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Embassy of the United States of America

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20

20. Mai 1992

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Oeichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

UMWELT

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO
TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß

RIAS BERLIN KOMMISSION

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt
in Berlin
DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht

SOZIALPOLITIK

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
20. Mai 1992

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat dem Präsidenten von Brasilien und Vertretern der Vereinten Nationen
mitgeteilt, er werde an der im Juni in Rio de Janeiro stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung
teilnehmen.
In einer am 12. Mai veröffentlichten Erklärung zu seinem Entschluß stellte Bush fest, er begrüße die am
vorausgegangenen Wochenende verabschiedete Rahmenkonvention über die Klimaveränderungen. Er zählte
eine Reihe von Maßnahmen der Vereinigten Staaten im letzten Jahrzehnt auf, die bewiesen hätten, daß der
Schutz der Umwelt und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen können.
Darüber hinaus stellte der Präsident fest, daß die Konferenz in Rio neben den Klimaveränderungen auch
Fortschritte beim Schutz der Meere und der darin lebenden Organismen erzielen, die Beteiligung der
Öffentlichkeit am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß fördern und die Wälder der Erde schützen
sollte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Ich habe gerade Präsident Collor von Brasilien, den
Generalsekretär der UNO, Boutros Ghali und den
Generalsekretär der UNO-Konferenz über Umwelt und
Entwicklung (UNCED), Maurice Strang, davon unterrichtet, daß ich an der Konferenz von Rio Anfang Juni
teilnehmen werde. Die heutigen Umweltprobleme sind
weltweiter Natur - und jedes Land muß dabei helfen,
sie zu lösen.
Wie die Vereinigten Staaten seit über zwei Jahrzehnten demonstriert haben, können der Schutz der Umwelt
und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in
Hand gehen - in der Tat entspricht es unserer Überzeugung, daß sie Hand in Hand gehen müssen. In den
frühen achtziger Jahren haben wir stufenweise verbleites Benzin abgeschafft. Andere Länder sind gerade
dabei, diesem Beispiel zu folgen. Wir haben Treibgase
bereits im Jahr 1978 abgebaut, und dieses Jahr haben
wir den völligen Abbau von FCKW bis zum Jahr 1995
angekündigt. In den vergangenen drei Jahren haben
wir uns bemüht, diese Bilanz weiter zu verbessern durch die Unterzeichnung des neuen Gesetzes zur
Luftreinhaltung und des Gesetzes über Ölverschmutzung, die Verhängung eines Moratoriums für Öl- und
Gasbohrungen vor unseren Küsten, Investitionen in
unsere Nationalparks, die Einleitung eines Programms
zur Anpflanzung von einer Milliarde Bäumen jährlich
und die Durchsetzung unserer Umweltgesetze, damit
die Verursacher für die Kosten der Umweltverschmutzung aufkommen.

AMERIKA DIENST 20

Im Ausland haben sich die Vereinigten Staaten energisch darum bemüht, verantwortungsbewußte Umweltpolitik durch unsere bilateralen Hilfeprogramme
sowie durch die Weltbank und das System der Vereinten Nationen zu fördern. Ich bin davon überzeugt, daß
unsere jahrzehntelangen Erfahrungen bei der Entwicklung - und Verwirklichung - wirtschaftlich solider
Maßnahmen anderen helfen können, die Umwelt zu
verbessern.
In Rio werden den politisch Verantwortlichen der Welt
eine Reihe von Dokumenten vorliegen. Eines dieser
Dokumente wird eine Rahmenkonvention über die
Klimaveränderungen sein, die am vergangenen Wochenende verabschiedet wurde. Wir begrüßen das
Ergebnis, und ich beglückwünsche die Unterhändler
dafür, daß sie sich bei diesem historischen Schritt
zusammengeschlossen haben. Diese Rahmenkonvention wird das Wirtschaftswachstum und unsere
Fähigkeit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht
bremsen.
Die Klimaveränderungen sind nicht das einzige in Rio
zur Diskussion stehende Thema. Es ist lebenswichtig,
daß Fortschritte ebenfalls beim Schutz der Meere und
der darin lebenden Organismen, bei der Förderung
von Offenheit und öffentlicher Beteiligung am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß, der Förderung einer verantwortlichen Behandlung und des
Schutzes von Wäldern und Arten Vielfalt weltweit sowie
in vielen anderen Bereichen erzielt werden.
Seite 1

�Ich sehe den Gesprächen darüber erwartungsvoll
entgegen, wie alle Nationen durch Zusammenarbeit
gewährleisten können, daß wir unseren Kindern und

Enkelkindern einen gesunden und sicheren Planeten
übergeben,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�UMWELT
20. Mai 1992

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium sieht keine großen Hindernisse, die dem
Abschluß eines weitreichenden Abkommens beim UNO-Erdgipfel in Rio de Janeiro im Wege stehen könnten,
das bis ins nächste Jahrhundert hinein umweltpolitische Prioritäten setzen würde.
Dem Abteilungsleiter für Ozeane und internationale umweltpolitische und wissenschaftliche Angelegenheiten,
E. Curtis Bohlen, zufolge wurde im vergangenen Jahr bei den Verhandlungen über ein Agenda 21 genanntes
Aktionsprogramm ein großes Maß an Übereinstimmung erzielt.
"Ich bin optimistisch. Meines Erachtens steht Agenda
21 unmittelbar vor der Vollendung", erklärte Bohlen
kürzlich in einem Interview.
Bohlen bezeichnete Agenda 21 als Liste von Programmen, die von den Regierungen in den nächsten 10 bis
15 Jahren durchgeführt werden müssen, um die Welt
zu einer umweltverträglichen wirtschaftlichen Entwicklung zu veranlassen. Es handelt sich hierbei nicht um
einen Vertrag, und deshalb wäre Agenda 21 für die
Regierungen auch nicht bindend, betonte Bohlen.
Darüber hinaus hat es beim Entwurf einer als Rio
Declaration bezeichneten Erklärung über Umwelt- und
Entwicklungsprinzipien erhebliche Übereinstimmung
gegeben, so der Abteilungsleiter. Dieser Entwurf wird
zur Zeit von den US-Behörden geprüft. "Wir sind nicht
sicher, ob irgendwelche (Probleme) bestehen", sagte
Bohlen. "Im großen und ganzen ist sie für uns akzeptabel. Es steht für mich außer Frage, daß es definitiv
eine Erklärung von Rio geben wird."
Bohlens Optimismus steht im Gegensatz zu Sorgen
zahlreicher amerikanischer Umweltschutzgruppen, es
werde keine Übereinkunft geben, die zu einschneidenden Maßnahmen gegen lokale, regionale und globale
Probleme führen werde. Ein Großteil dieser Besorgnis
geht auf den öffentlich ausgetragenen Streit zwischen
Entwicklungsländern und Industriestaaten zurück.
Dieser Streit resultiert maßgeblich aus Geldforderungen der Entwicklungsländer, um beispielsweise moderne Technologie zur effizienten Energieausnutzung
zu erwerben und einzusetzen. Eine solche Technologie würde den Einsatz von Rohstoffen zur Energieerzeugung reduzieren und deshalb die Umwelt weniger
schädigen.

AMERIKA DIENST 20

"Meines Erachtens können wir eine befriedigende
Einigung über die finanziellen Mechanismen erzielen",
erklärte Bohlen. Bei der letzten Verhandlungsrunde im
März, an der über 150 Staaten beteiligt waren, habe es
bereits nahezu eine Einigung über die Finanzierung
gegeben. "Hätten wir zwei oder drei Tage mehr
gehabt, wir hätten die Verhandlungen abschließen
können", meinte Bohlen.
Die Entwicklungsländer hatten dabei ihre Forderung
nach einem "Grünen Fonds" fallengelassen, der von
den Industriestaaten finanziert und von den Leistungsempfängern mit den Geldgebern zusammen verwaltet
werden sollte. Japan und die nordeuropäischen Staaten boten einen Kompromiß an, der von der G-77, der
Gruppe von Entwicklungsländern, modifiziert wurde.
"Für uns wäre es kein Problem gewesen. Mit nur
wenigen geringfügigen Änderungen hätten wir diesem
Papier zustimmen können", erklärte Bohlen. Die
Europäische Gemeinschaft habe sich jedoch dagegen
gewandt, aber die Vereinigten Staaten hofften, daß die
EG ihre Haltung noch einmal überdenken werde.
Der Kompromiß hätte neue Hilfe in unbestimmter
Höhe bereitgestellt, die durch die bestehenden Programme der Weltbank und anderer multilateraler Institutionen eingesetzt worden wäre. Ein solcher Kompromi ß wurde unlängst in Gesprächen bei der Weltbank in
Washington zwischen einigen der größten Entwicklungs- und Industrieländer erzielt. Dies verstärkt Bohlen
zufolge den Optimismus, daß bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Rio ein umfassendes Abkommen verabschiedet werden kann.
Einige Vertreter der Vereinten Nationen haben darauf
verwiesen, daß die Entwicklungsländer zusätzlich 70
Milliarden Dollar jährlich an Hilfe benötigten, um wirt-

Seite 1

�schaftliche Fortschritte zu erzielen und gleichzeitig die
Umwelt zu schützen. Sie erhalten gegenwärtig jährlich
etwa 55 Milliarden Dollar an Hilfe.
Die Vereinigten Staten waren von Beginn der Verhandlungen über Agenda 21 an davon überzeugt, daß
der Schutz von Ozeanen und Wäldern sowie die
technische Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern zu den wichtigsten Themen gehören, so Bohlen.
Einigung wurde im großen und ganzen über die Notwendigkeit zur Kontrolle der vom Land aus verursachten Meeresverschmutzung erzielt, wie etwa der Entsorgung von Abfällen auf See. Feuchtgebiete und
Korallenriffe würden den bereits ausgehandelten Artikeln zufolge ebenfalls mehr Schutz erfahren.
Wie Bohlen feststellte, wurde bei einigen Fischereifragen jedoch noch keine Einigung erzielt. Eine der
wichtigsten ist die Tatsache, daß Kanada den Fischfang vor seiner Ostküste beschränken möchte, während sich die EG aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen dagegen gewandt habe.
"Ein Grund, warum wir uns darauf (auf die Ozeane)
konzentriert haben, ist, daß es sich dabei um ein
Gebiet handelt, dem noch nicht so viel internationale
Aufmerksamkeit zuteil geworden ist wie den Umweltproblemen zu Lande", erklärte Bohlen.
Die Kapitel zur technischen Zusammenarbeit seien im
großen und ganzen von den Vereinigten Staaten entworfen worden. Darin wird die Fortbildung von Vertretern aus den Entwicklungsländern beim Umgang mit
Umweltproblemen sowie die Bereitstellung umweltverträglicher Technologie für die dritte Welt gefordert.
Bohlen zufolge sind bereits zahlreiche Waldprobleme
gelöst worden. Die Wälder sind nicht nur wichtig, weil
sie traditionell als Schutz für die Artenvielfalt und

Reinheit des Trinkwassers betrachtet werden, sondern auch, weil sie einige der Gase absorbieren, die
zur Erderwärmung beitragen könnten. Wissenschaftler haben davor gewarnt, daß die Erwärmung zu
tiefgreifenden Klimaveränderungen führen könnte.
Das Tempo des Fortschritts wurde bei den Verhandlungen im März größtenteils deshalb gebremst, weil
Brasilien und andere Entwicklungsländer die Resultate einer anderen internationalen Verhandlungsrunde
abwarten wollten, die sich mit der Kontrolle von Treibhausgasen beschäftigt, stellte Bohlen fest. Einige
Länder hätten darüber hinaus abwarten wollen, bis
eine Einigung zur Finanzierung von Umweltprogrammen in den Entwicklungsländern erreicht sei.
Bei den kürzlich in New York abgeschlossenen Verhandlungen über die Erderwärmung einigte man sich
auf die Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen mit dem Ziel, zu dem Niveau von 1990 zurückzukehren.
Die Entwicklungsländer hätten bei einer vor kurzem in
Malaysia veranstalteten Konferenz erklärt, sie befürworteten energisch ein Abkommen über die Wälder, so
Bohlen. Die Vereinigten Staaten hofften, ein solches
Abkommen werde die Grundlage eines Vertrags bilden, der später zum Schutz der Wälder ausgehandelt
werden sollte.
Amerikanische Umweltschützer haben die Vereinigten
Staaten beschuldigt, sich auf den Schutz der tropischen Regenwälder zu konzentrieren und sich gleichzeitig zu weigern, ihre eigenen Praktiken im Forstbereich zu überdenken. "Wir haben befürwortet, daß die
Prinzipien bei jeder künftigen Konvention alle Wälder
der Welt umfassen sollten, nicht nur die tropischen",
erklärte Bohlen. Dies sei seit Beginn der Verhandlungen die Position der Vereinigten Staaten gewesen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt in Berlin
BERLIN - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung des Abkommens zur Gründung der RIAS BERLIN Kommission
hielt der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 19. Mai 1992 die
folgende Ansprache.
Herr Bundesminister,
Frau Präsidentin,
Herr Intendant,
liebe Mitarbeiter von RIAS,
verehrte Gäste,
es ist mir eine besondere Ehre, heute hier in Berlin
anwesend zu sein.
Wie für so viele meiner Landsleute ist Berlin eine
besondere Stadt mit einem ganz eigenen Reiz. Witz,
Energie, Kreativität, Entschlossenheit und Unabhängigkeit - all dies zeichnet den Geist von Berlin aus. Seit
seiner Gründung im Jahr 1946 ist RIAS Teil dieses
Geistes gewesen und hat selbst zu ihm beigetragen.
Mit der Gründung der RIAS BERLIN Kommission
markieren wir einen Wendepunkt, den Beginn eines
neuen Kapitels in der Geschichte dieser einzigartigen
Institution.
Wir sollten uns jedoch der Tatsache erinnern, daß
RIAS seit seiner Gründung gewachsen ist und sich
kontinuierlich verändert hat. Von der US-Militärregierung ins Leben gerufen, begann RIAS als Quelle
elementarer Informationen für die Bevölkerung Berlins. Er war ein Leitfaden zum Überleben, indem er
Informationen über Arbeitsplätze, Nahrungsmittel,
Brennstoff und Kleidung, über die Verteilungsstellen
für Lebensmittelkarten und die Zeiten übermittelte, zu
denen es Strom gab. Langfristig noch wichtiger war die
Tatsache, daß er eine Quelle zutreffender Nachrichten
war, die den elementaren Bestandteil von Demokratie
und Freiheit darstellen.
Im Lauf der Zeit expandierte der RIAS und begann, auf
Mittelwelle und Ultrakurzwelle zu senden. Sein Programm umfaßte Nachrichten und Unterhaltung, Musik
und Kommentare. Seine Rolle ging über die eines
lokalen Rundfunksenders für Berlin hinaus, und er
wurde zum Fenster der Freiheit für die Menschen in
Ostdeutschland. Das vom RIAS verkörperte Niveau

AMERIKA DIENST 20

eines objektiven, unvoreingenommenen Journalismus
beeinflußte die Entwicklung des Journalismus im
Nachkriegsdeutschland und hatte für die Deutschen
im Osten Modellcharakter. Die talentierten Rundfunkfachleute des RIAS paßten sich geschickt veränderten
Zeiten und einem gewandelten Publikum an.
RIAS 2, der vor einigen Jahren eingerichtet wurde und
sich an jüngere Zuhörer richtet, wurde über Nacht zum
Erfolg. RIAS 2 ist nach wie vor das populärste Programm für junge Menschen in Ostdeutschland. Auch
dem RIAS-Fernsehen - einem von den Regierungen
der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland großzügig unterstützten ehrgeizigen
Vorhaben - wurde aufgrund seiner innovativen und
lebendigen Sendungen die rasche Anerkennung der
Öffentlichkeit zuteil. An dieser Stelle möchte ich dem
Beirat von RIAS TV meinen besonderen Dank aussprechen. Die hervorragenden Persönlichkeiten, die
ihre Zeit geopfert haben, um diesem neuen Programm
beratend zur Seite zu stehen, haben einen wichtigen
Beitrag zu seinem Erfolg geleistet.
Im Lauf der Zeit wurde RIAS auch in einem anderen
Sinn zum Modell. Als bilaterale Institution, die von den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam betrieben wurde, war RIAS ein Beispiel erfolgreicher deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Anliegen, das auf
gemeinsamen Werten beruhte.
Die Erlangung der deutschen Einheit am 3. Oktober
1990 markierte für den RIAS einen weiteren Wendepunkt. Einstmals eine bilaterale Institution, wird der
RIAS zu einer rein deutschen Rundfunkanstalt. RIAS
TV hat bereits den Sendebetrieb für die Deutsche
Welle aufgenommen, RIAS 2 wird schon bald unter
privater Leitung zu senden beginnen, und es bestehen
Pläne, RIAS 1 in eine neue nationale Rundfunkanstalt
einzugliedern. Die Tradition des RIAS, das von ihm so
lange verkörperte journalistische Niveau und seine

Seite 1

�langjährigen Verdienste um die transatlantischen
Beziehungen werden, davon bin ich überzeugt, in
neuen Formen und neuen Rollen von diesen Institutionen fortgeführt werden.

Als Zeuge der jüngsten Geschichte kann niemand von
uns die Bedeutung der Presse und insbesondere der
elektronischen Medien in der heutigen Weltpolitik
bezweifeln. Wie schon in der Vergangenheit werden
die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch in
Die Tradition wird auch von der heute gegründeten Zukunft von den Medien beeinflußt. Durch die UnterRIAS-Kommission fortgesetzt werden. Das Abkom- stützung des Austauschs von Rundfunkfachleuten und
men, das wir unterzeichnen, anerkennt die Leistungen Volontären sowie durch andere medienbezogene
des RIAS in den vergangenen fünfundvierzig Jahren Maßnahmen kann die RIAS-Kommission eine effektials transatlantische Medienbrücke, die sich dem unab- ve Kraft für die Vertiefung des Verständnisses zwihängigen Journalismus und der Demokratie verschrie- schen unseren beiden Ländern sein. Sie kann unsere
ben hat. Aber die Kommission wird nicht nur den Beziehungen stärken, die für uns alle von solch lebensLeistungen der Vergangenheit Tribut zollen. Vielmehr wichtiger Bedeutung sind. Ich bin stolz darauf, für die
symbolisiert sie unser Engagement für die anhaltende Vereinigten Staaten von Amerika dieses Abkommen
Unterstützung derselben Prinzipien in der Zukunft.
über die Gründung der RIAS-Kommission zu unterzeichnen.
Ich danke Ihnen.
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AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht
BERLIN - (AD) - Am 20. Mai 1991 haben Präsident
Bush und Bundeskanzler Kohl gemeinsam die Gründung einer RIAS-Kommission zur Unterstützung und
Förderung von Informations- und Austauschprogrammen mit den fünf neuen Bundesländern angekündigt.
Die nach dem RIAS - Rundfunk im Amerikanischen
Sektor (von Berlin) - benannte "RIAS BERLIN Kommission" wurde am 19. Mai 1992 ins Leben gerufen, als
der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, und der
Bundesminister des Innern, Rudolf Seiters, das bilaterale Abkommen zur Gründung der Kommission unterzeichneten.
Der RIAS wurde im Jahr 1946 von der US-Militärregierung in Berlin gegründet, um den Bürgern von Berlin
eine zuverlässige und unabhängige Informationsquelle zu bieten. Der RIAS wurde zum wichtigen Kulturund Informationsmedium nicht nur für Berlin, sondern
auch für die Bevölkerung Ostdeutschlands. RIAS
wurde zum Synonym für Objektivität und Zuverlässigkeit sowie des amerikanischen Engagements für Berlin. Der als gemeinsame amerikanisch-westdeutsche
Rundfunkanstalt konzipierte Sender umfaßte schließlich zwei Hörfunkprogramme, RIAS 1 und RIAS 2,
sowie einen Fernsehsender, der im Jahr 1988 den
Betrieb aufnahm. Vom Fall der Berliner Mauer bis
Ende 1991 erhielt der RIAS eine Flut von nahezu 2,7
Millionen Glückwunsch- und Dankesschreiben von
ostdeutschen Zuhörern, die die historische Rolle des
RIAS unterstrichen.
Die deutsche Vereinigung im Oktober 1990 markierte
das Ende eines Kapitels in der Geschichte des RIAS
und der direkten amerikanischen Beteiligung an seinem Sendebetrieb. Die Vereinigten Staaten sind in
dieser Übergangsphase weiterhin beim RIAS engagiert, während die Regierung der Bundesrepublik
Deutschland den RIAS in das nationale Rundfunksystem integriert.
Die Bundesrepublik plant, das Programm von RIAS 1
in einem neuen nationalen Hörfunksender mit dem
Deutschlandfunk und dem ostdeutschen Sender DSKultur zu verschmelzen. Der im Herbst 1985 für junge
Zuhörer geschaffene RIAS 2 wird demnach als privaAMERIKA DIENST 20

ter Sender fortbestehen. RIAS-TV hat bereits den
Sendebetrieb als Fernsehstation der Deutschen Welle, des deutschen Auslandsrundfunks, aufgenommen.
Die RIAS BERLIN Kommission hat das Ziel, das RIASErbe des objektiven Journalismus und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit im Zeitalter nach
dem kalten Krieg fortzuführen - durch die Förderung
der deutsch-amerikanischen Völkerverständigung im
Bereich Rundfunkwesen durch Unterstützung eines
breiten Spektrums medienbezogener Maßnahmen.
Das am 19. Mai 1992 unterzeichnete Abkommen
würdigt die Leistungen des RIAS in den vergangenen
45 Jahren als eine der unabhängigen, objektiven Berichterstattung im Geist der Demokratie verpflichtete
transatlantische Brücke.
Zu den Maßnahmen, die von der Kommission unterstützt werden können, gehören: Austausch von Personen und Informationen im Bereich Rundfunkjournalismus zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
den Vereinigten Staaten, Unterstützung von Rundfunk- und Fernsehproduktionen, die zum deutschamerikanischen Verständnis beitragen, Zuwendungen für die gelegentliche transatlantische Übertragung
von Rundfunkproduktionen, die dieses gegenseitige
Verständnis in herausragender Weise fördern sowie
Auszeichnung von Hörfunk- und Fernsehproduktionen, die in besonderem Maße zur Völkerverständigung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Bundesrepublik Deutschland beitragen.
Bei der Durchführung dieser Zwecke schenkt die
Kommission jenen Produktionen und Maßnahmen
besonderes Augenmerk, die in der Tradition des RIAS
den besonderen Bedingungen und Erfordernissen der
Länder Rechnung tragen, die ehemals die Deutsche
Demokratische Republik bildeten.
Die Kommission besteht aus zehn Mitgliedern, von
denen fünf Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland und fünf amerikanische Staatsbürger sind. Der
Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland sind Ehrenvorsitzende. Der Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter haben das Recht, die Kommis-

Seite 1

�sionsmitglieder ihres jeweiligen Landes zu ernennen
und abzuberufen.
Der Verwaltungssitz der Kommission wird in oder bei
Berlin sein, ihre Treffen und die Arbeit ihrer Mitarbeiter
können jedoch gegebenenfalls an anderen Orten stattfinden. Die Kommission wird durch einen Beitrag der
Bundesrepublik Deutschland von zwanzig Millionen
DM im Jahr 1992, und einen weiteren Beitrag von
ebenfalls 20 Millionen DM im Jahr 1993 finanziert. Die
Hälfte dieses Beitrags wird von der Bundesrepublik
Deutschland stellvertretend für die Vereinigten Staaten von Amerika in Anerkennung des 45jährigen
Engagements der Vereinigten Staaten für RIAS bereitgestellt. Die von der Kommission durchgeführten
Programme und anderen Aktivitäten einschließlich der
Verwaltungskosten werden durch die Zinsen und andere
aus den Kapitalreserven abgeleitete Erträge finanziert.
Die Kommission wird von der Bundesrepublik Deutschland als zwischenstaatliche Organisation anerkannt
und genießt in der Bundesrepublik Deutschland Vor-

rechte, Befreiungen und Immunitätsrechte, die in dem
am 21. November 1947 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen angenommenen Abkommen
über die Vorrechte und Befreiungen der Sonderorganisationen niedergelegt sind. Im Rahmen ihrer jeweils
geltenden Gesetze und der Rechtsvorschriften der
Europäischen Gemeinschaften gewährt die Bundesrepublik Deutschland der Kommission Befreiung von
Abgaben und Zöllen.
Die fünf amerikanischen Mitglieder der RIAS BERLIN
Kommission wurden bereits ernannt. Es sind: Der
Direktorder Voiceof America, Chase Untermeyer, der
ehemalige Stellvertretende Verwaltungsleiter des USInformationsamts, Henry Hockeimer, die renommierte
und zur Zeit in Deutschland tätige Journalistin Elizabeth Pond, die Gesandte-Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten bei der Amerikanischen Botschaft in Bonn, Cynthia Miller und die Leiterin der
Abteilung für öffentliche Angelegenheiten bei der
Amerikanischen Botschaft - Außenstelle Berlin, Caroline Osterling.

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AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten Ausschreitungen
in Los Angeles haben erneut Sorgen der Öffentlichkeit
über die Eintracht zwischen den Rassen und die
Effizienz staatlicher Programme zur Bekämpfung der
Armut aus den dreißiger und sechziger Jahren geweckt.
Trotz geschätzter Ausgaben von 3,389 Billionen Dollar
für Bundessozialhilfeprogramme zwischen 1965 und
1990 deuten jüngste Untersuchungen auf eine Verbreiterung der Einkommenskluft zwischen sehr reichen und sehr armen Personen in den Vereinigten
Staaten hin.
Mehrere traditionell arme Bevölkerungsgruppen hatten beeindruckende wirtschaftliche Fortschritte zu
verzeichnen, während andere entweder nicht vorangekommen oder noch weiter ins Hintertreffen geraten
sind. In einer offenen Gesellschaft wie in den Vereinigten Staaten sind es gerade letztere, die am meisten ins
Auge fallen.
Heute leben zahlreiche schwarze, hispanische und
aus Asien stammende Amerikaner in innerstädtischen
Gebieten, die von einer starken Armutskonzentration
gekennzeichnet sind. Aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen und eines wachsenden Gefühls der Verzweiflung haben sich manche Jugendliche der Innenstädte dem Drogenhandel, der Bandenkriminalität und
anderen verbrecherischen Aktivitäten zugewandt, womit
sie zur Verfestigung des Teufelskreises der Armut
beitragen, dem sie entfliehen möchten.
Die Ausschreitungen in Los Angeles wurden durch den
Freispruch von vier weißen Polizisten von der Anklage
der übermäßigen Gewaltanwendung bei der Festnahme eines schwarzen Verdächtigen ausgelöst. Die
Wurzeln der Unruhe in den Innenstädten gehen jedoch
weit tiefer und sind auch in anderen amerikanischen
Städten zutage getreten.
Einer vom 6.-8. Mai 1992 durchgeführten Meinungsumfrage von New York Times/CBS News zufolge
gaben 61 Prozent der Befragten an, die Bundesregierung gebe nicht genug für die Verbesserung der Lebensbedingungen der schwarzen Amerikaner aus - gegenAMERIKA DIENST 20

über 35 Prozent, die diese Meinung im Jahr 1988
vertreten hatten. Darüber hinaus erklärten 63 Prozent,
den Problemen rassischer Minderheiten werde zu
wenig Aufmerksamkeit geschenkt - verglichen mit 34
Prozent vor vier Jahren.
Viele Amerikaner sagen jedoch auch, sie lehnten
höhere Steuern ab, die speziell für die Bewältigung
dieser und anderer mit der Armut in Verbindung stehender Probleme eingesetzt würden.
Die durch die Unruhen in Los Angeles ausgelöste
neuerliche Debatte wird teilweise durch den Eindruck
geschürt, daß die Armut in den Vereinigten Staaten in
den letzten Jahren zugenommen hat.
Tatsächlich geht aus den Daten des amerikanischen
Statistischen Bundesamts jedoch hervor, daß die Armut
in den vergangenen 30 Jahren ständig gesunken ist
und angesichts von Fluktuationen in der amerikanischen Konjunktur mal höher und mal niedriger lag.
Die Armutsquote aller Amerikaner fiel von einem Spitzenwert von 22,4 Prozent im Jahr 1959 - dem ersten
Jahr, in dem diese Informationen aufgezeichnet wurden - auf einen Tiefstand von 11,1 Prozent im Jahr
1973. Nach der Rezession von 1981/82 stieg sie im
Jahr 1983 auf 15,2 Prozent, woraufhin sie bis 1989
schrittweise auf 12,8 Prozent zurückging und im Jahr
1990 wieder auf 13,5 Prozent stieg.
Zwischen 1989 und 1990 erhöhten sich die Armutsquoten bei Weißen und Hispaniern geringfügig, während sich die Quoten bei Schwarzen und Amerikanern
asiatischer Herkunft kaum veränderten.
Armut wird in den Vereinigten Staaten traditionell
anhand der Geldmittel gemessen, die erforderlich sind,
um Alleinstehenden und Familien zu niedrigstmöglichen Kosten eine ausgewogene tägliche Ernährung zu
sichern. Diese Summe wird um den Faktor drei
multipliziert, um der Tatsache Rechnung zu tragen,
daß Amerikaner durchschnittlich ein Drittel ihres Einkommensfür Nahrungsmittel ausgeben und zu Beginn
jedes Kalenderjahres den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt.
Seite 1

�Im Jahr 1991 betrug die offizielle Armutsgrenze 6.932
Dollar für Alleinstehende, 8.867 Dollar für einen Zweipersonenhaushalt, 10.857 Dollar für einen Dreipersonenhaushalt, 13.921 für einen Vierpersonenhaushalt,
16.457 Dollar für einen Fünfpersonenhaushalt und
18.590 Dollar für einen Sechspersonenhaushalt.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf das
Bruttoeinkommen vor Steuern und beinhalten keinerlei Sachleistungen an sozial Schwache in Form von
Krankenversicherung des Arbeitgebers, Lebensmittelmarken, subventionierten Ernährungsprogrammen,
medizinischen Leistungen, Sozialwohnungen und
anderen wichtigen staatlichen Leistungen. Vertreter
des Statistischen Bundesamts behaupten, bei Anrechnung der Sachleistungen läge die offizielle Armutsquote weitere 2-4 Prozent niedriger. Zur Zeit
besteht jedoch keine allgemeine Übereinstimmung
über eine Methode zur Bewertung dieser Hilfe.
Unmittelbar nach den Ausschreitungen in Los Angeles
entsandte Präsident Bush eine Arbeitsgruppe zur
Bekämpfung der Armut in die Region und gab die
Bereitstellung von rund 800 Millionen Dollar für Hilfsleistungen der Bundesregierung bekannt, um den Grundstein für den Wiederaufbau der verwüsteten Stadtgebiete zu legen.
Zu dem Hilfspaket zählen Notunterkünfte und Mietzuschüsse für durch die Unruhen obdachlos gewordene
Einwohner, Mittel zur Instandsetzung öffentlicher Einrichtungen, Katastrophendarlehen mit niedrigen Zinsen zum Wiederaufbau der beschädigten Geschäfte
und Wohnhäuser, Sofortzahlungen der Sozialversicherung an diejenigen, deren monatliche Zahlungen
durch die Ausschreitungen verzögert wurden, Verteilung von Babynahrung und anderen dringend benötigten Nahrungsmitteln an örtliche Aufbewahrungstellen
sowie die beschleunigte Bereitstellung von bereits von
der Stadt und vom Distrikt Los Angeles bewilligten
Bundesmitteln.
Nach Besuchen in Los Angeles und Philadelphia zur
Beurteilung der innerstädtischen Probleme aus erster
Hand unterbreitete Präsident Bush am 12. Mai einen 6
Punkte umfassenden Vorschlag, der die Wiederherstellung von Recht und Ordnung, die Schaffung neuer
Arbeitsplätze und die Verbesserung wirtschaflicher
Chancen für die Armen in den Stadtzentren zum Ziel
hat.
Der Bush-Plan, der in großen Teilen bereits vorlag,
aufgrund der Engpässe im Bundeshaushalt jedoch
aufgeschoben worden war, würde rund 36.000 Familien in den Innenstädten helfen, 1993 ein Eigenheim zu
erwerben und weiteren 65.000 Familien die Starthilfe
dazu geben.
Darüber hinaus würden dank dieses Plans Drogenhändler und andere kriminelle Elemente von den Stra*
Seite 2

ßen "verbannt", um ein der wirtschaftlichen Erholung
förderliches Umfeld zu schaffen, "Unternehmenszonen" geschaffen, die Investoren Steueranreize zur
Gründung von Arbeitsplätze schaffenden Unternehmen bieten, das Bildungswesen für öffentliche, private
und kirchliche Schulen verbessert, den Bundesstaaten mehr Spielraum zur Anpassung der verfügbaren
Ressourcen an den kommunalen Bedarf eingeräumt
und den Jugendlichen in den Innenstädten bessere
Arbeitsmöglichkeiten und Ausbildung geboten.
Quellen des Weißen Hauses zufolge hofft der Präsident auf die Finanzierung dieser - schätzungsweise
3,6 Milliarden Dollar betragenden - Programme ohne
Steuererhöhungen oder Überschreitung des 1990 mit
dem Kongreß vereinbarten Ausgabenlimits.
"Zweifelsohne ist es an der Zeit, alte Ideen zu verwerfen und etwas Neues auszuprobieren", erklärte Bush
bei einer Pressekonferenz am 12. Mai nach einem
Treffen mit Kongreßabgeordneten beider Parteien.
Speaker Tom Foley, der Vorsitzende der die Mehrheit
im Repräsentantenhaus haltenden Demokraten erklärte, das Treffen mit Bush sei "gut verlaufen", es
habe "viele Gemeinsamkeiten und einen konstruktiven
Ansatz zur Ausräumung von Differenzen" zwischen
Administration und den Vorschlägen des Kongresses
gegeben.
Zur Bewältigung der Armut kann der Präsident auf eine
große Bandbreite öffentlicher und privater Mittel der
Sozialhilfe zurückgreifen, die zusammen ein "soziales
Netz" schaffen, mit dem die meisten Amerikaner vor
dem geschützt werden sollen, was Präsident Franklin
Roosevelt als "die Unbilden und Wechselfälle des
Lebens" bezeichnete.
Viele dieser Programme sind im Rahmen der von
Roosevelt und dem Kongreß auf dem Höhepunkt der
Großen Depression von 1935 verabschiedeten bahnbrechenden Sozialversicherungsgesetze entstanden.
Zu dieser Kategorie zählen die Sozialversicherung für
ältere und behinderte Amerikaner, Arbeitslosenversicherung für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz ohne
eigenes Verschulden verloren haben, zusätzliche
Sozialleistungen für arme, ältere und behinderte
Amerikaner, die nicht für Sozialleistungen in Frage
kommen sowie Hilfe für Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern.
Andere Programme verdanken ihren Ursprung Präsident Lyndon Johnsons Mitte der sechziger Jahre verabschiedetem Projekt "Krieg der Armut". Zu den seit
dieser Ära noch bestehenden und weiterentwickelten
Programmen zählen Medicare für Ältere und Behinderte, Medicaid für die Armen und Head Start, mit dem
Vorschulkindern aus Familien, deren Einkommen
unterhalb der Armutsgrenze liegt, Schulspeisungen
und Unterbringung in Tagesstätten geboten werden.

*
AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Den Eckpfeiler des amerikanischen Sozialwesens bilden eine Reihe während der
Großen Depression von Präsident Franklin Roosevelt
und dem Kongreß im Rahmen des bahnbrechenden
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 geschaffenener Sozialversicherungsprogramme.
Roosevelt ging zu Recht von der Annahme aus, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen eines zukünftigen wirtschaftlichen Konjunkturrückgangs aufzufangen, indem amerikanischen Arbeitnehmern eine Einkommensquelle zur Verfügung
gestellt wurde, die "die Höhe- und Tiefpunkte von
Deflation und Inflation abschwächen würde".
Eine in dieser Gesetzgebung vorgesehene Reihe von
Programmen - Rentenversicherung, Hinterbliebenenund Berufsunfähigkeitsversicherung - wurde unter
dem Namen "Sozialversicherung" bekannt.
Dem amerikanischen Rentenversicherungsverband
zufolge hat die Sozialversicherung mehr getan, um die
Armut unter älteren Amerikanern zu beheben als jede
andere Initiative im Bereich des Sozialwesens. Und
Studien des Forschungsdienstes des Kongresses einer Institution des amerikanischen Kongresses gelangen zu dem Schluß, daß die Sozialversicherung
der "Hauptgrund" für eine echte Abnahme der Armutsquote unter den älteren Mitbürgern ist.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge belief sich der Anteil der Personen über 65, die 1959
- als die Bundesregierung mit der Erstellung solcher
Statistiken begann - an oder unter der Armutsgrenze
lebten, auf 33,1 Prozent. Bis 1990, dem letzten Jahr,
aus dem Daten zur Verfügung stehen - war diese Zahl
auf 12,2 Prozent gesunken und lag damit weit unter der
Armutsquote von 13,5 für die Gesamtbevölkerung.
Die Armutsgrenze für eine alleinstehende Person über
65 belief sich 1991 auf 6.532 Dollar und lag damit leicht
unter der für jüngere Mitbürger festgesetzten Grenze
von 6.932 Dollar.

AMERIKA DIENST 20

Die Sozialversicherung hat als bei weitem größter
Bestandteil des amerikanischen Sozialwesens seit
ihrer Verabschiedung umfangreiche Veränderungen
erfahren. Ihre wesentlichen Prinzipien - obligatorische
Beteiligung, Qualifizierung für ihre Leistungen durch
Tätigkeit in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung, Leistungen auf der Grundlage des bisher erwirtschafteten Einkommens und Finanzierung durch eine
von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu entrichtenden
Lohnsummensteuer - blieben jedoch unverändert.
Im Lauf der Jahre kamen Leistungen für Familienangehörige und Hinterbliebene des pensionierten Arbeitnehmers sowie für berufsunfähig gewordene Arbeitnehmer und deren Familien hinzu. Die obligatorische
Versicherung wurde auch auf Landwirte und Hausangestellte, Freiberufler, Angehörige der Streitkräfte,
bestimmte Regierungsbeschäftigte und Angestellte
gemeinnütziger Organisationen erweitert.
Zur Zeit liegt das normale Rentenalter bei 65 Jahren.
Arbeitnehmer können jedoch auch schon mit 62 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wobei jedoch
ihre monatliche Rente auf Dauer um 20 Prozent gekürzt wird, wenn mindestens 10 Jahre lang eine versicherungspflichtige Beschäftigung bestanden hat. Ab
dem Jahr 2000 wird das normale Rentenalter für den
vollen Bezug der Rente stufenweise auf 67 Jahre
angehoben. Der vorzeitige Ruhestand bei gekürzten
Bezügen ist weiterhin mit 62 Jahren möglich, aber die
Kürzung fällt noch drastischer aus.
Bei der Einführung der Sozialversicherung im Jahr
1937 erfaßte diese weniger als 60 Prozent aller amerikanischen Arbeitnehmer. Heute deckt sie 95 Prozent
der Erwerbsbevölkerung ab. Einige Saison- und Teilzeitarbeitskräfte in Kleinunternehmen sind von der
Versicherungspflicht ausgenommen und versichern
sich auch nicht freiwillig.
Die Ausgaben für die Sozialversicherung betragen
heute etwa 25 Prozent der Gesamtausgaben des
Bundeshaushalts, und einer von sechs Amerikanern
erhält eine monatliche Rente.

Seite 1

�Der Sozialversicherungsverwaltung zufolge arbeiten
gegenwärtig etwa 132 Millionen Amerikaner in versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, und
etwa 41 Millionen Personen werden im Jahr 1992
Leistungen in Gesamthöhe von 285 Milliarden Dollar
beziehen. Rentenzahlungen werden dieses Jahr an
etwa 28,2 Millionen Altersrentner und deren Gattinnen, 5,6 Millionen verwitwete Amerikaner, 3,7 Millionen Invaliden und deren Gattinnen sowie 3,5 Millionen
Kinder pensionierter, berufsunfähiger oder verstorbener Arbeitnehmer geleistet.
Die monatlichen Durchschnittsleistungen im Jahr 1992
variieren von 584 Dollar für eine alleinstehende Witwe
oder einen Witwer im Rentenalter, 610 Dollar für einen
berufsunfähigen alleinstehenden Arbeitnehmer von
65 Jahren oder darüber, bis zu 1.067 Dollar für ein
Rentnerehepaar, wobei beide Partner Rentenansprüche erworben haben und 1.252 Dollar für einen verwitweten Elternteil mit zwei Kindern.
Die Sozialversicherung wurde hauptsächlich geschaffen, um eine Grundlage wirtschaftlicher Sicherheit zu
gewährleisten, die durch eigene Ersparnisse, Betriebsrenten und Familienmittel ergänzt werden sollte.
Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, daß die
Sozialversicherung heute für die meisten älteren
Amerikaner die wichtigste Einkommensquelle ist. Bei
59 Prozent der Personen ab 65 Jahren stellt sie
mindestens die Hälfte des verfügbaren Gesamteinkommens, bei 24 Prozent liegt dieser Anteil bei 90 und
bei 13 Prozent der Senioren bei 100 Prozent.

Heute erhalten über ein Drittel aller Rentenbezieher
darüber hinaus eine Betriebsrente von durchschnittlich 525 Dollar im Monat, und viele beziehen zusätzliche Leistungen in Form von Steuervergünstigungen,
subventionierten Fahrten, verbilligter medizinischer
Versorgung sowie Ermäßigungen auf Lebensmittel
und Medikamente.
Zahlen des Arbeitsministeriums deuten darauf hin,
daß etwa 40 Millionen Amerikaner Mitglieder privater
Rentenversicherungen sind, die monatliche Leistungen gewähren, wenn der Versicherte in den Ruhestand tritt oder berufsunfähig wird. Diese Leistungen
erfolgen zusätzlich zu denjenigen, die bei Versicherungen auf Bundes- und Einzelstaatsebene bestehen.
Gegenwärtig gibt es etwa 1,7 Millionen private Rentenversicherungspläne, deren Gesamtmittel sich auf über
2 Billionen Dollar belaufen. Obwohl sich Mitgliedsbedingungen und Leistungen von Plan zu Plan unterscheiden, sind deren Mitglieder zumeist bei größeren
Unternehmen beschäftigt und verdienen mehr als
Nichtmitglieder.
Im Jahr 1990 erhielten über neun Millionen Amerikaner
und deren Familien Leistungen aus Betriebsrenten in
Höhe von 126 Milliarden Dollar.
Berücksichtigt man sämtliche Einkommensquellen, so
belief sich das mittlere Jahreseinkommen aller Haushalte, deren Vorstand 65 Jahre oder älter war, im Jahr
1990 auf 16.855 Dollar. Im gleichen Jahr bestanden
15,5 Millionen Haushalte, deren Vorstand eine ältere
Person war, oder 76,3 Prozent aller Haushalte dieser
Kategorie in Eigenheimbesitzern.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�WAHLEN

'9 2
20. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (13. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in West Virginia und Nebraska.
Bush und Clinton gewinnen zwei
Vorwahlen

weitere

Während der Termin für den unvermeidlichen Kampf
um das Weiße Haus im November immer näher rückt,
haben Präsident Bush und der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, die Vowahlen ihrer jeweiligen Parteien
in West Virginia und Nebraska am 12. Mai mühelos
gewonnen.
Clinton errang in West Virginia mit einer Mehrheit von
6 zu 1 einen großen Vorsprung vor seinem verbliebenen demokratischen Herausforderer, dem ehemaligen
kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und konnte
alle 31 Delegierten dieses Bundesstaates für den
nationalen Parteitag auf sich vereinigen. In Nebraska
betrug Clintons Vorsprung 2 zu 1, wo 17 Prozent der
demokratischen Wähler sich nicht eindeutig für einen
Präsidentschaftskandidaten entschieden hatten.
Clinton, der nur noch 436 Delegierte zur Nominierung
benötigt, hat die Gründung eines Gremiums bekanntgegeben, das mögliche Aspiranten für die Vizepräsidentschaftskandidatur sondieren soll. Den Vorsitz
dieser Kommission führt Warren Christopher, ein
ehemaliger Staatssekretär im US-Außenministerium
und Veteran dreier demokratischer Regierungen.

Die neuesten Zahlen
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Nichtgebunden

631

Tsongas

526

Brown

357

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

Ebenfalls in West Virginia hat der demokratische
Gouverneur Gaston Caperton bei seiner Kandidatur
um die Wiederwahl vier Herausforderer besiegt und
wird sich im November dem republikanischen Beauftragten für die Landwirtschaft, Cleve Benedikt, gegenübersehen.
AMERIKA DIENST 20

1.236
70
8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 12. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 12.
Mai erhalten hat.
West Virginia
Demokraten

Auf der republikanischen Seite konnte Bush in den
beiden Bundesstaaten über 80 Prozent der Stimmen
auf sich vereinigen. Sein konservativer Herausforderer Pat Buchanan bleibt im Rennen, obwohl der Präsident bereits die Unterstützung von mehr als genug
Delegierten zur Sicherstellung seiner Nominierung
hat.

1.709

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

Brown

12

Tsongas

7

Sonstige

7

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

81

Buchanan

15

Sonstige

4
Seite 1

�Nebraska
Demokraten

Republikaner
Prozentsatz der Stimmen

Bush

84
14

Clinton

48

Buchanan

Brown

22

Sonstige

Tsongas
Nichtgebunden
Sonstige

Prozentsatz der Stimmen

2

7
17
6
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

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