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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

19

13. Mai 1992

5300 &amp;°°n

USA-EUROPA

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR DIE ZUKUNFT
EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt

KSZE

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim
KSZE-Folgetreffen

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN
LOS ANGELES "EHRLICHE AUSSPRACHE"
ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern
- Auszüge -

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen
gegen Freispruch

UMWELT

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA-EUROPA
13. Mai 1992

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR
DIE ZUKUNFT EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt
BONN - (AD) - In einer Rede vor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität erörterte der Botschafter der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 6. Mai 1992 die
historische Übergangsphase, in der sich die transatlantische Gemeinschaft heute befindet und ging auf die
Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas sowie das amerikanische Engagement in den neuen Bundesländern ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Einleitung
Es ist mir eine große Freude, heute die Rheinische
Friedrich-Wilhelms-Universität mit ihrer langen und
reichen Tradition herausragender akademischer Leistungen besuchen zu dürfen, und ich fühle mich geehrt, daß Sie mich eingeladen haben, heute abend
einen Vortrag zu halten. Das Nordamerika-Programm
dieser Universität genießt verdientermaßen den Ruf,
einer der besten Fachbereiche für Amerikanistik in
Deutschland zu sein. Professor Hönnighausen und
allen mit diesem wichtigen Programm betrauten Dozenten gebührt Lob. Ich möchte jedoch auch die
Studenten beglückwünschen, die ihr Examen im Rahmen
des Nordamerika-Programms ablegen. Wir wissen
die von Ihnen zur Vertiefung des Verständnisses meines
Landes geleistete Arbeit au ßerordentlich zu schätzen,
und Sie können unserer weiteren Unterstützung Ihrer
Bestrebungen versichert sein.
Für gewöhnlich halte ich Reden vor einem deutschen
Publikum in deutscher Sprache. Angesichts Ihres
besonderen Interesses an Nordamerika und Ihrer
Vertrautheit mit unserer Kultur und Sprache haben
Ihre Dozenten und meine Mitarbeiter mich jedoch
überzeugt, daß es angemessener wäre, meine Rede
heute abend auf englisch zu halten.
Einer der ersten und größten Philosophen und Staatsmänner meines Landes, Thomas Jefferson, war ein
beredter Befürworter der Bildung in einer Demokratie.
Jefferson war der dritte amerikanische Präsident und
Hauptverfasser unserer Unabhängigkeitserklärung einem der wichtigsten Dokumente der Menschheit zu
den Menschenrechten. Er war auch der Gründer einer
AMERIKA DIENST 19

unserer renommiertesten öffentlichen Universitäten,
der University of Virginia in meinem Heimatstaat. Als
Verfechter von Bildung als Grundstein politischer Freiheit
schrieb Jefferson, daß Freiheit und Ignoranz unvereinbar sind. Bildungsinstitutionen wie in Charlottesville
(Virginia) und Bonn sind daher das Kernstück unserer
jeweiligen demokratischen Systeme.
Bildungsinstitutionen sind auch das Kernstück unserer
Beziehungen als Nationen zueinander. Die jüngsten
deutschen Initiativen unter der Schirmherrschaft von
Bundeskanzler Kohl und Professor Werner Weidenfeld ermutigen amerikanische Studenten, mehr über
Deutschland und die Europäische Gemeinschaft zu
lernen. Zu diesen Initiativen zählen das Bundeskanzler-Stipendium, mit dem junge amerikanische Dozenten an deutsche Universitäten eingeladen werden und
die kürzlich an den drei führenden amerikanischen
Universitäten Harvard, Georgetown und der University
of California eingerichteten Centers of Excellence for
European Studies. Die Vereinigten Staaten begrüßen
Bildungsprogramme wie diese, denn sie führen uns
über die Ereignisse und Klischees des Alltags in die
höheren Sphären von Verständnis und Erfahrung.
Länder wie Deutschland und Amerika sind vielfältig
und komplex, häufig scheinbar widersprüchlich. Man
kann Länder und zahllose Fakten darüber kennen, sie
jedoch immer noch nicht verstehen. Verstehen erfordert Bemühungen und Studien, nicht nur der Sprache
eines Landes, sondern auch seiner historischen Entwicklung, der politischen und wirtschaftlichen Strukturen, philosophischer Traditionen, künstlerischer Leistungen und des sozialen Gefüges.

Seite 1

�Die jüngsten Ausschreitungen in Los Angeles sind ein
anschaulicher - wenn auch tragischer - Beweis dieser
Tatsache. Sie demonstrieren, wie wir in den Vereinigten Staaten immer noch lernen, unsere unterschiedliche ethnische Herkunft mit unseren Grundrechten und
Pflichten als Bürger in Einklang zu bringen. Eines
unserer höchsten Ideale ist soziale Gleichberechtigung unabhängig von der Rasse, das wir sowohl in der
Praxis als auch im Grundsatz erzielen wollen.
Im Idealfall wird internationales Verständnis auch durch
die Erfahrung des Studiums, der Arbeit und des Aufenthalts in einem anderen Land erzielt, das heißt,
durch das Erlebnis neuer kultureller Voraussetzungen
und Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum
hinweg. Ich schätze mich glücklich, die Gelegenheit zu
solch einer Erfahrung in Deutschland in einer frühen
und formenden Phase meines Lebens gehabt zu haben.
Als junger Mann habe ich hier mehrere Jahre gelebt,
während mein Vater in den sechziger Jahren als
Offizier der US-Armee hier diente, und ich bin sehr
stolz, als Vertreter meines Landes hierhin zurückgekommen zu sein.
Heute abend möchte ich mit Ihnen die historische
Übergangsphase erörtern, in der sich unsere transatlantische Gemeinschaft jetzt befindet, die Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den
Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas und das amerikanische Engagement in den
neuen Bundesländern.
Zeit des Übergangs
Seit über vier Jahrzehnten arbeiten Westeuropa und
die Vereinigten Staaten zur Gewährleistung ihrer Sicherheit zusammen. Unsere Bestrebungen haben
mehr Früchte getragen, als die meisten von uns je zu
träumen gewagt hätte.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit haben die Vereinigten Staaten Westeuropa gegen seine drängendsten Gegner verteidigt: "Hunger, Armut, Verzweiflung
und Chaos", wie es der damalige Außenminister George
C. Marshall bezeichnete, als er 1947 seinen berühmten Plan darlegte. Diese Rede wurde in der ältesten
Institution für Hochschulbildung der Vereinigten Staaten, der Harvard University, gehalten, eine Tatsache,
die das Beziehungsgeflecht in unserem demokratischen System zwischen Bildung, Freiheit und humanitärer Anteilnahme für die Bedürftigen unterstrich.
Der Marshallplan war die Saat der bemerkenswerten
Erholung Europas und insbesondere Westdeutschlands. Aufgrund der enormen Kreativität im Westen
Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren wurden
Programme und Institutionen geschaffen, die frische
Wunden heilten, einen ehemaligen Gegner zu einem
starken Verbündeten machten und die stabile Grundlage der transatlantischen und Europäischen Gemeinschaft schufen. Im gesamten Verlauf des kalten

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Krieges haben sich die Vereinigten Staaten und ihre
westlichen Verbündeten standhaft dagegen gewehrt,
daß der Kommunismus sein Einflußgebiet ausweitete.
Ereignisse historischen Ausmaßes begannen im
November 1989 mit der Öffnung der Berliner Mauer
und erreichten ihren Höhepunkt im vergangenen Herbst,
als das kommunistische System in der Sowjetunion
zusammenbrach. Demokratische Werte triumphierten, gemeinsam haben wir den kalten Krieg gewonnen.
Jetzt stehen wir an einem besonders wichtigen Scheideweg in der Geschichte, da sowohl Europa als auch
die Vereinigten Staaten erwägen, wie sie am besten
bei der Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit, Freiheit und unseres Wohlstands für die Zukunft
zusammenarbeiten können. Die Herausforderungen,
mit denen wir uns heute bei der Umstrukturierung der
Sicherheitsordnung nach dem kalten Krieg konfrontiert sehen, sind unterschiedlicher Art, aber nicht weniger
wichtig oder einschneidend als diejenigen, denen sich
unsere Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg gegenübersahen. Dieselbe Art der Kreativität wie nach
dem Zweiten Weltkrieg ist jetzt beim Aufbau der neuen
Institutionen erforderlich, die in der euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok reichen werden. Wie am Ende des Zweiten Weltkriegs
müssen wir jetzt unsere ehemaligen Gegner in unsere
Gemeinschaft einbeziehen, indem wir ihnen und uns
gegenüber die Notwendigkeit betonen, unsere gemeinsamen Werte anzunehmen: Demokratie, Respekt für den einzelnen und Rechtsstaatlichkeit sowie
freie Marktwirtschaften.
Dennoch ist die Situation nicht identisch mit der in den
vierziger Jahren. Im Gegensatz zur unmittelbaren
Nachkriegszeit halten die Vereinigten Staaten weder
50 Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt, noch
sind wir weltweit die einzige Atommacht. Unser bevorzugter Ansatz zur Verwirklichung dieses Ziels ist daher
eine Politik des kollektiven Engagements - die Länder
vereinigen ihre Ressourcen und Talente beim gemeinsamen Streben nach einer besseren Welt in Europa
und darüber hinaus.
Die wirklichen Bedrohungen der Sicherheit kommen in
diesem Jahrzehnt nicht von der klassischen Konfrontation zwischen Supermächten, sondern von der sich
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, Revolutionen andernorts, der Weiterverbreitungvon Kernwaffen, Drogenhandel und - wie wir es im
Golfkrieg beobachten konnten - Umweltterrorismus
ergebenden Instabilität. Um uns gegen solche Gefahren zu wappnen, müssen wir alte multinationale Institutionen wie NATO, KSZE, die Europäische Gemeinschaft und die Vereinten Nationen mit neuem Leben
erfüllen und mögliche neue wie den Nordatlantischen
Kooperationsrat entwickeln. Wir müssen uns auch vor
Augen führen, daß die kulturellen, wirtschaftlichen und

AMERIKA DIENST 19

�handelspolitischen Aspekte unserer Beziehungen in
den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung
gewinnen, währen die transatlantischen Sicherheitsverbindungen so wichtig wie zuvor bleiben.
Institutionen für die neue Sicherheitsarchitektur
Wir haben heute das Glück, daß im Gegensatz zu vor
45 Jahren die Institutionen, die das Bollwerk unserer
multilateralen Bestrebungen bilden werden, bereits
existieren und erprobt sind, obwohl sie offensichtlich
an neue Gegebenheiten angepaßt werden müssen.
In gewissem Sinne kann die Konferenz für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa, die KSZE, mit Stolz
für sich in Anspruch nehmen, den Rahmen für Ideale
zu bilden, in dem die Institutionen eher technischer
Natur richtig funktionieren können. Im Einklang mit
den Veränderungen in Europa setzten sich die Vereinigten Staaten neben anderen an führender Stelle
dafür ein, die KSZE von einem schlichten Prozeß zu
einer Institution umzuwandeln. Sie ist die einzige
paneuropäische und gleichzeitig transatlantische Institution mit 51 Nationen als Mitgliedern, die sich von
Vancouver bis Wladiwostok erstreckt.
Bei der Eröffnung des KSZE-Folgetreffens in Helsinki
im März legte der Stellvertretende Außenminister
Lawrence Eagleburger die amerikanische Sichtweise
unserer vier Punkte umfassenden Zielsetzung für die
KSZE in der Zeit nach dem kalten Krieg dar:
als Maßstab für die Bewertung der Einhaltung
von Demokratie und Menschenrechten zu dienen,
ein Forum für politische Konsultationen und
konzertierte Aktionen zur Bewältigung des
Wandels bereitzustellen,
als wichtigstes Forum für Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle in Europa zu dienen und
die Arbeit zum Aufbau demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlicher Reformen zu
unterstützen.
Damit verkörpert die KSZE die von der euro-atlantischen Gemeinschaft angenommenen Werte und Ideale. Alleine ist die KSZE jedoch nicht in der Lage, auf all
die heute in Europa bestehenden Sicherheitsbedürfnisse einzugehen. Aus diesem Grund müssen wir uns
auf einen alten und erprobten Freund verlassen, die
Organisation des Nordatlantikvertrags.
Die NATO bildet nach wie vor den Eckpfeiler der
europäischen Sicherheit und spielt weiterhin eine
Schlüsselrolle bei der Stabilisierung ganz Europas.
Darüber hinaus ist die NATO die Verkörperung der
transatlantischen Verbindung zwischen Nordamerika

AMERIKA DIENST 19

und Europa, eine Verbindung, die in den kommenden
Jahrzehnten ebenso wichtig sein wird wie in der Vergangenheit.
Präsident Bush hat eindeutig klargestellt, daß die
Vereinigten Staaten eine europäische Macht sind und
bleiben werden. Als Reaktion auf das verbesserte
Sicherheitsumfeld in Europa reduzieren wir die amerikanischen Streitkräfte hier um die Hälfte. Wir werden
jedoch einsatzfähige amerikanische Streitkräfte in
Europa und Deutschland stationiert lassen, solange
unsere Verbündeten dies wünschen. Und obwohl es
in den Vereinigten Staaten in diesem Wahljahr eine
Debatte über die Zahl der verbleibenden Streitkräfte
geben könnte, wird eine glaubwürdige amerikanische
Präsenz in Europa von beiden Häusern des Kongresses nachhaltig unterstützt. Trotz der offenkundigen
Priorität, die amerikanische Wähler innenpolitischen
Problemen beimessen, machen sie deutlich, daß die
Vereinigten Staaten nicht in Isolationismus verfallen
dürfen, denn um zu Hause stark sein zu können,
müssen wir im Ausland stark sein.
Aus diesem Grund wird die NATO nicht nur die politischen Mechanismen und die militärische Hardware
zur Aufrechterhaltung einer starken und glaubwürdigen Verteidigung bereitstellen, sondern dank der ihr
eigenen Stärke die Führungsrolle übernehmen, um
maßgeblich zur Bewältigung des friedlichen Wandels
in Europa beizutragen. In diesem Zusammenhang
möchte ich einen starken Befürworter der NATO zitieren, der das Bündnis als "reine Verteidigungsgemeinschaft" beschrieben hat, "die dazu beigetragen hat
sicherzustellen, daß dieser Kontinent für nahezu ein
halbes Jahrhundert von Krieg verschont blieb". Diese
Worte stammen weder von einem Amerikaner, noch
einem Deutschen oder einem anderen NATO-Mitglied. Es sind vielmehr die Worte von Vaclav Havel,
dem Präsidenten der Föderation der Tschechischen
und Slowakischen Republik.
Einer der Hauptindikatoren der Fähigkeit der NATO,
sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen, war
die Reaktion des Bündnisses auf den Wunsch der
Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und der
Sowjetunion, Verbindungen zur NATO aufzunehmen.
Auf der Grundlage einer von Außenminister Genscher
und seinem Amtskollegen Baker ins Leben gerufenen
Initiative gründete die NATO im vergangenen Herbst
den Nordatlantischen Kooperationsrat oder NAKR.
Der NAKR dient als Treffpunkt zwischen Ost und
West, um sowohl umfassende Sicherheitsfragen als
auch spezifische Verteidigungsangelegenheiten anzusprechen. Am 1. April dieses Jahres kamen die
Verteidigungsminister der NAKR-Staaten zum ersten
Mal zusammen, um einen Arbeitsplan für die Zukunft
zu entwerfen. Zu den wichtigsten Elementen des
Arbeitsplans zählt die Konversion der Rüstungsindu-

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�strie für zivile Zwecke sowie Hilfe bei der Integration
des Militärs in demokratische Gesellschaften in den
aufstrebenden Staaten Ost- und Mitteleuropas und
der ehemaligen Sowjetunion.
Ein anderer Weg, mit dem die NATO und damit die
europäische Sicherheit verbessert werden kann, besteht in der Stärkung einer europäischen Sicherheitsidentität. Die Vereinigten Staaten waren seit langem
ein Verfechter der europäischen Integration und haben
die Ergebnisse des Maastrichter Gipfeltreffens vom
vergangenen Dezember begrüßt. Eines der Schlüsselelemente des Integrationsprozesses ist die Entwicklung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Gemeinschaft.
Das NATO-Ministertreffen in Kopenhagen, der NATOGipfel in Rom und das Treffen in Maastricht haben die
Absicht Europas bekräftigt, die NATO als wichtigste
Sicherheitsorganisation in Europa aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft stimmen überein, daß die Entwicklung eines
starken europäischen Sicherheitspfeilers die NATO
ergänzen, nicht mit ihr konkurrieren sollte. Bei der
Verfolgung dieses gemeinsamen Ziels müssen wir
eine Nullsummenanalyse entschieden zurückweisen,
ein Konzept, das fälschlicherweise davon ausgeht,
eine stärkere europäische Sicherheitsidentität könne
sich nur auf Kosten der NATO ergeben. Unser Ziel ist
sowohl ein stärkeres Europa als auch eine stärkere
NATO.
Aufbau des Ostens
Wir verfolgen dieses gemeinsame Ziel, weil das Schicksal der Vereinigten Staaten eng mit dem Europas
verbunden ist. Amerikas demokratische Prinzipien
wurden auf europäischem Boden entworfen, gelangten auf unserem Kontinent zur Reife und beeinflussen
heute alle anderen Demokratien einschließlich der
jetzt in Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten - GUS - entstehenden in hohem Maße. In
seiner Rede vor dem amerikanischen Kongreß 1990
sprach Präsident Havel beredt davon, wieviel Anregung er und zahlreiche andere durch die amerikanischen Verfassung und die Bill of Rights erhalten haben.
Wohlstand, Technologie und die politische Kultur der
Vereinigten Staaten und Westeuropas zusammengenommen sind voll und ganz zur Bewältigung der Herausforderungen der Zeit nach dem kalten Krieg in der
Lage. Für die internationale Sicherheit ist es von
entscheidender Bedeutung, daß sich politisch legitime, stabile Demokratien in Osteuropa und der GUS
entwickeln. Wir alle in der transatlantischen Gemeinschaft teilen eine besondere Verpflichtung, diesen
aufstrebenden Demokratien bei ihren Bemühungen
zur Entwicklung freier Institutionen und Marktwirtschaften zur Seite zu stehen.

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Im September vorigen Jahres definierte Außenminister Baker fünf Prinzipien, von denen sich die amerikanische Politik gegenüber den neuen Mitgliedstaaten
der GUS leiten läßt. Wir möchten, daß sie das
Selbstbestimmungsrecht ihrer Völker achten, demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien einhalten, die
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes von
Minderheiten gewährleisten, bestehende Grenzen
achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln
sowie mit Zustimmung der anderen Seite anstreben
und schließlich, daß sie internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
und der Charta von Paris.
Im wirtschaftlichen Bereich leisten die Vereinigten
Staaten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion
umfassende und mannigfaltige Hilfe. Die amerikanische Unterstützung für die GUS beläuft sich bis heute
auf 5 bis 6 Milliarden Dollar. Darüber hinaus helfen wir
Osteuropa. In den Jahren 1990 und 1991 betrug diese
Unterstützung insgesamt 2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lieferten die Vereinigten Staaten 18
Millionen Tonnen Nahrungsmittel, außerdem Bekleidung, Unterkünfte und medizinische Hilfsgüter in die
Sowjetunion. Darüber hinaus leisten die Vereinigten
Staaten die größten Kapitalbeiträge eines einzelnen
Landes zu den für Osteuropa und die GUS eingerichteten Investitionsfonds von Weltbank, Internationalem
Währungsfonds und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Mit Geld alleine lassen sich unsere gemeinsamen
Ziele jedoch nicht verwirklichen. Darüber hinaus müssen
wir direkt auf die Bürger zugehen. Eingedenk dieses
Ziels haben wir Botschaften in allen Staaten der GUS
eröffnet. Erst gestern hat der Direktor des amerikanischen Peace Corps in Washington angekündigt, daß
bis zum Jahr 1993 etwa 500 Freiwillige des Peace
Corps in der GUS tätig sein sollen. Im Weißen Haus
werden Präsident Bush und der ukrainische Präsident
Krawtschuk ein Abkommen über die Entsendung von
Freiwilligen des Peace Corps in die Ukraine unterzeichnen. Diese werden hauptsächlich in den Bereichen wirtschaftliche Entwicklung und Englischunterricht tätig werden. Zu ihnen zählt der Präsident eines
Stahluntemehmens ebenso wie ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer Vertriebsfirma für Nahrungsmittel. Die Freiwilligen erhalten für ihre Arbeit keinerlei
Gehalt, sondern lediglich die Kosten für Unterkunft und
Verpflegung werden vergütet. Wir sind sehr stolz auf
diese Amerikaner, die unsere Tradition freiwilligen
Dienstes in der ehemaligen Sowjetunion unter Beweis
stellen werden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen voll und ganz alles,
was die Bundesrepublik Deutschland getan hat und
weiterhin tut, um den aufstrebenden Demokratien
Europas zu helfen. Deutschland stand bei den Bestre-

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�bungen an vorderster Front, die neuen Staaten Osteuropas in europäische Organisationen wie die KSZE
einzugliedern und sie durch den Nordatlantischen
Kooperationsrat enger an die NATO heranzuführen.
Die Deutschen haben ferner erhebliche Summen für
bilaterale Unterstützung und humanitäre Hilfe aufgebracht, und die Bundesrepublik Deutschland hat eine
führende Rolle übernommen, um andere Staaten zur
Beteiligung an dieser Hilfe zu veranlassen.
In diesem Geist der Zusammenarbeit kündigten Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush letzten Monat
einen multilateralen Hilfsplan der Gruppe der sieben
führenden Industrieländer für Rußland im Gesamtumfang von 24 Milliarden Dollar an. Die Vereinigten
Staaten werden etwa 25 Prozent dieser Summe aufbringen. Die G-7 unternahm diesen Schritt, um ihre
Unterstützung für die anhaltenden Reformbemühungen Rußlands zu unterstreichen. Weitere Formen
westlicher Hilfe für die GUS und Osteuropa werden
beim Weltwirtschaftsgipfel von München im Juli auf
der Tagesordnung stehen. Wir müssen zusammenarbeiten, um sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Instabilität in dieser Region Einhalt zu gebieten und bei
den Menschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen aufzubauen. Die Vereinigten Staaten engagieren sich weiterhin dafür, ganz Europa Einheit und
Freiheit zu bringen, denn wir sind uns der Tatsache
bewußt, daß ein vereinigtes Europa einen positiven
Einf lu ß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand in der
ganzen Welt haben wird.
Die neuen Bundesländer
Nirgendwo sind die Herausforderungen - und Chancen
- für die neuen Demokratien und Marktwirtschaften
offenkundiger als in dem Gebiet, das die ehemalige
Deutsche Demokratische Republik umfaßt. Seit der
politischen Vereinigung am 3. Oktober 1990 haben
sich Politiker und Bürger dieses Landes mit den beispiellosen Herausforderungen der Integration zweier
verschiedener Gesellschaften auseinandergesetzt.
Diese Herausforderungen gehen auch die Amerikaner
an. Tatsächlich spielen die wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte der deutschen Vereinigung heute eine
Schlüsselrolle in der bilateralen Tagesordnung.
Ohne ihre alten Freunde im Westteil Deutschlands zu
vernachlässigen, richten die Vereinigten Staaten ihre
Aufmerksamkeit heute vorrangig auf die fünf neuen
Bundesländer. Im wirtschaftlichen Bereich sind nahezu 150 amerikanische Firmen tätig, und die fünf führenden Unternehmen haben über 2 Milliarden DM
investiert und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen
oder erhalten. Im Jahr 1991 haben der Treuhand
zufolge amerikanische Unternehmen zusätzliche Investitionen von 1,5 Milliarden DM in Treuhandunternehmen zugesagt. Diese Firmen vertreten die Bauindustrie, Elektronik, Automobilindustrie, Pharmazeutik,
Telekommunikation, Bankwesen, Einzelhandel und
die Reisebranche. Diese amerikanischen Unterneh-

AMERIKA DIENST 19

men tragen dazu bei, die Infrastruktur Ostdeutschlands zu erneuern, seine Technologie zu modernisieren, seine Arbeitnehmer umzuschulen und den Lebensstandard in Ostdeutschland zu heben.
Die Botschaft übernimmt eine führende Rolle dabei,
noch mehr amerikanische Firmen zu einem Engagement zu ermutigen. Unsere Handelsabteilung berät
amerikanische Unternehmen bei Investitionen in Ostdeutschland - und zwar sowohl durch direkte Beratung
als auch durch Information von Firmen in den Vereinigten Staaten über spezifische Investitionsmöglichkeiten. Wir helfen interessierten Unternehmen, die richtigen Kontakte bei derTreuhand, Gemeindeverwaltungen und Landesregierungen sowie ostdeutschen Firmen herzustellen. Wir vergrößern unseren wirtschaftlichen Mitarbeiterstab in Berlin, und wir haben nun
auch einen wirtschaftlichen Berater in Leipzig. Im
Rahmen von 'Trade Days" in Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen haben wir Geschäftspartner
miteinander in Kontakt gebracht. Wir nutzen westliche
Industrie- und Handelsmessen, insbesondere die in
Hannover, um ostdeutsche und amerikanische Wirtschaftsvertreter miteinander bekannt zu machen. Die
amerikanisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit in
den neuen Ländern stellt eine beispielhafte wirtschaftliche Partnerschaft dar. Sie stellt unser gemeinsames
Engagement für die freie Marktwirtschaft als besten
Weg unter Beweis, um die wirtschaftliche Wiederbelebung in den neuen Bundesländern zu verwirklichen.
Für dieses akademische Publikum ist jedoch wahrscheinlich der kulturelle Aspekt des Einigungsprozesses von größter Bedeutung. Die Vereinigten Staaten
engagieren sich in einem anhaltenden Prozeß dafür,
den Ostdeutschen die demokratischen Werte zu vermitteln, die unsere beiden Staaten gemeinsam haben.
Obenan auf unserer Prioritätenliste stehen Programme, die der akademischen und intellektuellen Freiheit
gewidmet sind, der Pressefreiheit und dem politischen
Wahlprozeß. Während wir unsere seit langem bestehenden Austauschprogramme und Fortbildungsseminare in den westlichen Ländern fortsetzen, gilt ein
Hauptaugenmerk der Botschaft heute der Einrichtung
und Aufrechterhaltung von Kontakten mit Bürgern der
ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Seit
der Vereinigung Deutschlands haben wir an mehreren
wichtigen Programmen gearbeitet, um dieses Ziel zu
verwirklichen. Dazu gehören folgende Aktivitäten:
Anfang Juli werden wir ein neues Amerika Haus
in Leipzig eröffnen. Wie unsere anderen Kulturzentren weltweit wird es eine umfangreiche
Bibliothek mit amerikanischen Büchern und
Zeitschriften aufweisen, und seine Programme
werden als Fenster zur zeitgenössischen amerikanischen Gesellschaft dienen. Darüber hinaus wird es mit unserem modernstes Computersystem zur Informationsrecherche ausgestattet
sein.

Seite 5

�In Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen
erweitern wir unser Programm für den Englischunterricht sowie Amerikanistikstudien in den
neuen Bundesländern. Insbesondere arbeiten
wir mit dortigen Englischlehrern zusammen, um
sie mit modernen Methoden des Englischunterrichts und der Amerikanistik bekannt zu machen. Jahrzehntelang wurden Lehrer und Schüler dort lediglich mit Propaganda und Falschinformationen abgespeist. Wir haben in den neuen
Bundesländern einen echten Hunger nach Informationen über Amerika festgestellt und tun
unser Bestes, um ihn zu befriedigen.
Unser internationales Besucherprogramm wurde mit zusätzlichen Mitteln aufgestockt und
erweitert. Dieses Programm ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus verschiedenen Berufssparten einmonatige intensive Studienreisen in die
Vereinigten Staaten. Über fünfzig Deutsche
aus den neuen Bundesländern haben seit der
deutschen Vereinigung an diesem Programm
teilgenommen, und diese Zahl wird weiter steigen.
Ein neues von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Deutschlands gemeinsam unterstütztes Programm ermöglicht es Gruppen von
Parlamentariern, Journalisten und Lehrkräften
aus den neuen Bundesländern, die Vereinigten
Staaten zu besuchen und wichtige Kontakte in
ihren Tätigkeitsbereichen herzustellen.
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
die Gründung der RIAS-Kommission angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen
Medienvertretern in den neuen Ländern und
den Vereinigten Staaten zum Ziel hat.
Das parlamentarische Patenschaftsprogramm
Kongreß/Bundestag wurde auf die fünf neuen
Länder ausgedehnt. Dieses Programm, das
heute nahezu zehn Jahre alt ist, bietet deutschen und amerikanischen Schülern die Gelegenheit, ein ganzes Jahr im jeweils anderen
Land zu verbringen, dort bei Gastfamilien zu
leben, die Schule zu besuchen und dauerhafte
Freundschaften zu schließen. Die erste Gruppe
junger Ostdeutscher, die an diesem Programm
teilnahm, reiste im Jahr 1990 in die Vereinigten
Staaten. Darüber hinaus haben wir auch junge
Amerikaner in die neuen Bundesländer geschickt.
Mit der Schließung einiger amerikanischer Stützpunkte in Westdeutschland werden englischsprachige Bibliotheksbestände akademischen
Zuschnitts von diesen Stützpunkten an Universitäten und andere Institutionen in den neuen
Ländern übergeben. Bis heute waren zehn
ostdeutsche Universitäts-, Regional- und Stadtbibliotheken Empfänger von Beständen im
Gesamtumfang von über 130.000 Bänden.
Seite 6

Besonders eingehen möchte ich auf das Fulbright-Programm in Deutschland, das größte
staatlich geförderte binationale Austauschprogramm der Welt. Seit seiner Gründung vor 40
Jahren haben 12.000 Deutsche an dem Programm teilgenommen, von denen einige vielleicht heute abend hier anwesend sind. Dieses
Programm wurde auf die neuen Ländern ausgedehnt, um ostdeutsche Universitäten und Intellektuelle mit ihren Kollegen in den Vereinigten
Staaten in Kontakt zu bringen. Im nächsten
akademischen Jahr wird ein Viertel aller deutschen Fulbright-Stipendiaten aus Ostdeutschland kommen. Um diese verstärkte Einbeziehung ostdeutscher Professoren und Studenten
zu erleichtern, haben die Vereinigten Staaten
dieses Jahr ihre Mittel für das Programm um
nahezu eine Million Dollar aufgestockt. Die
bilaterale Fulbright-Kommission, die die Stipendiaten auswählt, wird von Fulbright-Kommissionen in derganzen Welt als Vorbild betrachtet, an
dem sich alle anderen messen lassen müssen.
Die amerikanisch-deutsche Kommission fördert
neben Austauschstipendien eine Reihe von
Sonderprojekten. Ein Beispiel ist die vor genau
einem Monat in Berlin veranstaltete Konferenz
für Fulbright-Stipendiaten aus ganz Europa. Diese
Konferenz wurde durch die Anwesenheit des
Programmgründers, Senator William Fulbright,
besonders geehrt. Er verlieh den ersten Fulbright-Preis für hervorragende Leistungen im
Fach Amerikanistik, eine unlängst von der Fulbright-Kommission in Deutschland gestiftete
Auszeichnung. Sie wird jedes Jahr an einen
deutschen Doktoranden verliehen, dessen Dissertation dem Urteil eines wissenschaftlichen
Gremiums zufolge einen herausragenden Beitrag im Fachbereich Amerikanistik geleistet hat.
Die Kommission hofft, daß dieser Preis Deutsche zu weiterer wissenschaftlicher Beschäftigung mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Vereinigten Staaten ermutigen wird.
Die Liste offizieller amerikanischer Aktivitäten in den
neuen Bundesländern endet hiermit nicht. Wir untersuchen Wege zum Ausbau kooperativer Vorhaben in
den Bereichen Bildung und Kultur, und wir begrüßen
Ihre Anregungen zu diesen Bemühungen. Insbesondere sind wir bereit, mit dem Bundesbildungsministerium sowie den Kultusministerien, Universitätsrektoren, Dekanen, Professoren und akademischen Vereinigungen zusammenzuarbeiten, um Amerikanistikprogramme - vorrangig in den neuen Bundesländern - zu
entwickeln, aber wir sind ebenfalls begierig, auch mit
westdeutschen Institutionen zu kooperieren. Unser
Ziel bei der Entwicklung dieser Programme besteht
darin, das deutsch-amerikanische Verständnis in der
gesamten Bundesrepublik zu verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�In diesem Geist ist es mir heute abend eine große
Freude, die Einrichtung eines weiteren Preises unter
meiner Schirmherrschaft zu verkünden, der der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gewidmet ist des Ambassador's American Studies Award. Vom
Herbst dieses Jahres an wird der Ambassador's Award
jährlich für die beste Magister- oder Doktorarbeit im
Fachbereich Amerikanistik an der Bonner Universität
verliehen. Ich freue mich darauf, im Oktober zur
Eröffnungsfeier des Wintersemesters den ersten Preisträger bekanntzugeben. Der Ausgezeichnete wird als
Gast der amerikanischen Regierung in die Vereinigten
Staaten reisen, um an einem besonderen einmonatigen Studienprogramm teilzunehmen, das sich schwerpunktmäßig auf die verschiedenen Aspekte des Lebens
in Amerika und der dortigen Gesellschaft konzentriert.
Mit der Schaffung dieses Preises hofft die Botschaft,
einen greifbaren Beitrag zum interdisziplinären Amerikanistikprogramm dieser Universität zu leisten und
junge Deutsche zu fördern, die in den ersten Jahren
ihrer beruflichen Laufbahn mehr über die Vereinigten
Staaten erfahren möchten.
Wenn künftige Regierungsvertreter, wirtschaftliche
Führungskräfte, Journalisten und andere, die an der
Ausgestaltung der deutsch-amerikanischen Beziehungen mitwirken, effektiv miteinander kommunizieren
und die Maßnahmen und Ziele des jeweils anderen
zutreffend bewerten sollen, benötigen sie ein tiefes
Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft. Wir
gehen davon aus, daß all diese Bildungs- und Kulturinvestitionen in Deutschland und seine künftigen Entscheidungsträger auf viele Jahre hinaus zur transatlantischen Zusammenarbeit beitragen werden. Wie
Bundeskanzler Kohl erklärt hat, werden diese Programme auf der transatlantischen Brücke zwischen
unseren beiden Ländern in der Tat eine neue Fahrspur
eröffnen - und sie dadurch breiter, tragfähiger und - wie
wir hoffen - in der Zukunft noch frequentierter machen.
Schlußbemerkung
Denken Sie abschließend an unser Glück, in dieser
Zeit historischer Veränderungen, Herausforderungen
und Chancen leben und arbeiten zu können. Den
Vereinigten Staaten, Deutschland und anderen Mitgliedern der transatlantischen Gemeinschaft bietet
sich heute eine einmalige Gelegenheit, ihre demokratischen Werte und Traditionen mit Ländern zu teilen,

*

AMERIKA DIENST 19

die nie zuvor unter demokratischen Regierungen gelebt haben. Ich hoffe und glaube, daß die Geschichte
diesen Abschnitt als größte Stunde unserer Gemeinschaft verzeichnen wird. Um dieses Ziel zu erlangen,
müssen wir weiterhin die politischen Institutionen stärken, die unsere Sicherheit verbessern werden. Und
wir müssen den neuen Demokratien Europas weiterhin die technische und finanzielle Hilfe gewähren, die
sie zum Erfolg benötigen. Durch Zusammenarbeit
können wir diese Herausforderungen meistern und ein
neues Zeitalter des Wohlstands und Friedens für alle
einleiten.
Im Hinblick auf unsere speziellen deutsch-amerikanischen Beziehungen bieten unsere beiden Nationen für
die ganze Welt ein anschauliches Beispiel dafür, wie
ehemalige Gegner Partner und Freunde werden können. Als Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland gedenke
ich alles in meiner Macht Stehende zu tun, um zu
gewährleisten, daß Frieden und Wohlstand, die wir
über vier Jahrzehnte lang geteilt haben, Bestand haben.
Bundeskanzler Kohl, Präsident Bush, Außenminister
Genscher, Außenminister Baker und viele andere
Amerikaner und Deutsche stehen ebenfalls zu dieser
Verpflichtung. Aber wenn wir Erfolg haben wollen,
benötigen wir die Hilfe aller hier Anwesenden, insbesondere die der akademischen Gemeinde. Als Wissenschaftler und Lehrer können Sie dazu beitragen,
den Lauf der Geschichte zu bestimmen, denn Sie sind
in einer einzigartigen Position, um Herz und Verstand
der jüngeren Generation Ihres Landes zu erreichen.
Sie können bei den künftigen Entscheidungsträgern
Deutschlands die geistigen Charakteristika und Qualitäten kultivieren, die der Demokratie und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit Dauerhaftigkeit
verleihen: eine Leidenschaft für die Wahrheit, die
kritische Untersuchung von Ideen, rationale Auseinandersetzung, Respekt für die Ansichten anderer und
eine unstillbare Neugier im Hinblick auf die Welt, in der
wir alle leben. Sie können für künftige Generationen
die notwendige Verbindung zwischen politischer und
geistiger Freiheit erhellen, zwei grundlegenden Menschenrechten, die die Freiheit des menschlichen Geistes fördern.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit und freue mich,
beim Empfang mit vielen von Ihnen persönlich zusammentreffen zu können.

* * *

*

Seite 7

�KSZE
13. MaM992

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim KSZE-Folgetreffen
HELSINKI - (AD) - In einer Rede vor der Plenarsitzung am 6. Mai 1992 erläuterte der amerikanische Delegierte beim KSZE-Folgetreffen in Helsinki, Botschafter John C. Kornblum, die Lage in Bosnien-Herzegowina und
forderte, das Töten müsse ein Ende haben und die KSZE "über ihre am 15. April und 1. Mai abgegebenen
Erklärungen hinausgehen und Sanktionen gegen Serbien verhängen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir sind heute hier zum dritten Mal
in drei Wochen zusammengekommen, um die tragische Situation in Bosnien-Herzegowina zu erörtern.
Dieser stolze Staat ist ein Mikrokosmos von Problemen, die das Gefüge der ehemaligen jugoslawischen
Republik zerrissen haben. Wie meine Regierung seit
Beginn der Krise eindeutig klargestellt hat, liegt diesen
Problemen nicht nur eine Ursache zugrunde. Es gibt
nicht nur eine schuldige Partei und kein Patentrezept
für die Bewältigung der Katastrophe, die die Völker
dieses stolzen und historischen Teils von Europa
heimgesucht hat.
Die Vereinigten Staaten bekräftigen in deutlichster
Form die Forderung, daß alle für diesen Konflikt und
die Gewalt verantwortlichen Parteien aufrichtig und
unermüdlich zum Erfolg des von der Europäischen
Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozesses beitragen sollen. Die gesamte Menschheit leidet unter
Ihren Aktionen! Das Töten muß eine Ende haben!
Die Erkenntnis der Komplexität des Konflikts spricht
die für Aggression Verantwortlichen nicht von der
Schuld für ihre Taten frei. Wir haben im vergangenen
Jahr Hunderte von Stunden damit verbracht, die Ereignisse zu erörtern, die Ursachen herauszufinden und an
diejenigen heranzukommen, die dem Töten ein Ende
bereiten können.
Es ist genug geredet worden. Wir sind uns der
Vielschichtigkeit der Lage bewußt. Wir sehen auch,
daß weiterhin unschuldige Menschen sterben. Historische Städte und wertvolle Relikte der westlichen
Kultur zerfallen in Schutt und Asche.

AMERIKA DIENST 19

Unsere heutige Aufgabe besteht darin, unser Augenmerk auf die Hauptverantwortlichen dieser Tragödie
zu lenken. Wir müssen erneut versuchen, der Gewalt
Einhalt zu gebieten, indem wir in deutlichen Worten
unsere kollektive Entrüstung über diese von den
Aggressoren an den Tag gelegte offenkundige Mißachtung der KSZE-Verpflichtungen und menschlicher
Verhaltensnormen zum Ausdruck bringen.
Herr Vorsitzender, aus der ganzen Komplexität tritt
eine eindeutige Tatsache zutage: Die Rolle der politisch Verantwortlichen in Serbien und der sogenannten jugoslawischen Bundesarmee ändert sich nicht.
Es gibt ein festes Verhaltensmuster. Jedes Mal, wenn
ein weiterer Teil derehemaligen jugoslawischen Republik abgetrennt wurde, haben die serbischen Politiker
und die Bundesarmee erneut auf Gewalt zur Verfolgung ihrer politischen Ziele zurückgegriffen. Jedes
Mal, wenn ein historischer Konflikt zu gären begann,
sind die Bundesarmee, serbische Freischärler und
serbisches Material auf dem Schauplatz aufgetaucht.
Das Ziel bestand in der Herbeiführung politischer
Fakten durch Gewalt statt durch Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten bringen ihr tiefempfundenes
Mitgefühl für alle Opfer dieser Tragödie zum Ausdruck.
Wir trauern um die vielen serbischen Opfer dieses
Konflikts. Wir hegen keinen Groll gegen die serbische
Nation oder ihr Volk. Im Gegenteil - unsere Verbindungen zu Serbien bestehen seit langer Zeit. Zehntausende unserer Bürger haben ihre Wurzeln in Serbien.
Darüber hinaus wissen wir die von Serbien im Rahmen
der aktiven Beteiligung Jugoslawiens am KSZE-Prozeß übernommene Rolle zu schätzen.

Seite 1

�Unser Konzept im Hinblick auf die KSZE war stets eher
inklusiv als exklusiv. Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Ansicht, daß die KSZE der Sache des
Friedens am besten als Forum dienen kann, in dem
das Verhalten anhand der in der Schlußakte von
Helsinki festgelegten Normen beurteilt wird. Die KSZE
ist ein Ort des Dialogs. Verletzer dieser Normen
sollten sich die KSZE-Tradition von Überprüfung und
Empfehlung zu eigen machen.

operieren, ist die Bundesarmee die übermächtige
Streitmacht. Es liegt in der Macht der Bundesarmee
und der politisch Verantwortlichen in Serbien, einen
positiven Beitrag zum Frieden zu leisten. Hätten sie
ihre Versprechungen ernst genommen, hätten sie
bereits vor langer Zeit begonnen, einen Waffenstillstand in Bosnien-Herzegowina durchzusetzen. Statt
dessen wurde die Unterstützung von Gewalt und damit
der Einsatz von Gewalt intensiviert.

Trotz dieser Tradition hat meine Regierung vor drei
Wochen als erste den Vorschlag unterbreitet, Serbien
vorübergehend von der Mitgliedschaft in der KSZE
auszuschließen, wenn seine Rolle in dem Konflikt
andauert. Wir haben diesen Schritt unternommen,
weil der Grad der Verletzungen von KSZE-Verpflichtungen wirklich tragische Ausmaße angenommen hatte.
Unseres Erachtens sollte der KSZE Gehör geschenkt
werden. Wir konnten uns keinen besseren Weg denken, der serbischen Führung eine persönliche Botschaft zukommen zu lassen. Eine Schockbehandlung
war erforderlich.

Unsere Verantwortung für die Bewältigung dieser Situation liegt auf der Hand. Das KSZE-Folgetreffen
sollte die Erörterung der Einzelheiten der jugoslawischen Krise fortsetzen, die meine Delegation in dieser
Woche in Arbeitsgruppen vorgeschlagen hat. Bedauerlicherweise standen wir in den meisten Fällen ziemlich alleine da. Diejenigen, die den Dialog als Hauptinstrument der KSZE unterstützen, sollten sich beteiligen. Sonst wird dieses Instrument nutzlos.

Eine Zeitlang sah es so aus, als ob unsere Botschaft
vernommen worden sei. In der vergangenen Woche
wurden wir Zeuge mehrerer Absichtserklärungen. Wir
erörterten die Implikationen eines von Serbien und
Montenegro ausgerufenen neuen Staats. Meine
Regierung hat sich ihre Stellungnahme zum Status
dieser neuen Republik vorbehalten. Wir stimmten
jedoch überein, wenn Bosnien-Herzegowina sich durch
unverzügliche Vollmitgliedschaft in der KSZE ebenfalls an dem Dialog beteiligen könnte, würde es sich als
nützlich erweisen, den serbischen Vertretern den
Verbleib zu gestatten, trotz der unsicheren Rechtsgrundlage für ihre Anwesenheit.
Beim Treffen des Ausschusses Hoher Beamter am 1.
Mai brachten alle Teilnehmerstaaten ihre kollektive
Entschlossenheit zur Intensivierung der Konsultationen und einer detaillierten Überprüfung der Lage in
Bosnien-Herzegowina zum Ausdruck. Wir erklärten
unsere eindeutige Absicht, diese Überprüfung zu
benutzen, um den der Aggression Schuldigen unsere
kollektive Entschlossenheit zu verdeutlichen, der
Aggression Einhalt zu gebieten.
Herr Vorsitzender, das ist unsere heutige Aufgabe.
Die Handlungen seit dem 1. Mai haben den politisch
Verantwortlichen in Serbien und der Bundesarmee
unseren Tadelsbeschluß eingebracht. Es kann nicht
länger irgendein Zweifel an den von diesen politisch
Verantwortlichen begangenen eindeutigen, groben und
nicht behobenen Verletzungen der Schlußakte bestehen. Die Luftangriffe auf Sarajevo, der Beschuß von
den Bergen und die Geiselnahme des Präsidenten von
Bosnien-Herzegowina durch die Bundesarmee haben
den Konflikt noch verschärft.
Obwohl es widersprüchliche Berichte darüber gibt, wer
die Kämpfe an diesem Wochenende begonnen hat
und obwohl auch andere Streitkräfte in der Region
Seite 2

Dieser Dialog sollte jedoch auch in die Praxis umgesetzt werden. Wir sollten diese Überprüfung weiterhin
als Grundlage unserer kollektiven Aktionen im Ausschuß Hoher Beamter benutzen.
Beim Treffen des AHB heute nachmittag sollten wir die
Verantwortung für die Aufgabe übernehmen, die uns
auferlegt wurde. Wir sollten unter Beweis stellen, daß
die KSZE in der Tat das Gremium zur Bewältigung des
Wandels sein kann, das wir in ihr sehen möchten.
Wenn es uns nicht gelingt, uns der heutigen Herausforderung zu stellen, kann kein noch so phantasievolles
Gefüge neuer Strukturen und Mechanismen, ganz zu
schweigen von Visionen komplexer und obligatorischer Rechtsverfahren unser politisches Zögern wettzumachen.
Bei der Sitzung heute nachmittag werden die Vereinigten Staaten die Verabschiedung einer Erklärung vorschlagen, die endgültig zu dem Schluß gelangt, daß
ein Muster eindeutiger, grober und andauernder Verletzungen der KSZE-Verpflichtungen vorliegt. Die
jüngsten Ereignisse lassen keinen Zweifel an der
Existenz solch gravierender Verletzungen. Uns vor
der Verantwortung der Artikulierung dieser offenkundigen Tatsache zu drücken, hieße, die Glaubwürdigkeit
des gesamten Prozesses in Frage zu stellen.
Diese Schlußfolgerung sollte in eine Erklärung aufgenommen werden, die folgende Forderungen umfaßt:
Die unverzügliche Beendigung der Gewalt und
Einhaltung des Waffenstillstands durch alle
Parteien.
Sofortige Beendigung der Unterstützung aller
paramilitärischen Streitkräfte durch die Nachbarländer von Bosnien-Herzegowina.
Unverzüglicher Rückzug der Bundesarmee aus
Bosnien-Herzegowina oder Unterstellung unter
eine rechtmäßige bosnische Regierung.

AMERIKA DIENST 19

�Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina und die Flüchtlinge in der betroffenen Region.

seinen Namen und seinen Sitz in der KSZE erhebt,
erfüllt in keiner Weise die Normen oder Verpflichtungen der KSZE.

Einrichtung sicherer Land-, See- und Luftkorridore zur Sicherstellung, daß wichtige Lebensmittel und unerläßliche medizinische Versorgungsgüter einschließlich der von den Spendern bereitgestellten die betroffene Bevölkerung erreichen.

Bis er dies tut, ist unseres Erachtens noch nicht einmal
die am 1. Mai vereinbarte vorläufige Beteiligung länger
gerechtfertigt. Die serbischen Vertreter sollten von
allen KSZE-Aktivitäten ausgeschlossen werden, bis
wir einen Konsens über ihre erneute Aufnahme erzielen.

Ernsthafte Beteiligung am von der Europäischen Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozeß und uneingeschränkte Unterstützung
der UN-Friedenstruppen sowie der EG-Beobachtermission. In diesem Zusammenhang sprechen die Vereinigten Staaten der Regierung des
Königreichs Belgien ihr aufrichtiges Beileid zum
Tod eines belgischen Mitglieds der EG-Mission
aus. Er war ein echter Diener des Friedens.

Hoffentlich wird unsere Botschaft gehört. Unsere
Überprüfung sollte fortgesetzt werden, sowohl beim
Folgetreffen als auch bei der vor dem 18. Mai anberaumten Sitzung des Ausschusses Hoher Beamter.
Verbessert sich die Situation, sollten wir dies zum
Ausdruck bringen. Falls nicht, sollten wir noch drastischere Maßnahmen in Erwägung ziehen.

Sobald diese Botschaft eindeutig formuliert ist, müssen wir den nächsten logischen Schritt unternehmen.
Die blo ße Wiederholung der Forderung nach Maßnahmen hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Es ist an
der Zeit für die Teilnehmerstaaten zu beweisen, daß
sie angesichts von Aggression nicht die Hände in den
Schoß legen. Wir müssen über unsere am 15. April
und 1. Mai abgegebenen Erklärungen hinausgehen
und Sanktionen gegen Serbien verhängen.
Wir vertreten weiterhin die Auffassung, daß die einstweilige Aufhebung der KSZE-Mitgliedschaft den deutlichsten Beweis unserer Entschlossenheit darstellen
würde. Das alte Jugoslawien ist von der Landkarte
verschwunden. Der Staat, der jetzt Ansprüche auf

*

AMERIKA DIENST 19

Herr Vorsitzender, dies sind tragische und enttäuschende Tage für diejenigen, die an die Prinzipien der
KSZE glauben. Es ist deutlich geworden, daß das
Ende der militärischen und ideologischen Konfrontation in Europa die Gefahr ernsthafter Konflikte nicht
beseitigt hat. Jede Minute, die die Krise in Jugoslawien
andauert, ist eine Tragödie für uns. Jeder Tag des
Konflikts schwächt die Vision, die nach wie vor die
grö ßte Hoffnung für dauerhaften Frieden in Europa ist.
Wir dürfen diese Hoffnung nicht aufgeben. Wir dürfen
nicht die Hände in den Schoß legen, während unsere
Prinzipien eindeutig und grob verletzt werden. Die
KSZE kann diese Probleme nicht alleine lösen. Ihre
Mittel sind begrenzt. Aber wir sind die Bewahrer der
Hoffnungen und Werte, die uns stark machen. Auch
dies ist eine wichtige Rolle. Wir dürfen sie in diesem
Augenblick der Krise nicht vernachlässigen.

* * *

*

Seite 3

�UNRUHEN

IN LOS

ANGELES
13. Mai 1992

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN LOS ANGELES
"EHRLICHE AUSSPRACHE" ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern - Auszüge
WASHINGTON- (AD)- Präsident Bush hat am 6. Mai 1992 erklärt, nach den schweren Ausschreitungen in Los
Angeles, die im Anschluß an die Entscheidung eines kalifornischen Geschworenengremiums zum Freispruch
von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung des schwarzen Autofahrers Rodney King ausgebrochen waren, sei nun eine "ehrliche Aussprache" erforderlich.
Alle Amerikaner teilten den Wunsch, daß sich "das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt",
erklärte Bush in einer Videokonferenz beim Kongreß des Verbandes amerikanischer Zeitungsverleger. "Wir alle
möchten die Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche
Aussprache."
Der "einzige Weg nach vorn" ist Bush zufolge "eine offene nationale Diskussion über Familie, über Werte, über
staatliche Politik und über Rasse. ... Und genau dies gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Entschuldigen Sie bitte die kurze Verzögerung. Ich
komme gerade von einer unerwartet langen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk. Übrigens hatten wir ein wichtiges Treffen, das
meiner Meinung nach sehr erfolgreich verlief. Die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Ukraine entwickeln sich weiter, und diese Beziehungen sind sehr wichtig. Ich werde in zwei Stunden
erneut mit ihm zusammentreffen.
Bevor ich auf Ihre Fragen antworte, möchte ich Ihnen
einen kurzen Überblick zum neuesten Stand der Ereignisse in Los Angeles geben. Wenn ich heute auf meine
Ansprache an das amerikanische Volk von Freitag
abend (1. Mai) zurückblicke, denke ich an den Eid, den
ich als Präsident abgelegt habe und den Verfassungsauftrag, die Ruhe im Land aufrechtzuerhalten. Das
eine weiß ich: Wir können und dürfen Gewalt niemals
billigen, denn ohne Frieden kann es keine Hoffnung
geben.
Wir alle sind dankbar dafür, daß unsere Maßnahmen
die Ruhe in Los Angeles wiederhergestellt haben. Die
Kinder gehen wieder zur Schule. Die Stadtbusse
fahren wieder. Das Ausgehverbot wurde aufgehoben.
Und nach dem Schock und Spektakel der vergangenen Woche fühlen wir uns durch die Willenskraft der
Menschen von Los Angeles ermutigt, die sich zusammenschlössen, um ihre Gemeinde in Ordnung zu
bringen.
AMERIKA DIENST 19

Ich möchte kurz darauf eingehen, was wir auf Bundesebene tun, um in Zusammenarbeit mit dem Gouverneur und dem Bürgermeister beim Wiederaufbau zu
helfen. Da ich die Stadt zum Katastrophengebiet
erklärt habe, wird das Bundesamt zur Bewältigung von
Notständen (Federal Emergency Management Agency - FEMA) Einzelpersonen, Familien sowie Stadt und
Landkreis Los Angeles Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Einer vorläufigen Schätzung zufolge wird sich
diese Hilfe auf etwa 300 Millionen Dollar belaufen.
Wir werden den am stärksten von der Gewalt betroffenen Menschen direkte Beihilfen gewähren, und zwar
persönliche Beihilfen von bis zu 11.500 Dollar, um
dringenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und
Medikamenten zu decken. Diese Beihilfen werden
darüber hinaus zur Bereitstellung von Notunterkünften
eingesetzt. Dazu gehören Gelder zur Versorgung mit
Wohnraum für maximal 18 Monate für Familien, die
ihre Wohnung verloren haben oder Geld für die Reparatur gering beschädigter Häuser. Darüber hinaus
helfen wir mit Krisenberatung sowie Arbeitslosenhilfe
für diejenigen, die infolge der Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Vor Ort in Los Angeles wurde bereits eine Katastrophendienststelle eingerichtet. Über die gebührenfreie
Rufnummer des FEMA können Gesprächspartner in
englischer, spanischer, chinesischer, thailändischer,

Seite 1

�koreanischer und laotischer Sprache erreicht werden.
Darüber hinaus wird das FEMA dem Staat Kalifornien
und der Gemeindeverwaltung helfen, um die für das
tägliche Leben unerläßlichen öffentlichen Dienstleistungen wie Wasser- und Stromversorgung wiederherzustellen. Dies ist ein gemeinsames Programm,
ein Programm der Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung, Bundesstaat und Gemeinde.
Neben diesen Notbeihilfen werden wir durch das Amt
für mittelständische Unternehmen Katastrophendarlehen von bis zu 500.000 Dollar für geschäftliche Verluste gewähren, die von den Versicherungen nicht
übernommen werden sowie bis zu 100.000 Dollar für
Eigenheimbesitzer und Mieter für nichtgedeckte Schäden. Vorläufigen Schätzungen zufolge werden Darlehen von etwa 300 Millionen Dollar im Gebiet von Los
Angeles vergeben werden.
Schließlich hat das Landwirtschaftsministerium die
Lieferung von über 2.000 Kisten Frühstückskost, über
2.000 Kisten Babynahrung sowie nahezu 250 Kisten
Magermilchpulver veranlaßt und wird weiterhin den
Nahrungsmittelbedarf in Los Angeles beobachten.
Insgesamt beläuft sich die gesamte Bundeshilfe zur
beschleunigten wirtschaftlichen Erholung in Los Angeles auf schätzungsweise 600 Millionen Dollar.
Ich werde heute abend nach Kalifornien reisen, um
mich aus erster Hand über die Lage in Los Angeles zu
informieren. Ich werde dort mit Mitgliedern der Gemeinde zusammentreffen, um zu erörtern, wie wir
weiter am Aufbau einer Zukunft der Hoffnung, des
Verständnisses und der Toleranz arbeiten können einer Zukunft, in der kein Platz für Haß ist. Das ist eine
Geschichte, die wir alle sicherlich gedruckt sehen
möchten.
Ich möchte folgendes zu dem Wunsch aller Amerikaner sagen, daß sich das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt. Wir alle möchten die
Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche Aussprache.
Und Tatsache ist, daß in den vergangenen Jahrzehnten die Ausgaben gestiegen sind, die Zahl der Programme gewachsen ist, aber trotzdem, seien wir ehrlich: das hat nicht viele der grundlegenden Probleme
gelöst, die unsere Städte plagen. Wir brauchen eine
ehrliche, offene nationale Diskussion über Familie,
über Werte, über staatliche Politik und über Rasse.
Das ist der einzige Weg nach vorn. Und genau dies
gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun.
Ich werde niemals vergessen, wie mich Bürgermeister
Bradley von Los Angeles mit anderen Bürgermeistern
vor wenigen Monaten besuchte. Und wie alle anderen
- Bürgermeister von Klein- und Großstädten - verwies
er darauf, daß der Zerfall der Familie, die Auflösung
der amerikanischen Familie, den Problemen zugrundeliegt, mit denen die Städte konfrontiert sind. Und wir
müssen Wege finden, um die amerikanische Familie

Serie 2

zu stärken. Barbara tut dies, indem sie Eltern dazu
ermutigt, ihren Kindern vorzulesen, und wir versuchen
dies durch unser Bildungsprogramm zu tun sowie
durch die Überholung des Sozialhilfesystems, das in
der Vergangenheit Familien ermutigt hat, getrennt zu
leben. Aber die Familie ist bei all dem von Bedeutung.
Und schließlich, so möchte ich noch anmerken, gilt das
auch für den Privatsektor. Peter Ueberroth hat mir
gestern mit großem Optimismus erläutert, wie der
Privatsektor sich jetzt in einigen dieser Gebiete engagieren kann, um Arbeitsplätze zu schaffen, die ihnen
Hoffnung fürdie Zukunft geben werden, nicht nur einen
Mechanismus zum Kitten der Probleme, sondern echte
Hoffnung für die Zukunft.
Ich gehe also mit Optimismus an die Arbeit. Ich weiß,
daß wir mehr leisten müssen. Das ganze Land muß
mehr leisten. Und ich freue mich darauf, dorthin zu
reisen und dann dem Land einige Empfehlungen über
die zu treffenden Maßnahmen zu unterbreiten.
Frage: Die New York Times behauptet in ihrem
heutigen Leitartikel, daß die Ausgaben für Direkthilfe
an die Städte inflationsbereinigt seit 1981 um 60 Prozent zurückgegangen sind. Erstens, wie erklären Sie
diese Statistik den Menschen in Los Angeles, die Sie
bald treffen werden? Und zweitens, wenn viele von
ihnen im letzten Jahrzehnt einen drastischen Rückgang ihrer wirtschaftlichen Chancen erlebt haben,
dann werden sie sicherlich wissen wollen, ob die
jüngsten Ereignisse Sie davon überzeugt haben, Ihre
Strategien in bezug auf Bundeshilfen für die Städte zu
überdenken.
Antwort: Nun, erstens würde ich den Leitartikel der
New York Times gern selbst sehen. Ich habe den
Direktor des Haushaltsbüros (OMB) gebeten, mir die
Summen zu nennen, um die die Bundesausgaben
erhöht wurden, und sie wurden drastisch erhöht. Wir
werden vielleicht danach beurteilt, ob man Geld in
diese hoffnungslosen Projekte aus Ziegeln und Mörtel
stecken sollte, wie wir sie zum Beispiel in St. Louis
verkommen sahen und die jedermann der Menschenwürde berauben.
Wenn Sie ein solches Programm herausgreifen und
sagen, daß die Ausgaben gesunken sind, so haben Sie
Recht. Was wir versucht haben, war, sie auf unterschiedliche Weise zur Geltung zu bringen. Wir haben
es mit ungebundenen Zuschüssen versucht, die es
den einzelnen Gemeinden gestatten, es selbst besser
zu machen. Aber insgesamt kann ich Ihnen versichern, daß die Ausgaben gestiegen sind. Ich müßte
also genau sehen, wovon die New York Times da
spricht.
Wie lautete der zweite Teil Ihrer Frage?
Frage: Der zweite Teil lautete, daß viele Menschen in
Los Angeles im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich
erhebliche Einbußen ihrer wirtschaftlichen Chancen
AMERIKA DIENST 19

�hinnehmen mußten. Diese Menschen werden sicherlich wissen wollen, ob die jüngsten Ereignisse Sie
davon überzeugt haben, Ihre Strategien zur Vergabe
von Bundeshilfen an die Städte zu überdenken.

Ich werde alles tun, was die Bundesregierung vermag,
um die örtliche Polizei, die Bürgermeister, die Gouverneure bei ihren Hilfsanforderungen zur Bewahrung
des Friedens zu unterstützen. Das ist ein Punkt.

Antwort: Wir sollten sicherlich den Status quo der
Bundeshilfen an die Städte überdenken. Und das war
ein Gesichtspunkt, als wir den Menschen das HOPEProgramm zum Eigenheimerwerb (Home Ownership
for People Everywhere) oder die Einrichtung von
Gewerbezonen anboten, um Gewerbebetriebe in den
Gemeinden anzusiedeln. Wie ich bereits sagte, ist
dies meines Erachtens nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr eine Zeit, umzudenken und
zur Bewältigung der Probleme der Städte einige neue
Ideen auszuprobieren. Wir alle sind doch wohl der
Meinung, daß es nicht funktioniert hat. Es hat in den
vergangenen 10 Jahren nicht funktioniert, und dasselbe gilt auch für die vergangenen 30 Jahre.

Und dann der andere: Was sollen wir tun,, um die
Probleme zu lösen? Wie bringen wir Hoffnung dorthin,
wo Hoffnungslosigkeit herrschte? Meine Aufgabe
besteht nun darin, ein Paket von Antworten zu finden,
die diesen Menschen, von denen Sie sprechen, die
Chance geben, etwas Neues zu versuchen. Und da
bin ich nicht pessimistisch. Ich bin wirklich der Ansicht,
daß in unserem Land aus Verzweiflung oder Düsternis
manchmal echte Chancen erwachsen. Und deshalb
werde ich in diesem Sinne an das Problem herangehen, ohne Groll in meinem Herzen, und alles in unserer
Macht Stehende tun, um zu helfen.

Wir müssen also alles in unserer Macht Stehende tun.
Ich muß jedoch wegen meiner Besorgnis über das
erschreckende Defizit im Bundeshaushalt stets im
Auge behalten, wie viele Dollar in der Gemeinde zur
Geltung kommen können. Und das ist einer der
Gründe dafür, daß mir die Ausführungen Peter Ueberroths gefallen - worüber wir zu sprechen versucht
haben bei den Punkten des Lichts, Menschen, Nachbarn, die anderen Nachbarn helfen, bei ungebundenen
Zuschüssen und dem Abbau gesetzlich vorgeschriebener Programme.
Einer der Punkte, bei denen ich neben anderen mit den
Leitartikeln der New York Times nicht übereinstimme,
betrifft das Konzept vorgeschriebener Programme.
Wissen Sie, jeder Gouverneur kommt nach Washington und sagt, bitte schreiben Sie nicht noch mehr
Programme vor. Bitte verabschieden Sie keine Programme, die mir als Gouverneur oder meinen Bürgermeistern vorschreiben, wie sie das Geld auszugeben
haben. Wir haben also einen Vorschlag für einen
erheblichen ungebundenen Zuschuß, der seit einiger
Zeit im Kongreß anhängig ist, und vielleicht ist es jetzt
an der Zeit, sich zu besinnen und diesen aufzugreifen.
Ich würde ihnen also sagen: Ich bin mit dem Status quo
nicht zufrieden, und sicherlich sind auch Sie mit dem
Status quo unzufrieden, also laßt uns ein paar neue
Ideen ausprobieren. Laßt uns Veränderungen versuchen. Und dies ist nicht die Zeit für Demagogie oder
Schuldzuweisungen. Meines Erachtens ist es Zeit, die
Situation sensibel und vernünftig zu analysieren, zu
tun, was ich hier vorgeschlagen habe, also die Ressourcen des Bundes bei diesem Problem zur Geltung
zu bringen und dann zu sagen: Laßt uns eine neue
Seite aufschlagen und sehen, was gesunden wird.
Dabei sollten wir stets im Gedächtnis behalten, da ß wir
Gesetzlosigkeit und Gewalt nicht in Kauf nehmen
dürfen. Wir können dies also trennen.

AMERIKA DIENST 19

Und ich muß Ihnen sagen, daß ich über die Reaktion
des Gouverneurs und des Bürgermeisters auf die
Antwort der Bundesregierung hocherfreut bin. Es ist
nicht leicht, wenn man die Bundesregierung als Partner wünscht, denn man möchte verhindern, daß sie
eine dominierende Stellung einnimmt. Ich gehe davon
aus, daß wir bei der Beendigung der Gewalt richtig
gehandelt haben, und ich hoffe, wir werden auch bei
unserer Hilfe für die Menschen richtig handeln, die
ihrer dringend bedürfen.
Frage: Sie haben angedeutet, daß unser heutiges
Sozialhilfesystem einige grundlegende Schwächen hat
und diese mit der Krise in Los Angeles in Zusammenhang stehen. Welche präzisen Ideen haben Sie zur
Reform der Sozialhilfe, und wie werden diese sich auf
die Krise auswirken?
Antwort: Die beste Antwort zur Reform der Sozialhilfe
besteht darin, den Bundesstaaten mehr Spielraum für
Innovationen zu geben. Und genau dies haben wir
gerade im Staat Wisconsin getan. Wir haben andere
Staaten aufgefordert, ebenfalls Anträge zu stellen,
damit auch sie Innovationen einführen können.
Die Rolle des Bundes besteht also hauptsächlich
darin, den Staaten die erforderliche Flexibilität zu
geben. Meiner eigenen Philosophie liegt jedoch der
Gedanke zugrunde, Anreize zum Arbeiten und Anreize zum Lernen zu geben. Und bei diesem Programm
sollten wir wirklich Fortschritte machen, denn darin
liegt meines Erachtens die Antwort. Ich glaube nicht,
daß sich von Washington aus eine allgemeingültige
Sozialhilfegesetzgebung entwickeln läßt. Wir müssen
diese Haltung überwinden. Und gerade in einem
Wahljahr ist es schwierig, wenn man all die Versprechen großartiger Pläne hört, die nur zu Mehrausgaben
des Bundes führen.
Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, daß die zentralisierten Antworten des Bundes funktionieren, und ich
glaube nicht, daß sie von den Menschen unterstützt

Seite 3

�werden sollten, die in der Zukunft darunter zu leiden
hätten. Bei der Sozialhilfe versuchen wir es also mit
diesem breiteren, dezentralisierten Ansatz, dem die
Philosophie zugrundeliegt, die ich Ihnen gerade erläu-

tert habe. Ich glaube, er wird beim amerikanischen
Volk auf positive Resonanz stoßen, und ich wünsche
denjenigen in Wisconsin, die gerade auf dieser Grundläge zu arbeiten beginnen, Erfolg mit diesem Ansatz.

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Seite 4

AMERIKA DIENST 19

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
13. Mai 1992

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen gegen Freispruch
WASHINGTON - (AD) - Einer am 6. Mai 1992 veröffentlichten Meinungsumfrage der Los Angeles Times
zufolge und laut nationalen Erhebungen, die nach dem
Urteil im Rodney-King-Prozeß durchgeführt wurden,
lehnt eine klare Mehrheit weißer und schwarzer Amerikaner den Beschlu ß der Geschworenen eindeutig ab,
die weißen Polizisten vom Vorwurf der schweren
Mißhandlung freizusprechen. Die Mehrheit für die
Kritiker war jedoch bei Weißen geringer als bei Schwarzen.
In nach dem Urteilsspruch durchgeführten getrennten
Umfragen erklärten über 90 Prozent der Afro-Amerikaner und über 60 Prozent der weißen Amerikaner, sie
lehnten den Geschworenenspruch ab. Eine Mehrheit
der Weißen und Schwarzen meinte ferner, das USJustizministerium solle die weißen Polizisten wegen
Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King anklagen.
Den amerikanischen Gesetzen zufolge ist dies eine
getrennte Anklage, die vom Bund erhoben wird. Die
Polizeibeamten würden nicht erneut der Mißhandlung
von Rodney King angeklagt, da diese Beschuldigung
bereits von dem kalifornischen Gerichtshof behandelt
wurde. Statt dessen würde vor einem Bundesgericht
Anklage wegen der Verletzung von Rodney Kings
Bürgerrechten erhoben. Einer der Polizeibeamten
könnte erneut wegen eines Anklagepunkts belangt
werden, bei dem sich die Geschworenen des kalitonischen Gerichts nicht einigen konnten.

2. Gallup/Newsweek: "Glauben Sie aufgrund dessen,
was Sie über den Mißhandlungsfall Rodney King wissen, daß der Freispruch der weißen Polizisten gerechtfertigt war oder nicht?"
Weiße Schwarze
Ungerechtfertigt

73%

92%

Gerechtfertigt

12%

4%

Keine Meinung

15%

4%

3. ABC/Washington Post: "Meinen Sie aufgrund
dessen, was Sie wissen, daß man die Polizisten im Fall
Rodney King eines Verbrechens schuldig hätte sprechen sollen, oder wissen Sie nicht genug, um das zu
sagen?"
Weiße

Schwarze

64%

92%

Unschuldig

5%

1%

Weiß nicht

31%

7%

Schuldig

Neue Anklage
1. Gallup/Newsweek: "Die Bundesregierung könnte
den Bürgerrechten zufolge weitere Schritte gegen die
an dem Fall beteiligten Polizisten unternehmen. Würden
Sie solche Schritte begrüßen?"
Weiße Schwarze

Nachfolgend die Resultate nationaler Meinungsumfragen im einzelnen:

Ja

77%

91%

Das Urteil

Nein

17%

6%

1. Time-CNN/Yankelovich: "Wie hätten Sie abgestimmt, wenn Sie Mitglied der Jury gewesen wären?"

Keine Meinung

6%

3%

Weiße Schwarze
Schuldig

62%

92%

4%

2%

34%

6%

Nicht schuldig
Unsicher

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�2. ABC/Washington Post: "Meinen Sie, das USJustizministerium sollte diese Polizeibeamten wegen
der Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King
belangen oder nicht?"
Weiße Schwarze
Sollte belangen

63%

97%

Sollte nicht

17%

1%

Weiß nicht

20%

2%

Die nationalen Daten ähneln denen, die sich in der
Meinungsumfrage der Los Angeles Times für das
Gebiet von Los Angeles ergaben. Die Zeitung berichtete am 6. Mai 1992, daß 7 1 % der Bewohner von Los
Angeles den Urteilsspruch ablehnten - 58% der Weißen und 93% der Schwarzen. Nahezu drei Viertel
gaben an, zu der Jury von Skni Valley hätten auch
Schwarze gehören sollen. Rund 90% der Befragten
begrüßten die Entscheidung des US-Justizministeriums zu ermitteln, ob die Polizisten die Bürgerrechte
Rodney Kings verletzt haben.

* * * * *

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�UMWELT
13. Mai 1992

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten
NEW YORK - (AD) - Unterhändler aus über 140
Staaten haben am 9. Mai 1992 eine Konvention über
Klimaveränderungen verabschiedet, die ein Programm
zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen umta ßt und die Industriestaaten verptlichtet, den Entwicklungsländern bei der Erarbeitung von Plänen tür
umweltverträgliches Wirtschaftswachstum zu helfen.
Dem Stellvertretenden Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Robert Reinstein, zufolge spiegelt die
Konvention "grundsätzlich wider, wo wir heute wissenschaftlich, technisch, wirtschaftlich und politisch stehen. Es ist der richtige Start für langfristige Bemühungen. Meines Erachtens werden wir diese Fragen
besser verstehen, wenn wir diesen Weg weiterverfolgen."
Der Text der Konvention, der im Rahmen der UNKonferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro im Juni zur Unterzeichnung ansteht, wurde am
Ende eines 10tägigen Sitzungsmarathons aufgrund
einer Konsensentscheidung verabschiedet und mit
starkem Applaus begrüßt. Die New Yorker Konferenz
hatte versucht eine Formel zu entwickeln, die trotz der
unterschiedlichen Interessen von Industriestaaten und
Entwicklungsländern für alle annehmbar ist.
Binnen Minuten nach der Verabschiedung bezeichnete Malaysia den Text als "grundsätzlich fehlerhaft" und
erklärte, es könne sich an keinen Maßnahmen beteiligen, die aus dieser Konferenz resultierten. Dagegen
bot Deutschland an, das erste Treffen der Vertragsparteien auszurichten.
Der amerikanische Chefunterhändler Reinstein geht
davon aus, daß die Konvention ein effektives Mittel
darstellt, um das Problem der Erderwärmung zu behandeln.
"Es ist ein äußerst ausgewogenes Paket", erklärte er.
"Es spiegelt nicht den Konsens aller Parteien wider,
das wissen wir alle, aber es stellt einen hervorragenden Versuch dar, die verschiedenen Ansichten gegeneinander abzuwägen."

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"Grundsätzlich handelt es sich um eine prozeßorientierte Konvention", stellte Reinstein fest. "Diese Konvention umreißt ein Programm, demzufolge die Länder
Berichte darüber vorlegen, was sie tun, um die Klimaveränderungen in den Griff zu bekommen - entweder
durch Reduzierung der Nettoemissionen oder durch
Anpassung ... Sie sieht Überprüfungen und Bewertung dieser Bemühungen durch die anderen Länder
vor."
Das Ziel des Abkommens ist die Stabilisierung der
Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das gefährliche künstliche
Eingriffe in das Klimasystem verhindern würde. Dieses Niveau sollte "innerhalb eines Zeitrahmens erreicht werden, der so gesteckt ist, daß er den Ökosystemen die natürliche Anpassung an die Klimaveränderungen gestattet, um sicherzustellen, daß die Nahrungsmittelproduktion nicht gefährdet ist und zu gewährleisten, daß wirtschaftliche Entwicklung in umweltverträglicher Weise voranschreitet", so der Text.
Die Industriestaaten werden verpflichtet, bei der
Modifizierung künstlich produzierter Emissionen von
Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen die Führungsrolle zu übernehmen. Dabei wird anerkannt, daß
ein Einfrieren dieser Emissionen auf dem Stand von
1990 zur Stabilisierung beitragen würde.
Die Konvention stellte ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Industriestaaten, Ländern der dritten
Welt und Ländern her, deren Volkswirtschaften sich im
Übergang befinden, wie etwa in Osteuropa. Verschiedene Interessengruppen hatten versucht, auf die
Unterhändler Einfluß zu nehmen, darunter Umweltschützer, die einen schärferen Vertrag mit Obergrenzen für Emissionen wollten sowie einige Industriebranchen, die am liebsten gar keinen Vertrag gehabt hätten.
Der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, Jean
Ripert, erklärte, die Konvention sei "ein Schritt, nur ein
Schritt, aber ein entscheidender". Er erkannte an, daß
die Konvention Umweltschützer mit "einer Vision",

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�nicht befriedigen werden, die eine Beschleunigung des
Prozesses wünschten. Er argumentierte jedoch, daß
"über 100 Regierungen eine konkrete Zusammenarbeit ... einleiten werden, nicht nur durch Unterzeichnung und Verabschiedung von Erklärungen, sondern
durch Beteiligung an einem Aktionsprozeß".
Auf Fragen über die Sprachregelung der Konvention,
die der Frage von Emissionszielen für das Jahr 2000
ausweicht, antwortete Ripert, der Text weise "konstruktive Mehrdeutigkeiten" auf, die komplexe wissenschaftliche Phänomene, wirtschaftliche Erwägungen,
unterschiedliche Bedingungen und nationale Empfindlichkeiten berücksichtigten.
"Das Ziel sind nicht Richtwerte", erklärte er. "Letztlich
ist wichtig, daß nicht nur Europäer und Amerikaner,
sondern auch die Japaner und andere in die gleiche
Richtung blicken."
Reinstein zufolge betrachten die Vereinigten Staaten
die Erwähnung der Emissionswerte von 1990 als die
Art von Bezugsgröße, die erforderlich ist, "wenn man
aktiv werden, nationale Maßnahmen ergreifen und
entsprechende Schritte unternehmen will".
Die Zahl von 1990 wird benutzt werden um festzustellen, "ob wir im Vergleich zu dieser Bezugsgröße Fortschritte gemacht haben. Es handelt sich nicht um eine
rechtliche Verpflichtung, genau zu diesem Niveau
zurückzukehren", stellte er fest.
Reinstein nannte die Konvention "ein Paket (mit) einer
Interdependenz aller Elemente", das "dem Rest der
Welt die Botschaft übermittelt, daß wir ... bei der
Bewältigung des Klimawandels zu Fortschritten bereit
sind".
"Es ist einem Kartenhaus vergleichbar", erklärte er.
"Wir haben es geschafft, es aus individuellen nationalen Positionen zusammenzusetzen, die ziemlich verschieden waren. Trotz der Differenzen, mit denen wir
hier anreisten, haben wir ein bemerkenswertes Maß
an Übereinstimmung zu der Art von Kompromiß erreicht, der aus den Verhandlungen hervorgehen kann."
Reinstein wies Behauptungen zurück, daß die Konvention mit den amerikanischen Forderungen übereinstimme.
"Wir sind einige Kompromisse eingegangen", stellte er
fest. "Der Text... beinhaltet Kompromisse der Vereinigten Staaten ebenso wie seitens der meisten anderen Länder. Der Text wird kaum der Position irgendeines Landes entsprechen. Die Länder kamen mit einer
Vielzahl von Positionen zu einer Vielzahl von Aspekten
an den Verhandlungstisch ... Wir haben versucht, ein
Gleichgewicht bei den Emissionszusagen, den Finanzierungszusagen, der Berichterstattung, Überprüfung
und so weiter zu finden."

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Eine der wichtigsten Stärken des Vertrags ist der
Folgeprozeß, der systematische Überprüfungen sowie einen Dialog zwischen Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und Wirtschaft vorsieht.
Der Exekutivsekretär des Verhandiungskomitees,
Michael Zammit Cutajar, erklärte, der Vertrag sei "ein
Kompromiß, der breite Beteiligung an dem eingeleiteten Prozeß gestartet, und Beteiligung ist das Wesentliche. Meines Erachtens werden so alle wichtigen
Parteien einbezogen."
Die Konvention sieht ein Leitungsgremium sowie einen langfristigen Prozeß zur ständigen Überprüfung
von Maßnahmen und die Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Daten vor. Die erste Konferenz würde
sechs Monate nach Inkrafttreten des Vertrags veranstaltet. (Der Vertrag tritt drei Monate nach seiner
Ratifizierung durch mindestens 50 Staaten in Kraft.)
Eine zweite offizielle Konferenz würde demnach im
Jahr 1998 stattfinden, um die von den einzelnen Ländern erzielten Fortschritte zu erörtern. Sie würde
darüber hinaus eine Gelegenheit bieten festzustellen,
welche weiteren Beschlüsse oder Vereinbarungen
angesichts des größeren technischen Verständnisses
der Klimaveränderungen und der wirtschaftlichen Folgen
von Reaktionen darauf erforderlich sein könnten.
Obwohl keine spezifische Summe für die Hilfe an
Entwicklungsländer festgesetzt wird, verpflichtet der
Vertrag die Industriestaaten dazu, die Entwicklungsländer bei der Überprüfung ihrer Lage, Entwicklung
von Plänen und Durchführung von Maßnahmen zu
unterstützen, die bei der weltweiten Reaktion auf die
Klimaveränderungen hilfreich wären. In der Februarrunde der Verhandlungen über den Vertrag sagten die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar zu, um den
Ländern bei der Erstellung nationaler Berichte zu
helfen sowie weitere 50 Millionen Dollar für die globale
Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UN-Entwicklungsprogramm und UN-Umweltprogramm.
Die Delegierten waren außerstande, in der vor Rio zur
Verfügung stehenden Zeit die Differenzen darüber
auszuräumen, wie die Industriestaaten langfristig finanzielle und technische Hilfe leisten sollen. Die
vorgeschlagene Konvention sieht vor, die Einzelheiten
bei der ersten Konferenz der Vertragsparteien auszuarbeiten. In der Zwischenzeit wird die Finanzierung
durch die GEF erfolgen. Die Industriestaaten können
ferner auf bilateraler oder regionaler Basis sowie durch
andere multilaterale Kanäle Hilfe bereitstellen.
Darüber hinaus wurde eine Resolution für die im
September beginnende 47. Sitzungsperiode der
Generalversammlung erarbeitet. Sie würde ein Adhoc-Sekretariat ins Leben rufen, das vor Inkrafttreten
des Vertrags die Arbeit aufnehmen soll. Das Sekreta-

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�riat würde sich mit den Durchführungsverfahren, den
Mitteln für die Einbeziehung wissenschaftlicher Daten
und anderen Aufgaben beschäftigen, die der ersten
Konferenz der Vertragsparteien die Arbeitsaufnahme
erleichtern würden.
Diese Übergangsmechanismen sind Reinstein zufolge notwendig, da "es für die bereits zugesagten Gelder
sonst keine Möglichkeit gibt ... unmittelbar in den
Entwicklungsländern wirksam zu werden. Ansonsten
müßten wir vielleicht drei, vier oder sechs Jahre warten."
Bei einer Pressekonferenz zum Ende der Verhandlungen wies Reinstein ferner Anschuldigungen zurück,
die Vereinigten Staaten hätten die Führungsrolle beim
Umweltschutz abgegeben, die sie 1972 innehatten.
"Wir haben immer noch den Idealismus, der zur ersten
Umweltkonferenz in Stockholm führte", erklärte er.
"Aber heute besitzen wir 20 Jahre Erfahrung und die
Erkenntnis, daß Umwelt kein abstraktes Ideal an und
für sich ist, sondern ein integraler Bestandteil der
gesamten menschlichen Erfahrung in Zusammenarbeit mit unserem Zuhause, der Erde und all den
anderen Geschöpfen, mit denen wir sie teilen."

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AMERIKA DIENST 19

*

Reinstein zufolge geht es bei der bevorstehenden
Konferenz in Rio de Janeiro "nicht nur um die Umwelt,
sondern darum, wie wir unsere Umweltideale mit all
den anderen Aspekten in Einklang bringen, mit denen
wir uns hier auseinandersetzen müssen - das heißt
Wirtschaft, Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft,
Armut, wirtschaftliche Entwicklung".
"Was die Vereinigten Staaten nach Rio mitbringen, ist
eine beachtliche Erfahrung bei dem Versuch, diese
Integration in den Vereinigten Staaten durchzuführen
und der Erkenntnis, daß es nicht immer so einfach ist,
sich für ein umweltpolitisches Ziel einzusetzen ohne zu
berücksichtigen, daß es in das Gesamtbild von Gehaltsschecks und Essen auf dem Tisch eingeordnet
werden muß", erklärte er.
Reinstein mahnte die Reporter, die amerikanische
Haltung nicht als sorglos zu interpretieren: "Meines
Erachtens sehen die Leute einen gewissen Pragmatismus, der mit Verschleppungstaktik verwechselt wird."
Reinstein fügte hinzu: "Wir müssen in die Zukunft
blicken. Wir haben hier etwas für die Zukunft geschaffen, für künftige Generationen, das viele Möglichkeiten
zur Partnerschaft zwischen allen Staaten bietet."

*

*

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�WAHLEN

'9 2
13. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delgierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (7. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai in North Carolina, Indiana und District of Columbia.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.1 45)

Indiana

Clinton

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

1.665

Nicht gebunden

627

Clinton

63

Tsongas

526

Brown

21

Brown

349

Tsongas

12

Republikaner (zui' Nominierung erforderlich: 1 .105)

Sonstige

4

Bush

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

80

Buchanan

20

1.211
68

Buchanan
Nicht gebunden

8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai

District of Columbia

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 5.
Mai erhalten hat.

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

North Carolina

Brown

7

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Tsongas

10

Clinton

64

Unentschieden

Brown

10

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

9

Tsongas

8

Bush

81

Sonstige

3

Buchanan

19

Unentschieden
Republikaner

15
Prozentsatz der Stimmen

Bush

70

Buchanan

10

Unentschieden

20

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