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8. April 1992

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5300 Bonn ^

JUGOSLAWISCHE REPUBLIKEN BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten

SICHERHEIT

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney
bei der NATO

KSZE

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL DER
NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum
bei der KSZE

LASTENTEILUNG

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung von Sonderbotschafter Holmes

GUS

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums

FULBRIGHT-STIFTUNG

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT 40JÄHRIGES
JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWISCHE

REPUBLIKEN
8. April 1992

BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER
JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 7. April 1992 die völkerrechtliche Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens und Sloweniens durch die Vereinigten Staaten sowie die unverzügliche Aufnahme von
Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen mit diesen drei ehemaligen
jugoslawischen Republiken verkündet.
Bush stellte darüber hinaus fest, die Vereinigten Staaten würden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft zusammenarbeiten, "um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der
Republik Mazedonien rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, die
Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten erkennen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien als souveräne und unabhängige Staaten an und werden unverzüglich Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen aufnehmen. Die Vereinigten
Staaten akzeptieren die Republikgrenzen, wie sie vor
der Krise bestanden, als rechtmäßige internationale
Grenzen von Bosnien-Herzegowina, Kroatien und
Slowenien.
Wir tun diesen Schritt, da wir befriedigt sind, daß diese
Staaten die erforderlichen Kriterien für die Anerkennung erfüllen. Wir tragen dem friedlichen und demokratischen Ausdruck des Willens der Bürger dieser
Staaten nach Souveränität Rechnung.
Wir werden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der Republik Mazedonien
rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die
Lage zu versetzen, die Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen. Die Vereinigten
Staaten werden ferner mit den Regierungen Serbiens
und Montenegros ihre Interessen erörtern, in einem als
Jugoslawien bekannten gemeinsamen Staat zu verbleiben.
Im Lichte ihrer Entscheidung zur Anerkennung werden
die Vereinigten Staaten die Wirtschaftssanktionen gegen
Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien aufheben. Die Sanktionen wurden am 6.
AMERIKA DIENST 14

Dezember 1991 gegen Jugoslawien verhängt. Wir
werden die Sanktionen gegen Serbien und Montenegro aufheben, wenn Belgrad seinerseits die Wirtschaftssanktionen gegen Bosnien-Herzegowina und Mazedonien einstellt. Das UN-Waffenembargo bleibt in
Kraft.
Während der gesamten Jugoslawien-Krise entsprach
es der Politik der Vereinigten Staaten, jede Lösung zu
akzeptieren, die friedlich, demokratisch und durch
Verhandlungen erreicht wird. Die Vereinigten Staaten
unterstützen energisch den von Cyrus Vance ausgearbeiteten Friedensplan der Vereinten Nationen und die
vollständige Stationierung der UN-Friedenstruppe. Wir
unterstützen weiterhin die EG-Friedenskonferenz als
unerläßliches Forum für die Parteien, um eine friedliche Regelung ihres Streits herbeizuführen und die
Grundlage ihrer künftigen Beziehungen zu schaffen.
Die amerikanische Anerkennung enthält keine Präjudizierung dessen, auf welche Art Vereinigung die jugoslawischen Nachfolgestaaten sich künftig einigen
könnten.
Die Vereinigten Staaten betrachten das von den neuen
Staaten unter Beweis gestellte Engagement zur Achtung von Grenzen und zum Schutz aller jugoslawischen Nationalitäten als unverzichtbares Element für
die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen. Ebenso betrachten wir ein solches Engagement seitens Serbiens und Montenegros als unabdingbar, um die Gespräche über ihren künftigen Status
fortzusetzen.
Seite 1

�Die Stationierung der UN-Friedenstruppe, die Fortsetzung der EG-Friedenskonferenz und des Prozesses
der internationalen Anerkennung bieten allen ehemaligen jugoslawischen Republiken eine historische
Chance, der tragischen Gewalt eine Absage zu erteilen, von der diese Krise gekennzeichnet war. Das

anhaltende Engagement für den friedlichen Dialog
sollte zur Aussöhnung, zur Integration in Europa und
zu herzlichen und produktiven Beziehungen mit den
Vereinigten Staaten führen. Die Vereinigten Staaten
werden sich weiterhin darum bemühen, diese Ziele zu
verwirklichen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 14

�SICHERHEIT
8. April 1992

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister Richard Cheney beim Treffen
der NATO-Verteidigungsminister mit Amtskollegen aus Osteuropa am 1. April 1992 gehaltene Rede.
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär. Auch ich
möchte heute unsere Kollegen aus dem Osten herzlich
willkommen heißen.

würde vielmehrdurch ein vollständig entwickeltes Netz
sich gegenseitig verstärkender Institutionen und Beziehungen geschützt.

Dieses Treffen soll eine Bilanz unserer Bestrebungen
beim Aufbau eines ungeteilten und freien Europas mit
einer starken transatlantischen Bindung ziehen. Für
die NATO-Mitgliedstaaten liegt es auf der Hand, daß
das Nordatlantische Bündnis ein neues Kapitel seiner
Geschichte aufgeschlagen hat. Einen entscheidenden Teil dieses neuen Kapitels bilden unsere heutigen
Bestrebungen zur Erweiterung und Vertiefung unserer
Beziehungen - ein Unterfangen, das einen wichtigen
Beitrag zu unserem Endziel eines vereinten, freien und
friedlichen Europas leisten kann.

Am besten können wir zum Aufbau dieses neuen
Europas beitragen, indem wir unsere Beziehungen
durch einen langfristig auf die Förderung gegenseitiger
Rückversicherung ausgerichteten Prozeß stärken und
enge Bande zwischen all unseren Nationen entwikkeln. Wir sollten einen phantasievollen Ansatz unserer
Zusammenarbeit ermutigen. Wie uns das Jahr 1989
lehrte, kann vieles, was jetzt unmöglich erscheint,
plötzlich möglich werden. Um Präsident Havel vor
dem Europarat im Jahr 1990 zu zitieren: "Es kann
Augenblicke in der Geschichte geben, in denen die
Tatsache, Träume über Prinzipien gehabt zu haben,
sich als praktisch erweisen könnte."

Zukunftsvision
In einer Zeit des Umbruchs stehen Sicherheitsprobleme unweigerlich in einigen Ländern auf der Tagesordnung. Ich kann Ihnen jedoch versichern, wir im Westen
sind davon überzeugt, daß "unsere eigene Sicherheit
untrennbar mit der Sicherheit aller anderen Staaten in
Europa verknüpft ist" - so wie es auch in der NATOGipfelerklärung vom vergangenen November in Rom
niedergelegt wurde.
Und beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats in Kopenhagen haben unsere Außenminister folgendes festgestellt:
"Die Festigung und der Schutz demokratischer Gesellschaften und ihr Freisein von jeder Art von Zwang oder
Einschüchterung auf dem gesamten Kontinent sind
daher unser aller Anliegen."
Unsere Vision eines geeinten, freien und friedlichen
Europas ist daher im wesentlichen eine Vision, in der
Sicherheit nicht länger ein Thema für die in diesem
Raum versammelten Nationen ist. Unsere Sicherheit

AMERIKA DIENST 14

Vereinbarte Liaison-Prioritäten
Aus meiner Sicht sollte unser üaison-Programm mehrere
kurzfristige Prioritäten enthalten. Lassen Sie mich
einige der wichtigsten Prioritäten und einige Schlüsselbereiche nennen.
An erster Stelle sollte der Aufbau von Demokratie
durch die Entwicklung einer angemessenen Rolle der
Streitkräfte in den Staaten Europas stehen. Schlüsselbereiche sollten reduzierte Streitkräfte und die demokratische zivile Kontrolle in einem Rechtsstaat umfassen. In dieser Hinsicht möchte ich die Gruppe für
Verteidigungsangelegenheiten auffordern, unverzüglich die Entsendung kleiner Teams ziviler und militärischer Experten für Liaison-Verbindungen in den Verteidigungsministerien und gegebenenfalls anderen
Bereichen zu prüfen.
Eine zweite Priorität besteht in der Förderung von
Stabilität und Sicherheit in ganz Europa. Unsere
Programme sollten beispielsweise starkes gegenseiti-

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�ges Engagement für Sicherheit in der gesamten europäischen Region demonstrieren, größere Vertrautheit
und Transparenz unserer Verteidigungseinrichtungen
und Streitkräfte untereinander fördern sowie eine rein
defensive Strategie und Doktrin ermutigen.
Eine dritte Priorität gilt der Stärkung der Volkswirtschaften Osteuropas. Hier könnten wir uns auf die
Erörterung von Verwaltungsfragen in der Rüstungsindustrie konzentrieren, die Verteidigungslast durch die
Reform der Volkswirtschaftem verringern und Beziehungen zwischen Regierung und Rüstungsindustrie in
einer freien Marktwirtschaft entwickeln.
Viertens streben wir humanitäre Hilfe beispielsweise
durch gemeinsame Such- und Rettungsübungen mit
den Streitkräften der interessierten Nationen an, wobei
der Bekämpfung von Flutkatastrophen, Hilfsmaßnahmen bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen besonderes Augenmerk gewidmet wird.
Eine fünfte Priorität sollte darin bestehen, engere
Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften zu
erlangen, die zur Förderung unseres traditionellen
Ziels eines durch gemeinsame Werte geeinten Europas beiträgt. Unsere Verteidigungseinrichtungen und
Streitkräfte sollten sich selbst als Teil einer demokratischen Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Werten sehen. Zu den möglichen Projekten
zur Unterstützung dieser Idee zählen:
Umfassende Erweiterung unserer Bildungsprogramme und Erarbeitung von Programmen für
Offiziere aus Osteuropa bei der NATO und
nationalen Militärakademien sowie
Umgestaltung der Flugsicherung in Osteuropa
in ein modernes, mit dem Westen vergleichbares System auf der Grundlage der über die
Kontrolle des Luftraums geführten Gespräche.
Schließlich sollten wir beginnen, gemeinsam mit anderen Institutionen bei der Stärkung von Mechanismen
zur Krisenbewältigung zusammenzuarbeiten.
Mit andern Worten - es gibt viele Bereiche, in denen
unser Verteidigungs-Liaison-Programm einen wesentlichen Beitrag zu Freiheit, Frieden und Sicherheit leisten kann. Ich hoffe, daß der von der Gruppe für
Verteidigungsbelange zu entwickelnde Liaison-Arbeitsplan spezifische Projekte für jeden dieser Bereiche
vorschlägt.
Zusätzliche kurzfristige Prioritäten
Gleichzeitig sollten wir zur Erweiterung unseres Horizonts bereit sein und gegebenenfalls andere kooperative Ideen in Betracht ziehen. Ich weiß zum Beispiel,
daß zahlreiche meiner Kollegen aus Osteuropa sehr
darüber besorgt sind, wie sie den geplanten Abbau
ihrer Verteidigungskomplexe vornehmen sollen. Dies

Seite 2

setzt eine weitere wichtige kurzfristige Priorität für
unser Liaison-Programm - die sozialen Aspekte der
militärischen Umgestaltung.
Während sowohl der Osten als auch der Westen ihre
Streitkräfte verringern, können wir Erfahrungen darüber austauschen, wie dieser Übergang am besten
bewerkstelligt wird und Beeinträchtigungen der Menschen und Volkswirtschaften so gering wie möglich
gehalten werden. Ich möchte mindestens zwei Schlüsselbereiche nennen: Ausbildung und Umschulung
ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte sowie Wohnraumbeschaffung.
Ein Gedankenaustausch kann von großem Nutzen
sein, einschließlich der Demobilisierungserfahrungen
der Vergangenheit wie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu anderen mittelfristigen Schlüsselbereichen
könnten Planungen für den zivilen Notstand, Umstrukturierung der Industrie und Rüstungskonversion zählen.
Weitere Entwicklung von Programmen
Während wir Vertrauen zwischen uns aufbauen, sollten wir auf lange Sicht ehrgeizigere gemeinsame
Unternehmungen in Betracht ziehen. Ein Ansatz
könnte in größerer Offenheit und Transparenz der
Verteidigungsplanung bestehen. Wir sollten eine jährliche Überprüfung unserer Verteidigungsplanung mit
unseren Liaison-Partnern nicht ausschließen. Das
Ziel bestünde in der Förderung von Transparenz und
Vertrauensbildung durch die Bekräftigung des defensiven Charakters unserer militärischen Strukturen.
Unser Programm könnte ferner zur Erweiterung der
europäischen Sicherheitsarchitektur beitragen. Der
Nordatlantische Kooperationsrat (NACC) und andere
Liaison-Gremien könnten entweder einzeln oder als
Durchführungsorgane der KSZE - die positiv auf Hilfsersuchen der KSZE reagieren könnten - als unabhängige Mittler zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung in Europa beitragen.
Unter anderem müßten wir erörtern, wie die Ressourcen der NATO einschließlich ihrer Streitkräfte und die
Ressourcen unserer Kooperationspartner am effektivsten genutzt werden könnten. Ich möchte feststellen,
daß die Streitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten in den
vergangenen zwei Jahren mindestens achtmal eingesetzt wurden - für Operationen von Wüstensturm bis
zur Evakuierung von Ausländem aus Zaire. Sie kamen
als NATO-Streitkräfte zum Einsatz, als Streitkräfte
unter der Schirmherrschaft der WEU oder als Teil einer
Ad-hoc-Koalition von Nationen wie im vergangenen
Jahr am Persischen Golf.
Wir sollten nicht ausschließen, daß wir zu einem
bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit gemeinsamer
Planung und Ausbildung sowie Übungen für Friedensmissionen in Betracht ziehen möchten.

AMERIKA DIENST 14

�Unsere Vision sollte in der Schaffung einer stabilen
und sicheren euro-atlantischen Gemeinschaft demoUnser Liaison-Programm bietet den Teilnehmern ins- kratischer Werte und Institutionen bestehen, in der
gesamt gesehen eine Chance zur Verwirklichung des keine Nation eine Bedrohung ihrer Nachbarn darstellt.
in Aitikel II des Nordatlantikvertrags verankerten Appells, In diesem Verteidigungsprogramm sehen wir nicht
"zur Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher eine unseren neuen Partnern angebotene NATO-Iniinternationaler Beziehungen beizutragen, indem sie tiative, sondern vielmehr ein auf gegenseitigen Reihre freien Einrichtungen festigen, ein besseres Ver- spekt und Konsultationen mit den Verantwortlichen auf
ständnis für die Grundsätze herbeiführen, auf denen allen Seiten gegründetes Programm. Solange wir den
diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Vor- Geist enger Zusammenarbeit aufrechterhalten, bin ich
aussetzungen für den Zusammenhalt und das Wohler- zuversichtlich, daß wir einen bedeutenden Beitrag zur
gehen fördern."
künftigen europäischen Sicherheit leisten können.
Schlußbemerkung

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�KSZE
8. April 1992

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter John C. Kornblum, dem Leiter der
amerikanischen Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am
31. März 1992 in Helsinki gehaltene Rede, in der er den amerikanischen Ansatz zur KSZE für Helsinki und
darüber hinaus darlegt.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, einige Erwägungen der amerikanischen Delegation zur Arbeit der Konferenz vortragen zu können.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Rede in der vergangenen Woche hier betonte, erachten die Vereinigten Staaten die KSZE als
wesentlichen Bestandteil der neuen Friedensarchitektur. Die KSZE hat in den vergangenen 15 Jahren
Großes vollbracht. Unseres Erachtens ist sie besonders gut geeignet, in den vor uns liegenden Jahren ihre
bisherigen Leistungen noch zu übertreffen.
Für einen genauen Zuhörer zog sich durch die Reden
beim Ministertreffen der vergangenen Woche ein roter
Faden.
Die Entschlossenheit, die KSZE in eine neues
Zeitalter zu leiten und ihre Strukturen und Praktiken an den Bedarf der Zukunft anzupassen.
Die Besorgnis über die Gefahren der Instabilität
in Europa und die Notwendigkeit, Mechanismen
zur Bewältigung möglicher Krisen zu entwickeln.
Das andauernde Engagement für die Grundpfeiler der KSZE - die Konzentration auf Werte
und Menschenrechte, die politische Natur des
Prozesses und die Bedeutung des Konsensprinzips als Grundlage unserer Arbeit.
Und schließlich die Begrüßung unserer neuen
Mitglieder in der Hoffnung, daß sie sich voll und
ganz an unserer Arbeit beteiligen werden.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich jedem dieser
Ziele uneingeschränkt. Meines Erachtens bieten sie
eine nützliche Grundlage für die Arbeit dieser Konfe-

AMERIKA DIENST 14

renz. Sie zeigen femer die Art von Schlu ßfolgerungen
auf, die unser Gipfeltreffen in drei Monaten unserer
Ansicht nach hervorbringen sollte.
Da mein Land so vielfältige Interessen hat und in so
zahlreichen Institutionen engagiert ist, möchte ich
zunächst einen Punkt hervorheben - die KSZE ist
integraler Bestandteil unserer Bestrebungen zur Herstellung eines dauerhaften Friedens in Europa und der
Welt und wird dies auch in Zukunft sein.
Sowohl innerhalb der KSZE als auch in den mit uns
verbündeten Ländern haben wir die Führungsrolle bei
der Entwicklung der KSZE und der Unterbreitung
neuer Lösungen für neue Probleme übernommen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die von
Außenminister Baker im Dezember 1989 in Berlin
gehaltene Rede verweisen, in der er das Konzept
miteinander verknüpfter Institutionen in Europa darlegte. Das NATO-Gipfeltreffen in London vom Juli
1990 stellte ein Programm zur Entwicklung vor, das in
der Pariser Erklärung beachtlichen Niederschlag fand.
Unser Vorschlag für das Prager Ministertreffen beinhaltete das Büro für Demokratische Institutionen und
Menschenrechte (ODHIR) und das Wirtschaftsforum.
Als Berichterstatter und Pfadfinder waren wir in der
KSZE besonders aktiv. Das hier in der vergangenen
Woche unterzeichnete Abkommen über Offene Himmel gründet sich auf eine weitere Inititative von Präsident Bush. Darüber hinaus haben wir eng mit Norwegen und anderen Ländern zusammengearbeitet, um
den Entwurf eines Mandats für die im Anschluß an
Helsinki stattfindenden Sicherheitsverhandlungen fertigzustellen.

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�Wir werden in Helsinki durch eine große und fähige
Delegation vertreten sein, die in allen Bereichen unserer Arbeit aktiv sein wird. Wir waren bestrebt, Lösungen zu unterbreiten, die - wie ich hoffe - die Arbeit
dieser Konferenz weiter vorangebracht haben. Es
kann kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, die KSZE erfolgreich in ein neues Zeitalter zu
leiten.
Vielfalt und Wandel
Amerika ist eine Nation des Wandels. Unseres Erachtens müssen sich die Institutionen angesichts neuer
Erfordernisse und Erfahrungen entwickeln. Die amerikanische Rechtsprechung gründete sich jedoch auch
auf den Glauben an die Entwicklung flexibler Strukturen statt einem vollständigen Austausch der alten
gegen neue.
Dasselbe gilt für die KSZE. Jeder, der den Reden beim
Ministertreffen der vergangenen Woche zugehört hat,
konnte nicht umhin, von der Vielfalt der Völker und ihrer
Probleme beeindruckt zu sein. Ebenso beeindruckend
war die Unsicherheit über die Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Erklärung der vergangenen Woche betonte,
besteht unsere eigentliche Aufgabe in Helsinki darin,
eine gänzlich neue Definition der europäischen Sicherheit zu entwickeln. Diese Definition sollte funktional
sein und den Bedümissen aller Völker der KSZE
gerecht werden. Sie sollte ein im wesentlichen statisches, auf die Existenz zweier Blöcke gegründetes
Konzept durch eine vielseitige und vielschichtige Idee
ersetzen, die von den demokratischen Prinzipien, die
Grundlage der KSZE sind, konkreten Gebrauch macht.
Diese Definition muß der großen Vielfalt Rechnung
tragen, von der die Sicherheitsdebatte in Europa gekennzeichnet ist. Um neue Herausforderungen in den
Griff zu bekommen, müssen wir eine Definition von
Sicherheit erarbeiten, die klare Ziele enthält und flexible Methoden anlegt.
Vor allem sollte diese neue Definition auf der Übereinstimmung zu Grundwerten aufbauen, die heute zwischen uns herrscht. Sie sollte Menschenrechte und
demokratische Institutionen zum operativen Schwerpunkt unseres Handelns machen. Die Arbeit bei der
menschlichen Dimension ist noch nicht beendet, wie
einige behaupten könnten. In Wirklichkeit sind wir
unserem Ziel nur einen Schritt näher gekommen. Einst
waren die Menschenrechte zwischen uns ein zentraler
Streitpunkt. Heute sind sie zum gemeinsamen Prinzip
geworden. Unsere nächste Aufgabe ist es, auf unserer
Vielfalt aufzubauen, um dieses Prinzip in die Praxis
umzusetzen.
Das Geniale an unserem KSZE-Prozeß ist gerade
diese Mannigfaltigkeit und Flexibilität. Die KSZE geht

Seite 2

nicht von denselben Voraussetzungen aus wie beispielsweise NATO und EG. Diese Organisationen
bauen auf dem Gefühl der Sicherheit auf, das bereits
unter ihren Mitgliedern besteht, die eine gemeinsame
Ebene der Entwicklung und des Ansatzes haben.
Die KSZE war auf die Annahme gegründet, daß ihre
Unterzeichner keine gemeinsamen Ansätze hatten.
Sie ist bestrebt, Sicherheit zu schaffen, indem sie
Bereiche der Übereinstimmung inmitten unterschiedlicher Meinungen erweitert. Dieser Konsens wird durch
den politischen Willen ihrer Mitgliedstaaten zur erfolgreichen Definition gemeinsamer Ziele in die Praxis
umgesetzt.
Dieses zugrundeliegende Prinzip ist heute ebenso
gültig wie vor 10 Jahren. Glücklicherweise wurde die
Konfrontation zwischen Streitkräften und Ideologien
überwunden. Es kann jedoch nicht behauptet werden,
daß alle KSZE-Mitgliedstaaten auf der gleichen Entwicklungsstufe stehen oder denselben Ansatz teilen.
Das Konfliktpotential ist nach wie vor groß. Die Notwendigkeit zum Ausbau des demokratischen Konsenses ist lebenswichtiger denn je.
Diese Tatsache wurde uns letzte Woche bei der Einigung über die Konferenz zu Nagomy-Karabach lebhaft
verdeutlicht. Die quälende Suche nach einem Konsens führte zu einer Demonstration des politischen
Willens aller Mitgliedstaaten, die das erste konkrete
Ergebnis bei den Vermittlungsbemühungen zu diesem
tragischen Problem hervorbrachte.
Im Hinblick auf künftige Überlegungen wird es wichtig
sein, diese Beispiele im Auge zu behalten, wenn wii
darüber nachdenken, was bei unserer KSZE wirklich
neu ist.
Es ist kein "neues Denken", bürokratische Organisationen aufzubauen.
Es ist nicht kreativ, geschriebene oder ungeschriebene Regeln anzustreben, mit denen ein
Konsens erzwungen werden soll, wo keiner
existiert.
Es ist kein zukunftsorientiertes Denken, Verträge oder Vereinbarungen anzustreben, um einen
Frieden festzuschreiben, der nicht zunächst durch
die Suche nach einem politischen Konsens
geschaffen wurde.
Dies sind in der Tat die Methoden der Vergangenheit.
Die Geschichte ist voll von gegenseitigen Garantien,
Nichtangriffspakten und Versprechen redlichen Verhaltens.
Was im Hinblick auf den KSZE-Prozeß wahrhaft revolutionär ist, ist deren Fähigkeit, einen politischen Prozeß zwischen Staaten mit vielfältigen Interessen und
Ursprüngen einzurichten und Ergebnisse zu erlangen.

AMERIKA DIENST 14

�Wenn wir bei dieser Konferenz etwas wirklich Kreatives leisten möchten, dann werden wir von der Grundlage der in der Schlußakte dargelegten Werte ausgehen und den politischen Prozeß als operativen Rahmen benutzen.
Ein solches Ziel ist schwerer zu erlangen als eine
Einigung über neue bürokratische Strukturen oder
Schriftstücke. Wenn es verwirklicht werden soll, muß
sowohl in den Staaten des Westens als auch den
neuen Demokratien des Ostens eine Evolution des
Denkens stattfinden.
Insbesondere müssen wir alle damit aufhören, die
Beziehungen innerhalb Europas als eine Art \ on Nullsummenspiel zu betrachten, in dem die Gewinne einer
Gruppe durch Verluste einer anderen ausgeglichen
werden müssen. Unser Ziel lautete heute, die einzelnen Elemente unserer Struktur zu nehmen und sie so
zu kombinieren, daß das Ergebnis größer ist als die
einzelnen Teile des Ganzen.
Um noch einmal den Stellvertretenden Außenminister
Eagleburger zu zitieren - wir gehen davon aus, daß
dieser wahrhaft neue Ansatz bei der KSZE in einer
politischen Erklärung unserer Staats- und Regierungschefs zum Ausdruck kommen sollte, die auf den Errungenschaften der Vergangenheit aufbaut. Sie sollte
folgende Elemente beinhalten:
Die erneute Bestätigung der Grundwerte, an die
die KSZE gebunden ist und die Anwendung
dieser Werte auf einen neuen Verfahrensrahmen.
Die Entwicklung dieses Rahmens auf der Basis
von in Prag formulierten Prinzipien. Das heißt,
daß der Ministerrat und die Zentralorgane des
Ausschusses Hoher Beamter (Committee of
Senior Officials - CSO) in einem politischen
Prozeß verbesserter Konsultationen und konzertierter Aktionen stehen.
Unterstützung für dieses Verfahrensprinzip der
KSZE durch Stärkung der Institutionen und
Methoden. In dieser Hinsicht würden wir Vorschläge zur Entwicklung einer Troika oder des
Konzepts von Planungsgruppen ebenso fördern wie die Expansion und bessere Definition
der Rollen des ODIHR und des Zentrums zur
Konfliktverhütung (Conflici Prävention Center CPC). Wir betrachten unseren Vorsc. .lag für ein
Wirtschaftsforum in diesem selben Kontext.
Die Konzentration der Arbeit dieser Institutionen
auf die zentrale Aufgabe der KSZE in der Welt
nach dem kalten Krieg. Diese Aufgabe wird
vielfach als Konfliktverhütung oder Krisenmanagement beschrieben. Wir würden die Definition erweitern und über den Prozeß der Bewältigung des Wandels sprechen. Veränderungen
finden überall statt, und wir wollen, daß sie
AMERIKA DIENST 14

stattfinden. Aber sie müssen innerhalb bestimmter Grenzen stattfinden. In den kommenden Jahren wird die zentrale politische Aufgabe
der KSZE darin bestehen zu gewährleisten, daß
Veränderungen auf eine positive Art und Weise
stattfinden, die die Entwicklung demokratischer
Institutionen fördert.
Wir stimmen denjenigen zu, die argumentieren, die
KSZE solle ihre Strukturen in diesem Sinne verfeinern
und stärken. In dieser Hinsicht messen wir dem
niederländischen Vorschlag über Frühwarnindikatoren große Bedeutung bei und begrüßen das britische
Papier über Konflikt Verhütung. Unserer Meinung nach
sollte ein bedeutsames Ergebnis dieser Konferenz
eine integrierte Struktur sein, die sich auf die Minister
und den CSO konzentriert und die Fähigkeit der KSZE
zur Bewältigung von Veränderungen steigern.
Abbau der Gefahr von militärischen Konfrontationen und Konflikten durch Vereinbarung einer
umfassenden Struktur für Dialog, Verhandlungen und Kooperation im Bereich militärische
Sicherheit. Die KSZE wird im laufenden Rüstungskontrollprozeß entscheidende Bedeutung
haben und sollte daher ihr eigenes Forum zu
diesem Zweck einrichten. Dieses Forum sollte
jedoch auf seine speziellen Aufgaben beschränkt
bleiben. Es sollte weder Anlaufstelle unserer
Konfliktverhütungsstruktur werden noch der
Grundstein einer Gesamtstruktur für Sicherheit.
Unser Wunsch, des CPC von diesem Forum abzutrennen, basiert auf diesem umfassenden
Konzept. Das CPC sollte allen Aspekten der
Bestrebungen des Rats dienen, die Veränderungen zu bewältigen. Er sollte nicht an ein Segment der KSZE gebunden sein.
Vervollständigung dieser Bestrebungen zum
Verfahren mit kontinuierlichen KSZE-Projekten,
um die tiefliegenden Ursachen der Spannungen
in Angriff zu nehmen. Dies ist der Grund für
unseren Vorschlag zu einem Seminar über
Migration. Wir sind ferner der Meinung, daß
mehr Arbeit zum Thema Minderheiten geleistet
werden sollte. Wichtige Bereiche der Zusammenarbeit bestehen in den Bereichen Wirtschaft,
Wissenschaft, Technik und Umwelt. Darüber
hinaus sind die Bereiche Kultur sowie Presse
und Information für unsere Aufgabe nach wie
vor wichtig.
Vertiefung des Know-hows der KSZE durch den
Ausbau von Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Diese
Arbeit sollte mehr Möglichkeiten für Einzelpräsentationen in Gremien und Arbeitsgruppen aller
KSZE-Treffen bieten, eine regelmäßige Teilnahme an Treffen als Beobachter sowie die
Koordination und Kooperation bei speziellen
Projekten vorsehen, die bei der KSZE mit besteSeite 3

�henden Organisationen vereinbart werden. Wir
nehmen das Mandat des Prager Ministertreffens ernst, die Kontakte mit transatlantischen
und europäischen Organisationen auszubauen.
Wir wünschen, es könne jetzt in Kraft treten, da
Helsinki noch läuft. Da dies nicht möglich scheint,
hoffen wir auf eine Vereinbarung zum Ende des
Treffens. In der Zwischenzeit werden wir die
Arbeit der Arbeitsgruppen eingehend beobachten, um sicherzustellen, daß alle relevanten Organisationen an den unterschiedlichen Gruppen teilnehmen, die von ihren Erfahrungen
profitieren können.

rungen am besten in eine positive Richtung geführt
werden können, indem man einen positiven Rahmen
für demokratische Entwicklungen definiert und nicht
subjektive Maßstäbe aufzwingt. Darüber hinaus basiert er auf der Überzeugung, da ß die beste Grundlage
für Frieden in Europa die Entwicklung einer demokratischen Gemeinschaft euro-atlantischer Staaten von
Vancouver bis Wladiwostok ist.
Darum geht es letztlich bei unserer Konferenz. Definieren wir unsere Welt in engen Grenzen, die die
statische Stabilität des kalten Kriegs erhalten wollen.
Oder träumen wir große Gedanken, die den Horizont
all unserer Nationen erweitern? Träumen heißt nicht
verzögern. Ich habe versucht zu demonstrieren, daß
die US-Delegation jetzt viele Ideen für praktische
Sofortmaßnahmen hat, da die Probleme vordringlich
sind.

Ausweitung der Effektivität unserer Arbeit durch
bessere Möglichkeiten der Mitarbeit für nichtstaatliche Institutionen und Organisationen. Die
KSZE darf kein Diplomatenclub werden. Sie
muß die Öffentlichkeit stärker einbeziehen. Wenn
sie das nicht tut, wird sie bald ihre Glaubwürdig- Aber ein Vorgehen ohne Vision ist letztlich richtungslos
und zwecklos. Ich hoffe insbesondere, daß wir diese
keit verlieren.
Plenarsitzungen nutzen können, um unsere gemeinHerr Vorsitzender, ich habe versucht, einen Aktions- same Vision einer euro-atlantischen Welt zu erörtern.
plan zu entwerfen. Er basiert auf einer Definition von Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie viele andere,
Sicherheit, die Veränderungen begrüßt und sie nicht denen wir uns stellen müssen.
fürchtet. Er basiert auf der Annahme, daß Verände-

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 14

�LASTENTEILUNG
8. April 1992

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung vun Sonderbotschafter Holmes
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderbotschafter für Lastenteilung, Allen Holmes, zufolge ist die US-Administration "dem Prinzip verpflichtet, daß Verteidigungskosten gleichmäßig mit unseren Verbündeten geteilt werden
sollten". Dabei habe sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren die Lastenteilung "erheblich zu unseren Gunsten
verschoben", stellte Holmes am 1. April 1992 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für
Lastenteilung fest.
Holmes erklärte, die Beiträge der Verbündeten würden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Er verwies
insbesondere auf die von Deutschland getragenen "erheblichen Kosten" für die Beschleunigung des Abzugs der
ehemals sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland, die im Interesse aller NATO-Partner liege sowie auf neue
Arrangements mit Japan und Korea, die "deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung amerikanischer
Streitkräfte auf ihrem Territorium wesentlich erhöhen" werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung von Sonderbotschafter Holmes im Wortlaut.

Einleitung
Die amerikanische Regierung ist dem Prinzip verpflichtet, daß die Verteidigungskosten gleichmäßig mit
den Verbündeten geteilt werden sollten. Die Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten für den
Schutz der Sicherheitsinteressen aller bleibt ein zentrales Anliegen der amerikanischen Regierung, da sich
aufgrund der Veränderungen im internationalen Umfeld die Beziehungen der Allianz weiterentwickeln.
Die Beiträge der Verbündeten zur Verwirklichung
gemeinsamer internationaler Ziele werden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Die amerikanische Regierung anerkennt und würdigt die gesamte Bandbreite
von Maßnahmen, die von unseren Verbündeten zur
Unterstützung unserer wechselseitigen Interessen
ergriffen werden. Zu diesen Maßnahmen gehört der
direkte Ausgleich amerikanischer Stationierungskosten, die Bereitstellung von Streitkräften für Koalitionsaufgaben sowie nichtmilitärische Aktivitäten, mit denen die Ziele aller unterstützt werden. So trägt die
Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel erhebliche
Kosten, um den Abzug der ehemals sowjetischen
Streitkräfte aus Ostdeutschland zu beschleunigen.
Dies ist ein direkter Beitrag zur Verwirklichung eines
traditionellen Ziels der NATO - der Beseitigung der
sowjetischen militärischen Bedrohung für Westeuropa. Darüber hinaus bedeutet die finanzielle Unterstüt-

AMERIKA DIENST 14

zung Deutschlands und anderer westeuropäischer
Staaten für die wirtschaftliche Erholung Mittel- und
Osteuropas einen großen Beitrag zu wichtigen wirtschaftlichen und politischen Zielen, die wir alle gemeinsam verfolgen. Sicherlich sind die internationalen
Beiträge in Form von Streitkräften, materieller und
finanzieller Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und Wüstensturm ein ausgezeichnetes
Beispiel der Zusammenarbeit zur Erlangung gemeinsamer Ziele. Die Vereinigten Staaten - dies sollte
erwähnt werden - erhielten von ihren Freunden und
Verbündeten Finanz- und materielle Hilfe in Höhe von
etwa 54 Milliarden Dollar.
Wie unser in Kürze zur Veröffentlichung freigegebener
"Bericht über Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung" zeigt, befassen sich die Bemühungen der Administration und die Veränderungen in
Streitkräftestruktur und Strategie der NATO weiterhin
damit, wie Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten von
unseren Verbündeten geteilt werden. Wie der Unterausschu ß sehr wohl wei ß, ist die NATO als kollektives
Sicherheitsbündnis selbst ein Mechanismus zur Teilung der Pflichten der gemeinsamen Verteidigung. Die
NATO trägt zur Verteidigung amerikanischer Sicherheitsinteressen ebenso bei wie unsere Präsenz in
Europa die Interessen unserer Verbündeten unterstützt. Die NATO-Partner nehmen uns in vielen kon-

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�kreten Bereichen militärische Lasten ab und unterstützen unsere Ziele au ßerhalb Europas. Und die gemeinsamen Finanzierungsprogramme der NATO - etwa
das Infrastrukturprogramm - helfen uns seit langem
dabei, die Kosten der Verteidigung und der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa zu verteilen.
Unsere verschiedenen Verteidigungsabkommen und
die sich daraus ergebenden Pflichten und Beiträge
jedes Mitglieds werden weiterhin wichtige Instrumente
sein, um die Lasten und Vorteile der gemeinsamen
Verteidigung aufzuteilen.
Finanzielle und materielle Unterstützung für die Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in
Übersee ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt im
gesamten Beziehungsgeflecht der Lastenteilung zwischen den Vereinigten Staaten und den einzelnen
Bündnispartnern. Die Administration hat kürzlich neue
Arrangements mit Japan und Korea ausgehandelt, die
deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung
amerikanischer Streitkräfte auf ihrem Territorium
wesentlich erhöhen werden. Zur Zeit verhandeln wir
innerhalb der NATO über ein kollektives Abkommen
zur Kostenteilung, um Operationen und Instandhaltungskosten unserer Verstärkungseinrichtungen zu
decken. Weitere Verhandlungen mit den europäischen Verbündeten werden folgen. Schließlich ist die
Kostenteilung ein wichtiges Element der andauernden
Gespräche über Verteidigungszusammenarbeit zwischen der amerikanischen Regierung und Staaten am
Persischen Golf.
Vornepräsenz und Teilung der Verteidigungskosten
Die Verwirklichung einer gleichmäßigen Verteilung der
Verteidigungskosten erfordert die Auswertung zahlreicher Faktoren. Zur "Gleichung" der Lastenteilung
insgesamt gehören Zweck und Charakter der amerikanischen Präsenz in Übersee, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Bündnispartner, ihre
militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beiträge
zu gemeinsamen internationalen Zielen sowie die
kooperativen Rollen und Verpflichtungen, wie sie in
bilateralen und multilateralen Verteidigungsabkommen
festgelegt sind. Der wichtigste dieser Faktoren ist
jedoch der strategische Vorteil, den die Vereinigten
Staaten selbst aus einem Verteidigungsabkommen
ziehen. Dieser Faktor ist besonders wichtig, wenn
darüber befunden wird, welchen Beitrag Verbündete
gegebenenfalls zur Unterstützung der amerikanischen
Vornepräsenz erbringen sollten.
Vomepräsenz ist nach wie vor eine Grundlage der
amerikanischen Militärstrategie. Obwohl die Anzahl
der amerikanischen in Übersee stationierten Streitkräfte reduziert wird, hängt die Glaubwürdigkeit unserer Fähigkeit und Absicht, auf Krisen zu reagieren,
weiterhin von einer vernüftigen Vornepräsenz ab.
Vornepräsenz ist ferner für die Aufrechterhaltung des
Systems der kollektiven Verteidigung unabdingbar, in

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dem die Vereinigten Staaten mit ihren Freunden und
Verbündeten zum Schutz unserer Sicherheitsinteressen zusammenarbeiten, während die Lasten der Verteidigungsausgaben und unnötiger Rüstungswettbewerb verringert werden.
Die Vereinigten Staaten haben Truppen in Europa, im
Pazifik und andernorts stationiert, weil ihre Präsenz die
amerikanischen Sicherheitsinteressen unterstützt. Die
Vereinigten Staaten haben nach wie vor ein vitales
Interesse an Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa.
Die Geschichte lehrt eindeutig, daß unsere Militärpräsenz in Europa einen stabilisiernden Einfluß hat und
gleichzeitig unserer eigenen Sicherheit dient. Das
selbe gilt für die amerikanischen in Nordostasien stationierten Streitkräfte, die zur Sicherheit einer Region
beitragen, die für die Vereinigten Staaten zunehmend
an Bedeutung gewinnt.
Obwohl Struktur, Vornepräsenz und Verstärkungsfähigkeiten der amerikanischen Streitkräfte vornehmlich
auf den Schutz der amerikanischen Interessen ausgelegt sind, ist es unter bestimmten Umständen auch
angemessen, daß die Verbündeten sich an den Kosten unserer Vornepräsenz beteiligen. Die Administration sondiert neue Wege, um die Kosten der Aufrechterhaltung der amerikanischen Vornepräsenz
angesichts der gegebenen Kürzungen des Verteidigungshaushaltes und Gesetzen zu teilen, die eine
verbesserte Kostenverteilung fordern.
Pläne für Verhandlungen über Kostenverteilung
Die Administration ist sich der Tatsache bewußt, daß
der Kongreß der Kostenverteilung im Verteidigungsbereich hohe Priorität einräumt. Das Gesetz über die
Bewilligung der Verteidigungsausgaben von 1992 forderte den Präsidenten zu Konsultationen mit Freunden und Verbündeten auf, um Abkommen über eine
gerechte Kostenverteilung zu erarbeiten. Die Administration nimmt die in diesem Zusatz zum Ausdruck
gebrachte Besorgnis des Kongresses sehr ernst. Ich
habe mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet, um dort in gegebenen Bereichen
Abkommen über die Kostenverteilung auszuhandeln.
Wie ich im folgenden ausführen werde, machen wir
meines Erachtens Fortschritte.
Wie ich im vergangenen Jahr im Kongreß dargelegt
habe, hat die Administration ein neues Abkommen zur
Kosten verteilung mit Japan ausgehandelt, im Rahmen
dessen Japan den größten Teil der in Yen kalkulierten
Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte
auf japanischem Territorium übernehmen wird, mit
Ausnahme bestimmter Kosten, deren Transfer unangebracht wäre. Die Bereitschaft Japans, einen beträchtlichen und zunehmenden Anteil dieser Kosten zu
tragen, ist ein klarer Hinweis auf den Wert, den Japan
unserer Sicherheitspartnerschaft beimißt. Bis 1995
wird Japan rund drei Viertel der gesamten Stationierungskosten amerikanischer Streitkräfte übernehmen

AMERIKA DIENST 14

�(abzüglich der Gehälter für das amerikanische Militär
und Zivilpersonal). Japan bezahlt zur Zeit fast die
gesamten Baukosten und Mieten für das von den
amerikanischen Streitkräften genutzte Land. Japan
wird bis 1996 die Gesamtkosten für alle Einrichtungen
der US-Streitkräfte in Japan sowie die Gehälter und
Sozialleistungen für das japanisches Personal der
amerikanischen Streitkräfte übernehmen. Die von
Japan getragenen Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats belaufen sich für 1992 auf rund 3,3
Milliarden Dollar. Japan hat femer auch über 1 Milliarde Dollar zu den Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm beigesteuert.
Vor kurzem habe ich Gespräche mit koreanischen
Regierungsvertretern über die Durchführung der im
vergangenen Sommer ausgehandelten Vereinbarung
über die Aufteilung von Verteidigungslasten geführt.
Korea hat zugestimmt, bis 1995 ein Drittel der auf der
Grundlage des Won errechneten Stationierungskosten für die amerikanischen Streitkräfte zu übernehmen. Diese Kosten beinhalten Baukosten, einen Anteil
der Arbeitslöhne sowie bestimmte logistische und
operative Ausgaben. Obwohl der koreanische Beitrag
in Dollar gemessen geringer ist als der japanische, ist
der Zuwachs des koreanischen Kostenverteilungsprogramms beeindruckend. Das Programm wurde von 70
Millionen Dollar im Jahr 1990 auf 180 Millionen Dollar
1992 aufgestockt. Bis 1995 könnte sich dieser Betrag
abhängig von unseren Stationierungskosten zu der
Zeit auf über 300 Millionen belaufen. Die Koreaner
haben femer mehreren Verfahrensänderungen zugestimmt, mit denen die Flexibilität des Programms und
die Reaktionsfähigkeit auf den Bedarf der amerikanischen Streitkräfte verbessert wird.
Die koreanischen Beiträge zur Kostenverteilung müssen auch im Kontext der realen und anhaltenden
militärischen Bedrohung aus Nordkorea gesehen
werden. Korea übernimmt Zusehens die Führungsrolle in unserem bilateralen Bündnis. Korea setzt die
Aufrüstung seiner Streitkräfte zur Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeiten fort. Und schließlich hat
Korea eine Reihe weiterer Beiträge zum amerikanischen Verteidigungsbedarf geleistet, einschließlich
finanzieller und materieller Unterstützung der Operation Wüstensturm und Finanzierung der Verlegung
des Stützpunktes Yongson.
Kostenverteilung wird ferner auch als Teil der Verhandlungen über neue Abkommen zur gemeinsamen
Verteidigung in der Region am Persischen Golf erörtert. Das kürzlich mit Kuwait geschlossene Abkommen verpflichtet die kuwaitische Regierung zur Dekkung der Kosten für die Durchführung unserer gemeinsamen Verteidigungsprogramme vor Ort. Das USVerteidigungsministerium zieht bereits Nutzen aus
diesem Kostenverteilungsarrangement in der Form
von kuwaitischer Unterstützung bei gemeinsamen
Übungen. Mit anderen Golfstaaten werden noch
Gespräche geführt, daher bin ich nicht in der Lage,
AMERIKA DIENST 14

über deren Absichten zur Beteiligung an den Kosten zu
sprechen. Dennoch kann ich Ihnen versichern, daß
die amerikanischen Unterhändler gerechte Kosten verteilungsabkommen anstreben.
Die Verteilung der Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten der europäischen Sicherheit wird ebenfalls neu
bewertet während die NATO ihre Strategie und Streitkräftestruktur an ein sich veränderndes Umfeld anpaßt. Im weitesten Sinne hat sich die Gleichung der
Lastenverteilung seit der Zeit, zu der mein Tätigkeitsbereich vor drei Jahren vom Kongreß geschaffen
wurde, erheblich zu unseren Gunsten verschoben.
Die Vereinigten Staaten reduzieren ihre Streitkräfte in
Europa um über 50 Prozent. In der Zwischenzeit
sehen die europäischen Verbündeten Reduzierungen
in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent vor und
tragen damit zur Behebung des von vielen als Ungleichgewicht angesehenen Verhältnisses zwischen
den amerikanischen stationierten Streitkräften und
dem bei, was die Verbündeten für ihre eigene Verteidigung aufbringen konnten.
Darüber hinaus erwägt die Regierung auch direktere
Formen der Teilung von Verteidigungsausgaben in
Europa. In Reaktion auf einen Antrag der Vereinigten
Staaten nutzt die NATO Infrastrukturfonds für andere
Vorhaben, um für den Austausch überschüssigen
vertraglich begrenzten Geräts (Treaty Limited Equipment - TLE) unter den Verbündeten zu zahlen. Mit
Hilfe dieses Programms werden die Streitkräfte mehrerer NATO-Staaten modernisiert, und es wird vermieden, daß die Vereinigten Staaten und andere relativ
modernes Gerät nach dem KSE-Vertrag zerstören
müssen. Das Programm ist ferner ein Beispiel dafür,
daß das Infrastrukturprogramm weiterhin als Mechanismus der Lastenteilung im Bündnis funktioniert.
Gestern bin ich von einer Zusammenkunft im NATOHauptquartier zurückgekehrt, bei der sich der Verteidigungsplanungsausschu ß mit einer weiteren wichtigen
US-Initiative zur kollektiven Kostenteilung beschäftigte. Unserem Vorschlag zufolge würde das Bündnis wiederum durch das Infrastrukturprogramm - die Kosten
für den Betrieb und die Wartung von Einrichtungen
übernehmen, die eine Verstärkung in Europa durch in
den Vereinigten Staaten stationierte Streitkräfte unterstützen. Dazu zählen die Einrichtungen für Verstärkungszüge (POMCUS - Prepositioning of organizational materiel), Reserven für Verstärkungszüge auf dem
Gefechtsfeld, gemeinsame Einsatzflugplätze, in Einsatznähe stationiertes Marinegerät und Kosten für die
Lagerung von Erdöl. Insgesamt beliefen sich die
Kosten für Betrieb und Wartung 1991 auf 287 Millionen
Dollar für diese Einrichtungen.
Am Montag hat der Verteidigungsplanungsausschuß
erörtert, ob diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage kommen. Aus den Gesprächen ging
eindeutig hervor, daß unsere Verbündeten unserer
Vornepräsenz die größte Bedeutung beimessen und
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�der Ansicht sind, daß unser Vorschlag zur Kostenteilung ausreichend begründet ist, um ernsthafte Erwägungen zu verdienen. Sie erkennen, daß die USVerstärkungsfähigkeit einen einzigartigen und entscheidenden Beitrag für die europäische Sicherheit und
damit etwas Gutes für die gesamte NATO leistet, was
diese wenn möglich unterstützen sollte. Der Verteidigungsplanungsauschuß hat die Initiative an den Infrastrukturausschuß weitergeleitet, der bestimmte Einzelfragen untersuchen und vor Ende April dem Verteidigungsplanungsausschuß vortragen wird. Erwartungsgemäß wird dieser letztlich zustimmen, daß diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage
kommen. Wenn das der Fall ist, erwarten wir, daß
Entscheidungen über die Verwendung und Finanzierung so rechtzeitig getroffen werden, daß entsprechende Beiträge der NATO im Haushaltsjahr 1993
geleistet werden können. Die Bereitschaft der NATO
zur Übernahme dieser Kosten wird die Unterstützung
des Bündnisses für eine US-Präsenz in Europa demonstrieren.

hingegen die militärischen Beiträge Japans zu unseren bilateralen Militärbeziehungen ein. Damit kommt
finanzieller Unterstützung in unseren Beziehungen der
Lastenteilung mit Japan eine vergleichsweise höhere
Bedeutung zu.
Wir können auch nicht den Schluß ziehen, die finanzielle Unterstützung für die Operationen Wüstensturm
und Wüstenschild sei ein Vorbild für ähnliche Vereinbarungen mit unseren Freunden und Verbündeten zur
übernähme der Gesamtkosten für die Durchführung
unserer bestehenden bilateralen und multilateralen
Verteidigungsabkommen. Die Unterstützung für
Wüstensturm und Wüstenschild war ein außergewöhnliches Beispiel für verwirklichte Lastenteilung.
Einzelne Länder haben auf der Grundlage ihrer militärischen, finanziellen und materiellen Ressourcen reagiert. Dennoch erfolgte diese überwältigende Unterstützung nur aufgrund der besonderen Situation.

Schließlich müssen die Vereinigten Staaten immer ein
Augenmerk auf ihren Teil der gemeinsamen Rollen,
Die Regierung beabsichtigt femer, mit verschiedenen Risiken, Pflichten und Kosten haben. Wir können nicht
NATO-Verbündeten Fragen der bilateralen Kostentei- erwarten, daß unsere Verbündeten neuen Vereinbalung anzusprechen. Wir werden uns darauf konzen- rungen zur Lastenteilung zustimmen, wenn die Vereitrieren, daß Stationierungskosten auch die Teilung der nigten Staaten zögern, angemessene finanzielle UnKosten für Personal und Einrichtungen sowie andere terstützung für bestehende Programme zu leisten, die
Unterstützungsmittel umfaßt. Ich muß vor unrealisti- kollektiv finanziert werden. Eine bessere Verteilung
schen Erwartungen warnen - sowohl im Hinblick dar- der Verteidigungsausgaben kann auch nicht vor dem
auf, wann diese Vereinbarungen getroffen werden als Hintergrund der Forderung nach drastischen Hausauch über den Umfang der gezahlten Beiträge. Die haltskürzungen und Streitkräftereduzierungen verhanAushandlung neuer Vereinbarungen zur Kostentei- delt werden, die Zweifel an unserem echten Engagelung in Europa wird heute extrem schwierig. Jedes ment für die kollektive Sicherheit aufkommen lassen.
NATO-Land nimmt eine Neugestaltung der Verteidigungspolitik und Haushalte vor, um neuen Bedingun- Wir erwarten, daß unsere Freunde und Verbündeion
gen gerecht zu werden. Darüber hinaus haben einige zur Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsvereinbaunserer europäischen Verbündeten - vor allem Deutsch- rungen beitragen. Diese Unterstützung basiert jedoch
land - wichtige neue Belastungen übernommen in auf den gemeinsamen Vorteilen, die wir und unsere
Form von Hilfe für die Länder Mittel- und Osteuropas Partner aus unserem Verteidigungsverhältnis ziehen
und Unterstützung für den Abzug der früheren Sowjet- und der Fähigkeit unserer Verbündeten, sich daran zu
streitkräfte. Diese neuen Beiträge müssen in die beteiligen. Am wichtigsten ist jedoch, aau die VereiGesamtgleichung der Lastenverteilung einbezogen nigten Staaten sich an diesen Vereinbarungen beteiligen, weil sie ihren Sicherheitsinteressen dienen.
werden.
Femer ist es wichtig, sorgfältig zwischen der Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten in der NATO
und unseren Erfahrungen der Kostenteilung mit Japan
zu unterscheiden. Beide Fälle sind nicht vergleichbar.
Die NATO ist ein multilaterales Bündnis mit einem
internationalen Hauptquartier, einer integrierten militärischen Kommandostruktur und einem gut entwickelten System der Zuweisung von Verteidigungsaktivposten - einzelner Länder - für bestimmte Rollen und
Missionen der Koalition. Darüber hinaus verfügt die
NATO über ihre eigenen Programme zur Kostenteilung, wie etwa das Infrastrukturprogramm und das
Militärbudget. Die japanische Verfassung schränkt

Zusammenfassung
Eine gerechte Aufteilung der Rollen, Risiken, Pflichten
und Kosten zum Schutz gemeinsamer Sicherheisinteressen ist Ziel unserer internationalen Sicherheitspolitik. Die Regierung arbeitet daran, mehr Kosten zu
teilen, wo solche Veränderungen angemessen und
notwendig sind. Sowohl aufgrund der Verhandlungsbemühungen der Regierung als auch aufgrund der
stärkeren Unterstützung der Verbündeten für einen
friedlichen Wandel in Mittel- und Osteuropa und veränderter Streitkräftestrukturen der NATO wird die
Gleichung der Teilung von Pflichten jetzt gerechter.

* *

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AMERIKA DIENST 14

�GUS
8. April 1992

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium am 6. April 1992
herausgegebene Übersicht zu "Bedeutenden Entwicklungen und Beziehungen zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bis zum 3.April 1992".
Hilfsleistungen
Am Freitag übermittelte der Präsident das Gesetz zur
Förderung der Freiheit von 1992 dem Kongreß.
Die folgenden Luftbrücken sind zur Lieferung von
Hilfsgütern genehmigt worden. Die Vereinigten Staaten werden die Treibstoff-, Flug- und Landekosten für
die in sowjetischen Flugzeugen transportierten Lieferungen übernehmen.
Der Children of Chemobyl Relief Fund hat in
Milwaukee über 70 Tonnen an Arzneimitteln,
medizinischen Versorgungsgütern und medizinischem Gerät sowie Nahrungsmitteln gesammelt. Dieses Material wird voraussichtlich am 7.
April verladen und in Stryi und Temopil in der
Ukraine verteilt.
Die Broadmore United Methodist Church of
Shreveport in Louisiana hat über 108 Tonnen an
Nahrungsmitteln gespendet, die um den 11.
April verladen und mit einer Antonov-124 nach
Jekaterinburg in Rußland geflogen werden.
Die Lacrosse-Dubna Friendship Association hat
zusammen mit der Russian Winter Campaign in
La Crosse (Wisconsin) medizinische Versorgungsgüter, Nahrungsmittel und Kleidung gesammelt, die an ihre Partnerstadt Dubna in
Rußland geliefert werden sollen. Dieser Transport soll voraussichtlich Ende dio^er Woche
stattfinden.
Zusammen mit den Lieferungen an Tadschikistan und
Turkmenistan am 30. März belaufen sich die im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten "Aktion Hoffnung" - finanzierten Lieferungen medizinischer und pharmazeutischer Güter inzwischen auf
über 30 Millionen Dollar. Zusätzliche Lieferungen sind
in diesem Monat für Minsk und Kaliningrad vorgesehen.

AMERIKA DIENST 14

Vier Teams des Amts für internationale Entwicklung
(AID) sind am Wochenende nach Rußland, Armenien,
Belarus und in die Ukraine abgereist, um eine genaue
Ermittlung des Energiebedarfs vorzunehmen. Die
Teams sollen drei Wochen vor Ort bleiben, und ein
weiteres Team wird am oder um den 11. April nach
Kasachstan und Kirgistan entsandt.
Die Vereinigten Staaten haben einer Luftbrücke für
eine Gruppe amerikanischer Ölbohrexperten und deren
Gerät nach Usbekistan zugestimmt, um eine in Brand
geratene Ölquelle in der Nähe von Mingbulak in Ostusbekistan unter Kontrolle zu bringen. Die Finanzierung
der Luftbrücke mit bis zu sechs Flugzeugen vom Typ
C-141 der US-Luftwaffe erfolgt durch den vom Verteidigungsministerium verwalteten Titel für humanitäre
Katastrophenhilfe (Emergency Humanitarian Account).
Die Operation wird erwartungsgemäß mindestens
600.000 Dollar kosten. Wenn der Brand der Ölquelle
nicht eingedämmt und die Quelle selbst nicht stillgelegt
wird, könnte ö l in einen nahegelegenen Fluß einfließen und das Trinkwasser ebenso verseuchen wie
bewässerte Felder am Unterlauf. Die Vereinigten
Staaten werden diese Operation dann beginnen, wenn
die mit dem Löschen beauftragte amerikanische Firma
ihre Einsatzbereitschaft bekundet.
Das Büro des AID für Katastrophenhilfe im Ausland
(Office of Foreign Disaster Assistance - OFDA) hat am
31. März einen 2-Millionen-Dollar-Vertrag mit CARE
unterzeichnet. Die Fördermittel werden für drei Bereiche aufgewendet: Überwachung der Verteilung von
Hilfsgütem des Verteidigungsmnisteriums in den neuen
unabhängigen Staaten; Gewährung von Unterstützung für amerikanische private Hilfsorganisationen,
die Hilfsgüter des Landwirtschaftsministeriums in den
neuen unabhängigen Staaten verteilen und Überwachung, an wen die Güter letztlich verteilt werden, und
Entwicklung eines Systems von Indikatoren, um zu
prüfen, welche Bevölkerungsgruppen in den neuen
unabhängigen Staaten zu den schwächsten zählen.
Seite 1

�mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Kongresses
zusammen, um das amerikanische parlamentarische
Am 2. April haben Außenminister Baker und der Stell- System zu studieren.
vertretende armenische Premierminister Bagratian das
Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staa- Der Stabschef des Präsidenten von Kirgistan, Ednan
ten und Armenien sowie ein OP IC-Abkommen unter- Karabajew, wird am 15. April zu einem intensiven
zeichnet.
Fortbildungskurs in Washington und Idaho eintreffen,
um sich zu informieren, wie man ein effektives PräsiAm 3. April haben Außenminister Baker und der russi- dialamt aufbaut und leitet. Seine Kollegen aus Kasche Botschafter Lukin das OPIC-Abkommen zwi- sachstan und Armenien haben ebenfalls Einladungen
schen den Vereinigten Staaten und Rußland unter- des USIA für ähnliche Besuche im weiteren Verlauf
zeichnet.
des Frühjahrs angenommen.
Handelsabkommen

Internationale Zentren für Wissenschaft und
Technik

Die Botschaft in Moskau hat soeben Verträge mit drei
russischen Verlagen über die Übersetzung und VeröfVergangene Woche ist der Koordinator im Büro des fentlichung amerikanischer Bücher zu Geschichte,
Stellvertretenden Außenministers, Dr. Robert L. Gal- Wirtschaft und Unternehmensführung abgeschlossen.
lucci, in Moskau mit den anderen Gründungsmitglie- Der Verlag des russischen PEN-Zentrums, PPP, wird
dern des Internationalen Zentrums für Wissenschaft die USIA-Tftel "Outline of American History", "Outline
und Technologie - der EG, Japan und Rußland - of American Economy" und "American Life and Instituzusammengetroffen, um die endgültige Sprachrege- tions" veröffentlichen, während der Verlag Moscow
lung des internationalen Abkommens zur Einrichtung University Press "Macroeconomics" von Dornbusch
des Zentrums festzulegen. Wir erwarten, daß dieses und Fisher sowie "Economics Of The Public Sector"
Abkommen in weniger als zwei Wochen unterzeichnet von Stiglitz herausgeben wird.
werden kann.
USIA unterstützt folgende Gruppenaustauschprogramme:
Gallucci traf in Moskau femer mit prominenten Wissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion zusam"Umweltschutz in den Vereinigten Staaten" (7.
men, um Projekte - einschließlich solcher zum UmMärz bis 4. April, sechs Teilnehmer aus der
gang mit Reaktorsicherheit - zu erörtern, die an der
GUS).
Entwicklung von Waffen beteiligten Wissenschaftlern
und Ingenieuren eine angemessene Beschäftigung im
"Kirche und Staat, Kirche und Gemeinde" (16.
zivilen Bereich verschaffen können. Darüber hinaus
März bis 10. April, neun Teilnehmer aus der
inspizierten Gallucci und andere Vertreter der GrünGUS).
dungsmitglieder des Zentrums mehrere potentielle
"Printjournalismus in den Vereinigten Staaten"
Standorte für das Zentrum in Moskau, andere mögli(23. März bis 17. April, acht Teilnehmer aus der
che Standorte werden Ende April besichtigt.
GUS).
Darüber hinaus führte Gallucci am Donnerstag ver"Entscheidungsfindung in der US-Außenpolitik"
gangener Woche in Kiew Gespräche über die Einrich(30. März bis 24. April, zwei Teilnehmer O-JS der
tung eines Zentrums in der Ukraine. Wir werden mit
GUS).
den anderen Regierungen sprechen und unsererseits
10 Millionen Dollar für dieses Zentrum beantragen.
Weiterhin gehen Bewerbungen für das Benjamin FrankDiese Reihe von Zusammenkünften bringt uns dem lin Fellowship Program ein, das ein- oder zweijährige
Ziel näher, das alle Gründungsmitglieder teilen: das Stipendien an amerikanischen Universitäten für graInternationale Zentrum für Wissenschaft und Techno- duierte Studenten der Rechts- und Wirtschaftswislogie soll im Frühsommer in Moskau eröffnet werden. senschaften sowie der öffentlichen Verwaltung aus
der GUS (und dem Baltikum) vergibt. 4.000 Personen
haben sich bereits um die 160 Stipendien beworben.
Information und Austausch
Das US-Informationsamt (USIA) hat soeben einen
einwöchigen Besuch dreier hochrangiger armenischer
Parlamentarier unter Führung des Parlamentsvorsitzenden, Babgen Ararktsian, veranstaltet. Sie trafen

Wir stellen dem Moskauer Fernsehen, das 32 Millionen Zuschauer erreicht, die von USIA erworbene Serie
"Government by Consent" (in russischer Synchronisierung) zur Verfügung.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 14

�FULBRIGHT - STIFTUNG
8. April 1992

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT
40JÄHRIGES JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
Berlin - (AD) - Zum 40jährigen Jubiläum der Fulbright-Stiftung hielt Botschafter Robert Kimmitt am 4. April 1992
eine Rede anläßlich der Eröffnung der Berlin-Woche dieser Stiftung.
Diese Rede veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, Herr Professor Dr. Knopp. Ich freue
mich, hier gemeinsam mit Ihnen, Herrn Staatsminister
Albring, Herrn Dr. Littmann und den ehrenwerten Gästen
unserer Fulbright-Kommission die Berlin-Woche 1992
eröffnen zu dürfen. Das Engagement und die harte
Arbeit dieser Kommission - und Ihrer Kollegen in
anderen Kommissionen - haben ein unerläßliches
Netzwerk geschaffen, das Studenten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt zusammenführt. Ob Sie

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag des
deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms, das zu
einem Vorbild geworden ist, an dem die anderen
Programme auf der Welt gemessen werden. Es hält
diese herausragende Stellung aufgrund der kontinuierlichen Unterstützung der deutschen und amerikanischen Regierung in den vergangenen vierzig Jahren
und aufgrund unseres gemeinsamen Engagements
für die transatlantische Gemeinschaft demokratischer

Fulbright-Stipendiat in Deutschland - wie die meisten

Werte, auf denen dieses Programm gegründet wurde.

von Ihnen - oder andernorts in Europa sind: Sie
können sich glücklich schätzen, in dieser aufregenden
Zeit in der Geschichte Deutschlands, Europas und der
Welt hier zu weilen.

Nicht weniger wichtig ist die Verbindung dieses Programms mit Menschen Ihres Kalibers.

Darüber hinaus können wir alle uns glücklich schätzen,
daß Sie, Herr Senator und Frau Fulbright bei uns sind,
um diesen Gedenktag zu feiern - das 40jährige Jubiläum des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms.

1

Als Fulbright-Stipendiat ausgewählt zu werden, heißt
zu den Besten der Besten zu zählen. Wenn ich mich
in diesem Saal umsehe, bin ich von der Mannigfaltigkeit beeindruckt, die Sie repräsentieren. Ihnen allen
wurde die Ehre zuteil, für die Teilnahme am FulbrightProgramm ausgewählt zu werden. Aber jeder von
Ihnen hat dem Programm seinen eigenen Stempel
aufgedrückt und daraus sehr persönliche Eitahrungen
gezogen. Die Geschichte von Fulbright ist die Summe
der Geschichte vieler einzelner Stipendiaten.
Es ist auch die Geschichte phantastischer Erfolge.
Jeder von Ihnen hat ebenso wie die anderen Stipendiaten, die jetzt wieder in den Vereinigen Staaten sind
und die Zehntausende vor Ihnen - dazu beigetragen,
diesen Erfolg zu ermöglichen.

AMERIKA DIENST 14

Heute ehren wir den Mann, der das Programm ins
Leben gerufen, genährt und zu seiner Blüte geführt
hat: Senator J. William Fulbright. Als Senator der
Vereinigten Staaten waren Sie ein ehrenwerter Vertreter unserer Regierung. Aber Sie vertraten die Auffassung, daß Regierungen allein die Völkerverständigung
nur unzureichend verwirklichen können. Sie waren der
Meinung, daß die Menschen selbst, in all ihrer Vielfalt,
über nationale Grenzen hinweg dauerhafter miteinander reden als Regierungen. Sie waren Zeuge der
Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und haben Völkerverständigung als der Menschheit beste Hoffnung
auf Überleben erachtet. Sie waren tatsächlich ein
Visionär, Herr Senator, weil Sie Ihre Hoffnungen für die
Zukunft auf die Menschen gründeten statt auf die
Politik.
Tatsächlich ist die Weltgeschichte eine Geschichte der
Menschen, nicht der Regierungen. Imperien unterhalten offizielle Beziehungen, aber Händler, Künstler und
Wissenschaftler tauschen Ideen aus. Ihr Austausch
hat Verständnis hervorgebracht und Mißtrauen überbrückt. Ich bin nicht der Meinung, Verständnis heißt,
zwangsläufig all das was wir in anderen Kulturen

Seite 1

�sehen, zu mögen - und erst recht nicht sich anzueignen. Aber Kommunikation kann persönliche und kulturelle Isolation aufbrechen, und das "Ausländische"
ist nicht länger das "Fremde", etwas, das man fürchten
und vielleicht sogar zerstören muß, sondern vielmehr
ganz einfach etwas anderes, das man verstehen und
sogar mögen kann. Darin liegt die geniale Idee des
Fulbright-Programms und der vielen anderen privaten
und staatlichen Austauschprogramme, die über die
Jahre hinweg nach seinem Vorbild geschaffen wurden.
In sehr realer Weise stehen die von uns in Deutschland
und Mitteleuropa in den vergangenen zwei Jahren
beobachteten historischen Ereignisse - und diejenigen, deren Zeuge wir heute werden - in Zusammenhang mit einem gleichermaßen grundlegenden und
umfassenden Konzept: In einer interdependenten
Welt sind freie Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Gesellschaften wertvoll, weil sie uns
Auseinandersetzungen der offensten, positivsten und
konstruktivsten Art und Weise ermöglichen. Sie sind
die natürliche Erweiterung des Grundrechts der freien
Meinungsäußerung und ein Gedanke, den 45 Jahre
totalitärer Herrschaft in Osteuropa nicht unterdrücken
konnten.
Betrachten wir uns den Erfolg des Fulbright-Programms,
drängen sich uns mehrere Gedanken auf. Der erste
Gedanke ist, wie umfassend sich das Programm mit
dieser grundlegenden Idee der intellektuellen Freiheit
identifiziert. Sich ungehindert ausdrücken zu können,
ist etwas, das wir in den Vereinigten Staaten seit
langem zu schätzen wissen und das seit Jahrzehnten
als Symbol der Hoffnung für unterdrückte Nationen
weltweit gedient hat. Es repräsentiert die Freiheit
jedes einzelnen zu erforschen und zu analysieren, zu
loben und zu kritisieren. Von größerer Bedeutung ist
jedoch die große Chance, die es bietet - die Chance,
die Gesellschaft durch den schnellen Fluß der Gedanken zu formen. Kritisches Urteilsvermögen - gleichgültig, wie unbequem - ist wunderbar geeignet, uns voranzutreiben und uns aus der Selbstgefälligkeit in Aktion
zu versetzen. Selbstkritik- sowohl konstruktiv als auch
negativ - hilft uns, uns selbst zu definieren und dynamisch zu bleiben.
Der Erfolg des Fulbright-Programms drängt mir noch
einen weiteren Gedanken auf. Er betrifft den Wert von
Austauschprogrammen als Instrument der Außenpolitik mit langfristiger Wirkung. Während wir uns dem
Jahr 2000 nähern, treten wir in eine völlig neue Ära der
transatlantischen Beziehungen ein. Seit über 40 Jahren
konzentrierten sich die Energien des westlichen Bündnisses auf die Eindämmung der Bedrohung der freien
Welt durch die Kräfte des Kommunismus. Während
des kalten Kriegs waren die transatlantischen Beziehungen verständlicherweise von ihrer politischen und
militärischen Dimension beherrscht.

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Eine alte Ordnung gehört der Vergangenheit an. Die
Deutsche Demokratische Republik ist von der Landkarte verschwunden, ersetzt durch ein freies und vereinigtes Deutschland. Der Großteil der beschämenden Mauer, die einstmals einen Kontinent - in der Tat
eine Welt - teilte, ist in Berlin abgerissen und zu
Souvenirs verarbeitet worden. Die wenigen verbleibenden Teile werden künftigen Generationen als
Mahnmal eines dunklen Zeitalters dienen.
Trotz dieser historischen Ereignisse müssen wir uns
jedoch vor Augen führen, daß das Ende des kalten
Kriegs uns nicht eine Ära ewigen Friedens beschert
hat. Die Ost-West-Konfrontation, die unser Leben seit
über 40 Jahren beeinflußt hat, wird durch neue Herausforderungen und Chancen ersetzt. Die politischen
und militärischen Dimensionen, die einst unser Konzept der nationalen Sicherheit definierten - und die
transatlantischen Beziehungen dominierten - sind nach
wie vor wichtig, werden jedoch immer mehr mit den
wirtschaftlichen, ökologischen und sozio-kulturellen
Dimensionen der nationalen Sicherheit verknüpft.
Bei unserem Kampf der Anpassung an diese sich
rasch verändernden Bedingungen dürfen wir auf beiden Seiten des Atlantiks die Grundlage einer erfolgreichen Partnerschaft nicht aus den Augen verlieren, die
uns das beschert hat, was wir heute haben - Verständnis und Wertschätzung der jeweils anderen Gesellschaft. Die transatlantische Bindung ist für unsere
Zukunft mindestens ebenso wichtig wie für unsere
Vergangenheit und wird in den Vereinigten Staaten wie
auch in Europa gleichermaßen der Sorgfalt und Unterstützung bedürfen.
Eine wichtige Dimension der europäisch-amerikanischen Beziehungen hat besondere Auswirkungen für
die Zukunft. Noch vor wenigen Jahren wurde die
politische und intellektuelle Szene in Europa und den
Vereinigten Staaten von Menschen beherrscht, die
persönlich lebhafte Erinnerungen an den Krieg und die
Jahre unmittelbar danach hatten.
In den Vereinigten Staaten und hier sind jedoch inzwischen neue Generationen herangewachsen, die im
Hinblick auf die europäisch-amerikanischen Beziehungen nicht vom Wiederaufbau der vierziger Jahre
oder der engen Zusammenarbeit der fünfziger und
sechziger Jahre geprägt wurden, sondern vielmehr
von den Spannungen der folgenden Jahrzehnte, die
den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989 und
1990 unmittelbar vorausgingen. Die meisten von uns
in diesem Saal sind Vertreter dieser neuen Generation. Insbesondere unter zahlreichen jüngeren Europäern und Amerikanern ist deshalb ein besseres Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft ein unerläßliches Element für weiterhin enge transatlantische
Bindungen, während sich die Welt kontinuierlich verändert und die transatlantischen Beziehungen weiter
reifen.

AMERIKA DIENST 14

�In dieser Welt rascher Veränderungen und unmittelbarer Kommunikation besteht die ernste Versuchung,
sogar für die kompliziertesten Probleme nach ebenso
raschen Lösungen zu suchen. Internationale Verständigung entwickelt sich jedoch nicht sofort. Sie ist
vielmehr das Produkt von Zeit, ständigem Kontakt und
muß von enormer Geduld und Erfahrung geleitet werden.
Regierungen können über ihre Botschaften ohne Zeitverzögerung miteinander Probleme erörtern, aber die
Verständigung zwischen den von diesen Botschaften
vertretenen Völkern ist etwas, dessen Aufbau Zeit und
Sorgfalt erfordert.
Und dies ist heute nirgends wichtiger als in jenen neu
emanzipierten Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums, die sich bemühen, ihre eigenen Formen
der Demokratie aufzubauen. Ich fühle mich ermutigt,
wenn ich die Geschwindigkeit und den Weitblick sehe,
mit denen Organisationen wie das Fulbright-Programm
- und die Regierungen, die sie unterstützen - sich
dieser Herausforderung stellen. Im Hinblick darauf,
daß noch vor 18 Monaten 17 Millionen Deutsche
Bürger eines Warschauer-Pakt-Landes waren, warich
besonders erfreut, am 6. Januar in Neubrandenburg
verkünden zu können, daß die amerikanische Regierung ihre Mittel für die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission um nahezu eine Million Dollar aufstockt. Diese Entscheidung unserer Regierung während eines besonders schwierigen Haushaltsjahres
hat unser Engagement unter Beweis gestellt, die Fulbright-Chancen für Stipendiaten in den neuen Bundesländern zu erhöhen, ohne unsere Unterstützung für
Stipendiaten in Westdeutschland zu verringern.
*

AMERIKA DIENST 14

*

Das Fulbright-Programm hat der Sache der internationalen Verständigung gerade deshalb so gut gedient,
weil es nicht unmittelbare Ergebnisse anstrebt, sondern langfristig angelegt ist. Der Wert des FulbrightProgramms ist immateriell und sehr real zugleich. Was
das Programm schafft, ist mehr als alles andere ein
System gemeinsamer Erfahrungen und eine Gemeinschaft, die Anteil nimmt. Das Programm verführt
Menschen nicht dazu, ihre Herkunft zu verleugnen,
sondern erweitert ihren Horizont - ebenso wie der erste
Spaziergang eines Menschen auf dem Mond unsere
Perspektive von uns selbst und unserer zerbrechlichen Welt für immer verändert hat. Insgesamt wirken
die Einzelerfahrungen der Fulbright-Stipendiaten zusammen, um eine Gruppe von Menschen hervorzubringen, die besser in der Lage sind, mit dem Ehrgeiz
- und der Torheit - ihrer Mitmenschen umzugehen.
Senator Fulbright, die Welt steht aufgrund Ihrer Vision
und Ihrer Hartnäckigkeit, mit der sie jene Vision in das
Programm umsetzten, das Ihren Namen trägt und so
viel zur Schaffung einer besseren und sichereren Welt
beigetragen hat, in der Tat in Ihrer Schuld.
Ich freue mich erneut, mit Ihnen allen gemeinsam in
Berlin sein zu können. Möge Ihre Teilnahme am
Programm dieser Woche erfreulich und produktiv sein,
und mögen Sie Ihre Arbeit als Fulbright-Stipendiaten
dieses Jahr bei guter Gesundheit und mit Erfolg weiterführen.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 3

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