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                  <text>cimerika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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10. Juni 1992

QT

NATO

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat

US-WELTROLLE

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen

KONGRESS

KONGRESS VERABSCHIEDET 27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren
in der Diskussion

SOZIALPOLITIK

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE
IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SENIOREN

ALTERN IN AMERIKA: LANGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere
Menschen in den USA

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der letzten Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NATO
10. Juni 1992

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat
OSLO - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine grundlegende Verpflichtung für die Sicherheit Europas und
werden in Europa bleiben, solange sie dort erwünscht sind, erklärte der Stellvertetende US-Außenminister,
Lawrence Eagleburger, am 4. Juni 1992 beim Außenministertreffen des Nordatlantikrats.
Eagleburger zufolge wurden die Vereinigten Staaten über mehrere Jahrzehnte hinweg "mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit
und die unserer Partner in der NATO ein und dasselbe sowie unteilbar ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Eagleburgers beim Nordatlantikrat im Wortlaut.

Wir kommen heute in Oslo im Anschluß an einen
Zyklus von NATO-Gipfeln zusammen - Brüssel, London, Rom -, deren Ziel die Definition und Neudefinition
der Rolle des Bündnisses in einem Europa radikaler
Veränderungen gewesen ist. Es ist jedoch wichtig,
eine Unterscheidung zwischen der der NATO eigenen
Anpassungsfähigkeit und ihrem zeitlosen fundamentalen Zweck zu treffen - die unteilbare Sicherheit der
etablierten Demokratien Europas und Nordamerikas
zu gewährleisten. Bei der Erfüllung dieses Zwecks hat
sich die NATO als das vielleicht erfolgreichste Bündnis
in der Geschichte erwiesen. Wir haben unsere Freiheiten bewahrt, und wir haben den Frieden in Europa
aufrechterhalten. Wir haben Europa vor einem allgemeinen Krieg bewahrt, wie er in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts bereits zweimal das Leben von Europäern und Nordamerikanern zerstört hat. Und wir
haben erlebt, wie die monolithische Bedrohung, der wir
uns gemeinsam entgegengestellt haben, verschwand
und freundlich gesonnene aber schwache demokratische Kräfte in ganz Osteuropa und der ehemaligen
Sowjetunion an die Macht kamen.
So treffen wir heute in einem Gefühl einzigartiger
historischer Leistungen zusammen, um die künftige
Rolle unseres Bündnisses zu erörtern. Wir sind uns
einerseits dessen bewußt, was sich nicht ändern wird
- nämlich, daß dieses Bündnis die praktische Verkörperung unserer gegenseitigen Verpflichtung bleibt,
einander in unserem gesamten demokratischen Herrschaftsbereich zu verteidigen.

AMERIKA DIENST 23

Andererseits sind wir uns ebenso der Tatsache bewußt, daß eine NATO, die uns weiterhin so erfolgreich
dient wie dies während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts der Fall war, in der Lage sein
muß, sich Veränderungen im internationalen System
und Veränderungen im europäischen Sicherheitsrahmen anzupassen. Insbesondere müssen wir in der
Lage sein, sowohl mit den Bestrebungen als auch mit
den instabilen Verhältnissen umzugehen, die durch
den Zusammenbruch des Kommunismus im Osten
freigesetzt wurden.
Tatsächlich befindet sich die NATO bereits inmitten
dieses Anpassungsprozesses. Angesichts der verringerten Bedrohung haben wir ein neues strategisches
Konzept verabschiedet, die Truppenstärken reduziert
und sind zu flexibleren, mobileren und multinationalen
Streitkräften übergegangen. Angesichts der radikalen
politischen Veränderungen im Osten sind wir durch
das Liaison-Programm der NATO, das im NAKR zum
Ausdruck kommt, auf ehemalige Gegner zugegangen.
Und als Reaktion auf die historischen Schritte Westeuropas zur wirtschaftlichen und politischen Union hat
die NATO den Rahmen für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität mitdefiniert und unterstützt.
Deshalb sollten wir die Stabilität des Bündnisses nicht
mit Inflexibilität verwechseln - und unsere Bilanz zeigt,
daß wir dies auch nicht tun. Sogar die Zusammensetzung des Bündnisses könnte unter voller Berücksich-

Seite 1

�tigung unserer strengen demokratischen Normen und
der Notwendigkeit zur Bewahrung des festen Geflechts der gemeinsamen Verteidigung zum geeigneten Zeitpunkt vielleicht erweitert werden.
Heute möchte ich vier grundlegende Bereiche anführen, in denen die NATO nach Auffassung der Vereinigten Staaten ihre Mission konzentrieren muß, um den
Sicherheitsbedürfnissen des neuen Europas gerecht
zu werden.
Erstens sollte die NATO weiterhin die Entwicklung der
KSZE unterstützen, die als flexibles politisches Instrument zur Bewältigung des demokratischen Wandels
und Behandlung der tieferen Ursachen von Konflikten
eine einzigartige Rolle spielen kann. Die KSZE benötigt jedoch eine verbesserte Fähigkeit zum Krisenmanagement und zur Konfliktiösung, um ihr Potential zu
verwirklichen.
Deshalb sollten wir uns hier darauf verständigen, die
Fähigkeiten und Mittel der NATO zur Verfügung zu
stellen, um von der KSZE angeordnete Operationen
zur Friedensbewahrung zu unterstützen. In diesem
Zusammenhang möchte ich eindeutig feststellen, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, grundlegende
Beiträge für die Friedensbewahrung zu leisten, etwa
bei Transport und Logistik. Ferner schließen wir nicht
aus, auf derselben Basis wie andere Staaten Bodenkontingente bereitzustellen. Wie andere Mitglieder
des Bündnisses würden wir eine solche Entscheidung
von Fall zu Fall treffen.
Darüber hinaus erkennen wir an, daß die NATO nicht
die einzige Organisation ist, an die sich die KSZE
gegebenenfalls wenden kann. Die Vereinten Nationen
und die WEU zum Beispiel besitzen ebenfalls Mittel,
die eingesetzt werden können. Überdies sollten wir
bereit sein, die Mitgliedstaaten des NAKR und die
neutralen Länder einzuladen, in Partnerschaft mit der
NATO ebenfalls zu friedensbewahrenden Operationen beizutragen.
Obwohl das Bündnis sich das Recht vorbehalten muß,
über den Charakter seines Engagements von Fall zu
Fall zu entscheiden, gehen wir davon aus, daß die
NATO sich jetzt darauf einstellen sollte, diese neue
Rolle zu übernehmen, und wir sollten dies in einer Art
und Weise tun, die allen KSZE-Mitgliedstaaten offensteht, die zur Friedensbewahrung beitragen möchten.
Die NATO sollte der KSZE vielleicht auch ihre Mittel
und ihr Know-how anbieten, um zivile, Natur- und
Umweltkatastrophen zu bewältigen.
Zweitens muß die NATO weiterhin die Entwicklung
einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb des Rahmens unterstützen, der bei
den Gipfeln von Rom und Maastricht definiert wurde.
In diesem Zusammenhang sollten keine Zweifel an der
Haltung der Vereinigten Staaten aufkommen: Wir
haben stets und uneingeschränkt die Entwicklung

Seite 2

einer europäischen Verteidigungsidentität und eines
gestärkten europäischen Pfeilers innerhalb der NATO
unterstützt. Wir gehen davon aus, daß das in Rom
vereinbarte Prinzip solide ist - daß die europäische
Verteidigungsidentität in einer offenen und kooperativen Art und Weise verwirklicht werden sollte. Und wir
sollten in diesem Zusammenhang vorrangig und aktiv
Verbindungen zwischen NATO und WEU entwickeln,
was ebenfalls in Rom vereinbart wurde.
Drittens muß die NATO Pflichten bei der Unterstützung der Reformen in allen ehemaligen WarschauerPakt-Staaten übernehmen. Angesichts dessen, was
wir als Bündnis investiert haben, um Aggressionen des
Ostens über 45 Jahre lang abzuschrecken, ist unser
Interesse am Schicksal befreundeter Demokratien dort
schlicht enorm. Und da ich gerade aus der Region
zurückkehre, kann ich berichten, da ß man dort von uns
erwartet, daß wir dieses Interesse ebenso wie unsere
gesamte stabilisierende Rolle konkret sichtbar machen. Der Arbeitsplan des NAKR ist ein solider Anfang, aber wir müssen zusätzliche Möglichkeiten identifizieren, um Partnerstaaten in Bereichen wie ziviler
Notstandsplanung, Koordinierung des zivilen Flugverkehrs und Konversion der Rüstungsindustrie zu helfen.
Ich möchte hier kurz auf die Bemühungen der Vereinigten Staaten eingehen, die auf vereinbarten Bündnisprioritäten und kontinuierlichen Konsultationen beruhen, um mit der Bedrohung umzugehen, mit der wir
alle gemeinsam jahrzehntelang konfrontiert waren der Bedrohung durch Kernwaffen strategischer und
taktischer Art. Vor einer Reihe von Tagen unterzeichneten die Vereinigten Staaten ein Abkommen, durch
das Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine
gemeinsam mit uns zu Vertragspartnern im Rahmen
des START-Abkommens wurden, das zu erheblichen
Verringerungen der strategischen Streitkräfte führen
und nach der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
dort eine einzige Atommacht entstehen lassen wird.
Darüber hinaus hat der amerikanische Kongreß 400
Millionen Dollar bereitgestellt, um uns zu ermöglichen,
Rußland bei der Beseitigung taktischer Kernwaffen
der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, die kürzlich zu
diesem Zweck an gesicherten Standorten konzentriert
wurden.

Viertens muß die NATO in der Lage sein, beim Umgang mit der vom Zusammenbruch des Kommunismus hervorgerufenen Instabilität ihre uneingeschränkte Rolle gemeinsam mit anderen verantwortlichen
Institutionen - EG, WEU, NAKR und UN - zu spielen.
Auch während wir heute miteinander diskutieren, tobt
ein Krieg im Herzen Europas. Schon aus humanitären
Gründen muß sich das Bündnis bemühen, das Leiden
im ehemaligen Jugoslawien zu beenden - eine Agonie,
deren Zeugen wir tagtäglich auf unseren Fernsehschirmen werden.

AMERIKA DIENST 23

�Die Herausforderung geht jedoch wesentlich tiefer.
Dieses Bündnis, das nahezu ein halbes Jahrhundert
lang eine einzige alles beherrschende Bedrohung der
europäischen Sicherheit so effektiv vereitelte, muß
jetzt effektiv werden, um die andersartigen aber zahlreichen Konflikte friedlich zu lösen, die die Stabilität
Europas im Zeitalter nach dem kalten Krieg bedrohen.
Wiederum im Falle des ehemaligen Jugoslawiens sollte
die NATO bereitstehen, um in geeigneter Weise und in
Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen die Verwirklichung der Resolution 757 des
UN-Sicherheitsrats zu unterstützen.
Ebenso hat die NATO bei den Bemühungen eine Rolle
zu spielen, in Berg-Karabach und bei ähnlichen Konflikten Frieden zu schaffen. Um die Gewalt zu mildem
und ein Verhandlungen förderliches Klima herbeizuführen, haben sich Armenien und Aserbaidschan bereiterklärt, zivilen, unter der Schirmherrschaft der KSZE
operierenden Beobachtern Zugang zu ihrem Staatsgebiet zu gewähren. Wir gehen davon aus, daß unsere
Liaison-Partner im NAKR angesichts geographischer
und historischer Faktoren ideal dafür geeignet sind, die
führende Rolle bei dieser Beobachtermission zu spielen und daß ihnen dies einen Anteil an der von uns
geschaffenen Sicherheitspartnerschaft geben wird.
Die Verbündeten in der NATO würden sie durch den
NAKR unterstützen und damit die Funktionsfähigkeit

der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mit
ihren überlappenden und sich wechselseitig verstärkenden Mechanismen unter Beweis stellen.
Über den Großteil mehrerer Jahrzehnte hinweg wurden die Vereinigten Staaten mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen
Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit und die unserer Partner in der NATO ein und
dasselbe sowie unteilbar ist. Dies ist nicht die Funktion
eines Vertrages, sondern nationaler Ziele und nationaler Interessen. Infolgedessen sind wir weiterhin hier in
Europa, und wir werden in Europa bleiben, solange wir
erwünscht sind. Diejenigen, die unseren gegenwärtigen Willen und unsere Beharrlichkeit bezweifeln, haben
ihre Antwort erhalten, als Präsident Bush unsere Absicht
offiziell erklärte, auch nach dem kalten Krieg in Europa
eine substantielle amerikanische Truppenpräsenz im
Rahmen der NATO aufrechtzuerhalten. Diejenigen,
die unsere künftigen Ziele anzweifeln, erhielten ihre
Antwort heute, da wir formell eine neue Mission - eine
Friedensmission - verabschiedet haben, die von der
NATO in diesem, dem neuen Europa erfüllt werden
soll.
*

AMERIKA DIENST 23

*

Seite 3

�US-WELTROLLE
10. Juni 1992

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die Ergebnisse von Meinungsumfragen unterstützen nicht die von einer Anzahl
politischer Beobachter vorgebrachte Ansicht, die amerikanische Öffentlichkeit sei "auf dem Weg in den
Isolationismus". Statt dessen zeigen sie, daß eine Mehrheit der Amerikaner weiterhin eine aktive, kooperative
Rolle der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik befürwortet, darunter "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit
den Vereinten Nationen sowie der selektive Einsatz militärischer Gewalt. Gleichzeitig sprechen sich die meisten
Amerikaner jedoch dafür aus, der Lösung innenpolitischer Probleme, insbesondere solcher wirtschaftlicher Art,
höchste Priorität einzuräumen.
Zustimmung zu internationalem
konstant oder geringfügig höher

In den letzten Monaten legten die Demoskopen erneut
13 Fragen zur "Trendmessung" vor, die sie von Zeit zu
Zeit stellen, um die Stimmung der Amerikaner im
Hinblick auf das internationale Engagement einzuschätzen. Die Reaktionen auf fünf dieser Fragen
zeigen, daß die Zustimmung zu internationalem Engagement in den achtziger Jahren eindeutig gestiegen
ist. Die Antworten auf zwei Fragen zeigen einen
Rückgang, während bei den verbleibenden sechs keine
Veränderungen festgestellt wurden.
Im großen und ganzen zeigen diese Meinungsumfragen, daß etwa 60 - 70 Prozent der Amerikaner heute
im allgemeinen eine aktive Rolle der Vereinigten Staaten in der Außenpolitik befürworten, während 20 - 30
Prozent ein aktives Engagement im Ausland ablehnen. Dazu folgende Beispiele:
1.

2.

Einer Gallup-Umfrage vom September vergangenen Jahres zufolge wünschten 71 Prozent
eine "aktive Beteiligung" der Vereinigten Staaten an der Weltpolitik - im Vergleich zu 64
Prozent Ende 1986. 23 Prozent zogen es vor,
daß sich die Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik "heraushalten" - gegenüber27 Prozent im
Jahr 1986.
Im Februar sprachen sich im Rahmen einer
Untersuchung von Research/Strategy/Management (R/S/M) 74 Prozent der Befragten für die
aktive Verfolgung amerikanischer Sicherheitsinteressen im Ausland entweder multilateral in
Zusammenarbeit mit anderen Staaten (54 Pro-

AMERIKA DIENST 23

zent) oder auf sich allein gestellt (20 Prozent)
aus. Die Unterstützung für ein solches Engagement war gegenüber 1986 (68 Prozent) um 6
Prozent gestiegen. Im Februar meinten 24
Prozent, die Vereinigten Staaten sollten es

Engagement

"möglichst vermeiden, sich in anderen Ländern

zu engagieren" - gegenüber 30 Prozent im Jahr
1986.
3.

Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Gewalt
gaben im Februar 64 Prozent der Befragten von
R/S/M an, sie unterstützten den Gedanken,
"amerikanische Truppen zu entsenden", um "bei
größeren militärischen Auseinandersetzungen
... irgendwo im Ausland" zu intervenieren, wenn
der Präsident der Überzeugung sei, dies liege im
besten Interesse des Landes. Im Jahr 1986
unterstützte eine wesentlich geringere Mehrheit
von 54 Prozent eine solche Intervention.

Steigende Priorität für innenpolitische Anliegen
Zur Zeit betrachten nahezu 60 Prozent der Amerikaner
die Wirtschaft als "das wichtigste Problem für die
Vereinigten Staaten von heute" - gegenüber 40 Prozent kurz nach dem Golfkrieg und 30 Prozent kurz
davor. (Gallup 3/92, Time-CNN/Yankelovich 3/92,
CBS/NY Times 1/92)
Lediglich zwei Prozent halten außen- oder verteidigungspolitische Themen für das dringlichste Problem
der Vereinigten Staaten. Selbst wenn die Befragten
aufgefordert wurden, die "gegenwärtig zwei oder drei
wichtigsten Probleme der Nation" zu nennen, gab nur
einer von zehn einen außen- oder verteidigungspolitischen Sachverhalt an.
Seite 1

�Im Januar fragte Gallup danach, "wie wichtig" es für
Präsidentschaftskandidaten wäre, über verschiedene
Themen im Wahlkampf 1992 zu sprechen. Mehr als
doppelt so viele meinten, es sei "sehr wichtig", die
"Wirtschaft" zu erörtern (93 Prozent) als über "nationale Verteidigung" (43 Prozent) oder "Außenpolitik" (37
Prozent) zu sprechen.
Andere Themen lagen irgendwo zwischen diesen
Extremwerten: "Bildungswesen" (87 Prozent: "sehr
wichtig"), "Arbeitslosigkeit" (84 Prozent), "Krankenversicherung" (80 Prozent), "das Defizit im Bundeshaushalt" (79 Prozent), "Verbrechen" (77 Prozent), "Drogen" (77 Prozent), "Steuern" (70 Prozent), "AIDS" (67
Prozent), "die Umwelt" (60 Prozent), "Außenhandel"
(53 Prozent), "Rassenbeziehungen" (48 Prozent) und
"Abtreibung" (38 Prozent).

Öffentlichkeit wünscht weltweites Engagement bei
gleichzeitiger Bewältigung innenpolitischer Probleme
Einer Meinungsumfrage von Potomac Associates vom
letzten Herbst zufolge erhöhte sich der Prozentsatz
derer, die meinten, die Vereinigten Staaten sollten
"uneingeschränkt mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten", von 1985 bis Oktober 1991 um 21
Punkte - von 56 auf 77 Prozent. Im gleichen Zeitraum
nahm jedoch ebenfalls die Unterstützung für "stärkere
Konzentration auf unsere eigenen nationalen (anstatt
internationalen) Probleme" um 18 Punkte zu - von 60
auf 78 Prozent.
Bei beiden Fragestellungen hat die Zustimmungsrate
den höchsten Anteil erreicht, seit Potomac Associates
diese Fragen im Jahr 1964 einführte. Damit wird ein
zentraler Aspekt der gegenwärtigen Stimmung beleuchtet: Die Amerikaner fordern verstärktes Handeln
an der innenpolitischen Front, ohne das Engagement
in der übrigen Welt zu beenden.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�KONGRESS
10. Juni 1992

KONGRESS VERABSCHIEDET
27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion
WASHINGTON - (AD) - Als der Kongreß am 20. Mai
1992 den 27. Zusatz zur amerikanischen Verfassung
verabschiedete, fand damit ein Prozeß seinen Abschluß, der bereits vor über 200 Jahren von James
Madison, einem der Gründeräter der Vereinigten Staaten, eingeleitet worden war.
Die von Madison, dem vierten US-Präsidenten, vorgeschlagene Ergänzung der amerikanischen Verfassung
schreibt vor, daß "kein Gesetz, durch das die Entgelte
für die Dienste von Senatoren und Abgeordneten
verändert werden, in Kraft treten soll, bevor nicht eine
Abgeordnetenwahl stattgefunden hat".
Demnach kann eine vom Kongreß verabschiedete
Diätenerhöhung erst nach der nächsten Wahl zum
Repräsentantenhaus in Kraft treten. Damit wird dem
Wähler Gelegenheit gegeben, einige Nutznießer einer
solchen Erhöhung abzuwählen, wenn er der Überzeugung ist, diese sei unverdient oder ein Akt der Selbstbedienung. Mit dieser Ergänzung der Verfassung wird
beabsichtigt, das Ansehen des Kongresses zu bewahren.
Madison, der entscheidend am Entwurf der Verfassung beteiligt war, hatte diesen Zusatz als Teil eines
Pakets von insgesamt 12 Ergänzungen eingebracht.
Von diesen wurden zehn, die im Jahr 1791 verabschiedet wurden, als Bill of Rights bekannt. Diese Verfassungszusätze garantieren die bürgerlichen Grundfreiheiten amerikanischer Staatsbürger. Der Zusatz über
Diätenerhöhungen fand gemeinsam mit einem weiteren Zusatz über die Erweiterung der Abgeordnetenzahl im Kongreß nicht die erforderliche Unterstützung,
und beide gerieten schließlich völlig in Vergessenheit.
Doch der 27. Verfassungszusatz bewies ein zähes
Leben. Geschürt von einer populistischen Stimmung
in der Politik und einer Rezession wurde er in den
letzten Jahren wiederbelebt und von einem Staatsparlament nach dem anderen verabschiedet. Am 7. Mai
1992 wurde Michigan der 38. Staat, der die in der
Verfassung enthaltene Bestimmung erfüllte, daß jede
Verfassungsänderung von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert werden muß. Am 13. Mai wurde der

AMERIKA DIENST 23

Zusatz vom Obersten Archivar der Vereinigten Staaten für gesetzlich gültig erklärt, und am 20. Mai erklärten die Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat,
daß er ihrer Meinung nach Gesetzeskraft erlangt habe
- trotz seines Alters von zweihundert Jahren.
In der Rückschau zeigt sich, daß Maryland im Jahr
1789 als erster Bundesstaat den Zusatz ratifizierte. In
den nächsten zwei Jahren stimmten fünf weitere Staaten zu. Ohio verabschiedete ihn im Jahr 1873 und
Wyoming im Jahr 1978, womit acht Ratifizierungen
erreicht waren.
Im Jahr 1982 griff Gregory D. Watson, ein 20jähriger
Student, der an der University of Texas an einem
Forschungsreferat arbeitete, das nichtratifizierte
Madison-Amendment auf. Watson startete völlig auf
sich selbst gestellt in Nachtarbeit zu Hause eine Briefkampagne mit dem Ziel, die Abgeordneten in weiteren
30 Parlamenten der Bundesstaaten zur Ratifizierung
zu bewegen. Seine Bemühungen zahlten sich aus.
Bis zum Jahr 1989 hatten weitere 19 Staaten den
Zusatz ratifiziert, und der Prozeß gewann weiteren
Schwung.
Mit steigender Wahrscheinlichkeit einer Ratifizierung
des Verfassungszusatzes brachten einige Mitglieder
des Kongresses und Verfassungsexperten Zweifel
über dessen Rechtmäßigkeit zum Ausdruck. Ihrer
Meinung nach hatten die Gründerväter beabsichtigt,
daß Verfassungszusätze in einer angemessen kurzen
Zeit ratifiziert würden. Die Verfassung bestimmt, daß
jeder Zusatz von jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit im
Repräsentantenhaus und im Senat eingebracht und
danach von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert
werden muß - eine zeitliche Begrenzung des Ratifizierungsverfahrens besteht jedoch nicht. Bei mehreren
früheren und heute vorgeschlagenen Zusätzen setzte
der Kongreß Fristen, nicht jedoch bei diesem.
Der Juraprofessor an der Harvard University, Laurence Tribe, schrieb im Wall Street Journal, es sei "nicht
Aufgabe des Kongresses, die Ratifizierung durch
Michigan im Jahr 1992 für zu jung oder die durch
Maryland im Jahr 1789 für zu alt zu erklären".
Seite 1

�Der Abgeordnete Dick Zimmer bezeichnete
»te den Zusatz als "heute absolut genauso aktuell wie
ie vor über
200 Jahren... Wovor Madison und die Ratifizierer
dieses Zusatzes die Öffentlichkeit schützen
en wollten,
war die größte Vergünstigung im Kongreß - die
die FähigFähigkeit, unsere eigenen Gehälter zu erhöhen,ohne
ohneunseunsere Arbeitgeber, die uns wählenden Menschen,
ischen, zu
befragen."

angesichts der von ihnen wahrgenommenen Verantwortung gering sei. Die politischen Realitäten zwangen sie andererseits dazu, durch einen formellen
Beschluß ihr Einverständnis zu geben.

Bedeutet der Verfassungszusatz, daß die Diäten im
Kongreß ständig schrumpfen werden, da dessen Mitglieder damit rechnen müssen, daß jede von ihnen
verabschiedete Diätenerhöhung ihren Nachfolgern
Zu Madisons Zeit erhielten die Mitglieder des
Kongres- zugute kommen könnte? Das ist zur Zeit noch unklar.
&gt;s Kongresses pro Tag 6 Dollar an Diäten sowie eine AufwandsAufwandsentschädigung von 6 Dollar pro Meile, die sie
(zuPferd)
Pferd) Im Jahr 1989 verabschiedete der Kongre ß ein Gesetz,
e (zu
anreisen mußten, um an den Sitzungen des
Kongress Kongres- c l a s e i n e automatische Anpassung der Diäten an die
ses teilzunehmen. Heute liegen die Diätenm
imKongreß
Kongreß gestiegenen Lebenshaltungskosten festschreibt. Da
bei 130.000 Dollar im Jahr, eine geringe Summe
Summe im
im e s der n e u e Verfassungszusatz den Abgeordneten
Vergleich zu den Gehältern zahlreicher Spitzenmanaitzenmana- verbietet, in der aktuellen Amtsperiode ihre "Entgelte
ger in der Industrie, sehr viel jedoch im Vergleich
ergleich zu
zu z u verändern", könnte dies bedeuten, daß sie solche
den Gehältern der meisten Bürger. Die Mitglieder
des
glieder des gesetzlich festgeschriebenen Erhöhungen nicht ausKongresses geben an, ihre hohen Diätent seien
seien geqe- schlagen werden, da sie bereits Teil ihrer Diäten sind,
rechtfertigt, da sie häufig zwei Wohnsitze unterhalten
jnterhalten Er könnte jedoch auch so ausgelegt werden, daßdiese
müßten - einen in ihrem Heimatstaat und den
anderen Anpassungen tatsächlich unzulässig sind, da sie Veran anderen
in der Bundeshauptstadt Washington. Sie verweisen
verweisen änderungen darstellen. Wahrscheinlich werden die
darüber hinaus auf die Tatsache, daß ihr
ihr Entgelt
Entgelt Gerichte-möglicherweise das Oberste Bundesgericht
- in dieser Angelegenheit das letzte Wort haben.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�SOZIALPOLITIK
10. Juni 1992

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die als Schlüsselelemente des
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 eingeführten
grundlegenden Sozialversicherungsprogramme zielen darauf ab, die meisten Amerikaner vor Armut zu
bewahren, indem sie einen Teil ihres durch Arbeitslosigkeit, Ruhestand, Berufsunfähigkeit oder Tod eines
nahen Angehörigen entfallenen Einkommens ersetzen.
Diese Programme basieren jedoch in der Regel auf
Dauer der Berufstätigkeit und decken viele Amerikaner, deren Jahreseinkommen unter der bundesweit
festgelegten Armutsgrenze (13.921 Dollar für eine
vierköpfige Familie im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen) liegt,
nicht ausreichend ab. Für die Bedürfnisse dieser
Bürger bestehen zahlreiche sonstige von Bund, Bundesstaaten und Gemeinden - und in vielen Fällen von
privaten Wohltätigkeitsorganisationen und Einzelpersonen - getragene Programme.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
Die Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with Dependent Children - AFDC)
- allgemein als "Weifare" (Sozialhilfe) bezeichnet - ist
das umfangreichste und kostspieligste Programm zur
Vergabe von Bargeld und wird teilweise aus dem
Steueraufkommen des Bundes finanziert. AFDC ist
ein vermögensabhängiges Programm, bei dem die
Leistungen je nach Einkommen und Vermögen des
Empfängers begrenzt sind. Es kommt bedürftigen
Familien zugute, in denen ein Elternteil verstorben ist,
die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in etwa
der Hälfte der 50 Staaten - arbeitslos geworden ist.
Das Programm wird von den Bundesstaaten nach den
Maßgaben der Bundesregierung verwaltet. Die Kosten werden anteilig aus dem Steueraufkommen von
Bund, Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht.
Per Gesetz müssen mindestens 50 Prozent aller AFDCKosten in einem Bundesstaat von der Bundesregierung getragen werden. Dieser Anteil kann jedoch bis
zu 83 Prozent betragen, da arme Bundesstaaten einen
höheren Bundeszuschuß erhalten.

AMERIKA DIENST 23

Der Anspruch auf Leistungen aus diesen Programmen
ist ebenso wie der Leistungsumfang äußerst unterschiedlich. Nach den Gesetzen der Bundesregierung
muß jeder Bundesstaat auf der Grundlage des Mindestbedarfs an Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft den "Warenkorb" für Familien unterschiedlicher
Größe ermitteln. Dieser Standard unterscheidet sich
von Bundesstaat zu Bundesstaat, was teilweise auf
die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. So liegen zum Beispiel die Lebenshaltungskosten in Alaska und Hawaii im allgemeinen
höher als in anderen Bundesstaaten, da aufgrund der
geographischen Lage höhere Transportkosten anfallen.
In der Praxis erweisen sich die von den Bundesstaaten
festgesetzten eng definierten Leistungssätze als nicht
ganz ausreichend, um sämtliche legitimen Bedürfnisse zu decken, so daß eine Familie Anspruch auf
AFDC-Leistungen hat, wenn ihr Bruttoeinkommen
weniger als 185 Prozent des errechneten Grundbedarfs beträgt. Dies erlaubt die Nichtanrechnung eines
gewissen Verdienstanteils, um mit einer Erwerbstätigkeit verbundene Ausgaben und Kosten für Kinderbetreuung zu decken. Der Leistungsanspruch endet für
gewöhnlich, wenn das jüngste Kind das 18. Lebensjahr
vollendet.
Die Bundesgesetze schreiben vor, daß bestimmte
arbeitsfähige Empfänger von AFDC - etwa minderjährige Mütter mit Kindern über drei Jahren - sich um einen
Arbeitsplatz, Teilnahme am Schulunterricht oder einen
Ausbildungsplatz bemühen müssen.
Die monatlichen AFDC-Leistungen betrugen für eine
dreiköpfige Familie im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen, von 114
Dollar in Alabama bis zu 773 Dollar in Alaska, wobei
der Bundesdurchschnitt bei 390 Dollar lag.
Etwa 85 Prozent der Familien, die AFDC-Leistungen
beziehen, erhalten darüber hinaus Lebensmittelmarken, mit denen sie Lebensmittel zu reduzierten Preisen
erwerben können. Bei Anrechnung der Lebensmittelmarken betrugen die Höchstleistungen im Jahr 1990

Seite 1

�von 374 Dollar monatlich in Alabama bis zu 1.277
Dollar in Alaska, der Bundesdurchschnitt lag bei 650
Dollar monatlich.
Darüber hinaus haben die Empfänger von AFDC automatisch Anspruch auf kostenlose medizinische Versorgung im Rahmen von MEDICAID und können unter
Umständen Wohngeld vom Bund oder den Bundesstaaten beziehen.
Vorläufigen Schätzungen zufolge erhielten 12,5 Millionen Personen im Jahr 1991 AFDC-Leistungen im
Gesamtumfang von 20 Milliarden Dollar. Darin sind
Lebensmittelmarken, medizinische Leistungen und
Wohngeld nicht enthalten. Von dieser Gesamtsumme
wurden 11,5 Milliarden Dollar vom Bund bereitgestellt,
der Rest wurde von Bundesstaaten und Gemeinden
getragen.
Zuschüsse für Einkommensschwache
Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) ist ein vermögensabhängiges
Programm, das hauptsächlich von der Bundesregierung finanziert wird. Es bietet feste monatliche Leistungen für Kinder und Erwachsene, die behindert
oder blind sind und bestimmte Einkommens- und
Vermögensgrenzen nicht überschreiten. SSI-Leistungen stehen darüber hinaus Senioren zur Verfügung,
die keine Rente erhalten. Die Barzahlungen werden
aus dem allgemeinen Steueraufkommen geleistet,
nicht aus einem speziellen Treuhandfonds wie im Falle
der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die medizinischen Voraussetzungen für Ansprüche
auf SSI-Leistungen für Behinderte sind dieselben, die
für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit gelten. Für SSI-Leistungen
werden keine Nachweise über frühere Berufstätigkeit
verlangt.
Im Jahr 1992 beträgt der vom Bund festgesetzte
inflationsbereinigte Regelsatz für SSI-Leistungen 422
Dollar im Monat für eine anspruchsberechtigte Einzelperson ohne zusätzliches Einkommen und 633 Dollar
im Monat für ein anspruchsberechtigtes Ehepaar ohne
zusätzliches Einkommen.
Die Obergrenzen für das persönliche Vermögen liegen
heute bei 2.000 Dollar für eine Einzelperson und 3.000
Dollar für ein Ehepaar, wobei der Wert von selbstgenutztem Wohneigentum nicht angerechnet wird.
Wenn der Verdienst den monatlichen SSI-Regelsatz
übersteigt, hat die betreffende Person keinen Anspruch auf diese Leistungen. Wenn jedoch das Einkommen den Satz unterschreitet, werden die Leistungen entsprechend gekürzt. So würde bei einem Reg i l satz von 422 Dollar im Monat eine Person, deren
monatliches Einkommen 200 Dollar beträgt, SSI-Leistungen in Höhe von 222 Dollar erhalten.

Seite 2

Jeder, der aufgrund von Behinderung oder Blindheit
SSI beantragt, kann darüber hinaus von dem Bundesstaat, in dem er wohnt, weitere Zuschüsse oder Dienstleistungen erhalten. Dazu gehören Beratung, medizinische Versorgung, Lebensmittelmarken, berufliche
Qualifizierungsmaßnahmen, Beschaffung von Arbeitsplätzen und andere Hilfen - etwa eine Haushaltshilfe,
Essen auf Rädern und Begleitdienste -, die ihm helfen,
weniger auf andere angewiesen zu sein.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner SSI-Leistungen des Bundes in Höhe
von über 15,7 Milliarden Dollar, und die Bundesstaaten
stellten weitere Dienstleistungen und Bargeldzulagen
in Höhe von rund 3,8 Milliarden Dollar bereit.
Nahrungsmittelhilfe
Aus Steuermitteln der Bundesregierung finanzierte
Lebensmittelmarken des US-Landwirtschaflsministeriums, die von den Sozialhilfebehörden von Bundesstaaten und Gemeinden verteilt werden, bilden das
größte amerikanische Programm, um Einkommensschwachen Hilfe bei der Ernährung zu gewähren.
Lebensmittelmarken sind hauptsächlich dazu bestimmt,
die Kaufkraft berechtigter einkommensschwacher
Haushalte zu ergänzen, um ihnen eine ausgewogene
preisgünstige tägliche Ernährung zu ermöglichen. Die
Leistungsbezieher müssen etwa 30 Prozent ihres
monatlichen Bargeldeinkommens für den Kauf von
Lebensmitteln aufwenden.
Lebensmittelmarken werden von Einzelhändlern und
Lebensmittelläden angenommen und später von der
amerikanischen Bundesbank in bar erstattet.
Die Marken stehen nahezu allen Haushalten zur Verfügung, die die vom Bund festgesetzten Maßstäbe im
Hinblick auf Monatseinkommen und flüssige Mittel
erfüllen, solange sich arbeitslose erwachsene Haushaltsangehörige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren
bereiterklären, sich als arbeitssuchend registrieren zu
lassen und an Fortbildungsprogrammen teilzunehmen, um ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern. Familienmitglieder, die Kinder unter sechs Jahren betreuen oder erwerbsunfähig sind, sind von der
Arbeitspflicht ausgenommen.
Um für den Höchstbetrag an Lebensmittelmarken in
Frage zu kommen, dürfen Haushalte ohne Rentner
oder Behinderte keine anrechnungsfähigen Vermögenswerte (etwa Einlagen auf Girokonten oder Aktien
und Rentenwerte) über 2.000 Dollar besitzen. Davon
ausgenommen ist selbstgenutztes Wohneigentum. Das
monatliche Bruttoeinkommen darf 130 Prozent der
vom Bund festgesetzten Armutsgrenze (etwa 1.508
Dollar im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen) nicht überschreiten.
Das Nettoeinkommen eines Haushalts darf ferner 100
Prozent der vom Bund festgesetzten Armutsgrenze
nicht überschreiten (1.160 Dollar im Jahr 1991).
AMERIKA DIENST 23

�Haushalte, zu denen Senioren oder Behinderte gehören, unterliegen lediglich der Vorschrift im Hinblick auf
das Nettoeinkommen und dürfen persönliche Vermögenswerte bis zu 3.000 Dollar besitzen. Für diejenigen, deren Monatseinkommen den Höchstbetrag
übersteigt, werden die Leistungen für jeden anrechnungsfähigen Dollar um 30 Cent gekürzt.

Mittagessen im Gesamtwert von etwa 5 Milliarden
Dollar zur Verfügung. Im selben Monat boten etwa
50.000 Schulen 4,9 Millionen Kindern Frühstücksmahlzeiten im Gesamtwert von 84,9 Millionen Dollar.

Jüngsten Untersuchungen zufolge sind 49,2 Prozent
aller Empfänger von Lebensmittelmarken Kinder und
8,4 Prozent ältere Menschen über 60. Etwa 4,7
Prozent der Empfänger haben einen Vollzeitarbeitsplatz, und 19,5 Prozent der Empfängerhaushalte
beziehen ein eigenes Einkommen.

nahrhafte Mahlzeiten und "Imbisse" im Gesamtwert von 94,6 Millionen Dollar im Rahmen des
Lebensmittelprogramms für Kinder und Erwachsene (Child and Adult Care Food Program),
darunter 51,2 Millionen Mahlzeiten, die in gemeinnützigen Kindertagesstätten außerhalb von
Wohngebieten und in Sammelunterkünften
ausgegeben werden sowie 51,4 Millionen in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen;

Im März 1992, dem letzten Monat, für den vollständige
Daten zur Verfügung stehen, betrug die monatliche
Höchstzuteilung von Lebensmittelmarken für eine
vierköpfige Familie in den meisten Bundesstaaten 370
Dollar, die Bandbreite reichte jedoch bis zu 737 Dollar
in ländlichen Gebieten Alaskas, wo die Kosten für
Lebensmittel aufgrund der Fracht- und Transportkosten wesentlich höher lagen.
Im März 1992 bezogen 25,7 Millionen Personen Lebensmittelmarken im Gesamtwert von 1,868 Milliarden
Dollar (einschließlich Verwaltungs- und Verteilungskosten). Auf Jahresbasis hochgerechnet ergibt dies
über 22 Milliarden Dollar. Die monatlichen Leistungen
betrugen 1991 durchschnittlich 63,88 Dollar pro Person und 166 Dollar pro Haushalt.
Zwei weitere Nahrungsmittelprogramme, die vom
Nahrungsmittel- und Ernährungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums getragen werden - die nationalen Schulspeisungsprogramme, die jeweils Frühstück und Mittagesssen bereitstellen -, bieten den
beteiligten öffentlichen und privaten Schulen sowie
gemeinnützigen Trägern in Wohngebieten Unterstützung in Form von Geld und Nahrungsmitteln.
Jedes dieser Programme verfügt über ein dreigliedriges Vergütungssystem, das Kindern aus Haushalten
mit Monatseinkommen, die bis zu 130 Prozent der vom
Bund festgesetzten Armutsgrenze betragen, zu freien
Mahlzeiten berechtigt, Kindern aus Haushalten mit
Einkommen zwischen 130 und 185 Prozent der Armutsgrenze (1.508 bis 2.146 Dollar für eine vierköpfige
Familie im Jahr 1991) Mahlzeiten zu einem ermäßigten Preis anbietet und Kindern aus Haushalten, deren
Einkommen 185 Prozent oder mehr über der Armutsgrenze liegt, einen geringen Zuschuß zu den Mahlzeiten gewährt.
Kinder aus Familien, die AFDC erhalten, sind automatisch zu kostenloser Schulspeisung berechtigt. Im
März 1992 bezogen 42 Prozent derjenigen, die eine
kostenlose oder ermäßigte Schulspeisung erhielten,
AFDC-Leistungen.
Im März 1992 stellten rund 92.300 beteiligte Schulen
24,6 Millionen Kindern kostenlose oder ermäßigte
AMERIKA DIENST 23

Weitere vom Landwirtschaftsministerium im März 1992
unterstützte Nahrungsmittelprogramme umfassen:

Mahlzeiten im Rahmen des Nahrungsmittelhilfeprogramms für Frauen, Säuglinge und Kinder
(Special Supplemental Food Program for Women,
Infants and Children - WIC) in Höhe von 223,2
Millionen Dollarfür 5,4 Millionen Menschen, das

medizinische Betreuung und zusätzliche Nahrungsmittel für einkommensschwache Schwangere, Mütter von Säuglingen und Kinder bis zum
5. Lebensjahr vorsieht;
Nahrungsmittel- und Bargeldbeihilfen für die
Bundesstaaten in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
im Rahmen des Ergänzenden Nahrungsmittelprogramms (Commodity Supplemental Food
Program), das rund 340.000 Säuglingen, Kindern, stillenden Müttern und älteren Menschen
in einkommenssschwachen Familien zugute
kommt;
Lebensmittelpakete im Wert von 5 Millionen
Dollar für etwa 118.900 Angehörige der Urbevölkerung, die in oder in der Nähe von Reservaten leben;
Lebensmittel im Wert von 30,5 Millionen Dollar
für andere bedürftige Amerikaner, darunter Arme
und Arbeitslose.
Wohnungswesen
Der Großteil der Wohnungsprogramme des Bundes
zielt heute auf Menschen der untersten Einkommensschichten ab - definiert als diejenigen Personen, deren
Einkommen weniger als 50 Prozent des mittleren
Haushaltseinkommens in ihrem geographischen Gebiet
beträgt - sowie auf Personen, deren Haushaltseinkommen zwischen 50 und 80 Prozent des mittleren Einkommens in ihrem Gebiet erreicht. Die Zahl der
Bundeshilfen beziehenden Haushalte wird jedoch durch
die Höhe der Summe begrenzt, die der Kongreß
jährlich für diese Programme bewilligt.
Die beiden wichtigsten Programme sind zur Zeit
Wohngeld und Zuschüsse zu Hypothekenzinsen, die
vom Ministerium für Wohnungs- und Städtebau (HUD)
Seite 3

�sowie von der Heimstättenverwaltung für Landwirte
(FHA) des Landwirtschaftsministeriums vergeben
werden.
Diese Programme bieten zum Beispiel Besitzern privater Mietshäuser Steuervergünstigungen, wenn sie
Mietwohnungen für einkommensschwache Mieter
reservieren. Es können ferner Berechtigungsscheine
ausgegeben werden, die es einkommensschwachen
Mietern gestatten, eine Mietwohnung aus dem Bestand privater Wohnungseigentümer auszuwählen.
Mit Wohngeldprogrammen wird die vom Mieter zu
entrichtende Miete im allgemeinen auf einen bestimmten Prozentsatz - zur Zeit 30 Prozent - seines Gesamteinkommens begrenzt. Dabei zahlt die Bundesregierung die Differenz zwischen dieser Summe und einer
bestimmten "angemessenen" Vergleichsmiete auf dem
freien Wohnungsmarkt. Mit solchen Programmen

kann jedoch auch die Höchstmiete begrenzt werden,
die ein Vermieter verlangen kann. Alternativ kann die
Grundmiete mit einer Formel berechnet werden, die
sich an den dem Hausbesitzer gewährten Zinssubventionen orientiert.
Bei projektbezogenen Programmen können durch
Bundessubventionen die Kapitalkosten für den Bau
abgedeckt, zinsgünstige Finanzierungen für den Bauherrn bereitgestellt werden oder beides zusammen.
Einige Programme subventionieren ferner die nach
Fertigstellung des Objekts anfallenden Betriebskosten.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, wurden etwa 4,5 Millionen Wohneinheiten durch Wohngeld oder Steuervergünstigungen des HUD im Gesamtwert von 14,4 Milliarden Dollar gefördert. Weitere 800.000 Wohneinheiten erhielten in demselben Jahr Beihilfen von der FHA.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

�SENIOREN
10. Juni 1992

ALTERN IN AMERIKA: LÄNGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA
"Altwerden ist nicht so schiecht in Anbetracht der Alternative."
Der französische Schauspieler Maurice Chevalier in vorgerücktem Alter.

Wenn es zutrifft, daß man nur so alt ist, wie man sich
fühlt, dann gibt es heute viele junge Amerikaner.
Die amerikanische Bevölkerung wird kontinuierlich
älter. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, im
höheren Alter nicht mehr zum Kämpfen bereit zu sein
und nur noch im Schaukelstuhl zu sitzen.
In der Tat sind viele Amerikaner mehr beschäftigt als
je zuvor, strafen ihr Alter Lügen und genießen ein
aktives, produktives Leben.
Man sieht sie joggen wie den 92jährigen Arzt Paul
Spangler, der an 11 Marathonrennen teilgenommen
hat, einschließlich dem klassischen Boston Marathon.
Sie engagieren sich für Verbraucherschutz wie die
86jährige Esther Peterson oder schreiben Romane
wie der 85jährige James Michener.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge lebten 1990 in den Vereinigten Staaten mehr als
63,504 Millionen über 50jährige Männer und Frauen
verglichen mit 58,962 Millionen im Jahr 1980. Die
Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten belief
sich 1990 auf 248,710 Millionen.
In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zahl der über
85jährigen Amerikaner voraussichtlich um das Fünffache auf 15 Millionen erhöhen. Noch erstaunlicher ist
die stetig zunehmende Zahl der über 100jährigen
Amerikaner. 1990 betrug sie 36.000 - ein Jahrzehnt
früher, 1980, waren es nur 14.000.
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung stieg 1990 auf
32,9 Jahre. 1980 lag es noch bei 30 Jahren. (Unter
Durchschnittsalter versteht man den gleichen Prozentsatz von Menschen, deren Alter über diesem Wert
liegt wie darunter).

AMERIKA DIENST 23

Obwohl zahlreiche Amerikaner noch lange nach dem
herkömmlichen Rentenalter von 65 Jahren erwerbstätig sind (und dadurch aus einigen Reihen Kritik ernten,
weil sie die Arbeitsplätze für jüngere Menschen blokkieren) kann man eine deutliche Tendenz zum Vorruhestand feststellen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
jemand mit 50 Jahren oder darunter in den Ruhestand
geht und eine zweite Karriere beginnt.
Viele Mittsechziger oder ältere Menschen kommen
jetzt erst richtig in Schwung. Die ihnen eigene Energie,
Erfahrung und ihre Fähigkeiten sind häufig sehr viel
größer als die unreifer, unerfahrener Jugendlicher in
den Zwanzigern.
Da ihre Zahl dramatisch zunimmt, stellen die Senioren
in den Vereinigten Staaten eine Herausforderung für
die Politiker dar, die bisher keinen klar umrissenen
Plan zu Verbesserung der Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe formuliert haben.
Das wird sich jedoch wahrscheinlich mit zunehmendem Alter der Wählerschaft ändern, die größeren
Einfluß auf die Wahlentscheidung und die Formulierung der Politik nimmt.
Berichten des Statistischen Bundesamts vom Februar
zufolge werden von den 189 Millionen potentiellen
Wählern bei den Präsidentschaftswahlen im November 32,5 Millionen über 65 sein, verglichen mit 30,59
Millionen bei den Wahlen von 1988.
Die Tatsache, daß Amerikaner sowohl länger leben als
auch länger arbeiten, ist auf eine Kombination von
Gründen zurückzuführen. Technologie und Medizin,
zunehmendes Bewußtsein für gesunde Ernährung
und sportliche Betätigung sind nur einige.

Seite 1

�Auch die Erkenntnis, daß die intellektuelle Schärfe,
Energie und Sachkenntnis eines Menschen nicht
zwangsläufig mit dem Alter abnehmen, erhält Amerikaner aktiv und produktiv im Erwerbsleben. In diesem
Zusammenhang stellte Leonard Giambra, ein Psychologe am National Institute on Aging folgendes fest:
"Lernen ist wie jede Fertigkeit - man muß es üben.
Ältere Menschen brauchen länger, um etwas zu lernen. Wir wissen nicht warum, aber was dem älteren
Menschen an Geschwindigkeit fehlt, wiegt er mit Erfahrung und Klugheit auf."
Ein Großteil dieser jüngsten Erkenntnisse der Qualitäten älterer Menschen ist dem inzwischen verstorbenen
Claude D. Pepper zu verdanken, dem langjährigen
amerikanischen Senator und Kongreßabgeordneten
aus Florida, dereinen schließlich vom Kongreß verabschiedeten Gesetzentwurf vorlegte, mit dem ein obligatorisches Rentenalter für praktisch alle Amerikaner
im öffentlichen und Privatsektor verboten wurde. Das
Gesetz trat am 1. Januar 1987 in Kraft.
Dennoch bleibt noch sehr viel zum Schutz der Rechte
älterer Arbeitnehmer zu tun.
"Unsere Gesellschaft ist von erschreckender Nachlässigkeit bei der Behandlung älterer Arbeitnehmer, insbesondere in den oberen Altersgruppen. Wir beobachten eine gravierende Vergeudung von Talenten",
stellt der Fernsehreporter Walter Cronkite in der Aprilausgabe des AARP Bulletin fest, einer von der in
Washington ansässigen American Association of Retired
Persons herausgegebenen Publikation.
Der 75jährige Cronkite, der 1981 als Moderator der
"CBS Evening News" in den Ruhestand trat, erklärte,
ein Teil des Problems sei das Entstehen von Großunternehmen, die Aktienkapital höher bewerten als Produkte und menschliche Beziehungen.
In einem der wenigen Arbeitsbereiche, in dem die
festgesetzte Altersgrenze noch gültig ist - Berufe, die
die öffentliche Sicherheit betreffen - fand eine kürzlich
von der Penn State University erstellte Studie keinen
Grund für die Annahme, daß Öffentliche Sicherheit
durch ältere Arbeitnehmer zum Risiko wird.
"Nur weil sie alt sind, heißt das noch lange nicht, daß
sie nicht als Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder
Bwährungshelfer geeignet sind", schließt die Studie.
Dr. Frank Landy, Direktor des Penn-State-Zentrums
für Angewandte Verhaltensforschung, der die Studie
durchführte, erklärte, "ein Großteil des mit dem Alterungsprozeß einhergehenden physischen und psychischen Verfalls ist in Wirklichkeit auf Krankheiten,
Verletzungen und den persönlichen Lebensstil zurückzuführen, statt auf das Altern an sich."
Aufgrund ihrer Erkenntnisse empfehlen Landy und
sein Spezialistenteam, daß im Bereich der öffentlichen
Sicherheit tätige Arbeitnehmer nicht der festgesetzten
Seite 2

Altersgrenze von 65 Jahren unterworfen werden. Die
Ergebnisse der von der Gleichstellungskommission
der Vereinigten Staaten in Auftrag gegebenen Studie
werden dem Kongreß zur Begutachtung vorgelegt.
Sowohl das US-Informationsamt als auch das USAußenministerium nehmen jetzt ältere Männer und
Frauen als Attaches in den amerikanischen auswärtigen Dienst auf, von denen die meisten eine zweite
Karriere beginnen. Eine andere Bundesbehörde, das
Peace Corps, sucht ältere Amerikaner für zweijährige
Auslandsaufenthalte.
Die Leiterin des Peace Corps, Elaine Chao, erklärte
dem US-Informationsamt gegenüber, weil zahlreiche
Amerikaner über 50 früher in den Ruhestand gehen,
"verfügen sie über einen Schatz an Erfahrung und
Fertigkeiten, den sie einbringen können".
Ammenmärchen zufolge sind uns auf Erden dreimal
zwanzig plus zehn Jahre gegeben (70) - einigen mehr,
anderen weniger, im großen und ganzen abhängig
davon, wie gut unsere Gene sind.
Aber schon bald könnte Genetik nicht länger der
entscheidende Faktor der Langlebigkeit sein, stellte
Dr. Robert N. Butler von der Mount Sinai School of
Medicine in New York bei einer im Februar in Washington veranstalteten nationalen Konferenz über das Altern fest.
"Ebenso wie Kolumbus dank der Wissenschaft und
einer Menge Mut und Glück unsichtbare räumliche
Grenzen überwunden hat, könnte es uns bestimmt
sein, die genetisch bestimmte Lebensdauer zu durchbrechen", erklärte Butler.
"Wir haben im 20. Jahrhundert eine wahre Revolution
der Langlebigkeit beobachtet, die eine bemerkenswerte soziale Leistung, nicht die Folge biologischer Evolution ist."
In diesem Jahrhundert haben wir in den Industrienationen fast 25 Jahre an durchschnittlicher Lebenserwartung hinzugewonnen. Dies entspricht in etwa dem in
den vorangegangenen 5.000 Jahren menschlicher
Geschichte beobachteten Zuwachs an Lebenserwartung.
Was ich als Revolution der Langlebigkeit bezeichne,
erfolgte primär aufgrund der Erfolge im Wirtschaftsprozeß und im öffentlichen Gesundheitswesen, wie
etwa die Anwendung der Bakterientheorie von Krankheiten", stellte Butler fest.
Dennoch müssen Senioren sich der Gefahren bestimmter schwerer Krankheiten bewußt sein, die sie
und die Gesellschaft seit einigen Jahren immer häufiger befallen. Butler zufolge sind beispielsweise 10
Prozent der AIDS-Patienten über 55 Jahre, "ein Prozentsatz, der im Steigen begriffen ist".

AMERIKA DIENST 23

�Die den Gedächtnisverlust bewirkende Alzheimersche
Krankheit - die sich so verheerend auf den Betroffenen, die Familie und Gesellschaft auswirkt - ist heute
die viert- oder fünfthäufigste Todesursache und für
ungefähr die Hälfte der Pflegefälle verantwortlicht,
beobachtete Butler.
Noch schlimmer ist, daß sich die Zahl der an der
Alzheimerschen Krankheit leidenden Menschen bis
zum Jahr 2000 voraussichtlich von 4 Millionen auf 12
Millionen verdreifachen wird.
Es ist jedoch eine unleugbare Tatsache, daß die
Menschen ihr Leben durch Vorsorge verlängern können und wollen, die - wie der verstorbene ehemalige
Redakteur der inzwischen eingestellten Saturday Review
of Literature, Norman Cousins, behauptete - zum
einen aus einer gesunden, positiven Einstellung zum
Leben besteht.
"Wir müssen den Begriff 'annehmbare Gesundheit'
überdenken, der die Ansicht widergibt, Veränderungen des Gesunheitszustands seien 'normal', weitgehend unkorrigierbar und erforderten daher keine
Gesundheitsfürsorge", führte Dr. John E. Ware, Jr. von
den New England Medical Center Hospitals bei der
Washingtoner Konferenz über das Altern aus.
Der durch sein Buch "Anatomy of an lllness as Perceived by the Patient" vielleicht am bekanntesten gewordene Schriftsteller und Redakteur Cousins war ebenso
davon überzeugt.
In dem Vorwort zu einem neuen Buch über Senioren
von Pat York mit dem Titel "Going Strong" (Arcade
Publishing, New York, 1991) stellte Cousins fest, daß
von George Solomon und anderen an der University of
California durchgeführte Forschungen die vorherrschende These in Frage stellen, es gebe eine mit dem 50.
Lebensjahr einsetzende automatische Schwächung
des menschlichen Immunsystems.
"Dr. Solomons Forschungen haben den Beweis erbracht, daß die Menschen selbst im fortgeschrittenen
Alter keine Minderung ihrer Immunfunktionen erleben
müssen", schrieb Cousins.
"Systematische Testreihen an einer beträchtlichen
Anzahl von über 75jährigen belegen, daß ihr Immunsystem solange sie über eine einigermaßen gute Gesundheit verfügen einer Schwächung widersteht.
"Dr. Solomon fand in der Tat heraus, daß die Immunsysteme von voll funktionsfähigen älteren Menschen
denen von 30- und 40jährigen und darunter vergleichbar sind."
Nicht alle Menschen werden mit Würde alt und leben
die ganze Zeit ein produktives Leben. Nicht alle

AMERIKA DIENST 23

Menschen werden alt, davon abgesehen. Es gibt
immer einen tödlichen Unfall oder eine Krankheit, die
sie vor ihrer Zeit abberufen.
Aber was ist das Geheimnis derjenigen, die ein langes
und fruchtbares Leben leben? Was hält sie so in
Schwung?
Blättern Sie durch Pat Yorks Buch - eine Aufstellung
von Porträts und Interviews mit 70 Menschen, die 75
Jahre und älter und immer noch "gut dabei sind" - und
es ergeben sich bestimmte Charakteristika.
Obwohl alle diese Senioren weder die gleiche Lebensphilosophie noch dasselbe Geheimnis ihrer Langlebigkeit teilen, haben sie alle eines gemeinsam: große
Lebensfreude, Beschäftigung, einen gesunden Sinn
für Humor, keine Absicht, sich bald zur Ruhe zu
setzen, denken im allgemeinen gut über sich und
andere, engagieren sich für eine ihnen übergeordnete
Sache, sind flexibel und anpassungsfähig.
Derselbe gemeinsame Nenner kann bei der Lektüre
der Kurzbiographien herausragender älterer Amerikaner ausgemacht werden. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer gesunden, positiven Einstellung zum Leben, die Cousins so wärmstens empfahl.
Wollte man einem dieser Kriterien höheren Wert beimessen als anderen, dann scheint es der Drang zu
weiteren Aktivitäten zu sein. In seinem Vorwort zu
"Going Strong" bemerkte Cousins:
"Keine Krankheit in den Vereinigten Staaten - Krebs,
Herzinfarkt, Diabetes oder multiple Sklerose - ist tödlicher als die Langeweile nach der Pensionierung.
Der Körper gerät in einen Zustand raschen Verfalls,
wenn er seine Existenzberechtigung verliert, wenn
Geist und Muskeln nicht eingesetzt werden, und der
Mensch von der Einschätzung der Gesellschaft umgeben ist, nicht länger einem nützlichen Zweck zu dienen."
Gut über unsere Mitmenschen zu denken, kommt an
zweiter Stelle nach der Beschäftigung. Nachfolgend
die Aussage, die der ehemalige US-Präsident, der jetzt
81jährige Ronald Reagan York gegenüber zu seiner
Lebensphilosophie machte:
"Seit wir alt genug waren zu verstehen, wurde uns
eines eingehämmert: Vorurteile und Diskriminierung rassische oder religiöse - sind eine Todsünde."
Die Fähigkeit, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln, hält andere fit. Um nochmals Reagan zu
zitieren:

Seite 3

�"Meine Mutter Nelle brachte uns bei, wenn etwas
schiefging, wenn uns etwas unglücklich machte, sollten wir es auf die leichte Schulter nehmen und uns
nicht dadurch verdrießen lassen.

betrachtet. (Der renommierte ehemalige Yale-Professor gab William F. Buckley, Jr. ein "B" statt eines "A",
als der Kolumnist und Redakteur vor 45 Jahren seinen
Kursus besuchte).

Sie versprach, irgendwann würde etwas Gutes geschehen, und wir würden erkennen, daß dies nicht
geschehen wäre, wenn das andere unglückliche Ereignis nicht stattgefunden hätte.

Mit nunmehr 91 Jahren verklagt Weiss heute seinen
derzeitigen Arbeitgeber, die Catholic University ot
America, weil sie ihn entlassen will. Weiss hat die in
Washington, D.C., ansässige Institution der Altersdiskriminierung bezichtigt und die Gleichstellungskommission der Bundesregierung überzeugt, in seinem
Namen einen entsprechenden Schriftsatz zu verfassen.

Ich kann auf ein Dutzend oder mehr Ereignisse in
meinem Leben verweisen, die ihr recht geben."
Da unser Leben nicht nur auf Rosen gebettet ist,
möchte man sich vielleicht die Philosophie des 91jährigen Professors Paul Weiß zueigen machen, der
seine Mitmenschen aus einem etwas voreingenommeneren und vielleicht realistischeren Blickwinkel

Seite 4

Gelegentlich bedarf es eines Wermutstropfens zusammen mit viel Schwung und Elan, um seinen Weg
glücklich auf dem unebenen und steinigen Pfad eines
langen Lebens zu gehen.

AMERIKA DIENST 23

�WAHLEN

'92
10. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Vorwahlkampf ist mit den am 2. Juni 1992 in Alabama, Kalifornien,
Montana, New Jersey, New Mexico und Ohio veranstalteten Vorwahlen zu Ende gegangen, und sowohl Präsident
Bush als auch der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, ist die Nominierung auf den jeweiligen Wahlparteitagen
ihrer Parteien sicher. Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten, über
die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt.
Der neueste Stand der Delegierten

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Bush

75

Clinton

2.509,75

Nichtgebunden

18

Brown

610,25

Buchanan

Tsongas

551

Kalifornien

Nichtgebunden

498

Demokraten

Sonstige

34

7

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

48

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Brown

40

Bush

Sonstige

12

1.811

Buchanan

76

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Nichtgebunden

26

Bush

74

Buchanan

26

Sonstige

1

Ergebnisse der Vorwahlen vom 2. Juni

Montana

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 2.
Juni erhalten hat.

Demokraten

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

47

Nichtgebunden

24

Brown

19
10

Clinton

68

Sonstige

Nichtgebunden

20

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Brown

7

Bush

72

Sonstige

5

Nichtgebunden

16

Buchanan

12

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�New Jersey
Demokraten

Sonstige
Prozentsatz der Stimmen

11

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

59

Bush

64

Brown

20

Nichtgebunden

27

Sonstige

14

Buchanan

Nichtgebunden

7

9

Ohio

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten

Bush

83

Clinton

61

Buchanan

17

Sonstige

20

Brown

19

New Mexico
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

53

Bush

83

Nichtgebunden

19

Buchanan

17

Brown

17

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 10.06.1992</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Europa bleiben "solange wir erwünscht sind" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers bei Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Öffentlichkeit wünscht weiterhin aktive Rolle in Weltpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse neuer Meinungsumfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress verabschiedet 27. Verfassungszusatz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zahlreiche Programme für Bedürftige in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Senioren&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Altern in Amerika: länger leben und es mehr genießen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen '92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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