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5. August 1992

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KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation
zu Menschenrechten

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FLUCHTLINGSHILFE

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der
UNHCR-Konferenz

RÜSTUNGSKONTROLLE

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß
des Repräsentantenhauses

CHEMISCHE WAFFEN

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie der ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
5. August 1992

KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN
UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation zu Menschenrechten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush am 28. Juli 1992 und vom
Weißen Haus am 29. Juli 1992 herausgegebene Proklamation zum Helsinki-Tag der Menschenrechte.

Vor nicht ganz zwanzig Jahren, am 1. August 1975,
verabschiedeten die Vereinigten Staaten und Kanada
zusammen mit 33 europäischen Nationen bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) die Schlußakte von Helsinki. Mit der
Bekräftigung der "engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und der Welt insgesamt"
vereinbarten die Signatarstaaten der Erklärung die
Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
"einschließlich der Meinungs-, Gewissens- und Glaubensfreiheit für alle ohne Unterscheidung nach Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Glauben". Die Teilnehmerstaaten sahen in der Achtung von Menschenrechten
den "unabdingbaren Faktor" für die Erlangung von
Frieden, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit unter den
Nationen und vereinbarten die friedliche Schlichtung
von Konflikten untereinander auf der Grundlage des
Völkerrechts. Das erste seit 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Gipfeltreffen in diesem Jahr bot einen
historischen Rahmen zur Erneuerung der Unterstützung der Vereinigten Staaten für eine starke euroatlantische Partnerschaft auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und Werte.
Seit ihrer Gründung war die KSZE Verfechter von
Menschenrechten und demokratischen Werten. Ursprünglich 1975 in Helsinki niedergelegt, wurden diese
Normen in den Kopenhagener, Genfer und Moskauer
KSZE-Dokumenten und durch die Pariser Charta von
1990 für ein neues Europa verstärkt und bekräftigt, mit
der die Mitgliedstaaten den bestehenden KSZE-Prinzipien neue und tiefgreifende Verpflichtungen zu politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit hinzufügten. Mit der Pariser Charta wurden ferner neue KSZEInstitutionen wie das Konfliktverhütungszentrum in
Wien zur verbesserten Fähigkeit der Konferenz bei der
Förderung der friedlichen Beilegung von Konflikten
und der Entwicklung stabiler, demokratischer Regierungen gegründet.
AMERIKA DIENST 31

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Konferenz weiterentwickelt, um bei der Aufgabe einer Bewältigung der dramatischen Veränderungen behilflich
zu sein, die in der KSZE-Gemeinschaft durch den
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
des Kalten Kriegs stattgefunden haben. Zusätzlich zur
Erweiterung ihrer Aktivitäten und Institutionen sowie
ihrer Mechanismen zur Förderung des internationalen
Dialogs und der Zusammenarbeit hat die KSZE neue
Mitglieder aus den aufstrebenden Staaten Mittel- und
Osteuropas sowie den 12 Staaten aufgenommen, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind. Wir
begrüßen diese neuen KSZE-Teilnehmerstaaten und
die Verpflichtung zu Menschenrechten, für die ihre
Mitgliedschaft steht.
Obwohl insgesamt bei der Förderung von Menschenrechten insbesondere seit den demokratischen Revolutionen, die sich 1989 in Europa vollzogen haben,
große Fortschritte erzielt worden sind, machen heute
einige Staaten nur geringe Fortschritte, während andere erneut in ethnische Konflikte verfallen. Aus
diesem Grund hat das diesjährige Gipfeltreffen in
Helsinki unterstrichen, daß politische Stabilität und
dauerhafter Frieden nur auf echter Respektierung der
Menschenrechte basieren können, die die Grundlage
des KSZE-Konzepts internationaler Sicherheit und
Zusammenarbeit bilden. In Helsinki erschlossen die
Teilnehmerstaaten neues Terrain zur verbesserten
Fähigkeit der KSZE bei der Förderung von Menschenrechten, Bewältigung des Wandels und Konfliktverhütung. Zusätzlich zur Gründung des Büros eines Hohen
Kommissars für nationale Minderheiten, der bei der
Prüfung und Verhütung von Konflikten, die aus Spannungen zwischen ethnischen Gruppen oder Minderheiten resultieren, behilflich sein wird, sieht das Helsinki-Dokument ein erweitertes Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte in Warschau vor.
Zur Förderung der gewaltfreien Beilegung von KonflikSeite 1

�ten sind im Dokument ferner offizelle Friedensmissionen zur Unterstützung politischer Lösungen niedergelegt, entweder durch die KSZE-Mitgliedstaaten direkt
oder mit Unterstützung anderer internationaler Organisationen wie NATO und Westeuropäische Union (WEU).
Noch heute sieht sich die euro-atlantische Gemeinschaft mit den Herausforderungen der Relikte des
Kalten Krieges konfrontiert. Die Völker in den neu
entstehenden Staaten Europas sehen sich vielen
Schwierigkeiten gegenüber bei ihrem Streben nach
Überwindung der tiefverwurzelten durch Jahrzehnte
sowjetischer Unterdrückung und kommunistischer
Herrschaft erzwungener politischer und wirtschaftlicher Probleme. In dieser Periode grundlegenden
Wandels bieten jedoch die in 1975 in der Schlußakte
von Helsinki niedergelegten und bei den KSZE-Folgetreffen bekräftigten Prinzipien eine kontinuierliche
Richtlinie für friedliche, kooperative Beziehungen zwischen Staaten und für das gerechte und demokratische Verhalten von Regierungen.
In Anerkennung der von der KSZE zur Erweiterung von
Menschenrechten und Entwicklung einer starken euroatlantischen Partnerschaft für Freiheit geleisteten
Beiträge hat der Kongreß mit der Gemeinsamen
Resolution 310 des Senats den 1. August 1992 zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" erklärt und den

Präsidenten zur Verkündung einer Proklamation im
Gedenken an diesen Tag aufgefordert.
Aus diesem Grund erkläre ich, George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den
1. August 1992 zum Helsinki-Tag der Menschenrechte
und bekräftige die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung der menschlichen Würde
und Freiheit - Prinzipien, die in der Schlußakte von
Helsinki verankert sind. Wenn wir Amerikaner diesen
Tag mit Programmen und Veranstaltungen feiern,
sollten wir uns all derjenigen mutigen Bürger und
Gruppen erinnern, die enorme Opfer zur Sicherung
des Friedens gebracht haben, dessen wir uns alle
erfreuen. Die von Gott gegebenen und in unserer
Unabhängigkeitserklärung bekräftigten und von unserer Verfassung garantieren unveräußerlichen Rechte,
um die zahlreiche Menschen auf der Welt noch kämpfen. Auf der vor 17 Jahren in Helsinki gelegten
Grundlage, die dort im vergangenen Monat verstärkt
wurde, wollen wir uns erneut verpflichten, Frieden und
Freiheit zum gemeinsamen Vermächtnis für uns alle
zu machen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am achtundzwanzigsten Tag des Juli im Jahre des Herrn neunzehnhundertundzweiundneunzig und im zweihundertsiebzehnten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika dieses Dokument unterzeichnet.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�FLUCHTLINGSHILFE
5. August 1992

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der UNHCR-Konferenz
GENF- (AD) - Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Organisationsfragen, John Bolton,
erklärte am 29. Juli 1992, die Vereinigten Staaten seien bereit, anderen Nationen bei der Erarbeitung eines
multilateralen Plans behilflich zu sein, um den rund 2,2 Millionen Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien
mehr humanitäre Hilfe leisten zu können.
In einer Rede bei der internationalen Konferenz des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) in Genf fügte Bolton hinzu: "Unseres Erachtens müssen die Nachbarstaaten und Länder im ehemaligen Jugoslawien" in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und den Vereinten Nationen unter der Schirmherrschaft
des Stellvertretenden Generalsekretärs der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten "die Führungsrolle bei der Erarbeitung und Durchführung dieses Plans übernehmen".
Mit dem Herannahen des Winters müssen die Geldgeber und der UNHCR "sich auf Unterkünfte konzentrieren".
In der Zwischenzeit, so Bolton, werden die Vereinigten Staaten die Dienste von Wohnungsexperten zur
Verfügung stellen, um eine Strategie zu entwicklen, die sich darauf konzentriert, die äußerst knappen Mittel für
die Verbesserung bestehender Quartiere zu verwenden und diese winterfest zu machen. Bis heute haben die
Vereinigten Staaten humanitäre Hilfe im Wert von rund 51 Millionen Dollar für Bosnien-Herzegowina bereitgestellt.
Bolton bekräftige darüber hinaus die Forderung der Vereinigten Staaten, daß alle Parteien in Bosnien
"unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich bei so zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bolton im Wortlaut.
Wir kommen in einem kritischen Moment der europäischen Geschichte als Reaktion auf die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen. Unsere Antwort auf die dringenden
Bedürfnisse von rund 2,2 Millionen Flüchtlingen und
Umsiedlern in Jugoslawien und den benachbarten
Ländern ist ein Test der Fähigkeit der internationalen
Staatengemeinschaft, kollektiv, unverzüglich und effektiv zu handeln. Wir sind zusammengekommen, um
zu erörtern, wie wir den heimatlos gewordenen Zivilisten helfen können, die sich in außerordentlich schwierigen Umständen in ihren Ländern befinden und wie wir
am besten die Flüchtlinge schützen und versorgen
können, die bei der Flucht vor dem Kreuzfeuer des
Kampfes internationale Grenzen überschreiten.
Gleichzeitig versucht die internationale Staatengemeinschaft in anderen Foren - mit der EG und der
Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen - die erfoderliche politische Schlichtung zur

AMERIKA DIENST 31

Beendigung der Krise herbeizuführen, die den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen wird.
In diesem Zusammenhang waren die Vereinigten
Staaten außerordentlich enttäuscht, daß der in dem
Londoner Abkommen vom 17. Juli 1992 vereinbarte
Waffenstillstand für Bosnien-Herzegowina nicht eingehalten wurde. Wir fordern erneut alle Seiten zur
unverzüglichen Erfüllung ihrer zahlreichen Verpflichtungen zu einem Waffenstillstand sowie zur uneingeschränkten Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats auf. Wir fordern die Beendigung der
"ethnischen Säuberungsaktionen", die eine verabscheuungswürdige Ursache der Flüchtlingskrise sind sowie
eine verhängnisvolle Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Vergangenheit Europas. Wir dürfen nicht
unwissentlich zulassen, daß unsere humanitären
Reaktionen zur Duldung oder Konsolidierung der Ziele
dieser völlig inakzeptablen Politik führen.

Seite 1

�Für diejenigen, die humanitäre Hilfe in Bosnien-Herzegowina zu leisten versuchen, ist die Situation gefährlich. Wir wissen die stillen und professionellen Heldentaten der Mitarbeiter der UN-Schutztruppe (United
Nations Protection Force - UNPROFOR) zu würdigen,
die ihr Leben riskieren, um verzweifelten Menschen
Hilfe zu bringen. Wir begrüßen die unermüdlichen
Bestrebungen von Frau Ogata und ihren Mitarbeitern,
diejenigen in der schwierigsten Notlage zu erreichen.
Wir wissen die kontinuierliche und mutige Arbeit des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zu schätzen. Wir sind zutiefst dankbar für die von zahlreichen
nichtstaatlichen Organisationen zu diesen Bestrebungen geleisteten Beiträge. Wir sind uns der enormen
Last bewu ßt, die diese Aufgabe dem UNHCR und dem
gesamten UN-Nothilfeteam auferlegt.
Unserer Meinung nach sollte sich die internationale
Staatengemeinschaft auf Mechanismen einigen, um
den vordringlichsten Bedürfnissen der Flüchtlinge und
Vertriebenen Rechnung zu tragen. Die heutigen
Überlegungen müssen Wege einbeziehen, um die
Rechte von Minderheiten zu schützen, wenn eine
politische Einigung erzielt wird. Insbesondere sind wir
besorgt über die Zwangslage der vertriebenen Muslime. Diejenigen von uns, die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft sind und so oft die Führungsrolle bei der Verteidigung von Menschenrechten übernehmen, dürfen nicht die grundlegenden Rechte der
bosnischen Muslime ignorieren. In dieser Hinsicht
freuen wir uns, die Entscheidung des Justizministers
bekanntzugeben, daß Bosnier berechtigt sind, den
Status des temporären Schutzes in den Vereinigten
Staaten zu beantragen.
Unserer Ansicht nach liegt, unabhängig von der echten
Notwendigkeit eines Waffenstillstands, der Schlüssel
zur unmittelbaren Lösung der Krise in einem funktionsfähigen und einheitlichen multilateralen Plan, der sich
auf verschiedene wichtige Elemente konzentriert:
1.

vor allem Hilfsgüter in die Region zu schaffen,
auch wenn dabei Widerstände überwunden
werden müssen;

2.

UN-Koordinierung von Hilfe einzelner europäischer Länder und anderer Regierungen durch
den Stellvertretenden Staatssekretär des Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten
und den UNHCR als federführende Behörde;

3.

Teilung der Kostenlast und gegebenenfalls der
zeitweisen Unterkunft und des Schutzes der
Menschen;

4.

Austausch von Informationen, Untersuchungen
und technischen Möglichkeiten, um die grundlegenden humanitären Bedürfnisse der Gefährdeten abzudecken;

5.

Denjenigen Ländern im ehemaligen Jugoslawien mu ß koordinierte, umfangreiche und effek-

Seite 2

tive Hilfe geleistet werden, die am meisten durch
Flüchtlinge belastet werden; und schließlich
6.

müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Nachbarstaaten sich nicht gezwungen sehen, die Flüchtlinge aus dem ehemaligen
Jugoslawien daran zu hindern, in ihre Länder zu
kommen, um dort zeitweise Schutz und Obdach
zu suchen.

Wir müssen engagiert an der vordringlichen Erarbeitung eines solchen multilateralen Plans arbeiten.
Unseres Erachtens nach müssen die Nachbarstaaten
und Länder im ehemaligen Jugoslawien zusammen
mit dem UNHCR und dem Stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten die Führungsrolle bei der Erarbeitung und
Durchführung dieses Plans übernehmen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei zu helfen.
Wir haben unsererseits bis jetzt insgesamt humanitäre
Hilfe im Umfang von etwa 51 Millionen Dollar geleistet.
Dazu zählt die Bereitstellung von Nahrungs- und Arzneimitteln, Unterstützung durch eine Luftbrücke und
direkte Beiträge an den UNHCR, UNICEF und das
IKRK. Wir werden weiterhin umfangreiche und kontinuierliche Unterstützung mit Ressourcen leisten, die
den dringendsten Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen, die durch diese große Tragödie unserer
Zeit entwurzelt wurden.
Wir haben das Konzept des temporären Schutzes und
der Hilfe für Flüchtlinge betont, weil unser Ziel darin
besteht, daß Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald eine politische Einigung erzielt wurde
und die internationale Staatengemeinschaft sicher sein
kann, daß es ausreichende Mechanismen gibt, um die
Rechte von Minderheiten langfristig zu schützen. Auch
wenn wir daran arbeiten, Mechanismen für die zeitweisen Bedürfnisse der Bevölkerung im ehemaligen
Jugoslawien zu schaffen, darf die internationale Staatengemeinschaft nicht in ihren Bestrebungen nachlassen, eine politische Lösung herbeizuführen, die auf die
tieferen Ursachen dieser schrecklichen Tragödie eingeht.
Bei unserer Arbeit an einem Plan für humanitäre Hilfe
fordern wir alle Länder auf, ihre großzügigen Anstrengungen fortzusetzen und den Menschen im ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten, auch durch Konvois
und Luftbrücken humanitärer Hilfe und ihnen gegebenenfalls zeitweise Obdach und Schutz zu gewähren.
In dieser Hinsicht und vor allem im Hinblick auf den
herannahenden Winter müssen die Spender und der
UNHCR sich auf Unterkünfte konzentrieren. Ich freue
mich, ankündigen zu dürfen, daß wir die Dienste
mehrerer Teams von Wohnungsexperten anbieten
können, die an einer Strategie mitarbeiten werden, um
äußerst knappe Ressourcen auf den Ausbau und die
Winterfestigkeit bestehender Quartiere zu verwenden.
Mit jedem Tag wird diese Aufgabe vordringlicher.
AMERIKA DIENST 31

�Zum Schluß und um sicherzustellen, daß diese Bestrebungen und Ressourcen Früchte tragen, wiederhole ich unsere Forderung - die kollektive Forderung
derjenigen, die entsetzt sind über die Verschwendung
und das Leiden, die uns zusammengeführt haben daß alle Parteien in Bosnien-Herzegowina unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich
*

AMERIKA DIENST 31

bei zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet haben. Sie
müssen sich voll und ganz an die Resolutionen des
Sicherheitsrats halten und mit dem EG-Präsidenten
kooperieren, um eine Konferenz zu organisieren, die
eine politische Einigung bei dieser schrecklichen Krise
bewirkt, die den Frieden in einem großen Teil Europas
gefährdet.

* * *

*

Seite 3

�RÜSTUNGSKONTROLLE
5. August 1992

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN
MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Der Leiter des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) erklärte, wenn
Verträge zur Reduzierung strategischer, konventioneller und chemischer Waffen sowie Kernwaffen kurzer
Reichweite vollständig durchgeführt werden, "diese Ergebnisse zu einer Umwaldung des militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg".
Botschafter Ronald Lehman erläuterte vor einem Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses am
30. Juli 1992, es habe im Bereich der Rüstungskontrolle in den vergangenen fünf Jahren "unglaubliche
Leistungen" gegeben, und weitere Errungenschaften zeichneten sich ab.
Ein multilateraler Vertrag über ein Verbot chemischer Waffen wird Lehman zufolge möglicherweise bis Ende
dieses Jahres abgeschlossen und "Jahre der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention
beenden". Die Konvention, so Lehman, "würde eine wichtige internationale Norm gegen diese schrecklichen
Waffen liefern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Lehman in wesentlichen Auszügen.

Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
In den vergangenen Jahren haben die Vereinigten
Staaten eine Reihe ihrer langfristigen Rüstungskontrollziele verwirklicht, von denen viele als unerreichbar
galten. Seit mehr als einer Generation waren wir
bestrebt, die unsere Existenz als Nation bedrohenden
strategischen Nuklearwaffen der Sowjets zu reduzieren und das strategische Gleichgewicht stabiler zu
machen. Im letzten Jahr, nach zehn Jahren gewissenhafter Verhandlungen, wurde der START-Vertrag
geschlossen, das erste Abkommen, mit dem tatsächlich strategische Offensivwaffen reduziert wurden.
Diese Leistung, zusammen mit den durch die Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion gegebenen
Impulsen legten den Grundstein für eine Reihe neuer
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle. Präsident Bushs
Initiative zu Nuklearwaffen von September 1991,
ermöglicht durch die tatsächlichen oder ermutigten
Veränderungen von INF, KSE und START, setzten
einen Prozeß der Reduzierung oder Eliminierung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckenwaffen in Gang.
In jüngster Zeit baute im letzten Monat die Gipfelvereinbarung zwischen den Präsidenten Bush und Jelzin
über weitere wichtige Reduzierungen bei Nuklearwaffen auf dem START-Vertrag auf und wird die vollstän-

AMERIKA DIENST 31

dige Beseitigung landgestützter schwerer Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen erfordern.
Den Herausforderungen der Modernisierung von START
- um den veränderten geopolitischen Realitäten gerecht zu werden und angesichts der Auflösung der
Sowjetunion das Auftreten neuer Atommächte zu
verhindern - wurde erfolgreich in einem Protokoll zum
START-Vertrag Rechnung getragen, das die neuen
Staaten Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine zu Parteien dessen macht, was früher ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion war. In rechtsverbindlichen Schreiben an Präsident Bush verpflichten
sich Belarus, Kasachstan und die Ukraine zur Zerstörung aller Nuklearwaffen und aller strategischen Offensivwaffen auf ihrem Territorium innerhalb der vom
START-Vertrag vorgeschriebenen Siebenjahresfrist.
Das START-Protokoll verpflichtet die drei nichtrussischen Staaten, so bald wie möglich dem Nichtverbreitungsvertrag als Nicht-Atommächte beizutreten.
Im konventionellen Bereich haben wir lange danach
gestrebt, das militärische Ungleichgewicht in Europa
aufzuheben, um die Aussicht eines konventionellen
Angriffs auf Westeuropa zu reduzieren, der einen
nuklearen Konflikt auslösen könnte. Auch dieses Ziel
wird durch den KSE-Vertrag erreicht, der Obergrenzen

Seite 1

�für Kategorien militärischen Geräts und für Waffen wie
Panzer, Artillerie und Kampfflugzeuge vorsieht, die für
eine Offensive am besten geeignet sind, und ebenso
durch das soeben unterzeichnete KSE-1A-Abkommen zur Begrenzung von Truppen.
In dem Bestreben zur Erhöhung von Transparenz und
Offenheit bei militärischen Aktivitäten in Europa wurden in den vergangene.! zwei Jahren in Wien zwei
Dokumente über Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen erzielt, ferner der Vertrag über Offene
Himmel, mit dem Transparenz bei militärischen Aktivitäten erzielt werden soll, indem ein Überfliegen des
gesamten Territoriums aller Parteien gestattet wird.
Unser Bestehen auf Inspektionsregimen hat zu einmaligen Bestimmungen für den Zugang zu Einrichtungen
in folgenden Verträgen geführt: INF, START, KSE,
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken und dem
Schwellenvertrag.
Unsere Bestrebungen zur Erlangung eines verfizierbaren Verbots über chemische Waffen haben ein
bilaterales Chemiewaffenabkommen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland hervorgebracht, das
die Zerstörung des größten Teils unserer Chemiewaffenarsenale fordert. In diesem Jahr könnten wir Jahre
der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention beenden. Damit würde eine wichtige
internationale Norm gegen diese schrecklichen Waffen geliefert. Wenn diese Ergebnisse vollständig durchgeführt sind, werden sie zu einer Umwaldung des
militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg.
Ebenso wie die Beendigung des Kalten Krieges weder
das Ende großer nuklearer Arsenale noch das Ende
großer Armeen bedeutet hat, steht sie auch nicht für
das Ende regionaler, politischer, ethnischer und historischer Konflikte und ihres Potentials für großangelegte Gewalt. Mit dem Ende des Kalten Kriegs verdoppeln
wir unsere Bestrebungen im Hinblick auf die Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Herausforderungen heute
Die geopolitische Landschaft setzt ihre tektonischen
Veränderungen fort. Die früher bipolare Konfrontation
der Supermächte wurde schnell von einem internationalen System abgelöst, das von regionaler Instabilität
gekennzeichnet ist, und eine neue Tagesordnung für
Rüstungskontrolle ist entstanden. Ganz oben auf
dieser Tagesordnung steht das Problem der Verbreitung, ein Thema, das nicht immer die ersten Seiten
eingenommen hat, aber seit langem ein wichtiger
Bereich des ACDA-Mandats war. Die Vereinigten
Staaten suchen die Verbreitung einzudämmen, indem
sie sowohl die Seite des "Angebots" als auch die der
"Nachfrage" angehen. Um das Angebot einzuschränken, ermutigen die Vereinigten Staaten Verpflichtungen der Händler zur Kontrolle von Exporten, die einer
Verbreitung Vorschub leisten könnten. Die Politik der
Vereinigten Staaten geht auf die Nachfrage ein, indem

Seite 2

sie bei der Lösung grundsätzlicher politischer Fragen
hilft, die Nationen dazu bewegen, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen.
In einer Reihe von Länder Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion und Regionen wie Südasien, der
Halbinsel Korea und dem Nahen Osten ist das potentielle Risiko eines bewaffneten Konflitks nach wie vor
hoch. Die Erarbeitung angemessener und effektiver
Ansätze für regionale Rüstungskontrolle erlangt daher
größere Aufmerksamkeit und Priorität im amerikanischen Programm der nationalen Sicherheit. Eine
wichtige, vordringliche Sicherheitsfrage im Umgang
mit diesen regionalen Pulverfässern lautet, wie die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen einzudämmen sowie Mehrzwecktechnologie zu sichern ist, während man gleichzeitig
versucht, friedliche Lösungen für die zugrundeliegenden Ursachen regionaler Konflikte zu finden.
Präsident Bush hat kürzlich eine umfassende Initiative
angekündigt, um Nichtverbreitung auf globaler und
regionaler Ebene anzusprechen. Sie enthält Bestrebungen zur Stärkung globaler Nichtverbreitungsnormen, regionaler Rüstungskontrollinitiativen im Nahen
Osten, Südasien und der Halbinsel Korea sowie Schritte, die mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion
unternommen werden müssen, wie die Sicherheit der
Führungs- und Kontrolleinrichtungen bei Kernwaffen,
Methoden des sicheren Transports, der Lagerung und
Zerstörung von Kernwaffen, Wissenschafts- und
Technologiezentren für ehemalige sowjetische Wissenschaftler und die Zerstörung chemischer Waffen.
Sie umfaßt darüber hinaus eine Entscheidung, daß die
Vereinigten Staaten fortan kein Plutonium und hochangereichertes Uran zum Zweck von Kernexplosionen
herstellen. Diese Veränderung in der amerikanischen
Politik soll Länder im Nahen Osten und anderen Spannungsregionen, die im Hinblick auf die Weiterverbreitung Anlaß zur Sorge geben, ermutigen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und Entnuklearisierungsabkommen zu fördern, ähnlich dem, das mit Nord- und
Südkorea vereinbart wurde.
In einem weiteren Bestreben, ein Beispiel der Zurückhaltung im neuen internationalen Umfeld zu sein,
haben die Vereinigten Staaten kürzlich ihre Position zu
Atomtests neu bewertet. Im Einklang mit der Notwendigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, werden die Vereinigten Staaten ein Minimum an
Atomtests durchführen - nicht mehr als sechs pro Jahr
- von denen nicht mehr als drei über 35 Kilotonnen
umfassen. Unserer Meinung nach ist dies ein wichtiger Schritt, der voll und ganz im Einklang mit der
einzigartigen Führungsrolle der Vereinigten Staaten
steht.
Dieser neue politische Bedarf zusammen mit den
Durchführungs- und Verifizierungserfordernissen von
bereits erzielten Abkommen machen insgesamt das
amerikanische Rüstungskontrollprogramm vielseitiger.
Die Ratifizierung und das Inkrafttreten von START und
AMERIKA DIENST 31

�KSE werden zu einem Prozeß der langjährigen Durchführung und Verifizierung in einem Umfang führen, der
weit über alle bisherigen Erfahrungen der US-Regierung hinausgeht.
Die multilaterale Chemiewaffenkonvention mit ihren
begleitenden Durchführungs- und Verifikationsbestimmungen ist erwartungsgemäß bald unterschriftsreif.
Zukünftige ACDA-Aktivitäten
Noch während wir diese neuen Sicherheitsherausforderungen definieren, mit denen sich die Vereinigten
Staaten konfrontiert sehen, werfen einige die Frage
auf, ob Rüstungskontrollabkommen durch das Ende
des Kalten Krieges an Bedeutung verloren haben. In
der Tat wird Rüstungskontrolle nach wie vor ein Schlüsselelement unserer nationalen Sicherheitspoltik und
auswärtigen Beziehungen sein. Rüstungskontrolle
wird auch in Zukunft für uns von Bedeutung sein als
Instrument für Konfliktbewältigung und Abbau von
Bedrohungen - ebenso wie sie es in der Ära der OstWest-Konfrontation war, die wir hinter uns lassen.
In dem, was wir als den Ost-West-Zusammenhang
bezeichnet haben, hat sich zu Recht ein "spannendes
Drama "für zahlreiche unserer jüngsten Rüstungskontrollerfolge abgespielt. Solche Meilensteine werden
wiederkehren wenn wir die Konvention über chemische Waffen unterzeichnen. Es ist weiterhin unabdingbar, daß diese Abkommen vollständig verwirklicht
werden, und dies stellt eine große, kontinuierliche
Aufgabe dar. Darüber hinaus haben die Präsidenten
Bush und Jelzin einen neuen, kooperativeren Ansatz
zu Sicherheit und Stabilität entworfen. Beispielsweise
wird strategische Verteidigung als neue Domäne
kooperativer Entwicklung sondiert und verlagert damit
unsere traditionellen Rüstungskontrollprobleme bei der
strategischen nuklearen Stabilität auf einen sehr viel
vielversprechenderen Weg. Die Beziehungen zwischen offensiv und defensiv sind eine Quintessenz der

Rüstungskontrolle wie auch eine Angelegenheit der
nationalen Sicherheit.
Darüber hinaus könnte Rüstungskontrolle in der gesamten Bandbreite von Mitteln nationaler Sicherheit
und Außenpolitik bei der Bewältigung mit dem noch
Undefinierten Umfeld nach dem Kalten Krieg für uns an
Bedeutung gewinnen. In diesem neuen Umfeld sehen
wir uns mit den wichtigen Aufgaben konfrontiert, die
Verpflichtung zu demokratischen Institutionen zu unterstützen und beim Aufbau stabiler Sicherheitsregime
in Europa, dem Nahen Osten und Ostasien behilflich
zu sein.
Rüstungskontrolle wird aus verschiedenen Gründen
für unsere Beziehungen mit traditionellen Verbündeten und Freunden und unsere neuen Beziehungen mit
ehemaligen Gegnern lebenswichtig sein. Rüstungskontrolle wird sich als unschätzbar dabei erweisen, der
Welt bei der Eindämmung von Konflikten, Abbau des
Vernichtungspotentials, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Untermauerung des Strebens nach Frieden zu
helfen.
Entsprechend benötigen wir innovative Ansätze zur
Rüstungskontrolle bei unserer nationalen Sicherheit
und Außenpolitik, während wir unsere Bestrebungen
gegen die Weiterverbreitung nuklearer, chemischer
und biologischer Waffen verdoppeln und neue Wege
suchen, der Verbreitung ballistischer Raketen Einhalt
zu gebieten. Die kombinierten Gefahren der Verbreitung von Fähigkeiten und Fachwissen der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Bestrebungen solcher Staaten
wie Irak zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen werden unsere Erfindungsgabe über ein breites
Spektrum hinweg auf die Probe stellen. Rüstungskontrollinitiativen und Aufgaben in diesen neuen Bereichen von Herausforderungen sind entscheidend für
die zukünftige weltweite Führungsrolle beim Aufbau
globaler Sicherheit.
* *

AMERIKA DIENST 31

*

Seite 3

�CHEMISCHE

WAFFEN
5. August 1992

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Chronologie wurde am 22. Juli 1992 vom Amt für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben. Sie trägt den Titel "Verhandlungen über chemische
Waffen bei der Abrüstungskonferenz".

Nachfolgend wird auf einige der Schlüsselereignisse
der Verhandlungen über chemische Waffen bei der
Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament CD) und ihren Vorläufern, der Konferenz des Abrüstungsausschusses und dem Abrüstungsausschuß
verwiesen, die uns an einen Punkt gebracht haben, an
dem die Unterzeichnung einer Chemiewaffenkonvention in diesem Jahr möglich erscheint.
15. März 1962
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterbreiten Pläne für die allgemeine und vollständige Abrüstung beim 18-Nationen Abrüstungsausschuß, die
Bestimmungen für die Beseitigung chemischer und
biologischer Waffen umfassen.
15. August 1968
Chemische Waffen erscheinen auf der Tagesordnung
der Konferenz des Abrüstungsausschusses (Conference of the Committee on Disarmament - CCD) in
Genf.
27. Juni-3. Juli 1974
Beim Moskauer Gipfel vereinbaren die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion bilaterale Gespräche mit
dem Ziel der Erarbeitung eines gemeinsamen Vorschlags zum Verbot chemischer Waffen, der bei der
CCD unterbreitet werden soll.
17. März 1980
Beim Abrüstungsausschuß (CD) wird eine Ad-hocArbeitsgruppe über chemische Waffen ins Leben gerufen. (Der CD ist Nachfolger der CCD).

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4. Februar 1983
Vizepräsident Bush erklärt beim CD folgende Bedingungen der Vereinigten Staaten für ein verifizierbares
Verbot der Herstellung, Lagerung und Verbreitung
chemischer Waffen:
Offenlegung und systematische internationale
Vor-Ort-Inspektionen der Chemie waffenarsenale und Produktionseinrichtungen sowie Offenlegung der Pläne zur Zerstörung von Arsenalen;
systematische internationale Vor-Ort-Inspektion
bei der Zerstörung sowohl von Chemiewaffenarsenalen als auch von Produktionsstätten;
Offenlegung und Vor-Ort-Inspektionen des
Betriebs anderer Einrichtungen für die legale
Herstellung von Chemikalien, die ein besonderes Risiko darstellen, bei der Herstellung von
Chemiewaffen eingesetzt zu werden; und
einen multilateralen Mechanismus für den
Umgang mit Fragen der Einhaltung.
Juni 1983
Die Vereinigten Staaten legen bei der Abrüstungskonferenz ein Papier vor, aus dem hervorgeht, wie eine
Zerstörung der Arsenale verifiziert werden kann. Der
US-Ansatz kombiniert den umfangreichen Einsatz von
Vor-Ort-Instrumenten mit kontinuierlicher Beobachtung durch internationale Inspektoren.
23. August 1983
Die Vereinigten Staaten laden CD-Teilnehmer- und
Beobachterdelegationen zu einem Workshop auf der
Testeinrichtung zur Zerstörung chemischer Waffen in

Seite 1

�Tooele (Utah) ein. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt (außer Rumänien) lehnen die Einladung
ab.
14.-16. November 1983
Fünfzig Diplomaten aus 30 CD-Ländern nehmen am
Workshop zur Verifizierung chemischer Waffen in
Tooele (Utah) teil.
18. April 1984
Bei der Abrüstungskonferenz (der neuen Bezeichnung
für den Abrüstungsausschu ß) legt Vizepräsident Bush
einen Vertragsentwurf der Vereinigten Staaten vor,
der ein weltweites Verbot von Entwicklung, Erwerb,
Herstellung, Lagerung, Verbreitung und Einsatz chemischer Waffen vorsieht. Der Plan fordert systematische Vor-Ort-Inspektionen von Produktionseinrichtungen für Chemiewaffen, um die Einhaltung zu gewährleisten.

21.-23. Februar 1989
Die Vereinigten Staaten führen eine Probeinspektion
in einem privaten amerikanischen Chemiewerk durch.
Dies ist Teil eines Experiments zur Entwicklung von
Verfahren für ein Regime von Routineinspektionen,
das Vertrauen schaffen und Sicherheitsbedingungen
erfüllen würde, ohne die zivile Chemieindustrie erheblich zu beeinträchtigen.
Die Sowjetunion und andere CD-Mitglieder führen
daraufhin ähnliche Probeinspektion bei ihrer eigenen
Chemieindustrie durch.
7 . - 9 . Februar 1990
Die Außenminister Baker und Schewardnadse vereinbaren einen Aktionsrahmen, um die Verhandlung über
eine Chemiewaffenkonvention bei der Abrüstungskonferenz zu beschleunigen.

&gt;

I.Juni 1990
Die Sowjetunion lehnt den amerikanischen Vertragsentwurf sofort ab. Dennoch ist es im wesentlichen der
Entwurf von 1984, der die Diskussionsgrundlage der
Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Abrüstungskonferenz bildet. Das Dokument, in das infolge der CD-Verhandlungen Veränderungen eingearbeitet wurden, wird
inoffiziell als "rolling text" bezeichnet.
10. Juli 1986
Die Vereinigten Staaten legen der Abrüstungskonferenz Informationen über ihre Chemiewaffenarsenale
und die Standorte dieser Arsenale vor - als erstes CDMitglied.
6. August 1987
Der sowjetische Außenminister hält eine Rede bei der
Abrüstungskonferenz und akzeptiert prinzipiell verbindliche Verdachtsinspektionen ohne Verweigerungsrecht. Er lädt die CD-Delegationen in die militärische
Einrichtung Schikani ein und spricht eine Einladung in
die im Bau befindliche Einrichtung zur Chemiewaffenzerstörung in der Nähe von Tschapajewk aus. Am 3.
und 4. Oktober 1987 besucht eine multilaterale CDDelegation die sowjetische CW-lnstallation in Schikani, um Munitionen und eine mobile Zerstörungsanlage
zu besichtigen.
28. Juli 1988
In einer Rede bei der Abrüstungskonferenz legt der
amerikanische Botschafter Max Friedersdorf den
Standort aller US-Produktionsstätten für Chemiewaffen offen und erläutert Pläne für deren Zerstörung bei
einem Chemiewaffenverbot. Die Vereinigten Staaten
fordern die Sowjetunion und andere Länder auf, dasselbe zu tun.

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Beim Gipfel in Washington unterzeichnen die Präsidenten Bush und Gorbatschow das amerikanischsowjetische Abkommen über die Zerstörung und das
Herstellungsverbot chemischer Waffen sowie Maßnahmen zur Förderung der multilateralen Chemiewaffenkonvention (Multilateral Chemical Weapons Convention - CWC). Schlüsselbestimungen dieser wichtigen Vereinbarung sind:
die Einstellung der Herstellung von Chemiewaffen bei Inkrafttreten und die Zerstörung des
größten Teils der bekannten Arsenale bis Ende
1992. Bis zum Jahr 2002 soll ein Niveau von
5.000 Tonnen Kampfstoff erreicht sein;
Vor-Ort-Inspektionen während und nach dem
Prozeß der Zerstörung, um diese zu bestätigen,
und
Entwicklung und Einsatz sicherer und umweltverträglicher Zerstörungsmethoden.
13. Mai 1991
Präsident Bush kündigt eine neue Reihe von Schritten
an, um die Aussichten eines baldigen erfolgreichen
Abschlusses der Chemiewaffenkonvention zu stärken. Der Präsident erklärt, die Vereinigten Staaten
würden in dieser Hinsicht folgende Maßnahmen ergreifen:
offiziell dem Einsatz von Chemiewaffen aus
jedwedem Grund entsagen, einschließlich der
Vergeltung gegen einen Staat, mit Wirkung von
dem Zeitpunkt, da die Konvention in Kraft tritt
und vorschlagen, daß alle Länder dem folgen vorausgesetzt, die Sowjetunion ist ebenfalls
Vertragspartner;

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,

i

�sich bedingungslos für die Zerstörung all ihrer
Chemiewaffenarsenale innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten einsetzen und vorschlagen, daß alle anderen Länder dasselbe
tun;
anderen technische Hilfe anbieten, damit sie
ihre Chemiewaffenarsenale effektiv und sicher
zerstören können;
die Festlegung eines Termins zum Abschluß
der Konvention fordern und empfehlen, daß die
Konferenz gegebenenfalls ständig tagt, um dieses
Ziel zu erreichen;
neue und effektive Verifizierungsmaßnahmen
für Inspektionsorte vorschlagen, an denen die
Herstellung oder Lagerung chemischer Waffen
vermutet wird;
vorschlagen, daß die Konvention von den Parteien verlangt, den Handel mit chemiewaffenfähigem Material mit Staaten zu verweigern, die
nicht Mitglieder der Konvention sind, um greifbare Vorteile für diejenigen Staaten zu erzielen,
die der Konvention beitreten und solchen strenge Strafen aufzuerlegen, die sie nicht unterstützen; und
bestätigen, daß die Vereinigten Staaten alle
erforderlichen Sanktionen für die Verletzung der
Konvention verhängen, insbesondere den Einsatz chemischer Waffen.

19. März 1992
Der australische Außenminister Garth Evans präsentiert einen Vertragsentwurf, der Kompromißlösungen
für ausstehende Probleme anbietet, als Basis für den
baldigen Abschluß der Abrüstungsverhandlungen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen die australischen Bestrebungen und unterstützen den damit repräsentierten Prozeß. Der australische Text weicht in einer
Reihe wichtiger Bereiche von den amerikanischen
Positionen ab. Die Vereinigten Staaten bekunden
jedoch ihre Hoffnung, daß er zur Lösung anhängiger
Probleme beiträgt und einen Abschluß der Chemiewaffenkonvention 1992 zuläßt - wie es Präsident Bush
wiederholt gefordert hat.
22. Juni 1992
Der Vorsitzende des Ad-Hoc-Ausschusses über Chemiewaffen bei der Abrüstungskonferenz, der Deutsche Adolf von Wagner, veröffentlichte mit dem Ziel
einer Beschleunigung des Prozesses, den Entwurf
eines "Schlußtextes" zur Beurteilung. Dieser Entwurf
ist ein vollständiger Text, und er umfaßt durch Konsens erzielte Kompromisse ebenso wie die vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagene Sprachregelung mit
Kompromissen bei ungelösten wichtigen Themen.
26. Juni 1992
Die zweite Sitzung der Abrüstungskonferenz schloß
mit einer Erörterung der Erklärungen des Vorsitzenden zum neuen Text.

15. Juli 1991

20. Juli 1992

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien
und Japan legen bei der Abrüstungskonferenz gemeinsam einen Vorschlag über Verdachtsinspektionen vor, woraufhin die Vereinigten Staaten einen
Vorschlag über die Verfahrensweise bei Inspektionen
bekannter Einrichtungen unterbreiten.

Die Abrüstungskonferenz wird wiederaufgenommen.
23. Juli 1992
Die Vereinigten Staaten akzeptieren den Entwurf des
Vorsitzenden zu einer Chemiewaffenkonvention.
Bei ihrem Abschluß wird die Konvention über chemische Waffen die Herstellung, den Erwerb, die Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.

* * * * *

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