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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

22

3. Juni 1992

.«#**

*£
UMWELT

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen

USA-GUS

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau

US-AUSSENPOLITIK

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik
prognostiziert

SOZIALPOLITIK

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

DEMOGRAPHIE

NEUE STATISTISCHE DATEN ZEIGEN
NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
3. Juni 1992

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat einen Vierpunkteplan zur weltweiten Zusammenarbeit bei der Lösung
von Umweltproblemen bekanntgegeben, den er bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro vorlegen wird.
In einer Rede beim Goddard Space Center erklärte Bush am 1. Juni 1992, er werde eine umfassende neue
Initiative vorschlagen, um der weltweiten Vernichtung von Wäldern bis zum Ende des Jahrzehnts Einhalt zu
gebieten.
"Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen Dollar
erhöhen", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Diesen Monat vor zwanzig Jahren versammelten sich
die führenden Politiker der Welt in Schweden, um über
die Umwelt zu sprechen. Die von ihnen verabschiedete Erklärung von Stockholm enthielt die einfache
Schlußfolgerung, daß "... wir durch umfassenderes
Wissen und klügeres Handeln für uns und die Nachwelt ein besseres Leben in einer Umwelt erlangen
können, die stärker im Einklang mit den Bedürfnissen
und Hoffnungen des Menschen steht".
Viel ist seit jenen frühen Tagen des Umweltschutzes
geleistet worden - und viel wurde gelernt.
Wir haben gelernt, daß nur marktorientierte Volkswirtschaften und demokratische Systeme die Rechenschaftspflicht beinhalten, die zum Schutz gegen
Umweltschäden erforderlich ist. Die Rußschicht, wie
sie die Welt vorfand, nachdem der Schleier der Geheimhaltung in Osteuropa gelüftet wurde, war eine
augenfällige Demonstration dieser Tatsache.
Wir haben gelernt, daß die Wirtschaft trotz Reduzierung von Umweltbelastungen wachsen kann. Seit
1973 ist das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten
Staaten um über 50 Prozent gestiegen. Trotzdem
wurde die Luftqualität besser: Die Emissionen von
Kohlenmonoxid, von smogverursachendem Ozon,
Schwefeldioxid und Partikeln sind jeweils um über 20
Prozent gesunken. Die Wasserqualität wurde verbessert: Wir haben eine 80prozentige Reduzierung der
Schwebstoffe erzielt, die von Fabriken und Kläranlagen freigesetzt werden.
AMERIKA DIENST 22

Wir haben gelernt, daß die Technik - unterstützt durch
die richtigen Anreize - der Umwelt Hilfe leisten kann,
die von noch so umfassenden Vorschriften für alte
Technik niemals hätte erbracht werden können. Technischer Fortschritt kann Umweltbelastungen verringern anstatt sie zu verstärken. Gleichzeitig ist der
verbesserte Wirkungsgrad gut für die Gewinne.
Und wir haben gelernt, daß marktorientierte Mechanismen und Flexibilität - auf ehrgeizige Ziele gerichtet und
unterstützt von rigorosen gesetzlichen Bestimmungen
- uns dabei helfen können, Umweltprobleme zu geringeren Kosten zu lösen als per Dekret angeordnete
bürokratische Regelungen.
Wir haben eine neue Generation von Umweltproblemen kennengelernt, die ihrem Umfang nach weltweiten Charakter haben - und zu ihrer Lösung wird internationale Zusammenarbeit erforderlich sein.
Diese Woche werden sich über 100 Staatschefs in Rio
de Janeiro versammeln - und es wird Zeit sein, diese
Lehren anzuwenden. Und welch einen besseren Ort
könnte es für die Erörterung unserer Pläne zur Bewältigung der internationalen Umweltprobleme geben als
das Goddard Space Center.
Bei meinem kleinen Rundgang - der leider allzu kurz
war, mir aber trotzdem einen kleinen Eindruck von der
großartigen Arbeit verschaffte, die von den wunderbaren Mitarbeitern von Goddard geleistet wird - kam mir
der Gedanke, welch großartige Sache es doch wäre,
Seite 1

�wenn diese 100 oder mehr Staatschefs einmal diese
Laboratorien hier besuchen und einen praktischen
Eindruck davon gewinnen könnten, welche Arbeit Sie
hier leisten. Zu sehen, wie sie besser die Veränderungen beobachten können, über die sie sprechen oder
über die sie von ihren Umweltministern informiert
werden. Es ist eine wunderbare Sache. Und meines
Erachtens kam diese Gelegenheit für mich zum richtigen Zeitpunkt, und ich sehe dem Meinungsaustausch
mit den anderen Teilnehmern in Rio gerne entgegen.
Es ist die hier entwickelte Wissenschaft, die der Welt
ein neues Fenster gegeben hat, durch das sie die
Umwelt betrachten kann. Ein von Goddard aus gesteuertes Raumschiff hat der Menschheit das erste
Bild der Erde aus dem Weltraum geliefert. Es waren
Wissenschaftler von Goddard, die den vergangenes
Jahr gestarteten Satelliten zur Erforschung der oberen
Atmosphäre entwickelten, der uns neue Einsichten zur
Beschaffenheit der Ozonschicht liefert.
Und der Löwenanteil der Wissenschaft, die von der
Welt zum Verständnis unseres Klimas angewendet
wird, entstammt einem Programm, dessen Kernstück
sich an diesem Ort befindet - das Programm zur
Erforschung des Klimawandels, das auf der von Goddard
zur Zeit entwickelten Mission zum Planeten Erde aufbaut.
Wenn wir nach Rio gehen, werden die Vereinigten
Staaten stolz als führendes Land der Welt dorthin
gehen - nicht nur bei der Erforschung der Umwelt,
sondern auch bei umweltpolitischen Maßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren das erste Land, das die
Gefahr von FCKW-Emissionen durch die Beseitigung
von Treibgasen im Jahr 1978 anerkannte. Andere
Nationen folgen nun unserem Beispiel - und sie benutzen den Abbau von Treibgasen als Aktivposten, um die
Bedingungen des Montrealer Protokolls einzuhalten.
Wir sind dem von diesem Abkommen verlangten Zeitrahmen um 42 Prozent voraus. Und aufgrund von der
NASA entwickelter wissenschaftlicher Erkenntnisse
haben wir dieses Jahr bereits erklärt, unseren Fahrplan für den völligen Abbau von FCKW zu beschleunigen - bis Ende 1995.

Diejenigen, die vor 20 Jahren in Stockholm zusammentrafen und den UNCED-Gipfel forderten, stellten
ausdrücklich fest, daß die Gespräche in Rio Umwelt
und Entwicklung zum Inhalt haben sollten. Sie wußten
bereits damals, daß beide unauflöslich miteinander
verbunden sind.
Nur eine wachsende Wirtschaft kann die Ressourcen
und den Willen aufbringen, mit der Natur langfristig und
zum Vorteil aller umzugehen. Aber nur natürliche
Ressourcen, die so behandelt werden, können das
Wachstum unterstützen, auf denen die Hoffnung der
Menschen in solch hohem Maße beruht. Per definitionem muß Entwicklung, wenn sie langfristig erfolgreich
sein will, auf Dauer tragfähig bleiben.
Ich lade deshalb zum Vergleich der Bilanz ein, die wir
als Land und als Administration erreicht haben. Sie ist
aggressiv und umfassend. Sie ist ehrgeizig aber
sorgfältig ausgewogen. Was wir in dieser Administration getan haben, spiegelt das neue Umweltbewußtsein wider, das seinem Ansatz nach verfeinert ist und
die Macht des Marktes in den Dienst der Umwelt stellt.
Lassen Sie mich dafür einige Beispiele anführen.
Das von mir vorgeschlagene und unterzeichnete Gesetz
zur Luftreinhaltung von 1990 ist weltweit das ehrgeizigste Gesetz zur Eindämmung der Luftverschmutzung.
Es wird sauren Regen, Smog sowie Emissionen toxischer Chemikalien reduzieren. Es wird dies aber mit
Innovationen erreichen, die von der ganzen Welt
beobachtetwerden. Wirhabenein Handelssystem zur
Reduzierung von Schwefeldioxid, eine neue Generation sauberer Treibstoffe und sauberer Automobilie,
ein massives - und bis heute erfolgreiches - Programm
zur freiwilligen Reduzierung von Luftschadstoffen.
Unsere Nationalparks werden durch Millionen Besucher belastet. Deshalb haben wir in den vergangenen
vier Jahren über eineinhalb Millionen Morgen für Nationalparks, Wälder, Wildschutzgebiete und andere öffentliche Flächen bereitgestellt. Wir haben 57 neue
Wildschutzgebiete geschaffen - und pro Jahr über eine
halbe Million Morgen wichtiger Feuchtgebiete wiederhergestellt oder unter Schutz gestellt. Gleichzeitig
haben wir den Genehmigungsprozeß gestrafft, damit

Wir waren die erste Nation, die bereits im Jahr 1975
Katalysatoren einführte, um die Emissionen von Automobilen und Lieferwagen zu reduzieren. Im Jahr 1982
begannen wir, verbleites Benzin abzuschaffen - und
heute ist der Bleigehalt in unserer Atemluft um 95
Prozent geringer. Andere Nationen ergreifen diese
beiden Maßnahmen erst jetzt.
Ich trat mein Amt mit dem Engagement an, die Bilanz
der amerikanischen Führungsrolle bei Umweltfragen
weiter zu verbessern. Ich habe mich darum auf eine
Art und Weise bemüht, die mit Wirtschaftswachstum
im Einklang steht, weil ein solches Gleichgewicht
unerläßlich ist - und weil dies gleichrangige Ziele sind,
die einander nicht gegenseitig ausschließen.

Seite 2

Projekte, die Feuchtgebiete nicht beeinträchtigen, nicht
verzögert werden - und wir haben sichergestellt, daß
das Recht des Bürgers auf Privateigentum nicht angetastet wird.
Wir haben ein Moratorium für ö l - und Erdgasbohrungen in umweltsensiblen küstennahen Bereichen eingeführt, neue Gesetze zum Schutz vor Ölkatastrophen, zur Beendigung des Dumpings von Holz im
größten Regenwaldgebiet der Vereinigten Staaten dem Tongass - und zur Förderung von Umwelterziehung unterzeichnet. Und wir haben unsere Gesetze
mit strenger Strafverfolgung untermauert, damit die
Umweltverschmutzer die Kosten tragen - und das
Ergebnis waren Rekordbeiträge der Wirtschaft für die
Beseitigung von Altlasten.
AMERIKA DIENST 22

�Und wir haben uns der internationalen Umwelt gewidmet - mit neuen Abkommen zur Verhinderung des
unverantwortlichen Exports von Giftmüll, zum Verbot
des Elfenbeinhandels, um damit der von Wilderern
verursachten Ausrottung der Elefanten Einhalt zu
gebieten, und für den Erlaß von Schulden, um die
Umwelt durch "debt for nature swaps" zu schützen.
Kurzum, unser Land, die Vereinigten Staaten, behält
seinen Platz an vorderster Front der internationalen
Errungenschaften für die Umwelt. Unsere Gesetze
haben als Modell für Umweltgesetze in der ganzen
Welt gedient.
Die umweltpolitischen Leistungen der Vereinigten
Staaten sind nicht das Ergebnis von Mißverständnissen - sie sind das Ergebnis auf Dauer angelegter
Investitionen. Heute geben die Vereinigten Staaten 2
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts - über 100 Milliarden Dollar jährlich - für die Kontrolle der Umweltverschmutzung aus. Im Vergleich zu anderen Ländern
zählen wir damit weltweit zur Spitzengruppe.
Amerikaner waren stets der Meinung, daß Taten vielsagender sind als Worte. Und unser Ansatz zu den in
Rio anstehenden Fragen wurde von einer einfachen
Weisheit geleitet. Wir werden ein gutes Abkommen
über Klimaveränderungen unterzeichnen. Es gründet
sich auf die Idee, daß jede Nation eine Aktionsstrategie
erarbeiten sollte - wie wir dies in den Vereinigten
Staaten getan haben.
Wir haben unseren Plan zuerst im Februar 1991 auf
den Tisch gelegt - mit detaillierten Vorschlägen zum
Handeln und detaillierten Berechnungen darüber, wie
stark die Emissionen von Treibhausgasen reduziert
werden würden. Als sich die wissenschaftliche Erkenntnislage zu FCKW veränderte, fügten wir neue
Maßnahmen hinzu und legten unseren Plan erneut auf
den Verhandlungstisch. Wir zeigten, daß unsere
Maßnahmen die bis zum Jahr 2000 vorhergesagten
Treibhausgasemissionen um 125 - 200 Millionen Tonnen
reduzieren würdne - oder um 7 - 11 Prozent.
Kein anderes Land - mit Ausnahme der Niederlande hat einen solch detaillierten Aktionsplan vorgelegt.
Und deshalb bestanden wir auch darauf, daß der
Schwerpunkt auf Ergebnissen liegt - nicht auf Rhetorik.
Es mag in der Presse nicht viele Schlagzeilen gemacht
haben, aber in einem Bereich nach dem anderen
haben die Vereinigten Staaten detaillierte Vorschläge
gemacht und auf deren Verabschiedung hingearbeitet: Bei Wäldern, Ozeanen, Meeresorganismen, Beteiligung der Öffentlichkeit, Finanzierung.
Ich stelle eindeutig fest: Unser Engagement für
Maßnahmen hat nicht mit Rio begonnen und wird auch
nicht damit enden.

AMERIKA DIENST 22

Wenn ich also nächste Woche nach Brasilien reise,
werde ich mehrere Vorschläge mitbringen, um das
Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
in Zukunft zu verstärken. Ich möchte Ihnen deshalb
meinen Vierpunkteplan der Zusammenarbeit vortragen:
Erstens werde ich eine wichtige neue Initiative vorschlagen, um die Wälder der Erde zu schützen und zu
verbessern. Ich erwähnte bereits Lehren, die wir in
bezug auf Kosteneffektivität gezogen haben. Nun,
den Schwund der Wälder aufzuhalten, ist einer der
preiswertesten Schritte, die wir unternehmen können,
um die Emissionen von Kohlendioxid zu verringern.
Die Wälder filtern darüber hinaus Luft und Wasser. Sie
stellen Produkte von Bau- und Brennholz bis zu Arzneistoffen und Nahrungsmitteln zur Verfügung. Beim
G-7 Gipfel in Houston vor zwei Jahren schlug ich eine
internationale Waldkonvention vor. Beim Erdgipfel
sollten wir ein Abkommen über die Prinzipien erreichen, die dorthin führen.
Ich schlage jedoch heute vor, raschere Fortschritte zu
machen. In Rio werde ich die anderen Industriestaaten bitten, mit mir gemeinsam die weltweite Forsthilfe
zu verdoppeln - mit dem Ziel, den Schwund der Wälder
bis zum Ende des Jahrzehnts aufzuhalten.
Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre
bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen
Dollar erhöhen.
Der Plan sieht die Ermutigung zu Partnerschaften vor
- zwischen Empfängerländern, die neue Projekte vorschlagen könnten und Investorstaaten, die um die
Unterstützung der effektivsten Vorschläge zur Begrenzung von Kohlendioxid oder zum Artenschutz
konkurrieren könnten.
Zweitens zum Klima. Die Unterzeichnung einer Konvention, die Aktionspläne fordert, ist nur ein erster
Schritt - wir müssen sie verwirklichen. Ich werde mich
also daran beteiligen, indem ich den unverzüglichen
Beginn der Verabschiedung von Klima-Aktionsplänen
vorschlage. Natürlich werden wir bei Verfügbarkeit
neuer und besserer wissenschaftlicher Erkenntnisse
über den Klimawandel unseren Aktionsplan entsprechend anpassen.
Die Lösung des Problems des Klimawandels muß die
Entwicklungsländer einbeziehen. Während sie heute
etwa ein Viertel der Weltemissionen verursachen, wird
dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf die Hälfte gestiegen sein. Wir müssen deshalb ihre Beteiligung haben
- und wir werden "Länderstudien" finanzieren, um
ihnen einen Anfang zu ermöglichen.
Diese Länder werden neue Technologien benötigen,
um "grünes Wachstum" zu erreichen. Und Amerika
kann sie zur Verfügung stellen. Mein Haushalt beinhal-

Seite 3

�tet deshalb eine Investition von nahezu einer Milliarde
Dollar für die Entwicklung neuer Technologien zur
besseren Energieausnutzung.

Treibhauseffekt verteilen, und wir werden dieses Jahr
eine Informationsstelle zu den Umweltveränderungen
eröffnen.

Hunderte von amerikanischen Geschäftsleuten werden als Anwälte unserer Technologie nach Rio reisen.
Aber diese Bemühungen müssen fortdauern - der
dritte Teil unseres Plans ist deshalb die Unterstützung
eines umfassenden Programms technologischer Zusammenarbeit. Insbesondere werden wir ein Korps für
technologische Zusammenarbeit (Technology Cooperation Corps) ins leben rufen, um den Bedarf von
Ländern in aller Welt an umweltverträglicher Technologie festzustellen - und dann die Schranken niederzureißen, die deren Verfügbarkeit im Wege stehen.

Diese vier Schritte - ein drastisches Programm zum
Schutz und zur Verbesserung der Wälder, schnelles
Handeln bei den Klimaveränderungen, Zusammenarbeit bei der Anwendung saubererer und effizienterer
Technologien sowie ein kontinuierliches Programm
zur Entwicklung und Weitergabe solider wissenschaftlicher Erkenntnisse - können uns helfen, diese Gelegenheit zu nutzen lange nachdem die Reden in Rio
verklungen sind und die Konferenz beendet ist.

Der vierte Punkt meines Programms für eine sauberere Zukunft ist ein kontinuierliches Programm für Forschung und Verständnis. Dieses Jahr beantragen wir
über 1,4 Milliarden Dollar für das Programm zur Erforschung des weltweiten Klimawandels - das ist mehr als
die Summe, die vom Rest der Welt insgesamt für die
Klimaforschung ausgegeben wird.
Unter der Führung von Dan Goldin hier bei der NASA
werden wir auf ein Programm drängen, das Ergebnisse schneller, preiswerter und besser liefert. In Rio
werde ich vorschlagen, die im Rahmen unseres Programms zur Erforschung der Klimaveränderungen
gesammelten Daten für Wissenschaftler und Forscher
in aller Welt verfügbar und bezahlbar zu machen.
Als Teil dieser Bemühungen werden wir bei der UNCED
Tausende von Computerdisketten mit Daten zum

Vor zwei Jahrzehnten konnten die politisch Verantwortlichen der Welt, als sie sich in Stockholm versammelten, die stürmischen Ereignisse der folgenden
zwanzig Jahre schwerlich voraussehen. Damals sorgten sie sich über Atomkriege als Hauptbedrohung der
Umwelt. Sie konnten damals noch nicht wissen, daß
heute das Gespenst des Atomkrieges - mit seiner
unvorstellbaren Zerstörung - wie nie zuvor in der
Nachkriegsgeschichte in den Hintergrund getreten ist.
Sie konnten sich nicht vorstellen, daß mit dem Fall von
Planwirtschaft und Kommunismus diejenigen, die nach
Rio kommen, die Chance haben würden, ein neues
Zeitalter sauberen Wachstums einzuleiten - geleitet
von der Klugheit freier Völker und angetrieben durch
die Macht freier Märkte.
Sie hätten niemals vorhersehen können, wie weit wir in
20 Jahren gekommen sind. Heute ist es an uns, uns
vorzustellen, wie viel weiter wir noch kommen können.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 22

�USA - G U S
3. Juni 1992

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau
MOSKAU - (AD) - Dem Stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger zufolge war der kalte Krieg
eine "große Tragödie" für die Vereinigten Staaten und die ehemalige Sowjetunion.
In einer Rede vor dem Handels- und Wirtschaftsrat in Moskau erörterte Eagleburger am 27. Mai 1992 die
schwierige Aufgabe des demokratischen Aufbaus, die Partnerschaft zwischen dem Volk der Vereinigten Staaten
und den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, wirtschaftliche und technische Hilfe sowie die komplexe Aufgabe
der Entwicklung freier Märkte im früheren Herrschaftsbereich des Kommunismus.
Es ist mir eine Ehre, heute abend an diesem besonderen historischen Ort bei Ihnen sein zu dürfen. Als
jemand, der den überwiegenden Teil der vergangenen
vierzig Jahre in Diensten einer vom kalten Krieg getriebenen und definierten Diplomatie gestanden hat, ist
dies in der Tat einer der befriedigendsten Momente
meiner Karriere. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß
ich einmal vor dem Handels- und Wirtschaftsrat hier in
einem demokratischen Moskau sprechen würde, an
diesem Ort, der für mein Land einst das Symbol der
Gegnerschaft war.
Doch die letzten 24 Stunden hier in Moskau haben in
mir ein Gefühl des Erstaunens darüber ausgelöst, daß
wir jemals Gegner waren. Ich kann nur Bedauern
darüber empfinden, daß unsere Feindschaft solange
andauerte und unsere Völker der Früchte der Zusammenarbeit und friedlichen Entwicklung beraubte.
Die Ironie besteht natürlich darin, daß das amerikanische und das sowjetische Volk einander niemals ernsthaft als Feinde betrachteten. Im Gegenteil, auf beiden
Seiten fühlten wir stets eine starke Affinität füreinander
- eine Affinität, die auf der Geschichte, einem Gefühl
gegenseitiger Identifizierung und darüber hinaus auf
einem engagierten und gesunden Gefühl der Konkurrenz miteinander beruhte. Auf vielfältige Art und Weise
sind wir Spiegelbilder: als multiethnische Nationen von
kontinentaler Ausdehnung mit Völkern, die ein besonderes Gefühl für ihre einzigartige Bestimmung und
historische Mission in der Welt haben.
Selbst als Konkurrenten zeugten unsere Bemühungen, einander auszustechen, von gegenseitigem
Respekt und Bewunderung. In mehrfacher Hinsicht
brachte unser Wettbewerb sogar das Beste in uns zum
AMERIKA DIENST 22

Vorschein, da es uns zwang, nach Spitzenleistungen
in allen Bereichen zu streben, von der Raumfahrt bis zu
Olympischen Spielen.
Dennoch war der kalte Krieg in jeder Hinsicht eine
große Tragödie für uns beide. Es ist unbestreitbar, daß
wir beide teuer bezahlten und großes Leid in einem
Zeitraum erduldeten, in dem wir unsere Energien nach
unserem Sieg im Zweiten Weltkrieg besser zur Schaffung einer stabilen, friedlichen und wohlhabenden
Weltordnung eingesetzt hätten. Statt dessen verschwendeten wir diese Energien und wertvolle Ressourcen für die kolossale Torheit des kalten Krieges.
Und heute bezahlen wir dafür den Preis - wie erst
kürzlich auf den Straßen von Los Angeles.
Ich möchte deshalb klarstellen, daß wir in den Vereinigten Staaten auch uns als Opfer desselben totalitären Systems betrachten, das die Völker der ehemaligen Sowjetunion unterdrückte. Die Erlösung, die
schließlich eintrat, war das Werk aller, die sich diesem
System im Westen, in Osteuropa und hier in den
Straßen Moskaus vor gerade neun Monaten in den
Weg stellten.
Heute stehen Sie inmitten der monumentalen Aufgabe, Ihr Experiment der Demokratie und der freien
Marktwirtschaft zu konsolidieren. Ich sage bewußt
"Experiment", denn die Demokratie ist eine Regierungsform, die niemals als dauerhaft gesichert betrachtet werden kann. Sie setzt die Fähigkeit der
Menschen voraus, sich selbst zu regieren, und sie
erfordert ein größeres Maß an wirtschaftlicher und
sozialer Gerechtigkeit als die meisten anderen politischen Systeme. Kurzum, so sehr die Demokratie
unsere besten Eigenschaften belohnt, so fordert sie
Seite 1

�auch unsere besten Eigenschaften, und deshalb ist sie
auf ewig eine experimentelle Regierungsform - "die
schlechteste Regierungsform abgesehen von allen
anderen", wie Winston Churchill zu sagen pflegte.
Die Aufgabe, der Demokratie zum Erfolg zu verhelfen,
ist ein unendlicher Kampf. Der unsere begann mit der
Revolution von 1776, hielt an durch die schreckliche
Krise unseres Bürgerkriegs und geht auch heute noch
weiter. Ihre Aufgabe ist enorm: die gewaltigen menschlichen und wirtschaftlichen Kosten bei der Überwindung der Schäden zu ertragen, die von über 70 Jahren
Mißwirtschaft angerichtet wurden. Aber Sie werden
dies schließlich zumindest nicht im Einklang mit einem
Plan von Kommissaren oder einem aus dem Westen
importierten Plan, sondern im Einklang mit den Werten, Traditionen und geistigen Reichtum Ihrer Völker
tun. Und sie werden dies in dem erfrischenden Klima
der Demokratie tun, in dem die Energien Ihrer Völker
endlich freigesetzt werden, um ihr Potential voll auszuschöpfen.
Damit möchte ich sagen, daß die Arbeit des Wiederaufbaus ausschließlich Angelegenheit der Völker der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist. Wir in den
Vereinigten Staaten können keine Zauberformel anbieten, da weder wir noch andere jemals einen solchen
Übergang von Kommandowirtschaft zu freier Marktwirtschaft versucht haben.
Ich bin jedoch heute hier anwesend, um Ihnen mit
Nachdruck zu versichern, daß das amerikanische Volk
Ihnen in einer Zeit der Not ebenso beistehen wird wie
in den zwanziger Jahren, wie im Zweiten Weltkrieg und
wie im vergangenen Winter. Und ich kann Ihnen
darüber hinaus versichern, daß es unser größter Wunsch
ist, mit Ihnen gemeinsam eine historische Partnerschaft einzugehen, um Ihnen bei der Umsetzung dieses großen Experiments der Demokratie zu helfen.
Ich spreche hier nicht von irgendeiner abstrakten
Partnerschaft, einem Schlagwort von Politikern, sondern von einer echten Partnerschaft zwischen den
beiden in diesem Saal heute abend versammelten
Gruppen: den Vertretern der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten. Dabei handelt es sich weder um Philanthropie noch um Ausbeutung. Es geht um Handel wirtschaftliche Aktivität zum Vorteil beider Partner und
zum Vorteil aller. Dies ist ein Vorhaben, bei dem es nur
Gewinner und keine Verlierer geben sollte. In der Tat
haben die Vereinigten Staaten mit einem solchen
Engagement - Investitionen und Handel - ihren Verbündeten und ehemaligen Gegnern im Zweiten Weltkrieg geholfen, Wohlstand zu erlangen und stabile
Demokratien zu werden, und sie begründeten damit
eine dauerhafte Partnerschaft.
Genau dies möchten wir gemeinsam mit unseren
ehemaligen Gegnern des kalten Krieges erreichen.
Wir betrachten die neuen Nationen der ehemaligen

Seite 2

Sowjetunion als Vertreter eines der potentiell größten
Märkte der heutigen Welt. Wir sehen Arbeitsplätze für
Ihre Bürger ebenso wie für unsere. Wir sehen gegenseitig vorteilhafte und friedliche Beziehungen zwischen
uns. Aber wenn wir über einen möglichen Fehlschlag
Ihres Experiments der Demokratie und des freien
Markts nachdenken, so erkennen wir keinen dieser
Vorteile. Und deshalb brauchen wir Ihren Erfolg, und
wir möchten, daß Sie wirtschaftlich gedeihen.
Wir gehen davon aus, daß das, was Sie neben dem
Know-how und der Hilfe zur makroökonomischen
Stabilisierung, die von der amerikanischen Regierung
gewährt werden, benötigen - das Kapital, die moderne
Technologie und Fachwissen -, in ausreichendem
Umfang nur von unserem Privatsektor geliefert werden kann. Dies ist eine Lehre, die wir aus unseren
zweijährigen Erfahrungen bei der Hilfe für die neuen
Demokratien Osteuropas gezogen haben. Dasselbe
gilt sogar noch stärker für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, in der der Schlüssel zur Wiedergewinnung raschen Wirtschaftswachstums in der Ankurbelung devisenbringender Sektoren wie Landwirtschaft,
Energiewesen und Bergbau liegt.
Um diese Partnerschaft zwischen unseren jeweiligen
Privatsektoren auf den Weg zu bringen, gibt es eine
Vielzahl erleichternder Maßnahmen, die Ihre Regierungen und die meinige heute ergreifen müssen. Ich
werde zunächst die erwogenen und bereits stattfindenden Aktivitäten meiner eigenen Regierung erläutern.
Ich freue mich erstens berichten zu können, daß wir
rasche Fortschritte im Hinblick auf den Abschluß von
Handels-, Investitions- und Steuerabkommen mit den
meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion erzielen
und daß wir bei der Erweiterung des Aktionsradius von
Export-Import-Bank und OPIC ebenfalls voranschreiten.
Zweitens arbeitet die Administration eng mit dem
Kongreß zusammen, um möglichst rasch das Gesetz
zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) zu
verabschieden. Und eines möchte ich in diesem
Zusammenhang glasklar feststellen: Wir meinen es
mit diesem Gesetz ebenso todernst wie damit, daß wir
alles in unserer Macht Stehende tun werden, um die
Wirtschaftsreformen unserer neuen demokratischen
Freunde zu unterstützen.
Drittens ermächtigt das gleiche Gesetz unsere Regierung, technische Hilfe durch Know-how von Menschen
für Menschen zu liefern. Dazu gehören:
Ausbildung von Beamten aller Ebenen sowie
von Volkswirten, Unternehmern und Wissenschaftlern;
Hilfe in den Bereichen Energie, Wohnungswesen, Landwirtschaft und Verkehr, um Engpässe
für die weitere Entwicklung zu beseitigen;
AMERIKA DIENST 22

�Unterstützung Ihrer Regierungen bei deren
Versuchen zum Wiederaufbau der Infrastruktur
durch Machbarkeitsstudien und technische Hilfe in Zusammenarbeit mit Weltbank und EBWE;
Hilfe für amerikanische Unternehmen, um ihnen
bei der Partnersuche hier zu helfen, ihre Vorschläge zu unterstützen und Finanzmittel für
bestimmte Arten von Folgestudien und Angeboten bereitzustellen, wie wir dies in Mittel- und
Osteuropa tun;
Entsendung von Beratern, die zur Einführung
der finanziellen Institutionen, Gesetze und Vorschriften beitragen werden, mit denen die Marktwirtschaft funktionsfähig gemacht wird.
Mittlerweile hat unser Handelsministerium eine Anzahl
neuartiger Programme entwickelt, mit denen amerikanische Firmen unmittelbar unterstützt werden, die in
der ehemaligen Sowjetunion tätig werden möchten.
Erstens gewährt das Handelsministerium den GUSStaaten Zugang zu einer Datenbank, die Unternehmen in den gesamten Vereinigten Staaten unmittelbar
detaillierte Informationen über Geschäftsmöglichkeiten und örtliche Partner zur Verfügung stellt.
Zweitens arbeitet das Handelsministerium mit amerikanischen Firmen zusammen, um durch das Special
American Business Intemship Training Program (SABIT)
in den Vereinigten Staaten Trainee-Programme für
Manager von GUS-Unternehmen anzubieten.
Und drittens richtet das Handelsministerium gemeinsam mit den neuen unabhängigen Staaten Business
Development Committees (BDCs) ein, die sich auf den
Abbau allgemeiner Hindernisse für Handel und Investitionen konzentrieren und außerdem als Schiedsstellen bei bestimmten Projekten dienen werden, die durch
staatliche Tätigkeit oder Untätigkeit behindert werden.
Schließlich befindet siel t bei uns heute abend die erste
Gruppe amerikanischei Berater für die Konversion der
Rüstungsindustrie, die sich in Nischnij-Nowgorod niedergelassen haben. Sie untersuchen bereits Möglichkeiten, um russische Rüstungsfirmen mit amerikanischen Partnern zusammenzubringen und neue, private Joint Ventures zu gründen, die ausschließlich zivile
Güter produzieren werden.
Dies sind also die Maßnahmen, die von der amerikanischen Regierung durchgeführt wurden, um der Privatwirtschaft in Ihren Ländern und dem meinen zu
helfen. Es gibt jedoch auch Maßnahmen, die von den
Regierungen der neuen unabhängigen Staaten ergriffen werden müssen, um das Handels- und Investitionsklima hier so attraktiv wie möglich zu gestalten.
Es ist eine Tatsache, daß die Länder, die den Kommunismus gestürzt haben, das System des freien Unternehmertums in einer besonderen Phase seiner historischen Entwicklung aufgegriffen haben. Sie taten dies
AMERIKA DIENST 22

gerade in dem Moment, als sich der Weltmarkt zum
wichtigsten Faktor bei der Entscheidungsfindung in
Unternehmen und nationalen Regierungen entwickelt
hatte. Die Realität von heute lautet, daß insbesondere
Kapital dorthin fließen wird, wo es sich ansiedeln
möchte, unabhängig von seiner Herkunft und von den
Absichten dieser Regierungen. Selbst innerhalb der
Vereinigten Staaten haben wir entdeckt, daß Unternehmen Bundesstaaten verlassen werden, in denen
sie über Generationen hinweg ansässig waren, wenn
sie beispielsweise zu dem Schluß kommen, daß das
steuerliche Umfeld in einem anderen Bundesstaat
günstiger für sie ist. Und selbstverständlich nehmen
sie bei diesem Umzug ihre Arbeitsplätze und örtlichen
Steuerbeiträge mit an den neuen Standort. Wir mögen
den Verlust staatlicher Kontrolle beklagen, aber für die
Unternehmen selbst ist der Kampf um das wirtschaftliche Überleben für gewöhnlich so intensiv, daß sie gar
keine andere Wahl haben.
Dies ist die Wirklichkeit, der sich jede Regierung auf
der Welt ausnahmslos stellen muß. Im Fall der Regierungen der ehemaligen sowjetischen Republiken verstehen wir, daß mit dem Entstehen von Märkten Verwirrung aufkommen wird und daß westliche Unternehmen als ideale Einkommensquellen betrachtet werden. In der kurzen Zeit meines Aufenthalts in Moskau
mußte ich jedoch feststellen, daß praktisch alle amerikanischen Geschäftsleute, mit denen ich gesprochen
habe, mir erklärten, ihre Fähigkeit, als Partner zur
wirtschaftlichen Gesundung beizutragen, werde ernsthaft - wenn nicht sogar entscheidend - durch rigide
Vorschriften und steuerliche Praktiken beeinträchtigt,
die sie auf allen Regierungsebenen antreffen.
Ich möchte Sie nicht mit all den Veränderungen langweilen, die amerikanische Geschäftsleute gerne sehen würden. Ich möchte nur kurz die meistgenannten
Hemmnisse aufzählen:
1. Ständige Veränderung und Mangel an Transparenz von Gesetzen und Vorschriften.
2. Ständige Veränderungen und prohibitive
Erhöhungen der Steuersätze.
3. Ungewisse Eigentumsverhältnisse, insbesondere bei natürlichen Ressourcen, sowie sich
überschneidende Zuständigkeiten der verschiedenen staatlichen Ebenen.
4. Zahlungsrückstände der ehemaligen Sowjetunion in Höhe von über 190 Millionen Dollar
gegenüber amerikanischen Unternehmen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß es sich bei den
amerikanischen Unternehmen, die in der ehemaligen
Sowjetunion geschäftlich tätig werden wollen, um
verantwortungsbewußte Firmen handelt; die "Räuberbarone" früherer Zeiten werden von der amerikanischen Regierung weder toleriert noch unterstützt. Wir
haben Firmen, die in lebenswichtigen Bereichen wie
Seite 3

�Nahaingsmittelvertrieb, Verkehr, Kommunikationswesen, Gesundheitsfürsorge, Energiewesen und Rüstungskonversion einen ausschlaggebenden Beitrag leisten
können. Sie können in Ihrem Land Arbeitsplätze
schaffen, und sie können dabei helfen, die von Ihnen
benötigten harten Devisen zu erwirtschaften.

einst tatsächlich Verbündete, aber wir waren gegen
etwas verbündet, das uns von außen entgegentrat gegen eine Bedrohung, der wir gemeinsam gegenüberstanden. Heute haben wir die Chance eines
Bündnisses für etwas - für den demokratischen Lebensstil und die Werte, die wir jetzt gemeinsam haben.

Sie werden jedoch zu all dem nicht in der Lage sein,
wenn das Umfeld nicht günstig ist. Sie können beispielsweise keine Geschäfte machen, wenn eine plötzliche Steuererhöhung den erwarteten Gewinn bei einem bereits ausgehandelten Projekt völlig verschlingt.
Sie können nicht tätig werden, wenn sie es mit einer
Bürokratie zu tun haben, die noch immer nicht in der
Lage ist, mit ihnen auf Arbeitsebene rasch und mit
Autorität zu arbeiten. Sie werden in der Tat abwandern, wenn dies erforderlich ist, um ein günstiges
Umfeld in den ältesten oder den jüngsten demokratischen Marktwirtschaften der Welt zu finden.

Wir sind uns der Tatsache bewu ßt, daß die Möglichkeiten zur Partnerschaft in diesem demokratischen Zeitalter umfassend und vielfältig sind und daß die neuen
unabhängigen Staaten wechselseitig fruchtbare Beziehungen mit ihren europäischen Nachbarn und anderen
entwickeln werden. Einen Punkt möchte ich hier
jedoch eindeutig klarstellen: Die Vereinigten Staaten
sind weder nur ein Partnervon vielen, noch betrachten
wir Sie lediglich als Partner unter vielen anderen. Wir
beide sind Völker mit einem besonderen Auftrag, Völker, die ihren größten Beitrag zur Geschichte und zu
unseren Zeiten noch leisten müssen. Beide wurden
wir in der Vergangenheit bereits von der Geschichte
abgeschrieben, aber bei jeder dieser Gelegenheiten
wurden wir der Herausforderung gerecht - und dasselbe gilt sicherlich auch heute.

Meine Freunde, es ist leicht, sich über die Schwierigkeiten zu ergehen, mit denen wir in dieser Zeit des
Übergangs konfrontiert sind - des Übergangs zum
freien Markt, zur Demokratie und zu einer neuen
Weltordnung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist alles,
was wir sehen können, die Hindernisse auf unseren
Weg und die zu erbringenden Opfer, und wir vernehmen Stimmen, die sagen, die beiden Supermächte des
kalten Kriegs würden in der angebrochenen revolutionären neuen Ära nicht gedeihen.

Gemeinsam besitzen wir die größte Macht in der Welt.
Zwischen uns hat es keine Geschichte bewaffneten
Konflikts gegeben, unabhängig davon, wie schwerwiegend unsere Differenzen im kalten Krieg auch sein
mochten. Zwischen uns kann es deshalb eine Partnerschaft mit größerem Vertrauen und Potential für beiderseitige Fortschritte geben als zwischen allen anderen Völkern in der Welt von heute.

Ich sage jedoch, daß diese Stimmen unrecht haben
und daß jeder, der die Fähigkeiten des amerikanischen Volkes und der Völker der ehemaligen Sowjetunion anzweifelt, mit einer deftigen Überraschung zu
rechnen hat. Ja, wir waren Opfer des kalten Kriegs.
Andere machten wirtschaftliche Fortschritte, während
wir unsere Ressourcen in einer sinnlosen militärischen
Rivalität vergeudeten. Aber sehen Sie nur, welche
Macht und Kreativität wir selbst unter den erschwerten
Bedingungen dieser Rivalität unter Beweis stellten,
und stellen Sie sich vor, was wir nun leisten können, da
unsere Energien in dem gemeinsamen Streben nach
wirtschaftlicher Wiedergeburt und Aufschwung freigesetzt werden können.

Ich weiß, daß die Völker der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, wenn sie auf die Vereinigten Staaten
von Amerika blicken, eine Nation sehen, die sich
rückhaltlos der demokratischen freien Marktwirtschaft
und einer gerechten, stabilen und friedlichen Weltordnung verschrieben hat. Und ich kann Ihnen versichern, daß wir, wenn wir auf Sie blicken, Nationen
sehen, die unter diesem System und unter dieser
Ordnung am besten gedeihen können und werden.
Mit anderen Worten: die Geschichte hat uns zu
Partnern bestimmt. In der Vergangenheit haben wir
dieses Urteil einmal mi ßachtet, und wir und die gesamte Welt zahlten dafür einen schrecklichen Preis. Aber
Gott sei Dank sind wir entschlossen, unserem gemeinsamen Schicksal nicht länger entfliehen zu wollen.

Stellen Sie sich insbesondere vor, was wir nicht als
Gegner, sondern in einer engen und beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft leisten können. Wir waren
* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 22

�US-AUSSENPOLITIK
3. Juni 1992

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert
Die wachsende ethnische Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung wird langfristig Auswirkungen auf den
Umgang mit auswärtigen Angelegenheiten haben. Dies ist der Tenor des nachfolgenden Artikels, der dem
Bericht der Stanley Foundation über die wachsenden Auswirkungen der ethnischen und geographischen Vielfalt
auf die US-Außenpolitik entnommen ist. Der Beitrag wurde in englischer Sprache in der Zeitschrift Dialogue,
Nr. 1, 1992, veröffentlicht.
Die Vereinigten Staaten verweisen seit langem stolz
auf ihre Rolle als Schmelztiegel kulturell verschiedenartiger Völker. Diese Vielfalt hat sich aber bisher nur
selten in der amerikanischen Außenpolitik niedergeschlagen. Ein neues Zeitalter ist jedoch angebrochen,
in dem die ethnische Vielfalt größere Auswirkungen
auf die Außenpolitik haben wird. Dies hat drei Gründe.
Erstens verändert eine demographische Revolution
die ethnische Zusammensetzung des Landes. Im Lauf
der Geschichte kamen Wellen von Einwanderern in die
Vereinigten Staaten, die eine schrittweise Diversifizierung der Bevölkerung bewirkten. In jüngerer Zeit
unterschieden sich die Einwanderer, deren Zahl seit
1960 etwa 8 Millionen betrug, erheblich von früheren
Wellen.
In den sechziger Jahren begann die Zahl der Einwandereraus Europa abzunehmen, die in der Vergangenheit die Mehrheit gestellt hatten. Dagegen stieg die
Zahl asiatischer und hispanischer Einwanderer steil
an. Auch die Zahl illegal ins Land strömender Einwanderer, insbesondere aus Mexiko, Mittel- und Südamerika nahm erheblich zu. Dieser Zustrom neuer Einwanderer hat die rassische und ethnische Zusammensetzung der Nation verändert.
Die lediglich zahlenmäßige Betrachtung der Neuankömmlinge ist jedoch teilweise irreführend. Die Einwanderer verteilen sich nicht gleichmäßig. Verschiedene Teile der Vereinigten Staaten haben eine größere Zuwanderung erlebt als andere. Infolgedessen
bilden sich neue ethnische Machtzentren. Florida, das
bereits eine große kubanische und afro-amerikanische Bevölkerung hat, wurde von Einwanderern aus
Lateinamerika und der Karibik überschwemmt. New
York, Texas, Kalifornien und Illinois waren ebenfalls
Ziel zahlreicher Einwanderer. Die Auswirkungen dieses Trends lassen sich andeutungsweise Prognosen

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entnehmen, die davon ausgehen, daß in 20 Jahren 85
Prozent der kalifornischen Bevölkerung zu neuen
ethnischen Gruppen gehören werden.
Zusätzlich zu ihrer Zunahme kann zweitens gesagt
werden, daß die Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gruppen politisch bewußter werden. In der
Vergangenheit gab es große Unterschiede beim Ausmaßen dem ethnische Gruppen sich selbst definierten
und nach ethnischer Herkunft mobilisiert werden konnten. Einige Gruppen - zum Beispiel Amerikaner polnischer, irischer oder griechischer Abstammung und
amerikanische Juden - organisierten sich anhand der
ethnischen Zugehörigkeit und trachteten danach, die
Außenpolitik zu beeinflussen. Aber dies war eher die
Ausnahme als die Regel. Heute ist die ethnische
Mobilisierung sehr verbreitet. Zu den Beispielen
wachsenden ethnischen Selbstbewußtseins gehört die
immer wichtigere Rolle der Gruppe schwarzer Abgeordneter im US-Kongreß (U.S. Congressional Black
Caucus). Ein weiteres Anzeichen für zunehmendes
ethnisches Bewußtsein ist die Debatte über die Notwendigkeit zur Erweiterung der Lehrpläne, um die
Rolle der ethnischen Gruppen in der amerikanischen
Geschichte angemessen zu berücksichtigen, die
gegenwärtig in den amerikanischen Schulen Wellen
schlägt.
Einige Experten sind der Auffassung, daß für Gruppen, denen die volle Beteiligung an der amerikanischen Politik früher verweigert wurde, die ethnische
Mobilisierung einen Weg bietet, um in das außenpolitische Establishment einzudringen. Insbesondere für
"Farbige" ist ein verbesserter Zugang zum außenpolitischen Establishment von Bedeutung, unabhängig
davon, ob dies die Politik verändert oder nicht. Für
andere ethnische Gruppen, die noch starke Bindungen
zu ihren Herkunftsländern unterhalten, ist die ethni-

Seite 1

�sehe Mobilisierung ein Weg zur Einflußnahme auf die
amerikanische Außenpolitik, die diesen Ländern zugute kommen soll.
Eine dritte Veränderung, die zur wachsenden Bedeutung der ethnischen Vielfalt in den Vereinigten Staaten
beiträgt, ist die zunehmende Rolle von Bundesstaaten
und Gemeinden bei der Gestaltung der Außenpolitik.
Dieser Trend vervielfacht die Kanäle, durch die ethnische Gruppen die Politik beeinflussen können. Nationale Interessen stehen nicht mehr notwendigerweise
mit lokalen und Bundesstaatsinteressen in Einklang.
Infolge inneren wirtschaftlichen Drucks versuchen viele
Bundesstaaten heute, sich selbst am internationalen
Wirtschaftssystem zu beteiligen, um Handelsbeziehungen zu anderen Ländern zu entwickeln. So haben
beispielsweise mehrere Bundesstaaten Handelsmissionen in Tokio eingerichtet, um japanische Investitionen anzulocken.
Der Trend zur weltumspannenden Produktion fördert
direkte Wirtschaftsverbindungen zwischen Amerikanern und anderen Gesellschaften auf nichtstaatlicher
Ebene. Eine weitere Kategorie von Verbindungen
betrifft persönliche Beziehungen zu Verwandten im
Ausland. Institutionelle Bindungen werden durch
Programme von Sister Cities, der Organisation für
Städtepartnerschaften, und andere kulturelle Organisationen geschaffen. Die Politik wird unweigerlich
beeinflußt, da Basisinitiativen immer mehr Amerikaner
mit Menschen im Ausland in Kontakt bringen.
Ein Beispiel für die Auswirkung des Engagements der
Basis auf den au ßenpolitischen Proze ß war der Erfolg
der Anti-Apartheidbewegung bei der Veränderung der
amerikanischen Politik gegenüber Südafrika. Angesichts des Drucks von Kirchen, Studenten und AfroAmerikanern stießen Bundesstaaten und Gemeinden
aus ihren Pensionsfonds Anteile an Unternehmen ab,
die in Südafrika tätig waren. Gemeindevertreter riefen
darüber hinaus Programme ins Leben, um der schwarzen Mehrheit Südafrikas zu helfen.
Während also der allgemeine Trend zu verstärkter
ethnischer Mobilisierung bei außenpolitischen Themen geht, bestehen erhebliche Unterschiede darin,
wie sich dies in den einzelnen Gruppen manifestiert.
Es ist offenkundig geworden, daß Vorgeschichte, Interessen und Programme verschiedener Gruppen stark
voneinander abweichen.
Obwohl die amerikanischen Juden de facto keine
ethnische Gruppe sind, stellen sie das meistdiskutierte
Modell einer effektiven außenpolitischen Mobilisierung dar. Mehrere Umstände haben die amerikanischen Juden in die Lage versetzt, eine mächtige Lobby
zu werden. Der erste ist die Geschichte der Verfolgung, die den Juden in der ganzen Welt ein starkes
Gefühl gemeinsamer religiöser Identität verlieh. Zweitens
gab der Holocaust der jüdischen Gemeinde ein mächtiges Symbol, mit dem sie sich mobilisieren konnten.

Seite 2

Drittens gibt das Ziel, die amerikanische Unterstützung Israels sicherzustellen, einen eindeutigen Schwerpunkt politischer Aktivität vor. Schließlich ist die
amerikanische jüdische Gemeinde aufgrund ihres relativen Wohlstands und des hohen Grads politischer
Beteiligung in einer guten Position, um die Politik zu
beeinflussen. Wie von einigen bemerkt wurde, kann
es sich die jüdische Gemeinde leisten, die Israelfrage
zum wichtigsten Faktor ihrer innenpolitischen Bemühungen zu machen, was bei anderen Gruppen nicht
der Fall ist.
Afro-Amerikaner ähneln den Juden darin, daß auch sie
ein starkes ethnisches Zusammengehörigkeitsgefühl
haben, das auf ihrer historischen Erfahrung gründet:
der Sklaverei. Das Erbe der Sklaverei hat die Amerikaner afrikanischer Herkunft in der Gesellschaft wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Trotz der Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung kämpfen AfroAmerikaner immer noch um Chancengleichheit und
größere Beteiligung am amerikanischen politischen
System. Sie konzentrieren sich hauptsächlich auf
innenpolitische Fragen der Gerechtigkeit.
Im Bereich der Außenpolitik war es für Amerikaner
afrikanischer Herkunft aus einer Reihe von Gründen
schwierig, in das System einzudringen. Erstens haben
sie kein gemeinsames Thema, um das sie sich mobilisieren könnten. Dies wird noch verstärkt durch die
Tatsache, daß sich Afro-Amerikaner weder mit einem
einzelnen Herkunftsland identifizieren können noch
persönliche Bindungen zu einem einzelnen Land
außerhalb der Vereinigten Staaten haben. Die Lage in
Südafrika hat den Afro-Amerikanern jedoch die Gelegenheit gegeben, sich bei einem Thema zu engagieren, das ihrer historischen Erfahrung in den Vereinigten Staaten entspricht. Der Erfolg der Anti-Apartheidbewegung unterstreicht das Potential innerhalb der
afro-amerikanischen Gemeinde, um den außenpolitischen Prozeß zu beeinflussen.
Obwohl die Neigung besteht, die Amerikaner asiatischer Herkunft als homogene ethnische Gruppe zu
betrachten, ist diese Kategorie äußerst vielfältig.
Amerikaner japanischer, chinesischer und philippinischer Abstammung haben eine lange Geschichte in
den Vereinigten Staaten. In der Vergangenheit vermieden sie es jedoch, eine ethnisch geprägte Politik zu
betreiben. Die neueren Einwanderungswellen aus
Südostasien waren politisch jedoch äußerst aktiv. Wie
im Fall der amerikanischen Juden verstärkt der relative
Wohlstand der Amerikaner asiatischer Herkunft deren
Fähigkeit, das außenpolitische Establishment zu beeinflussen. Die neuen asiatischen Einwanderer sind
wohlhabender und gebildeter als frühere Zuwanderer,
und der Wohlstand der etablierten asiatisch-amerikanischen Gemeinde nimmt ebenfalls zu. Dies bedeutet,
daß die Amerikaner asiatischer Herkunft ausreichende Mittel zur Verfüngung haben, die sie bei Wahlkämpfen auf lokaler und nationaler Ebene einsetzen können.
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�Veränderungen im internationalen System verstärken
ebenfalls die innenpolitische Bedeutung der asiatischamerikanischen Gemeinde. Das Selbstverständnis
der Amerikaner japanischer Abstammung wurde durch
die wachsende Rolle Japans als wirtschaftliche Supermacht gefördert. Dies hat den Eindruck verstärkt, daß
Amerikaner japanischer Herkunft als Brücke zwischen
den Vereinigten Staaten und Japan in der Außenpolitik
dienen können. Zu den Themen, die Amerikaner
asiatischer Herkunft zu beeinflussen versuchen, gehört die amerikanische Einwanderungspolitik.
Wie bereits erwähnt, hat die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Im Jahr 1970 hatten Hispanier
einen Anteil von 4,5 Prozent an der amerikanischen
Bevölkerung. Im Jahr 1988 war dieser Anteil auf 8
Prozent gestiegen. Wie der asiatische Bevölkerungsanteil ist auch diese Gruppe extrem mannigfaltig,
wobei Mexikaner (als zahlenmäßig stärkste), Kubaner
und Puertoricaner die drei größten Untergruppen bilden. Wirtschaftlich bestehen große Unterschiede
innerhalb der hispanischen Gemeinde, in der die
Amerikaner kubanischer Abstammung im allgemeinen
wesentlich wohlhabender sind als Mexikaner und
Puertorikaner.
Die Vielfalt der hispanischen Gemeinde hat es den
politisch Verantwortlichen erschwert, sich effektiv für
außenpolitische Themen einzusetzen. Eine bemerkenswerte Ausnahme waren die Bestrebungen der
Amerikaner kubanischer Abstammung, die amerikanische Politik gegenüber Fidel Castro zu beeinflussen.
Für die Mehrheit der Hispanier sind innenpolitische
Themen wie Zugang zu Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen, Recht auf die eigene Sprache und
Sozialleistungen nach wie vor am wichtigsten. Im
Hinblick auf die Außenpolitik haben unterschiedliche
hispanische Gruppen verschiedene Programme. Die
Puertoricaner sind besorgt über die möglicherweise
von den Vereinigten Staaten gewährte Souveränität
Puerto Ricos. Die Mexikaner befassen sich mit Handels- und Einwanderungsproblemen, insbesondere der
Behandlung illegaler Einwanderer.
Die arabisch-amerikanische Gemeinde weist ebenfalls eine große ethnische und politische Vielfalt auf.
Ihre Wurzeln gehen zu mehreren Ländern im Nahen
Osten und in Nordafrika zurück. Die politische Mobilisierung wurde durch Klassen- und berufliche Unterschiede bebindert. Auch die Beziehungen zwischen
den Amerikanern arabischer Abstammung und ihren
Herkunftsländern variieren. Die Libanesen waren beispielsweise außerordentlich erfolgreich beim Sammeln von Spenden für den Libanon, wohingegen die
Amerikaner syrischer Abstammung enge kulturelle,
aber relativ lockere politische Beziehungen mit Syrien
unterhalten.

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Auf innenpolitischer Ebene betrachten sich Araber, die
seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten leben, als
stark assimiliert, insbesondere diejenigen, die keine
sprachlichen Bindungen mehr zu ihrem Herkunftsland
haben. Obwohl diese Araber sich nicht im ethnischen
Sinne unterscheiden, wurden sie vor allem aufgrund
der Ereignisse im Nahen Osten und zunehmend als
Reaktion auf die von Amerikanern jüdischer Abstammung zugunsten Israels durchgeführten Aktivitäten in
die außenpolitische Debatte eingebracht.
Das Bild, das sich aus der Bevölkerungszusammensetzung der Vereinigten Staaten ergibt, weist unterschiedliche Gruppen auf - jede mit den ihr eigenen
Stärken und Schwächen und jede mit einer anderen
Basis für außenpolitische Kampagnen. Diese Tatsache erschwert die Gestaltung einer schlüssigen, kontinuierlichen und integrierten Außenpolitik außerordentlich.
Die amerikanische Außenpolitik war traditionell die
Domäne von weißen Männern, sowohl innerhalb als
auch außerhalb der Regierungskreise. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich diese Situation allmählich gewandelt, so daß heute mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten im politischen Entscheidungsprozeß zu finden sind. Dennoch sind die Fortschritte
begrenzt. In einer kürzlich erstellten Studie über in den
letzten zehn Jahren von den Medien befragte außenpolitische Experten war die Mehrzahl weiß, männlich
und konservativ.
Begrenzter Zugang zur Außenpolitik hat es einigen
ethnischen Gruppen erschwert, selbst auf unterster
Ebene in das System einzusteigen. Für wirtschaftlich
benachteiligte Gruppen sind schlechte Bezahlung,
Anfängerpositionen und Volontariate bei außenpolitischen Organisationen keine echte Alternative. In den
wichtigsten außenpolitischen Institutionen wie Forschungszentren, Eliteuniversitäten und im auswärtigen Dienst sind Minderheiten immer noch unterrepräsentiert.
Ein Argument für die Einbeziehung lautet, daß neue
Akteure in den außenpolitischen Prozeß eingeführt
werden, deren Interessen und Erfahrungen sich von
der herkömmlichen Außenpolitik unterscheiden. Aus
diesem Grund wäre eine diversifiziertere außenpolitische Gemeinde wertvoll, unabhängig davon, ob diese
neuen Akteure den politischen Entscheidungsfindungsprozeß grundlegend ändern oder nicht. Die Einbeziehung der gesamten Bandbreite ethnischer Gruppen in
die Außenpolitik würde sowohl in der Regierung als
auch außerhalb zur Verbesserung des Bildes von
einem Land mit ethnischer Vielfalt beitragen. Durch
die Einbeziehung in die Außenpolitik könnten die Vertreter der ethnischen Gruppen schließlich als Vorbild
für ihre Gemeinden dienen.

Seite 3

�Die Einbeziehung würde auf der anderen Seite nicht
zwangsläufig zu einer tiefgreifenden Veränderung führen.
Obwohl der Zugang als Einstieg in das System dienen
kann, muß dies nicht notwendigerweise zu konstruktiver Beteiligung führen. Der Preis der Einbeziehung
könnte die pauschale Akzeptanz des Status quo sein
statt der Versuch, ihn zu ändern. Die Einbeziehung
aus rein "symbolischen" Gründen könnte zu Fetischismus führen und dadurch Probleme der Legitimität und
Glaubwürdigkeit für die Vertreter der ethnischen Gruppen schaffen.
Darüber hinaus führt die Einbeziehung aus zwei Gründen nicht zwangsläufig zu einer Erweiterung der Bandbreite von Problemen auf der au ßenpolitischen Tagesordnung: Wenn die einzigen Personen in der Politik
diejenigen wären, die dieselben Ansichten vertreten
wie die traditionellen außenpolitischen Institutionen,
oder wenn die Vertreter der ethnischen Gruppen mit
einem unterschiedlichen Weltbild gezwungen würden,
ihre Meinungen aus politischen Gründen zu unterdrükken. Obwohl es in jüngsten Administrationen beispielsweise einige Amerikaner afrikanischer Abstammung in hochrangigen außenpolitischen Positionen
gegeben hat, scheint dies keine Auswirkungen auf die
amerikanische Außenpolitik zu haben.
Die Rolle, die ethnische Gruppen im außenpolitischen
Prozeß spielen können, hängt von ihren Beziehungen
untereinander und zu ihrem Herkunftsland ab. Natürlich variiert diese Beziehung von Gruppe zu Gruppe.
Zu den ausschlaggebenden Faktoren zählt, wann die
Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen
sind, warum sie ihr Land verlassen haben, welche
politische, wirtschaftliche und strategische Anziehungskraft ihr Land hat und ob seine Ideologie sich von der
der Vereinigten Staaten unterscheidet. Sind die Beziehungen gut, können sich Kampagnen der ethnischen
Gruppen zum Nutzen des Heimatlands auswirken, wie
es bei den Amerikanern jüdischer Abstammung mit
Israel der Fall war. Sind die Beziehungen zwischen
den Einwanderern und ihrem Heimatland jedoch
schlecht, kann sich das Engagement der ethnischen
Gruppen zum Nachteil ihres Heimatlandes erweisen.
Vor Castros Regime fliehende Kubaner waren vehemente Befürworter der amerikanischen Politik, die auf
die Isolierung Kubas abzielt.
Veränderungen der Verbindungen, die ethnische
Gruppen mit ihrem Heimatland unterhalten, können
maßgebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit der Gruppe
zur Einflußnahme auf den außenpolitischen Prozeß
haben. Früher vollzog sich ein Großteil der Kontakte
zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern durch inoffizielle, persönliche Kanäle. Die Gründung von Partnerstadtprogrammen und kulturellen
Organisationen hat zur Formalisierung, Stärkung und
Förderung der kulturellen Bande beigetragen. Zur Zeit
gewinnen jedoch die wirtschaftlichen und politischen
Bande zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern zunehmend an Bedeutung. Dies geschieht
Seite 4

häufig mit der stillschweigenden Zustimmung des
Heimatlandes, das von besseren Handels- und Wirtschaftschancen zu profitieren hofft. Die japanische
Regierung hat beispielsweise beachtliche Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada entwickelt, das einen großen
Bevölkerungsanteil von Amerikanern japanischer
Abstammung hat, auf die 30 Prozent der gesamten
Auslandsinvestitionen des Landes zurückzuführen sind.
Diese Beziehungen sind jedoch auch mit Problemen
für beide Seiten behaftet. Das Problem für das Heimatland entsteht, wenn seine Einwandererein größeres Mitspracherecht im politischen Prozeß des Heimatlandes fordern und Einfluß auf innenpolitische
Entscheidungen nehmen möchten. Für das Heimatland ist es ein ebenso ungemütliches Risiko, wegen
der Beziehungen zu einer ethnischen Gruppe in innenpolitische Querelen der Vereinigten Staaten hineingezogen zu werden. Einige afrikanische Befreiungsbewegungen sind sehr um die Unterstützung von Amerikanern afrikanischer Abstammung bestrebt, obwohl
sie nicht gerne in die Rassenkonflikte der Vereinigten
Staaten verwickelt werden möchten.
Als anderes Extrem ergeben sich auch Probleme für
ethnische Gruppem, die nicht als Lobbyisten im Namen
ihrer ehemaligen Heimatländer, sondern vielmehr als
amerikanische Bürger mit einer eigenen Sichtweise
außenpolitischer Angelegenheiten fungieren wollen.
Aufgrund ihres Engagements für Japan fürchten
Amerikaner japanischer Abstammung eher als Japaner statt als amerikanische Staatsbürger angesehen
zu werden. Das Engagement einer ethnischen Gruppe sollte sich jedoch auch nicht auf Belange ihres
Herkunftslandes beschränken. Viele Amerikaner afrikanischer Abstammung fürchten, wenn sie zu sehr mit
Afrika in Verbindung gebracht werden, in der größeren
außenpolitischen Gemeinde politisch an den Rand
gedrängt zu werden.
In einer Weise könnte sich größeres Engagement der
ethnischen Gruppen für außenpolitische Themen als
gefährlich erweisen. Angesichts der gegenläufigen
Interessen und Programme unterschiedlicher ethnischer Gruppen besteht die Möglichkeit, daß Kampagnen der ethnischen Gruppen den außenpolitischen
Prozeß in einen Krieg zwischen ethnischen Gruppen
verwandeln könnte, die um begrenzte Ressourcen,
politische Posten und Einfluß kämpfen.
Das Ende des kalten Kriegs hat für den Prozeß der
außenpolitischen Entscheidungsfindung ein Vakuum
hinterlassen. Es gibt kein umfassenderes Gefüge
einer Supermacht, das konkurrierende Ansprüche
enthnischer Gruppen in Einklang bringen könnte und
dadurch entsteht die Gefahr, daß die ethnischen Gruppen
in den Vereinigten Staaten in Konflikte im Ausland
verwickelt werden. Wenn die Sowjetunion und andere
Länder in rivalisierende ethnische Einheiten zerfallen,
könnten ihre Kämpfe die ethnischen Konflikte in den
Vereinigten Staaten verschärfen.

AMERIKA DIENST 22

�Aus diesem Grund könnte die Einbeziehung neuer
Gesichter in die außenpolitische Gemeinde die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Übernahme einer
Führungsrolle in der Welt nach dem kalten Krieg
verbessern. Einige Experten haben den Vorschlag
unterbreitet, daß Amerikaner und Ausländer sich auf
der Grundlage gemeinsamer Probleme über tiefere
soziale Bindungen mobilisieren könnten. Mit diesem
Ansatz könnte das Potential anderer Länder zur Lö-

* *

AMERIKA DIENST 22

sung interner und regionaler Kontroversen verstärkt
werden. Obwohl das Ende des kalten Kriegs eine
Konfliktquelle beseitigt hat, könnte es andere regionale und ethnische Konflikte mit wichtigen innenpolitischen und internationlaen Konsequenzen freisetzen.
Es muß ein Weg gefunden werden, um unterschiedliche ethnische Interessen und Programme in eine
schlüssige, integrierte außenpolitische Tagesordnung
der Vereinigten Staaten umzusetzen.

* *

Seite 5

�SOZIALPOLITIK
3. Juni 1992

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben gegenwärtig kein einheitliches, nationales Krankenversicherungssystem für alle Bürger. Es gibt jedoch zwei Einzelprogramme, die gemeinsam die medizinische Versorgung für die meisten derjenigen gewährleisten, die keine private Krankenversicherung
haben.
Als Teil von Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" wurde im Jahr 1965 Medicare ins Leben gerufen, um älteren Menschen eine Krankenversicherung
zubieten. Darüber hinaus wurde Medicaid eingeführt,
um die Kosten für die medizinische Versorgung von
sozial Schwachen und Behinderten abzudecken, die
keinen Anspruch auf Medicare haben.
Im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für das vollständige
statistische Daten zur Verfügung stehen, waren 87,5
Prozent aller Amerikaner während des ganzen oder
eines Teils des Jahres in irgendeiner Form krankenversichert.
Davon entfielen 14,6 Prozent auf Medicare, 11,2 Prozent auf Medicaid. 73,1 Prozent hatten einen privaten
Versicherungsschutz, der von Arbeitgebern, Gewerkschaften oder den Vorsicherten selbst finanziert wurde, und 12,5 Prozen* waren überhaupt nicht krankenversichert. (Diese Zahlen ergeben insgesamt über
100 Prozent, da ein Teil der unter Medicare und
Medicaid Versicherten daneben einen privaten Versicherungsschutz hatten.)
Schätzungen des US-Gesundheitsministeriums zufolge bezogen im Jahr 1991 35 Millionen Amerikaner
Leistungen von Medicare in einer Gesamthöhe von
113,9 Milliarden Dollar. Im gleichen Jahr erhielten 27,5
Millionen Personen Leistungen von Medicaid im Gesamtumfang von 89,1 Milliarden Dollar.
Medicare für die älteren Mitbürger
Medicare besteht aus zwei Teilen, die beide von der
Bundesregierung verwaltet werden. Alle Amerikaner
ab 65 Jahren, die aufgrund ihrer früheren Beschäftigung oder der des Ehegatten Anspruch auf Rentenzahlungen haben, können unabhängig von persönliAMERIKA DIENST 22

chem Einkommen oder Vermögen Leistungen der
Krankenhausversicherung (Teil A) beziehen. Durch
Zahlung eines minimalen monatlichen Beitrags kann
nahezu jeder Bürger über 65 eine Krankenversicherung (Teil B) abschließen, die Arzthonorare, diagnostische Untersuchungen, ambulante chirurgische Leistungen, Laboruntersuchungen und andere medizinische Leistungen für ambulante Patienten abdeckt.
Teil A wird aus Mitteln derselben Lohnsummensteuer
finanziert, die für die Finanzierung der Rentenversicherung erhoben wird, während Teil B vollkommen
aus dem von jedem Versicherten entrichteten Monatsbeitrag - 31,80 Dollar im Jahr 1991 - abgedeckt wird.
Im Jahr 1992 erstattet Teil A in den ersten 60 Tagen der
stationären Behandlung 100 Prozent aller versicherten Kosten in einem von Medicare zugelassenen
Krankenhaus - nach Zahlung eines einmaligen Selbstbehalts von 652 Dollar in jedem Leistungszeitraum.
Danach werden von Teil A alle versicherten Leistungen abgedeckt, mit Ausnahme einer "Rückversicherungs"-Zahlung, die der Patient erbringen muß.
Falls eine solche Behandlung von Medicare für notwendig erachtet wird, leistet Teil A darüber hinaus für
sämtliche versicherten Dienstleistungen während der
ersten zwanzig Tage des Aufenthalts in einem anerkannten Pflegeheim, wenn der Patient zuvor an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen stationär im
Krankenhaus behandelt wurde. Vom 21. bis zum 100.
Tag muß der Versicherte eine Selbstbeteiligung von
81,50 Dollar pro Tag aufbringen. Nach dem 100. Tag
übernimmt Medicare in demselben Leistungszeitraum
keine weiteren Leistungen für den Aufenthalt in einem
Pflegeheim.
60 Tage nach Entlassung aus stationärer Krankenhausbehandlung oder Aufenthalt in einem Pflegeheim
beginnt eine neue Abrechnungsperiode, und der Versicherte kann erneut Leistungen in Anspruch nehmen.
Teil A deckt ferner von Medicare anerkannte häusliche
Pflege ab - einschließlich von Teilzeit- oder vorübergehender Pflege, sozialen Dienstleistungen, Thera-

Seite 1

�pie, Heil- und Hilfsmitteln - sowie sämtliche Leistungen der Behandlung von unheilbar Kranken in von
Medicare zugelassenen Sterbekliniken.
Nach Teil B der Krankenversicherung werden 80 Prozent
sämtlicher versicherten Leistungen für ambulante
Behandlung von Medicare übernommen nachdem der
Patient den Selbstbehalt von 100 Dollar pro Kalenderjahr bezahlt hat. Danach können die Versicherten
ihren Eigenanteil auf 20 Prozent der versicherten
Leistungen begrenzen, indem sie Ärzte und Leistungsanbieter wählen, die sich an die von Medicare genehmigten Gebührensätze halten. Andere Ärzte können
bis zu 20 Prozent über die Gebührensätze von Medicare hinausgehen, wobei der Differenzbetrag vom
Versicherten zu erbringen ist.
Versicherte in Teil A und Teil B können ihre Kosten
senken und Vorsorgeleistungen erhalten, die für
gewöhnlich nicht von Medicare abgedeckt sind, indem
sie besondere im voraus bezahlte Krankenversicherungen abschließen - etwa HMOs (Health Maintenance Organizations) und CMPs (Competitive Medical
Plans) -, die koordinierten Versicherungsschutz bieten
anstatt der traditionellen gebührenorientierten Vorsorge.

ßige Vorsorgeuntersuchungen und anschließende
Behandlung von Kindern unter 21 Jahren, Hilfe bei der
Familienplanung, Behandlungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten sowie den Krankentransport umfaßt.
Die Medicaid-Programme der Bundesstaaten sind
gesetzlich verpflichtet, die Prämien, Selbstbeteiligungen und Eigenanteile zu übernehmen, die gemäß Teil
A und B für Versicherte von Medicare zu zahlen sind,
wenn deren Einkommen unter der von der Bundesregierung festgelegten Armutsgrenze liegen - im Jahr
1991 waren dies 6.932 Dollar für einen Alleinstehenden. Die Bundesstaaten müssen darüber hinaus die
Prämien für Teil A bei bestimmten Behinderten übernehmen, die zwar arbeiten, deren Einkünfte und persönliches Vermögen einen Anspruch auf Medicaid
jedoch ausschließen.
Der Bundesanteil an den Leistungen von Medicaid in
Höhe von 89,1 Milliarden Dollar betrug im Jahr 1991
50,8 Milliarden Dollar, während die Bundesstaaten
38,3 Milliarden trugen. Einer vom Kongreß festgelegten Formel zufolge übernimmt die Bundesregierung in
den Bundesstaaten mit dem geringsten Pro-KopfEinkommen einen größeren Anteil an Medicaid. Der
Bundesanteil kann zwischen 50 und 80 Prozent betragen.

Medicaid für Einkommensschwache
' Die Kriterien für die Inanspruchnahme von Medicaid,
das von den Bundesstaaten nach Richtlinien der
Bundesregierung verwaltet wird, werden von den einzelnen Staaten festgelegt und variieren von einem
Bundesstaat zum anderen. In den meisten qualifiziert
sich eine Person für dieses Programm, wenn das
Familieneinkommen unter der Armutsgrenze liegt.
Alle Personen, die Leistungen entweder durch Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) oder Hilfe für Familien mit
unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with
Dependent Children - AFDC) erhalten, sind automatisch durch Medicaid versichert. Bei SSI handelt es
sich um ein vom Bund finanziertes und verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen Rahmen Kindern und Erwachsenen, die blind oder behindert sind,
kaum eigenes Vermögen oder Einkommen besitzen
und von anderen Sozialhilfeprogrammen nur unvollständig abgedeckt sind, festgesetzte monatliche Beträge bar ausgezahlt werden. AFDC unterstützt Familien
mit Bargeld, in denen ein Elternteil verstorben ist, die
Familie verlassen hat, behindert oder - in einigen
Bundesstaaten - arbeitslos ist.

Die amerikanischen Aufwendungen für das Gesundheitswesen
Die nationalen Aufwendungen für das Gesundheitswesen gehören zu den am schnellsten wachsenden
Komponenten der amerikanischen Wirtschaft und sind
von 74 Milliarden Dollar im Jahr 1970 auf heute über
800 Milliarden Dollar gestiegen. Falls keine weiteren
Schritte zur Kostendämpfung unternommen werden,
so könnten die Ausgaben im Gesundheitswesen Präsident Bush zufolge bis zum Jahr 2000 auf 1,6 Billionen
Dollar steigen.
Bush hat einen eigenen umfassenden Reformplan
vorgelegt, der sich hauptsächlich auf eine arbeitgeberfinanzierte private Krankenversicherung stützt - einen
Plan, der laut Bush die Kosten senken sowie weiteren
36 Millionen Menschen, die gegenwärtig keinerlei
Krankenversicherung haben, Versicherungsschutz
gewähren und gleichzeitig dem Bürger die Wahlfreiheit
in bezug auf die Art des Versicherungsschutzes erhalten würde.
Sonstige zur Zeit vom Kongreß behandelte Vorschläge zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung umfassen einen dem kanadischen System vergleichbaren Plan, bei dem die Regierung die Krankenversicherung finanziert und verwaltet sowie das "Playor-Pay"-Modell, wonach der Arbeitgeber entweder seinen
Beschäftigten einen Krankenversicherungsschutz bieten
oder für den Arbeitnehmer die Beiträge an eine nationale Krankenversicherung übernehmen müßte.

Bei Medicaid muß jeder Bundesstaat für bestimmte
einkommensschwache Amerikaner ein Paket von
Grundleistungen bereitstellen, das auch ambulante
und stationäre Krankenhausversorguno, ärztliche
Leistungen, die Dienste ausgebildeter Krankenpfleger, Labor- und diagnostische Untersuchungen,
Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, regelmä* * * *

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AMERIKA DIENST 22

�W A H L E N '9 2
3. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (27. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho.
Bush und
Vorwahlen

Clinton

gewinnen

weitere

drei

Nach wie vor herrscht bei den Wählern in den Vereinigten Staaten große Unzufriedenheit. Dies zeigt sich
auch in den Ergebnissen der am 26. Mai 1992 veranstalteten Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho,
wo trotz leichter Siege für Präsident Bush und Bill
Clinton ein großer Anteil an nichtgebundenen Stimmen abgegeben wurde.
Die Nominierung von Bush und Clinton bei den jeweiligen Konventen der Republikaner und Demokraten ist
zweifellos beschlossene Sache, aber es mehren sich
die Anzeichen, die auf ein Dreierrennen hindeuten, an
dem auch der bisher noch unerklärte Präsidentschaftskandidat Ross Perot teilnehmen wird.
Bush errang 87 Prozent der republikanischen Stimmen in Arkansas, 74 Prozent in Kentucky und 64
Prozent in Idaho, wo "nichtgebundene" und Stimmen
für den konservativen Herausforderer Pat Buchanan
die übrigen Stimmen unter sich aufteilten.
Clinton verbuchte 68 Prozent in seinem Heimatstaat
Arkansas, 56 Prozent in Kentucky und 50 Prozent in
Idaho. Dabei wurden mehr ungebundene Stimmen
abgegeben als für einen der demokratischen Mitbewerber in allen drei Vorwahlen. Die Anhänger von
Perot, dessen Name auf keinem der Stimmzettel erscheinen konnte, forderten die Wähler auf, ihre Unterstützung für ihn durch die Abgabe nichtgebundener
Stimmen zu bekunden.
In den Vorwahlen für Kongreßmandate verloren die
Demokraten Carroll Hubbard aus Kentucky, der bereits neun Legislaturperioden Mitglied des Repräsentantenhauses ist, und Bill Alexander aus Arkansas, der
24 Jahre Mitglied des Kongresses ist, als achter und

neunter Abgeordnete in diesem Jahr ihre Vorwahlen.
Beide hatten in dem Skandal um die Bank des Repräsentantenhauses über 100 ungedeckte Schecks ausgestellt.
Der neueste Stand der Delegierten
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Tsongas

550,00

Nichtgebunden

546,25

Brown

394,25

Sonstige

27,00

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush

1.414

Buchanan

76

Nichtgebunden

16

Ergebnisse der Vorwahlen vom 26. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 26.
Mai erhalten hat.
Arkansas
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

68

Nichtgebunden

18

Brown

11

Sonstige

AMERIKA DIENST 22

1.977,50

3

Seite 1

�Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Idaho

Bush

87

Demokraten

Buchanan

13

Clinton

50

Nichtgebunden

28

Brown

17

Kentucky
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

56

Sonstige

Nichtgebunden

28

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

5

Brown

8

Bush

64

Sonstige

8

Nichtgebunden

23

Buchanan

13

Republikaner Prozentsatz der Stimmen
Bush

74

Nichtgebunden

26
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 22

�DEMOGRAPHIE
3. Juni 1992

NEUE STATISTISCHE DATEN
ZEIGEN NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren
WASHINGTON - (AD) - Im Jahr 1990 waren nahezu 20
Millionen Menschen oder acht Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung von 248 Millionen Einwanderer. Den neuen, am 29. Mai 1992 vom Statistischen
Bundesamt der Vereinigten Staaten veröffentlichten
Zahlen zufolge war dies der höchste jemals verzeichnete Anteil von im Ausland geborenen Amerikanern an
der Gesamtbevölkerung.
Von diesen 20 Millionen kamen 8,7 Millionen in den
achtziger Jahren in die Vereinigten Staaten, "die größte Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die
in der Geschichte des Landes während eines Jahrzehnts registriert wurde", wie der Demograph Jeffrey
Passei vom Urban Institute feststellt.
"Im Hinblick auf Nettoeinwanderung - die Zahl derer,
die kamen, minus die Zahl derer, die das Land verließen - halten die achtziger Jahre den Rekord" und
übertrafen sogar noch die massive Einwanderungswelle um die Jahrhundertwende, so Passei. Die neuen
Bevölkerungsdaten zeigten, daß "eine sehr große Zahl
von Menschen in den Vereinigten Staaten heute eine
andere Sprache spricht als Englisch".
Die Zahlen offenbarten, daß sich der Anteil derjenigen,
die zu Hause eine andere Sprache als Englisch sprechen, von 6,6 Prozent im Jahr 1980 auf 13,8 Prozent
oder über 32 Millionen Menschen im Jahr 1990 mehr
als verdoppelte. Von diesen Personen - ab 5 Jahren
aufwärts - gaben 43,9 Prozent an, Sie sprächen Englisch "nicht sehr gut".
Passei zufolge zeigen die neuen Daten darüber hinaus, daß der Anteil der im Ausland Geborenen von
Region zu Region große Unterschiede aufweist. In
den westlichen Bundesstaaten der USA seien 14,8
Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren, im
Nordosten 10,3 Prozent, im Mittleren Westen 3,6
Prozent und im Süden 5,3 Prozent.

Die neuen Informationen über die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten in den vergangenen 10 Jahren
beruhen auf der Volks- und Wohnstättenerhebung
des Jahres 1990, in deren Rahmen 17 Millionen Haushalte ein umfangreiches Formular auszufüllen hatten.
Die Einwanderung hatte "dramatische Auswirkungen"
auf die rassische und ethnische Zusammensetzung
des Landes, erläutert Passei: "Zwischen 80 und 90
Prozent der Einwanderer kommen heute aus asiatischen und hispanischen Ländern. Der asiatische
Bevölkerungsanteil habe sich in den achtziger Jahren
verdoppelt, und die hispanische Bevölkerung sei um
60 Prozent gewachsen. Die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten beträgt heute 22,4 Millionen,
die asiatische 7,3 Millionen Menschen.
"Aufgrund der gegenwärtigen Einwanderungszahlen
ist ein weiterer rascher Anstieg der asiatischen und
hispanischen Bevölkerungsanteile zu erwarten", stellt
Passei fest. "Und bei diesem Umfang der Einwanderung wird der hispanische Bevölkerungsanteil den der
Schwarzen im Jahr 2010 überholen."
Die Daten über Einwanderung bilden nur einen kleinen
Teil der im Rahmen des neuen Zensus gewonnenen
überaus umfassenden Informationen, die auf wachsende Unterschiede zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten hinweisen.
Die Daten zeigen, daß das mittlere Haushaltseinkommen inflationsbereinigt im Landesdurchschnitt von 1979
bis 1989 um 6,5 Prozent wuchs, während die mittleren
Kosten für Besitzer von Wohneigentum, die eine
Hypothek aufgenommen hatten, zwischen 1980 und
1990 um 26,9 Prozent zunahmen.
Die Zahlen weisen ferner darauf hin, daß nahezu 60
Prozent aller Mütter mit Kindern unter sechs Jahren
zum Zeitpunkt der Erhebung erwerbstätig waren,
während dies im Jahr 1980 nur bei 46 Prozent der Fall
gewesen war.

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AMERIKA DIENST 22

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              <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert Plan zur weltweiten Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über Umweltfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger: Kalter Krieg war Tragödie für beide Seiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Moskau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ethnische Vielfalt und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Krankenversicherung für sozial Schwache und Senioren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demographie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue statistische Daten zeigen Nation im Übergang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rekordeinwanderung in achtziger Jahren&lt;/em&gt;</text>
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