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Embassy of the United States of America

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15. April 1992

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GUS-HILFE

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION GUTES
ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats

NICHTVERBREITUNG

DREI JAHRE FORTSCHRITTE
BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung von Staatsekretär Bartholomew

EBWE

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR
DEN PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

HANDEL

DER US-HANDEL 1992 EIN AUSBLICK
von John Jelacic

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
15. April 1992

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION
GUTES ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge sind die in den neuen Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums stattfindenden demokratischen Revolutionen zeit seines Lebens "die beste Hoffnung" für "echten
Frieden".
Nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus "befinden wir
uns an der Schwelle zu einer neuen Welt der Chancen und des Friedens", erklärte Bush am 9. April 1992 vor
Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bushs im Wortlaut mit leichten Kürzungen.
Heute möchte ich mit Ihnen einige ernsthafte Betrachtungen zu den Ereignissen auf der Welt anstellen.
Blicken Sie auf die Welt von heute. Denken Sie an die
Schlagzeilen machenden Ereignisse der vergangenen
Jahre und unseren Sieg im kalten Krieg, den Zerfall
des imperialen Kommunismus, die Befreiung Kuwaits.
Denken Sie an die großen Revolutionen von 1989, die
den Fall der Berliner Mauer bewirkten, die Fesseln des
Kommunismus iösten und Osteuropa eine neue Welt
der Freiheit erschlossen. Und denken Sie an die Rolle,
die diese Nation bei jedem dieser großen Triumphe
gespielt hat - die Opfer, die wir erbrachten und das
Sendungsbewußtsein, das uns leitete.
Jeder Tag eröffnet neue Chancen, neue Realitäten,
neue Hoffnungen, neue Horizonte. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben wir 18 völlig neue
Nationen anerkannt. Der Großteil dieser Nationen
wurde natürlich aus einem Ereignis von großer Tragweite heraus geboren: dem Zerfall des sowjetischen
Kommunismus.
Heute möchte ich mit Ihnen über die wichtigste au ßenpolitische Chance unserer Zeit sprechen - eine Chance, die die Sicherheit und Zukunft jedes Amerikaners,
jung und alt, im Verlauf dieses gesamten Jahrzehnts
betreffen wird.
Die in Rußland, Armenien, der Ukraine und den anderen neuen Nationen des alten sowjetischen Imperiums
staffindenden Revolutionen verkörpern zeit meines
Lebens die beste Hoffnung für echten Frieden. Kurz
nach meiner Amtsübernahme umriß ich eine neue
amerikanische Strategie als Reaktion auf die sich in
AMERIKA DIENST 15

der Sowjetunion sowie Ost- und Mitteleuropa vollziehenden Veränderungen. Sie sollte über das Containment hinausgehen, Reformen ermutigen und für die
gefangenen Nationen des Ostens auf immer Freiheit
unterstützen.
Nach den dramatischen Revolutionen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, Revolutionen, die
sich dann auf Rumänien, Bulgarien und selbst Albanien ausbreiteten, nach der Vereinigung Deutschlands
in der NATO, nach dem Zerfall der einen Macht - der
UdSSR -, die unsere Lebensart bedrohte, ist diese
Mission jetzt erfüllt. Der kalte Krieg ist vorüber. Das
Gespenst des nuklearen Weltkriegs ist verschwunden. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und jetzt befinden wir uns an der Schwelle zu
einer neuen Welt der Chancen und des Friedens.
Mit dem Ende des kalten Kriegs muß jedoch noch eine
neue Ordnung an seine Stelle treten. Die Chancen enorm. Sie sind riesig. Aber ebenso groß sind die
Gefahren. Und so stehen wir im Rampenlicht der
Geschichte - eine neue Welt lockt, während die Geschichte im Dunkeln liegt.
Ich möchte heute einen neuen Auftrag der amerikanischen Politik gegenüber Rußland und den anderen
neuen Nationen der ehemaligen UdSSR umrei ßen. Es
ist ein Auftrag, der unsere Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen fördern kann, während er gleichzeitig
den Primat amerikanischer Werte hochhält - Werte,
die wie Lincoln es formulierte, die "letzte, beste Hoffnung der Erde" sind.

Seite 1

�Die Amerikaner haben stets gut reagiert, wenn Neuland lockte. Meines Erachtens besteht das vor uns
liegende Neuland für uns und nachfolgende Generationen darin, einen demokratischen Frieden in Europa
und der ehemaligen UdSSR sicherzustellen, der dauerhaften Frieden für de Vereinigten Staaten von Amerika
gewährleisten wird.

Sie streben danach, die Herrschaft des Zwangs durch
Rechtsstaatlichkeit zu ersetzen. Und sie sind bestrebt,
zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Länder Herrschaft nicht im Namen des Volkes zu erzwingen,
sondern Regierungen des Volkes durch und für das
Volk aufzubauen. Und sie streben eine Zukunft freier
und offener Märkte an, in denen die wirtschaftlichen
Rechte beim einzelnen liegen und nicht den Launen
Der demokratische Frieden muß sich auf die beiden zentraler Planer ausgesetzt sind. Sie streben PartnerSäulen politischer und wirtschaftlicher Freiheit grün- schaften an. Sie möchten mit uns Bündnisse eingeden. Der Erfolg der Reformen in Rußland und der hen. Und sie streben danach, Wettlauf und Konflikte
Ukraine, Armenien und Kasachstan, Belarus und dem zu beenden.
Baltikum wird der beste Garant unserer Sicherheit,
unseres Wohlstands und unserer Freiheit sein.
Unsere Ziele sind ihre Ziele. Und in dieser Zeit des
Übergangs gehen sie auf uns zu. Sie möchten unsere
Nach einem langen kalten Krieg ist soviel klar: Demo- Hilfe. Und wenn wir handeln wollen, müssen wir
kraten im Kreml können unsere Sicherheit auf eine Art eindeutig herausfinden, was auf dem Spiel steht.
gewährleisten, wie Raketen es niemals konnten. Ein
Großteil der Außenpolitik meiner Administration war Vor vierzig Jahren hatten Amerikaner die Vorsteldem friedlichen Sieg im kalten Krieg gewidmet. Und lungskraft und Vernunft, besiegten Feinden wieder auf
die nächsten vier Jahre müssen dem Aufbau eines die Beine zu helfen - als Demokratien. Nun, als welch
demokratischen Friedens gewidmet sein - nicht nur für kluge Investition hat sich dies herausgestellt. Diejenidiejenigen von uns, die den kalten Krieg erlebt und gen, denen wir halfen, wurden enge Verbündete und
gewonnen haben, sondern auf Generationen hinaus. wichtige Handelspartner.
Seit den ersten Tagen des kalten Krieges war unsere
Mission das Containment - der Einsatz der kombinierten Ressourcen des Westens, um der Expansion, den
expansionistischen Zielen des sowjetischen Imperiums
Einhalt zu gebieten. Als Präsident habe ich die Politik
verfolgt, über das Containment hinaus zu gehen und
die Macht Amerikas und des Westens einzusetzen,
um den kalten Krieg mit dem Sieg der Freiheit zu
beenden.
Und heute sind wir an einem Wendepunkt angelangt.
Wir haben den imperialen Kommunismus besiegt.
Aber wir haben noch nicht'den Sieg der Demokratie
erlangt. Dieser demokratische Frieden ist nicht leicht
zu erringen. Das Gewicht der Geschichte, der 74
Jahre kommunistischer Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR lehrt uns, daß der Aufbau von Demokratie
und wirtschaftlicher Freiheit Jahre erfordern wird.
Amerika muß deshalb zu dem Schluß kommen, daß
unser Engagement ebenso fest und dauerhaft sein
muß.
Mit diesem Engagement haben wir die Chance, eine
gänzlich andere Welt aufzubauen - eine Welt, die sich
auf die gemeinsamen Werte politischer und wirtschaftlicher Freiheit zwischen Rußland und Amerika, zwischen Ost und West gründet sowie auf einen Frieden,
der auf gegenseitigem Vertrauen und nicht gegenseitigem Schrecken beruht.

Unsere heutige Wahl ist klar: Mit unserer Hilfe können
Rußland, die Ukraine und andere neue Staaten demokratische Freunde und Partner werden. Und ich möchte
hier feststellen, daß sie unsere Hilfe bekommen werden. Wie nützt dies Amerika, werden sie vielleicht
fragen? Wir können endgültig die nukleare Konfrontation beenden, die unsere gesamte Zivilisation über vier
Jahrzehnte hinweg zur Geisel machte. Die Drohung
eines großen Landkrieges in Westeuropa ist mit dem
Zerfall des Warschauer Pakts verschwunden.
Ein demokratisches Rußland ist die beste Garantie
gegen eine erneuerte Gefahr des Wettlaufs und die
Drohung der nuklearen Rivalität. Das Scheitern des
demokratischen Experiments könnte eine dunkle Zukunft
heraufbeschwören, die Rückkehr des A'itnritarismus
oder einen Sturz in die Anarchie. In jedem Fall wäre
das Resultat auf Jahre hinaus eine Bedrohung unseres Friedens, unseres Wohlstands und unserer Sicherheit.
Wir sollten uns jedoch nicht auf die Gefahren des
Scheiterns konzentrieren, sondern auf die Dividenden
des Erfolgs.

Erstens können wir dieses Jahr und Jahr für Jahr
danach eine echte Friedensdividende in Form dauerhaft verringerter Verteidigungshaushalte ernten. Wir
haben bereits Einsparungen der Verteidigungsausgaben von 50 Milliarden Dollar bis 1997 vorgeschlagen.
Und heute finden wir uns in einer nahezu unvorstellba- Diese Kürzungen erfolgen zusätzlich zu den Einsparen Welt wieder, in der Demokraten, nicht Kommuni- rungen in Höhe von 267 Milliarden Dollar, also über
sten, in Moskau, Kiew und Eriwan an der Macht sind. eine viertel Billion Dollar an vorgesehenen VerteidiIn einer neuen Welt, in der eine neue Sorte von gungsausgaben seit dem Fall der Berliner Mauer.
politischen Entscheidungsträgem - unter anderen Boris Täuschen Sie sich nicht: Ich werde keine rücksichtsJelzin, Lewon Ter-Petrosjan, Leonid Krawtschuk, Askar losen Kürzungen vornehmen, die unsere nationale
Sicherheit grundlegend gefährden würaen.
Akajew - auf Reformen drängen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�Zweitens können wir in Zusammenarbeit mit unseren
russischen Partnern und unseren Verbündeten eine
neue internationale Landschaft errichten - eine Landschaft, in der entstehende Bedrohungen eingedämmt
und zunhhte gemacht werden, in der wir konzertiert
handeln, um gemeinsamen Bedrohungen unserer
Umwelt zu begegnen, in der Terroristen keinen sicheren Zufluchtsort finden und in der echte Koalitionen
gleichgesinnter Länder gemeinsam auf Gefahren und
Chancen reagieren.
Drittens schließlich wird der Triumph freier Regierungen und freier Märkte in der alten Sowjetunion große
Chancen für den Welthandel und das Wirtschaftswachstum bedeuten. Ein demokratisches Rußland,
das der freien Marktwirtschaft verpflichtet ist, wird
einen Impuls zu starkem Wachstum des Welthandels
und weltweiter Investitionen geben. Die Bürger der
ehemaligen Sowjetunion sind gut ausgebildet und
hochqualifiziert. Sie möchten für ihre Familien ebenso
eine bessere Zukunft wie jeder von uns für seine
Familie.
Und gemeinsam bilden sie einen potentiell riesigen
Markt, der sich über 11 Zeitzonen erstreckt und nahezu 300 Millionen Menschen umfaßt. Kein Volkswirtschaftler kann den Wert der Handelsmöglichkeiten
genau angeben, die wir uns erhoffen. Es ist unmöglich,
dies zu berechnen. Aber das Potential für Wohlstand
ist groß. Verstärkter Handel bedeutet enorme neue
Märkte für amerikanische Waren, neue Chancen für
amerikanische Unternehmer, neue Arbeitsplätze für
amerikanische Arbeitnehmer. Und ich fühle mich dazu
verpflichtet, der amerikanischen Wirtschaft jede erdenkliche Möglichkeit zu verschaffen, fair und gleichberechtigt auf diesen neuen Märkten zu konkurrieren.
So habe ich in der vergangenen Woche beispielsweise
den amerikanischen Kongreß ersucht, die Stevensonund Byrd-Zusätze aufzuheben, die die Möglichkeiten
der Export import-Bank einschränken, amerikanische
Exporte in die ehemalige UdSSR zu fördern. Und ich
freue mich, daß der Kongreß gehandelt hat. Darüber
hinaus strebe ich den Abschluß von Verträgen über
'-tendel, bilaterale Investitionen und Steuern mit jedem
der neuen Staaten an. Das erste Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Armenien wurde letzte
Woche unterzeichnet. Und wir erwarten, daß zahlreiche weitere folgen werden.
Die russische Demokratie liegt im Interesse Amerikas.
Sie steht darüber hinaus mit den wichtigsten Idealen
dieser Nation im Einklang. Über die Grenzen von
Sprache und Kultur, über den Abgrund des durch den
kalten Krieg verursachten Mißtrauens hinweg, fühlen
wir uns zu gemeinsamen Werten hingezogen. Und in
der Prüfung der langen Leidenszeit der Völker des
sowjetischen Imperiums erkennen wir Spuren der
Vergangenheit unserer Nation. In ihren Hoffnungen
und Träumen erkennen wir unsere eigenen.

AMERIKA DIENST 15

Dies ist ein Artikel des amerikanischen Bekenntnisses:
Freiheit ist nicht das besondere Vorrecht einer Nation,
sondern das Geburtsrecht von Männern und Frauen
überall. Und wir haben immer von dem Tag geträumt,
an dem Demokratie und Freiheit in jedem Winkel der
Erde, in jeder gefangengehaltenen Nation und jeder
geschlossenen Gesellschaft triumphieren werden. Und
dies mag zeit unseres Lebens niemals eintreten, aber
es kann nun für die Millionen von Menschen geschehen, die so lange unter der totalitären sowjetischen
Herrschaft gelitten haben.
Manche halten diese Betrachtungsweise der Zukunft
vielleicht für etwas unrealistisch. Ich möchte Sie daran
erinnern, daß drei unserer wichtigsten Partner, die mit
uns der Demokratie in Rußland zum Erfolg verhelfen,
keine geringeren sind als Deutschland, Japan und
Italien. Wenn wir jetzt Rußland in die Gemeinschaft
freier Staaten einbeziehen können, die amerikanische
Ideale teilen, werden wir Hoffnung in einem Jahrhundert verwirklichen, das so viel Leid erfahren hat.
De Tocqueville hat geschrieben, es sei nicht unvermeidlich gewesen, daß sich ausgerechnet Amerika
und Rußland dem Kampf um globale Vorherrschaft
verschrieben haben. De Tocqueville kannte nur ein
despotisches Rußland, aber wir sehen ein demokratisches Rußland, das wir sichern helfen können. Eine
der größten Leistungen Amerikas in diesem Jahrhundert war unsere Führungsrolle in einer bemerkenswerten Staatengemeinschaft; der freien Welt. Diese
Gemeinschaft ist demokratisch. Sie ist stabil. Sie ist
wohlhabend und kooperativ. Sie ist unabhängig. Und
Amerika - wir alle - ist deshalb umso besser. Wir haben
starke Verbündete. Wir treiben umfangreichen Handel
und sind infolge unseres Engagements für diese freie
Welt sicherer.
Jetzt müssen wir diese erfolgreichste Gemeinschaft
erweitem, damit sie unsere früheren Gegner einschließt.
Dies ist jetzt gut für Amerika. Eine Welt, die mit uns
Handel treibt, bringt uns größeren Wohlstand. Eine
Welt, die unsere Werte teilt, stärkt den Frieden. Dies
ist die Welt, die jetzt vor uns liegt. Dies ist die Welt, die
wir hervorbringen können, wenn wir die Vision haben,
nach ihr zu streben. Und dies ist der Frieden, den wir
nicht verlieren dürfen.
Genau dies tun wir jetzt, um den Frieden zu gewinnen.
Strategisch betrachtet, streben wir gemeinsam mit
den Russen nach historischen Reduzierungen von
Nuklearwaffen. Wir drängen auf eine baldige Ratifizierung von START und KSE. Und wir arbeiten mit allen
neuen Staaten zusammen, um die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Wir bieten
unsere Hilfe an, um Sicherheit, die Sicherheit von
Nuklearwaffen und deren Zerstörung zu gewährleisten.

Seite 3

�Darüber hinaus engagieren wir uns für ein intensives
Austauschprogramm bei den Militärs, um die Verbindungen zwischen unseren Armeen zu verliefen und
eine einmalige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich aufzubauen - eine Zusammenarbeit, die noch vor
wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen teilen wir die
Lasten verantwortungsvoll und handeln im besten
Interesse des amerikanischen Steuerzahlers.

Ich weiß, daß eine breite öffentliche Unterstützung für
unsere Bestrebungen zur Verabschiedung dieses
Programms entscheidend ist. Deshalb möchte ich
Auf politischer Ebene sind wir bestrebt, daß Amerika denjenigen, die sagen: "Ja, die Menschen in Rußland
und amerikanische Werte in diesen neuen Ländern und im gesamten alten Sowjetimperium kämpfen, und
repräsentiert sind. Wir sind das einzige Land, das wir wünschen uns ihren Erfolg und daß sie der demoBotschaften in allen früheren Republiken unterhält. kratischen Staatengemeinschaft beitreten. Aber was
Wir planen, Amerika Häuser und amerikanisches Know- ist mit uns? Wie halten wir es mit den Herausforderunhow in die frühere UdSSR zu bringen, Hunderte von gen und Zwängen hier in Amerika? Ist es nicht an der
freiwilligen Helfern des Peace Cors dorthin zu entsen- Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern?" folgendes
den, um beim Aufbau kleiner Betriebe zu helfen, entgegenhalten: Frieden und Wohlstand liegen im
wichtige Austauschprogramme von Studenten, Frei- Interesses jedes Amerikaners, jedes einzelnen Menberuflern und Wissenschaftlern einzuführen, damit schen heute und aller nachfolgenden Generationen.
unser Volk die Bindungen begründen kann, die für den
Als Nation haben wir über 4.000 Milliarden Dollar
dauerhaften Frieden so wichtig sind.
ausgegeben, um den kalten Krieg zu gewinnen. VerIn der Wirtschaft haben wir gemeinsam mit der Euro- glichen mit einem solch ungeheuren Opfer betragen
päischen Gemeinschaft und vielen anderen Ländern die Kosten zur Förderung der Demokratie nur einen
eine globale Koalition gebildet und im letzten Winter Bruchteil dessen, und die Auswirkungen auf Frieden
dringend benötigte Nahrungs- und Arzneimittelhilfe und Wohlstand sind unermeßlich. Amerika muß die
gewährt. Jetzt werden wir Amerikaner entsenden, Führung übernehmen, um diese neue Welt des Friedamit sie Verbesserungen bei der Verteilung von dens zu schaffen.
Lebensmitteln, im Energiesektor, bei der Umwandlung
Dreimal in diesem Jahrhundert wurde Amerika aufgeder Rüstungsindustrie und Demokratisierung leisten.
fordert, an der Konstruktion eines dauerhaften FrieIch habe dem Kongreß das Gesetz zur Förderung der dens in Europa mitzuwirken. Diesen Monat vor 75
Freiheit vorgelegt, ein umfassendes und integriertes Jahren sind die Vereinigten Staaten in den Ersten
Gesetzespaket, das neue Möglichkeiten zur Förde- Weltkrieg eingetreten, um die Waage gegen Aggresrung der Freiheit schafft und alle Gesetze des kalten sion ausschlagen zu lassen. Und dennoch hat sich
Kriegs außer Kraft setzt. In seinen wichtigsten Punk- Amerika nach der gewonnenen Schlacht hinter dem
ten fordert dieses Gesetz den Kongreß auf, meiner Ozean zurückgezogen, und "der Krieg zur Beendigung
Forderung nach 620 Millionen Dollar nachzukommen, aller Kriege" hat einen Frieden hervorgebracht, der
um technische Hilfsprojekte in der früheren UdSSR zu nicht einmal eine Generation überdauerte. Tatsächfördern. Es fordert ferner den Kongreß auf, die US- lich hatte sich der Frieden zur Zeit meiner Geburt, im
Quote beim IWF um 12 Milliarden Dollar zu erhöhen. Jahr 1924, bereits wieder aufgelöst. Wozu hat Deutschlands wirtschaftliches Chaos bald geführt? Zu faschiIch möchte mit beiden Parteien im Kongreß zusam- stischer Diktatur. Die Saat eines anderen, schrecklimenarbeiten, um dieses Gesetz zu verabschieden. cheren Krieges war gesät.
Ich möchte dieses Gesetz noch vor dem Gipfel mit
Präsident Jelzin im Juni in Washington unterzeichnen. Und immer noch blieb der isolationistische Impuls
Ebenso wie die Früchte dieser neuen Welt nicht von stark. Jahre später, als die Nazis über den Kontinent
einem einzigen Land geerntet werden, liegt auch die zu marschieren begannen, kann ich mich daran erinLast nicht nur auf Amerika allein. Zusammen mit nern, daß die Zeitungen hier in den Vereinigten Staaunseren Verbündeten haben wir ein 24-Milliarden- ten immer noch über "Europas Krieg" sprachen, als ob
Dollar-Paket finanzieller Hilfe entwickelt. Sein Ziel: Amerika sich abschotten könnte, als ob wir uns von der
Präsident Jelzins Reformen die dringend benötigte Welt jenseits unserer Ufer abschotten könnten.
Unterstützung zu gewähren.
Infolgedessen - Sie kennen die Antwort - haben wir d&lt;*n
Wir verfolgen eine Politik des kollektiven Engage- teuersten Krieg in der Geschichte der Menschheit
ments und der gemeinsamen Verantwortung. In geführt. Einen Krieg, der das Leben zahlloser MillioZusammenarbeit mit der G-7, dem IWF und der Welt- nen gekostet hat. Am Ende des Krieges erblickten wir
bank wollen wir die wirtschaftliche Umgestaltung för- wieder einmal die Aussicht auf eine neue Welt am
dern, die für einen dauerhaften demokratischen Frie- Horizont. Aber der große Sieg über den Faschismus
wich bald der grausigen Realität einer neuen kommuden so wichtig ist.
nistischen Bedrohung.
45 Jahre nach ihrer Gründung dienen jetzt die von uns
nach dem Zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffenen Institutionen ihrem ursprünglichen Zweck.
Seite 4

AMERIKA DIENST 15

�Wir hatten Glück, daß unsere Spitzenpolitiker nach
dem Krieg - Demokraten und Republikaner gleichermaßen - die Lektionen der Vergangeneheit beim Aufbau des Friedens in den nächsten vierzig Jahren nicht
verlernt hatten. Sie bildeten eine Koalition, in der sich
Amerika weiterhin engagierte, die den Frieden im
langen schwierigen Kampf gegen den Sowjetkommunismus aufrechterhielt. Sie lehrten die Lektion, die wir
heute auch beachten müssen: daß es die nobelste
Aufgabe des Siegers ist, den Feind zum Freund zu
machen.
Jetzt hat Amerika zum dritten Mal die Möglichkeit, die
Art dauerhaften Friedens zu schaffen, die uns so lange
versagt blieb. In diesem entscheidenden Augenblick
weiß ich, wo ich stehe. Ich stehe für Amerikas Engagement ein, einen demokratischen Frieden zu fördern,

*

AMERIKA DIENST 15

einen Frieden, der der nächsten Generation eine Welt
bieten kann, die frei von Kriegen und frei von Konflikten
ist.
Nach 50 Jahren der Angst und des Mißtrauens müssen Amerika, Rußland und die neuen Länder der
früheren UdSSR Partner im Frieden werden. Nach 50
Jahren des kalten Kriegs und der scharfen Worte
müssen wir uns für gemeinsame Werte aussprechen
und danach handeln. Und nach 50 Jahren des bewaffneten und unsicheren Friedens müssen wir in eine
neue Welt der Freiheit, Zusammenarbeit, Versöhnung
und Hoffnung eintreten.
Ich danke Ihnen, daß Sie mich heute hierher eingeladen haben. Gott segne die freien Völker des früheren
sowjetischen Imperiums - und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

Seite 5

�GUS-HILFE
15. April 1992

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Kongreß das Gesetz zur Förderung der Freiheit vor der Ankunft von Präsident
Jelzin im Juni verabschiedet, wären die Vereinigten Staaten Außenminister Baker zufolge in der Lage, den
Washingtoner Gipfel als "Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung
der Demokratie in ganz Rußland und Eurasien zu nutzen".
In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats warnte Baker am 9. April 1992, daß die Beziehungen zu Rußland, der Ukraine, Armenien, Kasachstan und Belarus ohne die Zustimmung zu dem Gesetz
ebenso leiden werden wie "unsere Position in der Welt allgemein".
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit würde die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten unterstützen, stellte Baker fest, die auf den "Abbau der Bedrohung, Demilitarisierung und nukleare
Sicherheit" abzielen, Mittel für "Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug und Verlegung der
damals sowjetischen Streitkräfte sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung" bewilligen.
Baker drängte den Kongreß, jetzt zu handeln und die sich durch das Ende des kalten Kriegs bietenden Chancen
zu ergreifen, "um auf demokratischen Frieden und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten". Die Entscheidungen,
"die wir jetzt treffen, werden auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben", betonte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts prophezeite Alexis
de Tocqueville, Amerika und Rußland seien dazu
bestimmt, jeweils eine Hälfte der Welt in ihren Händen
zu halten. Im Verlauf dieses Jahrhunderts wurden de
Tocquevilles Worte wieder und wieder als Prophezeiung der Rivalität zwischen den Supermächten zitiert,
die die Weltpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg beherrscht und geteilt hat.
Heute sind wir zur Erörterung eines Themas zusammengekommen - der demokratischen Revolutionen in
Rußland und Eurasien - das bis weit ins nächste
Jahrhundert tiefgreifende Auswirkungen auf den Frieden und Wohlstand der Vereinigten Staaten haben
wird.
Mit unseren Hoffnungen für das 21. Jahrhundert vor
Augen bin ich heute hierher gekommen, um unsere
Arbeit für ein vorrangiges Ziel voranzubrigen - die
Rivalitäten der Geschichte zu überwinden und statt
dessen mit den Völkern Rußlands und Eurasiens
einen demokratischen Frieden aufzubauen, einen
dauerhaften Frieden, der weit bis ins nächste Jahrhundert zur Einigung der Welt beitragen kann.

AMERIKA DIENST 15

Ich möchte Ihnen heute unsere Vision eines demokratischen Friedens erläutern, der den alten Eisernen
Vorhang für immer heben und die Länder Rußlands
und Eurasiens - und Mittel- und Osteuropas - mit der
demokratischen Staatengemeinschaft vereinigen kann.
Darüber hinaus möchte ich erklären, was bei dieser
historischen Umgestaltung auf dem Spiel steht, wie wir
Demokratie und freie Märkte in Rußland und Eurasien
unterstützen werden und was der Kongreß tun muß.
Bevor ich fortfahre, möchte ich Ihnen unseren Tenor
erläutern. Der Präsident und ich bitten den Kongreß,
das Gesetz zur Förderung der Freiheit bis zur Ankunft
Präsident Jelzins im Juni zu verabschieden. Mit der
Verabschiedung des Gesetzes werden wir in der Lage
sein, den Gipfel im Juni als Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung der Demokratie in ganz Rußland und
Eurasien zu nutzen. Ohne das Gesetz zur Förderung
der Freiheit werden nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen leiden, sondern auch unsere
Beziehungen zu der Ukraine und Armenien, Kasachstan und Belarus sowie unsere Position in der Welt
allgemein.
Seite 1

�Ein demokratischer Frieden
Lassen Sie mich mit unserer Vision der Zukunft beginnen - einer Vision und einem Ansatz, den der Präsident
heute nachmittag darlegen wird, wenn er vor der
Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsverleger
spricht. Wie Sie sehen werden, ist die Vision des
Präsidenten eine zielgerichtete und zwingende Vision
- eine Sichtweise der amerikanischen Beziehungen zu
Rußland und Eurasien, die unseres Erachtens alle
Amerikaner teilen können.
Bis vor kurzem wurde de Tocquevilles Prophezeiung
größtenteils durch die Ereignisse verwirklicht. Amerika und das zaristische Rußland waren niemals enge
Partner, und mit der bolschewistischen Machtübernahme 1917 wurden die neue Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten rasch zu Rivalen. Mit Ausnahme
des Zweiten Weltkriegs und der letzten Jahre unter
Präsident Gorbatschow blieben wir Rivalen und Konkurrenten der Sowjetunion.
Obwohl einige das Argument vorbringen mögen, der
kalte Krieg sei primär eine geopolitische, durch konkurrierende Interessen genährte Rivalität, wurde das echte
Feuer der Konfrontation aus einer anderen Quelle
geschürt: einem deutlichen und unversöhnlichen Konflikt
über Grundwerte. Im Kern war der kalte Krieg ein
gigantischer Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus.
Unsere Lösung für diesen schwierigen und unbequemen Zustand war das Containment. Obwohl das
Containment eine erfolgreiche Politik war, war es nie
eine wirklich zufriedenstellende, denn im Grunde war
es eine Politik mit einem negativen Ziel: Die Stalinisten
davon abzuschrecken, weiterzugehen und gleichzeitig
einen Atomkrieg abzuwenden.
Infolgedessen war der Frieden nach dem kalten Krieg
überhaupt kein echter Frieden, sondern in Wirklichkeit
ein durch häufige Krisen zwischen den Supermächten
akzentuiertes sporadisches Entgegenkommen. Frieden war schlicht und einfach die Vermeidung von
Krieg, nicht die Versöhnung der Menschen. Und die
Vermeidung von Krieg wurde nur durch Konfrontation,
Spannung und das Damoklesschwert eines nuklearen
Holocaust erreicht.
Heute sehen wir uns mit einer vollständig anderen und
neuen Situation konfrontiert - der Chance, einen auf
gemeinsame demokratische Werte gegründeten echten Frieden aufzubauen.
Heute leben wir in einer Welt, in der frei gewählte
Politiker in Moskau und Kiew, Eriwan und Bischkek,
Kischinjow und Alma-Ata regieren. Unsere Bestrebungen - der Wunsch, unser Schicksal in politischer
und wirtschaftlicher Freiheit selbst zu bestimmen - sind
gleichermaßen ihre Bestrebungen. Unsere Fundamente - die Rechte des einzelnen, Rechtsstaatlichkeit,
freie Wahlen - werden ihre Fundamente.
Seite 2

Heute haben wir die Chance, radikal mit der Vergangenheit zu brechen. Wir können unseren Blick weit
über das negative Ziel des Containment hinausrichten,
weil jetzt ein positiver Zweck winkt: Die Unterstützung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit und die Schaffung eines demokratischen Friedens mit Rußland und
Eurasien.
Ein demokratischer Frieden wäre ein echter Frieden,
nicht nur das Fehlen eines Krieges. Wenn wir von dem
ausgehen, was der Präsident als die beiden Säulen der
politischen und wirtschaftlichen Freiheit bezeichnet, ist
der Boden für Kooperation und gemeinsame Arbeit
bereitet, nicht für Konflikt und militärischen Wettbewerb. Mit einer solchen Grundlage für unsere Beziehungen wäre der Frieden, den wir mit Rußland, der
Ukraine und den anderen neuen Staaten teilen, ein auf
gemeinsame Werte gegründeter Frieden - der dauerhafte Frieden, den wir mit Großbritannien oder Frankreich teilen.
Es wäre ein Frieden, den wir mit ehemaligen Gegnern
wie Deutschland, Italien und Japan teilen, die heute die
gleichen demokratischen Werte wie wir haben. Niemand sieht heute einen Krieg mit diesen Ländern
voraus, und der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach
dem Zweiten Weltkrieg haben wir in diesen Nationen
politische und wirtschaftliche Freiheit unterstützt, und
indem wir dies taten, haben wir einem Analysten
zufolge eine Friedenszone aufgebaut.
Indem wir heute den Russen und Kasachen, Usbeken
und Aserbaidschanern unsere Hand reichen, können
wir diese Friedenszone erweitern. Indem wir jetzt
unsere gemeinsamen Werte kultivieren, können wir für
nachfolgende Generationen gefährliche Konflikte
vermeiden. Das ist ein dem amerikanischen Volk
wertes Ziel. Und unseres Erachtens sind alle Amerikaner bereit, dieses Ziel zu unterstützen.
Was auf dem Spiel steht
Dies ist der Grund.
Eine demokratische Regierung in Rußland wird nicht
länger eine eindeutige und allgegenwärtige Bedrohung der Vereinigten Staaten darstellen. Echte
Demokratien beginnen keinen Krieg mit einem anderen Land. Rüstungskontrolle hat sich mit diesem
Symptom befaßt - Nuklearwaffen - während der demokratische Erfolg in Rußland sich der Ursache annimmt:
Totalitarismus.
Demokratie in Ru Bland wird die Chancen für Demokratie in Belarus und der Ukraine, Kasachstan und Usbekistan stützen. All dies wird sich nicht nur zum Vorteil
unserer Verbündeten in Westeuropa erweisen, sondern auch für die Aussichten auf Demokratie in Mittelund Osteuropa sowie im Nahen Osten und Südostasien.

AMERIKA DIENST 15

�So hoffen wir, daß sich die Gemeinschaft demokratischer Nationen bald von Japan bis Europa über die
eurasische Landmasse erstrecken wird, wie sie sich
heute von Europa über die westliche Hemisphäre nach
Japan erstreckt. Dies würde unsere kollektive Arbeit
bei der Bewältigung wachsender neuer Herausforderungen effektiver gestalten: Weiterverbreitung, Terrorismus, Drogenbekämpfung, Umweltschutz.
Ein solcher Zustand liegt nicht nur im strategischen
Interesse der Vereinigten Staaten, sondern im Interesse jedes Amerikaners. Seit Jahrzehnten geben wir
nun schon Billionen Dollar aus, um uns gegen die
kommunistische Bedrohung zu verteidigen. Indem wir
heute in einen demokratischen Frieden invesiieren,
können wir unseren Kindern und Enkeln ein reiches
Erbe hinterlassen - ein Erbe dauerhaften Friedens, ein
Erbe beständiger Chancen, Amerika zu einem besseren Land zu machen.
Das Wachsen von Demokratie und freien Märkten in
Rußland und Eurasien kann für die amerikanische
Wirtschaft und amerikanische Unternehmen eine neue
Quelle des Handels und der Investitionen sein. Diese
Länder sind so reich an Bodenschätzen und gebildeten, talentierten Völkern. Sie möchten, daß wir mit
ihnen Handel treiben und in ihre Unternehmungen und
ihre Zukunft investieren. Dies liegt in unserem beiderseitigen Vorteil. Während wir ihnen helfen, eine freie
Marktwirtschaft aufzubauen, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und unsere Ressourcen
einsetzen, um dem Bedarf dieser neuen Märkte gerecht zu werden. Dies wird unsere Wirtschaft stärken,
während wir ihre Bemühungen zur Schaffung freier
Märkte unterstützen.
Überdies wissen wir, daß es unseren Bürgern in einer
demokratischen Welt am besten geht. Je demokratischer die Länder Rußlands und Eurasiens werden,
desto größer sind die Chancen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern. Das ist etwas, das
in unser aller Interesse liegt.
Vor allem aber ist dieses Ziel des amerikanischen
Charakters würdig. In der Vergangenheit haben wir
das amerikanische Volk oft für den Krieg mobilisiert,
um unseren Lebensstil zu verteidigen. Heute streben
wir danach, es zu mobilisieren, um einen demokratischen Frieden aufzubauen und unseren Lebensstil
und unsere Werte auf neue Regionen auszudehnen.
Kollektives Engagement
Herr Vorsitzender, nachdem ich erörtert habe, was auf
dem Spiel steht, möchte ich mich nun dem zuwenden,
was wir zur Unterstützung der Demokratie in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten tun
müssen.
Während sich die Sowjetunion im vergangenen Dezember im Endstadium des Zerfalls befand, appellierte

AMERIKA DIENST 15

ich in einer Rede an der Princeton University an den
Westen, eine Politik des kollektiven Engagements
gegenüber der ehemaligen Sowjetunion zu verfolgen.
Ich erklärte, wir sollten mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und unsere Bemühungen auf die
folgenden drei Aufgaben konzentrieren:
Erstens, Unterstützung bei der Zerstörung und
Kontrolle der militärischen Relikte des kalten
Krieges;
Zweitens, Unterstützung unserer ehemaligen
Gegner beim Aufbau von Demokratie und politischer Legitimität nach dem Scheitern des
Totalitarismus;
Drittens, Unterstützung der Kräfte des freien
Markts bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen
Stabilisierung und Gesundung in den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion.
Indem wir uns dem gesamten Spektrum dieser Aufgaben widmen, gehen wir auf die zahllosen militärischen,
politischen und wirtschaftlichen Probleme ein, die von
den neuen Staaten beim Aufbau von Demokratie und
freien Märkten überwunden werden müssen. Und seit
Dezember haben wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten bei jedem dieser Punkte Fortschritte
erzielt.
Im militärischen Bereich haben wir mit neuen Vorschlägen von Präsident Bush und Präsident Jelzin zur
nuklearen Rüstungskontrolle ein gutes Stück Weges
zurückgelegt. Dasselbe gilt für neue praktische Schritte, um Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan
zu helfen, Kernwaffen zu entschärfen und zu beseitigen und für die Schaffung eines internationalen Wissenschaftszentrums in Rußland und der Ukraine, um
das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern
in den Griff zu bekommen.
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen mit allen neuen unabhängigen Staaten hergestellt, und wir werden dort Botschaften eröffnen. Überdies
haben wir sie in den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa willkommen geheißen. Darüber hinaus gab es die historische
Erklärung von Camp David zwischen Präsident Bush
und Präsident Jelzin - ein klares Zeichen für die neue
Ära, in die Ru ßland und Amerika gemeinsam eintreten.
In der Wirtschaft haben wir auf einen besonderen
Assoziierungsstatus der Sowjetunion mit IWF und
Weltbank gedrängt, und wir haben uns in jüngster Zeit
für die Vollmitgliedschaft Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten eingesetzt. Mit der Aktion
Hoffnung haben wir massive Bemühungen unternommen, um der humanitären Notlage zu begegnen. Wir
haben unsere Programme zur technischen Hilfe erweitert. Und bei der Washingtoner Koordinierungskonfe-

Seite 3

�renz haben wir mit unseren Verbündeten umfangreiche und produktive Bemühungen eingeleitet, um die
Hilfe zu koordinieren.
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit
Heute, da wir in das nächste Stadium der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte eintreten, verschafft uns das Gesetz zur Förderung der Freiheit
größeren Spielraum und mehr Elan.
Es stellt einen umfassenden, integrierten Rahmen dar,
mittels dessen wir die militärischen, politischen und
wirtschaftlichen Probleme Rußlands und Eurasiens
bewältigen können. Es unterstützt unsere Politik des
kollektiven Engagements sowie unsere Bemühungen
zur Koordinierung und Aufteilung der Lasten mit unseren Verbündeten. Das Gesetz zur Förderung der
Freiheit hebt die Beschränkungen des kalten Krieges
auf, aber noch wichtiger ist, daß es unsere Bemühungen zum Aufbau eines demokratischen Friedens unterstützt.
In dieser Hinsicht handelt es sich dabei ebenso um
eine politische Erklärung wie um ein Gesetzespaket.
Was jedoch seine Funktion als legislatives Instrument
angeht, um dessen Unterstützung wir Sie bitten, so
versuchen wir, Exekutive und Legislative in einem
überparteilichen Programm zu vereinen, mit dem das
amerikanische Volk mobilisiert werden kann.
Ich möchte kurz darauf eingehen, wie das Gesetz das
von mir erwähnte dreiteilige Programm unterstützen
kann.
Erstens unterstützt das Gesetz den Abbau der Bedrohung, die Demilitarisierung und nukleare Sicherheit.
Es stellt Mittel bereit, die für Demilitarisierung, Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug
und Verlegung der ehemals sowjetischen Streitkräfte
sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung eingesetzt
werden sollen. Es wird ferner die zulässige Verwendung der Nunn-Lugar-Mittel - sowie von Mitteln zur
Finanzierung von Militärhilfe (FMF) - für diese Zwecke
erweitern. Darüber hinaus enthält es Unterstützung
für ein Internationales Wissenschafts- und Technologiezentrum in der Ukraine, das demjenigen ähnelt, das
wir für Rußland vereinbart haben.
Zweitens unterstüzt das Gesetz unsere Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Es wird unsere Bestrebungen
zum Aufbau von "Amerika Häusern" fördern - Zentren
für die Bürger der neuen Staaten, in denen sie von in
diesen Staaten lebenden amerikanischen Beratern
etwas über die Vereinigten Staaten erfahren können.
Es wird unser Engagement für das Bürgerkorps
Demokratie des Präsidenten ebenso stärken wie unsere
Fähigkeit zur Unterstützung einer Eurasien-Stiftung.
Diese beiden Organisationen werden als Katalysator
für das Engagement unseres Privastsektors bei diesen Bestrebungen wirken.

Seite 4

Das Gesetz wird ferner die Mittel für neue diplomatische Missionen bewilligen, um eine effektive diplomatische Präsenz in der gesamten ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
Darüber hinaus unterstützt das Gesetz ein Programm
für internationalen Austausch und die Ausbildung von
Militärs (International Military Exchanges and Training
- IMET) mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten, das die Förderung des demokratischen
Prinzips der zivilen Kontrolle in diesen neuen Staaten
zum Ziel hat.
Drittens unterstützt das Gesetz zur Förderung der
Freiheit freie und offene Märkte durch technische Hilfe,
Förderung von Handel und Investitionen sowie makroökonomische Stabilisierung. Ich möchte jeden
dieser Bereiche getrennt behandeln.
Im Hinblick auf technische Hilfe gestattet das Gesetz
den mit der Unterstützung der osteuropäischen Demokratien (Support for Eastern Europan Democracies SEED) befaßten Behörden die Durchführung vergleichbarer Aktivitäten in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Dadurch können wir von den
von einer ganzen Bandbreite amerikanischer Regierungsstellen bei der Bereitstellung technischer Hilfe in
der ehemaligen Sowjetunion gemachten Erfahrungen
profitieren. Das Gesetz verleiht auch den Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums größere
Flexibilität.
Was diese neuen unabhängigen Staaten mehr als
alles andere benötigen - wonach sie wirklich dürsten ist Wissen: Aufbau demokratischer Institutionen, wirtschaftliche Aktivitäten in einer freien Marktwirtschaft.
Diese Staaten benötigen nicht die antiquierte "Auslandshilfe", sondern vielmehr etwas sehr viel anderes:
das Wissen, daß durch aktives Engagement eines
dynamischen Privatsektors vermittelt werden kann,
der mit der US-Regierung zusammenarbeitet. Unser
technisches Hilfsprogramm konzentriert sich auf die
Erleichterung einer solchen Partnerschaft.
Im Hinblick auf die Förderung von Handel und Investitionen wird das Gesetz unseren Firmen die Nutzung
von Handels- und Investitionschancen in Rußland und
den anderen neuen unabhängigen Staten erleichtern.
Das Gesetz hebt vor allem ansonsten gültige Begrenzungen von Programmen der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank auf und gestattet
uns, unsere Mittel zur Deckung der Kreditbürgschafter,
zu verwenden. Auf diese Art und Weise können wir die
Mittel der US-Regierung in Handel und Investitionen
des Privatsektors dirigieren. Das ist gut für unsere
Wirtschaft und unseren Handel - ebenso wie für die
Entwicklung von Märkten und Demokratien in den
neuen Staaten.
Das Gesetz räumt dem Präsidenten die Befugnis zur
Aufhebung von Bestimmungen ein, die jetzt die normalen Wirtschaftsbeziehungen beschneiden und ameriAMERIKA DIENST 15

�kanische Unternehmen behindern, einschließlich
Gewährung des allgemeinen Präferenzsystems (GSP)
und Aufhebung der Einschränkungen bei privater
Kreditvergabe im Rahmen des Johnson-Gesetzes über
Zahlungsunfähigkeit. Das Gesetz läßt ferner keinen
Zweifel an unserer Absicht, weitere COCOM-Begrenzungen aufzuheben.

Rußland ist ein an Bodenschätzen und talentierten
Menschen reiches Land. Die Marktwirtschaft ist der
Schlüssel, um diese Ressourcen und Talente anzuzapfen. Märkte werden die Tür zu Wirtschaftswachstum
und Entwicklung öffnen. Aber während sich die Märkte
entwickeln, benötigt Rußland Hilfe bei der Bewältigung
seiner Liquiditätsprobleme.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind neue Länder.
Sie sollten ihre neue Geschichte frei von Bürden
beginnen und nicht über Gebühr durch auf Stalinisten
abzielende Einschränkungen belastet werden.

Wir betrachten dies nicht als endlosen Kreislauf von
Milliarden Dollar zur Stützung der russischen Wirtschaft. Das gesunde, vom IWF unterstützte Wirtschaftsprogramm, das Präsident Jelzin in die Wege
geleitet hat, wird unserer Meinung nach Wachstum
und Entwicklung fördern. Und dieses Wirtschaftswachstum wird darüber hinaus den von uns angestrebten demokratischen Frieden unterstützen.

Im Hinblick auf die makroökonomische Stabilisierung
wird das Gesetz einen unterstützenden Rahmen bereitstellen, um unsere wichtige Rolle beim multilateralen Stabilisierungsprogramm fortzusetzen, das wir mit
IWF, Weltbank und G-7 entwickeln.
Am wichtigsten ist jedoch, daß das Gesetz die Quotenerhöhung des IWF genehmigt - ein Schritt, den der
Kongreß unbedingt unternehmen muß, um diese
multilateralen Bemühungen zu unterstützen. Dazu
möchte ich anmerken, Herr Vorsitzender, daß Mitglieder des Ausschusses als ich vor zwei Monaten hier
gesprochen habe, mir gegenüber bekräftigten, der
Kongreß werde dazu nichts unternehmen, bevor nicht
der Präsident sein Gewicht in die Waagschale legt.
Herr Vorsitzender, der Präsident hat dies nun - öffentlich und unmißverständlich - getan, und wir erwarten
jetzt vom Kongreß, daß er handelt. Nicht nur brauchen
wir die Genehmigung des Kongresses zur Quotenerhöhung durch das Gesetz zur Förderung der Freiheit,
sondern wir beantragen, daß der Kongreß im gleichen
Sinne handelt, um die notwendigen Bewilligungsgesetze zu verabschieden.
Das Gesetz unterstützt ferner unsere Bemühungen,
eine führende Rolle bei der Unterstützung des makroökonomischen Stabilisierungsprogramms zu spielen,
indem es die Zustimmung des Kongresses für die
amerikanische Beteiligung an einem oder mehreren
Währungsstabilisierungsfonds von bis zu 3 Milliarden
Dollar beinhaltet.
Das Gesetz stellt darüber hinaus klar, daß der Kongreß den Ansatz der Administration unterstützt, durch
IWF und Weltbank die makroökonomische Stabilisierung multilateral zu unterstützen.
Bevor ich schließe, möchte ich noch kurz auf das
makroökonomische Stabilisierungsprogram.i. und
unsere Rolle dabei eingehen.
Die 24 Milliarden Dollar an makroökonomischer Unterstützung der G-7 für den vom Präsidenten angekündigten ehrgeizigen Wirtschaftsreformplan Rußlands
wird grundlegende Hilfe für den Übergang Rußlands
zur Marktwirtschaft bereitstellen.

AMERIKA DIENST 15

Unterstützung der Zahlungsbilanz wird in Form von
Krediten des IWF und der anderen internationalen
Finanzinstitutionen im Kontext eines ausgehandelten
Ad-hoc-Arrangements sowie in Form von bilateraler
Hilfe durch die Länder der G-7 selbst erfolgen. Weitere
Umschuldungen könnten gegebenenfalls Zinszahlungen zum bereits bestehenden Aufschub der Tilgung
von Schulden hinzugefügt werden, die bereits vor
1991 aufgelaufen waren.
Die Details werden mit dem Ziel ausgearbeitet, ein
Abkommen bis Ende April fertigzustellen. Viel wird
davon abhängen, ob Rußland mit dem IWF eine Einigung über ein Ad-hoc-Programm erzielt. Details einer
größeren Umschuldungsaktion müßten von den Gläubigerländern ausgearbeitet werden.
Die G-7 hat ferner beschlossen, einen Währungsstabilisierungsfonds für Rußland einzurichten. Der genaue Charakter und Zweck dieses Fonds werden noch
definiert. Wir werden vorsichtig vorgehen, damit der
Fonds sinnvoll zusammengestellt wird und solide wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Der Währungsstabilisierungsfonds kann solche Maßnahmen nicht
ersetzen. Wie im Falle Polens könnte ein Währungsstabilisierungsfonds Rußlands Bemühungen entscheidend unterstützen, den Rubel zu einer effektiven
Währung zu machen.
Die Finanzierung des Währungsstabilisierungsfonds
wird voll und ganz aus den Allgemeinen Arrangements
zur Kreditvergabe bestritten, einer in den sechziger
Jahren geschaffene Kreditbewilligung des IWF, um es
letzterem zu ermöglichen, seine Mittel in Zeiten erhöhten Bedarfs aufzustocken. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Der amerikanische Anteil an den Allgemeinen
Arrangements zur Kreditvergabe beträgt 25 Prozent,
so daß wir im Endeffekt 1,5 Milliarden Dollar zu den 6
Milliarden Dollar des Währungsstabilisierungsfonds
beitragen würden. Dafür würden jedoch unter dem
Strich keine zusätzlichen Haushaltsmittel erforderlich.

Seite 5

�Im Prinzip wären wir bereit, die Schaffung eines oder
mehrerer Fonds für die ehemaligen Sowjetrepubliken
zu unterstützen, jeweils abhängig von deren Reformplänen und dem Bedarf. Offengesagt ist jedoch noch
keine der anderen Republiken bei der Entwicklung
eines umfassenden Wirtschaftsreformprogramms in
Zusammenarbeit mit dem IWF so weit fortgeschritten
wie Rußland. Und viele davon werden wahrscheinlich
in die Rubelzone einbezogen werden, anstatt eigene
Währungen einzuführen. Sollte jedoch ein eindeutiger
Bedarf entstehen, werden wir einen Weg finden, um
auch diesem Bedarf gerecht zu werden.
Fortschritte bei mikroökonomischen und strukturellen
Fragen sind ebenso unabdingbar wie die makroökonomische Stabilisierung. Stabilisierungsmaßnahmen
schaffen das Klima für Märkte, aber Rußland und die
anderen Republiken benötigen darüber hinaus durchgreifende Maßnahmen, um Wettbewerb, echte Eigentums-und Vertragsrechte, Entmonopolisierung und
Privatisierung sowie sektorale Reformen zu fördern.
Unsere technische Hilfe wird sich teilweise auf diese
Bereiche konzentrieren. Darüber hinaus erwarten wir,
daß die Weltbank hierbei eine Schlüsselrolle spielen
wird.
Schlußbemerkungen
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich folgendes feststellen:
Wie der Präsident verdeutlich hat, befinden wir uns an
einem Wendepunkt für Amerika und die Welt. Mit dem
Ende des kalten Krieges hat uns die Geschichte eine
einzigartige Chance geboten. Die Aufgabe ist beängstigend, und der Erfolg kann nicht garantiert werden.
Aber die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden
auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben, und ich
bin davon überzeugt, daß wir diese heutige Chance
nutzen müssen, um auf einen demokratischen Frieden
und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten.
* *

Seite 6

Es trifft zu, daß die Amerikaner ein kluges, pragmatisches Volk mit wenig Neigung zu außenpolitischen
Abenteuern sind. Wir sind jedoch auch ein mutiges
Volk. In diesen revolutionären Zeiten müssen wir
diesen Mut einsetzen. Wir müssen etwas wagen.
Wir haben diesen Mut in der Vergangenheit bewiesen,
und wir haben auch früher etwas gewagt. In den
langen, dunklen Jahren des kalten Krieges haben wir
zu glauben gewagt, daß der Alptraum des Kommunismus vorübergehen werde. Wir wagten zu glauben,
daß wir eine bessere Welt schaffen würden - eine Welt,
die nicht länger in bewaffnete Lager gespalten ist, eine
Welt frei von den Fesseln der Unterdrückung. Auf dem
Weg zu dieser Welt haben wir schon eine beträchtliche
Strecke zurückgelegt. Es ist an der Zeit, erneut etwas
zu wagen und unsere Arbeit zu vollenden.
Wir müssen zu glauben wagen, daß Amerika groß
genug ist - daß Amerika gut genug ist -, um den Weg
in eine friedlichere, freiere und wohlhabendere Welt zu
weisen.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir im Inland
florieren können, auch wenn wir im Ausland Erfolge
haben.
Wir müssen zu glauben wagen, daß unsere Unternehmen konkurrenzfähig sein können, daß unsere Kinder
ohne Furcht vor Krieg schlafen können, daß unsere
Werte in einem neuen Jahrhundert wachsen und
gedeihen können.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir gleichzeitig mit
der Unterstützung beim Aufbau einer neuen Welt im
Ausland ein neues Amerika hier bei uns zu Hause
aufbauen und daß wir beides zusammen tun können und müssen.

* *

*

AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
15. April 1992

DREI JAHRE FORTSCHRITTE BEI NICHTVERBREITUNG
Rede von Staatssekretär Bartholomew vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für internationale Sicherheit im US-Außenministerium, Reginald
Bartholomew, zufolge sind die Vereinigten Staaten die treibende Kraft der'liefgreifenden positiven Revolution"
der vergangenen drei Jahre zur Begrenzung der Verbreitung von Waffensystemen. Bartholomew stellte fest, daß
die Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April 1992 auf amerikanische Initiative zum ersten Mal eine
umfassende Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien verabschiedet hat.
Vor dem Unterausschuß für ausländische Operationen des Bewilligungsausschusses im Repräsentantenhaus
berichtete Bartholomew am 8. April 1992 von einem weiteren diplomatischen Erfolg, als die Vereinigten Staaten
China und die ehemalige Sowjetunion von der Anwendung strengerer Raketenkontrollnormen für deren Exporte
überzeugen konnte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bartholomew in wesentlichen Auszügen.
Übersicht
Diese Administration mißt der Verhinderung der Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und deren Trägerraketen hohe Priorität bei.
In den vergangenen drei Jahren waren wir mit der
Entwicklung und Durchführung neuer Initiativen in all
diesen Bereichen befaßt. Wir haben die internationalen Kontroll normen verbessert und erweitert. Wir
haben die Liste der Exportkontrollen unterworfenen
Geräte und Technologien sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch auf multilateraler Ebene verlängert.
Wir haben regionale Initiativen in die Wege geleitet, um
die Verbreitung in instabilen Regionen der Welt einzudämmen. Und wir haben einen Prozeß erarbeitet, um
(
3n Transfer konventioneller Waffen in den Griff zu bekommen.

Lieferanten von Atommaterial - haben sich auf die
traditionelle amerikanische Position zu "umfassenden
Schutzmaßnahmen" verständigt, das heißt, ein Land,
das einen bedeutenden Bestand an nuklearfähigem
Material bekanntgibt, muß für all seine nuklearen Einrichtungen Schutzmaßnahmen einführen.
Die internationale Liste von aus Gründen der nuklearen Verbreitung kontrollierten Gütern wurde ergänzt
und erweitert.
Auf Initiative der Vereinigten Staaten vereinbarte die
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April
die Kontrolle einer umfangreichen Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien.

Zunächst möchte ich einige dieser Leistungen im
einzelnen erörtern und dann die Problembereiche
anführen, auf die wir uns derzeit konzentrieren.

Zusammengenommen bedeuten diese Fortschritte einen
entschieden gefestigten institutionellen Rahmen für
nukleare Nichtverbreitung. Sie verschärfen die Barrieren gegen die Beschaffung von Nukleartechnologie
durch Länder, die Nuklearwaffenfähigkeiten anstreben.

1.

2.

Die mit der nuklearen Verbreitung befaßten
Institutionen wurden unter amerikanischer
Führung deutlich gestärkt

Die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) hat sich erhöht. Langjährige Zögerer wie
China und Südafrika sind beigetreten, und Frankreich
steht unmittelbar vor dem Beitritt.
Zahlreiche Länder haben darüber hinaus ihre Exporte
von nuklearfähigem Material strengeren Kontrollen
unterworfen. 27 Länder- die Mitglieder der Gruppe der

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Auch bei vordringlichen regionalen Nuklearproblemen wurden Fortschritte erzielt

Argentinien und Brasilien haben von ihren Ambitionen
zum Erwerb von Nuklearwaffen Abstand genommen.
Wenn sich die Dinge weiterhin positiv entwickeln,
könnten sie bald von der Liste der Länder gestrichen
werden, die zu Sorgen bei der atomaren Verbreitung
Anlaß geben.
Unsere seit langem bestehende Besorgnis über die
südafrikanischen Bestrebungen zur Beschaffung von
Seite 1

�Nuklearwaffen konnte zerstreut werden. Südafrika ist
jetzt dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten und
hat unverzüglich die Schutzmaßnahmen des NPT
erfüllt.

- EPCI) werden in Kürze Lizenzen für alle Exporte zu
Raketenprojekten im Nahen Osten und in bestimmten
anderen Ländern erforderlich, die Anlaß zu Besorgnis
bei der Verbreitung geben.

Wir haben das Programm des Irak zur Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen vereitelt. Die irakischen
Programme für Massenvernichtungswaffen wurden
während des Golfkriegs schwer beschädigt, und die
verbleibenden werden unter internationaler Beaufsichtigung zerstört. Die internationale Überwachung wird
auf lange Sicht fortgesetzt, um sicherzustellen, daß
diese Programme nicht wiederaufgebaut werden.

Im Rahmen eines 1990 in den Vereinigten Staaten
verabschiedeten Gesetzes haben wir Sanktionen für
den Handel mit Raketen durch ausländische Körperschaften in mehreren Nationen verhängt, einschließlich China, Pakistan, Südafrika, Nordkorea und iran.

Wir haben bei den Nuklearproblemen mit Nordkorea
einen wesentlichen Fortschritt erzielt, indem wir den
Nord-Süd-Dialog sowie ein nukleares Inspektionsabkommen stärkstens befürworten und Nordkorea zur
vollständigen Einhaltung seiner nuklearen Verpflichtungen im Rahmen des NPT drängen.
3.

Bei der Verbesserung multilateraler Kontrollen von Raketentechnologie waren positive Entwicklungen zu verzeichnen

Die Hauptlieferanten wie Deutschland und die Schweiz
haben ihre nationalen Exportkontrollen verschärft.
Die Mitgliedschaft in den Institutionen hat sich drastisch erhöht. Die Zahl der dem für die Bekämpfung
der Raketenverbreitung verantwortlichen Kontrollregime für Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) beigetretenen Länder hat sich
von 7 auf 18 Mitgliedstaaten erhöht, und im Verlauf
dieses Jahres werden mindestens zwei weitere beitreten.
Die Liste der kontrollierten Güter wurde überarbeitet
und ergänzt. Das MTCR hat seinen Rahmen erweitert
und bezieht auch Raketen ein, die als Trägersysteme
für alle Massenvernichtungswaffen dienen können,
einschließlich chemischer, biologischer und nuklearer
Waffen.
Die Vereinigten Staaten haben die Hauptlieferanten
von der strikten Anwendung von MTCR-Raketenexportkontrollnormen überzeugt. Diese beziehen auch
Rußland und China ein. Argentinien hält sich jetzt an
MTCR entsprechende Kontrollen ebenso wie Israel.
Mehrere osteuropäische Länder sind dabei, dies ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus führt das MTCR ein aktives Programm
für Nichtmitgliedstaaten durch, um ihnen bei der Durchführung wirksamer Raketenexportkontrollen behilflich
zu sein. Am 30. März haben die Vereinigten Staaten
- unter Beteiligung anderer MTCR-Partner - ein Seminar für osteuropäische Nationen, das Baltikum und die
ehemalige Sowjetunion veranstaltet.
4.

Die Vereinigten Staaten haben Ihre Kontrollen für Raketentechnotogie verschäft

Im Rahmen der Initiative zur erweiterten Kontrolle der
Verbreitung (Enhanced Proliferation Controls Initiative
Seite 2

Das heißt, daß praktisch alle Lieferanten von Raketentechnologie jetzt von Ländern, die diese Technologien
verbreiten, abgeschottet wurden. Nur Nordkorea
exportiert nocht vollständige Raktensysteme der MTCRKlasse.
Wir haben eine Reihe von Ländern dazu veranlaßt, auf
den Erwerb von Raketen zu verzichten. Argentinien
hat vergangenes Jahr die Einstellung seines Programms zur Entwicklung der ballistischen Rakete Condor
bekanntgegeben. Irakische Raketenprogramme unterliegen Bemühungen der Vereinten Nationen zu deren
Beseitigung.
5.

Wichtige Schritte wurden ferner gegen die
Verbreitung chemischer und biologischer
Waffen unternommen

Die internationale Institution, die sich mit der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beschäftigt
- die "Australien-Gruppe" - wurde gestärkt und erweitert. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 20 auf 22
(die neuesten sind Finnland und Schweden).
Die Liste der international kontrollierten Güter, die mit
chemischen und biologischen Waffen in Verbindung
stehen, wurde auf Drängen der Vereinigten Staaten
sprunghaft erweitert. Im Jahr 1991 haben die Vereinigten Staaten ihre eigene Liste der kontrollierten Grundstoffe für chemische Waffen erheblich - von 11 auf 50
weltweit - verlängert und Kontrollen für zur Produktion
chemischer und biologischer Waffen in Ray« kommende Mehrzweckausrüstung und ganze chemische
Fabriken eingeführt.
Heute führen alle Mitglieder der Australien-Gruppe
dieselben strengen Kontrollen ein. Darüber hinaus
wurden auch regionale Fortschritte erzielt.
Argentinien, Brasilien und Chile sind letztes Jahr
übereingekommen, eine C- und B-waffenfreie Zone
zu bilden.
In Osteuropa haben sich die Exportkontrollen für biologische und chemische Waffen vervielfacht. Die
Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien halten
sich an die scharfen Exportkontrollnormen der Australien-Gruppe.
Andere Länder schließen sich dem Trend zu besseren
Kontrollen an. Israel, China und in gewissem Maß
auch Indien haben ebenfalls in diesem Bereich Exportkontrollen eingeführt.

AMERIKA DIENST 15

�Unter dem Strich bestand das Ergebnis dieser hartnäckigen Bemühungen darin, die traditionellen Nachschubquellen für Programme zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen abzuschneiden.
6.

Die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen haben begonnen, Verantwortungsbewußtsein, Transparenz und Konsultationen beim Transfer konventioneller
Waffen einzuführen

Im Hinblick auf Verantwortungsbewußtsein haben die
Fünf ihre besondere Verpflichtung anerkannt, zu
gewährleisten, daß ihre Waffenlieferungen die Stabilität nicht untergraben.
Im Hinblick auf Transparenz sind sie ferner übereingekommen, daß wir Informationen über Waffenverkäufe
austauschen müssen, um destabilisierende Waffenlieferungen zu identifizieren und abzuwenden.
Im Hinblick auf Konsultationen haben die Fünf zum
ersten Mal vereinbart, ihre Waffentransfers für Debatten und Kritik zu öffnen und sich an gemeinsame
Richtlinien für Waffenlieferungen zu halten.
Kurzum, die Fünf haben sich verständigt, die kollektive
Vernunft der Fünf auf Entscheidungen anzuwenden,
die sie - au ßer den Vereinigten Staaten - nicht mit ihren
Parlamenten teilen.
Dies ist kein business as usual. Es ist sowohl neu als
auch wichtig.
Der gegenwärtige Schwerpunkt: Konvention über
chemische Waffen, Nordkorea, Südasien, Naher
Osten, ehemalige Sowjetunion.
Zu unseren Hauptanliegen gehören die folgenden
Punkte:
Institutionell gilt unsere erste Priorität dem diesjährigen Abschluß der Konvention über chemische Waffen
als grundlegendem Rahmen für den Umgang mit
chemischen Waffen.
Es bestehen mehrere regionale Probleme, die unserer
anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen.
Cai Nordkorea müssen wir sicherstellen, daß der Norden
seine nuklearen Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt. Dazu gehören nukleare Inspektionen im Rahmen
der IAEO sowie das bilaterale Abkommen mit dem
Süden. Wir müssen den Druck auf Nordkorea aufrechterhalten, um der unkontrollierten vVeitergabe von
Raketentechnologie durch dieses Land Einhalt zu
gebieten.
In Südasien machen wir bei der Nichtverbreitung einen
Anfang. Unser Vorschlag einer Fünfmächtekonferenz
ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, und
unsere bilateralen Gespräche dauern an. Vier derfünf
Teilnehmer haben der Konferenz bereits zugestimmt,
und wir stehen weiterhin mit Indien in Kontakt, um auch
dessen Teilnahme zu sichern.

AMERIKA DIENST 15

Im Nahen Osten werden wir weiterhin den Irak zur
Einhaltung seiner Verpflichtungen drängen, seine
Massenvernichtungswaffen zu vernichten und keine
neuen zu beschaffen. Der Iran hat seine Bemühungen
zur Beschaffung von Raketen und Massenvernichtungswaffen verstärkt und seine konventionellen Fähigkeiten vergrößert. Wir werden den Iran weiterhin
genauestens beobachten.
Wir werden gewährleisten müssen, daß Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion nicht zu neuen Quellen
von Nachschub oder Know-how für Länder werden,
die Massenvernichtungswaffen erwerben wollen. Zur
Zeit werden Initiativen verwirklicht, um Exportkontrollen zu verschärfen, Nachweis, Kontrolle und physischen Schutz von Nuklearmaterial zu verbessern und
Wissenschaftler für sinnvolle nichtmilitärische Vorhaben einzusetzen. Unsere Kontakte mit den neuen
unabhängigen Staaten sind ermutigend verlaufen.
Bei konventionellen Waffenlieferungen gedenken wir,
den Prozeß durch die Veranstaltung einer Plenarsitzung dieses Frühjahr voranzutreiben.
Regionale Erfolge: Osteuropa und andere führen
Exportkontrollen ein
Die Ausweitung von Exportkontrollen für chemische
und biologische Waffen außerhalb der AustralienGruppe in den vergangenen 12 Monaten war ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien sind dabei, der Australien-Gruppe
vergleichbare Kontrollen anzuwenden. Israel hat
Kontrollen für alle 50 chemischen Grundstoffe eingeführt. China hat ebenfalls einige Kontrollen chemischer Grundstoffe eingeführt, und dasselbe gilt mit
Abstrichen für Indien.
Im September 1991 haben Chile, Argentinien und
Brasilien den wichtigen Schritt unternommen, eine Cund B-waffenfreie Zone zu bilden.
Die Konvention über chemische Waffen: Vertrag
noch dieses Jahr angestrebt
Die langfristige Lösung des Problems der chemischen
Waffen ist ein weltweites, verifizierbares C-Waffen verbot. Wir streben einen Vertrag in diesem Jahr an.
Letzten Mai forderte Präsident Bush die Beschleunigung der Verhandlungen über eine C-Waffenkonvention (CWC) im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz. Gleichzeitig machten die Vereinigten Staaten bei
wichtigen Fragen, die in den Gesprächen umstritten
waren, erhebliche Zugeständnisse. In der Folge setzte die Abrüstungskonferenz das Jahr 1992 als Zieldatum für den Abschluß der Konvention fest und verdoppelte die Arbeit daran. Die Vereinigten Staaten bemühen sich energisch, die relativ wenigen wichtigen
ausstehenden Probleme - insbesondere bei der Verifizierung - mit dem Ziel zu lösen, einen Vertrag so bald
wie möglich dieses Jahr fertigzustellen.

Seite 3

�Im März hat Australien bei den Genfer Verhandlungen
über C-Waffen einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Wir begrüßen diese Initiative. Mit einigen für uns
wichtigen Veränderungen glauben wir, daß dieser Text
als Grundlage für den Abschluß einer Konvention
dienen kann. Wir fordern die anderen an den Verhandlungen über die Konvention beteiligten Staaten und
den Vorsitzenden bei diesen Verhandlungen dringend
auf, den australischen Text als Grundlage für die
Vollendung eines allseits akzeptablen Vertrags zu
benutzen, den wir dieses Jahr unterzeichnen können.
Die Sowjetunion und Osteuropa
Aufgrund des Zusammenbruchs der zentralen Kontrollen und der Versuchungen, die durch schwierige
Wirtschaftsbedingungen hervorgerufen werden, galten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion intensivierte Bemühungen zur Nichtverbreitung. Ein wichtiges Ziel bestand darin, diese Länder für die Bedeutung der Nichtverbreitung zu sensibilisieren und sie
dazu zu bewegen, angemessene Exportkontroll- und
Durchführungsmechanismen einzuführen.

Kontrollsysteme einzuführen. Obwohl das Ausmaß, in
dem diese Staaten organisiert sind, sehr unterschiedlich ist, waren alle dem Ansatz der Vereinigten Staaten
gegenüber aufgeschlossen. Rußland, das vom Knowhow und den Ressourcen der ehemaligen Sowjetunion
profitiert, hat am ehesten ein effektives Kontrollsystem
verwirklicht.
Wir werden auf unterschiedliche Weise darauf zurückkommen. In naher Zukunft werden Gruppen die ehemalige Sowjetunion besuchen, um den neuen unabhängigen Staaten bei der Einführung effektiver Nichtverbreitungsregime zu helfen. Wir erwarten, daß
mehrere Verbündete in diesen Gruppen mitarbeiten.
Der Präsident hat einen hochrangigen Koordinator
benannt, der die Zusammenarbeit zwischen den Staaten der früheren Sowjetunion bei Angelegenheiten der
Abwanderung von Wissenschaftlern koordinieren soll.

Die Vereinigten Staaten, Rußland, Japan und die
Europäische Gemeinschaft haben die Einrichtung von
Zentren für Wissenschaft und Technologie in Rußland
und der Ukraine vereinbart, um den an der Entwicklung
Gemeinsam mit Partnerländern haben wir uns an einer von Waffen beteiligten Wissenschaftlern der ehemalilangen Serie von Kontakten beteiligt. Im Juli 1990 gen Sowjetunion Arbeit im zivilen Bereich zu verschafführten die Vereinigten Staaten einen Sonderbesuch fen. Das Zentrum wird als Zentralstelle für die Entwicklung, Auswahl, Finanzierung und Überwachung von
in Osteuropa durch, der sich auf die Notwendigkeit
konzentrierte, verantwortungsbewußte und wirksame Projekten dienen, die hauptsächlich in Institutionen
Kontrollen der Nichtverbreitung und des Handels mit und Einrichtungen in Rußland und anderen GUSRüstungsgütern einzuführen. Ein Folgebesuch in der Staaten durchgeführt werden. Man will damit den
Region fand im Oktober 1991 statt. Im Dezember 1990 Rüstungswissenschaftlem und Ingenieuren helfen, ihre
und erneut im Dezember 1991 veranstaltete die Au- Talente für nichtmilitärische Projekte zur Verfügung zu
stralien-Gruppe in Osteuropa und der Sowjetunion stellen und damit die Versuchung minimieren, daß sie
Seminare über chemische und biologische Waffen. ihre Fähigkeiten für Weiterverbreitungsprojekte nutEine multilaterale Gruppe von MTCR-Partnern be- zen. Darüber hinaus werden wir Rußland konkrete
suchte im Oktober 1991 Moskau, um die Verbreitung Hilfe bei der Zerstörung von Atomwaffen leisten. Femer
von Raketen zu erörtern. Im Februar dieses Jahres haben wir Rußland Hilfe angeboten, damit es den
Prozeß der Vernichtung seiner Chemiewaffen aufnehbesuchte ein interministerielles Team Lettland, Litauen und Estland, um über die Notwendigkeit effektiver men kann.
Exportkontrollen zu diskutieren und die Bedeutung der
Rüstungskontrolle im Nahen Osten
Teilnahme an den Nichtverbreitungsregimen zu betonen. Das MTCR organisierte am 30. März ein Seminar
Die Regierung verfolgt ein offizielles Programm, das
für die Länder Osteuropas, des Baltikums und der
Lieferanten und Empfänger zur Zurückhaltung bei
ehemaligen Sowjetunion, und ein drittes Seminar der Waffenlieferungen anhält, seit der Präsident im Mai
Australien-Gruppe wird im Dezember in Budapest nach dem Golfkrieg seine Rüstungskontrollinitiative
stattfinden.
fürden Nahen Osten verkündet hat. Die Regierung hat
Die Ergebnisse in Osteuropa waren äußerst ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien haben bereits Kontrollmaßnahmen
verschiedet - oder sind dabei,dies zu tun -, die denen
der Australien-Gruppe und des MTCR vergleichbar
sind.
Mit der Auflösung der Sowjetunion haben wir eine neue
Reihe von Initiativen ins Leben gerufen, um der veränderten Situation gerecht zu werden. Im Januar 1992
habe ich vier Länder besucht - Rußland, Belarus, die
Ukraine und Kasachstan - und eine Sondergruppe
mitgenommen, die Vorträge über Nichtverbreitung und
die Kontrolle des Handels mit Rüstungsgütem gehalten sowie die neuen Länder ermutigt hat, effektive
Seite 4

dem Kongreß einen Bericht über die von uns mit dieser
Initiative erzielten Fortschritte vorgelegt. Ich möchte
an dieser Stelle kurz Rückschau halten, bevor ich
unsere Ziele erörtere.
Die Initiative des Präsidenten
Der Präsident hat am 29. Mai 1991 die Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten angekündigt. Diese
Initiative enthält Vorschläge
zur Einführung von Richtlinien für Lieferanten,
die sich Zurückhaltung beim destabilisierenden
Handel mit konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen und der entsprechenden
Technologie auferlegen sollen,
AMERIKA DIENST 15

�zum Einfrieren und zur eventuellen Zerstörung
der Arsenale von Boden-Boden-Raketen in der
Region,

rigsten ist, wenn die Bedrohung eines bewaffneten
Konflikts realer wird. Aber wir haben einen wichtigen
Anfang gemacht.

zur Einführung eines verifizierbaren Verbots
von Material, das zur Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden kann, in der Region. Alle
Staaten der Region sind aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und alle nuklearen Einrichtungen an lAEO-Standards anzupassen.

Die regionalen Teilnehmer am Treffen der Arbeitsgruppe über Rüstungskontrolle in Moskau haben ernsthaftes Interesse bekundet, sich der Sache zu widmen.
Das erste Treffen der Gruppe soll Mitte Mai in Washington stattfinden, und wir freuen uns auf die kontinuierliche Unterstützung der Länder in der Region.

die Staaten in der Region aufzufordern, Mitglieder der Konvention über chemische Waffen zu
werden und ihre vertrauensbildenden Maßnahmen durchzuführen und

Es stimmt, daß wir erhebliche Fortschritte in allen
Bereichen erzielt haben. Gemeinsam mit unseren
Partnern bei der Nichtverbreitung haben wir viel erreicht. Das vergangene Jahr war im Hinblick auf
unsere gemeinsame Arbeit beispielhaft.

eine Stärkung der Konvention über biologische
Waffen zu fordern und die Staaten in der Region
aufzufordern, vertrauensbildende Maßnahmen
für biologische Waffen zu verabschieden.
Die Initiative des Präsidenten fordert die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen an den Nahen
Osten auf, sich zu treffen, um Richtlinien für ihre
Zurückhaltung beim destabilisierenden Transfer von
konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen,
ihrer Systeme und Technologie zu erörtern.
Rüstungskontrolle im Nahen Osten - Die Gruppe
für Regionale Sicherheit und Rüstungskontrolle
Im Januar vergangenen Jahres führten die Vereinigten
Staaten und die Russische Föderation ein Vorbereitungstreffen für die multilaterale Phase des Friedensprozesses im Nahen Osten durch. Dabei wurde eine
Arbeitsgruppe für Rüstungskontrolle und Regionale
Sicherheit ins Leben gerufen. Der Prozeß wird nicht
leicht sein, denn aus unserer eigenen Geschichte
wissen wir, daß Rüstungskontrolle immer am schwie*

AMERIKA DIENST 15

Zusammenfassung

Aber es stimmt auch, daß die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
eine kontinuierliche Bedrohung darstellt.
Es ist an der Zeit, die Bemühungen zu intensivieren,
nicht gleichgültig zu werden. Wir müssen auf nationaler und internationaler Ebene mehr tun. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat uns eine Chance gegeben, unsere Energie in neue Bahnen zu lenken. Das
Problem der Weiterverbreitung muß eine unserer ersten
Prioritäten sein.
Es gibt kein Patentrezept, das der Weiterverbreitung
Einhalt gebieten kann. Wir müssen vielmehr an allen
Fronten aktiv werden.
Nur in einer konzertierten Aktion können wir die Gefahren der Weiterverbreitung von konventionellen und
nichtkonventionellen Waffen mindern und schließlich
bannen. An dieser wichtigen Aufgabe wollen wir
gemeinsam mit dem Kongreß arbeiten.

* * *

*

Seite 5

�EBWE
15. April 1992

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR DEN
PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE
WASHINGTON - (AD) - Dem Finanzminister Nicholas Brady zufolge soll die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sich weiterhin - möglicherweise noch stärker - darauf konzentrieren, das private
Unternehmertum in Osteuropa und der Sowjetunion zu entwickeln.
Bei der ersten Jahresversammlung der Bank am 13. April 1992 in Budapest erklärte Brady, es sei ein
"schwerwiegender Fehler" der Institution, ihre Aufgaben zu verwässern, indem sie sich in anderen Bereichen
engagiert, und es müsse eine "Arbeitsteilung unter den multilateralen Institutionen" stattfinden.
Darüber hinaus stellte er eine Funfpunktestrategie vor, die seiner Meinung nach den Lebensstandard in den
früheren kommunistischen Ländern anheben würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Finanzminister Bradys Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Präsident, verehrte Vorstandsmitglieder, Delegierte und Gäste. Es ist mir eine Ehre, anläßlich der
ersten Jahresversammlung der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung zu Ihnen sprechen
zu dürfen.

und ihre Ziele klar definiert sind, ist ihr Erfolg durch die
harten Realitäten jüngst aufgegebener Systeme und
Wirtschaftsorganisationen behindert, die sich nicht
ohne starken politischen Willen und öffentliche Unterstützung ablösen lassen.

Uns allen, die wir heute hier zusammengekommen
sind, ist klar, daß wir in einer Zeit großer Veränderungen und gro ßer Erwartungen leben. Wir verlassen das
Zeitalter des kalten Kriegs und treten in eine Zeit der
weltweiten Gesundung und tiefgreifenden Hoffnung
ein.

Die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Wirtschaftspolitik einer Regierung ist unter Umständen schwach,
wenn gerade erhebliche Veränderungen stattfinden.
Sie hängt von der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen,
Verbrauchsgütern und der relativen Kaufkraft ab. Es
besteht die Versuchung, aus verständlichen innenpolitischen Erwägungen heraus vor einem Engagement
für Reformen zurückzuschrecken. Die in Osteuropa
und den früheren Sowjetrepubliken verfolgten Reformprogramme müssen eine schwierige Gratwanderung
vollführen zwischen der Beibehaltung kurzfristiger
sozialer Stabilität und langfristigen wirtschaftlichen
Umstrukturierungen und Fortschritten. Kurz gesagt es ist schwierig.

Wenn wir uns der Zukunft stellen, erkennen die Länder
in ganz Osteuropa ebenso wie die früheren Sowjetrepubliken, daß die Entstehung eines starken Privatsektors für wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar ist.
Und auf die Gepflogenheiten einzelner Länder zugeschnittene marktorientierte Wirtschaftssysteme werden allen Bürgern die wirtschaftlichen Chancen eröffnen, die demokratische und stabile Gesellschaften
fördern. Die Vereinigten Staaten und andere wuctliche
Länder bewundern den Mut und die Entschlossenheit
der Länder Osteuropas und der ehemaligen Sowjetrepubliken auf ihrem nicht vorgezeichneten Weg zu
politischen Reformen und freier Marktwirtschaft.
Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam einige
heilsame Einsichten in die Schwierigkeiten gewonnen,
die beim Prozeß der Umgestaltung von einstmals
planwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften zu
Marktwirtschaften auftreten. Auch wenn ihre Politik
AMERIKA DIENST 15

Wir sind jedoch weiterhin der Überzeugung, daß die
Förderung privaten Unternehmertums, der Privatisierung staatseigener Systeme und eines freundlichen
Investitionsklimas die Grundlage darstellt, um international konkurrenzfähige Volkswirtschaften aufzubauen. Die Mittel sind knapp, und bei dieser empfindlichen
Gleichung müssen wir sorgfältig untersuchen, wie die
EBWE ihren Beitrag am besten leisten kann. Wie
sollte die Bank ihre knappen Mittel und ihren qualifizierten Personalkader einsetzen, um beim wirtschaftli-

Seite 1

�chen Übergang in den Ländern, für die sie zuständig
ist, eine maßgebliche Rolle zu spielen?

Verkauf anstatt Rekapitalisierung staatseigener
Unternehmen. Die Rekapitalisierung defizitärer
Betriebe wird die Aufgabe nicht lösen. Gegebenenfalls müssen Regierungen Staatsfirmen
rationalisieren, um sie durch Direktverkäufe oder
die Ausgabe neuer privater Anteile für Käufer
akzeptabel zu machen.

Erstens kann sie sich ihrem Mandat nicht entziehen,
60 Prozent ihrer Finanzmittel der Privatwirtschaft
zukommen zu lassen - vielleicht sollte sie ihren Schwerpunkt in diesem Bereich sogar noch verstärken.
Nach einem Jahr der Erfahrungen können wir einige
Schlüsse ziehen und ein spezifisches Aktionsprogramm
für die Zukunft der Bank verabschieden. Ich gehe
davon aus, daß es ein schwerwiegender Fehler wäre,
wenn die Bank ihre Mission verwässern würde. Die
Anforderungen Osteuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind enorm, und unter den multilateralen
Institutionen muß Arbeitsteilung herrschen.

Privatisierung des Bankwesens. Vorschriften,
die kleine und mittlere Unternehmen kapitalmäßig aushungern, müssen geändert werden, und
objektive Methoden der Kreditbewertung sollten
eingeführt werden.
Schaffung eines offenen Investitionsklimas. Bei
der Zusammenstellung von Investitionsprojekten in Schuldnerländern sollten rechtliche und
Durchführungshemmnisse für aus- und inländische Investitionen ausgeräumt werden.

Die EBWE kann nicht die gesamte Bandbreite der
Anforderungen abdecken, sie kann nicht alles für alle
Menschen leisten, sie kann nicht hoffen, alle Sektoren,
ob öffentlich oder privat, in allen Ländern abzudecken.
In dieser Hinsicht sind wir nicht von der Notwendigkeit
überzeugt, in neue Umstrukturierungsvorhaben einzusteigen, die bedeutende politische Veränderungen mit
sich bringen und von der eigentlichen Aufgabe der
Bank ablenken.

Unterstützung umweltverträglicher Investitionen.
Reform von Umweltpraktiken bestehender staatseigener Industriezweige bei deren Übergang in
Privathand. Die EBWE und alle Vertreter des
Staates haben ein Mandat zu entschiedenem
Vorgehen, um die Region vordem ökologischen
Verfall zu retten. Die Bereitstellung öffentlicher
Mittel für umweltpolitisch aktive Organisationen
bei der Bewertung von Umweltprojekten durch
die Bank ist ein wichtiger Teil ihres Mandats.

Die EBWE hat eine Schwerpunktaufgabe und das
hehre Ziel, die Energie bereitzustellen, die nur aus dem
Wachstum des Privatsektors entsteht.
Meiner Meinung nach ist nichts wichtiger in der Region
als die Freisetzung der Energie, die mit der raschen
Entwicklung des Privatsektors entsteht. Die EBWE
steht bereit, an diesem Wendepunkt der Geschichte
eine maßgebliche Rolle zu spielen. Wenn sie ihre
Energien konzentrieren und die Bemühungen zur Privatisierung und Investitionsreform anführen kann, wird
sie den Lebensstandard in den Demokratien anheben,
für die sie zuständig ist. Und sie wird dafür in Erinnerung bleiben, daß sie eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Dies ist die Herausforderung - die Konzentration von
Energien, um durch eine Fünfpunktestrategie zur Hebung
des Lebensstandards in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken das ursprüngliche Ziel der Bank
zu verfolgen. Die Aktionsbereiche sind folgende:
Konzentration auf die Bereitstellung von Startkapital für kleine und mittlere Unternehmen, um
den Unternehmergeist einzelner Bürger in der
gesamten Region zu entwickeln.
*

Seite 2

*

Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich die in der Vergangenheit
erzielten Leistungen der Staaten Osteuropas sowie
den durch ihre Regierungen und Bürger unter Beweis
gestellten Mut auf dem Weg zu marktwirtschaftlichen
Reformen würdigen. Dies ist ein Zeugnis unserer
gemeinsamen Entschlossenheit, auf offene Gesellschaften, Demokratie und Marktwirtschaft hinzuarbeiten, die für den Wohlstand ihrer Bürgersorgen werden.
Ich möchte Jacques Attali und seinen Mitarbeitern für
ihre Arbeit und ihr Engagement danken, mit dem sie in
Rekordzeit die Bank bei dieser äußerst wichtigen
Aufgabe geführt haben.
Und stellvertretend für meine Delegation möchte ich
der Regierung Ungarns meinen herzlichsten Dank für
die freundliche Begrüßung und die Gastfreundschaft
aussprechen, die sie uns hier in dieser wundervollen
Hauptstadt Budapest entgegengebracht hat.
*

*

AMERIKA DIENST 15

�W A H L E N '92
15. April 1992

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (8. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in New York, Kansas, Minnesota und Wisconsin.
Die letzte Zählung der Delegierten

Vorwahlen in Kansas
Demokraten

Prozentsetz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Brown

13

Clinton

Clinton

51

1.264,25

Tsongas

539,25

Tsongas

15

Nicht gebunden

475,75

Sonstige

7

Brown

264,25

Nicht gebunden

14

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1. 105)

Republikaner

Bush

Buchanan

15

54

Bush

62

8

Duke

2

Sonstige

5

963

Buchanan
Nicht gebunden

»

Prozentsetz der Stimmen

Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. April

Nicht gebunden

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 7.
April erhalten hat.

Vorwahlen in Minnesota
Demokraten

Vorwahlen in New York
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Brown

26

Clinton

41

Tsongas

29

Sonstige

4

AMERIKA DIENST 15

16

Prozentsatz der Stimmen

Brown

32

Clinton

AA

33

Tsongas

23

Sonstige

12

Republikaner

Prozentsetz der Stimmen

Buchenen

25

Bush

68

Sonstige

4

Nicht gebunden

3

Seite 1

�Vorwahlen in Wisconsin

Republikaner

Demokraten

Buchanan

17

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Brown

35

Bush

77

Clinton

38

Duke

3

Tsongas

22

Sonstige

1

Sonstige

3

Nicht gebunden

2

Nicht gebunden

2
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�HANDEL
15. April 1992

Der US-Handel 1992 - ein Ausblick
von John Jelacic
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Weltwirtschaft im Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals am 6. April 1992 in Business America, einer
Publikation des US-Handelsministeriums.
Seit 1987 hat sich die Bilanz des US-Waren handeis
erheblich verbessert. Das Handelsdefizit ist rapide
gesunken, von 152,1 Milliarden Dollar im Jahr 1987 auf
nur 66,3 Milliarden Dollar 1991. Damit befindet sich
das Defizit auf dem niedrigsten Stand seit 1983. Im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt fiel das Defizit
von fast 3,5 Prozent 1987 auf 1,3 Prozent im Jahr
1991.
In den letzten vier Jahren sind die Exporte um 66
Prozent gestiegen, von 254,1 Milliarden Dollar 1987
auf 421,6 Milliarden Dollar 1991. Bis 1991 überstiegen
die starken Exportzuwächse die gleichmäßigen, aber
bescheidenen Importsteigerungen erheblich und führten zu einer Verbesserung des Defizits. 1991 stiegen
die Exporte weiterhin, aber die Rezession in den
Vereinigten Staaten führte zu einem geringen Abbau
der Importe, und die Abnahme der Importe machte
etwa 20 Prozent des 35-Milliarden-Rückgangs im Defizit
aus.
Die Aussichten für eine kontinuierliche Verbesserung
im Handelsdefizit 1992 sind vage und hängen zum
großen Teil von den relativen Wachstumsraten in den
Vereinigten Staaten und den Volkswirtschaften der
wichtigsten US-Handelspartner ab. Während der letzten vier Jahre überstieg das Wirtschaftswachstum auf
unseren Auslandsmärkten im wesentlichen das Wachstum in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit sehr
konkurrenzfähigen relativen Preisen von US-Exporten
legte die Expansion dieser Märkte den Grundstein für
eine gute Handelsbilanz.
Ausblick auf das Wirtschaftswachstum
Ausland

im

Jüngste Trends und die Prognosen vieler Ökonomen
verweisen auf eine Abnahme des Wachstumsgefälles
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Auslandsmärkten für 1992. Während sich die Vereinigten
Staaten von ihrer Rezession erholen, vollzog sich in
den Volkswirtschaften anderer Industrieländer, insbeAMERIKA DIENST 15

sondere in Deutschland und Japan, in den letzten
Monaten eine schleppende Entwicklung. Andere
Volkswirtschaften - vor allem Kanada, Großbritannien
und Australien - bleiben in der Konjunkturflaute stekken, die bereits vor über einem Jahr begann.
Die Industrieländer - Die Verlangsamung in den Volkswirtschaften der Industrieländer begann 1991 das USExportwachstum zu beeinträchtigen. US-Warenexporte in die Industrieländer stiegen 1991 um lediglich
6,8 Milliarden Dollar und lagen damit erheblich unter
dem durchschnittlich 30 Milliarden Dollar betragenden
Zuwachs im Zeitraum 1987-90. Entwicklungsländer
waren 1991 für etwa 70 Prozent des US-Exportanstiegs verantwortlich.
Mexiko, die Länder Südamerikas, die vier Schwellenländer Asiens (Hongkong, Singapur, Südkorea und
Taiwan) und die Länder des Nahen Ostens waren für
nahezu den gesamten Zuwachs verantwortlich. Für
1992 sind die Aussichten für anhaltend starkes Wachstum in diesen Regionen vielversprechend. Sie bieten
Grund zur Hoffnung, daß US-Exporte in diesem Jahr
rapide zunehmen werden.
1991 stiegen die US-Exporte nach Kanada, unserem
größten Exportmarkt, von 83,7 Milliarden auf 85,1
Milliarden Dollar, um nur 1,7 Prozent und weniger als
ein Drittel so schnell wie 1990. In den vergangenen
drei Jahren wurde in der kanadischen Wirtschaft so gut
wie kein Wachstum erzielt, was zu einer schwachen
Nachfrage nach US-Exporten in Kanada führte. Für
das Jahr 1992 wird eine Erholung in Kanada erwartet,
aber jüngste Statistiken deuten darauf hin, daß bis
Mitte des Jahres kein nennenswertes Wachstum stattfinden wird.
Japans Wirtschaft wuchs 1991 um 3,2 Prozent, eine
erhebliche Abnahme gegenüber der 5prozentigen
Steigerung 1990. 1991 wurde ein großer Teil des
Wachstums im 1. Quartal erzielt, weil sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres nur schleppend entwickelSeite 1

�te, wobei das Bruttosozialprodukt beim Übergang vom
3. zum 4. Quartal sank. Jüngste Statistiken belegen,
daß sich das Wachstum im 1. Quartal des Jahres 1992
weiter fortsetzte, aber der Anstieg des Bruttosozialprodukts war gering, und die Aussicht für das Jahr ist
unbestimmt. Manche Analysten prognostizieren, daß
Japans Wirtschaftswachstum 1992 unter 2 Prozent
fallen könnte. Seit der Ölkrise von 1974 gab es in
Japan kein so geringes Wachstum mehr. Die USExporte nach Japan sind leicht gesunken, von 48,6
Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 48,1 Milliarden Dollar
1991, und das Handelsdefizit mit Japan hat sich von
41,1 Milliarden Dollar auf 43,4 Milliarden Dollar erhöht.
Angesichts der Aussichten für Japans Wirtschaftswachstum 1992 ist es unwahrscheinlich, daß sich das
US-Handelsdefizit mit Japan im Laufe des Jahres
verbessern wird.
Die Europäische Gemeinschaft verzeichnete 1991 ein
Wachstum von schätzungsweise 1,5 Prozent, und für
das Jahr 1992 wird ein nur geringfügig höheres Wirtschaftswachstum von vielleicht 2 Prozent erwartet.
US-Lieferungen in die EG stiegen um 5,2 Prozent, von
98,1 Milliarden im Jahr 1990 auf 103,2 Milliarden 1991,
2 Prozentpunkte unter dem Anstieg des gesamten USJahresexports und erheblich unter der 13prozentigen
Wachstumsrate, die 1990 verzeichnet wurde. Im
Laufe des Jahres 1991 verbesserten sich die Exporte
nach Deutschland und Frankreich jeweils um 13,6 und
12,4 Prozent, während die Lieferungen nach Großbritannien um 6,1 Prozent sanken. Eine restriktive Geldpolitik und hohe Zinsen aufgrund der Bestrebungen
Deutschlands, den Anstieg der Inflationsrate zu bremsen, sind in starkem Maße verantwortlich für das
langsame Wachstum in Europa. Die unerwartet hohen
Kosten der deutschen Einheit, die zu hohen Haushaltsdefiziten und rapiden Steigerungen des Konsums
im Inland führten, werden für die steigende Inflation in
Deutschland verantwortlich gemacht. Wie im Falle
Kanadas und Japans werden die US-Exporte nach
Europa wahrscheinlich nicht nennenswert steigen, bis
solide wirtschaftliche Expansionsraten verzeichnet
werden.
Die Entwicklungsländer - Lateinamerika, der Nahe
Osten und Südostasien (einschließlich China) bieten
die meiste Hoffnung auf Wirtschaftswachstum 1992
und sind vielversprechend für US-Exporte. In Lateinamerika bieten die wirtschaftliche Umstrukturierung
einschließlich der Privatisierung, bessere fiskalische
Kontrolle mit niedrigerer Inflation und steigende ausländische Direktinvestitionen dieser Region die besten
Aussichten für mehrere Jahre. Das Wirtschaftswachstum betrug 1991 schätzungsweise 2 bis 3 Prozent, und
für 1992 wird ein noch schnelleres Wachstum erwartet. Diese Wachstumsraten sind die besten seit Jahren und geben US-Exporten in die Region zum ersten
Mal seit der Schuldenkrise der achtziger Jahre echten
Auftrieb. 1991 stiegen die US-Exporte nach Mexiko
um fast 18 Prozent. Bei den Exporten nach Latein-

Seite 2

amerika wurde eine 27prozentige Steigerung verzeichnet, verglichen mit einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate von weniger als 6 Prozent im Zeitraum
1987-90. Rapide Zunahmen der US-Exporte nach
Argentinien, Brasilien, Ecuador und Venezuela bereiteten den Weg.
Im Nahen Osten ist der Wiederaufbau nach dem
Golfkrieg der Hauptgrund für rasche Wachstumsraten,
die große Zuwächse amerikanischer Exporte in die
Region zur Folge haben. Die Exporte der Vereinigten
Staaten in den Nahen Osten stiegen 1991 um 36
Prozent auf 15,3 Milliarden Dollar und dürften auch
1992 beträchtlich zunehmen. Der IWF hat den realen
Zuwachs des BSP in der Region für 1992 auf rund 11
Prozent beziffert.
1991 lagen die Wachstumsraten der vier asiatischen
Schwellenländer plus Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 4,5 und 8,5 Prozent. Für die Mehrzahl
dieser Volkswirtschaften wird 1992 eine leicht höhere
Wachstumsrate erwartet. 1991 exportierten die Vereinigten Staaten allein für 45,6 Milliarden Dollar in die
vier Schwellenländer sowie für weitere 15,3 Milliarden
Dollar in die anderen asiatischen Länder ausgenommen Japan und China. In jüngster Zeit nahmen
größere Investitionen im Inland, insbesondere in den
öffentlichen Sektor, einen höheren Anteil am Wirtschaftswachstum ein als die Exporte. In China sind die
florierenden "besonderen Wirtschaftszonen" im südlichen Küstengebiet Chinas eine Hauptquelle für das
chinesische Wachstum. 1991 verzeichnete die chinesische Volkswirtschaft einen Zuwachs von schätzungsweise 6,5 Prozent. Für 1992 wird eine Wachstumsrate
von rund 7 Prozent erwartet. Die amerikanischen
Exporte nach China stiegen 1991 um 31 Prozent auf
6,4 Milliarden Dollar.
Osteuropa und die Republiken der ehemaligen Sowjetunion - In den vergangenen drei Jahren war eine
drastische Verschlechterung der Volkswirtschaften
Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zu verzeichnen, die störende Auswirkungen der wirtschaftlichen Umstrukturierungsprogramme in dieser Region
widerspiegelt. Einige der osteuropäischen Volkswirtschaften könnten 1991 den Tiefstand überwunden
haben und 1992 ein gewisses Wachstum verzeichnen.
In den neuen unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion wird jedoch noch mindestens ein
weiteres Jahr des Konjunkturabschwungs erwartet,
obwohl sich das Tempo verlangsamen wird. Da das
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten mit dieser
Region gering ist, waren die direkten Auswirkungen
der Umstrukturierung auf die amerikanische Wirtschaft
unerheblich. Weil Westeuropa und insbesondere
Deutschland jedoch die kurzfristigen negativen Konsequenzen dieser Veränderungen zu spüren bekamen, waren erhebliche negative indirekte Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft zu verzeichnen,
die bis 1992 andauern werden.

AMERIKA DIENST 15

�Der Dollar bleibt wettbewerbsfähig
Amerikanische Produkte hatten 1990 und Anfang 1992
einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil aufgrund des
gesunkenen Dollars in diesem Zeitraum und wegen
der kontinuierlichen Verbesserung der realen Lohnkosten in den Vereinigten Staaten verglichen mit den
realen Lohn kosten der führenden Wettbewerber, insbesondere Deutschland. Nach dem Ende des Golfkriegs im Februar 1991 steigerte sich der Wert des
Dollars bis Mitte des Jahres, nahm dann jedoch ab,
und schloß am Ende des Jahres auf demselben Niveau ab, auf dem er begonnen hatte. In den ersten
Monaten des Jahres 1992 verzeichnete der Dollar
einen Aufwärtstrend. Der Dollar kann sich weiter
stabilisieren, wenn die amerikanische Volkswirtschaft
verglichen mit den Volkswirtschaften Japans und
Europas an Dynamik gewinnt. Der Zuwachs des
Dollarwerts wird jedoch wahrscheinlich mäßig sein,
und die Aufwertung des Dollars wird voraussichtlich
geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition
amerikanischer Produkte oder auf den Exportzuwachs
der Vereinigten Staaten im Jahr 1992 haben.
Auswirkungen der Importe auf das Wirtschaftswachstum im Inland
1991 nahm der Wert amerikanischer Importe aufgrund
der Rezession und der niedrigeren ölpreise auf dem
Weltmarkt ab. Der Rückgang der Importe betraf
praktisch alle wesentlichen Produktkategorien. Der
geringe Importzuwachs von Kapitalgütern (mit Ausnahme der Automobilindustrie) in Höhe von 4,3 Prozent und Verbrauchsgütern (2,1 Prozent) wurde durch
den rückläufigen Import von Autos und Ersatzteilen,
Nahrungsmitteln, Industriegrundstoffen und insbesondere Erdöl mehr als ausgeglichen. Der Wert der
Erdölimporte sank um über 17 Prozent, vor allem weil
die ölpreise nach dem Ende des Golf kriegs im Februar
1992 drastisch zurückgingen. Der Importwert wird
1992 voraussichtlich zunehmen. Die Größenordnung
des Zuwachses hängt vom Ausmaß der Gesundung
der amerikanischen Volkswirtschaft ab.
~*er Handel mit Industriegütern ist dominierend
Da der Handel mit Fertigwaren einen so großen Anteil
des gesamten amerikanischen Handelsvolumens
ausmacht (1991 rund 80 Prozent der Im- und Exporte), sind Tendenzen im Fertigungsbereich wegweisend für die Gesamthandelsposition der Vereinigten
Staaten. 1991 nahmen die Exporte von Industriewaren um 9,5 Prozent zu, zwei Prozentpunkte schneller
als die Gesamtexporte und nahezu neunmal schneller
als die Wachstumsrate der Importe an Fertigwaren.
Infolgedessen sank das amerikanische Handelsdefizit
bei Industriewaren im Jahr 1991 um 25,8 Milliarden
Dollar auf ein Defizit von 47,7 Milliarden Dollar. Ebenso wie im Falle der Gesamthandelsbilanz wird eine
weitere Abschwächung dieses Defizits in hohem Maße

AMERIKA DIENST 15

von der Wachstumsrate der amerikanischen Volkswirtschaft im Jahr 1992 verglichen mit der Wachstumsrate unserer führenden Handelspartner abhängen.
Exporte von Kapitalgütern weiterhin hoch - Die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern machen den
größten Anteil der Exporte von Industriegütern aus.
1991 stellten die Exporte von Kapitalgütern (ausgenommen Autos und Ersatzteile) insgesamt rund 50
Prozent aller Exporte von Industriewaren. Zwischen
1990 und 1991 stiegen die Exporte von Kapitalgütern
von 152,7 Milliarden Dollar auf 166,7 Milliarden Dollar
- ein Zuwachs von 9,2 Prozent. Für 1992 werden
kontinuierliche Exportgewinne in zahlreichen Bereichen von Maschinenbau und Transportgeräten erwartet, und die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern
werden 1992 ihren Weltmarktanteil weiterhin vergrößern.
Der Export von Flugzeugen und Flugzeugteilen hat
1991 um über 17 Prozent zugenommen und einen
Gesamtwert von nahezu 35 Milliarden Dollar erreicht.
Auftragsrückstände werden für 1992 kontinuierliche
Lieferungen gewährleisten.
Der Export von Computern und verwandtem Gerät ein weiterer wichtiger Bereich der amerikanischen
Kapitalgüterexporte - nahm 1991 etwas schneller als
1990 um fast 5 Prozent zu. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den Industrieländern, wachsender Konkurrenzdruck durch ausländische Produzenten und die Produktion amerikanischer Firmen im
Ausland verlangsamen das Wirtschaftswachstum in
diesem Industriezweig. Der Gesamtwert dieser Exporte belief sich 1991 auf 26 Milliarden Dollar.
Im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr waren die Importe
von Kapitalgütern schwach. Die Importe von Geräten
zur Energieerzeugung waren leicht rückläufig, die Importe
von elektrischem Gerät nahmen um nur 4 Prozent zu,
und im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr blieb der
Wert der Importe von Industriemaschinen praktisch
gleich. Der Import von EDV-Gerät nahm 1991 schneller zu und expandierte um 12 Prozent verglichen mit
nur 5 Prozent im Jahr 1990.
Die Importe von Kapitalgütern nahmen 1991 insgesamt lediglich um 5 Milliarden Dollar oder 4,2 Prozent
gegenüber 1990 zu. Das projizierte Wachstum der
amerikanischen Wirtschaft könnte den Zuwachs dieser Importe im Jahr 1992 beschleunigen.
Sinkende Exporte von Verbrauchsgütem - Exporte
amerikanischer Verbrauchsgüter stiegen 1990 erheblich an und zwar um 19 Prozent. Im Jahr 1991
verlangsamte sich das Exportwachstum jedoch auf
nur 6,5 Prozent. Dies ist auf die wirtschaftliche Abschwächung in den Industriestaaten zurückzuführen.
Trotz des allgemeinen Rückgangs in dieser Kategorie
von Exporten gab es auch einige positive Beispiele.

Seite 3

�Von einem relativ geringen Basisniveau ausgehend,
wuchsen die amerikanischen Bekleidungsexporte im
Jahr 1991 um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, und
die Exporte von Spielzeug, Spielen und Sportgeräten
stiegen um 16,6 Prozent.
Die amerikanische Rezession führte zu einem zweiten
Jahr mit sehr schwachem Anstieg der Verbrauchsgüterimporte, besonders im Vergleich zu dem starken
Importwachstum in dieser Kategorie zur Mitte des
letzten Jahrzehnts. Im Jahr 1991 stiegen die Verbrauchsgüterimporte nur um 2,2 Prozent. In den
meisten Sektoren, darunter Bekleidung, Schuhe und
Möbel, stagnierten sie oder wiesen unbedeutende
Steigerungsraten auf.
Automobilhandel wird 1992 wachsen - Wert und
Stückzahl der Importe von Automobilen und Automobilteilen sanken im Jahr 1991. Der Wert der Importe in
dieser Kategorie ging um 6,3 Prozent zurück, während
das Importvolumen um 2,9 Prozent abnahm. Hingegen nahmen die Exporte von Automobilen und Automobilteilen sowohl wert- (um 6,7 Prozent auf 39,9
Milliarden Dollar) als auch volumenmäßig (um 4,6
Prozent) zu. Die Besserung der Wirtschaftslage in den
Vereinigten Staaten wird im Jahr 1992 zu einer Zunahme von Importen und Exporten von Automobilen und
Automobilteilen führen. Die Integration der amerikanischen Automobilindustrie, sowohl der inländischen
Unternehmen als auch der Niederlassungen ausländischer Firmen, auf dem gesamten nordamerikanischen
Kontinent nimmt ständig zu. Mit der Zunahme der
Automobilproduktion wird damit der Handel mit Automobilen und Teilen zwischen Werken in Mexiko, Kanada
und den Vereinigten Staaten angekurbelt.
Im Hinblick auf den Handel mit fertig montierten Automobilen stieg der Wert der amerikanischen Importe
aus Japan 1991 um 6,2 Prozent auf 20,4 Milliarden
Dollar, was den ersten Anstieg seit drei Jahren bedeutete. Die zusätzlichen Importe aus Japan bestanden
hauptsächlich in hochpreisigen Luxusmodellen, die
europäischen Hersteilem von Luxuswagen einen immer
größeren Marktanteil abnahmen. Der Wert der Importe von fertig montierten Automobilen aus Kanada
nahm geringfügig zu, während der Wert der Autoimporte aus anderen Ländern erheblich um über 12
Prozent zurückging. Der Importwert von Lastkraftwagen und Automobilteilen nahm im Jahr 1991 ab.
*

Seite 4

Abnehmendes Exportwachstum bei modernen
technischen Produkten (ATP)
Der amerikanische Handelsüberschuß bei ATP nahm
1991 auf 36,7 Milliarden Dollar zu, ein Sprung von 7,3
Prozent gegenüber 1990, lag jedoch wesentlich unter
dem 26prozentigen Anstieg, der im Jahr 1990 verzeichnet wurde. Der Gesamthandel (Importe plus
Exporte) stieg im Jahr 1991 bei modernen technischen
Erzeugnissen auf 163 Milliarden Dollar, ein Sechstel
des gesamten US-Handels. Wie im Fall der Kapitalgüter allgemein sind die amerikanischen ATP-Produkte
auf den Weltmärkten äußerst konkurrenzfähig, und für
1992 ist ein anhaltendes Exportwachstum zu erwarten.
Steigender
erwartet

Agrarhandelsüberschuß

für

1992

Nach einem Jahr, in dem der Wert des US-Agrarhandels, und zwar Exporte und Importe zusammengenommen, nahezu unverändert blieb, wird im Jahr 1992
auf der Grundlage leicht erhöhter Preise und Mengen
ein geringfügiger Anstieg der Agrarexporte erwartet.
Da bei den Importen in dieser Kategorie mit keiner
wesentlichen Veränderung gerechnet wird, dürfte sich
der Handelsüberschuß im Agrarsektor 1992 erhöhen.
Unveränderte Ölimporte im Jahr 1992
Die amerikanischen Zahlungen für Importe von ölprodukten werden im Jahr 1992 etwa auf dem Niveau von
1991 (50 Milliarden Dollar) verharren, wobei niedrigere
ölpreise erwartungsgemäß durch eine Volumensteigerung ausgeglichen werden. Im Jahr 1991 betrugen
die Ölimporte durchschnittlich 7,7 Millionen Faß pro
Tag (mmbd) gegenüber 8,2 Millionen mmbd im Jahr
1990. Die Ölpreise, die in den letzten fünf Monaten des
Jahres 1990 aufgrund der Golfkrise rapide anstiegen,
fielen auf das Niveau vor der irakischen Invasion in
Kuwait und dem folgenden Golfkrieg zurück Im Verlauf des Jahres 1992 werden mäßige Rohölpreise von
17 bis 19 Dollar pro Faß erwartet. Mit Besserung der
Wirtschaftslage im Jahr 1992 wird das Volumen der
Ölimporte zunehmen, was durch den anhaltenden
Abbau der amerikanischen Ölförderung noch verstärkt
wird.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

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