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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. November 1992
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CLINTON-KONGRESS
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FRAKTIONSFUHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM
KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit
mit dem Kongreß

CLINTON-AUSSENPOLITIK

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als
prägende Erfahrungen

GATT

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU
WESENTLICHEN FRAGEN DER
URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der
USA-EG-Kommission
USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH
BEI WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet

JUGOSLAWIEN

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN
GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell

PORTRAT

HILLARY CLINTON WIRD "SPRACHROHR'
FÜR KINDER SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten ein Porträt
TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidenten
- ein Porträt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�CLINTON/KONGRESS
25. November 1992

FRAKTIONSFÜHRER DER DEMOKRATEN UND
REPUBLIKANER BEGRÜSSEN CLINTON IM KAPITOL
Clinton verspricht Zusammenarbeit mit dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Der künftige Präsident Clinton der Exekutive, von denen ein Großteil der Reaganhat auf dem Capitol Hill verkündet, daß er bei der und Bush-Administrationen gekennzeichnet war, im
Lösung der Wirtschaftsprobleme des Landes mit dem Verschwinden begriffen seien. "Wenn Sie genau
Kongreß zusammenarbeiten will und erhielt nicht nur aufpassen, können Sie heute schon spüren, wie sich
von den Mitgliedern seiner eigenen Partei, sondern die festgefahrene Situation lockert", stellte dergewählauch von den Fraktionsführem der republikanischen te Vizepräsident fest.
Oppositionspartei erste Zusicherungen.
Clinton sprach von 'beispiellosen" Problemen der Nation,
Am 19. November, dem letzten Tag seines zweitägi- die mit den Gegebenheiten des Zeitalters nach dem
gen Besuchs in der Bundeshauptstadt Washington, Kalten Krieg zu tun hätten, in dem "wir uns darum
traf sich Clinton im Kapitol zu mehreren Gesprächen, kümmern müssen, wie wir mit der Weltwirtschaft Schritt
teils auch unter vier Augen, mit führenden Parlamen- halten oder in manchen Fällen auch nicht".
tariern, die über das Schicksal der von ihm vorgeschlaClinton zufolge erfordert die Lösung der wirtschaftligenen Programme entscheiden werden.
chen Probleme die Zusammenarbeit beider Parteien
Auf einer am Nachmittag nach einer Reihe von Ge- und er versprach den Republikanern "eine offene Tür
sprächen anberaumten Pressekonferenz erläuterte und regelmäßige Gespräche".
der gewählte Präsident nochmals seine Prioritäten
nach der Vereidigung am 20. Januar 1993: Wirt- Die Fraktionsführer der Republikaner ihrerseits schieschaftswachstum, Abbau des Haushaltsdefizits, Ko- nen die Angebote des gewählten Präsidenten zu
stenkontrolle und Kostendeckung im Gesundheitswe- begrüßen.
sen, sein Vorschlag eines Dienstes an der Allgemein- Dole, der einige Tage zuvor angekündigt hatte, daß er
heit für Collegestudenten und politische Reformen.
vielleicht während Clintons "Flitterwochen" mit dem
Clinton erschien auf der in der historischen Standbildgalerie des Kapitals stattfindenden Pressekonferenz
zusammen mit seinem gewählten Vizepräsidenten
Gore, dem Sprecher des Repräsentantenhauses
Thomas Foley, Senator George Mitchell und dem
Mitglied des Repräsentantenhauses Richard Gephardt,
den demokratischen Fraktionsführern des Senats und
des Repräsentantenhauses sowie deren Amtskollegen aus dem republikanischen Lager, Senator Robert
Dole und dem Mitglied des Repräsentantenhauses
Robert Michel.

Kongreß die Rolle der Anstandsdame übernehmen
werde, prophezeite, "es wird viele Bereiche geben, bei
denen wir einer Meinung sind".
"Sie sind Demokraten, wir sind Republikaner, aber es
liegt in unserem gemeinsamen Interesse, das Land
weiterzubringen, uns um Arbeitsplätze, die Wirtschaft,
das Gesundheitswesen, den Abbau des Haushaltsdefizits zu kümmern... Daher vermute ich, daß viele
Gemeinsamkeiten gefunden werden", fügte er hinzu.

Michel stellte fest, Clinton werde sich "dem Dilemma
gegenübersehen, die Wirtschaft anzukurbeln, ohne
Clinton verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, bis zu seiner das Problem des Haushaltsdefizits zu verschärfen,
Amtseinführung die Einzelheiten seines Wirtschafts- dem wir uns gegenübersehen". Ihm zufolge bieten
förderungsprogramms ausgearbeitet zu haben, um diese Bestrebungen die Chance zusammenzuarbeirechtzeitig eine Rede zur Lage der Nation halten zu ten, und "wir alle werden das im Interesse unseres
können, die "den Konsens, welchen Kurs wir einschla- Landes tun müssen".
gen müssen", reflektiere.
Nach der offiziellen Pressekonferenz machte Michel
Er betonte die Rolle, die er Gore beim Aufbau einer vor Reportern noch einige Ausführungen und stellte
funktionierenden Partnerschaft mit dem Kongreß ein- fest, daß viele Mitglieder des Repräsentantenhauses
räumen will, und Gore selbst äußerte die Vermutung, "das Haushaltsdefizit sehr ernst nehmen." Es werde
daß derartige Konflikte zwischen der Legislative und
AMERIKA DIENST 47

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�seiner Ansicht nach für sie von höchster Priorität sein,
"eine ordnungsgemäße Ausgabenreduzierung durchzusetzen", gleichzeitig aber exzessive Kürzungen der
Verteidigungsausgaben zu verhindern.
Der allgemeine Eindruck des guten Einvernehmens
zwischen den beiden Parteien wurde sogar durch
Newt Gingrich, dem abwesenden, an zweiter Stelle in
der Rangfolge der Republikaner liegenden Mitglied
des Repräsentantenhauses gefördert, der normalerweise den Demokraten mit offener Feindseligkeit
begegnet. Gingrich brachte einen von ihm an Clinton
geschriebenen Brief in Umlauf, in dem er sich für seine
Abwesenheit entschuldigte, und versprach, sich an
den "gemeinsamen Anstrengungen" zur Lösung der
Probleme des Landes zu beteiligen.
Clinton betrat auf seiner Pressekonferenz wenig Neuland,
gab aber zu spezifischen Fragen folgende Kommentare ab:
Explodierende Kosten im Gesundheitswesen,
sowohl im öffentlichen als auch im privaten
Bereich, sind ein entscheidendes Element bei
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und "niemand glaubt ernsthaft, daß wir
jemals das Defizit unter Kontrolle bringen können, bis wir ein System einführen, das (sie)...
unter Kontrolle bringt''. Er wird an der Entwicklung eines überparteilichen Vorschlags arbeiten, der eine Kontrolle der Kosten vorsieht und
gleichzeitig allen Amerikanern eine Grundversorgung anbietet.
Er räumt der Verwirklichung des anstehenden
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
(NAFTA) mit Kanada und Mexiko höchste Priorität ein. Clinton, der früher gesagt hatte, daß
einige Punkte des NAFTA-Entwurfs zu UmweRund Arbeitsfragen noch geprüft werden müßten, wiederholte "es gebe noch einiges andere
zu tun", bevor der Vertrag in Kraft gesetzt werden könne, fügte jedoch hinzu: "Ich freue mich
auf die Zusammenarbeit mit Präsident Salinas
(Mexiko) in diesem Bereich, die sicherlich erfolgen wird."

Auf Präsident Bushs "sehr aggressive Politik"
zur Erweiterung des Handels mit Lateinamerika
angesprochen, antwortete er: "Ich werde wahrscheinlich noch aggressiver sein." Er hofft auf
ein Handelsabkommen mit Chile und "mehr
Handel mit Argentinien".
Die Vereinigten Staaten haben "ein großes Interesse daran, China nicht zu isolieren, darauf
hinzuwirken, daß China weiter eine Marktwirtschaft entwickelt". Aber gleichzeitig "müssen
wir darauf bestehen, daß ... in den Bereichen
Menschenrechte und Menschenwürde Fortschritte gemacht werden". Er habe "in den letzten
Monaten Anzeichen dafür gesehen, daß eine
starke Hand unserer Regierung dazu beitragen
kann, das zu erreichen", da die Bush-Administration "aus welchem Grund auch immer...
gegenüber von Strafgefangenen hergestellten
Waren und unfairen Handelspraktken eine härtere
Gangart einschlug".
Er will die amerikanische Politik bei Waffenverkäufen als Teil einer entschiedenen, mit anderen Nationen zu koordinierenden Anstrengung
überprüfen, "um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Ansammlung
von Waffen in den Händen derjenigen zu verhindern, die zu ihrem Einsatz entschlossen sind".
Während die Politik der Bush-Administration,
Flüchtlinge aus Haiti abzuschieben, zu undifferenziert war, ist eine vernünftige Unterscheidung zwischen Wirtschafts- und politischen
Flüchtlingen legitim. "Es wäre meiner Ansicht
nach äußerst unklug, wenn irgend jemand denken
würde, ich würde eine Politik der wahllosen
Massenmigration befürworten... Es geht hier
darum, den Haitianern die Chance zu geben,
aus triftigen Gründen eine Zeitlang in diesem
Land Asyl zu beantragen, bis auf Haiti wieder
eine demokratisch gewählte Regierung eingesetzt worden ist", stellte Clinton fest.
Clinton befürwortet weiterhin, den District of
Columbia zum Bundesstaat zu erklären und
geht davon aus, daß ein entsprechender Gesetzesvorschlag im Kongreß eingebracht wird.

* * *

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AMERIKA DIENST 47

�CLINTON/AUSSENPOLITIK
25. November 1992

CLINTONS INTERESSE AN AUSSENPOLITIK
BEGANN IM COLLEGE
Georgetown, Oxford als prägende Erfahrungen
WASHINGTON - (AD) - Der gewählte Präsident Bill
Clinton hatte stets ein starkes Interesse an auswärtigen Angelegenheiten, und er hat sein Studium und
seine Karriere so angelegt, ihn darauf vorzubereiten,
eine internationale Führungsrolle zu spielen, behaupten einige Personen, die ihn seit seiner Universitätszeit
kennen.
Kommilitonen von der School of Foreign Service der
Georgetown University sowie ehemalige Rhodes-Stipendiaten, die Ende der sechziger Jahre mit ihm in
Oxford studiert haben, sind sich darin einig, daß Clinton immer ein reges Interesse an der Welt insgesamt
und an der amerikanischen Rolle darin gehabt hat.
In einem Interview mit der Washington Post stellte
Clinton fest, er habe sich für das Studium an der
Georgetown University in der Bundeshauptstadt
Washington entschieden, weil "ich erkannte, daß die
Welt immer kleiner wurde und jeder, der den Lauf der
Ereignisse in jedem beliebigen Teil der Welt beeinflussen wollte, auch den Rest davon verstehen müßte".
Georgetown "war die einzige Universität, an der er sich
bewarb", erklärt Tom Campbell, der dort vier Jahre
lang das Zimmer mit Clinton teilte. "Er fragte seine
Studienberaterin an der High School in Hot Springs
(Arkansas), wohin er gehen solle, um Außenpolitik zu
studieren, und sie verwies ihn an die School of Foreign
Service in Georgetown."
Obwohl Clinton aus einer Kleinstadt im Süden kam,
war er "stets sehr kosmopolitisch und in seinem Denken immer sehr zukunftsorientiert", erläutert Campbell, der heute Pilot bei einer Fluggesellschaft ist. "Er
paßte perfekt zu Georgetown."
In Georgetown war Clinton Sprecher im 1. und 2.
Studienjahr seines Jahrgangs und bewarb sich im
letzten Studienjahr erfolglos um das Amt des Präsidenten des Studentenrats. "Bei allem stand er stets an
der Spitze seines Jahrgangs", so Campbell.

AMERIKA DIENST 47

Clintons Interesse an internationalen Angelegenheiten "war bereits sehr stark ausgeprägt, als ich ihn traf,
erklärt der Romanschriftsteller Thomas Caplan, der
ebenfalls in Georgetown das Zimmer mit Clinton teilte.
Die von Clinton ausgewählten Kurse "waren sehr stark
auf die Wert ausgerichtet", erläutert Caplan. "Der
Mann hat stets die größte Neugier und das stärkste
Interesse an der Welt gezeigt... Erglaubt.daßdiesein
großartiges Land ist, das in einer größeren Welt existiert... Er gehört nicht zu denen, die eine scharfe
Trennungslinie zwischen Innen- und Außenpolitik ziehen, weil sie sehr stark miteinander verbunden sind gewiß im Hinblick auf wirtschaftliche und moralische
Fragen."
Campbell erinnert sich daran, wie Clinton mit einem
Zimmergenossen, der zeitweise für den Vorsitzenden
des Streitkräfteausschusses des Senats arbeitete,
"endlos" Außenpolitik diskutierte, insbesondere den
Vietnamkrieg.
Damals arbeitete Clinton nebenbei als Assistent für
den Gouverneur von Arkansas, J. William Fulbright,
damals Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.
Fulbright war der Initiator des nach ihm benannten
internationalen Austauschprogramms, das 1946 vom
Kongreß verabschiedet wurde.
Clinton nahm sich den Senator als Vorbild, so Campbell. "Fulbright kam aus einer kleinen Stadt in Arkansas, erhielt seine Ausbildung an der Ostküste, war
Rhodes-Stipendiat und kam dann nach Arkansas zurück
und wurde erfolgreich."
Fulbright, jetzt 87, wehrt seinen Einfluß auf Clinton
bescheiden ab, fügt jedoch hinzu, Clinton sei "ein sehr
fähiger Mann - besser als das, was wir als Präsidenten
gewohnt sind".
"Er ist sehr intelligent, jung, tatkräftig, hat eine reizende
Gattin und sollte ein Erfolg sein. Das amerikanische
Volk hat großes Glück, einen Mann seiner Qualitäten

Seite 1

�in dieser Position zu haben. Meiner Prognose zufolge
wird er sehr gute Arbeit leisten."
Seitdem er seinen Posten als Senator im Jahr 1974
aufgegeben hat, ist Fulbright Sozius einer Washingtoner Rechtsanwaltskanzlei.
Als Rhodes-Stipendiat verbrachte Clinton zwei Jahre
in Oxford und bereiste ganz Europa. Die Zeit in Oxford
"war für uns alle eine wundervolle Erfahrung. Wir
waren ein Gruppe von hart arbeitenden, zielstrebigen,
disziplinierten Studenten", stellt John Isaacson fest,
der sich zusammen mit Clinton am College der Universität eingeschrieben hatte.
"Es war eine Zeit, in der wir lernen konnten, was wir
wollten. Man hatte eine Tendenz, das zu lesen, was
man früher nicht gelesen hätte, zu reisen und eine
andere Kultur kennenzulernen", erklärt Isaacson,
Gründer und Leiter einer Personalberatung für Managementpositionen.

Clinton "ist jemand, der in der Tat sehr viel mehr über
internationale Angelegenheiten - insbesondere Europa und Asien - weiß als man erwarten würde, weil wir
uns in unserer Jugend vor allem damit auseinandersetzten, wie sich die Vereinigten Staaten in die Weltordnung einfügen", erklärt Isaacson. "Clinton studiert
und engagiert sich für die Welt entschieden intensiver,
als sich die meisten bewußt sind."
"Bill hat genau dasselbe wie ich in Oxford getan - wir
haben unermüdlich gelesen", stellt Richard Stearns
fest, ebenfalls Rhodes-Stipendiat, mit dem Clinton
einige Monate das Zimmer teilte. "Er erzählte mir, er
habe während seines ersten Jahres dort nahezu 300
Bücher gelesen."

Stearns und Clinton reisten zusammen nach Deutschland, Österreich und Spanien. "Bill beschrieb es als
eine intellektuelle Odyssee", so Stearns. "Wir erkannten beide, daß der Spanische Bürgerkrieg sehr viel
komplexer war, als wir zunächst angenommen hatten",
erklärt Sterns, der heute beigeordneter Richter
Im außenpolitischen Bereich "verfügten wir über beam
höchsten
Gerichtshof von Massachusetts ist.
scheidenes Wissen, aber einige von uns, insbesondere Strobe Talbott (jetzt Redakteur von Time Maga- Clinton erklärte dem American Oxonian, einer Vierzine) hatten wirklich fundierte Kenntnisse", fügte Isaac- teljahresschrift für ehemalige Rhodes-Stipendiaten,
son hinzu. Er verwies darauf, daß Talbott, mit dem die Zeit in Übersee habe seine - während seiner Arbeit
Clinton während der Semesterferien die Sowjetunion fürden Auswärtigen Ausschuß unter Fulbright gebildebesuchte, Nikita Chruschtschows Memoiren während te - Meinung bestätigt, "daß Amerika sich für die übrige
seiner Zeit in Oxford übersetzte.
Welt engagieren muß. In diesem Sinne bin ich zum
Internationalisten geworden."

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AMERIKA DIENST 47

�GATT
25. November 1992

BUSH GIBT EINIGUNG MIT EG ÜBER
AGRARHANDELSFRAGEN BEKANNT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische
Gemeinschaft sich über ein Paket von Agrarhandelsmaßnahmen geeinigt haben, das seiner Ansicht nach zu
einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT führen wird. Nachfolgend veröffentlichen wir die
Erklärung des Präsidenten vom 20. November 1992 im Wortlaut.
Ich begrüße Minister Madigan und Botschafterin Carla
Hills. Meine heutige Ankündigung bezieht sich auf
beider Arbeit. Es ist mir eine große Freude, bekanntgeben zu können, daß die Vereinigten Staaten und die
Kommission der Europäischen Gemeinschaften übereinstimmend ein Agrarhandelspaket angenommen haben, das den baldigen erfolgreichen Abschluß der
Welthandelsgespräche ermöglichen sollte.

zur Verfügung stehen, von denen einige äu ßerst technisch sein können. Sie wissen, wie stolz ich auf die von
ihnen geleistete Arbeit bin. Ich war Zeuge, wie sie hier
in Amerika und im Ausland dieses Abkommen ausgearbeitet haben. Das hat sehr lange gedauert, aber es
steht auf einer soliden Grundlage.

Zusätzlich haben wir Lösungen zur Beilegung unserer
Differenzen über Ölsaaten und andere Agrarfragen
gefunden und damit einen möglichen Handelskrieg
verhindert, was von sehr großer Bedeutung ist.

Der nächste Schritt wird dann für die Vereinigten
Staaten, die EG und alle anderen Verhandlungspartner in der Uruguay-Runde darin bestehen, mit der
Bereitschaft an den Verhandlu ngstisch in Genf zurückzukehren, die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen.

Der Weg hin zu dem heute erzielten Ergebnis war lang
und schwierig. Ich erinnere mich an die ausführlichen
Diese Welthandelsgespräche, die sogenannte Uru- und häufig lebhaften - diese Bezeichnung habe ich
guay-Runde des GATT, sind wesentlich für die Ankur- bewu ßt gewählt - Debatten über Landwirtschafts- und
belung des Wirtschaftswachstums und die Schaffung andere Handelsfragen auf dem Weltwirtschaftsgipfel
von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf der ganzen in Houston im Jahr 1990 und auf jedem der nachfolWelt. Ich hege die Hoffnung, daß der heute erzielte genden Gipfel. Jetzt bin ich voll und ganz davon
Durchbruch die laufenden Verhandlungen zwischen überzeugt, daß die geleistete Arbeit die Sache wert
allen GATT-Mitgliedern in Genf auf breiter Front in war. Heute Morgen sprach ich mit Premierminister
Bewegung bringen wird, so daß wir zu dem schon so John Major und hatte die Gelegenheit, ihm für seine als
lange angestrebten umfassenden, weltweiten und gegenwärtiger Präsident der EG gespielte Schlüsselrolle zu danken.
ausgewogenen Abkommen gelangen können.

Besonders freue ich mich darüber, daß Botschafterin
Hills und Minister Madigan heute bei uns sind, denn sie
haben mit ihrer hervorragenden Arbeit zur Erzielung
dieses historischen Ergebnisses beigetragen. Auch
möchte ich ihre hier anwesenden Mitarbeiter begrüßen. Sie werden heute zur Beantwortung von Fragen

Ich möchte nochmals unsere Partner bei diesen Anstrengungen grüßen. Und besonders grüße ich das
au ßergewöhnlich effektive Team, das mit seiner Arbeit
diesen Erfolg möglich gemacht hat.

* * * *

AMERIKA DIENST 47

*

Seite 1

�GATT
25. November 1992

USA, EG ERZIELEN EINIGUNG ZU WESENTLICHEN
HANDELSFRAGEN DER URUGUAY-RUNDE
Gemeinsame Erklärung der USA-EG-Kommission
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut einer am 20. November 1992 herausgegebenen gemeinsamen Erklärung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften und der Vereinigten
Staaten, in der die zwischen ihnen erzielte Einigung zu Agrarfragen, Marktzugang und Dienstleistungsproblemen bei den Handelsgesprächen der Uruguay-Runde bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten und die Kommission der
Europäischen Gemeinschaften beabsichtigen, einen
erfolgreichen Abschlu ß der Uruguay-Runde anzustreben. Als Ergebnis unserer Erörterungen vertreten wir
die Auffassung, daß wir die erforderlichen Fortschritte
erzielt haben, um Einigung zu den wesentlichen Fragen zu gewährleisten, die Fortschritte in Genf blockieren - vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Dienstleistungen und Marktzugang. Ein erfolgreiches Ergebnis wird sich positiv auf das Handels- und Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften der Welt auswirken.

Wir stimmen voll u nd ganz überein, da ß ein wirksames
Abkommen über Agrarreformen die Beteiligung aller
Länder an den Verhandlungen erfordert.
Die Vereinigten Staaten und die EG-Kommission haben
sich auf eine Lösung der Kontroverse über Ölsaaten
geeinigt.

Im Hinblick auf Marktzugang haben die Vereinigten
Staaten und die EG-Kommission die Basis zur Erlangung eines ehrgeizigen Ergebnisses gefunden, das
ihre jeweiligen Zielsetzungen folgendermaßen erfüllt:
Unsere Unterhändler kehren nach Genf zurück, um Die detaillierten Verhandlungen über bestimmte Sekgemeinsam auf den Aufbau eines umfassenden, glo- toren oder Produkte werden fortgesetzt, um Fortschritbalen und ausgewogenen Pakets hinzuarbeiten, das te zum Abschlu ß eines substantiellen und ausgewogewir beide bei diesen Verhandlungen anstreben. Wir nen Pakets zu ermöglichen. Die Senkung von Zöllen
beabsichtigen, mit GATT-Direktor Dunkel bei endgül- wird mit so wenigen Ausnahmen wie möglich maxitigen Vereinbarungen über alle im Entwurf der "Schluß- miert, einschließlich einer beträchtlichen Reduzierung
akte" dargelegten Bereiche zusammenzuarbeiten, die hoher Zölle, der Harmonisierung von Zöllen auf äuer im vergangenen Dezember vorgelegt hat, sowie ßerst niedriger Ebene und der Beseitigung von Zöllen
beimAbschlußderVerhandlungenüberMarktzugang, in Schlüsselbereichen. Es besteht die Aussicht, daß
die unserer einhelligen Meinung nach integralen Be- das in Montreal festgesetzte Ziel erheblich überschritstandteil der Gesamtergebnisse der Uruguay-Runde ten werden kann. Die Beteiligung dritter Länder - nicht
nur der Entwicklungsländer, sondern auch anderer
bilden.
Industrienationen - sowie die Behebung nichttarifärer
Verzerrungen
wird als von entscheidender Bedeutung
Im Bereich Landwirtschaft haben wir unsere Differenerachtet
und
beide
Parteien werden ihre Bestrebunzen über die Hauptbestandteile im Hinblick auf inländigen
fortsetzen,
während
der kommenden Wochen in
sche Stützungsmaßnahmen, Exportsubventionen und
Genf
weiterhin
die
bestmöglichen
Ergebnisse in dieser
Marktzugang so beigelegt, daß es dem GeneraldirekHinsicht
zu
erzielen.
tor möglich sein sollte, die Verhandlungen zu einem
erfolgreichen Abschluß zu bringen. Wir werden Generaldirektor Dunkel über unsere Fortschritte informieren Darüber hinaus wurden im Bereich staatlicher Beund mit ihm zusammenarbeiten, um eine umfassende schaffung wesentliche Fortschritte im Hinblick auf die
Vereinbarung in Genf sicherzustellen. Wir haben Erweiterung der Abdeckung erzielt. Die Unterhändler
unsererseits unsere Unterhändler angewiesen, die der Vereinigten Staaten und der EG wurden angewiedetaillierten Verhandlungen zu unseren jeweiligen sen, die Einzelheiten der Erweiterung der Abdeckung
Terminplänen zu rasch wie möglich abzuschließen. und der Verbesserungen des Kodex auszuhandeln.

AMERIKA DIENST 47

Seite 1

�Bei Dienstleistungen stimmen wir überein, daß die
Angebote zu Marktzugang integralen Bestandteil des
ehrgeizigen Ergebnisses bilden müssen, das wir anstreben. Wir haben jetzt einen gemeinsamen Ansatz
zu Finanzdienstleistungen vereinbart. Darüberhinaus
haben wir Verbesserungen unserer jeweiligen Angebote erörtert und uns auf die größtmögliche Liberalisierung mit minimalen Ausnahmen geeinigt, in der Erwartung, daß die anderen Teilnehmer der Verhandlungen
ihre Angebote entsprechend verbessern werden.
Wir sind voller Erwartung, daß der von uns erzielte
Durchbruch die Patt-Situation der Verhandlungen
beheben und den zum Abschluß der Runde erforderlichen Auftrieb verleihen wird. Wir ermutigen unsere

Verhandlungspartner, die notwendige Flexibilität an
den Tag zu legen, um diese Verhandlungen zu beenden.
Beim Wirtschaftsgipfel in München im Juli dieses
Jahres forderten die Staats- und Regierungschefs der
G-7 den Abschluß der Uruguay-Runde bis Ende dieses Jahres. Die Zeit ist knapp, aber die Unterhändler
kehren nach Genf in dem Vertrauen zurück, daß
substantielle Fortschritte erzielt werden können, um
die Verpflichtung der Staats-und Regierungschefs der
G-7 zu erfüllen, vorausgesetzt, die anderen Länder
sind zur Zusammenarbeit mit uns bereit, um ein ehrgeiziges und weitreichendes Ergebnis dieser wichtigen Gespräche sicherzustellen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

�GATT
25. November 1992

USA UND EG VERKÜNDEN DURCHBRUCH BEI
WELTHANDELSGESPRÄCHEN
Beschleunigung der Verhandlungen erwartet
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Dabei werden die Staaten generell aufgefordert, ihre
die Europäische Gemeinschaft haben ihre gröbsten gesamten inländischen Stützungsmaßnahmen für die
Differenzen über die Reform des Welthandels mit Landwirtschaft in einem Zeitraum von sechs Jahren
Agrarprodukten beigelegt und damit den Weg für den um 20 Prozent zu verringern - auf ein Niveau, das von
Abschluß der Uruguay-Runde weltweiter Handelsge- den Vereinigten Staaten durch das Landwirtschaftsgespräche geebnet.
setz von 1990 bereits erreicht wurde.
Der durch gravierende Meinungsverschiedenheiten
über Ölsaaten verschärfte Disput über Agrarsubventionen zwischen den Vereinigten Staaten und der EG
hatte in den vergangenen beiden Jahren alle wirklichen Fortschritte bei den Welthandelgesprächen blokkiert. An den Verhandlungen, die neben der Landwirtschaft Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen,
geistiges Eigentum und Textilien umfassen, nehmen
über 100 Staaten teil.
Bei der Bekanntgabe der Einigung über Ölsaaten und
die umfassenderen Fragen in der Uruguay-Runde
zwischen der EG und den Vereinigten Staaten verlieh
Präsident Bush am 20. November 1992 der Erwartung
Ausdruck, dies werde es den Ländern ermöglichen,
bei den Welthandelsgesprächen auf dem Weg zu
einem erfolgreichen Abschluß Fortschritte zu erzielen.
"Diese Welthandelsgespräche ... sind wesentlich für
die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die
Schaffung von Arbeitsplätzen in unserem Land, ja auf
der ganzen Welt", erklärte Bush.
"Unseres Erachtens ist dies ein sehr, sehr gutes Abkommen für die landwirtschaftlichen Erzeuger in den
Vereinigten Staaten", erläuterte der amerikanische
Landwirtschaftsminister Edward Madigan im Anschluß
an Bushs Erklärung vor Reportern.
Obwohl nur vage Einzelheiten der Vereinbarungen zu
den umfassenderen Problemen veröffentlicht wurden,
scheinen diese im allgemeinen dem von Arthur Dunkel, dem Generaldirektor des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT), vor fast einem Jahr
skizzierten Plan zu folgen.

AMERIKA DIENST 47

Ferner wird eine 36prozentige Reduzierung der für
Exportsubventionen aufgewendeten Mittel sowie eine
21 prozentige mengenmäßige Reduzierung subventionierter Exporte gefordert, gemessen am Durchschnittsniveau der im Basiszeitraum von 1986-90 bereitgestellten Exportsubventionen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müßte die EG ihre
Exportsubventionen gemessen an den Ausgaben in
den Jahren 1991 und 1992 um 38 Prozent senken, da
diese wesentlich höher liegen als im Basiszeitraum
von 1986-90, stellte Madigan fest.
Madigan zufolge sollten es die Bestimmungen über
Exportsubventionen den landwirtschaftlichen Erzeugern in den Vereinigten Staaten gestatten, viele in den
vergangenen Jahren infolge der europäischen Subventionen verlorengegangene M ärkte zu rückzugewinnen.
Ein entscheidendes drittes Element der Landwirtschaftsverhandlungen im Rahmen der Uruguay-Runde Beschränkungen des Marktzugangs - wurde von
Madigan nicht erwähnt. Amerikanischen Vertretern
zufolge sollen diese Woche weitere Einzelheiten der
Einigung veröffentlicht werden.
Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills erklärte - ebenfalls vor Reportern - am 20. November, das von den
Europäern angestrebte Konzept des "Ausgleichs"
(rebalancing) sei in der Vereinbarung nicht enthalten.
Diesem Konzept zufolge hätten die Europäer die
Subventionen bei einer Produktart erhöhen können,
solange der Gesamtumfang der Subventionskürzungen eingehalten würde.

Sehe 1

�"Nachdem wir die Probleme im Bereich Landwirtschaft
aus dem Weg geräumt und sie zumindest in das
multilaterale Forum in Genf verlagert haben, besitzen
wir jetzt eine optimale Chance zur Erlangung eines
multilateralen Abkommens, das tiefgreifende positive
Auswirkungen auf alle unsere Volkswirtschaften im
Welthandelssystem haben könnte", erklärte Hills.
Bush verwies auf eine Unterredung mit dem britischen
Premierminister John Major, in der er ihm dafür dankte,
daß er die Gespräche vorwärts gebracht habe. Major
hatte entscheidend dazu beigetragen, dem französischen Widerstand gegen landwirtschaftliche Reformen entgegenzutreten.

"Ich hoffe, daß zwischen Montag, dem 23. (November)
und dem Beginn der Weihnachtsferien aggressive
Verhandlungen stattfinden", erklärte Hills. "Mit gutem
Willen und Energie von allen Seiten können in diesen
drei Wochen enorme Fortschritte erzielt werden."
"Wir haben sicherlich eine gute Ausgangsposition",
erklärte Hills.
Hills zufolge haben sich die beiden Seiten ferner über
die Vorgehensweise bei mehreren Teilbereichen der
Uruguay-Runde verständigt, darunter die Senkung
von Zöllen, Regeln für staatliche Beschaffungen und
die Einbeziehung von Finanzdienstleistungen in die
Welthandelsgespräche.

Der Präsident forderte alle Staaten auf, mit der Bereitschaft an den Verhandlungstisch in Genf zurückzukehren, "die für den erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen nötige Flexibilität zu zeigen".

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 47

�JUGOSLAWIEN
25. November 1992

VERBRECHEN IN JUGOSLAWIEN WERDEN GESÜHNT
Rede von Botschafter Blackwell
WARSCHAU - (AD) - Diejenigen, die "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" im ehemaligen Jugoslawien
begangen haben, "werden zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dauert und wie schwierig diese
Aufgabe auch sein mag", erklärte der amerikanische Vertreter bei der UN-Menschenrechtskommission
(UNHRC), Botschafter Kenneth Blackwell, am 17. November 1992.
Blackwell, der kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt war, wo er 19 Intemierungszentren in 13
Städten besucht hatte, sprach beim Seminar über Toleranz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE).
Obwohl die internationale Staatengemeinschaft mehr tun müsse, um zu versuchen, den Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu beenden, betonte Blackwell, daß "der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren Ausbruch
zu beenden, der ineffektivste Weg ist, um das Problem in den Griff zu bekommen". Die amerikanische Erfahrung
habe ihn davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte des
einzelnen der beste Weg seien, "um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten",
erklärte Blackwell.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Botschafter Blackwells im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir treffen in einer Zeit zusammen,
in der auf diesem Kontinent, an einem Ort namens
Jugoslawien, Akte unsäglichen Grauens stattfinden.
Ich brauche vor diesem Publikum den widerlichen
Katalog der Verbrechen gegen die Menschlichkeit
nicht im einzelnen zu erläutern, die jenes Land und das
Leben aller Menschen befleckt haben, ob sie dort
leben oder nicht - ein weiteres Beispiel aus einer
langen Reihe von Gesellschaften, in denen unzureichend bekämpfte und im Lauf der Zeit verfestigte
Intoleranz zum Wahnsinn geführt hat.

den, um dem Alptraum im ehemaligen Jugoslawien ein
Ende zu setzen. Den Umständen nach wäre dies
selbstgefällig. Was immer wir unternommen haben,
es ist offensichtlich nicht genug. Und wir alle, in
unseren Regierungen, in den Vereinten Nationen, in
der Europäischen Gemeinschaft und nicht zuletzt in
der KSZE müssen unsere Maßnahmen und unsere
Verpflichtungen erneut unter die Lupe nehmen, um zu
sehen, was wir zusätzlich tun können - denn wir
können mehr tun, und wir müssen mehr tun.

Dies ist nicht nur eine Frage, die das ehemalige
Jugoslawien
betrifft, so schrecklich die Lage dort auch
Ich bin kürzlich aus Bosnien-Herzegowina zurückgeist.
Seit
dem
Ende des Kalten Krieges wurden die
kehrt, wo ich 19 Intemierungszentren in 13 Städten
Schranken,
die
ethnische Konflikte gezügelt hatten, an
besucht habe, und ich glaube deshalb, daß ich zuminallzu
vielen
Orten
- und nicht nur in Europa - weggedest einen Teil dieses Wahnsinns aus eigener Ansprengt.
Diese
Entwicklung
bedroht die Ausbreitung
schauung erlebt habe. Meine Regierung hat den
der
Demokratie,
die
durch
das
Ende des Kalten Krieges
Vereinten Nationen gerade ihren dritten Bericht über
auf
der
ganzen
Welt
ausgelöst
wurde.
die dortige Situation zugeleitet, und dieses Gremium
hat erst vor wenigen Wochen seinen eigenen Bericht
veröffentlicht. Niemand sollte sich täuschen: Diejeni- Das Versprechen "nie wieder" ist zu einer Art Klischee
gen, die diese Verbrechen begangen haben, werden geworden - nie wieder eine Situation zuzulassen, wie
zur Verantwortung gezogen, egal wie lange dies dau- sie das ehemalige Jugoslawien und Somalia erfaßt hat
ert und wie schwierig diese Aufgabe auch sein mag. oder andere Regionen, über deren Lage zu wenig
berichtet wurde, etwa der Sudan und Liberia. Aber das
Ich beabsichtige heute nicht, diese Berichte detailliert ist es, wonach wir weiterhin streben müssen. Es gibt
zu erläutern oder die Maßnahmen aufzuführen, die keine andere Option.
von meiner und anderen Regierungen ergriffen wurAMERIKA DIENST 47

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�I

Diese Aufgabe ist in allen Gesellschaften erforderlich,
auch in meiner - und es ist eine Aufgabe, bei der alle
Regierungsstellen gefordert sind, nicht nur auf nationaler Ebene. Ich hatte die Ehre, 12 Jahre als Bürgermeister und Ratsmitglied in Cincinnati (Ohio) tätig zu
sein - einer größeren, ethnisch vielfältigen Stadt im
Mittelwesten. Ich neige also dazu, diese Dinge ebenso
aus einem praktischen wie aus einem theoretischen
Blickwinkel zu betrachten. Sicherlich ist es für jeden
politischen Entscheidungsträger - ob er eine Nation,
einen Bundesstaat oder wie ich eine Stadt führt wichtig, sein Amt als eine Art Kanzel (mit den Worten
von Präsident Theodore Roosevelt) zu benutzen, um
Toleranz und Verständnis zwischen den ethnischen
Gruppen zu fördern. Ebenso entscheidend ist es
jedoch, energisch zu handeln, die Institutionen der
Regierung einzusetzen, um die Förderung von ToleManch einer vertritt die Ansicht, das Trennende sei in ranz zur ersten Aufgabe jeder Institution, jedes Proeinigen Ländern so stark, daß kein Rechtssystem und gramms und besonders jeder Ernennung zu machen.
kein Regierungsmodell Gewalt und Chaos abwenden Diese Spitzenbeamten stehen im Licht der Öffentlichkönnten.
keit und müssen durch ihr Beispiel führen.

Der Versuch, ethnische Kriegführung nach deren
Ausbruch zu beenden, ist der ineffektivste Weg, um
das Problem in den Griff zu bekommen. Der Kampf für
Toleranz und Verständnis zwischen ethnischen Gruppen muß ein Lebensstil sein, keine Anleitung zum
Handeln, wenn bereits zuviel Blut vergossen wurde,
als daß die Welt dies weiterhin ignorieren könnte.
Die amerikanische Erfahrung hat mich davon überzeugt, daß Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der
Schutz der Menschenrechte des einzelnen, etwa des
Rechts auf friedliche Versammlung und das Recht auf
freie Rede, der beste Weg sind, um alle Bürger zu
schützen, einschließlich der Angehörigen von Minderheiten, und um zu verhindern, daß ethnische Spannungen zu Gewaltanwendung entarten.

Ich aber bin der Überzeugung, daß eine solche Haltung gefährlich und defätistisch ist. Obwohl Zeitungen
und Fernsehberichte häufig anderes aussagen, gibt es
viele Beispiele für Länder mit zahlreichen ethnischen
Gruppen, die Rivalität und Konflikte erfolgreich bewältigt haben. Der Grund: Die Menschenrechte des
einzelnen werden geschützt und freie Institutionen
können gedeihen. Nehmen Sie zum Beispiel die
Schweiz. Bürger, die deutsch, französisch, italienisch
und rätoromanisch sprechen, haben sicherlich kein
utopisches Paradies des Verständnisses geschaffen.
Aber sie leben in Frieden, weil Demokratie und Freiheiten des einzelnen institutionalisiert sind und praktiziert
werden.

Ich habe nicht die Zeit, um viele Beispiele zu nennen.
Eines jedoch möchte ich anführen - die Verbrechensbekämpfung. Obwohl in meinem Land die Polizei
eindeutig der Kontrolle ziviler Behörden unterliegt und
obwohl jeder Polizeibeamte denselben Gesetzen unterworfen ist wie alle anderen Bürger, hat es Fälle
gegeben, in denen intolerante Handlungen einiger
weniger Polizeibeamter größere städtische Unruhen
auslösten. Dies könnte im vergangenen Mai in Los
Angeles im Fall Rodney King so gewesen sein, mit
dem Sie sicherlich alle vertraut sind.

Ich sage "könnte", denn trotz des Spruchs der Geschworenen in diesem Fall ist immer noch ein VerfahEs gibt zahlreiche weitere Fälle, in denen ethnische ren vor einem Bundesgericht im Hinblick auf die mögliche
Gruppen friedlich Seite an Seite miteinander leben, Verletzung von Rodney Kings Bürgerrechten anhänetwa in Schweden und Finnland - und nicht nur in gig. Es wäre jedoch nicht statthaft, wenn ich diesen
Europa. Nehmen Sie zum Beispiel die Karibik. Auf speziellen Fall vor dem Urteilsspruch kommentieren
Jamaica, in Trinidad und Tobago und auf Barbados würde. Aber ich möchte betonen, daß jede Stadt und
leben Schwarze und Südasiaten ebenso wie andere jeder Staat aggressive Programme einführen könnte,
Gruppen und bauen seit der Erlangung der Unabhän- um die für die Verbrechensbekämpfung Zuständigen
gigkeit eine wachsende demokratische Tradition auf. für die besonderen Probleme ethnischer Minderheiten
Ahnliche Beispiele gibt es in anderen Regionen. Es zu sensibilisieren, auf diese Gemeinden zuzugehen
trifft einfach nicht zu, daß ethnische Gruppen nicht und die Art von Personalpolitik zu verankern, die
harmonisch zusammenleben können, wenn die Rech- sowohl die Vielfalt der Gemeinde als auch schärfste
te jedes einzelnen - der Angehörigen von Minderheiten Normen ethisch einwandfreien Verhaltens widerspieund der Mehrheit gleichermaßen - geschützt werden gelt.
und wenn die Regierungen rechenschaftspflichtig sowie Die Verbrechensbekämpfung ist nur ein Beispiel, das
institutionelle Kontrollen und Ausgleichsmechanismen im Hinblick auf die Rolle besonders wichtig ist, die
fest verankert sind.
Vorfälle zwischen Polizeibeamten und Bürgern bei der
Es ist lebenswichtig, nicht nur diese Maßnahmen zu
ergreifen, die zur Schaffung eines Klimas der Toleranz
beitragen und friedliche M ittel zur Beilegung von Streitfällen bereitzustellen, sondern auch, die politische
Kultur und die politischen Institutionen zu fördern, mit
denen die Neigung zu Intoleranz bewältigt und eingedämmt werden kann.

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Auslösung städtischer Unruhen im Lauf der Jahre
gespielt haben. Es gibt aber noch weitere, die ich
Ihnen im einzelnen erläutern könnte - die Bedeutung,
die insbesondere in den ersten Schulklassen der Einbeziehung der Toleranzförderung in Lehrpläne zukommt, die Notwendigkeit des Engagements der verschiedenen Gruppen auf allen Regierungs- und Ent-

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�scheidungsebenen sowie - an vielleicht wichtigster
Stelle - die Notwendigkeit, eine möglichst breite politische Beteiligung sicherzustellen. Einigen dieser Ziele
könnte durch Bürgerräte und lokale Kommissionen,
die sich der Kontaktpflege widmen, sehr gut gedient
werden. Beide Mechanismen können Maßnahmen
zur frühzeitigen Warnung, Prävention und Konfliktlösung bereitstellen. Diese beiden gemeindeorientierten Mechanismen können dazu beitragen, eine politische Kultur zu bewahren, die Vielfalt schätzt. Sie
können durch Informationskampagnen deutlich machen, daß eine unterschiedliche Volkszugehörigkeit,
Rasse, Religion oder ein anderes Herkunftsland kein
Defizit im Wesen eines Menschen oder eine Rechtfertigung ist, um die Würde eines Menschen anzutasten.
Die Entscheidungsträger auf Gemeindeebene müssen darüber hinaus nationale Bürgerrechtsgesetze
uneingeschränkt unterstützen, die dazu dienen, Diskriminierung abzuschrecken und in auftretenden Diskriminierungsfällen Abhilfezu schaffen. Viele Städte in
den Vereinigten Staaten haben die nationalen Bürgerrechtsgesetze um Bürger- und Menschenrechtsgesetze auf Staats- und Gemeindeebene ergänzt. Wiederum liegt es in der Verantwortung von Gemeindevertre* *

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tem zu gewährleisten, daß diese Gesetze eingehalten
und befolgt werden. Die Förderung von Toleranz muß
sowohl von unten nach oben als auch von oben nach
unten wahrgenommen werden.
Die Welt nähert sich dem 21. Jahrhundert mit der
Demokratie als Sieger, zumindest im Kampf um die
Köpfe von Männern und Frauen. Aber eine Schlacht
muß noch gewonnen werden, die so alt ist wie die
Geschichte selbst - der Kampf gegen Bigotterie, Rassismus und ethnischen Haß. Während die ideologischen Kämpfe, die dieses Jahrhundert so entstellt
haben, in der Vergangenheit verblassen, sollten wir
uns in diesem Gremium erneut verpflichten, die Institutionen und Verfahren zu stärken, die wir zur Konfliktverhütung geschaffen haben. Gleichzeitig sollten wir
jedoch aggressiv nach neuen Wegen suchen, damit
die KSZE eine dynamische praxisorientierte Kraft wird,
die Toleranz in ganz Europa zum Lebensstil macht.
Dies ist die elementare Antwort auf die Situation in
Jugoslawien, die bleibende Lehre aller Jugoslawien
unserer Vergangenheit und der moralische Imperativ
zur Verhütung aller Jugoslawien, die noch kommen
könnten.
*

*

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�PORTRAT
25. November 1992

HILLARY CLINTON WIRD
"SPRACHROHR FÜR KINDER" SEIN
Die Frau des gewählten Präsidenten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Hillary Clinton weckt Hoffnungen bei vielen amerikanischen Frauen, die Beruf und
Mutterschaft unter einen Hut bringen müssen und
davon ausgehen, daß sie ihren Einfluß als First Lady
benutzen wird, um sich für arbeitende Mütter und die
Kinder einzusetzen.
"Wie wir unsere Kinder behandeln, sollte Dreh- und
Angelpunkt unseres nationalen Programms sein", hat
Frau Clinton wiederholt festgestellt. "Ich möchte ein
Sprachrohr für die Kinder sein."
Die 45jährige Ehefrau des gewählten Präsidenten ist
als stark und entschlossen, intelligent, selbstbewußt,
abenteuerlustig, verspielt, als harte Rechtsanwältin,
liebende Mutter, loyale Freundin und Mensch charakterisiert worden, auf dessen Urteil ihr Mann, Bill Clinton, am meisten vertraut.

die Seele einer Aktivistin und wird sich eine politische
Rolle entweder im Bildungswesen oder im Bereich
Kindererziehung sichern wollen".
In Arkansas leitete Frau Clinton eine Kommission,
deren Ziel die Verbesserung der Schulen des Bundesstaates war. Zu jener Zeit legte ihr Mann, derdamalige
Gouverneur, einen - später verabschiedeten - auf den
Empfehlungen der Kommission fußenden Gesetzentwurf vor, der unter anderem die Überprüfung der
Fachkenntnisse von Lehrern vorsah.
Ein Korrespondent, der Bill Clinton während des
Wahlkampfs begleitete, stellte fest, die Frau des
gewählten Präsidenten sei seine "engste Vertraute,
und er verläßt sich auf ihr Urteil mehr als auf das jedes
anderen Menschen". Sie machte Vorschläge, half bei
der Abfassung von Reden und kritisierte seine Auftritte
bei den Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten.

Politische Experten spekulieren heftig darüber, ob sie
in der Clinton-Administration eine politische Rolle spielen wird, sind sich jedoch in der Vorhersage einig, daß Hillary Clinton stand im Wahlkampf jedoch auch im
sie als First Lady ihren eigenen besonderen Stil ent- Mittelpunkt von Kontroversen. "Selten wurde die Frau
eines Präsidentschaftskandidaten von der politischen
wickeln wird.
Opposition so eingehend unter die Lupe genommen
In den frühen sechziger Jahren schrieb Hillary Clinton und kritisiert", schrieb das Nachrichtenmagazin Time
als Teenager einen Brief an die Nationale Luft- und zwei Monate vor der Wahl.
Raumfahrtbehörde NASA, in dem sie mitteilte, sie
wolle Astronautin werden. Sie erinnert sich an das Die Konservativen porträtierten Frau Clinton als radiAntwortschreiben der NASA, in dem stand: "Wir kale Feministin, und sie wurde Zielscheibe von Attaknehmen keine Bewerbungen von Mädchen für die ken in den Medien und in Reden, die beim WahlparteiTätigkeit als Astronaut an." Das, so erklärte sie, hat tag der Republikaner gehalten wurden. Sie hielt dem
"mich auf die Palme gebracht".
entgegen, ihre Ansichten seien häufig falsch dargestellt worden, insbesondere die zu den Rechten von
Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1983 schickt die Kindern.
NASA Frauen ins Weltall. Und jetzt bekommen die
Vereinigten Staaten zum ersten Mal eine First Lady, Darüber hinaus waren ihr einige ihrer eigenen Bemerdie an der gleichen Universität (Yale) studiert hat wie kungen abträglich. Als man sie kritisierte, weil sie
ihr Mann und die für berufliche Leistungen bekannt ist, während der Tätigkeit ihres Mannes als Gouverneur
die denen ihres Gatten ebenbürtig sind. Die Frau des von Arkansas ihre Karriere als Rechtsanwältin aktiv
gewählten Präsidenten wird zu den 100 besten Rechts- weiterverfolgte, antwortete Hillary Clinton: "Wahranwälten des Landes gezählt.
scheinlich hätte ich zu Hause bleiben, Plätzchen bakken und Kaffeekränzchen veranstalten sollen." Diese
In einem unlängst veröffentlichten Artikel über die Bemerkung wurde weithin verbreitet, nicht jedoch der
künftige First Lady stand zu lesen, Hillary Clinton "hat
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�Rest ihrer Äußerungen - daß sie sich bemüht habe,
Frauen eine freie Entscheidung zu ermöglichen, "ob
sie vollzeitig berufstätig sein, sich ganz der Rolle als
Mutter widmen oder irgendeine Kombination aus beidem anstreben mochten".

Ein Beitrag in Time vermerkte Frau Clintons "im Lauf
der Jahre gewachsene Spiritualität... Sie führt ihre
liebsten Schriften (aus der Bibel)... stets mit sich. Vor
dem Zubettgehen beten sie und Bill regelmäßig mit
Chelsea."

Mit dem Herannahen des Wahltages wurde Frau Clinton vorsichtiger in ihren Äußerungen, da sie sich
bewußt wurde, daß ihre Bemerkungen aus dem Zusammenhang gerissen werden konnten. Sie machte
klar, daß sie ihre Rolle als Frau von Bill Clinton, als
Mutter ihrer 12jährigen Tochter Chelsea und als Karrierefrau hoch einschätzte.

Caputo zufolge gibt Frau Clinton derzeit keine Interviews. "Sie nimmt sich Zeit, um über ihre Rolle und
darüber nachzudenken, welchen Ansatz sie wählen
soll, und sie verbringt eine besonders intensive Zeit mit
ihrer Familie."

Wie auch immer ihre Rolle als First Lady aussehen
wird, so ein Kolumnist in der Baltimore Sun, viele
"Das amerikanische Volk lernt sie nur besser kennen", Menschen sind der Meinung, es wäre "eine furchtbare
erklärte ihre Pressesprecherin Lisa Caputo. Caputo Verschwendung von Intelligenz", wenn es Hillary Clinfügte dem jedoch hinzu, daß "nicht genug über die ton nicht gestattet würde, einen wichtigen Beitrag zu
spirituelle Seite" Frau Clintons und ihre Fähigkeit gesagt den für sie wichtigen Problemen zu leisten.
worden sei, die Anforderungen von Karriere und Familie
zu meistern, die von so vielen amerikanischen Frauen
heute erfüllt werden müssen.
* * * *

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*

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�PORTRAT
25. November 1992

TIPPER GORE IST TREIBENDE KRAFT
DER NATIONALEN ELTERNBEWEGUNG
Die Gattin des gewählten Vizepräsidentschaftskandidaten - ein Porträt
WASHINGTON - (AD) - Tipper Gore hat sich in den
Vereinigten Staaten einen Namen gemacht, lange
bevor ihr Mann vom demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton als Kandidat für die Vizepräsidentschaft ausgewählt wurde und lange bevor sie
gemeinsam den Sieg bei den allgemeinen Wahlen in
den Vereinigten Staaten errungen haben.
Tipper Gore, deren richtiger Name Mary Elizabeth
lautet, ist eine treibende Kraft der nationalen Elternbewegung, die um den Gewalt und Sexualität verherrlichenden, potentiell negativen Einfluß von Rockmusik
besorgt ist.

sie nie getan hat -, verwenden einige Schallplattenfirmen jetzt freiwillig Aufkleber, die vor Sexualität und
Gewalt verherrlichenden Texten warnen.
Einem Sprecher des Eltern-Musikzentrums zufolge
hat die Recording Industry Association of America,
eine Dachorganisation der Schallplattenindustrie, Gore
für ihr eingehaltenes Versprechen gelobt, die Zensur
nicht zu fördern.

In der Clinton-Administration wird ihre Kampagne weitere
Unterstützung finden. Der gewährte Präsident Bill
Clinton hat erklärt, er fühle sich durch manche Fernsehprogramme "abgestoßen" und seinem Wunsch
Gore hat einen Magister in Psychologie, ist Mutter von Ausdruck verliehen, daß Hollywood eine Führungsrolvier Kindern und zusammen mit Susan Baker, der le bei der "Entglorifizierung von gedankenlosem Sex
Gattin des ehemaligen Außenministers James Baker, und Gewalt" übernimmt. Und die zukünftige First Lady
Mitbegründerin des Eltern-Musikzentrums - einer na- Hillary Clinton, Rechtsanwältin und vehemente Vertionalen Anlauf stelle, die Informationen darüber bereit- fechterin der Rechte von Kindern, hat ebenfalls ihre
stellt, wie die Botschaft der Popmusik Kinder und Unterstützung für Gores Bestrebungen zugesagt.
Erwachsene beinflußt.
Die 44 Jahre alte Tipper Gore hat jedoch immer wieder
festgestellt,
"es treffe sie", wenn gesagt würde, sie
In einem 1987 veröffentlichten Buch beschreibt Gore,
hasse
Rockmusik.
Sie hält dem stolz entgegen, daß
was sie zur Gründung des Zentrums motivierte. Sie
sie
in
ihrer
Jugend
Schlagzeug
gespielt hat und in ihrer
erinnert sich daran, wie sie ihrer 11 Jahre alten Tochter
High-School-Zeit
in
den
sechziger
Jahren Mitbegründas Prince-Album "Purple Rain" kaufte und schockiert
derin
der
"Wildcats"
war,
einer
nur
aus Mädchen
über die sexuell äußerst freizügigen Texte der Lieder
bestehenden
Rockband.
war. Sie sah sich dann das Rock-Video-Kabelprogramm von MTV an und glaubte, ihren Augen nicht
Entertainment Weekly zitiert Gore mit den Worten:
trauen zu können.
"Ich wollte Schlagzeug spielen, bekam mit 14 Jahren
"Diese Bilder erschreckten meine Kinder und mich", eines geschenkt und fing einfach an, zu Hause zu
schreibt sie. "Der offenkundige Sex und die Gewalt üben... Ein Jahr später gründete ich die nach dem Auto
waren zuviel für uns." In ihrem Buch schlägt sie vor, die meiner Mutter - einem schwarzen Buick Wildcat Eltern sollten sich mit der Musik und den Videos benannten Wildcats."
befassen, denen ihre Kinder ausgesetzt werden.
Frau Gore, deren Gatte seit 1984 Senator von TennesTipper Gore hielt Vorträge über dieses Thema, trat im see ist, hat sich auch zum Sprachrohr von DrogenbeFemsehen auf und sagte in von Senator John Danforth kämpfungskampagnen gemacht und die Unterhaltungsanberaumten Senatsanhörungen aus, dessen Gattin industrie beschuldigt, Gewalt, Drogen und Sex zu
verherrlichen.
Mitglied des Eltern-Musikzentrums ist.
Ihre Kampagne beginnt, sich bezahlt zu machen.
Obwohl zahlreiche Vertreter der Musikindustrie Gore
zunächst beschuldigten, für Zensur einzutreten - was
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Bei der internationalen Konferenz von PRIDE (Parents' Resource Institute on Drug Education - Elterninstitut zur Drogenaufklärung) im März 1991 war es
Seite 1

�Gore, die langjährige Aktivistin gegen die Darstellung
von Gewalt und Drogenmißbrauch in den Medien, die
als Mutter von vier Kindern erklärte, sie sei "sehr
ärgerlich, daß meine Kinder und Ihre Kinder sich den
Gefahren stellen müssen, mit denen wir uns jetzt
aufgrund der Drogenepidemie konfrontiert sehen...
Unser Land wird mit chemischen Waffen bedroht, und
wir müssen diesen Krieg mit Entschlossenheit, Stärke
und den richtigen Waffen bekämpfen."
Gores Freunde haben sie als jemand bezeichnet, den
sie um die Integrität, den Weitblick, das Mitgefühl und
Verständnis beneiden. Sie erinnern sich beispielsweise an eine Episode Anfang der achtziger Jahre. Frau

Gore kam von einem M ittagessen mit ihren Kindern auf
dem Kapital zurück. Wenige Häuserblocks entfernt
sah sie eine Frau in Lumpen, die mit sich selbst sprach.
Die Kinder wollten die Frau mit nach Hause nehmen.
Tipper Gore erklärte ihnen, das ginge nicht, aber kurz
darauf organisierte sie die Familienfürsorge für Obdachlose, die sich dem Sammeln von Spenden verschrieben hat und Menschen zusammenbringt, die zur
Unterstützung der Bedürftigen bereit sind.
"Wie jeder andere habe ich meine Augen von den
Obdachlosen abgewandt", stellte sie in der Washington Post fest. "Meine Kinder haben mein Herz berührt
und mir die Augen geöffnet."

* * * * *

Seite 2

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