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Embassy of the United States of America

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27

8. Juli 1992

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

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BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin
Vorbehalte
STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND
BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant

USA - UNABHÄNGIGKEITSTAG

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum
Unabhängigkeitstag

ABTREIBUNG

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von
Gesetzen der Bundesstaaten abhängig
DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN
GERICHTSHOFS ZUM RECHT AUF
SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen

WAHLEN '92

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson

PORTRÄT

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden
Generalsekretärs

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
MÜNCHEN - (AD) - Die G-7-Staaten nehmen "die Bedeutung der Nichteinmischung" bei der Lieferung
humanitärer Hilfe nach Bosnien-Herzegowina "sehr ernst", wo Menschen "hungern und anderer lebensnotwendiger Dinge beraubt werden", erklärte US-Außenminister Baker am 7. Juli 1992 in München.
Bei einer Pressekonferenz verwies Baker femer auf frühere Diskussionen über Bosnien, bei denen auch "die
Möglichkeit weiterer Aktionen der Vereinten Nationen" erörtert wurde, "die den Einsatz aller erforderlichen Mittel
erlauben würden, um zu gewährleisten, daß die humanitären Bemühungen durchgeführt werden können".
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten eventuell bereit seien, Luftwaffen- und Marineeinheiten für die Öffnung
eines Landkorridors zur Lieferung humanitärer Hilfsgüter bereitzustellen, entgegnete Baker, Präsident Bush
habe "nichts ausgeschlossen", während einige Regierungsvertreter erklärt hätten, der "Einsatz von Landtruppen" sei unwahrscheinlich.
In seiner Eingangserklärung zum Wirtschaftsgipfel verwies Baker darauf, die Vereinigten Staaten seien "erfreut"
über die Vereinbarung zwischen dem Internationalen Währungsfonds und Ru ßland über die erste Kredittranche
von 1 Milliarde Dollar.
Bushs Treffen mit dem russischen Präsidenten Jelzin am 8. Juli werde "ein starkes Signal der Ermutigung für
die demokratischen Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion" aussenden, erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich feststellen, daß ich von dem
morgigen Treffen mit Präsident Jelzin, dem ersten
demokratisch gewählten Präsidenten Rußlands, ein
starkes Signal der Ermutigung für die demokratischen
Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion erwarte.
Präsident Jelzin unternimmt mutige Anstrengungen.
Die Geschichte wird vielleicht einmal urteilen, daß das
Entstehen der Demokratie in Rußland eines der größten Ereignisse unseres Zeitalters ist. In diesem Zusammenhang waren wir erfreut über die Vereinbarung
zwischen dem IWF und Rußland über eine erste
Kredittranche von 1 Milliarde Dollar.
Dies ist besonders wichtig, weil es den Weg für weitere
Mittel der Weltbank und eine, wie wir hoffen, großzügige Umschuldung des Pariser Clubs ebnet.
Neben makroökonomischen Fragen erörterten wir mit
Präsident Jelzin in Washington - und wir werden dies
auch hier in München ansprechen - die Notwendigkeit
rascher Fortschritte, um dort die Elemente einer PriAMERIKA DIENST 27

vatwirtschaft zu verankern. Aus diesem Grund ist
unsere technische Hilfe so bedeutsam, und deshalb
sind wir so sehr darum bestrebt, daß das Freedom
Support Act vom Kongreß verabschiedet wird.
Darüber hinaus möchte ich feststellen, daß wir die
Frage der Sicherheit von Kernkraftwerken äußerst
ernst nehmen. Die G-7 hat einen Aktionsplan entwikkelt, zu dem erhebliche bilaterale Hilfe der Vereinigten
Staaten und anderer gehört, um unmittelbaren Erfordernissen der Betriebssicherheit gerecht zu werden.
Wir haben uns darauf verständigt, unsere Bemühungen in diesem Bereich durch den G-24-Prozeß zu
koordinieren.
Zweitens haben die Staats- und Regierungschefs der
G-7 die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung
zur Kenntnis genommen, waren sich jedoch gleichzeitig darin einig, daß Wirtschaftswachstum zu wichtig ist,
um die ersten positiven Anzeichen bereits als selbstverständlich zu betrachten. Sie sind besorgt darüber,
daß zu viele Menschen noch Arbeit suchen. Wir sind

Seite 1

�erfreut über die Tatsache, daß in der vergangenen
Woche weitere positive Maßnahmen angekündigt
wurden. Insbesondere wird Japan noch dieses Jahr
wichtige haushaltspolitische Schritte zur konjunkturellen Belebung einleiten.

sens, wenn Polen wieder mit dem Internationalen
Währungsfonds ins Reine gekommen ist. Der Präsident ist entschlossen, sich weiterhin für den Erfolg von
Demokratie und freier Marktwirtschaft in Polen zu
engagieren.

Der neue am 1. Juli angekündigte Haushalt der Bundesrepublik Deutschland betont die Zurückhaltung bei
den Ausgaben, die den Weg für eine positivere Stimmung auf den Finanzmärkten ebnen sollte. Die italienische Regierung bemüht sich um ein neues Haushaltspaket, und unser Diskontsatz wurde gerade erst
auf 3 Prozent gesenkt.

Fünftens bringen wir unsere Ideen im Hinblick auf die
Uruguay-Runde vor, um zum Abschluß der Verhandlungen beizutragen. Und obwohl ich der Überzeugung
bin, daß wir seit dem vergangenen Jahr substantielle
Fortschritte erzielt haben, erweisen sich die letzten
Schritte häufig als die schwierigsten. Und meines
Erachtens ist es eine Tatsache, daß die Aufmerksamkeit in Europa seit dem dänischen Referendum zum
Abschluß der Vereinbarungen des Maastrichter Vertrags abgelenkt wurde. Wir hoffen, daß sich dies
ändert und wir weiter vorankommen.

Der Präsident erörterte darüber hinaus mit seinen
Amtskollegen die Bedeutung, die der amerikanischen
Fähigkeit zur mittel- und langfristigen Steigerung des
Wirtschaftswachstums zukommt. Er betonte seine
Programme im Bildungsbereich, zur Umschulung von
Arbeitnehmern sowie zur Schaffung eines konstruktiven Umfelds in unseren Städten durch Maßnahmen
zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch und Verbrechen.
Der Präsident erläuterte, wie sich diese Elemente in
eine Strategie einfügen, die darauf gegründet ist, unsere
Gesellschaft verstärktem Wettbewerb und größerer
Wahlfreiheit zu öffnen, während sich staatliche Programme gleichzeitig darauf konzentrieren, den Menschen bei der Anpassung an Veränderungen zu helfen.
Drittens hatten wir hier in München mehrere Diskussionen über Jugoslawien. Wir haben die Notwendigkeit
betont, die humanitäre Reaktion auf die Tragödie in
Bosnien mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln
fortzusetzen. Wir haben über die Bedeutung von
Sofortmaßnahmen gesprochen, um die Ausbreitung
des Konflikts zu verhindern und Sanktionen durchzusetzen, damit Serbien erkennt, daß seine Aktionen
unannehmbar bleiben.
Darüber hinaus haben wir die Notwendigkeit eines
verantwortungsbewußten Handelns seitens Kroatiens
erörtert, wenn dieses Land in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen werden möchte.
Schließlich haben wir die Möglichkeit einer künftigen
umfassenderen internationalen Konferenz angesprochen, um ungelöste Fragen zu behandeln, die sich aus
der Jugoslawienkrise ergeben.
Viertens waren wir erfreut über die Unterstützung, die
dem von Präsident Bush aus Warschau mitgebrachten
Vorschlag entgegengebracht wurde, den polnischen
Stabilisierungsfonds für andere Reformmaßnahmen
verfügbar zu machen, beispielsweise eine Exportfinanzierungsfazilität und Unterstützung des Bankwe*

Seite 2

Sechstens haben wir unterstrichen, wie wichtig es ist,
die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft sicherzustellen. Unsere Betonung lag auf dem
Bereich Handel, obwohl wir auch die Rolle der Auslandshilfe berücksichtigen. Wir haben über die zur
Verschuldung ergriffenen Maßnahmen gesprochen
und insbesondere unseren beträchtlichen Schuldenerlaß gegenüber den weniger entwickelten Ländern
hervorgehoben.
Darüber hinaus haben wir das Augenmerk auf die
durch die Dürre im südlichen Afrika verursachten äußerst
gefährlichen Bedingungen gelenkt und die anderen
Länder aufgefordert, dem Hilfsappell der Vereinten
Nationen Folge zu leisten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten die Hauptlast bei der Bewältigung dessen
getragen, was eine schreckliche humanitäre Tragödie
werden könnte.
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß erstens unsere Aktionen in Rußland und Polen unser
kontinuierliches Engagement zur Verbreitung und
Gewährleistung der Demokratie in Teilen der Welt
demonstrieren, wo wir es vor nur wenigen Jahren nicht
für möglich gehalten hätten.
Zweitens ist das Engagement des Präsidenten für
Wirtschaftswachstum im In- und Ausland von Bedeutung, weil es die Schaffung des Wohlstands zum Ziel
hat, den unser Volk benötigt. Und unsere Wirtschaft
funktioniert nur als Teil der globalen Wirtschaft.
Und drittens sind wir uns der Notwendigkeit kollektiver
Aktionen im ehemaligen Jugoslawien bewußt, um die
andauernden Gefahren für unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu beseitigen. Natürlich müssen die
Europäer die größere Rolle spielen, aber wir können
als Katalysator wirken und lebenswichtige Unterstützung leisten, um eine effektive internationale Reaktion
sicherzustellen.

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin Vorbehalte
MÜNCHEN - (AD) - Die Vertreter der führenden Industrienationen und ihre hochrangigen Berater haben
den Gesprächen in dem Versuch Auftrieb verliehen,
die andauernde Patt-Situation der Uruguay-Runde
über globale Handelsgespräche zu durchbrechen.

rangiger Vertreter der Vereinigten Staaten fest. "Wir
sind ziemlich optimistisch, daß mit politischem Willen
hier die Fortschritte erzielt werden können, die den
Weg zu einem Abkommen der Uruguay-Runde ebnen."

Vertreter der Vereinigten Staaten, Deutschlands und
der Europäischen Gemeinschaft erklärten am 6. Juli
1992 zu Beginn des 18. jährlichen Weltwirtschaftsgipfels der führenden Industrienationen gegenüber Journalisten, daß die Differenzen teilweise beigelegt worden und sie bereit seien, das Thema hier voranzubringen. Am 1. Juli übernahm Großbritannien den Vorsitz
des Europarats.

Andere Regierungsvertreter waren vorsichtiger - in
Erinnerung daran, daß die Bestrebungen bei den
letzten beiden Gipfeltreffen in Houston und London
nicht den erwarteten Abschluß der Uruguay-Runde
hervorgebracht hatten.

"Die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten im
Agrarbereich sind relativ begrenzt und könnten überwunden werden", stellte ein hochrangiger britischer
Vertreter fest.
Regierungsvertretern zufolge bedeutet dies jedoch
nicht, daß es hier in München zu einem Abschluß
kommt, sondern vielmehr haben die politisch Verantwortlichen das Gefühl, das weltweite Handelsabkommen sei von solcher Bedeutung für das Weltwirtschaftswachstum, daß sie etwas unternehmen müssen, um die Verhandlungen wieder auf den Weg zu
einem eventuellen Abschluß zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen.
Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady
erklärte in einer Pressekonferenz am Ende der Gespräche des ersten Tages, man habe die Handelsprobleme intensiv erörtert und es herrsche das Gefühl vor,
"den Worten müssen jetzt Taten folgen".
"In den Korridoren finden zahlreiche Gespräche statt",
fuhr Brady fort, räumte jedoch ein, er wäre überrascht,
wenn in den nächsten zwei oder drei Tagen spezifische Vereinbarungen getroffen würden.
"Unseres Erachtens stehen wir kurz vor einem Abkommen, obwohl zwischen den Vereinigten Staaten und
einigen ihrer Partner noch tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen", stellte ein anderer hoch-

AMERIKA DIENST 27

"Es besteht immer Grund zur Hoffnung", erklärte Jacques Delors, der Präsident der EG-Kommission. "Aber
dies ist nicht der Ort für Verhandlungen."
Der amerikanische Außenminister James Baker stellte auf die Frage nach Fortschritten bei den globalen
Handelsgesprächen fest, diese seien "bescheiden"
gewesen. "Manchmal ist es schwierig, diese letzte
kleine Kluft zu überbrücken, und das ist es, was wir im
Augenblick versuchen", fügte ein anderer amerikanischer Regierungsvertreter hinzu. "Wir sind früher
enttäuscht worden, und deshalb möchte ich unsere
Erwartungen nicht zu hoch schrauben."
Entscheidend für diese Bestrebungen könnte ein Treffen zwischen Präsident Bush und Delors am 7. Juli
sein. Erwartungsgemäß nimmt daran auch Frans
Andriessen, der EG-Kommissar für auswärtige Angelegenheiten und Chefunterhändler der EG bei der
Uruguay-Runde teil.
"Offensichtlich ist das eine Gelegenheit für ziemlich
substantielle Diskussionen zwischen den Vereinigten
Staaten und den EG-Unterhändlern", stellte ein amerikanischer Regierungsvertreter fest.
Bush hat vor Beginn des Wirtschaftsgipfels mehrere
bilaterale Gespräche geführt, darunter ein Abendessen mit dem französischen Präsidenten Mitterrand.
Die Vereinigten Staaten und Frankreich hatten häufig
Kontroversen über Subventionen für die Landwirtschaft - das Thema, das für die derzeitige Patt-Situation der Uruguay-Runde verantwortlich ist.

Seite 1

�Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die beiden Präsidenten die Uruguay-Runde
erörtert, und das Treffen sei generell "nützlich und die
Atmosphäre ... ziemlich gut gewesen".
Am 6. Juli traf Präsident Bush mit dem italienischen
Präsidenten Giulio Andreotti und später mit Bundeskanzler Kohl, dem Gastgeber des diesjährigen Gipfels
zusammen.
Außenminister Baker führte am 6. Juli Gespräche mit
seinem britischen Amtskollegen Douglas Hurd und mit
EG-Kommissar Andriessen.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die Vereinigten Staaten bereits ein beträchtliches Maß an Flexibilität in Bereichen bewiesen, die für
die Europäische Gemeinschaft problematisch sind.
Er stellte fest, die Vereinigten Staaten warteten noch
immer auf eine Reaktion auf ihre am 28. Mai vorbrachten Ideen zu Fragen wie Verbesserung des Marktzugangs, Exportsubventionen und die sogenannte "Friedensklausel ", die sich mit Handelsbeziehungen befaßt
und einer Einigung bei der Uruguay-Runde folgen
würde.

Einzelheiten dieser Vorschläge wurden bisher nicht
veröffentlicht.
Er fuhr fort, eine Hauptsorge der EG seien Inlandssubventionen aufgrund der Notwendigkeit, einen Weg
zum Schutz der direkten Zahlungen an die Landwirte
zu finden, die ein Schlüsselelement der jüngsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EG sind.
"Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, Wege der
Zusammenarbeit mit ihnen zu sondieren, mit denen
dieses spezielle Programm vor den Disziplinen der
Uruguay-Runde geschützt werden kann", stellte der
Regierungvertreter fest.
Zu der Friedensklausel erläuterte er: "Natürlich wollen
wir nicht ein Abkommen der Uruguay-Runde abschließen und uns dann sofort in eine Reihe von Handelskonflikten stürzen."
Er lehnte jedoch eine Stellungnahme dazu ab, was die
Vereinigten Staaten - wenn überhaupt - anbieten könnten,
um ihre Beschwerden gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft im Handelsbereich abzubauen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant
MÜNCHEN - (AD) - Vertreter der wichtigsten Industriestaaten gehen davon aus, daß ein Abkommen zwischen
dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Rußland den Weg für die Beschleunigung der westlichen Hilfe
für das Land bereiten wird.
Staatssekretär David Mulford vom US-Finanzministerium erklärte am 6. Juli 1992 vor Reportern in München, obwohl noch keine endgültige Entscheidung
gefallen sei, könne das Abkommen mit dem IWF zu
einer Umschuldung der russischen Auslandsschulden
führen.

Darüber hinaus erklärte Mulford, dies würde auch auf
die vor dem 1. Januar 1991 aufgelaufenen Schulden
zutreffen - also identisch mit dem gegenwärtigen
Schuldenerleichterungsabkommen sein, das die G-7
vergangenes Jahr mit der ehemaligen Sowjetunion
ausgearbeitet hat.

Die Hilfe für Rußland ist eines der Hauptthemen beim
diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel, auf dem die Staatsund Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Japans, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens
und Kanadas nach Wegen suchen, um den Reformprozeß in Rußland vor dem Scheitern zu bewahren.

IWF-Direktor Michel Camdessus, der gerade aus
Moskau eingetroffen war, informierte die Staats- und
Regierungschefs der G-7 am 6. Juli. Ohne unverzügliche Maßnahmen ist Rußland Camdessus zufolge mit
der Aussicht konfrontiert, daß steigende Preise und
wachsende Haushaltsdefizite die Fortschritte bedrohen, die das Land bereits erzielt hat.

Dieser Prozeß wurde am 5. Juli 1992 unterstützt, als
Rußland und der IWF Einigung über die erste Phase
von Wirtschaftsreformen erzielten. Die Vereinbarung
wird Rußland Zugang zu IWF-Krediten in Höhe von 1
Milliarde Dollar sowie nach Erarbeitung eines umfassenderen Abkommens mit dem Fonds die Aussicht auf
weitere Kredite verschaffen.
Mulford zufolge könnte diese Vereinbarung darüber
hinaus eine Beschleunigung der bilateralen Hilfe im
Rahmen des multilateralen Hilfspakets von 24 Milliarden Dollar zur Folge haben, das bereits für Rußland
ausgearbeitet wurde.
Er verwies darauf, daß von den 24 Milliarden Dollar 11
Milliarden in Form bilateraler Hilfe wie etwa Exportkredite und Nahrungsmittelkredite geleistet würden. Von
dieser Summe seien bereits rund 5 bis 6 Milliarden
Dollar ausgezahlt worden, erklärte Mulford.
Wenn es zu einer Umschuldung komme, so werde
diese "wahrscheinlich ziemlich gängigen Charakter
haben... was eine Streckung auf zehn Jahre mit einem
Zahlungsaufschub von vier oder fünf Jahren bedeuten
würde".

AMERIKA DIENST 27

Die neuen in drei Stufen zu verwirklichenden Verpflichtungen sollten verhindern, daß wachsender inflationärer Druck die Wirtschaftsreformen weiter aushöhlt.
Camdessus stellte fest, daß Rußland in den nächsten
Wochen seinen Wechselkurs weiter vereinheitlichen,
die Haushalts- und Geldpolitik straffen und seine Privatisierungsbemühungen fortsetzen werde.
In der zweiten Phase werde das Land seine haushaltsund währungspolitischen Reformen fortsetzen. Solche Reformen könnten durch eine weitere Aufstokkung von IWF-Mitteln unterstützt werden, erklärte
Camdessus. In der dritten Phase würde dann unter
der Voraussetzung, daß die währungs- und haushaltspolitischen Maßnahmen fest verankert sind, der Stabilisierungsfonds für den Rubel in Höhe von 6 Milliarden
Dollar freigegeben, so Camdessus.
Amerikanische Vertreter verwiesen darauf, daß sich
die sieben Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich auf die Notwendigkeit koordinierter Maßnahmen
verständigen würden, um das Problem der Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischen Typs zu behandeln,

Seite 1

�die in Osteuropa, den baltischen Staaten, der Ukraine
und Rußland betrieben werden.
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 40 Millionen Dollar in diesem Bereich zur Verfügung gestellt
und werden voraussichtlich in den kommenden zwei
Jahren insgesamt etwa 100 Millionen Dollar zusagen,
erklärte ein US-Vertreter. Darüber hinaus könnte im
gleichen Zeitraum die G-7-Hilfe insgesamt 450 Millionen Dollar erreichen, während die Länder, in denen
diese Reaktoren betrieben werden, weitere 200 Millionen Dollar beisteuern würden.
Der US-Vertreter verwies ferner darauf, daß weiterhin
Meinungsverschiedenheiten darüber bestehen, ob die
Hilfe bilateral oder multilateral sein und von internationalen Organisationen wie der in London ansässigen
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung koordiniert werden sollte.
Darüber hinaus werde über ein umfassenderes langfristiges Programm zur Modernisierung alter oder zum
Bau neuer Kernkraftwerke diskutiert werden. Eine
Vereinbarung zu dieser Frage sei beim Gipfel jedoch
unwahrscheinlich.
Die Gespräche konzentrierten sich am ersten Tag des
Gipfels hauptsächlich auf Möglichkeiten zur Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums. US-Finanzminister Nicholas Brady erklärte, das Schlußkommunique werde ziemlich eindeutig feststellen, daß
sich die Länder über die Bedeutung einig sind, die der
Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums
zukommt.

Brady prognostizierte für die Vereinigten Staaten einen Anstieg um 2,5 bis 3 Prozent im Jahr 1992 - im 2.
Quartal möglicherweise etwas weniger als die 2,7
Prozent im ersten Quartal, während das Wachstum im
zweiten Halbjahr wieder stärker zunehmen werde.
Vor dem Treffen hatte Japan erklärt, es werde zusätzliche steuerliche Anreize in Erwägung ziehen während
die Bundesrepublik Deutschland weitere Maßnahmen
zum Abbau ihres Haushaltsdefizits zugesagt hatte.
Obwohl die Vereinigten Staaten gehofft hatten, Deutschland werde in naher Zukunft seine Zinssätze senken,
deutete Brady an, er sei bereit, die deutsche Haltung
zu akzeptieren. "Sie haben gesagt, wir (Deutschland)
werden die Staatsausgaben senken, den Anstieg auf
2,5 Prozent begrenzen", erklärte Brady. "Meines
Erachtens bedeutet dies, daß die für die Währung
Verantwortlichen an einem gewissen Punkt folgen und
die Zinssätze senken können."
In jedem Falle stellte Deutschland klar, daß keine
Pläne zu einer Zinssenkung in naher Zukunft bestünden. Ein deutscher Vertreter verwies in diesem Zusammenhang auf die Besorgnis über die Inflationsrate, die zur Zeit 4,6 Prozent betrage. Dies könne nicht
hingenommen werden, und die Bundesregierung unterstütze die Haltung der Bundesbank, derzufolge eine
Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt sei.
Mulford erklärte, das Thema Wechselkurse sei angesprochen worden, aber die jüngsten Bewegungen
beim Wert des Dollar stünden mit der Senkung der
Leitzinsen in den USA letzte Woche in Zusammenhang und seien "normal".

* * * * *

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AMERIKA DIENST 27

�USA-UNABHÄNGIGKEITSTAG
8. JulM992

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Die Ideen, die an diesem 4. Juli vor 216 Jahren von den Gründervätern Amerikas
niedergelegt wurden, haben "weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt", erklärte Präsident Bush in
seiner Ansprache im Weißen Haus zum Unabhängigkeitstag und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten stünden
"als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie und freien Marktwirtschaft
anstreben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir Amerikaner diesen 216. Jahrestag der
Unabhängigkeit unserer Nation feiern, danken wir nicht
nur dem Vermächtnis der gesetzmäßig verankerten
Freiheit, sondern auch der kontinuierlichen Verbreitung demokratischer Ideale auf der Welt. Gesegnet
mit dem ungebrochenen Vermächtnis der Freiheit und
mit beispiellosem Frieden und Wohlstand stehen die
Vereinigten Staaten heute als Symbol für die Klugheit
ihrer Gründerväter - und als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie
und freien Marktwirtschaft anstreben. Über 200 Jahre
nach der Unterzeichnung unserer Unabhängigkeitserklärung wissen wir, daß sich keine politische Überzeugung als richtiger oder mächtiger erwiesen hat als der
Glaube, "daß alle Menschen gleich geschaffen sind;
daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir jedoch auch der
Tatsache, daß die Freiheit und Sicherheit Amerikas
nicht immer als selbstverständlich angesehen wurden.
Als die Gründerväter unserer Nation einen "selbständigen und gleichberechtigten Rang" für dieses Land
anstrebten und die amerikanischen Kolonien zu freien
und unabhängigen Staaten erklärten, taten sie dies
ohne Erfolgsgarantie. Vor ihnen lag eine unsichere
Zukunft, und jeder war sich des großen Risikos bewußt, das er und seine Mitbürger mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung eingingen. Heute
können wir uns das Gefühl der Beklommenheit vorstel-

len, das die Unterzeichner erfaßte, als sie ihr Leben, ihr
Vermögen und ihre heilige Ehre auf dieses Dokument
setzten.
Mit einer Hoffnung, die stärker als Furcht war und mit
einem Mut, der ihren großen Überzeugungen in nichts
nachstand, lösten unsere Vorfahren eine Revolution
der Ideen aus, die weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt hat. Der Unabhängigkeitstag ist daher
ein Zeitpunkt enormen Stolzes und der Inspiration für
alle Amerikaner.
In diesem Jahr haben wir zusätzlichen Grund zu feiern,
weil der Unabhängigkeitstag mit dem 500. Jahrestag
der ersten Reise von Christoph Kolumbus nach Amerikazusammenfällt. Auch die Fünfhundertjahrfeier der
Entdeckung Amerikas ruft uns den Mut vor dem Unbekannten ins Gedächtnis, und während wir auf die
Zukunft der Vereinigten Staaten blicken, sind wir ergriffen von dem Beispiel und den Leistungen der
zahlreichen Pioniere und Patrioten, die diesen Weg
vor uns gegangen sind. Die kontinuierliche Bewahrung unseres Friedens wird von uns nicht weniger
Arbeit und Entschlossenheit erfordern, und bei dieser
Gelegenheit möchte ich einen besonderen Gruß an
alle amerikanischen Soldaten auf der ganzen Welt
entbieten, die dazu beitragen, den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Welt zu ebnen.
Barbara und ich möchten unseren Mitbürgern einen
friedlichen und vergnüglichen Unabhängigkeitstag
wünschen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von Gesetzen der
Bundesstaaten abhängig
WASHINGTON - (AD) - Das Oberste Bundesgericht
hat am 29. Juni 1992 sein seit langem erwartetes Urteil
über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch verkündet. Darin wird das Prinzip bekräftigt, daß die
Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch
eher dem einzelnen als dem Staat zusteht, jedoch
unter Berücksichtigung der Vorschriften, die von jedem Bundesstaat im Rahmen seiner Pflicht zum Schutz
des gesellschaftlichen Interesses erlassen werden.
In dem mit 5 gegen 4 Stimmen gefällten Spruch
bestätigte der Oberste Gerichtshof das kontroverse
Urteil im Fall Roe./. Wade aus dem Jahr 1973, in dem
die Richter grundlegende Richtlinien aufstellten, denen die Bundesstaaten bei der Regelung des Rechts
auf Schwangerschaftsabbruch folgen mußten. Die
wichtigste dieser Regeln besagt, daß das Recht einer
Frau auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei
Monaten der Schwangerschaft über jedes zwingende
gesellschaftliche Interesse des Staates hinausgeht
und es deshalb in den meisten Fällen außerhalb der
Macht des Staates liegt, ein Verbot auszusprechen.
Die Entscheidung vom 29. Juni bestätigte diese Haltung. Der Gerichtshof billigte jedoch den einzelnen
Bundesstaaten eine weitgefaßte Zuständigkeit zu, das
Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu regeln - im
Gegensatz zu einem Verbot -, was zu erheblicher
Verwirrung bei der gesamten Kontroverse führen könnte,
da jeder Staat versuchen wird, das richterliche Mandat
nach eigenem Ermessen zu interpretieren.
Das Gericht bestätigte ein Gesetz des Staates Pennsylvania, das Schwangerschaftsabbrüche auch in den
ersten drei Monaten einschränkt. Zur Unterstützung
des Gesetzes von Pennsylvania wird in der richterlichen Entscheidung festgestellt, daß Gesetze oder
Verfügungen zur Frage des Schwangerschaftsabbruchs
in Zukunft genauester juristischer Prüfung unterzogen

AMERIKA DIENST 27

würden, wenn sie "die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch erheblichen Einschränkungen" unterwerfen.
Das nahezu uneingeschränkte Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wird deshalb der Interpretation unterer Instanzen bedürfen, um zu entscheiden, was der Oberste Gerichtshof mit Begriffen wie "erhebliche Einschränkungen" gemeint hat.
In seinem mit 5 gegen 4 Stimmen gefaßten Verdikt
machte das Oberste Bundesgericht fast das Urteil im
Fall Roe ./. Wade rückgängig. Der abweichende
Richter Antonin Scalia schrieb für sich, den Vorsitzenden Richter William Rehnquist und die Richter Byron
White und Clarence Thomas, daß "die Bundesstaaten,
wenn sie dies wünschen, den Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen gestatten können, jedoch verpflichtet die Verfassung sie nicht dazu".
Die Richter Harry Blackmun und John Paul Stevens
stimmten dafür, im Einklang mit Roe ./. Wade das
Gesetz von Pennsylvania insgesamt zu verwerfen.
Das Urteil war letztlich ein von den Richtern Sandra
Day O'Connor, Anthony Kennedy und David Souter
zustandegebrachter Kompromiß. Sie erläuterten, daß
das Gesetz von Pennsylvania verfassungsgemäß sei,
auch wenn das Recht auf Schwangerschaftsabbruch
bestehen bleibt. "Obwohl Abtreibung ein Verhalten ist,
folgt daraus nicht, daß der Staat das Recht hat, sie
unter allen Umständen zu ächten," schrieben die drei
Richter in ihrem Votum.
Die drei gingen davon aus, daß die grundlegende
juristische Lehre die Achtung von Präzedenzfällen
erfordert - einschließlich Roe./. Wade. In einer öffentlichen Verhandlung erklärte Souter, daß "die Aufhebung von Roe ./. Wade die Legitimität des Gerichts
untergraben würde".
Seite 1

�Und da die dem Obersten Bundesgericht vorliegende
Frage das Ausmaß betraf, in dem das Recht auf
Schwangerschaftsabbruch verfassungsmäßig zulässig ist, war das Ergebnis der Abstimmung der kleinste
gemeinsame Nenner der Mehrheitsentscheidung. Das
bedeutet, daß O'Connor, Kennedy und Souter ihr
Votum mit dem von Blackmun und Stevens bündelten,
um eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen, die
das Grundrecht - jedoch kein absolutes Recht - auf
Schwangerschaftsabbruch bestätigt.
Der Supreme Court bestätigte äußerst kontroverse
Elemente des Gesetzes von Pennsylvania, darunter
die folgenden:
Der Staat kann verlangen, daß Frauen über
Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch
sowie über die Entwicklung des Fötus informiert
werden.

Der Oberste Gerichtshof verwarf jedoch eine Bestimmung des Gesetzes, derzufolge Frauen verpflichtet
gewesen wären, ihre Ehemänner von dem Entschluß
zum Schwangerschaftsabbruch zu informieren.
Über den unmittelbaren Urteilsspruch hinaus waren
die Einzelheiten des Gesetzes von Pennsylvania nie
das wichtigste Anliegen in diesem Fall. Zur Debatte
stand vielmehr, ob das Oberste Bundesgericht das
uneingeschränkte Recht auf Abtreibung bestätigen
oder ob es den Bundesstaaten die Mittel geben würde,
um Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei
Monaten in irgendeiner Weise zu regeln. In diesem
Sinne betrachten die Gegner der Abtreibung die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts als Sieg.
In New York begrüßte Präsident Bush in einer von
Pressesprecher Marlin Fitzwater verbreiteten Erklärung das Urteil.

Frauen können gezwungen werden, mindestens
einen Tag nach der Beratung zu warten, bevor
ihnen der Schwangerschaftsabbruch gestattet
wird.

"Ich begrüße die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts, mit der die meisten der vernünftigen Einschränkungen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch durch den Staat Pennsylvania aufrechterhalten
werden", erklärte Bush. "Das Gesetz von PennsylvaVon Ärzten kann verlangt werden, vollständige nia unterstützt die Werte der Familie in einer AngeleUnterlagen über Schwangerschaftsabbrüche zur genheit, die vielleicht die schwierigste Frage ist, mit der
möglichen Veröffentlichung aufzubewahren.
eine Familie konfrontiert werden kann. Meine eigene
Position zum Schwangerschaftsabbruch ist wohlbeUnterhaltsberechtigten, unverheirateten Mädkannt und bleibt unverändert. Ich lehne Abtreibung in
chen unter 18 kann das Recht auf einen Schwanallen Fällen außer Vergewaltigung, Inzest oder Gefahr
gerschaftsabbruch ohne die Zustimmung eines
für das Leben der Mutter ab", stellte der Präsident fest.
Elternteils oder eines Richters verweigert werden, der entschieden hat, daß das Mädchen reif
genug ist, um selbst zu entscheiden.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 27

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN GERICHTSHOFS
ZUM RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Abtreibungsrecht vom 29. Juni 1992 Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge
aus einigen dieser Kommentare.
The Philadelphia Inquirer
Mit einer knappen Mehrheit hat das Oberste Bundesgericht klugerweise gegen die Aufhebung eines von
ihm erstmals vor 19 Jahren verkündeten verfassungsmäßigen Rechts entschieden: das Recht einer Frau
auf Abtreibung. Das hat bei zahlreichen Abtreibungsgegnern Stöhnen hervorgerufen. Mit mehr Stimmen
hat das Gericht jedoch auch die meisten Artikel eines
im Bundesstaat Pennsylvania gültigen Gesetzes bestätigt, die Schwangerschaftsabbrüche erschweren.
Also schäumen auch die Aktivisten auf der anderen
Seite.

war, jetzt aber ist). Richter Harry Blackmun, Verfasser
von Roe, würdigte Richterin O'Connor und ihre Koautoren - die Richter Anthony Kennedy und David Souter
- für die gestrige Begründung, der sich er und Richter
John Paul Stevens anschlössen. Ebenso wie für uns
und zahlreiche andere Befürworter von Roe ist für ihn
sehr viel beunruhigender als die Schwächung des
Rechtes einer Frau auf Schwangerschaftsabbruch in
dieser Begründung die Tatsache, daß vier der neun
Mitglieder des Obersten Gerichtshofs gestern erklärten, sie würden Roe nicht revidieren: Sie würden
diesen Beschluß zu Fall bringen.
The New York Times

Als traditionelle Befürworter des Rechts auf Abtreibung und Kritiker der lästigen Einschränkungen auf
Bundesstaatenebene sind wir dennoch der Auffassung, daß es eine gute Entscheidung war - und bewundern die aufrichtige Denkweise, die darin Eingang
gefunden hat. Die Mehrheit lie ß keinen Zweifel an ihrer
Überzeugung, daß Schwangerschaftsabbruch ein
Grundrecht ist - und bleiben sollte. Dies ist der Kern
der Entscheidung, und das ist überraschend. Sie hing
von den drei von Ronald Reagan und George Bush
ernannten Richtern ab. Und weil diese drei Richter
gemeinsam unterstrichen, wie unklug es sei, in den
von Roe ./. Wade geschaffenen Präzedenzfall einzugreifen - wie Richter David Souter gestern vom Richtersitz aus betonte - kann dieser Eckpfeiler des Beschlusses mit der Zeit nur stärker werden.
The Baltimore Sun
Diese Entscheidung war unvermeidlich. Richterin
Sandra O'Connor, eine der Verfasserinnen der Begründung, hat seit zehn Jahren eine Analyse der
ungebührlichen Belastung so überzeugend befürwortet, daß einige Richter bei niedrigeren Instanzen dies
als geltendes Recht angenommen haben (was es nicht

AMERIKA DIENST 27

Das Oberste Bundesgericht hat gestern die Freiheit für
amerikanische Frauen - und wegen dreier Moderator,
die Ehre für sich selbst - bewahrt.
Seine Entscheidung zur Abtreibung hat den gestrigen
Tag nicht zu einem Glückstag gemacht. Die Entscheidung wird es den Bundesstaaten gestatten, insbesondere armen Frauen neue Lasten aufzuerlegen. Der
Gerichtshof ist weiterhin so gespalten, daß das Abtreibungsrecht jetzt voll und ganz von dem nächsten
Richter abhängen wird. Aber selbst wenn - durch die
Bestätigung des Falles Roe ./. Wade, der Entscheidung, die das Recht einer Frau auf die Kontrolle des
Schicksals ihrer Reproduktion anerkannte - hat das
gegenwärtige Oberste Bundesgericht einigermaßen
vernünftig entschieden.
USA Today
Weder ein totaler Sieg, noch eine totale Niederlage für
keine Seite. So wird dieser erbitterte alte Kampf
darum, wann eine Frau den Abbruch ihrer Schwangerschaft beschließen kann, auf die Bundesstaaten verlagert.

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�Sie wären klug beraten, Roe./. Wade aufrechtzuerhalten und nicht weiter auszuhöhlen, trotz der Einladung
des Obersten Gerichtshofes, daran herumzubasteln.
Das Oberste Bundesgericht hat das Gesetz des Bundesstaates Pennsylvania gebilligt, das forciert, daß
Frauen vor einer Abtreibung über Alternativen unterrichtet werden und 24 Stunden warten sollen, Minderjährige die Erlaubnis ihrer Eltern oder eines Richters
einholen müssen und Kliniken detaillierte Aufstellungen über jeden Schwangerschaftsabbruch, wenn auch
ohne die Namen der Patienten, führen müssen.
All diese Verfügungen sind eine gefährliche Invasion,
die Mißbrauch Tür und Tor öffnet. Die Geschichte
lehrt, daß mindestens einige Staaten von ihrer neuen
Macht zur Bestrafung Gebrauch machen werden oder versuchen, Abtreibung zu verbieten.
The Washington Times
Der zweifelhafte Eingriff, der den Weg ebnet, den
Willen des Volkes derartig zu unterlaufen - nämlich,
daß die Möglichkeit der Abtreibung sich aus dem vom
Obersten Bundesgericht in anderen Fällen formulierten Recht auf Schutz der Intimsphäre ableitet - ist nach
wie vor so ungeprüft und unhaltbar wie als der Oberste
Gerichtshof im Fall Roe das Urteil fällte und die Gesetze der Bundesstaaten zur Abtreibung im Jahr 1973
völlig entkernte. Die Formulierung von O'Connor,
Kennedy und Souter über "eine Begrenzung der Fehlerquote, die glaubhaft früheren Gerichtsentscheidungen zugeschrieben werden kann", ist aufschlußreich.
Sie scheint die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Menge an Fehlern, die das Gericht gemacht hat,
*

Seite 2

und der Fehlerquote vorherzusehen, die ein Gericht
zugestehen kann. Worin besteht dieser Unterschied?
Zweifelsohne werden Versuche der Bundesstaaten
zur Verabschiedung von Abtreibungsgesetzen jetzt
und in Zukunft zahlreiche Möglichkeiten für die solipsistischen, wenn nicht sogar Salomonischen Gedankengänge des Obersten Bundesgerichts zu diesem
Thema bieten.
The Washington Post
Jetzt ist klar, daß es eine mächtige Mitte im Obersten
Bundesgericht gibt, die Präzendenzfälle und soziale
Stabilität zu schätzen weiß. Einerseits sind die Richer
Blackmun und Stevens nicht die stärksten Anhänger
von Roe. Andererseits würden der Gerichtspräsident
und die Richter White, Scalia und Thomas diese
Entscheidung zu Fall bringen und alle Bestimmungen
den Bundesstaaten überlassen. Aber die abschließende Begründung wurde von den Richtern O'Connor,
Kennedy und Souter verfaßt, die über die Verdienste
dieses Falls hinausgingen, um die Bedeutung zukünftiger Präzedenzfälle zu bekräftigen, die Stabilität sicherzustellen und die Achtung vor dem Rechtssystem
zu bewahren. Diese Richter verwiesen auch auf
gesellschaftliche Veränderungen seit 1973 - insbesondere im Hinblick auf den Eintritt der Frauen ins Berufsleben - die ernsthafte Rückschläge erleiden könnten,
wenn das Recht auf Abtreibung nicht geschützt würde.
Unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung zur
Abtreibung stimmen sie zu, daß es ihre Pflicht als
Richter ist, "die Freiheit aller zu definieren, nicht ihren
eigenen Moralkodex zwingend vorzuschreiben."

*

AMERIKA DIENST 27

�W A H L E N '9 2
8. Juli 1992

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson
Vom 13.-17. Juli 1992 werden die Demokraten ihren Wahlparteitag (Konvent) in New York veranstalten, während
der Wahlparteitag der Republikaner vom 17. - 20. August 1992 in Houston (Texas) stattfinden wird. In dem
nachfolgenden Artikel erläutert der Verfasser die Geschichte und heutige Rolle der nationalen politischen
Konvente, auf denen Demokraten und Republikaner ihre Kandidaten für die Ämter von Präsident und
Vizepräsident nominieren, die Wahlkampfplattform verabschieden und die internen Richtlinien für die nächsten
vier Jahre festlegen.
Der Autor lebt in Washington und ist als freier Schriftsteller tätig. Er war Mitarbeiter bei Editorlal Research
Reports der Zeitschrift Congressional Quarterly sowie Kolumnist und Mitherausgeber des Magazins American Politics.
Den Höhepunkt der alle vier Jahre stattfindenden
Wahlkämpfe um die Nominierung der Präsidentschaftskandidaten bilden jeweils die nationalen Wahlparteitage der beiden großen Parteien. Diese lebhaften Versammlungen wählen die Kandidaten für die Ämter von
Präsidenl und Vizepräsident und verabschieden darüber hinaus die Wahlkampfplattformen ihrer Parteien.
Die Konvente werden im Sommer von Wahljahren,
mehrere Monate vor den eigentlichen Präsidentschaftswahlen im November veranstaltet. Im Jahr 1992 wird
der nationale Konvent der Demokraten vom 13.-16.
Juli 1992 im New Yorker Madison Square Garden
stattfinden, wo schon in den Jahren 1976 und 1980
demokratische Wahlparteitage abgehalten wurden.
Der nationale Konvent der Republikaner wird vom 17.
- 20. August 1992 im berühmten Astrodome von Houston
stattfinden, jener gigantischen. Sporthalle in George
Bushs Wahlheimat Texas.
Die 'grelle Show'
Der amerikanische Journalist und Satiriker H. L. Mencken
(1880-1956) nannte sie einmal "so faszinierend wie
eine Erweckungsversammlung oder eine Hinrichtung...
eine so grelle und ausgelassene, so melodramatische
und obszöne, so unvorstellbar amüsante und absurde
Show, daß man ein ganzes großartiges Jahr in einer
einzigen Stunde durchlebt.*' Der britische Historiker
und Beobachter der amerikanischen Politszene, Sir
Denis William Brogan, bezeichnete sie als "unvollkommenes Organ der repräsentativen Regierung", das
trotzdem "ein unerläßlicher Teil des amerikanischen
Systems ist", der "weit mehr gute als schlechte Dienste
geleistet hat".
AMERIKA DIENST 27

Menckens "grelle Show" und Brogans "unvollkommenes Organ" ist seit 160 Jahren eine amerikanische
politische Institution. Es sind die alle vier Jahre stattfindenden nationalen politischen Konvente, auf denen
die beiden großen dominierenden Parteien der Vereinigten Staaten, Demokraten und Republikaner, ihre
Kandidaten für die Ämter von Präsident und Vizepräsident nominieren, ihre nationalen Wahlkampfplattformen verabschieden und die Richtlinien festlegen, die
für den Umgang innerhalb der Partei in den nächsten
vier Jahren gelten sollen.
Die amerikanische Verfassung enthält keinerlei Hinweis auf die nationalen politischen Konvente. Auch der
amerikanische Kongreß hat niemals ein Gesetz verabschiedet, um solche Institutionen ins Leben zu rufen.
Der nationale politische Konvent ergab sich aus dem
Prozeß zur Nominierung von Präsidentschaftskandidaten. Der nationale Konvent entstand im Jahr 1831
als die Anti-Masonic Party (wörtlich: Anti-FreimaurerPartei, Anm. d. Red.), eine kurzlebige kleine Partei, die
sich gegen die Eliten wandte, in Baltimore (Maryland)
den ersten Konvent veranstaltete. Im nächsten Jahr
hielt die Demokratische Partei - die im Jahr 1792
gegründet und in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts umbenannt wurde - ebenfalls in Baltimore
ihren ersten nationalen Konvent ab.
Bei diesem ersten Wahlparteitag einer großen Partei
nominierten die Demokraten mit einer Zwei-DrittelMehrheit der Delegierten Andrew Jackson aus Tennessee als ihren Präsidentschaftskandidaten sowie
Martin Van Buren aus New York als ihren Kandidaten
für das Amt des Vizepräsidenten. Der erste nationale
Seite I

�Konvent der Republikanischen Partei fand erst im Jahr
1856 in Philadelphia statt - zwei Jahre nachdem die
Partei von einer Gruppe ehemaliger Demokraten und
Whigs gegründet wurde. Dabei wurden John C. Freroorrf aus Kalifornien für das Amt des Präsidenten und
William I... Dayton aus New Jersey für das Amt des
Vizepräsidenten nominiert.
Die frühen Konvente
Diese frühen Versammlungen waren relativ kleine
Veranstaltungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
zoqen die nationalen Konvente lediglich wenige hundert Delegierte und sehr wenige Zuschauer an. So
nahmen an dem ersten Nominierungskonvent der
Anti-Fieimauier-Partei nur 116 Delegierte aus 13
Bundesstaaten teil. Die Delegierten der frühen Konvente wurden auf unterschiedliche, zumeist informelle
Art und Weise bestimmt. In vielen Fällen wählten die
Parteibosse schlicht vertrauenswürdige Parteimitglieder als Delegierte aus. Einige Staaten entsandten eine
große Zahl Delegierter, die eine wesentlich geringere
Zahl von Stimmen abgaben. Andere Staaten entsandten einen oder zwei Delegierte, die 10, 15 oder noch
mehr Stimmen abgaben. Die Zahl der Stimmen jedes
Staates wurde nach dessen Stärke im Wahlmännergremium festgelegt (der Anzahl von Senatoren und
Abgeordneten dieses Staates im Kongreß).
Der zufällige Charakter der Delegiertenauswahl führte
häufig zu hitzigen Debatten über die Vollmachten der
Delegierten, Parteiplattformen und die Nominierungen
selbst. Regelmäßig kam es zu bitteren Auseinandersetzungen über die Vollmachten der Delegierten. Zu
den umstrittensten zählte ein Kampf, der während des
Konvents der Demokraten im Jahr 1860 ausbrach, als
mehrere Dutzend Delegierte aus Protest gegen die
Ablehnung der Sklaverei den Saal verließen. Eine
Auseinandersetzung ergab sich, als die Delegierten
später versuchten, sich erneut der Versammlung
anzuschließen. Beim republikanischen Wahlparteitag
des Jahres 1912 fand ein wütender Streit über die
Vollmachten von Delegierten statt, die den amtierenden Präsidenten William Howard Taft und den ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt unterstützten.
Denkwürdige Auseinandersetzungen über Punkte der
Wahlkampfplattform fanden auf zahlreichen Konvenion statt, darunter die knappe Annahme einer energischeren Haltung zu den Bürgerrechten beim demokratischen Konvent von 1948. Viele von Streit erfüllte,
zeitraubende Nominierungsschlachten wurden auf
Konventen ausgefochten. Beim nationalen republikanischen Konvent von 1880 etwa waren 36 Wahlgänge
erforderlich, um James A. Garfield zum Präsidentschaftskandidaten der Partei zu küren. Im Jahr 1924
waren die Demokraten bis zum 103. Wahlgang nicht in
der Lage, einen Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, als sie sich schließlich für John W. Davis als
ihren Fahnenträger entschieden.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Auswahl
der Delegierten schrittweise strengeren Kriterien unterworfen, was auf die Einführung der Präsidentschaftsvorwahlen zurückzuführen ist. Die erste Vorwahl fand
im Jahr 1904 in Florida statt. Acht Jahre später führten
12 weitere Staaten die Vorwahl ein, in der Delegierte
direkt von den Wählern im gesamten Bundesstaat
gewählt werden. Zunächst wurde in den Vorwahlen
lediglich ein Bruchteil der Delegierten des Bundesstaates gewählt, während die restlichen Delegierten
von der Parteiführung des Bundesstaates bestimmt
wurden. Heute jedoch werden praktisch alle Delegierten für die nationalen Konvente bei Vorwahlen sowie
bei Parteiversammlungen in den Bundesstaaten ausgewählt, bei denen führende Parteimitglieder auf
Gemeinde- und Bundesstaatsebene zusammentreten
und beschließen, wer sie bei den nationalen Konventen vertreten wird.
Der letzte Konvent, auf dem öffentlich ausgetragene
bittere Auseinandersetzungen über Vollmachten, Regeln
und Plattformen stattfanden, war der tumultartige
nationale Wahlparteitag der Demokraten in Chicago
im Jahr 1968 - ein Konvent, bei dem weniger als die
Hälfte der Delegierten in Vorwahlen gewählt und lediglich rund ein Drittel der Delegierten auf einzelne Kandidaten festgelegt waren. Der auf dem Höhepunkt der
nationalen Debatte über den Vietnamkrieg abgehaltene Konvent entwickelte sich "zu einem der ungewöhnlichsten Wahlparteitage in der politischen Geschichte
Amerikas", schrieb Theodore White in The Making ot
the President, 1968. Der Konvent wurde von emotionalen, bitteren Debatten über Delegierte, Verfahrensregeln und vor allem die Position der Wahlkampfplattform zum Vietnamkrieg erschüttert. Ein von Senator
Eugene McCarty unterstützter Minderheitsantrag, der
eine unverzügliche Einstellung der Kampfhandlungen
forderte, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Das
Chaos beim Konvent selbst wurde auf den Straßen
von Chicago noch übertroffen, wo sich AntikriegsDemonstranten blutige Straßenschlachten mit der Polizei
lieferten.
Die Konvente von heute
Seit 1968 wurden die nationalen politischen Konvente
sowohl größer als auch von der nationalen Parteiführung strenger an die Zügel genommen. Die Zahl der
Delegierten geht mittlerweile in die Tausende - so
waren beim demokratischen Konvent des Jahres 1988
über 4.100 Delegierte anwesend, während es bei den
Republikanern 2.300 waren. Die schärfere Kontrolle
durch die Parteiführung bedeutete, daß entzweiende
öffentliche Auseinandersetzungen über Plattformen,
Vollmachten und sogar die Kandidaten selbst praktisch beseitigt wurden.
In den vergangenen 20 Jahren hat ein "fundamentaler
Wandel im Charakter des nationalen politischen Konvents" stattgefunden, erklärte Rhodes Cook, ein leitender Mitarbeiter des Congresslonal Quarterly, der als
AMERIKA DIENST 27

�{Berichterstatter an jedem nationalen Konvent seit 1976
teilgenommen hat. Konvente "waren einmal der Ort,
an dem über Nominierungen wirklich entschieden wurde",
stellte Cook fest, weil sie praktisch die einzigen Orte
waren, an denen die nationalen Parteiführer "zusammentrafen oder miteinander als Gruppe kommunizierten". Die Konvente waren ihm zufolge "nationale
Versammlungen, auf denen die Parteien über jeden
Kandidaten und ihre Positionen zu Fragen der Tagespolitik gründlich diskutierten".
Heute ist die Situation jedoch ganz anders. "Praktisch
alle diese Bereiche - die Nominierung, die Plattform,
die Richtlinien, die Vollmachten - die bei den Konventen alten Stils fast unweigerlich Potential für Konflikt
und Wettbewerb bargen, werden heute vorher geregelt", erklärte Cook. Heute bildet der nationale politische Konvent "den Höhepunkt des Nominierungsprozesses. Es ist ein Übergang vom Nominierungsprozeß zum allgemeinen Wahlkampf, weil die Vorwahlen
und Wahlversammlungen im allgemeinen die Delegierten zur Stimmabgabe für den Kandidaten verpflichten, der die Vorwahl gewinnt oder bei der Wahlversammlung die meisten Stimmen auf sich vereinigt."
In Anbetracht der rund 40 Präsidentschaftsvorwahlen
heute stellt Cook fest: "Wenn sie gewinnen wollen,
müssen sich die Kandidaten praktisch in allen Wahlen
stellen. Die Entscheidung wird fast unweigerlich bei
den Vorwahlen getroffen. Der Parteikonvent ist heute
also vielmehr ein Ratifizierungsprozeß dessen, was
zuvor in den Vorwahlen und Wahlversammlungen
stattgefunden hat, als eine Entscheidung."
Die letzte große umstrittene Nominierungsschlacht
fand 1976 statt, als der amtierende Präsident Gerald
Ford die Nominierung der Republikanischen Partei
knapp gegen seinen Rivalen Ronald Reagan gewann.
Aber vier Jahre später, 1980, nominierten die Republikaner Reagan, der dann für zwei Amtsperioden gewählt wurde. Der Kampf zwischen Ford und Reagan
im Jahr 1976 war, so Cook, eher die Ausnahme denn
die Regel dessen, was wir im letzten Vierteljahrhundert
beobachtet haben."
Die einzelnen Tage der Parteikonvente
Trotz der Tatsache, daß die Parteikonvente sehr viel
besser organisiert sind als in der Vergangenheit und
stärker kontrolliert werden, um peinliche Auseinandersetzungen im Saal zu vermeiden, erscheinen sie dennoch
manchmal chaotisch und wie ein Zirkus. Ein Grund
dafür ist die Größe des Spektakels. Die riesigen
Hallen, in denen die Parteikonvente stattfinden, wimmeln von Zehntausenden Delegierten, Parteifunktionären, Journalisten und Beobachtern. Die Säle sind
mit zahlreichen amerikanischen Fähnchen, rot-weißblauen Flaggen, Wahlkampfpostern, Bannern und
Wimpeln geschmückt. Es werden unzählige Reden
gehalten, und es finden lärmende Sympathiekundgebungen für die Kandidaten statt. Der ganze Rummel

AMERIKA DIENST 27

vollzieht sich unter dem wachsamen Auge der nationalen Massenmedien.
Wie verwirrend ist der Parteikonvent selbst? Der
Historiker Daniel Boorstin bot in seinem 1962 verfaßten Buch The Image eine Darstellung aus erster Hand
von der "Enttäuschung", die er bei seinem ersten
nationalen Parteitag empfand, der Zusammenkunft
der Demokratischen Partei im International Amphitheatre von Chicago. "Wir fühlten uns verwirrt durch
die Ereignisse, die in den Sälen stattfanden", stellt
Boorstin fest, der mit seinen drei jungen Söhnen an
dem Parteikonvent teilnahm. "Zusammen mit den
anderen 'wirklichen Zuschauern' verbrachten wir unsere Zeit vor den Fernsehmonitoren, die das Veranstaltungskomitee dort wohlüberlegt aufgestellt hatte.
Diese Fernsehapparate zeigten uns genau dieselben
Bilder, die wir in unserem Wohnzimmer gesehen hätten. Die unglücklichen Delegierten unten im Saal ...
müssen ohne die Hilfe der Fernsehmonitore konfuser
als wir über das gewesen sein, was vor sich ging."
Der erste Tag des Konvents besteht aus dem am
wenigsten verwirrenden Ereignis - der programmatischen Rede - die für gewöhnlich vom besten Redner
der Partei gehalten wird. Diese Rede soll die Parteimitglieder in eine kämpferische Stimmung für die bevorstehende Wahl bringen. Der Hauptredner rühmt darin
die Verdienste seiner Partei und und attackiert die
Opposition mit flammenden Tiraden.
Am zweiten Tag des Parteikonvents nimmt der Vollmachtenprüfungsausschuß die Arbeit auf und entscheidet über die Delegierten, denen ein Sitz zugeteilt
wird und die abstimmen dürfen. An diesem Tag
verabschiedet der Konvent auch seine Plattform, in
der im Detail die Haltung der Partei zu allen wichtigen
innen- und außenpolitischen Fragen dargelegt wird.
Seit der peinlichen öffentlichen Auseinandersetzung
über die Plattform der Demokraten bei ihrem Parteikonvent im Jahr 1968 werden heute die meisten Themen der Wahlplattformen der Demokratischen und der
Republikanischen Partei Wochen vor Beginn der
Konvente ausgearbeitet.
Am dritten Tag des Konvents beginnen die Delegierten
mit der eigentlichen Nominierung der Kandidaten. Der
Gewinner muß eine einfache Stimmenmehrheit auf
sich vereinigen. Das Verfahren beginnt, wenn der
Vorsitzende die namentliche Abstimmung aller Delegationen in alphabetischer Reihenfolge von Alabama
bis Wyoming ankündigt. Der Vorsitzende der jeweiligen Delegation nominiert wiederum einen Kandidaten
oder überläßt es einem anderen Staat, die Nominierung vorzunehmen. Die Nominierungen beginnen mit
äußerst ethusiastischen Lobreden auf den Kandidaten
in den schillernsten Farben. Die Nominierungsansprachen werden von lautstarken Kundgebungen gefolgt,
die nichts oder nur wenig dazu beitragen, die Stimmabgabe der Gegner zu beeinflussen.

Seite 3

�Die Kandidaten selbst glänzen durch Abwesenheit.
Aber in diesem Zeitalter der direkten Kommunikation
stehen die Kandidaten und ihre Gegner in engem
Kontakt zu ihren Verbündeten im Saal. Vor dem
Medienzeitalter erschienen die Kandidaten nicht einmal bei den Parteikonventen. Der Sieger konnte seine
Nominierung bei einer Zeremonie annehmen, die für
gewöhnlich Wochen nach dem Ende des Konvents
abgehalten wurde. Der erste Kandidat, der einem
Parteikonvent seine Zustimmung übermittelte, war
Franklin D. Roosevelt, der die Annahme beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent im Jahr 1932
persönlich bekanntgab - acht Jahre nach der ersten
Radioübertragung eines Parteikonvents.

Eine weitere kontroverse Entscheidung für den Vizepräsidenten war, als der amtierende Präsident Franklin D. Roosevelt Senator Harry S. Truman aus Missouri beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent 1944
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten wählte. Die
Entscheidung paßte vielen Vorsitzenden der Demokratischen Partei nicht. Zum einen hatte Roosevelt
bereits einen Vizepräsidenten - Henry A. Wallace - der
Anhänger in der Partei hatte. Zum anderen wurde
Truman allgemein als Unbekannter mit wenig innenpolitischer Erfahrung angesehen. Darüber hinaus wußte
Präsident Roosevelt um seine schwere Erkrankung
und die Wahrscheinlichkeit, daß der von ihm gewählte
Vizepräsident bald Präsident würde.

Fernsehübertragungen begannen 1940. Seit dieser
Zeit endete jeder Parteikonvent mit der Zustimmungsrede des Vizepräsidentschafts- und Präsidentschaftskandidaten. Nach den erforderlichen lautstarken Beifallskundgebungen aus dem Saal stellen sich die erfolglosen Kandidaten, ihre Familienangehörigen und
die Parteivorsitzenden für gewöhnlich zu den Nominierten und deren Familien auf dem Podium in einer
laiidesweit übertragenen Show, bei der die Einheit der
Partei demonstriert wird.

Roosevelt entschied sich fürTruman am Tag nachdem
er für eine nie dagewesene vierte Amtszeit nominiert
wurde. Truman und die Parteivorsitzenden erfuhren
von der Neuigkeit in dem sprichwörtlichen verrauchten
Hinterzimmer - in diesem Fall Suite 506 im Blackstone
Hotel von Chicago. "Der Raum war überfüllt. Jeder
verdammte politische Chef des Landes war da... und
ein halbes Dutzend Gouverneure. Und alle sagten:
"Harry, wir wollen, daß Du Vizepräsident wirst", erklärte Truman der mündlich überlieferten Geschichte Piain
Speaking von Merle Miller zufolge. Truman lehnte ab,
änderte jedoch seine Meinung, nachdem Präsident
Roosevelt aus San Diego im Hotel angerufen hatte.

Der Vizepräsident
Der Kandidat für die Vizepräsidentschaft wird nicht von
den Delegierten des Parteikonvents gewählt. Das ist
die Aufgabe des neu ernannten Präsidentschaftskandidaten, der seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft am vierten und letzten Tag des Konvents wählt.
Die Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten wird für gewöhnlich getroffen, um die unterschiedlichen Fraktionen der Partei zu vereinigen und
die Wahlliste des Präsidenten geographisch auszugleichen. Gelegentlich - wie es 1988 der Fall war, als
George Bush Senator Dan Quayle aus Indiana wählte
- ist die Entscheidung des Präsidenten umstritten.

"Sagen Sie ihm, wenn er die Demokratische Partei
mitten im Krieg (dem Zweiten Weltkrieg) spalten und
vielleicht diesen Krieg verlieren will, ist dies seine
Sache", zitierte Truman Roosevefts Telephongespräch
Bob Hannegan gegenüber, dem Vorsitzenden des
nationalen Komitees der Demokraten.
"Nun, ich bin ungefähr fünf Minuten herumgegangen",
erinnerte sich Truman, um eine Entscheidung zu treffen. "Schließlich sagte ich, 'In Ordnung Bob, wenn es
das ist, was der alte Mann wünscht, werde ich es tun.'"

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 27

�PORTRAT
8. Juli 1992

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden Generalsekretärs
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertretende
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dick Thornburgh, berußt die Herausforderungen der neuen Position, bei der er letztlich für den Ausgleich des Hauhalts
der Vereinten Nationen verantwortlich ist.
Der ehemalige amerikanische Justizminister, der sein
Amt als Stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen für Verwaltung und Management am 1.
März 1992 angetreten hat, sieht seine Tätigkeit als
einen wichtigen Bildungsprozeß, der gleichzeitig
"besonderes Einfühlungsvermögen verlangt, um den
Blickwinkel der Menschen zu verstehen, die aus unterschiedlichen Kulturen und Regierungsformen hierherkommen".
Thomburgh bringt zu den Vereinten Nationen das
Finanzwissen mit, das er während zweier Amtsperioden als Gouverneur von Pennsylvania erwarb, wo er
für seine Kontrolle des Haushalts und Diversifikation
der Volkswirtschaft des Bundesstaates gelobt wurde.
Als Leiter der kürzlich neu organisierten Verwaltungsabteilung der Vereinten Nationen umriß er drei Ziele:
Bewältigung der Außenstände, Deckung der Kosten
für laufende Operationen auf einer realistischen Grundlage und Schaffung größerer Stabilität für die Zukunft.
In einem vor kurzem gegebenen Interview erklärte
Thornburgh ferner, er werde "alles Erforderliche" tun,
um die Zustimmung zu den Initiativen von Generalsekretär Boutros-Ghali zu gewinnen und nicht davor
zurückschrecken, den Finanzausschuß der Generalversammlung in seinen Räumen aufzusuchen, um
sich die Unterstützung der Diplomaten zu sichern. "Die
Delegationen spielen bei der Verteilung der Mittel
dieser Organisation eine äußerst wichtige Rolle", stellte er fest.
In den vier Monaten seit Aufnahme seiner jetzigen
Tätigkeit hat Thornburgh versucht, "alle möglichen
Lobbyisten" zu treffen, einschließlich Botschaftern und
Delegierten, Vertretern der UNO-Ausschüsse, Mitarbeitern der Vereinten Nationen sowie der UNO-Büros
in Genf und Wien sowie "zahlreiche ehemalige Kollegen und Freunde in der US-Regierung".
AMERIKA DIENST 27

Thornburgh, 59, hat sein Ingenieurstudium an der
Universität Yale abgeschlossen und sein Juraexamen
an der University of Pittsburgh abgelegt. Er war
Direktor des Instituts für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University.
Als Gouverneur von Pennsylvania wurde Thornburgh
für seine effiziente Verwaltung der Regierung des
Bundesstaates gelobt. Während seiner Amtszeit wurden
die Steuern gesenkt, die Verschuldung abgebaut und
15.000 unnötige Stellen in der Regierungsbürokratie
abgeschafft. Seine Programme für die Reform des
Sozial- und Bildungswesens sowie die Verbesserung
des Verkehrsnetzes des Bundesstaates fanden landesweit Beachtung und bei einer 1986 von Newsweek
durchgeführten Meinungsumfrage über die Gouverneure des Landes wurde Thornburgh als der effektivste Gouverneur eines "großen Bundesstaates" genannt.
"Es ist erfrischend, wieder in einer Organisation zu
arbeiten, die ihren Haushalt jedes Jahr ausgleichen
muß", erklärte Thornburgh. "Als Gouverneur von
Pennsylvania mußte ich jedes Jahr meinen Haushalt
ausgleichen...
Wir können hier keine Defizite ansammeln, und deshalb müssen wir auf die eine oder andere Weise für die
wahrgenommenen Dienste bezahlen. Obwohl dies ein
gesundes Arbeitsumfeld ist, legt es sicherlich denjenigen unter uns große Lasten auf, die für diese Tätigkeit
verantwortlich sind."
Die neue Verwaltung von Boutros-Ghali ringt mit einem kritischen Mangel an Geldmitteln zu einer Zeit, in
der große Anforderungen an die Weltorganisation
gestellt werden, und als Haushaltsmanager des Generalsekretärs ist Thornburgh damit beauftragt, die riesige Organisation funktions- und reaktionsfähig zu erhalten.
Thornburgh räumte ein, daß die Finanzlage der Vereinten Nationen "bestenfalls prekär" ist und noch durch
die Tatsache verschärft wird, daß die Organisation in
den vergangenen Jahren in der Lage war, von den
Seite 1

�Haushaltsmitteln zur Friedenssicherung "informell...
zu borgen", um die regulären Ausgaben bestreiten zu
können.
"Aufgrund des außergewöhnlichen Zuwachses und
Bedarfs an Mitteln für Operationen zur Friedenssicherung ist das in diesem Jahr höchst unwahrscheinlich,
und wenn sich die Bedingungen nicht ändern, besteht
die Aussicht, daß wir gegen Ende des Jahres am
Rande einer Schließung stehen", stellte er fest.
"Wir sind realistisch. Wir wissen, daß die weltweite
Wirtschaftslage zur Zeit nicht gerade förderlich ist, um
die Mitgliedstaaten zu veranlassen, ihren internationalen Verpflichtungen Priorität einzuräumen. Darüber
hinaus wissen wir, daß insbesondere bei der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, vor allem Rußland und
der Ukraine - beides wichtige Beitragszahler - dieses
Jahr sehr geringe Aussichten auf Leistung ihrer Beiträge bestehen."
Die Vereinten Nationen hätten jedoch "eine Reihe von
Alternativempfehlungen erarbeitet. ... Es ist wichtig,
daß die Mitgliedstaaten angesichts eines finanziellen
Desasters nicht den Eindruck bekommen, daß ... wir
mit business as usual weitermachen", erklärte Thornburgh.
Ebenso wichtig sei es, "das positive Gefühl der Mitgliedstaaten zu stärken, die die Vereinten Nationen
unterstützen, indem wir ihnen mehr Sicherheit verschaffen, daß ihre Beiträge effizient eingesetzt werden", stellte er fest.
Der Generalsekretär hat die Zahl von Spitzenpositionen in der UNO von 30 auf acht reduziert. Die zweite
* *

Seite 2

Phase der Umstrukturierung wird Thornburgh zufolge
darin bestehen, ähnliche Reduzierungen in verschiedenen UN-Abteilungen vorzunehmen, nachdem eine
Überprüfung von Stellen durchgeführt wurde, die sicherstellen soll, daß die Stelleninhaber gemäß den
sich rasch verändernden Bedürfnissen der Organisation eingesetzt werden.
Diese Finanzkrise "kommt zu einem sehr geeigneten
Zeitpunkt", erklärte er und verwies darauf, daß mit dem
Ende des Kalten Kriegs und dem neuen Umfeld, das
für eine Rückkehr zu den Grundprinzipien der UNCharta entstanden sei, heute neue Chancen bestehen, um Fragen in Zusammenhang mit Friedensschaffung und Friedenssicherung, der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, der Umwelt sowie den Menschenrechten auf eine Art und Weise zu behandeln,
die in der Vergangenheit nicht möglich war.
Um dies zu leisten, werden die Vereinten Nationen
Thornburgh zufolge einige alte Abteilungen zusammenlegen und konsolidieren sowie neue einrichten
müssen. Darüber hinaus prognostiziert er, daß sich
zahlreiche Abteilungen mit Wirtschafts- und Sozialfragen beschäftigen werden.
"Wir alle haben die Neigung, Veränderungen abzulehnen, aberich bin der Meinung, daß breite Übereinstimmung darüber besteht, daß sich die Rolle der Vereinten Nationen in diesem Jahrzehnt und in der Zukunft
unweigerlich verändern wird", erklärte er. "Überdies
gehe ich davon aus, daß die meisten Mitgliedstaaten
die Initiative und die Prioritäten akezptieren, die der
Generalsekretär beschrieben hat."

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AMERIKA DIENST 27

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