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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

29. Juli 1992

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UN-SANKTIONEN GEGEN IRAK

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak

CHEMISCHE WAFFEN

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN,
VERTRAG ÜBER C-WAFFEN ZU
VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz

ERDGIPFEL

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE
DES ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen

NAFTA

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN

WAHLEN '92

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES'
ZU WÄHLEN
Von Juliet Bruce
DIE EINFLUSSREICHE ARMEE - DIE ANATOMIE
EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
Von Juliet Bruce

AIDS

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN ZUR
BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und
Bekämpfungsmaßnahmen

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSQUOTE WÄRE LÖSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEME
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor
Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�UN-SANKTIONEN

GEGEN

IRAK
29. Juli 1992

BUSH: IRAK MUSS FÜR UN-SANKTIONEN
ZUR VERANTWORTUNG GEZOGEN WERDEN
Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung
in den USA und zur Lage im Irak
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus stellte Präsident Bush am 26. Juli 1992 fest,
Saddam Hussein habe sich dem Willen der Vereinten Nationen gebeugt und endlich die Inspektion des irakischen
Landwirtschaftsministeriums genehmigt, räumte jedoch ein, es sei zweifelhaft, ob nach dieser Verzögerung eine
"wirklich effektive Inspektion des Ministeriums noch möglich ist".
Bush bezeichnete Saddam Hussein als "Tyrannen, Diktator und brutalen Händler des Todes" und fügte hinzu,
Hussein stelle eine Bedrohung für das irakische Volk und für Frieden und Sicherheit in der Region dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des Präsidenten.
Ich möchte zwei kurze Erklärungen abgegeben.
Zusätzlich zu dem gestrigen Treffen mit unseren nationalen Sicherheitsberatern zur Situation im Irak - das
eingehend in der Presse kommentiert wurde - habe ich
heute ziemlich viel Zeit damit verbracht, eine Bilanz der
Drogenbekämpfung in unseren Gemeinden zu ziehen.
In Camp David hat mir Jim Burke, der Leiter des
Programms "Partnerschaftlich für ein drogenfreies
Amerika", einen detaillierten und ermutigenden Bericht über die von unserer Nation bei der Abkehr vom
Drogenkonsum erzielten Fortschritte unterbreitet. Es
passiert etwas. Die Vereinigten Staaten wenden sich
von Drogen ab, und zweifelsohne bleiben Probleme
bestehen, aber es werden eindrucksvolle Fortschritte
auf der Nachfrageseite der Gleichung gemacht, insbesondere bei unseren Jugendlichen.
Er und ich haben heute die Statistiken geprüft, die den
sich vollziehenden kulturellen Wandel belegen. Die
Jugendlichen lehnen Drogen ab. Einer Studie zufolge
hat sich der Drogenkonsum unter den 13- bis 17jährigen um 56 Prozent verringert, laut einer anderen um 48
Prozent.
Dies sind außerordentlich bedeutende Tendenzen,
und im Rahmen unserer Programme am Arbeitsplatz
sind deutliche Bestrebungen sichtbar. Praktisch 90
Prozent unserer führenden Unternehmen unterhalten
äußerst wirksame Programme und erweitem ein als
"Drogen funktionieren nicht" bezeichnetes Programm.
Unser Land hört die Botschaft. Mindestes 900 GeAMERIKA DIENST 30

meinden haben sich landesweit bei der Drogenbekämpfung zusammengeschlossen, und jeden Tag werden
neue Koalitionen gegründet.
Wir haben zwar immer noch ein ernsthaftes Drogenproblem in den Vereinigten Staaten mit schätzungsweise sechs Millionen Abhängigen. Das Drogenproblem steht in Zusammenhang mit allen anderen sozialen Fragen, mit denen wir uns als Nation auseinandersetzen. Wir müssen also noch mehr tun, ich war
jedoch mit Burkes Bericht im Auftrag des Programms
"Partnerschaftlich für ein drogenfreies Amerika" sehr
zufrieden.
Jetzt zum Irak. Die verspätete Ankündigung, daß der
Irak der Sonderkommission der Vereinten Nationen
die Inspektion des Landwirtschaftsministeriums in
Bagdad gestatten wird, ändert weder etwas an der
Tatsache, daß Saddam Hussein drei Wochen lang
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats offenkundig
verletzt hat. Noch ändert diese Ankündigung etwas
daran, daß der Irak die UN-Inspektoren bei der Ausübung ihres Mandats willkürlich und unbarmherzig
behindert und mißbraucht hat. Dieses Mandat lautet
unverzüglicher, ungehinderter, bedingungsloser und
uneingeschränkter Zugang zu allen Anlagen, deren
Inspektion die Vereinten Nationen für erforderlich
erachten.
Und jetzt hat Saddam Hussein wiederum nachgegeben, und obwohl er sich dem Willen der Vereinten
Nationen gefügt hat, bleibt die Frage offen, ob nach
Seite 1

�dieser Verzögerung eine wirklich effektive Inspektion
des Ministeriums noch möglich ist. Ein echter Test
seines Verhaltens werden künftige UN-Inspektionen
sein. Das bisher an den Tag gelegte Verhalten wird
nicht toleriert.

gen und das von den Besatzern gestohlene Eigentum
zurückzugeben.
Der Irak hat die Regierungsvereinbarung mit den
Vereinten Nationen nicht erneuert und UN-Beamten
und Vertreter der im Land tätigen humanitären Hilfsorganisationen weiter behindert.

Saddam Hussein hat seit langem willkürlich die Auflagen der Sonderkommission der Vereinten Nationen
nicht erfüllt und ihre Arbeit behindert. Seit über einem
Jahr macht er falsche Angaben über das Ausmaß der
irakischen Programme für Massenvernichtungswaffen und versucht sie vor den Vereinten Nationen und
der Internationalen Atomenergie-Organisation zu verbergen.

Saddam Hussein verfolgt noch immer gnadenlos das
irakische Volk in offenkundiger Verletzung von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats, einschließlich des
jüngsten Einsatzes von Düsenjägern gegen die Schiiten und der Aufrechterhaltung der Blockade gegen die
Kurden.

Das ist inakzeptabel. Der Irak muß und wird an den
Normen der vollständigen Einhaltung von Resolution
687 des Sicherheitsrats gemessen. Saddams Verletzung des in den Resolutionen des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen formulierten Willens der internationalen Staatengemeinschaft besteht in anderen wichtigen Bereichen fort.

Der Irak hat die Annahme der Resolutionen 706 und
712 des UN-Sicherheitsrats verweigert, mit denen der
Verkauf von Nahrungsmitteln - Verkauf von Rohöl im
Gegenzug für Nahrungs- und Arzneimittel - gestattet
würde und sich statt dessen für das unnötige Leiden
des irakischen Volkes entschieden, indem er Nahrungsmittel verweigert.

Der Irak hat die Mitarbeit in der irakisch-kuwaitischen
Grenzkommission verweigert. Der Irak hat sich geweigert, Rechenschaft über die während der Besetzung
der Emirate gefangengenommenen Kuwaiter abzule-

Die internationale Staatengemeinschaft kann die
anhaltende Mißachtung der Vereinten Nationen und
der Rechtsstaatlichkeit nicht tolerieren, denn es steht
für die Region, die Vereinten Nationen und die Welt
zuviel auf dem Spiel.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 30

�CHEMISCHE

WAFFEN
29. Juli 1992

LEDOGAR APPELLIERT AN ALLE STAATEN, VERTRAG
ÜBER C-WAFFEN ZU VERABSCHIEDEN
Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Genfer Abrüstungskonferenz, Stephen Ledogar, hat
am 23. Juli 1992 alle Staaten aufgefordert, den vorliegenden Vertragsentwurf über chemische Waffen ohne
Veränderungen zu verabschieden.
Der 183seitige Vertragsentwurf untersagt Beschaffung, Entwicklung, Herstellung, Weitergabe und Einsatz von
chemischen Waffen weltweit und sieht die Zerstörung aller Bestände und vorhandenen Produktionseinrichtungen für C-Waffen innerhalb von 10 Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags vor.
"Der Text... spiegelt das zerbrechliche und mühsam erlangte Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen wider", erklärte Ledogar vor der Konferenz. "Obwohl wir
in vielen Bereichen des Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir nach eingehender Prüfung zu dem
Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind, um ein Abkommen auf breiter Grundlage
zu erlangen und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt."
Nachfolgend veröffentlichen wir Ledogars Rede im Wortlaut.

Vor langer Zeit, in einem internationalen Umfeld, das
von dem heute vorherrschenden grundverschieden
war, nahm diese Konferenz ihre Arbeit an einer Konvention zur vollständigen Beseitigung chemischer Waffen
auf der ganzen Welt auf. Diese Bemühungen waren
ungleichmäßig und - dem würden die meisten von uns
zustimmen - viel zu langsam, trotz der Leitung engagierter und talentierter Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses und der harten Arbeit der Delegationen. Wir
alle haben unsere eigenen Ansichten zu den Gründen
für die schwere Geburt der C-Waffenkonvention. Um
diese Frage geht es jedoch heute nicht. Unter der
Führung unseres hervorragenden Kollegen, Botschafter von Wagner aus Deutschland, haben wir heute eine
ausgezeichnete Chance, diese Arbeit zu vollenden
und die C-Waffenkonvention der gesamten Staatengemeinschaft zur Unterzeichnung vorzulegen. Dies
wird die erste große Leistung dieses einzigartigen
multilateralen Verhandlungsgremiums für Rüstungskontrolle und Abrüstung sein.
In den kommenden beiden Wochen muß jeder Teilnehmer und Beobachter unserer Konferenz irgendwann entscheiden, ob er den letzten Vertragsentwurf
des Vorsitzenden akzeptieren kann.

AMERIKA DIENST 30

Stellvertretend für die Vereinigten Staaten möchte ich
hier erklären, daß unsere Antwort auf diese Frage "Ja"
lautet.
Wir können den Konventionsentwurf in Dokument CD/
CW/WP.400/REV.1 voll und ganz akzeptieren. Unser
Entschluß wurde nicht leicht gefaßt. In vielen wichtigen Bereichen wurden die von den Vereinigten Staaten erwünschten Positionen erheblich verwässert oder
überhaupt nicht aufgenommen. So gestattet es der
vor uns liegende Text beispielsweise nicht, daß ein
Staat, der mit C-Waffen angegriffen wird, mit chemischen Waffen zurückschlägt, auch wenn er solche
Waffen noch besitzt. Ferner darf kein Staat zu seiner
Sicherheit einen kleinen Vorrat von C-Waffen behalten, bis alle C-waffenfähigen Staaten dem Vertrag
beigetreten sind. Darüber hinaus sieht der Text keine
automatischen Verdachtsinspektionen vor, wenn ein
solches Ersuchen gestellt wird, und die Präsenz von
Beobachtern aus dem ersuchenden Staat ist auch
nicht gewährleistet. Der Text spiegelt nicht die amerikanische Position wider, daß die Zahl der von jedem
Staat zuzulassenden Verdachtsinspektionen begrenzt
werden sollte, daß Handelsbeschränkungen gegen
NichtUnterzeichner des Vertrags verhängt werden sollten

Seite 1

�und daß die Verantwortung für die Zerstörung aller CWaffen auf dem Hoheitsgebiet eines Staates voll und
ganz diesem Staat zukommen sollte.
Ich könnte noch eine lange Liste von Bereichen aufzählen, in denen der Text unsere bevorzugten Positionen nicht widerspiegelt. In einigen dieser Bereiche
haben die Vereinigten Staaten Zugeständnisse gemacht, um Fortschritte zu erleichtern. Tatsächlich
haben wir in den vergangenen Jahren eine ganze
Reihe von Konzessionen gemacht. In anderen Fällen
hat der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses, Botschafter von Wagner, einen anderen Ansatz vorgeschlagen, um ein kontroverses Problem zu lösen,
wenn die Positionen auch nach langen Debatten nicht
miteinander in Einklang gebracht werden konnten.
Tatsache ist, daß der dem Ad-hoc-Ausschuß vorliegende Text ein zerbrechliches und mühsam erlangtes
Gleichgewicht zwischen vielen unterschiedlichen
Positionen und zahlreichen verschiedenen Problemen
widerspiegelt. Obwohl wir in vielen Bereichen des
Texts andere Regelungen vorziehen würden, sind wir
nach eingehender Prüfung zu dem Schluß gekommen, daß gewisse Opfer unsererseits notwendig sind,
um ein Abkommen auf breiter Grundlage zu erlangen
und daß das verbleibende Gleichgewicht unsere Sicherheitsinteressen angemessen schützt.
Der Ad-hoc-Ausschuß hat die kontroversen Themen
erschöpfend erörtert. Ich bezweifle, daß deren weitere
Behandlung zu einem besseren Konglomerat von
Kompromissen führen wird. Im Gegenteil, die erneute
Behandlung eines kontroversen Problems könnte
vielmehr das zerbrechliche Gleichgewicht der Interessen und Positionen sprengen, wenn die Staaten wie-

*

Seite 2

derum versuchen, das Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu verschieben. Wenn dies geschieht, kann ich
Ihnen versprechen, daß die Vereinigten Staaten bei
mehreren wichtigen Themen die von ihnen bevorzugten Positionen einbringen werden. Ich bin mir jedoch
ebenso der Tatsache bewußt, daß die neuerliche
Erörterung kontroverser Fragen den Abschluß der
Konvention noch in diesem Jahr zum Scheitern bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten schließen weitere Änderungen des Textes nicht aus. Wir sind bereit, ernsthafte
Vorschläge von Delegationen zu Punkten in Erwägung
zu ziehen, die sie als grundlegend für ihre Interessen
betrachten. Wir unterstützen jedoch voll und ganz die
Position Botschafter von Wagners, daß Veränderungen am Vertragsentwurf nur durch Konsens erfolgen
können. Wir kennen keinen anderen Weg, um einen
Text zu erlangen, den alle Delegationen unterstützen
können.
Nach vielen Jahren der Verhandlungen sind wir nahe
daran, die Hoffnungen unserer Konferenz und das
Mandat des Ad-hoc-Ausschusses dieses Jahr zu erfüllen. Wir haben jedoch nur noch bis zum 7. August, um
die Arbeit am Text zu vollenden. Wir sind der Überzeugung, daß sorgfältige Prüfung durch die anderen Teilnehmer an den C-Waffenverhandlungen diese zu
derselben Schlußfolgerung veranlassen wird, die wir
gezogen haben. Wir fordern die anderen Teilnehmer
auf - sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder -, die
ihre Position zum Text des Vorsitzenden noch nicht
bekanntgegeben haben, dies in dieser Woche zu tun.
Lassen Sie uns die vor uns liegende historische Chance ergreifen.

* * *

*

AMERIKA DIENST 30

�ERDGIPFEL
29. Juli 1992

BOHLEN ERLÄUTERT ERGEBNISSE DES
ERDGIPFELS VOR DEM KONGRESS
Rede von Abteilungsleiter Bohlen
WASHINGTON - (AD) - Nach dem Abschluß der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung
(UNCED) müssen jetzt alle Länder konkrete Schritte zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung unternehmen, erklärte der Abteilungsleiter im US-Außenministerium Curtis Bohlen am 21. Juli 1992 vor dem Ausschuß
für auswärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses.
Bohlen erläuterte die wichtigsten Leistungen der am 14. Juni 1992 in Rio de Janeiro beendeten Konferenz und
verwies darauf, daß die Bush-Administration eine Arbeitsgruppe des Weißen Hauses ins Leben gerufen habe,
die sich mit der Verwirklichung der von den Vereinigten Staaten im Rahmen der in Rio unterzeichneten
Vereinbarungen eingegangenen Verpflichtungen befaßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Bohlens Anhörung vor dem
Kongreß.

Ich möchte heute die drei in Rio verabschiedeten
Vereinbarungen und unsere Pläne zu deren Durchsetzung zusammenfassen.
Rio-Deklaration
Eines der wesentlichen Ergebnisse der Konferenz war
die Rio-Deklaration über Umwelt und Entwicklung.
Beim letzten Treffen des UNCED-Vorbereitungsausschusses im April legte eine kleine Gruppe von rund 14
Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten unter
dem Vorsitzenden Tommy Koh einen Kompromißentwurf vor. Dieser Text wurde in Rio wortgetreu verabschiedet.
Der Text enthält 27 allgemeine Prinzipien zu Umwelt
und Entwicklung. Zu den von den Vereinigten Staaten
vorgeschlagenen Prinzipien zählen Beteiligung der
Öffentlichkeit, Zugang zu Informationen sowie Umweltverträglichkeitsprüfungen. Andere Prinzipien fördern den globalen Schutz der Umwelt und die Integration von Umwelt und Entwicklung. Das Dokument
steht für einen hart erkämpften und erfolgreichen
Kompromiß unterschiedlicher nationaler Interessen,
gründet sich auf die Stockholmer Deklaration von 1972
und ist eine Erweiterung derselben.
Die Vereinigten Staaten haben zur Aufnahme in das
Protokoll eine Erläuterung unserer Interpretation des
sogenannten "Rechts" auf Entwicklung (Prinzip 3)
unterbreitet, die Verantwortung der Länder für UmAMERIKA DIENST 30

weltprobleme im einzelnen erläutert (Prinzip 7), Handelsmaßnahmen zum Umweltschutz dargelegt (Prinzip 12) und sich mit dem Problem der Unterdrückung
befaßt (Prinzip 23). Wir werden eine vollständige
Interpretation vorlegen, die auch Kommentare der
Dokumente zu den Waldprinzipien und der Agenda 21
für Ihr Protokoll enthält.
Waldprinzipien
Beim Gipfeltreffen derG-7 in Houston verkündeten die
Staats- und Regierungschefs ihr Ziel, zur Unterzeichnung in Rio ein internationales Waldabkommen oder
eine Konvention auszuhandeln. Aufgrund der Komplexität der anderen Verhandlungen im Zusammenhang mit der UNCED vereinbarte der Vorbereitungsausschuß die Erarbeitung nicht bindender Prinzipien
zur Verwaltung der Wälder, die als Ausgangspunkt für
eine Konvention dienen könnten. Dieser Ansatz wurde
beim G-7-Gipfel in London bekräftigt.
Die Konferenz verabschiedete eine Erklärung zu
Waldprinzipien, in der die Bedeutung von Wäldern und
die Notwendigkeit zu deren Schutz sowie von umweltverträglicher Verwaltung ihren Niederschlag finden.
Die Prinzipien unterstützten die Rolle von wirtschaftlichen Anreizen bei der Erhaltung von Wäldern und die
Notwendigkeit der Berücksichtigung anderer Faktoren
bei der Erarbeitung von Verwaltungsplänen und
Maßnahmen. Sie tragen ferner der Bedeutung aller
Arten von Wäldern als natürliche Lebensräume, ökoloSeite 1

�gische Systeme und Ressourcen Rechnung. Es wurde
keine Einigung bezüglich der Aushandlung einer rechtlich bindenden Waldkonvention erzielt, weil einige
Entwicklungsländer den Gedanken einer Waldkonvention vehement ablehnten.
In seiner Rede vor den Staats- und Regierungschefs
unterstrich Präsident Bush die Bedeutung der Wälder
für die von ihm kurz vor dem Erdgipfel angekündigte
Initiative für die Zukunft, einschließlich seines Vorschlags, die internationale Waldhilfe im kommenden
Jahr zu verdoppeln.
Agenda 21: eine Übersicht
Das dritte Dokument, das ich erläutern möchte, ist die
Agenda 21, die eine Vision der Zukunft enthält. Die
Agenda 21 war der größte Erfolg der Konferenz.
Die Agenda 21 umfaßt 40 Kapitel, die Nationen zu
einem Kurs für umweltverträgliche Entwicklung verpflichten. Das Dokument wurde von 170 Regierungen
ausgehandelt und im Konsens verabschiedet. Jedes
Kapitel stellt bestimmte Programmbereiche vor, die
einen gemeinsamen Ansatz zu Umwelt- und Entwicklungsproblemen bieten. Die Kapitel fassen die Erörterung von Themen und die vorgeschlagenen Maßnahmen zusammen. Beispielsweise integriert das Kapitel
zu Wäldern nationale Maßnahmen und internationale
Zusammenarbeit bei der Erhaltung und umweltverträglichen Entwicklung der Wälder.
Ich möchte die drei wichtigsten Kapitel der Agenda 21
- Ozeane, technologische Zusammenarbeit und Institutionen - kurz umrei ßen und dann auf andere wesentliche Leistungen der Agenda 21 in den Bereichen
Finanzwesen und Versteppung eingehen.
Agenda 21: Ozeane
Im Hinblick auf die Ozeane sind wir mit den Ergebnissen von Rio sehr zufrieden. Die amerikanische Führungsrolle bei allen vier Sitzungen des Vorbereitungsausschusses hat maßgeblich zum Erfolg des Ozeankapitels von Agenda 21 beigetragen. Unser Ziel bestand darin, auf dem in der UN-Seerechtskonvention
von 1982 dargelegten stabilen internationalen rechtlichen Rahmen aufzubauen und Prioritäten für die Zukunft
festzulegen.
Die Vereinigten Staaten drängten auf demokratische
Ansätze, um zu gewährleisten, daß die Rechte aller bei
der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Die
Vereinigten Staaten waren in der Lage, ihre Erfahrungen bei der Durchführung von Vorschriften im eigenen
Land weiterzugeben, von denen zahlreiche in den
vergangenen Jahren unter Beteiligung dieses Ausschusses entwickelt wurden. Dazu gehören Gesetze
über die Behandlung küstennaher Gebiete, Schiffahrt,
den äußeren Festlandssockel, Energiegewinnung im
Meer, Entsorgung von Schadstoffen, Hochseefischerei, Meeressäugetiere, gefährdete Arten und Umwelt-

Seite 2

Verträglichkeitsprüfungen. Dies sind Gesetze, die für
uns heute selbstverständlich sind, aber von anderen
auf der ganzen Welt angestrebt werden, um unsere
Fortschritte beim Umweltschutz nachzuahmen.
Die Vereinigten Staaten haben erfolgreich den Einsatz
wirtschaftlicher Anreize als Weg gefördert, um industrielle und landwirtschaftliche Praktiken zu begrenzen, die das Ökosystem Meer verschmutzen, wobei
der Entwicklung von Strategien besonderes Augenmerk geschenkt wurde, die Meeresverschmutzung
aus Landquellen zu behandeln. Wir unterstützten in
Rio eine Vereinbarung, derzufolge die UNO eine internationale Konferenz über landgestützte Quellen der
Meeresverschmutzung veranstalten soll.
Im Ozeankapitel empfohlene Maßnahmen haben das
Ziel, zu gewährleisten, daß Populationen von Meereslebewesen in gesundem Umfang erhalten werden,
Populationen bedrohter Meeressäugetiere geschützt
werden und selektive Fischereiausrüstung verwendet
wird, die erhebliche Verschwendung oder Fangverluste vermeidet.
Das Kapitel bekräftigt die Seerechtskonvention, in der
die Rechte von Staaten und internationalen Organisationen niedergelegt sind, die Ausbeutung von Meeressäugetieren zu begrenzen oder verbieten. Es unterstreicht ferner die Pflicht der Internationalen Walfangkommission zur Regelung des Walfangs.
Das schwierigste Verhandlungsgebiet war die Hochseefischerei, insbesondere die Frage der Fischbestände. Beim Abschlußtreffen des Vorbereitungsausschusses hatten die Vereinigten Staaten den Vorsitz
einer Verhandlungsgruppe über lebende Meeresressourcen inne. Die Meinungsverschiedenheiten konzentrierten sich auf Fischpopulationen, die auch jenseits der exklusiven Wirtschaftszone von 200 Meilen
vorkommen. Dabei waren Kanada und die Europäische Gemeinschaft die Hauptgegner.
Die Verhandlungsgruppe schlug einen Kompromiß
vor, der vorsieht, daß eine zwischenstaatliche Konferenz über Hochseefischerei praktische Maßnahmen
zur Durchführung (nicht Neuverhandlung) der einschlägigen Bestimmungen der UN-Konvention von
1982 entwickelt (im Hinblick auf Populationen außerhalb der 200-Meilen-Zone und Fischarten mit großer
Wanderungsbewegung). Dieser Kompromiß wurde in
Rio verabschiedet.
Agenda 21: Technologische Zusammenarbeit
Technologische Zusammenarbeit war bei der UNCED
ein wichtiger Schwerpunkt der Vereinigten Staaten.
Das Kapitel über technologische Zusammenarbeit
beinhaltet amerikanische Bemühungen, die Konzepte
der technologischen Zusammenarbeit, eine bedeutsame Rolle der Privatwirtschaft und den Schutz der
Rechte an geistigem Eigentum zu unterstreichen.

AMERIKA DIENST 30

�Die Vereinigten Staaten haben schließlich mit Erfolg
betont, daß der Transfer umweltverträglicher Technologie ein Element innerhalb eines breiteren Rahmens
kooperativer Maßnahmen darstellt. Dieser Rahmen
umfaßt die Entwicklung von Informationsnetzen, den
Aufbau von Kapazitäten, Forschungszentren, Technologiebewertung und wirtschaftliche Partnerschaften.
Agenda 21: Institutionen
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Ansicht, daß
die Integration von Umwelt und Entwicklung zur Erlangung umweltverträglicher Entwicklung ein Leitprinzip
der wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten der UNO
sein sollte, und bei den Treffen der Vorbereitungsausschüsse fürdie UNCED haben die Vereinigten Staaten
umfassende Vorschläge zur Reform der UNO vorgelegt.
Das Kapitel über die Reform internationaler Institutionen spiegelt einen Konsens wider, demzufolge die
UNCED von einer verstärkten behördenübergreifenden Koordinierung im System der Vereinten Nationen
gefolgt werden muß, verstärkten Rollen für das UNUmweltprogramm, das UN-Entwicklungsprogramm und
andere UN-Organisationen, von verstärkten regionalen Bemühungen, von nationalen umweltverträglichen
Entwicklungsprogrammen sowie von einer verbesserten Rolle für Nichtregierungsorganisationen bei UNDiskussionen und -Programmen.
Die Vereinigten Staaten begrüßten die in Rio getroffene Vereinbarung, zu empfehlen, daß die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine UN-Kommission für umweltverträgliche Entwicklung ins Leben
rufen soll. Die Kommission, deren Sitz von der UNGeneralversammlung bestimmt wird, wäre ein hochrangiges Gremium des Wirtschafts- und Sozialrats.
Sein Zweck ist die Bereitstellung eines geeigneten
zwischenstaatlichen Forums für den Informationsaustausch über nationale und multilaterale Erfahrungen
bei der Durchführung oder Behandlung von Empfehlungen des Erdgipfels sowie die Erörterung von Möglichkeiten um den UNCED-Folgeprozeß zu verbessern. Die Kommission wird ferner die Bemühungen
des UNO-Systems zur Verwirklichung der Agenda 21
sowie die von unabhängigen Vertragsgremien gelieferten Informationen über die Umsetzung von Umweltkonventionen prüfen.
Andere wichtige Themen
Andere wichtige Themen waren die Finanzen und die
Forderung nach einer Konvention über die Ausbreitung der Wüsten.
Finanzen. Agenda 21 beinhaltet ein Kapitel über
finanzielle Mittel, das die Zustimmung aller Länder
fand. Das Kapitel reflektiert ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bedürfnis der Entwicklungsländer, die meisten Ressourcen intern zu mobilisieren
AMERIKA DIENST 30

und dem Bedarf nach zusätzlicher Hilfe aus externen
Quellen. Die Vereinigten Staaten haben die Bedeutung positiver nationaler Volkswirtschaften betont, femer
die Rolle des Privatsektors und die Notwendigkeit
innovativer Finanzierung wie Schuldenreduzierung im
Tausch gegen Umweltschutz. Das Kapitel über Finanzen verweist auf eine Reihe von Quellen und Mechanismen für die finanzielle Hilfe der Agenda 21, einschließlich der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität.
Ausbreitung der Wüsten. Bei der letzten Vorbereitungskonferenz forderten die Entwicklungsländer eine
Konvention, um der fortschreitenden Ausbreitung der
Wüsten, das heißt der Bodenerosion durch Aktivitäten
des Menschen, Einhalt zu gebieten. Die Konferenz in
Rio kam überein, die Generalversammlung der Vereinten Nationen aufzufordern, bei ihrer 47. Sitzung einen
zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß zu gründen, um bis Juni 1994 eine Konvention zur Bekämpfung der Ausbreitung von Wüsten in Ländern - insbesondere in Afrika - zu erarbeiten, in denen große Dürre
herrscht oder sich die Wüste erheblich ausbreitet. Die
Vereinigten Staaten haben die Konvention unterstützt,
weil das Problem dringlich ist und die afrikanischen
Länder entschlossen sind, die Ausbreitung der Wüsten anzugehen.
Die nächsten Schritte
Präsident Bush hat erklärt, daß der Weg nach Rio zwar
wichtig war, aber "der Weg von Rio ist das, was zählt".
Es ist entscheidend, daß alle Länder Schritte unternehmen, um eine umweltverträgliche Entwicklung zu
fördern. Die Vereinigten Staaten arbeiten hart daran,
zu gewährleisten, daß die Ergebnisse der Konferenz
erfolgreich die Basis für ein neues Zeitalter globaler
Kooperation und Partnerschaft schaffen. Es steht
zuviel auf dem Spiel, als daß man es zulassen könnte,
die Agenda 21 auf die lange Bank zu schieben, ein
Schicksal, das zu viele Arbeitsprogramme der Vereinten Nationen in der Vergangenheit erlitten haben.
Präsident Bush und die anderen Staats- und Regierungschefs der G-7 haben vor zwei Wochen in München erklärt, daß der Erdgipfel ein Meilenstein war, um
das Bewußtsein über globale Umweltherausforderungen zu schärfen und den Prozeß der Schaffung einer
weltweiten Partnerschaft über Entwicklung und Umwelt zu beschleunigen. Sie forderten schnelle und
konkrete Maßnahmen zur Überprüfung der UNCEDVerpflichtungen im In- und Ausland.
Auf internationaler Ebene umfaßt dies die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die in Agenda 21
vereinbarte Umstrukturierung und Reform des UNOSystems zu leisten. Auf nationaler Ebene bedeutet es
die Erstellung, Veröffentlichung und Durchführung
nationaler Aktionspläne für umweltverträgliche Entwicklung.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten gehen schnell vor, um sicherzustellen, daß wirüber die funktionierenden Mechanismen verfügen, um beiden Zielsetzungen gerecht zu
werden. Kurz nach der Konferenz rief das Wei ße Haus
eine parlamentarische Arbeitsgruppe zu UNCED ins
Leben, die der wichtigste Kanal zur Entwicklung interministerieller Initiativen und Maßnahmen im Nachgang zu der Konferenz sein soll. Der Arbeitsgruppe
obliegt die Koordinierung der Durchführung von in Rio
verabschiedeten Abkommen. Der Arbeitsgruppe
gehören an: das Außenministerium, Innenministerium, Ministerium für Landwirtschaft und Energie, das
Umweltschutzamt, hochrangige Beamte des Weißen

Hauses und des Präsidialamts sowie der Vorsitzende
des Rats für Umweltqualität.
Die interministerielle Koordinierung von UNCED-Themen wird auch auf unterer Ebene fortgeführt und zwar
mit Hilfe der erprobten interministeriellen Gremien, die
bei den Vorbereitungen zur UNCED hervorragende
Arbeit geleistet haben. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir im Büro für Ozeane und internationale wissenschaftliche Umweltprobleme die erforderlichen Ressourcen zur Nachbereitung der UNCED bereitstellen
werden. Dies hat oberste Priorität. Ich bin sicher, daß
andere Behörden gleichziehen werden.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

�NAFTA
29. Juli 1992

ZOELLICK: NAFTA KANN ZU VERSTÄRKTEM
HANDEL MIT DEM PAZIFIK FÜHREN
Rede des Staatssekretärs beim ASEAN
WASHINGTON - (AD) - Staatssekretär Robert Zoellick zufolge würde die Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zu verstärktem Handel
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik führen.
In einer Rede vor der "Sechs-plus-Sieben-Sitzung" des Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN erklärte
Zoellick am 24. Juli 1992 in Manila, ein konkurrenzfähigerer nordamerikanischer Markt wäre besser geeignet,
"den florierenden Handel mit dem pazifischen Becken aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Wir beabsichtigen
nicht, eine große Insel zu sein - das läge nicht in unserem Eigeninteresse."
Amerikanische, mexikanische und kanadische Regierungsvertreter eröffneten am vergangenen Wochenende
die Endrunde der Gespräche zum NAFTA, das die Senkung der Handelsschranken zwischen ihren Ländern zum
Ziel hat. Regierungsvertretem zufolge wird NAFTA einen der reichsten Märkte der Welt mit über 360 Millionen
Verbrauchern und Produzenten sowie einer Jahresproduktion von mehr als 6 Billionen Dollar schaffen.
Zoellick fuhr fort, man müsse sich Gedanken über die Liberalisierung des Handels im gesamten pazifischen
Raum Gedanken machen.
"Mit den Abkommen zur Erleichterung von Handel und Investitionen sowie den bilateralen Investitionsverträgen
haben wir einen Anfang gemacht", so Zoellick. Ferner beabsichtigen wir, auf der erfolgreichen Reise unserer
Botschafter in die ASEAN-Länder aufzubauen, indem wir diese Bestrebungen wiederholen und die Botschafter
der ASEAN-Länder zu einem Besuch in die Vereinigten Staaten einladen. Und wir unternehmen Schritte zur
Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierlichen Wirtschaftsaktivitäten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Zoellick im Wortlaut.
Außenminister Baker hat mich gebeten, die Verzögerung seiner Ankunft in Manila aufgrund der unerwarteten Entwicklungen bei den Nahost-Friedensgesprächen zu entschuldigen. Er sieht dem Zusammentreffen mit Ihnen im weiteren Verlauf der Konferenz jedoch
gerne entgegen. In der Tat unterstrich der Außenminister die Bedeutung, die er seiner Teilnahme an
diesem ASEAN-Treffen persönlich beimißt - Meinungen mit Parntern auszutauschen und Kollegen wiederzusehen, die Freunde geworden sind.

schichte hat dem Kommunismus den Bankrott erklärt:
als Wirtschaftssystem, Ideologie, als etwas Erstrebenswertes. In dieser Woche weilte der demokratische Außenminister Rußlands zu konstruktiven Gesprächen darüber hier in Manila, wie wir das tragische
Vermächtnis des Kommunismus überwinden und eine
neue Partnerschaft gründen können.
Die Asiaten haben den Aufstieg und Fall von Dynastien
miterlebt. Sie wissen, daß Imperien nicht gefahrlos
den Schauplatz der Geschichte verlassen.

In den vergangenen vier Jahren hatte auch ich das
Privileg, diesen Sitzungen beiwohnen zu können, und Aus diesem Grund räumt meine Regierung dem sicheich wei ß die Gelegenheit zu schätzen, wieder mit Ihnen ren Abbau des nuklearen Gleichgewichts des Schrekkens und der Verhinderung der Verbreitung von Maszusammenzusein.
senvernichtungswaffen höchste Priorität ein. Aus
Lassen Sie uns einen Augenblick innehalten und die diesem Grund haben wir versucht, in allen Teilen der
Bilanz dessen ziehen, was wir in etwas über 1000 Welt Gelegenheiten zur Entschärfung seit langem
Tagen gesehen und erreicht haben. Die schwere durch Kommunismus und Konflikt geschürter regionaler Gefahren zu ergreifen. Aus diesem Grund helfen
Prüfung des Kalten Krieges ging zu Ende. Die GeAMERIKA DIENST 30

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�i

wir den politisch Verantwortlichen der neuen Demokratien dabei, ihre Länder aus der totalitären Dunkelheit und wirtschaftlichen Lähmung herauszuführen.
Die Asiaten - und Amerikaner - wissen auch, daß der
Kalte Krieg in Europa zu heißen Kriegen am Pazifik
eskalierte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
führte eine Generation von Amerikanern Krieg in Nordasien, und die nächste Generation verblutete in Südostasien. In Anlehnung an Napoleons Worte möchte
ich folgendes sagen: Wenn die Gräber der Soldaten
einer Nation den Horizont ihrer Weltsicht markieren,
dann sollte niemand am Pazifik den Platz der Vereinigten Staaten in dieser Region in Zweifel ziehen.
Dennoch hat mein Land auch stets nach vorne geblickt. Dies trifft heute noch zu. Und es ist verständlich,
daß unsere Partner am Pazifik fragen werden, wie wir
unsere Beziehungen zur asiatisch-pazifischen Region
in diesem neuen Zeitalter sehen.
Ich möchte kurz unsere Haltung zu drei grundlegenden
Fragen erläutern.
Erstens Sicherheit. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zur Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen
operativen und Abschreckungsfähigkeit in Asien. Das
bedeutet vorne stationierte Truppen, Flotten und Luftstreitkräfte. Es bedeutet ebenfalls unsere dauerhafte
Verpflichtung zum amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag, die praktische, gegenseitig nützliche
Partnerschaft der beiden größten demokratischen
Mächte in der Region. Denn das Ende des Kalten
Krieges bedeutet nicht das Ende gefährlicher Diktatoren und Regime, der Androhung von Gewalt und
potentieller Konflikte. Nun, da die Irrtümer der universalistischen Ideologie des Kommunsmus enthüllt
wurden, sehen wir uns mit dem Wiederauftreten exklusiver Ideologien konfrontiert, die ethnische, nationale
und religiöse Gruppen gegeneinadner aufhetzen.
Niemand wünscht Pin Wiederaufleben der Unsicherheiten in dieser Region, die zu - selbst unbeabsichtigten - Bewegungen führen könnten, die das friedliche
Gleichgewicht aus dem Gefüge geraten lassen.
Wie die Vereinigten Staaten im Golfkrieg bewiesen
haben, werden wir nicht tatenlos zusehen, wenn neue
Tyrannen unsere nationalen Sicherheitsinteressen
bedrohen. Wir haben auch am Pazifik nationale Sicherheitsinteressen.
Natürlich werden wir unsere Streitkräfte in der Region
an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wir haben
Ihnen unsere Pläne mitgeteilt, insbesondere unsere
ostasiatische strategische Initiative.
Wir haben unsere Bereitschaft unter Beweis gestellt,
diese Pläne gegebenenfalls wie in Korea anzupassen.
Wir haben unser Vertrauen in verbesserten Zugang zu
einer Reihe regionaler militärischer Einrichtungen sowie
unsere Erwartung erläutert, daß dieser Ansatz zu
einem stärkeren Gefühl gegenseitiger und geteilter
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Verantwortung führen wird. Und wir haben kreative
multilaterale Antworten auf vielschichtige Sicherheitsprobleme wie etwa in Kambodscha begrüßt, unterstützt und - wie ich hoffe - sogar angeregt.
In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen die Vereinigten Staaten weiterhin eine Führungsrolle übernehmen - vielleicht die einzige Führungsmacht mit wirklich
weltweitem Einfluß sein - aber wir werden versuchen,
dies im Wege der Partnerschaft zu tun. Wir müssen
uns aufeinander verlassen.
Aus diesem Grund sind wir besonders über die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs der ASEANLänder vom Januar erfreut, regionale Sicherheitsfragen in unsere Beratungen aufzunehmen. Die ASEANInitiative bietet uns eine Gelegenheit zum Gedankenaustausch über die Herausforderungen, mit denen
sich die Region konfrontiert sieht. Es könnten sich
Möglichkeiten für Schritte zur Unterstützung der regionalen Sicherheit durch den Aufbau von Vertrauen und
Zuversicht bieten, beispielsweise Zusammenarbeit bei
Produktpiraterie und größere Transparenz bei Verteidigungsfragen. Mit der Zeit muß unser Dialog eine
präventive Diplomatie fördern, Mißtrauen beseitigen
und Mißverständnisse vor ihrer Eskalation klären.
Unser zweites aber ebenso wichtiges Interesse sind
unsere Wirtschaftsbeziehungen mit der asiatischpazifischen Region. In den frühen siebziger Jahren lag
unser Handelsvolumen mit der Region unter dem mit
Lateinamerika. Jetzt ist unser transpazifisches Handelsvolumen im Wert von über 300 Milliarden Dollar
pro Jahr mehr als 40 Prozent höher als unser transatlantischer Handel. Unser Handelsvolumen von 50
Milliarden Dollar mit den ASEAN-Ländern übersteigt
unser Handelsvolumen mit Deutschland. Wir exportieren mehr nach Singapur als nach Spanien oder Italien.
Aber die Asiaten sind sich der Wirtschaftszahlen sehr
wohl bewu ßt. Ich möchte mich daher nun den Anliegen
zuwenden.
Eine große Leistung des Kalten Krieges war der Wiederaufbau von Westeuropa und Japan - sie wurden
unsere Partner und Verbündeten. Jetzt befinden sich
auch andere - insbesondere Nationen in Asien und
Lateinamerika - auf dem Weg zum Wohlstand.
Offen gesagt ist die alte Nord-Süd-Logik ebenso veraltet wie die Teilung des Kalten Krieges zwischen pst
und West. In dieser Zeit nach dem Kalten Krieg sollten
wir die enormen Unterschiede zwischen den sogenannten Entwicklungsländern berücksichtigen. Wir
sollten auch bei der Schaffung eines besseren Lebens
für alle Mitbürger in unserem gemeinsamen Interesse
handeln. Es liegt in unserem gemeinsamen Interesse,
einen internationalen Wirtschaftsrahmen sicherzustellen, der sowohl Wachstum fördert als auch politsche
Unterstützung gewähren kann. Wir müssen den ASEANLändern und anderen die Möglichkeit bieten, von ihrem
relativen Vorteil zu profitieren. Gleichzeitig muß der
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�internationale Rahmen das nach außen gerichtete
Engagement der Vereinigten Staaten, der EG, Japans
und anderer Länder unterstützen, sowohl bei der
Zusicherung von offenem Zugang für ihre konkurrierenden Produkte, Dienstleistungen und Ideen als auch
durch Hilfestellung beim Übergang zur Wettbewerbsfähigkeit.
Natürlich wäre eine erfolgreiche Uruguay-Runde ein
Eckpfeiler dieses Systems. Wir wollen unabhängig
von unseren Wahlen dabei Fortschritte erzielen, weil
wir der Meinung sind, daß freie Märkte und Wettbewerbschancen wirtschaftlich und politisch sinnvoll sind.
Beim Gipfel in München haben die Vereinigten Staaten
auf zwei Vorschläge zur Landwirtschaft gedrungen,
um die EG zu veranlassen, den Umfang ihrer subventionierten Agrarexporte so zu reduzieren, wie es ein
Großteil der Welt anstrebt - und ich sollte hinzufügen,
daß der EG-Präsident Premierminister Major auch
energisch zum Handeln aufgefordert hat. Leider war
die Zeit für manche Maßnahmen noch nicht reif. Aber
wir haben im vergangenen Jahr mehr Fortschritte
erzielt als manche erkennen mögen. Wir haben nicht
die Absicht aufzugeben. Um jedoch letztlich erfolgreich zu sein, werden viele von Ihnen auch Ihre Angebote im Hinblick auf besseren Zugang zu Waren und
Dienstleistungen verbessern müssen.
In der Zwischenzeit erzielen wir allmählich Fortschritte
bei NAFTA, dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Meiner Ansicht nach kann NAFTA die Basis
für stärkere panpazifische Verbindungen sein. Starkes Wachstum in Nordamerika wird mehr Handel mit
Asien bedeuten. Die Tatsachen des Handels mit allen
drei nordamerikanischen Ländern bestätigen dies. Ein
konkurrenzfähigeres Nordamerika wird eher bereit sein,
unseren florierenden Handel mit dem Pazifik zu erhalten und zu stärken. Wir wollen keine große Insel sein;
das läge nicht in unserem Interesse.
Im Gegenteil müssen wir meiner Meinung nach ernsthaft erwägen, wie der Handel im gesamten pazifischen
Raum zu liberalisieren ist. Mit den Abkommen zur
Erleichterung von Handel und Investitionen sowie bilateralen Investitionsverträgen haben wir einen Anfang
gemacht. Darüber hinaus wollen wir auf der erfolgreichen Geschäftsreise unserer Botschafter in die ASEANLänder aufbauen, indem wir diese wiederholen und die
ASEAN-Botschafter einladen, eine ähnliche Reise in
die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Femer
unternehmen wir Schritte zur Integration unseres Privatsektors in diese kontinuierliche Wirtschaftsdiplomatie.
Wir müssen weiterdenken. Angesichts der Entwicklung von AFTA und NAFTA müssen wir überlegen, wie
sie sich gegenseitig ergänzen können. Ich hoffe
femer, daß wir das Programm der Liberalisierung des
Pazifikhandels innerhalb der APEC fördern können.

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Die Kooperation zwischen den Vereinigten Staaten
und den ASEAN-Ländern war grundlegend dabei, aus
der Idee APEC eine Institution zu machen. In dieser
Hinsicht begrüße ich es, daß sich unter der Führungsrolle Thailands die Idee eines APEC-Sekretariats entwickelt hat.
Die Vereinigten Staaten bieten den größten vollständig
integrierten Markt der Welt. Wir möchten, daß dies ein
konkurrenzfähiger Weltmarkt ist, nicht der Teil eines
Blocks. Auf nationaler Ebene wird Präsident Bush auf
Initiativen im Bildungswesen, bei der Ausbildung von
Arbeitnehmern, in Forschung und Entwicklung sowie
in den Naturwissenschaften drängen, damit unsere
Bürger sowohl Chancen haben als auch Fähigkeiten
erwerben. Auf internationaler Ebene werden wir freien
Handel und offene Märkte an allen Fronten fördern global, regional und bilateral. Wenn einige Nein sagen,
werden wir uns diejenigen aussuchen, die sich unsere
Vision stärkeren Handels und besseren Wachstums
zu eigen machen. Wir wollen, daß ASEAN und APEC
in dieser Zukunft einen besonderen Platz einnehmen.
Unsere dritte fundamentale Verbindung mit Asien im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ergibt sich durch
unsere politischen Systeme und unsere Menschen.
1980, als ich in Hongkong lehrte, argumentierten meine
Studenten, Demokratie sei nicht der Normalfall in
Asien, und sie erklärten mir, Japan sei ein Einzelfall.
Was ist also in zwölf Jahren geschehen? Betrachten
Sie nur die Philippinen, wo gerade eine neue Regierung gewählt wurde. Betrachten Sie Korea, Taiwan,
die Mongolei - den zunehmenden Pluralismus in den
ASEAN-Ländern insgesamt. Und sogar in dem gequälten Land Kambodscha basieren unsere gemeinsamen Bestrebungen zum großen Teil auf der Herbeiführung politischer Legitimität durch freie Wahlen. Ich
erkenne, daß es Rückschläge geben wird. Der demokratische Prozeß mag neue Formen annehmen und
Ideen über den Standort des einzelnen, die Familie
und die Gemeinschaft widerspiegeln. Aber in den vergangenen 200 Jahren wurden diejenigen, die den Ruf
des Menschen nach Freiheit, Respekt und Selbstregierung nicht erkannt haben, letztlich hinweggefegt.
Aus diesem Grund ist es unser Ziel, daß dieses
Zeitalter nach dem Kalten Krieg ein Zeitalter demokratischen Friedens sein wird, auf der Basis einer gemeinsamen Verpflichtung für politische und wirtschaftliche
Freiheit. Vielleicht wird es sich als größte Ironie der
Geschichte erweisen, daß die Aufklärung zwei universalistische Theorien hervorgebracht hat, die Volksgruppen, Nationen und Regionen überwunden haben.
Eine von ihnen - der Marxismus - ist im Mülleimer der
Geschichte gelandet. Aber die andere - Demokratie
auf der Basis von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Privateigentum - ist jetzt unsere größte Hoffnung für die Schaffung eines offenen, allumfassenden
und toleranten weltweiten Systems.

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�Ich möchte mit einigen kurzen Kommentaren zu Themen schließen, von denen ich weiß, daß wir sie in
unseren folgenden Sitzungen eingehender behandeln
werden.
Lassen Sie mich mit Kambodscha beginnen. Unsere
multilateralen Bestrebungen zur Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens in diesem gepeinigten Land sind Mittelpunkt der Kooperation zwischen
den Vereinigten Staaten und den ASEAN-Ländern.
Das im Oktober vergangenen Jahres in Paris unterzeichnete Friedensabkommen hat zumindest dem
kambodschanischen Volk echte Hoffnung vermittelt,
daß ihr langer Alptraum vorbei sein könnte.
Die ASEAN-Länder müssen in dem Schlichtungsprozeß weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Von der
Aufnahme von Flüchtlingen und Erleichterung ihrer
Rückführung zur Bereitstellung von Truppen für UNFriedensmissionen bleibt die Teilnahme der ASEANLänder für den Erfolg des kambodschanischen Friedensprozesses absolut entscheidend. In diesem
Zusammenhang freuen wir uns auch, auf die Rolle zu
verweisen, die Japan jetzt bei den Friedensmissionen
zu spielen bereit ist.
Die Beteiligung der ASEAN-Länder ist insbesondere
jetzt wichtig, da UN-Bestrebungen zur nationalen
Aussöhnung sowie freien und fairen Wahlen bedroht
sind. Die Haltung der Vereinigten Staaten ist klar: wir
engagieren uns voll und ganz für die vollständige
Durchführung des Pariser Abkommens. Weder die
internationale Staatengemeinschaft noch das kambodschanische Volk können sich mit weniger zufriedengeben. Wir dürfen nicht zulassen, daß Kambodschas nationale Tragödie wiederaufflammt.
Die Vereinten Nationen waren bestrebt, die berechtigten Interessen aller Parteien in Kambodscha zu berücksichtigen. Die vergangenen Monat in Tokio zugesagte großzügige H-ife der internationalen Staatengemeinschaft sollte an die Parteien gehen, die mit den
Übergangsbehörden der Vereinten Nationen kooperieren - aber nur an diese Parteien. Jede Seite, die
meint, diesen Friedensprozeß unterminieren zu müssen, wird sich diskreditieren und isolieren. Dies sollte
unsere gemeinsame Botschaft sein.

Darüber hinaus bin ich der Ansicht, daß es eine kluge
Entscheidung der ASEAN-Länder war, sich auf das
Problem der Spratly- Inseln zu konzentrieren, und ich
beglückwünsche die ASEAN-Minister zu den von ihnen veröffentlichten nützlichen Prinzipien. Der Diaiog,
den Indonesien auf den umkämpften Inseln fördert, ist
ein gutes Beispiel dafür, was man als Vorsorgediplomatie bezeichnen könnte. Wir hoffen und erwarten,
daß dieser Prozeß zu einer friedlichen Lösung von
Meinungsverschiedenheiten führt. Die Vereinigten
Staaten sehen ihrerseits keine Rechtfertigung für den
Einsatz militärischer Gewalt zur Lösung unterschiedlicher Territorialansprüche im Südchinesischen Meer.

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Eine faire und dauerhafte Lösung dieses Problems
kann nur durch friedliche Verhandlungen zwischen
den betroffenen Parteien erfolgen, nicht durch einseitige Maßnahmen. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen, daß die amerikanische Regierung nicht an den
Aktivitäten privater Firmen beteiligt ist, die in diesen
problematischen Bereichen tätig werden wollen.
Im vergangenen Jahr habe ich davor gewarnt, daß das
ungerechtfertigte und brutale Eingreifen des Militärs in
Burma sowohl einen Angriff gegen die zivilisierte Welt
als auch eine Quelle der Instabilität darstellt. Leider
hatte ich recht. Burma exportiert jetzt in ungeahntem
Ausmaß Leid und Tod über seine Grenzen hinaus.
Seit unserer letzten Zusammenkunft waren wir Zeuge
der schrecklichen Flucht von 270.000 moslemischen
Rohingya-Flüchtlingen nach Bangladesh und anderer
Flüchtlinge nach Thailand. Burma ist ferner eine
Hauptquelle des Heroins für Süchtige auf der ganzen
Welt; tatsächlich wird ein großer Teil dieser tödlichen
Droge von den Menschen in Südostasien konsumiert.
Ist es nicht an der Zeit, zu sagen, genug ist genug?
Wir wissen, daß das burmesische Militär gegenüber
der Aufmerksamkeit der Welt nicht immun ist. Der Rat
zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung hat
einige positive Schritte unternommen. Aber ist es nicht
an der Zeit, daß wir gemeinsam der Militärregierung
erklären, sie müsse alle politischen Flüchtlinge - auch
Aung San Suu Kyi - freilassen und in einen echten
Dialog einbinden, um sobald wie möglich eine rechtmäßige Verfassung wiederherzustellen? Die UNHCRVertreter sollten die Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge in ihre Heimatregionen beobachten dürfen. Mit
solchen Schritten könnte Burma den - einzigen - Weg
beschreiten, um der internationalen Staatengemeinschaft beizutreten.
Manche Menschen bezweifeln die Macht einer weltweiten Verurteilung. Sie erklären, wir sollten die Welt
nehmen, wie sie ist und realistisch sein. Meine Antwort
darauf habe ich den Skeptikern vor zwei Wochen in
Helsinki gegeben. Dort habe ich frühere Gefangene
aus Gewissensgründen als Präsidenten und Premierminister neuer Demokratien gesehen. Wo immer sie
auch hingehen und was immer sie auch tun - ihre
Namen sind jetzt Synonyme für Mut und Überzeugung. Das trifft auch für den Namen Aung San Suu Kyi
zu. Wenn wir sie vergessen, vergessen wir unsere
Menschlichkeit.
Zum Schluß weise ich darauf hin, daß Laos und
Vietnam den Prozeß der Herstellung engerer Beziehungen zu den ASEAN-Ländern eingeleitet haben,
Beziehungen, aus denen die Region mit der Zeit gro ße
Vorteile ziehen könnte. Stärkere Beziehungen könnten zu einer Verminderung der Spannung in Südostasien beitragen und gleichzeitig wirtschaftliche und
politische Reformen erleichtern. Wenn sich dieser
Prozeß entwickelt, fordern wir Sie aber auf, sich an

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�unsere Kriegsgefangenen und Verschollenen zu erinnern. Für meine Regierung und die Menschen in
unserem Land gibt es kein wichtigeres Thema. Wir
werden die jungen Männer nicht vergessen, die stellvertretend für uns alle in diese Region, aber nicht mehr
nach Hause kamen. Wir bitten Sie um Ihre anhaltende
Unterstützung unserer Bestrebungen, die bestmögliche Aufklärung über unsere Landsleute zu erhalten.

Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen in den
nächsten Tagen. Unser Programm ist nicht nur für
Südostasien wichtig, sondern auch für die neue Weltordnung, die wir partnerschaftlich mit Ihnen aufbauen
wollen. Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

Seite 5

�WAHLEN

'92
29. Juli 1992

DIE TRADITION, EINEN "MANN DES VOLKES"
ZU WÄHLEN
von Juliet Bruce
In dem nachfolgenden Artikel erläutert die in Washington ansässige freie Autorin, warum Amerikaner gerne
"unpolitische" Politiker wählen.

Angesichts der monumentalen Probleme, denen ein
amerikanischer Präsident ausgesetzt ist, könnte es
schwer verständlich sein, daß sich Präsidentschaftskandidaten als gewöhnliche Bürger präsentieren und
Wahlkampfveranstaltungen mit ihren Ballons und lustigen Hüten, auf denen Elefanten oder Esel abgebildet sind, häufig wie Karnevalssitzungen erscheinen.
Diese Elemente des Wahlkampfs sind jedoch "eherne
Prinzipien" in der amerikanischen Politik, erklärt der
politische Analyst Jeff Greenfield.
Stephen Hess verweist in seinem Buch The Presidential Campaign auf das im amerikanischen Charakter
verwurzelte tiefe Mißtrauen gegenüber der Politik und
Politikern. Die Verfassungsväter waren Hess zufolge
schließlich keine Politiker. Sie waren Rechtsanwälte,
Kaufleute und Gutsbesitzer. Die Amerikaner haben
stets an den Mythos von Amerika als Nation von
"kleinen Landbesitzern" geglaubt - freiheitsliebenden,
unabhängigen Bürgern, die fleißig ihr Land bestellen.
"Wir gleichen diese Ambivalenz aus, indem wir 'unpolitische' Politiker wählen - Bürger, die für ein Amt
kandidieren, um uns zu vertreten und danach in unsere
Reihen zurückkehren," erklärt Hess.
Amerikaner haben es von Anfang an vorgezogen,
einen Mann zu wählen, den sie für grundsätzlich
anständig und ehrlich hielten, anstatt einen Mann, der
mit ihnen bei jedem Problem einer Meinung war,
schreibt Professor Robert A. Dinkin von der California
State University in seinem Buch Campaignlng In
America. In der Kolonialzeit (vor dem Ende der
Amerikanischen Revolution im Jahr 1781) hielten die
Menschen es für wichtig, die Männer persönlich zu
kennen, die sie als Vertreter in die Gemeindeparlamente wählten. Wahlkampf war eine Nachbarschaftsaktivität, zu der viel Händeschütteln gehörte, ohne daß
man jedoch aktiv um Stimmen warb. In einem Leitar-

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tikel aus dem Jahr 1753 hieß es: "Jemanden um seine
Stimme zu bitten, ist ein Eingeständnis des Kandidaten, daß er seinen eigenen Verdiensten mißtraut."
"Kandidaten waren bestrebt, Mitglieder der Wählerschaft einzeln zu treffen, in der Kirche, in Kneipen, bei
Gericht oder bei der Milizausbildung", schreibt Dinkin.
Zum Wahlkampf gehörten Essen und Unterhaltung für
die Wählerschaft, wobei erlesene Barbecues, Muschelessen, Hsch- und Schildkrötendiners sowie Fässer
voller Whisky als regelmäßige Begleiterscheinungen
von Wahltagen galten. Das Abschneiden eines Kandidaten bei den Wahlen stand häufig in Zusammenhang mit dem Umfang der von ihm gegebenen Feste.
Der fünfte Präsident, James Madison, verlor seine
erste Kongreßwahl, weil er versuchte, eine "enthaltsame" Kampagne ohne Whisky zu betreiben. "Alte
Gewohnheiten sind zu tief verwurzelt, um auf einmal
reformiert zu werden", räumte Madison seinem Gegner ein, "der alle Beeinflussungsmittel anwandte, die
dem Volk bekannt waren".
Die Bewerbung um die Präsidentschaft der neuen
Nation war jedoch ein wesentlich würdigeres Schauspiel. Es wurde als unziemlich angesehen, daß Kandidaten für ein solch hohes Amt Wahlkampf betrieben.
"Das Werben um Popularität hat häufig Tyrannen oder
Demagogen und mit Verwirrung und Blutvergießen
einhergehende Revolutionen hervorgebracht anstatt
Patrioten und gute Regierungen," schrieb ein Kandidat. Deshalb ist es nicht überraschend, daß der Held
des Revolutionskrieges, George Washington, angefleht werden mußte, seinen Altersruhesitz Mount Vernon in Virginia zu verlassen und im Jahr 1789 erster
Präsident des Landes zu werden. "Der Mann suchte
das Amt nicht," erklärte ein zeitgenössischer Beobachter. "Statt dessen suchte das Amt den Mann."

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�In folgenden Wahlkampfschlachten, in denen es um
die grundsätzliche Philosophie und Struktur der neuen
Regierung ging, warb kein Kandidat aktiv um Stimmen.
Der dritte Präsident, Thomas Jefferson, blieb in seinen
Gärten von Monticello in Virginiadem Konflikt entrückt.
Seine "Kampagne", wenn man überhaupt von einer
solchen sprechen konnte, wurde von der Partei verbundenen Zeitungsredakteuren und Freunden durchgeführt, die Staatskomitees organisierten und Versammlungen ausrichteten, bei denen die Redner die
Vorzüge ihres Kandidaten erläuterten und Literatur
verteilten. Das Kabinett des vierten Präsidenten, John
Quincy Adams, bereiste das Land und hielt während
seiner Wiederwahlkampagne Reden zu seinen Gunsten.
Es war der siebte Präsident, Andrew Jackson aus
Tennessee, der den Präsidentschaftswahlkampf in
seiner heutigen Form einführte. Nachdem er 1824 die
Wahl infolge von Stimmenmanipulation im Wahlmännerkollegium (dem von der Verfassung für die offizielle
Wahl des Präsidenten vorgesehenen Gremium) verloren hatte, beschloß Jackson, sein Streben nach dem
Wei ßen Haus direkt dem Volk zur Entscheidung vorzulegen. Jackson führte den ersten koordinierten nationalen Wahlkampf, der von Berufspolitikern kontrolliert
wurde und bei dem sich ein Kandidat zum ersten Mal
aufmachte, um mit der Bevölkerung zusammenzutreffen. Drei Jahre lang bereiste Jackson die Vereinigten
Staaten, von den Städten bis zur Frontier und schüttelte die Hände gewöhnlicher Amerikaner. Jacksons
Wahlkampfmanager organisierten Veranstaltungen,
an denen Tausende von Menschen teilnahmen, die
tagelang mit Fuhrwerken oder zu Pferd unterwegs
gewesen waren. Bei diesen Veranstaltungen wurden
Fackelzüge, Musikkapellen, Reden, freier Whisky und
Barbecues eingesetzt. Wahlkampfhelfer verteilten
Flugblätter, Ansteckbänder und Buttons, Poster und
Flaggen.
"Die Wahl des Präsidenten schlug die Öffentlichkeit
völlig in ihren Bann", schreibt der in Dinkins Buch
zitierte Historiker Jules Abel. "Zeitgenössische Beobachter stellten fest, daß die karnevalistischen Veranstaltungen den Massen ein emotionales Ventil und
sogar eine Art von gemeinsamer Erholung boten zu
einer Zeit, in der sonst kaum etwas derartiges vorhanden war."
Ein mexikanischer Journalist beobachtete bei einem
Besuch zu jener Zeit: "Mit wenigen offiziellen Zeremonien scheinen die Amerikaner ein politisches Ritual
*

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geschaffen zu haben, das den religiösen und königlichen Ritualen anderer Länder entspricht."
Mit dem Sieg von Andrew Jackson im Jahr 1828 hielt
der "gemeine Mann" im Weißen Haus Einzug. Seither
wandten sich Präsidentschaftskandidaten auf Reisen
zu Pferd, per Eisenbahn, Flugzeug oder durch die
elektronischen Medien persönlich an die Wähler. Und
jeder Präsidentschaftskandidat hat - unabhängig von
Herkunft oder Hintergrund - zu zeigen versucht, daß er
nicht Teil der Washingtoner Politelite sondern ein
gewöhnlicher Mensch ist, den das Gewissen dazu
veranlaßt hat, dem Privatleben eine Zeitlang den Rücken
zu kehren, um der Nation zu dienen.
Nach Jacksons Wahl fügten die Wahlkampfstrategen
eine neue Tradition hinzu, die bis heute Bestand hat:
das Verfassen einer Wahlkampfbiographie, die den
Kandidaten als Inbegriff des amerikanischen Ideals
eines selbstsicheren normalen Bürgers erscheinen
läßt, der es aus eigener Kraft zu etwas gebracht hat.
Diese Biographien betonen häufig die Härten der
Jugendzeit und vermeiden es, den gegenwärtigen
Status oder Reichtum des Kandidaten zu erwähnen.
So wurde Abraham Lincoln, bekanntlich ein Rechtsanwalt aus einer Kleinstadt in Illinois, unsterblich, weil er
in einem Blockhaus geboren wurde und in seiner
Jugend Holz hackte, um seinen Lebensunterhalt zu
verdienen. Die Kandidaten schienen bereit zu sein,
alles Erdenkliche zu tun, um zu beweisen, daß sie doch
nur "einfache Leute" seien. Regelmäßig wurden sie
beim Kühemelken, Holzhacken, Maisschälen oder bei
der Unterhaltung mit Arbeitern am Fließband photographiert. Franklin D. Roosevelt, dessen Familie tief in
der New Yorker Aristokratie verwurzelt war, gab sich
als ein Mann, der auf "der alten Familienfarm" aufgewachsen war. Jimmy Carter aus Georgia beschrieb
sich gern als "nur ein Erdnußfarmer", obwohl ihn seine
Farm und sein Lagergeschäft zu einer der reichsten
und mächtigsten Persönlichkeiten in seiner Region
gemacht hatten.
Stephen Hess zufolge brachte es Ronald Reagan auf
den Punkt, als er 1966 im Zuge seiner Bewerbung um
das Gouverneursamt in Kalifornien erklärte: "Ich bin
kein Politiker. Ich bin ein gewöhnlicher Bürger mit dem
tief verwurzelten Glauben, daß vieles von dem, was
uns Sorgen bereitet, von Politikern verursacht wurde.
Und es ist höchste Zeit, daß mehr gewöhnliche Bürger
den frischen Wind des gesunden Menschenverstandes bei diesen Problemen zur Geltung bringen."

*

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�W A H L E N '92
29. Juli 1992

DIE EINFLUSSREICHE ARMEE DIE ANATOMIE EINER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPAGNE
von Juliet Bruce
WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten müssen die Präsidentschaftskandidaten "ganze Armeen von
politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern, Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten...und Hunderttausende freiwilliger Helfer" um sich scharen, erklärt
die Autorin dieses Artikels zur Arbeit der Kampagnen.
Am 3. November 1992 - dem Wahltag - werden etwa
100 Millionen amerikanische Wähler eine Wahlkabine
betreten und die Vorhänge hinter sich zuziehen. Darin
werden sie gemeinsam entscheiden, ob sie wieder den
republikanischen Präsidenten George Bush ins Wei ße
Haus schicken oder ihn durch seinen demokratischen
Herausforderer ersetzen.
In diesem Zeitalter schwindender Parteiloyalität vergeben die Amerikaner ihre Stimme unabhängiger als zu
jeder anderen Zeit in der Geschichte des Landes, unter
Berücksichtigung, welcher Kandidat ihrer Meinung nach
sowohl dem Land als auch ihren persönlichen Interessen am besten dienen wird. Die Wähler bringen das
Wissen über die Leistungen der Kandidaten und ihre
Parteizugehörigkeit, ihre Meinungen zu bestimmten
Themen und ihr Verhalten im Wahlkampf in die Wahlkabine mit - wie jeder von ihnen seine Vision für das
Land ausgedrückt hat, ihren Umgang mit der Presse,
wie sie sich von Rückschlägen erholen. Politischen
Analysten zufolge ist es am wichtigsten, daß die Wähler
einen emotionalen Bezug zum Kandidaten haben, was
darauf hindeutet, ob der Kandidat eine bestimmte nicht
definierbare Qualität besitzt, eine "Aura der Kompetenz", die das Vertrauen der Wähler inspiriert und
somit ihre Unterstützung gewinnt.
Um dieses Vertrauen zu gewinnen, werden die Kandidaten der beiden wichtigsten Parteien bis zum Wahltag über 200 Millionen Dollar ausgegeben haben,
wobei etwa 92 Millionen durch öffentliche Mittel für die
Wahlen abgedeckt sind. Sie werden etwa 1,6 Millionen
Kilometer gereist sein, um über einen Zeitraum von
zwei oder drei Jahren hinweg Koalitionen besonderer
Interessengruppen und eine landesweite Wählerschaft

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aufzubauen, und sie werden wahre Armeen von politischen Beratern, Strategen, Meinungsforschern,
Spendensammlern, Redenschreibern, Spezialisten für
Medien und Direktwerbung, Pressereferenten, Logistikern, Mitarbeitern vor Ort und Tausende freiwilliger
Helfer um sich geschart haben. "An jedem Standard
gemessen ist der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf die wichtigste demokratische Wahl der
Welt," schreibt der Präsidentschaftsforscher Richard
A. Watson. "In keinem anderen Land wählen so viele
Menschen einen einzigen Amtsträger. Kein anderer
politischer Wahlkampf dauert so lange, kostet so viel,
berührt so viele Menschen und erhält eine so umfangreiche Berichterstattung in den Medien wie die Wahl
des amerikanischen Präsidenten."
"Die Planung eines politischen Wahlkampfs ist einem
militärischen Schlachtplan gleichzusetzen," erklärt der
Präsidentschaftsforscher Stephen Hess von der Brookings Institution in Washington. "Der Name des Spiels
heißt Strategie."
Eine Person, die erwägt, die Präsidentschaft anzustreben, beginnt Jahre vorher mit dem Aufbau ihrer persönlichen Organisation. Kandidaten, die früher von
"Königsmachern" der Partei ausgewählt wurden, starten jetzt von ihren eigenen Machtzentren aus - in der
Regel aus einem Gouverneursamt, dem Senat oder
dem Amt des Vizepräsidenten. Ihre Wahlkampforganisation startet mit einem kleinen Zirkel von Mitarbeitern, Freunden und Familienmitgliedern und erweitert
sich auf Geldgeber, politische Berater, einen Pressesprecher sowie Geschäftsleute und Führungskräfte im
ganzen Land. Wenn der Kandidat gewinnt, wird diese
Gruppe die Basis seiner Regierung: das Kabinett, die

Seite 1

�Mitarbeiter im Weißen Haus, Botschafter, Leiter von
Bundesbehörden.
Der Wahlkampf beginnt offiziell mit den Vorwahlen in
den Bundesstaaten im Februar eines Wahljahres (ein
Prozeß, bei dem ein Kandidat der Partei ausgewählt
wird, um beim nationalen Parteitag im Sommer desselben Jahres bestätigt zu werden). Zu diesem Zeitpunkt
wird der "innere Zirkel" um eine Gruppe nichtpolitischer, professioneller Berater erweitert - Wahlkampfspezialisten, die die Kampagne organisieren, Experten für Direktwerbung, die mit ihren Appellen an einzelne Personen Millionen Dollar aufbringen und Medienfachleuten, die sich der Techniken der Werbung und
Öffentlichkeitsarbeit bedienen, um den Wählern den
Kandidaten "zu verkaufen".
In den Augen dieser Experten, so David Chagall, Autor
von The New Kingmakers, geht es beim Wahlkampf
nicht darum, die Probleme des Landes zu lösen - es
geht vielmehr darum, die Einstellungen der Wähler zu
beeinflussen. "Die Meinungsumfragen belegen, daß
Menschen andere Menschen wählen, nicht Themen,"
erklärt Joe Napolitan, der die Kampagnen für John F.
und Robert F. Kennedy leitete. "Ihnen kommt es
stärker darauf an, ob der Kandidat ehrlich und einfühlsam ist als darauf, ob sie mit ihm thematisch übereinstimmen. Themen haben bei Meinungsumfragen einen
sehr geringen Stellenwert. Man macht sich nicht so
viel Sorgen um die Positionen des Kandidaten wie um
die Meinung über seinen Charakter."
Im Hinblick darauf lehren die Berater die Kandidaten,
wie sie sich kleiden und welche Tonlage sie ihrer
Stimme geben sollten, wie man in klangvollen Sätzen
von etwa 8 Sekunden Länge spricht, provokante Fragen von Reportern abwehrt, kurz, wie man "präsidentenhaft" wirkt. Darüber hinaus arbeiten sie die Strategie für den Wahlkampf des Kandidaten und seine
Themen aus. Der Wahlkampf ist zu einer Wissenschaft gewordei i. Mit Hilfe vielfältiger Technologien computergestützten Datenbanken mit Millionen Namen, Karten, die jede Region und jeden Bezirk im Land
aufzeigen, bewerten und die Probleme jeder Region
offenlegen - streben die Wahlkampfmanager an, jeden
Aspekt eines Wahlkampfs, von der Planung bis zu den
Reden, zu kontrollieren. Während des erfolgreichen
Wahlkampfs von Jimmy Carter im Jahr 1976 benutzten seine Manager eine mathematische Formel, um
die genaue Zeit und den genauen Geldbetrag auszurechenen, die in jedem Staat ausgegeben würden. Die
Formel wurde präzise angewandt und brachte die
vorhergesehenen Ergebnisse hervor.
Eines der wichtigsten Mitglieder dieser professionellen
Gruppe ist der Forschungsberater oder Meinungsforscher. Mit Hilfe modernster Technologie bestimmt der
Meinungsforscher Gruppen potentieller Wähler und
prüft Trends in einzelnen Städten, Staaten und Regionen. Richard Wirthlin, der frühere Leiter der Forschung bei Präsident Reagan, begann die Masse der

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Wechselbeziehungen, die er PINs oder Politisches
Informationssystem nennt, im Jahr 1970 zu sammeln.
Wirthlin sammelte Wählereigenschaften und politische Verhaltensmuster in einem Computerspeicher
und zog Verbindungen, die nicht unmittelbar augenfällig waren, aber Einsichten boten, die sich bei der
Planung von Reagans Strategie und Werbefeldzügen
als nützlich erwiesen. Meinungsforscher benutzen
darüber hinaus "Fokusgruppen" (in denen Bürger
zusammentreffen, um die Rede eines Kandidaten zu
beobachten und zu diskutieren), Augenscanner, Stimmenanalysen und Hauttests, um die Reaktion der
Wähler auf den Kandidaten und seine Haltung zu
einem Thema zu testen.
Der "Schlachtplan", ein formeller Entwurf, der im
Wahlkampfhandbuch dargelegt wird, das an jeden
Wahlkampfteilnehmer verteilt wird, erläutert das Thema der Kampagne - den Hauptgedanken, den ein
Wähler mit einem Kandidaten assoziiert. Die Themen
und Symbole eines Wahlkampfs werden als entscheidende Faktoren betrachtet, um eine Wahl zu gewinnen. Dem politischen Analysten Jeff Greenfield und
seinem Buch Playing To Win zufolge, "gibt es Symbole so lange wie es Präsidentschaftswahlkämpfe gibt".
Die Symbole des republikanischen Elefanten und des
demokratischen Esels verkörpern philosophische
Ansätze zur Regierung. "Ein scharfsinniger Politiker
nutzt diese Symbole effektiv," erklärt Greenfield, "und
ein Verlierer entscheidet sich dafür, sie zu ignorieren".
Im Medienzeitalter kann die kontinuierliche Wiederholung des zentralen Themas eines Kandidaten in Reden, Schlagzeilen, auf Anzeigentafeln und in Fernsehspots den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage
bedeuten. Chagall verweist auf die Kampagne zwischen Reagan und Carter 1980 als Beispiel dafür, wie
effektiv republikanische Strategen geworden sind, um
die Sorgen und Hoffnungen des amerikanischen Volkes zu artikulieren. Der amtierende Präsident Jimmy
Carter hatte entschieden, Amerika benötige eine geistige und moralische Verjüngungskur. Carters Wahlkampfthema lautete: "Wir können es besser machen."
Ronald Reagan, der als politischer Außenseiter angetreten war, um dem Normalbürger zu helfen, "die
Bürde der Regierung loszuwerden", wählte als Thema:
"In Amerika bricht ein neuer Morgen an." Die Umfragen zeigten, daß mehr Amerikaner das Gefühl hatten,
Amerika werde es mit Reagan im Amt besser gehen,
und er wurde klarer Sieger.
Die Wahlkampfbroschüre legt femer die während des
Wahlkampfes angewandten Strategien fest. Seit Mitte
der siebziger Jahre haben negative Wahlkampagnen Betonung der negativen Eigenschaften des Gegners
statt Konzentration auf die Stärken des Kandidaten
selbst - zur Verschlechterung des Wahlkampfes beigetragen, wie kritische Stimmen behaupten. Diese
Praxis wird häufig auf die zunehmende Macht der
Medienberater zurückgeführt. 1988 gab Bushs Mediendirektor Roger Ailes eine Reihe von FernsehAMERIKA DIENST 30

�Werbespots in Auftrag, in denen der demokratische
Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis als schwach
bei Verteidigungsfragen, zu lasch bei der Verbrechensbekämpfung und als wahrscheinlicher Befürworter von Steuererhöhungen dargestellt wurde. Dukakis
verlor einen Vorsprung von 17 Punkten bei dem Versuch, sich gegen diese Behauptungen zu verteidigen.
Larry Sabato, Professor für Politologie an der University of Virginia in Charlottesville beschuldigt diese
Fachleute, den politischen Prozeß mit Methoden zu
schädigen, die beim Verkauf von Produkten angebrachter wären sowie Themen durch Image und Substanz durch Strategie zu ersetzen.
Greenfield ist anderer Meinung. "Mein Argument
lautet, daß die überwiegende Mehrheit der Kampagnen anhand von Themen entschieden werden, obwohl diese Themen gelegentlich als Personalpolitik
verbrämt werden."
"Der Wähler ist nicht dumm", bekräftigt Napolitan. Das
Femsehen gestattet den Wählern, den Kandidaten
über Monate hinweg aus der Nähe zu beobachten, was
es praktisch unmöglich macht, ein falsches Image
aufrechtzuerhalten.
Greenfield zufolge ist es naiv, auf einem höflichen
Wahlkampf zu beharren. "Es gibt keinen aufrichtigen
politischen Wahlkampf. Führen Sie sich die wörtliche
Bedeutung des Begriffs Kampf vor Augen: eine zur
Verfolgung eines bestimmten Ziels durchgeführte militärische Operation. Die Verpflichtung zum Sieg ist
total."
Kein Wahlkampf kann ohne die Hilfe von Freiwilligen
gelingen, unabhängig davon, wie geschickt seine Strategie ist. Freiwillige - Hunderttausende Männer und
Frauen, die dreieinhalb von vier Jahre völlig apolitisch
sind - trifft man auf jeder Ebene der Wahlkampagne.
Sie erledigen Telephonate, betreiben Forschung, verteilen Flugblätter, werben um Stimmen und registrieren Wähler. Amerikaner beteiligen sich aus vielerlei
Gründen am Präsidentschaftswahlkampf: aus Überzeugung für den Kandidaten oder wegen seiner Haltung zu einem bestimmten Thema, weil sie in die Politik
gehen wollen oder einfach, weil sie Teil der Geschichte
werden möchten. Was immer ihre Gründe sein mögen
- die meisten erinnnern sich an eine aufregende Zeit,
in der sie über sich selbst hinauswuchsen.
"Als ich ohne vorherige Wahlkampferfahrung freiwilliger Helfer in New Hampshire wurde, stellte ich fest,
daß ich nicht nur diejenigen mobilisierte, die ich mobilisieren wollte, sondern Presseerklärungen veröffentlichte, Informationen für die Reden des Kandidaten
sammelte, Reden redigierte, Sonderbroschüren und
Flugblätter verfaßte, Vorbereitungsarbeit leistete, den
Kandidaten auf dem Podium vorstellte und die Freiwilligen organisierte", stellt eine der Freiwilligen beim
jüngsten Wahlkampf, Sheila D. Collins, fest.

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In gewissem Sinne ist ein politischer Wahlkampf ein
Mikrokosmos der Demokratie, ein offenes Feld, auf
dem die herkömmlichen Schranken des Vorwärtskommens nicht exisitieren, so Jeff Greenfield. "Weil die
Vorlaufzeit so kurz ist, kommt praktisch unweigerlich
der Punkt, an dem ein völlig Unbekannter sich plötzlich
mit der Bewältigung einer Krise konfrontiert sieht, der
im Wahlkampfbüro nach einer Aufgabe suchend herumwanderte. Und ihm wird die Gelegenheit geboten,
sich zu beweisen." Greenfield schreibt aus persönlicher Erfahrung. Heute ein politischer Kommentator
von Fernsehnachrichtensendungen, war Greenfield
bei Robert F. Kennedys Präsidentschaftswahlkampf
des Jahres 1968 als Referent tätig und wurde zwei
Tage später zum wichtigsten Redenschreiber von
Kennedy. Bei einem politischen Wahlkampf sind es
"noch immer der familiäre Hintergrund, Wohlstand, die
richtigen Schulen und Freunde, die zählen", stellt
Greenfield fest. "Aber sie zählen bei weitem nicht so
viel wie Energie und Fähigkeiten."
Der politische Kolumnist der Washington Post, David
Broder, würdigt in seinem Buch The Party's Over die
wichtige Rolle von Freiwilligen in einem Präsidentschaftswahlkampf: Das organisatorische Geheimnis
von (John F.) Kennedys Politik war so einfach, daß es
häufig übersehen wurde - es war die Politik des persönlichen Engagements großen Stils."
Jeder Kandidat möchte zeigen, daß er viele Freiwillige
fürsich gewinnen konnte, weildies beweist, daß er "der
Mann des Volkes" ist und landesweit eine Welle von
Enthusiasmus hervorbringen kann. Tatsächlich gibt

es selten einen Kandidaten, der wirklich spontan Massen
von Freiwilligen für sich einnehmen kann. Ein solcher
Kandidat ist der charismatische Redner, der Kandidat,
der emotional oder politisch den richtigen Ton trifft,
oder der Außenseiter, der einer Lobby Gehör verschafft, die vorher ignoriert wurde. "Wenn dieser Nerv
einmal getroffen ist", schreibt Jane Dick in ihrem Buch
Volunteers and American Presidential Campaigns,
"kommen Gruppen auf lokaler Ebene spontan zusammen, über Nacht entwickeln sich Kommunikationsnetze, und bevor sich die Politiker dessen bewußt sind,
wurde eine Basisbewegung ins Leben gerufen."
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
haben spontane Freiwilligenbewegungen einen Kandidaten anscheinend aus dem Nichts ins Weiße Haus
katapultiert. Diese Bewegungen schienen mit Wendepunkten im Leben der Nation zusammenzufallen und
haben eine Aura von Mission um sich. 1856 beispielsweise, als die Nation auf den Bürgerkreig zusteuerte,
unterstützte eine riesige Freiwilligenbewegung einen
unbekannten aber wortgewandten jungen Rechtsanwalt aus Illinois mit Namen Abraham Lincoln. Vier
Jahre später wurde Lincoln zum Präsidenten gewählt,
und dank seiner moralischen Kraft und seinem Mut,
den Krieg zu erklären, wird ihm das Verdienst der

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�Rettung der Union zugeschrieben. 1960 wurden
Hunderttausende durch den Idealismus von John F.
Kennedys "New Frontier" angesteckt. Zwanzig Jahre
später aktivierte Ronald Reagan die "Schweigende
Mehrheit" der Millionen Amerikaner, die sich aus dem
politischen Prozeß ausgeschlossen fühlten. In jüngster Zeit führte der erste afroamerikanische Präsidentschaftskandidat, Reverend Jesse Jackson, praktisch
ausschließlich dank der Unterstützung von Freiwilligen einen beeindruckenden Wahlkampf für die Nominierung durch die Demokratische Partei. "Was die
Presse und die breite Masse der politischen Analysten
in den meisten Fällen als Nachteil interpretierten,
erwies sich als einer der größten Vorteile der Wahlkampagne", schreibt Sheila Collins in The Rainbow
Challenge "Der Prozeß des Spendensammelns durch Kirchen, Studentenverbindungen, Fischbratstände, Kuchenverkauf, Modenschauen, Mittagessen und
Cocktailparties - bezog somit Hunderttausende in den
politischen Prozeß ein, die sich zuvor nie dafür engagiert hatten und somit an seinem Ergebnis interessiert
waren." Afroamerikanische Kirchen wurden die Organisationseinheiten des Wahlkampfes und "vereinigten
die Registrierung und Aufklärung von Wählern, Spendensammlung und Bekanntgabe der Wahlergebnisse
unter einem Dach". Jackson wurde von seiner Partei
nicht nominiert, seine Kampagne machte Afroamerikaner jedoch zu einer treibenden Kraft im Wahlkampf,
und viele der Freiwilligen aller Rassen lernten politische Fähigkeiten für künftige politische Schlachten.

Landesweit ist der Wahltag in den Vereinigten Staaten
durch eine gespenstische Ruhe nach dem Spektakel
und Lärm des Wahlkampfes gekennzeichnet - das
nationale Leben scheint zu ruhen während die Wähler
nacheinander die Wahlkabinen betreten. Am frühen
Abend prognostizieren die Fernsehgesellschaften den
Sieger.
In den folgenden Tagen werden die Wahlkampfbüros
abgebaut, und die Organisationen des Wahlsiegers
werden das Übergangsteam oder führen - im Falle
einer Wiederwahl - die Geschäfte des Landes fort. Die
Verlierer gehen häufig auf Vortragsreisen, um die
Wahlkampfschulden zu begleichen, oder - wie Greenfield beobachtet - "werden Professoren und studieren
die politischen Prozesse". Zahlreiche Freiwillige, vom
politischen Fieber infiziert, leiten Bürgerbefragungen
zu politischen Themen in die Wege wie etwa zu
Umwelt, Bildungs- oder Gesundheitswesen oder kandidieren für Ämter auf kommunaler, Bezirks- oder
Bundesstaatenebene oder für den Kongreß.
Für professionelle Berater endet der Wahlkampf nie.
Angesichts der Sitze im Kongreß, Gouverneurswahlen, Bürgermeisterwahlen in Großstädten und dem
nächsten Präsidentschaftswahlkampf in vier Jahren
gibt es immer neue Hoffnungsträger, neue Meinungsumfragen, neue Herausforderungen. Der renommierte Vorsitzende der Berater, Napolitan, stellt fest: "Ich
akquiriere nie Aufträge. Ich warte nur, daß das Telephon klingelt."

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AMERIKA DIENST 30

�AIDS
29. Juli 1992

US-REGIERUNG ERHÖHT AUSGABEN
ZUR BEKÄMPFUNG VON AIDS
Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen
WASHINGTON - (AD) - Seit AIDS in den frühen
achtziger Jahren als schwere Bedrohung der Gesundheit erkannt wurde, haben amerikanische Regierungsbehörden große und ständig wachsende Summen für
Prävention und Eindämmung dieser Krankheit ausgegeben.
Neue vom National Aids Program Office herausgegebene Zahlen zeigen, daß die staatlichen Gesamtausgaben von 8 Millionen Dollar im Jahr 1982 auf 4,346
Milliarden Dollar im Jahr 1992 gestiegen sind.
Obwohl der Kongreß die Ausgabenpläne für das bis
zum 30. September 1993 laufende kommende Haushaltsjahr noch fertigstellen muß, ist der von der BushAdministration geforderte Betrag erneut sprunghaft
auf 4,917 Milliarden angestiegen.
Der bei weitem größte Anteil an dieser Gesamtsumme
- 2,069 Milliarden Dollar - wird für Maßnahmen des
staatlichen Gesundheitsdienstes (U.S. Public Health
Service) beantragt, der seit jeher im Kampf gegen
AIDS an vorderster Front steht. Andere wichtige
Anteile sind für Leistungen von Medicaid, Medicare
sowie Krankenversicherung und Berufsunfähigkeitsrenten, das Ministerium für Veteranen, das Verteidigungsministerium sowie das Amt für Internationale
Entwicklung (AID) vorgesehen.
Eine weitere Aufschlüsselung ergibt, daß von den für
Maßnahmen des staatlichen Gesundheitsdienstes
beantragten Geldern der größte Anteil -1,310 Milliarden Dollar - für die Erforschung von AIDS und seines
Verursachers HIV vorgesehen ist. Das ist mehr als die
zur Erforschung von Herzkrankeiten ausgegebene
Summe und nähert sich dem Umfang der Ausgaben
für Krebsforschung.
Weitere 419 Millionen Dollar sind beim Anteil des
staatlichen Gesundheitsdienstes für Präventivmaßnahmen eingeplant, 340 Millionen Dollar für die Behandlung von AIDS-Kranken. Die AIDS-Therapie bildet andererseits den Schwerpunkt des von der Bundesregierung beantragten Anteils an Medicare in Höhe

AMERIKA DIENST 30

von 1,290 Milliarden Dollar, während für diesen Zweck
bei Medicaid 385 Millionen Dollar vorgesehen sind.
Von den 443 Millionen Dollar, die dem Veteranenministerium für Maßnahmen in Zusammenhang mit AIDS
zugedacht sind, werden 404 Millionen für die Therapie
veranschlagt, während von den 94 Millionen Dollar im
Verteidigungshaushalt 61 Millionen diesem Zweck
zugute kommen sollen.
In der Sozialversicherung sind 510 Millionen Dollar
ausgewiesen, um durch AIDS verursachte Einkommensverluste aufzufangen.
Berichten des staatliche Gesundheitsdienstes sowie
des US-Gesundheitsministeriums zufolge gibt die
Regierung insgesamt mehr für AIDS aus als für jede
andere Infektionskrankheit: Die für Forschungs-,
Präventiv-, Therapie- und Aufklärungsprogramme im
Jahr 1992 bewilligte Summe lag 170 Prozent über den
Ausgaben von 1988. Bis zum Jahresende werden die
Gesamtausgaben seit Bekanntwerden der Krankheit
über 16 Milliarden Dollar erreichen.
Diese Ausgaben haben den Beamten des staatlichen
Gesundheitsdienstes zufolge dazu beigetragen, HIV
zu isolieren, zu bestimmen, wie es das Immunsystem
angreift, verbesserte Tests zu entwickeln, um die
Infektion aufzudecken und Fortschritte bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zu machen.
Darüber hinaus verweisen sie auf folgende Punkte:
Mit Hilfe von Forschung und Maßnahmenkoordinierung konnten neue Techniken entwickelt
und durchgeführt werden, um die Sicherheit der
Blutversorgung des Landes zu gewährleisten.
Neue Überprüfungsmethoden des Bundesgesundheitsamts haben die Zulassung neuer Drogentherapien und Behandlungsmethoden beschleunigt.
Femsehspots als Bestandteil einer Kampagne,
die auf ein besseres Verständnis von AIDS in
der Öffentlichkeit abzielt, sind seit 1987 über
Seite 1

�75.000mal gesendet worden, da die Femsehanstalten Sendezeit im Gegenwert von etwa 90
Millionen Dollar gespendet haben.
Was die amerikanischen Bestrebungen zum Umgang
mit der weltweiten Ausbreitung von AIDS betrifft, so
berichtet das Amt für Internationale Entwicklung über
seine Kooperation bei Bekämpfungsprogrammen in
über 70 Entwicklungsländern und die Einleitung von
über 700 Einzelaktivitäten zur Verhütung.

Priorität hatte die Hilfe des Amts bei der Entwicklung
von Computerdarstellungen, mit deren Hilfe der Verlauf der AIDS-Epidemie untersucht und vorhergesagt
werden kann. Zusammen mit dem Peace Corps
unterstützt es ein Dreijahresprojekt zur Hilfe für afrikanische Länder bei der Planung und Durchführung
eines AIDS-Aufklärungsprogramms, das sich an Jugendliche, Angestellte im Gesundheitswesen, stark
gefährdete Frauen und die Öffentlichkeit im allgemeinen richtet.

Seit 1986 hat das Amt Regierungsvertretern zufolge
249 Millionen Dollar bereitgestellt für Aktivitäten zur
AIDS-Bekämpfung - durch bilaterale Hilfe, Unterstützung des weltweiten AIDS-Programms der Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für Organisationen auf kommunaler Ebene und andere nichtstaatliche Organisationen.

Vertreter des Amts sehen für die nächsten fünf Jahre
drei Prioritäten bei ihrer Arbeit zur AIDS-Vorsorge: sie
wollen dazu beitragen, daß Personen die Zahl ihrer
Sexualpartner reduzieren, ferner die Diagnose, Behandlung und Verhütung von sexuell übertragbaren
Krankheiten verbessern und den Zugang zu und den
Gebrauch von Kondomen erhöhen.

Ferner wird berichtet, das Amt erwarte, im Laufe der
nächsten fünf Jahre weitere 400 Millionen Dollar in
ähnliche Aktivitäten zu investieren.

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�EINWANDERUNG
29. Juli 1992

EINWANDERUNGSQUOTE WARE LOSUNG
FÜR FLÜCHTLINGSPROBLEM
Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Eine festgesetzte Obergrenze von 132.000 Personen, die sich im Jahr 1993 dauerhaft
in den Vereinigten Staaten niederlassen können, würde "den Bedürfnissen der Flüchtlinge gerecht", erklärte die
Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten, Jewel Lafontant-Mankarious.
Bei der Vorlage von Präsident Bushs Vorschlag zur Aufnahme von Flüchtlingen in den Vereinigten Staaten im
kommmenden Haushaltsjahr erläuterte Lafontant-Mankarious am 23. Juli 1992 vor dem Rechtsausschuß des
Senats, daß im Rahmen der Initiative des Privatsektors - einem gemeinsamen Projekt privater und öffentlicher
Organisationen, bei dem die Grundkosten für die Aufnahme und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden - 10.000 Flüchtlinge aufgenommen würden, während die US-Regierung Programme für
122.000 Flüchtlinge finanzieren wird.
Lafontant-Mankarious machte folgende Feststellung zu den Flüchtlingen aus unterschiedlichen Teilen der Welt:
7.000 afrikanische Flüchtlinge werden im kommenden Jahr erwartet, von denen die meisten aus Äthiopien
und Somalia stammen.
Das vorgeschlagene Kontingent für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Ostasien besträgt 52.000, von
denen die Mehrzahl Flüchtlinge aus Vietnam und Laos sind.
Haitianische und kubanische Flüchtlinge, die um politisches Asyl ersuchen, stellen die Hauptgruppe des
vorgeschlagenen Kontingents für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lateinamerika und der Karibik.
7.000 Flüchtlinge aus Irak, Iran und Afghanistan fallen unter die Gruppe der Flüchtlinge aus dem Nahen
Osten und Südasien.
Das vorgeschlagene Kontingent für Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion beträgt 50.000. Dazu
zählen sowjetische Juden, evangelische Christen und religiöse Aktivisten aus der Ukraine. Unter den
Osteuropäern, denen die Niederlassung in den Vereinigten Staaten im nächsten Jahr gestattet wird, sind
ferner Flüchtlinge aus Albanien, Polen und Rumänien.
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Jewel LafontantMankarious sowie einen kurzen Überblick zur US-Einwanderungspolitik im Jahr 1991.
Für das Haushaltsjahr 1993 schlägt der Präsident als
Reaktion auf die humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge die Festsetzung eines Kontingents von 132.000
Flüchtlingen vor, die sich dauerhaft in den Vereinigten
Staaten niederlassen können (122.000 werden von
der US-Regierung finanziert). Diese Zahl entspricht in
etwa der Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992,
wenn man die aufgrund der verringerten Zulassungen
aus der ehemaligen Sowjetuniom im Haushaltsjahr
1992 erforderlichen Anpassungen berücksichtigt. Das
bereinigte Kontingent im Haushaltsjahr 1992 betrug
142.000 (ohne die Anpassung im Haushaltsjahr 1992

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hätte sich das Kontingent auf rund 131.000 belaufen).
Die vorgeschlagene Obergrenze für die Zulassung von
Flüchtlingen im Rahmen der von der US-Regierung
finanzierten Programme beträgt 122.000, einschließlich 7.000 aus Afrika (1.000 zusätzliche Personen
verglichen mit dem Haushaltsjahr 1992), 52.000 aus
Ostasien (dieselbe Zahl wie im Haushaltsjahr 1992,
einschließlich Vietnamesen mit einem amerikanischen
Eltemteil und deren Familien, die als Immigranten
gemäß einer bestimmten Gesetzesvorschrift einwandern, jedoch Leistungen im Rahmen der Flüchtlingshilfe erhalten), 1.500 aus Osteuropa (1.500 weniger),

Seite 1

�3.500 aus Lateinamerika und der Karibik (500 mehr),
7.000 aus dem Nahen Osten und Südasien (1.000
mehr) und 50.000 aus der ehemaligen Sowjetunion
(die bereinigte Gesamtzahl für das Haushaltsjahr 1992
betrug 61.000). Ebenso wie im vergangenen Jahr
enthält das Kontingent von 122.000 Flüchtlingen Raum
für 1.000 Flüchtlinge aus nicht näher definierten Ländern, die nach Konsultationen mit dem Kongreß im
Haushaltsjahr 1993 den Regionen mit dem größten
Bedarf an Hilfe zugeteilt werden. Ein Obergrenze von
10.000 wird für Zulassungen im Rahmen der Initiative
des Privatsektors (Private Sector Initiative - PSI) vorgeschlagen, bei der die Grundkosten für die Aufnahme
und Umsiedlung der Flüchtlinge vom Privatsektor
getragen werden.
Im folgenden möchte ich kurz die Überlegungen erläutern , die dem Vorschlag der Administration für regionale Zulassungskontingente zugrunde liegen.
Afrika
Das vorgeschlagene Zulassungskontingent für afrikanische Flüchtlinge beträgt 7.000. Die Zulassungsobergrenze im Haushaltsjahr 1992 lag bei 6.000 Flüchtlingen.
Nach dem Golfkrieg wurde die Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen in Khartum Mitte 1992 wiederaufgenommen. Wir erwarten im Haushaltsjahr 1992 rund 1.500
Flüchtlinge aus Äthiopien von unserer Vertretung dort.
Angesichts des Flüchtlingsstroms aus Kenia hat die
Joint Voluntary Agency (JVA) in Nairobi ihre Programme auf Lager außerhalb von Nairobi ausgedehnt. Wir
gehen von 1.700 äthiopischen Flüchtligen und 1.600
Somalis von Nairobi im Haushaltsjahr 1992 aus. Die
JVA in Freetown hat eine vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) zugeteilte
Gesamtzahl von 1.500 Liberianern abzufertigen, und
wir erwarten, daß rund 700 im Haushaltsjahr 1992
ankommen werden. Die Abreise von 500 Flüchtlingen
anderer Nationalitäten aus Nairobi und anderen mit der
Bearbeitung beauftragter Posten in Afrika sowie weltweit werden voraussichtlich die Aufnahme von 6.000
afrikanischen Flüchtlingen im Haushaltsjahr 1992 zur
Folge haben.
Im Haushaltsjahr 1993 wird sich die Situation leicht
ändern. Obwohl die Bearbeitung neuer Anträge von
Äthiopiern am 21. November 1991 ausgesetzt wurde,
erwarten wir, daß die Aufnahme von Äthiopiern im
Haushaltsjahr 1993 anhält, wobei rund 3.000 Flüchtlinge aus Khartum und 1.000 aus Nairobi und anderen
Ländern aufgenommen werden. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Anträge für unser begrenztes
liberianisches Programm zulassen. In dieser Gruppe
erwarten wir zusätzliche 500 Aufnahmen.
Die vorgesehene schrittweise Abschaffung dieser beiden
Programme geht bedauerlicherweise mit neuen Flüchtlingsströmen aus Somalia und Sudan einher. Wir
benötigen ferner Zulassungszahlen für andere afrikanische Nationalitäten. Daher erwarten wir im Haus-

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haltsjahr 1993 ein Kontingent von 7.000 Personen für
Flüchtlinge aus Afrika.
Ostasien
Die vorgeschlagene Höchstzahl von Einwanderern
aus Ostasien beträgt im Haushaltsjahr 1993 52.000
Personen.
Im Haushaltsjahr 1992 gibt es eine einzige Höchstgrenze für Ostasien von insgesamt 52.000 Flüchtlingen. Erwartungsgemäß werden im Haushaltsjahr
1992 12.500 Erstasylsuchende und 39.500 Flüchtlinge im Rahmen des Orderly Departure Programs (ODP)
aus Vietnam in die Vereinigten Staaten einreisen können.
Im Haushaltsjahr 1993 werden diese Obergrenzen
angesichts der nicht vorhersehbaren Zahlen von Erstasylsuchenden erneut zu einer einzigen Obergrenze
von 52.000 für Ostasien verknüpft. Innerhalb dieser
Gesamtgrenze hat die Einhaltung amerikanischer
Verpflichtungen im Hinblick auf die Umsiedlung von
Erstasylsuchenden gemäß dem Umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan of Action - CPA) Priorität. Im Haushaltsjahr 1993 wird voraussichtlich ein
Bedarf von etwa 12.000 Zulassungen für Erstasylsuchende bestehen. Über die Hälfte dieser Genehmigungen im Haushaltsjahr 1993 werden für Laoten aus
dem Hochland und die meisten anderen für Vietnamesen gewährt. Die Zahl der Genehmigungen nach dem
ODP könnte sich im Haushaltsjahr 1993 auf bis zu
40.000 Flüchtlinge belaufen.
Osteuropa
Im Haushaltsjahr 1992 betrug die Obergrenze der
Einwanderungsgenehmigungen 3.000, für das Haushaltsjahr 1993 wird eine Obergrenze von 1.500 vorgeschlagen. Angesichts der kontinuierlichen Veränderungen in Osteuropa im Laufe des Haushaltsjahrs
1992 wird der Umfang des Programms kleiner sein als
in den letzten Jahren. Im Haushaltsjahr 1992 waren
nur Staatsbürger aus Albanien, wo die demokratischen Veränderungen erst kürzlich erfolgt sind, antragsberechtigt. Dennoch werden angesichts der
stetigen Veränderungen in Albanien albanische Staatsbürger im Haushaltsjahr 1993 nicht mehr zugelassen
werden.
Die Tragödie des früheren Jugoslawien setzt sich fort.
Wir sind entschlossen, gemeinsam mit unseren europäischen Verbündeten, den Vereinten Nationen und
anderen internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um den aus dem Konflikt hervorgegangenen Vertriebenen und Flüchtlingen zu helfen.
Die Empfänger von Visa im Jahr 1993 (das heißt
Ehepartner und Kinder von bereits eingewanderten
Flüchtlingen), vor allem aus Rumänien und Polen,
werden etwa 30 Prozent des verfügbaren Kontingents
ausmanchen. Die Bandbreite der Genehmigungen
wird diejenigen Rumänen und Albaner in Erstasylländern einschließen, die von der Einwanderungs- und
Einbürgerungsbehörde zugelassen wurden.

AMERIKA DIENST 30

�Lateinamerika und die Karibik

Naher Osten und Südasien

Die Obergrenze im Haushaltsjahr 1992 wurde auf
3.000 festgesetzt. Als Obergrenze der Genehmigungen wurde im Haushaltsjahr 1993 3.500 vorgeschlagen. Die Zahl von 3.500 wird vor allem für Genehmigungen in den Ländern Kuba und Haiti verfügbar sein
und ferner eine kleine Zahl von Härtefällen anderer
Nationalitäten berücksichtigen.

Die vorgeschlagene Obergrenze für Flüchtlinge aus
dem Nahen Osten und Südasien beträgt 7.000.

Aufnahme von Haitianern. Nach dem Staatsstreich in
Haiti im September 1991 stieg die Zahl der Haitianer,
die mit dem Schiff aus Haiti flohen und von der USKüstenwache abgefangen wurden, drastisch an. Viele
von ihnen galten als potentiell berechtigt für einen
Asylantrag und wurden in die Vereinigten Staaten
gebracht, um ihren Anspruch zu stellen. Im Februar
haben wir ein Programm zur Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen eingeführt, um diejenigen in Haiti zu
erreichen, die berechtigten Anspruch auf den Flüchtlingsstatus haben. Am 24. Mai 1992 erklärte das
Weiße Haus, jeder Haitianer, der Verfolgung fürchten
müsse, könne sich in Haiti als potentieller Flüchtling
melden. Dabei werden Flüchtlinge aus den folgenden
Kategorien besonders berücksichtigt: ehemalige politische Gefangene; Menschenrechtsaktivisten; Personen, die aufgrund angeblicher oder tatsächlicher politischer Überzeugungen oder Aktivitäten unverhältnismäßig harter oder diskriminierender Behandlung ausgesetzt sind; Personen, die Verfolgung fürchten, weil
sie Führungspositionen in politischen oder religiösen
Organisationen einnahmen oder einnehmen; Personen, die Schlüsselpositionen in der Regierung Aristide
oder in Bereichen innehatten, die Ziel von Verfolgung
werden könnten, wie etwa Journalisten; Flüchtlinge,
die unmittelbar um ihr Leben fürchten müssen, Dissidenten und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis
der Vereinigten Staaten gilt. Diese Politik wird im
Haushaltsjahr 1993 fortgeführt.
Aufnahme von Kubanern, im Haushaltsjahr 1993
werden Kubaner ebenso wie in den Haushaltsjahren
1991 und 1992 nach den Prioritäten eins bis fünf
zulassungsberechtigt sein. Im Haushaltsjahr 1993 gilt
das Hauptaugenmerk Flüchtlingen aus den folgenden
Kategorien: Personen, die bereits politische Gefangene waren; Angehörige verfolgter religiöser Minderheiten; Menschenrechtsaktivisten; Zwangsarbeiter; Personen, die ihrer Berufsqualifikationen beraubt wurden
oder aufgrund ihrer angeblichen oder tatsächlichen
politischen oder religiösen Überzeugungen oder Aktivitäten andere unverhältnismäßig harte oder diskriminierende Behandlung fürchten müssen; Dissidenten
und andere Flüchtlinge, denen die Besorgnis der
Vereinigten Staaten gilt. In Drittländern werden Anträge von Kubanern vorrangig bearbeitet, wenn sie vor
dem 20. November 1987 aus Kuba geflohen sind.

AMERIKA DIENST 30

Dies ist eine Steigerung von 1.000 gegenüber dem im
Haushaltsjahr 1992 bewilligten Niveau. Obwohl die
US-Hilfe für die große Mehrheit der Personen, die
1990-91 aus dem Irak flohen, keine Umsiedlung umfaßte, ist der UNHCR der Auffassung, daß Mitglieder
bestimmter Gruppen erneute Zusammenstöße riskieren und hat um internationale Hilfe bei der Umsiedlung
gebeten. Infolgedessen haben wir zugestimmt, 1.500
Iraker in der Türkei mit zeitlich begrenzten Aufenthaltsgenehmigungen sowie 1.000 Iraker in Saudi Arabien
zu einem Interview zuzulassen. Wir erwarten im
Haushaltsjahr 1992 1.000 Genehmigungen für nichtkurdische Iraker und mit zusätzlichen Gruppen, die
möglicherweise im kommenden Jahr in Gefahr sein
werden, vielleicht sogar die Zulassung von 3.000 nichtkurdischen Irakern im Haushaltsjahr 1993, wenn ausreichende finanzielle Mittel und Zulassungskontingente verfügbar sind. Es hat sich jedoch als schwierig
erwiesen, den Zeitrahmen präzise abzustecken, in
dem die Genehmigungen für Iraker in den Erstasylländern der Region bearbeitet werden können.
Diese schwierige Situation der irakischen Kurden mit
Erstasyl in der Türkei seit 1988 wurde von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt. Im Januar
1991 leiteten die Vereinigten Staaten ein Programm
ein, um die Übersiedlungsanträge von bis zu 3.000
Einzelpersonen zu bearbeiten, von denen die meisten
Bindungen zu den Vereinigten Staaten haben. Im
Haushaltsjahr 1991 wurden davon 400 zugelassen,
und wir erwarten die Zulassung von jeweils weiteren
1.000 in den Haushaltsjahren 1992 und 1993.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Anträge von
Iranern etwas zurückgegangen, und wir erwarten 2.000
iranische Einwanderer im Haushaltsjahr 1992. Aufgrund eines prognostizierten gleichbleibenden Antragsniveaus schätzen wir die Zahl der Zugänge im Haushaltsjahr 1993 ebenfalls auf 2.000.
Am 12. April 1991 haben die Vereinigten Staaten die
Neuanträge von Afghanen auf Personen beschränkt,
die unter Priorität eins fallen. Trotzdem werden auch
in den kommenden beiden Haushaltsjahren afghanische Einwanderer zugelassen. Im Haushaltsjahr 1992
werden schätzungsweise 1.500 und im Haushaltsjahr
1993 1.000 afghanische Einwanderer erwartet.
Die ehemalige Sowjetunion
Die vorgeschlagene Obergrenze für Einwanderer aus
der ehemaligen Sowjetunion beträgt für das Haushaltsjahr 1993 50.000 Personen. Im Haushaltsjahr
1992 war die Zahl der Einwanderer, die vor dem 2.

Seite 3

�September 1991 Bürger der Sowjetunion waren, auf
61.000 begrenzt. Bis zum 31. Mai 1992 wurden
nahezu 50.000 Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion zugelassen. Wir erwarten, die im Rahmen
des diesjährigen Kontingents zulässige Zahl voll auszuschöpfen. Da im Haushaltsjahr 1993 die Obergrenze auf 50.000 festgelegt wurde, wird der Zuzug aus
dieser Region in einem Dreijahreszeitraum durchschnittlich 50.000 Personen pro Jahr erreichen.

Die für das Haushaltsjahr 1993 eingeplante Zahl von
50.000 Flüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion
wird von Gruppen in Anspruch genommen werden, die
im Lautenberg-Zusatz definiert sind. Dies sind:
Sowjetische Juden, evangelische Christen, religiöse
Aktivisten aus der Ukraine sowie andere Einzelpersonen in besonderen Notlagen. Die große Mehrzahl der
gegenwärtig befragten Flüchtlinge aus der ehemaligen
Sowjetunion haben familiäre Bindungen in den Vereinigten Staaten.

* * * * *

Rekordzahl von Einwanderern im Jahr 1991
Tür zu Amerika weiter geöffnet denn je, behaupten
Experten
Zahlen der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde (INS) im US-Justizministerium zufolge verlegte im
Jahr 1991 eine Rekordzahl von 1,8 Millionen Einwanderern auf legale Weise ihren Dauerwohnsitz in die
Vereinigten Staaten.
Die Bedeutung dieser Zahlen, so erklärte der Sprecher
der INS, Duke Austin, in einem Interview am 22. Juli
1992, bestehe darin, daß "die goldene Tür zu den
Vereinigten Staaten niemals weiter geöffnet war. Zu
oft hören wir den Aufschrei, sie werde geschlossen.
Sie war niemals weiter geöffnet. Unsere Einwanderungsgesetze sind niemals großzügiger gewesen."
Etwa 1,1 Millionen der neuen dauerhaft ansässigen
Personen waren Ausländer, die sich illegal in den
Vereinigten Staaten aufhielten und denen im Rahmen
der Amnestieregelung des Gesetzes zur Reform und
Kontrolle der Einwanderung (IRCA) von 1986 im Jahr
1991 die Aufenthaltsberechtigung zuerkannt wurde.
Achtzig Prozent davon stammten aus Mexiko. Der für
diese Regelung in Frage kommende Personenkreis
mußte bis zum 1. Januar 1982 in die Vereinigten
Staaten gekommen sein, fügte Austin hinzu.

Die verbleibenden 704.005 Einwanderer des Jahres
1991 waren nicht in den Vereinigten Staaten ansässig,
als ihnen die Einwanderung gestattet wurde, erklärte
er. Über ein Drittel der Neueinwanderer kamen aus der
westlichen Hemisphäre und 44 Prozent aus Asien.
Achtzehn Prozent der Einwanderer kamen aus Europa.
Insgesamt 56.839 Personen stammten aus der ehemaligen Sowjetunion und übertrafen damit die Zahl
jedes anderen Einzellandes in jüngster Zeit. Die INS
führt dies auf die politischen Umwälzungen sowie die
Lockerung der dortigen Reise- und Auswanderungsbestimmungen zurück.
Die Zahl der Personen, die im vergangenen Jahr als
Einwanderer in den Vereinigten Staaten aufgenommen wurden, lag Austin zufolge um 19 Prozent über
dem bisherigen Höchststand von 1990.
"Die schlechte Nachricht" im Hinblick auf das Einwanderungsproblem bestehe darin, so Austin, daß trotz
des Anstiegs der legalen Einwanderungen "viel zu
viele Personen weiterhin illegal ins Land kommen, was
eine Reaktion gegen den gesamten Einwanderungsprozeß zur Folge hat".

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 30

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              <text>&lt;strong&gt;1. UN-Sanktionen gegen Irak&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Irak muss für UN-Sanktionen zur Verantwortung gezogen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten zu Drogenbekämpfung in den USA und zur Lage im Irak&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ledogar appelliert an alle Staaten, Vertrag über C-Waffen zu verabschieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bohlen erläutert Ergebnisse des Erdgipfels vor dem Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Bohlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zoellick: NAFTA kann zu verstärktem Handel mit dem Pazifik führen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Staatssekretärs beim ASEAN&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Tradition, einen "Mann des Volkes" zu wählen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die einflussreiche Armee - die Anatomie einer Präsidentschaftswahlkampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Juliet Bruce&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung erhöht Ausgaben zur Bekämpfung von AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zu Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderungsquote wäre Lösung für Flüchtlingsprobleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede der Flüchtlingsbeauftragten vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;</text>
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