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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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12. August 1992
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BOSNIEN/SERBIEN

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive
Menschenrechtsverletzungen

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG
NEUER UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungsnahme des US-Außenministeriums

USA KUNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE
SCHRITTE GEGEN DAS EHEMALIGE
JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers

FLÜCHTLINGE

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger

UMWELT

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung
prognostiziert

PROBLEMS OF COMMUNISM

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism"
veröffentlicht

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA FORDERN UNCHR-SONDERSITZUNG
ZUM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten fordern eine
Sondersitzung der UNO-Menschenrechtskommission,
um die "gefährliche Situation" im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern, einschließlich der angeblich "massiven" Menschenrechtsverletzungen in Internierungslagern.

"Angesichts dieser Umstände ... ersuchen die Vereinigten Staaten um die Einberufung der Menschenrechtskommission in einer Dringlichkeitssitzung zum
frühestmöglichen Zeitpunkt, um die gefährliche Situation im ehemaligen Jugoslawien zu erörtern," schrieb
Abram.

Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den
Vereinten Nationen, Botschafter Morris B. Abram,
unterbreitete das Ersuchen am 5. August 1992 in
einem Schreiben an das UNO-Menschenrechtszentrum in Genf.

Die UNO-Menschenrechtskommission ist das wichtigste Element im System der Vereinten Nationen zur
Überwachung der Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und insbesondere der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte.

"Meine Regierung möchte Ihre Aufmerksamkeit auf
die gefährliche Verschlechterung der Menschenrechtssituation im früheren Jugoslawien richten," schrieb
Abram an den Stellvertretenden Generalsekretär für
Menschenrechte und Leiter der Genfer UNO-Vertretung, Antoine Bianca.

Die aus 53 Mitgliedern bestehende Kommission kommt
jährlich sechs Wochen im Februar und März zusammen, aber 1990 hat der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen (U.N. Economic and Social Council - ECOSOC), der die Arbeit der Kommission überwacht, neue Verfahren zur Einberufung einer Sondersitzung der Kommission verabschiedet, wenn die
Mehrheit der Mitglieder zustimmt.

"Berichte über Konzentrationslager geben Anlaß zu
großer Besorgnis über möglicherweise massive Menschenrechtsverletzungen," so Abram. "Berichten zufolge werden Bürger zusammengetrieben und standrechtlich erschossen. Dörfer werden zerstört und
Häuser dem Erdboden gleichgemacht."
Abram verwies ferner darauf, daß internationalen
Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu den
Stätten der angeblichen Brutalität verwehrt wird.

Dies ist das zweite Mal, daß ein Ersuchen um eine
Sondersitzung einging. Das erste wurde im Juni von
der Arabischen Liga vorgebracht, als sie um eine
Sitzung über die israelisch besetzten Gebiete bat.
Diese Sitzung fand jedoch nicht statt, weil eine Abstimmung der Kommissionsmitglieder nicht die erforderliche Mehrheit von 27 Jastimmen erbrachte.

* * * * *

AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA DRÄNGEN AUF VERABSCHIEDUNG NEUER
UN-RESOLUTION ZU BOSNIEN
Stellungnahme des US-Außenministerlums
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten drängen auf die unverzügliche Verabschiedung einer neuen UN-Resolution, die "gegebenenfalls" die militärische Absicherung der Hilfslieferungen nach ganz
Bosnien-Herzegowina einschließlich der Internierungslagergestatten würde, erklärte das US-Außenministerium am 10. August 1992.

Woche wurden aus einigen Internierungslagern Folterungen und standrechtliche Erschießungen berichtet.

Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums, Richard Boucher, stellte bei einer
Pressekonferenz fest, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich hätten sich auf den Wortlaut
eines Resolutionsentwurfs geeinigt, der China und
Rußland, den anderen Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats, UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
sowie den Mitgliedern des 15 Nationen umfassenden
Rats vorgelegt werden soll.

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um
dem IKRK Zugang zu verschaffen", erklärte der Stellvertretende Pressesprecher. "Wir bestehen weiterhin
darauf, daß alle an dem bosnischen Konflikt beteiligten
Parteien alle Internierungslager für Inspektionen des
IKRK öffnen und natürlich die dort möglicherweise
stattfindenden Menschenrechtsverletzungen beenden
müssen."

"Wir wollen sie so schnell wie möglich durchsetzen", so
Boucher.
Die Vorgehensweise bei den Vereinten Nationen ist
Teil breitgefächerter diplomatischer Bestrebungen der
Vereinigten Staaten zur Bewältigung der andauernden
Krise in Bosnien-Herzegowina.
Das wichtigste unmittelbare Ziel ist, wie Boucher betonte, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in Bosnien
und anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens zu
verschaffen, in denen Kampfhandlungen stattfinden.
Boucher verwies auf ein Schreiben der bosnischen
Serben an das Rote Kreuz mit der Bestätigung, dem
IKRK Zugang zu allen unter ihrer Kontrolle stehenden
Einrichrichtungen zu gewähren. Der Brief enthielt
jedoch keinen Hinweis auf die Bereitschaft der Serben,
die Einrichtungen dem IKRK zu übergeben. Die bosnischen Serben behaupten, dem IKRK würde die
Besichtigung von Omarska gestattet, einem der 12
Lager, die sich angeblich unter ihrer Kontrolle befinden
und eines der Lager, in dem Berichten zufolge Mißhandlungen stattgefunden haben. In der vergangenen

AMERIKA DIENST 32

In den letzten beiden Wochen gab es "sehr viel spezifischere Informationen und eindeutige Beschuldigungen, was in den Internierungslagern vor sich geht",
stellte Boucher fest.

"Wir haben keine Frist gesetzt", so Boucher. "Unseres
Erachtens sollte dies unverzüglich erfolgen, und darauf drängen wir."
Boucher zufolge erwarten die Vereinigten Staaten
auch, im Sicherheitsrat "rasch eine Resolution zu
Kriegsverbrechen voranzubringen". Mit einer solchen
Resolution würden alle Staaten aufgefordert, dem Rat
fundierte oder begründete Informationen zur Verfügung zu stellen.
Über 35 der 53 Mitgliedstaaten haben den amerikanischen Appell zur Einberufung der ersten Sondersitzung der UN-Menschenrechtskommission vom 13. bis
14. August 1992 in Genf unterstützt, bei der die Menschenrechtssituation im ehemaligen Jugoslawien erörtert werden soll, erklärte Boucher. John Bolton,
Abteilungsleiter im US-Au ßeministerium für internationale Organisationen wird bei der Sondersitzung den
Vorsitz der amerikanischen Delegation führen.
Andere amerikanische Initiativen werden bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) weiterentwickelt, einschließlich der
Aufforderung zu einer baldigen Dringlichkeitssitzung
des Ausschusses Hoher Beamten (AHB) der KSZE

Seite 1

�über die Entsendung eines Sonderberichterstatters in
das ehemalige Jugoslawien. Darüber hinaus befaßt
sich die KSZE mit den Befürchtungen, daß der bosnische Konflikt sich in andere Regionen des ehemaligen
Jugoslawiens und die Nachbarstaaten ausbreiten könnte.

richten zufolge verlief die Luftbrücke am 10. August mit
24 vorgesehenen Flügen reibungslos.

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Verabschiedung einer UN-Resolution über die militärische
Absicherung der Hilfslieferungen nach Bosnien erörtern NATO-Behörden, wie sie die Aktivitäten des UNGeneralsekretärs und anderer Organisationen am besten
unterstützen können. "Ich möchte nicht behaupten,
daß die NATO in irgendeiner Weise das einzige Organ
ist, aber zweifelsohne verfügt die NATO über sehr
große Fähigkeiten", erläuterte Boucher.

Der Stellvertretende Pressesprecher verwies darauf,
daß der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) am 8. August 1992 "Ermittlungsteams" nach Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien entsandt hat. "Diese Teams
werden eine Bedarfsermittlung in den Bereichen
medizinische Versorgung, Nahrungsmittel, Obdach
sowie der Kapazitäten vor Ort zur Durchführung der
humanitären Programme vornehmen", stellte er fest.
"Diese Ermittlung wird zu einem aktualisierten Stand
des finanziellen und personellen Bedarfs für die Hilfsprogramme im ehemaligen Jugoslawien führen."

Die von der UNO unterstützte Luftbrücke mit humanitären Hilfsgütern nach Sarajevo wurde am 8. August
mit 20 Flügen wiederaufgenommen. Mit 4 amerikanischen Flugzeugen wurden 235,6 Tonnen Hilfsgüter
eingeflogen, so Boucher. Am 9. August landeten 21
Maschinen - davon 3 amerikanische - mit 271,3 Tonnen Hilfslieferungen in Sarajevo, und vorläufigen Be-

Am Wochenende haben die Vereinigten Staaten Briefe an die politsch Verantwortlichen in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina mit dem Vorschlag der
unverzüglichen Herstellung uneingeschränkter diplomatischer Beziehungen geschickt. "Wir haben noch
keine Antwort erhalten, rechnen jedoch in Kürze damit",
erklärte Boucher.

* * * *

*

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN/SERBIEN
12. August 1992

USA KÜNDIGEN NEUE DIPLOMATISCHE SCHRITTE
GEGEN DAS EHEMALIGE JUGOSLAWIEN AN
Rede des Stellvertretenden Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika ad interim, Lawrence
Eagleburger, erläuterte am 5. August 1992 eine Reihe diplomatischer Initiativen der Vereinigten Staaten mit dem
Ziel, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu den Gefangenenlagern in BosnienHerzegowina und Serbien zu verschaffen.
In seiner vorbereiteten Rede stellte Eagleburger fest, amerikanische Diplomaten im ehemaligen Jugoslawien
hätten der dortigen Führung gegenüber auf "unverzüglichem, ungehindertem und kontinuierlichem Zugang zu
allen Gefangenenlagern" für das IKRK beharrt.
Indem er auf die zunehmende Zahl von Berichten über Internierungslager verwies, fügte der Außenminister ad
interim hinzu, einige dieser Berichte deuteten mögliche Hinrichtungen, Folterungen und andere gravierende
Menschenrechtsverletzungen an.
Er unterstrich die diplomatischen Aktionen der Vereinigten Staaten, mit denen der Zugang zu Gefangenenlagern
für das IKRK durch die Parteien im ehemaligen Jugoslawien, die Vereinten Nationen, die UN-Menschenrechtskommission, die Europäische Gemeinschaft und den KSZE-Mechanismus unterstützt werden soll. Er verwies
ferner darauf, daß die Vereinigten Staaten Rußland gebeten haben, seinen Einfluß bei den Serben geltend zu
machen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Lawrence Eagleburger im Wortlaut.

In der vergangenen Woche wurde eine wachsende
Zahl von Berichten über Internierungslager in BosnienHerzegowina und Serbien vorgelegt, die auch die
Möglichkeit von Hinrichtungen, Folterungen und anderen gravierenden Menschenrechtsverletzungen andeuten. Diese Berichte umfassen Pressekonferenzen, Beschuldigungen und Gegendarstellungen der
Parteien sowie Berichte von anderen in der Region.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat neun
Einrichtungen besichtigt, in denen 4.300 Gefangene
registriert wurden. Das IKRK berichtete über äußerst
schwierige Haftbedingungen, konnte jedoch keine
Beweise für Konzentrationslager finden. Dennoch
liegen zahlreiche Berichte über andere Gefangenenlager vor, die das Rote Kreuz nicht besichtigen durfte,

Unverzügliches Handeln ist erforderlich, um die Wahrheit aufzudecken und eventuell verübte Grausamkeiten zu verhindern. Gestern morgen haben wir eine
Reihe von Schritten unternommen, um diesen Zugang
zu ermöglichen:

und in diesen fanden angeblich einige dieser Greueltafpn ststt

Europäischen Gemeinschaft innehat und damit

Obwohl unbestätigt, sind diese Berichte außerordentlieh beunruhigend. Es ist lebenswichtig daß absolut
alle Gefangnisse und Internierungslager für das Rote
Kreuz und andere neutrale Parteien geöffnet werden.

AMERIKA DIENST 32

"

.

.

Wir

haben

unsere diplomatischen Vertreter
angewiesen, sofort Kontakt zu hochrangigen
serbischen, bosnischen und kroatischen Regierungsvertretern aufzunehmen und darauf zu
bestehen, daß dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz
unverzüglich, ungehindert
und kontinuierlich Zugang zu allen Intemierungsla ern
9
gewährt wird,

Wjr haben Großbritannien&gt; das den Vorsitz der

auch die anderen Mitglieder der EG gebeten,
ähnliche Maßnahmen zu ergreifen,
wir haben Rußland aufgefordert, seinen Einfluß
gegenüber Serbien zu diesem Zweck geltend zu
machen

Seite 1

�Wir haben um eine Stellungnahme des Sicherheitsrats gebeten und diese gestern abend
erhalten. Darin wurde diese Bitte befürwortet
und die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen daran erinnert, daß sie individuell
für Verletzungen der Genfer Konvention zur
Verantwortung gezogen werden können.
Heute haben wir eine außerordentliche Dringlichkeitssitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf
gefordert, um die Situation im Detail zu prüfen, gravierende Menschenrechtsverletzungen zu erörtern und
auf den ungehinderten Zugang zu Internierunglagern
zu drängen. Wir blicken auf die Menschenrechtskommission in der Erwartung, daß sie ihr Mandat in diesem
Zusammenhang mit der Ernennung eines Sonderbeauftragten zwingend ausübt, dem Zugang zu den Lagern gewährt werden sollte, damit er diese Beschuldigungen prüfen und den Mitgliedern der Vereinten
Nationen seine Empfehlungen unterbreiten kann. Hierbei
handelt es sich um das erste Treffen dieser Art in der
Geschichte der Menschenrechtskommission. Wir haben
die Regierungen weltweit zur unverzüglichen Unterstützung dieses Appells gedrängt, noch bevor der
offizielle Vorschlag verteilt wurde, damit das Treffen so
bald wie möglich stattfinden kann. Der Vorschlag ist
jetzt in Genf unterbreitet worden und fordert die 53
Mitgliedstaaten bis 19.00 Uhr MESZ am Montag, den
10. August 1992 zu einer Stellungnahme auf. Wir
hoffen, noch vor diesem Zeitpunkt die erforderliche
Zusage von mindestens 27 Mitgliedern zu erhalten.

Beobachtern nach Rumänien erleichtern, um
sicherzustellen, daß die Auswirkungen der UNOSanktionen auf die serbische Wirtschaft so
verheerend wie möglich sind.
Wir erarbeiten eine Resolution des Sicherheitsrates, die Staaten und Organisationen zur
Sammlung fundierter Informationen bezüglich
"Kriegsverbrechen" auffordert und diese Informationen dem Sicherheitsrat zur Verfügung stellt.
Heute konnten wir Anzeichen beobachten, daß unsere
Bitten erhört werden.
In Belgrad hat Premierminister Panic unserem
Geschäftsträger versprochen, internationale Beobachter zur Besichtigung angeblicher Lager in
Serbien und Montenegro einzuladen. Panic
versicherte darüber hinaus seine Unterstützung
der Erklärung der UNO-Präsidentschaft, mit der
die Öffnung der von Serben und Bosniern unterhaltenen Lager gefordert wird.
Presseberichten zufolge hat die Führung der
sogenannten "Serbischen Republik Bosnien"
erklärt, sie sei zur Öffnung aller Einrichtungen
für internationale Inspektionen bereit.
Der bosnische Präsident Izetbegovic hat unserem Geschäftsträger in Belgrad gegenüber erklärt,
er habe den internationalen Beobachtern Zugang zu allen Einrichtungen in Bosnien angeboten.

Darüber hinaus unternehmen wir unverzüglich folgende Schritte:
Wir fordern die KSZE auf, den entsprechenden
Mechanismus der KSZE zur menschlichen
Dimension in Gang zu setzen, um den Prozeß
der Wahl eines Berichterstatters zu überwachen, der diese Beschuldigungen prüfen soll.
Wir unternehmen erneute Anstrengungen zur
verschärften Durchsetzung der Sanktionen
zusätzlich zu den Anfang dieses Monats in die
Wege geleiteten Bestrebungen, die Erfolge gezeitigt haben. Wir werden die Entsendung von

Präsident Tudjman hat unserem Generalkonsul
in Zagreb gestern versichert, er werde Kontakt
zu der kroatischen Führung in Bosnien aufnehmen, um deren uneingeschränkte Zusammenarbeit mit dem IKRK zu fordern.
Diese Versprechungen sind begrüßenswert, aber was
zählt, sind Taten. Wir können keine Entschuldigungen
wie in der Vergangenheit dulden, daß die Sicherheit
der IKRK-Delegationen nicht gewährleistet werden
könne, um deren wichtige Mission zu blockieren. Wir
werden darauf drängen, daß den Worten Taten folgen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 32

�FLÜCHTLINGE
12. August 1992

NEUE LÖSUNGEN FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ERFORDERLICH
von Lawrence Eagleburger
Der Verfasser ist Stellvertretender Außenminister. DernachfolgendeArtikelistseinerjüngstenAnhörungvordem
Rechtsunterausschuß des Senats für Einwanderung und Flüchtlingsfragen entnommen.
Das Bild des Flüchtlings - einer Person, die der Verfolgung in die Freiheit zu entfliehen sucht - war eines der
mächtigsten Symbole der Ära des Kalten Krieges. Das
Ende des Kalten Krieges hat somit einen positiven
Effekt auf eine Reihe gravierender, traditioneller Flüchtlingsprobleme gehabt. Die freiwillige Rückkehr - die
wünschenswerteste und dauerhafteste Lösung für
Flüchtlinge - ist inzwischen für Hunderttausende Latein-amerikaner, Kambodschaner, Angolaner und Afghanen möglich geworden. Andernorts auf der Welt
besteht Grund zu der Annahme, daß ein Großteil der
16 Millionen Flüchtlinge in den nächsten Jahren in ihre
Heimat zurückkehren kann. Obwohl politische Lösungen in zahlreichen Bereichen noch viel zu wünschen
übrig lassen, fühlen wir uns ermutigt, daß die überwältigende Mehrheit der rückkehrenden Flüchtlinge die
Schwierigkeiten überwinden und den Wiederaufbau
ihrer vom Krieg zerstörten Heimat in Angriff nehmen
will.
Bedauerlicherweise hat das Ende des Kalten Kriegs
auch neue Probleme für bestimmte Teile der Welt mit
sich gebracht. Zwei erwähnenswerte Beispiele sind
Nagorny-Karabach und Bosnien-Herzegowina. Tragischerweise wurde in diesen Gebieten die Tyrannei des
Staates durch gewalttätige Manifestationen des lange
schwelenden ethnischen und religiösen Hasses ersetzt. Wir alle sind entsetzt über die Fernsehberichte
unschuldiger Menschen, die bei dem Versuch in Sarajevo Brot zu kaufen, ermordet werden - der Stadt, die
während der Olympiade 1984 für die Erlangung sozialer Harmonie angesichts der ethnischen Vielfalt gefeiert wurde. Nachdem ich amerikanischer Botschafter
im ehemaligen Jugoslawien war, bin ich zutiefst erschüttert, mitansehen zu müssen, daß blanker Wahnsinn und Chaos jetzt dort regieren, wo sehr wohl eine
der Erf olgsstories der Zeit nach dem Kalten Krieg hätte
stattfinden können.

AMERIKA DIENST 32

Es ist ebenso ironisch, daß der Berliner Luftbrücke
vergleichbare Szenen jetzt im Sarajevo des Jahres
1992 wiederholt werden. Wie 1948 muß die internationale Staatengemeinschaft nicht nur über das Wohlergehen des belagerten Volkes, sondern auch über die
Sicherheit derjenigen besorgt sein, die Hilfe anzubieten versuchen. Während damals die Motivation derjenigen, die die Hilfsbestrebungen zu vereiteln suchten,
Ideologie war, ist die Motivation heute Nationalismus
und jahrhundertealter Haß. Unter der Schirmherrschaft des UN-Sicherheitsrats und der ausgezeichneten Koordination des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligen sich die
Vereinigten Staaten an multilateralen Bestrebungen,
damit die humanitäre Hilfe den Menschen in Sarajevo
zugute kommt.
Näher an unserer Heimat arbeiten wir seit dem Putsch
auf Haiti im September 1991 auf die Wiedereinsetzung
einer demokratischen Regierung in diesem Land hin.
In den vergangenen Monaten ist die Zahl der von der
amerikanischen Küstenwache aufgegriffenen Haitianerdrastisch angestiegen. Als temporäre Maßnahme
haben wir den US-Marinestützpunkt in Guantanamo
Bay auf Kuba als Auffanglager für Asylsuchende eingerichtet. Es wurde jedoch bald offenkundig, daß
Guantanamo selbst als Magnet wirkte und die Zahl der
haitianischen Auswanderer unsere Kapazität zu ihrer
Unterbringung auf dem Stützpunkt sprengte. Am 24.
Mai 1992 wurde die US-Küstenwache durch einen
Präsidialerlaß angewiesen, aufgegriffene Haitianer direkt
nach Haiti zurückzuschicken, wo die Bearbeitung von
Flüchtlingsanträgen erfolgen kann. Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß die einzelnen haitianischen
Fraktionen eine demokratische politische Lösung
aushandeln können.

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten haben sowohl finanziell als
auch politisch bei der Rückführung von Flüchtlingen
eine aktive Rolle gespielt und werden dies auch in
Zukunft tun. Dennoch muß ein beträchtliches Maß an
internationaler Zusammenarbeit und Unterstützung
erfolgen, wenn diese Chancen nicht vergeudet werden
sollen. Wie wir in Südostasien im Rahmen des umfassenden Aktionsplans festgestellt haben, entscheidet
sich eine zunehmende Zahl von Asylsuchenden für die
Rückkehr in ihre Heimat, wenn deutlich wird, daß die
Umsiedlung in Drittländer keine Option für diejenigen
ist, denen der Flüchtlingsstatus nicht zuerkannt wird.
Wir haben ferner in Vietnam, im Irak und andernorts
die Erfahrung gemacht, daß die Nachbetreuung und
sorgfältige Berücksichtigung der Bedürfnisse der in
ihre Heimat Zurückgekehrten entscheidend ist. Beispielsweise ist die Räumung von Minen - obwohl
gefährlich und kostspielig - unabdingbar für die sichere
Rückkehr von Kambodschanern, Salvadorianern und
Angolanern. In Afghanistan müssen Straßen und
Bewässerungssysteme wiederaufgebaut werden. Und
nur durch Rehabilitierung und Entwicklung der wirtschaftlichen Infrastruktur kann Äthiopien auf die Repatriierung seiner Bürger hoffen und die erneute Auswanderung der rückkehrenden Flüchtlinge vermeiden, die
bei der nationalen Wirtschaftslage nicht überleben
können.
Wir haben auch gelernt, daß Zusammenarbeit zwischen Flüchtlings- und Entwicklungsbehörden erforderlich ist, wenn die Repatriierung erfolgreich sein soll.
Den Bedürfnisse der Rückkehrenden und der im Lande Umgesiedelten muß im Rahmen von nationalen
Wiederaufbau- und Entwicklungsprogrammen Rechnung getragen werden. In der Erkenntnis der Notwendigkeit zur Überbrückung der Kluft zwischen Repatriierung und Entwicklungshilfe in Mittelamerika wurde ein
Modell für die Reintegration nicaraguanischer und
anderer mittelamerikanischer Flüchtlinge geschaffen,
in das Erfahrungen mit Flüchtlingen und bei der Entwicklungshilfe Eingang gefunden haben. Der UNHCR
und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) erarbeiten einen ähnlichen Ansatz für
Kambodscha.
Die internationale Staatengemeinschaft hat auch erkannt, daß die Antworten den Umständen angemessen sein müssen, die Flüchtlingsströme bewirken.
Nach dem Golfkrieg sahen sich die Vereinten Nationen
mit beträchtlichen Schwierigkeiten konfrontiert, eine
wirksame Reaktion auf einen Flüchtlingsstrom von
über einer Million Menschen binnen weniger Tage
hervorzubringen. Die Koordinierung zwischen den
UN-Behörden und nichtstaatlichen Organisationen
(NGOs) stellte ein größeres Problem dar. Glücklicherweise konnten das amerikanische Militär und unsere
Koalitionspartner die zur Rettung mehrerer hundert
Menschenleben erforderlichen Maßnahmen ergreifen,
während Konditionen zu ihrer Rückkehr in den Irak in
relativer Sicherheit geschaffen wurden.
Seite 2

Die aus der irakischen Flüchtlingskrise gelernten
Lektionen haben zu Verbesserungen der Reaktionsfähigkeit des UNHCR geführt. Pläne zur Sicherstellung,
daß UNHCR- und andere Mitarbeiter zur unverzüglichen Entsendung in einem Notfall zur Verfügung stehen, wurden in die Praxis umgesetzt. Entwürfe für
Abkommen wurden vorbereitet, um die effektive und
beschleunigte Beteiligung der NGOs zu ermöglichen
sowie ein Bestand von bei einer Flüchtlingskrise für
gewöhnlich benötigtem Material angelegt.
Ende letzten Jahres wurde im Zusammenhang mit den
Bestrebungen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zur Reform der Vereinten Nationen die Position
eines Stellvertretenden Generalsekretärs für humanitäre Hilfe und ein rotierender Nothilfefonds in Höhe von
50 Millionen Dollar geschaffen. Diese Initiativen tragen bereits im Hinblick auf den Strom somalischer
Flüchtlinge nach Kenia und burmesischer Rohingyas
nach Bangladesch Früchte wie auch bei der Krise im
ehemaligen Jugoslawien.
Die internationale Staatengemeinschaft wendet darüber hinaus ihre bisher gewonnenen Erfahrungen bei
der Verhinderung weiterer Flüchtlingskrisen an. Der
UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) arbeiten mit den neuen Regierungen in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion bei der
Bereitstellung der erforderlichen technischen und juristischen Ausbildung zur Behandlung von Flüchtlingen,
Umsiedlern und Emigranten zusammen. Die Vereinigten Staaten fördern und beteiligen sich aktiv an diesen
multilateralen Aktivitäten.
Wir sind ferner der Überzeugung, unsere eigenen auf
nationaler Ebene mit ethnischer und kultureller Vielfalt
gewonnenen Erfahrungen sollten mit anderen geteilt
werden. Mit einer Reihe technischer Hilfsprojekte vor
Ort übertragen wir führenden Vertretern der neuen
Regierungen im ehemaligen Sowjetblock Aufgaben in
Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors für
Flüchtlings- und Emigrationsfragen. Das Büro für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten des
US-Außenministeriums stellt rechtsstaatliche Ausbildung für Juristen aus Osteuropa und den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zur
Verfügung. Wir erinnern diese Regierungsvertreter
wiederholt daran, daß unsere bilateralen Beziehungen
von dem Maß abhängen, in dem die Menschenrechte
- insbesondere die von Minderheiten - in ihren Ländern
respektiert werden. In der Tat wurde das Thema der
internationalen Wanderbewegungen auf Drängen von
Außenminister Baker jetzt auf die Tagesordnung der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) gesetzt.
Wenn die derzeitigen Trends anhalten und vorbehaltlich unvorhergesehener Entwicklungen könnte die Zahl
der Personen, die sich ständig in den Vereinigten
Staaten niederlassen wollen, bis Mitte der neunziger
Jahre sinken. Der Vorschlag des Präsidenten für das
AMERIKA DIENST 32

�Haushaltsjahr 1993 bewilligt die Mittel für die Aufnahme von 122.000 Flüchtlingen - eine Reduzierung um
10.000 verglichen mit dem laufenden Haushaltsjahr.
Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, die
Zahl von 122.000 Zulassungen folgendermaßen aufzuschlüsseln: Ostasien (einschließlich vietnamesischer Einwanderer mit einem amerikanischen Elternteil): 52.000, ehemalige Sowjetunion: 50.000, Naher
Osten/Südasien: 7.000, Afrika: 7.000, Osteuropa:
1.500 und Lateinamerika/Karibik: 3.500. In dieser
Zahl ist ein Spielraum für 1.000 Personen aus Regionen enthalten, in denen sich die zugeteilten Kontingente als unzureichend erweisen könnten.
Unser Programm wird kurzfristig weiterhin zahlreiche
der durch den Kommunismus geschaffenen humanitären Probleme ansprechen. Ehemalige Gefangene in
Umerziehungslagern aus Vietnam und religiöse Minderheiten, denen lange das Recht zur Auswanderung
aus der Sowjetunion verweigert wurde, stellen eindeutig die große Mehrheit der im Haushaltsjahr 1993
aufzunehmenden Flüchtlinge. Wir hoffen jedoch, in
nicht allzuferner Zukunft unsere Verpflichtungen gegenüber diesen Gruppen zu erfüllen. Ist dieser Punkt
einmal erreicht, ginge der erste Weg zur Aufenthaltsberechtigung in den Vereinigten Staaten für Personen
aus Vietnam und der ehemaligen Sowjetunion über die
normalen Einwanderungkanäle.
Das Auf nahmeprogramm der Vereinigten Staaten zielt
auf Personen ab, deren humanitäre Bedürfnisse den
Vereinigten Staaten besondere Sorge bereiten und für

die eine Repatriierung oder lokale Integration keine
echte Option darstellt. In den vergangenen Jahren hat
die Einschätzung des UNHCR des weltweiten Bedarfs
für Umsiedlungsregionen einen kontinuierlichen Rückgang aufgewiesen. Obwohl die Vereinigten Staaten
ständig über 50 Prozent der vom UNHCR anerkannten
Flüchtlinge umsiedeln, arbeiten wir gemeinsam mit
dem UNHCR an der Verbesserung unserer Reaktionsfähigkeit auf Flüchtlinge in Hochrisikokategorien im
Einklang mit unseren eigenen Zielen und Engpässen.
Voraussichtlich werden neue und unvorhersehbare
Flüchtlingsprobleme auftreten - teils dramatisch wie
die Situation im ehemaligen Jugoslawien, teils langsam aber unaufhaltsam wie der Druck des Bevölkerungswachstums auf die soziale und politische Stabilität. Aus diesem Grund müssen wir uns vor Augen
führen, daß die Flüchtlingsproblematik mit dem Ende
des Kalten Kriegs nicht verschwinden wird. Sie wird
zweifelsohne weniger klar umrissen und nicht so leicht
an einer allgemeinen politischen Ursache festzumachen sein.
Wir müssen weiterhin Lösungen für Flüchtlingsprobleme erarbeiten. Im derzeitigen Umfeld - frei vom
Wettstreit der Supermächte - sind die Aussichten für
die Vereinten Nationen ausgezeichnet, die in ihrer
Charta vorgesehene Rolle für die Behandlung von
Flüchtlingen und anderer Themen von Besorgnis für
die internationale Staatengemeinschaft zu übernehmen. Die Vereinigten Staaten begrüßen die Gelegenheit, einen Beitrag zu diesen Bestrebungen zu leisten.

* *

AMERIKA DIENST 32

*

Seite 3

�UMWELT
12. August 1992

WELTKONGRESS DER GEOGRAPHEN KONZENTRIERT
SICH AUF UMWELTPROBLEME
Mehr wissenschaftliche Forschung prognostiziert
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamtes EPA, William Reilly, zufolge planen die
Vereinigten Staaten vermehrte wissenschaftliche Forschung zur Unterstützung ihrer Umweltprogramme.
Bei einer Pressekonferenz am 10. August 1992 anläßlich des 27. Internationalen Kongresses der Geographen erklärte Reilly, er werde "im nächsten Monat"
eine Entscheidung über die Ernennung eines wissenschaftlichen Beraters treffen, der zu allen vom EPA
vorgeschlagenen Bestimmungen Stellung nimmt. Das
EPA benötige mehr mit der Verwaltung befaßte Wissenschaftler und er werde sein bestehendes Team um
sechs "Wissenschaftler von Weltrang" ergänzen, so
Reilly. Das EPA müsse mehr auf Fachwissen von
außen zurückgreifen, fügte Reilly hinzu, und daher
würden 35 Prozent der EPA-Forschungsprogramme
an Universitäten vergeben.
Reilly verwarf die Idee, die Vereinigten Staaten lägen
beim Transfer von Umwelttechnologien in die Dritte
Welt hinter Japan und den europäischen Nationen. Er
bekräftigte, daß amerikanische Technologien in den
Entwicklungsländern sehr gefragt seien, insbesondere im Hinblick auf Geräte wie Katalysatoren zur Abgasreduzierung, Filter für Kohlekraftwerke sowie Chemikalien und Schädlingsbekämpfungsmittel für die Landwirtschaft.
Reilly zufolge kontrollieren die Vereinigten Staaten 40
Prozent des auf 200 Milliarden Dollar geschätzten
Weltmarkts für Umweltgüter und fügte hinzu, die Entwicklungsländer müßten selbst mehr Umweltschutz
betreiben und sich nicht nur auf Auslandshilfe verlassen. Er zitierte Mexiko als gutes Beispiel eines Entwicklungslandes, das beim Umweltschutz auf eigene
Ressourcen zurückgreift.
In einer vom US-Landwirtschaftsministerium veranstalteten Podiumsdiskussion hatten die Experten zuvor
die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die
weltweite Nahrungsmittelproduktion dargelegt.
Martin Perry von der Oxford University erklärte, die von
50 Wissenschaftlern in 18 Ländern über 3 Jahre hinweg durchgeführte Studie belege eine Verringerung
der Nahrungsmittelproduktion in den in der Nähe des
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Äquators gelegenen Breitengraden und eine Aufstokkung in den "höheren Breitengraden" aufgrund der
durch die Erderwärmung herbeigeführte ngrößere Verdunstung in den wärmeren Ländern.
Parry fügte hinzu, Studien zufolge wird die gesamte
Nahrungsmittelproduktion der Welt negativ beeinf lu ßt,
und ihre Verfügbarkeit variiere von Region zu Region.
Industrienationen werden weniger betroffen sein als
die Entwicklungsländer, stellte er fest.
Robert Chen von der Brown University erklärte, die
sozialen Kosten der Anpassung an die veränderten
Umweltbedingungen werden die armen Länder stärker
treffen als die reichen.
Mohamed El-Ashry, Direktorder Abteilung Umwelt bei
der Weltbank verwies darauf, daß die von der Bank
geleitete Globale Umweltfazilität nach dem Erdgipfel in
Rio "zu einem entscheidenden Finanzierungsmechanismus für die Entwicklungsländer" bei der Verwirklichung der bei dem Gipfeltreffen vereinbarten Ziele
geworden ist.
Er erklärte, die Kredite der Bank zur Bewältigung
spezifischer Umweltprobleme expandierten und Gespräche mit den von Entwicklungsprojekten betroffenen Menschen seien eine Priorität.
El-Ashry bekräftigte die notwendige Unterstützung bei
der Schaffung eines Netzes von erstklassigen Forschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern.
Ihm zufolge würden solche Zentren "starke einheimische Kapazitäten für Wissenschaft und Technologie
zur Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung"
freisetzen und den Entwicklungsländern helfen, "sich
effektiver an internationalen Diskussionen und Verhandlungen über die Umwelt zu beteiligen".
An dem Kongreß nehmen 3.000 Geographen aus 65
Ländern teil.
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�PROBLEMS

OF

COMMUNISM
12. August 1992

PUBLIKATION ZUM KOMMUNISMUS
STELLT ERSCHEINEN EIN
Letzte Ausgabe von "Problems of Communism" veröffentlicht
WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel zieht eine Bilanz des 40jährigen Bestehens der Broschüre
"Problems of Communism".
Es begann 1952 während der Anfänge des Kalten
Kriegs und auf dem Höhepunkt des heißen Kriegs in
Korea. Nach 40jähriger Berichterstattung über die
kommunistische Welt stellt die vom US-Informationsamt USIA herausgegebene Broschüre "Problems of
Communism" jetzt ihr Erscheinen ein, da ihre Aufgabe
offenkundig erfüllt ist.
In einer Würdigung der Leistungen der Publikation
stellte der Direktor des US-Informationsamts, Henry
Catto, fest, obwohl "Problems of Communism zu Recht
seine Aufgabe als vollbracht erklären kann, steht die
Zeitschrift als Modell für seriöse wissenschaftliche
Analysen der Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts".
Paula Dobriansky, Abteilungsleiterin für Maßnahmen
und Programme des Amts verwies auf die beachtliche
Leistung von "Problems of Communism", die darin
bestanden habe, daß die Broschüre nie polemisch,
vielmehr eine Publikation gewesen sei, "die nicht nur
aufgrund ihrer wissenschaftlichen Beiträge, sondern
auch wegen ihrer Objektivität hohes Ansehen genoß".
Vielleicht aus diesem Grund, so Dobriansky, hatte das
Magazin bei den politisch Verantwortlichen im In- und
Ausland großen Einfluß. Von besonderem Wert war,
daß es als "Indikator für Trends" in der kommunistischen Welt diente, fügte sie hinzu.
Wayne Hall, Herausgeber der Publikation seit 1986,
schloß sich Dobrianskys Darstellung an. Ihm zufolge
hat "Problems of Communism nie ermahnt oder vorgeschrieben, sondern vielmehr eine seriöse und nüchterne Analyse der Ereignisse in der kommunistischen
Welt vorgenommen." Die Herausgeber haben stets
versucht, "die Fallstricke beider Extreme zu vermeiden
- Verfechter des Kalten Kriegs oder Befürworter einer
reibungslosen Entspannung zu sein", fügte er hinzu.

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"Die Publikation hat den Lesern in aller Welt - in über
100 Ländern - demonstriert, daß sich die amerikanische Politik auf Analysen gründet statt auf automatische Reaktionen", stellte Hall fest. Weil diese Publikation im Gegensatz zu anderen Produkten des Amts
auch in den Vereinigten Staaten verbreitet wurde,
"mu ßte sie sich dem Test wissenschaftlicher und fachlicher Überprüfung in diesem Land stellen, und das hat
zu ihrem Erfolg beigetragen", so Hall.
Diese Ansicht wird auch von denjenigen geteilt, die
nicht zu USIA gehören. Blair Ruble, geschäftsführende Direktorin des Kennan Institute for Advanced Russian Studies, erklärte, "Problems of Communism war
das erste Forum, das die Gesichtspunkte von Spezialisten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Die Broschüre hatte außerordentlich großen Erfolg."
Dennoch ist es Ruble zufolge bedauerlich, daß "Problems of Communism" zu diesem Zeitpunkt ihr Erscheinen einstellt, denn es gibt "viele gemeinsame
Probleme der nachkommunistischen Ära, die des
Studiums würdig sind. Das Journal war in einer guten
Position, hier als Motor zu dienen", stellte sie fest.
Dobriansky erklärte, US IA "engagiere sich bereits sehr
stark für die Herausforderung des Aufbaus von Demokratie und Unterstützung des freien Unternehmertums." Sie verwies darauf, daß Informationsgespräche im Foreign Press Center, Austauschprogramme,
Publikationen und andere Aktivitäten des Amts diese
Aufgabe erfüllen und "wir daran arbeiten, sie noch
effektiver zu machen". Dies geschieht unter anderem
mit Hilfe von Sondersendungen der Voice of America.
Die Publikation Freedom and Prosperity behandelt die
praktische Umsetzung von Demokratie und Marktwirtschaft, wie etwa die Förderung des Unternehmertums,
Anziehung von Auslandsinvestitionen und Schaffung
unabhänggier Medien.

Seite 1

�Hall erklärte, er bevorzuge keine speziellen Artikel, sei
aber sehr stolz auf die Analyse der ethnischen Spannungen in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
wie auch auf die Untersuchung der Zeitschrift zur
wachsenden dortigen Wirtschaftskrise in den ausgehenden Tagen des Kommunismus. Er erklärte, ebenso stolz darauf zu sein, daß die Zeitschrift eine Stimme
vieler Dissidenten gewesen sei, auch von Jiri Dienstbier, der 1968 unter Pseudonym einen Artikel über die
sowjetische Invasion der Tschechoslowakei verfasste. Über 20 Jahre später schloß sich Dienstbier
Vaclav Havels friedlicher Revolution an und wurde
Außenminister seines Landes.
Auf die Frage nach den Fehlschlägen der Zeitschrift
erklärte Hall: "Nun, wir alle haben den Zusammenbruch verpaßt." Aber er fügte hinzu: "Wir waren mit
vielen unserer Artikel auf dem richtigen Weg. Niemand
konnte vorhersehen, wann es zum Knall kommen
würde." Dobriansky erklärte dazu, die Zeitschrift habe
zwar nicht den Zeitpunkt vorausgesehen, an dem der
Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa zerfallen würde, aber "die Widersprüche im
System, die zu seinem Niedergang geführt haben",
prognostiziert. Die Politik der amerikanischen Regierung unter den Präsidenten Reagan und Bush half ihr
zufolge auch bei der Förderung des Zusammenbruchs.
Der Gründungsherausgeber der Zeitschrift war Abraham Brumberg, der sie 18 Jahre lang, seit ihrer Gründung vor 40 Jahren bis 1970, leitete. Unter seiner

Führung errang die Publikation ihren Ruf der Unabhängigkeit. Der Klappentext weist darauf hin, daß in
Beiträgen geäußerte Ansichten nicht unbedingt die
Politik der amerikanischen Regierung repräsentieren.
Am Anfang war seine Aufgabe keinesfalls leicht. Eine
Vorschrift des Amts verbot die Erwähnung von Marx,
Engels, Lenin und Stalin, ganz zu schweigen von
deren Zitaten. Schließlich befand man sich in den
frühen fünfziger Jahren. Aber in der Ausgabe zum 40.
Jahrestag schrieb Brumberg, daß er ganz einfach "die
Vorschriften mißachtet" habe. Letztlich "überwog der
gesunde Menschenverstand", fügte er hinzu.
Unter den Beiträgen in der letzten Ausgabe der Zeitschrift sind Artikel über Deutschland nach der Wiedervereinigung und den Verlauf der friedlichen Revolution
in der CSFR. Ferner gibt es einen Artikel über die Krise
des Autoritarismus in Nordafrika.
Hall zufolge sind zahlreiche Trugschlüsse über den
Kommunismus durch den Zusammenbruch der gescheiterten Ideologie zutage getreten. Einer der wichtigsten war seine Annahme, daß Menschen im wesentlichen von den Kräften der Geschichte geformt
werden, auf die sie nur geringen Einfluß und wenig
Kontrolle ausüben können. Die Ereignisse der letzten
Jahre beweisen das Gegenteil, erläuterte Hall. "Sie
zeigen, daß einzelne Menschen in der Geschichte
etwas bewirken können."

* * * *

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*

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