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                  <text>ciniGfikci&#13;
U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
17&#13;
&#13;
dienet&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
• * # &amp; &gt;&#13;
&#13;
«&lt;y&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten&#13;
beim Forum of the Americas&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker&#13;
beim Chicago Council&#13;
&#13;
GUS-HANDEL&#13;
&#13;
BUSH DRANGT AUF ERWEITERTEN HANDEL&#13;
MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmner&#13;
&#13;
IWF&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ UND&#13;
NATIONALISMUS: MÖGLICHKEITEN DER&#13;
HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-339 2372&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten beim Forum of the Americas&#13;
WASHINGTON - (AD) Bei der Abschlußsitzung des Forum of the Americas erklärte Präsident Bush, die&#13;
Menschen in allen Ländern Lateinamerikas seien auf dem Weg, "etwas zu schaffen, das die Menschheit noch&#13;
nie gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft".&#13;
In seiner Rede vor 400 führenden Industrievertretern aus zwei Kontinenten verwies Bush am 24. April 1992 auf&#13;
die bahnbrechenden Veränderungen, deren Zeuge die Welt in den letzten drei Jahren geworden ist. Er nannte&#13;
dabei die Vereinigung Deutschlands, den Zusammenbruch des Kommunismus, die Abschaffung der Apartheid&#13;
in Südafrika, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten und die Aggression entgegentretenden Vereinten&#13;
Nationen.&#13;
"Hier auf unserem eigenen Kontinent", fügte Bush hinzu, "haben alle Länder Lateinamerikas ein Zeitalter&#13;
weitreichender und vielversprechender Veränderungen eingeleitet".&#13;
Bush verwies ferner auf die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte und schlo ß seine Ausführungen mit einer&#13;
Warnung: "Die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen,&#13;
Menschen mit Weitblick und Unternehmergeist."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich kann mir keinen wichtigeren Augenblick vorstellen,&#13;
an dem wir in diesem Forum zusammenkommen, als&#13;
den gegenwärtigen Zeitpunkt. In den letzten drei&#13;
Jahren haben wir erlebt, wie sich unsere Welt gewandelt hat: Die Berliner Mauer ist gefallen und Deutschland friedlich vereinigt, die Menschen in Osteuropa&#13;
und der Sowjetunion vom Kommunismus befreit, fertraf Südafrika die historische Entscheidung zur&#13;
Abschaffung der Apartheid. Wir sind Zeugen geworden, daß die arabischen Nachbarn erstmals von Angesicht zu Angesicht mit Israel verhandelten, und eine&#13;
internationale Koalition hat sich unter dem Banner der&#13;
Vereinten Nationen erhoben und die irakische Aggression gegen Kuwait zurückgeschlagen. Darübe. hinaus&#13;
gibt es eine tiefgreifende Veränderung, die für jeden&#13;
Menschen auf der Welt von Bedeutung ist: wir haben&#13;
die Bedrohung eines Atomkrieges drastisch reduziert.&#13;
Erst heute haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen&#13;
ergriffen, um den Handel mit Hochtechnologiewaren&#13;
zu erleichtern, eine Initiative, die durch das veränderte&#13;
strategische Umfeld und die friedliche Wiedergeburt&#13;
der Freiheit in den ehemals kommunistischen Ländern&#13;
ermöglicht wurde. Wir haben Handelsbeschränkun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
gen für Exporte aufgehoben, die uns im Zeitalter des&#13;
kalten Krieges gute Dienste erwiesen haben, aber in&#13;
unserer neuen Welt nicht mehr nötig sind. Unsere&#13;
heutigen Maßnahmen werden Tausende von Ausf uhrlizenen überflüssig machen, darunter viele für Computer, einem unserer Exportschlager. Diese heutige&#13;
Aufhebung von Beschränkungen betrifft Handel im&#13;
Umfang von 2,5 Milliarden Dollar.&#13;
Hier auf unserem eigenen Kontinent haben alle Länder&#13;
Lateinamerikas ein Zeitalter weitreichender und vielversprechender Veränderung eingeleitet. Wir haben&#13;
Geschichte gemacht. Wir sind tatsächlich auf dem&#13;
Weg, etwas zu schaffen, das die Menschheit noch nie&#13;
gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft.&#13;
Von Mexiko City bis Buenos Aires wird diese Vision&#13;
Wirklichkeit. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fließt&#13;
mehr Privatkapital für neue Investitionen in die Länder&#13;
Amerikas als abfließt. In einem Land nach dem&#13;
anderen wurde der hohen Inflation, die - insbesondere&#13;
die armen - Volkswirtschaften der Region ruiniert,&#13;
Einhalt geboten. In fast jedem Land ist wieder reales&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Wachstum zu verzeichnen. Eine steigende Zahl von&#13;
Ländern zieht Vorteile aus dem Bradyplan, einer wichtigen Initiative, deren Ziel es ist, die Schuldenlast zu&#13;
reduzieren und neuem Wachstum den Weg zu bereiten.&#13;
Schranken für Handel und Investitionen fallen. In den&#13;
Finanzzentren der Welt werden Sie immer dasselbe&#13;
hören: eine der aufregendsten Regionen für Investitionen ist Lateinamerika.&#13;
Im Rahmen dieser wirtschaftlichen Revolution sind wir&#13;
Zeugen einer ebenso starken politischen Revolution&#13;
geworden, bei der wir eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zwei Jahre nach Einführung der Operation Gerechte Sache hat Panama die Unterdrückung&#13;
der Ära Noriega durch Freiheit und Demokratie ersetzt. In El Salvador haben unsere kontinuierlichen&#13;
Bestrebungen nach zwölf Jahren Bürgerkrieg zu Frieden geführt. In Nicaragua haben wir unser Ziel verwirklicht, durch freie Wahlen wieder Frieden und Demokratie zu schaffen.&#13;
In ganz Mittelamerika sind zivile Präsidenten im Amt,&#13;
und das Prinzip der Zustimmung der Regierten ist fest&#13;
verankert. In Südamerika sind Chile und Paraguay der&#13;
Gemeinschaft der Demokratien beigetreten.&#13;
Diese friedliche Revolution in allen Ländern Lateinamerikas erfolgte nicht zufällig. Sie ist die Arbeit einer&#13;
Generation mutiger und engagierter demokratischer&#13;
Politiker, mit denen wir eng zusammengearbeitet haben,&#13;
um unsere gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Der neue&#13;
Geist zeigte sich im Juni vergangenen Jahres, als die&#13;
Generalversammlung derOAS eine Resolution verabschiedete, um die internationale Reaktion auf Bedrohungen für die Demokratie zu verstärken.&#13;
Die Konsolidierung dieser Revolution wird nicht leicht&#13;
sein. Millionen Menschen auf unserem Kontinent&#13;
leben immer noch in Armut und politischer Unmündigkeit. Die jüngsten Ereignisse in Haiti, Venezuela und&#13;
Peru erinnern uns daran, daß die Demokratie immer&#13;
noch brüchig und ständigen Gefahren ausgesetzt ist.&#13;
In all unseren Ländern hängen mächtige Lobbys an&#13;
alten Ideen und Privilegien, fördern Protektionismus&#13;
und widersetzen sich erweitertem Handel.&#13;
Den Unbelehrbaren - Castros totalitärem Regime,&#13;
denjenigen auf dem Kontinent, die die Uhr in die Zeit&#13;
der Militärdiktatur zurückdrehen wollen, möchte ich&#13;
einen Punkt deutlich herausstellen: Hunderte Millionen Lateinamerikaner glauben an ihre Freiheit und ihre&#13;
Chance. Und ich stehe zu ihnen. Solange ich Präsident bin, werden die Vereinigten Staaten ihre Energie&#13;
für die echte und dauerhafte Befreiung der Menschen&#13;
in der westlichen Hemisphäre aufwenden.&#13;
Eine gemeinsame demokratische Geisteshaltung bewirkt&#13;
bei jedem Thema, das wir angehen, einen Unterschied: Die Wiedergeburt der Demokratie führte dazu,&#13;
daß Argentinien und Brasilien gemeinsam die VerbreiSeite 2&#13;
&#13;
tung von Nuklearwaffen aufgehalten haben. Die&#13;
Demokratie hat in Brasilien Energien freigesetzt, um&#13;
die Abholzung der Regenwälder am Amazonas aufzuhalten. Dank der Demokratie hat Argentinien den&#13;
Willen, das von Libyen und dem Irak finanzierte Raketenprogramm Condor zu stoppen. Kolumbiens Demokratie bekämpft den Drogenhandel und arbeitet an der&#13;
Wiederherstellung seiner wirtschftlichen Vitalität. Die&#13;
neu geschaffene Demokratie in Panama hai strenge&#13;
neue Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet und arbeitet daran, die Bedeutung des&#13;
Landes als Handelskorridor zwischen Ost und West&#13;
wiederzugewinnen.&#13;
Damit wir uns nicht mißverstehen: politische und&#13;
wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Ebenso wie&#13;
Menschen ein gottgegebenes Recht haben zu wählen,&#13;
wer sie regieren soll, müssen sie auch so frei sein,&#13;
wirtschaftlich wählen zu können. Wenn wir Schranken&#13;
für die wirtschaftliche Freiheit innerhalb und au ßerhalb&#13;
unserer Länderabbauen, setzen wir starke Kräfte des&#13;
Wachstums und der Kreativität frei.&#13;
Bevor ich aus dem Amt scheide, möchte ich, daß&#13;
Hersteller in Cleveland denselben Zugang zu den&#13;
Märkten in Monterrey haben wie zu denen in Minneapolis. Mit Hilfe neuer Technologien könnten Dienstleistungsunternehmen in Denver Märkte in Santiago&#13;
genauso leicht erschließen wie in Chicago. Ich möchte&#13;
daran arbeiten zu gewährleisten, daß staatliche Eingriffe und übermässige Vorschriften dem nicht im Weg&#13;
stehen. Um dies zu tun, müssen wir den eingeschränkten Blickwinkel der Sonderinteressen überwinden. Ich bin davon überzeugt, daß wir genau dios&#13;
tun können und wollen.&#13;
Ich habe es zu einer meiner obersten Prioritäten&#13;
erklärt, ein Freihandelsabkommen zu schließen, das&#13;
alle Zölle im Handel zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko abschafft Diesos Abkommen baut auf unserem historischen Freihandelsabkommen mit Kanada auf. Der Erfolg der Vereinbarung&#13;
mit Kanada demonstriert, wie freier Handel allen Beteiligten dienen kann.&#13;
Ich kann diesen Durchbruch nicht erzielen, indem ich&#13;
zwischen den Protektionisten, die dem Status quo eine&#13;
Lanze brechen, und der Bewegung für Freiheit und&#13;
Veränderung abwäge. Vielfach wird vorgeschlagen,&#13;
wir könnten uns in einem Kokon der Protektion einspinnen und in dem Glauben wiegen, von der frischen Luft&#13;
des Wettbewerbs zu profitieren. Sie und ich wissen,&#13;
daß dies ein völliger Trugschlu ß ist. Unsere wirtschaftliche Zukunft darf nicht von denjenigen abhängen, die&#13;
dem freien Handel das Wort reden, sich aber mächtigen Lobbys unterwerfen. Wir können nicht beides&#13;
haben. In unserem Unabhängigkeitskrieg wurden die&#13;
Vertreter dieser Auffassung als "Summer Soldiers"&#13;
bezeichnet. Sie wollten den Ruhm der Revolution&#13;
ohne den Schneid zu beweisen, auch in schweren&#13;
Zeiten für die Freiheit geradezustehen. Meine Haltung&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�ist eindeutig: Offener Handel ist für die Vereinigten&#13;
Staaten unabdingbar und genauso wichtig wie innenpolitische Reformen zur Erneuerung unserer Bereiche&#13;
Bildung, Gesundheitswesen, Verwaltung und Rechtswesen.&#13;
Eine Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wäre der größte Markt der&#13;
Welt - 360 Millionen Verbraucher mit einer Wirtschaft&#13;
von 6 Billionen Dollar. Mexiko ist heute einer der am&#13;
schnellsten wachsenden nationalen Märkte für USExporte. Allein in den letzten drei Jahren sind die&#13;
amerikanischen Warenexporte nach Mexiko um zwei&#13;
Drittel gestiegen. Unsere Exporte von Autos, Autoersatzteilen und Telekommunikationsgeräten nach&#13;
Mexiko haben sich verdoppelt. Hier im Publikum mag&#13;
man sich c'ieser Tatsache bewußt sein, aber ich bezweifle, daß es in den Vereinigten Staaten weithin&#13;
bekannt ist, daß zwei Drittel aller Exporte nach Mexiko&#13;
aus Jen Vereinigten Staaten kommen.&#13;
Nicht nur die Staaten an der Grenze profitieren von&#13;
diesem Wachstum. Während meiner Präsidentschaft&#13;
haben 45 unserer 50 Bundesstaaten ihre Exportenach&#13;
Mexiko gesteigert. Zu unseren 10 führenden Exporteuren nach Mexiko zählen heute Michigan, Illinois,&#13;
New York, Louisiana, Pennsylvania, Florida und Ohio&#13;
ebenso wie Texas, Kalifornien und Arizona.&#13;
Der Handel mit Mexiko trägt bereits Hunderttausende&#13;
von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten. Nur als&#13;
Beispiel: Tausende guter Arbeitsplätze in Warren&#13;
(Ohio) und Rochester (New York) hängen davon ab,&#13;
daß die Produkte der Tochterfirmen in Mexiko wettbewerbsfähig bleiben. Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde Tausende weitere schaffen. Es&#13;
würde wettbewerbsfähige Kapazitäten und Größenvorteile schaffen, durch die amerikanische Unternehmen auf den Weltmärkten konkurrieren können.&#13;
Freier Handel mit Kanada und Mexiko macht aus uns&#13;
allen Gewinner der Wirtschaft, aber unsere Beziehungen gehen weit über den Handel hinaus, Unsere&#13;
Grenzen erstrecken sich über den ganzen Kontinent.&#13;
A'i sind durch jahrhundertealte familiäre und kulturelle&#13;
Bande verbunden. Mit Premierminister Brian Mulroney, den ich oft konsultiere, verbindet mich eine enge&#13;
Freundschaft. Ferner zähle ich Präsient Carlos Saunas zu meinen guten Freunden - er und ich haben seit&#13;
unserem Gipfeltreffen unmittelbar nach unser beider&#13;
Wahl im Jahr 1988 den "Geist von Houston" unterstützt. Sowohl Präsident Salinas als auch Premierminister Mulroney sind fähige und kreative Politiker, und&#13;
ich engagiere mich für eine Zusammenarbeit mit ihnen, um dauerhafte Freundschaft unter unseren Ländern zu schaffen, die auf offenem Handel, Kooperation&#13;
und gegenseitigem Respekt basiert.&#13;
Sie haben vielleicht gehört, daß vielfach angenommen&#13;
wird, die Politik diktiere eine Verschiebung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens bis nach den&#13;
&#13;
Wahlen. Dies ist nicht meine Meinung. Jetzt ist der&#13;
günstige Zeitpunkt. Ich habe unsere Unterhändler&#13;
angewiesen, ihre Arbeit zu beschleunigen. Meiner&#13;
Meinung nach können wir vor der Wahl zu einer&#13;
ausgewogenen Entscheidung kommen, und ich möchte ein gutes Abkommen unterzeichnen, sobald es&#13;
fertig ist.&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist nur&#13;
der Anfang. Unsere Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas hat bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht und Märkte geöffnet,&#13;
den Investitionsfluß erhöht, die staatliche Schuldenlast abgebaut und die Umwelt auf dem ganzen Kontinent positiv beeinflußt.&#13;
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den&#13;
Ländern Amerikas spiegelt eine Revolution im Denken&#13;
wider. Mit dieser Initiative streben die Vereinigten&#13;
Staaten nicht danach, ihren Nachbarn ihre Ideen aufzuzwingen. Unser Programm zielt vielmehr darauf ab,&#13;
ihnen die Macht zu geben, mit ihren selbstgewählten&#13;
marktwirtschaftlichen Reformen Erfolg zu haben, die&#13;
in Lateinamerika für Lateinamerikaner entwickelt wurden.&#13;
Die mutigen lateinamerikanischen Politiker, die ihre&#13;
Volkswirtschaften reformieren und Hemmnisse für&#13;
Handel und Investitionen abbauen, brauchen unsere&#13;
Unterstützung. Sie sind die echten Befreier unserer&#13;
Zeit. Echter Erfolg bedeutet, dirigistische Systeme&#13;
aufzubrechen, die einstmals wohlhabende Eliten schützen sollten und der arbeitenden Bevölkerung sowie&#13;
den Armen verschlossen waren. Freie Marktreformen&#13;
werden belastende Vorschriften beseitigen, die jetzt&#13;
verhindern, daß die Armen aus den Städten Unternehmen gründen oder Campesinos Kredite und Eigentumsrechte an ihrem Land bekommen.&#13;
Zu Wirtschaftsreformen gehört eine ehrliche Regierung. Korruption ist der Feind von Wachstum und&#13;
Demokratie. Neue Investitionen werden nur dort fließen, wo Rechtsstaatlichkeit gesichert ist, die Gerichte&#13;
gerecht urteilen und Ausschreibungsprozesse allen&#13;
offenstehen.&#13;
Um die Reformer zu unterstützen - und die vielversprechende neue Vision in Lateinamerika zu realisieren muß der US-Kongreß seiner Pflicht nachkommen. Ich&#13;
habe den Kongreß gebeten, eine seit langem fällige&#13;
Maßnahme zu ergreifen und in diesem Haushaltsjahr&#13;
310 Millionen Dollar in die Initiative zur Förderung der&#13;
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas zu investieren. Damit könnten wir über 1 Milliarde Dollar der&#13;
Staatsschulden auf dem Kontinent abschreiben und&#13;
Millionen Dollar zur Erhaltung der Umwelt aufbringen.&#13;
Aber der Kongreß hat sich geweigert, zu diesem&#13;
Zweck Mittel bereitzustellen. Er glaubt offensichtlich&#13;
nicht daran, daß sich Investitionen auszahlen - im&#13;
Gegensatz zu mir. Und zu den Lkw-Fahrem und&#13;
Eisenbahnern. Und den Herstellern von Automobilen&#13;
4&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�und Elektronik. Und den Umweltexperten und vielen&#13;
anderen.&#13;
Ich habe mitgeholfen, unsere Verbündeten in Europa&#13;
und Japan davon zu überzeugen, jährlich zwei Drittel&#13;
eines 1,5-Milliarden-Fonds bereitzustellen, um die&#13;
Reformer in Lateinamerika zu unterstützen. Dieser&#13;
von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwaltete Fonds würde helfen, auch kleine Staatsbetriebe zu privatisieren, die Beschäftigten umzuschulen&#13;
und Kredite für die Gründung von Kleinunternehmen&#13;
bereitzustellen. Aber der Kongreß hat sich geweigert,&#13;
unseren Anteil an diesem Fonds zu bewilligen.&#13;
Ich werde weiterhin für diese wichtigen Programme&#13;
der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen&#13;
Ländern Amerikas kämpfen, bis der Kongreß den&#13;
Weitblick und die Stärke demonstriert, um sie zu&#13;
unterstützen, wie sie es verdient. Wenn wir in die&#13;
Umgestaltung Osteuropas und der früheren Sowjetunion investieren können - was wir tun müssen - dann&#13;
können und müssen wir in die Anstrengungen unserer&#13;
unmittelbaren Nachbarn auf ihrem friedlichen Weg zu&#13;
echter Freiheit und echtem Wohlstand investieren.&#13;
Das wirtschftliche Schicksal der Vereinigten Staaten&#13;
ist an Lateinamerikas Schicksal geknüpft. Keine Armee&#13;
von Protektionisten kann dies ändern. Als Lateinamerika Anfang der achtziger Jahre seine Schuldenkrise&#13;
erlitt, verzeichneten wir einen entsprechenden Einbruch im Handel. Wenn Sie das nicht glauben, fragen&#13;
Sie die Arbeiter bei Caterpillar in Illinois oder bei&#13;
Cessna in Kansas. Fragen Sie sie, ob sie gelitten&#13;
haben, als unsere besten Kunden in Lateinamerika&#13;
eine Krise hatten.&#13;
Mit dem Vormarsch von Demokratie und Wirtschaftsreformen sind die US-Exporte nach Lateinamerika in&#13;
nur zwei Jahren um fast zwei Drittel gestiegen, von 49&#13;
Milliarden im Jahr 1989 auf 63 Milliarden im Jahr 1991.&#13;
Dies ist eine schnellere Wachstumsrate als bei unseren Exporten nach Asien oder Europa. Es deutet auf&#13;
die Tatsache hin, daß ein stabiles, wohlhabendes&#13;
Lateinamerika ein natürlicher Markt für Waren und&#13;
Dienstleistungen aus den Vereinigten Staaten ist. Die&#13;
Förderung der Volkswirtschaften unserer Nachbarn&#13;
wird zu mehr Exporten und mehr guten Arbeitsplätzen&#13;
für die Menschen in den Vereinigten Staaten führen.&#13;
Wenn wir mit unseren Freunden außerhalb der westlichen Hemisphäre sprechen, müssen wir ihnen so klar&#13;
wie möglich versichern: Bei unserer Vision von offenem Handel und wirtschaftlicher Integration in unserer&#13;
Hemisphäre soll niemand ausgeschlossen werden.&#13;
Unser Ziel besteht ganz einfach darin, die Schranken&#13;
für wirtschaftliche Freiheit innerhalb und außerhalb der&#13;
Länder der westlichen Hemisphäre zu senken und&#13;
keine - ich wiederhole: keine - Schranken zwischen&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
uns und den Ländern Afrikas, Europas und Asiens zu&#13;
errichten. All unsere Ziele stehen im Einklang mit der&#13;
internationalen Politik des GATT - und ich möchte nur&#13;
kurz die hervorragende Führungskraft des GATTDirektors, Arthur Dunkel, würdigen, der bereits heute&#13;
zu Ihnen gesprochen hat. Ich möchte Ihnen ferner&#13;
versichern, daß ich äußerstes Interesse daran habe,&#13;
mit Hilfe einer erfolgreichen Uruguay-Runde die Märkte weltweit zu öffnen.&#13;
Wenn die Verfechter und Befürworter von Sonderinteressen dies in Frage stellen wollen, sollen sie nur&#13;
kommen. Ich werde mich bei allen Menschen in allen&#13;
Winkeln der Vereinigten Staaten für mehr Handel&#13;
einsetzen. Und ich möchte eins klarstellen: Freier&#13;
Handel bedeutet mehr Exporte, mehr Investitionen,&#13;
eine bessere Wahl, mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Dieses große Land ist der Welt größter Exporteur&#13;
- im vergangenen Jahr für über 422 Milliarden Dollar - ,&#13;
und wir beabsichtigen eine Handelspolitik zu verfolgen, die dieses Wachstum jetzt und in Zukunft erhält.&#13;
Wir werden Schranken einreißen, wo immer wir sie&#13;
finden, um zum Beispiel Märkte für unsere ComputerSoftware, Filme, Bücher und Arzneimittel zu öffnen.&#13;
Wir werden den Protektionismus im In- und Ausland&#13;
stark bekämpfen.&#13;
Vor 500 Jahren hat ein mutiger Mann voller Visionen in&#13;
Europa die Segel gesetzt, auf der Suche nach neuen&#13;
Handelswegen und Möglichkeiten. Er setzte sich über&#13;
den Rat derer hinweg, die erklärten, die Erde sei eine&#13;
Scheibe. Christoph Kolumbus' Reise nach Amerika&#13;
hat die Geschichte der Menschheit verändert. Kolumbus war ein Abenteurer, und das Risiko, das er vor 500&#13;
Jahren auf sich nahm, zahlt sich heute noch voll und&#13;
ganz aus.&#13;
Heute müssen wir immer noch gegen eine rückwärts&#13;
gerichtete Mentalität ankämpfen, den Geisteszustand,&#13;
der uns drängt, an unseren Grenzen Schranken gegen&#13;
den Wettbewerb zu errichten, den freien Austausch&#13;
von Nahrungsmitteln, Maschinen, Fähigkeiten und&#13;
Ideen nicht zuzulassen.&#13;
Aber die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist&#13;
das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen, Menschen&#13;
mit Weitblick und Unternehmergeist. Die Zukunft der&#13;
Länder Amerikas ist eine Zeit der Neuentdeckung.&#13;
Eine Zeit, um die Armen durch neue Investitionen,&#13;
Handel und Wachstum mit Macht auszustatten. Eine&#13;
Zeit der kulturellen Erneuerung. Unsere Anstrengungen und die Anstrengungen von Millionen Bürgern in&#13;
allen Teilen Amerikas können einer ehrlichen, demokratischen und eingeschränkten Regierung neue Impulse&#13;
geben. Gemeinsam können wir in eine neue Friedensordnung und ein neues Zeitalter des Wohlstands&#13;
eintreten, denen die Freiheit des einzelnen neuen&#13;
Schwung verleiht.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker beim Chicago Council&#13;
WASHINGTON - (AD) - Als mächtigste Demokratie der Welt müssen die Vereinigten Staaten Außenminister&#13;
Baker zufolge in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion als Katalysator für die Verbreitung von&#13;
Demokratie und freien Märkten wirken.&#13;
"Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen politische und wirtschaftliche Freiheit stützt," erklärte Baker beim&#13;
Chicago Council on Foreign Relations in einer wichtigen Rede zur Außenpolitik.&#13;
Baker zufolge kann durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die neue&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" erweitert und die neuen Staaten der früheren Sowjetunion ebenso in die&#13;
demokratische Staatengemeinschaft eingegliedert werden wie Mittel- und Osteuropa seit 1989.&#13;
Außenminister Baker bezeichnete das von Präsident Bush Anfang des Monats angekündigte internationale&#13;
Hilfspaket von 24 Milliarden Dollar als herausragendes Beispiel für funktionierendes kollektives Engagement. Mit&#13;
diesem Paket soll Rußland geholfen werden, seine Wirtschaft zu stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu&#13;
bringen und Wachstum und Entwicklung den Weg zu bereiten.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.&#13;
Vor nicht allzu langer Zeit war ich in Deutschland auf&#13;
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein-Main. Die Piloten&#13;
dort rollten ihre Flugzeuge in die Startposition. Mitglieder der Besatzung bemühten sich, die letzten Stücke&#13;
der Ladung zu verstauen. Die Jets donnerten, als ich&#13;
beobachtete, wie Flugzeuge der US-Luftwaffe zu ihrem Flug nach Moskau und in 19 andere Städte der&#13;
ehemaligen Sowjetunion starteten.&#13;
Auf eben diesem Stützpunkt und anderen halten junge&#13;
Amerikaner seit zwei Generationen Wache, bereit,&#13;
Flugzeuge zu starten, um einen sowjetischen Angriff&#13;
abzuwehren. Aber statt Raketen und Bomben starteten die amerikanischen Flugzeuge jetzt mit Nahrungsund Arzneimitteln als Ladung der Hoffnung, nicht als&#13;
Fracht der Zerstörung.&#13;
Dieser Flug war auch Teil einer längeren Reise - des&#13;
Wegs, den die Welt nach so vielen Jahren des kalten&#13;
Kriegs zurückgelegt hat und des Wegs, den wir als&#13;
Amerikaner im Laufe dieses Jahrhunderts gegangen&#13;
sind.&#13;
Zweimal zuvor hat sich Amerika auffordern lassen,&#13;
beim Aufbau eines neuen Friedens die Führungsrolle&#13;
zu übernehmen.&#13;
Jetzt ist dieser Aufruf erneut ergangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Eine amerikanische Reise&#13;
Die ersten Schritte auf dieser amerikanischen Reise&#13;
wurden in diesem Monat vor 75 Jahren unternommen.&#13;
Wir traten in den sogenannten Großen Krieg ein, den&#13;
Krieg, der alle Kriege beenden sollte, der aber ganz&#13;
einfach zum Ersten Weltkrieg wurde.&#13;
Diese schreckliche Vernichtung von Menschen und&#13;
Nationen zerstörte die alte Ordnung, setzte aber nichts&#13;
an ihre Stelle. Am Ende richteten alle Menschen ihre&#13;
Hoffnung auf die Vereinigten Staaten, die allein über&#13;
die Stärke und moralische Kraft verfügten, um einen&#13;
dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Amerika wurde zur Führungsrolle berufen.&#13;
Aber Amerika war nicht bereit. Unsere Führer waren&#13;
bitter zerstritten. Die Menschen in unserem Land&#13;
waren nur bestrebt, wieder ihr normales Leben aufzunehmen. Wir entschieden uns also, uns aus den&#13;
Streitigkeiten anderer Länder "herauszuhalten" und&#13;
hofften, uns dadurch auch selbst Schwierigkeiten&#13;
ersparen zu können.&#13;
Bevor wir zu streng über die Amerikaner im Jahr 1919&#13;
urteilen, sollten wir uns daran erinnern, daß der Isolationismus zunächst zu funktionieren schien. Die Feinde der Demokratie brauchten mehr als zehn Jahre und&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Große Depression, bevor sie den nächsten großen&#13;
Angriff starten konnten.&#13;
Aber wir sollten dies nicht falsch verstehen. Die&#13;
Katastrophen der dreißiger Jahren entstanden aus&#13;
den Fehlern der zwanziger Jahre: der Illusion des&#13;
Isolationismus und dem Irrglauben des Protektionismus. Als die Amerikaner schließlich verstanden, daß&#13;
ein protektionistisches Amerika niemals ein wohlhabendes Amerika und ein isolationistisches Amerika&#13;
niemals ein sicheres Amerika sein könnte, mußten wir&#13;
diese Fehler mit einer Depression und einem Krieg&#13;
bezahlen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten wir uns wieder&#13;
um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Wir&#13;
sahen uns jedoch zum zweiten Mal mit der Aufforderung zu einer internationalen Führungsrolle konfrontiert - im kalten Krieg gegen sowjetische Aggression.&#13;
Wir waren entschlossen, nicht die Fehler einer früheren Generation zu wiederholen. Dieses Mal stellten wir&#13;
uns der Herausforderung. Wir führten einen 40 Jahre&#13;
währenden Kampf, der schließlich mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus endete.&#13;
Jetzt ist der kalte Krieg Geschichte, und es wäre&#13;
verlockend, dieses Engagement Amerikas in der Welt&#13;
- das Amerika des Marshallplans, der NATO und der&#13;
Unterstützung der Demokratie in Japan - als offensichtliche und populäre Verpflichtung von Anfang an&#13;
zu betrachten. Das war es nicht.&#13;
Das amerikanische Volk stand den Aussagen seiner&#13;
politisch Verantwortlichen zunächst skeptisch gegenüber. Als der Kolumnist der New York Times, James&#13;
Reston, die Einzelheiten und wahrscheinlichen Kosten&#13;
des Marshallplans enthüllte, rief ihn Senator Arthur&#13;
Vandenberg, der Führer der Republikaner im Senat,&#13;
an. Vandenberg erklärte ihm, der Kongreß würde&#13;
niemals soviel Geld ausgeben, um irgendjemanden zu&#13;
retten. Aber als die Tatsachen dem amerikanischen&#13;
Volk dargelegt wurden, als es verstand, was auf dem&#13;
Spiel stand und getan werden mußte, wendete sich&#13;
das Blatt. Auch Senator Vandenberg änderte seine&#13;
Meinung und - mit Vandenbergs Hilfe und Unterstützung der Öffentlichkeit - bekam General Marshall das&#13;
Geld.&#13;
Weder der Marshallplan noch irgendeine andere der&#13;
großen Leistungen des Kongresses in jener Zeit kam&#13;
zustande, weil Auslandshilfe populär war. Das amerikanische Volk unterstützte den Marshallplan und das&#13;
NATO-Bündnis sowie Bestrebungen zur Förderung&#13;
von Demokratie und Wiederaufbau nicht, weil diese&#13;
Angelegenheiten populär waren, sondern weil die&#13;
Amerikaner wußten, was zu tun war.&#13;
Die Amerikaner wußten, daß es nicht ausreichte, die&#13;
Sowjetunion in Schach zu halten. Zugunsten dauerhaften Friedens und dauerhafter Freiheit mußten wir&#13;
aus unseren Gegnern des Zweiten Weltkriegs Freun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
de und Verbündete machen. Und dank unserer Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Freiheit in&#13;
diesen Ländern haben wir es geschafft. Die Ergebnisse sind für alle offensichtlich: Was ich als "Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands" bezeichnen würde, hat&#13;
vielen Ländern in Europa und Asien und nicht zuletzt&#13;
den Vereinigten Staaten neue Horizonte eröffnet.&#13;
Der dritte Aufruf: Führungsroile beim koii«ktlven&#13;
Engagement&#13;
Heute, im Zeitalter nach dem kalten Krieg, werden wir&#13;
zum dritten Mal aufgefodert, eine Führungsrolle zu&#13;
übernehmen. Dieses Mal geht es nicht darum, einen&#13;
Krieg zu gewinnen, sondern darum, einen demokratischen Frieden zu gewinnen. Dieses Mal geht es auch&#13;
nicht darum, den Frieden für einen Teil der Welt, die&#13;
freie Hälfte, sondern für die ganze Welt zu erlangen.&#13;
Amerika steht vor der Wahl: Entweder können wir&#13;
versuchen, diesen Frieden durch eine Politik der Zusammenarbeit mit anderen an der Gestaltung unserer&#13;
Zeit zu erzielen, oder wir können abseits stehen und sei es aus Überzeugung oder Gleichgültigkeit - dahintreiben, während die Zeit uns formt.&#13;
Der Präsident hat unsere Wahl eindeutig bekundet.&#13;
Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten&#13;
Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen - einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen&#13;
politische und wirtschaftliche Freiheit stützt. Wir haben dazu beigetragen, daß Demokratie nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Italien und Japan&#13;
gedeihen konnte und können daher jetzt demokiatische Werte in Rußland, der Ukraine, Armenien und&#13;
den anderen neuen Staaten Eurasiens fördern.&#13;
Gemeinsame demokratische Werte können einen&#13;
dauerhaften und stabilen Frieden auf eine Weise&#13;
gewährleisten, wie es das Gleichgewicht des Terrors&#13;
niemals konnte.&#13;
Echte Demokratien führen keinen Krieg miteinander.&#13;
Und obwohl die Demokratie unsere Sicherheit unterstützt, werden die damit einhergehenden freien Märkte&#13;
Wohlstand auf der ganzen Welt - und in Amerika fördern.&#13;
Kurzum - wir können durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" weiter nach&#13;
Osten nach Ru ßland und Eurasien erweitern und diese&#13;
neuen Staaten in die demokratische Staatengemeinschaft eingliedern ebenso wie wir seit 1989 daran&#13;
gearbeitet haben, die neuen Demokratien Mittel- und&#13;
Osteuropas in diese Zone von Frieden und Wohlstand&#13;
einzugliedern. Dies dient amerikanischen Interessen&#13;
und Werten nicht nur in Rußland und Eurasien, sondern auch in West- und Osteuropa, dem Nahen Osten&#13;
und Asien.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Die Arbeit an der Freiheit wird schwierig sein. Die&#13;
Länder Ru Bland und Eurasien haben im Gegensatz zu&#13;
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenig&#13;
Erfahrung mit Demokratie oder Kapitalismus. Die&#13;
Gefahren ethnischer Konflikte und politischer Zersplitterung lauem ebenso wie die Mühen und Opfer der&#13;
Marktrei'orm.&#13;
Dennoch ist die Gemeinschaft demokratischer Staaten größer und dynamischer als zu Ende des Zweiten&#13;
Weltkriegs. Deshalb planen wir, einen demokratischen Frieden aufzubauen, indem wir eine direkte&#13;
Politik der amerikanischen Führung verfolgen, die wir&#13;
"kollektives Engagement" nennen.&#13;
Kollektives Engagement baut auf unserem Erfolg bei&#13;
der Vergrößerung der demokratischen Staatengemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Deutschland,&#13;
Italien und Japan sind jetzt starke und wohlhabende&#13;
Verbündete. Durch Zusammenarbeit mit unseren&#13;
Verbündeten und den von uns nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg geschaffenen internationalen Organisationen - den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem&#13;
Internationalen Währungsfonds - müssen wir es nicht&#13;
allein leisten. Statt dessen können wir gemeinsam&#13;
einen demokratischen Frieden aufbauen.&#13;
Die treibende Kraft des kollektiven Engagements ist&#13;
die amerikanische Führungsrolle, die sich auf gemeinsame Werte und Interessen der demokratischen Staatengemeinschaft stützt.&#13;
Als mächtigste Demokratie auf der Welt müssen wir&#13;
als Katalysator wirken und nach vom streben, wo wir&#13;
dies können. Aber darüber hinaus gibt es noch etwas.&#13;
Wir nennen es Vertrauen. Präsident Bush hat erklärt,&#13;
die Welt vertraut uns die Macht an, sie vertraut auf uns,&#13;
das zu tun, was richtig ist. Aufgrund dieses amerikanischen Verhaltens können wir heute - wenn wir das&#13;
wollen - mit unseren Partnern daran arbeiten, die&#13;
Pflichten und Kosten zu teilen und zusammen unsere&#13;
gemeinsamen Probleme angehen. Das bedeutet&#13;
amerikanische Führungsrolle durch kollektives Engagement.&#13;
Wie es funktioniert hat&#13;
Im Laufe der Regierung Bush hat die Politik kollektiven&#13;
Engagements funktioniert - und sie hat gut funktioniert.&#13;
Tatsächlich hat sie Leistungen vollbracht, die über das&#13;
hinausgingen, was viele für möglich gehalten haben&#13;
und wovon viele gesagt haben, es sei zur Zeil einfach&#13;
unmöglich zu bewerkstelligen.&#13;
Viele haben erklärt, Deutschland könne nicht friedlich,&#13;
demokratisch und als Mitglied der NATO vereinigt&#13;
werden - dennoch haben es die Vereinigten Staaten&#13;
und ihre Verbündeten durch Verhandlungen mit der&#13;
früheren Sowjetunion vollbracht.&#13;
Andere haben erklärt, die Sowjetunion würde niemals&#13;
Osteuropa oder das Baltikum freigeben, aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten haben auf die UdSSR eingewirkt, ihren Zugriff zu&#13;
lockern, als gefangene Völker nach Freiheit strebten.&#13;
Viele haben erklärt, die NATO könne nicht umgestaltet&#13;
werden. Aber in Zusammenarbeit mit dem neu vereinigten Deutschland haben die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Verbündeten dies vollbracht, und sie entwerfen&#13;
jetzt Strategien und Streitkräfte für neue Zeiten und&#13;
schaffen einen neuen Nordatlantischen Kooperationsrat, der sich an frühere Gegner wendet, um sie zu&#13;
neuen Freunden zu machen und bei neuen und anderen Herausforderungen hilft.&#13;
Viele haben erklärt, daß wir nicht sicher radikale&#13;
Reduzierungen der nuklearen und konventionellen&#13;
Arsenale aushandeln könnten, aber dennoch haben&#13;
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dies&#13;
geschafft, indem sie zunächst mit der Sowjetunion und&#13;
jetzt mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten verhandelt haben.&#13;
Andere haben erklärt, daß die irakische Aggression&#13;
gegen Kuwait nicht zu vereiteln sei, daß die viertgrößte&#13;
Armee der Welt nicht geschlagen werden könnte - es&#13;
sei denn mit enormen Kosten - aber dennoch haben es&#13;
die Vereinigten Staaten geschafft, indem sie eine&#13;
einmalige internationale Koalition anführten.&#13;
Manche haben erklärt, Araber und Israelis würden sich&#13;
nie bei einer Friedenskonferenz zusammensetzen und&#13;
ganz sicher niemals direkte bilaterale und multilaterale&#13;
Verhandlungen auf ein solches Treffen folgen lassen,&#13;
aber die Vereinigten Staaten, Rußland und andere&#13;
Partner haben mit den Parteien zusammengearbeitet&#13;
und waren die Katalysatoren, die es erreicht haben.&#13;
Viele haben gesagt, daß in Mittelamerika die Demokratie nicht über Gewalt triumphieren könne, aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit Partnern in&#13;
Lateinamerika und auf anderen Kontinenten dazu&#13;
beigetragen, daß dies in Nicaragua und El Salvador&#13;
erreicht werden konnte. Jetzt helfen die Vereinigten&#13;
Staaten, daß die Vergangenheit in Lateinamerika&#13;
überwunden werden kann und unterstützen Demokratie und Wirtschartsreformen durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur&#13;
Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas.&#13;
Viele haben gesagt, daß Kambodscha niemals seiner&#13;
Qual entkommen könne, die vietnamesischen Truppen ihren Stützpunkt behalten werden und friedliche&#13;
Veränderungen unmöglich wären. Aber jetzt arbeiten&#13;
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Freunden in Asien&#13;
daran, bei freien Wahlen und beim Wiederaufbau in&#13;
Kambodscha zu helfen.&#13;
In jedem Fall ist das Muster klar erkennbar: die&#13;
Führungsrolle und das Engagement der Vereinigten&#13;
Staaten haben kollektives Handeln ermöglicht. Wir&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�mußten es nicht allein tun, aber ohne uns hätte es nicht&#13;
erfolgreich erreicht werden können. Trotz aller Zweifel&#13;
und Zweifler steht eins fest. Kollektives Engagement&#13;
funktioniert. Um es einfach zu sagen: Wir haben&#13;
geführt, wir hatten Partner, und gemeinsam waren wir&#13;
erfolgreich.&#13;
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten beim kollektiven Engagement vermeidet die gefährlichen Extreme entweder der falschen Omnipotenz oder des&#13;
fehlgeleiteten Multilateralismus. Die Vereinigten Staaten sind nicht der Weltpolizist. Wir sehen nicht tatenlos&#13;
zu, wenn es um unser eigenes Schicksal geht. Was&#13;
jenseits unserer Ufer geschieht, hat sehr reale Auswirkungen hier in unserem Land.&#13;
Kollektives Engagement gestattet es den Vereinigten&#13;
Staaten, gleichgesinnte Staaten im Namen des Friedens zusammenzubringen und auf internationale Institutionen zurückzugreifen, wo sie einen konstruktiven&#13;
Beitrag leisten können. Der Charakter des Problems,&#13;
die Interessen und Werte, die für uns auf dem Spiel&#13;
stehen, die Fähigkeit unserer Freunde zum Handeln&#13;
und die Bedeutung der verfügbaren multilateralen&#13;
Mechanismen werden unsere Rolle bestimmen.&#13;
Offensichtlich können wir die Zukunft der Demokratie&#13;
oder amerikanischer Interessen kaum ausschließlich&#13;
multilateralen Institutionen anvertrauen, und das sollten wir auch nicht tun. Natürlich behalten sich die&#13;
Vereinigten Staaten das Recht vor, allein zu handeln,&#13;
was manchmal der einzige Weg sein kann, der unseren nationalen Interessen dient.&#13;
Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz, der sich&#13;
auf Prinzipien stützt - weil er die gemeinsame Werte&#13;
fördert, die für einen demokratischen Frieden entscheidend sind.&#13;
Auf diese Weise bauen wir eine neue und bessere&#13;
Weltordnung auf: die amerikanische Führungsrolle&#13;
wirkt als Katalysator kollektiven Handelns zum Schutz&#13;
und zur Förderung des wesentlichsten Bestandteils&#13;
unserer Sicherheit, politischer und wirtschaftlicher Werte.&#13;
Der Test für Rußland und Eurasien&#13;
Die amerikanische Führungsrolle beim kollektiven&#13;
Engagement steht jetzt vor einer weiteren wichtigen&#13;
Probe: dem Test für Ru ßland und den anderen aus der&#13;
ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen unabhängigen Staaten. Befreit von der doppelten Last des&#13;
Kommunismus und des Imperiums versuchen die&#13;
Russen, Ukrainer, Kasachen und die anderen Völker&#13;
der ehemaligen Sowjetunion ihre nationale Identität&#13;
wiederzuerlangen: ihre reiche Kultur, Religion und&#13;
Geschichte, ihren konstruktiven Platz in der Welt. Alle&#13;
einst unterdrückten Nationen sind endlich vom Schatten ins Licht getreten. In unterschiedlichem Maße&#13;
streben sie Demokratie und die wirtschaftlichen Vorteile freier Märkte an.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
In den vergangenen vier Monaten habe ich alle neuen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme&#13;
Georgiens besucht. Ich bin mit ihren Politikern zusammengetroffen und habe unsere Politik erläutert. Sie&#13;
haben mir ihre Wünsche und Probleme beschrieben.&#13;
Gemeinsam haben wir eine Erfahrung gemacht, die&#13;
noch vor kurzer Zeit ein entfernter Traum schien: ein&#13;
amerikanischer Außenminister, der mit dem Präsidenten einer unabhängigen Ukraine, einem unaui längigen&#13;
Belarus, einem unabhängigen Armenien und einem&#13;
unabängigen Usbekistan zusammenkommt. Wie bei&#13;
den Litauern, Letten und Esten, den Polen, Tschechen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen, Albanern und&#13;
anderen vor ihnen, wurde mir ein Höchstmaß an&#13;
Achtung und Zuneigung für die Vereinigten Staaten&#13;
und unser Volk entgegengebracht.&#13;
Ich bin von meinen Reisen absolut überzeugt zurückgekehrt, daß wir die Chance des Jahrhunderts haben,&#13;
den Gang der Geschichte zu beeinflussen und ein&#13;
neues Zeitalter des Friedens einzuleiten. Ich spreche&#13;
nicht über das 20., sondern das 21. Jahrhundert. Ich&#13;
spreche nicht nur von unserer Generation, sondern&#13;
auch von nachfolgenden Generationen.&#13;
Was auf dem Spiel steht, ist wirklich historisch:&#13;
Strategisch können die Vereinigten Staaten, Rußland&#13;
und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion&#13;
zu einer dauerhaften Freundschaft, Partnerschaft und&#13;
selbst einem Bündnis gelangen. Dies ist die echte&#13;
Friedensdividende - die Beseitigung der psychologischen Last der Furcht und Feindschaft, die Freisetzung moralischer und materieller Ressourcen, die&#13;
durch den nuklearen und konventionellen Rüstungswettlauf verbraucht wurden. Um Präsident Bush zu&#13;
zitieren: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit in einer Weise gewährleisten, wie es Atomraketen niemals konnten."&#13;
Politisch kann sich die Demokratie dort entfalten, wo&#13;
sie nie zuvor gedeihen konnte. De Tocquevilles berühmte Prophezeiung, die amerikanische Republik&#13;
und das russische Imperium seien zu Antagonismus&#13;
verurteilt, Demokratie gegen Autokratie, ist überholt.&#13;
Es kann einen Aufschwung der Freiheit für diejenigen&#13;
geben, die lange auf den Genuß ihrer Segnungen&#13;
gewartet haben.&#13;
Wirtschaftlich können sich Rußland und die anderen&#13;
neuen Staaten endlich in die Weltwirtschaft eingliedern. Ihre Bodenschätze und das enorme Talent ihrer&#13;
Völker können zum Wohlergehen dieser Völker und&#13;
nicht der Kommunistischen Partei beitragen, und ihre&#13;
Integration in die Weltwirtschaft kann für unsere Handelspartner und Investoren die Chancen erhöhen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben sich seit einiger Zeit auf&#13;
eben diese Chance vorbereitet, nicht nur im Hinblick&#13;
auf Rußland, sondern auf alle neuen Staaten. In dem&#13;
Maße, in dem sie Schritte nach vorn gedacht haben,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�sind wir mit ihnen gegangen. Wir haben unseren&#13;
Ansatz verfeinert, damit er nicht nur unserer Einschätzung dessen, was wir tun sollten, sondern auch der&#13;
Tatsache Rechnung trägt, wie weit sie selbst bereit&#13;
sind zu gehen - denn letzten Endes können wir nur&#13;
denjenigen helfen, die sich selbst helfen.&#13;
Neue Schritte&#13;
Insbesondere mit Rußland - der größten aus dem&#13;
Zusammenbruch der Sowjetunion hervorgegangenen&#13;
unabhängigen Nation - haben wir versucht, eine neue&#13;
Vision zu verwirklichen: ein Rußland, das ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten würde, das bei&#13;
der Förderung von Frieden und Demokratie in ganz&#13;
Eurasien nicht gegen, sondern mit uns arbeiten würde.&#13;
Ein Rußland, das eine neue demokratische, auf freie&#13;
Wahlen, Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit gegründete Gesellschaft würde. Ein Rußland,&#13;
das in die Weltwirtschaft integriert werden könnte,&#13;
offen für Handel und Investitionen aus dem Ausland,&#13;
das durch freie Märkte und Einzelinitiative zu Wohlstand gelangt.&#13;
Rußlands Potential ist Bestandteil der umfassenderen&#13;
Vision für alle Länder der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
des eurasischen Kontinents. Wir können die Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands nach Osten ausdehnen, bis&#13;
das Ziel des Präsidenten eines wirklich ungeteilten und&#13;
freien Europas erreicht ist. Ein Kontinent freier, unabhängiger und souveräner Nationen, die Demokratien&#13;
und freie Märkte aufbauen, an der friedlichen Beilegung von Konflikten zusammenarbeiten und sich vollständig in die demokratische Staatengemeinschaft&#13;
und Weltwirtschaft integrieren.&#13;
Dies ist eine revolutionäre Vision - aber wir leben in&#13;
revolutionären Zeiten. Im Dezember - gerade als die&#13;
Sowjetunion endgültig von der Landkarte verschwand&#13;
- habe ich in der Princeton University drei Bereiche&#13;
umrissen - den militärischen, politischen und wirtschaftlichen - in denen wir mit Rußland und den&#13;
anderen neuen unabhängigen Staaten an der Verwirklichung der Vision zusammenarbeiten können.&#13;
Seitdem haben wir Fortschritte im militärischen Bereich erzielt mit den Vorschlägen der Präsidenten&#13;
Bush und Jelzin zur nuklearen Rüstungskontrolle, mit&#13;
den neuen praktischen Schritten, Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verschrottung&#13;
ihrer Nuklearwaffen behilflich zu sein und mit der&#13;
Gründung eines internationalen Wissenschaftszentrums zur Bewältigugn der Abwanderung von Atomwissenschaftlern.&#13;
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen zu allen neuen Staaten aufgebaut, und wir sind&#13;
das einzige Land, das Botschaften in allen neuen&#13;
Staaten unterhält. Darüber hinaus heißen wir sie in&#13;
den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa willkommen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich haben wir die massiven&#13;
humanitären Bestrebungen zur Erfüllung des Bedarfs&#13;
an Nahrungs- und Arzneimitteln beschleunigt. Wir&#13;
haben unsere technischen Hilfsprogramme erweitert,&#13;
und bei der Washingtoner Koordinierungskonferenz&#13;
im Januar hat eine neue internationale Koalition aus 54&#13;
Nationen und Institutionen umfassende und konstruktive Bestrebungen zur Koordinierung der Hilfsleistungen in die Wege geleitet.&#13;
Der letzte Mosaikstein war ein umfangreicher, glaubwürdiger Plan für Wirtschaftsreformen. Im Dezember,&#13;
als die Sowjetunion zusammenbrach, gab es keinen&#13;
solchen Plan.&#13;
Aber seit Januar hat Präsident Jelzin eine mutige&#13;
Entscheidung nach der anderen getroffen, die meisten&#13;
Preiskontrollen aufgehoben, die staatlichen Ausgaben&#13;
reduziert und die Verteidigungsausgaben drastisch&#13;
gekürzt. Rußland hat ernsthafte, konstruktive Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)&#13;
und der Weltbank aufgenommen. Ein sowohl glaubwürdiges als auch umfangreiches Reformprogramm&#13;
wurde in die Wege geleitet. Und Präsident Jelzins&#13;
Engagement ist ungebrochen.&#13;
Zweifelsohne sind die Russen engagiert und können&#13;
es sich nicht leisten, jetzt aufzuhören. Das Erbe der&#13;
Vergangenheit ist eine den Rubel vernichtende enorme Inflation, die nicht nur die wirtschaftlichen Reformbestrebungen, sondern auch die Zukunft der Demokratie in Rußland und seinen Nachbarländern bedroht.&#13;
Wenn die Demokratie in Rußland scheitert, wird auch&#13;
die Arbeit an der Freiheit in der Ukraine, Armenien,&#13;
Belarus, Moldawien, Kasachstan, Kirgistanundallden&#13;
anderen Ländern sehr viel schwieriger.&#13;
Dies sind die Gründe, warum der Präsident am 1. April&#13;
1992 unsere Unterstützung eines multilateralen makroökonomischen Hilfspakets angekündigt hat. Dieses Hilfspaket im Wert von 24 Milliarden Dollar wird&#13;
Rußland bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft helfen, die Inflation unter Kontrolle bringen und den Weg&#13;
für Wachstum und Entwicklung bereiten. Als breitgefächerte multilaterale Bestrebung mit dem Ziel der&#13;
Unterstützung von Demokratie und freien Märkten ist&#13;
dieser Plan ein anschauliches Beispiel für praktisches&#13;
kollektives Engagement.&#13;
Als Teil dieser multilateralen Bestrebungen hat der&#13;
Präsident das Gesetz zur Förderung der Freiheit vorgeschlagen. Während dieses Gesetz unser Engagement für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket fördert, unterstützt es gleichzeitig Demokratie und&#13;
freie Märkte in Rußland und Eurasien über die ganze&#13;
Bandbreite militärischer, politischer und wirtschaftlicehr Fragen hinweg. Es stellt einen umfassenden und&#13;
integrierten Ansatz zur Umgestaltung der ehemaligen&#13;
Sowjetunion dar.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Erstens unterstützt das Gesetz unsere Bestrebungen&#13;
zum Abbau der Bedrohung unserer Sicherheit durch&#13;
die Vernichtung von Waffen, Entmilitarisierung und&#13;
atomare Sicherheit. Es gestattet uns, unsere Hilfsbestrebungen für Rußland, die Ukraine und die anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten bei der Umgestaltung&#13;
der auf Rüstungsproduktion ausgerichteten Volkswirtschaften zu erweitern.&#13;
Zweitens unterstützt das Gesetz die Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen&#13;
unabhängigen Staaten. Es fördert unsere Bestrebungen, Russen, Ukrainer, Zentralasiaten und andere&#13;
Völker zu Praktika bei uns einzuladen. In den jeweiligen Ländern lebende amerikanische Berater sollen&#13;
den Einheimischen den Weg zu Demokratie und freien&#13;
Märkten aufzeigen.&#13;
Drittens unterstützt das Gesetz freie und offene Märkte durch technische Hilfe, die Förderung von Handel&#13;
und Investitionen und makroökonomische Stabilisierung. Das Gesetz wird unseren Firmen das Engagement bei Handels- und Investitionschancen in der&#13;
Ukraine, Kasachstan, Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten erleichtern. Das Gesetz&#13;
wird zur Erweiterung der Programme der Entwicklungsgesellschaft OPIC und der Export-Import-Bank&#13;
beitragen. So können wir staatliche Mittel in den&#13;
Privatsektor und Investitionen lenken. Das ist gut für&#13;
unseren Handel und unsere Wirtschaft sowie für die&#13;
Entwicklung von Märkten und Demokratie in Eurasien&#13;
und Rußland.&#13;
Ich fordere Sie auf, den Gesetzesentwurf zu unterstützen ebenso wie der Präsident und ich den Kongreß zu&#13;
seiner unverzüglichen Verabschiedung ohne "Fangklauseln" gedrängt haben, um Prioritäten im Inland in&#13;
Angriff zu nehmen.&#13;
Sicherlich werden Sie mich ebenso wie der Kongreß&#13;
fragen, ob es sich hierbei nur um weitere Auslandshilfe&#13;
handelt. Meine Antwort lautet, es ist nicht nur mehr&#13;
Auslandshilfe. Sie werden mich fragen, ob es nur&#13;
weitere Almosen sind. Und meine Antwort lautet, es&#13;
sind nicht nur mehr Almosen. Es ist vielmehr eine&#13;
gezielte Investition in unsere Sicherheit und in unsere&#13;
Zukunft. Mit anderen Worten: Das Gesetz zur Förderung der Freiheit liegt im nationalen Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten, in der Tat in unserem nationalen&#13;
Sicherheitsinteresse.&#13;
Die Herausforderungen unserer Zeit&#13;
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Bitte um&#13;
weitere Investitionen in unser kollektives Engagement&#13;
zu diesem Zeitpunkt weder leicht noch populär ist. Sie&#13;
kostet Geld. Und sie birgt Risiken.&#13;
Manche möchten dieses Risiko nicht eingehen oder&#13;
Investitionen in einen demokratischen Frieden für die&#13;
Zukunft tätigen. Die Befürworter von "America first"&#13;
bevorzugen es, sich den Herausforderungen unserer&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Zeit zu entziehen, indem sie vorgeben, sie existierten&#13;
nicht. Das ist jedoch das größte Risiko.&#13;
Andere sind immer noch den Fehlern der Vergangenheit verhaftet. Sie bezweifeln die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, Gutes zu tun. Sie mißtrauen der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit und behaupten, die Probleme im Inland schließen eine internationale Führungsrolle aus.&#13;
Was immer ihre Gründe sein mögen - ich sage ihnen,&#13;
was George Kennan in Chicago im Jahr 1950 seinem&#13;
Publikum gegenüber erklärt hat:&#13;
"Die Geschichte verzeiht uns unsere innenpolitischen&#13;
Fehler nicht, weil sie auch im Hinblick auf unsere&#13;
Innenpolitik erklärbar sind."&#13;
Diesen Defätisten und Zauderern sage ich, die echte&#13;
Wahl lautet: Entweder wir antworten auf den Ruf nach&#13;
einer Führungsrolle oder nicht.&#13;
Entweder bekommen wir die Geschichte in den Griff&#13;
oder die Geschichte uns.&#13;
Die Alternative zu amerikanischer Führungsrolle und&#13;
kollektivem Engagement ist nicht mehr, sondern weniger&#13;
Sicherheit für die Amerikaner, nicht höhere Löhne,&#13;
sondern niedrigere, nicht eine mehr, sondern weniger&#13;
konkurrenzfähige Wirtschaft, nicht der Erfolg der&#13;
Demokratie, sondern ihr Scheitern.&#13;
Sie bedeutet den Verlust des Friedens nach dem Sieg&#13;
im Krieg, die Vergeudung der verdienten Friedensdividende. Sie könnte bedeuten, daß wir erneut Milliarden&#13;
von Dollar ausgeben müßten, um einen weiteren kalten Krieg zu gewinnen.&#13;
Vor allem hätten wir die Chance für ein besseres&#13;
Amerika in einer besseren Welt vertan. Die Alternative&#13;
zu einer geschickten amerikanischen Führungsrolle&#13;
im Ausland ist die Beschneidung, nicht die Erweiterung&#13;
der Chancen im Inland. Wenn Sie dies in Frage stellen,&#13;
führen Sie sich erneut vor Augen, wie unser Leben,&#13;
unsere Sicherheit, unsere Ideale und unsere Arbeit mit&#13;
der Welt jenseits unserer Grenzen verflochten sind.&#13;
Denn Isolationismus kommt nicht allein. Intoleranz&#13;
und Spaltung im Inland gehen damit Hand in Hand. Die&#13;
amerikanische Geisteshaltung und die amerikanischen&#13;
Ideale haben in einer solchen Gesellschaft keinen&#13;
Platz.&#13;
Ich habe von den Chancen des Jahrhunderts gesprochen, des nächsten Jahrhunderts. Wie anders könnte&#13;
das Leben der nachfolgenden Generationen verlaufen, wenn wir jetzt die richtige Entscheidung treffen wenn wir dem Ruf nach der Führungsrolle folgen,&#13;
indem wir durch kollektives Engagement die Führung&#13;
übernehmen, wenn wir Rußland und den anderen&#13;
Ländern der ehemaligen Sowjetunion helfen, zu einer&#13;
Quelle der Hoffnung, nicht der Bedrohung zu werden.&#13;
Kurzum: Wenn wir einen demokratischen Frieden&#13;
erlangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Gemeinsam mit den anderen Demokratien blicken wir&#13;
in diesem Jahrhundert auf die Bilanz zweier gewonnener Weltkriege zurück, die wir teuer mit Menschenleben und Gut bezahlen mußten, weil wir keine andere&#13;
Wahl hatten. Nach den Kriegen mußten wir jedoch&#13;
noch immer den Frieden gewinnen.&#13;
&#13;
ten Staaten versucht, sich aus der Alten Welt der&#13;
Konflikte herauszuhalten. Das erwachsene Amerika&#13;
ist Bürger einer Welt, die für alle da ist.&#13;
&#13;
Jetzt sehen wir uns erneut mit dieser Herausforderung&#13;
konfrontiert. In ihren Kindertagen haben die Vereinig-&#13;
&#13;
Wir müssen der Größe unserer Ideale gerecht werden&#13;
- und einen demokratischen Frieden erlangen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Die Herausforderung unserer Zeit lautet, dem Ruf&#13;
nach einer Führungsrolle zu folgen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�G US-HANDEL&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH DRÄNGT AUF ERWEITERTEN&#13;
HANDEL MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmer&#13;
WASHINGTON - (AD) - In einer Begrüßungsansprache an Unternehmer forderte Präsident Bush am 21. April&#13;
1992 den amerikanischen Privatsektor bei einem Empfang im Wei ßen Haus auf, die Gelegenheit zur Erweiterung&#13;
des Handels mit den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu ergreifen. "Es ist ein großer&#13;
und reicher Markt", erklärte Bush, "und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren. Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen&#13;
für amerikanische Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer."&#13;
Der Präsident forderte die Unternehmer auf, den neuen Staaten beim Übergang von "Kommando- zu Marktwirtschaften" behilflich zu sein. Bush verwies auf die von ihm angestrebte Beschleunigung der Verhandlungen mit&#13;
den neuen Ländern über Handel, bilaterale Investitionen und Steuerverträge, um "unseren Firmen besseren&#13;
Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen."&#13;
Präsident Bush stellte fest, daß er die Entwicklungsgesellschaft OPIC und die Export-Import-Bank zur Erweiterung ihrer Aktivitäten in den neuen Ländern aufgefordert habe - eine Maßnahme, die ein weiterer entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum fairen Wettbewerb um einen Anteil der neuen Märkte dort ist.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Präsident Bush im Wortlaut.&#13;
Es ist mir eine Ehre, heute morgen 16 führende amerikanische Unternehmer im Weißen Haus willkommen&#13;
heißen zu dürfen, um zu erörtern, wie der amerikanische Privatsektor zur Bewältigung der wichtigsten&#13;
außenpolitischen Herausforderung beitragen kann, mit&#13;
der wir uns konfrontiert sehen - der Umgestaltung der&#13;
neuen Staaten der ehemaligen UdSSR von Kommando- zu Marktwirtschaften und von autoritären zu&#13;
demokratischen Regierungen. Wir sind entschlossen,&#13;
das Volumen unseres Handels und unserer Investitionen in der Region aufzustocken. Darüber hinaus&#13;
möchte ich heute eine Reihe von Maßnahmen zur&#13;
Verwirklichung dieser wichtigen Ziele ankündigen.&#13;
Erstens habe ich gebeten, daß di? derzeitigen Verhandlungen mit allen neuen Staaten über Handel,&#13;
bilaterale Investitionen und Steuerverträge so rasch&#13;
wie möglich abgeschlossen werden. Diese Vereinbarungen dienen dazu, unseren Firmen besseren Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere&#13;
zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen.&#13;
Zweitens haben ich die Entwicklungsgesellschaft OPIC&#13;
und die Export-Import-Bank zur Aushandlung neuer&#13;
Abkommen und Erweiterung ihrer Aktivitäten in der&#13;
ehemaligen UdSSR aufgefordert. Dies ist ein weiterer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum&#13;
gerechten Wettbewerb um einen Anteil der neuen&#13;
Märkte dort.&#13;
Drittens möchte ich meinen Appell an den Kongreß&#13;
wiederholen, rechtzeitig vor meinem Gipfeltreffen mit&#13;
Präsident Jelzin im Juni im Geiste der Überparteilichkeit das Gesetz zur Förderung der Demokratie zu&#13;
verabschieden - ein bahnbrechendes Gesetz, das ich&#13;
am 1. April 1992 bekanntgegeben habe. Wir hoffen,&#13;
daß die heute hier anwesenden Unternehmer und die&#13;
amerikanische Geschäftswelt insgesamt diesen Gesetzentwurf unterstützen, mit dem die Beschränkungen für Handel und Investitionen aus der Zeit des&#13;
kalten Kriegs aufgehoben werden.&#13;
Und schließlich habe ich unsere Wirtschaftsministerin&#13;
Barbara Franklin gebeten, neue Ausschüsse zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Rußland, der&#13;
Ukraine und anderen Ländern zum Abbau der Hemmnisse zu gründen, die derzeit dem Handel mit ihnen im&#13;
Wege stehen.&#13;
All diese Themen stehen an oberster Stelle der Tagesordnung meiner Treffen mit den Präsidenten Krawtschuk und Jelzin. Ich bin fest entschlossen, amerika-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�nischen Unternehmen jede Chance zum Wettbewerb&#13;
auf diesen Märkten einzuräumen. Der amerikanische&#13;
Privatsektor sollte die Gelegenheit zum Handel mit&#13;
diesen Ländern ergreifen. Es ist ein großer und reicher&#13;
Markt, und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren.&#13;
Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen für amerikanische&#13;
Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer. Die Vereinigten Staaten haben&#13;
1991 ihre Exporte an Fertigwaren in die UdSSR um&#13;
nahezu 40 Prozent erweitert. Unser Ziel sollte sein, in&#13;
diesem und im nächsten Jahr noch besser abzuschneiden.&#13;
Dies ist ein entscheidender Augenblick in diesem&#13;
Jahrhundert. Und auch die Rolle des Privatsektors ist&#13;
&#13;
absolut entscheidend. Der Bedarf an Kapital, Hochtechnologie und Know-how in diesen Ländern ist in&#13;
diesem und im nächsten Jahrzehnt bei weitem zu&#13;
groß, als daß ihn eine Regierung allein erfüllen könnte.&#13;
Die tiefgreifende wirtschaftliche Umgestaltung zur&#13;
Befreiung der Völker der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
zum Nutzen unseres Volkes wird nur stattfinden, wenn&#13;
unsere Privatunternehmen investieren und Handel&#13;
betreiben, um ihnen den Weg aufzuzeigen.&#13;
Ich möchte den heute hier anwesenden Unternehmern&#13;
meinen Dank aussprechen, von denen viele bereits&#13;
begonnen haben, Handelsbeziehugnen mit der GUS&#13;
aufzubauen. Und ich möchte mein Engagementfürdie&#13;
Partnerschaft mit dem amerikanischen Privatsektor&#13;
erneut bekräftigen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�IWF&#13;
29. Aprl 11992&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady hat Rußlands guten Start beim&#13;
Reformprozeß gewürdigt und die anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aufgefordert, ebenfalls&#13;
rasch Stabilisierungs- und Reformprogramme einzuführen.&#13;
In einer Rede vor dem Interimausschuß des Internationalen Währungsfonds erklärte Brady am 27. April 1992,&#13;
der sicherste Weg zur Förderung von Wachstum, Beschäftigung und steigenden Einkommen bestehe darin,&#13;
"privates Unternehmertum und Wettbewerb zu fördern".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich möchte zunächst unseren besonderen Gast aus&#13;
Rußland bei diesem Treffen willkommen heißen. Darüber&#13;
hinaus beglückwünschen wir alle neuen Staaten der&#13;
ehemaligen Sowjetunion zu ihrer Mitgliedschaft in IWF&#13;
und Weltbank. Sie können zu Recht stolz darauf sein,&#13;
diesen historischen Meilenstein auf dem Weg von&#13;
zentraler Planung zu marktgestützten Wirtschaftssystemen passiert zu haben. Wir können unsererseits&#13;
diese Gelegenheit benutzen, um unser Engagement&#13;
zu bekräftigen, den neuen Staaten bei der Vollendung&#13;
dieses Weges zu helfen. Die Geschichte wird zu Recht&#13;
hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir diese Gelegenheit zur Erlangung einer wahrhaft globalen Marktwirtschaft ungenutzt verstreichen lassen.&#13;
Der Aufbau von Marktwirtschaften wird nicht glatt&#13;
vonstatten gehen. Rückschläge sind zu erwarten und&#13;
sollten weder Erstaunen noch Verzweiflung hervorrufen. Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangsphase. Die neuen Staaten und Osteuropa haben den&#13;
emotional befriedigenden ersten Anflug von Freiheit&#13;
bereits hinter sich. Nun befinden sie sich inmitten der&#13;
weniger spektakulären aber nicht weniger kritischen&#13;
praktischen Arbeit, um ihre Maßnahmen, Institutionen&#13;
und Produktionsstrukturen völlig neu zu gestalten.&#13;
Die Größe der bevorstehenden Aufgabe sollte jedoch&#13;
die bereits erzielten Fortschritte nicht trüben. Eine&#13;
kooperative Strategie für das Streben nach Reformen&#13;
wird bereits in die Tat umgesetzt.&#13;
Wichtigster Bestandteil dieser Strategie ist die Verabschiedung eines umfassenden Programms zur Stabilisierung und Strukturreform in jedem Land. Der Erfolg&#13;
wird letztlich vorwiegend von der Qualität dieser Programme und deren Durchführung abhängen. Ohne&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
solide Programme und Durchführung wird der Umgestaltungsprozeß verlängert, geschädigt und sogar&#13;
gefährdet, und der Durchhaltewille der Öffentlichkeit&#13;
wird geschwächt. Und ohne umfassende Reformen&#13;
würde die internationale Hilfe größtenteils verschwendet und brächte für die Menschen in den Reformstaaten keine langfristigen Vorteile.&#13;
Die Menschen und Regierungen Osteuropas haben&#13;
bei der Durchführung umfassender Programme bemerkenswerten Mut und Standhaftigkeit bewiesen.&#13;
Diese Länder haben uns viel darüber gelehrt, wie&#13;
schwierig dieser Proze ß ist, sowie über den Kampf zur&#13;
Bewahrung von sozialer und politischer Stabilität während&#13;
eines weitreichenden wirtschaftlichen Umbruchs. Wir&#13;
beginnen jedoch ermutigende Zeichen zu sehen, da&#13;
ausländische Direktinvestitionen in einige dieser Länder zu fließen beginnen, womit sich ein entscheidendes Vertrauensvotum des Privatsektors für diese&#13;
Wirtschaftsprogramme abzeichnet.&#13;
Die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion nehmen heute den Reformprozeß in Angriff. Wir würdigen&#13;
insbesondere Rußland für dessen vom IWF unterstütztes "Schatten"-Programm. Wir sehen einer Vereinbarung über ein solides umfassendes russisches&#13;
Wirtschaftsprogramm und dessen Durchführung entgegen, das durch eine Finanzierungszusage des IWF&#13;
unterstützt wird. Wir fordern die anderen neuen Staaten auf, ebenfalls rasch umfassende Stabilisierungsund Reformprogramme einzuleiten, die Unterstützung des IWF verdienen.&#13;
Zu Beginn dieses Monats hat Präsident Bush die&#13;
Bereitschaft der Vereinigten Staaten unter Beweis&#13;
gestellt, das ihrige zu tun, indem er die Unterstützung&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�für ein umfangreiches Engagement der G-7 für den&#13;
wirtschaftlichen Übergang ankündigte: das multilaterale Finanzhilfepaket für Rußland in Höhe von 24&#13;
Milliarden Dollar. Dieses umfassende Paket beinhaltet&#13;
insgesamt 18 Milliarden Dollar für bilaterale Hilfe,&#13;
zusätzlichen Zahlungsaufschub und umfangreiche&#13;
Programme der internationalen Finanzinistitutionen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 2 Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe geleistet.&#13;
&#13;
bisweilen Sorgen darüber gemacht, aber die Wahrheit&#13;
ist, daß Auslandsinvestitionen sowohl uns als auch&#13;
den Investoren zugute gekommen sind. Wir sind der&#13;
Überzeugung, daß Osteuropa und die neuen Staaten&#13;
ebenfalls großen Nutzen aus den Ressourcen und&#13;
dem Know-how ziehen werden, das ausländische&#13;
Investoren zur Verfügung stellen. Wir fordern diese&#13;
Länder dringend dazu auf, rascher zu handeln, um das&#13;
Wachstum des Privatsektors zu fördern und ein günstiges Investitionsklima zu schaffen.&#13;
&#13;
Die andere nicht minder wichtige Komponente des&#13;
russischen Pakets ist ein Stabilisierungsfonds für den&#13;
Rubel in Höhe von 6 Milliarden Dollar. Die Vereinigten&#13;
Staaten unterstützen die Aktivierung der Allgemeinen&#13;
Kreditarrangements des IWF für diesen Zweck.&#13;
&#13;
Die wichtigsten Industriestaaten können ferner einen&#13;
entscheidenden Beitrag leisten, indem sie die Art von&#13;
offenem und wachsendem Umfeld schaffen, das die&#13;
Integration der Reformstaaten in die Weltwirtschaft&#13;
beschleunigen und erleichtern wird. Der Zusammenbruch des Handels im ehemaligen sowjetischen Block&#13;
zeigt uns, wie schwierig es für Staaten ist, ohne&#13;
Verbindungen zu anderen Volkswirtschaften wirtschaftlich zu gedeihen.&#13;
&#13;
Ich möchte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die&#13;
Bedeutung der Privatisierung in einem frühen Stadium&#13;
des Reformprozesses lenken. Wir alle würden gerne&#13;
schneller den Tag erreichen, an dem die Bürger der&#13;
neuen Staaten und Osteuropas die Vorzüge der freien&#13;
Marktwirtschaft in Form von starkem Beschäftigungswachstum und steigenden Einkommen in Anspruch&#13;
nehmen können. Der sicherste Weg zur Beschleunigung dieses Prozesses und Förderung des Wachstums besteht darin, privates Unternehmertum und&#13;
Wettbewerb zu fördern.&#13;
&#13;
Abschließend möchte ich denjenigen, die der Zukunft&#13;
mit Pessimismus entgegensehen, die konfliktgeladene Atmosphäre und die hohen Kosten des kalten&#13;
Krieges in Erinnerung rufen. Wir haben bereits ein&#13;
beispielloses Maß an internationaler Zusammenarbeit&#13;
erreicht. Die Herausforderung besteht darin, diese&#13;
Bemühungen in beispiellose weltweite wirtschaftliche&#13;
Vorteile umzumünzen.&#13;
&#13;
Seit den Anfängen der Republik haben die Vereinigten&#13;
Staaten von Auslandsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft profitiert. Offen gestanden haben wir uns&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ&#13;
UND NATIONALISMUS:&#13;
MÖGLICHKEITEN DER HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
Der Beginn der neunziger Jahre ist ein günstiger Zeitpunkt, um die wirtschaftliche Interdependenz auszubauen&#13;
und politische Bindungen zwischen den Nationen zu stärken, da die ehemals kommunistischen Staaten und die&#13;
Entwicklungsländer bestrebt sind, an dieser Interdependenz und den politisch vereinigten Märkten teilzuhaben,&#13;
schreibt der Autor. Henry R. Nau ist Professor und stellvertretender Dekan an der Elliott School of International&#13;
Äff airs der George Washington University in Washington und Autor des Buches The Myth of America's Decline&#13;
(Oxford University Press, 1990).&#13;
&#13;
Im Jahr 1991 läßt sich mit Fug und Recht behaupten,&#13;
die Weltwirtschaft sei stärker miteinander verflochten&#13;
und reicher als jemals seit Beginn der industriellen&#13;
Revolution. Diese Interdependenz umfaßt den explosiven Zuwachs des Handels (um etwa fünf Prozent&#13;
jährlich in den späten achtziger Jahren), ein beispielloses Ausmaß von Direktinvestitionen (doppelt so hoch&#13;
wie die Wachstumsrate des Handels), den Technologietransfer über nationale Grenzen hinweg sowie stärkere Mobilität von Arbeitskräften (z. B. Einwanderung)&#13;
und Kapital als die Weltwirtschaft in der Vergangenheit&#13;
jemals erlebt hat. Aber diese Verflechtung geht über&#13;
den materiellen und physischen Austausch hinaus.&#13;
Heute beinhaltet sie ferner die Ausbreitung ökonomischer Ideen im Hinblick auf die Bedeutung von Märkten, Wettbewerb, Unternehmertum und Privateigentum - also die Werte größerer wirtschaftlicher Freiheit.&#13;
Und dazu gehört eine bemerkenswerte Konvergenz&#13;
der Nationen in der Nachkriegszeit, nämlich die allgemeine Hinwendung zu Pluralismus und Demokratie in&#13;
der innenpolitischen Praxis.&#13;
Diese Interdependenz ist nicht mehr, wie noch vor 20&#13;
Jahren, primär auf die westlichen Industriestaaten&#13;
begrenzt. Sie umfaßt heute auch eine wachsende&#13;
Zahl von Schwellenländem - Korea, Taiwan, Hongkong, Singapur, Brasilien und nun auch Mexiko, Malaysia, Thailand, Kolumbien und andere - sowie ölproduzierende Länder, die trotz der Schwierigkeiten in&#13;
den letzten beiden Jahrzehnten Riesenschritte zur&#13;
Industrialisierung und Einbindung in die Weltwirtschaft&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
unternommen haben. Der jüngste Krieg am Persischen Golf bietet ein anschauliches Beispiel - das an&#13;
Bedeutung noch gewinnen könnte - für eine neue&#13;
&#13;
Solidarität zwischen Industriestaaten und gemäßigten&#13;
arabischen Ländern in dieser Region, eine Solidarität,&#13;
die in krassem Gegensatz zu den Konflikten zwischen&#13;
Nord und Süd sowie OPEC und Industriestaaten der&#13;
frühen siebziger Jahre steht.&#13;
Zu Beginn der neunziger Jahre verstärkten sich die&#13;
Aussichten auf Interdependenz und Solidarität weiter,&#13;
um auch die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas sowie potentiell die Sowjetunion einzubeziehen. Kurzum, die Interdependenz, die unter den&#13;
westlichen Industriestaaten immer stärker sichtbar&#13;
wird, hat jetzt die Teilung zwischen Nord und Süd&#13;
sowie Ost und West ersetzt, die von 1950 bis 1985 die&#13;
Welt gespalten hat.&#13;
Wie ist es zu dieser Interdependenz gekommen? In&#13;
seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen&#13;
Mächte von 1987 prognostizierte Paul Kennedy genau das Gegenteil. Er argumentierte, mit der nachlassenden Macht der Vereinigten Staaten werde die Interdependenz geschwächt, und zwischen den Ländern&#13;
würden neue Konflikte auftreten. Solche Konflikte&#13;
hätten sich zum Ende der Vorherrschaft ehemals&#13;
großer Mächte ergeben - Holland in der zweiten Hälfte&#13;
des 17. Jahrhunderts sowie Großbritannien am Ende&#13;
des 19. Jahrhunderts. Es gebe keinen Grund, so&#13;
Kennedy, mit dem Abnehmen der amerikanischen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Macht gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht erneut&#13;
eine solche Entwicklung zu erwarten.&#13;
Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts ist die Welt jedoch näher zusammengerückt. Alle&#13;
Industriestaaten sind Demokratien, die ehemals kommunistischen Länder versuchen, die Demokratie einzutühren, und zahlreiche Entwicklungsländer bewegen sich ebenfalls in diese Richtung. Diese Konvergenz trat in der Krise am Persischen Golf offen zutage,&#13;
in der sich die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vereinigte, um der Aggression und Unterdrückung durch Saddam Hussein und den Irak entgegenzutreten.&#13;
Die Argumente des Niedergangs enthalten ein grundlegendes Mißverständnis des Verhältnisses zwischen&#13;
globaler Interdependenz und nationaler Unabhängigkeit. Sie gehen davon aus, daß diese beiden Kräfte&#13;
notwendigerweise im Gegensatz zueinander stehen.&#13;
Aber diese Faktoren müssen ebensowenig kollidieren&#13;
wie die Unabhängigkeit des einzelnen und nationale&#13;
Unabhängigkeit auf der Ebene der Gesellschaft Gegensätze sind. Die wichtigste Überlegung ist, ob&#13;
einzelne Länder (einzelne Menschen) untereinander&#13;
einen Gemeinsinn entwickeln, wenn die materielle und&#13;
physische wechselseitige Abhängigkeit zunimmt. Wenn&#13;
sie einen stärkeren Sinn für gemeinsame Identität und&#13;
Ziele entwickeln, fühlen sie sich durch Verschiebungen von Macht und Wohlstand nicht bedroht. Zunehmend gleiche Machtverteilung unter einzelnen Ländern führt nicht zu neuen Konflikten, sondern vielmehr&#13;
zu einer besseren internationalen Gemeinschaft.&#13;
Zumindest beobachten wir dies auf nationaler Ebene.&#13;
Auf dieser Ebene gehen wir von der Existenz gemeinsamer Ziele aus und kommen zu dem Schlu ß, daß eine&#13;
gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand zu größerer&#13;
Harmonie beiträgt und nicht zu mehr Konflikten führt.&#13;
Dasselbe kann auf der internationalen Ebene zutreffen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten&#13;
Staaten absichtlich eine Politik verfolgt, die mit Hilfe&#13;
geteilten Wohlstands und geteilter Macht eine Gemeinschaft engerer politischer Ziele scharfen wollte.&#13;
Sie schickte sich an, eine interdependente Welt zu&#13;
schaffen, deren Einheit Amerikas Vormachtstellung im&#13;
&#13;
Hinblick auf Wohlstand und Macht überleben sollte.&#13;
Durch den Marshallplan und die globalen Wirtschaftsinstitutionen - den Internationalen Währungsfonds, die&#13;
Weltbank und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen - haben die Vereinigten Staaten Märkte und&#13;
Gesellschaften geöffnet, um nachhinkenden Gesellschaften die Anpassung an den amerikanischen Lebensstandard zu ermöglichen. Von 1950 bis 1970 haben&#13;
die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den Industrienationen Europas und Asiens stetig an Macht verloren,&#13;
da die Verbündeten nach dem Krieg Wiederaufbau&#13;
leisteten und sich Amerikas Produktivitätsniveau annäherten. Die Annäherung stellte für die Vereinigten&#13;
Staaten keine Bedrohung dar, weil die IndustrienatioSeite 2&#13;
&#13;
nen gleichzeitig stetig dabei waren, eine engere politische Gemeinschaft mit den Vereinigten Staaten zu&#13;
bilden. Deutschland und Japan legten in ihren Gesellschaften solide demokratische Fundamente, die sich&#13;
auf bisher nur geringe oder keine demokratische Erfahrung gründeten, und andere Industrieländer, wie&#13;
Spanien und Portugal, gaben schließlich ihre autoritären Regime auf und ordneten sich in die Reihen freier,&#13;
pluralistischer Gesellschaften ein.&#13;
Es ist aufschlußreich, die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen, die diese Konvergenz wirtschaftlicher und politischer Maßstäbe während der fünfziger und sechziger&#13;
Jahre erleichtert hat. Freierer Handel war das Kernstück dieser Politik, und die Industrieländer traten in&#13;
einen einmaligen Prozeß multilateraler Handelsliberalisierung ein. (Die britische Liberalisierung im 19.&#13;
Jahrhundert fand einseitig statt.) Aber freierer Handel&#13;
allein hätte keinen Erfolg zeitigen können. Die Unternehmen mu ßten in der Lage sein, mit der sich aus dem&#13;
freien Handel ergebenden stärkeren Konkurrenz fertigzuwerden. Um das zu tun, benötigten sie ein&#13;
wirtschaftliches Umfeld der Preisstabilität, um die Erträge ihrer langfristigen Investitionen in Produktion und&#13;
Handel bemessen zu können. Darüber hinaus brauchten sie flexible Faktormärkte (Arbeit und Kapital), um&#13;
Ressourcen aus den schwindenden Sektoren in diejenigen umzuleiten, die es mit ausländischer Konkurrenz&#13;
aufnehmen oder sie schlagen können. Bemerkenswert in dieser Zeit war, daß die Industrieländer sowohl&#13;
makro- als auch mikroökonomisch eine Politik verfolgten, die dieses Umfeld schuf. Im Durchschnitt hielten&#13;
die Industrieländer unter der Führung der Vereinigten&#13;
Staaten den Haushalt im Gleichgewicht und schränk&#13;
ten das Geldmengenwachstum ein, um Preisstabilität&#13;
zu erhalten. Ferner widersetzten sie sich exzessiver&#13;
staatlicher Intervention, um die relativ freie Bewegung&#13;
der Ressourcen Arbeitskräfte und Kapital in fortschreitende Wirtschaftssektoren beizubehalten.&#13;
Aus ureigenen Motiven lehnten es die meisten Entwicklungsländer in den fünfziger Jahren ab, das System der Nachkriegszeit ebenfalls zu verfolgen.&#13;
Sie verabschiedeten Maßnahmen zur Ersetzung der&#13;
sonst eingeführten Waren, um ihre Volkswirtschaften&#13;
vor ausländischem Handel und Investitionen zu schützen und schufen autokratische, zentralistische politische Systeme, um ein Gefühl der nationalen Souveränität im Inland hervorzubringen, das gelegentlich sehr&#13;
schwach war.&#13;
Ende der sechziger Jahre begannen jedoch einige&#13;
Entwicklungsländer wie Korea, Taiwan, Hongkong,&#13;
Singapur und Brasilien eher exportorientierte Entwicklungsstrategien zu verfolgen. Obwohl diese Länder&#13;
weiterhin ihre Exporte schützten, erweiterten sie und&#13;
die ölproduzierenden Länder ihre Exporte und expandierten rasch in den siebziger und achtziger Jahren,&#13;
während die Vereinigten Staaten vornehmlich ihre&#13;
großen Binnenmärkte für die Exporte aus den Gurwel-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�lenländern offenhielten. Aufgrund des Wachstums der&#13;
Schwellenländer verloren die Vereinigten Staaten in&#13;
den siebziger und achtziger Jahren weiterhin an Macht.&#13;
Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt blieb verglichen mit&#13;
dem der Industrienationen gleich, aber im Verhältnis&#13;
zur Welt insgesamt sank ihr Anteil. Dennoch gaben sie&#13;
sich der Hoffnung hin, daß ihre Politik der offenen&#13;
Märkte gegenüber den Entwicklungsländern dieselben Erfolge im Hinblick auf eine engere politische&#13;
Gemeinschaft mit der dritten Welt zeitigen würde wie&#13;
diese Maßnahmen sie mit den Industrienationen erzielt hatten.&#13;
In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre wurden diese Hoffnungen jedoch durch massive Ungleichgewichte im Welthandel und auf den Finanzmärkten&#13;
zerschlagen. Gerade als einige Entwicklungsländer&#13;
sich dem Handelssystem anschlössen, gaben die&#13;
Industrienationen die vorsichtigen Maßnahmen im Inland&#13;
auf, die das Funktionieren eines freieren Handels&#13;
bewirkt hatten. Die expansionistischen und interventionistischen nationalen Maßnahmen der Industrienationen führten zu Inflation und Inflexibilität, die das&#13;
Wachstum verlangsamten. Die Wechselkurse fluktuierten, und protektionistische Maßnahmen wurden&#13;
wieder gegen eben die Produkte verhängt, die die&#13;
Entwicklungsländer am wettbewerbsfähigsten exportieren konnten - wie etwa Textilien, Stahl und Verbraucherelektronik. Der Anstieg der Ölpreise und ineffiziente innenpolitische Maßnahmen in den Entwicklungsländern verschärfen diese Schwierigkeiten und&#13;
führten zu einem gefährlichen Schuldenberg.&#13;
Einige dieser innenpolitischen Probleme wurden in&#13;
den achtziger Jahren behoben, und bis 1992 verbesserte sich die Weltwirtschaft erheblich. Die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen führten wieder&#13;
eine solide Geldpolitik ein und leiteten die notwendigen&#13;
Programme zur Deregulierung und Privatisierung der&#13;
Industrien und des Handels ein, womit das enorme&#13;
Wachstum der öffentlichen Hand verringert wurde, das&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
in den Industrienationen in den siebziger Jahren erfolgt&#13;
war und seit Jahrzehnten in den Entwicklungsländern&#13;
unter den bisherigen statischen Maßnahmen angestiegen war. Andere Maßnahmen verschlimmerten&#13;
jedoch die Lage. Das US-Haushaltsdefizit vervierfachte sich im Verlauf der achtziger Jahre (von 60&#13;
Milliarden Dollar im Jahr 1980 auf 250 Milliarden 1990),&#13;
und die Europäische Gemeinschaft erweiterte den&#13;
Schutz und die Subventionen im Rahmen ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik enorm. Japan verfolgte weiterhin innnenpolitische Praktiken, mit denen Importe&#13;
und ausländische Investitionen in den japanischen&#13;
Markt auf sehr viel niedrigerem Nievau gehalten wurden als der Anteil der Verkäufe und Vermögenswerte&#13;
verglichen mit anderen Industrieländern. Infolge dieser anhaltenden Unzulänglichkeiten der innenpolitischen Maßnahmen blieben die internationalen Handels- und Finanzsysteme trotz der beträchtlichen&#13;
Wiederbelebung von Handel und Investitionen Ende&#13;
der achtziger Jahre anfällig.&#13;
Die Interdependenz der Nachkriegsjahre führte zu&#13;
einer engeren politischen Gemeinschaft zwischen den&#13;
Industrienationen sowie jetzt in den osteuropäischen&#13;
und zahlreichen Entwicklungsländern. Dies geschah&#13;
jedoch nur, weil innenpolitische Maßnahmen offene&#13;
Märkte unterstützten, und offene Märkte haben zur&#13;
Entwicklung von größerem politischen Vertrauen und&#13;
einem Gefühl der Gemeinschaft unter unterschiedlichen Nationen beigetragen.&#13;
Der Konflikt zwischen Weltmärkten und nationalen&#13;
Interessen ist nicht unvermeidlich. Er kann durch&#13;
Maßnahmen umgangen werden, die wirtschaftliche&#13;
Interdependenz scharfen und politische Bande schmieden. In der industrialisierten Welt sind solche Maßnahmen vordringlicher als je zuvor, insbesondere da die&#13;
ehemaligen kommunistischen und Entwicklungsländer versuchen, Teil des außerordentlich interdependenten und politisch vereinten Weltmarktes zu werden.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�</text>
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