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amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

34

WAHLEN '92

26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner

SOMALIA

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators

BILDUNGSWESEN

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

BUSH VERSPRICHT "NEUEN KREUZZUG"
FÜR AMERIKA
Rede beim Parteikonvent der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Mit dem Versprechen eines "neuen Kreuzzugs", um Amerika sicherer und stärker zu machen,
hat Präsident Bush am 20. August 1992 beim Parteikonvent der Republikaner in Houston offiziell die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei angenommen.
Bush erklärte, er kämpfe für "offene Märkte für amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben, Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert sind".
Der Kongreß sei nicht auf seinen Ruf eingegangen, "verschwenderische Projekte" zu streichen und alle
Ausgaben außer denen für die Sozialversicherung einzufrieren, stellte der Präsident fest, "und deshalb werde
ich ab heute abend meinen eigenen Ausgabenstopp verhängen".
Im Hinblick auf die Außenpolitik erklärte Bush, es werde noch mehr Herausforderungen im Stil Kuwaits geben:
"Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und zerstört
werden müssen. Und der Kampf um die Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag entgegen, an dem
ich als erster Präsident ein freies und demokratische Kuba besuche."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, und ich bin stolz darauf und fühle mich
geehrt, Ihre Nominierung für das Amt des Präsidenten
der Vereinigten Staaten anzunehmen.
Zunächst möchte ich mich bei Bob Dole, meinem
guten Freund und unserer großartigen Führungspersönlichkeit, für diese wunderbare Einführung bedanken. Und ich möchte in diesem Zusammenhang
sagen, da ß diese Nominierung nicht mir allein gilt. Sie
gilt den Ideen, Prinzipien und Werten, für die wir
stehen.
Meine Arbeit wurde wesentlich erleichtert durch eine
Führungspersönlichkeit, die viel unfaire Kritik mit Takt
und Humor ertragen hat: durch den Vizepräsidenten
der Vereinigten Staaten, Dan Quayle. Ich bin ihm
außerordentlich dankbar.
Ich möchte heute abend über die harte Wahl sprechen,
die ich den Amerikanern diesen Herbst anbieten werde, eine Wahl zwischen verschiedenen Programmen,
verschiedenen Richtungen und, ja, eine Entscheidung
über den Charakter des Mannes, den Sie für die
Führung dieses Landes wünschen.
AMERIKA DIENST 34

Ich wei ß, da ß die Amerikaner zahlreiche Fragen haben
- im Hinblick auf unsere Wirtschaft, die Zukunft unseres Landes und sogar mich selbst. Und ich werde
diese Fragen heute abend beantworten.
Zunächst möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich
großartig fühle. Und ich fühle mich bestärkt - bestärkt
durch die Meinungsumfragen, die aussagen, daß ich in
meinen Joggingshorts besser aussehe als der Gouverneur von Arkansas.
Vor vier Jahren habe ich über Missionen gesprochen,
für mein Leben und für unser Land. Ich sprach damals
über eine dringende Aufgabe - Verteidigung unserer
Sicherheit und Förderung des amerikanischen Ideals
im Ausland. Halten Sie einen Moment inne und
denken Sie darüber nach, was wir getan haben.
Deutschland ist vereinigt, und ein Stück der Berliner
Mauer steht draußen vor diesem Astrodome.
Araber und Israelis sitzen einander am Verhandlungstisch gegenüber und sprechen über Frieden, und alle
Geiseln im Libanon sind frei.
Seite 1

�Der Konflikt in El Salvador ist beendet, und freie
Wahlen haben Nicaragua Demokratie gebracht.
Schwarze und weiße Südafrikaner feuerten einander
bei dem Olympischen Spielen an.
Die Sowjetunion läßt sich nur noch in den Geschichtsbüchern finden.
Die Vasallenstaaten in Osteuropa und dem Baltikum
sind keine Vasallen mehr.
Und heute verkaufen Händler auf den ländlichen Straßen Polens luftgefüllte Dosen mit der Aufschrift "der
letzte Atemzug des Kommunismus".
Und wenn ich vor vier Jahren vor Ihnen gestanden und
dies als die Welt beschrieben hätte, zu deren Aufbau
wir beitragen würden, so hätten Sie gesagt, George
Bush, Sie müssen etwas geraucht und dabei auch
noch inhaliert haben.
Dieser Konvent ist der erste, bei dem ein amerikanischer Präsident sagen kann, der Kalte Krieg ist vorbei,
und die Freiheit ist als erster durchs Ziel gegangen.
Es gibt viel, auf das wir stolz sein können. Eine Menge.
Einige möchten die Geschichte umschreiben, sie
möchten den Kampf auslassen und behaupten, das
Ergebnis sei unvermeidlich gewesen. Und obwohl die
Nachkriegsstrategie der Vereinigten Staaten im großen und ganzen überparteilich war, bleibt die Tatsache
bestehen, daß der linke McGovern-Flügel der anderen
Partei, einschließlich meines Gegners, ständig die
falschen Entscheidungen traf.
In den siebziger Jahren wollten sie eine ausgehöhlte
Armee. Wir wollten eine starke Streitmacht.
In den achtziger Jahren, und Sie erinnern sich sicher,
in den achtziger Jahren wollten sie ein Einfrieren der
Nuklearwaffen, und wir bestanden auf Frieden durch
Stärke.
Und von Angola bis Mittelamerika sagten sie, laßt uns
verhandeln, überlegen, verschleppen. Und wir sagten,
laßt uns nur für die Freiheit eintreten.
Und heute ist der Kalte Krieg vorbei und sie behaupten,
wir waren die ganze Zeit an Ihrer Seite. Ihr Verhalten
- wirklich, ihr Verhalten erinnert mich an den alten Rat
eines Betrügers an ein Kind. Er sagte, mein Sohn,
wenn man dich aus der Stadt vertreibt, so stelle dich an
die Spitze und sorge dafür, daß es wie eine Parade
aussieht.
Nun, täuschen Sie sich nicht, der Niedergang des
Kommunismus war nicht garantiert. Es bedurfte der
starken Führung von Präsidenten beider Parteien,
darunter Republikaner wie Richard Nixon, Gerald Ford
und Ronald Reagan. Ohne ihre Vision und die Unterstützung des amerikanischen Volkes wäre die Sowjet-

Seite 2

union heute eine starke Supermacht, und wir wären
heute abend mit einer nuklearen Bedrohung konfrontiert.
Meine Gegner sagen, ich beschäftigte mich zu ausführlich mit der Außenpolitik, als ob es keine Rolle
spielte, daß sich Schulkinder bei Übungen einst unter
den Schulbänken versteckten, um sich auf einen Atomkrieg vorzubereiten. Ich sah die Chance, die Träume
unserer Kinder von dem nuklearen Alptraum zu befreien und habe sie ergriffen.
In den vergangenen vier Jahren haben mehr Menschen die frische Luft der Freiheit geatmet als je zuvor
in der Geschichte der Menschheit. Ich sah eine
Chance zu helfen, und ich tat es. Und dies waren die
beiden entscheidenden Chancen - nicht eines Jahres,
nicht eines Jahrzehnts, sondern der gesamten Menschheitsgeschichte.
Ich nutzte diese Chancen für unsere Kinder und Enkelkinder, und ich entschuldige mich dafür nicht.
Heute mag der sowjetische Bär zwar verschwunden
sein, aber es gibt immer noch Wölfe in den Wäldern.
Wir sahen dies, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Der Nahe Osten hätte zum nuklearen Pulverfaß, unsere Energieversorgung als Druckmittel benutzt werden können. Und deshalb taten wir, was
richtig und notwendig war. Wir zerstörten eine Bedrohung, befreiten ein Volk und sperrten einen Tyrannen
im Gefängnis seines eigenen Landes ein.
Und wie stand es um den Anführer der Nationalgarde
von Arkansas, den Mann, der hofft, einmal Oberbefehlshaber zu sein? Während ich in den sauren Apfel
biß, kaute er an seinen Nägeln.
Zwei Tage - hören Sie sich das an, zwei Tage nachdem
sich der Kongreß meiner Führung anschloß, erklärte
mein Gegner folgendes, ich zitiere wörtlich: "Wahrscheinlich hätte ich bei einer knappen Abstimmung mit
der Mehrheit gestimmt. Aber ich pflichte den von der
Minderheit vorgetragenen Argumenten bei."
Nun, das klingt für mich so, als ob man seine Politik mit
dem Text eines Verkehrsschilds zusammenfassen
könnte, das er während seiner Bustour sicher gesehen
hat: "Schleudergefahr bei Nässe."
Schauen Sie, dies ist eine ernste Sache. Denken Sie
an die Auswirkungen unserer außenpolitischen Fehlschläge , als die Demokraten das letzte Mal sowohl das
Weiße Haus als auch den Kongreß kontrollierten.
Schlangen an den Zapfsäulen. Getreideembargos.
Amerikanische Geiseln mit verbundenen Augen.
Es wird in den kommenden vier Jahren mehr au ßenpolitische Herausforderungen im Stile Kuwaits geben.
Terroristen und Aggressoren, denen man entgegentreten muß; gefährliche Waffen, die kontrolliert und
zerstört werden müssen. Und der Kampf um die

AMERIKA DIENST 34

�Freiheit ist noch nicht beendet. Ich sehe dem Tag
entgegen, an dem ich als erster Präsident ein freies
und demokratisches Kuba besuche.
Wer wird die Welt angesichts dieser Herausforderungen führen? Nicht mein Gegner. In seiner Rede zur
Annahme der Präsidentschaftskandidatur verwendete
er gerade 65 Sekunden darauf, uns etwas über die
Welt zu sagen. Und dann erklärte er, Amerika werde,
ich zitiere, überall "verspottet". Nun, sagen Sie dies
den Menschen auf der ganzen Welt, für die Amerika
immer noch ein Traum ist. Erklären Sie das den
politisch Verantwortlichen auf der ganzen Welt, denen
Amerika Respekt abnötigt. Verspottet? Erklären Sie
das den Männern und Frauen der Operation Wüstensturm.
Im Hinblick auf die Zeitungsberichte, die Sie gelesen
haben, möchte ich an dieser Stelle folgendes anmerken. Dies ist ein politisches Jahr, aber in der Welt
lauern viele Gefahren. Und Sie können sicher sein, ich
werde niemals zulassen, daß die Tagespolitik mit einer
außenpolitischen Entscheidung vermengt wird. Vergessen Sie die Wahl. Ich werde das Richtige tun, das
Richtige für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten von Amerika. Und dies gelobe ich aus tiefstem
Herzen.
Diesen Sommer vor fünfzig Jahren war ich 18 Jahre
alt. Ich sehe einige junge Leute unter den Zuhörern
heute abend, und ich erinnere mich daran, wie ich mich
damals fühlte. Ich glaubte tief an dieses Land, und wir
waren mit einem Weltkrieg konfrontiert. Ich traf also
eine Entscheidung, auszuziehen und eine Schlacht zu
kämpfen, die sich wesentlich von politischen Schlachten unterschied. Ich hatte Angst, aber ich war willens.
Ich war jung, aber ich war bereit. Ich hatte kaum gelebt,
als ich begann, Männer sterben zu sehen. Ich begann,
den besonderen Platz Amerikas in der Welt zu sehen,
und ich begann sogar damals schon zu sehen, daß die
Welt ein wesentlich kleinerer Platz werden und weit
entfernte Orte immer mehr wie Amerika werden könnten.
Und 50 Jahre danach, nach Veränderungen nahezu
biblischen Ausmaßes, wissen wir, wenn die Freiheit
wächst, wächst auch Amerika. Und ebenso wie ein
starkes Amerika eine sicherere Welt bedeutet, so
haben wir gelernt, daß eine sicherere Welt ein stärkeres Amerika bedeutet.
Bei dieser Wahl geht es um Veränderungen, aber das
ist nicht ungewöhnlich, denn die Amerikanische Revolution endet nie. Heute beschleunigt sich das Tempo
des Wandels. Wir stehen vor neuen Chancen und
neuen Herausforderungen. Und die Frage lautet wem trauen Sie zu, den Wandel für Sie positiv zu
gestalten?
Mein Gegner behauptet, Amerika sei eine Nation im
Niedergang. Von unserer Wirtschaft sagt er, wir seien

AMERIKA DIENST 34

irgendwo auf der Liste zwischen Deutschland und Sri
Lanka im Süden. Lassen sie sich von niemandem
erzählen, Amerika sei zweitklassig, insbesondere von
jemandem, der sich um das Präsidentenamt bewirbt.
Vielleicht hat er nicht gehört, daß wir immer noch die
größte Volkswirtschaft der Welt sind. Keine andere
Nation verkauft so viel im Ausland. Die Deutschen, die
Briten, die Japaner können Ihnen bei der Produktivität
nicht das Wasser reichen - dem amerikanischen Arbeiter und dem amerikanischen Bauern.
Mein Gegner wird das nicht erwähnen. Er wird Sie
nicht daran erinnern, daß die Zinssätze die niedrigsten
seit 20 Jahren sind und Millionen von Amerikanern ihre
Häuser refinanziert haben.
Und Sie werden nicht hören, da ß die Inflation - der Dieb
an der Mittelschicht - in ein Hochsicherheitsgefängnis
verbannt wurde. Und Sie werden nicht viel über diese
guten Nachrichten hören, weil die Medien ebenfalls
dazu neigen, sich auf die schlechten zu konzentrieren.
Und als die Berliner Mauer fiel, erwartete ich fast, eine

Schlagzeile folgenden Inhalts zu lesen: "Mauer fällt,
drei Grenzwachen verlieren den Arbeitsplatz."
Und darunter hätte vielleicht gestanden: Clinton macht
Bush verantwortlich.
Sie hören nicht viel über die Fortschritte in Amerika.
Ich möchte Ihnen deshalb etwas über einige der guten
Dinge erzählen, die wir gemeinsam bewirkt haben.
Erst vor zwei Wochen haben sich die drei Nationen
Nordamerikas auf freien Handel von Manitoba bis
Mexiko verständigt. Dies wird dem amerikanischen
Markt gute Arbeitsplätze bringen.
Wir haben das Gesetz über behinderte Amerikaner
verabschiedet, womit 43 Millionen Amerikaner in die
Volkswirtschaft integriert werden. Und ich mu ß sagen,
es war höchste Zeit.
Aufgrund unseres Gesetzes über die Reinhaltung der
Luft werden unsere Kinder freier atmen. Wir erneuern
unsere Straßen und stellen damit Arbeitsplätze für
eine halbe Million Amerikaner bereit. Wir haben ein
Gesetz über Kinderbetreuung verabschiedet, und wir
haben uns für die Werte der Familie eingesetzt, indem
wir erklärt haben, daß bei der Kindererziehung nicht
die Regierung, sondern die Eltern besser Bescheid
wissen.
Ich habe mein ganzes Leben gegen Vorurteile und
Antisemitismus gekämpft. Und ich bin stolz darauf,
daß wir unsere Bürgerrechtsgesetze verschärft haben
ohne zu Quoten Zuflucht zu nehmen.
Noch etwas von lebenswichtiger Bedeutung für alle.
Heute liegt der Kokainkonsum bei jungen Leuten 60
Prozent niedriger. Den Teenagern, den Eltern und den
ehrenamtlichen Helfern, die uns beistehen, die Geißel
der Drogen in Amerika zu bekämpfen - wir danken

Seite 3

�Euch. Aus tiefstem Herzen bedanken wir uns bei
Euch.
Möchte ich noch mehr tun? Darauf können Sie wetten.
Nichts schmerzt mehr, als vom Persischen Golf heimgekehrte Soldaten zu treffen, die keinen Arbeitsplatz
finden oder Arbeiter, die einen Arbeitsplatz haben, sich
jedoch Sorgen machen, daß sie schon am nächsten
Tag das Kündigungsschreiben erhalten. Und wie steht
es um die Familien, die sich das Studium ihrer Kinder
vom Munde absparen und die danach wieder Zuhause
wohnen, weil sie keine Arbeit finden.
Die Welt befindet sich im Umbruch, und wir spüren
diesen Übergang bei uns zu Hause. Die entscheidende Herausforderung der neunziger Jahre besteht darin, den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu gewinnen - den Frieden zu gewinnen. Wir müssen eine
militärische Supermacht sein, eine wirtschaftliche
Supermacht und eine Exportsupermacht.
Bei dieser Wahl werden Sie zwei Versionen davon
hören, wie dies getan werden soll. Die der anderen
besteht darin. Nabelschau zu betreiben und zu schützen, was wir bereits haben. Unsere besteht darin,
nach vorn zu blicken, neue Märkte zu öffnen, unsere
Bevölkerung auf den Wettbewerb vorzubereiten, unser soziales Geflecht zu erneuern, zu sparen und zu
investieren, damit wir gewinnen können.
Wir gehen davon aus, daß es heute, da die Welt
Amerika ähnlicher sieht, an der Zeit ist, daß Amerika
wieder mehr sich selbst ähnelt. Deshalb bieten wir
eine Philosophie an, die Vertrauen in den einzelnen
setzt, nicht in die Bürokratie. Eine Philosophie, die den
Menschen dazu verhilft, ihr Bestes zu tun, damit
Amerika sein Bestes erreicht. In einer Welt, die sicherer und freier ist, ist dies der Weg, um ein Amerika
aufzubauen, das stärker und sicherer ist. Wir beginnen mit einer simplen Tatsache - der Staat ist zu groß
und gibt zu viel Geld aus.
Ich habe den Kongreß deshalb gebeten, alle vorgeschriebenen Ausgaben außer denen für Sozialversicherung zu begrenzen. Und ich habe vorgeschlagen,
über 200 Programme und 4 000 verschwenderische
Projekte zu streichen sowie alle anderen Ausgaben

einzufrieren.
Der verbohrte demokratische Kongreß hat nein gesagt. Ab heute abend werde ich deshalb meinen
eigenen Ausgabenstopp verhängen. Wenn mir der
Kongreß ein Gesetz vorlegt, das höhere Ausgaben als
die in meinem Haushalt veranschlagten vorsieht, werde
ich unverzüglich mein Veto einlegen.
Ein schnelles Veto - schneller als sich Millies Bücher
verkauften.
Der Kongreß möchte die Ausgaben nicht begrenzen,
weigert sich aber, dem Präsidenten ein Vetorecht
gegen Wahlgeschenke zu geben, mit denen Ihr Geld

Seite 4

verschleudert wird. Dreiundvierzig Gouverneure haben
dieses Recht. Ich bitte deshalb Sie, das amerikanische Volk, mir einen Kongreß zu geben, der mir ein
selektives Veto einräumt.
Ich möchte Ihnen über eine kürzliche Auseinandersetzung mit dem Kongreß berichten, eine Auseinandersetzung, in der mir Bib Michael und seine Mannen
sowie Bob Dole und die seinigen halfen. Dieses
Frühjahr arbeitete ich Tag und Nacht, um zwei Drittel
der Mitglieder des Repräsentantenhauses dazu zu
bewegen, einen Verfassungszusatz zu verabschieden, der einen ausgeglichenen Haushalt vorschreibt.
Wir waren nahe daran, verloren jedoch mit neun Stimmen. Hören Sie zu, wie wir verloren. Kurz vor der
Abstimmung überzeugte die linke Führung des Kongresses 12 Abgeordnete, die das Gesetz mit eingebracht hatten, die Seiten zu wechsen und mit nein zu
stimmen. Führen Sie sich vor Augen, sie stimmten
gegen ein Gesetz, für das sie sich bereits namentlich
eingesetzt hatten. War da vielleicht irgendetwas faul?
Und betrachten Sie meinen Gegner bei dieser Frage.
Schauen Sie sich meinen Gegner an. Er erklärt, er sei
für ausgeglichene Haushalte, aber er sprach sich
gegen den Verfassungszusatz aus. So verhält er sich
bei vielen Themen - erst auf der einen Seite, dann auf
der anderen. Er wurde an mehr Orten gesehen als
Elvis Presley.
Nach all diesen Jahren ist der Kongre ß ziemlich kreativ
geworden, wenn es darum geht, Möglichkeiten zu
suchen, um Ihr Geld zu verschwenden. Wir müssen
deshalb ebenso kreativ dabei sein, Wege zu finden,
um dem Einhalt zu gebieten. Der Steuerzahler sollte
das Recht erhalten, eine Rubrik auf seiner Steuererklärung anzukreuzen, damit bis zu 10 Prozent seiner
Steuerschuld für einen bestimmten Zweck verwendet
werden können - die Reduzierung der Staatsschulden.
Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, daß der
Kongreß nicht einfach eine Kehrtwende macht und
mehr Kredite aufnimmt, um noch mehr Geld auszugeben. Ich werden deshalb verlangen, daß für jeden
Dollar aus Steuermitteln, der für die Senkung der
Schulden verwendet wird, die Ausgabenbegrenzungen um eine ebensolche Summe verringert werden.
Auf diese Weise werden wir sowohl die Schulden als
auch die Ausgaben senken und das Haushaltsdefizit
ein Stück reduzieren.
Meine Haltung gegenüber einem aufgeblähten Regierungsapparat entstammt meiner Erfahrung. Ich habe
die Hälfte meines Lebens als Erwachsener in der
Privatwirtschaft verbracht. Mein Gegenspieler hat
eine andere Erfahrung. Er war nahezu sein ganzes
Leben im Staatsdienst tätig. Seine Leidenschaft zur
Ausweitung des Staates kennt keine Grenzen. Und er
hat bereits vorgeschlagen - hören Sie sich das genau
an - er hat bereits 220 Milliarden Dollar an neuen
Ausgaben vorgeschlagen, zusammen mit der größten

AMERIKA DIENST 34

�Steuererhöhung in der Geschichte, 150 Milliarden
Dollar - das ist nur der Anfang.
Er erklärt, er wolle die Reichen besteuern, aber er
definiert als reich jeden, der einen Arbeitsplatz hat.
Sie haben von der Gewaltenteilung gehört. Nun, mein
Gegner praktiziert eine andere Theorie - die Macht der
Trennungen. Die Regierung hat die Macht, Sie von
Ihrer Geldbörse zu trennen.
Dazu möchte ich sagen, daß ich im Hinblick auf die
Steuern eine harte Schule durchgemacht habe. Ein
altes Sprichwort besagt: "Gute Urteilskraft kommt aus
Erfahrung, und Erfahrung kommt aus schlechten Urteilen." Vor zwei Jahren habe ich bei der Steuererhöhung der Demokraten einen Fehler gemacht. Ich
unterschätzte die Sucht des Kongresses nach Steuererhöhungen, und - mit dem Rücken zur Wand - stimmte ich einem zäh ausgehandelten Kompromiß zu einer einmalige Steuererhöhung mit den härtesten
jemals verabschiedeten Ausgabenbeschränkungen.
Nun, es war ein Fehler, der Steuererhöhung der
Demokraten zuzustimmen.
Und ich räume es ein. Aber jetzt geht es um die Frage,
die dem amerikanischen Volk vorliegt: Wem vertrauen
Sie in dieser Wahl - dem Kandidaten, der die Steuern
einmal erhöht hat und es bedauert oder dem anderen
Kandidaten, der Steuern und Abgaben 128 mal erhöht
und dies jedes Mal genossen hat.
Wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich
weitere Steuersenkungen in allen Bereichen vorschlagen unter der Voraussetzung, daß wir diese Senkungen durch spezifische Ausgabenkürzungen bezahlen,
die ich für geeignet halte, um das Defizit nicht weiter
ansteigen zu lassen.
Ich werde mich darüber hinaus weiter dafür einsetzen,
die persönlichen Freibeträge anzuheben und durch
eine Senkung der Kapitalertragssteuer Arbeitsplätze
zu schaffen.
Damit wird insbesondere den mittelständischen Betrieben geholfen. Wie Sie wissen, schaffen sie - die
mittelständischen Unternehmen - zwei Drittel der neuen
Arbeitsplätze in Amerika. Der Plan meines Gegenspielers im Hinblick auf die mittelständischen Unternehmen ist klar, real und gefährlich. Neben neuen
Einkommensteuern wird sein Plan zu einer neuen
Lohnsummensteuer führen, um für das Gesundheitswesen und Ausbildung zu bezahlen. Und das ist nur
der Anfang. Und wenn er seinen Willen bekommt, so
werden die Eisenwarenhandlungen in Amerika ein
neues Schild in die Fenster hängen - wegen Verzweiflung geschlossen (closed for despair). Und man
könnte sagen, daß es sich bei seinem Plan um eine Art
von "Elvis Economics" handelt - er wird Amerika ins
"Heartbreak Hotel" führen.

AMERIKA DIENST 34

Ich gehe davon aus, daß mittelständische Unternehmen weniger Besteuerung, Vorschriften und Prozesse
benötigen.
Aus diesem Grund werde ich das Einfrieren der Papierflut und unnötiger Bundesvorschriften, das ich im
vergangenen Winter angeordnet habe, um ein Jahr
verlängern.
Es gibt keinen Grund dafür, daß Bundesvorschriften
ein längeres Leben haben sollten als mein Freund
George Burns. Ich werde anordnen, jede Vorschrift zu
beseitigen, deren Zeit gekommen ist.
Und ich sehe, wie etwas in unseren Städten und
Wohnvierteln geschieht. Staranwälte toben wie die
Wilden. Ärzte fürchten sich, ihren Beruf auszuüben.
Und einige Mütter und Väter möchten noch nicht
einmal mehr Kindermannschaften trainieren. Wir
müssen einander weniger häufig verklagen und mehr
Verständnis füreinander aufbringen.
Ich kämpfe dafür, unser Rechtssystem zu reformieren,
um verrückten Prozessen ein Ende zu bereiten. Wenn
das heißt, mit den Wahlkampfanwälten in den Ring zu
steigen, so sage ich hier nur, daß die erste Runde
heute abend beginnt.
Schließlich wird die Kampagne meines Gegners praktisch von jedem Advokaten unterstützt, der jemals eine
Anwaltsrobe getragen hat. Er steht nicht mit ihnen im
Ring, er sitzt im Panzer.
Es gibt noch andere Dinge, die wir tun müssen, damit
unsere Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, um unsere
Kinder auf das nächste Jahrhundert vorzubereiten.
Wir müssen neue Anreize für die Forschung und eine
neue Ausbildung für Arbeitnehmer schaffen. Mittelständische Unternehmen benötigen Kapital und Kredite, und Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie benötigen neue Arbeitsplätze.
Und ich habe einen Plan, jedem Amerikaner eine
bezahlbare Krankenversicherung zur Verfügung zu
stellen, die Kosten durch Reduzierung von Bürokratie
und Prozessen einzudämmen sowie den Versicherungsschutz auf die Ärmsten der Armen auszudehnen.
Wir brauchen den Plan meines Gegners nicht, der eine
massive Übernahme der Krankenversicherung durch
den Staat vorsieht, die medizinische Betreuung rationieren und Ihnen das Recht auf freie Arztwahl verweigern würde. Wer möchte ein Krankenversicherungssystem, das die Effizienz der Poststelle im Repräsentantenhaus und das Mitgefühl des KGB aufweist?
Wie steht es um unsere Schulen? Mein Gegner und
ich möchten beide die Art und Weise verändern, in der
unsere Kinder lernen. Er möchte unsere Schulen ein
bißchen verändern, und ich möchte sie stark verändern.

Seite 5

�Nehmen Sie die Frage, ob Eltern in der Lage sein
sollten, die beste Schule für ihre Kinder auszuwählen.
Mein Gegner sagt, dies sei in Ordnung, solange die
Schule vom Staat geleitet wird. Und ich sage, jedes
Elternteil und jedes Kind sollten eine echte Schulwahl
haben - öffentlich, privat oder konfessionell gebunden.
Wir haben also eine klare Wahl, um unsere Probleme
zu lösen. Wenden wir uns dem verschlissenen Gewand der Bürokratie zu, das gerade von anderen
Staaten abgestreift wird? Oder geben wir den Menschen die Freiheit und die Anreize, um für sich Sicherheit zu schaffen?
Ich setze mich für folgendes ein: offene Märkte für
amerikanische Produkte, niedrigere Staatsausgaben,
Steuersenkungen, Chancen für mittelständische Unternehmen, Reform des Rechts- und Gesundheitswesens, Berufsausbildung sowie neue, auf Wettbewerb
gegründete Schulen, die bereit für das 21. Jahrhundert
sind.
Warum sind diese Vorschläge heute nicht in Kraft? Es
gibt nur einen Grund - den verbohrten demokratischen
Kongreß.
Ich wei ß, daß die Amerikaner genug von Schuldzuweisungen haben, genug von Leuten in Washington, die
sich aufführen wie Kandidaten für die nächste Episode
von American Gladiators. Ich mag es auch nicht, und
dasselbe gilt für Sie. Aber die Wahrheit ist die Wahrheit. Unsere Maßnahmen sind nicht fehlgeschlagen,
sie wurden noch nicht einmal ausprobiert.
Die Amerikaner möchten Arbeitsplätze. Am 28. Januar habe ich dem Kongreß einen Plan zur Schaffung
von Arbeitsplätzen vorgelegt. Und wenn er damals
verabschiedet worden wäre, hätten heute 500 000
Amerikaner zusätzlich eine Beschäftigung. Aber in
einer Nation, die Tätigkeit verlangt, ist der Kongreß
zum Meister der Untätigkeit geworden.
Das war jedoch nicht immer der Fall. Ich habe heute
abend Präsident Ford zugehört. Ich diente vor 22
Jahren unter ihm im Kongreß. Und damals arbeiteten
wir zusammen. Wir trugen keine persönlichen Streitigkeiten aus, wir stellten den Menschen über alles andere. Damals besaßen wir noch nicht einmal Haartrockner. Bei meiner ersten Amtseinführung habe ich
erklärt, die Menschen schickten uns nicht hierher, um
uns zu zanken. Ich habe meine Hand ausgestreckt,
und das amerikanische Volk weiß dies, ich habe der
Führung des Kongresses meine Hand gereicht, und
sie hat hineingebissen.
Die Führung des Repräsentantenhauses ist seit 38
Jahren unverändert. Es ist ein Gremium, das hoffnungslos in einem Netz von Sonderinteressen, Nebeneinnahmen, Privilegien, Parteilichkeit und Lähmung
gefangen ist.

Seite 6

Jeden Tag stellt der Kongreß Politik über Prinzip und
über den Fortschritt. Ich möchte Ihnen nur ein Beispiel
dafür geben. Es war am 20. Februar 1991, auf dem
Höhepunkt des Golfkriegs. An genau diesem Tag bat
ich amerikanische Piloten, ihr Leben zu riskieren, um
Einsätze über Bagdad zu fliegen. Und ich wollte ferner
unsere wirtschaftliche Sicherheit für die Zukunft stärken. An jenem Tag legte ich also eine neue nationale
Energiestrategie vor, die unsere Abhängigkeit von
ausländischem Öl um sieben Millionen Barrel pro Tag
verringern würde.
Wie viele Tage wurden benötigt, um den Golfkrieg zu
gewinnen? 43. Und wie viele benötigte der Kongreß,
um eine nationale Energiestrategie zu verabschieden ?
532, und es wird weiter gezählt.
Ich habe Heimtrainer benutzt, die sich schneller bewegen können als das US-Repräsentantenhaus und der
US-Senat, die von der demokratischen Führung beherrscht werden.
Wie steht mein Gegner zum Kongreß? Nun, bis zu
ihrem Konvent in New York hielten sie die Kongreßführung vom Podium fern und versteckten sie. Sie wollten
nicht, daß Amerika von den Leuten hören würde, die
wirklich die Entscheidungen treffen. Und sie versteckten sie aus gutem Grund, weil das amerikanische Volk
eine gefährliche Kombination erkennen würde - einen
Kongreß der ungedeckten Schecks und einen Präsidenten, der dessen willfähriges Werkzeug wäre.
Gouverneur Clinton und der Kongreß wissen, daß Sie
ihre Sprachregelung durchschaut haben. Sie wissen,
wenn sie "Ausgaben" sagen, antworten Sie mit "oh,
oh". Deshalb haben sie jetzt ein neues Wort, "Investitionen". Sie möchten 220 zusätzliche Milliarden von
Ihrem Geld "investieren". Aber ich möchte, daß Sie
dieses Geld behalten.
Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten die
größte Steuererhöhung der Geschichte durchdrükken, aber ich werde das nicht zulassen.
Und Gouverneur Clinton und der Kongreß möchten
nicht, daß Kinder in den Schulen die Möglichkeit zum
Gebet haben, aber ich möchte es. Clinton und der
Kongreß möchten nicht gesetzliche Schlupflöcher
stopfen und Kriminelle hinter Gittern lassen, aber ich
werde das tun. Clinton und der Kongreß werden die
Richterschaft mit liberalen Richtern auffüllen, die Gesetze
schreiben, die ihnen von den Wählern nicht bewilligt
werden.
Gouverneur Clinton sagt sogar, Mario Cuomo müsse
in das Oberste Bundesgericht aufgenommen werden.
Warten Sie einen Moment - vielleicht gar keine schlechte Idee. Wenn Sie an richterliche Zurückhaltung
glauben, sollten Sie vielleicht glücklich sein. Der gute

AMERIKA DIENST 34

�Gouverneur von New York kann sich ja schon in der
Eisdiele nicht zwischen Vanille und Schokolade entscheiden.
Wenn er einmal dort ist, werden wir in den nächsten 35
Jahren kein Urteil mehr bekommen, und vielleicht ist
das ja so in Ordnung.
Sind mein Gegner und der Kongreß wirklich miteinander im Bunde? Betrachten Sie eine wichtige Frage sollten wir die Amtszeit im Kongreß begrenzen?
Gouverneur Clinton sagt nein. Der Kongreß sagt nein.
Und ich sage ja.
Wir haben dies bereits trüher einmal versucht, als wir
den demokratischen Senator eines kleinen Südstaates mit einem linken Vizepräsidenten und einem
demokratischen Kongreß kombiniert haben. Amerika
braucht keinen zweiten Carter.
Wir möchten Amerika nicht zurück in die Tage dieser
Malaise führen. Aber die Amerikaner möchten wissen
- wo ist der Beweis, daß wir bessere Tage in Washington sehen werden? Ich werde Ihnen 150 Gründe dafür
geben. Auf diese Art werden zahlreiche Kongreßabgeordnete Washington in diesem Jahr verlassen. Einige
sind mit Skandalen behaftet. Die Wähler haben sie
abgeschrieben, so wie sie ihre eigenen Schecks platzen ließen. Aber andere sind gute Abgeordnete Republikaner und Demokraten. Und sie stimmen mit
mir überein - das Tempo funktioniert nicht mehr.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer davon
überzeugt war, daß Patriotismus nicht nur ein anderer
Gesichtspunkt ist. Es gibt Zeiten im Leben eines jeden
jungen Menschen, in denen Gott sich vorstellt. Und ich
erinnere mich an solch eine Zeit. Es war vor vielen
Jahren, als ich um 4.00 Uhr morgens Wache auf der
Brücke eines Unterseebootes, der USS Finback, hielt.
Ich stand dort und blickte in die Schwärze des Himmels, die nur durch die strahlenden Sterne unterbrochen wurde. Und ich dachte an die Freunde, die ich
verloren hatte, an das Land, das ich liebte und eine
Frau namens Barbara.
Ich erinnere mich an jene Nächte so deutlich wie an
jede Nacht meines Lebens. Wissen Sie, man kann von
dort oben Dinge sehen, die andere Menschen nicht
sehen. Man kann Sturmwolken aufziehen und wieder
verschwinden sehen. Den ersten Sonnenstrahl am
Horizont und den ersten Umriß einer in weiter Feme
liegenden Küste.
Ich weiß, daß die Amerikaner heutzutage beunruhigt
sind. An unseren Küchentischen vernimmt man besorgte Gespräche. Von wo ich stehe, sehe ich nicht
Amerikas Sonnenuntergang, sondern einen Sonnenaufgang. Und die Welt verändert sich, für die wir eine
Generation lang Opfer gebracht haben und schließlich
bei der seltenen und einzigartigen Chance angelangt
sind, den süßen Becher des Wohlstand am Tisch der
Amerikaner herumgehen zu lassen.

Und ich werden meine Sicht des Wandels darlegen.
Veränderungen, die zählen. Wirkliche Veränderungen, die einen Unterschied bewirken. Wandel ist das
Richtige für Amerika. Wie Sie wissen, gibt es in den
Vereinigten Staaten ein Drängen, ein Gefühl, es sei
vielleicht an der Zeit, zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Natürlich müssen wir uns verändern, aber
einige Werte sind zeitlos. Ich glaube an Familien, die
zusammenhalten, Väter, die bei ihrer Familie bleiben.
Und ich bin sehr tief vom Wert jedes einzelnen menschlichen Wesens überzeugt - geboren oder ungeboren.

Sind wir bereit dazu? Ich weiß, daß wir es sind. Wenn
ich unser Land bereise, treffe ich Veteranen, die einstmals im Gefechtsturm eines Panzers gearbeitet haben
und jetzt die Tastatur der Hochtechnologiewirtschaft
beherrschen. Ich sehe Lehrer, die mit der unglaublichen amerikanischen Fähigkeit zur Erneuerung gesegnet sind, die unsere Kinder eine neue Art des
Lernens für ein neues Jahrhundert lehren. Ich treffe
Eltern, von denen einige zwei Arbeitsplätze mit hektischen Terminplänen haben und die dennoch neue
Wege finden, alte Werte zu vermitteln, um ihre Kinder
in einer turbulenten Welt zu stabilisieren. Und ich
nehme mir zu Herzen, was in Amerika geschieht, nicht,
was ich von denen höre, die eine neue Leidenschaft für
die Regierung bekunden, sondern von denjenigen mit
einem traditionellen und unerschütterlichen Glauben
an das menschliche Potential. Diejenigen, die verstehen, daß das Geniale der Vereinigten Staaten in
unserer Fähigkeit zu Wiedergeburt und Erneuerung
liegt. Amerika ist das Land, in dem die Sonne immer
über den Horizont lugt.

Und ich glaube daran, unseren Kindern den Unterschied zwischen Gut und Böse beizubringen, sie den
Respekt für harte Arbeit und Nächstenliebe zu lehren.
Und ich glaube, daß Amerika stets einen besonderen
Platz im Herzen Gottes haben wird - solange es einen
besonderen Platz in unserem Herzen hat.

Heute abend appelliere ich an diesen unverbrüchlichen, unzerstörbaren, unleugbaren amerikanischen
Geist. Ich bitte Sie, zu erwägen - nun, da die gesamte
Welt sich in unsere Richtung bewegt - warum wir in die
Richtung der anderen zurückgehen sollten? Ich bitte
nicht nur um Ihre Unterstützung für mein Programm,

150 neue Delegierte aus beiden Parteien werden in
diesem Herbst nach Washington kommen. Jeder wird
eine neue Sicht zur Zukunft der Vereinigten Staaten
haben. Und ich versichere dem amerikanischen Volk
heute, unmittelbar nach der Wahl werde ich jeden Tag
mit all diesen neuen Abgeordenten zusammenkommen, bevor sie von den Interessengruppen angegriffen, von ihren Mitarbeitern in Beschlag genommen und
von einem Kamerateam in die Ecke gedrängt werden.

AMERIKA DIENST 34

Seite 7

�sondern auch für Ihr Engagement zur Erneuerung und
zum Wiederaufbau unserer Nation, indem wir die eine
Institution aufrütteln, die seit über vier Jahrzehnten
Veränderungen widerstanden hat.
Schieben Sie gemeinsam mit mir die Straßensperre
am anderen Ende der Pennsylvania Avenue beiseite,
damit wir in den kommenden vier Jahren draußen die
gleichen Leistungen vollbringen können, indem wir
drinnen ein stärkeres und sichereres Amerika aufbauen.
Vor 44 Jahren, in einem anderen Zeitalter der Unsicherheit, machte sich ein anderer Präsident für eine
ähnliche Mission bereit. Sein Name war Harry S.
Truman. Als er vor seiner Partei stand, um ihre

Nominierung anzunehmen, kannte Harry S. Truman
die Freiheit, die ich heute abend kenne - die Freiheit,
darüber zu sprechen, was das Richtige für Amerika ist.
Sollen die Würfel fallen. Harry S. Truman sagte: "Dies
ist mehr als ein politischer Ruf zu den Waffen. Gebt mir
Eure Hilfe, nicht nur um Stimmen zu gewinnen, sondern um diesen neuen Kreuzzug zu gewinnen und
Amerika sicher für sein Volk zu machen."
Nun, heute abend sage ich Ihnen, treten Sie gemeinsam mit mir diesen Kreuzzug an, um die Früchte
unseres globalen Sieges zu ernten, den Frieden zu
gewinnen, damit wir Amerika sicherer und stärker für
all unsere Menschen machen können. Möge Gott Sie
und die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.
Vielen Dank.

* * * * *

Seite 8

AMERIKA DIENST 34

�WAHLEN

'9 2
26. August 1992

VISION DER REPUBLIKANER IST EINHEIT
Das Parteiprogramm der Republikaner
HOUSTON - (AD) - Die Delegierten des Parteitages der Republikaner verabschiedeten am 17. August 1992 ein
Parteiprogramm, das außen- und innenpolitische Ziele umreißt sowie den Wert der Familie unterstreicht.
Das Parteiprogramm der Republikaner hat den Titel: Eine gemeinsame Vision: Die Vereinigung unserer
Familien, unseres Landes, unserer Welt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Parteiprogramm.

Die Vereinigung unserer Familien
Die Familie: Der Hort der Freiheit
Die Rechte der Familie
Unsere nationale Erneuerung beginnt bei der Familie.
Sie bildet den moralischen Anker jeder neuen Generation. Sie ist der Lehrmeister des Bürgertums, der
Motor für wirtschaftlichen Fortschritt, ein Element der
Kontinuität, wenn sich alles im Umbruch befindet.
Wandel kann positiv sein, wenn er die Energie und das
Engagement unserer Familienangehörigen zum Aufbau einer besseren Zukunft freisetzt. Wir begrüßen
Veränderungen, mit denen die Fehler der Vergangenheit korrigiert werden, insbesondere die an der eigenen Familie begangenen. Seit über dreißig Jahren hat
die liberale Philosophie die Familie von allen Seiten angegriffen.
Heute vertreten ihre wortgewandteren Verfechter die
Auffassung, Kinder sollten ihre Eltern zu Entscheidungen über Schulfragen, Schönheitsoperationen, Beschäftigung und andere Familienangelegenheiten
gerichtlich belagen können. Sie bestreiten die Autorität und Verantwortung der Eltern, zersplittern die Familie
in isolierte Individuen, die alle von der Regierung
abhängig - und ihr gegenüber ohnmächtig - sind. Dies
ist letztlich das Programm des zeitgenössischen Sozialismus in all seinen Facetten: die Jugendlichen von
traditionellen Familienwerten zu befreien, indem man
die Funktion der Familie durch bürokratische Sozialdienste ersetzt. Aus diesem Grund sind die liberalen
Demokraten von heute feindlich gegenüber jeder Einrichtung eingestellt, die die Regierung nicht kontrollieren kann wie etwa private Kindertagesstätten oder
kirchliche Schulen.

AMERIKA DIENST 34

Die Republikanische Partei reagiert, wie sie dies seit
1980 getan hat, mit der unerschütterlichen Verpflichtung zu wirtschaftlicher Freiheit und den moralischen
Rechten der Familie. Die Republikaner vertrauen den
Eltern und sind der Überzeugung, daß sie - und nicht
Gerichte oder Rechtsanwälte - wissen, was das Beste
für ihre Kinder ist. Aus diesem Grund wollen wir
sicherstellen, daß der Kongreß und die Bundesstaaten
kein Gesetz verabschieden, das die durch Blutsverwandtschaft, Heirat, Adoption oder Vormundschaft
entstandenen Rechte der Familie beschneidet - Rechte, die älter und höherrangig sind als die der Regierung.
Die Republikaner lehnen die Bestrebungen der Demokratischen Partei zur Neudefinition der traditionellen
amerikanischen Familie ab und widersetzen sich ihnen.
Wir werden intakte, fürsorgliche Familien unterstützen, indem wir Vorurteile abbauen, die sich in unsere
Gesetze und Steuervorschriften eingeschlichen haben. Wir werden Adoptionen durch erhebliche Steuererleichterungen, Versicherungs- und Gesetzesreformen begünstigen. Wir ermutigen die Adoption von
Kindern derjenigen, die auf die emotionalen, finanziellen oder physischen Anforderungen der Kindererziehung nicht vorbereitet sind oder sich davon überfordert
fühlen. Wir streben die Verbesserung von Entbindungskliniken an, um die Versorgung von Müttern und
Babies sicherzustellen.
Wir begrüßen das Engagement von Pflegeeltern, die
das Umfeld zur Kindererziehung bieten. Wir verabscheuen das unwürdige bürokratische Mismanagement der Pflegschaft. Wir sind zur Reform des Systems entschlossen, um diesen Kindern zu helfen.

Seite 1

�Kaputte Familien können verheerende emotionale und
wirtschaftliche Auswirkungen auf Kinder haben und
sind die Brutstätte für Jugendbanden. Wir fordern die
Gerichtsbarkeit der Bundesstaaten auf, Wege zu
sondieren, um die Stabilität der Ehe zu fördern. Weil
die aus mehreren Generationen bestehende Familie
ein lebenswichtiges Element des sozialen Gefüges ist,
drängen wir auf größere Achtung der Rechte und Rolle
von Großeltern.

Steuererleichterungen und -abzüge erschwinglicher,
mit denen die Versicherungskosten für 95 Millionen
Amerikaner verrechnet werden, macht sie besonders
für Kleinunternehmen durch die Senkung der Versicherungskosten leichter zugänglich und beseitigt darüber hinaus die Sorge von Arbeitnehmern, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sie den Arbeitsplatz wechseln. Der Plan macht Gesundheitsfürsorge
durch folgende Maßnahmen leicher zugänglich:

Die Republikaner sind sich der Bedeutung einer intakten Familie bewußt. Eine Familie mit beiden Elternteilen bietet nach wie vor das beste Umfeld für Stabilität,
Disziplin, Verantwortungsbewußtsein und Charakter.
Wir unterstützen die mutigen Versuche von Alleinerziehenden zu einem stabilen Heim.

Einführung neuer Steuererleichterungen und
-abzüge, um Amerikanern mit niedrigen und
mittleren Einkommen zu helfen. Diese Steuererleichterungen würden in Form von Gutscheinen für einkommensschwache Arbeitnehmer
zur Verfügung gestellt.

Für gesündere Familien: Förderung der Gesundheit, Verhinderung von Krankheiten, Reform des
Gesundheitswesens

Sicherstellung der Versicherungsleistung für
Arbeitnehmer durch die Forderung an die Versicherungsträger zur Abdeckung bisheriger Leistungen.

Die Amerikaner erhalten die beste medizinische Versorgung der Welt. Wir haben die besten Krankenversicherungen, die besten Kliniken und die beste medizinische Technologie. Die Menschen kommen aus
Kanada, Europa, aus allen Teilen der Welt zu uns, um
sich einer Therapie oder Behandlung zu unterziehen,
die in ihrem Heimatland entweder nicht angeboten wird
oder strengen Restriktionen unterliegt.
Aber wir müssen es besser machen. Die Kosten
explodieren. Viele Amerikaner mit Kindern und älter
werdenden Eltern sind beunruhigt über die Qualität
und Kosten des Gesundheitswesens. Die Wahlen
1992 stellen uns alle vor eine klare Entscheidung. Die
Demokraten wollen eine kostenintensive, aus dem
Ausland importierte gesetzliche Krankenversicherung
mit einem vom Kongreß festgesetzten Budget und von
Bürokraten verfügten Maßnahmen. Dies ist das Rezept für Elend. Es würde Arbeitsplätze gefährden,
neue Steuern in Milliardenhöhe erfordern, die Qualität
des Gesundheitswesens allgemein verschlechtern, die
Krankenversicherungen arbeitslos machen und zu einer
Rationierung führen.
Die Republikaner vertreten die Auffassung, daß die
staatliche Kontrolle des Gesundheitswesens unverantwortlich und ineffektiv ist. Unseres Erachtens sollte
den Betroffenen die Entscheidung für die Gesundheitsfürsorge überlassen bleiben, nicht den Regierungsbürokraten. Dieses Thema spiegelt die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Parteien
am deutlichsten wider.
Wir unterstützen Präsident Bushs umfassenden Plan
zum Gesundheitswesen, mit dem die beiden Hauptprobleme des derzeitigen Systems gelöst werden Zugang und Erschwinglichkeit - bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung der hohen Qualität der Gesundheitsfürsorge, die Amerikaner heute genießen. Der
Plan des Präsidenten macht Gesundheitsfürsorge durch

Seite 2

Volle Absetzbarkeit der Versicherungsprämien
für Freiberufler.
Erleichterungen für Kleinunternehmen beim
Versicherungsschutz für ihre Beschäftigten. Im
Rahmen dieses Vorschlags könnten Kleinunternehmen sich beim Abschluß von Versicherungen zusammenschließen, die damit günstiger
würden. Darüber hinaus würden die Verfügbarkeit und Erneuerbarkeit von Versicherungen für
Kleinunternehmen gewährleistet, Prämien festgelegt, von den Bundesstaaten zwingend vorgeschriebenen Leistungen vorgegriffen, Pläne
zur Mindestabdeckung geschaffen und von den
Bundesstaaten die Einrichtung von Feuerwehrfonds gefordert, um die Risiken auf alle Versicherungsträger zu verteilen.
Inangriffnahme des Problems ärztlicher Kunstfehler durch eine Obergrenze bei Regreßansprüchen nichtfinanzieller Art sowie Erarbeitung
von Alternativen zur Konfliktschlichtung vor einem
Gerichtsverfahren.
Mit anderen Worten: der Präsident möchte den Versicherungsschutz für alle verfügbar, garantiert, erneuerbar und von Voraussetzungen unabhängig machen.
Im Rahmen dieses Plans müßte niemand bankrott
gehen, um gesund zu werden.
Der Plan der Demokraten ist unserem diametral entgegengesetzt. Anstatt die Optionen des einzelnen zu
bewahren, würde er sich auf Regierungsbürokraten
verlassen.
Der sogenannte "Play-or-Pay"-Vorschlag der Demokraten würde von den Arbeitgebern entweder den
Abschluß einer Krankenversicherung für ihre Arbeitnehmer oder die Entrichtung einer neuen Steuer fordern, mit der das neue staatliche Gesundheitspro-

AMERIKA DIENST 34

�gramm zum Teil finanziert würde. Anhand einer vom
Urban Institute erstellten Studie würde diese Vorschrift
allein im ersten Jahr neue Bundessteuern - oder
erneute staatliche Anleihen - in Höhe von 36 Milliarden
Dollar erforderlich machen. Ungefähr 52 Millionen
Amerikaner, die jetzt eine private Krankenversicherung haben, würden von ihren Arbeitgebern in das
staatliche Programm abgeschoben. Die zusätzlichen
Kosten für die Arbeitgeber - insbesondere Kleinunternehmer - würden sich im ersten Jahr schätzungsweise
auf rund 30 Milliarden Dollar belaufen. Die Republikaner im Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses gehen davon aus, daß 712.000 Beschäftigte
aufgrund der "Play-or-Pay"-Vorschrift ihren Arbeitsplatz verlieren würden.
Die Republikaner sind ebenso entschlossen, das
Problem der medizinischen Haftung zu lösen, damit
Ärzte und ausgebildete Hebammen in unterversorgten
Gebieten Geburtshilfe leisten und praktizieren können. Eine sinnvolle Reform der Schadensanspruchsregelung würde sicherstellen, daß Ärzte den medizinischen Beruf nicht unter dem Damoklesschwert eines
möglichen Prozesses ausüben müssen. Wir werden
die Verwaltungskosten und die Papierflut durch die
Verabschiedung eines einheitlichen Anspruchs- und
Datensystems abbauen. Wir verpflichten uns zur
Unterstützung von Rehabilitationsmaßnahmen und einer
Pflegeversicherung. Wir werden die Kosten durch
bessere pränatale und andere Vorsorgemaßnahmen
dämpfen. Wir ermutigen die Anwendung des "Barmherziger Samariter"-Gesetzes, um karitative Einrichtungen zu schützen, die ihre Zeit zur Verfügung stellen,
um Patienten in der Gemeinde zu versorgen. Wir
ermutigen ein Krankenversicherungssystem mit aufeinander abgestimmten öffentlichen und privaten
Programmen. Darüber hinaus unterstützen wir weiterhin eine Reform der Vorschriften, um die Entwicklung
neuer Medikamente und medizinischer Technologie
zu beschleunigen.
Das Krankenversicherungsnetz muß für diejenigen
gesichert sein, die präventive, akute und langfristige
Versorgung benötigen. Besondere Aufmerksamkeit
sollte der Abschaffung oder Reform von Programmen
gewidmet werden, die es dem einzelnen verbieten
oder ihn daran hindern, einen Weg aus Armut und
Abhängigkeit zu finden. Wir werden die Papierflut
reduzieren und diese Ressourcen in tatsächliche Dienstleistungen umdirigieren. Wir werden den Zugang zu
medizinischer Versorgung durch kommunale Gesundheitszentren verbessern, die in medizinisch unterversorgten Gebieten Erstversorgung anbieten. Wir werden veraltete Kartellgesetze überarbeiten, die Krankenhäusern die Bündelung ihrer finanziellen Mittel
verbieten, um eine verbesserte, kostengünstige Versorgung anzubieten.
Wir ermutigen die Anwendung von Telekommunika-

AMERIKA DIENST 34

tionstechnologie, um Krankenhäuser in größeren
Gemeinden mit medizinischen Einrichtungen in kleineren Kommunen zu verbinden. Moderne Kommunikationsnetze erleichtem den gemeinsamen Gebrauch
von Ressourcen, verbessern den Zugang zu einer
erschwinglichen Gesundheitsfürsorge durch die Übertragung von Röntgen- und Computerbildern sowie der
Diagnostik und stellen sicher, daß in ländlichen Gebieten lebende Amerikaner denselben Zugang zu Ärzten
und neuesten medizinischen Verfahren haben wie die
in Ballungszentren lebenden.
Die Republikaner konzentrieren sich auf die Gesundheit, nicht nur das Gesundheitswesen. Wir wollen
nicht nur Krankheiten und Behinderungen behandeln,
sondern sie auch verringern und verhüten. Durch die
Finanzierung der nationalen Gesundheitsämter (National Institutes of Health - NIH) investieren wir in
Forschung zur Behandlung einer ganzen Bandbreite
von Krankheiten, von Krebs bis Herzerkrankungen,
von Multipler Sklerose bis Lupus. Wir unterstützen
Maßnahmen, die sich auf die frühzeitige Diagnose von
Krebs konzentrieren. Noch wichtiger ist - wir vertrauen
auf den einzelnen, um vermeidbare Krankheiten und
Verletzungen zu verhindern. Ein Großteil unserer
Kosten im öffentlichen und privaten Gesundheitswesen wird durch bestimmte Verhaltensweisen verursacht. Gutes Urteilsvermögen kann Milliarden Dollar
einsparen - und vielleicht Millionen Menschenleben
retten.
Neue Mitglieder der amerikanischen Familie
Unsere Nation von Einwanderern heißt nach wie vor
diejenigen willkommen, die auf der Suche nach einem
besseren Leben sind. Andererseits bedroht illegale
Einwanderung das soziale Gefüge, auf das sich Einwanderung gründet. Das heißt, die Nation akzeptiert
Einwanderer und wird durch ihre Entschlußkraft und
Werte bereichert. Illegale Einwanderung unterminiert
jedoch die Integrität der Gemeinden an den Grenzen
und die schon dicht bevölkerten Städte. Wir werden
auf die bereits angekündigte Verstärkung des Grenzschutzes aufbauen, um das Abfangen illegaler Einwandererdurchengere grenzüberschreitende Zusammenarbeit besser zu koordinieren. Insbesondere werden
wir den Grenzschutz personell aufstocken, um die
zunehmenden illegalen Einwanderungen zu unterbinden und den Grenzschutz mit den zur Sicherung der
Grenze erforderlichen Geräten, Technologien und
Strukturen ausstatten.
Wir sind für die strenge Bestrafung von Schleppern,
die illegal Fremde ins Land schmuggeln und derjenigen, die gefälschte Papiere herstellen oder verkaufen.
Darüber hinaus werden wir die Anreize für illegale
Grenzgänger durch die Förderung von Initiativen wie
dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen
(NAFTA) abbauen. Durch die Schaffung neuer Wirt-

Seite 3

�schaftschancen in Mexiko vereitelt das NAFTA Versuche zum illegalen Grenzübertritt auf der Suche nach
Arbeit.

Ernennung von Richtern, die traditionelle Familienwerte respektieren und die Unverletzlichkeit des unschuldigen menschlichen Lebens.

Rechte des einzelnen

Präsident Bush hat die größten jemals für Behinderte
erzielten Fortschritte in einem Gesetz verankert: Dem
Gesetz über behinderte Amerikaner - einem bahnbrechenden Gesetz, mit dem Hemmnisse für eine uneingeschränkte Beteiligung am Leben unseres Landes
aus dem Weg geräumt werden. Wir werden es in
vollem Umfang in die Praxis umsetzen und dabei
besonders Kleinuntemehmen berücksichtigen wie wir
es bei früheren Gesetzesvorschriften für Behinderte in
Bundesprogrammen getan haben. Wir lehnen den
willkürlichen Ausschluß aus der Krankenversicherung
oder die Verweigerung der Behandlung einer Person
aufgrund von Behinderung, Alter oder eines Gebrechens ebenso ab wie Sterbehilfe und Hilfe beim Selbstmord.

Der Schutz der Rechte des einzelnen bildet die Grundlage für Chancen und Sicherheit.
Die Republikanische Partei ist in dieser Hinsicht einzigartig. Seit ihrer Gründung hat sie jeden Menschen
respektiert, selbst wenn diese Haltung nicht immer
populär war. Wie zu Zeiten Lincolns bestehen wir auch
heute darauf, daß die Rechte der Amerikaner unantastbar sind.
Aus diesem Grund erklären wir, daß Bigotterie und
Vorurteile keinen Platz im Leben der Amerikaner haben.
Wir verurteilen alle, die Rassismus, Antisemitismus
oder religiöse Intoleranz praktizieren oder fördern.
Unseres Erachtens sollten Kirchen und kirchliche
Schulen nicht besteuert werden. Wir verteidigen das
Recht von Kirchenvertretern, sich zu Themen von
öffentlichem Interesse zu äußern und wir verurteilen
die feige Entweihung von Gotteshäusern, die unser
Land in den vergangenen Jahren schockiert hat.
Mit der Forderung nach gleichen Rechten für alle
unterstützen wir die vehemente Durchsetzung von
Gesetzesvorschriften der Bush-Administration zur
Verhinderung von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Glauben oder Abstammung. Mit der
Förderung von Chancen vereiteln wir Versuche, gleiche Rechte durch Quoten und andere Arten der Bevorzugung zu ersetzen. Aus diesem Grund hat Präsident
Bush so lange gegen die Mehrheit der Demokraten im
Kongreß gekämpft, um ein Bürgerrechtsgesetz durchzubringen, das diesen Namen verdient.
Wir erneuern die historische Verpflichtung der Republikaner zu den Rechten der Frauen, von den frühen
Tagen der Suffragettenbewegung bis heute. Weil
gesetzlich verankerte Rechte ohne Chancen wenig
bedeuten, fordern wir Wirtschaftswachstum als Schlüssel zu kontinuierlichen Fortschritten der Frauen in allen
Bereichen des amerikanischen Lebens.
Wir sind der Überzeugung, daß das ungeborene Kind
ein grundlegendes individuelles Recht auf Leben hat,
das nicht verletzt werden darf. Aus diesem Grund
bekräftigen wir unsere Unterstützung für einen Verfassungszusatz über das menschliche Leben und befürworten ein Gesetz, das eindeutig klarstellt, daß die
Bestimmungen des 14. Zusatzartikels auf das ungeborene Leben Anwendung finden. Wir lehnen die Verwendung öffentlicher Mittel für den Schwangerschaftsabbruch ab und werden keine Organisationen finanzieren, die dies befürworten. Wir beglückwünschen
diejenigen, die Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch anbieten, indem sie den Bedürfnissen der
Mütter Rechnung tragen und Adoptionsdienste anbieten. Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die
Seite 4

Die Vereinigung unseres Landes
Handel: Eine neue Welt des Wachstums
Vor vier Jahren sahen sich die Amerikaner mit einer
historischen Entscheidung konfrontiert: Wettbewerb
oder Rückzug. Gemeinsam mit Präsident Bush entschieden sie sich für den Wettbewerb auf der internationalen Bühne. Statt sich wie die Demokraten mit den
Errungenschaften von gestern zu begnügen, entschieden sie sich, den internationalen Markt mit der charakteristischen amerikanischen Energie in Angriff zu
nehmen. Ebenso wie George Bush eine Führungsrolle
an der militärischen Front übernommen hat, gilt dies
für die Wirtschaft.
Die Ergebnisse sind spektakulär. Wir haben in nur vier
Jahren das Handelsdefizit um die Hälfte verringert.
Die Vereinigten Staaten sind wieder der Hauptexporteur der Welt. Exporte beleben unsere Wirtschaft. Mit
jeder im Export erzielten Milliarde Dollar werden 20.000
neue Arbeitsplätze für Amerikaner geschaffen. Seit
1988 sind aufgrund der Exporte rund 2 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten entstanden.
Wir sind harte Verfechter des freien Handels und
kämpfen um den Abbau von Hemmnissen für unsere
Exporte. Wir führen die Uruguay-Runde im Rahmen
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT),
um weltweit die Beseitigung von Zöllen, Subventionen
und den Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum der
Amerikaner zu erzielen. Wir kämpfen um den Abbau
der Agrarsubventionen in der Europäischen Gemeinschaft und die Aufhebung der Absprachen zwischen
Regierung und Industrie in der zivilen Flugzeugproduktion. Wir befürworten Präsident Bushs Politik der
Unterstützung Chinas im Hinblick auf Taiwan im internationalen Handel und den Beitritt Chinas zum GATT
uneingeschränkt. Mit Japan wurden erhebliche Fortschritte beim Marktzugang erzielt, und die amerikanischen Exporte an Fertigwaren haben sich seit 1985

AMERIKA DIENST 34

�verdreifacht. Weltweit haben wir die bessere Einhaltung amerikanischer Handelsrechte durchgesetzt.
An erster Stelle des Programms zum freien Handel für
die nächsten vier Jahre steht die Unterzeichnung des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko, mit dem die Gründung eines Freihandelsraums abgeschlossen wird, zu dem Kanada bereits gehört. NAFTA wird den größten Markt der Welt
schaffen - größer als die Europäische Gemeinschaft mit 360 Millionen Verbrauchern und einer Gesamtproduktion von 6 Billionen Dollar. Das bedeutet unter dem
Strich die Schaffung Tausender Arbeitsplätze für
Amerikaner.
Wir sind uns der möglichen Auswirkungen auf regionale Märkte bewußt, insbesondere den Agrarmarkt. Wir
ermutigen unsere Unterhändler, sich dieser Belange
anzunehmen.
Wir werden weiterhin in das Pazifische Becken exportieren, Handelsabkommen mit anderen asiatischen
Volkswirtschaften aushandeln und unsere Bestrebungen zum Abbau von Hemmnissen für amerikanische
Waren und Dienstleistungen - wie etwa mit der Initiative zur Beseitigung struktureller Hindernisse mit Japan - fortführen. Und wir werden mit Lateinamerika
über die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
den Ländern Amerikas als ersten Schritt bei der Schaffung einer Freihandelszone auf dem Kontinent verhandeln.
Der Kongreß sollte den Amerikanern die Kosten aller
von den Demokraten in Erwägung gezogenenen
Gesetzesvorlagen zu Handelsrestriktionen, Steuern
oder Quoten für Arbeitnehmer, Verbraucher und Unternehmer darlegen. Wir werden es nicht dulden, daß
sie die größte Expansion des internationalen Handels
in der Geschichte behindern.
Internationale Wirtschaftspolitik
Weil die Weltwirtschaft interdependent ist, waren die
Vereinigten Staaten vom Konjunkturrückgang in anderen Teilen der Welt betroffen, insbesondere dem
Zusammenbruch des japanischen Aktienmarkts und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands.
Nun da sich wieder Fortschritte abzeichnen, ist der
Plan der Republikaner zu weltweitem Wachstum entscheidend für alle Nationen - Entwicklungs- und Industrieländer gleichermaßen.
Wirtschaftliche Freiheit ist ein wesentliches Bindeglied
zu unserer Außenpolitik. Sie bedeutet erweiterten
Handel, aber auch dynamisches Wachstum auf der
Grundlage gemeinsamer Werte - den Zusammenschluß von Nationen im Staatenbund friedlichen Fortschritts. Zu diesem Zweck sollte amerikanische Hilfe
- bilateral oder durch internationale Organisationen Marktreformen fördern, Vorschriften begrenzen und
freien Handel ermutigen.

AMERIKA DIENST 34

Vorrangig unter diesen Marktreformen sollte die Privatisierung staatlicher Betrieb sein wie etwa das Telekommunikationswesen, Kraftwerke, Bergbau und
Raffinierien. Die Privatisierung sollte amerikanischen
Unternehmen die Möglichkeit verschaffen, einige dieser Vermögenswerte zu kaufen, damit den Wettbewerb in diesen Ländern fördern und unser Handelsdefizit maßgeblich verringern. Die amerikanische Regierung sollte alle erdenklichen Schritte zur Unterstützung amerikanischer Firmen unternehmen, die in privatisierte Industrien investieren wollen, indem sie
Maßnahmen, Vorschriften und Regeln verabschiedet,
die solche Vorhaben insbesondere für Kleinunternehmen in gerechter Weise erleichtern.
Wir werden mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um ihre Volkswirtschaften für Privatinvestitionen attraktiv zu machen und Innovationen zur
Gewährleistung der Rückzahlung ihrer Anleihen unterstützen, einschließlich der Umwandlung von Schuldtiteln in Beteiligungskapital. Unsere Erfahrungen können ihnen bei der Entwicklung umweltverträglicher
Wachstumsstrategien behilflich sein.
Weil wir die Familie als Baustein für wirtschaftlichen
Fortschritt ansehen, schützen wir ihre Rechte in internationalen Programmen und werden weiterhin Organisationen die Mittel verweigern, die sich mit Schwangerschaftsabbruch befassen.
Vor allem ermutigen wir die Entwicklungsländer bei der
Einführung von Demokratie und freien Märkten. Diese
beiden Faktoren sind untrennbar verbunden und verschaffen allen Menschen die größten Chancen.
Die Vereinigung unserer Welt
Partnerschaft in der Führung
Der Aufbau eines Staatenbundes der Freiheit unterscheidet sich in hohem Maße vom alten Konzept des
Containment. Er ruht auf einem stabilen Gleichgewicht der Macht, geht jedoch darüber hinaus, um vor
allem die Vorrangstellung einer Idee zu unterstreichen:
eines gemeinsamen Konzepts, wie Freiheit für alle
Nationen funktionieren kann, die sich mit uns auf dem
Weg in eine sich radikal verändernde Zukunft befinden.
Indem wir wann immer möglich einen Konsens erzielen, multiplizieren wir die Auswirkungen der Macht und
Prinzipien unserer Nation. Falls erforderlich werden
wir allerdings alleine handeln, um die amerikanischen
Interessen zu schützen. Im Einklang mit unserer
Politik und unseren Traditionen lehnen wir alle Aktionen ab, die die Souveränität der Vereinigten Staaten
untergraben würden, sei es in politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten. Partnerschaft in der
Führung gestattet uns die Projektion amerikanischer
Ideale und den Schutz amerikanischer Interessen im
Ausland zu geringeren Kosten für unsere Steuerzahler.
Seite 5

�Auf diese Weise werden wir den Sieg der Demokratie
als die beste Garantie für eine Welt ohne Krieg sichern.
Es hängt von der Art und Weise ab, in der wir die Welt
für amerikanische Unternehmen öffnen, um Wohlstand in einer offenen internationalen Wirtschaft zu
gewährleisten und es hängt davon ab, wir wir den
nuklearen Alptraum verbannen, die Gefahr von Massenvernichtungswaffen begrenzen und sicher die kritische Umstrukturierung der Verteidigung unseres
Landes vollziehen.
Sicherstellung des Sieges der Demokratie
Die Verbreitung von Demokratie und wirtschaflticher
Freiheit ist die beste Garantie für Frieden. Sie kann
bedeuten, das Wort zu ergreifen oder wirtschaftlichen
Druck auszuüben, um friedlichen Wandel zu bewirken,
demokratischen Kräften zu helfen oder - als letztes
Mittel - bereit zu mililtärischen Aktionen zu sein, wenn
vitale amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen
wie bei der Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit
in Panama durch Präsident Bush. Alle republikanischen Präsidenten haben diese Instrumente in einer
umfassenden, konsequenten Kampagne zur weltweiten Förderung von Demokratie genutzt.
Neue Prüfungen stehen uns bevor. In der Vergangenheit ist die Welle der Freiheit abgeebbt als Diktatoren
einen Großteil dessen zurückerobert haben, was sie
verloren hatten. Wir wollen, daß die Welle der Freiheit
Länder wie China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und
andere erfaßt. Wir wollen weiterhin das Augenmerk
auf die gravierenden Menschenrechtsverletzungen auf
der ganzen Welt lenken und andere Regierungen
anspornen, das Versprechen der Freiheit für ihre Völker einzugehen und einzulösen. Wir wollen jede neue
Ideologie des Autoritarismus davon abhalten, die Völker der Welt in eine grausame und rachsüchtige Vision
der Zukunft zu zerren.
Mit dieser Herausforderung sehen wir uns in den
kommenden vier Jahren konfrontiert. Aus diesem
Grund hat Präsident Bush den Weg zur Förderung der
aufstrebenden Demokratien Osteuropas geebnet. Aus
diesem Grund hat er den Kongreß davon überzeugt, in
die demokratische Zukunft der aus dem Kommunismus wiedergeborenen Nationen zu investieren. Den
Völkern dieser Nationen und insbesondere dem russischen Volk sagen wir: Wenn Ihr den Weg der Freiheit
weiterverfolgt, sind wir bereit zu helfen.
Wir freuen uns vor allem mit den Menschen in Lettland,
Litauen und Estland, zu deren Souveränität wir stets
mit Gesetzen und in unserem Herzen gestanden haben.
In Westeuropa bekräftigen wir die NATO. Obwohl wir
unsere Truppenpräsenz auf dem Kontinent reduzieren
- tausend Soldaten kehren jede Woche nach Hause
zurück - müssen wir dort eine starke Streitmacht
stationiert halten. Die Vereinigten Staaten müssen

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nach wie vor im weitesten Sinne eine europäische
Macht sein, die in der Lage ist, die Politik und Ereignisse zu beinflussen, die das Leben und die Sicherheit
zukünftiger Generationen von Amerikanern betreffen.
Die Gewaltakte im ehemaligen Jugoslawien sind ein
Affront gegen die Menschheit. Wir verurteilen die für
das dort angerichtete Blutbad Verantwortlichen und
fordern die unverzügliche internationale Prüfung der
Greueltaten. Wir unterstützen die Bestrebungen der
Vereinten Nationen zur Friedenssicherung und drängen auf einen sofortigen Waffenstillstand aller Parteien. Die Vereinigten Staaten sollten weiterhin die
Respektierung des Völkerrechts und grundlegender
Menschenrechte in diesem schmerzlichen Konflikt
fordern.
Wir ermutigen die friedliche Beilegung des Konflikts
um Zypern und die Respektierung der Wünsche des
zypriotischen Volkes von allen Parteien.
Wir drängen auf Frieden und Gerechtigkeit für Nordirland. Wir begrüßen den in die Wege geleiteten Prozeß
des verfassungsmäßigen Dialogs, der so vielversprechendist. Wirermutigen Investitionen und Wiederaufbau, um Chancen für alle zu schaffen.
Obwohl sich sehr viel zum Besseren gewandelt hat, ist
der Nahe Osten nach wie vor ein Gebiet großer Spannungen - von denen viele nicht in Zusammenhang mit
dem israelisch-arabischen Konflikt stehen - in der
regionale Konflikte zur Bedrohung der vitalen Interessen der Vereinigten Staaten eskalieren können. Wie
Saddam Husseins Aggression gegen Kuwait demonstriert hat, sind schwer bewaffnete radikale Regime zu
unilateraler Aggression fähig. In diesem Umfeld ist die
offenkundige strategische Bedeutung Israels als unser
verläßlichster und fähigster Verbündeter in diesem
Teil der Welt wichtiger als je zuvor. Dieses strategische Verhältnis mit seiner einzigartigen moralischen
Dimension erklärt die verständliche Unterstützung, die
Israel von Millionen Amerikanern erhält, die an unserem politischen Prozeß beteiligt sind. Die starken
Bande zwischen den Vereinigten Staaten und Israel
wurden während des Golf kriegs unter Beweis gestellt,
als Israel sich gegen eine Vergeltung für die wiederholten Raketenangriffe entschied, obwohl sie ernsthaften
Schaden anrichteten und Menschenleben forderten.
Wir werden das strategische Verhältnis zu unserem
Verbündeten Israel - der einzig wirklichen Demokratie
im Nahen Osten - erweitern und vertiefen, indem wir
zusätzliche konkrete Schritte zur weiteren Institutionalisierung der Partnerschaft unternehmen. Dazu zählen die Aufrechterhaltung eines angemessenen Sicherheitsniveaus und wirtschaftliche Unterstützung,
die Fortsetzung unserer Gespräche über militärische,
politische sowie wirtschaftliche Kooperation und Koordination, Bereitstellung von militärischem Gerät, Entwicklung gemeinsamer Eventualfallpläne sowie Erweiterung der gemeinsamen See- und Luftübungen.

AMERIKA DIENST 34

�Im Rahmen unserer strategischen Beziehung sollten
die Vereinigten Staaten Israel weiterhin umfassende
Sicherheitsunterstützung gewähren und Israels relativen Vorteil gegenüber einem Gegner oder einer Koalition von Gegnern bewahren. Darüber hinaus werden
wir die Verhandlungen mit den wichtigsten Waffenlieferanten fortsetzen, um ein Abkommen über die Begrenzung von Rüstungsverkäufen in den Nahen Osten
zu erzielen und die Verbreitung nichtkonventioneller
Waffen zu verhindern.

Frieden im Nahen Osten beinhaltet Zusammenarbeit
zwischen allen Parteien in der Region. Aus diesem
Grund trachten wir danach, alle Staaten in dem Gebiet
mit Israel zu multilateralen Verhandlungen über Themen von gemeinsamem Interesse wie regionale Entwicklung, Wasserversorgung, Flüchtlinge, Rüstungskontrolle und Umwelt zusammenzubringen. Wir unterstützen diese Foren als Mittel zur Ermutigung der
Anerkennung Israels durch die Araber und zur Lösung
regionaler Probleme.

Wir begrüßen die Führungsrolle des Präsidenten bei
der Förderung der direkten Gespräche zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarländern, die in der
Geschichte ihresgleichen suchen. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, auf Anfrage ihre guten Dienste zur
Schlichtung von Streitfällen zur Verfügung zu stellen.
Unseres Erachtens sollten die Vereinigten Staaten
nicht versuchen, den Parteien eine Lösung aufzuzwingen.

Wir stehen nach wie vor zu den Gesetzen, die vorschreiben, daß die Vereinigten Staaten im Falle einer
Verweigerung des Rechts zur Beteiligung Israels durch
die Vereinten Nationen und ihrer Behörden ihre finanzielle Unterstützung einstellen und sich aus diesen
Gremien zurückziehen, bis diese Maßnahmen revidiert werden.

Die Grundlage für Verhandlungen müssen die Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats bilden. Der
Frieden muß durch direkte Verhandlungen herbeigeführt werden. Es wird an den Unterhändlern liegen
festzustellen, was genau erforderlich ist, um diese
Resolutionen einzuhalten. Wir sind jedoch der festen
Überzeugung, daß Israel ein Recht auf Existenz innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen hat. Wie Präsident Bush in Madrid festgestellt hat, besteht unser
Ziel nicht nur in der Beendigung des Kriegszustands,
sondern vielmehr in der Schaffung eines wirklichen
Friedens mit Verträgen, Sicherheit, diplomatischen
Beziehungen, Handel, Investitionen, Kulturaustausch,
selbst Tourismus. Wir wollen, daß der Nahe Osten ein
Ort wird, an dem die Menschen ein normales Leben
führen können.
Ein bedeutungsvoller Frieden muß Israels Sicherheit
gewährleisten und gleichzeitig die legitimen Rechte
der Palästinenser anerkennen. Wir lehnen die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates ab.
Ebenso sind wir gegen die Schaffung einer politischen
Einheit, mit der die Sicherheit Israels gefährdet würde.
Während Israelis und Palästinenser eine eigene Interimregierung aushandeln, muß sich keine Partei zu
einem bestimmten Resultat der direkten Verhandlungen verpflichten. Israel sollte nicht gezwungen werden, mit allen Parteien zu verhandeln. In diesem
Zusammenhang werden die Vereinigten Staaten keinen Dialog mit der PLO führen, bis sie die von Präsident Bush 1990 festgelegten Bedingungen voll und
ganz erfüllt. Unseres Erachtens sollte Jerusalem eine
ungeteilte Stadt mit freiem und ungehindertem Zugang
zu allen heiligen Stätten für Menschen aller Glaubensrichtungen bleiben. Jeder echte Frieden würde den
Juden das Recht einräumen, an jedem Ort der besonderen Stadt Jerusalem zu wohnen.

AMERIKA DIENST 34

Die Republikaner sind der Überzeugung, daß das
Recht auf Emigration ein Grundrecht ist und es Juden
aus allen Ländern freistehen sollte, nach Israel zu
reisen. Die Republikaner sind stolz, daß wir unsere
historische und moralische Verpflichtung zur Ansiedlung verfolgter Juden in Israel aufrechterhalten haben.
Wir beglückwünschen Präsident Bush und Außenminister Baker zu der Vereinbarung mit Israel über ein
großzügiges Paket von Kreditbürgschaften, mit dem
neuen Einwanderern die erforderliche humanitäre Hilfe gewährt wird.
Darüber hinaus sollten wir unsere engen Beziehungen
zu Ägypten fortsetzen, das zu Recht von seinem
mutigen Frieden mit Israel profitiert. Wir unterstützen
Ägypten und andere prowestliche Staaten in der Region
weiterhin gegen Subversion und Aggression und fordern ein Ende des arabischen Boykotts gegen Israel.
Darüber hinaus fördern wir die Bildung einer starken
demokratisch gewählten und ihre Bürger repräsentierenden Zentralregierung im Libanon.
Wir danken den Ländern im Nahen Osten, die zum
Erfolg der Operation Wüstensturm beigetragen haben
und unser Ziel der Stabilität in der Region teilen. Wir
hoffen, mit ihnen auf diesem Triumph eine neue Zukunft für den Nahen Osten aufbauen zu können, die
sich auf gegenseitigen Respekt und gemeinsames
Streben nach Frieden gründet. Zur Förderung dieses
Ziels sollten wir uns mit nicht weniger zufrieden geben
als der uneingeschränkten, unverzüglichen und verifizierten Einhaltung aller Aspekte des in den UNOResolutionen niedergelegten Waffenstillstands durch
den Irak.
Auf dem westlichen Kontinent müssen wir ebenso wie
andernorts demokratische Werte fördern. Wir werden
weiterhin Zusammenarbeit beim gemeinsamen Kampf
gegen die Drogenbarone anstreben. Darüber hinaus
werden wir die Hemmnisse für Handel und Investitio-

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�nen abbauen, denn wir wissen, daß unsere Exporte
nach Lateinamerika zur wirtschaftlichen Gesundung in
Inland führen werden. Die Initiative des Präsidenten
zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern
Amerikas und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen bedeuten für die Vereinigten Staaten Milliarden Dollar an neuen Handelschancen, Hunderttausende neuer Arbeitsplätze und langfristig die Lösung
des durch illegale Einwanderung verursachten wirtschaftlichen Drucks.
Wir begrüßen den positiven wirtschaftlichen und politischen Wandel in Mexiko und beglückwünschen das
Volk von Panama zur Gründung freier Institutionen
nach der Operation "Gerechte Sache". Wir würdigen
Präsident Bushs entschiedenes militärisches Vorgehen, das zum Sturz des korrupten Noriega-Regimes
und zur Freiheit für demokratisch gesinnte Panamaer
geführt hat. Wir werden den freien und ungehinderten
Zugang der Vereinigten Staaten zum Kanal sicherstellen. Wir beglückwünschen die Patrioten in El Salvador
und Nicaragua, deren Mut und Blut Kommunismus und
Castro widerstanden trotz der Inkonsequenz der
Demokraten im Kongreß. Gemeinsam mit anderen
Mitgliedern der Organisation Amerikanischer Staaten
wollen wir die Demokratie in Haiti wiederherstellen.
Die Monroedoktrin ist nach wie vor ein Hauptprinzip
unserer Außenpolitik, und wir werden weiterhin den
Tag anstreben, an dem Kuba von der befremdlichen
Ideologie des Kommunismus und Fidel Castros Regime befreit wird und die Amerikaner die Kubaner wieder
in der Gemeinschaft freier Nationen willkommen heißen können. Zu diesem Zweck unterstützen wir Radio
und TV Marti und den Geist von Cuba Libre.
In Asien verpflichten wir uns weiterhin zur Verbreitung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit. Wir werden
mit Japan auf gemeinsamen Fortschritt hinarbeiten
und unsere militärische Präsenz in Japan und Asien
aufrechterhalten. Darüber hinaus werden wir größere
japanische Verantwortung zur Selbstverteidigung und
weltweitem Wohlstand fördern.
Wir bekräftigen unser Engagement für die Sicherheit
Taiwans und betrachten jeden Versuch zur gewaltsamen Änderung dieses Status als Bedrohung der gesamten Region. Wir stehen zu dem Gesetz über die
Beziehungen Taiwans, der Grundlage für kontinuierliche Zusammenarbeit mit denjenigen, die uns seit
einem halben Jahrhundert loyal zur Seite stehen.
Unsere Politik gegenüber China gründet sich auf die
Unterstützung demokratischer Reformen. Wir müssen die Beziehungen zu China aufrechterhalten, damit
wir solche Refomen wirksam ermutigen können. Wir
werden weiterhin auf den Tag hinarbeiten, an dem die
Chinesen endlich ihren Weg zu einer offenen Gesellschaft hinter sich gebracht haben, die frei von den
beklagenswerten Restriktionen persönlicher Freiheit
ist, die noch immer bestehen.

Wir werden unsere engen Beziehungen mit der Republik Korea fortsetzen, um zur Abschreckung von Aggression aus dem Norden beizutragen. Nordkorea ist
weiterhin ein geächteter Staat und darf nicht in den
Besitz von Nuklearwaffen gelangen.
Mit dem philippinischen Volk werden wir unsere historischen Bande der Zuneigung aufrechterhalten.
Wir unterstützen die Bewegung in Kambodscha zu
Frieden und Demokratie.
Wir fordern größtmögliche Rechenschaft über die
amerikanischen Kriegsgefangenen und Vermißten in
Südostasien. Das Leid ihrer Familien berührt uns alle.
Wir werden in allen Foren und aus allen Quellen
vollständige Informationen anstreben. Unser Präsident hat die Regierung Vietnams davon in Kenntnis
gesetzt, daß eine Verbesserung der Beziehungen von
diesem Ziel abhängt.
Trotz der Opposition der Demokraten im Kongreß
haben wir in Afrika die Freiheitskämpfer bewaffnet und
zum erzwungenen Abzug der kubanischen Truppen
beigetragen. Jetzt treten wir in den langen Wiederaufbauprozeß ein und versuchen, das Vertrauen in
Demokratie auf einem von marxistischen Kriegen
heimgesuchten, lokalen Diktatoren geplünderten und
von der sozialistischen Ideologie irregeleiteten Kontinent wiederherzustellen. Politische und wirtschaftliche Freiheit sind die Schlüssel.
.
Wir werden verantwortungsbewußte Bestrebungen
der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung der Anarchie in Somalia und Bewältigung der
Bürde dieses Volkes unterstützen, das unter Dürre
und Hungersnot leidet. Wir verurteilen diejenigen, die
bewaffnete Gewalt benutzen, um die Nahrungsmittelverteilung zu verhindern.
In Südafrika hat die Politik der Republikaner eines
konstruktiven Engagements - Ablehnung von Apartheid bei gleichzeitiger Förderung friedlicher Veränderungen - Erfolge gezeitigt. Die Aussichten dieser
Nation haben sich zum Besseren gewandelt, obwohl
noch zahlreiche Schwierigkeiten bevorstehen. Wir
verurteilen die Gewalt gegen Unschuldige und beglückwünschen diejenigen, die Aussöhnung zur Schaffung eines neuen, demokratischen Südafrikas anstreben . Wir ermutigen Wirtschaftsreformen als Schlüssel
für Sicherheit und Wohlstand im neuen Südafrika.
Wir sind uns bewußt, daß Auslandshilfe in einem
vernünftigen Verhältnis zu unseren Interessen stehen
muß. Aus diesem Grund unterstützen wir die kontinuierliche Überarbeitung solcher Programme, damit sie
sowohl effektiv als auch gerechtfertigt sind. Wir ermutigen die finanzielle Unterstützung aus anderen Demokratien der Welt, um die Kosten des amerikanischen
Beitrags zur Friedenssicherung und Auslandshilfe
aufzuteilen.

AMERIKA DIENST 34

�Wir unterstützen Bestrebungen von privaten Hilfsorganisationen zur Erfüllung des Bedarfs der soeben
vom Kommunismus befreiten Länder und der Entwicklungsländer in Bereichen wie medizinischen, landwirtschaftlichen, erziehungspolitischen und unternehmerischen Hilfsleistungen.

massive sowjetische Kriegsmaschinerie in einen Motor für Frieden und Gesundung der zivilen Industrie
umgestalten. Wir werden mit unseren ehemaligen
Gegnern zusammenarbeiten, um die Verbreitung einzudämmen und über den ABM-Vertrag zu einer wirksamen Verteidigung gegen ballistische Raketen hinauszugehen.

Öffnung der Welt für amerikanische Unternehmen
Die Republikaner vertrauen auf Einzelpersonen und
Familien, ihre eigenen wirtschafltichen Entscheidungen zu treffen - die demokratischen Politiker tun dies
nicht. Wir lehnen ihr Programm des gebremsten
Handels, der Industriepolititk, hoher Steuern und
Regulierung ab. Wir sind gegen Strafsteuern für
ausländische Unternehmen in diesem Land, die nur
Vergeltungssteuern für amerikanische Unternehmen
im Ausland Tür und Tor öffnen. Ein Handelskrieg
bereitet den Weg zu internationaler Depression - und
macht die Arbeitnehmer weiterhin abhängig von staatlichen Almosen. Wir wollen den Rüstungswettlauf
nicht durch einen Subventionswettlauf ersetzen.
Unser unerschütterliches Engagement für freien Handel umfaßt auch die vehemente Durchsetzung amerikanischer Handelsgesetze. Wir erwarten faire und
gerechte Chancen bei unserem Handel mit anderen
Nationen und werden auf die Gewährleistung hinarbeiten, daß ausländische Märkte ebenso offen für unsere
Waren sind wie amerikanische Märkte für das Ausland. In allen den Handel betreffenden Gesprächen
werden wir den amerikanischen Interessen Priorität
einräumen.
Ebenso wie im Inland steht die Republikanische Partei
weltweit für Wachstum. Die amerikanischen Familien
haben von der neuen Ära des freien Unternehmertums
und Wohlstands nichts zu befürchten - und nur zu
profitieren - die entsteht, wenn freie Menschen konkurrieren, sich selbst übertreffen und Fortschritte erzielen.
Verbannung des nuklearen Alptraums
Seit nahezu einem halben Jahrhundert haben wir im
Schatten der nuklearen Zerstörung gelebt. Heute
verschwindet dieses Gespenst. Wir werden hier nicht
einhalten. Wir werden die Bedrohung der nuklearen
Vernichtung vom Angesicht der Erde verbannen nicht, indem wir unser Militär scharfmachen, wieeinige
Demokraten insistieren mögen, sondern indem wir auf
die historischen Leistungen der Präsidenten Bush und
Reagan aufbauen.
Dies bedeutet die Gewährleistung stabiler Führungseinrichtungen des ehemaligen sowjetischen Arsenals,
uneingeschränkte Zustimmung und verifizierte Durchführung aller Vertragsverpflichtungen durch die Nachfolgestaaten der UdSSR sowie die Verwirklichung der
jetzt vereinbarten zusätzlichen Reduzierung der strategischen Streitkräfte um 50 Prozent. Wir müssen bei
der Zerstörung von Waffen behilflich sein und die
AMERIKA DIENST 34

Wir werden nicht gestatten, daß der sowjetische nukleare Alptraum durch einen anderen ersetzt wird.
Geächtete Nationen - Nordkorea, Iran, Irak, Libyen
und andere - gieren nach Massenvernichtungswaffen.
Das ist der Alptraum der Verbreitung: nukleare, chemische und biologische Waffen, die zusammen mit
ballistischen Raketen über ganze Kontinente hinweg
einschließlich unseres eigenen, Tod bringen können.
Wir werden den Nichtverbreitungsvertrag erneuern
und verbessern. Wir werden eine Sicherheitspolititk
zur Bekämpfung der Verbreitungsgefahren erarbeiten. Wir werden multilaterale Vereinbarungen wie das
Kontrollregime für Raketentechnologie MTCR stärken. Und am wichtigsten ist, wir werden eine weltweite
Verteidigung gegen ballistische Raketen entwickeln
und stationieren. Trotz des Widerstandes der Demokratischen Partei und der Demokraten im Kongreß
werden wir ein effektives strategisches Verteidigungssystem für das amerikanische Volk stationieren.
Die Sicherheit der Vereinigten Staaten
Unsere Männer und Frauen in Uniform heute sind den
besten Soldaten, Seeleuten und Fliegern ebenbürtig,
die jemals die Uniform unseres Landes getragen haben.
Wie frühere Generationen 1918 und 1945 haben sie
einen großen Sieg errungen. Ebenso wie nach diesen
früheren Konflikten steht uns die schwierige Aufgabe
bevor, Umfang und Kosten der Verteidigung zu senken, ohne den Schutz der Vereinigten Staaten aufzugeben. In der Vergangenheit wurden schreckliche
Fehler begangen, und wir haben teuer dafür bezahlt,
als der Krieg in Korea begann. Wir werden dies nicht
ein zweites Mal zulassen.
Das herausgeforderte Amerika
Die größte Gefahr für die amerikanische Sicherheit
liegt im Inland, bei denjenigen, die das Land unvorbereitet auf die neuen Realitäten der Welt nach dem
Kalten Krieg lassen. Die ruchlosen Dämagogen in
verbrecherischen Regimen sind so real wie die nuklearen, chemischen und biologischen Waffen, die sie
anstreben. Die Gefahr der nuklearen Verbreitung ist
real, insbesondere angesichts der Verbreitung von
nuklearem Know-how nach dem Zusammenbruch der
UdSSR. Aus diesem Grund fordert die Republikanische Partei, deren Politiker wie Dan Quayle in den
achtziger Jahren auf der Stationierung einer neuen
Patriot-Rakete bestanden, jetzt eine neue Generation"
von Verteidigungssystemen gegen die SCUDs von
morgen.

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�Die Republikaner fordern einen kontrollierten Rüstungsabbau, nicht einen freien Fall. Aus diesem Grund
schlägt Präsident Bush die sorgfältige Reduzierung
der Verteidigungsausgaben in den nächsten vier Jahren um weitere 34 Milliarden Dollar vor, einschließlich
18 Milliarden für Aufwendungen und einem 25prozentigen Personalabbau. Der Präsident hat bereits über
100 Waffensysteme abgeschafft. Aus der ganzen
Welt kehren amerikanische Truppen aus dem Kalten
Krieg nach Hause zurück. Über 550 Stützpunkte in
Übersee werden geschlossen oder einer anderen
Verwendung zugeführt. Dennoch behalten die amerikanischen Streitkräfte die Fähigkeit bei, der Herausforderung einer zweiten Operation Wüstensturm mit dem
gleichen Erfolg zu begegnen.
Die amerikanischen Verteidigungsausgaben wurden
bereits beträchtlich gekürzt. Vor fünf Jahren machten
sie über ein Viertel des Bundeshaushalts aus. Bis
1997 betragen sie weniger als ein Sechstel. Die
Ausgaben für Verteidigung und Nachrichtendienste
werden als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts am
niedrigsten seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
sein.
Jeder Verteidigungshaushalt - so moderat er auch sein
mag - ist für die Demokraten zuviel. Sie wollen mit
einem Abbau der Verteidigungsausgaben über die
nächsten vier Jahre beginnen, der fast 60 Milliarden
Dollar über die vom Präsidenten vorgeschlagenen
Kürzungen hinausgeht und damit zusätzlich eine ganze
Million Amerikaner arbeitslos macht. Und dies könnte
nur der Anfang sein, weil die Demokraten den Verteidigungshaushalt als bodenloses Sparschwein benutzen, um Schwerter in politische Geschenke umzufunktionieren. Das ist eine Dummheit. Sie würde uns in die
Carter-Ära des "hohlen Militärs" zurückwerfen.
Ein sicheres Amerika
Weil die Vereinigten Staaten auf eine kleinere Streitmacht mit offensiven Nuklearwaffen zur Abschrekkung von Aggression in der Zeit nach dem Kalten Krieg
zurückgreifen, werden wir die Triade land-, see- und
luftgestützter strategischer Streitkräfte aufrechterhalten. Wir werden uns weiterhin auf die Sicherheit,
Verläßlichkeit und Wirksamkeit unserer Nuklearwaffen verlassen.
Mit einem kleineren Militär wird die Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte wichtiger als je
zuvor. Die Operation Wüstensturm hat die Bedeutung

*

von "Streitkräftemultiplikatoren" wie intelligente Munition, Tarntechnologie und Nachtsuchfähigkeiten unter
Beweis gestellt. Wir werden die zur Verfügung stehenden Waffen modernisieren und gezielt solche beschaffen, die dramatische Fortschritte versprechen. Unter
keinen Umständen werden wir unsere technologische
Überlegenheit aufs Spiel setzen.
Wir müssen nach wie vor zur Verteidigung amerikanischer Bürger und Interessen bereit sein, wo immer sie
bedroht sein könnten. Unabdingbar für diese Bereitschaft ist die Aufrechterhaltung einer starken, globalen
Marine und die Modernisierung vitaler Luft- und Seetransportkapazitäten. Wir engagieren uns weiterhin
für die Bekämpfung von Terrorismus in all seinen
Formen, wo immer er amerikanische Bürger oder
Interessen bedroht.
Die Republikaner werden den Zugang der Nation zum
Weltraum für verteidigungs- und andere Zwecke erhalten und sicherstellen, daß Weltraumtechnologie
nicht in die falschen Hände fällt.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist
unsere Strategische Verteidigungsinitiative jetzt darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten mit einer globalen Verteidigung gegen
begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen auszustatten. SDI ist die größte jemals getätigte Investition
in den Frieden. Dieses System wird unser Schutzschild gegen Technoterrorismus sein. Rußland hat
seine Partnerschaft zugesichert und sich zum Austausch von Frühwarninformationen sowie gemeinsamem Vorgehen gegen diejenigen bereiterklärt, die Tod
über unschuldige Menschen bringen würden.
Wir werden die Raktenverteidigung nutzen, um bedrohten Nationen zu versichern, daß sie keine eigenen
ballistischen Rakenten beschaffen müssen. Wir werden über den ABM-Vertrag hinausgehen und eine
effektive Verteidigung mit dem Ziel stationieren, eines
Tages die Bedrohung des nuklearen Holocaust vollständig zu beseitigen, nicht nur zu reduzieren.
Wir unterstützen Bestrebungen zur Reduzierung konventioneller und anderer Rüstungen, die effektivste
Rüstungskontrolle auf lange Sicht ist jedoch Demokratie. Freie Nationen greifen sich nicht gegenseitig an.
Deshalb ist die Förderung von Demokratie auf allen
Kontinenten wesentlicher Bestandteil des Verteidigungsprogramms der Republikaner.

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AMERIKA DIENST 34

�SOMALIA
26. August 1992

USA GEBEN ZWEIGLEISIGE NOTHILFESTRATEGIE
FÜR SOMALIA BEKANNT
Erklärung des Sonderkoordinators
WASHINGTON - (AD) -Am 18. August 1992 kündigten die Vereinigten Staaten weitere Lieferungen an Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe nach Somalia an und erläuterten eine zweigleisige Strategie, damit die Hilfslieferungen so rasch wie möglich den Bedürftigsten zugute kommen.
Andrew Natsios, Präsident Bushs Sonderkoordinator für die somalische Nothilfeaktion betonte, die Vereinigten
Staaten würden weiterhin multilaterale Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen als
Reaktion auf die humanitäre Krise unterstützen.
"Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia", hob der Sonderkoordinator hervor.
Zusätzlich zu diesen multilateralen Bestrebungen umriß er eine "unilaterale Strategie einer kurzfristig geplanten
Luftbrücke", um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Sonderkoordinator Natsios bei einer Pressekonferenz abgegebene
Erklärung im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten standen seit Beginn der Krise
vor 18 Monaten an vorderster Front der humanitären
Hilfsbestrebungen für Somalia. Bis heute haben wir
Hilfslieferungen im Wert von über 85 Millionen Dollar
einschließlich der Lieferung von 80.000 Tonnen Nahrungsmitteln im Haushaltsjahr 1992 bewilligt. Diese
Mittel wurden vom Amt für internationale Entwicklung
(USAID), dem US-Außenministerium und dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium bereitgestellt.
Die von der US-Regierung im Sommer 1991 in die
Wege geleitete Strategie sollte das Internationale
Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zur Mobilisierung
eines massiven Nahrungsmittelprogramms veranlassen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht.
Obwohl das IKRK hervorragende Arbeit leistet, ist es
schlicht und einfach nicht in der Lage, den gesamten
Bedarf an Nahrungsmitteln und Medikamenten zu
erfüllen, die Somalia angesichts des enormen Ausmaßes der Krise benötigt. Im Dezember 1991 hat die
amerikanische Regierung auf ein Engagement der
Vereinten Nationen gedrängt. Im Januar wurden erneut UN-Friedenstruppen nach Somlia entsandt, sahen sich jedoch außerstande, die Situation unter Kontrolle
zu bringen.

AMERIKA DIENST 34

Angesichts der andauernden Krise schlägt die USRegierung einen zweigleisigen Ansatz zur humanitären Hilfe für Somalia vor:
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin multilaterale
Maßnahmen unterstützen und die Vereinten Nationen
auffordern, die Führungsrolle bei den diplomatischen
und humanitären Nothilfeinitiativen für Somalia zu
übernehmen.
Die Vereinten Nationen benötigen jedoch die uneingeschränkte und wirksame Unterstützung aller Mitgliedstaaten zur Durchführung einer erheblichen Erweiterung der Hilfsbestrebungen. Als Übergang zu diesen
längerfristigen Maßnahmen leitet USAID gleichzeitig
eine zweite unilaterale Strategie in die Wege. Dazu
zählt eine kurzfristig geplante Luftbrücke mit Flugzeugen und Mannschaften des US-Verteidigungsministeriums, um auf dem Weg oder bereits im Land befindliche Nahrungsmittel rascher in die betroffene Region
zu bringen.
Darüber hinaus wird USAID am 19. August ein Katastrophenschutzteam (Disaster Assistance Response
Team - DART) in die Region entsenden, um mit dem
US-Verteidigungsministehum, den Vereinten Natio-

Seite 1

�nen, dem IKRK und freiwilligen Hilfsorganisationen
zusammenzuarbeiten. Das DART-Team wird ferner
UN-Behörden, dem IKRK und den freiwilligen Hilfsorganisationen bei der Erarbeitung und Durchführung
neuer Nothilfeprogramme zur Seite stehen. Die
amerikanische Regierung beabsichtigt die Aufstokkung ihrer direkten Unterstützung für die freiwilligen
Hilfsorganisationen und das IKRK. Unsere unilateralen Maßnahmen werden als Übergang zu einem umfassenden Konzept unter der Schirmherrschaft der
Vereinten Nationen dienen.
Ich kann nicht umhin festzustellen, daß keine Hilfsstrategie vollständigen Erfolg bei der Bekämpfung der
Hungersnot in Somalia haben wird, solange nicht
grundlegende Sicherheitsprobleme gelöst sind. Die
humanitäre Strategie der US-Regierung kann teilweise zur Reduzierung der Spannungen beitragen. Dennoch
sind die politisch Verantwortlichen in Somalia für den
Tod von Hunderttausenden ihrer Mitbürger verantwortlich. Es ist unabdingbar, daß der politische Versöhnungsprozeß, angemessene sicherheitspolitische
Interventionen und Bestrebungen der somalischen
Fraktionsführer in Einklang gebracht werden, um der
Nation Frieden zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt
können unsere Maßnahmen dazu beitragen, die Sterberate zu verringern - sie können nicht allen aufgrund
der Hungersnot Sterbenden helfen.
Ich möchte den übrigen Teil meiner Ausführungen auf
die Rolle des USAID-DART-Teams konzentrieren.
Meine Kollegen vom Außen- und Verteidigungsministerium werden auf die diplomatischen Bestrebungen
und die geplante Luftbrücke eingehen.
Das USAID-DART-Team verfolgt drei Ziele:
1.

Einleitung eines umfassenden Verkaufsprogramms von Nahrungsmitteln, um die Lebensmittelpreise zu senken und zu stabilisieren.

2.

Dezentralisierung der Nothilfe, damit die Menschen aus den Städten wieder aufs Land ziehen
und

3.

Entwicklung von Programmen, die mit aus dem
Nahrungsmittelverkauf erzielter lokaler Währung finanziert werden, um den wirtschaftlichen
Gesundungsprozeß zu beschleunigen, insbesondere bei der Viehzucht und im Agrarsektor.

Ein Verkaufsprogramm, mit dem Nahrungsmittel entweder in Somalia oder den Nachbarländern Dschibuti
und Kenia direkt an somalische Händler verkauft werden,
würde unseren Erwartungen zufolge zu einer Senkung
der Lebensmittelpreise führen und damit denjenigen,
die über gewisse Mittel verfügen, die Rückkehr zur
Marktwirtschaft ermöglichen. Wir hoffen, daß dieses
Programm direkte Auswirkungen auf die Sicherheits-

bedingungen im Land haben wird. Wenn genügend
Nahrungsmittel zu einem relativ niedrigen Preis auf die
Märkte kommen, sollte die Mehrheit der Bevölkerung
in der Lage sein, die benötigten Lebensmittel zu kaufen, und Diebe würden kaum davon profitieren, Nahrungsmittel von den Hilfsorganisationen zu stehlen.
Wenn Lebensmittel nicht länger ein Währungsersatz
sind, sollte es den Hilfsorganisationen möglich sein,
Nahrungsmittel mit weniger Sicherheitsrisiken zu liefern. In dem Maße, wie sich die Sicherheit verbessert,
könnten die Hilfsorganisationen ihre Bestrebungen
dezentralisieren und in die Landstriche vordringen, die
jetzt aus Sicherheitsgründen abgeriegelt sind. Direkte
kostenlose Verteilung von Nahrung an die am meisten
Betroffenen muß nach wie vor wesentlicher Bestandteil der Nothilfestrategie sein angesichts der Hungersnot, deren Zeuge wir hier sind.
Mit der aus den Verkaufsprogrammen erzielten lokalen Währung wird das DART-Team mit den freiwilligen
Hilfsorganisationen bei der Einführung von Maßnahmen zurStützung der Einkommen und wirtschaftlichen
Gesundung zusammenarbeiten. Projekte für Arbeit
gegen Bezahlung sowie Viehzucht- und Agrarprogramme haben hohe Priorität.
Ich möchte jedoch betonen, daß diese Pläne vorläufig
sind und das DART-Team die Befugnis hat, im weiteren Verlauf Anpassungen vorzunehmen. Angesichts
der im Land herrschenden Anarchie gibt es kein Patentrezept für Erfolg.
Zusätzlich zu den von dem DART-Team in die Wege
geleiteten Marktinterventionen wird die US-Regierung
weiterhin Nothilfemaßnahmen unterstützen wie ergänzende Nahrungsmittelprogramme für unterernährte Kinder sowie Bewässerungsprojekte auf dem Land
und in den Städten zur Verbesserung der Wasserqualität und -quantität für Mensch und Tier. Wir werden
das IKRK nach wie vor unterstützen und haben soeben
zusätzliche 3 Millionen Dollar für Hilfsoperationen des
IKRK bewilligt.
Die Vereinigten Staaten widmen dem Transport von
Nahrungsmitteln nach Somalia beträchtliche Aufmerksamkeit. Neben den in diesem Haushaltsjahr bereitgestellten 80.000 Tonnen Nahrungsmittel werden wir im
Haushaltsjahr 1993 weitere 145.000 Tonnen Nahrungsmittel nach Somalia liefern. Diese Mittel werden
nicht mit Flugzeugen des US-Verteidigungsministeriums transportiert. Sie werden so bald wie möglich im
kommenden Haushaltsjahr in amerikanischen Häfen
verschifft und mit Schiffen und Lastwagen nach Somalia geliefert. In der Zwischenzeit werden 13.000 Tonnen der im Haushaltsjahr 1992 bereitgestellten Nahrungsmittel voraussichtlich in diesem Monat und 8.500
Tonnen in der ersten Septemberwoche die Region
erreichen.
*

*

AMERIKA DIENST 34

�BILDUNGSWESEN
26. August 1992

MULTIKULTURELLE BILDUNG - EIN DISKURS
von Robert K. Landers
Zahlreiche amerikanische Pädagogen sind der Ansicht, die Schulen müßten multikulturelle Lehrpläne für die
Fächer Geschichte und Sozialkunde einführen, und Kalifornien hat bereits Schritte in dieser Richtung unternommen, schreibt der Autor des nachstehenden Artikels. Er erläutert das kalifornische Programm und sonstige
Ableger der multikulturellen Bildung wie etwa den Afrozentrismus.
Der Verfasser ist Mitarbeiter bei Editorial Research Reports. Nachdruck gestattet mit folgendem Zusatz:
Copyright (c) 1990 by Congressional Quarterly, Inc.. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Zu Beginn der neunziger Jahre sind die Vereinigten
Staaten noch enger mit der Welt verflochten. Um sich
in diesem veränderten Umfeld behaupten zu können,
müssen Amerikaner heute wesentlich mehr über andere
Völker, ihre Kulturen und ihre Vergangenheit wissen.
Gleichzeitig wächst auch die Vielfalt im amerikanischen Volk selbst. Es mag einst möglich gewesen
sein, Amerika als ein Land zu betrachten, das nahezu
vollständig aus Weißen europäischer Abstammung
bestand. Aufgrund der Einwanderung aus Asien,
Lateinamerika und anderen Regionen und der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre steht diese Auffassung jedoch nicht länger mit der Realität im Einklang.
Für Pädagogen liegt die Lehre aus diesen beiden
Trends auf der Hand: Die Schulen können den Rest
der Welt nicht länger ignorieren, und sie können die
Amerikaner nicht länger so behandeln als seien sie alle
von gleicher Art. Sie müssen jungen Amerikanern
etwas über die Welt vermitteln, und dabei müssen sie
die Amerikaner über ihre Vielfalt unterrichten. "Was
benötigt wird", erklärt der Historiker William H. McNeill
von der University of Chicago, "ist eine gemeinsame
Menschheitsgeschichte".
Wegweisend bei der Suche danach ist der Bundesstaat Kalifornien. Im Jahr 1987 führte das kalifornische Schulsystem ein neues Rahmencurriculum für
das Fach Geschichte/Sozialwissenschaften ein,
demzufolge die Schüler in Weltgeschichte sowie in
der Geschichte ihrer eigenen demokratischen Nation
und multikulturellen Gesellschaft unterrichtet werden
sollen - und diese Fächer sollten sehr intensiv sowie
mit ungewöhnlichem Realismus unterrichtet werden.
Kalifornien hat jedoch festgestellt, daß dies angesichts der lautstarken Vertretung von SonderinteresAMERIKA DIENST 34

sen und der traditionellen Scheu von Schulbuchverlagen nicht leicht sein wird.
Um seinem neuen Rahmenlehrplan gerecht zu werden, bat Kalifornien die Schulbuchverlage, Lehrbücher
zu liefern, die noch nicht existierten. Darüber hinaus
wollte der Bundesstaat Lehrbücher, die gut geschrieben waren und nicht jeglichen Realitätsbezug verloren
hatten, weil alles, was irgendjemanden beleidigen
könnte, herausgenomen wurde. Doch obwohl jedes
achte in den Vereinigten Staaten verkaufte Schulbuch
in Kalifornien erworben wird, sträubten sich die Verleger. Die Herstellung neuer Schulbücher ist ein kostspieliges Unterfangen, und sie wußten, daß der Verkauf der neuen Schulbücher auch in anderen Landesteilen bei weitem nicht garantiert war.
Die Houghton Mifflin Company ließ sich jedoch auf das
Wagnis ein. Sie legte eine völlig neue Serie von
Texten für das Fach Sozialkunde vor. Die Geschichte
wurde in den Büchern lebendig dargestellt, sie war
multikulturell - und, wie sich herausstellte, kontrovers.
Schließlich wurde die Serie von dem Bundesstaat
übernommen, aber die Bücher mußten einen Spießrutenlauf gegen Vertreter religiöser und ethnischer
Sonderinteressen überstehen, von denen jeder argumentierte, seine Geschichte oder Kultur oder sein
Glaube würden ignoriert oder verzerrt dargestellt. Die
Erfahrung war kaum ermutigend, um zögernde Schulbuchverleger dazu zu veranlassen, dem Beispiel von
Houghton Mifflin zu folgen. Und sie war auch nicht
geeignet, andere Schulsysteme zu ermutigen, dem
Beispiel Kaliforniens zu folgen.
Darüber hinaus wird das multikulturelle Curriculum in
Geschichte/Sozialkunde wie im Falle Kaliforniens nicht
nur von zögerlichen Schulbuchverlegern oder verschiedensten Sonderinteressen bedroht, sondern auch
Seite 1

�von einer als Afrozentrismus bezeichneten Bewegung, die sich ebenfalls für Multikultur ausspricht. Der
Afrozentrismus ist bestrebt, Afrika in den Mittelpunkt
der Lehrpläne in den Schulen zu rücken, um damit
schwarze Schüler zum Lernen zu ermutigen.
Die Vertreter des Afrozentrismus, zumeist engagierte
schwarze Dozenten und Pädagogen, schlagen ein
Curriculum vor, das - wie im Falle von Kaliforniens
multikulturellem Curriculum - über die traditionelle
amerikanische Geschichte hinausgeht, die Schwarze
und andere Minderheiten nur am Rande behandelte.
Die Verfechter des Afrozentrismus haben bereits Einfluß auf Lehrpläne in Portland (Oregon), Atlanta (Georgia)
und andernorts genommen.
So wird beispielsweise in Portland eine umstrittene
Serie mit dem Titel African-American Baseline Essays seit Januar 1989 als Curriculum-Hilfsmittel für
Lehrer eingesetzt. Diese Essays sind nicht als Lehrmaterial für die Schüler gedacht. Vielmehr sollen die
Lehrer den von der öffentlichen Schulverwaltung in
Portland erlassenen Richtlinien zufolge diese Essays
lesen und dann "relevante Inhalte in das verabschiedete Schulbezirkscurriculum einführen". Die Essays
befassen sich mit afrikanischer Geschichte sowie afrikanischen und afroamerikanischen Beiträgen zu Kunst,
Literatur, Mathematik, Naturwissenschaften und Musik.
Kritiker behaupten jedoch, die Essays - wie auch der
gesamte afrozentrische Ansatz - seien von der Wahrheit sehr weit entfernt.
Der Afrozentrismus geht von Annahmen über das
antike Ägypten und die Ursprünge der westlichen
Zivilisation aus, die zusammengenommen benutzt
werden können, um einem Mythos über eine antike
Blütezeit der Schwarzen und eine von den Weißen
geraubte Vergangenheit Vorschub zu leisten. Dieser
Mythos mag den Kritikern zufolge erhebliche Anziehungskraft haben, aber seine wichtigsten Elemente
werden von vielen, vielleicht den meisten führenden
Wissenschaftlern und Historikern verworfen. "Das ist
keine ernsthafte Forschung", erklärt McNeill offen.
Trotzdem wächst sein Einfluß aufgrund der scheinbar
hoffnungslosen Lage so vieler junger Schwarzer in den
Städten Amerikas. "Meines Erachtens liegt dem
afrozentrischen Curriculum eine große Verzweiflung
über die schlechte Lage eines großen Teils der afroamerikanischen Bevölkerung zugrunde", meint Gary
B. Nash, Geschichtsprofessor an der University of
California in Los Angeles. Der Ruf nach einem afrozentrischen Curriculum hat nach seiner Auffassung
"hauptsächlich etwas mit den äußerst schwierigen
Lebensbedingungen eines großen Teils der schwarzen Kinder in den heutigen Vereinigten Staaten zu tun.
Die Leute, die sich dafür einsetzen, erklären immer
wieder, daß das Problem, das sie zu lösen versuchen
... die geringe Selbstachtung und (die) schlechten

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Leistungen sind, die ihrer Meinung nach mit der geringen Selbstachtung afro-amerikanischer Kinder einhergehen."
Daß eine afrozentrische Version von Geschichte oder
überhaupt irgendeine Version dieses hehre Ziel erreichen könnte, steht bei weitem nicht fest. "Sicherlich
wünsche ich mir, die Geschichte hätte die Macht, all
das zu leisten, was zu leisten sie in den Augen der
Afrozentristen in der Lage ist", erklärt Nash, aber das
kann sie nicht. Geschichte hat "ein gewisses Potential, Leute dazu zu veranlassen, über ihre Welt nachzudenken und sich darin aktiv als Entscheidungsträger
und Teilnehmer am politischen Leben zu betätigen",
meint Nash. "Ich glaube jedoch nicht, daß Geschichte
Probleme wie Armut und Obdachlosigkeit oder Drogen, Gewalt und minderjährige Mütter überwinden
kann."
Andererseits könnte die Durchsetzung eines afrozentrischen (oder irgendeines anderen ethnozentrischen)
Curriculums jedoch die Anziehungskraft eines "pluralistischen" multikulturellen Curriculums untergraben,
das die gemeinsame Geschichte und Kultur der
Amerikaner nicht aus dem Blick verliert. Der Afrozentrismus mag vielleicht einen multikulturellen Anstrich
haben, behaupten die Kritiker, aber er ist nicht multikulturell. Die Abteilungsleiterin im US-Bildungsministerium, Diane Ravitch, war früher Geschichtsprofessorin
am Pädagogischen Seminar der Columbia University
und in dieser Funktion an der Entwicklung des neuen
Rahmencurriculums in Kalifornien beteiligt. Sie bezeichnet den afrozentrischen Ansatz im öffentlichen
Schulwesen als "partikularistische" Form des Multikulturalismus - das "Gegenteil" der von ihr befürworteten pluralistischen Art.
Die pluralistische Form, erklärt sie, gibt den Kindern
"ein Bild der amerikanischen Gesellschaft, das aussagt 'He, wir gehören alle dazu, wir sind alle Amerikaner, wir sind unterschiedlich, und wir sind gleich, und
wir entstammen verschiedenen Ursprüngen und sollten die kulturellen Unterschiede zwischen uns verstehen, weil wir dann besser zusammenarbeiten können.'
Die andere ist lediglich ein rassisch geprägter Lehransatz."
Die Koordinatorin für multikulturelle/multiethnische
Bildung des öffentlichen Schulwesens in Portland,
Carolyn M. Leonard, ist jedoch anderer Meinung. Sie
erklärt, sie werde häufig über "das Thema ... 'Wir sind
alle Amerikaner, und ist das nicht wunderbar' befragt.
Und ich bin nicht dagegen. Aber ich sage, bevor man
die Geschichte einer Gruppe in den großen amerikanischen Schmelztiegel einrührt, sollten wir sicherstellen,
daß die Menschen darin genug Informationen über
sich selbst haben."

AMERIKA DIENST 34

�Bei einem afrozentrischen oder jedem ethnozentrischen Bildungsansatz besteht die Gefahr, daß die
Schüler die gemeinsame Geschichte und Kultur
Amerikas aus den Augen verlieren. "Mir scheint",
erklärt McNeill, "wir (Amerikaner) teilen weit stärker
eine gemeinsame Kultur als daß wir mehrere getrennte haben. Das heißt, es gibt natürlich Unterschiede
zwischen Schwarzen und Weißen sowie zwischen
Asiaten und Menschen europäischer Herkunft sowohl
im Hinblick auf das physische Aussehen als auch in
Familienstruktur (und) Familientraditionen. Aber besonders in öffentlichen Angelegenheiten, den Angelegenheiten der Gemeinde und des Staates ist es alles
eine Welt." Er und andere Historiker meinen, daß
amerikanische Schüler viel über diese Welt lernen
müssen - und von der Welt als Ganzem.
Obwohl amerikanische Lehrpläne und Lehrbücher dies
in der Vergangenheit häufig vermissen ließen, sind die
Vereinigten Staaten von Anfang an eine multikulturelle
Gesellschaft gewesen, und die Vielfalt Amerikas hat
stets gleichermaßen Ängste angefacht wie Optimismus hervorgebracht. Ein dauerhafter Ausdruck des
letzteren war das Bild von Amerika als "Schmelztiegel", das dem amerikanischen Bewußtsein von Israel
Zangwill, einem englischen Juden, eingeprägt wurde.
Er schrieb im Jahr 1908 ein Theaterstück, in dem zwei
russische Einwanderer, ein Jude und eine Christin,
Liebe und Glück in Amerika finden - "Gottes Schmiede, der große Schmelztiegel, in dem alle Rassen
Europas verschmelzen und umgeformt werden".
Der Schmelztiegel Amerika war nicht nur eine schöne
Fiktion. Er war "eine äußerst reale und befruchtende
Erfahrung für Millionen von Einwanderern", stellt der
emeritierte Geschichtsprofessor Paul Gagnon von der
University of Massachusetts in Boston fest. Aber
selbst als die Neuankömmlinge sich in den amerikanischen Schmelztiegel eingerührt sahen, waren sie dem
Historiker Bernard A. Weisberger zufolge niemals "nahe
daran, ihre Identität als Juden oder NichtJuden, Kelten
oder Teutonen oder ganz besonders als Menschen
weißer und roter sowie schwarzer und gelber Hautfarbe zu verlieren."

Raum und Zustimmung als allen anderen Entdeckern
außer Kolumbus, und sie konzentrierten sich auf die
englischen Kolonisten, wobei sie Franzosen, Spanier
und Niederländer nahezu völlig außer acht ließen."
Was "die Einwanderer" angeht, so erschienen sie auf
den Seiten der Schulbücher lediglich als Problem. Bis
zu den dreißiger Jahren, schrieb FitzGerald, enthielten
die Texte "keine Angaben darüber, wie diese Menschen lebten, was sie taten oder woher sie kamen und
noch viel weniger darüber, warum sie kamen".
In den vierziger Jahren fand der Gedanke von Amerika
als Schmelztiegel Eingang in die meisten Schulbücher. In den vierziger und fünfziger Jahren, erinnerte
FitzGerald, diente der Schmelztiegel in den Schulbüchern als "Schlagwort für alle Ausführungen über
Einwanderer, und die Freiheitsstatue war als Illustration daneben abgebildet". Aber dies, schrieb sie,
beendete nicht "die Unterscheidung zwischen 'Wir'
und 'Sie' oder brachte eine echte Veränderung des
Schulbuchbegriffs dessen, was ein Amerikaner ist.
(Mit Ausnahme von) Künstlern und Menschen, die von
einem Schiff herabhängen und die Freiheitsstatue
anschauen, zeigten (die Lehrbücher) nur Menschen,
die wie angelsächsische Protestanten aussahen."
In den frühen sechziger Jahren, als mit John F. Kennedy zum ersten Mal ein Katholik irischer Abstammung
zum Präsidenten gewählt wurde, gaben die Lehrbücher die Unterscheidung Wir-Sie auf und machten sich
die Idee von Amerika als "Nation von Einwanderern"
zu eigen. Erst gegen Ende des Jahrzehnts jedoch
begannen die Schulbücher Amerikaner zu zeigen, die
nicht als weiße, angelsächsische Protestanten zu
erkennen waren. "Und dann", so FitzGerald, "fand
die Zerschmetterung des einheitlichen Bildes 'eines
Amerikaners' nicht deshalb statt, weil Amerikaner irischer oder italienischer Abstammung oder amerikanische Juden Druck ausgeübt hätten, sondern aufgrund
der schwarzen Bürgerrechtsbewegung."

Die amerikanischen Geschichtsbücher jedoch, die sich
traditionell mehr mit Staat und Politik als mit Sozialgeschichte befaßten, registrierten diese nicht verschmelzbare ethnische Vielfalt erst als die Einwanderung in
diesem Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Südund Osteuropäer strömten in das Land, und die Texte
begannen, zwischen "den Einwanderern" und "uns
Amerikanern" zu unterschieden.

Bis Mitte der sechziger Jahre hatten Schwarze in den
Schulbüchern nahezu keine Rolle gespielt. Erst in den
späten vierziger Jahren tauchten in den meisten Lehrbüchern überhaupt Abbildungen von freien Schwarzen
auf. Davor waren die Schwarzen in den meisten
Texten lediglich "die Sklaven", wie FitzGerald aufzeigte. Sie "waren auf magische Weise zu einem
nicht näher bezeichneten Zeitpunkt in diesem Land
aufgetaucht und waren mit dem Ende des Bürgerkrieges verschwunden." Und angeblich waren sie über
den Mangel an Freiheit noch nicht einmal allzu unglücklich gewesen.

Wie Frances FitzGerald in ihrer 1979 erschienenen
Studie America Revised: History Schoolbooks in
the Twentieth Century berichtete, begannen die
Lehrbücher gleichzeitig, "die englische Herkunft der
Amerikaner zu betonen. In den Ausführungen (der
Lehrbücher) über Entdeckungen und Kolonisierung
gewährten sie Sir Francis Drake wesentlich mehr

All dies veränderte sich mit der Bürgerrechtsbewegung. Zunächst konzentrierten die Lehrbücher Mitte
der sechziger Jahre ihre Aufmerksamkeit etwas unbeholfen auf den Chemiker und Botaniker George
Washington Carver sowie auf den Stellvertretenden
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ralph J.
Bunche, während andere schwarze Amerikaner nahe-

AMERIKA DIENST 33

Seite 3

�zu keine Erwähnung fanden. Andere, die Aufmerksamkeit verdienten, wurden jedoch bald entdeckt.
Anfang der siebziger Jahre waren die meisten Schulbücher so umgeschrieben worden, daß sie die Geschichte der Schwarzen in Amerika bis zur Bürgerrechtsbewegung behandelten. FitzGerald zufolge
enthielten die Indizes der meisten Bücher Einträge
"unter 'Schwarze' für die Kolonialzeit, die Amerikanische Revolution, den Spanisch-Amerikanischen Krieg,
die Truman-Administration und so weiter sowie für die
Zeiträume, in denen die amerikanische Politik von
Rassenfragen beherrscht wurde". Obwohl die Bücher
ihre Perspektive über das Zeitalter der Reconstruction
(nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, Anm. d. Red.)
ziemlich drastisch ändern mußten, wiesen die restlichen umgeschriebenen Texte FitzGerald zufolge im
allgemeinen "keine grundlegende Änderung auf: es
handelte sich lediglich um Zusätze, um Einschübe, wo
vorher nichts gewesen war".
In den sechziger Jahren, als US-Bürger an der Bürgerrechtsfront Geschichte machten, wurden die Vereinigten Staaten stärker als je zuvor Teil einer kleiner
werdenden Welt. Das Einwanderungsgesetz von 1965,
mit dem das alte nationale Quotensystem abgeschafft
wurde, führte zu einem drastischen Anstieg der Einwanderer aus Lateinamerika und Asien. Zehn Jahre
später, als Südvietnamn an das kommunistische
Nordvietnam fiel, kam die erste Flüchtlingswelle aus
Indochina. In der Zwischenzeit brachten Satelliten, die
Computerrevolution sowie andere wissenschaftliche
und technische Fortschritte Nationen und Menschen in
engeren Kontakt miteinander. Der Welthandel wurde
wichtiger und der Wettbewerb intensiver. Japanische
Autos fuhren auf amerikanischen Straßen und Autobahnen, und amerikanische Arbeiter in der Automobilindustrie verloren ihre Arbeitsplätze. Die Vereinigten
Staaten verloren ebenso ihre Spitzenposition wie die
amerikanischen Schulkinder.
1983 warnte eine nationale Kommission, "unsere
Zukunft als Nation und als Volk" sei bedroht durch die
"zunehmende Welle der Mittelmäßigkeit" an den
amerikanischen Schulen. "Wissen, Lernen, Information und Intelligenz sind die neuen Rohmaterialien des
internationalen Handels...", erklärte die Kommission.
"Und sei es nur, um den kleinen Wettbewerbsvorteil
zu erhalten und zu verbessern, den wir immer noch auf
den Weltmärkten haben, müssen wir uns für die Reform unseres Bildungswesens engagieren."
Obwohl die Welt und ihre unterschiedlichen Völker für
Amerika immer wichtiger wurden, blieben junge Amerikaner im Hinblick auf die Welt und ihre Geschichte
ziemlich unwissend, sogar wenn man es aus dem
Blickwinkel der jüngsten US-Außenpolitik betrachtet.
Die Unwissenheit der Schüler über die Weltgeschichte
ist nicht so überraschend, wenn man berücksichtigt,
wie wenig sie darüber in der Schule erfahren. Wenige
Staaten fordern von High-School-Schülern auch nur
Seite 4

einen Jahreskurs in Geschichte. Und der BradleyKommission (1987-88) zum Fach Geschichte in Schulen zufolge lernen fast die Hälfte aller amerikanischen
Schüler überhaupt nichts über Weltgeschichte oder
zumindest die westliche Zivilisation.
Dabei ist Zeit das größte Hindernis, Schüler effektiv
über Weltgeschichte und amerikanische Geschichte
im Kontext der Weltgeschichte zu unterrichten. "Wir
sind die einzige relativ moderne Gesellschaft auf der
Welt, die versucht, ihre Geschichte in nur einem Jahr
in der High School zu unterrichten und auch versucht,
Weltgeschichte in einem Jahr zu lehren," erklärt Gagnon.
Kalifornien gab diese Einschränkungen 1987 mit seinem neuen Rahmencurriculum für Grund- und weiterführende Schulen auf. "Wir widmen der amerikanischen Geschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart drei volle Jahre, so daß Zeit zum Nachdenken
bleibt und auch Zeit, um das Thema zu vertiefen,"
erklärt die Pädagogik-Professorin Charlotte Crabtree
von der UCLA, die gemeinsam mit Ravitch das Rahmenwerk verfaßt hat. "Und das bewirkt einen großen
Unterschied."
Das Rahmenwerk in Kalifornien will Schülern die Erkenntnis vermitteln, "daß die amerikanische Gesellschaft pluralistisch und multikulturell ist und stets war."
Aber es will auch ihre Wahrnehmung stärken, daß
"auch wenn die Menschen bei uns immer vielfältiger
werden, trotzdem der Konsens besteht, daß wir ein
Volk sind. Wo immer unser Ursprung auch liegt, wir
sind alle Amerikaner." Crabtree fügt hinzu: "Wir
haben keine gemeinsame nationale Herkunft, keine
gemeinsame Religion, keinen gemeinsamen ethnischen Ursprung. Unsere Vielfalt ist eine Realität. Als
Volk verbindet uns unser politisches System und die
politischen Werte, die wir schätzen - diese Werte der
Freiheit, Gleichheit und so weiter. Das müssen die
Kinder verstehen - und ganz sicher heute, da diese
Botschaft um die Welt geht."
Das Rahmencurriculum von Kalifornien mag nicht
perfekt sein, aber es ist sicherlich eine Herausforderung und darüber hinaus innovativ. Ferner versucht
es, viele der Probleme direkt zu lösen, die den Unterricht der Geschichte und Sozialkunde seit Jahren
belasten.
1989 hat der Ausschu ß über Politik für Rassengerechtigkeit, eine Gruppe prominenter schwarzer Wissenschaftler unter Leitung von John Hope Franklin, einem
Historiker an der Duke University, eine "schwarze
Einschätzung" zum Zustand öffentlicher Schulen
abgegeben. Der Ausschuß begrüßte das "Wiederaufleben der Besorgnis über den Zustand des Bildungswesens in Amerika." Der Ausschuß erklärte,
daß eine Bildungsreform zwar den Bedürfnissen der
"am wenigsten privilegierten ebenso entsprechen mu ß
wie derjenigen, die für den Unterricht besser vorbereitet sind," erhob aber den Vorwurf, daß Schulen nicht

AMERIKA DIENST 33

�"ihrer grundsätzlichen Verantwortung nachkommen,
alle Kinder zu erziehen, egal wie benachteiligt sie
sind".
Obwohl der Ausschuß allen Grund zur Besorgnis
hatte, wäre es irreführend, die Tatsache zu ignorieren
(und das tat der Ausschuß auch nicht), daß schwarze
Amerikaner in den letzten Jahrzehnten erhebliche
Fortschritte im Bildungswesen gemacht haben. Zum
Beispiel ist der Prozentsatz schwarzer Erwachsener
im Alter von über 25, die einen High-School-Abschluß
haben, von etwa 36 Prozent im Jahr 1970 (über 21
Punkte hinter der entsprechenden Zahl f ür Wei ße) auf
fast 67 Prozent im Jahr 1988 (11 Punkte dahinter)
gestiegen. Der Prozentsatz von College-Absolventen
unter Schwarzen über 25 hat sich von 6 Prozent im
Jahr 1970 auf 16 Prozent im Jahr 1988 erhöht.
Der Ausschuß schwarzer Wissenschaftler kam zu
dem Schluß, daß sich schwarze Eltern aktiv an der
schulischen Laufbahn ihrer Kinder beteiligen sollen
und die Schule selbst "ihren Schwerpunkt von den
angeblichen Unzulänglichkeiten des schwarzen Kindes - den angeblichen Mängeln des schwarzen Familienlebens - zu den Hindernissen verschieben muß, die
dem schulischen Erfolg im Wege stehen." Nach
Auffassung des Ausschusses "verstärken die Schulen soziale Ungleichheiten eher, als daß sie sie überwinden".
Um die Schüler in den Städten stärker zu motivieren,
empfahlen die Wissenschaftler unter anderem, daß
das Curriculum "erweitert wird, um die Lebensumstände und Interessen von schwarzen Kindern und
denen anderer Minderheiten widerzuspiegeln...Es nimmt
Shakespeare oder Emily Dickinson nichts, wenn man
die Dramen von August Wilson und die Dichtung von
Langston Hughes als integralen Bestandteil des Curriculums an den Schulen einbezieht", konstatierte der
Ausschuß. Alle Kinder müssen erkennen, daß Menschen wie sie die klassischen Sorgen der Menschheit
zum Ausdruck bringen, daß sie im Klassenzimmer
symbolisch vertreten und wert sind, erörtert zu werden. "I, too, sing America", schrieb Hughes. Ein multikulturelles Curriculum ist für eine multikulturelle Gesellschaft unabdingbar, und alle Kinder profitieren,
wenn sie etwas über den außergewöhnlichen Reichtum ihrer heterogenen Kultur lernen." Aber es ist
bemerkenswert, daß diese führenden schwarzen
Wissenschaftler nichts von der angeblichen Notwendigkeit erwähnen, Afrika in den Mittelpunkt des Curriculums für öffentliche Schulen zu stellen. Der zunehmende Ruf danach ist zum großen Teil auf dieselbe
angebliche "Krise" in der Ausbildung schwarzer
Jugendlicher zurückzuführen, die der Ausschuß beschrieb, kommt jedoch nicht von der Mehrheit der
Wissenschaftler.
Der gegenwärtigen Popularität der afrozentrischen
Bewegung liegt John Bracey von der University of
Massachusetts die Auffassung zugrunde, weil "nichts
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anderes funktioniert und vielleicht um einer Mythologie
entgegenzutreten, derzufolge Schwarze keinen Wert
haben, die Lösung darin besteht, ihnen eine Mythologie zu geben, die erklärt, Schwarze seien von höherem
Wert".
Bracey, derschwarze politische Bewegungen studiert,
war zunächst geneigt, die afrozentrische Bewegung
zu ignorieren, "weil sie mir als relativ uninteressant
erschien. Aber sie ist immer noch existent und in der
Tat größer und größer geworden." Bracey zufolge
erfreut sie sich heute "ziemlicher Unterstützung"
durch Lehrer weiterführender Schulen in einigen Staaten einschließlich New Yorks und New Jerseys. Die
Bewegung ist heute der sichtbarste Ausdruck von
schwarzem Nationalismus mit einer panafrikanischen
Perspektive.
Was es für einen Lehrplan wirklich bedeutet, "afrozentrisch" zu sein, ist nicht immer ganz klar. In Portland,
wo die African-American Baseline Essays als Quelle
von Lehrern benutzt werden, ist ein Curriculum laut
Leonard "nur in dem Sinne afrozentrisch, wie man die
afrikanische Geschichte aus der Kultur heraus erzählt.
Sie konzentriert sich auf die Menschen, die mit der
Kultur verbunden sind, von denen die meisten Afrikaner sind, die die Geschichte aus der Kultur heraus
erzählen. Das ist alles."
Portland unterteilt die Menschheit in sechs Gruppen Afrikaner, Asiaten, Hispanoamerikaner, Indianer,
Bewohner der Pazifischen Inseln und Europäer - und
beabsichtigt, für jede dieser Gruppen Essays zu schreiben. Aber die "Wahrheit" über eine Gruppe muß
nicht notwendigerweise die "Wahrheit" für eine andere sein, so Leonard. "Wir wissen, daß es diejenigen
geben wird (die Einwände haben), wenn die Indianer
sagen: 'Wir sind nicht über die Beringstraße gekommen. Wir wurden in Amerika geschaffen. Aber das ist
ihre Geschichte. Wir sagen den Menschen nicht, ihr
müßt diese Übereinstimmung mit der Wissenschaft
oder irgendetwas anderem erzielen. Wir sagen, wir
wollen, daß ihr versteht, daß die einzelnen menschlichen Gruppen, die Jahrtausende miteinander verbracht haben, eine Sicht der Welt haben, die sich von
der eurozentrischen Sicht der Welt unterscheidet, und
das ist in Ordnung. Wir wollen euch dieser Sichtweise
aussetzen. Wir sagen nicht, ihr müßt jedes Wort
glauben. Ihr müßt nicht glauben, daß die Indianer mit
den Bäumen gesprochen haben, wenn ihr das nicht
wollt. Aber ihr solltet zumindestens wissen, daß es
Menschen gibt, die etwas anderes glauben als ihr, und
obwohl ihr der eurozentrischen Sichtweise kulturell
stark verbunden sein könntet,... gibt es Menschen, die
die Welt nicht so sehen.'"
In den Augen der Befürworter bietet ein afrozentrisches Curriculum eine ehrliche Version der Geschichte, die sich auf solide akademische Forschung gründet, selbst wenn die meisten Weißen sich weigern,
dies zu akzeptieren. Den Afrozentristen zufolge war
Seite 5

�das alte Ägypten, nicht das alte Griechenland, die
Wiege der westlichen Zivilisation, der Geburtsort von
Mathematik, Philososphie und vielem anderen mehr.
Und die alten Ägypter waren schwarz, sagen sie.
Viele führende Historiker lehnen die grundlegenden
afrozentrischen Behauptungen jedoch ab. McNeill
beispielsweise erklärt, das alte Ägypten sei im wesentlichen keine schwarze Gesellschaft gewesen. Die
alten Ägypter "waren in dem Sinne Afrikaner, daß sie
in Afrika lebten, aber sie sind zweifelsohne nicht das
Gleiche wie die schwarzen Afrikaner dieses Landes.
Sie sind überhaupt nicht gleich, und jeder, der das
denkt, redet nur Unsinn." Die afrozentrischen schwarzen Nationalisten sind ihm zufolge "keine Historiker.
Sie sind Agitatoren. Aber sie haben bedauerlicherweise eine beachtliche Vertretung in Schulkreisen, insbesondere in New York."
In New York ist dieser Einfluß in den vergangenen
Jahren sehr deutlich geworden. 1987, in dem Jahr, in
dem Kalifornien seinen neuen Rahmenlehrplan verabschiedete, überarbeitete auch New York das Curriculum. Der Empire State entschied sich für einen zweijährigen Kurs über die Welt allgemein, der keine besondere Betonung auf Geschichte legte und diefürdas
Studium Westeuropas vorgesehene Zeit auf ein Vierteljahr reduzierte. Zahlreiche Gelehrte, die besorgt,
waren, daß die Studenten schon jetzt viel zuwenig
über Europa lernten, protestierten vergebens gegen
diese Kürzung. Aber zwei Jahre später wurde eben
dieses Curriculum von einer Arbeitsgruppe als "eurozentrisch" verurteilt, die vom Bildungsbeauftragen
des Bundesstaates, Thomas Sobol, eingesetzt worden war.
"Afroamerikaner, Amerikaner asiatischer Abstammung,
Puertoricaner/Lateinamerikaner und die amerikanische
Urbevölkerung waren alle Opfer einer intellektuellen
und bildungspolitischen Unterdrückung, die die Kultur
und Institutionen der Vereinigten Staaten sowie der
europäisch-amerikanischen Welt seit Jahrhunderten
charakterisiert hat", stellte der Bericht der Arbeitsgruppe vom Juli 1989 fest. "Negative Charakterisierungen oder das Fehlen positiver Referenzen haben
eine äußerst schädliche Wirkung auf junge Menschen
afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer
Herkunft sowie auf Angehörige der Urbevölkerung und
einen ebenso schädlichen, wenn auch anderen Effekt
auf junge Menschen europäisch-amerikanischer Abstammung." (Zur Untermauerung dieser Behauptun*

Seite 6

*

gen über schädliche Auswirkungen wurden jedoch
keine Beweise beigebracht).
Die Arbeitsgruppe spaltete die Amerikaner in zwei
diametral entgegengesetzte Gruppen - "europäische
Amerikaner" und "Nichteuropäer" - die der erstgenannten beträchtliche Feindschaft entgegenbrachten. Die
Arbeitsgruppe beschwerte sich, daß der Lehrplan von
New York immer noch "eine systematische Neigung
zu europäischer Kultur und ihren Derivaten enthält"
und weiterhin das "europäisch-amerikanische Wertesystem fördert. Infolgedessen konzentriert sich die
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika und
des Staates New York auf die angelsächsische Elite,
während das 'andere Amerika' unsichtbar gemacht
oder zumindest an den Rand gedrängt wurde... Europäische Kultur hat keinen immanenten Anspruch auf
Überlegenheit, aber unser Bildungssystem lehrt europäische Amerikaner dennoch, daß ihre Kultur der
Standard ist, gegenüber dem alle anderen Kulturen
zurückfallen."
Die Arbeitsgruppe empfahl die vollständige Überarbeitung des Lehrplans, "um sicherzustellen, daß der
pluralistische Charakter unserer Gesellschaft eindeutig repräsentiert ist und Studenten aller Kulturen richtig
ausgebildet werden. Aspekte der Kooperation und
Freundschaft zwischen allen Kulturen sollten gegenüber Konflikt und Gewalt betont werden."
Alle Seiten im Lehrplan-Krieg sind jetzt für "Multikulturalismus" und befürworten das multil ulturelle Studium der amerikanischen und Weltgeschichte. Die
gesamte Argumentation, was dies beinhalten sollte,
verschleiert jedoch bestimmte entscheidende Wahrheiten. Die demokratischen Institutionen der Vereinigten Staaten hatten ihren Ursprung in Europa und
insbesondere in Großbritannien. In dem Maße, in dem
Schüler über dieses Vermächtnis unterrichtet werden
- was sie zweifelsohne sollten - muß das Curriculum
unweigerlich "eurozentrisch" sein. Wenn man jedoch
zur Sozialgeschichte kommt, führt Nash aus, "ist ein
eurozentrischer Ansatz unausgewogen, weil er Amerikaner asiatischer Abstammung, Afroamerikanern oder
Hispanoamerikanern wenig Aufmerksamkeit widmet".
Aber auch ein afrozentrischer Lehrplan wäre unausgewogen, erklärt er. "Es ist unerheblich, welches Wort
Sie vor '-zentrisch' setzen. In einem Land wie dem
unseren und beim Unterrichten der Weltgeschichte
schaffen sie ein unausgewogenes Curriculum sobald
sie dieses Wort benutzen."
*

*

AMERIKA DIENST 33

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