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                  <text>amcrika
dienet

JFjP
U.S. Information Service
,5|ifibassy of the United States of America

7. Oktober 1992

START

BUSH BEGRUSST ZUSTIMMUNG
DES SENATS ZUM START-VERTRAG
Erklärung des Präsidenten

AUSLANDSHILFE

US-SENAT VERABSCHIEDET
AUSLANDSHILFEGESETZ 1993
14,106 Milliarden Dollar
bewilligt

US-KONGRESS

IM NÄCHSTEN US-KONGRESS WERDEN
VIELE VERÄNDERUNGEN ERWARTET
Demokraten behalten voraussichtlich
die Mehrheit

WAHLEN '92

PEROT WILL ALS ERSTER UNABHÄNGIGER
ZUM PRÄSIDENTEN GEWÄHLT WERDEN
Porträt von Präsidentschaftskandidat
Ross Perot
JAMES STOCKDALE: KRIEGSHELD,
GELEHRTER, PHILOSOPH
Porträt des Kandidaten für die
Vizepräsidentschaft
DIE PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATUR
VON ROSS PEROT
Amerikanische Pressestimmen
WÄHLEN IN AMERIKA
von Denise Hyland

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 200300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�START
7. Oktober 1992

BUSH BEGRÜSST ZUSTIMMUNG
DES SENATS ZUM START-VERTRAG
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat die Zustimmung des Senats zum Vertrag über die Verringerung
strategischer Rüstungen am 1. Oktober 1992 begrüßt und bekräftigt, daß das Abkommen den Weg zu noch
einschneidenderen Kürzungen der Nuklearwaffen ebnen wird.
Obwohl der Vertrag die Reduzierung von 40 Prozent der strategischen Nuklearwaffen zwingend vorschreibt,
verwies der Präsident in einer Erklärung darauf, daß seine strikten Verifizierungsverfahren noch einschneidendere Kürzungen erlauben. Diese Verfahren, fügte Bush hinzu, hätten ihm 1991 und 1992 "größere einseitige
Reduzierungen" gestattet, denen die Präsidenten Gorbatschow und Jelzin später gefolgt seien.
START und nachfolgende Aktionen werden Präsident Bush zufolge "unsere strategischen Nuklearstreitkräfte
um rund 75 Prozent des Niveaus von 1990 reduzieren".
Am 1. Oktober 1992 stimmte der Senat mit 93 zu 6 Stimmen für die Ratifizierung des Vertrags.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Ich freue mich, da ß der Senat heute seine Zustimmung
zur Ratifizierung des Vertrags über die Verringerung
strategischer Rüstungen - START - gegeben hat. Die
START-Verhandlungen wurden vor 10 Jahren aufgenommen. Diese langen Jahre der Verhandlungen
erreichten ihren Höhepunkt in einem historischen
Abkommen, erst mit der Sowjetunion und dann mit
Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan. Es
handelt sich hierbei um echte Reduzierungen strategischer Rüstungen und nicht nur Begrenzungen oder
Kontrollen.
START reduziert die amerikanischen und ehemals
sowjetischen strategischen Waffen um rund 40 Prozent und verfügt noch einschneidendere Kürzungen
der Waffen, die uns die größten Sorgen bereiten schnell fliegende ballistische Raketen.
Er trägt ferner dazu bei sicherzustellen, daß der Niedergang der Sowjetunion nicht zur Verbreitung von
Nuklearwaffen führt. Im START-Vertrag haben die
Ukraine, Belarus und Kasachstan vereinbart, als Nichtkernwaffenstaaten dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und die Beseitigung strategischer Nuklearstreitkräfte von ihrem Territorium zu garantieren.
Schließlich hat dieses historische Abkommen den
Weg für weitere bahnbrechende Schritte und weitreichende Reduzierungen geebnet. Größtenteils auf-

AMERIKA DIENST 40

grund der Verifizierungsbestimmungen von START
konnte ich mit meinen Initiativen vom September 1991
und Januar 1992 größere einseitige Reduzierungen
vornehmen und die Präsidenten Gorbatschow und
Jelzin erfolgreich dazu aufzufordern, gleichzuziehen.
Von noch größerer Bedeutung ist, daß Präsident Jelzin und ich dank des START-Vertrags bei unserem
Gipfeltreffen im Juni letzten Jahres - nach nur fünfmonatigen Verhandlungen - ein Abkommen über außerordentliche weitere Reduzierungen der strategischen
Nuklearwaffen erzielen konnten. All die im vergangenen Jahr erlangten Abkommen werden, angefangen
mit START, unsere strategischen Nuklearstreitkräfte
um rund 75 Prozent des Niveaus von 1990 reduzieren.
Damit haben START und nachfolgende Vereinbarungen viel dazu beigetragen, den nuklearen Holocaust zu
vermeiden.
Dank der Entscheidung des Senats von heute morgen
werden die Vereinigten Staaten in der Lage sein, den
START-Vertrag zu ratifizieren, sobald die anderen vier
Parteien gehandelt haben. Ich möchte mit Befriedigung feststellen, daß die Regierung von Kasachstan
den START-Vertrag bereits verabschiedet hat und
fordere die anderen Vertragsparteien - Rußland, Belarus und die Ukraine - auf, diesen historischen Vertrag
unverzüglich zu verabschieden, damit ohne Verzögerung mit den vorgeschriebenen Reduzierungen begonnen werden kann.
Seite 1

�AUSLANDSHILFE
7. Oktober 1992

US-SENAT VERABSCHIEDET
AUSLANDSHILFEGESETZ 1993
14,106 Milliarden Dollar bewilligt
WASHINGTON - (AD) - Der Senat hat das Bewilli- Damit sind keine Auszahlungen verbunden, und diese
gungsgesetz für Auslandshilfe für das am 30. Septem- Summe wird nicht auf die Gesamtausgaben des
Bewilligungsgesetzes angerechnet.
ber 1993 endende Haushaltsjahr verabschiedet.
Das mit 87 gegen 12 Stimmen am 1. Oktober genehmigte Gesetz muß noch mit der vom Repräsentantenhaus im Juni verabschiedeten Fassung in Einklang
gebracht werden und könnte bis zum 5. Oktober von
Präsident Bush unterzeichnet werden, dem Tag, an
dem die Sitzungsperiode des Kongresses aufgrund
der bevorstehenden Wahlen zu Ende geht.

Eine Zusatzbestimmung, die eine unverbindliche Aufforderung des Kongresses zum Ausdruck bringt, sieht
vor, daß der Finanzminister den amerikanischen
Exekutivdirektor des IWF anweist, jeden Kredit an
Rußland abzulehnen, der primär der Refinanzierung
von Schulden dient und nicht für vom IWF unterstützte
Wirtschaftsreformen eingesetzt wird.

Seit Beginn des Haushaltsjahres 1993 am 1. Oktober
wird das Auslandshilfeprogramm durch einen Fortschreibungsbeschluß aufrechterhalten.

Einer weiteren Zusatzbestimmung zufolge soll der
IWF wirtschaftliche und geldpolitische Stabilität in den
Mitgliedstaaten fördern.

Das vom Senat verabschiedete Auslandshilfegesetz
sieht Ausgabeermächtigungen in Gesamthöhe von
14,106 Milliarden Dollarvor, 1 Milliarde weniger als von
der Administration beantragt, aber324 Millionen Dollar
mehr als vom Repräsentantenhaus bewilligt.

Das vom Senat verabschiedete Gesetz beinhaltet eine
Zusatzbestimmung, derzufolge Kredite internationaler
Finanzinstitutionen an Entwicklungsländer abzulehnen sind, wenn deren Ausgaben für militärische Zwekke größer sind als für Gesundheit und Bildung.

Die 14,106 Milliarden Dollar umfassen: 7,588 Milliarden Dollar für bilaterale Wirtschaftshilfe, 1,727 Milliarden für multilaterale Wirtschaftshilfe, 826 Millionen für
Exportbeihilfen und 3,965 Milliarden für Militärhilfe.

Eine weitere Zusatzbestimmung begrenzt die amerikanische bilaterale Hilfe für Rußland, falls Rußland
nicht seine Exporte militärischer und militärisch nutzbarer Waren und Dienstleistungen in den Iran einstellt.

Das vom Senat verabschiedete Gesetz genehmigt
darüber hinaus Kreditbürgschaften in Höhe von 10
Milliarden Dollar für den Wohnungsbau in Israel, wobei
jedoch keinerlei Zahlungen vorgesehen sind. Die
Kreditgarantien werden in fünf Raten von je 2 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren gewährt.

Das Gesetz beinhaltet ferner eine Zusatzbestimmung,
die den Einsatz bewilligter Mittel untersagt, mit denen
amerikanischen Unternehmen finanzielle Anreize zur
Verlagerung ins Ausland gewährt würden, wenn eine
solche Förderung zum Verlust amerikanischer Arbeitsplätze führen würde.

Eine Zusatzbestimmung verpflichtet den Präsidenten,
dem Kongreß - spätestens bis zum 1. September in
jedem Haushaltsjahr ab 1994 - über die Absichten der
Regierung im Hinblick auf jede Rate der Kreditbürgschaften Bericht zu erstatten.

Weitere Zusatzbestimmungen sehen 20 Millionen Dollar
an humanitärer und anderer Hilfe für Kriegsopfer in
Bosnien-Herzegowina und im Kosovo vor sowie 5
Millionen Dollar für Flüchtlinge in Armenien und humanitäre Hilfe für die Bevölkerung Kurdistans.

In einer getrennten Maßnahme genehmigte der Senat
darüber hinaus 12,313 Milliarden Dollar als amerikanischen Anteil an der geplanten 50prozentigen Kapitalerhöhung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Eine andere Zusatzbestimmung genehmigt amerikanische Waffenlieferungen in Höhe von 50 Millionen
Dollar an die Regierung von Bosnien-Herzegowina zu
Selbstverteidigungszwecken, falls amerikanische

AMERIKA DIENST 40

Seite 1

�Hilfe für Marokko wird an dessen uneingeschränkte Kooperation mit den Vereinten Nationen im
Hinblick auf den Selbstbestimmungsplan für die
Westsahara geknüpft;

Verbündete bereit sind, sich an einem solchen Vorhaben zu beteiligen, um Sicherheit und Stabilität in der
Region zu fördern.
Darüber hinaus sieht das Gesetz vor:

Genehmigung von begrenzter Hilfe zur Unterstützung des Übergangs zur Demokratie in Zaire;

die unverbindliche Aufforderung des Senats an
den Präsidenten, eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats einzuberufen, um der Politik "ethnischer Säuberungen" im ehemaligen Jugoslawien Einhalt zu gebieten;

Verpflichtung des Außenministeriums, Lage und
Zustand der Urbevölkerungen auf der ganzen
Werl in seinen jährlichen Menschenrechtsbericht aufzunehmen.

ein Verbot von Hilfe für Länder, die den internationalen Terrorismus unterstützen und international anerkannte Menschenrechte verletzen;

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�US-KONGRESS
7. Oktober 1992

IM NÄCHSTEN US-KONGRESS WERDEN
VIELE VERÄNDERUNGEN ERWARTET
Demokraten behalten voraussichtlich die Mehrheit
WASHINGTON - (AD) -Auch wenn die Ergebnisse der
allgemeinen Wahlen am 3. November 1992 noch nicht
bekannt sind, wird sich politischen Beobachtern zufolge die Zusammensetzung des nächsten amerikanischen Kongresses beträchtlich verändern.

ten Abgeordneten, die besiegt wurden, zählen die
Demokraten Stephen Solarz aus New York und Beverly Byron aus Maryland sowie die Republikaner Robert
Lagomarsino aus Kalifornien und Guy Vander Jagt aus
Michigan.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Eine Rekordzahl von
Amtsinhabern hat die Vorwahlen verloren, und andere
Abgeordnete sind verstorben, in den Ruhestand getreten, streben ein anderes Amt an oder müssen gegen
Kollegen im Kongreß kandidieren, weil ihre Wahlbezirke aufgrund der bei der Volkszählung von 1990 ermittelten Einwohnerzahl neu eingeteilt wurden.

53 Abgeordnete des Repräsentantenhauses haben
sich in diesem Jahr entschieden, in den Ruhestand zu
treten und sich nicht der Wiederwahl zu stellen darunter die Demokraten Dante Fascell aus Florida
und Gus Yatron aus Pennsylvania sowie die Republikaner William Broomfield aus Michigan und Vin Weber
aus Minnesota. Abgesehen von den beiden Mitgliedern des Repräsentantenhauses, die im Amt verstarben, kandidieren 13 weitere für das Amt des Senators
oder Gouverneurs ihrer Bundesstaaten.

Da zahlreiche Amtsinhaber sich hartem Wettbewerb
ausgesetzt sehen, ist es möglich, daß ein Viertel oder
mehr Abgeordnete des Repräsentantenhauses eine
erste Amtszeit absolvieren. Damit könnte vielleicht die
Rekordmarke nach dem Zweiten Weltkrieg überschritten werden, die 1948 mit 118 neuen Parlamentariern
erreicht wurde.
Andere Gesichter bedeuten jedoch nicht zwangsläufig
eine Veränderung des Machtverhältnisses zwischen
den Parteien. Zur Zeit haben die Demokraten einen
Vorteil von 100 Sitzen gegenüber den Republikanern
in der 102. Legislaturperiode, die demnächst abläuft.
Von den 435 Sitzen in der Kammer halten die Demokraten 266 und die Republikaner 166 Sitze. Es gibt
einen unabhängigen Abgeordneten, und aufgrund des
kürzlichen Todes von zwei Demokraten sind diese
Sitze derzeit nicht besetzt. Von den 100 Sitzen des
Senats haben die Demokraten 57 inne, die Republikaner 43.
Eine Rekordzahl von 19 Mitgliederndes Repräsentantenhauses haben ebenso wie ein Senator - Alan Dixon
aus Illinois - in diesem Jahr die Vorwahlen verloren,
weil viele Wähler gegen die Amtsinhaber protestierten,
insbesondere gegen diejenigen, die in den Bankenskandal des Repräsentantenhauses verwickelt waren.
Einige Gesetzgeber mußten sich geschlagen geben,
weil ihre Wahlkreise neu eingeteilt wurden und sie ihre
Machtgrundlage verloren haben. Zu den renommierAMERIKA DIENST 40

Zusätzlich zu Dixon, der die Vorwahl verloren hat,
treten sieben Mitglieder des Senats in diesem Jahr in
den Ruhestand. Der Demokrat Quentin Burdick aus
North Dakota starb während seiner Amtszeit. Daher
wird es zu Beginn der 103. Legislaturperiode im nächsten Jahr mindestens neun neue Senatsmitglieder
geben.
Bei den allgemeinem Wahlen von 1992 stehen alle
Sitze des Repräsentantenhauses und ein Drittel der
Senatssitze auf dem Spiel. Zahlreiche politische
Beobachter sind sich einig, daß die Demokraten eine
Reihe von Kongreß-Wahlbezirken verlieren, aber
dennoch die Kontrolle im Repräsentantenhauses
behalten werden. Dies ist vor allem auf die Neueinteilung der Wahlkreise zurückzuführen. Die Mehrzahl
der neuen Sitze im Repräsentantenhaus gingen an
den Süden und Westen, wo die Republikaner einen
Vorteil hatten.
Den Beobachtern zufolge werden die Demokraten
dagegen ihre Führung im Senat verstärken. Obwohl
öffentliche Meinungsumfragen den Schlu ß nahelegen,
daß mehrere derzeit von Demokraten gehaltene Sitze
des Südens gefährdet sind, haben alle die Wiederwahl
anstrebenden demokratischen Amtsinhaber gute
Chancen im Gegensatz zu mindestens drei Republika-

Seite 1

�nern. Wenn die Demokraten insgesamt noch drei
Sitze im Senat gewinnen, können sie die erforderliche
60prozentige Mehrheit erlangen, um Versuche der
Republikaner zu vereiteln, demokratische Initiativen
durch Marathondebatten zu Fall zu bringen.

CQ verweist ferner darauf, daß das neue Repräsentantenhaus wahrscheinlich nach Rasse und Geschlecht
vielfältiger zusammengesetzt sein wird. Neue im
Rahmen des Gesetzes über die Rechte von Wählern
geschaffene Wahlbezirke werden mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit 11 weitere Schwarze
21 Sitze der Demokraten und 15 der Republikaner und noch 6 Hispanier wählen. Die Bewerbungen von
stehen im Senat auf dem Spiel. Die beiden am meisten Frauen, besonders derjenigen, die für den praktisch
beachteten Rennen finden in Kalifornien statt, wo der nur aus Männern bestehenden Senat kandidieren,
Demokrat Alan Cranston in den Ruhestand geht und erhielten auch durch die Kontroverse Auftrieb, wie der
der Republikaner John Seymour in Meinungsumfra- Senat die Anschuldigung des für das Oberste Bundesgen zurückliegt. Die beiden demokratischen Heraus- gericht nominierten Richters Clarence Thomas wegen
forderersind Frauen, die Kongreßabgeordnete Barba- sexueller Belästigung von Anita Hills handhabte.
ra Boxer und die ehemalige Bürgermeisterin von San
Francisco, Dianne Feinstein.
Bei hart umstrittenen Wahlen konnten zahlreiche
Kandidaten für den Kongreß in der Vergangenheit auf
Die anderen in Meinungsumfragen zurückliegenden der Erfolgswelle eines populären Präsidentschaftsrepublikanischen Amtsinhaber sind die Senatoren AI kandidaten zum Sieg schwimmen. Aber weder PräsiD'Amato aus New York und Bob Kasten aus Wiscon- dent Bush noch dem demokratischen Herausforderer
sin.
Bill Clinton wird von Beobachtern die erforderliche
Popularität hierfür zugeschrieben.
Kalifornien - in diesem Jahr bereits mehrfach in den
Schlagzeilen wegen Haushaltsproblemen, Erdbeben Thomas Mann von der Brookings Institution ist einer
und Rassenunruhen - hat jetzt Gelegenheit, das poli- der politischen Analysten, die prognostizieren, daß die
tische Gleichgewicht des Landes zu verlagern. Der Demokraten ihre Führung im Senat verbessern und
Bundesstaat wird diesesmal zwei Senatoren statt einem "einige wenige" Sitze im Repräsentantenhaus verliewählen, und wenn die demokratischen Kandidatinnen ren werden. Sollte dem Präsidenten die Wiederwahl
beide gewinnen, wird der Senat eine Rekordzahl weib- gelingen, wird sich Mann zufolge bei einem solchen
licher Mitglieder aufweisen. Ferner werden in dem Szenarium "der grundlegende Konflikt nicht verrinbevölkerungsreichsten Bundesstaat sieben neue gern, der jetzt zwischen den Parteien (im Kongreß)
Kongreßabgeordnete aufgrund der Neueinteilung besteht und Bush nicht in der Lage sein, in einem
gewählt, wodurch sich die Mitgliederzahl der Delega- positiven Sinn zu regieren". Mann verweist jedoch
tion auf 52 erhöht und Kalifornien 20 Prozent der darauf, daß es für Clinton das Potential für einen
Stimmen des Wahlmännerkollgeiums erhält, das von "großen Start" gibt, wenn er die Wahl gewinnt und "eine
der Größe der Kongreßdelegation des Bundesstaates große Chance für breite Unterstützung, da sich die
abhängt.
neuen Kongreßabgeordneten als Mittler des Wandels
sehen".
In Illinois wird die Demokratin Carol Moseley Braun, die
Dixon besiegte, wahrscheinlich die erste Schwarze im Zusätzlich zu den Präsidentschafts-und Kongreßamerikanischen Senat.
wahlen werden 1992 in 12 Bundesstaaten GouverDem Forschungsverlag Congressional Quarterly neurswahlen abgehalten: In Delaware, Missouri,
zufolge ist das Wahlergebnis landesweit in 132 Wahl- Montana, New Hampshire, North Carolina, Utah und
bezirken zu knapp für sichere Prognosen. Bei den am Vermont, die derzeit von den Republikanern kontrolmeisten umstrittenen Rennen für das Repräsentan- liert werden sowie in Indiana, North Dakota, Rhode
tenhaus beteiligen sich, so CQ, 16 demokratische und Island, Washington und West Virginia, die demokra11 republikanische Amtsinhaber, und weitere 29 tisch sind.
Wahlbezirke sind noch offen.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�WAHLEN

'92
7. Oktober 1992

PEROT WILL ALS ERSTER UNABHÄNGIGER
ZUM PRÄSIDENTEN GEWÄHLT WERDEN
Porträt von Präsidentschaftskandidat Ross Perot
WASHINGTON - (AD) - Ross Perot versucht etwas zu
vollbringen, was bisher noch niemandem in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten gelungen
ist - ohne die Unterstützung einer großen politischen
Partei Präsident zu werden.
Seine Anhänger sind enthusiastisch, daß der in Texas
geborene Multimillionär sich entschlossen hat, als
unabhängiger Kandidat mit dem Argument ins Rennen
zu gehen, den Republikanern und Demokraten sei es
nicht gelungen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten
des Landes zu bewältigen.
Seine zahlreichen Kritiker behaupten jedoch, er versuche entweder, die Präsidentschaft mit seinem enormen Reichtum zu kaufen oder den gesamten Wahlprozeß aufgrund des komplexen Systems ins Chaos zu
stürzen, demzufolge die Wahl im Repräsentantenhaus
entschieden werden muß, wenn ein Kandidat in einem
Rennen mit drei Bewerbern nicht die Mehrheit der
Stimmen des Wahlmännerkollegiums auf sich vereinigt.
Im Februar gab Perot erstmals bekannt, daß er zwar
nie zuvor ein öffentliches Amt angestrebt habe, sich
aber als unabhängiger Kandidat stellen werde, wenn
die Amerikaner, die mit dem demokratischen und
republikanischen Präsidentschaftskandidaten unzufrieden sind, sich zusammenschließen und seinen
Namen rechtzeitig für die Wahlen am 3. November
1992 in allen 50 Bundesstaaten auf die Wahlzettel
setzen würden.
Er erklärte ferner, er verzichte auf Wahlspenden von
Einzelpersonen und der Regierung, er werde seine
Ausgaben "für einen erstklassigen Wahlkampf" selbst
bezahlen, auch wenn sie 100 Millionnen Dollar betragen würden. Und er installierte ein hochmodernes
Telephonnetz, bei dem in fünf Wochen über zwei
Millionen Anrufe von Bürgern eingingen, die ihre Hilfe
anboten.

AMERIKA DIENST 40

Landesweit organisierten sie den Präsidentschaftswahlkampf an der Basis "wie Heuschrecken in einem
Weizenfeld", stellte Perot fest. Ein loses Netz von
Freiwilligen sammelte Unterschriften von Wählern in
allen Bundesstaaten, um Perots Namen auf die Wahlzettel zu setzen.
Aber im Juli, als er an Dynamik gewann und öffentlichen Meinungsumfragen zufolge ungefähr gleichauf
mit Präsident Bush und dem demokratischen Herausforderer Bill Clinton lag, gab Perot, der seine Kandidatur nie offiziell erklärt hatte, plötzlich seinen Rückzug
bekannt mit der Begründung, er könne nicht gewinnen.
Perot verblüffte und verägerte viele seiner Anhänger
und erhielt jede Menge negativer Schlagzeilen für
seinen Abgang. Er hatte sich jedoch eine Hintertür
offengehalten, indem er seine Anhänger bat, ihre
Bestrebungen fortzusetzen, seinen Namen auf die
Wahlzettel aller Bundesstaaten zu setzen.
Dies war Ende September gelungen, und am 1. Oktober erklärte Perot mit großen Rummelund einer öffentlichen Entschuldigung an seine Anhänger, weil die
beiden Parteien die wirtschaftichen Schwierigkeiten
der amerikanischen Bevölkerung nicht richtig angingen, sei er zurückgekehrt, um ihnen dabei behilflich zu
sein. Viele seiner Anhänger waren erfreut, aber andere, die desillusioniert worden waren, stimmten mit
seinen Kritikern in dem Argument überein, Perot sei
nur wegen seines enormen Egos in den Wahlkampf
zurückgekehrt.
Die Kritik an Perot konzentriert sich auf die von vielen
geteilte Überzeugung, daß erzwar Geschäftssinn und
Führungskraft bewiesen habe, dies jedoch nicht unbedingt die Fähigkeiten sind, die man zur Leitung der
Regierungsgeschäfte benötigt. Perot widerspricht mit
dem Argument, er sei sich der Komplexität einer
Regierung bewußt und würde mit der Führung des
Kongresses, den Kabinettsmitgliedern und anderen
zusammenarbeiten, die Probleme lösen können, "um
sie gemeinsam zu lösen".

Seite 1

�Damit das Land funktioniert, muß man seines Erachtens auf das arte Konzept einer "Gemeindeversammlung" zurückgreifen, was heute dank des Fernsehens
enorm erweitert werden kann, um den Amerikanern
Probleme zu erläutern, auf lokaler Ebene einen breiten
Konsens aufzubauen und die Bürger ihre Ansichten
gegenüber den Kongreßabgeordneten zum Ausdruck
bringen zu lassen.

Perot. Ironischerweise begann die wirtschaftlich angeschlagene GM 1992 mit der Einführung zahlreicher
Ideen von Perot, die früher abgelehnt worden waren.

Anfang der sechziger Jahre war Perot einer der erfolgreichsten IBM-Verkäufer für Computergeräte. Er erkannte, daß seine Kunden auf ihren individuellen Bedarf
zugeschnittene Software benötigten und versuchte,
seine Chefs von einer Erweiterung des Unternehmens
zu überzeugen. IBM war jedoch nur an der ComputerHardware interessiert. Daraufhin kündigte Perot,
gründete mit 1.000 Dollar der Ersparnisse seiner Frau
und einer 80stündigen Arbeitswoche die Electronic
Data Systems Corporation (EDS) und erfand eine
neue Computer-Softwareindustrie.

10 Jahre später, als EDS einen Vertrag mit der iranischen Regierung für die Computerisierung des Gesundheitswesens hatte, wurden die Zahlungen und die
Arbeit mit Ausbruch der iranischen Revolution eingestellt. Ohne einer Straftat beschuldigt worden zu sein,
wurden zwei EDS-Vertreter verhaftet. Perot organisierte ein Team von Kommandos, die auf seinem
Anwesen ausgebildet und dann in den Iran geflogen
wurden, wo sie einen Aufruhr anzettelten, das Gefängnis stürmten und die beiden Männer quer durch das
Land zur türkischen Grenze und in Freiheit brachten.
Die Aktion erhielt in den Vereinigten Staaten eine
positive Presse, obwohl einige Vertreter der CarterAdministration sie als gefährliche persönliche Diplomatie bezeichneten, die ihrer Meinung nach einen
Bruch des Völkerrechts darstellte.

18 Monate nachdem er GM verlassen hatte, gründete
er eine neue Firma, Perot Systems. Sein Büro im
Stadtzentrum von Dallas überragt sein altes bei EDS.

Der wohlhabende Tycoon geriet mehrfach in die internationalen
Schlagzeilen. 1969 versuchte er auf Bitten
Zu Problembereichen nimmt Perot höchst unterschiedvon
Präsident
Nixon vergeblich, amerikanische Kriegsliche Haltungen ein und kombiniert wirtschaftlichen
gefangene
in
Nordvietnam mit Nahrungsmitteln und
Konservatismus mit sozialem Liberalismus. Er beMedikamenten
zu versorgen. Er schickte zwei Düsenzeichnet sich selbst als politisch unabhängig. Wie die
flugzeuge
mit
Lieferungen
nach Asien und Hunderte
meisten Republikaner befürwortet er jedoch eine Kürvon
Freiwilligen
packten
einzelne
Pakete. Sie erreichzung der staatlichen Ausgaben und niedrige Steuern
ten
die
Gefangenen
nie,
aber
viele
sagten später, das
auf Investitionskapital. Wie viele Demokraten ist er für
Aufsehen,
dasdieses
Ereignis
erweckte,
habe zu einer
das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und Waffenhumaneren
Behandlung
durch
ihre
Wärter
geführt.
kontrolle. Darüber hinaus möchte er Japan und DeutschPerot
wurde
für
seine
Bemühungen
die
Medal
for
land an den amerikanischen Verteidigungsausgaben
Distinguished
Public
Service
verliehen.
beteiligen und ist gegen freien Handel mit Mexiko.

Sein erster Kunde, ein großes Lebensmittelunternehmen, gab ihm zwei Jahre, um ein funktionierendes
Computersystem zu installieren. Perot und seine
Angestellten - viele hatte er von IBM mitgenommen erfüllten den Auftrag in acht Wochen. Das Unternehmen erhielt dann Regierungsaufträge, um die Akten
des staatlichen Gesundheitswesens auf Computer
umzustellen. Die Medicare- und Medicaid-Programme waren vom Kongreß 1965 gerade erst ins Leben
gerufen worden und wurden von den 50 Bundesstaaten über Verträge mit privaten Versicherungsfirmen
verwaltet. Diese Firmen sahen sich mit einer Flut von
Anträgen überschwemmt, und Perots neues Unternehmen konnte die benötigte Erleichterung bieten.
EDS wurde rasch in einer Reihe von Bundesstaaten
zum wichtigsten Vertragsnehmer von Medicare und
Medicaid und als EDS 1968 erstmals auf den Aktienmarkt ging, schnellte ihr Wert in die Höhe. Mit langen
Arbeitstagen, die er auch von seinen Angestellten
forderte, baute Perot EDS zu einem Giganten auf, den
er 1984 für 2,5 Milliarden Dollar an die General Motors
Corporation verkaufte. Durch diese Fusion wurde er
auch Vorstandsmitglied von GM, wo sein Führungsstil
bald mit dem anderer Vorstandsmitglieder kollidierte.
Um ihn aus dem Vorstand zu entlassen, vereinbarte
GM die Zahlung zusätzlicher 700 Millionen Dollar an

Seite 2

In allen Fällen erklärte Perot, erbiete nur seine Dienste
für etwas an, was die Bundesregierung nicht selbst tun
könne oder wolle.
Perot erwies auch der Reagan-Administration mehrere Gefallen und stellte Hunderttausende Dollar zur
Befreiung der amerikanischen Geiseln in Beirut und
eines Armee-Generals zur Verfügung, der von Terroristen in Italien gekidnappt worden war. Er war mehrere Jahre im Beratergremium des Präsidenten für
ausländische Nachrichtendienste tätig, trat jedoch
aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit amerikanischen Regierungsv&amp;rtretern zurück.
In seinem Heimatstaat leitete er eine Arbeitsgruppe
zur Reform des öffentlichen Schulsystems und war
dem Gouverneur bei der Durchsetzung von Gesetzen
behilflich, die höhere Steuern für Schulprogramme,
kleinere Klassen, an die Beurteilung des Arbeitsplatzes gekoppelte Lehrergehälter und die Beteiligung von
Schülern an Sportwettbewerben nur bei guten Noten
vorsahen. Perot wurde von Lehrergewerkschaften

AMERIKA DIENST 40

�und den Trainern kritisiert, ihm zufolge hatte er jedoch
nur das Wohl der Schüler im Auge, nicht bestimmter
Interessengruppen.
Perot, 61, wurde in Texarkana (Texas) als Sohn eines
Baumwollhändlers geboren. Er schloß 1953 die U.S.
Naval Academy ab und absolvierte eine Dienstzeit als
Offizier an Bord eines Zerstörers.

*

AMERIKA DIENST 40

*

Seit 39 Jahren mit Margot Perot, geborene Birmingham, verheiratet, lebt er auf einem riesigen Anwesen
mit einem Schwimmbad, Tennisplätzen und einer
Sporthalle außerhalb von Dallas. Als Entspannung
genießt er nächtliches Windsurfen auf dem TexomaSee. Er und seine Frau haben einen Sohn und vier
Töchter.

*

*

Seite 3

�WAHLEN

'92
7. Oktober 1992

JAMES STOCKDALE: KRIEGSHELD,
GELEHRTER, PHILOSOPH
Porträt des Kandidaten für die Vizepräsidentschaft
WASHINGTON - (AD) - Als der unabhängige Präsidentschaftskandidat Ross Perot Vizeadmiral a.D. James
Bond Stockda&gt;e als seinen Kandidaten für das Amt des
Vizepräsidenten bei den Wahlen im November vorstellte, würdigte er den ehemaligen Marinekampfpiloten als "Held der Helden" und "Gelehrten".
Stockdale, 68, wurde nach achtjähriger Kriegsgefangenschaft in einem nordvietnamesischen Lager die
Congressional Medal of Honor verliehen - die höchste
militärische Auszeichnung der Vereinigten Staaten.
Als Kapazität der griechischen Philosophie ist er zur
Zeit als Dozent an der Hoover Institution der Stanford
University in Kalifornien tätig.

Juli zurückgezogen hatte und nach seiner jüngsten
Entscheidung, wieder in den Präsidentschaftswahlkampf einzutreten, bat Perot Stockdale für den weiteren Verlauf des Wahlkampfs sein Mitbewerber zu bleiben.
Als Marinekampfpilot leitete Stockdale 1964 den ersten amerikanischen Bombenangriff auf Nordvietnam.
Diese Mission folgte angeblichen Angriffen der Vietnamesen auf zwei amerikanische Zerstörer im Golf von
Tonkin. Stockdale kommentierte später: "Ich habe
buchstäblich den ersten Schlag in einem Krieg geführt,
von dem ich wußte, daß er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gerechtfertigt wurde."

Ein Jahr später wurde Stockdales A-4-Düsenjäger
abgeschossen, und er geriet in nordvietnamesische
Gefangenschaft. Sein linkes Knie wurde von einer
empörten Menge gebrochen - und im Gefängnis nochmals gebrochen. Den Großteil seiner achtjährigen
"Gestern habe ich in Stanford nach dem geeigneten Gefangenschaft verbrachte er in Eisenfesseln oder
Zitat von Epictetos gesucht, das mir Auftrieb verleihen Einzelhaft. Nach seiner Freilassung wurde Stockdale
würde und mich für folgendes entschieden:'Ein Leben, die Medal of Honor für das Erdulden von Folterungen
das nicht auf die Probe gestellt wird, ist es nicht wert, und für das Zurückhaften von Informationen vor seinen
gelebt zu werden." Und ich danke der Vorsehung für Wärtern verliehen, die seinen Befürchtungen zufolge
dieses Leben mit all seinen Prüfungen und für diese seine Mitgefangenen gefährdet hätten.
Chance", steifte er fest.
Ein weiterer amerikanischer Kriegsgefangener im
Stockdale verwies darauf, daß er "für seine Unabhän- sogenannten "Hanoi Hifton", Vizeadmiral William P.
gigkeit im Denken und Verhalten bekannt ist, daher Lawrence, bezeichnete Stockdale als "inspirierende
gibt mir diese (neue politische Rolle) zusätzliche Be- Führungskraft" und "einen echten Fels in der Branfriedigung."
dung".
In seiner Ansprache bei der Pressekonferenz nach
Perots Ankündigung in Dallas am 1. Oktober bezeichnete Stockdale seine Vizepräsidentschaftskandidatur
"als großartige Erfahrung und große Chance".

Ebenso wie Perot hat Stockdale die U.S. Naval Academy absolviert. Ende der sechziger Jahre arbeitete
Perot mit Stockdales Frau Sybil und anderen zusammen, als er versuchte, auf Nordvietnam Druck auszuüben, die Behandlung der amerikanischen Kriegsgefangenen zu verbessern. Als Perot im Sommer letzten
Jahres seinen Wahlkampf begann, bat er Stockdale,
sein Interim-Vizepräsidentschaftskandidat zu werden,
denn eine solche Entscheidung war erforderlich, um
Perots Namen auf die Wahlzettel in allen 50 Bundesstaaten zu setzen. Nachdem er seine Kandidatur im
AMERIKA DIENST 40

1979 trat Stockdale im Rang eines Vizeadmirals in den
Ruhestand. Nach einem Jahr als Präsident der Citadel, einem Militärcollege in South Carolina, übernahm
er seine derzeitige Position an der Hoover Institution.
Stockdale wurde 1923 als Sohn eines Töpfers in
Abingdon (Illinois) geboren. Nach seinem Abschluß
an der Marineakademie wurde er 1946 zum Leutnant
zur See ernannt. Zu seiner Laufbahn als Marineflieger
zählen Einsätze als Testpilot, Staffelkommandeur und
Luftgeschwaderkommandeur. Nach seiner Freilas-

Seite 1

�sung durch die Vietnamesen wurde er Präsident des
Naval War College in Newport (Rhode Island).

Stockdale hofft, daß "wir die Bewegung unabhängiger
Aktionen" gegen die von ihm so bezeichneten "Gesalbten" oder das politische Establishment voranbringen
Stockdale und seine Frau sind seit 45 Jahren verheira- können.
tet und haben vier Kinder sowie fünf Enkelkinder. Sie
sind Mitverfasser des Buches In Love and War, einem Stockdales Interesse an Philosophie und seine KenntBericht über Stockdales Erfahrungen als Kriegsgefan- nis auswärtiger Angelegenheiten werden erwartungsgener, der als Grundlage für einen 1987 von NBC gemäß jede Debatte der Vizepräsidentschaftskandigedrehten Fernsehfilm diente.
daten beleben, an denen er mit seinem republikanischen Herausforderer Dan Quayle und dem demokraStockdale zufolge ist eines seiner Ziele als Perots tischen Kandidaten Senator AI Gore teilnehmen könnVizepräsidentschaftskandidat, Politiker darauf aufmerk- te.
sam zu machen, "daß es so etwas wie eine politische
Bewegung gibt, die viel Unruhe in den Wahlprozeß in
den Vereinigten Staaten bringen kann, und vielleicht
gewinnen wir und übernehmen das Ruder".

* * * * *

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�WAHLEN

'92
7. Oktober 1992

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATUR
VON ROSS PEROT
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe amerikanischer Tageszeitungen und Kolumnisten haben die Ankündigung
des texanischen Unternehmers Ross Perot kommentiert, er bewerbe sich um die Präsidentschaft. Nachfolgend
veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare.
The Baltimore Sun

The New York Times

So ist H. Ross Perot doch noch einen Monat und einen
Tag, bevor die Wähler zu den Urnen gehen, verspätet
als Präsidentschaftskandidat angetreten. Wenn es
nicht zum größten Umschwung der öffentlichen Meinung in den Annalen der Politik kommt, hat er keine
Chance zu gewinnen. Zur Jahresmitte warder Milliardär aus Texas ein echter Konkurrent, der seinen
beiden Mitbewerbern aus den großen Parteien in
Meinungsumfragen häufig knapp voraus war. Den
jüngsten Umfragen zufolge ist sein Zuspruch heute auf
unter 10 Prozent gesunken. Er ist hauptsächlich für
seine ehrenamtlichen Helfer ein Held, die ihn trotz ihrer
Enttäuschung über seinen Rückzug im Juli in allen 50
Staaten auf die Stimmzettel setzten.

Die gute Nachricht lautet, Perot möchte, daß die Leute
ihn zur Wirtschaft befragen - wie er das erdrückende
Defizit von 4 Billionen Dollar beseitigen, "die Arbeitsplatzbasis und die industrielle Basis" wiederherstellen
und "die Worte 'Made in the U.S.A.' wieder zum
Weltstandard für hervorragende Leistungen machen"
würde. Es wird interessant sein zu sehen, ob er bereit
ist, seine Antworten uneingeschränkt bekanntzugeben.

Wenn Perot nicht gewinnen kann, welches Ziel verfolgt
er dann? Oder noch besser, was sollte sein Ziel sein?
Zweifellos verändert er die Dynamik des Rennens sehr zum Schaden des Demokraten Bill Clinton, dessen Vorsprung gegenüber dem Republikaner George
Bush in einem Rennen von nur zwei Kandidaten die
Dimensionen eines Erdrutschs annimmt. Bedeutet
das, er wünscht den Sieg des gegenwärtigen Präsidenten? Wchl kaum. Seine persönlichen und politischen Differenzen mit Bush sind Legion.
Zwei andere Erklärungen drängen sich auf. Eine ist,
daß er sich auf einem kolossalen Ego-Trip befindet,
wie ihn sich nur Superreiche leisten können. Perots
Maßlosigkeit schafft dieser Theorie zufolge im Verein
mit weitverbreiteter Frustration eine potente politische
Mixtur. Oder, um seine Kandidatur im besten Licht
erscheinen zu lassen, er ist so angewidert vom Versagen der beiden Kandidaten der großen Parteien bei der
Behandlung der schweren Wirtschaftsprobleme, daß
er eine nationale Plattform schaffen will, um seine
eigenen Vorschläge bekanntzumachen.
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Früher wurde Perot zornig, wenn irgendjemand ihn
fragte, welche Positionen er einnehme. Nachdem er
sich zurückzog, veröffentlichte er ein Programm zum
Abbau des Defizits und zur wirtschaftlichen Erholung,
das detaillierter war als das von Bush oder Clinton.
Es enthält viel bittere Medizin - höhere Steuern für viele
Amerikaner, deutlich höhere Mineralölsteuern, Obergrenzen für den Zinsabzug auf Hypotheken, neue
Steuern für wohlhabendere Empfänger von heiligen
Leistungsansprüchen. Es ist nicht perfekt, aber es
verdient eine ernsthafte Debatte. Das Problem ist, das
Programm bleibt zwischen den Deckeln von Ross
Perots Buch. Der Kandidat selbst hat wenig Neigung
gezeigt, es zu artikulieren.
Gestern gab es einen kurzen Hinweis darauf, daß er es
jetzt tun könnte. Will er wirklich den Benzinpreis für
"den Durchschnittsamerikaner" in die Höhe treiben?
Ja. Benzin ist in den Vereinigten Staaten viel zu billig,
erklärte er, und eine Steuer könnte zur Wiederherstellung der verfallenden Infrastruktur beitragen.
Es war wahrscheinlich das erste Mal im Wahlkampf,
daß Ross Perot über Gemeinplätze hinausgegangen
ist. Selbst wenn er keine Chance hat, die Wahl zu
gewinnen, könnte er einen Ruf retten, der heute durch

Seite 1

�Launenhaftigkeit gekennzeichnet ist, indem er mehr
davon liefert.

Thema können sie dem Land eine klare Entscheidung
anbieten.

The Washington Post

Eine Patt-Situation? Die Wähler könnten die Republikaner und Demokraten sowohl in die Verantwortung
für das Weiße Haus als auch den Kongreß wählen.
Perot ist nur eine dritte, weithin unbekannte Variable.

Bei zu vielen anderen Problemen, die nichts mit dem
Haushalt zu tun haben, sind die Positionen Perots
entweder unbekannt oder beunruhigend. Besonders
ungeduldig erscheint er im Hinblick auf die traditionellen bürgerlichen Freiheiten. Wenn sein Ziel heute
teilweise darin besteht, gehört zu werden, ernst genommen zu werden und an den wahrscheinlich stattfindenden Präsidentschaftsdebatten teilzunehmen, dann
werden wir alle auch darüber etwas herausfinden. Es
gibt zahlreiche Spekulationen darüber, wem seiner
Rivalen aus den großen Parteien Perot in den verbleibenden Wochen wahrscheinlich am meisten helfen
oder schaden wird. Wer weiß es? Vielleicht wird seine
Kandidatur (wiederum) ein Reinfall sein, vielleicht wird
sie ein wichtiger Faktor sein oder genug von einem der
beiden, um nach der Wahl eine Fußnote zu setzen:
Wenn er nur nicht auf dem Stimmzettel gestanden
hätte, wäre die Wahl anders verlaufen. Das wäre das
schlechteste Resultat.
Perot hat erklärt, er kandidiere, weil keine Partei die
Fragen angesprochen hätte, wie er es sich erhofft
habe. Er hat recht, sie haben es nicht getan, aber bis
gestern galt das auch für ihn. Auch er hat bisher die
Debatten vermieden, die zu erzwingen er angeblich in
das Rennen eintrat.
The Wall Street Journal
Nur ungern nehmen wir an, daß Ross Perot eigentlich
nur im Sinn hatte, sich beste Sendezeit kaufen zu
können. Angeblich war Perot bereit, 40 Millionen
Dollar für eine Serie von Werbespots auszugeben, um
seine Ideen zu verkünden. Kein Gedanke daran. Den
Spielregeln zufolge, nach denen das Spiel um politische Werbespots heute für Einzelpersonen abläuft,
kann man Fernsehspots nur dann ausstrahlen lassen,
wenn man seine Kandidatur erklärt hat.

Der Abbau des Defizits von 4 Billionen Dollar - Perots
Hauptthema? Zweifelsohne entscheidend - und er hat
recht, daß Bush und Clinton es den Wählern mit
solcher Vehemenz verdeutlicht haben, wie sie den
Flaum von einer Pusteblume blasen. Sie haben jedoch
konkrete Pläne, wie sie die Wirtschaft wieder in Gang
bringen würden.
Perot hat wenig Genaues geboten - und noch weniger
anderen drängenden Sorgen Rechnung getragen wie
der Handels- und Steuerpolitik, veränderten Verteidigungsaufgaben und Beziehungen zu anderen Staaten.
Die Wähler sollten sich auch Perots Versuch vom
Donnerstag bewußt sein, die Debatte auf eine Handvoll Themen zu beschränken.
Vor allem sollten sie vorsichtig sein, zusätzliche Entscheidungen mit effektiven zu verwechseln.
Los Angeles Times
Die Perot-Kandidatur wird jetzt zum Joker im Wahlkampf 1992. Als Perot seine Kampagne im Juli aussetzte, war er in den Umfragen auf unter 10 Prozent
gesunken. Diese Zahlen sollten nach seinem Wiederauftauchen, wenn auch nur kurz, steigen, obwohl es
unwahrscheinlich erscheint, daß er am 3. November
viel besser abschneiden wird als es Kandidaten dritter
Parteien für gewöhnlich getan haben. Aber in einigen
wichtigen Staaten - Texas und Ohio werden am häufigsten erwähnt - könnte Perot genug Stimmen auf sich
vereinigen, um entweder den Ausschlag für Präsident
Bush oder seinen demokratischen Herausforderer,
den Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, zu geben.
Dies könnte Auswirkungen auf die Wahlmännerstimmen und offensichtlich sogar die Wahl haben. Letztlich
könnte Perots politische Hauptbedeutung darin bestehen, nicht ein Macher oder Inspirator zu sein, sondern
nur ein Spielverderber.

Statt daß ein Citizen Perot harmlos zu uns über das
Defizit quasselt, während wir gerade in die Küche
gehen, bekommen wir jetzt einen Candidate Perot, der
droht, die amerikanische Präsidentschaftswahl zu
demolieren nur, damit er seine 40 Millionen Dollar
teuren Werbespots ausstrahlen kann. Bei der gestri- Kolumnist A.M. Rosenthal in der New York Times
gen Ankündigung erklärte Perot zum Schluß mit einem
boshaften Lächeln:
Als es hart auf hart ging, trat Perot den Rückzug an. Er
tauchte wieder auf, als es hübsch einfach aussah.
"Ich muß meinen Lebensunterhalt verdienen, ich muß Angesichts der wenigen verbleibenden Wochen konnfür die Werbespots bezahlen."
te man ihn weder zum Thema Wirtschaft noch zu
anderen Plänen in die Mangel nehmen, die er versproUSA Today
chen hatte, aber nie vorlegte. Er erklärte, persönliche
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Angelegenheiten seien unter seiner Würde, daher
Bush oder Clinton der nächste Präsident sein. Zu werde er nur "echte Themen" erörtern. Dann zieht er
jedem von Perot am Donnerstag angeschnittenen bei Problemfragen den Schwanz ein. Großartig.

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�Die republikanischen Bürokraten - in Dallas konnte man es reduzieren könne. Herr Perot erklärte, er habe
man sie nicht von den Pilgern unterscheiden - haben keine Zeit, und sagte seinen Beratern, sie sollten sich
Herrn Perot kennengelernt. So weit so gut. Vor Dallas selbst damit beschäftigen. Sie machten ein Buch "von
haben sie mit diesem wissenden Gehabe gefragt, wie Ross Perot" daraus.
tickt der Mann eigentlich?
Warum schenken wir Perot dann überhaupt AufmerkAber als er den kleinen Finger krumm machte, sind sie samkeit? Zum Teil wegen der Presse. Sie brauchte
nach Dallas gerannt und haben die grausame Farce zu etwas, um den Wahlkampf zu beleben, und der Faktor
einem nationalen Drama hochgespielt. Sie sagten Perot tat seine Schuldigkeit.
nicht, was sie über Perot wußten, weil die andere
Partei um seine Stimmen oder seinen Segen buhlte. Aber Ross Perot berührt auch einen Nerv, wenn er
So gaben sie alle vor, er sei noch des nationalen feststellt, daß wir uns in diesem Land nicht den wirklichen Problemen stellen. Viele Amerikaner teilen das
Vertrauens würdig.
Gefühl. Er hat weder den Mut noch die EntschlossenKolumnist Anthony Lewis in der New York Times heit gehabt, die harte Arbeit zu leisten, Antworten zu
finden. Aber das Argument ist stichhaltig.
Perot erklärt, er kandidiere wieder, um die Aufmerksamkeitauf "die Themen" zu lenken, insbesondere das Und schließlich widmen wir ihm Aufmerksamkeit, weil
Haushaltsdefizit. Eines ist jedoch komisch: er hat sich James Baker es will: er will einen dritten Mann im
Rennen, in den Debatten. 1988 hat erden Wahlkampf
wenig oder garnicht damit befaßt.
für George Bush gewonnen, indem er Ablenkungen
Während seines früheren Wahlkampfs hat er ein Tref- wie Willie Horton ins Spiel brachte. Die Ablenkung in
fen von Substanz zum Thema Defizit abgehalten. diesem Jahr - der Willie Horton dieses Jahres - ist Ross
Seine Berater unterbreiteten einen Vorschlag, wie Perot.
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�WAHLEN

'92
7. Oktober 1992

WÄHLEN IN AMERIKA
von Denise Hyland
"Schwarze, Frauen und Jugendliche gehören zu den Gruppen, die in den 216 Jahren seit der Amerikanischen
Revolution das Wahlrecht für sich angestrebt und errungen haben", schreibt Denise Hyland in dem nachstehenden Beitrag, der die Geschichte des Wahlrechts in den Vereinigten Staaten behandelt.
Die Autorin lebt als freiberufliche Schriftstellerin in Rochester (New York). Die in Niagara Falls (New York)
geborene Verfasserin hat ein Bakkalaureat in Kommunikationswissenschaften von der State University of New
York in Buffalo und war bisher als Feature-Autorin und Redakteurin für verschiedene Tageszeitungen im
Bundesstaat New York tätig.
Wenn Lisa Thurman im November 1992 die Wahlkabine betritt, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten
mitzuwählen, wird dieser schlichte Akt ein Symbol für
den Sieg nicht nur in einer, sondern in zwei stolzen
Kampagnen für das Wahlrecht in Amerika sein.
Thurman (32) aus Schenectady (New York) ist eine
Frau afroamerikanischer Herkunft. Ihre Vorfahren, die
befreiten Sklaven englischer Kolonisten, konnten nur
von dem Tag träumen, an dem sie sich am politischen
Prozeß beteiligen könnten, und Frauen besaßen vor
1920 kein Stimmrecht.
"Ich nehme das nicht auf die leichte Schulter", erklärt
Thurman über ihr Recht zu wählen. "Meine Vorfahren
haben für ihren rechtmäßigen Platz an der Wahlurne
hart gearbeitet, und dasselbe gilt für Frauen aller
Hautfarben. Für mich bedeutet Wählen also nicht nur
ein Recht. Es ist meine Pflicht."
Schwarze, Frauen und Jugendliche gehören zu den
Gruppen, die in den 216 Jahren seit der Amerikanischen Revolution das Wahlrecht für sich angestrebt
und errungen haben. Die Erfolge der Wahlrechtler
haben jedoch nicht nur die Erlangung ihrer Wahlrechte
bewirkt. Sie haben dazu beigetragen, die Quintessenz
des amerikanischen Demokratieverständnisses zu
prägen.
"Eines der positiven Merkmale des amerikanischen
Systems besteht darin, daß diese Kämpfe erfolgreich
waren", steift der Bürgerrechtsexperte und Autor Allan
Lichtman, Geschichtsprofessor an der American University in Washington, fest. "Das Wahlrecht ist ein
Grundrecht aller Bürger, das niemandem verweigert
wird."

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Heute besitzt in den 50 Bundesstaaten jeder, der das
18. Lebensjahr vollendet hat, das Recht, bei Wahien
auf Gemeinde-, Staats- und Bundesebene abzustimmen. Lediglich unzurechnungsfähige oder für Kapitalverbrechen wie Mord und Brandstiftung verurteilte
Personen sind ausgeschlossen.
In den 13 Kolonien des 18. Jahrhunderts war am
Wahltag eine weit exklusivere Gruppe aktiv. Die
britischen Kolonien in Amerika hatten sich die Vollmacht gegeben, Wahlgesetze zu erlassen, und diese
waren auffallend ähnlich. Im Einklang mit englischen
Traditionen wurde die Teilnahme an Wahlen eher als
Privileg denn als Recht betrachtet. Nur weißen Männern,
die Land, Geld oder eine gesellschaftliche Stellung
besaßen, war die Stimmabgabe gestattet.
Der für die Ausübung des Wahlrechts vorgeschriebene Mindestumfang an Besitz oder persönlichem Vermögen war in den einzelnen Kolonien unterschiedlich.
In Virginia schrieb das Gesetz den Besitz von 20 ha
Land oder 10 ha Land mit einem Haus darauf, eines
Stadtgrundstücks mit einem Haus oder von 50 Pfund
an Wertgegenständen vor, wozu Sklaven, Werkzeuge, Möbel oder Tiere gehören konnten. Die Abgeordneten der Kolonien mußten mindestens 10- oder
20mal soviel besitzen wie der einfache Wähler.
Die große Mehrheit der Kolonisten verteidigte die
Besitzqualifikation, da Landbesitzer den Großteil der
Steuern entrichteten. Darüber hinaus glaubten sie,
daß arme Wähler zum Schaden von Recht und Ordnung anfällig für Wahlbestechung sein könnten. Aber
in der gesamten Geschichte des Wahlrechts gab es
Versuche, Beschränkungen zu verhängen um zu verhindern, daß neue Leute Macht gewinnen und den
Status quo erschüttern würden.
Seite 1

�Die im Jahr 1776 im Gefolge der Abtrennung der
Kolonien von England verfaßte Unabhängigkeitserklärung stellte fest, die Regierungen würden "ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten
herleiten". Während die Amerikaner heute unter "den
Regierten" alle Bürger verstehen, waren "die Regierten" für die Gründerväter diejenigen, die in den Wahlregistern eingetragen waren: die Männer, die die
Voraussetzungen erfüllten.
Der Kampf des gemeinen Mannes für sein Wahlrecht
wurde durch die Erinnerung an die heiß umkämpfte
Revolution angespornt. Soldaten konnten im Krieg
ihre Offiziere wählen. Sie begannen anzunehmen,
daß sie zum Dank für den Dienst an ihrem Land das
Recht hätten, auch die politische Nachkriegsführung
zu wählen. Zweitens nahmen sie angesichts der
Tatsache, daß auch NichtWähler Steuern zahlen mußten,
den Kampfruf der Revolution gegen England - "No
taxation without representation" - auf und bezogen ihn
auf sich selbst.

Pierce Butler aus South Carolina, stellte fest: "Es gibt
kein Recht, auf das die Menschen eifersüchtiger sind,
als das Wahlrecht."
"Die Debatten über das Wahlrecht waren lang und
bitter, und am Ende beschlossen die Delegierten, den
einzelnen Staaten zu erlauben, ihre eigenen Voraussetzungen festzulegen", schreibt Carole Lynne Corbin
in ihrem 1985 veröffentlichten Buch The Right To
Vote. "Infolgedessen durften Männer, die in einem
Bundesstaat das Wahlrecht hatten, beim Umzug in
einen anderen Staat häufig nicht mehr wählen."
"Nachdem schließlich nationale Wahlen in den Köpfen
der Männer ebenso wichtig geworden wahren wie
solche auf Gemeindeebene - und als sie erkannten,
daß sie durch die Wahl den Steuersatz kontrollieren
konnten - begannen sie, das Wahlrecht an jedem Ort
aufgrund der Tatsache zu verlangen, daß sie Staatsbürger waren", erläutert Corbin. "Die Demokratie
begann Fuß zu fassen."

"Diese Philosophie, diese Überzeugung - daß man die
Fähigkeit zur Wahl der Regierung haben sollte, wenn
diese Regierung Anspruch auf Mittel von Bürgern
erhebt - war das allen Bemühungen zur Erlangung des
Wahlrechts zugrundeliegende Prinzip", erklärt Lichtman. "Und dies gilt nicht allein für die amerikanische
Gesellschaft: in den meisten Gesellschaften hatten
die Menschen vor dieser Zeit keine direkte Vertretung."

In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnten
alle weißen Männer, alle Steuerzahler und alle freien
Schwarzen mit einem Mindestmaß an Besitz oder
persönlichem Vermögen in allen Staaten außer Virginia und Rhode Island wählen. In letzterem Bundesstaat führte eine bewaffnete Rebellion im Jahr 1842
zur Ausdehnung des Wahlrechts auf alle im Land
geborenen Amerikaner, die eine Steuer von 1 Dollar
entrichteten.

Nachdem sich die Kolonien von England getrennt und
zu Staaten geworden waren, mußten sie ihre eigene
Verfassung niederlegen. In ihren ersten Verfassungen gewährten New Hampshire, Pennsylvania und
Georgia allen Steuerzahlern das Wahlrecht. Andere
Staaten nahmen lediglich geringfügige Änderungen
ihrer Wahlvorschriften vor, und Massachusetts hob die
Mindestvermögensgrenzen aufgrund des Einflusses
von John Adams, einem der Gründerväter und von
1797 bis 1801 zweiter Präsident der Vereinigten Staaten, sogar noch an.

Kopfsteuern wurden mit guten Absichten eingeführt.
Nachdem sie zuerst 1776 in New Hampshire erhoben
wurden, sah man darin ein Mittel, um das Wahlrecht
beträchtlich zu erweitern. Den neuen Wahlgesetzen
zufolge wurde Steuerzahlern das Wahlrecht eingeräumt, und die geringe Abgabe (im allgemeinen 2
Dollar oder weniger) wurde als Weg angesehen, auf
dem alle Männer diese Voraussetzung erfüllen konnten.

Adams hatte keine Vorstellung davon, wie prophetisch
seine Äußerungen noch werden würden. Die Mehrzahl der Delegierten beim amerikanischen Veriassungskonvent von 1787 in Philadelphia gehörte zum
"konservativen" Lager von Adams. Der Wissenschaftler und Schriftsteller Benjamin Franklin aus Pennsylvania argumentierte jedoch, wählen sei vielmehr ein
Recht statt ein Privileg. Ein anderer Delegierter,

Beteiligung an Bundeswahlen untersagte. Im Jahr
1966 ging das Oberste Bundesgericht sogar noch
weiter und erklärte alle von Gemeinden und Bundesstaaten erhobenen Kopfsteuern für illegal.

Corbin schreibt jedoch: "Die Kopfsteuer war eine
Wahlrechtsreform, die von den Rassisten entstellt
Adams erklärte, er sei gegen die Erweiterung des wurde... So mußte zum Beispiel in Mississippi die
Wahlrechts, da"... dies ein Faß ohne Boden ist. Neue Steuer Monate im voraus entrichtet werden, und die
Forderungen werden auftreten, Frauen werden das Quittung war an der Wahlurne vorzuzeigen. Dies
Wahlrecht verlangen, Burschen zwischen 12 und 21 wurde jedoch nur von Schwarzen verlangt."
werden meinen, ihre Rechte würden nicht gebührend Nach einer massiven Bürgerrechtsbewegung verabbeachtet und jeder Mann, der keinen Heller besitzt, schiedete der Kongreß 1960 den 24. Verfassungszuwird das gleiche Recht wie alle anderen verlangen."
satz, der alle steuerlichen Voraussetzungen für die

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Als die schwarzen Sklaven 1863 durch die Emanzipationserklärung von Präsident Abraham Lincoln befreit
wurden, gerieten die Weißen angesichts der Möglichkeit in Panik, sie könnten ihre seit langem bestehende

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�Regierungsmacht verlieren. Demzufolge wurde freien
Schwarzen das Wahlrecht in den meisten Bundesstaaten entzogen, in denen sie dieses Recht noch
besaßen. Und obwohl Lincoln der Große Emanzipator
war, lehnte er Diktate an die Bundesstaaten ab und
wollte sie nicht zwingen, den Schwarzen das Wahlrecht zu verleihen.
"Die Sklaverei ist nicht abgeschafft, bis der schwarze
Mann das Wahlrecht genießt," erklärte Frederick
Douglass, jene herausragende schwarze Persönlichkeit. Große Fortschritte beim Wahlrecht der Schwarzen kamen mit dem Reconstruction-Gesetz von 1867,
mit dem das Land nach dem Bürgerkrieg (1861-65)
wiederaufgebaut und wiedervereinigt werden sollte.
Das Gesetz zwang die 12 ehemaligen konföderierten
(Süd)-Staaten, ihre Verfassungen zu überarbeiten.
Die Delegierten zu den Verfassungskonventen sollten
von den männlichen Bürgern "jeglicher Rasse" gewählt werden.

rung von Wählern bei allen Wahlen und sah die Anwesenheit von staatlichen Wahlregistratoren vor, wenn
Diskriminierungen festgestellt wurden. Binnen sechs
Monaten wurden landeswert 250.000 Schwarze auf
die Wählerlisten gesetzt.
Heute gibt es in den Vereinigten Staaten laut Statistiken des Joint Center for Political Studies in Washington insgesamt 7.490 Schwarze, die ein Wahlamt innehaben.
Einwanderer und auch die Urbevölkerung haben von
der Abschaffung der Lese- und Schreibprüfungen in
Englisch profitiert. Das Wahlrechtsgesetz von 1965
und spätere Zusätze von 1975 ebneten den Weg für
Wahlmaterial wie Registrierungsformulare und Wahlzettel, die in Spanisch, Chinesisch, Indianisch und der
Sprache der Ureinwohner von Alaska gedruckt wurden.

Der Kampf für das Frauenwahlrecht begann während
der
Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei und der
Schwarze wurden in alle Bundesstaatskonvente geProhibition
zu brodeln. Er wurde von Lucretia Mott und
wählt. Dadurch entstanden progressive VerfassunElizabeth
Cady
Stanton geschürt, Ehefrauen und Mütter,
gen, die das Wahlrecht allen Männern gewährten und
die
sich
beide
aktiv gegen Sklaverei und Alkohol
Besitzvoraussetzungen für die Bekleidung eines
engagierten.
Als
die beiden Frauen als Kandidatinnen
Wahlamts abschafften. Ende 1867 hatten sich über
für
einen
Kongreß
über die Abschaffung der Sklaverei
700.000 Schwarze im Süden als Wähler registrieren
aufgrund
ihres
Geschlechts
abgelehnt wurden, geloblassen. In Georgia war die Zahl der schwarzen Wähler
ten
sie,
ihre
Energien
umzudirigieren.
Ihre Bewegung
im Jahr 1870 ebenso hoch wie die der weißen.
wird im allgemeinen auf einen Kongreß von 1848 in
Das bahnbrechende Gesetz für schwarze Wähler war Seneca Falls (New York) zurückgeführt, bei dem die
jedoch der 15. Zusatz zur amerikanischen Verfassung Delegierten das Recht zu wählen und Eigentum zu
im Jahr 1870, hinter dem das Mandat der Bundesre- besitzen forderten.
gierung stand. Diskriminierung auf der Basis von
Rassenzugehörigkeit wurde mit folgenden Worten Die Frauenrechtlerin Susan B. Anthony versuchte, die
abgeschafft: "Das Wahlrecht der Bürger der Vereinig- Gerichte zu der Entscheidung zu veranlassen, daß
ten Staaten darf von den Vereinigten Staaten oder wählen aufgrund des 14. Zusatzartikels zur Verfaseinem Einzelstaat nicht aufgrund der Rassenzugehö- sung ein Bürgerrecht ist, der allen im Lande geborenen
rigkeit, der Hautfarbe oder des vormaligen Dienstbar- und naturalisierten Personen die Staatsbürgerschaft
verleiht und nicht näher definierte "Privilegien" schützt.
keitsverhältnisses versagt oder beschränkt werden."
Im Jahr 1872 gab sie trotz der Einwände des RegistraUm die Jahrhundertwende hatten die Schwarzen im tors ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl im
Süden aufgrund der neuen Vorbedingung für die Bundesstaat New York ab.
Wählerregistrierung - lesen und schreiben zu können
- ihr Wahlrecht de facto verloren. Mit der Vorschrift, Ein Richter befand sie jedoch der illegalen Wahl für
daß Wähler des Lesens und Schreibens mächtig sein schuldig und verurteilte sie zu einer Strafe von 100
mußten, sollte vordergründig eine intelligente Nutzung Dollar plus der Gerichtskosten, die sie sich weigerte zu
des Wahlrechts gefördert werden, und sie betraf alle zahlen.
Wähler. Schwarze und Ausländer waren jedoch be"Der Entzug des Wahlrechts erklärt allen Frauen:
nachteiligt: um wählen zu können, mußten sie Eng'Dein Urteil ist nicht gesund, Deine Meinung ist es nicht
lisch lesen und schreiben können.
wert, gezählt zu werden'", stellte Anthony fest. "Der
In den darauffolgenden Jahrzehnten erhob sich eine Mann ist der Überlegene, die Frau das Subjekt beim
massive Bürgerrechtsbewegung, um gegen die Be- derzeitigen Stand der Politik, und bis dieses große
schränkungen für schwarze Wähler zu protestieren. Unrecht behoben ist, werden ignorante Männer und
Ihr Anführer war Reverend Martin Luther King Jr. Nach kleine Jungen weiterhin die Meinung von Frauen mit
dem inzwischen berühmt gewordenen Marsch Kings Verachtung strafen."
von Selma (Alabama) in die Hauptstadt Montgomery
im Jahr 1965 verabschiedete der Kongreß das Wahl- Anthonys Gruppe, die National Woman Suffrage
rechtsgesetz von 1965. Das Gesetz verbot Lese- und Association, begann an der Verabschiedung eines
Schreibübungen als Voraussetzung für die Registrie- Verfassungszusatzes zu arbeiten, der von Senator
Aaron Sargent aus Kalifornien im Jahr 1878 vorgelegt
AMERIKA DIENST 40

Seite 3

�wurde. Der als "Anthony-Zusatz" bekannte Artikel
lautete folgendermaßen: "Das Recht eines Bürgers
der Vereinigten Staaten soll nicht von den Vereinigten
Staaten oder einem Bundesstaat aufgrund des Geschlechts verweigert oder beschränkt werden." Dieser
19. Zusatzartikel blieb unverändert, bis er 1920 Gesetz
wurde.
Auch eine andere Gruppe besaß kein uneingeschränktes Wahlrecht: die Urbevölkerung Amerikas.
Bis Anfang der zwanziger Jahre hatte die US-Regierung zwei Dritteln der amerikanischen Urbevölkerung
durch Vertragsvereinbarungen, Statuten und Naturalisierungsverfahren sowie durch den Dienst in den
Streitkräften im Ersten Weltkrieg die Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrecht gewährt. 1924 wurde
der übrigen in den Vereinigten Staaten geborenen
Urbevölkerung die Staatsbürgerschaft verliehen.
Die Mehrheit der amerikanischen Urbevölkerung lebt
heute in eigenen Gemeinden, wo sie aktiv Stammespolitik betreibt.
"Bei den Stammeswahlen beteiligen sich 80 bis 90
Prozent der Indianer", erklärt der Abgeordnete des
Repräsentantenhauses Ben Nighthorse Campell
(Demokrat aus Colorado). "Aber bei Bundeswahlen
haben wirdie geringste Beteiligung aller Minderheitengruppen."
Campell ist Cheyenne-indianischer und portugiesischer Abstammung. Inzwischen in der dritten Amtszeit im Repräsentantenhaus hat er landesweit die
Führungsrolle dabei übernommen, die Beteiligung der
amerikanischen Urbevölkerung an der Regierung zu
fördern.
Campell sieht große Fortschritte. Einer Studie des
National Congress of American Indians aus dem Jahr
1990 zufolge sind 21 Ureinwohner in Parlamenten der
Bundesstaaten tätig. Im gleichen Jahr wurde Larry
Echohawk für den prestigeträchtigen Posten des
Justizministers von Idaho ernannt. Und unter den
Delegierten, die beim Demokratischen Parteitag 1988
ihre Stimme abgaben, waren 52 Ureinwohner. Campell prognostiziert, daß ihre Zahl 1992 noch höher sein
wird.
"Viele Indianer sagen: 'Wozu ist meine Stimme gut?
Sie wird nichts verändern'", stellt Campell fest. "Ich
versuche klarzumachen, daß sie dies kann."
Die Bedeutung der einzelnen Stimme ist zentraler
Bestandteil jeder Diskussion über Wählerbeteiligung
in den Vereinigten Staaten.

demonstrationen belebten ein uraltes Argument. "Art
genug um zu kämpfen, alt genug um zu wählen", war
seit dem Bürgerkrieg der Slogan, als 14jährige Jungen
auf beiden Seiten kämpften.
Bis 1971 war man jedoch erst ab 21 Jahren wahlberechtigt, und die Ratifizierung des 26. Zusatzartikels
zur Verfassung erfolgte in diesem Jahr. 11 Millionen
Jugendlichen zwischen 18 und 21 wurde das Wahlrecht erteilt, aber nur 50 Prozent hatten sich bei den
Präsidentschaftswahlen 1972 zur Wahl eingetragen
und 15 Prozent davon erschienen nicht zur Wahl.
Die niedrige Registrierung und die entsprechend geringe Wahlbeteiligung ist nicht auf Amerikas Jugendliche
beschränkt. Statistiken der Bundeswahlkommission
zufolge gaben nur knapp über 50 Prozent der wahlberechtigten Amerikaner bei den Präsidentschaftswahlen 1988 ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung ist in
Jahren, in denen keine Präsidentschaftswahlen stattfinden, traditionell geringer: 1990 betrug sie 34 Prozent.
Dem Wahlanalysten und Autor des Buches Why
Americans Don't Vote, Ruy Teixeira, zufolge kann
man bei denjenigen, die wählen, ein klares Muster
verfolgen. Bevölkerungsstatistiken der wählenden
Mehrheit blieben in dem statistisch erfaßten Zeitraum
von 1960-1984 im wesentlichen unverändert.
Teixeiras Studien des Jahres 1980 ergaben beispielsweise, daß die überwältigende Mehrheit der Wähler
weiß ist (84 Prozent), nicht in den Südstaaten lebt (73
Prozent) und über 12 oder mehr Jahre Schulbildung
verfügt (74 Prozent). Die Mehrheit war weiblich (56
Prozent), verheiratet (60 Prozent), angestellt (60 Prozent), 37 Jahre oder älter (58 Prozent) und nicht arm
(65 Prozent).
Teixeira fand einen anderen maßgeblichen Faktor
heraus: 67 Prozent der Wähler waren in den letzten
zwei Jahren nicht umgezogen. Aufgrund dieser Tatsache konnten sie einfach zu ihrem gewohnten Wahllokal gehen, sich eintragen und wählen. Die 33 Prozent,
die ihren Wohnsitz gewechselt hatten, mußten sich in
ihrem neuen Bundesstaat zur Wahl registrieren lassen.
Die Registrierungsgesetze sind von Bundesstaat zu
Bundesstaat sehr unterschiedlich. In einigen Bundesstaaten müssen sich die Wähler registrieren lassen,
wenn sie von einem Distrikt in den anderen ziehen. In
anderen besteht eine Wartezeit von 30 Tagen vom Tag
der Registrierung bis zur Stimmabgabe.

Jüngste Studien belegen, daß eine Änderungen der
Registrierungsgesetze wesentliche Auswirkungen auf
In der Tat wurde von der Bevölkerungsgruppe, die als
die Wahlbeteiligung haben könnte. Wenn beispielsletzte das Wahlrecht erhielt - den 18- bis 21jährigen weise jeder Bundesstaat eine Wahltag-Registrierung
erwartet, daß sie die Politik mit ihren Stimmen beeineinführen würde - wie Wisconsin, Minnesota und Maine
flussen würden. Ihre Protestaktionen in den sechziger
- würde sich die Wahlbeteiligung um 6 bis 7 Millionen
Jahren gegen den Vietnamkrieg und bei Bürgerrechts-

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�Wähler erhöhen, berichtete das Komitee zur Untersuchung der amerikanischen Wählerschaft 1987.
"In zahlreichen Bundesstaaten finden es die Einwohner schwierig, sich zur Wahl registrieren zu lassen",
stellt der Abgeordnete des Repräsentantenhauses
Charles A. Hayes (Demokrat aus Illinois) fest. "Die
Behörden und Einrichtungen zur Wählerregistrierung
sind oft schwer zu finden. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß jeder Amerikaner sein Postamt am Ort finden
kann."

rung registriert.
Wahlanalysten haben viele Theorien über die Wahlbeteiligung vorgebracht. Vorrangig darunter ist die ApathieTheorie, nach der man sich entweder aufgrund von
mangelndem Interesse am Wahlergebnis oder mangelndem Vertrauen in die Wahrscheinlichkeit, daß die
eigene Stimme das Wahlergebnis beeinflußt, der Stimme enthält.

Im Oktober 1991 wurde die Bedeutung von nur einer
Stimme in einem ungewöhnlichen Forum schiaglichtEntsprechend hat Hayes, ein Schwarzer aus Chicago, artig erhellt - den Anhörungen im Rechtsausschuß des
im Kongreß zwei Gesetzesvorlagen unterstützt. Die Senats über die Ernennung von Clarence Thomas aus
eine fordert, daß der amerikanische Postdienst den Georgia zum Obersten Bundesgericht, der jetzt der
Ummeldeformularen Wahlregistrierungsformulare für 106. Richter des Gerichts ist.
die Einwohner beilegen muß, die umziehen. Die
andere die Auslage von Registrierungsformularen in Unter den Millionen von den Anhörungen gefesselten
Bürgern war auch Lisa Thurman.
den Postämtern.
Ein anderer Gesetzentwurf, das von Senator Robert
Dole (Republikaner aus Kansas) unterstützte Gesetz
zur Erweiterung der nationalen Wählerregistrierung
(The National Voter Registration Enhancement Act)
würde die Wählerregistrierung mit der Ausgabe oder
Erneuerung des Führerscheins automatisch vornehmen. Mit dieser Art von Registrierung, die bereits in
Colorado stattfindet, würden dem Unterausschuß des
Repräsentantenhauses für Wahlen zufolge automatisch bis zu 91 Prozent der wahlberechtigten Bevölke-

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"Ich erkannte, daß nur eine Stimme über den Sitz im
höchsten Gericht des Landes für Richter Thomas
entscheidend sein könnte", stellte sie fest. "Und dann
wurde mir bewußt, daß mein Senator in der Tat meine
Stimme abgeben würde. Aber da ich mir nicht die
Mühe gemacht hatte, für oder gegen ihn zu stimmen,
hatte ich sozusagen meine eigene Stimme erstickt."
"Nun sehe ich, worum es bei der Stimmabgabe geht",
erklärte Thurman. "Im November bin ich im Wahllokal."

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*

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