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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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übwry Services
Deichmanns Aue 2y

18

5300 Bonn 2

6. Mai 1992

USA-DEUTSCHLAND

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen

UMWELT

WELTWEITE KLIMAVERANDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

US-WELTROLLE

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM
ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige
Anliegen der Zukunft

MINDERHEITEN

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen

WAHLEN *92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
6. Mai 1992

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush beim Empfang von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Genscher im Weißen Haus am 29. April 1992 gehaltene
Begrü ßungsansprache.

Herr Präsident von Weizsäcker, Frau von Weizsäcker,
Herr Außenminister Genscher, Frau Genscher, verehrte Mitglieder der deutschen Delegation. Im Namen
des amerikanischen Volkes möchte ich Sie in den
Vereinigten Staaten und in Washington an diesem
schönen Frühlingstag sehr herzlich willkommen heißen. Meine Frau und ich hoffen, Sie werden einen
konstruktiven und angenehmen Aufenthalt verleben,
und wir freuen uns besonders, daß Sie einige Tage in
unserer Heimatstadt Houston in Texas verbringen
werden.
Herr Präsident, Ihre Anwesenheit ist eine zweifache
Ehre für uns. Es ist nicht nur Ihr erster Staatsbesuch
in unserem Land, sondern meines Wissens auch Ihr
erster Staatsbesuch überhaupt nach der triumphalen
Vereinigung vor eineinhalb Jahren. Ihre Anwesenheit
steht als Symbol für die dauerhaften Bande, die zwischen unseren Ländern und unseren Völkern bestehen. Durch die Zusammenarbeit im kalten Krieg und
der Zeit danach sind die deutsch-amerikanischen
Jeziehungen noch enger geworden und haben unsere
Völker einander noch näher gebracht.
Sie kommen zu einem historischen Zeitpunkt für unsere beiden Länder und in der Tat die ganze Welt. Zu
einem ebenso historischen Zeitpunkt vor 45 Jahren
erklärten einige in den Vereinigten Staaten, wir sollten
uns nach innen wenden und unseren besiegten Gegnern den Rücken kehren. Das haben wir nicht getan.
Statt dessen haben wir uns dem Erfolg der Demokratie
verpflichtet - Europa, Deutschland und seiner aufstrebenden Demokratie geholfen. Es war eine kluge
Entscheidung, uns für eine kontinuierliche globale
Führungsrolle zu engagieren und in die deutsche
Demokratie zu investieren.

AMERIKA DIENST 18

Heute trägt diese Entscheidung Früchte: ein vereinigtes Deutschland, ein Modell der Demokratie für die
ganze Welt und zweifelsohne ein verläßlicher Freund
und Partner für die Vereinigten Staaten von Amerika.
Heute sehen sich Deutschland und die Vereinigten
Staaten mit einer ähnlichen Entscheidung konfrontiert,
da die Völker Rußlands und der anderen neuen Staaten dem Beispiel der Länder Mittel- und Osteuropas
beim Aufbau von Demokratie und Freiheit in freien
Märkten folgen wollen. Als Partner engagieren sich
Deutschland und die Vereinigten Staaten für die Unterstützung derjenigen, die mit dem Erbe eines besiegten
kommunistischen Systems und Investitionen in ihre
demokratische Zukunft kämpfen.
Diejenigen, die fragen, ob dies der richtige Kurs sei,
müssen nur auf das vereinigte Deutschland blicken einst unser Gegner, jetzt unser enger Freund und
Partner in der Führung.
Herr Präsident, vor drei Jahren habe ich Bundeskanzler Kohl bei einem Besuch Ihrer schönen Stadt Mainz
in Rheinland-Pfalz begleitet und dort darüber gesprochen, wie wir gemeinsam ein ungeteiltes und freies
Europa aufbauen können, in Frieden mit sich selbst,
denn dauerhafte Sicherheit wird nicht durch Panzer.
Truppen oder Stacheldraht geschaffen, sondern gründet sich auf gemeinsame Werte und Abkommen, die
freie Menschen binden. Das habe ich in Mainz geglaubt und bin davon heute ebenso fest überzeugt.
Das vereinigte Deutschland ist der entscheidende
Partner der Vereinigten Staaten bei der Förderung von
Demokratie und Wirtschaftsreformen in Osteuropa
und der ehemaligen Sowjetunion. Sie sind unser
Partner beim Aufbau eines geeinteren und kooperativeren Europas, und in diesem Geiste begrü ßen wir das

Seite 1

�deutsche Engagement für internationale Angelegenheiten uneingeschränkt. Enge deutsch-amerikanische Zusammenarbeit steht voll und ganz im Einklang
mit der Entwicklung eines geeinteren Europas - ein
Ziel, das die Vereinigten Staaten über die Jahre hinweg ebenso kontinuierlich und unmißverständlich
unterstützt haben wie ein vereinigtes Deutschland.
Während unsere Welt auf das nächste Jahrhundert
blickt, möchte ich in diesem Augenblick so deutlich wie
möglich feststellen: Die Vereinigten Staaten sind fest
entschlossen, weiterhin eine Führungsrolle in der Welt
einzunehmen. Wir werden eine aktive Rolle bei der
Bewahrung von Frieden, Sicherheit und Wohlstand in
Europa und in unserer transatlantischen Gemeinschaft
spielen. Wir müssen zusammenarbeiten, um Schwierigkeiten zu überwinden, Hindernisse für freien und
fairen Handel abzubauen und bei den GATT-Verhandlungen Abkommen zu erzielen, die allen Nationen
einen neuen Wohlstand sichern.

Herr Präsident, Sie haben hierbei eine lebenswichtige
Rolle gespielt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zur Aussöhnung ehemaliger Gegner, zur
Überwindung der Gegensätze der Vergangenheit und
Heilung der Wunden von Teilung und Auseinandersetzungen beizutragen. In einer Zeit der Unruhen und des
raschen Wandels haben Sie Ihren Mitbürgern moralische Führungskraft vorgelebt. Und Sie haben ihnen
geholfen, die Hand in Hand gehenden Katastrophen
der Diktatur und Teilung zu bewältigen, die Deutschland in diesem Jahrhundert heimsuchten. Und heute
lebt diese deutsche Nation im Frieden mit sich selbst
und ist Demokratie sowie Menschenrechten unerschütterlich verpflichtet.
Herr Präsident, möge Gott unsere beiden großen
Nationen und die dauerhafte Freundschaft schützen,
die das deutsche und amerikanische Volk verbindet.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mai 1992

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Verweis auf die "dringende Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung"
in Los Angeles gab Präsident Bush am 1. Mai 1992 bekannt, daß er die kalifornische Nationalgarde der
Bundesregierung unterstellen und mehr Truppen zur Bekämpfung der Unruhen entsenden werde.
!n einer kurzen, landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte der Präsident, die Gewalt in der zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten "muß beendet werden", und er sei zur Wiederherstellung der Ordnung "zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte" entschlossen.
Bei den Ausschreitungen wurden mindestens 44 Personen getötet, und nachdem die Geschworenen am 29.
April 1992 vier wei ße Polizisten von der Anklage übermäßiger Gewaltanwendung bei der Verhaftung von Rodney
King, einem Schwarzen, im März 1991 freigesprochen hatte, uferten Plünderungen und Brandstiftung in Los
Angeles aus. Am 1. Mai hatte Bush bereits 1.000 Bundespolizisten und 4.000 Soldaten zum Schauplatz der
Ausschreitungen in die Stadt entsandt, um die Ordnung wiederherzustellen.
Dem Präsidenten zufolge geht es bei den Ereignissen in Los Angeles "nicht um Bürgerrechte", sondern "schlicht
und einfach um die Brutalität des Mobs". Es gibt keine Entschuldigung für "willkürliche Gewalt", wie dort
angewendet, so der Präsident.
Indem er eine Bilanz des Vorgehens der Bundesbehörden zog, erklärte der Präsident, das Justizministerium
habe die Untersuchung möglicher Bürgerrechtsverletzungen beschleunigt, als der Freispruch verkündet wurde.
Er versprach, das Justizministerium und andere Bundesbehörden würden "rasch und fair" vorgehen und sich von
"Rechtsstaatlichkeit leiten lassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Heute abend möchte ich zu Ihnen über die Gewalt in
unseren Städten und Gerechtigkeit für unsere Bürger
sprechen - zwei Themenkomplexe, um die es in den
Straßen von Los Angeles zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Erstens möchte ich eine Bilanz der
Ereignisse in Los Angeles ziehen.
Vor 15 Minuten habe ich mit dem Gouverneur von
Kalifornien, Pete Wilson, und dem Bürgermeister von
Los Angeles, Tom Bradley, gesprochen. Sie sagten
mir, die vergangene Nacht sei ruhiger als die vorige,
und heute sei es friedlicher als gestern gewesen.
Heute nachmittag gab es jedoch noch immer Zwischenfälle willkürlicher Gewalt und Gesetzlosigkeit.
Nach der ersten Nacht der Gewalt habe ich persönlich
mit Gouverneur Wilson und Bürgermeister Bradley
gesprochen, um eine Einschätzung der Lage vorzunehmen und Hilfe anzubieten. Wir sehen uns mit zwei
AMERIKA DIENST 18

sehr unterschiedlichen Problemen konfrontiert: zum
einen der dringenden Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung. Was gestern im Anschluß an
den Urteilsspruch der Geschworenen im Fall Rodney
King geschah, war eine tragische Serie von Ereignissen für die Stadt Los Angeles. Fast 4.000 Brände,
Beschädigung von Eigentum, Hunderte von Verletzten
und der sinnlose Tod von mindestens 30 Menschen.
Um jetzt sofort die Ordnung wiederherzustellen, sind in
der Stadt Los Angeles 3.000 Angehörige der Nationalgarde im Einsatz. Weitere 2.200 stehen zur unmittelbaren Unterstützung bereit. Als Ergänzung dieser
Bestrebungen habe ich weitere Maßnahmen ergriffen.
Erstens habe ich heute morgen das Justizministerium
angewiesen, 1.000 kampferprobte Bundespolizisten
zu entsenden, um noch heute abend die Ordnung in
Los Angeles wiederherzustellen. Zu diesen Beamten
zählen Teams des FBI, besondere Einheiten des U.S.Seite 1

�Marshall's Service zur Kontrolle von Aufständen, der
Grenzschutz und andere Polizeibehörden des Bundes. Zweitens stehen weitere 1.000 Bundespolizisten
in Alarmbereitschaft, falls ihr Einsatz erforderlich wird.
Drittens habe ich heute morgen 3.000 Angehörige der
7. Infanteriedivisionen und 1.500 Marineinfanteristen
am Flughafen El Toro in Kalifornien in Bereitschaft
versetzt.
Auf Bitten des Gouverneurs und des Bürgermeisters
habe ich diese Truppen heute abend zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt. Ferner habe ich die
Nationalgarde der Bundesregierung unterstellt und
General Colin Powell angewiesen, all diese Truppen
einem Zentralkommando unterzuordnen.
Was wir in der vergangenen Nacht und den Nächten
davor in Los Angeles erlebt haben, ging nicht um
Bürgerrechte. Es ging nicht um die große Sache der
Gleichheit, für die alle Amerikaner eintreten müssen.
Es ist keine Protestbotschaft. Es ging schlicht und
einfach um die Brutalität des Mobs. Seien Sie versichert: zur Wiederherstellung der Ordnung bin ich zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte entschlossen.
Was in Los Angeles geschieht, muß - und wird - ein
Ende haben. Als Ihr Präsident garantiere ich Ihnen,
daß diese Gewalt beendet wird.
Und jetzt möchte ich über die Mißhandlungen an
Rodney King sprechen. Denn hinter der dringenden
Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung steht
ein zweites Problem: die Frage der Gerechtigkeit. Ob
Rodney Kings Bürgerrechte verletzt wurden. Was Sie
und ich im Fernsehen gesehen haben, war abstoßend.
Ich fühlte den Ärger in mir hochsteigen. Ich fühlte
Schmerz. Ich dachte: Wie kann ich das meinen
Enkelkindern erklären?
Bürgerrechtler und einfache Bürger in Angst vor und
manchmal Opfer der Brutalität der Polizei waren zutiefst verletzt. Und ich weiß, gute und anständige
Polizisten waren ebenso abgestoßen.
Heute morgen habe ich mit zahlreichen Vertretern der
Bürgerrechtsbewegung gesprochen. Wie wir alle haben
auch sie das Video gesehen. 14 Monate lang haben
sie geduldig und voller Hoffnung gewartet. Sie haben
darauf gewartet, daß das System funktioniert. Und als
das Urteil verkündet wurde, fühlten sie sich betrogen.
Als Außenstehender war es schwer verständlich, wie
das Urteil in Einklang mit dem Video gebracht werden
konnte.
Diese Bürgerrechtler, die ich traf, waren sprachlos.
Meine Frau, meine Kinder und ich waren ebenso
sprachlos.
Aber das Urteil vom Mittwoch war nicht das Ende des
Prozesses. Das Justizministerium hat unmittelbar
nach dem Zwischenfall mit Rodney King selbst Ermitt-

Seite 2

lungen in die Wege geleitet und die Untersuchung
sowie das Verfahren in dem Bundesstaat überwacht.
Ich möchte Ihnen nun über die auf Bundesebene ergriffenen Maßnahmen berichten, um sicherzustellen,
daß der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Binnen einer Stunde nach der Urteilsverkündung habe
ich das Justizministerium angewiesen, seinen eigene
unabhängigen Ermittlungen des Falls zu beschleunigen. Als nächstes waren am Donnerstag fünf Bundesanwälte auf dem Weg nach Los Angeles. Unser
Justizministerium hat immer wieder seine Fähigkeit
unter Beweis gestellt, in einer Angelegenheit wie dieser umfassend zu ermitteln.
Seit 1988 hat das Justizministerium über 100 Polizisten für übermäßige Gewalt belangt. Ich bin zuversichtlich, daß das Justizministerium in diesem Fall
handeln wird wie es sollte. In Los Angeles wird heute
ein Bundesgeschworenengericht einberufen. Vorladungen werden ausgestellt. Beweise werden überprüft. Die Bestrebungen der Bundesbehörden in diesem Fall werden rasch und fair sein. Sie lassen sich
nicht von der Gewalt des Mobs, sondern der Wahrung
des richtigen Verfahrens und der Rechtsstaatlichkeit
leiten.
Wir sind dies allen Amerikanern schuldig, die ihr Vertrauen in das Gesetz setzen, damit der Gerechtigkeit
Genüge getan wird. Aber während wir diesen oder
irgendeinen anderen Fall verfolgen, müssen wir uns
einen Grundsatz unseres Rechtssystems vor Augen
führen. Jedem Amerikaner - ob Angeklagtem oder
Ankläger - steht die Wahrung seiner Rechte zu.
In diesem höchst kontroversen Fall wurde von kalifornischen Geschworenen Amerikanern aller Rassen ein
Gerichtsurteil verkündet, die von diesem Urteil schokkiert waren. Ihnen möchte ich sagen: Sie müssen
verstehen, daß unser Rechtssystem friedliche, ordentliche Mittel zur Behebung dieser Frustration vorsieht.
Wir müssen das Gerichtsverfahren respektieren gleichgültig, ob wir dem Ergebnis zustimmen oder
nicht. Es gibt einen Unterschied zwischen Frustration
über das Gesetz und direkten Angriffen auf unser
Rechtssystem.
In einer zivilisierten Gesellschaft kann es absolut keine
Entschuldigung für Mord, Brandstiftung, Diebstahl und
Vandalismus geben, mit denen die gesetzestreuen
Bürger von Los Angeles terrorisiert wurden. Vor nur
wenigen Minuten äußerte Bürgermeister Bradley mir
gegenüber besondere Sorge bezüglich der Sicherheit
der koreanischen Gemeinde. Ich fühle mit ihnen und
all den anderen, die Verluste erlitten haben.
Die mutwillige Vernichtung von Leben und Eigentum
ist kein legitimer Ausdruck für Ungeheuerlichkeiten im
Rechtssystem - sie selbst ist ungerecht. Und keine
rationalen Argumente, gleichgültig, wie tief empfunden
oder eloquent, können dies bemänteln.

AMERIKA DIENST 36

�Das Fernsehen ist ein Mediun geworden, das uns
häufig zusammenführt. Aber die lebhafte Darstellung
der Mißhandlungen an Rodney King hat uns schokkiert. Und das Amerika, das es uns in diesen letzten 48
Stunden auf den Bildschirmen gezeigt hat, stieß uns
ab. Dies ist nicht das Bild von Amerika, das wir uns
vorstellen. Es ist, als ob wir in einen Spiegel blickten,
der unser Alter ego verzerrt und häßlich erscheinen
läßt. Das dürfen wir nicht zulassen. Das können wir
uns nicht antun.
In den letzten 48 Stunden haben wir Bilder gesehen,
die wir niemals vergessen werden. Einige davon
waren unglaublich erschreckend. Aber es gab auch
andere Taten - kleine aber entscheidende Taten in all
dieser Häßlichkeit - die uns Hoffnung machen. Ich bin
jemand, dar unsere Polizisten respektiert. Sie bewahren der, Frieden. Sie sehen sich jeden Tag Gefahren
ausgesetzt. Sie helfen Kindern. Sie verdienen nicht
sehr viel - aber sie kümmern sich um ihre Gemeinden
und ihr Land. Tausende von Polizisten und Feuerwehrleuten riskieren gerade jetzt ihr Leben in den
Straßen von L.A., und sie verdienen unsere Unterstützung.
Und dann gibt es die Menschen, die jede Nacht nicht
in den Straßen, sondern in den Kirchen von Los
Angeles verbracht haben - betend, daß die sanfteren
Instinkte in den von Haß getriebenen Menschen zum
Vorschein kommen.
Und schließlich gab es die Bürger, die große persönliche Verantwortung bewiesen, den Mob ignoriert und
in großer persönlicher Gefahr den Opfern der Gewalt
geholfen haben - unabhängig von ihrer Rasse.
Von den vielen Geschichten, die ich in den vergangenen Tagen gehört und erlebt habe, bleibt mir eine im
Gedächtnis haften - die Geschichte eines brutal geschlagenen weißen Lastwagenfahrers - der heute
abend noch am Leben ist, weil vier Fremde, vier
schwarze Fremde, ihm zu Hilfe kamen. Zwei davon
waren Männer, die den Vorfall im Fernsehen sahen
und auf die Straße eilten, um zu helfen. Die andere war
sine Frau auf dem Heimweg von der Arbeit - und der
vierte ein junger Mann, dessen Namen wir vielleicht
niemals erfahren. Dem verletzten Fahrer gelang es,
sich hinter das Steuer seines Lastwagens zu setzen
und er versuchte, fortzufahren. Aber seine Augen
waren zugeschwollen. Die Frau fragte ihn, ob er sehen

*

AMERIKA DIENST 18

könne. Er antwortete mit Nein. Sie sagte: "Gut, dann
werde ich Dir meine Augen leihen."
Zusammen trotzten diese vier Menschen dem Mob
und fuhren den Lastwagenfahrer ins Krankenhaus.
Heute ist er am Leben - nur weil sie ihm zu Hilfe eilten.
Für jeden einzelnen von ihnen müssen wir die Gemeinde von Los Angeles wiederaufbauen - für diese vier
Menschen und andere wie sie, die inmitten dieses
Alptraums mit menschlichem Anstand handelten.
Wir müssen verstehen, daß niemand in Los Angeles
oder irgendeiner anderen Stadt ein Urteil über Amerika
gesprochen hat. Wenn wir die pulsierendste und
hoffnungsvollste Nation der Welt bleiben wollen, müssen
wir gestatten, daß unsere Vielfalt uns einander näherbringt und uns nicht voneinander entfernt. Dies muß
der Schlachtruf guter und anständiger Menschen sein.
Für ihr und unser aller Wohl müssen wir eine Zukunft
aufbauen, in der in jeder Stadt in diesem Land mutwilliger Zorn der Hoffnung Platz macht - wo Chancen an
die Stelle von Armut und Verzweiflung treten. Wenn
der Frieden in Los Angeles wiederhergestellt ist, müssen
wir uns den Ursachen solch tragischer Ereignisse
zuwenden. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, ein
Klima des Verständnisses und der Toleranz zu schaffen - ein Klima, in dem Rassismus, Bigotterie, Antisemitismus und Haß jeglicher Art, zu jeder Zeit und
überall verurteilt werden.
Heute abend bitte ich alle Amerikaner, ihre Herzen,
ihre Stimme und ihre Gebete der Heilung vom Haß zu
leihen. Als Präsident habe ich den Eid abgelegt, die
Verfassung zu erhalten, zu schützen und zu verteidigen - einen Eid, der von jedem Präsidenten fordert, für
Gerechtigkeit zu sorgen und Ruhe im Inland sicherzustellen. Diese Pflicht steht heute abend für mich an
oberster Stelle.
Den durch die Ereignisse der letzten Tage betrübten
Menschen, den guten Menschen von Los Angeles, die
von diesem sinnlosen Leiden erfaßt wurden, möchte
ich sagen: Die Gewalt wird ein Ende haben. Der
Gerechtigkeit wird Genüge getan. Die Hoffnung kehrt
wieder.
Ich danke Ihnen, und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.

* * *

*

Seite 3

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mal 1992

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen und Kolumnisten haben zur Entwicklung nach dem
Freispruch von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung eines schwarzen Autofahrers in Kalifornien
Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare.

Washington Times

The Washington Post

Täuschen wir uns nicht: Die Unruhen, die in South
Central L.A. und anderen Vierteln von Los Angeles
Tod und Zerstörung brachten, wurden durch den
Opportunismus von Kriminellen begangen, die immer
auf eine Gelegenheit warten. Der unpopuläre Urteilsspruch gab ihnen lediglich eine Entschuldigung.

Das Land befand sich schon früher an diesem Punkt.
Die Bilanz der Versäumnisse auf Staats- und Gemeindeebene beim Schutz von Schwarzen und anderen vor
Brutalität und Bigotterie - insbesondere, wenn sie von
Personen mit Polizeigewalt begangen werden - ist
allzu umfassend. Daß King unter dem Schutzschild
staatlicher Autorität mißhandelt - und ihm unserer
Meinung nach die Gerechtigkeit verweigert - wurde,
reiht auch diesen Fall in die gleiche Kategorie ein.
Ebenso sind die Plünderungen und Brandstiftungen,
die Morde und der allgemeine Ausbruch von Rassengewalt, deren Zeugen wir nun werden, Teil eines
ekelhaften und bekannten Musters in allzu vielen Städten,
wenn wirkliche oder vorgebliche Ungerechtigkeiten
durch den Staat auftreten. Nachdem sich dort im Jahr
1965 bereits ähnliches ereignet hat, ist Los Angeles
nun erneut die Szene solcher Gewalt.

Niemand, der ein emotionales oder wirtschaftliches
Interesse an einer Gemeinde hat, entscheidet sich für
die Sinnlosigkeit von Krawallen. Die Geschichte spricht
den Vorteilen eines solchen Weges Hohn. Watts hat
sich nie mehr von den Unruhen der sechziger und
siebziger Jahren erholt. Der H-Street-Korridor in
Washington zeigt immer noch die Narben der Verwüstung. Die Seventh Street erlebt erst jetzt nach nahezu
25 Jahren ein Comeback. Sind sie erst einmal zerstört,
sind wirtschaftliche Randgebiete dem Verfall preisgegeben, da es keinen Anreiz für ihren Wiederaufbau
gibt. Das ist die Selbstzerstörung, die von opportunistischen Krawallmachern angerichtet wird, und diese
sollten dafür verantwortlich gemacht werden. Die
Gemeinden wissen, wer sie sind.
Unabhängig davon, was man vom Spruch der Geschworenen hält: die Last der Entscheidung ruhte im
Fall King im Guten wie im Schlechten allein auf den
Schultern der Geschworenen. Ein Nachkarten wäre
bei dieser Entscheidung ein sinnloses Unterfangen.
Das System der Geschworenenverfahren kann zu
Ergebnissen führen, die einigen Leuten nicht gefallen,
aber niemandem ist bisher ein besseres System eingefallen, um über die Fakten zu befinden.

AMERIKA DIENST 18

Gouverneur Pete Wilson, Bürgermeister Bradley und
die kalifornischen Behörden sind jetzt mit der Herausforderung konfrontiert, die Ordnung wiederherzustellen, und zwar rasch. Dasselbe gilt jedoch auch für
Präsident Bush. Amerikaner aller Rassen müssen
wissen, daß ihre Rechte mit oder ohne die Gegenwart
einer Videokamera eine Bedeutung haben. Es war in
gewisser Weise beruhigend zu hören, daß Justizminister William Barr ankündigte, das Justizministerium
werde seine Ermittlungen wegen möglicher Verletzungen der Bürgerrechte intensivieren, obwohl abzuwarten bleibt, wie rasch und energisch das Ministerium
handeln wird. Die in Frage kommenden Bürgerrechtsbestimmungen stammen aus dem Zeitalter der Recon-

Seite 1

�struction (im 19. Jahrhundert nach dem US-Bürgerkrieg, Anm. d. Red.) und wurden in der Vergangenheit
wirksam eingesetzt, um Mißständen zu begegnen, zu
deren Korrektur einzelne Bundesstaaaten entweder
nicht bereit oder unfähig waren. Die Dienstmarken
dieser Polizeibeamten dürfen nicht dazu dienen, sie
vor der Haftung für Fehlverhalten zu schützen.
The Baltimore Sun
Selbst wenn sich die Polizeibeamten, die King schlugen, unter den gegebenen Umständen im Rahmen der
geltenden Gesetze bewegten, wie die Geschworenen
befanden, wurde durch die Prozeßführung Gerechtigkeit verweigert. Der Prozeß wurde aus der rassisch
gemischten Gemeinde, in der die Mißhandlungen
stattfanden, in einen rein weißen Vorort verlegt, in dem
ein Geschworenengremium ohne Schwarze gesichert
war. Warum wurde er verlegt? Weil die kalifornischen
Gerichte dem müden, alten, diskreditierten Argument
der Strafverteidigung folgten, daß Publizität vor dem
Gerichtsverfahren bei aufsehenerregenden Fällen einen
fairen Prozeß in der Gemeinde verhindere.
Wäre dasselbe Urteil von einem Geschworenengremium gefällt worden, zu dem auch Schwarze gehörten, wäre es wahrscheinlich nicht zu den Ausschreitungen gekommen. Die Schwarzen in Los Angeles, die so
gewalttätig reagierten, wären immer noch gegen das
Urteil gewesen, aber sie hätten sich als Teil des
Verfahrens gefühlt, das zu diesem Urteil führte. Die
politisch Verantwortlichen in allen Städten, in denen
Weiße und Schwarze versuchen zusammenzuleben,
müssen sich erneut dafür engagieren, daß alle Menschen in den Prozeß einbezogen werden, durch den
Recht und Ordnung und Gerechtigkeit zustande
kommen.
Der Freispruch der vier weißen Polizisten, die der
Mißhandlung von King, einem schwarzen Autofahrer,
beschuldigt werden, bedeutet nicht, daß Polizeibeamte jetzt freie Bahn zur Anwendung übermäßiger Gewalt haben, um Bürger zu bändigen, die sie festnehmen möchten. Im Gegenteil, diese für alle Zeiten auf
Videoband festgehaltene Tragödie muß als Paradebeispiel dafür betrachtet werden, wie man es nicht
machen sollte.
Die Nichtachtung des Rechts auf faire Behandlung
selbst für einen ehemaligen Häftling wurde deshalb
zum Rezept für die Ausmerzung der Achtung vor dem
Gesetz. Los Angeles hat nun ein erhebliches Wiederaufbauwerk vor sich, und dies gilt für die Beziehungen
mit den am wenigsten privilegierten Stadtteilen ebenso
wie in den Gewerbezentren, die durch den vom KingProzeß entfesselten emotionalen Wirbelsturm verwüstet wurden.
The New York Times
Eine hochrangige Untersuchungskommission hat letztes Jahr bestätigt, daß viele Polizeibeamte in Los
Seite 2

Angeles eine ungesunde Einstellung zu Rasse und
Gewalt haben. Die von Warren Christopher geleitete
Kommission identifizierte über 200 Beamte mit einer
Vorgeschichte gewalttätigen Fehlverhaltens - von denen
viele enthusiastische Beurteilungen durch ihre Vorgesetzten erhalten hatten. Los Angeles hatte bereits
begonnen, darauf zu reagieren. Beamte mit einer
Bilanz übermäßiger Gewaltanwendung werden versetzt, und ein neuer, schwarzer Polizeichef, Willie
Williams, der zur Zeit noch in Philadelphia Dienst tut,
wird das Ruder übernehmen.
Diese zaghaften Fortschritte bei der Glaubwürdigkeit
werden durch die Freisprüche vom Mittwoch gefährdet. Und die folgende Welle von Morden, Plünderungen und Brandstiftung gefährdet noch weit mehr,
indem sie zu einem repressiven und auf Rache sinnenden Klima der Durchsetzung von Recht und Ordnung
einlädt.
Die umfassendere Aufgabe des großen Geschworenengremiums bleibt jedoch bestehen - alle Amerikaner
der Integrität und Fairneß des Strafverfolgungssystems zu versichern. Der direkteste Weg dies zu
gewährleisten, besteht darin, achtbare Wege zu finden, um das Urteil der Geschworenen anzufechten.
Dafür gibt es Hoffnung. Der Beamte, der sich augenscheinlich am brutalsten aufführte, könnte erneut vor
Gericht gestellt werden. Mehrere beteiligte Polizisten
warten noch auf Disziplinarverfahren. Rodney Kings
Schadenersatzklage ist noch anhängig.
USA Today
Den Fall Rodney King als isolierten Vorfall zu betrachten, wäre eine Tragödie. Er muß als Symptom einer
Krankheit angesehen werden, die die gesamte Nation
betrifft.
Die Anklage, die zu der Explosion in Los Angeles
führte, wurde von einer Gesellschaft hervorgebracht,
die nicht in der Lage ist, ihre rassische Spaltung zu
überwinden.
Diese Spaltung ist wirtschaftlicher Natur, da schwarze
Männer nur 57% von dem verdienen, was weiße
Männer erhalten. Dazu gehört auch das abstoßende
System der ungerechten Justiz.
Wall Street Journal
Die Geschworenen waren aufgefordert zu entscheiden, ob die betroffenen Polizisten die zweite Linie
überschritten hatten. Sie betrachteten den eindeutig
exzessiven Einsatz von Gewalt, wie auf dem Videoband festgehalten, stellten aber andererseits fest, daß
zwei andere Insassen von Rodney Kings Auto unbehelligt blieben. Sie waren offensichtlich der Meinung,
daß Polizeibeamte, die mit gefährlichen, vielleicht noch
durch Drogen wie PCP aufgeputschten Personen
umgehen müssen, nicht wegen einer Überreaktion ins
Gefängnis wandern sollten. Man kann darüber strei-

AMERIKA DIENST 36

�ten, ob die Geschworenen die Linie am richtigen Ort
zogen, aber ihre Entscheidung ist keinesfalls eine
Rechtfertigung für das Anzünden von Geschäften oder
Verprügeln vorbeifahrender Lastwagenfahrer.
Romanschriftsteller Terry McMHIan in der New
York Times
Mein Bruder sitzt zur Zeit im Gefängnis. Er wurde 10
Meilen von Simi Valley entfernt wegen Trunkenheit am
Steuer festgenommen. Zum Glück wurde er nicht
mißhandelt. Wie viele weiße Männer sind wegen des
gleichen Vergehens inhaftiert worden? Wie viele
unschuldige schwarze Männer, die verprügelt wurden,
erschienen je auf einem Videoband? Und was würde
das jetzt auch ausmachen?...
Dies ist Amerika. Das Land der Freien. Heimat der
Mutigen. Nun, ich traue dem heute nicht mehr. Ich
glaube nicht an Gewalt. Aber wenn wir tun müssen,
was wir 1965 in Watts getan haben, um der Polizei von
Los Angeles, der Stadt und der Regierung mitzuteilen,
daß wir diese Art von Zerrbild nicht mehr tolerieren,
dann sage ich, daß wir unseren Standpunkt auf jede
uns zur Verfügung stehende Weise klarmachen müssen.
Ich möchte wirklich nicht, daß unschuldige Menschen
verletzt werden. Es sind bereits zu viele gestorben,
viel mehr Schwarze als Wei ße. Als Amerikaner afrikanischer Herkunft haben wir sowieso nicht soviel, und
wenn wir brandschatzen und morden, tun wir dies
meistens in unserem eigenen Hinterhof. Ich hoffe, wir
werden es nicht tun.
Kolumnistin Barbara Reynolds in USA Today
Die Amerikaner afrikanischer Herkunft müssen das
System verändern, indem sie intellektuell gefährliche
und konstruktive Unruhestifter werden. Das heißt, daß
sie nicht die häßliche, willkürliche Gewalt der Polizei
von Los Angeles imitieren.
Für junge Schwarze bedeutet dies zu verstehen, daß
ihre Hoffnung nicht in kurzfristiger Vergeltung, sondern
in langfristiger Rache besteht, die sich am Erfolg
bemißt. Das bedeutet, die Schule abzuschließen, zu
wählen, gegen Mißstände zu protestieren und sich zu
weigern, nutzlose Drogenabhängige zu werden.
Die Zeit läuft davon. Wir müssen der Kindern Hoffnung für die Zukunft geben, nicht bestürztes Schweigen, das alles war, was ich meinem Sohn diese Woche
anzubieten hatte.
•

Kolumnist William Raspberry in The Washington
Post
Schwarze sahen das Videoband mit den Mißhandlungen vor über einem Jahr, hörten die widersprüchlichen
Angaben der beteiligten Polizisten, hörten, wie Polizei-

AMERIKA DIENST 18

chef Gates seine Männer verteidigte und gleichzeitig
vorgab, das Ganze habe mit Rasse nichts zu tun,
hörten die rassistischen Witze über die Mißhandlungen über den Polizeifunk. Aber sie machten keinen
Krawall.
Warum? Weil sie darauf vertrauten, das dieses Mal
sicherlich Gerechtigkeit geübt werde. Dieses Mal
stand nicht mehr lediglich das Wort eines armen
schwarzen Opfers gegen das mehrerer weißer Polizisten, sagten sie. Der Vorfall war auf einem Videoband
dokumentiert.
Sie hielten an diesem Glauben sogar fest, als die
Verteidiger den Prozeß klugerweise von Los Angeles
nach Simi Valley verlegen ließen, deren hauptsächlich
aus Arbeitern bestehende Bevölkerung von 100.000,
darunter vielleicht 2.000 aktive Polizeibeamte, nur zu
2 Prozent aus Schwarzen besteht. Sie glaubten selbst
dann noch daran, als das Gericht ein Geschworenengremium berufen hatte, zu dem nicht ein einziger
Schwarzer gehörte.
Und mit dem Urteil vom Mittwoch explodierten sie.
Oder zumindest taten dies einige von ihnen - zu viele.
Die Führer der Schwarzen sagen, was sie sagen
müssen: Geht nach Hause. Stoppt die Plünderungen
und das Morden. Ihr schadet nur Euch selbst, wenn Ihr
Euer eigenes Viertel zerstört.
Aber die Führer der Weißen sagen nicht, was sie
sagen müssen: Daß sie dieses Mal entschlossen sind,
Gerechtigkeit anzustreben - oder zumindest soviel
Gerechtigkeit, wie nach dieser Travestie noch gerettet
werden kann.
Kolumnisten Eric W. Rose und Steven S. Lucas in
der Los Angeles Times
Als das Video als Beweismittel eingeführt wurde, wurde
es Bild für Bild im Hinblick auf die Handlungen und
Beteiligung jedes Angeklagten untersucht.
Dann, am Mittwoch nachmittag, war das Urteil perfekt:
mit Ausnahme eines einzigen Anklagepunktes gegen
den Polizeibeamten Lawrence Powell, bei dem sich die
Geschworenen nicht einigen konnten, befanden die
sechs Männer und sechs Frauen alle vier Offiziere in
allen Anklagepunkten für unschuldig. Warum haben
die Geschworenen nicht gesehen, was wir, die Öffentlichkeit, Abend für Abend in den Nachrichten so eindeutig festgestellt haben?
Die Antwort lautet, daß die Geschworenen nicht denselben Nachteilen unterlagen, die die Sichtweise der
Öffentlichkeit trübten. Für die Geschworenen war das
Videoband eines von vielen Beweismitteln, die in einem komplexen Fall zu bewerten und gewichten waren. Für die Öffentlichkeit war das Videoband das
einzige Beweismittel.

Seite 3

�Aber das Band alleine konnte nicht alle rechtlichen
Fragen dieses Falles beantworten, die kritischen Fragen nach Autorität, Beteiligung, Ausbildung, Verfahrensweise, nach Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit.
Und die Medien waren unfähig, diese Fragen vom
Gerichtssaal in die Wohnzimmer zu tragen, insbesondere, da die Zuschauer den Fakten dieses Falles
eindeutig mit Vorurteilen gegenüberstanden.

umfeld nicht zur Straßendebatte über Gerechtigkeit
wird. Hochsensible Fälle wie die Mißhandlung von
Rodney King werden gerade aus der Gemeinde verlegt, auf die sie sich am meisten auswirken. Das
gerichtliche Verfahren nimmt die Geschworenen sorgfältig unter die Lupe, die fähig sein werden, dem
Justizsystem zu dienen. Der Prozeß ist eine geistige
Schlacht zwischen den Vertretern von Anklage und
Verteidigung, kein Forum der öffentlichen Debatte. Es
Kolumnistin Laurie Levenson in der Los Angeles herrschen die Regeln der Beweisführung. BehauptunTimes
gen werden in Frage gestellt. "Vernünftige Gewaltanwendung" wird zu einem Kunstbegriff, nicht zur Frage
Das Strafverfolgungssystem ist kein Vehikel für soziades gesunden Menschenverstands. In diesem Umfeld
le oder politische Veränderungen. Es ist ein langsakönnen Geschworene wie im Fall der Mißhandlung
mer, antiseptischer Prozeß, in dem 12 Mitglieder der
von King zu dem Schluß kommen, daß das Opfer der
Gesellschaft entscheiden, ob eine Person eines VerÜbeltäter war und der Übeltäter das Opfer.
brechens schuldig ist. Jede Vorsichtsmaßnahme muß
getroffen werden, um zu verhindern, daß das Prozeß-

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 36

�UMWELT
6. Mai 1992

WELTWEITE KLIMAVERÄNDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des US-Außenministeriums zur Haltung
der amerikanischen Regierung im Hinblick auf weltweite Klimaveränderungen.
Die Wissenschaft
Seit einiger Zeit werden wir von Wissenschaftlern

gewarnt, daß Eingriffe des Menschen möglicherweise
zu weltweiten Klimaveränderungen beitragen, aber
auch darauf hingewiesen, daß es noch immer vieles
gibt, das wir im Hinblick auf dieses Thema nicht wissen
oder verstehen. Die Vereinigten Staaten haben sich
diese Warnung zu Herzen genommen. Durch Aktivitäten der Regierung und nichtstaatlicher Organisationen haben wir erheblich in die wissenschaftliche Forschung investiert, um das Wesen des Problems besser zu verstehen. Die Vereinigten Staaten tragen
gegenwärtig etwa die Hälfte des gegenwärtigen Forschungsetats für weltweite Klimaveränderungen.
Unserer Meinung nach ist die Wissenschaft das Fundament, auf dem eine solide Reaktion zu dem Problem
der Klimaveränderungen erarbeitet werden sollte. Die
folgenden Ausführungen repräsentieren einen Querschnitt der übereinstimmenden Meinung vieler Wissenschaftler, auch aus den Vereinigten Staaten, die
aktiv an internationalen Bestrebungen zum Verständnis dieses Problems beteiligt waren.
KISmaveränderungen
Obwohl Wissenschaftler noch nicht mit Sicherheit
sagen können, daß bereits eine vom Menschen herbeigeführte Erwärmung stattgefunden hat, deuten
Schätzungen darauf hin, daß eine cteigende Konzentration von Treibhausgasen wahrscheinlich d'e Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane erhöht und
ihre Zirkulation sowie das Wetter beeinflußt. Der
Umfang, der Zeitraum und die regionalen Besonderheiten dieser Veränderungen können jedoch nicht mit
Sicherheit vorhergesagt werden. Klimamodelle prognostizieren, daß Veränderungen der Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre aufgrund einer Verdopplung der Konzentration von Kohlendioxid wahrscheinlich nicht außerhalb der Bandbreite von 1,5 bis
4,5 Grad Celsius liegen. Wenn man Ergebnisse bei
Modellen zugrundelegt und Klimabeobachtungen
AMERIKA DIENST 18

berücksichtigt, wird es sich bestenfalls um 2,5 Grad
handeln. Der damit einhergehende Anstieg des
Meeresspiegels wird auf zwischen 10 bis 50 Zentimeter und einem Meter geschätzt. Darüber hinaus hat die
in den letzten Jahren beobachtete Erwärmung denselben Umfang wie die in den Modellen vorhergesagte,
aber auch denselben Umfang wie die natürliche Variationsbreite. Der beobachtete Anstieg könnte vor allem
auf die natürliche Variationsbreite zurückzuführen oder
Bestandteil einer vom Menschen ausgelösten stärkeren Erwärmung sein. Potentielle Auswirkungen von
Klimaveränderungen variieren von Region zu Region,
wobei dürreanfällige Regionen, bewässerte Felder,
Wasserquellen, Küstenregionen und natürliche Ökosysteme am meisten gefährdet sind. Präzise Bewertungen über die Auswirkungen von Klimaveränderungen werden wahrscheinlich in den nächsten zehn
Jahren oder länger nicht zur Verfügung stehen.
Treibhausgase
Die wichtigsten Treibhausgase sind Wasserdampf
(H20), Kohlendioxid (C02), Methan (CH4) Stickoxid
(N20), Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und Ozon
(03). Von diesen hat Wasserdampf den größten
Treibhauseffekt, wenn auch weltweit seine Konzentration in der Atmosphäre nicht direkt mit menschlichen
Aktivitäten zusammenhängt. Mit Ausnahme von FCKW
kommen all diese Gase natürlich vor, und Aktivitäten
des Menschen haben bei allen dazu geführt, daß ihre
Konzentration in der Atmosphäre erheblich gestiegen
ist. Das vor allem bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe entstehende C02 macht etwa 60 Prozent des
Treibhauseffekts dieser anthropogenisch entstandenen Gase insgesamt aus. (Dies stützt sich auf Schätzungen der relativen Auswirkungen jedes dieser Gase
über einen bestimmten Zeitraum hinweg, was man
auch "Erderwärmungspotentiar - global warming potential, GWP, nennt). Die Industrieländer sind gegenwärtig für etwa die Hälfte der Emissionen von Treibhausgasen weltweit verantwortlich. Bis zum Jahr 2025

Seite 1

�wird sich die Rolle einzelner Länder verändert haben,
und die Industrieländer werden im Vergleich zu den
Entwicklungsländern und den Ländern mit einer Wirtschaft im Umbruch wahrscheinlich nur noch ein Viertel
der Gesamtmenge ausstoßen.
Minderung und Anpassung
Einige Auswirkungen der Klimaveränderungen können durch Verminderung oder Anpassung oder eine
Kombination von beiden erzielt werden. Eine Verminderung kann man erreichen, indem man Treibhausgasemissionen einzelner Quellen verringert sowie Senken und Reservoirs von Treibhausgasen - Ozeane,
Landflächen und Wälder - schützt und verbessert. Die
Emission aus einzelnen Quellen kann zum Beispiel
eingeschränkt werden durch gesteigerte Effizienz und
Einsparung von Energie und Veränderungen in der
Landwirtschaft. Senken für Treibhausgase können
durch Veränderungen der Fruchtfolge und der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen verbessert werden,
insbesondere durch neue landwirtschaftliche Technik
sowie Aufforstung und Wiederaufforstung.
Durch Anpassung kann die Anfälligkeit gegenüber potentiellen Klimaveränderungen abgebaut werden. Ein
weltweiter Anpassungsprozeß zum Abbau der Anfälligkeitwird Maßnahmen erfordern wie Überprüfung der
Wassersysteme und Schutz der Küstenregionen, Züchtung von Feldfrüchten, die gegen Dürre und Hitze unempfindlich sind und die Entwicklung von Techniken
zum Schutz gefährdeter Ökosysteme.
Auswirkungen
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin,
daß erhebliche Veränderungen im Klimasystem wahrscheinlich sind, wenn Treibhausgasemissionen in der
Atmosphäre weiterhin infolge von Eingriffen durch den
Menschen zunehmen. Dennoch können mit Hilfe
gegenwärtiger Analysen weder Kosten noch Nutzen
von Schritten zuverlässig vorhergesagt werden, die
bestimmte Konzentrationen in der Atmosphäre kontrollieren und gefährliche Eingriffe des Menschen in
das Klimasystem verhindern.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten
Im Hinblick auf diese Unsicherheiten favorisieren die
Vereinigten Staaten einen flexiblen, langfristig orientierten Ansatz, der Maßnahmen identifizieren und
durchführen will, die aus einer Reihe von Gründen
gerechtfertigt sind, einschließlich der Reaktion auf
Klimaveränderungen. Solche Maßnahmen zielen darauf
ab, Treibhausgasemissionen zu vermindern und
Anpassungen an Klimaveränderungen vorzunehmen
sowie weiterhin Forschung zu betreiben über die
Wissenschaft selbst, die Auswirkungen, Technologie
und wirtschaftlichen Aspekte der Auswirkungen und
unserer Optionen zu deren Bewältigung. Angesichts
der Notwendigkeit einer weltweiten Reaktion auf die

Seite 2

Sorgen um Klimaveränderungen befürworten die
Vereinigten Staaten ein gemeinsames Vorgehen
(technisch und finanziell) mit Entwicklungsländern und
Ländern, bei denen sich die Wirtschaft im Umbruch
befindet. Nachfolgend einige Beispiele für Maßnahmen, zu denen sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben.
Abhilfe
Die Vereinigten Staaten sind fest entschlossen, wirtschaftlich wirksame Maßnahmen zur Behebung der
Klimaveränderungen zu ergreifen - Maßnahmen, mit
denen die Nettoemissionen von Treibhausgasen durch
Verringerung der Quellen und Erweiterung der Senken
reduziert werden. Unseres Erachtens können diese
Maßnahmen und ihre Auswirkungen in den Vereinigten Staaten mit denen anderer Industrienationen Schritt
halten.
Seit Februar 1991 haben die Vereinigten Staaten mit
der Verwirklichung einer nationalen Energiestrategie
begonnen, die einen neuen, effizienteren Kurs für die
Vereinigten Staaten aufzeigt. Darüber hinaus haben
wir ein neues Transportgesetz verabschiedet, dank
dem die Beförderung von Menschen und Gütern per
Auto, Fernverkehr und anderen Mitteln wesentlich
verbessert wird. Im Jahr 1990 haben die Vereinigten
Staaten ferner das strengste Gesetz zur Luftreinhaltung der Welt verabschiedet, mit dem auch die Emissionen verringert werden. Zusammengenommen
verpflichten uns diese Initiativen zu Maßnahmen in
folgenden Bereichen: Energieausnutzung, Transport,
Nutzung von Versorgungstechnologien mit niedrigerem Kohleausstoß, Agrar- und Ökoressourcen sowie
technologische Forschung und Entwicklung. Diese
Maßnahmen werden jetzt ergriffen.
Unseren Schätzungen zufolge werden diese Aktionen
die prognostizierten Nettoemissionen von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten bis zuui Jahr 2000
um 125 bis 200 Millionen Tonnen verringern. Diese
Reduzierungen machen 7 bis 11 Prozent der für das
Jahr 2000 errechneten Emissionen aus. Wir werden
unsere nationale Strategie sowie die voraussichtlichen
Effekte dieser Strategie verbessern und erweitern,
wenn neue wissenschaftliche, wirtschaftliche, technologische und politische Informationen verfügbar werden.
Auch die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen ergreifen Maßnahmen, die Auswirkungen auf
die Verringerung von Treibhausgasemissionen haben. Diese Maßnahmen werden unabhängig und/oder
gemeinsam mit der Bundesregierung durchgeführt.
Eine Bilanz der Programme auf Bundesstaaten- und
lokaler Ebene wird später zusammen mit Schätzungen
über Auswirkungen dieser Programme auf die Treibhausgasemissionen vorgelegt.

AMERIKA DIENST 18

�Anpassung
Die Vereinigten Staaten haben Bestebungen zur Erarbeitung und Entwicklung von Technologien und Praktiken in die Wege geleitet, die bei ihrer Verwirklichung
die Anpassung von Natur und Gesellschaft an die
umweltpolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Klimaveränderung erleichtern könnten. Obwohl viele dieser Programme noch in den
Kinderschuhen stecken, wurden einige bereits in die
Praxis umgesetzt. Zu den Bereichen, denen unser
besonderes Augenmerk gilt, zählen Wirtschaftssektoren, die sich mit Wasservorräten, Ökosystemen,
Wäldern, Landwirtschaft (sowohl bewirtschaftet als
auch unbestellt) und Humanökologie befassen.

Erstellung einer detaillierten Bestandsaufnahme der
Bodennutzung und punktuelle Verschmutzung als
Grundlage der Analyse der meteorologischen Veränderungen.
Erwägung neuer Techniken für geowissenschaftliche
Programme und Projekte (einschließlich auf die Aufschlüsselung von Kosten und Nutzen solcher Projekte
ausgerichtete Forschung wie Stimulation der ozeanischen Biomasse und Solarfiltertechniken).
Förderung von Verhaltensforschung, Prüfung der langfristigen kulturellen Anpassung, psychologische Streßfaktoren sowie die Entwicklung von Verhaltensweisen
und Werten.

Küster .onen

Wasservorräte

Prüfung und Planung der Auswirkungen des Anstiegs
des Meeresspiegels auf die Küstenerosion, die künstlich geschaffene Infrastruktur und Ökosysteme.

Entwicklung einer klimatologischen Datenbank für
Wasservorräte zur Prognose und Erfassung der lokalen und regionalen Klimaveränderungen.

Entwicklung und Förderung von Methoden zur Beurteilung der Anfälligkeit für den Anstieg des Meeresspiegels und Durchführung integrierter Pläne für die
Küstenzonen zur Bewältigung dieser Anfälligkeit im
Rahmen der Zwischenstaatlichen Kommission zur
Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC).

Analyse der Anfälligkeit der Tennessee Valley Authority Region für meteorologische Extreme, Untersuchung der Konsequenzen für Kraftwerke, Wasservorräte und Überschwemmungen.

Forst- und Landwirtschaft
Schaffung von Parzellen zur Überwachung des Zustands der Wälder für eine jährliche Beurteilung des
regionalen Ausmaßes der Umweltbedrohungen.
Verbesserung der Verzeichnisse über Bodenbeschaffenheit.
Entwicklung von Indikatoren für den Zustand von
Forst- und Weideland.
Forschung und Entwicklung neuer hitze- und/oder
dürrebeständiger Getreidesorten und Baumarten.
Programme zur Entwicklung von Technologien zur
Verbesserung des Ökosystems unter den Bedingungen der Klimaveränderung.
Forschung und Entwicklung von Technologien und
Praktiken zur Verbesserung der Produktivität von Landund Forstwirtschaft.
Erforschung der Auswirkungen erhöhter C02-Konzentrationen in der Atmosphäre auf die Landwirtschaft.
Ökosysteme und der Mensch
Schaffung eines integrierten biosphärischen Überwachungsnetzes unter Verwendung von biosphärischen
Reserven zur Beurteilung der Auswirkungen und
Reaktionen auf die weltweiten Klimaveränderungen
durch Ökosysteme und den Menschen.

Prüfung von Veränderungen der Wasservorräte infolge klimatischer/hydrologischer Veränderungen im
Rahmen von Programmen auf Regierungs- und Bundesstaatenebene.
Weitere Forschung
Die Vereinigten Staaten haben sich äußerst aktiv um
die Förderung der Forschung bemüht, die für das
Verständnis der wissenschaftlichen und ökonomischen
Aspekte des Klimawandels, einschließlich der natürlichen und künstlichen Veränderungen und deren Auswirkungen unerläßlich ist. Im Hinblick auf dieses Ziel
werden in den Haushaltsjahren 1990-1992 über 2,7
Milliarden Dollar für die Erforschung des weltweiten
Klimawandels ausgegeben, und die Haushaltsvorlage
des Präsidenten für 1993 fordert nahezu 1,4 Milliarden
Dollar für diesen Zweck- 260 Millionen (24%) mehr als
im Haushaltsjahr 1992. Das amerikanische Programm
umfaßt nahezu die Hälfte der gesamten weltweiten
Forschungsbemühungen im Bereich des Klimas und
Klimawandels.
Das Ziel des Forschungsprogramms besteht darin, auf
die entscheidendsten wissenschaftlichen Unsicherheiten zu reagieren, die von den Arbeitsgruppen für
Wissenschaft und Folgen des Klimawandels des IPCC
identifiziert wurden. Das amerikanische Forschungsprogramm zu den weltweiten Klimaveränderungen
(U.S. Global Change Research Program - USGCRP)
hat für die Durchführung der Forschungsvorhaben vier
miteinander verbundene Themenbereiche festgelegt:
1. Modelle und Prognosen,
2. Weltweite Wasser- und Energiezyklen,

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�3. Der weltweite Kohlenstoffzyklus,
4. Ökosysteme und Bevölkerungsdynamik.
Darüber hinaus unterstützt das Forschungsprogramm
wirtschaftliche Forschung in Zusammenhang mit den
Klimaveränderungen.
Das USGCRP wurde im Verlauf umfassender Bemühungen über viele Jahre hinweg entwickelt. Diese
Bemühungen sind bewußt breitgefächert und umfassen nicht nur amerikanische Regierungsbehörden,
sondern auch nationale und internationale Wissenschaftler sowie inoffizielle und offizielle Verbindungen
zu anderen staatlichen und privaten Organisationen.
Technische Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten unterstützen energisch die
technische Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern
und anderen Staaten, denn gerade diese Länder werden
im nächsten Jahrhundert die Hauptquelle von Treibhausgasemissionen sein. Die technologische Zusammenarbeit sollte sowohl "harten" als auch "weichen"
Technologiebedarf berücksichtigen. Dazu zählen neben
dem Technologietransfer im traditionellen Sinn vordringliche Anliegen wie die Bewertung des technischen Bedarfs, technische Entwicklung, technische
Hilfe, Aus- und Weiterbildung sowie Aufbau von Institutionen und Kapazitäten. Mit der Forderung eines
kooperativen Prozesses tragen die Vereinigten Staaten der Tatsache Rechnung, daß der erfolgreiche
Transfer von Wissen, Know-how oder Gerät von einem beiderseitigen Verhältnis abhängt, das auf gegenseitigen Interessen und Vorteilen beruht. Ein solcher Prozeß erkennt ferner die Kreativität und Dynamik des Privatsektors an und stützt sich darauf in
großem Maß.
Die Vereinigten Staaten haben bereits ein breites
Spektrum an Maßnahmen zur technologischen Zusammenarbeit beim Klimawandel eingeleitet, die folgende Bereiche umfassen:
Energieausnutzung,
Energieversorgung, Landwirtschaft, Forstwesen und
natürliche Ressourcen, Klimawissenschaft und Küstenzonen. Eine Stichprobenerhebung ausgewählter
Länder und Regierungsbehörden zeigt, daß wir allein
im Jahr 1991 über 140 Millionen Dollar in die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern und Ländern, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden, für diese Maßnahmen investiert haben. Ein Blick auf kommende Haushalte macht klar, daß diese Summe
anwachsen wird, während wir ein besseres Verständnis der wissenschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen und der Maßnahmen gewinnen, die einzelne
Länder zu deren Bewältigung für sinnvoll halten.
Um Ländern bei der Einschätzung ihrer Bedürfnisse im
Hinblick auf die Entwicklung solider Reaktionen auf die
Klimaveränderungen im Kontext übergeordneter Entwicklungsziele zu helfen, haben die Vereinigten Staaten unlängst 25 Millionen Dollar bereitgestellt, um in
Seite 4

einem Zeitraum von zwei Jahren Länderstudien für
Entwicklungsländer und Länder im Übergang zu unterstützen. Ferner haben wir 50 Millionen Dollar für den
Kernfonds der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UNDP und UNEP bereitgestellt.
Der internationale Prozeß
Die Vereinigten Staaten befürworten eine Rahmenkonvention, die ein Forum und einen Prozeß ins Leben
ruft, um alle Länder langfristig in die Bewältigung von
Problemen des Klimawandels einzubinden.
Wir gehen davon aus, daß dieses Forum aus einer
Konferenz der Parteien, einem Sekretariat und zwei
Untergruppen der Konferenz der Parteien bestehen
sollte: Einem Wissenschaftlichen Beraterausschuß
und einem Durchführungsausschuß. Der Wissenschaftliche Beraterausschu ß wäre das Bindeglied zum
IPCC sowie anderen internationalen wissenschaftlichen und technischen Organisationen. Er würde die
Arbeit dieser Organisationen für die Konferenz der
Parteien interpretieren und bündeln. Der Durchführungsausschuß würde technische Einschätzungen von
Berichten erstellen, die der Konvention zufolge der
Konferenz der Parteien zur Überprüfung vorgelegt
würden.
Wir stellen uns einen internationalen Prozeß vor, dessen
Schwerpunkt auf Aktionen liegt. Unter Zugrundelegung gemeinsamer Methoden würden die Industriestaaten zunächst Emissionsverzeichnisse erstellen.
Darüber hinaus würden sie nationale Klimaaktionspläne mit Maßnahmen entwickeln, die entweder eine
Milderung von oder Anpassung an Klimaveränderungen bewirken würden. Darüber hinaus würden die
Industriestaaten Maßnahmen festlegen, die sie unter
Berücksichtigung nationaler Bedingungen ergreifen
würden, und Schätzungen über Auswirkungen ihrer
Maßnahmen über einen vereinbarten Zeitraum vorlegen. Die Abschätzung dieser Auswirkungen würde auf
vereinbarten Methoden beruhen. Durch Berichterstattung über Maßnahmen in einem offenen und transparenten Prozeß wären alle Parteien in der Lage, Informationen und Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Wachsamkeit der Öffentlichkeit wird einen starken Anreiz für die Einleitung sinnvoller Maßnahmen mit größtmöglichen Vorteilen für das
Klima und andere Bereiche liefern. Diese Überprüfungen sollten in vereinbarten Abständen so bald wip
möglich stattfinden.
Unserer Meinung nach sollten sich auch Entwicklungsländer und Länder im Übergang zur freien Marktwirtschaft an diesem Prozeß beteiligen, indem sie nationale Berichte erstellen, ihre Berichte würden maßgebliche nationale Bedingungen beschreiben und ihre
gegenwärtigen Emissionen sowie die Anfälligkeit für
Klimaveränderungen bewerten. Viele dieser Länder
benötigen Hilfe bei der Abfassung solo! «i Berichte,

AMERIKA DIENST 18

�und wir haben deshalb technische Zusammenarbeit
vorgeschlagen. Insbesondere haben wir für einen
Zweijahreszeitraum 25 Millionen Dollar bereitgestellt,
um ihnen zu helfen, als Grundlage für die Erstellung
nationaler Berichte ihre jeweilige nationale Situation
und ihre Bedürfnisse einzuschätzen. In diesen Berichten würden Länder besondere Vorhaben und Programme definieren, die sowohl dem Klima als auch
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zugute kämen.
Darüber hinaus würden sie den Bedarf an technischen
und finanziellen Ressourcen identifizieren, die für die
Durchführung solcher Vorhaben erforderlich sind.

Wir gehen davon aus, daß dieser Prozeß eine weltweite Antwort auf ein eindeutig weltweites Problem einleiten wird. Die Konzentration auf solide Maßnahmen
wird sinnvolle Ergebnisse hervorbringen. Die Anerkennung und Respektierung nationaler Bedingungen
wird dazu beitragen, eine breite Beteiligung sicherzustellen. Die Bereitstellung von technischer Zusammenarbeit und Unterstützung für bedürftige Länder
wird einen kooperativen Ansatz fördern und damit die
Bemühungen zum Aufbau einer weltweiten Partnerschaft stärken, die auf unserem Weg ins nächste
Jahrhundert notwendig ist.
*

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�US-WELTROLLE
6. Mail992

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft
WASHINGTON - (AD) - Zwei neue Studien renommierter Fcrschungseinrichtungen, die eine Einschätzung dor amerikanischen Rolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg vornehmen, stimmen überein, daß die
Vereinigten Staaten nicht zum Isolationismus zurückkehren dürfen, vertreten jedoch unterschiedliche
Ansichten zur Strukturierung der nationalen Verteidigungspolitik.
Die kürzlich vom Council on Foreign Relations und The
Heritage Foundation veröffentlichten Untersuchungen
liefern grundverschiedene Meinungen zu anderen
Elementen eines Rahmens für die amerikanische
Außenpolitik in den neunziger Jahren.
Die Studie des Council on Foreign Relations mit dem
Titel "The Imperial Temptation: The New World Order
and America's Purpose" (Die imperiale Versuchung:
Die neue Weltordnung und Amerikas Zweck) lehnt
eine Politik ab, die weltweite Sicherheitsverpflichtungen billigen würde und behauptet, unter der BushAdministration habe eine wachsende Tendenz zum
unnötigen Einsatz militärischer Macht bestanden.
Die Studie der Heritage Foundation mit dem Titel
"Making the World Safe for America: A U.S. Foreign
Policy Blueprint" (Die Welt sicherer für Amerika gestalten: Ein Plan für die amerikanische Außenpolitik) geht
davon aus, daß die Vereinigten Staaten bereit sein
nüssen, ihre Interessen weltweit zu verteidigen. Es
kommt jedoch Besorgnis über die riesigen staatlichen
Bürokratien zum Ausdruck, die notwendig waren, um
die Sowjetunion zu besiegen.
Die Ergebnisse des Council on Foreign Relations
weisen darauf hin, daß die Bush-Administrs*ion bei
ihren Versuchen zur Behandlung der von den neuen
weltweiten Realitäten hervorgerufenen Herausforderungen die grundlegenden Ideale verraten hat, auf
denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Die
Autoren Robert Tucker und David Hendrickson führen
den Krieg am Persischen Golf als schlagendes Beispiel für ihre Behauptung an, daß Präsident Bushs
Vision von einer neuen Weltordnung nicht mit den
traditionellen diplomatischen Prinzipien Amerikas in
Einklang steht.

AMERIKA DIENST 18

Sie kritisieren Bushs umfassenden militärischen Angriff auf den Irak als unverhältnismäßige und inhumane Antwort auf die Krise am Persischen Golf, und sie
argumentieren, daß Bush mit dem Einsatz von Gewalt
zur Beendigung der Krise trotz Verfügbarkeit anderer
Mittel und der anschließenden Abwendung von den
ruinösen Kriegsfolgen der "imperialen Versuchung"
erlegen sei, die auch andere große Mächte der Vergangenheit verführt und korrumpiert habe.
Tucker, ein emeritierter Professor der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University, und Hendrickson, Professor für politische
Wissenschaften am Colorado College, sind der Ansicht, daß "Isolationismus" und "Interventionismus"
falsche Alternativen sind, die den Charakter der heutigen Herausforderung für die amerikanische Politik
verschleiern.
Sie erklären, die wichtigste Herausforderung sei die
Absage an die hoch militarisierte und auf Bestrafung
fixierte Einstellung, die das Zeitalter des kalten Krieges
prägte, und die Durchführung konstruktiver Maßnahmen zur Sanierung des ehemaligen Ostblocks sowie
die Gewährleistung eines offenen Handelssystems.
Tucker und Hendrickson zufolge können die Vereinigten Staaten der Welt nicht den Rücken kehren, aber sie
benötigen gleichzeitig einen neuen Internationalismus,
der sich von dem der Bush-Administration stark unterscheidet.
Die Studie der Heritage Foundation lehnt sowohl Isolationismus als auch zwanghaften Interventionismus
ab. Sie bietet Washington eine Strategie für die
amerikanische Außenpolitik nach dem Ende der UdSSR
an, die amerikanische Interessen definiert, mögliche
Bedrohungen dieser Interessen beschreibt und MaO
nahmen sowie Waffensysteme und militärische Strategien zum Schutz amerikanischer Interessen identifiziert. Der Plan beruht auf den konservativen Prinzipien, die der Untersuchung zufolge den kalten Krieg
gewonnen haben: der Notwendigkeit zur Verteidigung
der vitalen Interessen Amerikas, dem Vertrauen in die
Freiheit, einer Verpflichtung auf die amerikanischen
Grundwerte und die westliche Zivilisation sowie dem

Seite 1

�Glauben an die Prinzipien der Begrenzung des Staates, freie Märkte und die Selbstverantwortung des
einzelnen.
Der Vizepräsident und Leiter der Abteilung für außenund verteidigungspolitische Studien der Heritage
Foundation, Kim Holmes, erklärt, "als Konservative,
die an wenig Staat glauben, sind wir besorgt über die
riesigen Bürokratien des Pentagons und anderer Bereiche, die zum Sieg über die UdSSR benötigt wurden", und der Heritage-Report nennt den "großen
Regierungsapparat" als "größte Bedrohung der Freiheit" im 20. Jahrhundert.
"Tatsächlich ist die heutige Mammutbundesregierung
nicht so sehr das Produkt des New Deal als vielmehr
der massiven Macht, die in Washington für den Zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg angehäuft wurde",
erklären die Autoren der Heritage-Studie. "Das riesige
Pentagon hat natürlich die Freiheit Amerikas bewahrt;
es legitimiert jedoch auch die ungeheure Zentralisierung der Macht, die erforderlich ist, um die von Lyndon
Johnson und Richard Nixon eingeleiteten riesigen
innenpolitischen Programme durchzuführen. Während die Konservativen also das für die Führung des
kalten Krieges erforderliche große Pentagon akzeptierten, würden sie mit dem Schwinden der sowjetischen Macht ein drastisch verkleinertes Pentagon und
Außenministerium begrüßen."
Die Autoren gehen davon aus, daß die amerikanischen Verteidigungsziele "mit einer entschieden kleineren und billigeren Streitmacht als erforderlich war,
um die sowjetische Aggression abzuschrecken, und
mit wesentlich weniger in Europa und anderen Au ßenposten stationierten Amerikanern" gewährleistet werden können.
"Die Amerikaner haben vergeblich darauf gewartet",
daß Präsident Bush den "neuen Kurs" der Vereinigten
Staaten definiert, meint Holmes. "Abgesehen von
lancierten Pentagon-Berichten unterer Ebenen und
dem verworfenen Konzept der 'neuen Weltordnung'
hat die Administration zur amerikanischen Rolle in der
Welt fahrlässiges Schweigen bewahrt. Weder vom
nationalen Sicherheitsrat noch vom Außenministerium, den für die amerikanische Außenpolitik besonders zuständigen Gremien, wurden großartige Studien
in Auftrag gegeben. Und im Kongreß wurde keine
große Debatte geführt."
Der Bericht des Council on Foreign Relations behauptet, die amerikanische Außenpolitik sollte zu den Leitlinien der Gründerväter zurückkehren, die eine weit
bessere Anleitung böten, um mit den Gefahren und
Chancen für das heutige Amerika umzugehen als das
gegenwärtige außenpolitische Programm der BushAdministration. Zu diesen Prinzipien gehören laut
Tucker und Henderson die folgenden:
Eine skeptische Haltung zum Einsatz militäri-

Seite 2

scher Gewalt und die Ablehnung weltweiter Sicherheitsverpflichtungen ;
eine tiefgreifende Antipathie gegen die Staatsverschuldung;
der Glaube, daß der amerikanische Beitrag zu
geordneter Freiheit in der Welt primär durch
friedliche und konstruktive Maßnahmen angestrebt werden muß und nicht durch Straf- und
destruktive Maßnahmen;
die Akzeptanz der Notwendigkeit für Kooperation zwischen freien Regierungen, eine Idee, die
den Autoren zufolge die Beibehaltung einer Sicherheitsgemeinschaft mit Westeuropa und
Japan erfordert, gleichzeitig jedoch gebietet,
daß die Verbündeten Amerikas die Hauptverantwortung für ihre konventionelle Verteidigung
übernehmen;
eine Aversion gegen Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Regierungen.
Die Spezialisten der Heritage Foundation erklären, der
"Hauptzweck" der amerikanischen Au ßen- und Verteidigungspolitik sei der Schutz von Leben, Freiheit und
Eigentum der Amerikaner. Sie machen fünf Hauptinteressen der Vereinigten Staaten aus, denen die
Außenpolitik zu dienen habe:
Schutz des amerikanischen Territoriums und
Luftraums;
Verhinderung der Kontrolle Europas, Ostasiens
oder des Persischen Golfs durch eine andere
Macht;
Sicherung des amerikanischen Zugangs zu den
Weltrohstoff vorkommen und den Meeren;
Erweiterung des freien Handels in öe\~ ganzen
Welt;
Schutz von Amerikanern vor Bedrohungen ihres Lebens und Wohlergehens.
Mit Blick auf diese Interessen identifiziert das Heritage-Team die primären Bedrohungen für die Vereinigten Staaten und nennt als deren wichtigste die Möglichkeit eines Angriffs mit Atomraketen durch einen der
wachsenden Zahl von Kernwaffenstaaten. Und ihrer
Meinung nach liegt angesichts dieser Bedrohung die
einzig mögliche Reaktion ebenfalls auf der Hand: die
Verbreitung solcher Technologie zu verhindern - falls
notwendig mit Gewalt - und Verteidigung gegen einen
Atomangriff.
Eine weitere Bedrohung der Vereinigten Staaten sind
Konflikte an ihren Grenzen, die dem Heritage-Team
zufolge durch eine wirtschaftliche Verbindung Amerikas mit Mexiko durch das geplante Nordamerikanische Freihandelsabkommen abgewehrt werden kann.

AMERIKA DIENST 18

�Zu den sonstigen Bedrohungen gehören Protektionismus und Handelsblöcke, regionale Bemühungen zur
Unterbrechung von Seewegen, Terrorismus und Drogenhandel.
Europa, Ostasien und der Persische Golf werden
Gebiete erheblicher Besorgnis für die Vereinigten Staaten
bleiben, so die Heritage-Experten. Da in Europa keine
totalitäre Bedrohung am Horizont auftaucht, können
die Vereinigten Staaten der Studie zufolge ihre Truppen auf dem Kontinent bis Ende des Jahrzehnts drastisch auf etwa 50.000 reduzieren. Falls es nicht zu
einer erneuten Bedrohung auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion kommt oder eine dominierende gegnerische Macht auftritt, sollten die Vereinigten Staaten keine Truppen für einen regionalen Konflikt in Europa zusagen, erklären die Heritage-Spezialisten.
"Es liegt jetzt an der Europäischen Gemeinschaft,
Probleme zu lösen, die nicht direkt die amerikanische
Sicherheit berühren," meint Jay Kosminsky, stellvertretender Direktor für verteidigungspolitische Studien
bei der Heritage Foundation. "Wenn die Europäer uns
in Europa haben möchten, sollten sie uns darum bitten
und die Kosten unseres Engagements tragen."
Die Vereinigten Staaten sollten darüber hinaus die
Europäer drängen, Handelshemmnisse abzubauen
und als Gegenleistung für die anhaltende amerikani*

AMERIKA DIENST 18

sehe Präsenz die Vereinigten Staaten bei der strategischen Verteidigung und anderen Fragen zu unterstützen, so Kosminsky.
Die Heritage-Studie zieht den Schluß, daß die Geschichte "eindeutig gegen eine Wendung nach innen
spricht... Die Konservativen sollten nicht für Isolation
eintreten." Gleichzeitig warnt die Studie, auch "übermäßiges Eiferertum" sei gefährlich. "Demokratische
Kreuzzüge sind kein geeigneter Schwerpunkt einer
konservativen Außenpolitik."
Holmes zufolge geeigneter "ist es für Amerikaner, ihre
Interessen in der Welt zu definieren, die Bedrohungen
für sie zu identifizieren und dann Maßnahmen zu
ergreifen, um diesen Bedrohungen entgegenzutreten
sowie die Interessen zu schützen und erweitern".
Der im Jahr 1921 gegründete Council on Foreign
Relations ist eine gemeinnützige und überparteiliche
Mitgliederorganisation, die sich der Förderung des
Verständnisses der amerikanischen Außenpolitik durch
den freien Austausch von Ideen verschrieben hat. Die
im Jahr 1973 gegründete Heritage Foundation ist ein
überparteiliches, gemeinnütziges Forschungsinstitut,
das den Prinzipien des freien Unternehmertums, der
begrenzten Rolle des Staates, individueller Freiheit
und starker nationaler Verteidigung verpflichtet ist.

* * *

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Seite 3

�MINDERHEITEN
6. Mail 992

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die gegenwärtigen
Einwanderungs- und Bevölkerungsmuster anhalten,
werden einem bekannten Demographen zufolge bis
zum Jahr 2040 nur etwa 60 Prozent der Amerikaner
europäischer Abstammung sein.
Den Rest werden zumeist Einwanderer aus Südamerika und Asien, ihre Nachkommen und amerikanische
Schwarze bilden, erklärt Jeffrey Passei.
Passei, ein an der Johns Hopkins University ausgebildeter Soziologe, ehemaliger Beamte des Statistischen
Bundesamts und oft zitierte Quelle für Bevölkerungsentwicklungen verweist darauf, daß in zwanzig Jahren
Schwarze nicht mehr die größte Minderheitengruppe
stellen werden. Sie werden von Hispaniern und später
möglicherweise von Amerikanern asiatischer Abstammung abgelöst. (Hispanier beschreibt in Amerika
Personen mexikanischer, mittel-oder südamerikanischer Herkunft. Viele Hispanier haben indianische
und spanische Vorfahren).
Passei und Barry Edmonston vom Urban Institute,
einer gemeinnützigen, nicht parteigebundenen Denkfabrik in Washington, haben kürzlich einen Bericht
über Einwanderung und Rasse in den Vereinigten
Staaten veröffentlicht.
Sie schätzen, daß die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2040 auf 355 Millionen
steigen wird - von 249 Millionen im Jahr 1990.
Wenn dem Bericht zufolge die gegenwärtigen Tendenzen bei der Einwanderung in den nächsten 50 Jahren
anhalten, "wird die Minderheitenbevölkerung weiterhin
wachsen, wobei die Gruppen der Hispanier und Asiaten ihr starkes Wachstum der letzten Jahrzehnte fortsetzen wird".
Er führt weiter aus: "Beim gegenwärtigen Stand der
Einwanderung wird die hispanische Bevölkerung die
schwarze Bevölkerung überholen und in weniger als
20 Jahren die größte Minderheitengruppe in den Vereinigten Staaten werden."

AMERIKA DIENST 18

"1990", so der Bericht, "besteht etwa ein Viertel der
Bevölkerung aus Minderheiten, wobei Schwarze etwa
12 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Der Anteil
der Schwarzen (an der Gesamtbevölkerung) wird im
nächsten Jahrhundert weiterhin etwa 12 bis 13 Prozentbetragen."
"Der Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die asiatischer oder hispanischer Herkunft ist, wird jedoch weiter steigen. Bis 2040 werden schätzungsweise 40
Prozent der Bevölkerung einer Minderheit angehören... Der Anteil der schwarzen Minderheit wirdweiterhin zurückgehen. Bis 2040 werden Schwarze weniger
als ein Drittel der Minderheiten stellen."
Passei und Edmonston schätzen, daß die Anzahl der
Amerikaner asiatischer Herkunft von 7 Millionen im
Jahr 1990 auf 35 Millionen im Jahr 2040 steigen wird.
Demnach wird sich die Zahl der Hispanier auf 64
Millionen verdreifachen. Der Anteil der Schwarzen
wird von 30 Millionen auf 44 Millionen steigen, und die
Zahl nichthispanischer Weißer wird von 187 Millionen
auf 211 Millionen steigen.
Passei gibt zu, daß sich natürlich jede dieser Schätzungen aufgrund unvorhergesehener Ereignisse als
unbegründet erweisen könnte: weltweite politische
Verschiebungen, die plötzlich (wie in der Vergangenheit) Einwanderungsmuster verändern, Krankheiten,
Lebenserwartung, vom Kongreß verabschiedete
Gesetze und andere Variablen.
"Die große Steigerung," erklärte Passei in einem Interview, "wird erwartungsgemäß bei der hispanischen
Bevölkerung stattfinden. Wir schätzen, daß etwa 40
Prozent der (legalen und illegalen) Einwanderer Hispanier sein werden - ebensoviel wie jetzt... Ihre Fortpflanzungsrate ist etwas höher als bei der nichthispanischen Bevölkerung. Dennoch ist die hohe Trendlinie
für das Wachstum der hispanischen Bevölkerung fast
ausschließlich auf die geschätze Einwanderung zurückzuführen. Auch die Gruppe der Asiaten wird
immer größer, wofür ebenfalls die Einwanderung verantwortlich ist."

Seite 1

�Im Augenblick prognostiziert Passei keine neuen Einwanderungswellen aus Ost- oder Westeuropa - den
tradtionellen Herkunftsländern. "So wie das Einwanderungsgesetz von 1990 funktioniert," erklärt er, "gibt
es zwar eine Bestimmung, die Einwanderer aus Europazuläßt, aber nur in sehr geringer Zahl. Ferner ist das
US-Einwanderungsgesetz sehr liberal bei der Zulassung von Verwandten der Personen, die bereits hier im
Land leben - und bei uns leben bereits zahlreiche
Einwanderer aus hispanischen oder asiatischen Ländern, die einreisewillige Verwandte haben und einfach
weitere Verwandte angeben. Ein Einwanderer aus
Osteuropa hat nicht so viele Verwandte."
Passei fügt hinzu, daß "fast alle Untersuchungen über
den Einfluß von Einwanderern zu dem Schluß kommen, daß Einwanderer sich positiv auf die Wirtschaft
auswirken... Sie neigen dazu, Arbeitsplätze zu schaffen und streben in größerem Umfang eine Erwerbstätigkeit an als die einheimische Bevölkerung. Bestimmte Segmente sind besonders geneigt, neue Betriebe
zu gründen."
Unter Hinweis darauf, daß es in Amerika "einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gibt, erklärt er, daß
"das Gesetz von 1990 die Zahl der verfügbaren Stellen
für hochqualifizierte Einwanderer erhöht hat, von 58.000
auf 140.000, aber wir bekommen auch viele hochqualifizierte und fähige Einwanderer durch den Passus
des Einwanderungsgesetzes über Familienzusammenführung. Wenn Sie die Mitte der achtziger Jahre zurückblicken und die Zahl der zugelassenen Ingenieure und Krankenschwestern betrachten, so kamen
zwischen 60 und 70 Prozent von ihnen im Rahmen der
Familienzusammenführung."

Seite 2

Was die sozialen Auswirkungen der Einwanderung
betrifft: "Esgibt... einige Schwierigkeiten, zum Beispiel
für unsere Schulsysteme, weil sie mit Menschen so
unterschiedlicher Herkunft umgehen müssen."
"Ferner besteht die Gefahr der Zersplitterung des
politischen Gefüges in einer Reihe von sich verstärkenden Dimensionen, wenn die Kluft zwischen Gruppen von Hispaniern und Asiaten sowie Schwarzen und
Weißen durch andere Spaltungen der Gesellschaft
verstärkt werden - Klassenunterschiede, unterschiedliche Wohngebiete, berufliche Unterschiede."
Dennoch erklärt Passei: "Einwanderung verbindet die
Vereinigten Staaten mit dem Rest der Welt. Neue
Einwanderer unterhalten Verbindungen zu ihren Heimatländern, und von beiden Seiten gibt es einen Fluß
von Menschen, Informationen, Waren und Dienstleistungen. Im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen gibt es keine Beweise, daß Einwanderer den
Einheimischen Arbeitsplätze wegnehmen. Und was
die Verbrechensrate in unseren Städten betrifft, habe
ich nichts gefunden, was darauf hindeutet, daß Einwanderung hier die treibende Kraft ist."
"Ich glaube," so Passei, daß die Einwanderer in die
Vereinigten Staaten kommen, um Amerikaner zu werden.
Wenn sie die Entscheidung treffen, sich nicht anzupassen, trägt dies dazu bei, daß viele von ihnen
zurückgehen. Wir beobachten viele Ehen zwischen
unterschiedlichen Rassen und Menschen unterschiedlicher Herkunft, und Hispanier und Asiaten sind in den
Wohngebieten nicht stark voneinander getrennt. Diese Anzeichen sind ermutigend."

AMERIKA DIENST 18

�WAHLEN

'9 2
6. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON -(AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (29. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie
die Ergebnisse der Vorwahlen in Pennsylvania.
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Ergebnisse der Vorwahlen vom 28. April

Clinton

1.499,50

Nicht gebunden

569,25

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 28.
April erhalten hat.

Tsongas

535

Demokraten

Brown

321,25

Clinton

57

Brown

26

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Tsongas

13

Bush

Sonstige

4

Sonstige

40

1.092

Buchanan
Sonstige

56
3

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

77

Buchanan

23

* * * *

AMERIKA DIENST 18

Prozentsatz der Stimmen

*

Seite 1

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