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25

USA-RUSSLAND

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24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim
Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen
unterzeichneten Charta

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanischrussischen Vereinbarung

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische
Erklärung

RUSSISCH-AMERIKANISCHES
WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

UNRUHEN IN LOS ANGELES

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
WASHINGTON - (AD) - Bei der Zeremonie zur Begrüßung des russischen Präsidenten Jelzin hat Präsident Bush
am 16. Juni 1992 erklärt, die Bedrohung durch einen verheerenden konventionellen Krieg "ist mit dem
Warschauer Pakt und dem Aufstieg der Demokratie in Rußland verschwunden. Und heute ist die Bedrohung
durch einen nuklearen Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des Atomzeitalters."
Am gleichen Tage einigten sich die Vereinigten Staaten und Rußland auf weitreichende Rüstungsbegrenzungen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines weltweiten Abwehrsystemes gegen begrenzte Angriffe mit
ballistischen Raketen. Präsident Bush stellte dazu bei einem gemeinsamen Termin mit dem russischen
Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses fest: "Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden
Länder, eine Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger
Ausdruck unseres neuen Verhältnisses."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Begrüßungsansprache von Präsident Bush sowie seine Erklärung im
Rosengarten des Weißen Hauses im Wortlaut.
1.

Begrüßungsansprache Präsident Bushs für
den russischen Präsidenten Jelzin

Herr Präsident, Frau Jelzin, verehrte Mitglieder der
russischen Delegation, ich begrüße Sie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darüber hinaus begrüße
ich all diejenigen, die sich hier eingefunden haben, um
Präsident Jelzin und Frau Jelzin willkommen zu heißen: Willkommen im Weißen Haus.
Herr Präsident, der heutige Tag markiert den Beginn
einer neuen Ära, eines neuen Typs von Gipfeltreffen.
Dies ist kein Treffen zweier Supermächte, die um
weltweite Vorherrschaft kämpfen, sondern zwischen
zwei Partnern, die danach streben, einen demokratischen Frieden aufzubauen. Von diesem Gipfeltreffen
aus erblicken wir einen neuen Horizont, eine neue Welt
des Friedens und der Hoffnung, eine neue Welt der
Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen dem
amerikanischen und dem russischen Volk. Es ist
unsere Hoffnung, daß diese Partnerschaft für immer
die alten Gegensätze überwinden wird, die unsere
Völker voneinander trennten, die die Welt in Konfrontation und Konflikte stürzten.
Herr Präsident, Ihre Nation hat sich auf ein großes
Experiment eingelassen, eine neue russische Revolution, deren Ziel die Freiheit ist. Die von Rußland
erzielten Fortschritte und die Aussicht auf zukünftige
sind zu einem großen Teil auf den Mut und die Vision
AMERIKA DIENST 25

von Präsident Boris Jelzin zurückzuführen. Herr Präsident, wie Peter der Große definieren Sie das Selbstverständnis Rußlands neu, definieren Sie die Rolle
Ru ßlands in der Welt neu. Aber zum ersten Mal in der
neueren russischen Geschichte beruft sich der Spitzenvertreter dieses Landes zu seiner Legitimation
nicht auf eine Fügung der Geschichte, sondern auf ein
demokratisches Mandat. Sie kommen als gewählter
Präsident hierher - gewählt vom Volk in einer freien und
fairen Wahl. Und wir grüßen Sie.
Gemeinsam, Herr Präsident, gestalten wir bereits unsere
Beziehungen um, und dies hat Vorteile nicht nur für
unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Heute ist mit dem Warschauer Pakt und dem Aufstieg
der Demokratie in Rußland die Bedrohung eines verheerenden konventionellen Krieges verschwunden.
Und heute ist die Bedrohung durch einen nuklearen
Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des
Atomzeitalters.
Herr Präsident, ich sage dies mit einem Gefühl des
Stolzes, einem Gefühl der Ehrfurcht und vor allem mit
einem historischen Gefühl. Es gibt für das Volk der
Vereinigten Staaten, das Volk Rußlands und die
Menschen in der ganzen Welt kein größeres Geschenk als die Beseitigung des schrecklichen Gespenstes eines Weltkriegs. Und denken Sie dabei einen
Moment daran, was dies nicht für Präsidenten, nicht

Seite 1

�für Staatschefs oder Historiker, sondern für Eltern und
deren Kinder bedeutet. Es bedeutet eine Zukunft ohne
Furcht.

stattfindet. Ebenso wie unsere Amerikanische Revolution muß Ihre Russische Revolution einfach gelingen.

Dieses erste russisch-amerikanische Gipfeltreffen gibt
uns eine Chance, das Fundament für eine friedlichere
und materiell bessere Zukunft für alle unsere Bürger zu
legen. Darüber hinaus werden wir Rußlands historischen Übergang zum freien Markt, seine Integration in
die Weltwirtschaft und unser Engagement zur Unterstützung dieser Reformen erörtern. Wir werden neue
Wege suchen, um den Handel zwischen unseren
Ländern zu erweitern, um Wohlstand, Wachstum und
Arbeitsplätze zu schaffen, neue Dimensionen der militärischen Zusammenarbeit zum weiteren Abbau des
Kriegsrisikos und schlie ßlich neue Vereinbarungen zur
Reduzierung von Kernwaffen und zur Beseitigung der
zerstörerischsten Waffen aus unseren Arsenalen.

Ich begrüße Sie, meinen Freund, nochmals im Weißen
Haus. Gott möge dem amerikanischen und dem
russischen Volk eine friedliche Zukunft schenken.
Willkommen. Ich freue mich, daß Sie hier sind.

Heute morgen möchte ich mich jedoch auf unser
Endziel konzentrieren: auf die Herausforderung, einen
neuen Frieden zu schmieden, einen dauerhaften Frieden zwischen unseren beiden Ländern, die niemals
wieder zu Feinden werden dürfen. Heute führen die
Bürger Ru ßlands einen heldenhaften Kampf um genau
dieselben Rechte und Freiheiten, die wir Amerikaner
so sehr schätzen.
Das Schicksal jener Revolution, die Zukunft der
Demokratie in Rußland und den anderen neuen Nationen des ehemaligen sowjetischen Imperiums ist das
wichtigste außenpolitische Anliegen unserer Zeit. Die
Vereinigten Staaten und ihre demokratischen Verbündeten müssen bei der Schaffung eines demokratischen Friedens eine Schlüsselrolle spielen.
Aus diesem Grund fordere ich den Kongreß der Vereinigten Staaten erneut dazu auf, das Freedom Support
Act zu verabschieden, um die demokratischen Reformen in Rußland und den anderen neuen Staaten der
früheren Sowjetunion zu stärken. Die Hilfe, um die ich
den Kongreß gebeten habe, ist in der Tat erheblich,
aber sie macht gleichzeitig nur einen Bruchteil der 4
Billionen Dollar aus, die dieses Land ausgab, um
während des langen Kalten Krieges den Frieden zu
sichern. Die Mittel, die wir heute für Rußland einsetzen, sind eine Investition in ein neues Jahrhundert des
Friedens mit Rußland.
Die Geschichte bietet uns eine seltene Chance. Eine
Chance zu erlangen, was in diesem Jahrhundert bereits zweimal unseren Händen entglitten ist. Es ist die
Vision, die zweimal auf den Schlachtfeldern Europas
untergegangen ist. Die Vision, die uns den langen
Kalten Krieg hindurch Hoffnung gab - der Traum von
einer neuen Welt der Freiheit.
Herr Präsident, wenn wir an die Welt denken, die
unsere Kinder und deren Kinder von uns erben werden, so wird kein anderer Faktor ihre Zukunft stärker
beeinflussen als die Revolution, die heute in Rußland

Seite 2

2.

Erklärung des Präsidenten Im Rosengarten
des Weißen Hauses

Ich freue mich mitteilen zu können, daß Präsident
Jelzin und ich soeben eine außergewöhnliche Vereinbarung über zwei Bereiche von lebenswichtigem Interesse für unsere Länder und die Welt erzielt haben.
Erstens haben wir uns auf weitreichende neue Kürzungen bei den strategischen Waffen geeinigt. Aufbauend
auf der mit Rußland, der Ukraine, Kasachstan und
Belarus erzielten Vereinbarung haben sich unsere
beiden Länder auf noch drastischere Einschnitte bei
den strategischen Waffen verständigt, die erheblich
unter den Niveaus des START-Abkommen liegen. Wir
haben vereinbart, die gefährlisten Waffen der Welt schwere ICBMs und alle anderen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - zu beseitigen und unsere strategischen Kernwaffen insgesamt drastisch abzubauen.
Diese drastischen Verringerungen werden in zwei
Stufen stattfinden. Sie werden spätestens im Jahr
2003 abgeschlossen sein und könnten bereits im Jahr
2000 erreicht werden, wenn die Vereinigten Staaten
Rußland bei der erforderlichen Zerstörung ballistischer Raketensysteme helfen können. Mit diesem
Abkommen tritt der nukleare Alptraum für uns selbst,
für unsere Kinder und für unsere Enkel immer weiter in
den Hintergrund. Noch vor wenigen Jahren planten die
Vereinigten Staaten ein strategisches Arsenal von
etwa 13.000 Gefechtsköpfen. Heute haben Präsident
Jelzin und ich vereinbart, daß beide Seiten auf 3.000
bis 3.500 Gefechtsköpfe heruntergehen werden, wobei
jedes Land innerhalb dieser Bandbreite seine eigene
Streitkräftestruktur festlegen kann.
Ich möchte zusätzlich darauf verweisen, daß diese
grundlegende Vereinbarung, die in früheren Zeiten
nicht einmal in einem Jahrzehnt zustande gekommen
wäre, in lediglich fünf Monaten vollendet wurde. Unsere
Fähigkeit, dieses Abkommen so rasch zu erlangen,
legt Zeugnis von dem neuen Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland sowie der persönlichen Führungsrolle unseres Gastes Boris Jelzin ab.
In naher Zukunft werden die Vereinigten Staaten und
Rußland unsere Vereinbarung in einem kurzen Vertragstext niederlegen, den Präsident Jelzin und ich
unterzeichnen und in unseren Ländern zur Ratifizierung vorlegen werden. Präsident Jelzin und ich haben
femer vereinbart, gemeinsam mit den Verbündeten
und anderen interessierten Staaten zusammenzuar-

AMERIKA DIENST 25

�beiten, um ein Konzept für ein weltweites Verteidigungssystem gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen zu entwickeln.
Darüber hinaus werden wir eine hochrangige Beratergruppe bilden, um praktische Schritte zu diesem Ziel
zu untersuchen, darunter die Weitergabe von Frühwarninformationen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien zur Raketenabwehr. Diese Gruppe wird darüber hinaus die
Entwicklung einer rechtlichen Grundlage der Zusammenarbeit erörtern wie etwa neue Verträge und Vereinbarungen sowie mögliche Änderungen bestehender Verträge und Vereinbarungen, die für die Verwirk*

AMERIKA DIENST 25

lichung des weltweiten Verteidigungssystems erforderlich sind. Diese Gruppe, deren Vorsitz für die
Vereinigten Staaten Dennis Ross innehat, wird zum
ersten Mal innerhalb der nächsten dreißig Tage in
Moskau zusammentreten.
Abschließend möchte ich feststellen: Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden Länder, eine
Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen
der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger Ausdruck unseres neuen Verhältnisses. Darüber hinaus
bieten sie vielversprechende Aussichten auf eine künftige
Welt, die gegen die Gefahr eines begrenzten Angriffs
mit ballistischen Raketen geschützt ist.

*

Seite 3

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
PARTNERSCHAFT UND FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen unterzeichneten Charta
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem russischen Präsidenten
Jelzin unterzeichneten Charta für amerikanisch-russische Partnerschaft und Freundschaft wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Aufbauend auf der Erklärung von Camp David vom
Februar 1992 geht die heute von Präsident Bush und
Präsident Jelzin unterzeichnete Washingtoner Charta
von dem neuen Fundament der amerikanisch-russischen Beziehungen - der Demokratie - als solider und
dauerhafter Grundlage für die amerikanisch-russische
Partnerschaft aus. Die Charta legt die neue Tagesordnung der amerikanisch-russischen Beziehungen folgendermaßen dar:
Demokratie und Partnerschaft
Die Vereinigten Staaten unterstützen uneingeschränkt
die Bemühungen der Russischen Föderation zum
Aufbau eines demokratischen Staates und einer
demokratischen Gesellschaft, die sich auf Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten, gründen.
Von gegenseitigem Vertrauen und Respekt als Grundlage ihrer Beziehungen geleitet, betrachten die Vereinigten Staaten und Rußland einander nicht als Gegner
und entwickeln Beziehungen der Partnerschaft und
Freundschaft.
Die Parteien bekräftigen ihre Achtung der Unabhängigkeit, Souveränität und bestehenden Grenzen der
KSZE-Teilnehmerstaaten, einschließlich der neuen
unabhängigen Staaten und erkennen an, daß Grenzveränderungen nur mit friedlichen und auf Übereinstimmung gegründeten Mitteln im Einklang mit den
Regeln des Völkerrechts und den Prinzipien der KSZE
vorgenommen werden können.
Internationaler Frieden und Sicherheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland bekräftigen ihre
Entschlossenheit, einen demokratischen Frieden aufzubauen, der auf den beiden gleichgewichtigen Säulen
politischer und wirtschaftlicher Freiheit basiert. Sie
AMERIKA DIENST 25

anerkennen die entscheidende Bedeutung, die dem
Erfolg der Demokratie in Rußland und den anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken für internationalen Frieden und Sicherheit zukommt.
Im Einklang mit der UN-Charta und anderen vertraglichen Verpflichtungen bestätigen die Parteien ihre
Verpflichtung, Streitfälle untereinander mit friedlichen
Mitteln beizulegen und sich der Androhung oder des
Einsatzes von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit des jeweiligen
Vertragspartners zu enthalten.
Die Parteien teilen die Vision einer euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok, die
offen für die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Gesellschaften ist. Eine prominente Rolle für
Institutionen wie NAKR, NATO und WEU gemeinsam
mit der KSZE trägt in einzigartiger Weise zur Sicherheit dieser Gemeinschaft bei.
Im Bewußtsein der Auswirkungen des Konflikts in
Jugoslawien haben die Parteien eine Reihe von Initiativen vorgeschlagen, um die europäischen Mechanismen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von
Konflikten zu stärken und eine glaubwürdige euroatlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen.
Die Vereinigten Staaten und Rußland erkennen an,
daß die Weiterverbreitung von Waffen die neue strategische Herausforderung der Welt nach dem Kalten
Krieg ist. Beide Parteien werden sich für die Stärkung
und Verbesserung der Regeln zur Nichtverbreitung
einsetzen. Die Vereinigten Staaten und Rußland
haben in einer getrennten Erklärung ihrer Entschlossenheit Ausdruck verliehen, bei der Sondierung von
Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, ein Frühwarnzentrum gegen ballistische Raketen einzurichten und
bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien

Seite 1

�zur Abwehr ballistischer Raketen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus werden sie ihre Bemühungen
beschleunigen, den START-Vertrag und den KSEVertrag umzusetzen und einen Vertrag über weitere
Reduzierungen der strategischen Rüstungen und ein
weltweites Verbot chemischer Waffen abzuschließen.
Mit dem Potential zum Aufbau einer strategischen
Partnerschaft beabsichtigen beide Seiten, die Verteidigungszusammenarbeit zwischen ihren Militärbehörden zu beschleunigen. Dazugehören: die Intensivierung der Kontakte auf allen Ebenen; der Ausbau von
Aktivitäten, mit denen Offenheit bei Doktrin und Operationsplanung gefördert wird; die Schaffung erweiterter Austausch- und Verbindungsprogramme sowie der
Austausch von Ideen zur Förderung angemessener
Beziehungen zwischen Zivilbereich und Militärs in
einer demokratischen Gesellschaft. Die Parteien werden
darüber hinaus Zusammenarbeit bei der Friedenssicherung, Terrorismusbekämpfung und Bekämpfung
des Drogenhandels anstreben.
Wirtschaftliche Freiheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland gehen davon
aus, daß für Rußland der sicherste Weg zu langfristigem Wohlstand und zur Integration in die Weltwirtschaft die Fortsetzung des gegenwärtigen Weges
marktwirtschaftlicher Reformen ist.
Die Vereinigten Staaten anerkennen den von der
russischen Regierung eingeschlagenen mutigen Reformkurs und sind entschlossen, ihre Unterstützung
der Reformen fortzusetzen.

Rußland beabsichtigt, die Privatisierung und Entflechtung von Monopolen, die Einführung struktureller und
sektoraler Reformen sowie die Schaffung von Maßnahmen zu beschleunigen, die auf die Förderung von
Wettbewerb sowie wirksamen Eigentums- und Vertragsrechten ausgerichtet sind. Besonderer Bedeutung wird der Einführung einer Landreform und Reformen im Energiesektor zukommen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, ihre Gesetze
in den Bereichen Steuern, Eigentum und Vertragsrecht sowie in den Bereichen zu verbessern, die mit
Rechten an geistigem Eigentum in Zusammenhang
stehen.
Die Parteien erkennen die entscheidende Rolle an, die
der Privatsektor spielen wird und beabsichtigen, beiderseitig vorteilhafte russisch-amerikanische Zusammenarbeit bei Handel und Investitionen zu ermutigen.
Die Parteien gedenken, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

* * * *

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AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende, am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlichte Übersicht bietet eine Zusammenfassung zu den amerikanischen Hilfsprogrammen für Rußland.

Die amerikanische Regierung hat historische Bemühungen unternommen, um die in Rußland stattfindenden demokratischen Veränderungen zu unterstützen.
Während die Verantwortung für den Erfolg des Reformprogramms letztlich nur bei der Regierung und
Bevölkerung Rußlands liegen kann, können die Vereinigten Staaten viel tun um zu helfen, und sie leisten
dies auch in der Praxis. Unsere Strategie besteht
darin, als Teil international koordinierter Bemühungen
humanitäre, technische und makroökonomische Hilfe
zu gewähren, um dem russischen Volk zu helfen,
demokratische Regierungsformen und freie Volkswirtschaften zu schaffen, die Handel und Investitionen
westlicher Partner völlig offenstehen.
Humanitäre Hilfe
Die Vereinigten Staaten lieferten in Phase I der Aktion
Hoffnung mit 24 Flügen schätzungsweise 1.200 Tonnen Nahrungsmittel und 100 Tonnen medizinischer
Versorgungsgüter nach Rußland. Im Rahmen der
gegenwärtig stattfindenden Phase II der Aktion Hoffnung werden 16.000 Tonnen überschüssiger Nahrungsmittel aus Beständen des US-Verteidigungsministeriums sowie 262 Tonnen medizinischer Hilfsgüter
in neun russische Städte geliefert.
Die Vereinigten Staaten haben im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten durch Projekt
Hoffnung - eine private Wohltätigkeitsorganisation medizinische Hilfsgüter im Gesamtwert von 12.3 Millionen Dollar geliefert.
Im Rahmen des Programms Nahrungsmittel für den
Fortschritt (Food for Progress) hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) mit fünf privaten Wohltätigkeitsorganisationen Vereinbarungen über die Lieferung landwirtschaftlicher Produkte nach Rußland im
Gesamtwert von 90 Millionen Dollar (einschließlich
Transport) abgeschlossen. Das USDA hat ein Abkommen mit der russischen Regierung abgeschlossen,

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das die zusätzliche Bereitstellung von Butter im Gesamtwert von 34 Millionen Dollar vorsieht, die auf den
russischen Märkten verkauft werden sollen. Wie mit
der russischen Regierung vereinbart, werden die Erträge aus diesen Verkäufen zur Unterstützung humanitärer Hilfe verwendet werden.
Gemeinsam mit ihren Verbündeten werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten bereit
sein, gegebenenfalls auf zusätzliche Bitten um humanitäre Hilfe in Notfällen zu reagieren.
Makroökonomische Hilfe
Die Vereinigten Staaten beteiligen sich an einem
multilateralen Finanzhilfeprogramm, um das wirtschaftliche Reformprogramm Rußlands zu unterstützen. Der
geschätzte Anteil der Vereinigten Staaten an diesem
Programm beträgt im Kalenderjahr 1992 rund 4,5
Milliarden Dollar. Dazu zählen 900 Millionen Dollar als
amerikanischer Anteil an den Bemühungen der internationalen Finanzinstitutionen (rund 20 Prozent), 1,5
Milliarden Dollar für den Währungsstabilisierungsfonds
für Rußland (einschließlich der Stabilisierungsfonds
für die anderen neuen Staaten könnten bis zu 3
Milliarden Dollar bereitgestellt werden) und etwa 2,1
Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe.
Die Aufnahme der Mehrzahl dieser Maßnahmen, einschließlich des Stabilisierungsfonds und der Finanzierung von IWF und Weltbank, hängt vom Abschluß
eines Beistandsabkommens zwischen der russischen
Regierung und dem IWF ab.
Die amerikanischen Beiträge werden sowohl durch
multilaterale Hilfsbemühungen im Rahmen der internationale Finanzinstitutionen als auch durch bilaterale
amerikanische Programme erfolgen. So hat der Präsident beim Kongreß die Bewilligung einer Erhöhung
der IWF-Quote um 12,3 Milliarden Dollar beantragt,
um die Fähigkeit des IWF zur Vergabe von Krediten zu
erweitern.
Seite 1

�Kreditbürgschaften
Das USDA hat für die ehemalige Sowjetunion 3,75
Milliarden Dollar an CCC-Kreditbürgschaften bereitgestellt, um den Ankauf von 25 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte - hauptsächlich durch Rußland - zu ermöglichen. Weitere CCC-Kreditbürgschaften für Rußland in Höhe von 600 Millionen Dollar
wurden vom Präsidenten am 1. April 1992 bekanntgegeben.
An Finanzmitteln der Export-Import-Bank (EXIM) wurden
bis heute neun Exportfinanzierungstransaktionen in
Gesamthöhe von 185 Millionen Dollar genehmigt, und
die EXIM hat eine prinzipielle Einigung über die Finanzierung amerikanischen Geräts und amerikanischer
Dienstleistungen zur Öl- und Gasförderung erzielt.
Die EXIM steht darüber hinaus zur Zeit in Verhandlungen mit der russischen Regierung über 200 Millionen
Dollar an amerikanischen Exporten in den Bereichen
Umwelt und Reaktorsicherheit. Schätzungen der EXIM
zufolge werden bis Ende des Haushaltsjahrs 1993 500
Millionen bis 1 Milliarde Dollar genehmigt werden.
Ein OP IC-Abkommen ist unterzeichnet worden, und
die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat ein russisches
Projekt im Wert von 159 Millionen Dollar über mehrere
Jahre bewilligt.
Technische Hilfe
Die Administration hat für die ehemalige Sowjetunion
620 Millionen Dollar an neu bewilligten Mitteln für
amerikanische humanitäre und technische Hilfe in den
Haushaltsjahren 1992 und 93 beantragt. Mit diesen
Mitteln soll die Verwirklichung des Freedom Support
Act unterstützt werden. In der Zwischenzeit hat die
Administration Hilfsprogramme eingeleitet und in diesem Zusammenhang 85 Millionen Dollar besonders
für diesen Zweck umdirigiert.
Die US-Regierung ist zur Ausgabe zusätzlicher 400
Millionen Dollar für Projekte bereit, die spezifisch mit
der Zerstörung von Nuklearwaffen und Bekämpfung
der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in Verbindung stehen. Ein Teil dieser Mittel wird für die Beschäftigung von Wissenschaftlern aus der ehemaligen
Sowjetunion zur Verfügung gestellt. Zu diesem Zweck
haben wir 25 Millionen Dollar für die Gründung eines
internationalen Wissenschafts- und Technologiezentrums bereitgestellt.
Wir haben Berater zur Rüstungskonversion nach Nischnij Nowgorod entsandt und werden in den kommenden Monaten Berater in andere russische Städte
schicken.
Wir haben die Arbeit mit der Internationalen FinanzCorporation aufgenommen, um Privatisierungsauktionen in drei Städten in Rußland und der Ukraine zu
*

Seite 2

veranstalten. Diese Auktionen stützen sich auf die
jüngsten erfolgreichen Auktionen in Nischnij Nowgorod und sind insbesondere dafür gedacht, in diesen
Städten kleine und mittelständische Unternehmen zu
verkaufen.
Agrarhilfe. Das USDA plant die Schaffung eines
landwirtschaftlichen Betriebs mit Modellcharakter in
der Nähe von St. Petersburg und wird Experten zur
Einrichtung privater Großmärkte für Nahrungsmittel in
Moskau bereitstellen. Das Amt für Internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID) plant die Entsendung von Experten für das Problem nach der Ernte erfolgter Verluste und Futterlagerung. Die Mehrzahl der 1.500 bis 1.800 amerikanischen Freiwilligen des Programms "von Landwirt zu
Landwirt" wird in Rußland arbeiten.
Ferner wurden folgende Programme in die Wege
geleitet: Die Special American Business Initiative
(SABIT) wird für russische Wissenschaftler und Manager Ausbildungspraktika veranstalten (bis jetzt wurden
13 augebildet); das International Executive Service
Corps wird Berater für den Privatsektor bereitstellen;
100 Freiwillige des Peace Corps werden für die Entsendung im Oktober ausgebildet; ein Wohnungsbauberater befindet sich vor Ort in Moskau; ein amerikanisch-russisches Partnerschaftsprogramm für Gesundheitsfürsorge bei Kindern wurde im Mai begonnen; ein
Energienutzungsteam wird in diesem Herbst in Moskau Geräte zur Energieeinsparung installieren.
Hilfe bei der Herstellung von Arzneimitteln wird durch
Waren, Geräte und kurzfristige technische Hilfe zur
Verfügung gestellt, um raschen Ersatz für Betriebe zu
schaffen, die Impfstoffe gegen Masern, Kinderlähmung und Diphtherie produzieren. Damit wird die
Herstellung von zweien dieser Impfstoffe wieder auf
bis zu 100 Prozent des bisherigen Produktionsniveaus
für den Inlandsverbrauch in Rußland angehoben.
Reaktorsicherheit. Bei der Lissaboner Koordinierungskonferenz haben die Vereinigten Staaten ihre Absicht
bekundet, 25 Millionen Dollar zur Unterstützung der
Reaktorsicherheit in der ehemaligen Sowjetunion
bereitzustellen. Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung der Betriebssicherheit von Kernkraftwerken
sowjetischer Bauart. Die Betonung liegt auf verbesserten Sicherheitsverfahren, angemessenen Modernisierungsmaßnahmen und Ausbildung der Betreiber
durch die Gründung von regionalen Ausbildungszentren in Rußland und der Ukraine.
Zu weiteren technischen Hilfsprogrammen für die
Planung zählen: Sicherheit von Kohlebergwerken,
Rechtsstaatlichkeit, Ausbildung in Öffentlichkeitsarbeit, demokratische Initiativen, Rechtsberater und
Förderung von Investitionen.

*

AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanisch-russischen Vereinbarung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem sowjetischen Präsidenten Boris Jelzin erzielten Übereinkunft über weitere drastische Verringerungen der strategischen Offensivwaffen wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
und der Präsident der Russischen Föderation haben
sich auf weitere erhebliche Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen verständigt. Insbesondere
haben beide Seiten einen umgehend abzuschließenden Vertrag vereinbart, der die folgenden Regelungen
enthält:
Innerhalb des Zeitraums von sieben Jahren nach
Inkrafttreten des START-Vertrags werden sie ihre
strategischen Streitkräfte bis auf folgende Höchststärken reduzieren:

alle ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen beseitigen;
die SLBM-Gefechtsköpfe auf 1.700 bis 1.750
(im Ermessen des jeweiligen Landes) verringern;
Für die Zählung der obengenannten Gesamtzahlen
gilt:
Die Zahl der Gefechtsköpfe, die bei schweren
Bombern mit nuklearem Auftrag angerechnet
wird, entspricht der Zahl der Kernwaffen, die sie
an Bord mitführen können.

Eine Gesamtzahl von Gefechtsköpfen zwischen
3.800 und 4.250 (von jedem Land unabhängig
festzulegen) oder weniger, je nach Ermessen
des jeweiligen Landes.
1.200 Gefechtsköpfe auf ballistischen Interkontinentalraketen (ICBMs), die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet sind.
650 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs.
2.160 Gefechtsköpfe auf U-Bootgestützten
ballistischen Raketen (SLBMs).
Bis zum Jahr 2003 (oder bis zum Ende des Jahres
2000, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung
der Zerstörung oder Beseitigung strategischer Offensivwaffen in Rußland beitragen können) werden sie:
die Gesamtzahl auf maximal 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfe (von jedem Land unabhängig
festzulegen) für jede Seite oder - im Ermessen
des jeweiligen Landes - weniger reduzieren;

Den vereinbarten Verfahren zufolge maximal
100 schwere Bomber, die nie für das Mitführen
weitreichender luftgestützter Marschflugkörper
(ALCMs) ausgerüstet waren und für konventionelle Aufträge umgerüstet werden.
Die Parteien beabsichtigen, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

* * * * *

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�USA-RUSSLAND
24.JunM992

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung zur Konversion der
Rüstungsindustrie wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation erkennen an, daß die Konversion der
Rüstungsindustrie eine der wichtigsten Herausforderungen nach dem Kalten Krieg und unabdingbar für
den Aufbau eines demokratischen Friedens ist. Beide
Parteien sind sich der Schwierigkeiten bewußt, die den
Bemühungen zur Konversion der Rüstungsindustrie
innewohnen. Die Parteien wissen jedoch ebenso um
die Tatsache, daß die erfolgreiche Konversion von
Ressourcen, die nicht länger für die Verteidigung benötigt
werden, langfristig im wirtschaftlichen und nationalen
Sicherheitsinteresse ihrer Völker liegt. Deshalb erklären die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation ihre Absicht, der Zusammenarbeit bei der Förderung der Rüstungskonversion Vorrang einzuräumen.
In Anerkennung der wichtigen Rolle des Privatsektors
und der praktischen Beteiligung von Unternehmern bei
der komplexen Aufgabe der Rüstungskonversion richten die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation einen Amerikanisch-Russischen
Ausschuß zur Konversion der Rüstungsindustrie ein,
der die Konversion durch die Erweiterung von Handel
und Investitionen erleichtern soll. Der zwischenstaatliche Ausschuß wird im Rahmen des AmerikanischRussischen Ausschusses zur Wirtschaftlichen Entwicklung gegründet und darauf ausgerichtet sein, den
Austausch von Informationen und die Förderung von
Handel und Investitionen zu erleichtern, auch durch
die Entwicklung von Kontakten zwischen interessierten Gruppen, die Erweiterung des Informationsaustausches über Unternehmen, die sich in der Konversion befinden und die Verbesserung der Bedingungen
für wirtschaftliche Aktivitäten in beiden Ländern durch
die Identifizierung und Beseitigung von Hindernissen
für erweiterten Handel und Investitionen. Der Ausschußwird die Regierungen beider Länder in regelmäßigen Abständen von den Ergebnissen seiner Aktivitäten unterrichten, damit diese rechtzeitige und effektive
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Maßnahmen ergreifen können, um Hemmnisse für die
bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Konversion
zu beseitigen.
Mit dem Ziel der Förderung erfolgreicher Zusammenarbeit bei der Konversion beabsichtigt jede der Parteien, in naher Zukunft eine Reihe praktischer Schritte zu
unternehmen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, auf ihrem
Staatsgebiet ein günstiges politisches, wirtschaftliches, juristisches und genehmigungsrechtliches Klima
für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen zu schaffen, einschlie ßlich der Einführung erforderlicher makroökonomischer Reformen, um die
Konvertierbarkeit des Rubels herzustellen, Bestrebungen für ergänzende mikroökonomische Reformen
zur Unterstützung von Privatisierung und Entflechtung
industrieller Monopole, Verabschiedung von Gesetzen, mit denen Vertrags- und Eigentumsrechte garantiert werden sowie der Veröffentlichung international üblicher Normen für grundlegende geschäftliche
und finanzielle Informationen über Unternehmen, die
sich in der Konversion befinden.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, das Engagement amerikanischer Unternehmen in kommerziell
lebensfähigen Konversionsprojekten, darunter Joint
Ventures, in Rußland zu erleichtern - durch die langfristige Abordnung von Beratern bei der Rüstungskonversion, die als Katalysatoren für das Engagement
amerikanischer Unternehmen dienen und den ortsansässigen politischen Entscheidungsträgern und Unternehmensleitern ihr Fachwissen zur Verfügung stellen
sollen, durch die Gründung von Unternehmenszentren
in Rußland, die in Rußland tätigen amerikanischen
Firmen Übersetzungs-, Aus- und Fortbildungseinrichtungen bieten, durch die Schaffung eines wirtschaftlichen Informationsdienstes ("BISNIS") in Washington,
um Unternehmen in Rußland mit potentiellen InvestoSeite 1

�ren in den Vereinigten Staaten zusammenzubringen
sowie durch die Einbeziehung des Handels- und Entwicklungsprogramms, der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank, die Anreize für
amerikanische Privatinvestitionen in kommerziell lebensfähigen Projekten zur Konversion der Rüstungsindustrie bereitstellen sollen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation unterstützen das Unternehmensforum für Exportkontrollen des COCOM als Mittel, um
die Wunden des Kalten Krieges zu heilen und die
Konversion voranzutreiben, indem Hilfe beim Abbau
von Schranken für den Handel mit Spitzentechnologie
sowie bei der Einführung von dem COCOM vergleichbaren Exportkontrollregimen in Rußland und den anderen
neuen unabhängigen Staaten gewährt wird und Verfahren eingeführt werden, die den zivilen Endverbrauch sicherheitsempfindlicher Waren undTechnologien in Angelegenheiten gemeinsamer Besorgnis si-

cherstellen. Beide Parteien stimmen darin überein,
daß dieser Prozeß auf der beiderseitigen Entschlossenheit beruht, die international gültigen Normen für
Exportkontrollen im Bereich der Nichtverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und damit in Zusammenhang stehender Technologien, Raketen und Raketentechnologie, von destabilisierenden konventionellen
Rüstungen und mehrfach nutzbaren Gütern und Technologien streng einzuhalten.
Die Parteien ermutigen nachdrücklich den Ausbau
bilateraler militärischer Kontakte und der Arbeit des
Nordatlantischen Kooperationsrats bei der Behandlung des gesamten Spektrums militärischer Themen,
die entscheidend mit dem Erfolg der Konversion verknüpft sind, darunter die zivile Kontrolle des Militärs in
einer Demokratie, Verteidigungsplanung, Haushaltsund Beschaffungswesen in einer Marktwirtschaft,
Schließung und Umwandlung von Stützpunkten sowie
Demobilisierung, Umschulung und soziale Sicherung.

* * * * *

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�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

RUSSISCH-AMERIKANISCHES WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu dem russisch-amerikanischen Abkommen über die
Zerstörung und Sicherung von Waffen und die Verhinderung von deren Weiterverbreitung wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Das heute von Präsident Bush und Präsident Jelzin
unterzeichnete Abkommen liefert einen rechtlichen
Rahmen für die Bereitstellung von bis zu 400 Millionen
Dollar aus Haushaltsmitteln des US-Verteidigungsministeriums. Das Abkommen bildet das grundlegende
Instrument für die Bereitstellung der Nunn-Lugar-Hilfe
an Rußland für den Transport, die Sicherung und
Zerstörung nuklearer, chemischer und anderer Waffen der ehemaligen Sowjetunion. Das Abkommen
sieht vor, daß das Verteidigungsministerium das ausführende Organ für die Vereinigten Staaten sein wird.
Das Abkommen gestattet den Parteien, Durchführungsvereinbarungen zur Erlangung dieser Ziele abzuschließen. Die ersten dieser Durchführungsvereinbarungen wurden ebenfalls während des Besuches
von Präsident Jelzin unterzeichnet. Sie umfassen:
Splitterschutzdecken. Die Vereinigten Staaten werden umgehend 200 Sätze von Spezialnylondecken
sowie innerhalb des nächsten Jahres weitere 250
Sätze von in den Vereinigten Staaten hergestellten
Kevlar-Decken nach Rußland liefern. Die Decken
dienen dem Schutz russischer Kernwaffenbehälter.
Notfallausrüstung. Die Vereinigten Staaten werden
mit Beginn des Haushaltsjahrs 1993 1.000 Stück
Spezialkleidung sowie Ausrüstungsgegenstände für
Unglücksfälle liefern, um Rußlands Fähigkeit zu verbessern, auf Unglücksfälle mit Kernwaffen zu reagieren.

Behälter für spaltbares Material. Die Vereinigten Staaten
werden bis Dezember 1995 10.000 Behälter für spaltbares Material herstellen. Diese Behälter werden
eingesetzt, um spaltbares Material aus demontierten
russischen Kernwaffen zu lagern und transportieren.
Chemische Waffen. Die Vereinigten Staaten werden
Finanzhilfe zur detallierten Planung und Mittelverwaltung bereitstellen und Rußland dabei helfen, geeignete Unterstützung von amerikanischen Firmen zu erhalten, um die Maßnahmen zum Abbau der C-Waffen zu
beschleunigen.
Die andauernden Gespräche über sonstige Bereiche
könnten zu zusätzlichen Durchführungsvereinbarungen führen. Dazu zählen:
Sichere Lagerung von kerntechnischen Materialien
und Komponenten von demontierten Kernwaffen.
Sicherheitstechnische Verbesserungen für russische
Eisenbahnwaggons zum Transport von Kernwaffen.
Optionen für die endgültige Beseitigung spaltbaren
Materials von demontierten atomaren Gefechtsköpfen
Rußlands.
Bereitstellung amerikanischer Hilfe für die Einrichtung
eines Systems zur Kontrolle und zum Nachweis über
den Verbleib spaltbaren Materials.

* * * * *

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Seite 1

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
24. Juni 1992

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson
Der Autor des nachstehenden Artikels, der zum ersten Mal als zweiteilige Serie im Wall Street Journal erschien,
ist Professor für Management bei der University of California in Los Angeles. Der Nachdruck ist mit folgendem
Zusatz gestattet: Nachdruck mit Erlaubnis von Wall Street Journal, Copyright 1992 Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle
Rechte vorbehalten.)
I. Reduzierung der von Schwarzen begangenen
Verbrechen

erwarteten, ist bemerkenswert, daß diese Erwartungen heute unsere Äußerungen und sogar unser Handeln bestimmen.

Bisweilen trägt das Verständnis von Ursachen nicht
zur Findung von Lösungen bei. Zweifellos hat die Wut
von Schwarzen über weißen Rassismus viele Schwarze auf die Straßen von Los Angeles getrieben, nachdem vier Polizeibeamte von der Anklage der Mi ßhandlung Rodney Kings freigesprochen worden waren.
Aus dieser Tatsache zieht manch einer den Schluß,
wenn wir das Polizeiwesen verbessern, den Zorn
abbauen und weitere Krawalle verhindern wollen, müßten
wir dem Rassismus ein Ende bereiten. Diese Schlußfolgerung mag zwar nicht gänzlich falsch sein, aber sie
ist irreführend und, schlimmer noch, sinnlos.

Aber wenn rassistisches Denken abgenommen hat,
warum sind dann die Beziehungen zwischen den Rassen
so schlecht? Warum sind die Wohnviertel von Los
Angeles wie in vielen anderen Städten heute noch
deutlicher nach Rassen getrennt als im Jahr 1965?
Warum behandeln so viele Weiße, die man nicht
Rassisten in des Wortes eigentlicher Bedeutung nennen kann, so häufig Schwarze mit Argwohn oder
reagieren auf ihre Vorschläge mit Mißachtung oder
Unbehagen?

Als im Jahr 1965 Unruhen in Watts (einem von Schwarzen bewohnten Stadtviertel von Los Angeles, Anm. d.
Red.) ausbrachen, war der Rassismus in jeder Hinsicht wesentlich stärker ausgeprägt als heute. Damals
kannten die meisten Weißen keine Schwarzen und
redeten unabhängig von der persönlichen Bekanntschaft über sie häufig in herabsetzenden Klischees.
Es war nahezu unvorstellbar, daß Weiße schwarze
Kandidaten wählen könnten oder eine Arbeitsstelle in
Betrieben annehmen würden, die zahlreiche Schwarze beschäftigten. Schwarze, die den Mut hatten, in
weiße Stadtviertel zu ziehen, stießen häufig auf organisierten Widerstand. Rassisch begründete Zwischenfälle bestanden nahezu ausschließlich in Angriffen von
Weißen auf Schwarze.
Mehr Kontakt
Heute gibt es weit mehr Kontakt zwischen den Rassen.
Alle Meinungsumfragen haben einen starken Rückgang rassistischer Einstellungen bei den Weißen aufgezeigt. Obwohl von manchen der Einwand erhoben
wird, diese Meinungsumfragen belegten lediglich das,
was andere nach Meinung der Befragten von ihnen

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Furcht. Weiße fürchten sich vor jungen schwarzen
Männern (und vor jungen hispanischen Männern). Es
ist nicht Rassismus, der Weiße davon abhält, schwarze Stadtviertel zu entdecken, sondern Furcht. Es ist
nicht Rassismus, der Weiße in Unruhe versetzt, wenn
Schwarze in ihr Wohnviertel ziehen, sondern Furcht.
Es ist nicht Rassismus, der weiße Eltern dazu veranlaßt, ihre Kinder von Schulen mit schwarzen Schülern
abzumelden, sondern Furcht. Furcht vor Verbrechen,
vor Drogen, vor Banden, vor Gewalt.
Diese Furcht beschränkt sich nicht auf Weiße; viele
schwarze Frauen fürchten sich ebenfalls vor schwarzen Männern, und ihre Furcht wiegt doppelt so schwer,
weil sie praktisch keinen Ausweg haben und weniger
Grund zu der Annahme, daß die Polizei ihnen helfen
wird, als weiße Frauen.
Angst existierte auch im Jahr 1965, aber diese war
eher fiktiv als real. Die schwarze Verbrechensquote
lag nur bei etwa einem Drittel der heutigen, Banden
waren mit Luftpistolen und nicht mit Maschinenpistolen bewaffnet, Heroin (ein Sedativum) anstatt Crack
(ein Aufputschmittel) war die bevorzugte Droge, und
die Gesellschaft war beim Einsatz staatlicher Macht

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�gegen innenpolitische Bedrohungen mit wesentlich
weniger legalen oder politischen Zwängen konfrontiert.

schwängern, Kinder sich selbst überlassen, Banden
beitreten, mit Drogen handeln und unschuldige Menschen erschießen.

Was die vier Polizeibeamten bei der Festnahme Rodney Kings taten, war meines Erachtens falsch. Sie
sollten bestraft werden. Tatsächlich wurden sie bereits bestraft. Der Polizeianwärter wurde entlassen,
und die drei erfahrenen Beamten wurden bis zum
Ausgang des Verfahrens beim Board of Rights unter
Aussetzung der Bezüge vom Dienst suspendiert. Ob
das, was sie taten, über jeden begründeten Zweifel
hinaus illegal war, ist unklar. Die rassistische Bigotterie jedoch, die heute gegen die Geschworenen von
Ventura County von Leuten gerichtet wird, die nicht
selbst an dem Prozeß teilnahmen oder die Verhandlungsprotokolle gelesen haben, ist erschreckend. Sind
diese Leute, die ein unpopuläres Urteil erklären, indem
sie auf die Rassenzugehörigkeit der Geschworenen
verweisen, bereit, dieselbe Erklärung zu geben, wenn
schwarze Geschworene entscheiden, einen schwarzen Angeklagten freizusprechen oder einen Weißen
zu verurteilen?

Wir können natürlich versuchen, mehr desselben zu
leisten - mehr Head Start, mehr Job Corps. Das ist
wahrscheinlich wünschenswert. Wir können dieser
Mischung einen eher an den jeweiligen Bewohnern
orientierten Polizeistil hinzufügen. Dies geschieht jetzt
in Los Angeles und wird unter dem neuen Polizeichef
fortgesetzt werden. Wir können Möglichkeiten entwickeln, um Arbeitslosen Arbeitsplätze zu verschaffen
und diese Menschen für bestehende Arbeitsplätze
umzuschulen, aber die einzige neue Idee, um dies zu
erreichen - Gewerbezonen -, ist bestenfalls mit Fragezeichen versehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß
in South Central Los Angeles viele neue Fabriken
eröffnet werden, wenn deren Besitzer Steuervorteile
erhalten. Die Besitzer werden daran denken, was den
koreanischen Ladenbesitzem zugefügt wurde, die ohne
Steuervorteile Geschäfte in schwarzen Wohnvierteln
eröffneten: Sie wurden mit Bomben beworfen, ihre
Läden in Brand gesetzt und geplündert.

Mit der Behauptung, daß die Spannungen zwischen
der Polizei und den Bürgern vielfach - wenn auch nicht
gänzlich - auf Furcht zurückzuführen sind, sollen die
Polizeibeamten nicht entschuldigt werden. Ich bin seit
den frühen sechziger Jahren häufig in Streifenwagen
der Polizei mitgefahren. Der durchschnittliche Polizist
in den Großstädten hat heute wesentlich weniger
Vorurteile als vor dreißig Jahren, aber er (und sie) hat
mehr Angst. Wenn die Polizisten einen jungen schwarzen Mann anhalten, erwarten sie Widerstand anstatt
Kooperation. Wenn sie eine Sozialwohnungssiedlung
betreten, erwarten sie Spott, nicht Dank. Wenn sie auf
eine Bande treffen, erwarten sie einen Kugelhagel
anstatt lediglich mürrischer Beschwerden.

Wir können verbilligte Verkehrsmittel zur Verfügung
stellen, damit Schwarze zu Arbeitsstätten gelangen
können, aber ich bezweifle, daß Verkehrsmittel das
Hauptproblem sind. Jeden Tag warten Tausende von
hispanischen Arbeitern an Straßenecken, die 20 Meilen oder mehr von ihrem Wohnort entfertn sind, in der
Hoffnung, daß sie als Tagelöhner von Unternehmern
und Hausbesitzern angeworben werden. Viele werden eingestellt. Sie alle gelangen mit dem Bus zu
diesen Straßenecken, an denen jedoch keine schwarzen Männer anzutreffen sind.

Furcht kann ein Verhalten hervorbringen, das sich
nicht von Rassismus unterscheiden läßt. Furcht kann,
wie Rassismus, einen Polizisten dazu veranlassen,
einen Verdächtigen einzuschüchtern oder übermäßige Gewalt anzuwenden, um ihn zu bändigen. Furcht
schafft Spannungen, die dazu führen, daß Wrtze gemacht
werden, die mit denen von Rassisten identisch sind.
Als Reaktion auf die Ängste von anderen ist es wahrscheinlicher, daß Polizisten schwarze Männer anhalten und verhören werden als weiße Männer. Statistisch gesehen sind erstere weit verdächtiger als die
letzteren mit dem Ergebnis, daß unschuldige Schwarze eher angehalten werden als unschuldige Weiße.
Furcht wird durch Unwissen am Leben erhalten. Wir
wissen nicht, wie Verbrechen und Gewalt reduziert
oder die Banden aufgelöst werden können. Die Great
Society hat einige gute Dinge hervorgebracht: Head
Start, das Job Corps, verschiedene Bürgerrechtsgesetze. Aber sie hat nichts zur Verbrechensbekämpfung unternommen, und insbesondere nichts zum
raubtierhaften Verhalten junger Männer, die Frauen

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Der Abbau von Armut, die Beendigung des Rassismus, Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung
des Schulwesens sind alles gute Vorhaben, ob sie
Verbrechen oder Krawalle nun verhindern oder nicht.
Aber das Problem unserer Großstädte geht weit tiefer.
Es gibt eine Unterschicht, und obwohl zu ihr Angehörige verschiedenen Rassen gehören und sie lediglich
einen Bruchteil der schwarzen Gemeinde ausmacht,
wird sie für ein Phänomen der Schwarzen gehalten.
Solange schwarze Männer sechs- bis achtmal so viele
Gewaltverbrechen begehen wie Weiße, wird dieser
Eindruck bestehen bleiben. Und solange diese Haltung anhält, wird die Furcht unsere Ängste verstärken
und unser Gemeinwesen untergraben.
Mit zunehmendem Wissen über die Ereignisse in Los
Angeles wird immer klarer, daß vieles von dem, was
dort geschah, nicht mit Protesten und alles mit Gier,
Orgien und alten offenen Rechnungen zu tun hatte.
Von den 5.438 Personen, die zwischen Mitternacht
des 30. April und dem Morgen des 4. Mai 1992
festgenommen wurden, waren 568 Weiße, von denen
kaum angenommen werden kann, daß sie soziale
Rebellen waren, die gegen Ungerechtigkeit protestierten. Die hispanischen Festgenommenen übertrafen

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�die schwarzen im Verhältnis von 2.764 zu 2.022. Die
Unruhen wurden durch Wut ausgelöst, aber nachdem
die Mechanismen sozialer Kontrolle einmal übermächtig geworden waren, gewann Habgier die Oberhand.
Und betrachten wir einmal, wer festgenommen wurde.
Keine Minderheit in Kalifornien wurde jemals schlechter behandelt als die Amerikaner japanischer Abstammung. Sie wurden von Geschworenengremien ausgeschlossen, durften nicht wählen, wurden im Jahr 1942
aus ihren Wohnungen abgeholt und viele Jahre lang in
Lagern in der Wüste interniert. Sie waren Ziele unverhüllten und eindeutigen Rassismus. Von den 5.438
Festgenommenen war keiner japanischer Abstammung. Einer war chinesischer, drei waren philippinischer Herkunft.
Verbrechensquote der Schwarzen muß gesenkt
werden
Der beste Weg zum Abbau echten oder eingebildeten
Rassismus ist die Reduzierung der schwarzen Verbrechensquote auf das Niveau der weißen, das weiß Gott
hoch genug ist. (Ich nehme an, niemand wird als
Alternative die Anhebung der weißen Verbrechensquote auf das Niveau der schwarzen befürworten.)
Dies zu tun, wird wesentlich grundlegendere und
umfassendere Veränderungen im Leben schwarzer
Kinder von ihrer Geburt an bis zum Alter von acht bis
zehn Jahren erfordern als alles, was wir zur Zeit in
Erwägung ziehen. Wir haben noch nicht begonnen,
ernsthaft darüber nachzudenken und werden dies
vielleicht niemals tun. Diejenigen, die am meisten
darüber nachdenken müssen, sind die anständigen
schwarzen Bürger, die akzeptieren und im Idealfall
entwickeln und umsetzen müssen, was immer getan
wird.
II. Wie wir in den Innenstädten bessere Werte
vermitteln können
Die Probleme unserer Innenstädte sind zweifach gelagert. Der erste Problembereich betrifft den Mangel an
Arbeitsplätzen, zu geringe Kapitalbildung, schlecht
verwaltete Sozialwohnungsprojekte, ein perverses
Sozialhilfeprogramm und den überlasteten Justizapparat. Dies sind greifbare Probleme, die behandelt
werden können, indem Veränderungen bei den für
Bürger und Behörden verfügbaren Anreizen und
Ressourcen vorgenommen werden. Die öffentliche
Debatte konzentriert sich darauf, wie dies kostengünstig zu leisten ist.
Der zweite Problembereich betrifft Rassismus, Furcht,
Verzweiflung, Widerstand, schlechte Arbeitsmoral,
unzureichende berufliche Fähigkeiten und eine Präferenz für den Anschluß an räuberische Banden gegenüber der Annahme schlechtbezahlter Arbeitsplätze.
Dies sind nicht greifbare Probleme - Probleme, die mit
"Werten" verbunden sind -, die sich mit Geld allein nur
schwer bewältigen lassen, weil durch sie Weiße eher
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von Investitionen oder einer Erweiterung von Chancen
abgeschreckt werden und Schwarze sich weniger
veranlaßt sehen, Chancen zu nutzen.
Wenn sich die staatliche Politik nur den greifbaren
Problemen widmet, werden wir von den Ergebnissen
enttäuscht sein. Viele Menschen wissen dies, und
deshalb, so bin ich überzeugt, haben so wenige gefordert, man solle auf die Krawalle mit einem "Marshallplan für die Städte" reagieren. Die Analogie ist zutreffend: Der Ansatz des Marshallplans funktionierte gut,
als er Völkern mit einer unternehmerischen Vorgeschichte angeboten wurde, deren Volkswirtschaften
von einem Krieg zerstört worden waren. Er funktionierte nicht so gut, als er Völkern angeboten wurde, die
keine Geschichte des Unternehmertums aufwiesen
und in nicht entwickelten Ländern lebten.
Es ist zwingend erforderlich, daß unsere Maßnahmen
sowohl die materiellen als auch die kulturellen Probleme unserer Innenstädte behandeln. Damit diese
Maßnahmen funktionieren, müssen drei Kriterien erfüllt werden: Sie müssen im Frühstadium der Entwicklung von Jugendlichen beginnen (in dem Charakter
und Erwartungen geformt werden), sich auf junge
Männer konzentrieren (sie sind die Quelle von Angst,
die Täter bei Verbrechen, die Väter unehelicher Kinder
und die Mitglieder der Banden) und Anreiz und Strafe
miteinander verbinden (viele legale Chancen werden
nicht genutzt werden, wenn ungesetzliche Alternativen attraktiver erscheinen).
Nachfolgend einige mögliche Strategien:
Schulen:
Die Auswirkungen von Head Start sind häufig nicht von
Dauer. Das liegt daran, daß kein einzelnes befristetes
Programm einen jungen Menschen vor den Belastungen eines Schlüsselkindes feien kann, das alleingelassen wird und sich mit abwesenden Eltern, von Verbrechen heimgesuchten Straßen, räuberischen Banden
und zynischen Gleichaltrigen auseinandersetzen muß.
Head Start sollte den Anfang eines umfassenderen
Programms bilden, das den Bedürftigsten eine Alternative zum nichtexistenten Familienleben bietet.
Ein Weg, um dies zu verwirklichen, wäre die Vergabe
von Gutscheinen an die Mütter von Kindern in Risikogruppen, mit denen sie ihre Kinder in Internaten einschreiben können. Gut situierte Eltern schicken ihre
Kinder bereits in Internate, aber nur wenige dieser
jungen Menschen werden im allgemeinen so stark von
dem stabilen, strukturierten und anregenden Umfeld
eines gut geführten Internats profitieren wie Kinder aus
Familien ohne Status, mit geringem Bildungsgrad und
zurückgebliebener moralischer Entwicklung.
Berufliche Bildung:
Zahlreiche Mitglieder der Unterschicht müssen nicht
nur technische, sondern auch menschliche Fähigkei-

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�ten erwerben. Jedoch wird das Engagement, das eine
notwendige Vorbedingung für den Erwerb solcher
Fähigkeiten ist, nur schwer aufzubringen sein, wenn
jemand in einem desorganisierten, drogenverseuchten Wohnviertel und von Freunden umgeben lebt, von
denen er als jemand verhöhnt wird, der sich an die
Autoritäten verkauft oder seine Kumpels verraten hat.
Meines Wissens das einzige umfassende Vollzeitprogramm, das charakterliche Bildung, Entwicklung von
Fähigkeiten, Arbeitserfahrung und Gruppenzusammenhalt miteinander verbunden hat, war das Civilian
Conservation Corps (ein Arbeitsbeschaffungsprogramm
der New-Deal-Ära unter Roosevelt, Anm. d. Red.).
Dieses Modell, das teilweise vom Job Corps nachgeahmt wird, kombinierte die Unterbringung in Wohnheimen, berufliche Bildung, echte Arbeit und verdientes
Einkommen.
Heute gibt es militärische Stützpunkte, die neue
Bewohnersuchen, ein Verteidigungsministerium, das
neue Aufgaben sucht, eine erneuerungsbedürftige
Infrastruktur und eine Umwelt, die der Sanierung bedarf.
Sicherlich gibt es Wege, um aus diesen gleichzeitig
auftretenden Möglichkeiten ein Programm zu entwikkeln, das sich die Fähigkeiten des Militärs bei der
Ausbildung von Männern, dem Aufbau von Moral und
der charakterlichen Festigung zunutze machen kann.
Banden:
Banden entstehen aus vielen Gründen - Stolz, Territorium, Sicherheit, Kriminalität - und nicht alle Banden
sind schlecht. Aber viele Banden sind kriminelle
Vereinigungen, die ganze Stadtviertel terrorisieren,
korrumpieren und verarmen lassen. Die Justizbehörden auf Bundes, Staats- und Gemeindeebene sollten
Kommissionen gründen, die die gesetzlichen Bestimmungen über Verschwörung zur Verfolgung von Straßenbanden ebenso anwenden wie bei der Verfolgung
der Mafia. Programme zum wirtschaftlichen Wiederaufbau werden nicht funktionieren, solange diese Banden
die Straßen kontrollieren, und wirtschaftlicher Wiederaufbau allein wird, selbst wenn er Erfolg hat, nicht
ausreichen, um die Banden zu vertreiben.
*

Seite 4

Drogen:
Drogenhandel existiert, weil eine Nachfrage nach Drogen
besteht. Die Behandlung Drogenabhängiger kann
funktionieren, aber ihr Wirkungsbereich ist begrenzt,
weil es einerseits zu wenig Behandlungsplätze gibt
(eine Tatsache, über die allgemein diskutiert wird) und
weil andererseits zu wenig Menschen der Meinung
sind, Behandlung sei der Duldung des Drogenkonsums vorzuziehen (eine Tatsache, über die fast niemand diskutiert). Es gibt einen Weg, um die Nachfrage
zu reduzieren und die Beteiligung an Behandlungsprogrammen zu fördern ohne Grundfreiheiten anzutasten, und dabei handelt es sich um obligatorische
stichprobenartige Tests von auf Bewährung Verurteilten und vorzeitig aus der Haft Entlassenen.
Die Mehrzahl der Festgenommenen in den meisten
Großstädten haben in den letzten Tagen vor ihrer
Festnahme Drogen zu sich genommen. Einige Bundesstaaten verlangen einen Test als Vorbedingung für
Abweichungen vom System oder Entlassung auf
Bewährung. Aber in kaum einer Stadt werden diese
Testbedingungen rigoros durchgesetzt oder wird das
Nichtbestehen eines Tests mit unverzüglichen Sanktionen bestraft. Einer der Gründe, aus denen die
Menschen über die Alternativen zur Inhaftierung erbost sind, besteht darin, daß diese Alternativen häufig
keine Sanktionen enthalten. Der beste Weg, sie zu
verschärfen, wäre die Erzwingung stichprobenartiger
Tests bei Personen, die bereits der Strafjustiz unterstehen. Dies wird zusätzliche Einrichtungen zur Behandlung Drogenabhängiger erfordern.
Zweifellos ist jeder dieser Vorschläge mit Schwierigkeiten behaftet. Alle kosten Geld. Keiner kann den
Erfolg garantieren. Aber wenn die nationale Debatte
nicht auf die Probleme verlagert wird, auf die diese
Vorschläge eingehen, werden wir wahrscheinlich Geld
und Mühen in der fälschlichen Annahme verschwenden, daß Chancen alles sind, was erforderlich ist.

*

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