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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. März 1992
&lt;bu &amp;

j?^
GIJ^NUKLEARWAFFEN

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER
UDSSR BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG
VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von
Nuklearwaffen vorgeschlagen

FLÜCHTLINGE

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß

WAHLEN '92

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen
von Illinois und Michigan
WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
Von Lester David und Irene David

VII. KORPS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GUS-NUKLEARWAFFEN
25. März 1992

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER UdSSR
BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von Nuklearwaffen vorgeschlagen
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und
Rußland - der Treuhänder der nahezu 30.000 Nuklearwaffen im Besitz der ehemaligen Sowjetunion - streben bereits niedrigere Niveaus nuklearer Rüstungen
an.
Sowohl Präsident Bush als auch der russische Präsident Jelzin haben Vorschläge unterbreitet, mit denen
die strategischen Nuklearwaffen um die Hälfte auf die
vom im Juli 1992 unterzeichneten aber immer noch
nicht ratifizierten Vertrag über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) festgelegten Niveaus
reduzieren würden. Die beiden Seiten vereinbarten
ferner im vergangenen Jahr - vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion - den Abbau aller landgestützten taktischen Nuklearwaffen.
US-Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Kosirew nahmen Anfang dieses Monats die
Abrüstungsgespräche in Brüssel wieder auf, wo beide
am Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats
(NACC) teilnahmen. Weitere Gespräche sind bis zum
für den 16. und 17. Juni in den Vereinigten Staaten
anberaumten Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten
Bush und Jelzin vorgesehen. Beide Seiten haben der
Hoffnung Ausdruck verliehen, daß bis dahin ein Abkommen - oder zumindest ein Rahmenabkommen erarbeitet werden kann.
Diese erneuten Rüstungskontrollverhandlungen sind
Bestandteil umfassender internationaler Bestrebungen, Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion bereitzustellen.
In einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschuß
des Repräsentantenhauses verwies Baker im Februar
auf die damit einhergehenden Schwierigkeiten. Die
neuen Staaten, stellte er fest, "drückt die Last von über
70 Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchung ethnischer Konflikte und autoritärer
Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz der dramati-

AMERIKA DIENST 12

schen Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben
bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nahezu
30.000 atomare Waffen."
Seit dem Zusammenbruch der UdSSR im vergangenen Dezember hat Außenminster Baker alle neuen
unabhängigen Staaten außer Georgien besucht, und
die Vereinigten Staaten haben Botschaften in allen von
ihm besuchten Staaten eröffnet. "Wir haben das in die
Wege geleitet, was man als neue Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten
bezeichnen könnte", fuhr Baker fort. "Wir haben bei
einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit und
Zerstörung von Atomwaffen."
Zu diesem Zweck werden die Vereinigten Staaten
Rußland 25 gepanzerte Eisenbahnwaggons zum
Transport von Nuklearwaffen zur Verfügung stellen.
Rußland wurden femer 250 große Spezialcontainer
zum Transport von Nuklearwaffen angeboten, und
Experten haben begonnen, alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran zu
erörtern, das aus den zu zerstörenden Waffen gewonnen wird. Die Vereinigten Staaten arbeiten mit Rußland zusammen, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern. Darüber hinaus
sind Gespräche über die unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall vorgesehen.
Es wurden bereits Bestrebungen in die Wege geleitet,
um alle ehemaligen sowjetischen taktischen Nuklearwaffen zur schrittweisen Zerstörung nach Rußland zu
verlagern. Stichtag ist der 1. Juli, aber Baker zufolge
sind die Bestrebungen dem Zeitplan voraus. Die vier
Nuklearstaaten der ehemaligen Sowjetunion - Rußland, die Ukraine, Weißrußland und Kasachstan haben vereinbart, alle strategischen Nuklearwaffen
einer zentralen Kontrolle zu unterstellen. Ru Bland wird
der Nachfolgestaat der UdSSR im Hinblick auf den

Seite 1

�Status als Nuklearmacht sein, und die anderen drei
Staaten werden aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag (NPT) als atomwaffenfreie Staaten beizutreten.
Im Hinblick auf spezielle Hilfsprogramme haben die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar für die Einrichtung eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft
und Technologie in der Nähe von Moskau bereitgestellt, das den Spitzenwissenschaftlem und -ingenieuren der früheren Sowjetunion, von denen viele in der
Kerntechnik oder anderen Rüstungsbereichen gearbeitet haben, geistig anspruchsvolle Arbeit verschaffen soll. Das Zentrum wird in der Absicht gegründet,
Wissenschaftler davon abzuhalten, ihr Wissen an
skrupellose Regime auf der ganzen Welt zu veräußern. Die Europäische Gemeinschaft wird mit dem
US-Angebot von 25 Millionen Dollar ebenso gleichziehen wie Japan. Darüber hinaus hat Kanada versprochen, das Programm zu unterstützen.
Andere spezielle Hilfe für die früheren Sowjetrepubliken umfaßt 400 Millionen Dollar aus Mitteln des Verteidigungsministeriums, mit denen nukleare und chemische Waffen zerstört und die Verbreitung von Technologie für Massenvernichtungswaffen verhindert werden soll.
Ein weiterer Schlüsselaspekt dieser Bestrebungen ist
die Umwandlung der Rüstungsindustrie. In den 620
Millionen Dollar neuer Bewilligungen, die die Regierung zur Hilfe für die frühere Sowjetunion beantragt,
sind 100 Millionen Dollar für den Wirtschaftshilfefonds
enthalten, der demokratische Reformen, wirtschaftliche Umstrukturierungen und eine Umwandlung der
Rüstungsindustrie auf den Weg bringen soll.

Ein weiterer Schlüsselfaktor der neuen Beziehungen,
den Baker am 5. Februar im Auswärtigen Ausschuß
des Senats hervorhob, besteht darin, daß "die neuen
Staaten ihr Verspechen einhalten, die START-, KSEund Nichtverbreitungsverträge durchzuführen".
"START bleibt entscheidender Bestandteil unserer
Beziehungen zu den neuen Staaten," erklärte Baker.
"Erstens erhöht das Verifizierungsregime von START
Transparenz und Offenheit in einer Zeit turbulenter
Veränderungen. Zweitens schafft START ein rechtsverbindliches Regime, das Verpflichtungen aufstellt,
die es uns leichter machen, substantielle und stabilisierende Reduzierungen festzuschreiben. Drittens
liefert START eine stabile Struktur und ebensolche
Grundregeln, im Rahmen derer weitere Reduzierungen schnell erreicht werden können. Schließlich werden durch START die Ukraine, Weißrußland und
Kasachstan ermutigt, eine nichtnukleare Zukunft anzustreben."
Bei seinem zweiten Treffen in Brüssel begrüßte der
Nordatlantische Kooperationsrat die Baltenstaaten und
alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien als
neue Mitglieder. Das Ziel des aus 35 Nationen bestehenden Gremiums lautet, Stabilität und Berechenbarkeit bei europäischen Sicherheitsfragen zu verbessern
und die Zusammenarbeit unter den Ländern Europa zu
erweitern.
Der Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger kam bei seiner Beschreibung der US-Hilfe vor
einem anderen Kongreßausschuß am 11. März zu
dem Schluß: "Westliche Hilfe kann etwas bewirken.
Für uns steht auf dem Spiel, ob die jüngste Umwandlung gefährlicher Gegner in Freunde und Partner ein
dauerhaftes oder ein vorübergehendes Phänomen

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�FLÜCHTLINGE
25. März 1992

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des Büros für Flüchtlingsbelange im US-Außenministerium, Princeton
Lyman, zufolge gestattet die Beilegung regionaler Konflikte drei bis sieben Millionen Flüchtlingen in den nächsten
Jahren die Rückkehr in ihre Heimatländer.
In einer vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Auswärtige Angelegenheiten abgegebenen
Erklärung stellte Lyman am 17. März 1992 fest, die Lösung der Konflikte in Kambodscha, Angola, El Salvador
und Äthiopien "sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance",
drei Millionen Flüchtlingen in den kommenden zwei Jahren die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Diese
Zahl könnte die Siebenmillionengrenze überschreiten, "wenn der Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist", so
Lyman.
Die Rückführung der Flüchtlinge sei teuer und zeitaufwendig, stellte Lyman fest, "Die Aussicht, das Leid von
nahezu der Hälfte der Flüchtlinge ... weltweit zu beenden, sollte uns jedoch motivieren, uns dieser großen
humanitären Aufgabe zu stellen".
Das US-Außenministerium hat für das Haushaltsjahr 1992 550 Millionen Dollar für Migrations- und Flüchtlingshilfe beantragt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Direktor Lyman im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, heute gemeinsam mit Ihnen die bevölkerungspolitischen Realitäten
der Welt erörtern zu können und darauf einzugehen,
wie die Migrations- und Flüchtlingshilfe im Haushaltsjahr 1993 einige dieser Veränderungen in der Zeit nach
dem kalten Krieg anspricht.
Insbesondere im Hinblick auf Flüchtlinge und Vertriebene haben wir eine au ßerordentlich gemischte Szene
vor uns. Die Beilegung von Konflikten, die teilweise
durch den kalten Krieg genährt wurden - Kambodscha,
Angola, El Salvador - und der Bürgerkrieg in Äthiopien
sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance, in den
nächsten beiden Jahren drei Millionen Flüchtlingen
weltweit und bis zu sieben Millionen Menschen die
Rückführung in ihre Heimat zu ermöglichen, wenn der
Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist. Die Rückführung von Flüchtlingen zu ihren häufig vom Krieg zerstörten Häusern und Weiden sowie in Länder, in denen
die zwangsweise im Inland Umgesiedelten ebenfalls
Not leiden, ist teuer und zeitaufwendig. Die Aussicht,
das Leid von nahezu der Hälfte der Flüchtlinge - nach
einem Jahrzehnt, in dem diese Zahl im Steigen begriffen war - weltweit zu beenden, sollte uns jedoch
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motivieren, uns dieser großen humanitären Aufgabe
zu stellen. Ist diese Aufgabe einmal abgeschlossen,
wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft eine schwere Last genommen, besonders den
Vereinigten Staaten, die in den vergangenen 20 Jahren Hauptgeldgeber der Flüchtlingshilfe waren.
Ein anderer Teil der Szene ist weniger ermutigend.
Neue, häufig brutale Konflikte bewirken neues Flüchtlingsleid. Allein in der Zeit zwischen der Anberaumung
dieser Anhörung und heute sind über 100.000 neue
Flüchtlinge vor den Plünderungen der burmesischen
Armee nach Bangladesch, und 150.000 somalische
Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg geflohen - sie kamen
dem Hungertod nahe und halbtot vor Erschöpfung in
Kenia an. In den vergangenen beiden Jahren hat der
Bürgerkrieg in Liberia der Gesamtzahl der Flüchtlinge
auf der Welt weitere 600.000 hinzugefügt. Die Kämpfe
in Jugoslawien haben 40.000 Menschen zur Flucht
veranlaßt, und nahezu eine halbe Million mußte zwangsweise im Inland umsiedeln. Des weiteren warten wir
auf die Berichte des IKRK über die Opfer an Menschenleben aufgrund der Auseinandersetzungen in
Nagorny-Karabach, wo über 500.000 Menschen ihre
Heimat verlassen mußten. Wir müssen dieses Leiden
nicht nur mit humanitärer Hilfe, sondern mit erneuten
Seite 1

�und verbesserten Methoden der Konfliktlösung angehen, damit nicht eine weitere Generation von Langzeitflüchtlingen hervorgebracht wird.

Wie kann diesen Menschen in einer großen
Bandbreite von Situationen Schutz und angemessene langfristige Hilfe geboten werden?

Schließlich beobachten wir größeren und komplexeren Druck auf die Asyl- und Einwanderungsverfahren
in Westeuropa und Nordamerika. Zum Teil ist dies auf
demographische Ursachen zurückzuführen, zum Teil
auf Konflikte, Unterdrückung und Armut. Bedauerlicherweise haben wir Vorfälle erlebt, bei denen dieser
Druck negative, wenn nicht gar häßliche Rückschläge
für die Flüchtlinge selbst zur Folge hatte. In einem
breiteren Kontext gesehen, stellen sie eine Herausforderung an unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit sowohl
bei Flüchtlings- als auch Migrationsbelangen dar, damit
keine neuen Mauern errichtet werden und die Lastenverteilung beibehalten wird. Mit unseren Programmen
und in einigen anderen Foren versuchen wir, diese
Probleme auch in der Ära nach dem kalten Krieg
anzusprechen.

Wie können Lösungen für die Gründe ihrer
Flucht herbeigeführt, und wie kann den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre häufig durch Krieg
verwüstete Heimat ermöglicht werden?

Der Haushaltsantrag 1993 für Migrations-und
Flüchtlingshilfe
Die Flüchtlinge der Welt, von denen es noch immer
rund 16 Millionen gibt -13 Millionen von ihnen benötigen Hilfe - konzentrieren sich in vier Regionen: 5
Millionen Afghanen in Pakistan und Iran, nahezu 5
Millionen afrikanische Flüchtlinge, die zumeist Opfer
von Bürgerkriegen sind, 2,5 Millionen Palästinenser
und 720.000 Flüchtlinge in Asien, fast die Hälfte davon
aus Kambodscha.
Diese Zahlen - an sich schon erschreckend - geben die
Realität nicht angemessen wider. Hinter diesen Zahlen stehen vor Soldaten flüchtende Männer, Frauen
und Kinder, die den Naf nach Bangladesch überqueren. Diese Zahlen verwischen die Not der von ihren
Männern und Familien getrennten Frauen und Kinder,
die im Nordirak oder in Kenia Unterschlupf unter Plastikplanen suchen. Sie vermitteln nicht die Verzweiflung von Menschen, die häufig jahrelang von ihrer
Heimat und allen Dienstleistungen abgschnitten sind
und versuchen, Behelfsschulen für ihre Kinder aufzubauen und ihre Würde in einer Situation völliger Abhängigkeit zu bewahren.

Wie kann künftigen Flüchtlingsströmeri entgegengewirkt werden?
Der Haushaltsantrag des US-Außenministeriums für
1993 sieht 550 Millionen Dollar für Migrations-und
Flüchtlingshilfe (Migration and Refugee Assistance MRA) und 20 Millionen für den amerikanischen Notfonds für Migrations- und Flüchtlingshilfe vor.
Internationale Flüchtlingshilfe
Angaben in Millionen Dollar
Ostasien

48,6

Afrika

104

Naher Osten/Südasien

106

Israel

50

Westliche Hemisphäre

4,5

Europa

Zwischensumme

2

315,3

Annähernd 60 Prozent des MRA-Antrags - 315,3 Milliarden Dollar - werden die internationalen Hilfsbestrebungen unterstützen, um weltweit Flüchtlingen und
Opfern von Konflikten Schutz und Hilfe bieten zu
können.
Afrika
Afrika ist nach wie vor der beunruhigendste und schwierigste Kontinent, um angemessenen Schutz und Hilfe
bereitzustellen. Zusätzlich zu den Flüchtlingen mußten bis zu 10 Millionen Menschen durch Konflikte und

Flüchtlingsprogramme gehen über die Bereitstellung

konfliktverursachte Hungersnöte in ihrem eigenen Land

von Hilfe für die vor Verfolgung und Konflikt Flüchtenden hinaus - so entscheidend und wichtig dies auch
sein mag. Sie gehen über die Beschaffung von neuen
Wohnungen für diejenigen hinaus, die im Westen
angesiedelt werden müssen. Sie umfassen schwierige Entscheidungen von Regierungen, internationalen
Organisationen und Privatinstitutionen zu folgenden
Fragen:

umsiedeln. Im Sudan hat die Behinderung der internationalen Hilfsorganisationen durch den Staat und
andauernder Bürgerkrieg uns nahezu hilflos angesichts des enormen humanitären Bedarfs gemacht.
Allein im Süden haben wir Luft-, See- und Landbrükken zur Unterstützung derjenigen einzurichten versucht, die erst nach Äthiopien, dann zurück in den
Sudan geflohen sind und jetzt aus dem Süden vor
erneuten Kämpfen fliehen. Unter diesen Menschen

Wer sind die betroffenen Menschen?

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�sind 10.000 unbegleitete Minderjährige, die wie Figuren auf einem Schachbrett hin- und hergeschoben
werden - nur weil sie Kinder und Opfer sind.
Die Kämpfe in Somalia haben buchstäblich Dutzende
von Versuchen vereitelt, die entsetzlichen Bedingungen dort zu beheben. Voraussichtlich werden an die
250.000 Somalier die Grenze nach Nordkenia überqueren - in eine Region ohne Schatten, Obdach oder
Wasser.
In diesem Jahr droht uns noch ein weiteres Problem.
Das südliche Afrika erlebt eine verheerende Dürre,
vielleicht die schlimmste in diesem Jahrhundert. Die
Auswirkungen sind für Millionen von Menschen enorm.
Für die Flüchtlinge verursacht dies besondere Probleme. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) und das Welternährungsprogramm
der Vereinten Nationen (WFP) haben bisher den Großteil
der Nahrungsmittel für Flüchtlinge in diesem Teil Afrikas aus Kenia, Simbabwe und Südafrika gekauft.
Keine dieser Quellen wird in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Die Kosten der Flüchtlingshilfe werden
also zusätzlich zu dem für die Region benötigten
Nahrungsmittelbedarf und den vielen Anforderungen
in anderen Teilen der Welt ebenso wie der Nahrungsmittelbedarf der Flüchtlinge drastisch in die Höhe
schnellen.
Doch auch in Afrika gibt es Inseln der Hoffnung. Das
Ende des nahezu 30jährigen Bürgerkriegs in Äthiopien
bedeutet Hoffnung auf Repatriierung für 250.000 Eritreer im Sudan, für 50.000 Tigreer sowie die Heimkehr
und Wiedereingliederung von 300.000 Menschen aus
dem Ogaden. Örtlich bestehende Unsicherheit muß in
Äthiopien überwunden werden, und Wiedereingliederungshilfe ist dringend erforderlich, wenn diese Menschen zu einem produktiven Leben in der Heimat
zurückkehren sollen und nicht nur, um ihr Leben in
Lagern zu fristen oder zu einer Quelle ziellosen Banditentums und der Instabilität in einem verarmten Land
zu werden.
Auch in Angola und Südafrika besteht Hoffnung. Etwa
400.000 angolanische Flüchtlinge schicken sich an
heimzukehren, und über 10.000 Südafrikaner im Exil
kehren unter dem Schutz des UN-Flüchtlingskommissars nach Hause zurück. Wir müssen dafür sorgen,
daß diese Rückkehr funktioniert.
Wir mu ßten uns stark auf den Notfonds für Flüchtlingsund Migrationshilfe stützen, um auf die sich rasch
verändernden Bedingungen und größeren Bedürfnisse von Flüchtlingen und Konfliktopfern in Afrika zu
reagieren. Allein im vergangenen Jahr wurden 48,35
Millionen Dollar aus diesem Fonds aufgewendet, um
dringenden Bedarf in ganz Afrika zu decken. Weitere
10 Millionen Dollar wurden aus anderen MRA-Programmen abgezweigt, um vordringlichen und unvorhergesehenen Erfordernissen am Hörn von Afrika
gerecht zu werden.

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Afghanistan
Wie ich bereits erklärt habe, bilden die Afghanen die
größte einzelne Flüchtlingsgruppe. Wir hegen die
Hoffnung, daß mit der Vereinbarung über die Einstellung der Waffenlieferungen seit Januar diesen Jahres
und verstärkten Bemühungen der UNO um eine Aussöhnung eine rasche Lösung für diesen langen, kostspieligen Krieg gefunden werden kann. Bereits jetzt
kehren Zehntausende von Flüchtlingen mit internationaler Hilfe in befriedete Gebiete zurück. Mehrere
Hunderttausend könnten sich bei weiteren Verhandlungsfortschritten ebenso entscheiden. Vor einer politischen Lösung erwarten wir jedoch keine massive
Repatriierung. Deshalb müssen wir uns auf die Fortsetzung der Hilfe für die Afghanen im Haushaltsjahr
1993 einrichten. Wir werden versuchen, über verschiedene Projekte privater Hilfsorganisationen die
Entwicklung von Fähigkeiten zu stärken, die in Afghanistan benötigt werden.
Asien
Das dramatischste Ereignis in jüngster Zeit in Asien ist
die Vereinbarung über ein Ende des Krieges in Kambodscha. Für 330.000 Kambodschaner, die seit 12
Jahren an der thailändischen Grenze leben, bedeutet
dies endlich die Chance zur Heimkehr. Ich werde zu
den Kosten und komplexen Einzelheiten dieser Repatriierung zurückkehren. Ich freue mich jedoch berichten zu können, daß die Vorbereitungsphase des
kambodschanischen Repatriierungsprogramms des
UNHCR vollständig aus freiwilligen Beiträgen finanziert wurde, und wir haben ausreichende Mittel im
Haushalt vorgesehen, um unseren Anteil am Gesamtprogramm in den Haushaltsjahren 1992 und 1993
bereitzustellen.
Während Kambodscha in jüngster Zeit die meiste
Aufmerksamkeit zuteil wurde, gibt es in Asien noch ein
weiteres Beispiel dafür, was internationale Unterstützung und Zusammenarbeit leisten können.
Nahezu drei Jahre nach Verabschiedung des umfassenden Aktionsplans für vietnamesische und laotische
Asylsuchende hat sich dieser Plan als in vieler Hinsicht
erfolgreich erwiesen. Die Praxis des Erstasyls wurde
in allen Staaten Ostasiens aufrechterhalten, wobei
Malaysia und Singapur bedauerliche Ausnahmen
darstellen. Gleichzeitig wurde die Bearbeitung von
Ausreiseanträgen aus Vietnam im Rahmen des Programms zur ordentlichen Ausreise (Orderly Departure
Program - ODP) drastisch erweitert: im kommenden
Jahr werden etwa 100.000 Menschen im Rahmen des
ODP ausreisen, das damit eine wesentlich sicherere
Alternative zur Ausreise per Boot bietet. Die Ankünfte
von Bootsflüchtlingen gingen um 98 Prozent auf etwa
230 im Monat zurück. Überprüfungsverfahren wurden
in allen Erstantragsländern eingeführt, und all diejenigen, bei denen eine begründete Furcht vor Verfolgung
festgestellt wurde - bis jetzt etwa 16.000 - wurden neu

Seite 3

�angesiedelt. Für diejenigen, die nicht als Flüchtlinge
anerkannt wurden, wurde eines der am besten überwachten und unterstützten Rückkehrprogramme der
Welt eingeführt. Die freiwillige Rückkehr ist um 70
Prozent gestiegen und beträgt heute im Durchschnitt
1.700 Personen pro Monat. Insgesamt sind über
20.000 Bootsflüchtlinge sicher nach Vietnam zurückgekehrt. Die Beobachtung der Vietnamheimkehrer
wird von der UNHCR durchgeführt, und es hat keine
Beweise für eine politische Verfolgung gegeben. Die
Europäische Gemeinschaft hat direkte Hilfe für die
Rückkehrer und die verarmten Regionen aufgenommen, aus denen sie gekommen waren, um ihre Reintegration zu unterstützen. Es bleiben jedoch Probleme
bestehen. Wir arbeiten mit dem UNHCR zusammen,
um die Effizienz und Fairneß des nationalen Überprüfungsverfahrens zu verbessern. Die besonderen
Verfahren für unbegleitete Minderjährige funktionieren
immer noch nicht ausreichend, und viele Minderjährige
bleiben viel zu lange in den Lagern.
Der Nahe Osten
Der Nahe Osten ist eine weitere Region, in der unsere
Bemühungen sehr erfolgreich sind. Vor nahezu einem
Jahr flohen über eine Million Kurden und andere
Menschen vor Saddam Husseins Regime und suchten
Zuflucht in Nachbarländern. Unter dem Schutz der
Operation Provide Comfort wendeten die Vereinigten
Staaten und andere Länder in einer gemeinsamen
Aktion und durch das System der Vereinten Nationen
eine menschliche Tragödie größten Ausmaßes ab,
indem sie diesen neuen Flüchtlingen unmittelbar Hilfe
leisteten. Seit vergangenem Mai/Juni sind über 90
Prozent in ihre Heimat im Nordirak zurückgekehrt.
Diese Repatriierung wurde nur dadurch ermöglicht,
daß die Sicherheit gewährleistet und entscheidende
Beiträge in Form von Nahrungsmitteln und Unterkünften im Irak bereitgestellt wurden. Obwohl es noch
Flüchtlinge gibt, wurde durch sofortige Maßnahmen
verhindert, daß eine auf Dauer bestehende, große
Zahl von Flüchtlingen entstand, die in Lagern in der
Türkei und im Iran leben und auf längere Sicht internationale Unterstützung erfordern würden. Dieser Ausschuß war ausschlaggebend daran beteiligt, daß die
Notwendigkeit einer anhaltenden amerikanischen

und 712 des UN-Sicherheitsrats zu befolgen, nach
denen humanitäre Hilfe durch irakische ölverkäufe
finanziert würde, seine Blockade gegen den Norden
und seine Zermürbungstaktik im Süden enthüllen
Saddams Grausamkeit gegen sein eigenes Volk und
stellen der Außenwelt eine anhaltende humanitäre
Aufgabe...
Das Aufnahmeprogramm
Die Haushaltsvorlage des Außenministeriums für
Migrations- und Flüchtlingshilfe beinhaltet 207,95 Millionen Dollar für die Aufnahme von Flüchtlingen im
Haushaltsjahr 1993. Diese Mittel beruhen auf Schätzungen für die Unterstützung der Aufnahme und ersten Unterbringung von etwa 122.000 Flüchtlingen aus
allen Teilen der Welt. Obwohl eine bestimmte Zahl
angesetzt wurde, um den Haushaltsbedarf zu kalkulieren, wird die Zahl der Aufnahmen und deren regionale
Zusammensetzung vom Präsidenten nach dem jährlichen Konsultationsprozeß mit dem Kongreß festgelegt. Dieser Prozeß wird im Juni beginnen.
Dieses Jahr hat der Präsident die Aufnahme von bis zu
142.000 Flüchtlingen in diesem Land genehmigt.
Innerhalb dieser Gesamtzahl sind 10.000 Plätze nur
für privatwirtschaftliche Finanzierung vorgesehen. Die
Obergrenzen für das aus Bundesmitteln finanzierte
Programm gestalten sich folgendermaßen:
Region

Obergrenze 1992

Ostasien
Osteuropa
GUS

52.000
3.000
61.000

Nahost/Südasien

6.000

Lateinamerika/Karibik

3.000

Afrika

6.000

Freie Reserve

1.000

Gesamtzahl

132.000

Führungsrolle erkannt wurde, und er hat die von der

Regierung beantragten zusätzlichen Mittel bewilligt.
Bis heute wurden 75 Millionen Dollar für Migrationsund Flüchtlingshilfe bewilligt, von denen 57,65 Millionen Dollar eingesetzt wurden, um Flüchtlingen und
Vertriebenen im Irak und den angrenzenden Ländern
zu helfen.
Leider wissen wir auch, daß die Repatriierung die
Notlage der Kurden und anderer nicht beendet hat, die
von Saddam Husseins willkürlicher Unterdrückung
seines eigenen Volkes betroffen sind. Die Vereinigten
Staaten und die internationale Staatengemeinschaft
liefern weiterhin wichtige humanitäre Hilfe in den Nordirak. Die Weigerung des Irak, die Resolutionen 706
Seite 4

Die Aufnahmen aus den Erstasylländern in Ostasien
sind weiterhin ein unerläßliches Element des umfassenden Aktionsplans (CPA). Die in der Region beim
Beginn des CPA im Jahr 1989 vorhandenen Vietnamesen sind inzwischen fast vollständig aufgenommen
worden. Mit einer effektiven Überprüfung vor Ort und
der sinkenden Zahl vietnamesischer Bootsflüchtlinge
nimmt dieses Element unseres Programms an Bedeutung ab. Angesichts der Unberechenbarkeit der
möglichen Aufnahmeerfordemisse für laotische Flüchtlinge und der raschen Erweiterung des ODP-Programms aus Vietnam werden die Gesamtaufnahmen
aus Ostasien im Haushaltsjahr 1993 auf dem heutigen
Niveau verharren. Wir erwarten, daß die Ausreisen

AMERIKA DIENST 12

�von Amerasiern aus Vietnam im Haushaltsjahr 1993
zurückgehen werden. Obwohl seit Vereinbarung des
Programms für Insassen von Umerziehungslagern
zwischen Vietnam und den Vereinigten Staaten im
Jahr 1989 etwa 40.000 ehemalige Häftlinge und deren
Familienangehörige in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, erwarten wir, daß die Überprüfungsgespräche mit in Frage kommenden ehemaligen Häftlingen mindestens bis ins Haushaltsjahr 1994 andauern
werden.
Unser anderes großes Auf nahmeprogramm besteht in
der ehemaligen Sowjetunion. Die Auflösung der
Sowjetunion hat vielen Gebieten größere Freiheit
gebracht, und die Zahl der Neuanträge von Bürgern
der ehemaligen Sowjetunion hat sich erheblich verringert. Trotzdem besteht noch ein erheblicher Rückstau
an zu bearbeitenden Anträgen von Personen, die den
amerikanischen Gesetzen zufolge in Frage kommen
und für die das Gespenst insbesondere der religiösen
Verfolgung weiterbesteht. Wir werden weiterhin Personen anhören, die unsere Zulassungskriterien erfüllen und erwarten, daß das Aufnahmeprogramm für
sowjetische Flüchtlinge etwa im gegenwärtigen Umfang von 50.000 im Haushaltsjahr 1993 fortgesetzt
wird.
Im Haushaltsjahr 1991 riefen die Vereinigten Staaten
ein begrenztes Umsiedlungsprogramm für die im
Chemiewaffenkrieg 1988 aus dem Irak vertriebenen
Kurden ins Leben. In diesem Jahr haben wir damit
begonnen, irakischen Flüchtlingen vor dem Golfkrieg
von 1990-91 aus der Türkei und Saudi-Arabien herauszuhelfen. Dies wird ein multilaterales Projekt sein.
Im letzten Monat haben die Vereinigten Staaten ein
nationales Umsiedlungsprogramm in Haiti aufgenommen. Dieses Programm wendet sich an Bürger, die
aufgrund ihrer politischen Meinung eine Verfolgung
fürchten. Davon werden beispielsweise Haitianer erfaßt, die Angst vor Verfolgung haben, weil sie führende
Positionen in politischen oder religiösen Organisationen auf nationaler oder lokaler Ebene innehatten oder
innehaben, exponierte Stellungen in der Regierung
Aristide bekleidet haben oder in Bereichen Berühmtheit erlangt haben, auf die jetzt Druck ausgeübt wird...
Probleme zwischen Ost und West
Die politischen Asylverfahren in Europa (und Nordamerika) wurden im Zeitalter des kalten Kriegs auf der
Grundlage der UN-Konvention von 1951 über den
Status von Flüchtlingen geschaffen. Als Osteuropa
und die Sowjetunion sich unter kommunistischer
Kontrolle befanden, wurden die vor solchen Regimen
fliehenden Menschen als Flüchtlinge behandelt und
erhielten vom Westen großzügige Möglichkeiten für
eine permanente Umsiedlung. Mit dem Entstehen
demokratischer Regierungen und der Beseitigung von
Reisebeschränkungen haben die Bewegungen von

AMERIKA DIENST 12

Ost nach West neue Gestalt angenommen, und europäische Regierungen konzentrieren sich zunehmend
auf die Frage der Umsiedlung aus wirtschaftlichen
denn aus politischen Gründen.
1989, im Jahr der Revolutionen in Osteuropa, haben
1,2 Millionen Menschen - nach einem Leben der Gefangenschaft hinter bewaffneten Grenzen - den Warschauer Pakt verlassen, um sich dauerhaft im Westen
anzusiedeln. Im folgenden Jahr reisten etwa neun
Millionen Sowjetbürger ins Ausland, von denen 450.000
im Rahmen bereits bestehender Verfahren ausreisten.
In ganz Europa begann sich angesichts der Aussicht
auf eine massive Flüchtlingswelle eine gewisse Panik
auszubreiten.
Ein entscheidender Faktor der europäischen Sorge
über Ost-West-Flüchtlinge waren jedoch die Asylsuchenden. In den vergangenen zehn Jahren und insbesondere in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der
Asylsuchenden in Westeuropa jährlich gestiegen.
Während 1983 in Europa etwa 75.000 Asylanträge
gezählt wurden, betrug die Zahl 1991 fast600.000. Die
europäischen Länder versuchen zu analysieren, wie
dieses Phänomen zu beschränken ist. Die EG arbeitet
an der Vereinheitlichung ihrer Asylpraktiken und entsprechenden Verpflichtungen, damit 1993 eine ungehinderte Ein- und Ausreise innerhalb der EG gewährleistet werden kann. Eine Begleiterscheinung dessen
ist der Versuch verschärfter Grenzkontrollen und Wege,
Flüchtlinge nach Hause oder in andere sichere Länder
zu schicken.
Nord-Süd-Probleme
Für viele europäische Regierungen ist langfristig nicht
die Flüchtlingswelle aus dem Osten das Problem,
sondern vielmehr der rasante Anstieg der Asylsuchenden aus den Entwicklungsländern. Mit diesen Menschen sind in vielen Fällen ernsthafte neue soziale
Probleme aufgetreten, und oftmals können sie aus
Sicherheitsgründen nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Aufgrund des geschätzten Bevölkerungswachstums in Afrika, Südasien und Lateinamerika sind die Probleme der Flüchtlinge aus dem Süden
schwieriger zu lösen als die der Flüchtlinge aus dem
Osten. Afrikas Bevölkerung wird erwartungsgemäß
von 642 Millionen im Jahr 1990 auf etwa 1,6 Milliarden
im Jahr 2025 steigen. Zur gleichen Zeit wird die
Bevölkerung Südasiens 2 Milliarden übersteigen, und
in Lateinamerika werden 750 Millionen Menschen leben.
Der tendenzielle Flüchtlingsstrom von Süden nach
Norden ist nicht nur das Ergebnis bevölkerungspolitischen Drucks, sondern besserer Möglichkeiten und in
manchen Fällen auch politischer und kultureller Bindungen. In manchen Fällen ist er für die langfristige
Stabilisierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Norden und Süden nützlich. Ein Beispiel dafür sind
von den Gastarbeitern nach Hause geschickte Geldsendungen, mit denen Häuser, Geschäfte und Ver-

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�besserungen auf Bauernhöfen sowie Verbrauchsgüter
finanziert werden. In diesen Fällen haben die Geldsendüngen der Arbeiter als Quelle des Kapitaltransfers
denselben Stellenwert wie Auslandshilfe.
Kurzfristigere Spannungen bei den Asyl- und/oder
Einreiseverfahren in Europa und Nordamerika ergeben sich unter Umständen eher durch Instabilität und
Unruhen als durch Anmut und Bevölkerungswachs-

tum. Aufschlußreich ist die Tatsache, daß der Druck
der Asylsuchenden aus Somalia und Sri Lanka zur Zeit
am höchsten ist. Das erstere ist eines der ärmsten
Länder in der dritten Welt, letzteres gilt als eines der
besser entwickelten, dennoch befinden sich beide
m i t t e n j n e i n e m Bürgerkrieg. Daraus folgt, daß man
Konfliktlösungen als Wege zur Lösung der Nord-SüdP r o b | e m e ebenso hoch einschätzen muß wie Entwick| u n g u n c j Handel.

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AMERIKA DIENST 12

�WAHLEN

'92
25. März 1992

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen von Illinois und Michigan
Tsongas stellt Kampf um die Nominierung ein
Der ehemalige Senator von Massachusetts, Paul
Tsongas, der vor nahezu einem Jahr als erster Demokrat seine Bewerbung für das Präsidentenamt bekanntgegeben hatte, stellte seine Bemühungen am
19. März ein. Dabei erklärte er, seine wirtschaftspolitische Botschaft habe beim amerikanischen Volk Anklang
gefunden, aber er sei tief verschuldet und besitze nicht
die Mittel, um den Wahlkampf fortzusetzen.
Indem er seinen Rückzug aus dem Wahlkampf als
Aussetzung bezeichnete, behielt Tsongas weiterhin
Anspruch auf Bundeszuschüsse zur Begleichung seiner Wahlkampfschulden von nahezu 1 Million Dollar.
Darüber hinaus sind weiterhin mehrere hundert Delegierte an ihn gebunden, die er in den bisherigen
Vorwahlen und Wahlversammlungen für den Nominierungsparteitag gewonnen hat. "Wir haben Delegierte,
die am Parteitag teilnehmen wollen", erklärte Tsongas.
Er gewann fünf Vorwahlen und zwei Parteiversammlungen, bevor der Favorit im Rennen um die Nominierung, der Gouverneur von Arkansas Bill Clinton, mit
den Siegen im Süden und Mittelwesten diesen Monat
einen uneinholbaren Vorsprung errang.
Tsongas gratulierte Clinton und dem ehemaligen
Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, die als einzige demokratische Bewerber im Rennen blieben.
Dabei erklärte er, er freue sich auf einen demokratischen Wahlsieg im November, weigerte sich jedoch,
einen seiner ehemaligen Rivalen zu unterstützen.
Er gab an, er fühle sich "äußerst bestätigt. Die Verpflichtung, die mir mein Überleben (von einer Krebserkrankung) auferlegt hat, wurde erfüllt. Ich glaube, daß
die Kraft unserer Botschaft und unser schieres Überleben Menschen im ganzen Land dazu veranlaßt,
einen neuen Weg zu sehen."
Der sich als "ökonomischer Paul Revere (der im Revolutionskrieg zu den Kolonisten geritten war, um diese
vor anrückenden britischen Truppen zu warnen)"
bezeichnende Tsongas forderte in seinem Wirtschaftsprogramm die Senkung der Kapitalertragssteuer, mehr
Anreize für die Wirtschaft und andere Maßnahmen,

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um die Produktionsbasis neu anzukurbeln - Vorschläge, die allgemein als eher republikanisch und weniger
demokratisch betrachtet wurden.
Der letzte Stand der Delegiertenstimmen
Die folgende inoffizielle Aufstellung zeigt die Anzahl
von Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat
bisher für sich gewinnen konnte. Dazu gehören auch
die Ergebnisse der Vorwahlen in Illinois und Michigan
am 17. März.
Demokraten (Zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton

944,25

Tsongas

432,25

Nichtgebunden

421,75

Brown

120,25

Republikaner (Zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

711
46
6

Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 17. März
Die folgende Liste gibt den prozentualen Anteil der von
jedem Kandidaten bei den Vorwahlen am 17. März
erhaltenen Wählerstimmen wieder.
Demokraten

Stimmenanteil (%)

Illinois
Brown

15

Clinton

51

Tsongas

26

Nichtgebunden

5

Sonstige

3

Seite 1

�Michigan

Michigan

Brown

26

Buchanan

25

Clinton

51

Bush

67

Tsongas

17

Duke

3

Nichtgebunden

5

Nichtgebunden

5

Sonstige

1

Republikaner

Stimmenanteil (%)

Illinois
Buchanan

22

Bush

76

Nichtgebunden

2
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AMERIKA DIENST 12

�WAHLEN

'9 2
25. März 1992

WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
von Lester David und Irene David
WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel beschreiben die Autoren das Verfahren der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten von der Bekanntgabe der Bewerber über die Vorwahlen und Parteiversammlungen, Parteikongresse und den darauffolgenden Wahlkampf bis zum Wahltag und der Zusammenkunft der
Wahlmänner.
Lester David und Irene David sind freiberufliche Journalisten mit Sitz in New York. Sie haben sechs Bücher und
Dutzende von Zeitschriftenartikeln geschrieben.
Am 3. November 1992 werden Millionen amerikanischer Bürger zu den Wahlurnen im ganzen Land
gehen, um den nächsten Präsidenten der Vereinigten
Staaten zu wählen.
Das Datum des Wahltages - immer der erste Dienstag
nach dem ersten Montag im November - wurde vom
amerikanischen Kongreß im Jahr 1845 festgelegt.
Obwohl jedes Jahr Wahlen abgehalten werden - für
Gouverneure, Parlamentarier sowie politisch Verantwortliche auf Bundesstaaten-, Bezirks- und Gemeindeebene - ist die Wahl des Präsidenten bei weitem
einer der wichtigsten Prozesse der repräsentativen
Regierung der Vereinigten Staaten. Denn die Amerikaner sind sich voll und ganz der Tatsache bewußt,
daß sie selbst die Wahl für den obersten Mann im
Staate treffen, wenn sie die in Schulen, Kirchen, Gewerkschaftsgebäuden und sogar Scheunen in ländlichen Gebieten aufgestellten Wahlkabinen betreten,
und nicht für einen ihnen aufgezwungenen Kandidaten.
Die Wahl eines neuen Präsidenten bildet den Höhepunkt eines mörderischen Wahlkampfs - vielleicht des
längsten und zermürbendsten in der demokratischen
Welt - um die Wahl eines Staatschefs.
Die Bewerber streben die Nominierung durcii die beiden führenden Parteien - die Republikanische und
Demokratische Partei - an und leiten ihre Kampagne
häufig bereits zwei Jahre vor dem Wahltag in die
Wege. Sie beginnen ihr Unterfangen, indem sie landesweit in möglichst vielen Staaten Organisationen
gründen. Diese mit einigen bezahlten Fachkräften, im
übrigen jedoch zumeist mit Freiwilligen besetzten
Organisationen gehen mit Verve an die Arbeit, um den
Namen und die Ansichten ihres Kandidaten publik zu
machen und so viel Geld wie möglich aufzubringen.
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DerWahlkampf istteuer: Fernseh- und Rundfunksendezeiten müssen zu immer weiter in die Höhe schnellenden Preisen gekauft, Broschüren gedruckt und
verschickt, Räume gemietet, Reisekosten bezahlt,
Fähnchen, Buttons, Flaggen und andere Gegenstände bestellt werden.
Die Wahlen 1992 verlaufen erwartungsgemäß.
Im Mai 1991-18 Monate bevor die Wahllokale geöffnet
werden sollen - gab der ehemalige Senator Paul
Tsongas aus Massachusetts seine Kandidatur für die
demokratische Nominierung bekannt. Bis zum Oktober 1991, immer noch 13 Monate vor dem Wahltag,
hatten weitere sechs Demokraten ihre Bewerbung
angekündigt und wie Tsongas ihre Organisationen ins
Leben gerufen.
Wie wählen die Amerikaner die endgültigen Kandidaten aus der Liste derjenigen, die sich zur Wahl stellen?
Früher kamen die Parteimitglieder im Senat und im
Repräsentantenhaus - den legislativen Körperschaften des Landes, die den Kongreß bilden - hinter
verschlossenen Türen zusammen, um die Auswahl zu
treffen. Da dieses System jedoch nach elitärem Denken
roch, wurde die Methode der nationalen Parteiversammlungen geschaffen.
Die erste dieser landesweiten Versammlungen einer
politschen Partei wurde 1831 abgehalten, und binnen
weniger Jahre folgten weitere. Parteikongresse lautstarke, farbenprächtige, alle vier Jahre stattfindende Zusammenkünfte - sind jetzt eine feste amerikanische Einrichtung. Delegierte kommen von überall her
in der Stadt zusammen, in der die Parteiversammlung
anberaumt wird, um über ihren Bannerträger zu entscheiden.

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�Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren mächtige
Politiker vor allem für die Wahl eines Kandidaten durch
Parteiversammlungen verantwortlich. Die Entscheidungen wurden in den berüchtigten "Hinterzimmern"
getroffen - Zimmer, in denen zigarren- und pfeifenrauchende Parteibosse die Schlüsselfaktoren der endgültigen Entscheidung waren. Die Delegierten, die von
den Parteivorsitzenden gewählt wurden, stimmten
schlicht und einfach so, wie es ihnen vorgeschrieben
wurde.
Politische Reformbewegungen waren entscheidend
für die weitgehende Aushöhlung der Macht der Parteibosse und gestalteten den Prozeß der Auswahl eines
Kandidaten damit demokratischer. 1906 wurde Wisconsin der erste Staat, der ein Gesetz verabschiedete,
demzufolge die Delegierten der nationalen Parteikongresse per Volksabstimmung in einer besonderen Art
von Wahl - der sogenannten "Vorwahl" - gewählt
wurden.
Andere Staaten verabschiedeten bald ähnliche Gesetze, und so führt heute der Weg der Nominierung
über eine Reihe dieser Vorwahlen, die im Schnee und
Matsch des Februars beginnen und erst kurz vor dem
Termin des Parteikongresses in der Hitze des Hochsommers enden. Bei diesen im gesamten Bundesstaat stattfindenden Versammlungen stimmen Parteimitglieder für den Kandidaten ihrer Wahl. Das den
Vorwahlen und den Parteiversammlungen zugrundeliegende Prinzip ist das gleiche - demokratische Wahl
der Personen auf der Liste durch das Volk.
Die Kandidaten sondieren bereits kurz nach Neujahr
das Terrain bei Parteiversammlungen und Vorwahlen,
geben enorme Summen aus und unternehmen beachtliche Anstrengungen, um so viele Delegierte wie
möglich für ihr Lager zu gewinnen. Es ist eine mühselige Aufgabe: Sie durchkreuzen das Land Tag für Tag
und Woche für Woche und besuchen häufig drei oder
mehr Städte an einem einzigen Tag. Sie stehen im
Morgengrauen bei jedem Wetter vor Fabriktoren und
begrüßen die Arbeiter: ("Hallo, ich bin John Doe, ich
bewerbe mich um die Nominierung der
Partei. Ich
hoffe, Du hilfst mir dabei.") Sie gehen in Einkaufszentren und auf Bahnhöfe, in Versammlungshallen, Schulaulen und überall dorthin, wo sie ihren Beratern zufolge Wähler überzeugen können. Sie arbeiten 16 oder
mehr Stunden am Tag, essen im Stehen, schlafen,
wann immer sie können. Die Aufgabe ist so ermüdend,
daß 1968 selbst Robert F. Kennedy, der die demokratische Nominierung anstrebte, trotz körperlicher Höchstform auf der Hälfte der Strecke vor Erschöpfung zusammenbrach. (Kennedy wurde am 4. Juni erschossen, nachdem er die Vorwahlen in Kalifornien gewonnen hatte).
Das System der Auswahl der Delegierten ist verwirrend, weil die Bundesstaaten kein einheitliches Verfahren haben. Einige veranstalten Vorwahlen, bei

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denen eingetragene Wähler einer beliebigen Partei für
jeden Kandidaten stimmen können - selbst Delegierte,
die keinen bestimmten Bewerber unterstützen. Andere Bundesstaaten haben geschlossene Vorwahlen Wahlen, bei denen nur Wähler, die sich zuvor für eine
Partei eingeschrieben haben, das Recht zur Stimmabgabe besitzen.
Darüber hinaus werden bei einigen Vorwahlen proportionale Systeme verwendet, andere wenden jedoch
ein dem Wahlsieger die Hauptmasse der Sitze zuerkennendes Wahlsystem ("winner-take-all") an. Beim
ersteren werden die Delegierten entsprechend der
Anzahl der Stimmen gewählt, die jeder Kandidat gewinnt,
während beim letzteren alle Delegierten des Bundesstaats demjenigen zugeschlagen werden, der die
Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Einige Bundesstaaten halten sogenannte "Schönheitswettbewerbe" als Vorwahlen ab. Diese binden die Delegierten
nicht, unabhängig davon, wie gut der Kandidat abschneidet, sie registrieren jedoch den Willen des Wählers,
der bei den allgemeinen Wahlen in diesem Bundesstaat zum Tragen kommt.
Im weiteren Verlauf dieser Vorwahlen und Parteiversammlungen behalten die Kandidaten und ihre Anhänger zwei entscheidende Daten im Auge, an denen sich
die Zukunft abzeichnet.
Das eine Datum ist die Wahlversammlung in Iowa
Anfang Februar. Sie ist insofern auschlaggebend, weil
er die erste Machtprobe eines Kandidaten in einem
Bundesstaat ist. In diesem Jahr war sie für den 10.
Februar anberaumt. Der zweite wichtige Wegweiser
ist die acht Tage später stattfindende erste Vorwahl in
einem Bundesstaat - immer in New Hampshire - dem
an der Grenze zu Kanada gelegenen "Granitstaat" im
Nordosten der Vereinigten Staaten.
Kandidaten, die hier schlecht abschneiden, überlegen
sich jetzt die Fortsetzung ihres Vorhabens noch einmal, und viele scheiden aus. Im Jahr 1968 zum
Beispiel demütigte Senator Eugene McCarthy aus
Minnesota überraschend Präsident Lyndon Johnson,
indem er einen großen Stimmenanteil errang. Ende
März verkündete Johnson dann, er werde sich nicht
um die Wiederwahl bewerben. Sein schwaches Abschneiden im Schnee von New Hampshire war politischen Experten zufolge ein wichtiger Faktor für seinen
Entschluß.
Die harten Monate des Wahlkampfs in Vorwahlen und
Parteiversammlungen finden ihren Höhepunkt in den
großen Shows - den politischen Konventen. Die
Republikaner werden ihren Parteitag vom 17. - 20.
August in Houston (Texas), der Wahlheimat Präsident
Bushs und seiner Frau abhalten, während die Demokraten vom 13.-17. Juli in New York zusammentreten
werden.

AMERIKA DIENST 12

�Diese Versammlungen gehören sicherlich zu den farbigsten, um nicht zu sagen lautesten und schrillsten
Ereignissen, die in den Vereinigten Staaten stattfinden. Säle und Arenen, in denen sie veranstaltet
werden, gehen unter im Rot, Weiß und Blau amerikanischer Flaggen, Fahnen und Ballons. Die Delegierten
tragen Armbinden und Hüte mit den Namen ihrer Favoriten. Die großen Fernsehsender übertragen live in
alle Welt. Nachrichtenagenturen und -magazine schicken ihre besten Journalisten, um ausführlich über den
Verlauf zu berichten. Aus diesem Grund haben alle
Amerikaner die Möglichkeit, ihre Demokratie bei einer
ihrer wichtigsten Aufgaben zu erleben - der Auswahl
ihrer ersten Politiker.
Die Konvente beginnen stets mit einer vom besten
Redner der Partei gehaltenen programmatischen Rede,
die bei den Delegierten Begeisterung für den folgenden langen Wahlkampf wecken soll. Nachdem das
Überprüfungskomitee die in den Vorwahlen und Parteiversammlungen gewählten Delegierten bestätigt und
ihnen Sitze zuweist, beginnt die eigentliche Arbeit.
Nach Wahl eines Vorsitzenden für die Dauer des
Konvents beginnt die Aussprache über die Plattform,
in der die Haltung der Partei zu innen- und außenpolitischen Themen zum Ausdruck kommt. Viele der
darin enthaltenen Leitlinien wurden bereits vorher
erarbeitet, aber häufig kommt es zu hitzigen Wortgefechten über einzelne Punkte oder Grundsätze, wenn
solch umstrittene Themen wie Bürgerrechte, Verteidigung und Wirtschaft zur Debatte stehen.
Der Beobachter kann die Richtung eines Konvents
ersehen, wenn er das schließlich verabschiedete
Programm studiert. Wenn die von einem bestimmten
Kandidaten unterstützten Themen vorherrschen , so
bestehen gute Chancen, daß er die Mehrzahl der
Delegierten kontrolliert.
Die Nominierung der Kandidaten für die Ämter des
Präsidenten und Vizepräsidenten findet immer am
dritten Tag statt. Nachdem der Name jedes Kandidaten zur Nominierung aufgerufen wurde, spielen nach
einem sorgfältig einstudierten Ritual Kapellen auf,
Delegierte brüllen, und Demonstrationsmärsche finden in der Arena statt. In früheren Jahren dauerten
diese Kundgebungen eine Stunde oder länger, aber
heute werden sie von den Parteien auf 15 Minuten
begrenzt.
Nach der Abstimmung und Nominierung des Kandidaten schweben von der Decke des Saales Tausende
von Ballons hinunter, und die Arena wird zum Tollhaus.
Führt schon die Nominierung des Kandidaten zu
Ovationen, so ist alles außer Rand und Band, wenn er
schließlich die Bühne betritt. Nur, indem er unaufhörlich mit seinem Hammer aufs Pult schlägt, kann der
Vorsitzende die Delegierten soweit beruhigen, daß sie
die Annahmerede hören können. Der Parteitag endet

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damit, daß der nominierte Kandidat, sein Vizepräsidentschaftskandidat und deren Frauen lachend und
winkend auf der Bühne stehen. Nun kann der eigentliche Wahlkampf beginnen.
Erneut reisen die Kandidaten durch das ganze Land
und erläutern dabei den Standpunkt ihrer Partei zu
wichtigen Themen. Sie konzentrieren sich dabei auf
die Staaten, die nach Meinung ihrer strategischen
Berater umkämpft sind, und sie verwenden weniger
kostbare Zeit und Geld auf diejenigen, in denen sie
warscheinlich nicht gewinnen können sowie die, in
denen ihnen der Sieg sicher scheint.
Bisweilen durchbrechen idealistische Kandidaten diese harten Spielregeln und treiben damit ihre Unterstützer fast zum Wahnsinn. So sprach Adlai Stevenson im
Wahlkampf gegen Präsident Dwight D. Eisenhowerim
Jahr 1956 einmal über eine Stunde lang angeregt mit
einer Handvoll Eisenbahnern. Er ignorierte Einwände,
er verschwende wertvolle Wahlkampfzeit.
In dem mit Haken und Ösen geführten Kampf der
amerikanischen Politik hatten auch Wahlkämpfe zeit
ihres Bestehens ihren Anteil an Verleumdungen, Verunglimpfungen und Beleidigungen. Der ehemalige
Direktor des Komitees für faire Wahlkampfpraktiken
(Fair Campaign Practices Committee), Bruce L. Felknor, verweist darauf, daß noch nicht einmal der Held
der Amerikanischen Revolution und erste Präsident
der Vereinigten Staaten, George Washington, gegen
Schlammschlachten immun war. Seine Gegner beschuldigten ihn, er strebe nach Errichtung einer Monarchie, eine ziemlich dumme Behauptung, da Washington noch nicht einmal Präsident werden wollte.
Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritte US-Präsident, Thomas Jefferson, wurde als "Mad
Tom", als Trinker und Feigling beschimpft. Abraham
Lincoln nannte man einen Affen, Ignoranten, Hanswurst, Dämon, Unhold, Mörder und Irren.
Die amerikanischen Medien, womit sämtliche gedruckten und elektronischen Mittel bezeichnet werden, über
die Informationen, Bildung und Unterhaltung vermittelt
wird, sind ein potenter jedoch nicht unbedingt entscheidender Faktor für das Ergebnis einer Präsidentschaftswahl.
Betrachten wir jeden Bereich für sich:
Die Presse: Sie beeinf lu ßt Wähler, indem sie Themen
gründlich und detailliert definiert und erklärt und bei
jedem die guten und schlechten Seiten erläutert. Nicht
weniger als Zehntausende von Tages- und Wochenzeitungen sowie Hunderte von wöchentlich und monatlich erscheinenden Magazinen und Illustrierten geben
der Wahlkampfberichterstattung breiten Raum.
Wichtige Tageszeitungen können Wähler durch ihre
Leitartikel, die von erfahrenen und angesehenen Journalisten verfaßten Kolumnen sowie die in ihrem Nach-

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�richtenteil abgedruckten Fakten beeinflussen. Dazu
gehören die New York Times, die Los Angeles
Times, die Washington Post, der Boston Globe und
die Constitution aus Atlanta (Georgia). Ihre Unterstützung, die für gewöhnlich am Vorabend der Wahl
bekanntgegeben wird, wird von beiden Parteien heiß
ersehnt.
Ebenso einflußreich sind die Nachrichtenmagazine,
etwa Time, Newsweek und U.S. News and World
Report. Auch Nachrichtenagenturen wie Associated
Press (AP) spielen eine entscheidende Rolle. Häufig
wird ein Kandidat mit seiner Pressekonferenz erst
beginnen, wenn er weiß, daß ein Vertreter von AP
anwesend ist, denn er kann sicher sein, daß der
Bericht des Reporters an unzählige Zeitungen geht,
die keine eigenen Korrespondenten dort haben.
Fernsehen: Das bei weitem wichtigste Medium, das
Jahr für Jahr mehr Zuschauer erreicht, ist der Fernseher zu Hause, einschließlich der Kabelsender.
Die Macht des Femsehens im Wahlkampf wurde zum
ersten Mal 1960 erkannt, als der junge, gut aussehende John F. Kennedy Richard M. Nixon in einem Kopfan-Kopf-Rennen besiegte. "Das Fernsehen liebte
Kennedy", schrieb der bekannte amerikanische Journalist David Halberstam. "Er und die Kamera waren für
einander geschaffen: er war der erste gro ße politische
Superstar." Halberstam stellte rundweg fest: "Ohne
das Fernsehen wäre er nie und nimmer zum Präsidenten gewählt worden." Theodore Sorensen, ein enger
Mitarbeiter und Redenschreiber Kennedys, stimmt
dem zu: "Ohne Fernsehen wäre John F. Kennedy nie
gewählt worden."
1984 gab der demokratische Kandidat Walter Mondale
zu, gegen den Republikaner Ronald Reagan verloren
zu haben, "weil ich mich nie mit dem Fernsehen
anfreunden konnte und das Fernsehen sich nie mit
mir". Reagan hingegen zog auf dem heimischen
Bildschirm alle Register, vermittelte totale Aufrichtigkeit und machte klugen Gebrauch von "klangvollen
Worten", kurzen, markanten Sätzen und Gags.
Die beiden wichtigsten Parteien heuern hochbezahlte
Experten an, die den Kandidaten vermitteln sollen, wie
man das Fernsehen am besten einsetzt. Diese Berater drillen die Matadoren in verschiedenen Techniken,
bringen ihnen bei, wie man Augenkontakt herstellt,
sich persönlich darstellt und seine Stimme kontrolliert.
Das Medium ist so mächtig, daß ein einziger Fehler die
Chancen eines Kandidaten zunichte machen kann.
1972 brach der Bewerber für die Nominierung der
Demokraten, Senator Edmund Muskie aus Maine,
weinend zusammen, als er auf den gegen ihn gerichteten Vorwurf des Rassismus und Verleumdungen
gegen seine Frau antwortete. Er wurde darauf weithin
wegen seines emotionalen Ausbruchs kritisiert, galt
als schwach und für das Präsidentenamt nicht geeignet, woraufhin er das Rennen aufgab.
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Die Parteien vergeben viel Geld an Werbeagenturen,
die ihnen Werbesendungen erarbeiten - kurze Spots,
die die Botschaften ihrer Kandidaten überzeugender
vermitteln. Diese werden von der Opposition als unfair
eingestuft, und unweigerlich bricht ein Krieg der Worte
aus, wenn jede Partei die andere der "Schläge unter
die Gürtellinie" bezichtigt. In den letzten Jahren war
kein Wahlkampf frei von diesen Spitzen. Die meisten
Amerikaner nehmen dies leicht und akzeptieren es als
Teil des politischen Spiels.
Die meisten Analysten sind überzeugt, daß die Macht
der Medien groß, aber bei einer Wahl nicht immer
entscheidend ist. Die Printmedien unterstützen beispielsweise oft liberale oder moderate Ideologien, die
Wähler entscheiden sich hingegen für konservative
Kandidaten. Oft werden die Bombardements der
Medien auch durch nationale Gegebenheiten wie eine
marode Wirtschaft oder einen unpopulären Krieg
kompensiert.
Bei den Wahlen 1992 werden die Meinungsforschungsinstitute noch aktiver sein als sonst, um die Ergebnisse
vorherzusagen. Umfragen sind nichts Neues. Bereits
1828 veranstaltete eine Zeitung aus Harrisburg in
Pennsylvania eine Leserumfrage im Nachbarstaat
Delaware und kam zu der korrekten Vorhersage, Andrew
Jackson würde John Quincy Adams besiegen.
In der Folgezeit waren einige Umfragen präzise, andere versagten jämmerlich bei der Vorhersage von Ergebnissen. Die katastrophalste wurde von einer
Publikation namens Literary Digest durchgeführt, die
1936 verkündete, der republikanische Gouverneur von
Kansas, Alfred M. Landon, würde Franklin D. Rocsevelt besiegen. Roosevelt gewann mit überwältigender
Mehrheit. Die Zeitschrift, die bald darauf in Konkurs
ging, hatte 10 Millionen Stimmzettel an Wähler verschickt, die einmal nach dem Telephonbuch ausgewählt worden waren und zum anderen danach, ob sie
Autobesitzer waren. Der Fehler bestand darin, daß
Roosevelts Anhänger ärmere Menschen waren, die
kein Telephon oder Auto besaßen.
1948 stellten sich die Meinungsforscher ein weiteres
Armutszeugnis aus, als sie vorhersagten, der Republikaner Thomas E. Dewey würde Präsident Harry S.
Truman besiegen. Sie hatten natürlich unrecht. Seither haben Marktforschungsexperten zuverlässigere
Wege konzipiert, um die öffentliche Meinung aus Stichprobenerhebungen - für gewöhnlich etwa 2.500 bis
5.000 Personen - zu ermitteln, und es hat keine größeren Fehler gegeben.
Aber die Vorhersage von Wahlergebnissen hat nur
begrenzten Wert. "Sie dient größtenteils der Befriedigung der Neugier," erklären zwei führende Politologen,
die Professoren Nelson W. Polsby und Aaron Wildavsky von der University of California in Berkeley. "Die
Vorhersage des Ergebnisses allein," schreiben sie in
ihrem Buch Presidential Electlons "sagt, auch wenn
sie ziemlich genau zutrifft, wenig darüber aus, wie das
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�Ergebnis zustande kam." Mit anderen Worten, Umfrageprognosen über Gewinner sagen uns, was geschehen wird oder geschehen könnte, aber nicht warum.
Von praktischerem Wert für Kandidaten sind die während
des Wahlkampfs durchgeführten Umfragen. Durch
diese erfahren die Parteispitzen, ob ihr Programm bei
älteren oder jüngeren Wählern, Männern oder Frauen,
Mitgliedern aller Einkommensgruppen oder anderen
Bevölkerungsschichten ankommt. Diese Information
hilft den Strategen bei Nachbesserungen ihrer Kampagne, Schwachstellen zu beheben.
Seit Jahren drängen eine Reihe von nationalen Organisationen Radiostationen und Fernsehsender, die
Bürger nicht mehr unmittelbar nach dem Urnengang
zu befragen. Auf der Basis von Stichproben an der
Ostküste können mit diesen "exit polls" die Gewinner
ermittelt werden, bevor die Wahllokale drei Stunden
später an der Westküste geschlossen werden. Wähler, die das Ergebnis verändern könnten, werden so
unter Umständen davon abgehalten zu wählen, weil
sie der Ansicht sind, das Spiel sei bereits entschieden.
1980 verkündete die National Broadcasting Company
(NBC) die Wahl von Ronald Reagan kaum 15 Minuten
nach Schlie ßung der Wahllokale an der Ostküste - die
Wähler an der Westküste hatten immer noch reichlich
Zeit zur Wahl, und in Hawaii war es erst Nachmittag.
Ist es fair, so die Kritiker, einen Sieger auszurufen,
bevor jeder Bürger die Chance hatte zu wählen?
Fernsehstationen wurden aufgefordert, ihre Befragung
der Wähler beim Verlassen der Wahllokale freiwillig
aufzugeben. Versprechen wurden abgegeben, aber
nicht eingehalten, die Umfragen werden fortgeführt,
weil die Sender wetteifern, als erste einen neuen
Präsidenten auszurufen. Ein langer Kampf in der
Gesetzgebung ist wahrscheinlich das einzige Mittel,
um diese Praktiken abzuschaffen.
Mit der Schließung der Wahllokale ist der Wahlprozeß
beendet - aber nicht endgültig. Es gibt noch einen
weiteren offiziellen Schritt.

Dazu muß man wissen, daß US-Präsidenten nicht
direkt vom Volk gewählt werden sondern mittels einer
indirekten Methode, in deren Mittelpunkt das Electoral
College (Wahlmännerausschuß) steht. Dies ist keine
Stätte akademischer Bildung, sondern das Gremium,
das die entscheidenden Stimmen abgibt.
Diese indirekte Methode der Wahl eines Kandidaten ist
in Artikel II, Abschnitt 1 der Verfassung der Vereinigten
Staaten vorgesehen. Trotz der Veränderungen, die
sich ergeben haben, weil das Land selbst gewachsen
ist und sich verändert hat, wird das Prinzip immer noch
getreu der Formulierung durch die Gründerväter angewandt.
Jeder Bundesstaat nennt eine Zahl von Wahlmännern,
die der Gesamtzahl seiner Senatoren und Repräsentanten im Kongreß entspricht. Der Kandidat, der die
meisten Wählerstimmen in einem Staat auf sich vereinigen kann, gewinnt alle Wahlmänner, der Verlierer
geht leer aus. Der Kandidat, der die meisten Wahlmännerstimmen erhält, gewinnt das Weiße Haus.
Am Montag nach der zweiten Dezemberwoche - das
Datum ist per Gesetz festgelegt - treffen sich die
Wahlmänner in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zur Wahl. Die Stimmzettel werden versiegelt und
dem Präsidenten des US-Senats (immer der Vizepräsident) sowie dem Leiter der allgemeinen Verwaltung
übersandt. Am 6. Januar des folgenden Jahres werden die Stimmzettel bei einer Sitzung beider Häuser
des Kongresses geöffnet und der neue Chef des
Wei ßen Hauses und sein Vizepräsident bekanntgegeben.
Zu diesem Zeitpunkt kennt sie die Welt bereits seit
Wochen, die Wahl und die Zeremonie sind reine Formalität. Darüber hinaus können die Wahlmänner nicht
nach Belieben wählen. Sie werden selbst von den
politischen Parteien gewählt und sind somit gefordert,
für den Kandidaten ihrer Partei zu stimmen. Durch den
Wahlmännerausschuß wird das Ergebnis jedoch offiziell.
Dazu ist ein langer Weg zurückgelegt und der Preis
gewonnen worden. Der demokratische Prozeß hat,
wie bereits seit 200 Jahren, wieder einmal funktioniert.

*

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�VII.

KORPS
25. März 1992

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt
STUTTGART - (AD) - Anläßlich der Verabschiedung des VII. Korps der amerikanischen Streitkräfte hat der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 18. März 1992 in Stuttgart
folgende Ansprache gehalten.

Ich fühle mich geehrt, heute aus Anlaß des Abzugs des
VII. Korps hier in Stuttgart sein zu können, einer Stadt,
in der das VII. Korps mehr als vierzig Jahre lang
beheimatet gewesen ist. In diesen vierzig Jahren hat
das VII. Korps eine einmalige Rolle gespielt, sowohl in
den Annalen der amerikanischen Streitkräfte als auch
in der internationalen Politik.
Das VII. Korps kam zu Kriegszeiten nach Europa. Bis
zu seinem Abzug hat es eine Basis für Sicherheit und
Frieden in der Region geschaffen und beachtliche
freundschaftliche Verbindungen zu deutschen Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern aufgebaut.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit unseren deutschen
Freunden und Gastgebern für die Gastfreundschaft,
die sie uns in all den Jahren entgegengebracht haben,
meinen großen Dankaussprechen. Meine Damen und
Herren, niemals in der Geschichte der Menschheit hat
eine Armee, die in einem Krieg in ein anderes Land
gekommen ist, solche tiefen und dauerhaften Freundschaften aufgebaut, wie dies zwischen unseren beiden
Völkern gelungen ist.
Gleichzeitig sind die hier in Deutschland stationierten
Amerikaner alle auch persönliche Repräsentanten der
Vereinigten Staaten gewesen. Indem sie die Werte
und Bestrebungen des amerikanischen Volkes gefördert haben, waren die, die hier im VII. Korps gedient
haben, in gewisser Weise genauso Botschafter der
Vereinigten Staaten in Deutschland wie ich selbst.
Dadurch, da ß die Angehörigen des VII. Korps mit dazu
beigetragen haben, den Frieden in Europa über vier
schwierige und manchmal gefährliche Jahrzehnte zu
sichern, haben sie einen direkten und substantiellen
Beitrag zur Beendigung des kalten Krieges geleistet.
Da das Korps jederzeit bereit stand, jegliche Bedro-

AMERIKA DIENST 12

hung der europäischen Sicherheit abzuwehren, ist den
Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten in der
Nachkriegszeit eine unvergleichliche Entwicklung zu
freien und wohlhabenden Gesellschaften ermöglicht
worden.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das VII. Korps
zu einem aktiven militärischen Einsatz herangezogen,
um einen Agressor aus einem friedlichen Nachbarland
zu vertreiben, das dieser zuvor skrupellos okkupiert
hatte. Die schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in den Nahen Osten war eine hervorragende, fast
unglaubliche logistische Leistung. Diese Verstärkung
der alliierten Truppen in der dortigen Region und der
Mut und die Fähigkeiten unserer Truppen während
ihres Einsatzes haben den Sieg bei der Operation
Wüstensturm möglich gemacht.
Lassen Sie mich an dieser Stelle unseren deutschen
Freunden nochmals meinen herzlichen Dank sagen,
ohne deren Unterstützung eine solch schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in die Golfregion
nicht möglich gewesen wäre. Und ich danke Ihnen
besonders für die mannigfaltige Hilfe, die die Familien
unserer am Golf kämpfenden Soldaten erfahren haben.
Der große Erfolg seiner Leistungen sowohl in Europa
wie auch in Südwestasien hat uns nun zu dem Punkt
geführt, wo das VII. Korps aus der Bundesrepublik
abgezogen werden kann. Während wir heute die
Erfolge des Korps feiern und gleichzeitig stolz darauf
sind, daß unsere Allianz zwischen nordamerikanischen und europäischen Staaten uns an die Schwelle
zu einem vereinigten und demokratischen Europa
geführt hat, sind wir uns auch dessen bewußt, daß wir
immer noch in einer Welt leben, die Wachsamkeit von
allen freiheitsliebenden Völkern erfordert. Was Europa betrifft, so steckt der Übergang zur Demokratie in

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�der früheren Sowjetunion und in Ost- und Mitteleuropa
noch in den Anfängen, und unsere Allianz bietet in
dieser Situation Stabilität in einer immer noch unsicheren Zeit.
Als Teil einer veränderten Allianz werden die Vereinigten Staaten eine europäische Macht bleiben. Und wir
werden eine bedeutsame Zahl gut ausgebildeterTruppen in Europa und Deutschland belassen, solange
unsere Alliierten dies wünschen.
Abschließend möchte ich mich kurz an die Männer und
Frauen des VII. Korps wenden. Ein Abschied ruft
immer gemischte Gefühle hervor, und diese Zeremonie findet in einer schwierigen Übergangszeit für unsere Soldaten und die amerikanischen Streitkräfte statt.
Vor etwa 20 Jahren war ich selbst an einer ähnlichen
Feier beteiligt. Ich war damals Mitglied der 173.
Luftlandebrigade, als deren Fahnen eingeholt und ihre
Einheiten Teil der 101. Luftlandedivision in Fort Campbell wurden.

Wir waren erst wenige Monate zuvor aus Vietnam
heimgekehrt. Wir waren stolz auf unseren Dienst,
stolz auf unsere Brigade und stolz auf unsere Rolle in
einem bitteren und umstrittenen Krieg. Nach dem
Vietnamkrieg machten die amerikanischen Streitkräfte eine schwierige und mühsame Umwandlung von
einer Wehrpflichtigen- zu einer Freiwilligenarmee durch.
Aus dieser Übergangsperiode ging eine professionelle, engagierte Organisation hervor, die heute als größte Friedenskraft auf der Welt anerkannt wird.
Wenn Sie also jetzt nach Amerika heimkehren, vergessen Sie niemals, daß die Grundlage einer sichereren Welt von Ihnen und Ihren Vorgängern in diesem
Korps gelegt wurde. Während Sie Ihren Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern "Auf Wiedersehen" sagen, können Sie stolz darauf sein, daß Sie
auf beruflicher und persönlicher Ebene ein dauerhaftes Vermächtnis der Partnerschaft zwischen unseren
beiden Ländern hinterlassen. Ich danken Ihnen, und
das amerikanische Volk dankt Ihnen. Ich wünsche
Ihnen alles Gute.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 12

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