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U.S. Information Service
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37

16. September 1992

WIRTSCHAFT

BUSH MÖCHTE HANDELSABKOMMMEN
MIT OSTEUROPÄISCHEN STAATEN
Das Programm für die
Erneuerung Amerikas - Auszüge

MENSCHENRECHTE

USA: WIENER KONFERENZ MUSS SICH
AUF MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
KONZENTRIEREN
Erklärung von Botschafter Blackwell

B-WAFFEN

USA, GROSSBRITANNIEN UND RUSSLAND
ERWEITERN ZUSAMMENARBEIT BEI DER
KONTROLLE BIOLOGISCHER WAFFEN
Erklärung der USA zu Moskauer Treffen

WAHLEN '92

CLINTON UND BUSH ERLÄUTERN
IHRE WIRTSCHAFTSPROGRAMME
NBC-Interview mit den
Präsidentschaftskandidaten
DAS AMERIKANISCHE
WAHLMÄNNERGREMIUM
von Ellis Katz

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WIRTSCHAFT
16. September 1992

BUSH MÖCHTE HANDELSABKOMMEN
MIT OSTEUROPÄISCHEN STAATEN
Das Programm für die Erneuerung Amerikas - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat erklärt, er wolle sich für den Abschluß von Freihandelsabkommen
nicht nur mit den Ländern Lateinamerikas, sondern auch mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei
engagieren und darüber hinaus die Einbeziehung von asiatischen Staaten in ein umfassenderes Freihandelsnetz sondieren.
Bush erläuterte seine Wirtschaftsvorschläge am 10. September 1992 in einem Papier mit dem Titel "Programm
für die Erneuerung Amerikas". Nachfolgend veröffentlichen wir den Abschnitt des Dokuments, der den Handel
und die Weltwirtschaft betrifft.
Während des Kalten Krieges haben wir eine weltweite
Sicherheitsstruktur aufgebaut, um der Sowjetunion
und kommunistischer Aggression Einhalt zu gebieten.
Wir haben militärische Bündnisse über den Pazifik und
den Atlantik hinweg gebildet, die diese Struktur untermauerten. Im Zeitalter nach dem Kalten Krieg benötigen wir eine strategische Weltwirtschafts- und Handelspolitik, die unsere Stellung auch als Supermacht in
Wirtschaft und bei Exporten gewährleistet.
Wir befinden uns für die Verwirklichung dieses Zieles
in einer guten Position. Wir haben den größten Binnenmarkt der Welt. Dies verschafft uns Einf lu ß gegenüber anderen Ländern, die Zugang zu unserem Markt
wünschen. Die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) durch den
Kongreß wird unsere Position weiter stärken. Das
NAFTA wird einen wichtigen Markt öffnen, eine mexikanische Volkswirtschaft, deren Wachstumsaussichten seine expandierenden Industrien und seine Verbraucher rasch zu hervorragenden amerikanischen
Kunden machen wird. Ebenso wichtig ist die Tatsache, daß die Integration der amerikanischen, mexikanischen und kanadischen Fähigkeiten unsere globale
Wettbewerbsfähigkeit stärken wird, indem sie es
amerikanischen Firmen ermöglicht, Zulieferleistungen
zu geringeren Kosten zu erwerben. Damit wird es
amerikanischen Firmen erleichtert, bei Lohnniveau
und Wertschöpfung weiterhin einen Spitzenplatz einzunehmen.
Auch unsere geopolitische Position ist vorteilhaft. Die
Vereinigten Staaten sind sowohl eine pazifische als
auch eine europäische Macht; unsere politischen und
AMERIKA DIENST 37

militärischen Bindungen verknüpfen uns mit den größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften am anderen Ende beider Ozeane. Unser transpazifischer Handel übersteigt bereits den transatlantischen. Dies ist ein Grund dafür, daß wir an der
Gründung einer asiatisch-pazifischen Wirtschaftszusammenarbeit mitgewirkt haben, die unsere wirtschaftlichen Bindungen mit der Region weiter stärken wird.
Unsere direkten Nachbarn - von Mittelamerika bis
Chile - möchten Handelsbrücken zu uns errichten,
damit sie bessere Volkswirtschaften für ihre Völker
aufbauen können.
"Der Ball der Freiheit", so schrieb einst Thomas Jefferson, "ist jetzt so weit in Bewegung geraten, daß er um
den Globus rollen wird." Er hatte Recht.
Die Freiheit ist durch Osteuropa, die ehemalige Sowjetunion und Lateinamerika gerollt - und heute sind
wir am Zuge. Freie Menschen und freie Märkte
entwickeln sich Hand in Hand. Die Menschen schätzen amerikanische Werte. Die Menschen möchten
kaufen, was wir anzubieten haben. Englisch ist die
Sprache der Freiheit und der Wirtschaft.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Bindungen
werden durch die Anziehungskraft ergänzt, die von der
amerikanischen Kultur in der ganzen Welt ausgeübt
wird. Es gibt eine neue "sanfte Gewalt", die wir
anwenden können. Heute gehören Spielfilme, Musik
und Videos zu unseren Exportbestsellern.
Als wichtigstes Gründungsmitglied und stärkster Verfechter des Welthandelssystems GATT befinden wir
uns schließlich nach wie vor in einer starken Position,
Seite 1

�solange wir uns seiner bedienen, um wahrhaft offene
Märkte, einschließlich unseres eigenen, zu schaffen.
Der Schlüssel für Amerikas Wachstum, Expansion
und Innovation war stets unsere Offenheit für Handel,
Investitionen, Ideen und Menschen.
Aus diesem Grund bestehen die nächsten Schritte in
meiner strategischen Handelspolitik darin, die Zustimmung des Kongresses zum NAFTA sicherzustellen
und die Welthandelsgespräche abzuschließen - die
sogenannte Uruguay-Runde im Rahmen des GATT.
Das NAFTA wird amerikanischen Unternehmern,
Arbeitnehmern und Verbrauchern Türen öffnen. Es
wird gute Arbeitsplätze schaffen. Trotzdem erwarte
ich Anfang 1993 einen harten Kampf im Kongreß, weil
sich dort Sonderinteressen mit einem protektionistischen Ziel zusammenballen. Die Welthandelsgespräche könnten dagegen kurz vor einem Durchbruch
stehen, wenn die Vereinigten Staaten weiterhin als
starke Führungsmacht handeln. Es liegt ein Vertragsentwurf vor, der die Grundzüge eines bedeutenden
neuen GATT-Abkommens festlegt. Wenn wir im Einklang mit diesem Vertragsentwurf Einschnitte bei den
Agrarsubventionen sicherstellen - um unseren Landwirten ihren relativen Vorteil zu erhalten -, werden wir
meines Erachtens in der Lage sein, die UruguayRunde abzuschließen.
Ein verbessertes Welthandelssystem ist jedoch nur
eine Grundlage für freieren Handel, für stärkere Investitionsbindungen, für größeres weltweites Wachstum. Wir müssen die Entwicklung eines strategischen
Netzes von Freihandelsabkommen über den Pazifik
und Atlantik hinweg sowie in unserer Hemisphäre in
die Wege leiten. Dieses Netz wird in krassem Gegensatz zu den rückständigen Blöcken der wirtschaftlichen Isolierung stehen. Wenn wir wirklich eine Exportsupermacht sein wollen, können wir uns nicht nur auf
eine Region beschränken. Statt dessen beabsichtige
ich, unseren attraktiven Binnenmarkt als Grundlage
einer kraftvollen Freihandelspolitik einzusetzen, die
den wirtschaftlichen Aktionsradius Amerikas weltweit
stärken und unsere weltweite militärische Präsenz
ergänzen wird.

men eine starke Position einnehmen. Der Kongreß
wird Wankelmut und Zweideutigkeit als Schwäche
auslegen, und das nationale Interesse wird Opfer
eines politischen Kuhhandels werden, wenn der Kongreß business as usual betreibt. Dies ist ein äußerst
wichtiges Thema, das bei dieser Wahl auf dem Spiel
steht.
Mit dem neuen Verhandlungsmandat werde ich im
Rahmen meiner Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas neue Handels- und
Wirtschaftschancen in Lateinamerika anstreben. Dabei
werde ich mit Chile beginnen. Darüber hinaus möchte
ich auf den Abschluß von Freihandelsabkommen mit
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei zum Ende
meiner zweiten Amtszeit hinarbeiten. Ferner möchte
ich die Möglichkeit einer Verbindung zwischen NAFTA
und dem ASEAN-Freihandelsabkommen oder AFTA
untersuchen. Es wird nicht lange dauern, bis andere
Länder beginnen, ihr Interesse an neuen Handels- und
Wirtschaftsverbindungen mit uns auszudrücken. So
haben bereits führende Politiker in Australien und
Korea ihr Interesse bekundet, engere Wirtschaftsbeziehungen mit uns zu knüpfen.
Einige sehen neue Bedrohungen, andere sehen arte
Feinde. Ich sehe neue Märkte, neue Chancen, neue
Arbeitsplätze.
Während wir dieses Wirtschafts- und Handelsnetz für
das 21. Jahrhundert entwickeln, werde ich energisch
für die Förderung amerikanischer Handelsinteressen
kämpfen. So engagiere ich mich zum Beispiel für ein
umfangreiches Exportförderungsprogramm (EEP) um
zu gewährleisten, daß unsere Landwirte mit den subventionierten Agrarexporten der Europäischen Gemeinschaft konkurrieren können. Wir wissen aus
unserer Erfahrung mit militärischer Sicherheit, daß der
Schlüssel zu wirtschaftlicher Sicherheit auf "Frieden
durch Stärke" basieren muß - nicht einseitiger Abrüstung. Aus diesem Grund habe ich unlängst die größte
jemals durch das EEP-Programm vergebene Menge
Weizen bekanntgegeben - nahezu 30 Millionen Tonnen an 28 Käufer.

Ich werde sicherstellen, daß unsere Exlm-Bank sowie
die Entwicklungsgesellschaft OPIC mit Gruppen unserer Botschafter bei der Entwicklung von Handels- und
Investitionsmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen zusammenarbeiten. Wir haben diese Arbeit
bereits bei sechs ASEAN-Staaten aufgenommen - und
sie funktioniert. Ich werde besonders der mittelständischen Wirtschaft bei der Entwicklung von HandelsInsbesondere werde ich in der ersten Hälfte des Jah- möglichkeiten helfen. Diese Unternehmen sehen klein
res 1993 ein zusätzliches Verhandlungsmandat vom aus - aber sie betreiben großen Handel. Ich weiß dies.
Kongreß benötigen. Um die Sonderinteressen und Ich habe mein eigenes Unternehmen gegründet. Und
Protektionisten zu überwinden, werde ich ein Mandat ich habe zahlreiche kleine und mittlere Fabriken in den
des amerikanischen Volkes benötigen. Wenn Ameri- gesamten Vereinigten Staaten besucht, die zunächst
ka eine Supermacht beim Export und in der Wirtschaft überlebten und dann im Kampf mit der ausländischen
sein soll, muß der amerikanische Präsident bei den Konkurrenz floriert haben. Ich weiß, daß die AmerikaVerhandlungen über Handels- und Wirtschaftsabkom- ner es schaffen können.

Indem wiruns auf die Öffnung von Märkten konzentrieren, können wir meines Erachtens die strukturellen
Hindernisse für den Wettbewerb in Nordamerika,
Westeuropa, Japan und andernorts abbauen. Wettbewerb wird zu unternehmerischem Kapitalismus ermutigen - auf Kosten verfestigter Sonderinteressen - und
noch mehr weltweites Wachstum hervorbringen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 37

�MENSCHENRECHTE
16. September 1992

USA: WIENER KONFERENZ MUSS SICH AUF
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN
KONZENTRIEREN
Erklärung von Botschafter Blackwell
GENF - (AD) - Die für Juni 1993 in Wien geplante Weltkonferenz über Menschenrechte muß sich auf Gebiete
wie das frühere Jugoslawien konzentrieren, in denen weiterhin Menschenrechte verletzt werden.
"Heute existieren internationale Konventionen, Verträge und Protokolle, um ein breites Spektrum von Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und verbieten", erklärte Botschafter J. Kenneth Blackwell am 14. September
in Genf beim dritten Vorbereitungstreffen für die Weltkonferenz.
'Trotzdem haben wir immer noch nicht die allgemeine Wahrung der Menschenrechte erreicht, wie sie in
internationalen Maßstäben und Normen niedergelegt ist," erklärte der amerikanische Vertreter bei der UNOMenschenrechtskommission und US-Delegierte bei diesem Vorbereitungstreffen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter J. Kenneth Blackwells Erklärung bei der dritten Sitzung des
Vorbereitungsausschusses für die Weltkonferenz über Menschenrechte 1993 im Wortlaut.
Leistung im Bereich der Menschenrechte in diesem
Jahrhundert darstellt. Die Weltkonferenz über Menvor 45 Jahren beschlossen die eben erst gegründeten schenrechte wird diese Allgemeingültigkeit würdigen,
Vereinten Nationen die Menschenrechtskommission da sich Menschen mit völlig verschiedenen Traditioins Leben zu rufen, die sich dem Schutz und der nen und Kulturen nächsten Juni versammeln werden,
Förderung der Menschenrechte und Grundfreiheiten um die gemeinsame Überzeugung zu bekräftigen, wie
widmen sollte. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sie in den Worten der Allgemeinen Deklaration der
waren den Mitgliedern dieser neuen Kommission noch Menschenrechte in "der allen Angehörigen der menschfrisch in Erinnerung. Sie wurden geleitet von dem lichen Familie zukommenden Würde sowie ... unverWunsch sicherzustellen, daß Staaten nie wieder die äußerlichen Rechte" zum Ausdruck kommt.
jedem Mitglied der Weltbevölkerung zustehende grundsätzliche Achtung verweigern könnten. Die Kommis- Heute können wir auf 1948 als das Jahr zurückblicken,
sion wurde beauftragt, eine Allgemeine Erklärung der das ein Zeitalter der Definition international gültiger
Menschenrechte zu erarbeiten, um einen internationa- Menschenrechtsmaßstäbe eingeleitet hat. Heute
len Maßstab zu schaffen, der die Verpflichtungen der existieren internationale Konventionen, Verträge und
Staaten gegenüber ihren Bürgern eindeutig definierte. Protokolle, um ein breites Spektrum von Menschenrechtsverletzungen zu erkennen und verbieten. Dies
Die Mitglieder der Kommission kamen aus unterschied- war ein ehrenwertes Vorhaben, und ich bin besonders
lichen geographischen, kulturellen und ideologischen erfreut darüber, daß die Vereinigten Staaten dieses
Kreisen, und es war nicht leicht, eine gemeinsame Jahr bereits die internationale Konvention über bürgerDefinition der Grundrechte des Menschen zu finden. liche und politische Rechte ratifiziert haben. Die StaaLetztlich haben sie ihre Aufgabe jedoch erfüllt. Sie ten haben öffentlich ihre Verpflichtung erklärt, die
legten ein Dokument vor, das im Jahr 1948 ohne Unterdrückung ihrer Bürger einzustellen. VertragsgreGegenstimme von der UN-Generalversammlung ver- mien wurden gegründet, um die Einhaltung dieser
abschiedet wurde, ein Dokument, das sich selbst als Normen durch die Staaten zu überwachen. Eine
"das von allen Völkern und allen Nationen zu erstre- internationale Menschenrechtsstruktur wurde in den
bende gemeinsame Ideal" bezeichnet. Es ist dieser Vereinten Nationen, der KSZE, der interamerikaniBegriff der Allgemeingültigkeit, der uns alle als Men- schen Menschenrechtskommission und andernorts
schen miteinanderverbindet und der die dauerhafteste verankert.
Herr Vorsitzender,

AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�Trotzdem haben wir immer noch nicht die allgemeine
Wahrung der Menschenrechte erreicht, wie sie in
internationalen Maßstäben und Normen niedergelegt
ist. Betrachten Sie die in diesem Augenblick im
ehemaligen Jugoslawien begangenen Schreckenstaten, wie ich sie persönlich erlebt habe. Betrachten Sie
die grausamen Verletzungen, die von den Sonderberichterstattern der Menschenrechtskommission berichtet wurden. Keine Region ist vor diesen Problemen
gefeit.
Die Hartnäckigkeit dieser und anderer Angriffe auf die
Menschenwürde zeigt uns, daß wir trotz der Verabschiedung so vieler internationaler Normen und Maßstäbe noch nicht so weit gekommen sind, wie die
Gründer der UNO gehofft hatten. Niemand kann
meines Erachtens leugnen, daß wir heute nicht mit
einem Mangel an Maßstäben und Normen im Bereich
Menschenrechte konfrontiert sind, sondern mit der
Notwendigkeit, größere Anstrengungen zu deren
Verwirklichung zu unternehmen. Die Zeit ist reif, um
unsere Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Dieser
Gedanke wurde bereits bei früheren Vorbereitungskonferenzen erörtert und kommt in der Resolution 41/
120 der UN-Generalversammlung zum Ausdruck, in
der die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert wird, "der Verwirklichung bestehender internationaler Normen im Bereich Menschenrechte Vorrang
einzuräumen". Niemand sollte daran zweifeln, daß die
Vereinigten Staaten einer Weltkonferenz, die Träume
zur Wirklichkeit werden läßt, alle mögliche Unterstützung gewähren werden. Wir sollten in der Lage sein,
eines Tages auf diese Konferenz als Wendepunkt
zurückzublicken, der den Übergang von der Definition
von Normen zu deren Einhaltung markiert.
In den letzten Jahren haben sich auf der ganzen Welt
dramatische Veränderungen vollzogen. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch. Mit dem Ende des
Kalten Krieges verschwundene ideologische Spaltungen wurden jedoch tragischerweise durch einen steilen Anstieg bewaffneter Konflikte und von Menschenrechtsverletzungen abgelöst, die durch ethnische,
rassische und religiöse Intoleranz verursacht werden.
Dieses Phänomen stellt eine wichtige Herausforderung für die internationale Staatengemeinschaft dar.
Wir müssen dies im Gedächtnis behalten, während wir
die Weltkonferenz vorbereiten. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der KSZE-Delegation, die kürzlich das
ehemalige Jugoslawien besuchte, wurde ich Zeuge
schrecklicher Barbarei, die im Namen "ethnischer
Säuberung" verübt wird. Gefangene, die meisten
davon Nichtkombattanten, werden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten - einige werden sogar
in ehemaligen Viehställen eingesperrt. Diese unglücklichen Menschen werden illegal interniert und auf das
äußerste terrorisiert, sie werden unzureichend ernährt,

Seite 2

häufig physisch mißhandelt und von ihren Familien
getrennt. Solches Elend läßt sich nicht rechtfertigen.
Die internationale Staatengemeinschaft muß zusammenarbeiten, um die Intoleranz zu beseitigen, die
Ursache solcher Menschenrechtsverletzungen ist.
Ein anderer Weg für das weitere Vorgehen besteht
darin, sich auf eine besonders ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte zu konzentrieren, die nach
unserer Aufmerksamkeit schreit. Ich habe bereits bei
anderen Gelegenheiten vorgeschlagen, daß sich die
Konferenz auf die Abschaffung der Folter bis zum Jahr
2000 konzentrieren sollte. Obwohl die Folter durch
nationale Gesetze und internationale Verträge verboten ist, bleibt sie in zahlreichen Ländern auf der ganzen
Welt bestehen. Die Kluft zwischen der Verwirklichung
von Menschenrechtsnormen de jure und de facto wird
von dieser schrecklichen Inkonsequenz schlaglichtartig beleuchtet. Die Arbeit für die Abschaffung der
Folter bis zum Ende dieses Jahrhunderts würde unser
gemeinsames Engagement unterstreichen, Fortschritte bei der Verwirklichung der bereits bestehenden
Normen zu erzielen.
Es ist Aufgabe aller Teilnehmer an dieser dritten
Sitzung des Vorbereitungsausschusses, eine Übereinkunft zu einer Tagesordnung zu erzielen, die die
Verwirklichung der bestehenden Normen betont. Die
Tagesordnung sollte die Grundlage für eine sinnvolle
Weltkonferenz legen, anstatt für eine Übung in bloßer
Rhetorik. Die von uns verabschiedete Tagesordnung
muß die Weltkonferenz in die Lage versetzen, ihren
wichtigen Auftrag zu erfüllen: die allgemeine Wahrung
und Respektierung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu erlangen.
Jede von uns erarbeitete Tagesordnung muß sich auf
die Praxis und nicht auf Hypothesen konzentrieren.
Sie muß sich den Arten von bürgerlichen und politischen Rechten widmen, die heute auf solch unerhörte
Weise im ehemaligen Jugoslawien mißachtet werden.
Sie muß die Verbindung zwischen Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung anerkennen und der
Tatsache Rechnung tragen, daß die Freiheit des einzelnen unverzichtbar für wirtschaftliche Entwicklung
ist. Sie mu ß der Weltkonferenz über Menschenrechte
erlauben, es gewohnheitsmäßigen, ungeheuerlichen
Menschenrechtsverletzem zweifelsfrei zu verdeutlichen, daß die internationale Staatengemeinschaft
Verletzungen von Grundfreiheiten wie der Freiheit von
Folter oder Furcht vor Folter, der Freiheit von "ethnischer Säuberung" oder Freiheit von willkürlicher Verhaftung und Internierung nicht hinnehmen kann.
Wir fordern alle hier Versammelten auf, in diesem
Geist zu arbeiten, wenn wir unsere Vorbereitungen für
die Weltkonferenz über Menschenrechte fortsetzen.

AMERIKA DIENST 37

�B-WAFFEN
16. September 1992

USA, GROSSBRITANNIEN UND RUSSLAND
ERWEITERN ZUSAMMENARBEIT
BEI DER KONTROLLE BIOLOGISCHER WAFFEN
Erklärung der USA zu Moskauer Treffen
MOSKAU - (AD) - Die Vereingten Staaten, Großbritannien und Rußland haben "ihre Verpflichtung zur
vollständigen Einhaltung" der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 bekräftigt und vereinbart,
daß biologische Waffen "bei ihren Streitkräften unerwünscht sind", stellte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, in einer am 14. September 1992 veröffentlichten Erklärung fest.
Vom 10. bis 11. September 1992 kamen in Moskau hochrangige Vertreter aus den drei Nationen zusammen,
um Fragen im Hinblick auf die Konvention zu erörtern.
Bouchers Erklärung verwies auf die Ankündigung der russischen Regierung über die Einstellung ihrer offensiven
Forschung zu biologischen Waffen, Abbau der experimentellen technologischen Produktionsstätten sowie
Schließung ihrer Einrichtungen zur Erprobung biologischer Waffen. Rußland erklärte femer, es habe das derzeit
mit militärisch-biologischen Programmen beschäftigte Personal um die Hälfte reduziert, die Forschungsfinanzierung um 30 Prozent gekürzt und weitere entsprechende Schritte unternommen.
Boucher zufolge haben die drei Regierungen die Gründung von Arbeitsgruppen vereinbart, um eine Reihe von
Fragen anzusprechen, darunter Besichtigungen von militärisch-biologischen Einrichtungen "auf gegenseitiger
Basis", die "ungehinderten Zugang, Sammlung von Proben, Gespräche mit den Beschäftigten sowie Audio- und
Videoaufzeichnungen" beinhalten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Sprechers des US-Außenministeriums im Wortlaut.
Hochrangige Vertreter der Regierungen der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreichs und der
Russischen Föderation kamen am 10. und 11. September 1992 in Moskau zusammen, um Fragen im
Hinblick auf die Einhaltung der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 zu erörtern. Die
amerikanische Delegation wurde von Staatssekretär
Frank G. Wisner, die britische Delegation von Unterabteilungsleiter Paul Lever und die russische Delegation
vom Stellvertretenden Au ßenministerGhgoryBerdennikow geleitet. Hochrangige Vertreter der Verteidigungs- und Außenministerien sowie renommierte
Fachleute nahmen ebenfalls teil. Die Leiter der amerikanischen und der britischen Delegation wurden vom
russischen Außenminister Andrej Kosirew empfangen
Die drei Regierungen bekräftigten ihre Verpflichtung
zur vollständigen Einhaltung der Konvention über biologische und Toxinwaffen von 1972 und vereinbarten,
daß biologische Waffen bei ihren Streitkräften unerwünscht sind.
AMERIKA DIENST 37

Bei diesen Sitzungen erklärte die russische Regierung, sie habe folgende Schritte zur Lösung der Fragen im Hinblick auf die Einhaltung unternommen:
A

-

B

-

Festgestellt, daß Präsident Jelzin am 11. April
herausgegeben hat, das die Erfüllun
9 internationaler Verpflichtungen im Bereich
der
biologischen Waffen sicherstellt. Damit wird
die
rechtmäßige Nachfolge der Russischen
Föderation bei den Verpflichtungen der Konventlon
bekräftigt und festgestellt, daß die EntWicklung und Durchfuhrung von biologischen
Programmen in Verletzung der Konvention ille9 al ,st- l m Einklang mit dem Dekret wurde der
Präsidialausschuß für Probleme im Zusammenhang mit chemischen und biologischen Waffen
mit der Aufsicht über die Durchführung der
Konvention von 1972 in der Russischen Föderation beauftragt,
e,n Dekret

Die

Einstellung der offensiven Forschung, der
Abbau der experimentellen technologischen ProSeite 1

�duktionsstätten für die Herstellung biologischer
Wirkstoffe sowie die Schließung der Einrichtungen zur Erprobung biologischer Waffen bestätigt.
C.

Das derzeit mit militärisch-biologischen Programmen beschäftigte Personal um die Hälfte
reduziert.

D.

Die Forschungsfinanzierung um 30 Prozent
gekürzt.

E.

Die für das offensive biologische Programm
zuständige Abteilung des Verteidigungsministeriums aufgelöst und eine neue Abteilung für
radiologische, biologische und chemische Verteidigung gegründet.

C.

Die Bereitstellung weiterer erhellender Informationen wie in Formular F der UNO-Deklaration
vorgesehen.

D.

Renommierte unabhängige Wissenschaftler
werden zur Teilnahme an der Untersuchung von
Fällen im Hinblick auf die Einhaltung der Konvention über biologische Waffen eingeladen.

Darüber hinaus haben die drei Regierungen die Gründung von Arbeitsgruppen mit Experten vereinbart, um
eine Reihe von Fragen anzusprechen, darunter die
folgenden:
A.

Besichtigungen aller militärisch-biologischen
Einrichtungen auf gegenseitiger Basis, um Mißverständnisse auszuräumen, vorbehaltlich der
erforderlichen Wahrung vertraulicher Informationen auf der Grundlage vereinbarter Prinzipien. Solche Besichtigungen beinhalten den
ungehinderten Zugang, Sammlung von Proben,
Gespräche mit den Beschäftigten sowie Audiound Videoaufzeichnungen.

B.

Die Prüfung möglicher Maßnahmen zur Beobachtung der Einhaltung der Konvention über
biologische Waffen und zur Erweiterung des
Vertrauens in diese Einhaltung.

C.

Die Prüfung potentieller Modalitäten für die
Erprobung solcher Maßnahmen.

D.

Das russische Parlament hat dem Präsidenten
der Russischen Föderation empfohlen, Gesetze
zur Durchsetzung der Verpflichtungen Rußlands
gemäß der Konvention von 1972 vorzuschlagen.

Die Prüfung der Infrastruktur biologischer Einrichtungen in den drei Ländern zur gemeinsamen Feststellung, wo spezifisches Gerät oder
überzählige Kapazitäten existieren, die nicht mit
ihrem erklärten Ziel in Einklang stehen.

E.

Erwägung der Zusammenarbeit bei der Entwicklung biologischer Verteidigungssysteme.

Infolge dieses Austausches hat Rußland folgenden
Schritten zugestimmt:

F.

Sondierung von Wegen zur Förderung von
Zusammenarbeit und Investitionen in die Konversion von Einrichtungen zur Herstellung biologischer Waffen, einschließlich Besichtigung
bereits umgerüsteter Anlagen.

F.

Die Deklaration gemäß der bei der Dritten Folgekonferenz der Konvention im Jahr 1991 vereinbarten vertrauensbildenden Maßnahmen an
die Vereinten Nationen weitergeleitet.

G.

Präsident Jelzin hat als Reaktion auf von den
Vereinigten Staaten und Großbritannien vorgebrachte Bedenken die Überprüfung von Aktivitäten am Institut für ultrareine biologische Vorbeitungen in St. Petersburg angeordnet. Amerikanische und britische sowie Experten aus
anderen Ländern sind zur Teilnahme an der
Ermittlung eingeladen, einschließlich einer unverzüglichen Besichtigung der Einrichtung und
der Veröffentlichung des Berichts.

H.

A.

B.

Jederzeitige Besichtigungen aller nichtmilitärischen biologischen Einrichtungen zur Ausräumung von Mißverständnissen, vorbehaltlich der
erforderlichen Wahrung von gesetzlich geschützten Informationen auf der Grundlage vereinbar- G.
ter Prinzipien. Solche Besichtigungen beinhalten ungehinderten Zugang, Entnahme von
Proben, Gespräche mit den Beschäftigten sowie
Audio- und Videoaufzeichnungen. Nach ersten
Besuchen russischer Einrichtungen finden unH.
ter den gleichen Voraussetzungen vergleichbare Besichtigungen amerikanischer und britischer
Einrichtungen statt.
Auf Anfrage die Bereitstellung von Informationen über den bis heute vorgenommenen Abbau.

Die Vorlage regelmäßiger Berichte an ihre
gesetzgebenden Körperschaften und die Öffentlichkeit, die biologische Forschung und Entwicklungsaktivitäten beschreiben.

I.

* * * *

Seite 2

Erwägung eines Informationsaustauschs auf
vertraulicher, gegenseitiger Basis im Hinblick
auf bisherige offensive Programme, die in den
Erklärungen an die Vereinten Nationen nicht im
Detail enthalten sind.

Die Ermutigung zum Wissenschaftleraustausch
in biologischen Einrichtungen auf langfristiger
Basis.
*

AMERIKA DIENST 37

�WAHLEN

'92
16. September 1992

CLINTON UND BUSH ERLÄUTERN
IHRE WIRTSCHAFTSPROGRAMME
NBC-Interview mit den Präsidentschaftskandidaten
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidentschaftskandidaten von Demokraten und Republikanern, Bill Clinton und
George Bush, wurden am 6. September vom Moderatorder NBC News, Tom Brokaw, im Fernsehen interviewed.
Die nachfolgenden Auszüge dokumentieren die Aussagen der Kandidaten zu der von ihnen im Falle eines
Wahlsieges angestrebten Wirtschaftspolitik. Der Abdruck ist mit folgendem Zusatz gestattet: Aus NBC's THE
BROKAW REPORT, 58 DAYS, Copyright (c) 1992 National Broadcasting Company, Inc. Alle Rechte
vorbehalten.
Frage: Die Wirtschaft in diesem Land ist in schlechterer Verfassung als wir dachten, wenn man die Zahlen
der letzten Woche berücksichtigt. Die meisten Fachleute, die Ihren Plan geprüft haben, sind der Meinung,
daß Siedie Aussichten für Wirtschaftswachstum überund die Kosten Ihrer staatlichen Programme wahrscheinlich unterschätzt haben. Was muß angesichts
der Wirtschaftslage in Amerika geschehen: Müssen
wir ein höheres Defizit in Kauf nehmen? Oder werden
Sie in der Lage sein, die Steuern zu erhöhen?

Deutschen Mark. Die Wirtschaftsexperten halten also
wesentlich mehr von meinem Plan als von seinem.
Sie können das Defizit nicht in den Griff bekommen,
wenn Sie nicht gleichzeitig die Tatsache berücksichtigen, daß die Investitionen in Amerika zurückgegangen
sind. Man muß also die Investitionen ankurbeln und
gleichzeitig das Defizit reduzieren. Dies wird viel
Disziplin erfordern. Aber es ist zu schaffen.

Frage: Aber, Herr Gouverneur, die Wirtschaft ist
Clinton: Ich habe Steuererhöhungen für die oberen 2 heute in schlechterer Verfassung als wir noch vor zwei
Prozent der amerikanischen Bevölkerung befürwortet, Wochen dachten. Und jeder Volkswirt, der sich damit
deren Steuerbelastung in den achtziger Jahrengesun- befaßt, wird erklären, daß aufgrund der jetzt vorliegenken ist während ihr Einkommen stieg. Insgesamt den Daten die Steuereinnahmen im nächsten Jahr
werden die Auswirkungen der Steuererhöhungen je- sinken werden. Das paßt doch nicht zusammen.
doch wesentlich unter den von Präsident Bush verabschiedeten Steuererhöhungen liegen, weil meines Clinton: Wenn Sie mich fragen würden, wo meine
Erachtens auch Steuergutschriften für Investitionen in Prioritäten liegen, so wäre die erste Aufgabe, ein
neue Fabriken und Ausrüstung sowie Steueranreize Programm zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verfür Investitionen in neue Unternehmen gewährt wer- abschieden. Anreize für Beschäftigungswachstum in
den müssen. Darüber hinaus benötigen meines Er- der Wirtschaft - indem wir das Geld im Privatsektor
achtens die Angehörigen der Mittelschicht, besonders nutzen, mehr davon investieren und weniger konsudiejenigen, die Kinder aufziehen, eine Entlastung von mieren. Zweitens bedeutet dies, einen rigorosen Plan
den enormen Steuererhöhungen, die sie bereits ertra- zur Kontrolle der Kosten im Gesundheitswesen vorzulegen. Solange es keinen Plan zur Kostendämpfung
gen mußten.
im Gesundheitswesen gibt, können weder das Defizit
Sie sagen, den meisten Wirtschaftsexperten zufolge abgebaut noch die Gelder freigesetzt werden, die wir
seien meine Schätzungen zu rosig. Bei der Zusam- für Investitionen in unsere Zukunft benötigen. Investimenstellung meines Planes habe ich die bescheide- tionen sind jedoch der Schlüssel zum Wachstum. Es
nen Wachstumsschätzungen von Bush benutzt, und sind die unzureichende Investitionstätigkeit der veracht Träger des Nobelpreises für Wirtschaft haben gangenen 12 Jahre und der übermäßige Konsum - die
meinen Plan gutgeheißen. Dagegen brachen nach der Tatsache, daß wir eine Wirtschaftspolitik mit SickerefBush-Rede in Houston die Aktienkurse ein, und der fekt und keine Kontrolle der Kosten im GesundheitsDollar erlebte dramatische Einbußen gegenüber der wesen hatten -, die uns in das heutige Dilemma geführt
AMERIKA DIENST 37

Seite 1

�haben. Und es ist ein schreckliches Dilemma. Ich
gebe nicht vor, daß sich dies leicht oder schnell ändern
läßt. Aus diesem Grund habe ich auch niemals behauptet, wir könnten den Haushalt in vier Jahren
ausgleichen. Meines Erachtens wird dies länger dauern.
Wir können das Defizit in den nächsten Jahren aber
halbieren, wenn wir wirklich diszipliniert sind.
Frage: Herr Gouverneur, mit dem Eintritt zusätzlicher
College-Absolventen in den Arbeitsmarkt und weiteren Entlassungen von Angestellten in Amerika wird der
Wettbewerb um die verbleibenden Arbeitsplätze in den
kommenden 18 Monaten noch härter werden. Werden
Sie die Programme zur Gleichstellung von Minderheiten stärken und mehr für den Schutz der Minderheiten
tun müssen, die dabei das Nachsehen haben werden?
Clinton: Meines Erachtens müssen die bestehenden
Gleichstellungsprogramme durchgesetzt werden. Die
eigentliche Antwort auf Ihre Frage lautet jedoch, mehr
Arbeitsplätze für Angestellte, mehr gut bezahlte Arbeitsplätze und eine Wirtschaft mit starkem Wachstum
zu schaffen. Davon kann vieles im nächsten Jahr
verwirklicht werden. Zum Beispiel haben wir in der
Vergangenheit die Einsparungen im Verteidigungshaushalt verwendet, um sie für die steigenden Kosten
im Gesundheitswesen und die Sanierung von Sparbanken auszugeben. Wir schlagen vor, daß die unabhängig vom Ausgang der Wahl bevorstehenden Einsparungen im Verteidigungshaushalt eingesetzt werden, um in amerikanische Arbeitsplätze, in das Verkehrswesen, den Kommunikationsbereich sowie die
neuen Technologien des 21. Jahrhunderts zu investieren - und gleichzeitig eine sehr starke nationale Verteidigung aufrechtzuerhalten. Und wir werden in dieser
Übergangsphase bei der Verteidigung Arbeitsplätze
schaffen anstatt Millionen zu verlieren, wie es in den
vergangenen dreieinhalb Jahren geschehen ist.
Frage: Sie sagen also, daß es aufgrund der heute
vorliegenden Wirtschaftsdaten und ihrer eigenen Berechnungen im Hinblick auf Ihren Wirtschaftsplan nicht
nötig sein wird, die Steuern über das von Ihnen erwähnte Maß hinaus anzuheben und wir es schaffen
können, das Defizit unter den von Ihnen vorgeschlagenen Bedingungen zu reduzieren?
Clinton: Ich sage, daß dies meinem heutigen Kenntnisstand am besten entspricht, daß acht Nobelpreisträger für Wirtschaft meinen Wirtschaftsplan gutgeheißen haben, aufgrund der vorliegenden Daten alles
darauf hindeutet, daß wir das Defizit abbauen sowie
Investitionen und Wachstum ankurbeln und Millionen
von Arbeitsplätzen in diesem Land schaffen können,
wenn wir einer Wirtschaftspolitik mit Sickereffeki eine
Absage erteilen, nicht zur alten Steuern- und Ausgabenpolitik zurückkehren, sondern eine Politik betreiben, die Investitionen, Bildung und Ausbildung fördert.
Frage: Herr Gouverneur, vor drei Wochen erklärten
Sie mir, Sie hätten den Text des Nordamerikanischen
Seite 2

Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten
Staaten, Kanada und Mexiko noch nicht gelesen, das
unbestreitbar eines der wichtigsten Wirtschaftsabkommen der Nachkriegszeit ist. Sind Sie dafür oder
dagegen?
Clinton: Im Prinzip bin ich dafür. Die erste Hälfte des
Abkommens wurde, wie Sie wissen, endlich veröffentlicht. Sie wird von uns zur Zeit analysiert. Ich möchte
den gesamten Text sehen. Ich wurde nie gefragt - und
auch niemand sonst wurde anfänglich um mehr gebeten, als zu sagen, im Prinzip möchten wir dies, und der
Präsident sollte die Fast-track-Vollmacht haben. Ich
habe das mit Begeisterung unterstützt. Das habe ich
auch bei den demokratischen Vorwahlen getan, obwohl es nicht sonderlich populär war. Meines Erachtens ist es falsch, mich oder irgend jemand sonst
aufzufordern, diesen Vertrag zu unterstützen, solange
wir nicht die Möglichkeit haben, ihn zu prüfen. Wir
müssen wissen, ob die dem amerikanischen Volk
gemachten Versprechungen im Hinblick auf Arbeitsgesetze, Umweltschutz und Umschulung amerikanischer Arbeitnehmer eingehalten werden.
Sollten wir überhaupt ein neues Handelsabkommen
mit Mexiko haben? Sicherlich sollten wir das. Es wird
beiden Ländern zugute kommen. Wir haben ein starkes Interesse daran, daß der von Präsident Salinas
eingeleitete marktwirtschaftliche Prozeß anhält. Und
deshalb bin ich ein starker Befürworter eines Handelsabkommens.
Frage: Gouverneur Clinton, selbst Ihre Freunde haben
angedeutet, daß Ihr Programm im Hinblick auf die
Außenpolitik und militärische Angelegenheiten ziemlich lückenhaft ist. Warum blicken Sie nicht den
Amerikanern in die Augen und sagen Ihnen, wen Sie
sich als Verteidigungs- und Außenminister vorstellen?
Clinton: Nun, meines Erachtens habe ich bei der
Außen- und Verteidigungspolitik gute Arbeit geleistet.
Ich habe einige der verläßlichsten Politiker dieses
Landes konsultiert, die von den drei außenpolitischen
Reden begeistert waren, die ich gehalten habe. Ich
habe Positionen in der Außenpolitik vertreten, die
später von dieser Administration übernommen oder
von ihr unterstützt wurden. Ich habe mit Senator Nunn
und den Kongreßabgeordneten Aspin und Lee Hamilton sowie zahlreichen anderen renommierten Persönlichkeiten gesprochen. Wie Sie wissen, haben viele
demokratische Anhänger von Reagan, die Reagan
und Bush unterstützt hatten, zur Eröffnung des Republikanischen Parteikonvents eine große Anzeige in der
New York Times veröffentlicht, in der sie ihre Unterstützung für mich wegen meiner Außenpolitik und
meiner Einstellung zur nationalen Verteidigung bekundeten.
Meiner Ansicht nach sollte ich nicht sagen, für wen ich
mich als Verteidigungsminister entscheide. Ich finde,
ich sollte das so handhaben, wie die VizepräsidentAMERIKA DIENST 37

�schaft: Ich spiele nicht mit Namen und ich spiele nicht
mit den Gefühlen der Menschen. Ich habe mich für die
Besten entschieden, die ich für das jeweilige Amt
finden konnte.
Frage: Herr Präsident, Sie waren in Michigan. Vor vier
Jahren betrug die Arbeitslosenquote in Michigan 7,4
Prozent, jetzt 9,0 Prozent. Um die berühmte Frage von
Ronald Reagan zu zitieren, können Sie diesen Menschen sagen, es geht ihnen besser als vor vier Jahren?

Ich muß also weiterhin für diese Veränderungen
kämpfen. Ein positiver Aspekt von Wahlen ist, daß
man seine Sache dem amerikanischen Volk vortragen
kann. Diese und andere meiner Initiativen wurden vom
Kongreß torpediert.

Frage: Herr Präsident, viele erwarten von Ihnen einen
Ausgabenboom von heute bis zum Wahltag. Erst in
der vergangenen Woche haben Sie 250 Millionen
Dollar zur Modernisierung des M-1-Panzers bewilligt,
obwohl jeder, angefangen von Verteidigungsminister
Bush: Natürlich kann niemand, der arbeitslos ist, Cheney, erklärte, dies sei nicht notwendig und wir
sagen, daß es ihm besser geht, wenn er vorher Arbeit sollten es nicht tun. Wären diese 250 Millionen nicht
hatte. Glücklicherweise haben viele Menschen Arbeit. besser zum Ausgleich unseres Defizits verwendet
Und glücklicherweise sagen viele ja, wenn sie in diesen worden?
Meinungsumfragen gefragt werden, ob es ihnen persönlich besser geht.
Bush: Ich sehe Verteidigung folgendermaßen. Wir
haben die Verteidigungsausgaben gekürzt. Und der
Aber zu jemandem, der leidet, sei es in Michigan oder Grund, warum wir die Verteidigungsausgaben kürzen
irgendeinem anderen Bundesstaat, kann ich das nicht konnten, waren unsere dramatischen Erfolge bei der
sagen. Ich würde sagen, wir haben seit langem ein Veränderung der gesamten Wert. Die Welt ist sehr viel
schleppendes, lethargisches Wirtschaftswachstum - friedlicher. Die Kinder schlafen nachts ohne Angst vor
Weltwirtschaftswachstum übrigens, wenn Sie Kana- einem Atomkrieg. All diese Veränderungen sind
da, Deutschland, Frankreich oder England betrachten. bemerkenswert und haben uns gestattet, die VerteidiEs waren schwierige Zeiten. Was wir versuchen, ist, gungsausgaben zu senken. Aber ich werde nicht den
die Konjunktur anzukurbeln und den Menschen wieder Nerv der Verteidigung treffen. Und wenn das VerteidiArbeit zu verschaffen.
gungsministerium zu mir kommt, kluge Männer wie
Frage: Herr Präsident, erst in der vergangenen Woche Colin Powell und Dick Cheney, neige ich dazu, ihren
haben wir erfahren, daß heute mehr Menschen in den Empfehlungen zu folgen. Und das ist eine gute Politik.
Vereinigten Staaten in Armut leben als zu irgendeiner
Die Opposition will jetzt die Verteidigungsausgaben
Zeit seit 1964. Und allein im Monat August gingen im
noch sehr viel drastischer kürzen und damit noch mehr
Privatsektor 167.000 Arbeitsplätze verloren - das heißt,
in der Rüstungsindustrie Beschäftigte um ihren Ares gibt dort heute weniger Arbeitsplätze als bei Ihrer
beitsplatz bringen, und ich will das nicht.
Amtsübernahme. Wenn Sie ein Privatunternehmen
leiten würden, und einer Ihrer Geschäftsführer dies Ich habe das Gefühl, daß die von mir getroffene
verschuldet hätte, würden Sie ihn nicht eher feuern als Entscheidung bezüglich der Flugzeuge in Fort Worth
ihn für weitere vier Jahre beschäftigen?
eine sehr gute war. Und ich bin zuversichtlich, daß
mein Versuch, das Agrarexport-Förderungsprogramm
Bush: Erstens glaube ich nicht an diese Statistiken.
zur Aufstockung des Verkaufs von amerikanischem
Ich bin nicht sicher, daß weniger Menschen arbeiten.
Getreide und Weizen ins Ausland ein gutes Programm
Aber das ist nicht gut genug. Ich mu ß weiterhin auf die
ist. Wir können es irgendwann einmal abschaffen,
Reformen drängen, die ich verwirklichen will.
wenn uns der erfolgreiche Abschlu ß der GATT-Runde
Sie erinnern sich vielleicht, daß ich in meinem Bericht gelingt, mit anderen Worten, wenn wir die Handelszur Lage der Nation bestimmte Initiativen zur Stimulie- hemmnisse abschaffen und die amerikanischen Farrung des Wirtschaftswachstums gefordert habe. Und mer mit allen konkurrieren können. Aber wir werden
der Hemmschuh von Kongreß hat nein gesagt. Zum sie nicht mit gefesselten Händen in den Wettbewerb
Beispiel bei Sachen wie Steuervergünstigungen für schicken.
Ersteigenheimbesitzer. Eine kleine Steuervergünstigung hätte die Baukonjunktur belebt. Jeder stimmte Frage: Herr Präsident, zwischen heute und dem
Wahltag liegt noch ein Berichterstattungszeitraum für
dem zu, nur der Kongreß legte sein Veto ein.
die Arbeitslosenstatistik. Gestern betrug die ArbeitsloEntsprechend befürworte ich einen Investitionssteuer- senquote 7,6 Prozent. Die meisten sind der AuffasFreibetrag, der Investitionen in Maschinen und Geräte sung, daß sie nur einen Zehntel Prozentpunkt gesunfür mittelständische Unternehmen attraktiv machen ken ist, weil enorm viele Menschen aufgehört haben,
würde. Ich stimme nicht mit der liberalen Haltung nach einem Arbeitsplatz zu suchen. Sie werden davon
überein, daß eine Senkung der Kapitalertragssteuer gar nicht erfaßt. Wäre es nicht besser, wenn Sie die
eine Steuervergünstigung für die Reichen ist. Meines Amerikaner ansprechen und sagen würden: Sehen
Erachtens würde dies die Schaffung vieler neuer Ar- Sie, es könnte noch sehr viel schlimmer sein, wenn wir
beitsplätze in mittelständischen Unternehmen begün- das nächste Mal so etwas durchmachen müssen?
stigen.
AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�Bush: Nein, das konnte ich in der Tat den Berichten
nicht so entnehmen. Vor zwei Monaten betrug sie 7,9
Prozent, vor einem Monat 7,7, jetzt 7,6 Prozent. Ich
glaube, es wird besser. Und ich möchte Ihnen eines
sagen. Wir stehen vor einem starken Aufschwung.
Die Zinssätze sind niedrig. Die Inflationsrate ist niedrig. Viele große und kleine Unternehmen haben abgespeckt. Uns steht ein dramatisches Wirtschaftswachstum bevor, und ich glaube, die im Investitionsgeschäft
Tätigen werden darin übereinstimmen.
Ich bin also nicht einer dieser Niedergangspropheten
im Hinblick auf die Wirtschaft. Sie war zu lange
rückläufig, aber wir konnten fünf aufeinanderfolgende
Quartale des Aufschwungs verzeichnen, so schwach
er auch gewesen sein mag. Ich bin also nicht bereit zu
sagen, alles würde drastisch schlechter.

Frage: Herr Präsident, im Verlauf dieses Wahlkampfs
wurden andere Themen angeschnitten, vor allem beim
Parteitag der Republikaner, bei dem viel von Familienwerten die Rede war.
Bush: Ja. Meines Erachtens sind Familien werte sehr
wichtig für Amerika. Wir reden von Disziplin. Wirreden
von Respekt. Wir reden von der Unterstützung der
Strafverfolgungsbeamten. Wir reden von der Reform
des Sozialwesens. Wir reden von Wahlmöglichkeiten
bei der Ausbildung. Und wir reden von der Wahl der
Kinderbetreuung. All dies zusammengenommen trägt
zur Stärkung der Familie bei.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 37

�WAHLEN '92
16. September 1992

DAS AMERIKANISCHE WAHLMANNERGREMIUM
von Ellis Katz
In dem nachstehenden Artikel untersucht der Autor die verfassungsmäßigen Wurzeln und historische Entwicklung des Wahlmännergremiums, die heutige Funktionsweise dieses Systems sowie Vorschläge zu seiner
Reform.
Ellis Katz ist Professor für Politologie sowie Mitglied des Center for the Study of Federalism an der Temple
University in Philadelphia, Pennsylvania. Er ist der Verfasser von über 50 Büchern, Monographien, Forschungsberichten und Artikeln. Sein neuestes Werk hat den Titel The American Model of Revolutionary Leadership
(mit Daniel J. Elazar) und wurde im Jahr 1991 von der University Press of America veröffentlicht.

James Wilson aus Pennsylvania kommentierte seine
Erfahrungen als Delegierter des Vertassungskonvents
von 1787 einmal folgendermaßen: "Das Thema (der
Wahl des Präsidenten) hat das Haus tief gespalten,
und es wird auch die Menschen draußen spalten. Es
ist in Wahrheit das schwierigste von allen, über die wir
zu entscheiden hatten."
Die Debatte über die Wahl des Präsidenten war so
intensiv, schrieb Max Ferrand in seinem Bericht über
den Verfassungskonvent, daß alle anderen Themen
"zur Unkenntlichkeit verblaßten im Vergleich mit dem
Problem des Konvents, eine befriedigende Methode
zur Wahl des Präsidenten zu bestimmen".
Und doch beschrieb Alexander Hamilton schon kurz
nach dem Konvent im Federalist Number 68 die
Bestimmungen der Verfassung, die die Wahl des
Präsidenten regeln, als "einziger Teil der Verfassung,
der von ihren Gegnern nicht verurteilt wird".
Im Widerspruch zu Hamilton - und über 175 Jahre
später - schrieb einer der führenden amerikanischen
Experten zum Präsidentenamt, Lewis Koenig:
Die bestehenden Regelungen für das Votum
der Wahlmänner sind seit langem das Ziel harter Kritik und unheilverkündender Warnungen.
Die Kritiker behaupten, daß das Wahlmännersystem die Grundziele der Demokratie verletzt
und seine zahlreichen Verfahrensmängel einen
Zusammenbruch sowie die Eskalation einer
Präsidentschaftswahl zu alptraumhaften Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern heraufbeschwören.

AMERIKA DIENST 37

Vielleicht haben Wilson, Ferrand, Hamilton und Koenig
alle recht. Der Konvent war in der Frage der Präsidentenwahl tief gespalten, und mehr als einmal verzweifelten die Delegierten an der Möglichkeit, ein funktionsfähiges und akzeptables System zu schaffen. Aber das
System des Wahlmännergremiums, das schließlich in
der letzten Woche des Konvents entstand, schien alle
unterschiedlichen Fraktionen zufriedenzustellen.
Hamilton hatte deshalb mit seiner Beobachtung recht,
daß diese Bestimmung nicht mehr kontrovers war.
Aber mit dem zunehmend demokratischen Charakter
der Institution des Präsidenten ergaben sich neue
Argumente im Hinblick auf dessen Wahl. Auch heute
noch dauert in den Vereinigten Staaten die Debatte
über die Vorzüge des Wahlmännersystems an.
Dieses Essay wird die Probleme der Gründerväter
beim Entwurf der amerikanischen Verfassung, die
historische Entwicklung des Wahlmännergremiums,
die Verfahrensregeln dieses Systems sowie einige
Kritikpunkte und Reformvorschläge behandeln.
Die Wahl des Präsidenten beim Verfassungskonvent
Beim Konvent sahen beide ursprünglichen Vorschläge
- der Virginia-Plan von James Madison und der NewJersey-Plan von William Paterson - vor, daß der Präsident vom Parlament gewählt werden sollte. Madison
machte sich nicht besonders für die Wahl durch das
Parlament stark und erklärte, "ich habe mir noch keine
endgültige Meinung darüber gebildet, ob der Präsident
vom Parlament oder dem ganzen Volk gewählt werden
sollte..." Der New-Jersey-Plan dagegen orientierte

Seite 1

�sich an der Vorstellung der Whigs von einem schwachen Präsidenten. Zur Unterstützung des Vorschlags
von New Jersey stellte Roger Sherman aus Connecticut fest:
... das Präsidentenamt ist nichts als eine Institution, die den Willen des Parlaments umsetzt.
Die Person oder Personen sollten nur vom
Parlament eingesetzt und diesem verantwortlich sein, denn es ist der Vertreter des obersten
Willens der Gesellschaft.

ist... Die Wahlmänner treten in ihren Staaten
zusammen und stimmen durch Stimmzettel für
zwei Personen... (Diese Stimmzettel werden
beglaubigt und an den Sitz der Regierung übersandt, wo sie vom Präsidenten des Senats
geöffnet und gezählt werden.) Derjenige, der
die größte Stimmenzahl auf sich vereinigt, soll
Präsident sein, wenn diese Zahl der Mehrheit
der Gesamtzahl der bestellten Wahlmänner
entspricht; ...und wenn niemand eine derartige
Mehrheit erreicht hat, soll das genannte Haus
aus den fünf führenden Personen auf der Liste
den Präsidenten wählen. Bei dieser Wahl des
Präsidenten wird jedoch nach Staaten abgestimmt, wobei die Vertretung jedes Staates eine
Stimme hat...

Deshalb wurde beim Konvent die Bestimmung des
Präsidenten durch das Parlament als gleichbedeutend
mit Vorstellungen der Whigs vom Primat des Parlaments betrachtet. Infolgedessen wechselte Madison
rasch die Seiten und begann, andere Methoden für die
Wahl des Präsidenten zu befürworten.
Am 15. September wurde die Verfassung einschließDer erste Vorschlag einer Wahl durch das Volk wurde lich der Bestimmung über die Präsidentenwahl vom
von Wilson aus Pennsylvania eingebracht, der be- Plenum des Konvents verabschiedet, und zwei Tage
hauptete, die Macht und Unabhängigkeit des Präsi- später vertagte sich der Konvent.
denten könne nur dann gewährleistet werden, wenn
seine Macht "dem ganzen Volk entspringt".

Angesichts der theoretischen und praktischen Debatten sowie im Hinblick auf die letztlich verabschiedete
Die theoretische Dimension der Debatte kam klar zum Sprachregelung sind mehrere Aspekte klar:
Ausdruck: Whigs, die den Primat des Parlaments 1. Der Konvent lehnte die Präsidentenwahl durch das
befürworteten, forderten weiterhin die Wahl durch das Parlament ab, weil er davon ausging, daß ein solches
Parlament, Federalists, die von der ausgewogenen System den Präsidenten zu sehr vom Parlament
Gewaltenteilung ausgingen, befürworteten irgendeine abhängig machen würde - eine Verletzung des PrinMethode zur Wahl durch das Volk.
zips der Gewaltenteilung.
Die theoretische Debatte wurde jedoch durch praktische politische Erwägungen noch komplizierter. Die
kleinen Bundesstaaten lehnten die Direktwahl des
Präsidenten ab, weil sie befürchteten, eine solche
Wahl werde von den größeren Bundesstaaten dominiert, wenn nicht sogar kontrolliert. Selbst nachdem
die Delegierten von der Notwendigkeit eines starken
und unabhängigen Präsidenten überzeugt waren,
mußten sie deshalb ein Wahlsystem erarbeiten, das
die Befürchtungen der kleineren Staaten mildern und
gleichzeitig garantieren würde, daß die Autorität des
Präsidenten "dem ganzen Volk entspringt".

2. Der Konvent lehnte ferner die Einführung eines
permanenten Wahlmännergremiums ab, um in Hamiltons Worten "Kabalen, Intrigen und Korruption" zu
vermeiden.

Dies war keine leichte Aufgabe. Mindestens sieben
verschiedene Vorschläge für die Wahl des Präsidenten wurden beim Konvent diskutiert, und die jeweiligen
Abstimmungsergebnisse wurden von nachfolgenden
Abstimmungen wieder zunichte gemacht. Schließlich
wurde beschlossen, die Angelegenheit einem von
Gouverneur Morris aus Pennsylvania geleiteten
"Committeebn Style" zu überlassen. Der am 8. September 1787 vorgelegte und umgehend vom Plenum
des Konvents verabschiedete Vorschlag dieses Ausschusses sah folgendes vor:

4. Die Direktwahl durch das Volk wurde niemals ernsthaft in Erwägung gezogen, und das offenkundig aus
zwei Gründen. Erstens hätte eine Direktwahl nicht die
Macht der kleinen Staaten geschützt, und zweitens
war dieses Verfahren im Amerika des 18. Jahrhunderts praktisch undurchführbar. Obwohl wichtige
Delegierte beim Konvent wie Wilson, Morris und selbst
Madison die Direktwahl durch das Volk befürwortet zu
haben scheinen, wurde sie wegen der Undurchführbarkeit abgelehnt.

Jeder Einzelstaat bestimmt in der von seiner
gesetzgebenden Körperschaft vorgeschriebenen Weise eine Anzahl von Wahlmännern, die
der Gesamtzahl der dem Staat im Kongreß
zustehenden Senatoren und Abgeordneten gleich
Seite 2

3. Die Besorgnis der kleinen Staaten wurde gemildert,
da die Delegierten der festen Überzeugung waren,
daß das Wahlmännersystem seiner Konzeption nach
nur selten einen Präsidenten hervorbringen werde:
daß die Wahl letztlich dem Repräsentantenhaus zufallen würde, in dem die Macht der kleinen Staaten
gewährleistet war, da dort jeder Staat eine Stimme hat.

Die Entwicklung des Wahlmännergremiums
Die Verfassung gestattet es jedem Bundesstaat, seine
Wahlmänner "in der von seiner gesetzgebenden Körperschaft vorgeschriebenen Weise" zu bestimmen.
Bei den ersten drei Präsidentschaftswahlen wurden
AMERIKA DIENST 37

�die Wahlmänner hauptsächlich durch die Parlamente
der Bundesstaaten bestimmt. Danach setzte sich
schrittweise die Wahl durch das Volk durch, und seit
dem Jahr 1832 wurden die Wahlmänner in allen Bundesstaaten vom Volk gewählt - außer in South Carolina, das bis 1864 an der Wahl durch das Parlament
festhielt.
Zunächst wurde die Wahl durch das Volk vorwiegend
innerhalb von Parlamentsbezirken durchgeführt, und
diese Methode wurde anscheinend auch von vielen
Gründervätern bevorzugt. Infolgedessen waren die
Wahlmännerstimmen eines Bundesstaates häufig
zwischen zwei oder mehr Präsidentschaftskandidaten
aufgesplittet. Mit dem Aufstieg der politischen Parteien begannen die Staaten jedoch das "Alles-oderNichts"-Prinzip ("winner-take-all") anzuwenden, um
die Wahlmänner zu bestimmen. Diesem System
zufolge erhält die Partei, die in einem Bundesstaat die
Mehrheit - mag diese noch so klein sein - erringt, alle
Wahlmännerstimmen dieses Bundesstaats, während
die Minderheitspartei oder -parteien leer ausgehen.
Seit 1836 wird dieses System von allen Bundesstaaten
benutzt (mit Ausnahme einer vorübergehenden Abweichung in Michigan in den neunziger Jahren des 19.
Jahrhunderts).

Das moderne Wahlkollegium
Die Verfassung legt fest, daß jeder Staat "eine der
Gesamtzahl von Senatoren und Abgeordneten entsprechende Zahl von Wahlmänner haben soll, die dem
Bundesstaat im Kongreß zustehen." (Die Verfügung
wurde 1961 leicht geändert, um die Wahlmänner für
den District of Columbia zu berücksichtigen). Aufgrund dessen hat Pennsylvania 25 Wahlmänner, weil
es zwei Senatoren und 23 Abgeordnete hat. Der
bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien hat 47
Wahlmänner, während die kleinsten Staaten nur drei
haben.

Kurz nachdem die führenden politischen Parteien ihre
Kandidaten für die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft nominiert haben (für gewöhnlich bei einem
nationalen Parteikonvent), erstellt jede politische Partei auf Bundesstaatenebene eine provisorische Kandidatenliste für die Wahlmänner, die sich zur Unterstützung der Kandidaten der Partei verpflichten. Im Jahr
1988 wählte die Republikanische Partei in Pennsylvania beispielsweise 25 dem Bush-Quayle-Team verpflichtete Wahlmänner, die Demokratische Partei 25
Dukakis und Bentsen verpflichtete, und die zahlreichen kleinen Parteien in Pennsylvania entschieden
sich für Listen von Wahlmännem, die sich den KandiDie politischen Parteien spielten bei der ersten Präsi- daten ihrer Parteien verpflichtet hatten. Die Position
dentschaftswahl im Jahr 1788 keine Rolle - jeder eines Wahlmannes ist eher ehrenamtlich, und für die
Wahlmann stimmte für George Washington, was die provisorische Liste der Wahlmänner aufgestellt zu
Stimmung im Volk widerspiegelte. Geteilte Meinun- werden, ist häufig eine Belohnung für bisherige Vergen zwischen der Führungselite und der Wählerschaft dienste in der Partei.
über den Nachfolger Washingtons führten 1796 zu
einer umstrittenen Wahl. Obwohl John Adams Tho- Wenn die amerikanischen Wähler alle vier Jahre im
mas Jefferson in dieser Wahl besiegte, arbeiteten November in die Wahllokale gehen, sind sich viele der
Jefferson und seine Anhänger an der Organisierung Tatsache nicht bewußt, daß sie in Wirklichkeit eine
der Wähler. Bei der Wahl im Jahr 1800 besiegte provisorische Liste von Wahlmännern wählen statt
Jefferson Adams ohne Mühe und verdammte die direkt den Präsidenten und Vizepräsidenten. Tatsächlich sind für gewöhnlich nur die Namen der einzelnen
Föderalistische Partei in die Geschichtsbücher.
Präsidentschafts- und VizepräsidentschaftskandidaDas politische Parteiensystem hat das Wahlmänner- ten auf dem Stimmzettel aufgeführt. Nachdem die
system auf mindestens drei Arten beeinflußt. Erstens Wahl vorüber ist, wissen alle Amerikaner, wer ihr
ebnete es den Weg für das dem Wahlsieger die nächster Präsident und Vizepräsident sein wird. Die
Hauptmasse der Sitze zuerkennende System bei der Verfassung fordert jedoch einen weiteren Schritt, bevor
Wahl der Wahlmänner. Zweitens, weil die Wahlmän- die Wahl offiziell ist.
ner zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten
oder einer Partei verpflichet wurden, dienten sie nur Den Gesetzen der Bundesstaaten zufolge ist die Liste
dazu, die Stimmung der Wählerschaft ihres Bundes- der provisorischen Wahlmänner gewählt, die die Mehrheit
staates widerzuspiegeln, und die Vergabe ihre Stim- der Stimmen auf sich vereinigt. Es besteht nicht die
men lag daher in ihrem Ermessen. Und schließlich Bedingung, daß die Wahlmänner die Mehrheit der
macht das Parteiensystem zusammen mit dem Zwei- abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, also kein
parteiencharakter des Präsidentschaftswahlkampfs die System der Stichwahl. Noch wichtiger ist, daß die
Möglichkeit der Wahl durch das Repräsentantenhaus gesamte provisorische Liste der Wahlmänner gewählt
höchst unwahrscheinlich. Tatsächlich ist es der wird, unabhängig davon, wie knapp der Sieg ist. Es
Wählerschaft nur dreimal nicht gelungen (1800,1824 gibt kein System der proportionalen Vertretung. Die
und 1876), eine Mehrheit für das Wahlkollegium her- von der Liste gewählten Wahlmänner der 50 Bundesstaaten und des District of Columbia kommen in den
vorzubringen.

AMERIKA DIENST 37

Seite 3

�folgenden Monaten in den jeweiligen Hauptstädten
ihrer Bundesstaaten zusammen, um ihre Stimmen für
den Präsidenten und den Vizepräsidenten abzugeben.
Diese Stimmen werden dann von bundesstaatlichen
Behörden versiegelt und nach Washington geschickt,
wo sie vom Präsidenten des Senats im Beisein aller
Senatoren und Abgeordneten geöffnet und gezählt
werden.

diesem Zeitpunkt ist die einzige verfassungsmäßige
Bestimmung das Ermessen des Wahlmannes.

amtsunfähig wird. Es gibt jedoch keine Verfügungen
für eine Amtsunfähigkeit zwischen der allgemeinen
Wahl und der Zusammenkunft der Wahlmänner. Zu

Das amerikanische Wahlkollegium wurde als demokratische Institution gegründet und - was noch wichtiger ist - hat als demokratische Institution funktioniert.

Das zweite gegen das Wahlkollegium vorgebrachte
Argument ist interessant. Unter dem gegenwärtigen
System kann ein Präsidentschaftskandidat die Mehrheit der Stimmen der Wählerschaft auf sich vereinigen,
aber dennoch im Wahlkollegium verlieren. Ich möchte
hier jetzt keine mathematischen Berechnungen anWarum dieses ganze Ritual, wenn der Gewinner des stellen, sondern nur darauf verweisen, daß dies auf
Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftswahlkampfs zwei Aspekte des Systems zurückzuführen ist: Erin Wirklichkeit schon nach der Wahl des Volkes im stens werden jedem Bundesstaat unabhängig von
November bekannt ist? Zu Recht verweisen Gegner seiner Größe drei Wahlmänner zugestanden, und
des Wahlkollegiums auf zwei dem System immanente zweitens bedeutet das dem Wahlsieger die HauptProbleme und drängen auf seine Modifizierung oder masse der Sitze zuerkennende Wahlsystem, daß einem
siegreichen Kandidaten - gleichgültig, wie knapp sein
sogar vollständige Abschaffung.
Sieg auch sein mag - alle Wahlmännerstimmen eines
Änderungsvorschläge
Bundesstaates zugeschlagen werden. Es gab drei
Fälle - 1824 (John Quincy Adams gegen Andrew
Das erste Problem ist eine Entscheidung des Ober- Jackson), 1876 (Rutherford B. Hayes gegen Samuel
sten Gerichtshofs (Roy ./. Blair, 1952) mit der Verfü- Tilden) und 1888 (Benjamin Harrison gegen Grover
gung, daß es nicht im Einklang mit der Verfassung Cleveland) - bei denen es scheint, daß der Sieger bei
steht, wenn ein Bundesstaat seine Wahlmänner zur der allgemeinen Wahl die Präsidentschaft wegen dieStimmabgabe für den Kandidaten veranlaßt, dem sie ser mathematischen Probleme mit dem Wahlkolleverpflichtet sind. Infolgedessen verweisen Kritiker des gium verloren hat. Das normalere Verfahren ist jeWahlmännersystems auf die Möglichkeit eines enor- doch, daß das Wahlkollegium abstimmt, um die von
men Schadens, der angerichtet würde, wenn eine den Wählern abgegebene Stimmenzahl zu erhöhen.
beträchtliche Anzahl der Wahlmänner ihre Stimme
nicht für den Kandidaten abgeben, dem sie verpflichtet Aufgrund dieser mathematischen Probleme tendieren
sind und damit den Willen des Wählers vereiteln. Es die Kritiker des Wahlkollegiums dahin, eine von zwei
gab mindestens vier Fälle, in denen die einzelnen Reformarten zu befürworten. Erstens streben sie ein
Wahlmänner nicht für ihren Kandidaten gestimmt haben. System an, das bei der Zuerkennung von WahlmänEin Fall war 1820, als der James Monroe verpflichtete nern pro Staat die Verteilung der Stimmen der WählerWahlmann seine Stimme statt dessen John Quincy schaft besser widerspiegeln würde, entweder durch
Adams gab. Seine Begründung lautete, seine Stimme ein System der proportionalen Vertretung oder durch
hätte die Wahl von Monroe zu einer einstimmigen die Auswahl von Wahlmännern in Wahlbezirken. Jede
Wahl gemacht, und kein Präsident außer George Reform würde das Ende des derzeitigen Wahlsystems
Washington verdiene einstimmige Unterstützung. Die bedeuten, bei dem der Wahlsieger alle Wahlmänner
anderen drei Fälle-in den Jahren 1956,1960 und 1968 auf sich vereinigt. Derartige Vorschläge würden die
-waren ebenso auf die Eigentümlichkeit des jeweiligen Bildung dritter Parteien ermutigen und mehr PräsiWahlmanns zurückzuführen. Keiner beeinflußte das dentschaftswahlen ins Repräsentantenhaus bringen,
Wahlergebnis.
wo jede Delegation eines Bundesstaats unabhängig
von der Einwohnerzahl eine Stimme hat. Auch das
Illoyalität der Wahlmänner in großem Stil scheint müßte sich natürlich ändern.
unwahrscheinlich, aber wenn eine solche Situation
tatsächlich das Ergebnis einer Präsidentschaftswahl Die andere von Kritikern vorgeschlagene Art der Rebedrohen würde, ist nicht sicher, ob der Oberste form des gegenwärtigen Wahlmännersystems reicht
Gerichtshof dies tolerieren würde. Präzedenzfälle in sogar noch weiter. Einige sehen im Wahlkollegium
diesem Bereich existieren praktisch nicht.
einen Anachronismus des 18. Jahrhunderts, der in
Vielleicht sollte das Ermessen der Wahlmänner etwas einem modernen Nationalstaat überholt ist. Diese
sorgfältiger begrenzt werden. Der 25. Zusatzartikel Reformer würden das gesamte Wahlmännersystem
zur Verfassung behandelt die Situation, wenn ein abschaffen und durch direkte Wahlen des Volkes
Präsident amtsunfähig wird. Verschiedene Bestim- ersetzen. Die amerikanische Anwaltskammer befürmungen befassen sich mit einem Präsidentschafts- wortet die Direktwahl des Präsidenten. Dies würde
kandidaten, der nach der Nominierung durch seine eine wirkliche Abkehr von der föderalistischen Struktur
Partei aber vor der allgemeinen Wahl im November der amerikanischen Republik bedeuten.

Seite 4

AMERIKA DIENST 37

�Die wirkliche Frage lautet, wollen Amerikaner ein mit
der nationalen Demokratie oder mit föderalistischer
Demokratie in Einklang stehendes System?
Unter dem heutigen System dienen die Bundesstaaten als Wahlbezirke für die Präsidentschaft ebenso wie
als Wahlbezirke für den amerikanischen Senat.
Amerikaner sind sich sehr wohl der Tatsache bewu ßt,
daß der Senat konzipiert wurde, um den föderativen
Charakter der Union widerzuspiegeln und niemand
erwartet, daß die Anzahl der Republikaner und Demokraten im Senat das Gleichgewicht zwischen den von
Republikanern und Demokraten für einen Senator
abgegebenen Stimmen im ganzen Land akkurat widergibt. Sowohl der Senat als auch der Präsident sind

*

AMERIKA DIENST 37

nationale Entscheidungsträger in den Vereinigten
Staaten. Die Amerikaner sind jedoch vielleicht eher
bereit, die Legitimität föderalistischer Prinzipien in der
Struktur des Senats zu akzeptieren als in der Wahl des
Präsidenten.
Insgesamt gesehen - von der ersten Vorwahl in New
Hampshire bis zur Öffnung der Stimmzettel - spiegelt
die Wahl des Präsidenten in den Vereinigten Staaten
ein delikates Gleichgewicht zwischen nationalen und
föderalistischen Konzeptionen der amerikanischen
Demokratie wider. Was immer die Amerikaner bezüglich des Wahlkollegiums entscheiden, die Demokratie
selbst steht nicht auf dem Spiel - nur die Frage, wie der
Wille des Volkes kanalisiert und organisiert wird.

* * *

*

Seite 5

�Mrs. Gabriele Niessen
USIS:I

030

U

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush möchte Handelsabkommen mit osteuropäischen Staaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Programm für die Erneuerung Amerikas - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Wiener Konferenz muss sich auf Menschenrechtsverletzungen konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Blackwell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. B-Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA, Großbritannien und Russland erweitern Zusammenarbeit bei der Kontrolle biologischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung der USA zu Moskauer Treffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Bush erläutern ihre Wirtschaftsprogramme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NBC-Interview mit den Präsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Wahlmännergremium&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ellis Katz&lt;/em&gt;</text>
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