens in die
etablierten verfassungsmäßigen oder institutionellen
Prozesse und herkömmlichen Handlungsweisen darstellen.
Was auf nationaler Ebene demonstriert werden kann,
ist im internationalen Rahmen noch offenkundiger.
Die G-7 selbst, die als informelles Forum zur Erarbeitung breiter Leitlinien für unser wirtschaftliches Wohlergehen gedacht war, hat ihre Geschlossenheit vermissen lassen. Obwohl unsere Konjunkturflaute offensichtlich ist, scheint wenig internationale Koordination zu bestehen, um die Hauptprobleme zu behandeln, wobei zum Beispiel die Deutschen die Zinsen in
die Höhe treiben und die Amerikaner ihre senken,
während andere Währungen praktisch zwischen diesen zwei Stühlen sitzen. Wirtschaftsgipfel sind zu
extravaganten Phototerminen geworden, die inhaltsleere Kommuniques hervorbringen.

Selbst wenn man die erschreckende Mißwirtschaft in
Italien, diesem so talentierten Land, außer acht läßt,
stellen dort die zersetzende Herausforderung durch
die Mafia im Süden sowie der Aufstieg der Lombardischen Liga im Norden nicht nur die Autorität der
Regierung, sondern auch das Konzept der Staatlichkeit an sich in Frage.

Die Verwundbarkeit des EWS trat im August und
September und erneut in diesem Monat zutage, als
offenkundig wurde, daß die meisten nationalen Regierungen der Aufgabe nicht gewachsen sind, halbfeste
Wechselkurse angesichts des modernen Phänomens
verzögerungsloser Währungsspekulationen zu verteidigen, die leicht eine Billion Dollar täglich übersteigen
Auch Frankreich ist Mitglied dieses wankenden Clubs. können.
Die lähmenden Auswirkungen von Bauern auf den
Barrikaden, die vor dem Maastricht-Referendum zum Darüber hinaus standen wir diesen Monat am Rand
Ausdruck gebrachten Phobien, die beunruhigende einer Krise im internationalen Handelssystem, das seit
Anziehungskraft von Jean-Marie Le Pen und die Aus- dem Inkrafttreten des Allgemeinen Zoll- und Handelssicht auf eine schwierige Regierung der"Cohabitation" abkommens nach dem Krieg so viel zum Wohlstand
im nächsten Frühjahr deuten zusammengenommen beigetragen hat. Über diesen Zeitraum hinweg haben
auf ein Charakteristikum hin, das dem Gallier eigent- sich in dem System jedoch ernsthafte Verzerrungen
entwickelt, insbesondere in der Landwirtschaft, und
lich völlig fremd ist: Selbstzweifel.
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�die bestehenden Spielregeln haben den am schnellsten wachsenden Teil des internationalen Handels
nicht erfaßt, insbesondere im Dienstleistungsbereich.
Die Uruguay-Runde von Verhandlungen sollte diese
Probleme korrigieren, und es wurden große Fortschritte erzielt. Heute befinden wir uns jedoch an einem
Punkt, wo die gesamte Wirtschaft zusammenbrechen
könnte, wenn die Unterhändler ihre Differenzen nicht
bald beilegen. Die Chance zu einer Ausweitung des
Handels könnte vertan werden, und - schlimmer noch
- das Scheitern der Uruguay-Runde würde sicherlich
zu verstärkten nationalistischen Vergeltungsmaßnahmen im Handel sowie zu Protektionismus und Bilateralismus führen. Damit wäre die Integrität des internationalen Systems selbst gefährdet.
Europa ist der am meisten institutionalisierte Kontinent
- angesichts seiner Geschichte eine begrüßenswerte
Entwicklung. Aber auch hier sehen wir, wie Institutionen in gewisser Weise aus den Fugen geraten. Der
Maastrichter Vertrag folgt weiterhin einem gefahrvollen Kurs der Referenden und Ratifizierungen, und
obwohl ihm wahrscheinlich doch Erfolg beschieden
sein wird, hat der Prozeß die Skepsis der europäischen Öffentlichkeit im Hinblick auf Richtung und
Voraussetzungen der europäischen Strukturen offengelegt.
Dieser europäische Kontinent ist voller Sicherheitsstrukturen und -plane - NATO, Westeuropäische Union,
KSZE, deutsch-französisches Korps -, aber trotzdem
sind wir alle mehr oder weniger verwirrt von der tückischen Brutalität des Zerfalls Jugoslawiens, und wir
besitzen auch keine klare Vorstellung davon, wie wir
auf andere lauernde Gefahren ethnischer Konflikte
reagieren sollen.

Was geschah mit dem gestern noch existierenden
Vertrauen?
Unser kollektiver Kater war nach den Strapazen des
Kalten Krieges und dem Überschwang nach seinem
Ende wahrscheinlich unvermeidbar. Mit einem Gegner waren wir besser in der Lage, unsere Werte,
unsere Ziele und unser moralisches Zentrum zu definieren. Es war eine Zeit großer Ereignisse, die mit
großartigen Strategien verbunden waren, und als diese Zeit vorüber war, bot das kurzlebige Konzept vom
Ende der Geschichte eine Verlockung. Die sonnigen
Höhen lockten. Aber natürlich geht die Geschichte
nicht zu Ende, und die Höhen unterliegen ebenso
vielen meteorologischen Schwankungen wie das Tiefland.
Wir entdecken, daß Frieden nicht der natürlichen
Ordnung entspricht, sondern statt dessen einen Akt
des politischen Willens darstellt. Neue Herausforderungen treten auf - die sich kreuzenden Ströme von
Flüchtlingen und Vertriebenen, die zahlreichen Ausbrüche ethnischer Konflikte, die Verbreitung schrecklicher Waffen, die Verschlechterung der Umwelt sowie
der Zerfall von Souveränität - und intuitiv wissen wir,
daß wir neue Energie sammeln müssen. Trotzdem
sind die Strategien, die aus gemeinsamen Zielen
erwachsen sollten, noch nicht völlig hervorgetreten,
und diese sich entwickelnden Probleme passen auch
nicht reibungslos in unsere etablierten Institutionen.

Die verschwommene Qualität des aktuellen Geschehens wird durch einen konjunkturellen Einbruch noch
verschlimmert, der auf die eine oder andere Weise alle
unsere Länder zu betreffen scheint. Die Aussichten
auf reales und dauerhaftes Wachstum scheinen nicht
länger gewiß zu sein, und der Aufschwung scheint eine
langwierige Angelegenheit zu werden. BinnenwirtIch beabsichtige nicht, ein Bild vom Zustand des schaftliche Probleme erhalten neue Dringlichkeit, und
Westens zu malen, das nur in düsteren Farben schwelgt. die Politik wird rauher. Natürlich wenden sich die
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwick- Staaten, da sie zunächst mit innenpolitischen Problelung, zum Beispiel, ist eine Institution, die mit neuen men beschäftigt sind, nach innen, und da ein gemeinMitteln für bestimmte Ziele ins Leben gerufen wurde. samer Rahmen fehlt, blicken die Staaten vorsichtiger
Die NATO erneuert ihre Organisation und ihren Auf- ins Ausland.
trag, und es gibt konkurrierende Visionen von der
Zukunft der Europäischen Gemeinschaft, wenn auch Ich beschreibe all dies aus dem Kontext heraus, denn
keinen Konsens.
in diese verwirrte Welt hinein haben die Amerikaner
nun einen neuen Präsidenten gewählt. Mr. Clinton
Bei den Vereinten Nationen herrscht ein neuer Geist geht im Januar mit 43 Prozent der Stimmen nach
der Zusammenarbeit, der häufig das ursprüngliche Washington, der geringsten Mehrheit in einem ViertelVersprechen der Charta widerspiegelt. Ebenso gilt jahrhundert und etwa dem gleichen Stimmenanteil,
jedoch, daß die UNO eine schwerfällige Organisation wie ihn die Tories hierzulande im April erzielten. Zwar
bleibt, der es an Mitteln und Autorität fehlt und die sind der Senat u nd das Repräsentantenhaus ebenfalls
bereits unter der Vielzahl der Anforderungen wankt.
in demokratischer Hand, aber nahezu ein Viertel des
Kongresses besteht aus neuen Gesichtern.
Obwohl die Beschreibung unausgewogen sein mag,
ist es meines Erachtens trotzdem angemessen, diese Der künftige Präsident wird ein Haushaltsdefizit von
Melancholie, die sich in unsere nationalen und interna- über 300 Milliarden Dollar und eine nationale Schuld
tionalen Angelegenheiten eingeschlichen hat sowie von rund vier Billionen Dollar erben. Er wird einer
die mit ihr einhergehenden institutionellen Funktions- Bevölkerung dienen, die wegen unserer sich häufenstörungen zu bemerken.
den Probleme - Bildungs- und Gesundheitswesen,
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�Infrastruktur und Verbrechen - ungeduldig ist, deren
Mehrheit sich bereits übermäßig besteuert fühlt und
deren Mittelschicht sieht, daß ihr reales mittleres Einkommen auf dem Stand von 1979 verharrt. Es ist ein
Land, das an seinem eigenen politischen Prozeß zweifelt
und nicht weiß, wie seine faire Rolle und Verantwortung in dieser neuen Welt aussehen sollte und das
unsicher ist, ob sein soziales Gefüge die konkurrierenden Forderungen und kulturellen Empfindlichkeiten
seiner vielfältigen Bevölkerung verkraften kann. Man
fragt sich in der Tat, warum jemand Präsident werden
möchte.
Trotz all dieser Beschränkungen und Herausforderungen besteht jedoch ein Gefühl, daß in unserer diesjährigen Wahl etwas Bedeutsames geschehen ist, daß
eine neue Generation in Amerika herangewachsen ist,
daß ein Wachwechsel stattfindet und der Aufstieg
dieser neuen Generation mit dem Beginn einer neuen
Ära zusammenfällt, die nach neuen Ideen und neuen
Maßnahmen verlangt. Dies ist es letztlich, was die
Amerikaner am Besten tun - alte Zweifel und vergangenen Pessimismus hinter sich zu lassen und sich statt
dessen zu regenerieren, neue Energien zu sammeln
und sich zu erneuern.

Der gewählte Präsident hat auch deutlich gemacht,
daß er keine Zeit für eine neoisolationistische Alternative hat. Dies ist einfach für einen amerikanischen
Präsidenten keine realistische Option. Beispielsweise
müssen die Vereinigten Staaten, solange Atomwaffen
existieren und ungeachtet der noch so günstigen
Umstände verbreitet werden, die Grundlagen für das
Überleben ihrer Nation sichern - das ist eine noch aus
dem Kalten Krieg stammende harte Realität.
In Europa werden die Vereinigten Staaten daher ihre
umfassenden Sicherheitsinteressen weiterverfolgen,
die seit der Zeit der Konflikte Mitte dieses Jahrhunderts
ihre Politik bestimmt haben.
Zunächst einmal impliziert dies eine aktive
Unterstützung für den Prozeß von Wandel und
Reformen in den Republiken der ehemaligen
Sowjetunion, insbesondere in Rußland. Sollte
die Reform dort scheitern, wird wieder ein dunkler Schatten auf unsere Welt fallen.
Gleichzeitig dürfen wir keine Mühe scheuen, um
den politischen und wirtschaftlichen Wandel in
Osteuropa sicherzustellen. Ein nur zum Teil
demokratisches Europa ist ein gefährliches
Europa.

Die Politik unserer Präsidenten hat in diesem gesamten Jahrhundert stets betont, daß Wandel für sich
Wir werden weiterhin den Prozeß der europäigenommen schon einen Wert darstellt - die Neue
schen Integration unterstützen, vorausgesetzt,
Freiheit, der New Deal, die Neue Grenze, die Neue
es ist ein offener Prozeß. Wir können nicht ein
Weltordnung und der von Clinton vorgeschlagene Neue
spezielles Rezept oder einen Zeitplan anbieten,
Bund. Unsere Kultur dreht sich wie unsere Musik um
und wir sollten dies auch nicht tun. Wir betrachdas "movin" on" (Nachvornegehen). Die Geschichte ist
ten die Europäische Gemeinschaft nicht als
dazu da, zu informieren und nicht, gefangenzuneheinziges Instrumentfürdie europäische Integramen. Eine Nation ist kein Opfer, und die Lage kann
tion. Wir wären bestürzt, wenn Europa wieder in
verbessert werden. Deshalb besteht Clintons erste
konkurrierende Nationalismen zurückfallen
Aufgabe darin, eine Erneuerung unseres Selbstverwürde.
trauens einzuleiten und dieselbe Energie und Entschlossenheit in unsere Beziehungen mit anderen Wir Amerikaner müssen unser Engagement bekräftieinzubringen.
gen, in europäischen Angelegenheiten eine aktive
Rolle zu spielen. Die Struktur und das Niveau unserer
Gouverneur Clinton hat bereits mehrere Grundkon- Truppenstationierung hier sollte mit dem Kongreß
zepte seiner künftigen Administration vorgestellt. entschieden und dann von der politischen TagesordErstens, daß die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, nung genommen werden. Ich zweifle nicht daran, daß
auf internationaler Ebene eine führende Rolle zu spie- die andauernde Präsenz amerikanischer Truppen in
len, zunächst einmal von ihrer wirtschaftlichen Lebens- Europa für die Sicherheit des Kontinents und daher
fähigkeit im Inland anhängt. Als wichtigste Priorität auch für unsere eigene Sicherheit unabdingbar ist.
betrachtet er rasche Impulse für unsere Wirtschaft
sowie eine längerfristige Strategie zur Behebung unserer Unsere Tagesordnung geht weit über Europa hinaus.
eher strukturellen wirtschaftlichen Mängel. Zweitens, Die Aussicht auf ein Machtvakuum und einen Konflikt
daß die Kreativität und Sicherheit unserer Demokratie in Asien sind vielleicht noch besorgniserregender, und
unauflöslich mit dem Schicksal der Demokratie im Europa muß sich bewußt sein, daß die Vereinigten
Ausland verbunden ist. Wenn im Ausland die Demo- Staaten auch eine pazifische Macht sind. Die Kontukratie geschwächt wird, wird sie auch zu Hause ge- ren einer politischen Lösung im Nahen Osten, wo wir
schwächt. Drittens, daß im Inland vielleicht die Beto- so zwingende Interessen haben, werden gerade erst
nung auf Wandel gelegt wird, im Ausland jedoch auf erkennbar, aber ohne die Beteiligung Dritter sind FortKontinuität. Die grundlegenden Interessen eines Landes schritte praktisch unmöglich. Südafrika nähert sich
ändern sich nicht mit der jeweiligen politischen Jahres- schnellen Schrittes einer Lösung, eine Ordnung im
zeit.
umfassenden zentralasiatischen Komplex ist noch lange
nicht in Sicht und so weiter.

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�Die politische Tagesordnung ist wohlbekannt, aber Bill
Clinton hat auch deutlich gemacht, daß das traditionelle Sicherheitskonzept neu definiert und um eine wirtschaftliche Komponente erweitert werden muß, die
der Verteidigungskomponente angemessener ist. Diese
beiden Komponenten waren immergetrennt, aber eine
solche Teilung ist nicht länger vertretbar. Echte Sicherheit umfaßt beide, und die Stärke und Partnerschaft der einen Komponente beeinflußt unausweichlich die Lebensfähigkeit und Dauerhaftigkeit der anderen. An festgesetzten Regeln orientierter Handel und
an abgestimmten Zielen orientierte wirtschaftliche
Zusammenarbeit sind drängendere Erfordernisse im
Bereich der Sicherheit geworden.
Die Institutionen zur Regelung all dieser Angelegenheiten sind vorhanden: NATO, KSZE, G-7, GATT,
OECD, die Vereinten Nationen etc. Jede hat auf ihre
eigene Art ihren Wert bewiesen und jede verfügt auf
ihre eigene Art über die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die Probleme einer neuen Ordnung zu bewältigen. Insofern als diese Institutionen nicht mehr richtig
funktionieren, reflektieren sie die weitverbreitete Teilnahmslosigkeit, die zur Zeit bei internationalen Angelegenheiten zu beobachten ist. Ich bin der Ansicht,
daß eine starke Führungsrolle Amerikas für fast all
diese Institutionen unerläßlich und die sicherste Garantie für friedlichen Wandel ist.
Wir leben in einer paradoxen Welt. Unsere Interessen
und Aktivitäten sind in ihrer Reichweite globaler und
weniger voneinander zu trennen als je zuvor, während
gleichzeitig lokale Konflikte und Instabilität eine neue
Intensität haben, die die bestehende Ordnung zu zersplittern und zerstören droht. Gemeinsame Ziele,
gemeinsame Strategien, gemeinsame Politik und
gemeinsame Energie müssen erneut unsere Institutionen erfüllen, nicht etwa, weil Gemeinsamkeit an sich
ein Vorzug ist, sondern weil man sich den internationalen Herausforderungen in unserem Jahrtausend per
definitionem nur gemeinsam stellen kann.

Noch eine Bemerkung zum Schluß. Unsere Welt im
nächsten Jahrhu ndert wird vielleicht einem erfahrenen
Historiker vertrauter sein als einem zufälligen Beobachter. Ohne die übergreifende bipolare Struktur einer
um zwei ideologisch motivierte Supermächte herum
organisierten Welt werden wir uns jetzt vielleicht in
einer Welt wiederfinden, in der die Staaten lediglich
den eigenen Vorteil suchen, in der sich die Schwachen
ducken und die Starken aufgrund ihrer Stärke ihre
Interessen geltend machen, einer Welt, in der engstirnige Tyrannen ihren wichtigtuerischen Ambitionen frönen
und die vier apokalyptischen Reiter sich frei bewegen
können, einer Welt, die von Intoleranz verpestet ist,
einer Welt der Drohungen und Klischees, in der es
keine Strafe und keine Belohnung gibt, weil wir alle mit
unserem eigenen kleinlichen Streben beschäftigt sind
und die Welt unaufmerksam und gleichgültig betrachten.
Das ist eine Welt des Mächtegleichgewichts, eine Welt
ohne Inspiration oder eine moralische Dimension.
Wir im Westen dürfen das meiner Meinung nach nicht
akzeptieren. Dadurch würde die Arbeit der letzten
fünfzig Jahre verhöhnt. Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Integrität und all die unantastbaren
Werte unserer Zivilisation können bestehen bleiben,
weil wir sie für gut und daher unteilbar halten.
Wenn man all die Schichten abschält, die historisch
gesehen die Beziehung zwischen dem Vereinigten
Königreich und den Vereinigten Staaten bereichert
haben, dann kommt man zum Kern - der moralischen
Tiefe. Sie ist elementarer Bestandteil all dessen, was
wir gemeinsam oder alleine in unseren jeweiligen
Verfassungen und Institutionen erreicht haben. Sie ist
nie gefeit vor dem Verfall, vor dem John Winant
warnte. Sie muß jeden Tag wieder ergänzt und
erneuert werden, am besten von allen statt im Alleingang. Es ist uns gelungen, über den großen Ozean
hinweg ein Gerüst für unser Gewissen zu schaffen,
und an diesem moralischen Rahmen müssen wir unser
Tun und Handeln in der Welt orientieren.

* * * * *

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�RASSENBEZIEHUNGEN
9. Dezember 1992

DIE BEKÄMPFUNG VON HASSVERBRECHEN
IN AMERIKA
von Michele St. George
In dem nachfolgenden Beitrag erörtert die Verfasserin Strafverfolgungs- und Erziehungsprogramme zur
Bekämpfung von "Haßverbrechen" in den Vereinigten Staaten, die auf kulturellen, ethnischen oder religiösen
Unterschieden basieren. Dazu führt die in Campo (Kalifornien) lebende freiberufliche Autorin einige Beispiele
an.
Eine neue Welle der Gewalt hat die Amerikaner schokkiert. Aufgrund des jüngsten Anstiegs der Zahl von
Übergriffen und Belästigungen, die sich gegen Menschen unterschiedlicher kultureller, ethnischer oder
religiöser Zugehörigkeit richteten, schrillten im ganzen
Land die Alarmglocken.

neuerung (Center for Democratic Renewal - CDR),
einer nationalen Clearingstelle für Informationen über
Haßverbrechen und Reaktionen darauf. "Wir benötigen eine umfassende Dokumentation von Haßverbrechen in jedem Bundesstaat der Vereinigten Staaten
und eine Aufstockung der Finanzmittel für das Bundesmeldegesetz für Haßverbrechen (Hate Crime
In der Erkenntnis, daß solche feindseligen Akte dem Statistics Act) sowie die Strafverfolgung und die poligesellschaftlichen Gefüge schweren Schaden zufü- zeiliche Ausbildung, damit Polizeibeamte mit den Opfern
gen, entwickeln Gruppen, die sich mit zwischenmen- von Haßverbrechen richtig umgehen. Wir benötigen
schlichen Beziehungen beschäftigen, Mittel, um dem eine Strafverschärfung auf Bundesstaatsebene für
vielfarbigen Geflecht der amerikanischen Gesellschaft solche Personen, die Haßverbrechen begehen", erein Muster der Toleranz hinzuzufügen. Soziologen läutert Levitas. "Wir benötigen mehr Geld und Pround Analytiker untersuchen Wege, um die effektive gramme im Bereich der Hilfe für Opfer. An vorderster
Funktion der Gesellschaft mit ihrer großen Vielfalt von Stelle benötigen wir jedoch ein auf junge Leute zugeRassen, Sprachen und Religionen, Kulturen und Lebens- schnittenes massives Bildungsprogramm, um zu verstilen zu gewährleisten, während Polizei und Justiz suchen, die negativen Tendenzen in der Einstellung
Ausbildungsmaßnahmen sowie die Strafverfolgung im anderen Rassen gegenüber umzukehren. Im ganzen
Hinblick auf die neue juristische Kategorie der Haßver- Land werden sehr innovative und wertvolle Maßnahbrechen intensivieren.
men getroffen, um darauf zu reagieren."
Haßverbrechen können Einschüchterungsversuche wie
etwa Eierwürfe, brennende Kreuze oder Hakenkreuzschmierereien sowie Gewaltakte wie Verprügeln und
Mord umfassen. Der Definition des US-Justizministeriums zufolge sind Haßverbrechen Straftaten, "in denen
Vorurteile aufgrund von Rasse, Religion, sexueller
Neigung oder ethnischer Zugehörigkeit beweiskräftig
zum Ausdruck kommen". Diese Verbrechen umfassen Mord, Totschlag und Vergewaltigung ebenso wie
"schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung,
Einschüchterung, Brandstiftung sowie Zerstörung,
Beschädigung oder Verwüstung von Vermögensgegenständen".

Die formalisierte Berichterstattung über Haßverbrechen hat mit der 1990 erfolgten Verabschiedung des
Bundesmeldegesetzes für Haßverbrechen durch den
Kongreß gerade erst begonnen. Das Justizministerium muß nun eine Jahresstatistik über Haßverbrechen führen, die es Gesetzgebern und Justizbehörden
gestattet, das Ausmaß des Problems einzuschätzen
und effektive Gegenmaßnahmen zu planen.

Alle Gruppen, die im letzten Jahrzehnt ethnische und
religiös motivierte Gewalt beobachtet haben, berichten von einer Zunahme dieser Aktivitäten in jüngster
Zeit. So gibt das Klanwatch Project des Southern
Poverty Law Center an, daß im Jahr 1991 eine Rekord"Fürdiese Verbrechen benötigen wireine Kombination zahl weißer rassistischer Gruppen aktiv war. Die Zahl
von Ansätzen", erklärt Daniel Levitas, geschäftsfüh- organisierter Haßgruppen wie der Ku-Klux -Klan und
render Direktor des Zentrums für Demokratische Er- neonazistische Gruppen, darunter Skinheads, stieg
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�sprunghaft von 273 im Jahr 1990 auf 346 im Jahr 1991,
ein Zuwachs um 27 Prozent. Klanwatch meldet darüber hinaus einen jährlichen Anstieg der Gesamtzahl
von Haßverbrechen von Mord bis zu brennenden
Kreuzen. So wurde von Klanwatch ein Anstieg der
durch Rassenhaß motivierten Morde von 20 im Jahr
1990 auf 25 im Jahr 1991 festgestellt. Im gleichen
Zeitraum stieg die Zahl der Kreuzbrände auf 101.
Dazu stellt der Leiter von Klanwatch, Danny Welch,
fest: "Haßgruppen leben von Streit und Gewalt. Obwohl
die meisten Haßverbrechen nicht von organisierten
weißen Rassisten begangen werden, füllen sich mit
der wachsenden Zahl von Gewalttaten auch die Reihen von Haßgruppen."
Der Antidiffamierungsliga (Anti-Defamation League ADL) von B'nai B'rith zufolge erreichte die Zahl antisemitischer Vorfälle in den Vereinigten Staaten 1991 den
neuen Rekordstand von 1.879, was einen 11prozentigen Anstieg und die höchste Zahl in den 13 Jahren
darstellt, in denen diese Statistik geführt wurde. Das
Antidiskriminierungskomitee der Amerikaner arabischer
Herkunft (American Arab Anti-Discrimination Committee - ADC) berichtet, daß sich die Zahl der Angriffe auf
Amerikaner arabischer Herkunft im Jahr 1991 gegenüber dem Vorjahr auf 119 verdreifachte, was hauptsächlich auf den Golfkrieg zurückgeführt wird. Gruppen von Amerikanern asiatischer Herkunft, darunter
das Komitee gegen antiasiatische Gewalt (Committee
Against Anti-Asian Violence) und die Liga amerikanischer Bürger japanischer Abstammung (Japanese
American Citizens League) haben ebenfalls über einen Anstieg der gegen Amerikaner aus Asien und von
den pazifischen Inseln gerichteten Verbrechen berichtet, der großenteils auf der sich verschärfenden wirtschaftlichen Lage und damit zusammenhängender
antiasiatischer Rhetorik beruht.

Ausmaß annimmt. Vielleicht niemals zuvor in der
Geschichte stand eine Gesellschaft im Hinblick auf
Heterogenität auf engstem Raum vor einer solchen
Herausforderung. Obwohl rund 80 Prozent der amerikanischen Bevölkerung weiß oder kaukasisch sind,
umfassen die grö ßten Städte des Landes das breiteste
Spektrum.
In Dade County (Florida) werden im viertgrößten
Schulbezirk des Landes Schüler aus 123 Ländern
unterrichtet. In New York hat eines von vier Kindern
unter 10 Jahren einen eingewanderten Elternteil, der
nicht Englisch spricht.
Los Angeles, das Jahr für Jahr über 300.000 Neubürger aufnimmt, wurde von Bürgermeister Tom Bradley
als "ethnisch vielfältigste Stadt der Welt" bezeichnet.
Noch vor zehn Jahren war Los Angeles weiß und im
großen und ganzen homogen. Heute sind 40 Prozent
der Bewohner lateinamerikanischer und 37 Prozent
angelsächsischer Herkunft, 23 Prozent sind Schwarze
oder Asiaten. Los Angeles hat die höchste Zahl von
Koreanern, Chinesen, Taiwanesen und Filipinos im
ganzen Land. In den Schulen der Stadt werden
nahezu 100 Sprachen gesprochen. Ein pakistanischer
Einwanderer nannte Los Angeles einmal "die erste
echte Weltstadt Amerikas".

Übervölkerte Städte führen zu Konkurrenz um die
verfügbaren Arbeitsplätze und Wohnungen. Haß gedeiht
in schweren Zeiten und veranlaßt Beobachter zu der
Furcht, in den Vereinigten Staaten könnte eine Periode
wachsender durch Haß verursachter Gewalt angebrochen sein. Susan Olzak, eine Soziologin von der
Stanford University, die Computer und mathematische
Modelle einsetzt, um die Dynamik der Rassenbeziehungen zu untersuchen, geht davon aus, daß ethnische Gewalt ansteckend ist. "Es könnte sein, daß
dieser Wettbewerbsdruck und diese Spannungen bis
Die nationale Arbeitsgruppe der Homosexuellen und zu einer gewissen Schwelle ansteigen, und wenn dann
Lesbierinnen (National Gay and Lesbian Task Force) in New York oder Cedar Rapids (Iowa) oder New
gibt an, daß gegen Homosexuelle gerichtete Vorfälle in Orleans ein Funken entzündet wird, werden im ganzen
städtischen Zentren der Vereinigten Staaten seit 1988 Land die Flammen auflodern", erklärt sie.
um 161 Prozent zugenommen haben. Allein in fünf
Großstädten wurden insgesamt 1.822 Vorfälle regi- Die Leiterin des Nationalen Instituts gegen Vorurteile
striert. "Es gibt eine gewalttätige Gegenreaktion ge- und Gewalt (National Institute against Prejudice and
gen Homosexuelle und Lesbierinnen", erklärt Levitas. Violence - NIAPV), Adele Terrell, ist der Meinung, daß
"Dafür gibt es eine Reihe von Faktoren, insbesondere Minderheiten und Einwanderer in wirtschaftlich schwiedie Hysterie im Hinblick auf AIDS sowie die Sichtbar- rigen Zeiten häufig als Sündenböcke herhalten müskeit der homosexuellen und lesbischen Gemeinde, da sen, da Arbeiter den Verlust ihrer Arbeitsplätze auf
sich diese Gruppen zunehmend organisieren und an Einwanderung und Gleichstellungsprogramme zurückführen. "Die historischen Ursachen der durch Haß
die Öffentlichkeit treten."
motivierten Gewalt sind dieselben wie die Ursachen
Das CDR geht davon aus, daß lediglich 10 Prozent der von heute", stellt sie fest. "Die demographischen
Haßverbrechen in den Vereinigten Staaten überhaupt Gegebenheiten verändern sich, und damit verändern
den Sicherheitsbehörden gemeldet werden. Vorfälle sich auch die Zielgruppen, aber die Ursachen bleiben
wie verbale Belästigungen oder Drohungen werden für die gleichen."
gewöhnlich überhaupt nicht angezeigt.
Olzak von der Stanford University bemerkt, daß EinDie Zunahme des Hasses findet in einer Zeit statt, in wanderer im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
der die Vielfalt in den Großstädten ein einzigartiges zunächst häufig mit Gewalt konfrontiert waren. AsiaSeite2

AMERIKA DIENST 49

�tische Einwanderer waren ebenso wie Gruppen süd-,
ost- und mitteleuropäischer Einwanderer die Zielscheibe. "Die vielleicht schwächste Gruppe - diejenige, die
am wenigsten in der Lage ist, sich zu wehren - wird am
wahrscheinlichsten das Ziel von Aggression sein",
erläutert sie.

zusammen, um zu versuchen, Programme - etwa zur
Konfliktschlichtung - in den frühen Schulklassen einzuführen."

In Baltimore (Maryland) und mehreren anderen Großstädten werden Grundschulkinder als "Konfliktloser"
ausgebildet, die bei Auseinandersetzungen auf dem
"Meines Erachtens sollte das gesamte Phänomen der Spielplatz oder anderen Streitigkeiten unter Aufsicht
Haßverbrechen eigentlich in einen wesentlich umfas- Schlichtungssitzungen abhalten. "Konfliktschlichtung
senderen historischen und politischen Kontext einge- ist eine Sache des Lernens. Und dann hofft man, daß
ordnet werden", erklärt Levitas. "Dieses Problem ist sie in Gruppenkonflikten sowie später auch in anderen
darüber hinaus auch nicht auf die Vereinigten Staaten Konflikten angewandt wird", meint Terrell.
beschränkt. Wir stellen fest, daß dies in ganz Europa
und der ehemaligen Sowjetunion geschieht. Men- Margot Stern Strom, geschäftsführende Direktorin des
schen gehen einander an die Gurgel, und überall gibt Erziehungsprogramms "Der Geschichte und uns selbst
es Morde aufgrund von ethnischen Auseinanderset- entgegentreten" (Facing History and Ourselves) ist der
zungen sowie fiktiven Vorstellungen von rassischer Ansicht, daß die Schulbildung gegen das Haßvirus
vorbeugen kann. Ihr Schulbildungsprogramm in Los
oder ethnischer Überlegenheit."
Angeles über die Wurzeln von Rassismus und AntiseDas Zentrum für Demokratische Erneuerung berich- mitismus untersucht mit Hilfe von Ärzten, Juristen,
tet, die meisten Experten für durch Haß gegen be- Dichtem und Polizeibeamten Ausgangsmaterialien der
stimmte Gruppen motivierte Gewalt seien der Mei- Vorurteile wie beispielsweise Werbefilme des Ku Klux
nung, daß von Mitgliedern organisierter Haßgruppen Klans und Hitler-Propaganda, damit die Schüler die
wie des Ku-Klux-Klan relativ wenige Straftaten verübt Ursachen des Hasses verstehen. Wenn sie sich
würden, während die große Mehrzahl von auf eigene zusätzlich noch mit dem Leben wenig bekannter HelFaust handelnden Einzelpersonen, insbesondere jun- den aus schwierigen Zeiten befassen, lernen sie zu
gen Leuten, begangen werden. Viele dieser Personen würdigen, was der einzelne in der Gesellschaft erreifühlen sich durch die gewalttätige Rhetorik weißer chen kann, erklärt sie.
rassistischer Organisationen und das Versagen von
Entscheidungsträgern auf nationaler und Gemeinde- "Ein Zweig unserer Pädagogikabteilung hat das neue,
ebene, die sich nicht energisch genug gegen Haßgrup- wirksame Programm 'Erziehung zur Toleranz' (Teaching Tolerance) ins Leben gerufen, so Angie Lowry,
pen und Haßverbrechen aussprechen, ermutigt.
Programmdirektorin von Klanwatch. "Wir arbeiten
Prosecutor, eine Zeitschrift für Staatsanwälte, hat überwiegend mit weiterführenden Schulen, um die
berichtet, etwa die Hälfte der wegen Haßverbrechen Kinder schon frühzeitig zu erreichen und sie über die
Festgenommenen sei zwischen 16 und 25 Jahren alt. Unterschiede zwischen ihren Klassenkameraden zu
Die Verhaftungsunterlagen dokumentieren, daß 70 unterrichten."
Prozent der aufgrund von Vorurteilen gegen bestimmte Gruppen in den vergangenen zehn Jahren in New Die Antidiffamierungsliga unterstützt auch das ProYork begangenen Verbrechen von Jugendlichen unter gramm "Eine Welt der Unterschiede" (World of Difference), das die Bewußtmachung von Vorurteilen zum
20 verübt wurden.
Ziel hat und mehr als 100.000 Lehrer von Grund- und
Die Beteiligung Jugendlicher an Haßverbrechen weist weiterführenden Schulen, 20.000 Studenten und ProExperten zufolge frühzeitigen Erziehungsmaßnahmen fessoren an Colleges und Universitäten und mehr als
eine Schlüsselrolle zu, um die Saat des Hasses im 2.000 ehrenamtliche Jugendarbeiter erreichte.
Keim zu ersticken, bevor sie Wurzeln schlagen kann.
"'Eine Welt der Unterschiede' ist ein umfassendes
Terrell vom NIAPV gibt an, viele amerikanische Kinder Programm. Es erzieht zur Vielfalt", erklärt Myrna
wüchsen von direkten Kontakten mit unterschiedli- Shinbaum, Direktorin der Öffentlichkeitsabteilung der
chen Menschen isoliert auf. Aufgrund des Fehlens ADL. Sie stellt fest, daß die ADL nicht nur Antisemitisdirekter persönlicher Erfahrungen würden sie über mus, sondern allen Arten von Vorurteilen entgegenwirandere Gruppen durch Phantasiegeschichten, Witze, ken will. "Wir bei der ADL waren immer der Ansicht,
Klischees und die Medien erfahren.
daß die beste Möglichkeit, den Antisemitismus zu
bekämpfen und die amerikanischen Juden zu schüt"Wir arbeiten zur Zeit mit dem Gemeindekontaktdienst zen, in der Förderung der Demokratie in Amerika liegt",
(Community Relations Service) des US-Justizministe- äußert sie. "Wenn alle in Sicherheit leben, dann leben
riums zusammen", erklärt sie. "Wir veranstalten Aus- auch die Juden in Sicherheit. Wir denken nicht, daß
bildungsseminare, führen Untersuchungen und Kon- der Antisemitismus abgeschafft wird, aber wir wollen
sultationen an Colleges durch, die Lehrkörper, Verwal- das Leben eines jeden verbessern, existierende Vortungsfachleute, Studenten und bisweilen die umlie- urteile aufzeigen und ihnen so gut wie möglich entgegenden Gemeinden einbeziehen. Darüber hinaus genwirken."
arbeiten wir mit Lehrer- und Schulleiterverbänden
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�Das ADL-Programm "Eine Welt der Unterschiede"
wird auch am Arbeitsplatz, der raschem Wandel unterliegt, erfolgreich eingesetzt. Experten zufolge wird zur
Jahrhundertwende die Mehrheit der Arbeitskräfte aus
Frauen, Farbigen und anderen, nicht in die klischeehaften institutionellen Muster passenden Menschen
bestehen. Von den 25 Millionen Menschen, die im
Laufe der kommenden 12 Jahre eine Erwerbstätigkeit
aufnehmen , werden 85 Prozent Frauen, Angehörige
von Minderheiten und Immigranten sein. Im Hinblick
auf die Zukunft suchen Unternehmen und Regierungsbehörden nach Möglichkeiten, bei ihren Angestellten
Fähigkeiten zur Konfliktlösung und Verständnis für
Vielfalt zu entwickeln.
Laut Shinbaum haben mehr als 50.000 Angestellte
und Führungskräfte an dem Ausbildungsprogramm
"Eine Welt der Unterschiede" teilgenommen, und es
besteht ständige Nachfrage nach dem Programm.
"Wir können mit der großen Zahl von Nachfragen gar
nicht Schritt halten", erklärt sie.

ihr Verständnis untereinander gefördert wird und sie
ihre Unterschiede schätzen lernen. Im Balboa-Park
von San Diego wurde eine sogenannte "Freiheitsfeier"
mit Musik, Tänzen und Gerichten von Latein- und
Afroamerikanern, Laoten, Filipinos, Vietnamesen,
Kambodschanern, Chinesen, Indianern und Bewohnern der Pazifischen Inseln abgehalten. Patty Brooks,
die zu den Organisatoren der Veranstaltung gehörte,
erklärte: "Wir wollten Menschen mit verschiedenem
kulturellen Hintergrund und Erbe unsere Unterschiede
und Gemeinsamkeiten vor Augen führen."
Das Justizwesen ist ebenfalls für die Abschreckung
von Haßverbreitern von Bedeutung, soShinbaum. "Im
Bereich der Gesetzgebung haben wir beispielhafte
Gesetze gegen Haßverbrechen vorgelegt, die jetzt
von der Bundesregierung und den Bundesstaaten,
Städten und Gemeinden im ganzen Land erlassen
werden", hebt sie hervor.

Die Gruppe North Carolina gegen rassische und religiöse Gewalt (North Carolinians Against Racist and
Das Untemehmensprogramm umfaßt Präsentationen, Religious Violence - NCARRV), die landesweit als
Gruppendiskussionen und interaktive Gruppenübun- Modell im Kampf gegen die Aktivitäten weißer Rassigen, damit Vielfalt am Arbeitsplatz verständlich wird sten betrachtet wird, hilft den Opfern als Teil eines
und Freude bringen kann. Eine solcher Übungen ist laufenden Programms der Überwachung, Erziehung,
ein kurzer Wissenstest, bei dem die Teilnehmer inner- Organisation und Forschung. "Wir leiten Schulungshalb einer Minute je fünf Namen berühmter Männer, zentren für Rechtshilfe für Verbrechensopfer in den
Frauen, Schwarzer, Asiaten, gebürtiger Amerikaner, Gemeinden, die leicht Zielscheibe von Gruppen weiJuden, Homosexueller und verschiedener anderer ßer Rassisten werden können", bemerkt Linda WilKategorien niederschreiben müssen. Diese Übung liams, Gemeindepädagogin und Abteilungsleiterin. "Wir
zeigt die großen Wissenslücken der Teilnehmer über sagen den Menschen, welche Rechte sie haben, und
andere ethnische, sexuelle oder religiöse Gruppen was sie tun können, wenn etwas geschieht - beispielsweise beim Anzünden von Kreuzen -, welche rechtliauf.
chen Schritte unternommen werden und wie man mit
Ein leitender Angestellter kommentierte: "Bei diesem der Polizei zusammenarbeitet", erklärt sie.
Programm wurde niemandem die Schuld für etwas
gegeben. Es half uns zu verstehen, wie jeder bewußt In einem Bericht der NCARRV-Gruppe wird festgeoder unbewußt, abhängig von seinem Bewußtsein stellt, daß Maßnahmen der Bundesregierung und der
gegenüber anderen, seine Mitmenschen diskriminie- Gerichte zu Fortschritten beim Kampf gegen intoleren kann."
ranzbedingte Gewalt im Staat geführt haben. Im Jahr
1991 wurde ein Zusatzartikel zur Verfassung angeDie Gemeinde insgesamt anzusprechen ist eine ande- nommen, der es Richtern gestattet, bei ihren Urteilsre Möglichkeit, die Menschen über Intoleranz und ihre sprüchen rassische, religiöse oder ethnische EinschüchGefahren aufzuklären, behauptet Kelly Mitchell Clark, terung mit einzubeziehen. Ein weiteres neues Gesetz
die Hauptorganisatorin des Watchcare-Netzwerkes bezeichnet "ethnische Einschüchterung" als ein Vervon The Women's Project, einer Gruppe von Aktivi- brechen.
sten, die die Allgemeinheit in die Vorbeugung gegen
Haßverbrechen einbeziehen will. "Wir ermuntern die Beobachter fürchten, die strafrechtliche Verfolgung
Menschen zu so unterschiedlichen Aktionen wie dem von Haßverbrechen habe vielleicht einen Rückschlag
Schreiben von Leserbriefen, der Teilnahme an öffent- erlitten, als in einer Entscheidung des Obersten Bunlichen Protesten auf den Hauptstraßen oder einem desgerichts (R.A.V. ./. St. Paul, 1992) die RechtsgülAnti-Rassismus-Sonntag, an dem Prediger aus ihrer tigkeit eines Erlasses aus St. Paul (Minnesota), der
Gemeinde sich gegen Intoleranz aussprechen", sagt das Anzünden von Kreuzen als ein Haßverbrechen besie. Die jeweilige Gemeinde bestimmt, was getan zeichnete, aufgehoben wurde.
werden soll. Manchmal werden Pressekonferenzen
gegeben oder die Rede eines weißen Rassisten wird Der Erlaß von St. Paul zu vorurteilsbedingten Verbrechen verbietet die Zurschaustellung eines Symbols,
gestört."
das bekanntlich "Ärger, Aufruhr oder Ressentiments
Einige Gemeinden unterstützen multikulturelle Feste, aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Glauben, Religion
um verschiedene Gruppen zusammenzubringen, damit oder Geschlecht weckt". Das Oberste Bundesgericht
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�entschied, daß der Erlaß selektiv die Redefreiheit auf
der Grundlage des Inhalts der Äußerung unterband,
was eine Verletzung der im Ersten Zusatzartikel zur
Verfassung dargelegten Rechte sei.
Mitglieder des Ku-Klux-Klans und neonazistischer
Gruppen durften immer schon aufgrund der im Ersten
Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung enthaltenen Redefreiheit und des Rechts auf friedliche Versammlung Märsche abhalten oder Schriften veröffentlichen. Jedoch ist solchen Gruppen die Anstiftung zur
Gewalt verboten.

bestimmte Klasse geschützter Personen spezifizieren
und Strafen für vorurteilsbedingte Verbrechen vorsehen, werden das nicht überleben."
Levitas vertritt die Ansicht, daß diese richterliche Entscheidung "dem Erlaß neuer Gesetze Einhalt gebieten
wird, denn nur sehr wenige Menschen werden neue
Gesetze schreiben. Dem Obersten Bundesgericht
werden zahlreiche neue Fälle vorgelegt werden."

Zivilprozesse werden manchmal anstelle von strafrechtlicher Verfolgung als juristisches Heilmittel gegen
das KrebsgeschwürderHaßverbrechen eingesetzt. In
Obszönität, Diffamierung und "Kampfwörter sind nicht North Carolina ermöglicht ein neuer Zusatzartikel es
vom Ersten Zusatzartikel geschützte Kategorien von der Kommission für zwischenmenschliche BeziehunÄußerungen. "Kampfwörter" werden als beleidigende gen (Human Rotations Commission), im Namen der
und zur Gewalt anstiftende Äu ßerungen definiert. Das Opfer rassischer, religiöser oder ethnischer EinschüchOberste Bundesgericht entschied im Fall St. Paul, daß terung einen Zivilprozeß anzustrengen. Das Southern
die Bundesstaaten den Gebrauch von "Kampfwörtern" Poverty Law Center half den Opfern von Haßverbregesetzlich regeln dürfen, jedoch nicht aufgrund der chen auch, indem es Millionen von Dollar teure Zivilprozesse im Namen der Opfer führte und gewann. Die
darin enthaltenen Botschaft.
Bereitschaft der Jury, den Opfern von Ungerechtigkeit
Obwohl einige Strafverfolgungsbehörden und Bürger- hohe Schadensersatzsummen zuzubilligen, hat zur
rechtsvereinigungen in anderen Bundesstaaten der Auflösung einiger Gruppen von Ku-Klux-Klan-AnhänAnsicht sind, daß ihre eigenen Gesetze über Haßver- gern oder Neonazis geführt, denen aufgrund der hobrechen aufgrund unterschiedlicher Formulierungen hen Kosten der Wiedergutmachung das Geld für ihre
nicht von der Entscheidung des Obersten Bundesge- Aktivitäten ausgegangen ist.
richts betroffen sind, sind andere wiederum beunruhigt. "Man weiß es noch nicht, aber ich bin der Ansicht, Das vielfältige Mosaik der amerikanischen Geselldaß die Auswirkungen letztlich verheerend sein wer- schaft stellt für die Nation eine ständige Herausfordeden", so Levitas vom CDR. "Gesetze der Bundesstaa- rung dar, insbesondere in den Innenstädten, wo Toleten, die Schutz vor einem Verstoß gegen die Bürger- ranz in Zukunft lebenswichtig sein wird. Obwohl die
oder Verfassungsrechte bieten, werden wahrschein- Zahl derjenigen, die Haßverbrechen begehen, verhältlich überleben", vermutet er, "aber Gesetze, die eine nismäßig klein ist, wächst die Zahl der Friedensstifter
und Erzieher.
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