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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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17. Juni 1992

24

ERDGIPFEL

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG DER
KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel

USA-EUROPA

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung

NATO

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz

ATOMTESTS

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums

KONGRESS

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM
KONGRESS BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine
Wahl kompliziert gestalten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�ERDGIPFEL
17. Juni 1992

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG
DER KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
RIO DE JANEIRO - (AD) - Präsident Bush hat die anderen Industriestaaten dazu eingeladen, gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten unverzüglich an die Arbeit zu gehen, um die von ihm und anderen Staats- und
Regierungschefs bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung unterzeichnete
Konvention zum Schutz des Erdklimas umzusetzen.
"Ich schlage vor, daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur
Erfüllung der speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention vorzulegen", erklärte Bush in seiner Ansprache
bei der Konferenz am 12. Juni 1992. "Lassen Sie uns gemeinsam die hier gesprochenen Worte in konkrete
Maßnahmen zum Schutz des Planeten umsetzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache in Rio im Wortlaut.

Präsident Collor, Herr Generalsekretär, verehrte Delegationsleiter. Zunächst möchte ich Generalsekretär
Boutros-Ghali meine Bewunderung aussprechen und
mich bei Generalsekretär Maurice Strong für seine
unermüdliche Arbeit bedanken, um diesen "Erdgipfel"
zustande zu bringen. Dies ist wahrhaft eine historische
Versammlung.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Wenn ein Mensch
die Erde betrügt, wird die Erde den Menschen betrügen. Der Gedanke, den Planeten zu erhalten, damit er
uns erhalten kann, ist so alt wie das Leben selbst. Wir
müssen diese Erde in besserem Zustand hinterlassen
als wir sie vorfanden.
Heute muß diese Binsenweisheit auf neue Bedrohungen angewendet werden, von denen die uns alle am
Leben erhaltenden Ressourcen betroffen sind - die
Atomsphäre und die Ozeane, die Stratosphäre und die
Biosphäre. Wir leben wahrhaft in einem globalen Dorf.
Einige betrachten die vor uns liegenden Herausforderungen als überwältigend. Ich bin der Meinung, daß ihr
Pessimismus unbegründet ist.
Bei der Stockholmer Konferenz vor zwanzig Jahren
war ein Hauptanliegen unserer Vorgänger die schreckliche Drohung eines Atomkrieges - des finalen Umweltverschmutzers. Dies gilt nicht mehr. Nach meiner
Rückkehr aus Rio werde ich in Washington mit dem
russischen Präsidenten Jelzin zusammentreffen, und
das Thema, über das wir sprechen werden, lautet
Kooperation - nicht Konfrontation.
AMERIKA DIENST 24

Vor zwanzig Jahren sprachen einige von den Grenzen
des Wachstums. Heute erkennen wir, daß Wachstum
die Lokomotive des Wandels und der Freund der
Umwelt ist.
Heute ermöglicht ein beispielloses Zeitalter des Friedens, der Freiheit und Stabilität konzertiertes Handeln
für die Umwelt wie niemals zuvor. Dieser Gipfel ist
lediglich ein wichtiger Schritt in dem Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei Umwelt und Entwicklung. Die Vereinigten Staaten werden sich bemühen,
das Versprechen von Rio einzulösen. Denn so wichtig
der Weg nach Rio in der Vergangenheit gewesen sein
mag, noch wichtiger ist der Weg von Rio.
Einige behaupten, Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sei unmöglich. Sie
sollten nach Lateinamerika kommen, wo der Erlaß von
Schulden im Tausch gegen Naturschutzmaßnahmen
(debt-for-nature swaps) Wälder in Costa Rica schützt
und Mittel für die Eindämmung der Umweltverschmutzung in Chile bereitstellt.
Einige behaupten, Umweltschutz bedürfe staatlicher
Kontrolle. Sie sollten nach Osteuropa gehen, wo
Kinder mit ihren vergifteten Körpern heute für die
Sünden gestürzter Diktatoren bezahlen - und nur die
neue Brise der Freiheit die Beseitigung von Umweltschäden erlaubt.
Einige erklären, es werde niemals Veränderungen
geben, weil die Interessen des Status quo zu mächtig

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�seien. Nun, sie sollten nur hierher nach Brasilien
kommen, wo Präsident Collor einen neuen Ansatz
erarbeitet, der dem wirtschaftlichen Wert der Erhaltung des Regenwaldes Rechnung trägt.

verwirklichen. Wir sind deshalb bereit, die internationale Umwelthilfe der Vereinigten Staaten um 66 Prozent verglichen mit dem Niveau von 1990 zu erhöhen,
zusätzlich zu den über 2,5 Milliarden Dollar, die wir
über die Entwicklungsbanken der Welt für Projekte der
Einige behaupten, Wirtschaftswachstum und Umwelt- Agenda 21 beisteuern.
schutz seien unvereinbar. Sie sollten in die Vereinigten Staaten kommen - wo in den 20 Jahren seit Wir kommen nach Rio mit besseren wissenschaftliStockholm unsere Wirtschaft um 57 Prozent gewach- chen Erkenntnissen über die Umwelt als jemals zuvor
sen ist, während wir den Aussto ß von Blei in die Luft um sowie mit der Einsicht, daß wir vieles tun, dessen
97 Prozent, den von Kohlenmonoxid um 41 Prozent Auswirkungen noch nicht erwiesen sind. Wir sind
und den Teilchenausstoß um 59 Prozent reduziert femer bereit, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse
haben. Wir haben unsere Gewässer gereinigt und zu teilen und die Welt bei einem kontinuierlichen
unsere Parks, unberührte Wildnis und Tierbestände Forschungsprogramm anzuführen.
erhalten.
Wir kommen nach Rio mit der Bereitschaft, die beiEinige behaupten, die politisch Verantwortlichen der spiellosen Bemühungen der Vereinigten Staaten beim
Welt scherten sich nicht um die Erde und Umwelt. Schutz von Arten und Lebensräumen fortzusetzen.
Und dies möchte ich eindeutig feststellen: Unsere
Nun, sie alle sollten nach Rio kommen.
Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt werden die
Herr Präsident, wir sind nach Rio gekommen. Wir Bestimmungen des Vertrages sogar noch übertreffen
haben die Besorgnis nicht nur gesehen, wir teilen sie. - in der Tat übertreffen. Aber jenes vorgeschlagene
Wir sind nicht nur besorgt, wir ergreifen Maßnahmen. Abkommen droht die Gentechnik zurückzuwerfen und
Wir kommen nach Rio mit einem Aktionsplan zum den Schutz von Ideen zu untergraben. Und im GegenKlimawandel. Er betont die effiziente Energieausnut- satz zum Klimaabkommen wird sein Finanzierungszung, sauberere Luft, Wiederaufforstung, neue Tech- plan nicht funktionieren. Es ist niemals leicht sich allein
nologie. Und ich freue mich berichten zu können, daß zu einem Prinzip zu bekennen, aber bisweilen erforich gerade die Rahmenkonvention zum Klimawandel dert eine Führungsrolle, dies zu tun. Und heute ist ein
unterzeichnet habe.
solcher Zeitpunkt.
Und heute lade ich meine Kollegen aus den Industriestaaten ein, gemeinsam unverzüglich die Umsetzung
der Konvention in Angriff zu nehmen. Ich schlage vor,
daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur Erfüllung der
speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention
vorzulegen. Lassen Sie uns gemeinsam die hier
gesprochenen Worte in konkrete Maßnahmen zum
Schutz des Planeten umsetzen.
Wir sind nach Rio mit dem Vorschlag gekommen, die
internationale Forsthilfe zu verdoppeln. Wir sind zur
Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität bereit, um neue Strategien zum
künftigen Schutz der Wälder zu erarbeiten. Als Anzahlung werden wir nächstes Jahr die bilaterale amerikanische Hilfe verdoppeln, und wir werden im Inland
Reformen durchführen, indem wir den in amerikanischen Wäldern als Norm geltenden Kahlschlag abschaffen und uns bemühen, jährlich eine Milliarde
Bäume anzupflanzen.

Ich gebe zu, es hat einige Kritik an den Vereinigten
Staaten gegeben. Aber ich muß Ihnen sagen, daß wir
mit Stolz auf das von uns Geleistete und mit dem
festen Engagement nach Rio kommen, die Bilanz
amerikanischer Führung bei Umweltfragen zu erweitem. In den Vereinigten Staaten bestehen weltweit die
strengsten Abgas- und Emissionsvorschriften für
Automobile und Fabriken, die fortschrittlichsten Gesetze zum Schutz von Land und Gewässern sowie der
offenste Prozeß zur Beteiligung der Öffentlichkeit.
Und nun noch eine Binsenwahrheit. Die amerikanische Bilanz beim Umweltschutz ist unerreicht. Ich bin
also nicht hierher gekommen, um mich zu entschuldigen. Wir sind hierher gekommen, um auf wohlüberlegte Ziele und entschlossene Maßnahmen zu drängen.
Und solche Maßnahmen werden unser anhaltendes
Engagement für die Führungsrolle und internationale
Zusammenarbeit beim Umweltschutz unterstreichen.

Wir gehen davon aus, daß der Weg nach Rio gleichermaßen zu Umweltschutz und Wirtschaftswachstum,
Wir kommen nach Rio mit einem umfangreichen Pro- zu Umwelt und Entwicklung weisen muß. Jetzt steht
gramm zur technologischen Zusammenarbeit. Wir fest, für eine kontinuierliche Entwicklung müssen wir
sind bereit - und zwar Regierung und Privatsektor - zur die Umwelt schützen und um die Umwelt zu schützen,
Verbreitung grüner Technologie beizutragen und eine müssen wir die Entwicklung bewahren.
neue Generation sauberen Wachstums einzuleiten.
Es ist gesagt worden, daß wir die Welt nicht von
Wir kommen nach Rio mit der ErkenntnU daß die unseren Vorfahren erben, sondern von unseren KinEntwicklungsländer beim weltweiten Schutz der Umwelt dern ausleihen. Und wenn unsere Kinder auf diese
eine Rolle spielen müssen, aber Unterstützung benö- Zeit und diesen Ort zurückblicken, werden sie dankbar
tigen werden, um dieses sauberere Wachstum zu dafür sein, daß wir uns in Rio getroffen haben. Und sie
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AMERIKA DIENST 24

�werden sicherlich über die erklärten Absichten und
eingegangenen Verpflichtungen erfreut sein. Aber sie
werden uns nach den Maßnahmen beurteilen, die wir
von diesem Tag an ergriffen haben. Wir sollten sie
nicht enttäuschen.

Herr Präsident, ich möchte Ihnen nochmals gratulieren. Herr Generalsekretär, Ihnen gilt unser aufrichtiger
Dank. Und vielen Dank an Sie alle.

* * * * *

AMERIKA DIENST 24

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�ERDGIPFEL
17. JunM992

REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel
RIO DE JANEIRO - (AD) - Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung konnte in vielen
Bereichen erfolgreich abgeschlossen werden und hat dem Leiter der amerikanischen Delegation zufolge die
Erwartungen übertroffen.
William K. Reilly, der Direktor des US-Umweltschutzamts, erläuterte am 12. Juni vor Journalisten vereinbarte
Deklarationen und Konventionen zu Wäldern, Klima, Ozeanen, Bevölkerung und anderen Themen wie auch die
kurz vor der endgültigen Verabschiedung stehende Agenda 21, eine 800 Seiten umfassende Liste von
Umweltzielen und Maßnahmen zu deren Verwirklichung.
Reilly erklärte, die Vereinigten Staaten seien "zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz", und verteidigte die
amerikanische Umweltpolitik mit den Worten: Im Hinblick auf die Umwelt "ist, glaube ich, die Ansicht ziemlich
weitverbreitet, daß niemand mehr als die Vereinigten Staaten getan hat".
Zu einer Reihe kontroverser Themen bei der Konferenz stellte Reilly fest, die Vereinigten Staaten "werden unter
gar keinen Umständen unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf
Konzessionsbasis anderen zugänglich zu machen", und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten eine
eindeutigere Erklärung zum Schutz der Wälder begrüßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung und nachfolgende Pressekonferenz in wesentlichen
Auszügen.
Wir nähern uns der Endphase dieser Konferenz über
Umwelt und Entwicklung hier in Rio. Sie haben vor
kurzem die Rede des Präsidenten gehört. Meines
Erachtens hat diese Rede sowohl den Ton der Konferenz getroffen als auch im wesentlichen die amerikanischen Erfahrungen erfaßt, die wir mitbringen und
dieser Konferenz zum Nutzen der übrigen Welt anbieten - eine Rede, die auf die beachtlichen Erfolge der
Vereinigten Staaten im Bereich der Umwelt verwies.
Ein Bereich, in dem wir meiner Meinung nach in den
vergangenen 20 Jahren wahrscheinlich so viel, wenn
nicht mehr erreicht haben als jedes andere hier vertretene Land.
Die Rede trug den Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung und unserer Bereitschaft, ihnen weiterhin bei der Bewältigung von Umweltproblemen zu
helfen. In dieser Rede wurde femer auf unsere Absicht
verwiesen, im Umweltbereich weiterhin einen Führungsrolle zu übernehmen. Der Präsident stellte ausdrücklich fest, daß wir die Bedingungen der Konvention zur Artenvielfalt mehr als erfüllen. Wir werden in
diesem Bereich ebenso eine FührungsroHe übernehmen wie beim Schutz von Parks, unberührter Wildnis

AMERIKA DIENST 24

und Tierreservaten. Wir werden den Artenschutzvertrag nicht unterzeichnen, wir werden jedoch weiterhin
anderen beim Schutz der Artenvielfalt behilflich sein
und in den Vereinigten Staaten das Tempo vorgeben,
wo die Gesetze ihresgleichen suchen.
Die Konferenz war eine Folgekonferenz der 1972
abgehaltenen Stockholmer Konferenz über eine
menschliche Umwelt. Diese Konferenz war die erste
internationale Zusammenkunft zu Umweltfragen und
hat das Bewußtsein zu Umweltproblemen geschärft,
mit dem Ergebnis, daß binnen rund eines Jahres
weltweit 65 neue Umweltministerien gegründet wurden. Sie führte zu der Konvention über Entsorgung im
Meer und einer Reihe praktischer Vereinbarungen zur
Umwelt.
Diese Konferenz soll diesen Prozeß maßgeblich voranbringen und umweltpolitische Prioritäten setzen, sie
zu Prioritäten nicht nur für die Umweltminister, sondern auch für die Außen- und Finanzminister machen
und Umweltprioritäten in Handels-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und außenpolitische Fragen einbeziehen.

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�Wir können auf eine Reihe von Erfolgen bei dieser
Konferenz verweisen. Ich denke an 3 Uhr heute
morgen, als wir die Verhandlungen über eine Erklärung zum Schutz der Wälder abgeschlossen haben,
von der viele dachten, wir würden sie nie erzielen. Hier
waren 170 Länder vertreten, die alle aus ihrem eigenen
Blickwinkel und von ihrem Standpunkt aus hart verhandelten. Wir hatten eine 800 Seiten umfassende
Agenda 21 mit Verpflichtungen zu Ozeanen, zur Bevölkerung, Beteiligung der Öffentlichkeit, zum Recht
der Gemeinden auf Information, zum Umweltschutz
und zu Wäldern.
Es gab eine Erklärung zum Schutz der Wälder. Es gab
die Rio-Deklaration selbst - ein Dokument, das eine
Reihe von Anliegen zur Umwelt anspricht, und zum
ersten Mal sprechen die mir bekannten Berichte - oder
Verpflichtungen - der Vereinten Nationen über die
Notwendigkeit wirtschaftlicher Instrumente, erkennen
die bedeutende Rolle freier Märkte bei der Unterstützung von Ländern an, die ihre Umweltprobleme angehen und stützt sich in der Tat auf die Erfahrungen der
Vereinigten Staaten.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz
und insbesondere sind wir befriedigt, daß es uns
gelungen ist, jetzt die meisten Elemente der Agenda
21 zum Abschluß zu bringen. Einige Themen - Finanzierungsfragen - müssen heute abend noch angesprochen werden, und ich vermute, die Diskussionen werden
auch heute wieder bis spät in die Nacht gehen. Aber
die Rio-Deklaration ist eine Leistung, und sie ist abgeschlossen. Der Großteil der Agenda 21 ist bewältigt.
Eine Erklärung zum Schutz der Wälder wurde erzielt,
die in der Tat die Aussicht auf eine andauernde Überprüfung der Prinzipien und die Möglichkeit enthält,
über sie - wie Präsident Bush hofft - zu einer weltweiten
Konvention über Wälder hinauszugehen, obwohl sie
sich dem Ziel der Vereinigten Staaten nicht ausdrücklich verpflichtet, ein Versprechen zu einer globalen
Konvention über Wälder zu erhalten.
Wenn ich 3 oder 4 Monate zurückblicke, als ich hierher
kam, um mit den Brasilianern die Einzelheiten eines
möglichen Präsidentenbesuchs zu erörtern, waren
ihre Erwartungen sehr viel niedriger als sie bis jetzt
tatsächlich verwirklicht und bekräftigt wurden. Sie
hofften auf etwas mehr Geld. Nun, die Vereinigten
Staaten haben die für die Umwelt bereitgestellte Auslandshilfe verglichen mit 1990 um 66 Prozent aufgestockt -150 Millionen Dollar davon fließen in die neue
Initiative zu Wäldern. Diese Initiative wurde sehr gut
aufgenommen.
Inzwischen haben wir das Versprechen von mehreren
Ländern der G-7 erhalten, sich für sie zu engagieren
und sie zu unterstützen. Darüber hinaus gibt e: mehr
als ein halbes Dutzend Entwicklungsland? r mit Wäldern, die an uns herangetreten sind und uns gebeten
haben, ihre Projekte in Erwägung zu ziehen. Wir
hoffen, daß Sie das tun werden. Projekte hier im
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Bundesstaat Rio de Janeiro, Projekte am Amazonas,
in Zentralamerika und anderen Teilen Lateinamerikas
sowie auch in Asien.
Dies war ein Erfolg. Und wir sind besonders erfreut,
daß sowohl Premierminister Mulroney als auch Bundeskanzler Kohl die Initiative des Präsidenten erwähnt
und sie unterstützt haben.
Jetzt möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen.
Frage: Können Sie uns alles über die Konferenz vom
1. Januar sagen? Was versprechen Sie sich davon?
Ist sie ein weiteres Treffen der Staats- und Regierungschefs, nur dieses Mal zur Erderwärmung?
Antwort: Nein, der Präsident hat gesagt, daß wir uns
jetzt zu einem Vertrag über Klimaveränderungen verpflichtet haben. Das Thema, das wir in diesem Zusammenhang seit langem erörtern, sind die spezifischen
Verpflichtungen, die wir zu Klimaveränderungen eingehen. Wir haben uns hier zu einem fünfteiligen
Programm verpflichtet und Präsident Bush sagte, er
werde unser eigenes Aktionsprogramm zu Klimaveränderungen entwickeln, es der Welt vorlegen und es
bis zum 1. Januar fertiggestellt haben. Er ermutigte
andere Länder zur Beschleunigung ihrer eigenen Aktionen bei der Entwicklung spezifischer Maßnahmen
zur Kontrolle von Treibhausgasen und zu einer Zusammenkunft, um diese Informationen auszutauschen
und eine Bilanz vorzunehmen. Hier hätten wir einen
Informationsaustausch, der sich nicht auf Regierungsebene vollziehen würde.
Frage: Haben Sie realistische Erwartungen, daß
andere Länder diesen Termin und diese Herausforderung akzeptieren?
Antwort: Nun, das hoffe ich. Wir wissen, daß die
Niederlande ebenso wie wir nach einem ziemlich eng
gesteckten Zeitrahmen vorgehen. Wir werden sehen,
was die anderen tun können. Meines Erachtens ist
dies eine gute, echte Herausforderung. Er sagt praktisch: Es wird eine Weile dauern, bis der Vertrag
ratifiziert und in die Praxis umgesetzt wird. Verhalten
wir uns doch einfach so, als ob er wirksam wäre und
fangen wir an, die Dinge zu tun, die er im Hinblick auf
Wissenschaft, Bestände, Aktionspläne und so weiter
von uns verlangt.
Frage: Ich dachte, die amerikanische Position lautete,
daß wir grundsätzlich bereits einen Aktionsplan haben
und unserer Meinung nach die übrige Welt artikulieren
sollte...
Antwort: Wir haben die meisten Elemente eines
Aktionsplans erarbeitet, die entweder vorgeschlagen
und verwirklicht oder zumindest in Erwägung gezogen
wurden, und wir hoffen, daß sie in den kommenden
Monaten vom Kongreß verabschiedet werden. Nicht
alle Aspekte sind vollständig abgehandelt. Aber meines Erachtens besteht kein Zweifel, daß wir mehr

AMERIKA DIENST 24

�Stücke dieses Aktionsplans als irgendwer anders haben.
Frage: Haben Sie eine Idee, wo dieses Treffen
stattfinden wird?
Antwort: Nein.
Frage: Mr. Reiliy, als der Präsident in seiner Rede die
amerikanische Bilanz als unerreicht darstellte, hörte
man Gelächter unter den Teilnehmern. Wie konnte es
geschehen, daß die Vereinigten Staaten bei dieser
Konferenz so isoliert dastanden, und warum reagieren
die anderen Nationen so verächtlich auf seine Forderungen?
Antwort: Wie Sie wissen, begann die Konferenz mit
sehr großen Erwartungen. Die absolut unerfüllbaren
bezogen sich auf die Finanzierung. Von Brasilien, von
uns oder von der Mehrzahl der Entwicklungsländer
wurde die Konferenz nie als Veranstaltung angesehen, bei der ein größerer Transfer von Ressourcen
vorgenommen und neue Finanzierungsverpflichtungen von den Industrie- gegenüber den Entwicklungsländern eingegangen würden.
Die Vereinigten Staaten stocken ihre Finanzhilfe erheblich auf, aber verglichen mit den von Maurice
Strong genannten erforderlichen 125 Milliarden Dollar
sind offenkundig weder wir noch sonst jemand in der
Lage, dem gerecht zu werden. Soweit ich weiß, wurde
das Anliegen geäu ßert - Sie werden es heute abend in
der Debatte über die Finanzierung hören - die Auslandshilfe vom derzeitigen Niveau auf 0,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Wir sind einfach
nicht in der Lage, eine solche Verpflichtung einzugehen, und ich glaube, das bereitet einigen Ländern
Anlaß zur Sorge.
Im Hinblick auf die Leistungen zum Umweltschutz der
hier vertretenen Nationen ist, glaube ich, die Ansicht
ziemlich weitverbreitet, daß niemand mehr als die
Vereinigten Staaten getan hat. Der Präsident hat
einige davon aufgeführt - 66prozentige Reduzierung
des Partikelausstoßes in den Städten, eine 97prozentige Reduzierung des verbleiten Benzins - wohingegen
die Europäer den schrittweisen Abbau verbleiten Benzins
noch nicht abgeschlossen haben. Wir haben 1974
begonnen. Eine Reduzierung von Kohlenmonoxid und
Schwefeldioxid um über ein Drittel. Enorme Erweiterung unserer Nationalparks und unberührter Wildnis in
diesem Zeitraum.
Meines Erachtens ist weithin anerkannt, daß dies eine
vorbildliche Bilanz ist. Und ich bezweifle stark, daß
selbst die uns kritisierenden nichtstaatlichen Organisationen auf irgendein anderes Land verweisen könnten, das schärfere Gesetze, besseren Umweltschutz
oder größeren Zugang der Öffentlichkeit zur Entscheidungsfindung bei diesen Themen hat als die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 24

Frage: Ich möchte nur sicherstellen, daß ich alles
richtig verstanden habe. Sie sagen, der Grund, warum
wir hier angegriffen wurden, ist, daß wir nicht genug
Geld ausgespuckt haben?
Antwort: Einer der Gründe für die Enttäuschung oder
Unzufriedenheit hier hatte mit dem Finanzierungsniveau zu tun. Dieses Anliegen hat die Entwicklungsländer vor einigen Monaten im Hinblick auf ihre eigene
Beteiligung sehr beschäftigt. Es gab genug Zusagen.
In der Tat konnten wir die Besorgnis Brasiliens zerstreuen und sind eine Verpflichtung in Höhe von 50
Millionen Dollar zum Kernfonds der Umweltfazilität
eingegangen, um zu zeigen, daß wir zu diesem Zweck
zur Aufstockung eines bereits hohen Betrags an Auslandshilfe bereit sind - er belief sich im vergangenen
Jahr auf 11 Milliarden Dollar.
Es besteht keine Frage, daß auch Besorgnis über
unsere Position zum Klimavertrag geäußert wurde,
insbesondere seitens der Europäischen Gemeinschaft,
die bis zum Jahr 2000 eine spezifische Stabilisierungsverpflichtung auf der Grundlage von 1990 wünschte.
Und die von uns getroffene Entscheidung, die Konvention zur Arten Vielfalt nicht zu unterzeichnen, wurde hier
offensichtlich nicht gut aufgenommen. Meines Erachtens wurde sie hier mißverstanden.
Das Argument, das ich in diesem Zusammenhang
vorzubringen versuche, lautet, wenn man die sachfremden Elemente betrachtet, die für mich als Umweltschützer überraschenderweise in einem Dokument so
breiten Raum einnehmen, das eigentlich Flora und
Fauna schützen soll - wenn man das Recht auf geistiges Eigentum, die Regeln für Gentechnologie und das
Finanzierungselement aus der Konvention zum Artenschutz herausnimmt, hätten wir damit kein Problem
gehabt.
Wir sind sehr erfreut, daß die Europäische Gemeinschaft in ihrer eigenen Signatarerklärung einige eben
dieser Probleme zitiert und die Absicht bekundet hat,
auf ihre Behebung hinzuarbeiten. In der Unterzeichnungserklärung zum Artenschutzvertrag von Präsident Collor bezog er sich auf die Notwendigkeit bei der
Behandlung eines so wichtigen Vertrags wie diesem,
daß er universell anwendbar ist und den Wunsch der
brasilianischen Regierung, dies durch Durchführungsmaßmahmen zu bewirken.
Wir sehen dies als Anzeichen, daß bei der Verfassung
von Protokollen zur Artenschutzkonvention unseren
Sorgen Gehör geliehen wird, und darüber sind wir
erfreut.
Frage: Warum mußten wir ihn unterschreiben - warum wollten bestimmte Gruppen, daß wir einen Vertag
unterschreiben, der das unterstützt?
Antwort: Zweifelsohne befindet sich die Welt heute in
einer Krise bezüglich des insbesondere auf die Zerstö-

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�rung von tropischen Regenwäldern zurückzuführenden Verlusts von Spezies. Pro Jahr gehen Schätzungen zufolge nahezu 19 Millionen Hektar mit einem
Großteil von Pflanzen- und Tierarten verloren, wovon
viele vernichtet werden, bevor sie überhaupt entdeckt
werden und einen Namen erhalten. Das ist eine
Tragödie für unseren Planeten. Es ist ein Verlust
potentiell nützlicher Produkte, die häufig als Grundlage
für Arzneimittel, Medikamente und Heilmittel dienen.
Und es ist etwas, das wir in den von Präsident Bush
vorgeschlagenen biologischen Übersichten publik
machen möchten.
Wir haben gestern ein Programm für weltweite Bestandsaufnahmen vorgelegt, die wir gemeinsam mit
anderen Ländern durchführen wollen. Sie werden diesen Vorschlag prüfen und entscheiden müssen, ob er
für sie sinnvoll ist, und wir werden ihn entsprechend
anpassen. Der Grund für diesen Vorschlag ist jedoch,
die Grundlage für die Bilanz zu schaffen, was wir an
Arten haben und was verloren gehen könnte, und uns
ein gewisses Gefühl für die Prioritäten bei unserem
Vorgehen zu vermitteln.
Frage: Der Präsident hat gesagt, die Vereinigten
Staaten werden die Bedingungen des Artenschutzvertrags erfüllen oder sogar darüber hinausgehen. Heißt
das, daß die Vereinigten Staaten einen Beitrag zu dem
in dem Vertrag enthaltenen Finanzierungsmechanismus leisten werden?
Antwort: Ja, das trifft zu. Der Finanzierungsmechanismus...
Frage: Selbst wenn wir bei der Verteilung keine Rolle
spielen?
Antwort: Das ist zutreffend. Der Finanzierungsmechanismus der Konvention über Artenvielfalt ist die
Globale Umweltfazilität. Wir sind eine Verpflichtung im
Hinblick auf den Kernfonds dieser Fazilität eingegangen. Offensichtlich haben wir einen gewissen Einfluß
auf die Vergabe dieser Gelder, aber wir werden nur
einer von vielen Geldgebern sein, unabhängig von der
Tatsache, daß wir den Vertrag nicht unterzeichnen.
Frage: Und werden wir auf irgendeine Weise von
unserer Industrie verlangen, ihre Patente und ihr geistiges Eigentum mit anderen zu teilen?
Antwort: Wir werden unter gar keinen Umständen
unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf Konzessionsbasis
anderen zugänglich zu machen. Genau dies haben wir
bei diesem Vertrag unter anderem als unangebracht
betrachtet.
Frage: Also werden wir diesem Aspekt, daß entwikkeltere Länder geistiges Eigentum mit den weniger
entwickelten Staaten teilen, von denen sie die Rohstoffe beziehen, nicht entsprechen oder darüber hinausgehen?

Seite 4

Antwort: Was unserer Meinung nach wichtig ist, ist
der Schutz von Pflanzen- und Tierwelt an sich. Wir
haben in der Uruguay-Runde des GATT verhandelt,
um Rechte an geistigem Eigentum besser zu schützen. Wir werden doch nicht hier bei einem Vertrag über
Umwelt aufgeben, was zu schützen wir uns dort so
energisch bemüht haben.
Wir werden weiterhin zur Sammlung von Informationen über Artenvielfalt ermutigen. Und in den Ländern,
in denen so etwas existiert, wie etwa in Costa Rica,
meinen wir, daß die Arten von Arrangements, die dort
zum Beispiel mit Merck ausgehandelt wurden und
denen zufolge Material im Gegenzug für eine Gewinnbeteiligung geliefert wird, sehr vernünftige und angemessene Beziehungen herstellen. Costa Rica war
dazu in der Lage, weil man dort den anderen so weit
voraus ist in dem Wissen, was man zu bieten hat.
Eine Tatsache, mit der wir bei der Agenda 21 sehr
zufrieden sind, ist das Kapitel über Ozeane. Ozeane
waren eine Priorität der Vereinigten Staaten. Wir
waren das Land, das diesen Punkt auf die Tagesordnung setzte. Wir wollten uns insbesondere auf die
Überwachung der Meere unter Einsatz unserer Weltraumtechnik konzentrieren, denn wir haben die einzigartige Fähigkeit, dies zu tun, und uns auf die extreme
Verschmutzung zu konzentrieren, die in zahlreichen
küstennahen Gewässern sowie Gewässern der Binnenmeere der Welt existiert und die im allgemeinen
von Quellen an Land hervorgerufen wird.
Wir erwarten, an der Einberufung einer Konferenz in
den nächsten eineinhalb Jahren mitzuwirken, um
Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Kapitels zu
beschleunigen. Darüber hinaus erwarten wir, an der
Entwicklung eines Umlauffonds für die Klärung von
Abwässern mitzuwirken, die von Verschmutzungsquellen an Land produziert werden.
Frage: Könnten Sie uns etwas mehr über die Verhandlungen erzählen, die zu der Einigung über Waldprinzipien führten? Ich habe bemerkt, daß der Abbau
von Handelssanktionen im Schlußtext geblieben ist,
obwohl die Vereinigten Staaten diese Passage gestrichen haben wollten, und daß einige Verweise auf das
Recht auf Entwicklung in irgendeiner Form noch im
Text vorkommen. Wo mußten Sie Zugeständnisse
machen, um...
Antwort: Wie Sie wissen, lehnten wir die Schaffung
eines neuen "Rechts auf Entwicklung" ab, jedoch nicht,
weil wir das Recht eines Landes zu investieren, wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen und sich
wirtschaftlich zu verbessern bestreiten, sondern vielmehr, weil dieses Konzept eine Vorgeschichte im
Bereich Menschenrechte hat und benutzt wurde, um
Maßnahmen zu rechtfertigen, die in einigen Ländern
die Menschenrechte verletzten und ihnen zuwiderliefen. Wir haben das "Recht auf Entwicklung" konsequent abgelehnt, und ich habe dies erst gestern abend

AMERIKA DIENST 24

�getan. Worauf wir uns geeinigt haben, ist der Wortlaut
"das Recht auf sozio-kulturelle Entwicklung auf tragfähiger Basis", was wir als ausreichend verändertes
Konzept betrachten, das wir unterstützen können.
Ihre andere Frage bezog sich auf Handelssanktionen.
Die Sprachregelung zu Handelssanktionen sah grundsätzlich vor, daß wir an freien Handel glauben und die
Souveränität der Staaten bei der Kontrolle ihrer Rohstoffe anerkennen.
Abgesehen von einigen Einzelheiten bei der Walddeklaration ist sie also nicht so stark wie wir das gern
gesehen hätten. Wir haben uns für stärkere Naturschutzbestimmungen eingesetzt, und wir haben uns
um die Anerkennung des weltweiten Beitrags der
Wälder bemüht, des Werts, den sie als Klimaregulator
und Absorbierer von Kohlenstoff haben.
Diese von uns vertretenen Anliegen wurden von den
Entwicklungsländern, in denen es Wälder gibt, energisch zurückgewiesen. Sie betrachten die Erwähnung
globaler Werte als implizite Bedrohung ihrer Souveränität, die schließlich zu einer Globalisierung oder Internationalisierung ihrer Wälder führen könnte. Deshalb
haben wir einen Großteil der gestrigen Nacht damit
verbracht, einen Wortlaut zu erarbeiten, der den Anliegen beider Seiten gerecht würde, der es uns gestatten
würde, die Gründe klarzustellen, warum wir eine Walderklärung verabschieden, nämlich, weil alle Länder
darüber besorgt sind, wie einige andere Länder mit
ihren Wäldern umgehen.
Wir versuchen nicht, ihre Wälder einem Regime zu
unterwerfen, das wir nicht auf uns selbst anwenden
würden, aber wir erkennen den globalen Wert der
Wälder an. In dem Maß, in dem sie diesen Wert
anerkennen, werden sie weitere Ansprüche auf Ausfr *

AMERIKA DIENST 24

landshilfe geltend machen können, da sie eine Schlüsselrolle bei der Milderung der Klimaveränderung spielen werden.
Wir haben eine Sprachregelung, die meines Erachtens
bei vielen Bestimmungen ziemlich vage ist. Wir haben
uns ebenso - besonders in den letzten Wochen, aber
auch während der gesamten Verhandlungen - ziemlich
energisch darum bemüht, eine Verpflichtung für eine
Waldkonvention zu erlangen. Die Sprachregelung
hierzu legt nahe, daß wir die Angemessenheit der
Erklärung selbst, der Prinzipien weiter überprüfen und
- ich habe den genauen Wortlaut vergessen - die
gegebenenfalls notwendigen internationalen Arrangements berücksichtigen. Für uns bedeutet dies eine
Konvention, für die Entwicklungsländer jedoch nicht.
Frage: Was erwarten Sie in bezug auf internationale
Organisationen, die in den nächsten fünf bis zehn
Jahren die Führungsrolle beim Umweltschutz spielen
werden?
Antwort: Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die
verschiedenen Gremien insbesondere im System der
Vereinten Nationen zugewiesen werden - dem UNUmweltprogramm, dem UN-Entwicklungsprogramm
und einer neuen Kommission für tragfähige Entwicklung, die gegründet und dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen unterstellt sein wird. Die
Funktionen dieser Kommission sind noch nicht präzise
definiert worden. Sie wird sicherlich eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Verknüpfung von Umwelt
und Wirtschaft zu betonen. Wirhoffen, daßsiebeidem
in UN-Gremien vorherrschenden Denken die Prioritäten etwas über den alten Stand hinausbringen wird.
Und das wird bei der UN-Generalversammlung diesen
Herbst in New York eingehender erörtert werden.

* *

*

Seite 5

�USA-EUROPA
17. JunM992

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE
ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert. M. Kimmitt, am 15. Juni 1992 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn
gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Herr Dr. Veen,
meine Damen und Herren,
es ist mir ein großes Vergnügen, heute abend zu Ihnen
über das Thema "Verstärktes amerikanisches Engagement im neuen Europa" zu sprechen. Dies ist ein
Thema, das, wie ich glaube, für ein deutsches Publikum ebenso wichtig ist wie für einen amerikanischen
Botschafter. Darüber hinaus ist dies aufgrund des
starken Engagements der Konrad-Adenauer-Stiftung
für die deutsch-amerikanische Partnerschaft ein besonders geeigneter Anlaß, um die Zukunft der transatlantischen Verbindung zu erörtern, aus der unsere
Länder in den vergangenen vier Jahrzehnten solch
großen Nutzen gezogen haben.
Die Geschichte des Engagements der Vereinigten
Staaten in der Nachkriegszeit - in Partnerschaft mit
ihren europäischen Verbündeten - ist einer der grö ßten
Erfolge in der Geschichte der Neuzeit. Über vier
Jahrzehnte hinweg hat es unseren Ländern den Frieden und die Freiheit bewahrt, indem es die Bedrohung
des Kommunismus eindämmte. Schließlich brach
dieses furchtbare politische und wirtschaftliche System unter dem Gewicht seiner eigenen Widersprüche
und Mißerfolge zusammen.
Trotzdem wird von einigen Beobachtern die These
vertreten, das amerikanische Engagement in Europa
sei in Gefahr, Opfer seines Erfolges zu werden. In
diesem Zusammenhang werden die beiden folgenden
Fragen vielleicht am häufigsten gestellt:
Erstens, wird Amerika nach dem Sieg im kalten
Krieg nun sagen, "der Auftrag ist erfüllt" und
seine Energien und Interessen auf seine drängenden innenpolitischen Probleme richten?

AMERIKA DIENST 24

-

Zweitens, gibt es überhaupt noch eine Rolle für
ein amerikanisches Engagement im neuen
Europa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, und wenn ja, wie sollte diese Rolle
aussehen?

Dies sind die Fragen, die ich im folgenden erörtern
möchte.
Isolationismus ist keine Antwort
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Für die Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Diejenigen, die sich Gedanken über die Möglichkeit
eines neuen amerikanischen Isolationismus machen,
verweisen auf die historische Anomalie des amerikanischen Engagements in Europa. In seiner letzten Rede
als Präsident warnte George Washington ausdrücklich
vor einer amerikanischen Verwicklung in europäische
Angelegenheiten: "Europa", erklärte Washington, "hat
eine Reihe vordringlicher Interessen, die nicht oder nur
sehr entfernt zu uns in Beziehung stehen." Bis zu ihrer
Teilnahme am Ersten Weltkrieg befolgten die Vereinigten Staaten diesen Rat rigoros. Und wie wir wissen,
folgte auf dieses anfängliche Engagement eine zutiefst isolationistische Reaktion. Könnte eine ähnliche
Reaktion auch dem Ende des Kalten Krieges folgen basierend auf der Überzeugung, Amerika habe seit
1941 für Europa "genug getan" und müsse sich jetzt
anschicken, das eigene Haus in Ordnung zu bringen?

Seite 1

�Die tiefen Wurzeln des amerikanischen Gefühls der
Einzigartigkeit, die sich in einer Art von geistigem
Isolationismus manifestierten, sind nicht von der Hand
zu weisen. Dieser Isolationismus gründete sich auf die
Vision von Amerika als einer "neuen Welt". In Lincolns
Worten bot Amerika die "letzte, beste Hoffnung der
Menschheit", oder, wie der Kolonialgouverneur von
Massachusetts, John Winthrop, mit einer Anleihe beim
Matthäus-Evangelium einmal sagte, eine "Stadt auf
dem Hügel, auf der die Augen aller Menschen ruhen".
Dieser traditionellen Sichtweise zufolge war Amerika
dem Rest der Welt überlegen. Seine Funktion bestand
darin, als Inspiration und Beispiel zu dienen - und dies
könnte am besten gewährleistet werden, wenn es nicht
durch den Kontakt mit einer alten Welt, die in feudalen
Traditionen, Kriegen, und Ungleichheit verhaftet war,
infiziert würde.
Diese utopische Vision ist immer noch nicht tot. Sie
bleibt - und das gilt auch für die Zukunft - eines von
zahlreichen Elementen, die insgesamt die amerikanische Haltung zur Rolle der Vereinigten Staaten in der
Welt formen.
Ich möchte jedoch argumentieren, daß die Erfahrung
dieses Jahrhunderts das amerikanische Volk dazu
veranlaßt hat, die von Washington in seiner Abschiedsrede geäußerte Ansicht über Europa zu revidieren.
Die Welle des Isolationismus, die Amerika nach dem
Ersten Weltkrieg erfaßte, war die letzte ernsthafte
Bestätigung seiner Ansicht, daß die Ereignisse .in
Europa für die Vereinigten Staaten belanglos seien.
Hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, wäre
dieses Konzept vielleicht das vorherrschende Element
der amerikanischen Politik gegenüber Europa geblieben.
Es gab jedoch einen Zweiten Weltkrieg, und Amerika
stellte eindeutig fest, daß es sich von diesem Kampf
nicht fernhalten konnte, wenn die Welt ein lebenswerter Ort bleiben sollte.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die große Mehrheit des amerikanischen Volkes die Ergebnisse sowohl des Zweiten Weltkrieges als auch des Kalten
Krieges als Bestätigung dafür betrachtet, daß die
Aufrechterhaltung von Frieden und Freiheit in Europa
für die Vereinigten Staaten von unmittelbarem und
vitalem Interesse ist.
Diese Haltung wird von jüngsten Meinungsumfragen
unterstützt. Einer unlängst von Gallup durchgeführten
Umfrage zufolge befürworten sechzig bis siebzig Prozent der Amerikaner eine aktive Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik, während nur zwanzig bis
dreißig Prozent ein aktives Engagement im Ausland
ablehnen. Der Anteil der Anhänger einer aktiven
amerikanischen Rolle ist erheblich größer als vor fünf
Jahren.
Sicherlich spiegeln die Meinungsumfragen ebenfalls
die Überzeugung der Amerikaner wider, daß innenpolitischen Problemen mehr Aufmerksamkeit als bisher
gewidmet werden muß. Aber sie betrachten diese
innenpolitischen Bemühungen als Ergänzung zum
weiterbestehenden amerikanischen Engagement in
der Weltpolitik und nicht als dessen Ersatz. "America
First" heißt nicht "America Alone".
Ein neues amerikanisches Engagement
In welcher Form sollte dieses Engagement jedoch zum
Ausdruck kommen? Welche Rolle soll Amerika in dem
sich abzeichnenden neuen Europa spielen? Wie können
wir dieses Engagement zum gegenseitigen Vorteil
Europas und der Vereinigten Staaten verstärken?
Zunächst, wie Präsident Bush und Außenminister
Baker wiederholt in öffentlichen Erklärungen klargestellt haben, betrachtet Amerika die europäische Sicherheit weiterhin als entscheidend für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind
und bleiben eine europäische Macht.

Während viele Amerikaner in den dreißiger Jahren
unklugerweise den Aufstieg des Nationalsozialismus
als rein europäische Angelegenheit betrachteten, die
sie ignorieren zu können meinten, wußten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die vom
kommunistischen Expansionsdrang ausgehende
Bedrohung der Freiheit für die Vereinigten Staaten
eine Angelegenheit lebenswichtigen Interesses war.
Es war eine Herausforderung, die nicht nur in Europa,
sondern weltweit erfolgreich bestanden werden mu ßte
- und bestanden wurde.

Es trifft zu, daß der Kalte Krieg vorüber ist. Aber der
blutige Bürgerkrieg, der heute dort wütet, wo vormals
Jugoslawien war - und das Potential ethnisch begründeter Auseinandersetzungen in der ehemaligen Sowjetunion - sind eindeutige Beweise dafür, daß das
goldene Zeitalter von Frieden und Stabilität in Europa
noch nicht angebrochen ist. Die alten Bedrohungen
sind verschwunden, aber neue Ungewißheiten sind
entstanden, die nur durch anhaltendes und enges
amerikanisches Engagement in Europa und insbesondere mit unseren Verbündeten in der NATO gemeistert
werden können.

Nach vierzig Jahren war auch der Sieg im Kalten Krieg
errungen - kein Sieg über das sowjetische Volk, sondern ein Sieg über ein unmenschliches System. Endlich
haben wir - um mit den Worten Präsident Bushs zu
sprechen - ein ungeteiltes und freies Europa vor uns.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Überzeugung, daß die NATO trotz der Beendigung des kalten
Krieges das zentrale Instrument bleiben muß, mit dem
Amerika und seine Verbündeten den Frieden in Europa bewahren. Die NATO besitzt über vierzig Jahre

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AMERIKA DIENST 24

�Erfahrung bei den Bestrebungen für dieses Ziel. Sie ist
eine Organisation, die wiederholt ihre Fähigkeit bewiesen hat, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen
und gleichzeitig die Interessen all ihrer Mitgliedstaaten
zu respektieren. Dafür werden auch die Vereingten
Staaten im nächsten Jahr über 270 Milliarden Dollar für
Verteidigungausgaben aufwenden, einschließlich
mehrerer Milliarden Dollar zur Beibehaltung einer fähigen
Streitmacht hier in Europa. Und wir werden hier eine
fähige Streitmacht solange beibehalten, wie wir erwünscht sind. Diese Tatsachen sollte man sich vor
Augen führen, wenn man fragt, was Amerika zum
Schutz des neuen Europas zu tun bereit ist.
Einige legen nahe, daß nun, da der Kalte Krieg vorüber
ist, die NATO der Vergangeheit angehört und die
KSZE jetzt anfangen sollte, mehr Verantwortung für
die europäische Sicherheit zu übernehmen. Niemand,
der die Rolle der Vereinigten Staaten in der KSZE
beobachtet hat, kann an unserem Engagement für sie
zweifeln. Es ist jedoch auch unsere feste Überzeugung, daß NATO und KSZE sich ergänzen. Als ein
Gremium, das alle Mitglieder der europäischen/transatlantischen Staatengemeinschaft umfaßt, ist die KSZE
ein lebenswichtiges Forum zur Erörterung der ganzen
Bandbreite von Themen wechselseitigen Interesses einschließlich, aber nicht nur - der Sicherheit. Als
erprobtes Bündnis mit über vierzigjähriger operativer
Erfahrung ist die NATO in einzigartiger Weise geeignet, konkrete Maßnahmen für die Sache des Friedens
und der Sicherheit zu ergreifen. Dieser Tatsache - daß
NATO und KSZE sich gleichzeitig ergänzen und einzigartig sind - wurde von den NATO-Mitgliedstaaten
beim Gipfel von Oslo Rechnung getragen, als sie die
Dienste der NATO für Friedensmissionen im Namen
der KSZE anboten.
Die Sicht der Vereinigten Staaten zu einer europäischen Sicherheitsidentität
Selbst während wir zusammenarbeiten, um die NATO
an die Bedürfnisse des neuen Europas anzupassen,
sind sich die Vereinigten Staaten der Absicht der EGStaaten bewußt, eine europäische Sicherheitsidentität
zu entwickeln. Von Anfang an haben wir das Ziel der
europäischen Integration unterstützt, und unterstützen deshalb das Konzept einer europäischen Sicherheitsidentität. Besonders in dieser Zeit nach dem
Kalten Krieg müssen wir jedoch falsche Nullsummenanalysen ablehnen, die davon ausgehen, daß die europäische Sicherheitsidentität nur auf Kosten der NATO
geschaffen werden kann. Wie wir in Rom und Maastricht vereinbart haben, ist unser Ziel eine stärkere
NATO, die durch eine fähige, ergänzende europäische
Sicherheitsidentität entsteht.
Aus diesem Grund haben wir einige Fragen im Hinblick
auf das geplante deutsch-französische Korps vorgebracht. Da wir seit langem einen stärkeren europäischen Pfeiler befürworten, sind wir uns der Tatsache
bewußt, daß einige die Augenbrauen hochzogen, als
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wir einige Punkte zu dem vorgeschlagenen Korps
äußerten. Tatsache ist aber, daß die Vereinigten
Staaten, wenn sie weiterhin eine Verpflichtung für die
Sicherheit Europas übernehmen sollen, in der Lage
sein müssen, mit den Europäern den Charakter unserer gemeinsamen Sicherheitsarrangements zu erörtern.
Fragen über die Auswirkungen des deutsch-französischen Korps auf die NATO zur Sprache zu bringen,
zieht deshalb unsere anhaltende Unterstützung einer
europäischen Verteidigungsidentität nicht in Zweifel.
Diese Art von offenem Dialog ist eine Grundbedingung
für ein starkes Bündnis. Und, so möchte ich hinzufügen, wir begrüßen die Bereitschaft von Bundeskanzler
Kohl, Verteidigungsminister Rühe, und Außenminister
Kinkel, unsere Fragen zu diesem Thema zu erörtern.
Wir blicken kontinuierlichen Gesprächen erwartungsvoll entgegen, zwischen Europäern in der WEU und
zwischen den Verbündeten in der NATO, zu unserem
gemeinsamen Ziel einer stärkeren europäischen
Sicherheitsidentität und einer stärkeren NATO.
Zu einer breiter gefächerten Beziehung
Sicherheit ist ein entscheidend wichtiges Thema, aber
nur ein Teilbereich der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es stimmt, daß uns das Ende des Kalten
Kriegs - mit seinem eminent wichtigen, aber ziemlich
engen Blickwinkel darauf, wie der Bedrohung durch
eine sowjetische Aggression entgegenzutreten sei neue Möglichkeiten bietet, die Perspektive unserer
Beziehungen zu erweitern.
Ein Bereich von zunehmender Bedeutung ist dabei
sicherlich Wirtschaft und Handel. Schließlich sind
gesunde Volkswirtschaften nicht nur für das Wohlergehen unseres Volkes entscheidend, sondern auch für
unsere Fähigkeit, die Lebensbedingungen derjenigen
zu verbessern, die weniger glücklich sind als wir. Und
wir glauben, daß wir dieses Wohlergehen durch Kooperation und Kompromisse am besten garantieren
können.
Wie die schwierigen Verhandlungen über Agrarsubventionen und GATT zeigen, gibt es Bereiche, in
denen eine Zusammenarbeit schwierig ist. Aber wenn
wir unser starkes, übergeordnetes Interesse an der
Erarbeitung akzeptabler Kompromisse im Gedächtnis
behalten, sollten wir in der Lage sein, zu unserem
gemeinsamen Vorteil zusammenzuarbeiten. In dieser
Hinsicht möchte ich betonen, wie sehr wir das Engagement des Bundeskanzlers für ein beiderseitig positives
Ergebnis der GATT-Verhandlungen begrüßen.
Ein weiterer Bereich, in dem die Vereinigten Staaten
ihr Engagement in Europa zu verstärken trachten - und
dies gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten
zu tun wünschen - ist die gewaltige Aufgabe, den
Ländern Osteuropas und den nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstandenen Staaten dabei zu

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�helfen, das verheerende politische und wirtschaftliche
Erbe des Kommunismus zu überwinden.

"Wachstumssektoren" in den amerikanisch-europäischen Beziehungen sein sollte.

Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten
Staaten für die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion etwa sieben Milliarden Dollar bereitgestellt oder
zugesagt. Gemeinsam mit Deutschland haben wir den
Grundstein für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und der Ukraine gelegt, um das
Problem der Abwanderung fähiger Wissenschaftler zu
bewältigen. Wir haben die Aktion Hoffnung ins Leben
gerufen, um die dringendste humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der jüngsten Konferenz in Lissabon trafen
sich 63 Länder, um weitere Schritte der Hilfe für die
ehemalige Sowjetunion in Erwägung zu ziehen.
Außenminister Baker hat eine Initiative angekündigt,
um die Sicherheit des Betriebs von Atomkraftwerken
sowjetischer Bauart in Eurasien zu verbessern. Als
Teil des Pakets hat er 25 Millionen Dollar zugesagt.

Was die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und
ihrer NATO-Partner in den vergangenen vierzig Jahren letztlich ermöglicht hat, war ein System gemeinsamer Werte. Nun, da der kalte Krieg vorüber ist, haben
wir die Chance - und ich würde in der Tat sagen, die
moralische Verpflichtung - diese Werte auf die Länder
auszudehnen, die jetzt aus der Dunkelheit des kommunistischen Totalitarismus herausgetreten sind.
Meines Erachtens können Kulturaustauschprogramme der Art, wie sie die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den vergangenen vierzig Jahren bereichert
haben, als Modell für unsere gemeinsamen Bestrebungen dienen. Wir möchten unsere Werte wie die
Achtung der Rechte des einzelnen, Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Marktwirtschaft, die
uns so gut gedient haben, auf die Länder Osteuropas
ausdehnen.

Präsident Bush hat unsere Unterstützung für das
multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7
bekundet, deren Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-DollarPaket wird Rußland helfen, seine Volkswirtschaft zu
stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
und den Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Die Vereinigten Staaten werden nahezu 20 Prozent zu diesem Paket beitragen. Ferner sind wir daran
interessiert, daß wir IWF-Hilfe fürdie anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bereitstellen.
Die Aufgabe der Schaffung eines "ungeteilten und
freien Europas", in dem all seine Bürger sicher in
Frieden, Demokratie und Wohlstand leben, und wo die
bösen Dämonen des Völkerhasses in der Flasche
bleiben, ist eine Aufgabe für uns alle. Außenminister
Baker hat diese Aufgabe als "kollektives Engagement"
bezeichnet. Es ist eine Aufgabe für die neuen Demokratien selbst, weil keine Hilfe effektiv sein kann, wenn
sie nicht auf Selbsthilfe stößt. Es ist eine Aufgabe für
die wohlhabenden Demokratien Westeuropas, die nicht
nur Geld und Know-how bereitstellen können, sondern
- was noch wichtiger ist - ein Beispiel geben, wie alte
Haßgefühle beigelegt werden können. Und es ist eine
Aufgabe für die Vereinigten Staaten, die darin eine
direkte Fortführung des Engagements in Europa sehen, das seit fünfzig Jahren zu unserem beiderseitigen
Vorteil erfolgt ist.
Eine erweiterte kulturelle Partnerschaft
Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation bei der Stabilisierung der neuen östlichen
Mitglieder der europäischen Familie - all dies ist vordringlich, schöpft aber die mögliche Bandbreite stärkeren amerikanischen Engagements in Europa in keiner
Weise aus. Während der kalte Krieg verebbt, werden
kulturelle und persönliche Kontakte noch wichtiger als
in der Vergangenheit. Ich bin der festen Überzeugung,
daß kulturelle Zusammenarbeit einer der echten

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Einige Programme sind bereits mit der "Sicherung des
demokratischen Friedens" befaßt, wie Außenminister
Baker es bezeichnete. Wir haben das Peace Corps
auf Osteuropa ausgedehnt und hoffen, daß bis zum
kommenden Winter mindestens 250 dieser Freiwilligen in der ehemaligen Sowjetunion sein können. Darüber
hinaus benutzen wir das International Executive Service Corps, um pensionierte amerikanische Führungskräfte nach Osteuropa zu entsenden, damit sie ihre
dringend benötigte Managementerfahrung einbringen
können. Das Bürgerkorps Demokratie - eine von
Präsident Bush 1990 ins Leben gerufene nationale
gemeinnützige Organisation - hilft ferner bei der Verwaltung der freiwilligen Unterstützung des amerikanischen Privatsektors für die Volkswirtschaften im Übergang.
Gleichzeitig sollten wir die zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland geschaffenen Bande weiterhin stärken, denn sie bilden die Grundlage unserer
Zusammenarbeit bei der Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen. Wir können Programmen wie dem parlamentarischen Patenschaftsprogramm Kongreß/Bundestag, dem Fulbright-Programm,
dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem
deutsch-amerikanischen Partnerschaftsprogramm und
ähnlichen Bestrebungen nicht genügend Bedeutung
beimessen. Natürlich wissen wir die wichtigen privaten Austauschprogramme zu schätzen, einschließlich
der Schirmherrschaft, die die Adenauer-Stiftung jährlich über eine Delegation des amerikanisch-jüdischen
Komitees übernimmt. Letzte Woche hatte ich das
Vergnügen, diese Delegation bei einem von mir gegebenen Empfang im Anschluß an ihr Mittagessen mit
Kanzleramtsminister Bohl begrüßen zu können.
Wie Ministerpräsident Vogel von unserem Treffen in
Erfurt am 9. April weiß, möchten die Vereinigten Staaten insbesondere die Menschen in den neuen Bundesländern einbeziehen. Bei meinem Besuch in Neubran-

AMERIKA DIENST 24

�denburg im Januar konnte ich mit großer Freude
bekanntgeben, daß die Vereinigten Staaten das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme
um über eine Million Dollar aufstocken, um dem wachsenden Bedarf in den neuen Bundesländern gerecht
zu werden. Bis heute haben wir im Rahmen des
internationalen Besucherprogramms auf unsere Kosten über einhundert junge Deutsche aus den neuen
Ländern in die Vereinigten Staaten eingeladen - Menschen aus allen Berufssparten, in denen wir zukünftige
Führungskräfte sehen - und wir gehen davon aus,
dieselbe Anzahl im nächsten Haushaltsjahr einzuladen. Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
vor kurzem die Gründung der RIAS-Kommission
angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen Medienvertretern und Medienzentren in den
neuen Ländern und den Vereinigten Staaten zum Ziel
hat. Und schließlich stiften die US-Streitkräfte in
Europa Städten und Universitäten in den neuen Bundesländern englischsprachige Bibliotheken amerikanischer Militärstützpunkte, die jetzt geschlossen werden. Bis heute wurden über 125.000 Bücher vom
Westen für den Osten gestiftet - ein greifbares Beispiel
dafür, wie "Schwerter zu Pflugscharen" werden.
Amerika und Europa: Ein Erfahrungsaustausch
Ich habe bereits auf die traditionelle Betrachtungsweise Amerikas von sich selbst als "Stadt auf dem Hügel"
hingewiesen als ein Beispiel, von dem andere etwas
lernen können. Können die Vereinigten Staaten tatsächlich als Teil ihres Engagements in Europa Lektionen anbieten, die sie aus ihren eigenen Erfahrungen
gezogen haben?
Obwohl ich ganz sicher nicht der Kategorie der gegenwärtig so in Mode gekommenen Untergangspropheten angehöre, die die Vereinigten Staaten als kurz vor
dem endgültigen Untergang darstellen, bin ich doch
nicht blind gegenüber den vielen Bereichen, in denen
mein Land große soziale Probleme hat, die dringend
bewältigt werden müssen. Los Angeles ist dafür eine
gute Gedächtnisstütze.
Dennoch bin ich der Ansicht, daß es Dinge gibt, die
Europa von Amerika lernen kann, ebenso wie es viele
Dinge gibt, die Amerika von Europa lernen kann und
lernen sollte.
Amerikanischer Utopismus - die Vision der "Stadt auf
dem Hügel" - wurde immer von einem starken Bewußtsein aufgewogen, daß die Aufgabe des Aufbaus einer
gerechten Gesellschaft stetes Bemühen verlangt. Politik
in Amerika ist keine Suche nach einer definitiven
ideologischen Wahrheit, sondern ein pragmatischer
Prozeß, bei dem die Regierung Antworten auf die
konkreten Bedürfnisse der Bürger nach einem besseren Leben finden muß.
*

AMERIKA DIENST 24

*

Keine vergangene oder gegenwärtige Regierung ist
ein Modell für eine perfekte Gesellschaft. Amerikas
einzigartiger Beitrag ist das Beispiel von Menschen
unterschiedlicher Rassen, Vorgeschichte und Kulturen mit dem kontinuierlichen Bestreben zum Aufbau
und zur Aufrechterhaltung einer demokratischen
Gesellschaft, die den Interessen aller dient. Wir haben
in der Vergangenheit bei diesen Bestrebungen Rückschläge erlitten. In Zukunft werden wir noch mehr
Rückschläge erleiden. Aber Amerika ist eine funktionierende vielrassische, multikulturelle Gesellschaft.
Während sich Europa der zunehmenden Völkervielfalt
stellt, sollten die Europäer unsere Erfahrungen prüfen,
sowohl, um die Dinge aufzugreifen, die wir richtig
gemacht haben als auch um unsere Fehler zu vermeiden.
Schlußbemerkung
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem Kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwierigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.
Das vor uns liegende Jahrhundert hält unvergleichliche Versprechungen und beispiellose Herausforderungen bereit. Wir befinden uns an einem Punkt, wo
die alten Ideologien der Tyrannen zusammengebrochen sind, an der Schwelle der erweiterten Freiheit.
Dennoch sind Armut, die ökologische Bedrohung für
unseren Planeten Erde und politische Instabilität auf
der Welt furchteinflößende Herausforderungen. Diesen Herausforderungen können wir Amerikaner und
Europäer am besten entgegentreten - und vielleicht
nur dann entgegentreten - wenn wir weiterhin Seite an
Seite stehen. Aus diesem Grund wollen die Vereinigten Staaten ihre Verbindungen zu unseren alten europäischen Freunden und Institutionen wie Deutschland
und die NATO als bestem Mittel zum Aufbau von
Verbindungen zu neuen Freunden und neuen Institutionen vertiefen. Das ist die Bedeutung stärkeren
amerikanischen Engagements im neuen Europa.
Ich danke Ihnen und stehe jetzt gerne für Fragen zur
Verfügung.

*

*

Seite 5

�NATO
17. Juni 1992

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel
basiert auf einer Rede vor der U. S. Military Academy Senior Conference in West Point (New York).

In den vergangenen drei Jahren hat sich die NATO
enorm gewandelt - sehr viel mehr als allgemein beachtet - um sich an das drastisch veränderte internationale
Umfeld anzupassen. Darüber hinaus war die NATO
eine treibende Kraft des Wandels und hat das Sicherheitsumfeld zum besseren gewendet.
Dennoch bezweifeln zahlreiche Leute - insbesondere
wenn ihnen diese Veränderungen entgangen sind,
aber auch diejenigen, die sie bemerkt haben - daß es
noch einen Bedarf für das Bündnis gibt, nun da Westeuropa sicherer ist als seit mindestens fünfzig Jahren.
Meine Antwort darauf könnte in einem Satz zusammengefaßt werden - das Bündnis ist heute erneut von
Bedeutung: erstens zur Bewahrung des bisher Erreichten, zweitens zum Schutz der Versprechungen
der Gegenwart und drittens zur Verwirklichung einer
noch vielversprechenderen Zukunft. Zunächst wird
das Prinzip der gemeinsamen Verteidigung, das eines
der größten bisherigen Leistungen der NATO war,
auch in Zukunft von ebensolcher Bedeutung sein,
wenn Sicherheitsrisiken höchstwahrscheinlich gering,
Unsicherheit und Unberechenbarkeit jedoch größer
sein werden. Zweitens ist die von der NATO heute gebotene Stabilität nicht nur für die Mitglieder des Bündnisses lebenswichtig, sondern noch mehr für die neuen Regierungen und Nationen Osteuropas und der
ehemaligen Sowjetunion, die um den Erhalt ihrer hart
errungenen Unabhängigkeit und Demokratie kämpfen. Die von der NATO gebotene Stabilität ist die
erforderliche Grundlage für den künftigen politischen
und wirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Demokratien.
Drittens hat die NATO die Chance zur Gestaltung einer
völlig neuen Zukunft, indem sie diese neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas und vor allem Rußland in
die demokratische Sicherheitsgemeinschaft einbezieht,
in die demokratische "Friedenszone", die während des

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Kalten Kriegs gegründet wurde. Dennoch wird der
Erfolg dieser drei Missionen weiterhin von der amerikanischen Führungsrolle und einer starken amerikanischen Rolle in europäischen Sicherheitsangelegenheiten abhängen, und diese Führungsrolle hängt wiederum davon ab, daß uns etwas gelingt, mit dem wir
immer Schwierigkeiten hatten: eine drastische Reduzierung unserer Streitkräfte vorzunehmen, ohne die
während des Kalten Kriegs unter großen Opfern erreichte Sicherheitsposition aufzugeben.
Ich möchte mit dem Eingeständnis beginnen, daß ich
immer wieder verwundert darüber bin, wie wenig Aufmerksamkeit dem bemerkenswerten Weg geschenkt
wird, den die NATO in jüngster Zeit zurückgelegt hat,
sowohl bei der Anpassung ihrer Strategie an das neue
internationale Umfeld als auch - was noch wichtiger ist
- bei der Verwirklichung der tiefgreifenden Refomen,
die in der Tat den dramatischen Kurs der jüngsten
Geschichte beeinflußt haben. Bei diesen beiden Ereignissen war die amerikanische Fühungsrolle von
großer Bedeutung.
Im folgenden möchte ich Ihnen vier Beispiele nennen,
wie die NATO unter amerikanischer Führung den Lauf
der Ereignisse verändert und beeinflußt hat. Erstens
hat die beim NATO-Gipfel im Mai 1989 in die Wege
geleitete Initiative den Prozeß der konventionellen
Rüstungskontrolle in Europa umgestaltet. Zusammen
mit anderen politisch Verantwortlichen im Bündnis hat
Präsident Bush eine dramatische neue Initiative zur
konventionellen Rüstungskontrolle vorgeschlagen, die
Bereiche erweitert, die die NATO im Rahmen des
KSE-Vertrags einzubeziehen bereit war und gleichzeitig die Verhandlungen beschleunigt. Das Ergebnis ist
ein KSE-Vertrag, der jetzt einen wesentlichen Beitrag
zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas
leisten wird.

Seite 1

�Zweitens hat das Bündnis in den vergangenen drei
Jahren das Einsatzkonzept und die Doktrin seiner
nuklearen Gefechtsfeldwaffen revolutioniert. Damit
wurde das Fundament für Präsident Bushs kühne und
historische Initiative vom 27. September 1991 zu den
Nuklearstreitkräften gelegt, in der er unter anderen
wesentlichen Schritten den Abzug aller amerikanischen landgestützten taktischen Nuklearwaffen aus
Europa ankündigte. Infolgedessen wird das atomare
Arsenal der NATO auf ein Fünftel seines bisherigen
Umfangs reduziert. Vielleicht noch wichtiger ist, daß
die kontroverse Debatte über nukleare Gefechtsfeldwaffen, die im Jahr 1989 das Bündnis zu spalten
drohte, durch einen Konsens über die Notwendigkeit
eines Mindestniveaus von aus Mehrzweckkampfflugzeugen bestehenden kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräften in Europa zur Bewahrung von
Frieden und Stabilität ersetzt wurde.

Im Mittelpunkt dieser bemerkenswerten Leistungen
stand die kontinuierliche Effektivität der amerikanischen Führungsrolle seit dem Zweiten Weltkrieg bei
der Schaffung der erforderlichen Bedingungen für die
westeuropäischen Nationen, ihre gemeinsame Verteidigung in kollektiver Weise bereitzustellen, statt in
vergeblichen - und damit gefährlichen - Unterfangen
Krisen als einzelne Nationen im Alleingang zu meistern
zu versuchen. Auf den Punkt gebracht ist das die
Bedeutung der NATO - eine der erfolgreichen Eindämmung des Kommunismus über vierzig Jahre hinweg
ebenbürtige Leistung und eine Errungenschaft, deren
Bewahrung selbst nach dem Zusammenbruch und
dem Verschwinden des Kommunismus lebenswichtig
ist. Dies ist die erste Antwort, die ich auf die hartnäkkige Frage geben möchte, warum wir die NATO selbst
nachdem es keine sowjetische Bedrohung mehr gibt
noch benötigen.

Drittens - und vielleicht am wichtigsten - war die
amerikanische Reaktion auf den Zusammenbruch des
Kommunismus in Ostdeutschland. Unmittelbar nach
dem Fall der Berliner Mauer nutzte Präsident Bush den
Augenblick, um unsere Unterstützung für eine rasche
Vereinigung zum Ausdruck zu bringen und setzte den
Mechanismus zu deren Verwirklichung in Gang - den
sogenannten Zwei-plus-Vier-Prozeß. Von überragender Bedeutung ist, daß das vereinigte Deutschland
Vollmitglied der NATO ist.

In dem Maße, in dem wir derzeit Frieden und Wohlstand im Großteil Europas genießen, ist dies ein
Ergebnis der Sicherheitsstruktur, die wir im Westen
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Das
System der kollektiven Verteidigung hat das hervorgebracht, was Verteidigungsminister Cheney als Amerikas "stillen Sieg" bezeichnet hat - die Schaffung einer
wohlhabenden, vornehmlich demokratischen, marktorientierten "Friedenszone" in Europa und Asien. Im
Gegensatz zu der Zerstörung und Tragödie, die Europa von 1900 bis 1945 erleiden mußte, haben die
westeuropäischen Nationen praktisch ein halbes Jahrhundert beispiellosen Wohlstands erlebt. Zusammen
haben wir ein Umfeld geschaffen, von dem man fairerweise sagen kann, daß Krieg zwischen diesen Ländern wirklich undenkbar ist. Das ist ein dramatischer
Bruch mit der tragischen Vergangenheit Europas.

Schließlich hat das Bündnis wichtige Schritte zur Einbeziehung der neuen Demokratien nicht nur als ehemalige Gegner sondern als zukünftige Partner unternommen. Dies war die Botschaft des Londoner Gipfels, der eine neue NATO-Strategie für die Zeit nach
dem Kalten Krieg definierte. Eine der wichtigsten
Initiativen war die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats - oder NAKR - im Dezember vergangenen Jahres, der die Zusammenarbeit zwischen den
Bündnispartnern und den Ländern des ehemaligen
Warschauer Pakts erleichtem soll. Er bietet ein Forum
und die Gelegenheit zur Arbeit mit den neuen Demokratien in Bereichen von gemeinsamem Sicherheitsinteresse, einschließlich Fragen der Verteidigungsplanung, Rüstungskonversion und anderen mit der Rüstungsindustrie und dem Verteidigungshaushalt in
Zusammenhang stehenden Themen.
Ich möchte die scharfsinnigen Worte des britischen
Verteidigungsministers Malcolm Rifkind aus einer
wichtigen, vor kurzem über die künftige Sicherheit
Europas gehaltenen Rede zitieren: "Diese Entwicklungen illustrieren das anhaltende Engagement aller 16
NATO-Mitgliedstaaten für die Zukunft des Bündnisses. Sie veranschaulichen die Flexibilität der NATO,
ihre Fähigkeit zur Anpassung an die Ereignisse und
ihre lebenswichtige Bedeutung für die Zukunft der
europäischen und transatlantischen Verteidigung."

Seite 2

Obwohl wir und unsere Verbündeten uns bewußt sind,
daß die heute abzuschreckenden Bedrohungen zweifelsohne geringer und weiter entfernt sind als zu der
Zeit, in der wir uns Dutzenden von sowjetischen Divisionen im Herzen Europas gegenübersahen, ist das
derzeitige Sicherheitsumfeld nicht frei von Gefahren.
Es ist uns allen gedient, wenn wir diese uns alle
betreffenden Gefahren gemeinsam bewältigen, so wie
wir uns der größeren Gefahr in der Vergangenheit aus
denselben Gründen gestellt haben. Die Alternative
wären individuelle Bestrebungen, die vielleicht unwirksam wären, mehr kosten und sogar zu Wettbewerb
unter ehemaligen Verbündeten führen könnten.
Die amerikanische Führungsrolle ist immer noch ein
unabdingbarer Faktor für den Zusammenhalt einer
starken Struktur des Bündnisses. Und das Schlüsselelement, das diese Struktur zusammenhält, sind immer
noch die vornestationierten amerikanischen Streitkräfte in Europa. Bedauerlicherweise sehen einige besonders in diesem Land - die amerikanische Militär-

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�macht als Gerüst, das nun, da die Struktur vollendet
ist, problemlos abgebaut werden kann. Das ist natürlich eine bloße Annahme. Wie jeder, derein altes Haus
renoviert hat, weiß, muß man, bevor man eine Wand
einreißt, sicherstellen, daß es keine "tragende Wand"
ist. Wie "tragend" sind unsere vornestationierten Streitkräfte in Europa? Ich kann es nicht mit Sicherheit
sagen, und es verblüfft mich, wenn Leute im Brustton
der Überzeugung behaupten, der Abzug unserer Streitkräfte aus Europa sei kein Problem. Vielleicht denken
sie, die Bewahrung regionalen Friedens sei eine einfachere Angelegenheit als der Umbau eines Hauses.
Die amerikanische Führungsfähigkeit bei der Bewahrung des Schwerpunkts kollektiver Aktionen ergibt sich
aus den über vier Jahrzehnte hinweg entwickelten
soliden und stetigen Arbeitsbeziehungen mit unseren
Verbündeten. Ein Schlüsselelement dieser Beziehungen ist das Muster der routinemäßigen Zusammenarbeit, das mit der Beibehaltung einer amerikanischen
Kampftruppe in Europa einhergeht, die zu Ausbildungs- und Übungsaktivitäten mit ihren europäischen
Partnern in der Lage ist. Dasselbe gilt für die Gelder,
die von den Vereinigten Staaten in verschiedene Infrastrukturprojekte der NATO in ganz Europa investiert
wurden. General Galvin hat meines Wissens mehr
Stunden als irgendjemand anders mit Versuchen verbracht, den Kongreß von der Klugheit dieser Investitionen zu überzeugen. Glücklicherweise mußten wir
diese Einrichtungen niemals in einem Krieg gegen den
Warschauer Pakt einsetzen, aber sie waren vorhanden, als wir sie während des jüngsten Golfkriegs
benötigten. Ohne Zugang zu von unseren Verbündeten - bisweilen kurzfristig - bereitgestellten Einrichtungen in Portugal, Spanien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Griechenland und der Türkei
wäre es erheblich schwieriger gewesen, Truppen an
den Persischen Golf zu verlegen und dort effektiv zu
operieren.
Bündnisbeziehungen und Bündnisstrukturen werden
unabhängig davon, ob wir als offizielles Bündnis handeln oder nicht, nach wie vor wichtig für unsere Fähigkeit sein, mit Bedrohungen an Orten wie dem Persischen Golf umzugehen. Man braucht jedoch nicht
über Europa hinauszugehen, um potentielle Gefahren
zu erkennen, und damit komme ich zu dem zweiten
Grund, aus dem wir die NATO nach wie vor benötigen,
nämlich, um die Stabilität in Europa zu unterstützen,
die unerläßlich ist, wenn die jungen Demokratien des
ehemaligen Warschauer Pakts bei ihrem Kampf erfolgreich sein wollen, Demokratie und Unabhängigkeit
eine solide Grundlage zu verschaffen. Westeuropa
erscheint heute stabiler und sicherer als in den vergangenen Jahrhunderten, aber das gilt nicht für Europa als
Ganzes. Und bevor nicht Europa als Ganzes sicher ist,
wird selbst die Sicherheit Westeuropas fraglich bleiben. Die NATO muß weiterhin eine wichtige Rolle
spielen, um zu gewährleisten, daß die Bedrohungen
für die europäische Sicherheit auf ein Mindestmaß

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beschränkt bleiben oder, besser noch, gar nicht erst in
Erscheinung treten.
Dies ist eindeutig die Botschaft, die wir von unseren
Freunden in Mittel- und Osteuropa vernehmen, die
darauf zählen, daß die NATO eine solche Rolle spielt.
Es ist erstaunlich, daß einige der nachdrücklichsten
Befürworter der anhaltenden Existenzberechtigung der
NATO und der Bedeutung amerikanischer Truppen in
Europa die neuen demokratischen Entscheidungsträger wie Vaclav Havel und Lech Walesa sind. S-*hat
Präsident Havel erklärt: "Die Instabilität in der ehemaligen UdSSR, in den baltischen Republiken, und insbesondere die Instabilität am Golf zeigt, daß wir nicht nur
an die in weiter Ferne liegende Zukunft denken und
von paneuropäischen Sicherheitsstrukturen träumen
können. Natürlich sollten und müssen wir dies tun,
aber wir können uns nicht darauf beschränken, und wir
müssen darüber hinaus die spezielle und aktuelle
Sicherheitslage bedenken. Diese Lage... verdeutlicht
und verstärkt Argumente für die engere Zusammenarbeit mit der NATO." Selbst in Rußland äußern viele
Demokraten die Ansicht, daß die NATO - die neue und
umgestaltete NATO - für die Stabilität Europas unabdingbar ist.
Wir begrüßen die Entwicklung anderer Institutionen
wie der KSZE als Instrument zur Beilegung von Konflikten, der WEU als Mittel für unsere europäischen
Verbündeten, ihren Eigenbeitrag zur gemeinsamen
Verteidigung zu stärken, des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) der NATO als Mittel, mit dem
unsere ehemaligen Gegner an der NATO teilhaben
können. Aber diese ergänzenden Institutionen werden
ihre Aufgaben nur dann wirksam erfüllen, wenn daneben als Kernstück eine starke NATO besteht, so daß
sie mit der Autorität und Macht dieser außergewöhnlichen Allianz sprechen und handeln können.
Aus diesem Grund hoffen und erwarten wir, daß sich
diese anderen europäischen Institutionen im Einklang
mit den in Rom verabschiedeten und unlängst bei den
Frühjahrstagungen 1992 bekräftigten Vereinbarungen
der NATO entwickeln werden. Wir hoffen darüber
hinaus, daß solche Arrangements auch im Einklang
mit den von den Europäern selbst beim EG-Gipfel in
Maastricht getroffenen Vereinbarungen Gestalt annehmen werden, die WEU als Verteidigungskomponente der Europäischen Union zu entwickeln, um
damit Europa, das Bündnis und die Sicherheit auf dem
gesamten Kontinent zu stärken. Aus diesem Grund
sind wir sehr darum bemüht sicherzustellen, daß das
neu gegründete deutsch-französische Korps die Integrität und Effektivität des Bündnisses letztlich stärkt und nicht schwächt.
Dies bedeutet insbesondere, daß wir einige ernste
Fragen über die vorrangige Unterstellung von Einheiten sowie die Verfahren stellen, mit denen sie dem
Kommando der NATO unterstellt werden.

Seite 3

�Wenn wir das sichere Umfeld bereitstellen können, in
dem sich die neuen Demokratien etablieren und gedeihen können, werden wir die Tür zu einer noch hoffnungsvolleren Zukunft aufstoßen. Wir können über
die Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen und
Antagonismen in Europa hinausgehen, um heute aus
ehemaligen Gegnern Sicherheitspartner zu machen.
Dazu wird hoffentlich als wichtigstes Element ein
demokratisches Rußland gehören. Eine solche Leistung würde die demokratische "Friedenszone" auf
ganz Europa und darüber hinaus ausdehnen. Und
dies wird es uns gestatten zusammenzuarbeiten, um
die ganze Welt zu einem sichereren und friedlicheren
Ort zu machen.
Wir unternehmen bereits erste Schritte, um mit Rußland, der Ukraine und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie den Ländern Ost- und Mitteleuropas an der Schaffung einer Sicherheitsgemeinschaft
zu arbeiten, die alle demokratischen Länder bei der
Bewahrung einer friedlichen Ordnung vereint, in der
alle zu Wohlstand gelangen können. Indem wir diese
Schritte unternehmen, können wir ein Element der
Sicherheit bereitstellen, das Ru ßland und den anderen
neuen Demokratien verdeutlicht, daß es sicher ist,
Ressourcen auf den Aufbau der Demokratie und freier
Märkte zu lenken anstatt Panzer und Raketen zu
bauen.
Einer der wichtigsten neuen Wege, mit denen die
NATO ihrer Mission gerecht wird, ist die Erarbeitung
von Möglichkeiten, um mit den neuen Demokratien
gemeinsam die Neufassung ihrer Einsatzkonzepte in
Angriff zu nehmen. So kann die NATO durch Kontakte
zwischen den Militärs eine exzellente Informationsquelle sein, um den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts dabei zu helfen, die offensive Militärdoktrin zu einer defensiven Doktrin zu verändern. Bei
dieser Umgestaltung geht es ebenso darum, Gesellschaften vom Militarismus der Vergangenheit abzuwenden wie darum, sie zu demokratischen Werten und
freien Märkten hinzuführen. Je mehr Vertrauen diese
Staaten in ihre eigene Sicherheit haben, desto mehr
werden sie tun, um knappe Ressourcen auf die Schaf-

fung von Demokratie und freien Märkten zu konzentrieren. Dieses Ziel ist von äußerster Bedeutung für die
einzelnen Länder, für Europa als Ganzes und für die
Vereinigten Staaten.
Die NATO hat sich in diesen Prozeß auch durch die
Veränderungen eingeschaltet, die wir bei unserer eigenen Doktrin, Strategie und unserem Einsatzkonzept
vornehmen. In der Tat gibt es zahlreiche Indizien, die
beweisen, daß der Wandel der NATO im Hinblick auf
ihre strategische Orientierung grundsätzlich positive
Auswirkungen auf die Entwicklungen in der damaligen
Sowjetunion hatte. Die erfreulichste Bestätigung hierfür wurde mir bei einer kürzlichen Reise nach Moskau
zuteil, als mir ein demokratisch eingestellter Offizier
mitteilte, daß die Strategieänderungen der NATO beim
Londoner Gipfel für ihn und seine Kameraden äußerst
hilfreich gewesen seien, um die Offiziersversammlung
in Moskau im vergangenen Januar zu veranlassen,
einen gemäßigten Kurs einzuschlagen und eine Konfrontation mit der neuen demokratischen Führung
Rußlands zu vermeiden.
Der Weg zum Erfolg ist noch mit zahlreichen Fallstrikken versehen. Innenpolitisch können die wirtschaftlichen Reformprozesse äußerst schmerzhaft sein, und
die jungen demokratischen Institutionen sind noch
schwach. Darüber hinaus bestehen innerhalb der
Länder wie zwischen ihnen zahlreiche ethnische und
nationale Probleme, die spontan aufflammen oder von
Altkommunisten und extremen Nationalisten ausgenutzt werden könnten, um die demokratische Legitimität zu untergraben.
Wenn - wie Verteidigungsminister Cheney vor dem
Kongreß erklärte -, die Demokratie trotzdem in diesen
Staaten im Lauf der Zeit an Reife gewinnt, besteht jede
Möglichkeit, daß sie nicht nur in Europa, sondern auch
in anderen entscheidenden Regionen eine Kraft für
den Frieden werden. Wir können uns in der Tat sehr
gut vorstellen, daß wir in Krisen wie den Operationen
WüstenschildAMistensturm von Rußland oder anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in 10 Jahren
nicht nur politische, sondern auch militärische Unterstützung erhalten.

* * * *

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�ATOMTESTS
17. Juni 1992

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Die Zusammenfassung und das Weißbuch über Atomtests, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen, wurden kürzlich vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegeben.

Die jüngsten Ereignisse werden in den kommenden
Jahren eine drastische Reduzierung der Anzahl amerikanischer Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben
die Frage gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb
ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre
Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr
strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Dies läßt sich anhand folgender Punkte erklären:
Die Vereinigten Staaten führen Atomtests aus folgenden technischen Gründen durch:
Sicherheit - Verbesserte Sicherheitsvorrichtungen für
Kernwaffen werden weiterhin erprobt. Diese Versuche sind unerläßlich, um sicherheitstechnische Verbesserungen bei Kernwaffen vorzunehmen. Unabhängige Untersuchungen wissenschaftlicher Gremien
haben die Vereinigten Staaten dazu aufgefordert, ihre
Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheit fortzuführen.
Zuverlässigkeit - Jeweils eines von drei seit 1958
eingeführten Konstruktionsmustern erforderte Kernwaffenversuche, um nach Stationierung dieser Waffen
entstandene Probleme zu beheben. Die Zuverlässigkeit des nuklearen Arsenals würde ohne stetige Atomtests mit der Zeit abnehmen.
Überlebensfähigkeit - Atomtests sind unabdingbar,
um die Haltbarkeit militärischer Systeme zu entwickeln
und verifizieren, die in einem nuklearen Umfeld operieren müssen.
Nukleare Abschreckung wird ein Schlüsselelement der Verteidigungsstrategie sowie die grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung
auf Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen. Die Vereinigten Staaten führen

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diese Tests in umweltverträglicher Art und Weise
sowie im Einklang mit allen bestehenden internationalen Abkommen durch.
Einige behaupten, ein umfassendes Atomtestverbot werde den "Rüstungswettlauf beenden".
Die Ereignisse der vergangenen Jahre strafen
diese Behauptung jedoch Lügen, denn die Fortschritte in der sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrolle sowie jüngste amerikanische
Initiativen und russische Reaktionen zeigen,
daß die Einstellung von Atomtests nicht erforderlich ist, um stabilisierende Abrüstungsmaßnahmen zu erzielen.
Enthüllungen im Hinblick auf das irakische
Nuklearprogramm zeigen eindeutig, daß Atomtests für die Entwicklung einer Kernwaffe nicht
erforderlich sind. Behauptungen, die unser
Testprogramm mit der Weiterverbreitung von
Kernwaffen in Verbindung bringen, werden
ebenfalls nicht den Tatsachen gerecht. Die
Atomtests der Vereinigten Staaten hatten keinen erkennbaren Einfluß auf Länder, die zur
Beschaffung eigener Kernwaffen entschlossen
waren.
Ein wesentlich reduzierter Bestand beseitigt
nicht die Notwendigkeit von Versuchen. Die
Vereinigten Staaten haben das Ausmaß ihrer
Kernwaffenversuche - mit Ausnahme des Moratoriums von 1958 bis 1961 - auf den niedrigsten
Stand seit den frühen fünfziger Jahren verringert, und die Vereinigten Staaten müssen ein
bescheidenes aber effektives Programm aufrechterhalten.
Eine Einstellung der Atomtests würde weder
Kernwaffen beseitigen, noch die internationale
Sicherheit erhöhen. Sie würde aber das Ver-

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�trauen der Vereinigten Staaten in ihr verbleibendes nukleares Abschreckungspotential untergraben und ernsthaft ihre Fähigkeit beschneiden, Verbesserungen der nuklearen Sicherheit
vorzunehmen.
Weißbuch über Atomversuche
Die jüngsten Ereignisse werden in den nächsten Jahren einen drastischen Abbau der Zahl amerikanischer
Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben die Frage
gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist
jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Infolge der Rüstungskontrollabkommen mit der ehemaligen Sowjetunion sowie einseitiger Maßnahmen
der Vereinigten Staaten und Rußlands wird der Gesamtumfang des strategischen und taktischen Kernwaffenarsenals erheblich schrumpfen. Trotzdem wird
die strategische nukleare Abschreckung ein Schlüsselelement der neuen Verteidigungsstrategie sowie die
grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung auf
Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen.
Es ist absolut unerläßlich, daß unsere verbleibenden
Bestände durch moderne Forschung, Entwicklung und
Erprobung angemessen unterstützt werden. Die wissenschaftliche Grundlage, die Atomtests erforderlich
macht, kommt in Sicherheit, Zuverlässigkeit und
Überlebensfähigkeit unserer konventionellen und
nuklearen Streitkräfte zum Ausdruck.
Sicherheit
Die Kernwaffen der Vereinigten Staaten sind sicher,
aber neue Technologien, wie etwa zündunempfindliche Explosivstoffe, sind verfügbar geworden, um sie
noch sicherer zu machen. In den vergangenen 40
Jahren hat es mehrere Unfälle mit Kernwaffen gegeben. Sie reichten ihrer Schwere nach von solchen, die
nicht zur Freisetzung von Radioaktivität führten (wie
auf dem Titan-Raketenstützpunkt in Damascus, Arkansas), bis zu einigen wenigen, bei denen die Explosivstoffe in den Waffen zündeten und Radioaktivität
freigesetzt wurde (eine Kemwaffenexplosion fand jedoch
niemals statt). Unser Bewußtsein für die von der
Freisetzung gefährlicher Stoffe ausgehenden Gefahren für die Umwelt ist heute wesentlich stärker als auf
dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Obwohl die
Bilanz der amerikanischen Streitkräfte bei der Vermeidung einer nuklearen Katastrophe in den vergangenen
40 Jahren beispielhaft war, können und sollten wir
mehr tun, um unsere Bevölkerung und unsere Umwelt
zu schützen.
Erstaunlicherweise argumentieren einige Befürworter
eines Atomteststopps, die vorhandenen Bestände seien
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"sicher genug". Eine alternative, verantwortungsbewußte Perspektive wurde in einer Untersuchung präsentiert, die unlängst von einem vom Kongreß eingesetzten unabhängigen Gremium (unter dem Vorsitz
von Sidney Drell) durchgeführt wurde. Das Gremium
empfahl den Vereinigten Staaten, ein neues Gleichgewicht zwischen "den erwünschten militärischen Merkmalen (von Kernwaffen) und den Erfordernissen verbesserter Sicherheit" herzustellen. Um dies zu tun,
sollten die Vereinigten Staaten solchen Konstruktionsmustern den Vorzug geben, die Kernwaffen "so sicher
wie praktisch möglich" machen würden. Wir wissen,
wie solche Konstruktionsmuster entwickelt werden
können. Dies zu tun, erfordert jedoch Atomtests.
Zu diesen sicherheitstechnischen Verbesserungen
gehört der Einsatz von "zündunempfindlichen Explosivstoffen" (insensitive high explosives). Dies sind
Explosivstoffe, die bei der Mehrzahl möglicher schwerer Unfälle praktisch nicht gezündet werden können.
Andere sicherheitstechnische Verbesserungen betreffen elektrische Systeme, die eine verbesserte Zündsicherheit nuklearer Gefechtsköpfe bereitstellen. Solche elektrischen Systeme würden zum Beispiel eine
Waffe vor den Auswirkungen elektrischer Streusignale
wie etwa bei Blitzschlag schützen. Wissenschaftler
der National Laboratories des Energieministeriums
haben phantasievolle Möglichkeiten entwickelt, um
diese Sicherheitsvorrichtungen in bereits existierende
Kernwaffen einzubauen. Diese Waffen werden so
ausgelegt, daß eine Freisetzung nuklearen Materials
bei unbeabsichtigter Zündung praktisch ausgeschlossen ist. Ein erheblicher Teil der in den vergangenen
Jahren durchgeführten Atomtests galt hauptsächlich
der Erprobung dieser neuen Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere Tests des kommenden Jahres werden
ebenfalls vorrangig der Erprobung sicherheitstechnischer Vorrichtungen dienen. Diese Konstruktionsmuster werden darüber hinaus umfangreiche Tests erfordern, bevor sie bestehende Gefechtsköpfe ablösen
können. Das Drell-Gremium und andere Ausschüsse,
die sich mit der Frage der Sicherheit von Kernwaffen
beschäftigten, haben die Notwendigkeit von Atomtests zur Verbesserung der Sicherheit existierender
Bestände verstanden.
Großes Vertrauen in diese verbesserten Sicherheitsvorrichtungen kann ohne ein verantwortungsbewußtes Testprogramm nicht entstehen. Die Entwicklung
zündunempfindlicher Sprengstoffe für unsere Kernwaffen erforderte über die gesamten siebziger Jahre
hinweg eine erhebliche Anzahl von Tests. Ebenso
befindet sich seit Jahren ein Gefechtskopf in der
Entwicklung, der der Hitze eines Feuers in einem
Flugzeug widerstehen kann, ohne Plutoniumdämpfe
freizusetzen. Mehrere Atomtests waren erforderlich,
um die Entwicklung so weit voranzutreiben, daß besonders ausgelegte Kernwaffen heute Feuerschutz
für bestimmte Unfallszenarien haben. Weitere Versuche werden notwendig sein, um diese Entwicklung

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�abzuschließen, damit alle Kernwaffentypen erfaßt und
noch größerer Feuerschutz gewährleistet wird.
Zuverlässigkeit
Der Kongreß und andere Organisationen haben das
Verteidigungsministerium aufgefordert, eine ausreichende Zahl von Versuchen mit konventionellen Waffensystemen durchzuführen, um deren einigermaßene Zuverlässigkeit sicherzustellen. Atomtests sind
also auch für die Zuverlässigkeit von Kernwaffen
unabdingbar. Obwohl sie zu den komplexesten Waffen im amerikanischen Arsenal zählen, werden Kernwaffen nur einen Bruchteil so ausgiebig erprobt wie
andere von unseren Streitkräften eingeführte Waffensysteme.
Seit 1958 haben die Vereinigten Staaten 41 verschiedene Kernwaffensysteme stationiert. Von diesen
benötigten 14 Kernwaffensysteme nach ihrer Stationierung oder bei Erlangung der Stationierungsreife
korrektive Modifikationen, weil Mängel entweder entdeckt wurden oder bei der Auswertung von Atomtests
zutage tragen. So wurde zum Beispiel nach der
Produktionsaufnahme eines Gefechtskopfs ein letzter
Test im extremen Tieftemperaturbereich dieses Gefechtskopfs durchgeführt. Der für den luftgestützten
Marschflugkörper entwickelte Gefechtskopf war Mitte
der achtziger Jahre zur Stationierung vorgesehen. Die
Testergebnisse waren eine große Überraschung. Der
Gefechtskopf explodierte mit nur einem Bruchteil seiner Sprengkraft. Die Waffe war in nichtnuklearen
hydrodynamischen Tests umfassend erprobt worden,
selbst im extremen Niedrigtemperaturbereich, ohne
Anzeichen von Problemen. Eine Konstruktionsveränderung zu einem sehr viel konservativeren System
wurde an dem Gefechtskopf vorgenommen, und ein
Jahr später wurde er erfolgreich erprobt.
Der nukleare Gefechtskopf für die Sergeant-Rakete
der US-Armee wurde während des Testmoratoriums
von 1958 bis 1961 entworfen, und daher basiert seine
Konstruktion auf nichtnuklearen hydrodynamischen
Tests und computergestützten Konstruktionsberechnungen. Sie wurde im April 1962 erstmals stationiert.
Weil sich die Konstruktion des Gefechstkopfs auf
einen zuvor erfolgreich erprobten Gefechtskopf stützte, herrschte großes Vertrauen, daß der SergeantGefechtskopf erwartungsgemäß funktionieren würde.
Als der Gefechtskopf schließlich erprobt wurde, setzte
er nur einen so geringen Teil seiner erwarteten Sprengkraft frei, daß er militärisch gesehen unwirksam war.
Den Wissenschaftler gelang es, den Konstruktionsfehler zu beheben und einen neu entworfenen (und
erfolgreichen) Gefechtskopf binnen drei Monaten nach
dem Atomtest zu erproben, der das Problem aufgedeckt hatte. Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich
die Grenzen und Gefahren modifizierter Gefechtskopfkonstruktionen, die sich ausschließlich auf nichtnukleare Erprobungen und Computerberechnungen
stützen.

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Bestimmte Nuklearwaffen werden in regelmäßigen
Abständen zur Überprüfung aus den Arsenalen abgezogen. Eine unerwartete Verschlechterung bestimmter Komponenten eines Gefechtskopfs oder unvorhergesehene Bedingung, denen der Gefechtskopf ausgesetzt gewesen sein könnte, können unterschiedliche
Unsicherheitsfaktoren über die Leistung des Gefechtskopfs bewirken. Bei der ballistischen Rakete für das
Polaris-Unterseeboot wurde beispielweise festgestellt,
daß der Gefechtskopf einige Jahre nach ihrer Stationierung anfing zu rosten. Ein Atomtest des PolarisGefechtskopfs ergab, daß die Korrosion die Wirkung
des Gefechtskopfs ernsthaft beeinträchtigte. Dieser
Defekt hätte, wenn er nicht behoben worden wäre,
einen Großteil unserer seegestützten ballistischen
Raketen inoperabel gemacht. Ein neuer Gefechtskopf
wurde entworfen, um das Korrosionsproblem zu beheben. Er wurde erfolgreich erprobt, und die bereits
stationierten fehlerhaften Gefechtsköpfe wurden durch
modifizierte Gefechtsköpfe ersetzt.
Probleme mit ähnlich schwerwiegenden Konsequenzen ergaben sich bei Waffensystemen unserer gesamten strategischen Triade und unseren taktischen
Nuklearsystemen. Die Gefechtsköpfe für die Minuteman-Rakete, die ballistische Rakete für das Polaris-UBoot, weitere Raketen der US-Marine außer der Polaris sowie von B-52-Bombem und Kampfbombern getragene Bomben wiesen gravierende Mängel auf, die
durch Atomtests aufgedeckt wurden, nachdem diese
Raketen von unseren Streitkräften stationiert worden
waren. Diese Probleme traten auch in jüngster Zeit
auf, nicht nur in den Frühstadien unseres AtomwaffenEntwicklungsprogramms. Wenn eine Zuverlässigkeitsprüfung der Arsenale vor einigen Jahren schwerwiegende Mängel bei unseren strategischen Nuklearsystemen ergab, hätte es sich bei der betroffenen
Waffe um eine von sechs oder vielleicht acht Waffen
gehandelt. Bei einer sehr viel kleineren, auf weniger
Typen von Gefechtsköpfen gegründeten Nuklearstreitmacht könnten solche Fehler nur bei einer von zwei
oder drei Waffen auftreten. In Anbetracht unseres
Vertrauens in die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen nuklearen Abschreckung auf der Grundlage so
weniger unabhängiger Waffen kommt der Notwendigkeit, die Zuverlässigkeit unserer NuklearwaffensySterne im Auge zu behalten, größere Bedeutung zu als
bisher.
Die meisten Fortschritte, die wir bei der Entwicklung
von Atomsprengköpfen erzielt haben, sind eine direkte
Folge der Atomtests. Vor kurzem legten auf neu
entwickelte hydrodynamische Computercodes gestützte Berechnungen die Vermutung nahe, daß mehrere
aktiv stationierte Nuklearwaffen ihre operativen und
Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten. Es war
unmöglich, die Genauigkeit der neuen Berechnungen
ohne die Durchführung von Atomtests zu bestimmen,
die die berechneten Mängel aussonderten. Nachfolgende Atomtests bestätigten die grundsätzliche Rich-

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�tigkeit der neuen Computercodes und ergaben Daten,
die unseren Konstruktionsfähigkeiten neue Grenzen
setzten. Trotz dieser großen Vorteile bei der Entwicklung genauerer Computercodes ist der Entwurf von
Atomwaffen nach wie vor eine Art Kunst. Selbst beim
Einsatz der neuesten und modernsten jetzt zur Verfügung stehenden Codes erfordert es Jahre und mehrere Atomtests, damit ein Nuklearwaffenkonstrukteurdie
Grenzen der physikalischen und computergestützten
Konstruktion einschätzen kann, um die Leistung eines
thermonuklearen Geräts berechnen zu können. Unsere Erfahrungen mit der Stationierung von Nuklearsprengköpfen belegen hinreichend, daß Computerberechnungen kaum ein Ersatz für einen Atomtest zur
Bestätigung des richtigen Entwurfs eines Gefechtskopfs sind. Diese Tests bieten uns das einzige verfügbare Mittel, um sicherzustellen, daß das Arsenal noch
zuverlässig ist.
Überlebensfähigkeit und Effektivität unserer
Streitkräfte
Wenn Abschreckung funktionieren soll, dürfen die USStreitkräfte kein leichtes Ziel bei einem Präventivangriff in einer Krise sein. Unsere Vergeltungsstreitkräfte
sowie die Warnsensoren und Führungssysteme, die
sie in Bereitschaft versetzen und ihnen Anweisungen
geben, müssen zur Durchführung entscheidender
Funktionen in der Lage sein, während sie atomaren
Auswirkungen ausgesetzt sind und danach. Der Wert
unserer Abschreckung hängt in hohem Maße von
unserem Vertrauen ab, daß die militärischen Systeme
ihrem Entwurf entsprechend operieren - ein Vertrauen,
dessen sich jeder potentielle Gegner bewußt sein
muß. Atomtests sind der einzige Weg sicherzustellen,
daß ein solches Vertrauen erlangt werden kann.
Veränderungen der bestehenden Verteidigungssysteme wie etwa Modernisierung der Lenksysteme, Sicherheitsmodifizierungen, neue Zünder usw. müssen
geprüft werden um zu gewährleisten, daß sie die Überlebensfähigleit der Systeme nicht beeinträchtigen.
Die Erfahrungen bei der Erprobung strategischer
Raketensysteme waren außerordentlich ernüchternd.
Im Hinblick auf das Überleben atomarer Auswirkungen
wurden möglicherweise tödliche Konstruktionsmängel
bei verschiedenen entscheidenden Komponenten wie
etwa Antennenfenstern, Hitzeschilden und der Elektronik von Lenksystemen bei der Erprobung der Minuteman II und III, der Poseidon, Peacekeepper sowie
der Trident I und II entdeckt. Trotz umfangreicher
überirdischer Erprobung und Analyse wurden diese
Mängel für gewöhnlich nicht aufgedeckt, bis das vollständig integrierte System einem unterirdischen Atomtest unterzogen wurde. Es besteht Grund zu der
Annahme, daß diese Erfahrungen mit strategischen
Raketen auf andere Klassen von Waffensysiemen
anwendbar sind.

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Die derzeitge Konzentration auf defensive Waffen wie
antiballistische Gefechtsfeldwaffen stellen eine große
Herausforderung für die Überlebensfähigkeit dar.
Defensive Systeme stützen sich auf weit verbreitete
und in hohem Maße miteinander verbundene Elemente, von denen jedes in einem atomar gestörten Umfeld
ohne Unterbrechung funktionieren muß. Bei zahlreichen defensiven Systemen müssen atomare Härtenormen noch geprüft werden, insbesondere bei weltraumgestützten Sensoren und Kommunikationssatelliten. Aus diesem Grund muß die Erprobung der
nuklearen Überlebensfähigkeit weiterhin die Haltbarkeit dieser Verteidigungssysteme bestätigen.
Obwohl nach wie vor Fortschritte bei der Entwicklung
von Simulatoren erzielt werden, die in der Lage sind,
ein nukleares Umfeld zu reproduzieren, werden sie
den gegenwärtigen und zukünftigen Testanforderungen bei weitem nicht gerecht. Zu der durch Atomtests
erzielten Röntgenerprobung der Härte gibt es derzeit
weder eine Simulationsalternative, noch kann man
eine solche Fähigkeit in den nächsten 10 oder 20
Jahren erwarten.
Erprobung und Verbreitung
Seit langem wird das Argument vorgebracht, daß ein
umfassendes Testverbot "den Rüstungswettlauf beendet". Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre
strafen eine solche Behauptung Lügen, denn die Fortschritte bei der amerikanisch-sowjetischen Rüstungskontrolle belegen, daß weitere Begrenzungen von
Atomtests nicht erforderlich sind, um stabilisierende
Rüstungsreduzierungen zu erreichen. Eine ähnliche
Annahme, die unser Testprogrmam mit der atomaren
Verbreitung in Verbindung bringt, hält ebenfalls einer
Analyse der aktuellen Ereignisse nicht stand. Zusätzliche Länder sind im vergangenen Jahr dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten (oder haben ihre Absicht
dazu bekundet), und Enthüllungen über das irakische
Programm haben erneut bewiesen, daß die Erprobung
zur Entwicklung einer grundlegenden Nuklearwaffenfähigkeit nicht erforderlich ist. Kann irgendein Zweifel
daran bestehen, daß Saddam Hussein sein Nuklearwaffenprogramm verfolgt hätte, selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Atomtests eingestellt hätten?
Die Initiative des Präsidenten vom 27. September
1991 und sein Bericht zur Lage der Nation vom Januar
1992 werden unser Nukleararsenal drastisch reduzieren. Die von den Vereinigten Staaten geforderte
Anzahl von Atomtests bezieht sich jedoch nicht direkt
auf den Umfang der Arsenale. Ein stark reduzierter
Bestand hebt die Notwendigkeit der Erprobung nicht
auf. Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Atomtests
seit Anfang der fünfziger Jahre auf das niedrigste
Niveau zurückgeschraubt haben - mit Ausnahme des
Testmoratoriums on 1958 bis 1961 - müssen sie
weiterhin ein bescheidenes aber effektives Programm

AMERIKA DIENST 24

�aufrechterhalten, mit dem sie nur das für nationale
Sicherheitserfordernisse Notwendige erproben. Der
Argumentation dieses Papiers folgend sind Atomtests
zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und Wirksamkeit unserer Waffen unabdingbar. Ein Verbot von
Atomtests würde weder Nuklearwaffen beseitigen noch

würde die internationale Sicherheit verbessert, aber es
würde das amerikanische Vertrauen in unsere verbleibende atomare Abschreckung untergraben und unsere Fähigkeit zu Verbesserungen der nuklearen Sicherheit drastisch einschränken.

* * * *

AMERIKA DIENST 24

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�KONGRESS
17. JunM992

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM KONGRESS
BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Aussichten gering
sind und ein solches Verfahren seit 1824 nicht mehr
angewandt werden mu ßte, besteht in diesem Wahljahr
die Möglichkeit, daß das amerikanische Repräsentantenhaus anstelle des amerikanischen Volkes den
nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmen könnte.
Der Unsicherheitsfaktor besteht dieses Mal in der
erwarteten unabhängigen Kandidatur des texanischen
Milliardärs Ross Perot, der seine Bewerbung zwar
noch bekanntgeben muß, dessen enthusiastische
Anhänger sich jedoch bereits bemüht haben, seinen
Namen auf den Stimmzetteln der Bundesstaaten in
den gesamten Vereinigten Staaten zu plazieren.
Nationale Meinungsumfragen sehen ihn praktisch
gleichauf mit Präsident Bush und dem Gouverneurvon
Arkansas, Bill Clinton, den voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner und Demokraten.
Damit dieses Szenarium eintritt, müßte Perot in genügend Bundesstaaten die Wahl gewinnen, um somit die
Mehrheit eines der beiden Kandidaten von den großen
Parteien im Wahlmännergremium zu verhindern.
Wenn die amerikanischen Wähler am 3. November zu
den Wahlurnen gehen, wählen sie zwar einen Präsidentschaftskandidaten, geben jedoch de facto ihre
Stimmen für eine Liste von Wahlmännem ab, die am
14. Dezember an der Versammlung des "Electoral
College" teilnehmen werden. Wie von der US-Verfassung vorgesehen und im 12. und 23. Verfassungszusatz modifiziert, besteht das Wahlmännergremium
aus 538 Mitgliedern, eines für jeden Senator und jedes
Mitglied des Repräsentantenhauses sowie drei als
Vertreter des District of Columbia.
Die Wahlmännerdelegation jedes Bundesstaats hängt
von der Anzahl seiner Vertreter im Kongreß ab und
verändert sich mit dieser Anzahl entsprechend. Infolge der Neufestlegung von Wahlkreisen nach der Volkszählung 1990 wird Kalifornien als bevölkerungsreichster Bundesstaat 54 Wahlmännerstimmen haben,
während die fünf bevölkerungsärmsten BundesstaaAMERIKA DIENST 24

ten, die jeweils nur einen Vertreter im Repräsentantenhaus haben, wie der District of Columbia jeweils nur
drei Stimmen haben. Die in jedem Bundesstaat ausgewählten Wahlmänner sind für gewöhnlich prominente Politiker des Bundesstaates oder von Gemeinden
sowie Aktivisten der Parteien.
Der 12. Verfassungszusatz schreibt vor, daß Kandidaten für die Ämter des Präsidenten oder Vizepräsidenten zur Wahl eine Mehrheit der Wahlmännerstimmen
(270 von 538) auf sich vereinigen müssen. Die Wahlmänner treten zusammen, um die Wahl des Volkes in
ihren jeweiligen Staaten zu bekräftigen. Nach dieser
Versammlung werden die Stimmzettel der Wahlmänner geöffnet und in einer gemeinsamen Sitzung des
Kongresses am 6. Januar 1993 ausgezählt. Kandidaten für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, die mindestens 270 Wahlmännerstimmen erhalten, werden dann offiziell für gewählt erklärt.
Dieses Verfahren kann dazu führen, daß einem Kandidaten der Sieg verwehrt wird, der landesweit die
meisten Stimmen der Bevölkerung erhalten hat, jedoch nicht genügend Wahlmännerstimmen erringen
konnte, da seine Stärke in weniger bevölkerten Staaten lag, während sein Gegner in den größeren Staaten
mit mehr Wahlmännerstimmen erfolgreich war.
Dies ist dreimal in der Geschichte geschehen, das
letzte Mal im Jahr 1888. In jener nationalen Wahl
erhielt der Republikaner Benjamin Harrison etwa 95.000
Wählerstimmen weniger als der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland, aber im Wahlmännergremium lag Harrison mit 233 zu 168 Stimmen vorn.
Jedes Mal, wenn sich ein starker Kandidat einer dritten
Partei oder ein Unabhängiger um das Präsidentenamt
bewirbt, besteht die Möglichkeit, daß diese Person
genügend Bundesstaaten gewinnt, um die Mehrheit
eines Kandidaten im Wahlmännergremium zu verhindern. In diesem Fall regelt der 12. Verfassungszusatz,
daß das Repräsentantenhaus den Präsidenten der
Vereinigten Staates und der Senat den Vizepräsidenten wählt.

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�Als im Jahr 1824 vier Demokraten/Republikaner für
das Präsidentenamt kandidierten, erhielt Andrew
Jackson die meisten Wähler- und Wahlmännerstimmen, was jedoch in beiden Fällen nicht für eine Mehrheit ausreichte. Als die Wahl vor das Repräsentantenhaus kam, wählte dieses John Quincy Adams zum
Präsidenten.
Unter diesen Umständen wählt das Repräsentantenhaus unter den drei Kandidaten, die die meisten
Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen. Jeder
Bundesstaat gibt dabei eine Stimme ab, und die Mehrheit
der Abgeordneten jedes Bundesstaates entscheidet
vorher darüber, auf wen diese Stimme entfallen soll.
Da die Abgeordneten für gewöhnlich nach Parteizugehörigkeit abstimmen, könnte man erwarten, daß unabhängig davon, wen die Bevölkerung dieses Bundesstaates im November wählt - die Stimme eines
Bundesstaates für den Kandidaten abgegeben wird,
der der Mehrheitspartei dieses Bundesstaates im
Repräsentantenhaus angehört. Der gegenwärtigen
Zusammensetzung des Kongresses zufolge kontrol-

lieren die Demokraten die Mehrheit der Sitze von 31
Bundesstaaten im Repräsentantenhaus, die Republikaner kontrollieren zehn, bei acht herrscht Stimmengleichheit, und ein Bundesstaat ist unabhängig.
Diesem Szenarium zufolge würde bei der Abstimmung
für das Amt des Vizepräsidenten jedes der 100 Mitglieder des Senats eine Stimme für jeweils einen der
beiden führenden Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen abgeben. Auch hier besteht wiederum die - zwar geringfügige - Chance, daß der gewählte
Vizepräsident nicht der Partei des Präsidenten angehört.
Das Repräsentantenhaus hätte von der Zählung der
Wahlmännerstimmen bis zur Amtseinführung am 20.
Januar 1993 zwei Wochen Zeit, um einen Präsidenten
zu wählen. Bei Stimmengleichheit würden entweder
der gewählte Vizepräsident oder der Sprecher des
Repräsentantenhauses oder andere nachgeordnete
Amtsinhaber bis zu einer endgültigen Einigung als
Präsident amtieren.

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AMERIKA DIENST 24

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