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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
— * -

4. November 1992

*£'•

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PRÄSIDENT CLINTON

BILL CLINTON: DER 42. PRÄSIDENT DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Porträt des neugewählten Präsidenten

VIZEPRÄSIDENT GORE

VIZEPRÄSIDENT AL GORE
Porträt des neugewählten Vizepräsidenten

US-AUSSENPOLITIK

CLINTON VERSPRICHT KONTINUITÄT IN
US-AUSSENPOLITIK
Erklärung in Little Rock am 4. November

GUS-HILFE

NEUE AMERIKANISCHE INITIATIVEN BEI
KONFERENZ IN TOKIO BEKANNTGEGEBEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

RUSSLAND

WARUM DIE VEREINIGTEN STAATEN EIN
STARKES RUSSLAND WOLLEN
von Paul Wolfowitz

START

START-VERTRAGSPARTNER VEREINBAREN
VERFAHRENSREGELN FÜR JCIC
Gemeinsame Presseerklärung

VIETNAM

BUSH: ABKOMMEN ZWISCHEN USA UND
VIETNAM ÜBER VERMISSTE/KRIEGSGEFANGENE "BEDEUTSAM"
Schritte zur Verbesserung der Beziehungen
erwogen

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT MUSS INTERNATIONAL DENKEN
von Nicholas F. Brady

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�PRÄSIDENT

CLINTON
4. November 1992

BILL CLINTON: DER 42. PRÄSIDENT DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Porträt des neugewählten Präsidenten
"Meine Vision gilt einer in friedlichem Handel vereinten
Welt. Einer Welt, in der die Nationen zunehmend
wirtschaftlich und immer weniger militärisch miteinander konkurrieren. Einer Welt dynamischen, marktorientierten Wachstums, das die Kluft zwischen arm
und reich verringert. Einer Welt, die sich zunehmend
für Demokratie, Toleranz für die Vielfalt und die Wahrung der Menschenrechte engagiert. Einer Welt, die
sich vereint den gemeinsamen Feinden der Menschheit entgegenstellt: Krieg, Armut, Unwissen, Krankheiten und Umweltzerstörung. Einer Welt, die wir
unseren Kindern und deren Kindern in dem Wissen
übergeben können, daß wir gemeinsam den neuen
Pflichten dieser neuen Welt und dieses neuen Zeitalters gerecht geworden sind."
Bill Clinton ist der 42. Präsident der Vereinigten Staaten. Mit 46 Jahren ist er der jüngste Amtsinhaber seit
John Fitzgerald Kennedy (1961-1963), und er ist der
erste nach dem Zweiten Weltkrieg geborene Präsident
- eine klare Zäsur zwischen seiner Generation und der
seines Vorgängers George Bush. Als ehemaliger
Gouverneur von Arkansas ist er überdies der fünfte
amtierende Gouverneur, dem in diesem Jahrhundert
der Einzug ins Weiße Haus gelang.

Chancen - Verantwortung
Diese Schlüsselbegriffe zogen sich wie ein roter Faden
durch seine Reden. Der neue Präsident betonte
darüber hinaus die entscheidende Verbindung zwischen Innen- und Außenpolitik in einem veränderten
Zeitalter nach dem Kalten Krieg. "In einer Welt der
Veränderungen", erklärte er in einer Rede vordem Los
Angeles World Affairs Council, "ergibt sich Sicherheit
aus Initiative, nicht aus Nichtstun... In diesem neuen
Zeitalter sind unsere erste außenpolitische Priorität
und unser wichtigstes innenpolitisches Anliegen ein
und dasselbe: die Wiederbelebung unserer Wirtschaft. Amerika muß seine wirtschaftliche Stärke
wiedergewinnen, um seine eigentliche Rolle als führende Kraft der Welt auszufüllen. Die Welt braucht ein
starkes Amerika, und die Stärke Amerikas beginnt hier
im Inland."

Präsident Clinton war 12 Jahre lang Gouverneur des
weitgehend ländlichen Bundesstaates Arkansas. Sein
Ansatz in der Regierung, seine Ideen für neue Maßnahmen und Programme wurden von seinen Bemühungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen dort geprägt. Er wuchs in einer Kleinstadt in
Arkansas auf, verließ später jedoch den Staat, um eine
erstklassige Ausbildung an der Georgetown University
Ein neues Programm
(Washington D.C.), in Oxford und an der Yale UniverPräsident Clintons Wahlkampf stand unter dem Leit- sity (New Haven, Connecticut) zu absolvieren. Er
gedanken, "den Menschen in den Mittelpunkt zu stel- vergaß jedoch nie seine Herkunft und schlug Möglichlen". Er war der Ansicht, daß die Bundesregierung zur keiten aus, die ihm aufgrund der hervorragenden
Ankurbelung der lahmenden amerikanischen Konjunk- Ausbildung gegeben waren, um nach Arkansas zutur in Aus- und Fortbildung, Entwicklung von Arbeits- rückzukehren und dort am öffentlichen Leben teilzuplätzen, medizinische Versorgung und eine Vielzahl nehmen.
anderer sozialer und wirtschaftlicher Programme investieren müsse, die darauf abzielen, den Menschen die Ein Sohn von Arkansas
Möglichkeit zu geben, produktive Mitbürger zu werden. Gleichzeitig forderte er die Amerikaner auf, mit Präsident Clinton bringt in sein Amt eine starke BodenPflichtbewußtsein der Gesellschaft etwas zurückzu- ständigkeit mit. Er wuchs in bescheidenen Verhältnisgeben, wenn sie Hilfe vom Staat in Anspruch genom- sen auf - eine Tatsache, die den meisten Amerikanern
vor seiner Nominierung beim demokratischen Konvent
men hätten.
im Juli 1992 unbekannt war. Die Öffentlichkeit nahm

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Seite 1

�fälschlicherweise an, seine Ausbildung in Georgetown, Oxford und Yale habe eine privilegierte Kindheit
bedeutet. Privilegiert war sie jedoch nur aufgrund des
reichhaltigen Gemeindelebens, das er in Hope (Arkansas) mit seinen 10.000 Einwohnern erlebte - wo das
größte gesellschaftliche Ereignis das jährliche Wassermelonenfest war und das höchste Gebäude die
baptistische Kirche - und später in dem Urlaubsort Hot
Springs (36.000 Einwohner), in dem er die Oberschule
besuchte.
Bill Clinton kam drei Monate nach dem Tod seines
Vaters durch einen Autounfall als William Jefferson
Blythe IV am 19. August 1946 in Hope zur Welt. Kurz
darauf wurde er den Großeltern zur Betreuung anvertraut, als seine Mutter eine Ausbildung zur Fachkrankenschwester für Anästhesie aufnahm. Die Zeiten
waren hart in Hope. Sein Großvater verdiente sich
mühsam seinen Lebensunterhalt mit einem kleinen
Gemischtwarenladen in einem armen, rassisch gemischten Viertel, und die Familie lebte in einem bescheidenen Haus. Der junge Bill verbrachte Stunden
in dem Geschäft seines Großvaters und lernte dort
eine grundlegende Lektion für den Umgang mit Menschen. "Wissen Sie, woher mein Engagement kommt,
Menschen ohne Ansehen der Rasse zusammenzuführen? Es begann alles mit meinem Großvater."

kandidierte. Clinton warbei den Wahlen so erfolgreich,
daß die Schulverwaltung die Regeln änderte, um die
Zahl der Ämter zu begrenzen, die ein Schüler innehaben konnte. "Bill war die Art von Mensch", sagte einmal
einer seiner Klassenkameraden, "der auf jeden neuen
Schüler zuging und sagte: 'Hallo, wie geht es Dir? Ich
heiße Bill Clinton und kandidiere gerade für etwas',
was auch immer es sein mochte. Wir dachten immer,
Bill werde eines Tages Präsident werden."
Aber trotz Clintons unermüdlicher Aktivität besserte
sich die häusliche Lage nicht. Nach einem besonders
schweren Zwischenfall stellte sich Clinton, der inzwischen zu kräftiger Statur herangewachsen war (er ist
1,88 Meter groß), seinem Stiefvater entgegen und
verbot ihm, seine Mutter je wieder zu schlagen. Selbst
dabei zeigte er noch ein für ihn bezeichnendes Gefühl
des Mitleids für den Benachteiligten. Seine Mutter
erinnerte sich folgendermaßen an diese Szene: "Er
bat seinen Vater, den einzigen Vater, den er kannte,
aufzustehen, denn er müsse ihm etwas sagen. Und
als der dafür ziemlich lange brauchte, sagte er zu ihm:
'Daddy, wenn Du nicht aufstehen kannst, werde ich Dir
helfen, aber aufstehen mußt Du, um anzuhören, was
ich Dir zu sagen habe.'"

"Wenn die Kunden meines Großvaters - ob sie nun
Weiße oder Schwarze waren -, die hart arbeiteten und
ihr Bestes gaben, ohne Geld in den Laden kamen,
dann gab er ihnen auch so etwas zu essen. Er schrieb
nur an", erklärte Clinton. "Ich tat desgleichen. Bevor
ich groß genug war, um über die Ladentheke sehen zu
können, lernte ich von ihm, zu Leuten aufzublicken, auf
die andere herabblickten."

In einer von Alkoholismus zerrissenen Familie zu
leben, hatte grundlegenden Einfluß auf Bill Clinton. Er
wurde zum Versöhner, zum Vermittler. "In einer
Alkoholikerfamilie wuchs ich mit wesentlich größerem
Einfühlungsvermögen für die Probleme anderer Menschen auf als der Durchschnittsbürger", stellte Clinton
fest. "Ich wurde deshalb viel selbständiger und härter
als ich sonst vielleicht geworden wäre. Und ich habe
gute Fähigkeiten entwickelt, um Menschen zusammenzuhalten und zu versuchen, Probleme zu lösen."

1950 heiratete Clintons Mutter Roger Clinton, einen
Autohändler, dessen Namen Clinton später annahm,
und die Familie zog nach Hot Springs, 128 Kilometer
nordöstlich von Hope. Hot Springs war eine größere,
kosmopolitischere Stadt mit einem Heilbad, einer
Rennstrecke und dem größten illegalen Spielbetrieb
des Südens. Von Hot Springs wurde behauptet, es
vereine die baptistische Moral der Kleinstädte von
Arkansas mit weltlicher Toleranz. Die Clintons lebten
in Hot Springs ein für die Mittelschicht typisches
komfortables Leben, aber in der Familie gab es ein
dunkles Geheimnis: Roger Clinton, ansonsten ein
anständiger, liebenswürdiger Mensch, war Alkoholiker
und neigte zu Gewaltausbrüchen.

In der Cbcrsch-j'0 hatte Clinton die für Jugendliche
typischen Zioie. Er wollte Arzt, Journalist oder Musiker
werden. Aber im Sommer 1963 prägte ein Handschlag
sein weiteres Leben. Es geschah in Washington,
wohin er als Vertreter von Arkansas bei Boy's Nation,
einem von der nationalen Veteranenorganisation
American Legion veranstalteten Programm für Schüler zur Vermittlung von Führungsqualitäten entsandt
wurde. Zu dem Programm gehörte auch eine Einladung in den Rosengarten des Weißen Hauses zu
einem Treffen mit dem Präsidenten. Ein Photograph
hielt den Augenblick, in dem der 17jährige Clinton
Präsident John F. Kennedy vorgestellt wurde, im Bild
fest.

Um der Unruhe des Familienlebens zu entfliehen,
widmete sich Clinton voll und ganz der Schule und
Aktivitäten in der Gemeinde. Er war ein Genie in
Mathematik und einer der besten in Latein. Er spielte
Saxophon in der Schulkapelle. Er war ein begeisterter
Pfadfinder. Jeden Sonntag sang er im Kirchenchorder
Baptisten. Zur Kirche ging er allein ohne Begleitung
seiner Eltern, die lieber ausschliefen. Er war ein
geselliger junger Mensch, der gern für Schulämter

"Als er zurückkehrte", berichtete seine Mutter, "war
das erste, was er tat, seine Tasche zu öffnen und mir
sein Bild vom Handschlag mit Präsident Kennedy zu
geben. Etwas stand ihm ins Gesicht geschrieben, und
ich zweifelte nie daran, was er später einmal tun
würde."

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Aber wenn auch seine politischen Ambitionen an diesem Tag Gestalt angenommen haben mögen, es
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�lagen noch viele Jahre der Vorbereitung vor ihm, die
mit dem Besuch des Colleges begannen. Clinton
lehnte ein Stipendium für ein Musikstudium an der
Louisiana State University ab und schrieb sich an der
Georgetown University ein. Ihr Standort: die Hauptstadt Washington. Näher konnte ein junger Mann aus
Arkansas dem Regierungssitz nicht kommen.

Bundesstaat aufnehmen? Clintons Charme, seine
Energie und sein gesunder Menschenverstand überbrückten die Kluft. "Ich erinnere mich daran, wie Bill in
der Long Hall Hof hielt, in der wir unser Essen einzunehmen pflegten", erläutert ein Mitstipendiat aus den
Vereinigten Staaten. Die englischen Studenten waren
von Bill überausfasziniert under ebenso von ihnen. Es
war üblich, nicht einfach zu essen und dann rasch
Studienjahre
wieder zu gehen, sondern zu essen und zu reden und
über die Ereignisse des Tages zu diskutieren, bis wir
Clinton traf im Herbst 1964 an der Georgetown Univeraus dem Speisesaal geworfen wurden. Bill war stets
sity ein, und es störte ihn nicht im gerigsten, daß er ein
mitten in diesen Gesprächen, und er war dort unBaptist aus dem Süden war, der sich anschickte, an
schwer der populärste Student."
einer von Jesuiten geleiteten Universität zu studieren.
Mehr noch, der Kontakt mit dem Katholizismus und Die Freunde, die sich Clinton - besonders unter den
anderen Religionen steigerte seine religiöse Sensibili- amerikanischen Studenten - in Oxford erwarb, stehen
tät. Einer seiner Lehrer, Pater Sebes, der ein Seminar ihm nach wie vor zur Seite. So bezieht er viele seiner
in vergleichender Religionswissenschaft abhielt, hin- Ansichten über Wirtschaftsfragen von Robert Reich,
terließ bei Clinton einen besonderen Eindruck. "Pater einem politischen Ökonomen an der Harvard UniversiSebes vermittelte mir ein Gefühl für etwas, das ich als ty. "Wir haben in Oxford ein Gespräch begonnen, das
die natürliche Religiosität des Menschen betrachte", seither fortgesetzt wurde", stellte Reich fest. "Bill
erklärte Clinton. "Wir beschäftigten uns mit all diesen Clinton wurde mit jedem Buch und Papier belastet, das
Kulturen und all ihren Religionen, und ganz gleich, wie ich jemals geschrieben habe. Und zu meinem Erstauverschieden sie auch sein mochten, war es doch nen hat er tatsächlich das meiste davon gelesen und
offensichtlich, daß sie alle danach hungerten, über die aufgenommen."
vergänglichen Dinge hinaus, die die meisten von uns
im Großteil unseres Lebens in Anspruch nehmen, Clinton kehrte im Jahr 1970 in die Vereinigten Staaten
einen Sinn in ihrem Leben auszumachen. Ich entwik- zurück und nahm ein Jurastudium an der Yale Univerkelte ein wirklich tiefes Verständnis für diese Tatsa- sity auf. Dort traf er seine spätere Frau, Hillary
Rodham, die ebenfalls Jura studierte und zu den
che."
besten Studenten ihres Jahrgangs gehörte. Sie heiraWährend des Studiums in Georgetown arbeitete Clin- teten 1975 und haben eine 12jährige Tochter, Chelton zeitweise für Senator J. William Fulbright aus sea.
Arkansas, einen glühenden Internationalisten (und
Begründer des gleichnamigen Austauschprogramms) Während seines Jurastudiums beteiligte sich Clinton
und lautstarken Gegner des Vietnamkrieges. Clinton auch an Wahlkämpfen. Er half Joseph Duffy, einem
selbst lehnte den Krieg aus moralischen Gründen ab. gegen den Krieg eingestellten Demokraten in Connec"Meine Gefühle gegen den Krieg waren für mich zu ticut, bei dessen Wahlkampf für den Senat im Jahr
Beginn besonders schmerzlich, weil ich das Militär 1970. Duffy verlor, aber er gewann den dritten Konniemals grundsätzlich so ablehnte, wie das bei vielen greßwahlkreis, für den Clinton zuständig war. Dann,
anderen der Fall war", so Clinton. (Clinton hat nie beim im Herbst 1972, fuhren Clinton und sein Kommilitone
Militär gedient. Seine heimatliche Einberufungskom- Taylor Branch nach Texas, um dort den Präsidentmission stellte ihn wegen seines Studiums zurück, und schaftswahlkampf von Senator George McGovern zu
später zog er in der Wehrdienstlotterie eine Nummer, leiten, einem weiteren demokratischen Kriegsgegner.
die hoch genug war, um jede Möglichkeit einer Einbe- Es war sein erster Kontakt mit einer politischen Kamrufung auszuschließen.)
pagne, und er war dabei erfolgreich. "Bill war mir
voraus, indem er erkannt hatte, daß Politik viel damit
Nachdem er sein Studium 1968 mit einem Examen in zutun hatte, wie Menschen miteinander umgehen, und
internationalen Angelegenheiten abgeschlossen hat- indem er verstand, wie einzelne Menschen arbeiten",
te, erhielt Clinton ein prestigeträchtiges Rhodes-Sti- erklärte Branch. "Er wußte, wie man Menschen erpendium für einen zweijährigen Studienaufenthalt in reicht, wie man auf ihre Stärken und Schwächen
Oxford. Rhodes-Stipendien wurden an Studenten mit eingeht. Politik ist die Liebe zu den Menschen und zum
"moralischerCharakterstärke, die sie für Führungsauf- Prozeß. Bill war dafür eine Naturbegabung."
gaben befähigt" sowie "literarischen und akademischen Leistungen" vergeben, die aus ehemaligen Clinton beendete 1973 erfolgreich sein Jurastudium
Mitgliedsländern des britischen Weltreiches kommen. und hatte sich damit eine Reihe von BefähigungsnachClinton war einer von 32 Amerikanern, die unter 1.200 weisen erworben - Georgetown, Rhodes-Stipendium,
Bewerbern ausgewählt wurden.
Jurastudium in Yale -, die ihm nahezu uneingeschränkten Zugang zu den höchsten Stellen in Rechtswesen,
Oxford zieht einige der brillantesten Studenten der Wirtschaft oder der Verwaltung der Bundesregierung
Welt an. Wie würden sie diesen großen, ungestümen garantierten. Aber er lehnte alle Angebote ab und
jungen Mann aus einem obskuren amerikanischen
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�strebte nicht nach hochbezahlten Stellungen. "Alles,
was ich tun wollte, war, nach Hause zurückzukehren.
Ich überlegte mir, daß ich in Hot Springs als Rechtsanwalt praktizieren und sehen wollte, ob ich für ein Amt
kandidieren könnte."

schiedet, die eine schwache Staatsregierung vorsah:
eine zweijährige Amtszeit für den Gouverneur, ein
Parlament, das jedes zweite Jahr für neunzig Tage
zusammentritt und keine Erhöhung der Einkommensteuern - in anderen Bundesstaaten eine wichtige
Finanzierungsquelle - ohne Zweidrittelmehrheit im
Gouverneur von Arkansas
Parlament. Diese Regeln konnten einen aktiven
Gouverneur, der Bill Clinton sicherlich sein wollte,
Statt nach Hot Springs ging der 27jährige Clinton nach
ernsthaft behindern.
Fay etteville, wo er eine Assistenzprofessur für Rechtswissenschaft an der University of Arkansas annahm Clinton trat sein Amt mit einem Programm für jedes
und unter anderem Seerecht lehrte. 1974 kandidierte Problem von der Energieversorgung über das Biler zum ersten Mal für ein Wahlamt. In jenem Jahr dungswesen bis zu wirtschaftlicher Entwicklung an.
schien der populäre republikanische Kongreßabge- Eine der wichtigsten Prioritäten Clintons war der Ausordnete, der die Region Fayetteville vertrat, verwund- bau der Autobahnen des Bundesstaates. Um dieses
bar zu sein - zumindest in den Augen Bill Clintons. Programm zu finanzieren, erhöhte er die MineralölRichard Nixon war kurz zuvor wegen des Watergate- steuer und Zulassungsgebühren. In einem BundesSkandals vom Amt des Präsidenten zurückgetreten, staat, in dem viele Menschen alte Autos fahren und
und ein schwerer Rückschlag für die Republikaner deren Ver- oder Ankauf beinahe als Sport betrachten,
schien unvermeidbar. Da kein ortsansässiger Demo- trieben diese Erhöhungen die Wähler auf die Barrikakrat zu einer Kandidatur bereit war, bewarb sich Clin- den. Es gab noch andere Fehltritte: eine Gruppe
ton mit der Hilfe von Dutzenden von Jurastudenten. Er junger, hartgesottener Mitarbeiter des Gouverneurs,
führte einen tatkräftigen Wahlkampf, aber er verlor. deren Verhalten manche der gestandenen Politiker
Trotzdem erhielt er48,5 Prozent der Wählerstimmen - empörte, sowie erfolglose Auseinandersetzungen mit
genug, um ihn als Politiker mit Zukunft auszuweisen. verschiedenen mächtigen Interessenvertretern der
Wirtschaft dieses Bundesstaates.
Zwei Jahre später kandidierte Clinton für das Amt des
Generalstaatsanwalts des Bundesstaates und wurde Das Fazit war, daß Clinton im Kampf um seine Wiederohne republikanischen Gegenkandidaten gewählt. In wahl im Jahr 1980 eine schwere Niederlage erlitt und
diesem Amt erwarb er sich einen Ruf als Verbraucher- damit der jüngste Ex-Governeur in der Geschichte der
anwalt, weil er die Strom- und Telefongebühren nied- Vereinigten Staaten wurde. "Viele Wähler in Arkansas
rig hielt und das Werbeverbot für Produkte wie Brillen verglichen diese Wahl mit einer politischen Ohrfeige",
aufhob, um den Preiswettbewerb anzukurbeln. Dann, meinte ein Beobachter. "Bill war ihr Junge, aber er war
im Jahr 1978, schlug er in einem harten Vorwahlkampf ein wenig zu aufsässig geworden."
vier andere Demokraten und wurde zum Kandidaten
der Demokratischen Partei für den Posten des Gou- Obwohl die Niederlage Clinton erschütterte, tat er
verneurs nominiert. Der Ausgang der Wahl war aus- üiwas, wozu nur wönige Politiker fähig sind. Er reiste
gemachte Sache in einem Bundesstaat, in dem in querdurch den Staat und fragte die Menschen, was er
hundert Jahren nur ein republikanischer Gouverneur falsch gemacht habe, warum sie ihn nicht mehr gegewählt worden war. Der 32jährige Clinton gewann wählt hätten. Hillary Clinton, die damals Sozius in einer
problemlos und wurde der jüngste Gouverneur des Anwaltskanzlei in Arkansas war und sich mit BildungsLandes seit 1938.
themen und Fragen der Fürsorge für Kinder beschäftigt hatte, erinnerte sich an mehrere dieser "SuperArkansas besitzt ein fruchtbares Tiefland am Missis- marktbeichten", wie sie es nannte. "Die Leutetraten an
sippi, Nadelwälder, einen Gebirgszug sowie ein hüge- Bill heran und sagten, sie hätten gegen ihn gestimmt,
liges Plateau, die Ozarks. Bei Clintons Regierungsan- fänden es jedoch schade, daß er verloren habe, und er
tritt als Gouverneur hatte der Staat etwa 2,4 Millionen entgegnete ihnen, daß er dies verstehe und es tue ihm
Einwohner, von denen 83 Prozent Weiße und 13 leid, daß er ihnen nicht besser zugehört habe."
Prozent Schwarze waren (von denen die meisten in
einem südlichen Gürtel lebten, zu dem auch Hope Als geläuterter Mann kandidierte Clinton 1982 für die
gehörte).
Wiederwahl und gewann. "Ich habe schmerzhaft
gelernt", erklärte Clinton, "daß man wirklich Prioritäten
In gewissem Maß wirkt sich der Bürgerkrieg (1861 - 65) setzen und diese den Menschen verdeutlichen muß.
immer noch auf die Politik von Arkansas aus. Arkan- Man muß die Leute für etwas gewinnen. Und um dies
sas kämpfte auf der Seite der Sklavenhalterstaaten zu tun, muß man Zeit opfern, um ihnen zuzuhören."
des Südens. Nach dem Krieg wurde der Staat von den
Truppen der Bundesregierung besetzt, die eine Staats- Als er ins Amt zurückkehrte, war Gouverneur Clintons
regierung von gegen den Süden eingestellten Republi- wichtigste Priorität die Verbesserung des Bildungssykanern unterstützten. Nach dem Abzug der Truppen stems. Bei den Leistungen im Bildungswesen stand
wählte man in Arkansas Demokraten in die Ämter des Arkansas bundesweit an letzter Stelle, und sein StaatsBundesstaats, und es wurde eine Verfassung verab- gerichtshof hatte das System der Schulfinanzierung
Sehe4

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�für verfassungswidrig erklärt. Clinton rief eine Kom- Clinton aufzubringen. "Es war eine von mehreren
mission von Bildungsexperten und betroffenen Bür- Erfahrungen aus dieser Amtszeit, die mir verdeutlichgern ins Leben, die ein Paket zur Verbesserung des ten, wie wichtig es war, gegnerische Parteien zusamBildungssystems erarbeiten sollte. Sie veranstaltete menzuführen, um einen echten Wandel zu bewirken,
in jedem Winkel des Staates Anhörungen und gab anstatt die Menschen zu polarisieren und für die eine
jedem die Gelegenheit, sich zu äußern, wie die Schu- oder andere Seite Stellung zu beziehen, was häufig zu
len von Arkansas verbessert werden sollten.
einer Lähmung von Regierungsprogrammen führt und
nicht zu Fortschritten", stellte Clinton fest.
Das schließlich zusammengestellte Paket beinhaltete
erhebliche Gehaltserhöhungen für die Lehrer, Bera- Unter Clintons Führung haben sich die Bedingungen in
tungsdienste für die Schüler in Grundschulen sowie Arkansas im Lauf des letzten Jahrzehnts langsam
der Unter- und Mittelstufe von Oberschulen (Dienstlei- aber meßbar verbessert. Clinton meinte dazu: "Ich
stungen, die für gewöhnlich nur Oberstufenschülern habe unsere Steuerbelastung in Prozent vom Einkomzuteil wurden), eine Begrenzung der Klassenhöchst- men - bei Staats- und Gemeindesteuern - so niedrig
stärken sowie Prüfungen für Studenten, in denen belassen, daß wir zu den fünf Staaten mit den geringgewisse Mindestanforderungen zu erfüllen waren. Die sten Steuern gehören. Beim Anteil der Mittel, die wir
Lehrervereinigung, eine mächtige politische Kraft, stimm- in die Bildung stecken, stehen wir landesweit an dritter
te dem uneingeschränkt zu.
Stelle, beim Verhältnis Computer pro Kind in den
Schulen stehen wir an fünfter Stelle. Bei der Zahl der
Bei den Anhörungen hatte Clinton jedoch eine ständig Collegestudenten rangieren wir über dem Durchschnitt,
wiederkehrende Klage vernommen. Einige Teilneh- obwohl wir einkommensmäßig an 47. Stelle stehen."
mer brachten den Gedanken zur Sprache, daß einige
Lehrer unfähig seien und schlugen vor, der gesamte Er hat Arkansas nicht regiert, ohne Aufmerksamkeit zu
Lehrkörper des Staates solle überprüft werden, um erregen. In einer Umfragedes Jahres 1991 wurdendie
diese auszusondern. Da dieses bildungspolitische Gouverneure des Landes befragt, welchen Kollegen
Paket der Zustimmung des Parlaments bedurfte und sie als effektivsten einstufen würden. Clinton erhielt
die Erhöhung der Verkaufssteuer um einem Cent mehr Stimmen (39 Prozent) als jeder andere.
erforderte, fügte Clinton eine Vorschrift hinzu, derzufolge Lehrer ihre Befähigung nachweisen mußten. Die Aktivitäten auf nationaler Ebene
Lehrervereinigung lehnte dies ab, konnte aberden von
Clinton im Parlament hergestellten Konsens nicht Clinton gehörte zwei politischen Gruppen außerhalb
aufheben. Die Bildungsreform wurde mit der Rege- von Arkansas an. Als Gouverneur war er Mitglied der
lung zur Überprüfung der Lehrer verabschiedet - das Nationalen Gouverneursvereinigung (National Govererste Programm dieser Art im ganzen Land. Es wird nors' Association), deren Stab in Washington beim
als Clintons hervorragendste gesetzgeberische Lei- Kongreß und der Administration für die Interessen der
stung des Jahrzehnts und nationales Modell für Bil- Bundesstaaten eintritt. Darüber hinaus wirkte er 1985
dungsreformen in anderen Bundesstaaten betrachtet. bei der Gründung des Demokratischen Führungsrats
(Democratic Leadership Council - DLC) mit, einer
Clinton dirigierte noch weitere soziale Programme Gruppe besorgter Demokraten, die sich nach den
durch das Staatsparlament - Initiativen, die das Bil- katastrophalen Wahlniederlagen in den Präsidentendungsniveau, die Qualifikationen und das Wohlerge- wahlen von 1980 und 1984 für die politische Neudefihen der Bürger von Arkansas verbessern sollten, nition der Demokraten als Partei der Mitte beziehungsdamit sie auf dem Markt konkurrieren und einen höhe- weise für eine konservativere politische Ausrichtung
ren Lebensstandard genießen konnten. Debatten engagierten. In jeder dieser Organisationen spielte er
über die Einzelheiten seiner Politik waren seine Stär- eine Führungsrolle und äu ßerte sich dadurch zu natioke, und häufig trat er bei Anhörungen vor Ausschüssen nalen Fragen, was ihn im ganzen Land bekannt machauf oder verwickelte Abgeordnete in den Korridoren in te.
Diskussionen. Häufig vermittelte er zwischen gegenDer DLC erwies sich als besonders hervorragendes
sätzlichen Interessen und versuchte, einen gemeinsaElement. Er unterhielt eine Denkfabrik in Washington,
men Nenner zu finden. Für die Beteiligten war dies
die das Magazin The New Democrat herausgab, und
eine anstrengende Erfahrung. "Wenn man mit Bill
regte ansonsten Diskussionen über die künftige RichClinton verhandelt", so ein Abgeordneter, "dann sollte
tung der Demokratischen Partei an. Viele der von ihm
man seine Hausaufgaben gemacht haben. Sein
befürworteten Maßnahmen deckten sich mit den BilGedächtnis ist phänomenal."
dungs- und Sozialhilfeprogrammen, die Clinton in
Vor allem jedoch erlaubte Clinton seiner Administra- Arkansas verwirklichte. Als Vorsitzender des DLC
tion nie, beim Eintreten für ein Vorhaben eine kontro- bereiste er 1990 monatelang 35 Staaten, unterrichtete
verse Position einzunehmen. Sein junger Mitarbeiter- Demokraten über den DLC und förderte die Gründung
stab hatte dies während seiner ersten Amtszeit gegen- von DLC-Unterorganisationen in den Bundesstaaten.
über der mächtigen Holzindustrie versucht, ohne viel "Diese Reisen waren für seine Entwicklung zum Präsibewirken zu können, außer, diese Branche gegen dentschaftskandidaten sehr wichtig", erklärt der VorAMERIKA DIENST 44

Seite 5

�Standsvorsitzende des DLC. Im Mai 1991 war er
Hauptredner beim Jahrestreffen des DLC in Cleveland
(Ohio). Wie häufig der Fall bei ihm, benutzte er für
seine Ansprache Aufzeichnungen, die im Rhythmus
baptistischer Predigten des Südens abgefaßt waren er hielt einen Diskurs über Chancen und Pflichten, über
Investitionen in Humankapital, Themen, denen er sich
in Arkansas gewidmet hatte.

Außenpolitik

Was internationale Fragen anbelangt, betont Präsident Clinton oft, daß die Position der Vereinigten
Staaten in der Welt in ihrer Starke zu Hause wurzelt. In
einer maßgeblichen Rede über außenpolitische Fragen im Dezember 1991 vor der Georgetown University
sagte er: "Es besteht kein Zweifel daran, daß in der
heutigen Welt Außen- und Innenpolitik untrennbar
"Meines Erachtens wurde er in Cleveland von der sind. Wenn wir zu Hause nicht stark sind, können wir
politischen Welt entdeckt, als er eine Rede hielt, die nicht führend in der Welt sein, zu der wir doch so viel
allgemein als die beste des Jahres betrachtet wurde", beigetragen haben. Und wenn wir uns aus der Welt
erklärte einer der Zuhörer. "Es wurde sofort offenkun- zurückziehen, dann schadet das unserer Wirtschaft zu
dig, daß Clinton für das Amt des Präsidenten kandidie- Hause."
ren konnte, wenn er dies wollte."
Präsident Clinton wird auch daran arbeiten, die demoClinton selbst hatte 1988 eine Kandidatur erwogen, als kratischen Werte zu fördern. "Die Verteidigung der
der führende demokratische Kandidat ins Straucheln Freiheit und die Unterstützung für die Demokratie auf
kam. Aufgrund der Erinnerung an seine von Unsicher- der ganzen Welt reflektieren nicht nur die tief in uns
heit geprägte Kindheit kam er jedoch zu dem Schluß, verwurzelten Werte," sagte Clinton vor der Georgedie Ablenkungen eines nationalen Wahlkampfs wür- town University. "Sie sind für unsere nationalen Interden seiner siebenjährigen Tochter schaden. "Geistig essen lebenswichtig. Demokratie bedeutet, daß Nawar ich zu 100 Prozent zu einer Bewerbung entschlos- tionen in Frieden miteinander leben, daß sie für die
sen, aber emotional war ich das nicht", stellte er fest. Ideen der anderen und für den Handel mit den anderen
offen sind."
Bis 1992 war Clinton jedoch zu der Überzeugung
gelangt, daß für ihn die einzige Möglichkeit, Arkansas Daher beabsichtigt Präsident Clinton, entstehende
- und anderen unter ungünstigen Wirtschaftsbedin- institutionelle Strukturen zu fördern, die denjenigen
gungen leidenden Bundesstaaten - zu helfen, darin Ländern helfen, die mit dem Übergang zur Demokratie
bestand, zu kandidieren. Nach Konsultationen mit und zu freien Märkten zu kämpfen haben. In einer
seinen Beratern und seiner Frau gab Clinton vor dem Ansprache im Jahr 1992 legte er Einzelheiten seiner
Old State House in Little Rock (Arkansas) am 3. außenpolitischen Ansichten dar:
Oktober 1991 seine Kandidatur für das Präsidenienamt bekannt. Im Juli 1992 wurde er nach dem Sieg "Meine wichtigste Priorität im Bereich der Au ßenpolitik
in einer zermürbenden fünfmonatigen Vorwahlkam- wird darin bestehen, die wirtschaftliche Lebensfähigpagne gegen mächtige Konkurrenz als Präsident- keit Amerikas wiederherzustellen. Ich habe eine Strategie entworfen, um das Ausbildungsniveau unserer
schaftskandidat nominiert.
Bürger zu verbessern, die Produktivität zu erhöhen,
Seine Nominierungsrede umfaßte die Wahlkampfthe- Innovationen und Investitionen zu fördern, die Staatsmen, die er der amerikanischen Öffentlichkeit anbot, verschuldung zu verringern und uns zur stärksten
und deutete auf seine Prioritäten als Präsident hin.
Handelsmacht der Welt zu machen. Ich werde im
Bereich der Au ßenpolitik mehr Gewicht auf wirtschaft"Wir benötigen einen neuen Ansatz für die Regierung", liche Aspekte legen und einen Wirtschaftlichen Sichererklärte er und erläuterte, was er als Präsident anders heitsrat, ähnlich dem Nationalen Sicherheitsrat, schafmachen werde. "Eine Regierung, die mehr Selbstän- fen....
digkeit und weniger Anspruchsberechtigung bietet,
mehr Wahlmöglichkeiten für junge Menschen in den Die zweite Erfordernis einer führenden Rolle des Präöffentlichen Schulen und mehr Wahlmöglichkeiten für sidenten in diesem neuen Zeitalter besteht darin, die
ältere Mitbürger und Menschen mit Behinderungen, mächtige weltweite Bewegung hin zu Demokratie und
die langfristigerer Pflege bedürfen. Eine Regierung, zur Marktwirtschaft zu stärken. Unsere strategischen
die gestrafft ist, aber nicht unfreundlicher. Eine Regie- Interessen und moralischen Werte sind beide in dierung, die die Chancen erhöht und nicht Bürokratie sem Ziel verwurzelt. Wenn wir zur Verbreitung der
verstärkt. Eine Regierung, die versteht, daß Arbeits- Demokratie beitragen, dann erhöht das unsere Sicherplätze aus dem Wachstum eines dynamischen Sy- heit und die unserer Verbündeten. Demokratien fühstems freien Unternehmertums entstehen.
ren nur selten miteinander Krieg oder unterstützen den
Terrorismus. Sie stellen verläßlichere Partner im
Arbeitsplätze, Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen. Bereich des Handels und der Diplomatie dar. Eine
Diese Verpflichtungen sind mein Lebenswerk. Unsere wachsende Marktwirtschaft erhöht die Chancen des
Prioritäten sind klar. Wir müssen den Menschen in den Einzelnen und die Toleranz der Gesellschaft....
Mittelpunkt stellen."

Seite 6

AMERIKA DIENST 44

�"Meine Administration wird sich für die Demokratie
einsetzen. Wir werden die internationale Hilfe an neu
entstehende, schwache Demokratien in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa unterstützen und ein
Demokratie-Corps schaffen, das ihnen hilft, freie Institutionen zu entwickeln. Und wir werden weiterhin
Druck auf Südafrika ausüben, bis der Tag wirklicher
Demokratie anbricht.... Wir werden die demokratischen Kräfte auf Haiti, in Peru und in der ganzen
westlichen Hemisphäre unterstützen. Und wir werden
die Vereinigten Staaten zu einem Katalysator für eine
gemeinsame Ablehnung von Aggression machen."
Zweifellos glaubt Präsident Clinton, daß die Außenpolitik der USA nicht von den moralischen Grundsätzen
getrennt werden kann, die dem Großteil aller Amerikaner gemeinsam sind. "Wir können uns nicht darüber
hinwegsetzen, wie andere Regierungen die Menschen
in ihrem Land behandeln, ob die Institutionen in ihrem
Land demokratischer oder repressiver Natur sind, ob
sie illegales Verhalten jenseits ihrer Grenzen ermuntern oder eindämmen," sagte Clinton im Jahr 1991 vor
der Georgetown University. Das bedeutet nicht, soder
Präsident, daß die Vereinigten Staaten lediglich mit
demokratischen Ländern Beziehungen unterhalten
sollten; vielmehr sollten die Vereinigten Staaten gewillt
sein, ihre diplomatische und wirtschaftliche Macht zu
nutzen, um Anreize zum Aufbau von Demokratien und
zu marktwirtschaftlichen Reformen auf der ganzen
Welt zu geben und sogar Auslandshilfe und Maßnahmen zur Schuldenreduzierung an sichtbaren Fortschritt zu binden.
"Ich habe eine neue Strategie für das amerikanische
Engagement verlangt, im Ausland die Ausbreitung der
Demokratie und ihre Festigung zu fördern," so Clinton.
"Eine solche Strategie kann man nicht nur nach Bedarf
oder halbherzig verfolgen.... Das bedeutet, daß wir
politischer Unterdrückung in ganz Afrika genauso
entschieden Einhalt gebieten wie politischer Unterdrückung in Asien oder im Nahen Osten. Und das
bedeutet auch, daß wir den Opfern des Krieges in
Westafrika und Somalia ebensolche Unterstützung
gewähren, wie wir es bei den Opfern des Krieges im
ehemaligen Jugoslawien tun."

essen zu schützen sowie die überlegene Technologie
und die Streitkräfte bereitzustellen, die der entscheidende Garant für die Freiheit sind."
Der Präsident will verkleinerte, flexiblere Streitkräfte,
die sich auf regionale Bedrohungen konzentrieren. Er
plant, die Produktion des B-2 Bombers anzuhalten und
Geld von der Strategischen Verteidigungsinitiative (oft
"Krieg der Sterne" genannt) abzuziehen und einem
begrenzten Raketenverteidigungsprogramm im Rahmen des ABM-Vertrages zuzuführen. Er möchte die
Atomwaffenarsenale des Landes durch Verhandlungen und andere Aktionen auf der Grundlage der
Gegenseitigkeit reduzieren. "Wir sollten die Programme beenden oder einschränken, die das Ziel haben,
der sowjetischen Bedrohung zu begegnen," sagte
Clinton. Er wird aufbauend auf den im Golfkrieg
gemachten Erfahrungen die Beteiligung Amerikas an
der Schnellen Eingreiftruppe der UNO untersuchen.
Da das Land seine Militäreinrichtungen reduziert, hofft
Präsident Clinton, Offiziere und Soldaten zur Erfüllung
der zahlreichen notwendigen Aufgaben im Land heranziehen zu können. "Unsere Bürger in Uniform
gehören zu den am besten Ausgebildeten in den
Bereichen, die für uns am wichtigsten sind," sagte
Clinton. "Wir müssen dieses Humankapital in unsere
arbeitende Bevölkerung und sogar in unsere Schulen
bringen, vielleicht durch die teilweise Nutzung unserer
Reservistenzentren und geschlossenen Stützpunkte
für auf der Gesellschaft basierende Erziehungs- und
Ausbildungsprogramme."
Innenpolitik

Präsident Clintons immer wiederkehrendes Thema im
Bereich der Innenpolitik war die Notwendigkeit, Amerikas wirtschaftliche Grundlage wieder neu aufzubauen. Im Programm Clintons wird dazu aufgerufen, mehr
Arbeitsplätze für die Amerikaner zu schaffen, indem
die Infrastruktur des Landes (d.h. sein Verkehrs- und
Erziehungssystem) erneuert wird, Gelder aus dem
Verteidigungshaushalt für notwendige Aufgaben im
Inland abgezweigt, die Städte neu belebt, private Investitionen angeregt und die Exporte verstärkt werden.
Es belohnt Arbeit durch eine Reduzierung der Steuerlast
der Mittelschicht und durch Einschnitte im jetzigen
Sicherheit und Verteidigung
Sozialhilfesystem, um die Menschen von Sozialhilfe
Präsident Clinton wird Amerikas militärisches Einsatz- unabhängig zu machen und ihnen Arbeit zu geben.
konzept neu bewerten, um es einer Welt anzupassen, "Wir werden die Aus- und Fortbildung und medizinidie nicht länger durch den Kalten Krieg geteilt ist. "Wir sche Versorgung anbieten, die Sie brauchen," verhaben jetzt nicht länger den Auftrag, eine expansioni- sprach Clinton denen, die von der Sozialhilfe abhängig
stische Sowjetunion einzudämmen," sagte er. "Aber sind, "aber wenn Sie arbeiten können, dann werden
dauerhafte Aufgaben bestehen: Die atomare Ab- Sie arbeiten gehen müssen, denn sie können nicht auf
schreckung beizubehalten, selbst wenn wir unsere ewig von der Sozialhilfe leben." Gemäß seinen VorAtomwaffenarsenale abbauen, unsere Freunde und schlägen würden berufstätige Eltern drei Monate
demokratischen Verbündeten zu ermutigen und mög- unbezahlten Urlaub für die Betreuung ihres Babys
liche Gegner abzuschrecken, unsere Interessen oder die Pflege eines kranken Familienmitglieds nehmöglichst durch gestärkte Institutionen kollektiver men können - "ein Recht, das die Menschen in jedem
Sicherheit zu wahren, die Freiheit auf Hoher See zu anderen fortschrittlichen Industriestaat schon haben,"
erhalten und unsere weltweiten wirtschaftlichen Inter- so Clinton.
AMERIKA DIENST 44

Seite 7

�Aus- und Fortbildung für alle Bürger ist für den Präsidenten Clinton ein ebenso wichtiges Ziel, wie es das für
den Gouverneur Clinton war. Er macht den Vorschlag,
in den Menschen in jeder Lebensphase zu investieren.
Bildungsprogramme der Bundesregierung sollen den
Eltern helfen, ihre Kinder auf die Schule vorzubereiten.
In den Hauptfächern wie Mathematik und den Naturwissenschaften soll ein nationales Prüfungssystem
eingeführt werden. Teenager sollen die Möglichkeit
bekommen, entweder durch Lehrlings-Programme eine
Ausbildung zu machen, oder das College mit Hilfe
eines Darlehens oder durch zwei Jahre Dienst an der
Allgemeinheit zu bezahlen. Clinton sagte den Töchtern und Söhnen der Mittelschicht, deren Eltern es
schwerfällt, das Schulgeld oder die Studiengebühren
zu zahlen: "Wir werden es Ihnen ermöglichen, aufs
College zu gehen, aber wenn Sie diese Hilfe bekommen, dann müssen Sie dem Land auch etwas dafür
zurückgeben."
Präsident Clinton wird sich mit den Sorgen der Amerikaner um ihre Gesundheitsfürsorge befassen. Ungefähr 60 Millionen Amerikaner haben eine unzureichende oder gar keine Krankenversicherung. Er schlägt
vor, eine allgemeine medizinische Versorgung für alle
einzuführen, die durch eine Kontrolle der Kosten im
Gesundheitswesen, eine Reform der Versicherungsprogramme, eine Überarbeitung der Strategien für die
Bereitstellung von medizinischer Versorgung und durch
mehr Betonung von Vorsorge in der Medizin finanziert
werden soll. "Alle Amerikaner werden ein Paket von
Grundleistungen erhalten, und niemand wird davon
ausgenommen oder ausgeschlossen, niemandem wird

das verwehrt und niemand wird gezwungen, minderwertige medizinische Versorgung zu akzeptieren," sagte
Clinton.
Das sind ehrgeizige Programme, die auf seit langem
bestehenden Problemen in der amerikanischen Gesellschaft ausgerichtet sind. Obwohl die Ziele klar sind
und das Ergebnis erwünscht ist, sind Veränderungen
dennoch beunruhigend. Clinton schreckt nicht vor
Veränderungen zurück. Er verweist auf seine Vergangenheft in Arkansas. "Ein Wandel ist nicht leicht," sagte
Clinton, "und der Grund dafür, daß die Leute an mich
glauben sollten, ist der, daß ich in der Vergangenheit
schon 10 Jahre lang Änderungen herbeigeführt habe.
Es geht dabei darum, daß die Dinge wieder funktionieren, daß man den Menschen hilft, ihre Fähigkeiten zu
nutzen, daß die Menschen wettbewerbsfähig werden
- daß Probleme gelöst werden und den Menschen
wieder Auftrieb gegeben wird. Und genau das tue ich.
Darin besteht meine Arbeit. Und das ist der Grund,
warum ich Gouverneur geworden bin, deshalb habe
ich fünfmal kandidiert - eben weil ich die Geduld und die
Entschlossenheit besaß und den Wunsch hatte, Änderungen herbeizuführen. Das ist mein Lebensziel."
In all seinen Reden hat Präsident Clinton das Thema
des Engagements für alle Menschen betont. "Die
Menschen in unserem Land haben immer an zwei
große Ideen geglaubt," sagte er: "Erstens, daß die
Zukunft besser sein kann als die Vergangenheit, und
zweitens, daß jeder von uns eine persönliche, eine
moralische Verantwortung hat, dazu beizutragen."

* * * * *

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AMERIKA DIENST 44

�VIZEPRÄSIDENT

GORE
4. November 1992

VIZEPRÄSIDENT AL GORE
Porträt des gewählten Vizepräsidenten
Ebenso wie Bill Clinton ist auch Vizepräsident AI Gore
ein junger Südstaatler: Er ist 44 Jahre alt und stammt
aus dem Bundesstaat Tennessee, der an Clintons
Heimatstaat Arkansas grenzt. Im Gegensatz zu Clinton war er jedoch im gesamten Verlauf seines öffentlichen Lebens im parlamentarischen Bereich tätig.
Seit 1984 war er US-Senator aus Tennessee, davor
acht Jahre Abgeordneter im Repräsentantenhaus.
Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung für Gore als
Vizepräsidentschaftskandidaten würdigte Clinton dessen
von den Kritikern gelobtes Buch über die Umwelt Earth
in the Balance: Ecology and the Human Spirit. "AI
Gore hat mich gebeten, sein Engagement zu teilen,
nicht nurdie Umwelt der Vereinigten Staaten, sondern
der Welt für künftige Generationen zu erhalten", erklärte Clinton.

bracht, die dort zuvor nie erörtert worden waren, wie
etwa die Erwärmung des Erdklimas.
In den vergangenen Jahren gelang Gore die Verabschiedung von Maßnahmen zur Beschleunigung des
stufenweisen Verbots von die Ozonschicht zerstörenden Chemikalien, die Einführung von Gesetzen zur
Beendigung des sogenannten "Umweltrassismus", der
von Minderheiten bewohnte Gemeinden einem größeren Risiko aussetzt sowie die Erarbeitung eines historischen Abkommens, um von den Nachrichtendiensten gesammelte Informationen über die Erde erstmalig im zivilen Bereich tätigen Wissenschaftlern zugänglich zu machen. Aufgewachsen in der nach seinem
Vater, dem 32 Jahre lang als Kongreßabgeordneter
und Senator aus Tennesse tätigen Albert Gore Sr.
benannten Hauptstadt, befand sich der jüngere Gore
von klein auf in der Gesellschaft prominenter Politiker.
Bei seiner Geburt am 31. März 1948 in Washington,
D.C., war sein Vater im 10. Jahr Abgeordneter des
Repräsentantenhauses.

Präsident Clinton zufolge hat Gore "sein ganzes Leben
für das Gesundheitswesen und den Verbraucherschutz
gekämpft und ist wahrscheinlich Amerikas führender
Verfechter der Entwicklung neuer Technologien - wie
Faseroptik und Gentechnologie - zur Schaffung der In seiner Jugend verbrachte Gore die Sommer auf der
hochdotierten Arbeitsplätze, die Amerika beim Über- rund 65 Kilometer östlich von Nashville gelegenen
Familienfarm in Carthage (Tennessee) und das Schulgang ins 21. Jahrhundert benötigt".
jahr in der Bundeshauptstadt, wo er die exklusive
Ein ernsthafter Parlamentarier
Privatschule St. Albans Episcopal School für Jungen
besuchte. Er war einer der besten Schülerund Kapitän
1990 gewann Gore die Wiederwahl in den Senat und
der Footbalmannschaft.
war damit der erste Kandidat - sowohl der Republikaner als auch der Demokraten - der alle 95 Landkreise 1965 schrieb sich Gore an der Harvard University
von Tennessee auf sich vereinigen konnte. Seine (Cambridge, Massachusetts) ein und erwarb 1969 mit
Kollegen beschreiben ihn als intelligent, aufrichtig, hart einer Examensarbeit über "Die Auswirkung des Fernarbeitend, kollegial und auf die etwas altmodische Art sehens auf die Führung der Präsidentschaft, 1947 der Südstaatler höflich.
1969"ein Bakkalaureat in Staatswissenschaften. Kurz
nach seinem Examen heiratete Gore Mary Elizabeth
"Er ist sehr ernsthaft", so ein Senator. "Wenn er sich 'Tipper" Aitcheson, die er am Abend seiner St. Albansmit einem Thema befaßt, ist es seine Art, sich damit Abschlußfeier kennengelernt hatte. Das Ehepaar hat
auseinanderzusetzen, bis er voll und ganz damit ver- vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn.
traut ist."
Als führender Verfechter des Umweltschutzes im Der Vizepräsident diente während des Vietnamkriegs
Kongreß leitete erdie Senatsdelegation beim Erdgipfel zwei Jahre als Heeresreporter beim außerhalb von
in Rio de Janeiro im Juni 1992. Er hat ein breites Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) stationierten 20. PionierSpektrum von Vorschlägen zum Umweltschutz befür- bataillon der US-Armee. Er sandte Kopien seiner
wortet und häufig Themen in den Kongreß einge- Berichte nach Hause, von denen einige vom Tennes-

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�sean, einer Nashviller Zeitung, veröffentlicht wurden. Sonstige Fachkenntnisse
Nach Beendigung seiner Dienstzeit im Jahr 1971
nahm Gore eine Stelle als Journalist bei dieser Zeitung Zusätzlich zu seinen Anliegen Gesundheitswesen und
Umweltschutz ist Gore für Hochtechnologie und Rüan.
stungskontrolle eingetreten. Die Führungsrolle des
Die Politik ruft
Vizepräsidenten im Hochtechnologiebereich spiegelt
sich in seinen erfolgreichen 12jährigen Bestrebungen
Während Gore beim Tennessean von 1971 bis 1972 zum Aufbau eines neuen, nationalen Hochgeschwinauf Nachtschicht arbeitete, besuchte er die Graduate digkeits-lnformationsnetzes - den "Superhighways" School of Religion der Vanderbilt Universrty. 1974 wider, mit dem die stärksten Computer der Vereinigten
schrieb sich Gore an der juristischen Fakultät der Staaten mit Schulen und Forschungszentren verbunVanderbilt University ein, die er zwei Jahre lang be- den werden, die sonst keinen Zugang zu diesen
suchte, während er gleichzeitig Leitartikel für den mächtigen Maschinen haben würden. Das im DezemTennessean schrieb.
ber 1991 verabschiedete Gesetz über Hochleistungscomputer wurde als wichtigste Einzelmaßnahme beAls der demokratische Abgeordnete aus Tennessees schrieben, die die Vereinigten Staaten unternehmen
viertem Wahlkreis 1976 unerwartet seine Entschei- können, um auf dem internationalen Markt der Zukunft
dung bekanntgab, sich nicht der Wiederwahl zu stel- wettbewerbsfähiger zu sein.
len, entschloß sich Gore, für den Sitz im Repräsentantenhaus zu kandidieren. Er besiegte acht Mitbewerber Im Bereich der Rüstungskontrolle verfolgt Gore die
bei den Vorwahlen der Demokraten und gewann die Verknüpfung von drastischen Reduzierungen der Anzahl
Wahl in Herbst mit einem Wahlprogramm, das höhere von Waffen mit einer Verlagerung zu Raketen mit nur
Steuern für die Wohlhabenden, mehr Arbeitsplätze im einem Gefechtskopf. Der von Gore als einem von 10
öffentlichen Dienst und geringere Verteidigungsaus- Beobachtern des Senats bei den Genfer Abrüstungsgaben forderte.
verhandlungen unterbreitete bahnbrechende Vorschlag
zur Beseitigung landgestützter Raketen mit MehrfachIn den acht folgenden Jahren kandidierte er zweimal
gefechtsköpfen auf beiden Seiten wurde als ein zenfür den Kongreß und schlug seinen einzigen Gegentrales Abkommen zwischen Rußland und den Vereikandidaten mit einem riesigen Vorsprung. Als Howard
nigten Staaten verabschiedet. Obwohl Gore den
Baker Jr., ein republikanischer Senator aus TennesPositionen der Reagan- und Bush-Administrationen
see und Führer der Mehrheit im Senat, 1983 seinen
zur Verteidigung kritisch gegenüberstand, warereiner
Rücktritt ankündigte, war Gore der Spitzenkandidat für
von nur 10 demokratischen Senatoren, die Präsident
seine Nachfolge. Gore schlug seinen republikaniBushs Einsatz von Gewalt 1991 unterstützten, um
schen Gegner mühelos mit über 60 Prozent der StimSaddam Hussein aus Kuwait zu vertreiben.
men.
Präsidentschaftskandidatur und Tragödie
Kongreß
Als Abgeordneter wie auch als Senator charakterisiert
sich Gore als "begeisterten Gemäßigten". Nachdem
er seine erste Kongreßwahl gewonnen hatte, erklärte
er: "Ich glaube, daß die Leute den Liberalismus
teilweise diskreditiert haben, weil sie das Vertrauen in
seine Kompetenz verloren haben. Sie haben den
Konservatismus diskreditiert wegen dessen offensichtlicher Gleichgültigkeit angesichts von Problemen beispiellosen Ausmaßes. Er besteht das Gefühl, es habe
zu viel Philosophie und nicht genug gesunden Menschenverstand gegeben."
Während seiner Jahre im Repräsentantenhaus konzentrierte sich Gore besonders auf Probleme im
Gesundheitswesen. Beispielsweise war er Mitverfasser des von ihm geförderten Gesetzes über Organspenden und Transplantationen von 1984, das den
Ver- oder Ankauf menschlicher Organe zu Transplantationszwecken untersagt und jährlich 2 Millionen Dollar
zum Aufbau einer nationalen Organbank bewilligt, die
Patienten mit den benötigten Organen versorgt.

Seite 2

1988 bewarb Gore sich um die Präsidentschaft, erhielt
jedoch nicht die erforderliche Unterstützung für die
Nominierung durch die Demokraten. Kurz danach
erlebte er ein noch größeres persönliches Trauma, als
sein sechs Jahre alter Sohn Albert IM. von einem Auto
angefahren wurde und beinahe starb. Gore und seine
Frau pflegten Albert während seiner langen Rekonvaleszenz.
Während er im Krankenzimmer seines Sohnes saß
und über sein Leben nachdachte, begann Gore mit
dem Buch Earth in the Balance. In der Einleitung
stellt er fest: "Ich hatte gerade einen Präsidentschaftswahlkampf verloren. Ich war gerade vierzig Jahre alt
geworden. In gewissem Sinne war ich empfänglich für
den Wandel, der mich in der Mitte meines Lebens ereilt
hatte."
Der Wandel in Gores Leben beinhaltete ein noch
größeres Engagement für Umweltprobleme. In seinem Buch erklärt der Vizepräsident, die Welt müsse
"die Rettung der Umwelt zum zentralen Organisations-

AMERIKA DIENST 44

�prinzip der Zivilisation" machen. Er fordert die Ver- "Ich komme aus Carthage in Tennessee", erklärte
pflichtung aller Nationen zur Stabilisierung des Bevöl- Gore dem Publikum, als der Präsident ihn als Vizepräkerungswachstums, die Erarbeitung und Verwendung sidentschaftskandidaten vorstellte. "Ich bin noch nie in
neuer umweltverträglicher Technologien sowie gesell- Hope in Arkansas (der Heimatstadt des Präsidenten)
schaftliche Veränderungen, die den Schutz der Um- gewesen, habe jedoch gehört, sie sei genau wie Carwelt durch Erziehung der Öffentlichkeit und verstärkte thage. Es ist ein Ort, wo man weiß, wann jemand
Rechenschaftspflicht der Verursacher zum Ziel ha- geboren wird und traurig ist, wenn jemand stirbt. Das
ist das Amerika, in dem Bill Clinton und ich aufgewachben.
sen sind. Das ist die Art von Nation, die wir wieder
Ergänzung zu Clinton
werden wollen."
Gore bringt für das Amt des Vizepräsidenten Stärken
mit, die eine Ergänzung zu denen Bill Clintons bilden.
Darüber hinaus haben beide die gleiche Einstellung zu
amerikanischen Werten.
* * * *

AMERIKA DIENST 44

*

Seite 3

�US-AUSSENPOLITIK

CLINTON VERSPRICHT KONTINUITÄT
IN US-AUSSENPOLITIK
Erklärung in Little Rock am 4. November
LITTLE ROCK (ARKANSAS) - (AD) - Der neugewählte Präsident Bill Clinton hat am 4. November 1992 "die
grundsätzliche Kontinuität" der amerikanischen Außenpolitik bekräftigt und für weitweite Zusammenarbeit
während der verbleibenden Amtszeit von Präsident Bush geworben.
In einer kurzen Erklärung in Little Rock keine 24 Stunden nach seinem Wahlsieg stellte Clinton fest, er sehe in
der Übergangszeit zwischen den Administrationen der engen Zusammenarbeit mit Bush erwartungsvoll
entgegen, "um die Kontinuität in der Weltpolitik zu gewährleisten, die für alle Amerikaner von Interesse ist".
Clinton forderte Amerikas "Freunde und Gegner gleichermaßen" auf, anzuerkennen, daß "auch wenn die
Regierungen Amerikas wechseln", seine "fundamentalen Interessen sich nicht verändern". Er erklärte, "der
größte Fehler, den ein Gegner begehen könnte, wäre der, die Entschlossenheit Amerikas in dieser Übergangsperiode anzuzweifeln".
Nachfolgend veröffentlichen wir Clintons vor dem Amtssitz des Gouverneurs von Arkansas abgegebene
Erklärung im Wortlaut.
Heute möchte ich die grundsätzliche Kontinuität der
amerikanischen Außenpolitik und meinen Wunsch
bekräftigen, die Unterstützung beider Parteien für unsere
Rolle in der Welt anzustreben. Während der nun
beginnenden Übergangsphase fordere ich die Freunde und Gegner Amerikas gleichermaßen auf, ebenso
wie ich anzuerkennen, daß Amerika jeweils nur einen
Präsidenten hat, daß die amerikanische Außenpolitik
allein in seinen Händen bleibt, daß auch wenn die
Regierungen Amerikas wechseln, die fundamentalen
Interessen Amerikas sich nicht verändern. Daß die
beste Geste des guten Willens, die jede Nation mir
entgegenbringen kann, deren weitere uneingeschränkte Zusammenarbeit mit unserem einzigen Präsidenten, George Bush, in diesem Zeitraum ist und daß der
größte Fehler, den ein Gegner begehen könnte, der
wäre, die Entschlossenheit Amerikas in dieser Übergangsperiode anzuzweifeln.
Ich sehe der engen Zusammenarbeit mit Präsident
Bush erwartungsvoll entgegen, um die Kontinuität in
der Weltpolitik zu gewährleisten, die für alle Amerikaner von Interesse ist -von anhaltenden Fortschritten in
den Nahost-Friedensgesprächen, der Vollendung der
Verhandlungen über die Einzelheiten des Rüstungskontrollabkommens START II und weiteren Fortschritten in den Welthandelsgesprächen bis zur Stärkung
der beginnenden Demokratie in Rußland, zu den
Bemühungen für eine friedliche Lösung der Konflikte

AMERIKA DIENST 44

in den Republiken des ehemaligen Jugoslawiens und
zur Hilfe für die Opfer der Hungersnot in Somalia.
Darüber hinaus freue ich mich, die schwere und lebenswichtige Aufgabe der Wiedergewinnung unserer wirtschaftlichen Stärke in Angriff zu nehmen. Heute sage
ich zu unseren Entscheidungsträgem in Finanzwelt
und Wirtschaft, daß wir uns trotz des sich am Horizont
abzeichnenden Wandels der Notwendigkeit bewußt
sind, beim Streben nach Wachstum auch Stabilität
anzustreben. Die von mir gewollten Veränderungen
werden die Marktsysteme der Vereinigten Staaten
stärken und nicht schwächen. Und den Bürgern
unserer großen Nation, denen wir versprechen, jeden
Morgen aufzustehen und hart für die wirtschaftlichen
Chancen zu kämpfen, die das Kernstück der ClintonGore-Kampagne bildeten, sage ich, daß die Aufgabe
bereits begonnen hat. Sie wird nicht einfach sein, aber
wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
Wachstum, Arbeitsplätze und Einkommen des amerikanischen Volkes wiederherzustellen.
Darüber hinaus möchte ich auf die Risiken und Chancen der kommenden Monate und Jahre hinweisen.
Der Kalte Krieg ist gewonnen. Heute haben wir die
Chance, einen neuen Frieden aufzubauen. Wir sind in
eine Weltwirtschaft eingetreten. Heute haben wir die
Möglichkeit, seine auf Wettbewerb beruhenden Herausforderungen zu bewältigen anstatt zu gestatten,

Seite 1

�daß diese Veränderungen unsere Stärke untergraben.
Wir sind ein vielfältiges Volk mit verschiedenen Hautfarben, Sprachen und Überzeugungen geworden. Heute
haben wir die Pflicht zu gewährleisten, daß unsere
Vielfalt für uns alle hier im Inland sowie in der ganzen
Welt eine Quelle der Stärke und des Stolzes ist. Wir
sind zu einer Nation von 250 Millionen Amerikanern
geworden. Heute haben wir die Chance und die Pflicht
zu gewährleisten, daß wir nicht einen unter diesen 250
Millionen zurücklassen, während wir auf das nächste
Jahrhundert zugehen.

nehmer und Unternehmer, die das Lebenselixier
Amerikas sind, des Stolzes für die Männerund Frauen,
die Amerikas Uniform tragen, sowie des Stolzes für die
Völker anderer Länder, die heute in Freiheit oder in
Furcht leben und die aus den Idealen Amerikas Stärke
beziehen und unsere Vision von einer friedlichen und
wohlhabenderen Welt teilen.

Amerika hat mich aufgefordert, unser nächster Präsident zu sein, aber unsere Vorfahren appellieren in
diesem Augenblick an uns alle, ihre Bemühungen, ihre
Opfer, ihre Ideale und ihr Leben zu ehren, indem wir
Wir sind in ein Zeitalter großer Herausforderungen und hart arbeiten, indem wir zusammenarbeiten, um diese
außergewöhnlicher Chancen für unser Land eingetre- gute und große Nation zu verbessern, für unsere
ten. Ich bin zuversichtlich, daß wir es zu einer Zeit des Kinder und deren Kinder in demselben Maß, wie es
Stolzes in unserer Geschichte machen können - des unsere Vorgänger taten. Sie fordern uns auf, unsere
Stolzes für die Familien, die die nächste Generation Träume und unsere Hoffnungen zu verwirklichen.
dieses Landes aufziehen, des Stolzes für die Arbeit-

* * * *

*

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Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�GUS - HILFE
4. November 1992

NEUE AMERIKANISCHE INITIATIVEN BEI
KONFERENZ IN TOKIO BEKANNTGEGEBEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die Vereinigten Staaten haben bei der Konferenz über Hilfe für die GUS in Tokio am 29. Oktober 1992 sechs neue
Initiativen bekanntgegeben, um die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu unterstützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des US-Außenministeriums zu diesen Initiativen.
Die Vereinigten Staaten werden eine umfangreiche
humanitäre Initiative durchführen, um bei der Bereitstellung des lebenswichtigen Bedarfs an Nahrungsmitteln und Medikamenten in der GUS in diesem Winterzu helfen. Das Nothilfepaket mit Nahrungsmittelhilfe im Umfang von 260 Millionen Dollar und Medikamenten in Höhe von 14 M illionen Dollar wird den sozial
schwächsten Gruppen in der GUS gewidmet sein.

Aktion Hoffnung III

Obwohl wir der Meinung sind, daß nur umfassende
Reformen das Wirtschaftswachstum garantieren können, das künftiges menschliches Leid verhindern kann,
engagieren wir uns nach wie vor für unverzügliche
Schritte zur Deckung humanitärer Bedürfnisse und zur
Unterstützung von Reformen. Als Beitrag zur multilateralen humanitären Hilfsaktion dieses Winters planen
Wir werden unsere Bemühungen intensivieren, um die Vereinigten Staaten die Vergabe von Nahrungsmitpolitische und wirtschaftliche Reformen in der GUS zu telhilfe und Medikamenten in Höhe von mindestens
unterstützen, indem wir fünf neue Initiativen zur Ge- 260 Millionen Dollar. Die Vereinigten Staaten werden
währung von technischer Hilfe starten. Dazugehören:
- in diesem Winter Nahrungsmittelhilfe für über 260
die Einrichtung eines mit mindestens 65 Millio- Millionen Dollar liefern, die speziellen Bevölkerungsnen Dollar ausgestatteten Unternehmensfonds gruppen in Regionen zugutekommen soll, in denen
in Rußland und der Ukraine.
Grundnahrungsmittel knapp sind oder angesichts
schlechter lokaler Produktionskapazitäten beziehungsein Austauschprogramm im Umfang von 50 weise Störungen bei der Verteilung knapp werden
Millionen Dollar.
dürften. Darüber hinaus wird Nahrungsmittelhilfe für
ausgewählte städtische Gebiete bereitgestellt werein Programm in Höhe von 8 Millionen Dollar,
den, in denen das Potential für steigende Arbeitslosigdas demokratische Regierungsformen auf Gekeit und Inflation sowie die Zahl von Rentnern hoch
meindeebene zum Inhalt hat (Local Democratic sind.
Govemance).
ein Umweltschutzprogramm in Höhe von 35 - Der Großteil der Nahrungsmittelhilfe wird an Städte in
Millionen Dollar (Partnership for the Environ- Nordrußland, dem Fernen Osten sowie Regionen im
Ural und im Kusbas geliefert werden.
ment).
Ein Programm zur Unterstützung der Familien
von Angehörigen der Streitkräfte.
Diese sechs Initiativen zielen ebenso wie bereits laufende Programme darauf ab, unsere Unterstützung
von Reformen und Reformern in der GUS auszubauen. Wir werden weiterhin mit unseren internationalen
Partnern in den neu gebildeten Konsultativgruppen
zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß Demokratisierung und marktwirtschaftliche Reformen in der
GUS Erfolg haben.
AMERIKA DIENST 44

-Mindestens 70 Millionen Dollarwerden durch Verkäufefinanziert. Die auf diese Weise aufgebrachten Mittel
werden für die Unterstützung von Rentnern und anderen Personen mit festem Einkommen eingesetzt, die
unter den gegenwärtig stattfindenden Wirtschaftsreformen besonders leiden.
- Lieferung überschüssiger Bestände des Verteidigungsministeriums. Die Lieferung von 9.000 Tonnen
überschüssiger Militärverpflegung im Wert von 20
Millionen Dollar sowie vier Millionen Fertiggerichten im
Seite 1

�Wert von rund 18 Millionen Dollar wurde bereits aufgenommen.

durch Schuldenaufnahme oder Aktienausgabe
Kapital für kleine und mittlere Privatunternehmen in Rußland und der Ukraine beschaffen;

- Durchführung eines medizinischen Hilfeprogramms.
Die Vereinigten Staaten werden die zweite Tranche
ein besonderes "Fenstei der Rüstungskonvereines zweistufigen medizinischen Hilfsprogramms in
sion" einrichten, um in diesem Schlüsselbereich
Höhe von 20 Millionen Dollar in diesem Winter bereitverstärkt Unterstützung zu gewähren;
stellen. Mit dem Programm sollen kritische Engpässe
bestimmte Formen technischer Hilfe in Rußland
bei grundlegenden Medikamenten und medizinischen
und der Ukraine bereitstellen sowie als Mittler
Bedarfsartikeln gelindert werden. Darin enthalten sind
für finanzielle Hilfe aus Drittländern dienen, wie
Antibiotika zur Behandlung von Atemwegserkrankunbereits im Falle anderer Unternehmensfonds
gen und anderen Infektionskrankheiten, Impfstoffe für
üblich ist.
die Immunisierung von Kindern und alten Menschen
gegen lebensbedrohende Krankheiten, Medikamente
zur Behandlung von Kreislauf erkrankungen und Krebs Die amerikanische Regierung ermutigt die Europäisowie Einweghandschuhe und -spritzen zur Eindäm- sche Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie
andere Geberländer und private Investoren zu einer
mung der Verbreitung von Infektionen.
Beteiligung.
- Im Rahmen der ersten Tranche von 6 Millionen Dollar Local Governance Program
haben die Vereinigten Staaten Impfstoffe gegen Masern,
Tetanus, Polio und Diphterie sowie einschlägige Be- Die Vereinigten Staaten werden ein mit 8 Millionen
darfsartikel angekauft, um 520.000 Kleinkinder in Dollar ausgestattetes Programm für die öffentliche
Turkmenistan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbeki- Verwaltung aufnehmen, das auf die Stärkung lokaler
stan sowie weitere 261.000 Kinder in Armenien und Verwaltungen ausgerichtet ist. Mit diesem Programm
der Ukraine zu immunisieren.
werden reformorientierte Oblasts und Gemeinden bei
der Entflechtung öffentlicher und privater Funktionen
- Die verbleibenden 14 Millionen Dollar werden einge- unterstützt, um soziale Dienstleistungen für alle Einsetzt, um diesen Winter dringend benötigte Medika- wohner zu gewährleisten und das Wachstum des
mente und medizinische Bedarfsartikel in alle 12 Privatsektors zu fördern. Verwaltungsbeamte sollen
unabhängigen Staaten zu liefern.
im Einsatz moderner Finanzverwaltungssysteme
geschult
werden, um angesichts der begrenzten Mittel
- Unterstützung der Partnerschaft zwischen öffentlifundierte
Verwaltungsentscheidungen treffen zu könchem und privatem Sektor. Die amerikanische Regie nen.
Darüber
hinaus soll die Ausstattung lokaler
rung wird logistische Unterstützung, Transportmittel
Verwaltungen
verbessert
werden. Im Verein mit
und Fachwissen bereitstellen, um Hilfsbemühungen
Maßnahmen
im
Energiesektor,
bei Wohnungsbau,
der Privatwirtschaft und nichtstaatlicher OrganisatioPrivatisierung
und
Entwicklung
mittelständischer
Unnen für die unabhängigen Staaten in diesem Winter zu
icinenmen
Kann
mec
3s
Programm
dazu
beitragen,
unterstützen.
lokalen Behörden mehr Einfluß zu sichern und die
- Über 5.000 Tonnen Nahrungsmittel im Wert von 24,3 Grundlage für eine effektive Verwaltung legen. Dabei
Millionen Dollar sowie 1.593 Tonnen Medikamente werden die Vereinigten Staaten insbesondere
und medizinische Bedarfsartikel im Wert von 25 MillioBerater vor Ort stationieren. Die Vereinigten
nen Dollar sind seit Januar in Städte in den gesamten
Staaten werden Berater langfristig in ausgeunabhängigen Staaten geliefert worden.
wählte Städte in den neuen unabhängigen Staaten entsenden, um vorwiegend in Bereichen wie
Unternehmensfonds für Rußland und die Ukraine
Finanzverwaltung und städtisches HaushaltsDie Vereinigten Staaten werden russisch-amerikaniwesen Unterstützung zu gewähren.
sche und ukrainisch-amerikanische UnternehmensAusbildung von Verwaltungsbeamten. Amerifonds einrichten. Die Unternehmensfonds werden
kanische Verwaltungsexperten werden Ausbilsich an ähnlichen, von der Administration für mehrere
dungsseminare und Workshops über VerwalStaaten Mittel- und Osteuropas eingerichteten Fonds
tungsfragen für städtische Bedienstete in den
orientieren, die sich als äußerst erfolgreich bei der
neuen unabhängigen Staaten abhalten. Wo
Förderung der Entwicklung des Privatsektors erwiedies als geeignet erscheint, werden wir uns um
sen haben. Die beiden Fonds werden auf drei Jahre
die Stärkung lokaler Institute und neugegründemit mindestens 65 Millionen Dollar jährlich ausgestatter Schulen für öffentliche Verwaltung und Betet. Jeder Unternehmensfonds wird
triebswirtschaft bemühen.
von einem Vorstand aus Bürgern der VereinigBereitstellung von Gerät. In bestimmtem Umten Staaten und Rußland oder der Ukraine
fang werden Gerät und Software bereitgestellt,
geleitet werden;
um die Informationsinfrastruktur auf Gemeindeebene zu verbessern.
Seite 2

AMERIKA DIENST 44

�Austauschprogramme
Eine der besten Hilfsmöglichkeiten für die neuen
unabhängigen Staaten bietet die Plazierung westlicher
Experten vor Ort und die Entsendung von Russen,
Ukrainern, Kasachen, Armeniern und Angehörigen
der anderen Völker der neuen unabhängigen Staaten
in die Industrieländer, um an deren Erfahrungen und
Fachwissen teilzuhaben. Aus diesem Grund werden
die Vereinigten Staaten 1993 50 Millionen Dollar für
Austauschprogramme bereitstellen. Diese Austauschprogramme werden ebenso wie die daraus entstehenden Vorteile in beiden Richtungen wirken.
Das US-Informationsamt (United States Information Agency) wird ein Austauschprogramm
für höhere Schulen im Wert von 20 Millionen
Dollar durchführen, das Aufenthalte zwischen
einem Monat und einem Jahr vorsieht.
Wir erwarten die Ankunft der ersten Teilnehmer
an diesem Programm in den Vereinigten Staaten im Februar.
Die Vereinigten Staaten werden ein Programm
in Höhe von 30 Millionen Dollar durchführen, um
ein breites Spektrum von Austauschmaßnahmen zu unterstützen, das unter anderem College- und Universitätsstudenten, Verwaltungsfachleuten, Führungskräften der Wirtschaft,
Landwirtschaftsfachleuten, Ärzten, Wissenschaftlern, Parlamentariern, Richtern, Diplomaten,
Journalisten und anderen Akademikern zugutekommen wird.
Partnership for the Environment
Um zu gewährleisten, daß Umweltschutz mit den
wirtschaftlichen und demokratischen Reformen Hand
in Hand geht, werden die Vereinigten Staaten eine auf
vier Jahre angelegte Umweltschutzinitiative in Höhe
von 35 Millionen Dollar ins Leben rufen, die sowohl auf
nationaler Entscheidungsebene als auch in sorgfältig
ausgewählten Regionen der GUS durchgeführt werden soll. Diese Initiative wird die drei wichtigsten
Gruppen unterstützen, die Verantwortung für einen
soliden Umgang mit der Umwelt tragen: Regierung,
Privatwirtschaft und verantwortungsbewußte Bürgerorganisationen. Das Programm wird sich drei Bereichen widmen:
Umweltpolitik und Aufbau von Institutionen: In
Zusammenarbeit mit wichtigen Entscheidungsträgern in den Ministerien für Umweltschutz und
Rohstoffe sowie deren Partnern in der Legislative werden vor Ort stationierte sowie reisende
Berater an der Entwicklung neuer Umwertschutzmaßnahmen, -gesetze und -Vorschriften mitwirken und Ausbildungsprogramme organisieren
und durchführen, um im Umweltbereich tätige
Verwaltungsinstitutionen zu stärken.

AMERIKA DIENST 44

Technische Zusammenarbeit: In enger Zusammenarbeit mit Weltbank, EBWE und anderen internationalen Institutionen werden die Vereinigten Staaten Regionen mit erheblichen Umweltproblemen nach Dringlichkeit der erforderlichen
Maßnahmen auswählen. Amerikanisches Knowhow wird bereitgestellt werden, um die medizinischen und ökonomischen Kosten von Umweltbelastungen in ausgewählten Regionen zu
bestimmen und durch Referenztechniken neue
Maßnahmen und Verfahren zur Verbesserung
der Umweltqualität zu entwickeln.
Umweltpolitische Rechenschaftspflicht: Die
Vereinigten Staaten werden Partnerschaften
zwischen privaten amerikanischen Umweltorganisationen und deren Partnern in den neuen
unabhängigen Staaten unterstützen, um ihre
Fähigkeiten im Management zu stärken und das
öffentliche Bewußtsein für Umweltprobleme zu
schärfen.
Unterstützung für die Familien von Angehörigen
der Streitkräfte
Familienangehörige von Offizieren, die aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und den baltischen Staaten
heimkehren, gehören zu den gefährdeten Gruppen der
Gesellschaft. Für die im aktiven Dienst verbleibenden
Offiziere wird es ebenso wie für die ausscheidenden
eine Übergangsperiode geben, in der ihre sozialen
Stützungssystemeunterdasgewohnte-und in einigen
Fällen - akzeptable Niveau fallen werden. Private
gemeinnützige Organisationen engagieren sich dafür,
den verletzbarsten Familien mit humanitärer Hilfe,
medizinischer Versorgung, Umschulung und Umsiedlung zu helfen. Die Vereinigten Staaten werden
Verbindungen und Partnerschaften zwischen
internationalen gemeinnützigen Privatorganisationen und einheimischen Gruppen in Rußland
fördern, um die Lebensqualität für die Familien
von Soldaten zu verbessern und wertvolle Fortbildung bei sozialen Dienstleistungen gewähren;
russische Privatorganisationen bei der Förderung von Selbsthilfegruppen auf Stützpunkten
und in Gemeinden unterstützen, die von der
Militärpräsenz beeinflußt werden. Diese Selbsthilfegruppen könnten Programme fördern, die
erforderliche soziale Dienstleistungen für Kinder von Zivilpersonen ebenso wie für Kinder von
Militärangehörigen bereitstellen können;
Durchführung von Gemeinschaftsprojekten wie
Kampagnen zur Schutzimpfung von Kindern,
mobile diagnostische Teams, Ausbildungsprogramme für ehrenamtliche Helfer in Sozialarbeit
und Kinderbetreuung, Fähigkeiten für ehrenamtliche Arbeit auf Gemeindeebene, Informations-

Seite 3

�dienste zur Hilfe für Familien, die besondere
BikJungsmaßnahmen oder medizinische Hilfe

* * * *

Seite 4

benötigen sowie Unterstützung für Vermittlungsdienste für ausscheidende Soldaten in den wichtigsten Städten.
*

AMERIKA DIENST 44

�RUSSLAND
4.November 1992

WARUM DIE VEREINIGTEN STAATEN EIN
STARKES RUSSLAND WOLLEN
von Paul Wolfowitz
Der Verfasser ist Staatssekretärfür politische Fragen im amerikanischen Außenministerium. DerfolgendeArtikel
ist ein Auszug aus seiner jüngsten Rede bei der Konferenz des Zentrums für strategische und internationale
Studien in Moskau.
Rußland befindet sich gegenwärtig in einer Zeit großer
Reformen und wachsender Demokratie. Was wir im
letzten Jahr gesehen haben, reflektiert ein beharrliches Verständnis dessen, was eine demokratische
Zukunft bedeuten wird. Die langen Jahre totalitärer
Herrschaft haben den Mut und die Sehnsucht des
russischen Volkes nach Freiheit nicht ausgelöscht.
Und das russische Volk, das so schwer unter dem
Kommunismus gelitten hat, ist jetzt dabei, ein besseres Leben zu schaffen. Es ist ein Leben, das es
verdient.

bevorzuge. Man könnte denken, vor allem das Pentagon würde ein Rußland vorziehen, das seinen Problemen nicht entkommen kann. Das ist nicht der Fall. Ich
möchte ganz deutlich die Gründe hierfür darlegen.

Wie Verteidigungsminister Cheney vor dem amerikanischen Kongreß gesagt hat: "Es steht enorm viel auf
dem Spiel. Wenn Rußland, die Ukraine und die
anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu einem neuen, auf westlichen Werten basierenden Staatsund Wirtschaftsystem übergehen, dann wird meiner
Meinung nach das nächste Jahrhundert wahrscheinlich von Frieden und Wohlstand gekennzeichnet sein.
Gelingt das nicht, dann werden wir uns mit sehr vielen
Problemen für unsere Sicherheit konfrontiert sehen."

In Wahrheit wäre ein starkes, aber undemokratisches
Rußland ein großes Problem für uns und den Westen,
für die Völker Rußlands, Eurasiens und des östlichen
Mitteleuropa wäre es jedoch sicherlich eine Tragödie.
Der Westen wäre vielleicht gezwungen, ähnlich viel für
Verteidigung auszugeben wie während des Kalten
Krieges: Wir würden uns vielleicht wieder einmal
großen Gefahren gegenübersehen. Aber die Hoffnungen der Völker Ru ßlands und in der Tat vielleicht sogar
der Nachbarn Rußlands würden sicherlich enttäuscht
- vielleicht für weitere 70 Jahre.

Erstens ist sogar ein "schwaches" Rußland stark genug,
um eine Gefahr darzustellen - sogar eine tödliche
Gefahr, und es ist viel wahrscheinlicher, daß es auf
gefährliche Art und Weise handelt.

Zweitens - was am wichtigsten ist - ist es langfristig am
wahrscheinlichsten, daß ein starkes Rußland durch
Ich möchte hier unmißverständlich sagen: Wir glau- demokratische und marktwirtschaftliche Reformen
ben an dieses demokratische Rußland. Wir glauben entsteht - das ist die wichtigste Lektion der letzten 50
daran, daß Rußland als demokratische Nation auf die Jahre, und genau diese Reformen machen es wahrWeltbühne zurückkehrt. Wir wollen kein hohles oder scheinlich, daß Moskaus Stärke die Stärke unserer
von Krisen geschütteltes Rußland. Wir wollen ein demokratischen Verbündeten erhöhen und daher ebenso
wohlhabendes Rußland, einen Handelspartner, einen willkommen sein wird. Damit meinen wir jedoch nicht,
demokratischen Partner, ein Bollwerk der Sicherheit. daß unsere Interessen immer identisch sein, sondern
Ein durch seine demokratische Revolution gewandel- vielmehr, daß sie meistens übereinstimmen und diestes Rußland könnte eine wohltuende Wirkung auf die bezügliche Entscheidungen so getroffen werden, wie
Welt haben und der Sache des Friedens große Kraft es unserem gemeinsamen demokratischen Charakter
entspricht.
verleihen.

Manche stellen in Frage, ob der Westen wirklich
Rußlands Macht wiederhergestellt sehen möchte oder Während die Kosten eines starken, undemokratischen
ob der Westen nicht vielmehr ein schwaches Rußland Rußlands bekannt sind, gibt das Versprechen eines

AMERIKA DIENST 44

Seite 1

�starken, demokratischen Rußlands vier Jahrzehnten
der Opfer eine zusätzliche Bedeutung. Es würde dazu
beitragen, eine bessere, sicherere Welt zu schaffen.
Wir unterstützen also ein starkes Rußland, ein demokratisches Rußland, sowie starke Staaten auf dem
Gebiet des ehemaligen Warschauer Paktes. Wir
begrüßen eine starke, demokratische Ukraine und ein
starkes, demokratisches Polen. Wir schauen auf die
Balten, die Menschen in Belarus, die Tschechen,
Slowaken, Ungarn, Bulgaren und andere, um unsere
demokratische Gemeinschaft zu bereichem und zu
unserer gemeinsamen Sicherheit beizutragen. Jeder
kann einen großen Beitrag leisten.
Der russische Botschafter in den Vereinigten Staaten,
Wladimir Lukin, schrieb kürzlich über die Rolle der
Demokratie bei der Überwindung "der totalen Kontrolle
eines übermächtigen Staates...über die Gesellschaft
und die Mittel des Landes im Namen seiner engstirnig
egoistischen und manchmal expansionistischen Ziele." Die Demokratie ändert die Sichtweise einer Nation
gegenüber ihren nationalen Interessen und die Art und
Weise, sie zu schützen. Ein demokratisches Rußland
wird in der Gemeinschaft der demokratischen Nationen Unterstützung finden. Seine Staats- und Wirtschaftsreformen verbinden es auf natürliche Weise mit
anderen Demokratien.
Niemand bittet Rußland oder irgendeine andere Nation, ihrem einzigartigen Erbe den Rücken zuzukehren. Die demokratische Gemeinschaft ist nicht geschlossen. Sie ist eine Gemeinschaft der Prinzipien der Rechte des einzelnen, der in ihrer Macht beschränkten, parlamentarischen Regierungen und der
freien Märkte. Diese Prinzipien waren die Grundlage
für den Frieden und den Wohlstand, die verschiedene
Nationen auf der ganzen Welt vereinen. Wir begrüßen
Rußland nicht nur auf dem ihm zustehenden Platz am
Tisch, sondern wir glauben, daß der Erfolg Rußlands
für unsere eigenen Interessen wichtig ist.
Beim Aufbau unserer neuen Beziehungen müssen wir
- wie bereits in der Charta von Washington geschehen
- auf unsere gemeinsamen Prinzipien und Interessen
schauen. Einige Interessenkonflikte sind unvermeidlich, sogar zwischen den engsten Verbündeten. Aber
ich glaube, daß unsere beiden Länder möglicherweise
viel mehr vereint als trennt, und es wird, tragisch sein,
wenn das Trennende erneut die Oberhand gewinnt.
Es liegt bei den Russen, ihr eigenes nationales Interesse zu bestimmen. Aber wie sie das tun, wird den
Charakter ihrer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und anderen Demokratien entscheidend bestimmen.
Ein demokratisches Rußland hat mit den Vereinigten
Staaten gemeinsame Interessen und Perspektiven,
die von unseren Beziehungen in der Vergangenheit
verdeckt oder sogar in Gründe für einen Konflikt verkehrt wurden:

Seite2

1. Sogar auf der Höhe des Kalten Krieges hatten wir
ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung eines Atomkrieges und trugen eine besondere Verantwortung hierfür. Aber der Wandel in unseren politischen Beziehungen hat den üi .arakter dieses gemeinsamen Interesses verändert und viele der arten Hindemisse bei seiner Wahrung beseitigt:
Wir haben im letzten Jahr mehr Fortschritte
beim Abbau von Atomwaffen gemacht als in
24jährigen Verhandlungen über die Kontrolle
von Atomwaffen. Dieser Abbau war wirklich
atemberaubend. Es wurden ganze Kategorien
von Waffen abgeschafft, die einst für unsere
nationale Sicherheit für unentbehrlich gehalten
wurden.
Nachdem wir von der fast zwanghaften Notwendigkeit befreit waren, uns auf die Möglichkeit
eines atomaren Angriffs vorzubereiten, konnten
wir die Alarmbereitschaft unserer Truppen sicher und auf eine Art und Weise reduzieren, die
die Gefahr von Fehleinschätzungen verringert.
Am wichtigsten ist, daß wir begonnen haben,
über Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung mit ballistischen Raketen zu sprechen,
und damit unser gemeinsames Interesse an
einem Schutz vor begrenzten Angriffen anerkannt haben. Es bleiben zwar noch wichtige
Differenzen im Hinblick auf den ABM-Vertrag,
aber wir glauben, daß eine Einigung möglich
sein sollte.
2. Unsere beiden Länder betrachten die Welt aus
breiter Perspektive. Aufgrund geographischer und
anderer Faktoren haben wir beide ein großes Interesse an kritischen Regionen in der Welt, insbesondere
Europa, das nordöstliche und südwestliche Asien. In
der Vergangenheit standen diese Interessen oft in
Konflikt, aber mit einem demokratischen Rußland
verschwinden viele, wenn nicht alle, diese Konflikte,
und es öffnen sich wichtige Bereiche der Zusammenarbeit.
Wir sind beide pazifische Nationen und wir
haben ein gemeinsames Interesse an der
Wahrung der Stabilität im nordöstlichen Asien.
Unsere politischen Maßnahmen in Korea sind in
zunehmendem Maße darauf gerichtet, gleichzeitig eine friedliche Evolution auf der Halbinsel
zu unterstützen und den Bestrebungen Nordkoreas im Bereich der Atomwaffen Einhalt zu
gebieten. Wir glauben, daß unsere Sicherheitsbeziehung mit Japan die Stütze für Stabilität in
der Region bleibt, und es gibt keinen Grund für
ein demokratisches Rußland, sich davon bedroht zu fühlen. Und wir haben beide ein Interesse an einer Entwicklung Chinas in der Richtung entwickelt, daß seine wachsende Wirtschaftsmacht zum Nutzen des chinesischen
Volkes und nicht für militärische Zwecke einge-

AMERIKA DIENST 44

�setzt wird. Und natürlich teilen wir beide das
Risiko, falls in Asien eine gefährliche Fehlentwicklung eintritt.
Die erste Errungenschaft ist nicht selbstverständlich.
Die Integration der liberalen Demokratien unter der
Führung der Vereinigten Staaten in ein historisch
einmaliges System der kollektiven Verteidigung ist
eine der großen Errungenschaften der letzten 40 Jahre.
Zumindest jetzt ist esuns in Nordamerika, Westeuropa
und Japan gelungen, eine "Zone des Friedens" zu
schaffen, innerhalb derer - so kann man wohl sagen ein Krieg wirklich unvorstellbar ist. Angesichts der
Geschichte des 20. Jahrhunderts ist das eine nicht zu
verachtende Leistung - und sie zu bewahren, ist ein
Ziel von größter Bedeutung.
Wir werden dies tun, weil es in unserem eigenen
Interesse liegt, aber ich glaube, es liegt auch im
Interesse Rußlands und der anderen neuen Demokratien Europas. Es ist eine Ironie des Endes des Kalten
Krieges, daß die NATO und andere integrierende
Institutionen Westeuropas eine Stabilität einbringen,
die auch den Interessen Rußlands dient.
Vielleicht liegt die größte aller Herausforderungen darin,
jene demokratische "Zone des Friedens" so auszuweiten, daß die neuen Demokratien mit einbezogen werden. Wir wollen, daß die gewaltigen Veränderungen in
Europa die Stabilität, den Frieden und den Wohlstand
auf dem gesamten Kontinent fördern. Wir wollen nicht
herausfinden müssen, daß wir eine Mauer abgerissen
haben, nur um eine andere zu errichten, die Europa in
eine stabile und eine instabile Hälfte teilt.

Aber es gibt mehr als genug Probleme, die uns daran
erinnern, wie dünn die Trennlinie zwischen diesen
beiden Situationen sein kann und wie schwierig es ist,
zurückzugehen, wenn man diese Linie einmal überschritten hat.
Einige Nationen sind von einer natürlichen ethnischen
Exklusivität gekennzeichnet, aber viele Staaten, insbesondere im heutigen Europa, sind ethnisch gemischt. In solchen Staaten kann ethnischer Stolz eine
Quelle der Stärke und der Leistung sein, aber von
ethnischer Exklusivität bis zu ethnischem Haß kann es
nur ein kleiner Schritt sein. Ethnischer Haß enthält das
Potential für Gewalt und Tragödie, oder - was am
schlimmsten ist - für entsetzliche Verbrechen, wie die
"ethnischen Säuberungen", die wir heutzutage erleben.
Die Vereinigten Staaten sind in ethnischer Hinsicht
mannigfaltig. Wir halten solche Vielfalt für eine Quelle
großer Stärke im Inland und bei unseren Beziehungen
innerhalb einer immer kleiner werdenden Welt. Zweifellos bringt solche Vielfalt Probleme mit sich, die wir
noch lange nicht völlig gelöst haben, aber wir zählen
ihre Vorzüge zu unseren größten Reichtümern.

Da wir die schwierige Seite von ethnisch begründeten
Problemen kennen, wissen wir, daß es keine einfachen Antworten gibt. Aber es gibt einige klare Lehren.
Regierungen können ethnischem Haß nicht über Nacht
Einhalt gebieten, aber Regierungen müssen die Pflicht
akzeptieren, ihn unter Kontrolle zu bringen, und die
Regierungen, die den Haß schüren, tragen eine Verantwortung, die eine Generation des Blutvergießens
nicht löschen kann. Sind diese Brände einmal entzünRußland knüpft Beziehungen zu einer Reihe von neuen det, kann niemand sagen, wo sie enden oder wen sie
Staaten an, die früher Teil des russischen oder sowje- verbrennen werden.
tischen Imperiums waren. Um das vielleicht wichtigste
Beispiel anzuführen: Rußland und die Ukraine, die Aus diesem Grund haben wir ein gemeinsames Intereine Anzahl von gemeinsamen kulturellen und sprach- esse daran, daß die Menschenrechte aller respektiert
lichen Wurzeln haben, gehen in der Welt verschiedene werden. Der Schutz der Menschenrechtserklärung
Wege. Wir erkennen an, daß zwischen Rußland und der Vereinten Nationen, der Schlußakte von Helsinki
der Ukraine noch viele schwierige und schmerzhafte oder anderer KSZE-Abkommen und internationaler
Angelegenheiten gelöst werden müssen. Aber als Abkommen über Menschenrechte gilt für alle Völker.
außenstehende Beobachter können wir nur die kon- Es gibt wirklich keine zivilisierte Alternative zur Sichestruktive und geschäftsmäßige Art und Weise bewun- rung der fundamentalen Menschenrechte für jeden.
dern, in der die Präsidenten Jelzin und Krawtschuk und
ihre Kollegen bereits an der Lösung von Fragen gear- 3. Schließlich haben wir ein gemeinsames Interesse
beitet haben, bei denen ein Konsens nicht leicht zu am wirtschaftlichen Wohlstand des anderen. Wir
erreichen war. Eine Fortsetzung dieses friedlichen wollen das unsere tun, um Rußland bei dem schwieriAnsatzes zur Lösung von Differenzen wird einen ent- gen Übergang zu einer Marktwirtschaft zu helfen. Bei
scheidenden Einfluß auf die Beziehungen Rußlands den Treffen der G-7-Staaten während der letzten zwei
mit dem Westen haben. Aber sie wird eine noch viel Jahre war man bemüht, Rußland technische Mittel zur
wichtigere Auswirkung auf Rußlands eigene Hoffnun- Gewährleistung weiterer Hilfe für die Übergangszeit
gen auf Wohlstand und demokratischen Fortschritt und ein wichtiges 24-Milliarden-Dollar-Programm für
wirtschaftliche Hilfe zur Verfügung zu stellen. Durch
haben.
das Freedom Support Act haben die Vereinigten StaaEs gibt einen dramatischen Unterschied zwischen der ten Milliarden Dollar an bilateraler Unterstützung und
ethnischen Gewalt, die das ehemalige Jugoslawien Beiträgen zu multilateralen Hilfsinstitutionen bewilligt,
zerreißt, und dem ethnischen Frieden, der großenteils die in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion fließen.
zwischen Rußland und seinen Nachbarn herrscht.

AMERIKA DIENST 44

Seite 3

�Aber die größte Verantwortung für die Zukunft Rußlands liegt bei den Russen. Es ist ein schwieriger
Prozeß, den keine Nation zuvor durchlaufen hat. Der
letzte Fluch einer kommunistischen Wirtschaft, die
Rußland verarmen ließ, ist der Mangel an Mitteln oder
an einem juristischen Rahmen, die den Schmerz des
Übergangs zu einem System der freien Marktwirtschaft lindern könnten, das Rußland verjüngen kann,

Es gibt keine Landkarten, aber es gibt einige grundlegende Wegbeschreibungen als Leitfaden. Letztlich
wird nurderfreie Markt Wohlstand bringen, und nurdie
Kräfte eines freien Marktes in einem geeigneten juristisehen Rahmen werden Rußland weiterbringen. Im
Westen muß man sich davor hüten zu predigen, aber
es liegt in unserem eigenen Interesse, soviel zu helfen
wie wir können.

* * * *

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•

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�START
4. November 1992

START-VERTRAGSPARTNER VEREINBAREN
VERFAHRENSREGELN FÜR JCIC
Gemeinsame Presseerklärung
GENF - (AD) - Die fünf Vertragsparteien des START-Abkommens überdie Reduzierung strategischer Kernwaffen haben am 23. Oktober 1992 in Genf eine Vereinbarung überdie Verfahrensregeln unterzeichnet, die bei der
Führung des Gremiums zur Überwachung der Durchführung des Vertrages - der Gemeinsamen Einhaltungsund Inspektionskommission (Joint Compliance and Inspection Commission - JCIC) - angewandt werden sollen.
"Diese Vereinbarung ist das erste multilaterale Abkommen, das in der JCIC unterzeichnet wird", heißt es
in einer gemeinsamen Presseerklärung zur Unterzeichnung, die in der US-Mission in Genf stattfand. "Es
erlaubt der JCIC, ihr Mandat zur Förderung der Ziele
und der effektiven Durchführung des (START)-Vertrages auszuüben."
Der START-Vertrag war in Genf ausgehandelt und im
Juli 1991 in Moskau von den Vereinigten Staaten und
der damaligen Sowjetunion unterzeichnet worden. Nach
dem Zerfall der Sowjetunion in unabhängige Staaten
arbeiteten die Vereinigten Staaten und Rußland, die
Ukraine, Belarus und Kasachstan - die vier ehemaligen Sowjetrepubliken, auf deren Territorium strategische Waffen stationiert sind - Abmachungen aus, um
die vier neuen Länder zu Vertragsparteien des STARTVertrages zu machen. Ein Protokoll in diesem Sinne
wurde am 23. Mai 1992 in Lissabon unterzeichnet.
Seine Bestimmungen verwiesen auf die Notwendigkeit, daß sich alle fünf Parteien auf Verfahrensregeln
zur Leitung der JCIC verständigen.
"Die heute unterzeichnete Vereinbarung stellt die
Grundlage bereit, auf der sich alle Parteien an der JCIC
beteiligen", heißt es in der Presseerklärung, deren
Text wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen:

Heute haben die Vereinigten Staaten von Amerika, die
Republik Belarus, die Republik Kasachstan, die Russische Föderation und die Ukraine eine Vereinbarung
über die neuen Verfahrensregeln unterzeichnet, die
den Betrieb der Gemeinsamen Einhartungs- und Inspektionskommission (JCIC) regeln.

Die JCIC wurde gemäß dem Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Reduzierung und Begrenzung von strategischen Offensivwaffen (START) vom 31. Juli 1991 gegründet. Die JCIC
ist zuständig für die Lösung von Problemen in bezug
auf die Einhaltung der vertraglich eingegangenen
Verpflichtungen, die Vereinbarung zusätzlicher Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensfähigkeit und
Wirksamkeit des Vertrages und die Lösung von Fragen im Hinblick auf die Anwendung der einschlägigen
Bestimmungen des Vertrages.
Die neue Vereinbarung überdie Verfahrensregeln der
JCIC, die von den fünf Parteien bei Treffen in Kiew und
Genf entwickelt wurde, anerkennt und berücksichtigt
die politischen Veränderungen, die mit der Entstehung
neuer unabhängiger Staaten auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion einhergingen und liefert den
Mechanismus für die Beteiligung aller fünf Parteien an
der JCIC. Damit wird eine Voraussetzung des Lissaboner Protokolls vom 23. Mai 1992 erfüllt, das die
Beteiligung der Republik Belarus, der Republik Kasachstan, der Russischen Föderation und der Ukraine
an der JCIC als Parteien zum START-Vertrag vorsieht. Die heute unterzeichnete Vereinbarung stellt die
Grundlagebereit, auf der sich alle Parteien an der JCIC
beteiligen.
Diese Vereinbarung ist das erste multilaterale Abkommen, das in der JCIC unterzeichnet wird. Es erlaubt
der JCIC, ihr Mandat zur Förderung der Ziele und der
effektiven Durchführung des Vertrages auszuüben.

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AMERIKA DIENST 44

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�VIETNAM
4. November 1992

BUSH: ABKOMMEN ZWISCHEN USA UND VIETNAM
ÜBER VERMISSTE/KRIEGSGEFANGENE
"BEDEUTSAM"
Schritte zur Verbesserung der Beziehungen erwogen
WASHINGTON - (AD) - Die Öffnung vietnamesischer
Militärarchive für amerikanische Ermittler markiert einen
"bedeutsamen Anfang" dabei, "das letzte Kapitel des
Vietnamkriegs zu schreiben", erklärte Präsident Bush
am 24. Oktober 1992.
Nach einer Unterrichtung über die jüngsten Bemühungen zur vollständigen Ermittlung der amerikanischen
Opfer des Krieges erklärte der Präsident vor einem im
Rosengarten des Weißen Hauses versammelten
Publikum, er werde Sondierungen darüber aufnehmen, "welche zusätzlichen Schritte" die Vereinigten
Staaten zur Verbesserung der Beziehungen mit Hanoi
unternehmen können.
Als Teil des Prozesses im Hinblick auf bessere Beziehungen in der Zukunft hat Washington dem Präsidenten zufolge "den von Flutkatastrophen betroffenen
Gebieten Vietnams sehr bescheidene Katastrophenhilfe zur Verfügung gestellt" und begonnen, mit den
Vietnamesen "Möglichkeiten zu erarbeiten, um diejenigen zu identifizieren", die von Hanoi als vermißt
gemeldet werden. Die Vereinigten Staaten werden
darüber hinaus weitere Hilfe für Kriegsbeschädigte
bereitstellen.

Vorsitzenden des Ausschusses der sich mit den
Ermittlungen zur Aufklärung des Schicksals von rund
2.265 Amerikanern beschäftigt, begleitet.
Kerry betonte zwar, daß diplomatische Schritte in die
Zuständigkeit des Präsidenten fallen, meinte jedoch,
es sei notwendig, zwischen der Aufhebung des bestehenden Wirtschaftsembargos gegen Hanoi und der
Herstellung normaler diplomatischer Beziehungen zu
unterscheiden. Er kenne niemanden in seinem Ausschuß, der "es befürwortet, morgen oder nächste
Woche (die Beziehungen) automatisch zu normalisieren, was die Vergabe von Krediten, (Aufnahme in) den
Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und so
weiter impliziert. Viele unter uns sind jedoch der
Meinung, daß wir auf Gegenseitigkeit beruhende Schritte
unternehmen müssen, die den von Vietnam unternommenen Schritten Rechnung tragen."
Ohne auf Einzelheiten einzugehen, fügte Kerry hinzu,
es gebe "Dinge, die wir tun können, insbesondere im
Hinblick auf das Embargo, die unsere Beziehungen
sehr verbessern und ... diesen Informationsfluß fördern würden". Er erwarte, daß Bush Schritte unternehmen werde um sich zu revanchieren, bezweifle aber,
daß der Präsident "kurzfristig" eine völlige Normalisierung gestatten werde.

"Ich bin überzeugt", so Bush, "daß wir beginnen können, das letzte Kapitel des Vietnamkrieges zu schreiben. Ich möchte betonen, daß dies nur ein Anfang ist, McCain bezeichnete es als "äußerst voreilig", eine
Aufhebung des Embargos zum jetzigen Zeitpunkt in
aber es ist ein bedeutsamer Anfang."
Betracht zu ziehen. Er gehe davon aus, daß WashingDer Präsident äußerte sich nach einem Treffen mit ton bereit sei, "den Vietnamesen in gewissem Umfang
General a.D. John Vessey, seinem Sonderbeauftrag- Hilfe zu leisten". Er führte die Tatsache an, daß "es
ten zur Aufklärung des Schicksals von Amerikanern, südvietnamesische Soldaten gibt, die immer noch
die in Vietnam, Laos und Kambodscha gefangenge- keine Prothesen (für fehlende Gliedmaßen) haben. In
nommen wurden oder als vermißt gelten. Der General diesem Bereich würden wir gerne helfen. Es gibt
war zu Beginn der Woche von seinem jüngsten Be- immer noch 300.000 vermißte vietnamesische Soldasuch in Hanoi zurückgekehrt und brachte dabei eine ten. Wir würden gerne die erforderliche technische
"symbolische Probe" des neuen Materials mit. Vessey Hilfe bereitstellen, um ihnen bei der Lösung des Verwurde von dem republikanischen Senator John McCain mißtenproblems zu helfen. Meines Erachtens ist es
aus Arizona, einem ehemaligen Marinepiloten und äußerst voreilig, über eine Aufhebung des Embargos
Kriegsgefangenen in Vietnam sowie dem demokrati- zu reden, bevor dieser Prozeß in Gang kommt."
schen Senator John Kerry aus Massachusetts, dem
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Sehe 1

�Vessey forderte beide Seiten auf, einen Prozeß des
"wie Du mir, so ich Dir" zu vermeiden. "Wir sollten den
Vietnamesen humanitäre Unterstützung gewähren,
die der humanitären Unterstützung bedürfen", erklärte
er. "Sie (die Vietnamesen) sollten zur Lösung dieses
Problems als einem humanitären Problem beitragen."
Wenn jede Seite abwarte, wie die andere reagiere,
"werden wir erneut eine Pattsituation haben. Wir
müssen uns beide nach vom bewegen."

Politik (der Bush-Administration) überein, er pflichtet
der Notwendigkeit bei, eine vollständige Aufklärung zu
erhalten und (der Tatsache), daß es sich in der Tat um
überparteiliche Bemühungen ganz Amerikas handelt".

McCain teilte einem Fragesteller mit, seiner Auffassung nach seien die Vietnamesen entgegenkommender geworden, weil sie heute "verzweifelt nach wirtschaftlicher Hilfe" Ausschau hielten und "sich Sorgen
über die Chinesen machen. Ich denke, sie sind zu der
Vessey stellte fest, vietnamesische Regierungsvertre- Überzeugung gelangt, daß Kooperation und Entgeter hätten ihm versichert, daß Hanoi die Vereinbarung genkommen für sie der beste Weg zur Aufhebung des
über die Öffnung seiner Archive als "Wendepunkt" in Embargos sind."
den Bemühungen zur Aufklärung des Schicksals von
Kerry stimmte dem zu und meinte darüber hinaus,
Amerikanern betrachtet.
interne Spannungen in der vietnamesischen RegieDie Ermittler sind Vessey zufolge auf keinen Fall eines rung spielten ebenfalls eine Rolle. Im September
noch lebenden Amerikaners in Vietnam gestoßen. wurde Le Duc Anh, ein General mit einem Ruf als
Das neue Material werde jedoch dazu beitragen die Problemloser, infolge einer Regierungsumbildung
Möglichkeit auszuschließen, daß amerikanische Kriegs- Präsident Vietnams. "Ich habe das Gefühl", erklärte
gefangene immer noch am Leben sind, es werde die Kerry, "daß die Notwendigkeit zur Lösung dieses
Suche nach den sterblichen Überresten gefallener Problems heute höhere Akzeptanz genießt. In gewisSoldaten und Flieger fördern und "uns rascher voran- ser Weise fiel der Zeitpunkt zusammen."
bringen als alles, was wir sonst zur möglichst vollstänAlle drei dementierten, daß der Präsidentschaftswahldigen Aufklärung tun könnten".
kampf bei der Ankündigung oder der Terminierung
Kerry betonte den überparteilichen Charakter dieser eine Rolle gespielt habe. McCain erklärte, das "GeBemühungen und erklärte, er habe mit dem demokra- genteil" sei der Fall - die Vietnamesen befürchteten
tischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton über den "Anstrich" der Parteilichkeit. "Deshalb war es
die M ission und seinen eigenen Brief an das vietname- wichtig, daß Senator Kerry ihnen versicherte, eine
sische Außenministerium gesprochen, wobei die Un- etwaige Clinton-Administration oder eine Bush-Admiterstützung republikanischer und demokratischer nistration würden diese Frage identisch behandeln",
Vertreter für die Aufklärung bekräftigt worden sei. stellte McCain fest.
Clinton stimme "dem Ansatz zu, er stimmt mit der

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�WIRTSCHAFT
4. November 1992

WIRTSCHAFT MUSS INTERNATIONAL DENKEN
von Nicholas F. Brady
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Beitrag des amerikanischen Finanzministers,
Nicholas F. Brady. Der Artikel ist ohne Einschränkungen für den Nachdruck freigegeben.

Wenn wir die Welt an der Wende zum 21. Jahrhundert
betrachten, haben sich die wirtschaftlichen und politischen Grenzen verwischt. Unsere nationale Volkswirtschaft hat sich von einem autarken und isolierten
Kontinent zu einer Insel in einem Weltarchipel entwikkelt - einer Insel, deren Wohlstand unmittelbar und
dramatisch von der Entwicklung an den gegenüberliegenden Küsten von Ozeanen beeinflußt wird. Es ist
nicht länger sinnvoll, in rein innenpolitischen Kategorien zu denken, es gibt keine klare Trennungslinie
mehr zwischen Innen- und Außenpolitik. Handelsgespräche wirken sich auf die Inlandsbeschäftigung aus,
die Bildungspolitik beeinflußt die künftige Wettbewerbsfähigkeit, Frieden im Nahen Osten bedeutet sichere
Energiequellen, auf denen die Binnenproduktion beruht, und Investitionen des Auslands bedeuten Arbeitsplätze für Amerikaner.
Mit den Veränderungen in der Welt um uns herum
müssen auch wir uns wandeln, und um dies zu tun,
müssen wir den Charakter des tiefgreifenden wirtschaftlichen Übergangs verstehen, den Amerika und
die Welt jetzt erleben. Dabei sind zwei voneinander
getrennte und deutlich umrissene Elemente am Werk:
Eine Reihe bedeutsamer aber vorübergehender Störungen, die das System durchlaufen werden, und-was
wichtiger ist - ein struktureller und dauerhafter Wandel
in der Organisation des weltweiten wirtschaftlichen
Wettbewerbs - der teilweise durchgreifender ist, als
jeder seit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts verzeichnete.
Beispiele für den bedeutsamen aber vorübergehenden Wandel sind unter anderem:
Der Sieg im Kalten Krieg wird der Weltwirtschaft
unschätzbare Vorteile bringen. Aber auch die
Wohltaten des Friedens hatten ihren Preis: Die
Belastungen, die dadurch verursacht wurden,
daß dieses Land nahezu 50 Jahre lang die
Bürde der Verteidigu ng der freien Welt getragen
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hat, treten heute klar zutage. Allein in diesem
Land hat der Übergang zu einer Friedenswirtschaft Schätzungen des Verteidigungsministeriums zufolge in den vergangenen drei Jahren
über 1,6 Millionen Arbeitsplätze gekostet. Ohne
diesen Arbeitsplatzschwund wäre die Arbeitslosenquote heute über ein Prozent niedriger. Der
Frieden hat seinen Preis.
Auch früher schon haben wir am Kriegsende Anpassungenvorgenommen. Bei Kriegsende im ersten Jahr
der Truman-Administration fiel das Bruttosozialprodukt sogar in einem einzigen Jahr um 19 Prozent.
Damit wird unser heutiges Wirtschaftswachstum von
über 2 Prozent wieder in die Perspektive gerückt. In
Trumans zweiter Amtszeit wuchs die Wirtschaft nach
vollendeter Umstrukturierung um nahezu 25 Prozent
in vier Jahren.
Zweitens hat die Verschuldung quer durch alle
Schichten der amerikanischen Gesellschaft in
den vergangenen vier Jahren historische Höchststände erreicht. Es ist jedoch festzustellen, daß
diese Schulden zu sinken beginnen, da die
Unternehmen ihre Bilanzen verbessern und die
Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge in
den neunziger Jahren selbst Eltern werden, die
auf ihre Budgets achten und für den Ruhestand
und die Ausbildung ihrer Kinder sparen. Der
Abbau der Staatsverschuldung legt langfristig
den Grundstein für neues Wachstum - obwohl
er kurzfristig eine starke Verlangsamung des
Wachstums bedeutet hat.
Drittens wurde das Wirtschaftswachstum durch
ein Bankensystem behindert, dasdurch die Verschuldung der Dritten Welt, den Bankrott von
Spar- und Darlehensbanken sowie sinkende
Immobilienpreise geschwächt wurde. Die Schuldenkrise der Dritten Wert liegt jedoch heute
hinter uns, die Bereinigung des Problems der

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�Spar- und Darlehensbanken ist nahezu vollendet, und die Probleme auf dem Immobilienmarkt
nehmen ab. Die Banken sind darüber hinaus
profitabler und liquider als seit Jahrzehnten.
Viertens hat die amerikanische Industrie in den
vergangenen Jahren einen Umstrukturierungsprozeß durchlaufen. Nach der Durchführung
von Maßnahmen zurSteigerung der Produktivität ist die amerikanische Industrie heute konkurrenzfähiger. 1988 betrug unser Handelsbilanzdefizit bei Waren und Dienstleistungen nahezu
l02Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr war
es auf nur noch 11,7 Milliarden Dollargesunken.
Wir gewinnen die Schlacht um Exporte.
Fünftens war die Geldmenge - von der die
Finanzierung des Wachstums eines Landes
abhängt - während des Großteils der vergangenen drei Jahre lediglich ein untergeordnetes Ziel
der Bundesnotenbank. In den vergangenen
Monaten war das M-2-Wachstum negativ oder
gleichbleibend.
Schließlich haben wir ein gebremstes Weltwirtschaftswachstum festgestellt. Wir schneiden
wirtschaftlich besser ab als Deutschland, Japan, Großbritannien und andere Handelspartner. Das verschafft den Amerikanern wenig
Befriedigung - aber es ist eine Tatsache.

Mehr noch, Informationen und geistiges Kapital
sind für den Herstellungsprozeß zunehmend
wichtige Elemente geworden. Neue Unternehmen werden gegründet, die sich weniger auf
materielles Kapital und mehr auf bestimmte
Fähigkeiten und Know-how Nützen. Diese neuen
Unternehmen werden zu den führenden Industrien der neuen Welt: So hat Microsoft einen
Börsenwert von insgesamt 22 Milliarden Dollar;
Amgen, eine führende Biotechnik-Firma, hat
einen Börsenwert von 9 Milliarden Dollar und
McCaw Cellular von 5 Milliarden Dollar. Der
Staat kann solche neuen Unternehmen nicht
schaffen, er besitzt diese Fähigkeit nicht.
Verbesserungen im Verkehrswesen haben
zusammen mit neuen Informations- und Kommunikationssystemen die Transportzeit von
Waren dramatisch verkürzt, was den Unternehmen gestattet, selbst in Zusammenarbeit mit
weit entfernten Lieferanten "Just-in-Time"-Methoden anzuwenden. Eine Flugzeugfabrik in
Kalifornien kann einem Lieferanten in Leeds in
England per Telefax eine Teilebestellung schicken und die Komponenten am nächsten Tag in
Empfang nehmen.
Kapital wird auf Knopfdruck - ohne staatliche
Genehmigung - weltweit an jeden Ort bewegt,
der die höchsten Erträge verspricht, sei dies nun
Frankfort in Indiana oder Frankfurt in Deutschland. Um das Ausmaß dieser Mobilität zu
verdeutlichen: Jeden Tag werden über die
Bundesnotenbank in New York Transaktionen
im Wert von über 1,5 Billionen Dollar getätigt.

Jede dieser sechs Bedingungen hat für sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, aber zusammengenommen ist ihre kombinierte Wirkung größer als die
Summe der Einzelteile. Durch die negative Beeinflussung des Verhaltens von Unternehmern und Verbrauchern bedeuteten sie einen weiteren Hemmschuh für Diese Veränderungen haben die Wirtschaftsordnung
das Wachstum und verstärkten die Besorgnis über die umgestaltet, die während des Großteils unseres Lebens
Zukunftsaussichten dieses Landes.
Böütand hatte. Veis&gt;ieir.d!'cherweise ist dies für uns
Aber selbst bei einer Beseitigung all dieser vorüberge- alle beunruhigend. Der starke internationale Wettbehenden Störungen müssen wir immer noch die langfri- werb hat einige der bekanntesten Firmen unseres
stige Umgestaltung des wirtschaftlichen Wettbewerbs Landes zu Umstrukturierungen veranlaßt, nicht nur
in den Griff bekommen, die von der Technik ermöglicht General Motors, sondern auch Xerox, IBM, AT&amp;T und
wurde. Noch vor zwanzig Jahren konnten die meisten andere.

Unternehmen ihre Kunden mit Hilfe einer Straßenkarte Amerikanische Arbeitnehmer gehen zum Teileregal
ausfindig machen, heute benötigen sie eine Weltkarte. und sehen dort Aufschriften, die ihnen Sorgen maDies hat unsere Unternehmen und die tägliche Arbeit chen. Wie George Shultz kürzlich einmal feststellte:
beeinflußt. Zum Beispiel:
"Ich sah einen Schnappschuß von einem AdressenIn der Welt von heute sind Unternehmen nicht aufkleber für irgendwelche von einer amerikanischen
aufgrund geographischer Gegebenheiten auf Firma hergestellten Schaltkreise. Darauf stand, 'Herein bestimmtes Land beschränkt. Über ein gestellt in einem oder mehreren der folgenden Länder:
elektronisches Datennetz können getrennte Teile Korea, Hongkong, Malaysia, Singapur, Taiwan, Maudes Produktionsprozesses von jedem Ort der ritius, Thailand, Indonesien, Mexiko, Philippinen.
Welt aus geleitet werden. So wird beispielswei- Genaues Ursprungsland unbekannt.'"
se ein Personalcomputer von Hewlett Packard
in Palo Alto geplant und vermarktet, in Grenoble Die Amerikaner sorgen sich darüber, was ein solcher
entwickelt, seine Komponenten werden in Ma- Aufkleber über ihre eigene Zukunft aussagt. Diejenilaysia hergestellt und in Singapore montiert, gen jedoch, die Amerikaner davon zu überzeugen
während 50 Prozent des Umsatzes in den Ver- versuchen, daß sie die neue Wi rt schaftsweit des freien
Handels und Wandels fürchten sollten, haben unrecht.
einigten Staaten getätigt werden.
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�Die meisten der Branchen, die den Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle in dieser neuen Weltwirtschaft verleihen - Sparten wie Pharmazie, Software, Telekommunikation, Luft- und Raumfahrt sowie Computer florieren durch den Handel. Wenn Wettbewerb der
Hebel ist, mit dem ein Land seine Produktivität im 21.
Jahrhundert verbessern wird, dann ist Handel der
Angelpunkt.
Tatsache ist, daß Exporte in den Vereinigten Staaten
Millionen neuer und besserer Arbeitsplätze schaffen
werden - deren Dotierung bisher durchschnittlich 17
Prozent über dem Durchschnittslohn lag. Andere
Länder werden ihren Lebensstandard erhöhen und
infolgedessen mehr hochwertige Produkte von den
Vereinigten Staaten erwerben. Aus diesem Grund
haben die Vereinigten Staaten ihre Ausfuhren nach
Mexiko in den vergangenen vier Jahren von 14 auf 33
Milliarden Dollar gesteigert.

unseren Nachbarn im Norden und Süden verbinden
und einen Binnenmarkt von über 360 Millionen Menschen mit einer Gesamtproduktion von 6,5 Billionen
Dollar schaffen. Der neue Binnenmarkt wird eine
beispiellose Lokomotive für Wachstum und Arbeitsplätze darstellen. Aber ohne die Initiative und das
konstante Drängen Präsident Bushs wäre dieses
Abkommen nie unterzeichnet worden. Nichts könnte
das Verständnis des Präsidenten für die neue Weltwirtschaft besser unter Beweis stellen.
Die Schlüsselfunktion kleiner und mittlerer
Betriebe

Zwei Drittel der in den Vereinigten Staaten geschaffenen Arbeitsplätze entstehen in kleinen und mittleren
Unternehmen. Nur 11 Prozent der Beschäftigten
arbeiten für die fünfhundert größten Unternehmen
(Fortune 500). Wir dürfen den vier Millionen kleineren
Firmen, die in dieser Übergangsphase von den ArbeitTatsache ist, da ß die Amerikaner am besten abschnei- nehmern benötigte Arbeitsplätze schaffen, keine Fesseln
den, wenn die Konkurrenz hart ist - wir leisten das anlegen. Die heute in den Kinderschuhen steckenden
Beste, indem wir kreativer, unternehmerischer und Industrien werden die Arbeitsplätze von morgen schafinnovativer handeln. In der Welt von morgen werden fen.
Innovationen eine Hauptquelle künftiger attraktiver
und hochbezahlter Arbeitsplätze sein. Darin werden Mit diesem Ziel hat Präsident Bush unlängst eine
wir Amerikaner begünstigt. Innovationen und Wandel umfassende, auf fünf Jahre angelegte Initiative im
sind unser Erbe - von jenem Sommertag im Jahr 1776 Umfang von 20 Milliarden Dollar angekündigt, die auch
als wir eine neue Staatstheorie ins Leben riefen bis eine Senkung der Steuern für kleine und mittlere
zum jüngsten Flug der Raumfähre Atlantis. Die Unternehmen vorsieht. Dabei würden bis zu 2.500
Amerikaner sind in einer einzigartig guten Position, um Dollar der Betriebsgründungskosten steuerabzugsfäin der modernen Welt des 21. Jahrhunderts Erfolg zu hig, die Abzüge für Betriebsmittel würden erhöht und
der Papierkrieg, der kleine Unternehmen besonders
haben.
belastet, würde verringert.
Deshalb wird es Ziel der Bush-Administration in den
nächsten vier Jahren - wie schon in der Vergangenheit Bedingungen zur Gewinnung von Investitionen
- sein, den Veränderungen nicht auszuweichen, son- Die Sicherung der wirtschaftlichen Führungsrolle
dern sich ihnen zu stellen, nicht auf der Stelle zu treten, Amerikas wird darüber hinaus die Einführung von
sondern voranzugehen. Unser einhelliges Ziel ist es, Maßnahmen bedeuten, die das Sparen begünstigen
hochwertige Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und die Kapitalkosten reduzieren, um zu Investitionen
zu schaffen. Um dieses Ziel zu erlangen, sollten wir zu ermutigen. Dies bedeutet eine Regierungsführung,
folgendes tun.
bei der Inflationsrate und Zinssätze niedrig bleiben,
und heute sind die kurzfristigen Zinssätze und die
Inflation auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.
Wir müssen die spektakulären Erfolge fortsetzen, die Es bedeutet die Reduzierung der Kapitalgewinnsteuwir in den vergangenen vier Jahren bei der Öffnung er, um so die Investitionstätigkeit anzukurbeln. Es
freier und wachsender Märkte für unsere Ausfuhren bedeutet ferner den Abbau unnötiger vorschriftenbehatten. In den achtziger Jahren wurde das Wachstum dingter Beschränkungen und die Korrektur von Exzeshauptsächlich durch Schulden und Verbrauch ange- sen unseres Rechtssystems.
trieben, in den neunziger Jahren muß Wachstum statt
dessen durch Exporte und Investitionen entstehen. Für die Bedeutung eines attraktiven InvestitionsumfelDie amerikanischen Warenexporte sind in den vergan- des möchte ich folgendes Beispiel anführen: BMW,
genen fünf Jahren um rund 195 Milliarden Dollar das die Wahl in der ganzen Welt hatte, beschloß
gestiegen, und jede Milliarde an Ausfuhren stützt etwa kürzlich, sein erstes Werk außerhalb Deutschlands in
20.000 Arbeitsplätze. Eine einfache Multiplikation South Carolina zu errichten. Mit den Worten von BMW
weist darauf hin, daß dieses Exportwachstum nahezu "werden die Exporte, die wir von dem Betrieb in den
USA aus planen, die weltweite Wettbewerbsfähigkeit
vier Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen hat.
von BMW stärken". Stellen Sie sich deutsche AutomoPräsident Bush hat das Nordamerikanische Freihan- bile vor, die von Amerikanern hergestellt und an Eurodelsabkommen gebilligt. Das NAFTA wird uns mit päer und Japaner verkauft werden.
Exporte gleich Arbeitsplätze

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Sehe 3

�Investitionen in die Zukunft Amerikas

sem Grund hat Präsident Bush im Februar einen Plan
für eine umfassende Gesundheitsreform vorgelegt,
Schließlich müssen wir in die Zukunft Amerikas inve- um den Zugang zu medizinischer Versorgung durch
stieren. Investitionen in Ausbildung ebenso wie in eine erschwinglichere Krankenversicherung zu verTechnologie und Forschung sind der Schlüssel zur bessern. Der Plan des Präsidenten wird nicht zu einer
Steigerung der Produktivität unserer Arbeitnehmer. Rationierung medizinischer Leistungen führen und
Noch schwerer wiegt die Tatsache, daß Bildung die beläßt die Wahlfreiheit im Gesundheitswesen in den
Garantie für sichere Arbeitsplätze ist. Unsere Großvä- Händen der Menschen und nicht des Staates.
ter haben vielleicht noch ihr ganzes Leben an einem
Arbeitsplatz verbracht. Der Beschäftigte von heute Diese Ziele tragen der Verflechtung zwischen Außenwird beim Eintritt in den Ruhestand im Durchschnitt und Innenpolitik Rechnung. Sie berücksichtigen die
fünf Berufe ausgeübt haben. Bildung wird der Schlüs- dynamischen Veränderungen in der Weltwirtschaft
sel zu einer produktiven Zukunft sein. Wenn amerika- und betonen die Initiative des einzelnen, anstatt auf die
nische Arbeitnehmer ebenso wie Studenten gelernt Lokomotivfunktion großer staatlicher Programme zu
haben zu lernen, werden sie den Grundstein für ein setzen.
Leben voller neuer Fähigkeiten gelegt haben.
Einige werden sagen, dieses Programm sei falsch.
Die amerikanische Erwerbsbevölkerung muß die am Wettbewerb im In- oder Ausland, so werden sie bebesten ausgebildete sein, um die produktivste Arbeit- haupten, ist destruktiv - Handel kostet Arbeitsplätze,
nehmerschaft zu bleiben. Das bedeutet die Überho- Wahlfreiheit plündert Schulen aus, Investitionsanreize
lung unseres Bildungssystems - durch die Verwirkli- helfen nur den Reichen. Aber sie sind es, die unrecht
chung von Präsident Bushs Plan, der den Schulen haben. Alles, was sie anbieten - gekleidet in die
größere Rechenschaftspflicht abverlangt, die freie neusten Slogans - sind die erschöpften Heilmittel von
Schulwahl ausbaut und die Bundesstaaten ermutigt, Protektionismus, Steuererhöhungen und staatlicher
Bevormundung. Sie sind die neuesten Mitglieder der
sinnvollere Bildungsziele festzulegen.
Bewegung, die meint, die Erde sei eine Scheibe. Sie
Bei der Umgestaltung unserer Wirtschaft werden wir sind unfähig, die Welt um sie herum zu verstehen.
diejenigen nicht vergessen, die infolge des Wechsels
von einem Beruf zu einem anderen im Lauf ihres Wir können nicht an der alten Welt festhalten, und wir
Lebens umgeschult werden müssen. Die Initiativen sollten dies auch nicht wollen. Wir wissen, was wir tun
der Regierung zur Anpassung der Beschäftigten und müssen, um in der neuen Weltwirtschaft zu reüssiezur Verbesserung der Fertigkeiten von Jugendlichen ren. Schließlich befindet sich das Spielfeld auf unsewerden die gegenwärtig für Umschulungsmaßnah- rem angestammten Terrain: Kreativität, Risiko, Wettmen zur Verfügung stehenden Mittel verdreifachen.
bewerb, Leistung. Mit Optimismus, Energie und
Engagement kann Amerika bleiben, was es stets
Investitionen in Amerikas Zukunft bedeuten schließ- gewesen ist: Die Arche für die Freiheit der Welt und die
lich auch die Bereitstellung einer erschwinglichen Lokomotive ihres Wohlstands. Das nächste amerikaKrankenversicherung für alle Amerikaner bei gleich- nische Jahrhundert kann ebenso strahlend und brillant
zeitiger Dämpfung der steigenden Kosten. Aus die- sein wie aas letzte.
* * * *

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