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U.S. Information Service
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NACC

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11. März 1992

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NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim
Nordatlantischen Kooperationsrat

USA-EUROPA

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem
Streitkräfteausschu ß

GUS-WISSENSCHAFTLER

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in
falsche Hände geben

VSBM

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca

WAHLEN '92

GESETZE FORDERN FAIREN WETTBEWERB
BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel,
Ausgabenüberwachung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NACC
11. März 1992

NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Am 10. März 1992 forcierte Außenminister Baker alle neuen Mitglieder des Nordatlantischen
Kooperationsrats (North Atlantic Cooperation Council - NACC) auf, "baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten
dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einzuhalten".
In seiner Rede beim NACC-Ministertreffen in Brüssel hieß Baker die neuen Staaten der früheren Sowjetunion
im Kooperationsrat willkommen. Georgien ist die einzige ehemalige Sowjetrepublik, der keine Mitgliedschaft
gewährt wurde.
Baker verwies darauf, die Anwesenheit der neuen Mitglieder "erweitert zwar unseren Horizont, aber unsere Ziele
bleiben unverändert: Vertrauen und konkrete Kooperation unter uns zu schaffen, mit denen sich eine euroatlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt".
Zu den Krisen in Jugoslawien und Nagorny-Karabach erklärte Baker, sie betonten die Notwendigkeit, daß die
NATO- und NACC-Mitglieder überlegen, wie die beiden Organisationen "zur Vermeidung und zum Abbau des
Risikos künftiger Konflikte in Europa beitragen können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.
Vor nur sechs Monaten, als die Einrichtung dieses
Rats erstmals vorgeschlagen wurde, hat niemand von
uns geahnt, daß wir heute in einer Gruppe von 35
Ländern zusammenkommen würden, entschlossen,
die Teilungen der Vergangenheit zu heilen und eine
neue Zukunft aufzubauen. Heute begrüßen wir die
neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion im NACC.
ihre Anwesenheit erweitert zwar unseren Horizont,
aber unsere Ziele bleiben unverändert: Vertrauen und
konkrete Zusammenarbeit unter uns zu schaffen, mit
denen sich eine euro-atlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt.
Seit Generationen, ja seit Jahrhunderten, standen
einige der 16 NATO-Verbündeten in ständigem Wettstreit miteinander, der in Konflikte, Kriege und Zerstörung ausartete. Die NATO hat dem ein Ende bereitet.
Jetzt müssen wir auf dieses Modell der Zusammenarbeit zurückgreifen, um sowohl alte als auch neue
Konflikte unter den Nachbarn im Osten zu schlichten.
Die Bedürfnisse der aufstrebenden Demokratien sind
zahlreich und vielfältig. Es gibt Raum für sich ergänzende Aktionen einer Reihe von Organisationen und
all unserer Regierungen. Durch den NACC werden die
NATO-Mitglieder ihr einzigartiges und erfolgreiches
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Know-how auf eine Weise teilen, die unseren Partnern
bei der Lösung von Problemen hilft, die für die Umgestaltung ihrer Gesellschaften und Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Rahmen der KSZE entscheidend sind.
In der Tat sollten Kooperationsrat und KSZE sich
gegenseitig verstärken. Anstatt uns in theoretischen
Debatten über vorherbestimmte institutionelle Rollen
zu ergehen, sollten wir eine pragmatische Haltung zur
Lösung der bestehenden Probleme einnehmen. So
wird der Sicherheitsdialog des NACC gemeinsam mit
der Zusammenarbeit bei der Verifizierung und Durchführung von Rüstungskontrollmaßnahmen die Effektivität des KSZE-Sicherheitsforums nach Helsinki fördern. Der Nordatlantische Kooperationsrat könnte
ferner KSZE-Bemühungen zur Verhinderung und
Bewältigung von Konflikten unterstützen.
Der von uns heute verabschiedete bescheidene Arbeitsplan ist nur ein Anfang. Wir müssen die Dynamik
beibehalten, um auf künftig sich entwickelnde Bedürfnisse zu reagieren. In den kommenden Monaten
sollten wir unsere Arbeit verstärken. Wir ermutigen die
Regierungen unserer neuen Partner sowie unsere
Verbündeten in der NATO, zusätzliche Vorhaben zu
entwickeln.

Seite 1

�Auf unserem weiteren Weg sollte die Reaktion der
NATO auf einzelne Liaison-Partner im Einklang mit
Tempo und Ausmaß von Demokratisierung, Wirtschaftsreformen, Demilitarisierung und der Erfüllung von
Verpflichtungen stehen, die im Hinblick auf Kernwaffen und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie der dazugehörigen Technologie
eingegangen wurden. Fortschritte bei der Verwirklichung demokratischer Ideale sollten für unsere Reaktion eine wichtige Meßlatte sein.
Die jüngsten Ereignisse unterstreichen für die NATO
und die Mitglieder des Kooperationsrats die Notwendigkeit zu überlegen, wie diese Institutionen effektiver
mit neuen Herausforderungen umgehen können.
Ich möchte einige davon erörtern.
Erstens können regelmäßige Konsultationen Vertrauen und Sicherheit in ganz Europa aufbauen. Unsere
hier bei der NATO in vielen Jahren gewonnenen Erfahrungen bestätigen dies. Erst unlängst hat die Arbeit
der High Level Working Group zur KSE spezielle für
den gesamten euro-atlantischen Raum gültige Vereinbarungen zur Ratifizierung des Vertrags hervorgebracht, der das Sicherheitsfundament eines neuen
Europas bilden wird. Jetzt müssen wir auch den Rest
des Weges zurücklegen - von der politischen Verpflichtung zur praktischen Realität -, damit der KSEVertrag bis zum Gipfel von Helsinki im Juli in Kraft
treten kann.
Im nuklearen Bereich haben wir seit Präsident Bushs
Initiative vom vergangenen September große Fortschritte gemacht. Jetzt ist es von entscheidender
Bedeutung, daß alle neuen Mitgliedstaaten dieses
Rats baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten dem
Nichtverbreitungsvertrag beitreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einhalten.
Zweitens müssen wir uns dem drängenden Problem
der Konversion der Rüstungsindustrie widmen. Bei
meinem jüngsten Besuch in Tscheljabinsk konnte ich
feststellen, wie immens und dringend die Aufgabe der
Rüstungskonversion nicht nur in physischer, sondern
auch in menschlicher Hinsicht ist. Die NATO kann bei
dem vielschichtigen Problem der Rüstungskonversion
einzigartiges Fachwissen einbringen. Wir sollten uns
erneut überlegen, ob der Nordatlantische Kooperationsrat diese Aufgabe besser unterstützen kann, indem
er eine Arbeitsgruppe zur Rüstungskonversion einsetzt, die sich auf spezielle Programme konzentriert,
die nach dem zur Zeit geplanten Seminar entwickelt
werden könnten.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Gründung des Internationalen Wissenschaftsund Technologiezentrums hinweisen. Das Zentrum
wird in der Rüstungsindustrie beschäftigten Wissenschaftlern und Ingenieuren Möglichkeiten eröffnen,
ihre Talente für nichtmilitärische Projekte einzusetzen,

Seite 2

und Anreize minimieren, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie anderer moderner Militärtechnik
führen könnten. Obwohl es sich hierbei nicht um eine
Initiative dieses Gremiums handelt, ist das Zentrum
ein Beispiel für die Vorteile gemeinsamer Maßnahmen
zur Lösung schwieriger Probleme.
Drittens müssen wir alle Wege sondieren, um den
Ausbruch ethnischer und regionaler Konflikte zu verhindern. Noch bevor das erste zarte Gras auf den
frischen Gräbern in Kroatien wachsen konnte, hören
wir von blutigen Fehden in Bosnien. Wir haben jedoch
die Chance, den Circulus vitiosus zu durchbrechen,
wenn wir einvernehmlich unsere diplomatischen und
anderen Ressourcen nutzen. Die NATO hat die Bestrebungen der KSZE-Berichterstattermission und der
Vereinten Nationen zur Entsendung von Friedenstruppen uneingeschränkt unterstützt. Das Bündnis hat alle
Parteien aufgefordert, im Rahmen der von der EG
geförderten Carrington-Kommission auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die Mitglieder des Bündnisses werden weiterhin enge Konsultationen mit der NATO über die Jugoslawien-Krise führen.
In Nagorny-Karabach haben die Vereinigten Staaten
die von der EG unterstützten andauernden Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in
diesem Konflikt ermutigt. Bei weiterer Gewaltanwendung wird es keine Sieger geben - weder in Armenien,
Aserbaidschan noch sonst irgendwo. Es ist nicht
ruhmreich, Witwen und Waisen den Aufbau der demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu überlassen, dem oberste Priorität eingeräumt
werden sollte. Die Parteien müssen jetzt ihre Anstrengungen zur Durchführung der Bestimmungen des
russisch-armenischen-aserbaidsnhanischen Kommuniques und der Entscheidungen des KSZE-Ausschusses hochrangiger Beamten vom 28. Februar verdoppeln. Zusätzliche Schritte von uns und seitens der
internationalen Staatengemeinschaft könnten als
Reaktion auf die Gewalt und deren Beendigung erforderlich sein.
Diese beiden Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit für die NATO und die Mitglieder des Nordatlantischen Kooperationsrats zu erwägen, wie diese beiden
Gremien zur Verhinderung und Minderung des Risikos
zukünftiger Konflikte in Europa beitragen können. Wir
müssen die von unseren niederländischen Kollegen im
Hinblick auf die Arbeitsteilung der Institutionen bei der
Friedenssicherung unterbreiteten konstruktiven Gedanken weiterverfolgen. Wir stimmen überein, daß
Infrastruktur, Ressourcen und operative Erfahrungen
der NATO gut geeignet sind, die Bestrebungen zur
Friedenssicherung zu unterstützen, die in Zukunft von
der KSZE oder den Vereinten Nationen sanktioniert
werden könnten. Darüber hinaus könnten die praktischen Formen der Zusammenarbeit, die die NATO mit

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�unseren Partnern im Nordatlatischen Kooperationsrat
bis hin zum Austausch auf Militärebene und dem
Treffen der Verteidigungsminister am 1. April entwickelt, die höchst wünschenswerte umfassendere Beteiligung an solchen Operationen erleichtern.
Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat kann die
NATO konkret Fachwissen und operative Erfahrungen

*

AMERIKA DIENST 10

*

zu verteidigungs- und sicherheitspolitischen Belangen beisteuern, die unseren Liaison-Partnern den
Übergang zu dauerhaften demokratischen Systemen
erleichtern werden. Durch Zusammenarbeit mit unseren neuen Partnern können wir ein erfolgreiches Programm des Nordatlantischen Kooperationsrats verwirklichen, das zur Sicherheit und Stabilität in der
ganzen euro-atlantischen Gemeinschaft beitragen wird.

*

*

Seite 3

�USA - E U R O P A
11. März 1992

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem Streitkräfteausschuß
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuß des Senats erklärte der Oberbefehlshaber
der US-Streitkräfte in Europa, General John R. Galvin, es liege voll und ganz im Interesse der Vereinigten
Staaten, sich weiterhin in Europa zu engagieren und dort Einfluß zu nehmen.
"Dazu benötigen wir (jedoch) eine leistungsfähige, glaubwürdige und einsatzfähige Streitmacht in Europa, die
für eine große Bandbreite von Missionen bereit steht," erklärte Galvin. "Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht verschwunden."
Galvin zufolge ist die NATO am besten in der Lage, auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren, die in
den nächsten Jahren auf Europa zukommen. "Unsere Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa," konstatiert Galvin.
Im Hinblick auf den Abbau der US-Streitkräfte in Europa verwies Galvin darauf, die Vereinigten Staaten hätten
am 30. Januar 182 Einrichtungen geschlossen. Ihm zufolge stellt dies einen Abbau um 13 Prozent des USEigentums in Europa dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir General Galvins Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder,
der Umfang und das Tempo der Veränderungen in der
politischen Landschaft Europas setzen sich in nie
dagewesenem Ausmaß fort. Die wichtigste jüngste
Veränderung ist die politische Umgestaltung der
Sowjetunion. Die überwältigende militärische Bedrohung der Sowjets gegenüber Europa ist verschwunden. An Stelle der früheren Sowjetunion sind zwölf
unabhängige Staaten getreten - einige mit Atomwaffen
-, die alle eine Lösung ihrer massiven politischen und
wirtschaftlichen Probleme anstreben. Trotz der Hilfe
anderer Länder besteht ein hohes Potential für Unruhen.
Das Verschwinden der sowjetischen Bedrohung ist
keine Garantie für Frieden und Stabilität in Europa.
Andere beunruhigende Kräfte sind in den Vordergrund
getreten. Regionale Spannungen bestehen weiterhin,
und sie haben sich in einigen Fällen - in Jugoslawien
und im Transkaukasus - zu offenen Konflikten ausgeweitet. Vielen dieser Konflikte auf dem Kontinent liegt
eine traditionelle Völkerfeindschaft zugrunde, und neue
Freiheiten infolge der Beseitigung totalitärer Regime
hauen a!tc F?&gt;ndschften Wiederaufflammen lassen.
Trotz der Vermittlung der Vereinigten Staaten bei den

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laufenden Friedensverhandlungen zwischen Israel und
seinen Nachbarn bleiben die Grundprobleme ungelöst. In den vergangenen zehn Jahren sind stärkere
fundamentalistische Tendenzen zu beobachten. Der
Drogenhandel, ein weltweites Problem, hat in Afrika
zugenommen, zum Teil infolge der stärkeren Überwachung und der verstärkten Unterbindung des Nachschubs in Süd- und Mittelamerika.
Die Welt im allgemeinen und Europa im besonderen
befinden sich in einem Zeitabschnitt grundlegenden
Wandels: dem Übergang vom Bekannten und Berechenbaren zum Unsicheren und Unberechenbaren.
Die Ereignisse der letzten drei Jahre hätten sich Anfang 1989 nicht vorhersagen lassen. Was 1995 bringen wird, ist schwer einzuschätzen. Es gibt weiterhin
Bedrohungen für US-Interessen, aber sie sind unklarer und vielfältiger. Unser Verständnis der neuen Situation basiert nicht auf einem Schlagwort, sondern
auf einem durchdachten Prozeß. Der Sicherheitsbedarf der Vereinigten Staaten hat eine neue und größere Dimension erhalten. Wir müssen mit einer unerwarteten Krise oder einem unerwarteten Krieg fertigwerden können. Unsere neue nationale Militärstrategie
wurde vor diesem Hintergrund konzipiert.

Seite 1

�In früheren Anhörungen dieses Jahres hat der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs vier Grundsätze der
amerikanischen Sicherheitsstrategie dargelegt: strategische Abschreckung, Vorneverteidigung, Reaktion
im Konflikt und Neuorganisation.
Aus meinem Blickwinkel als Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte in Europa ist die Vorneverteidigung der
US-Streitkräfte der Schlüssel fürunsere Strategie. Wir
haben nach wie vor vitales Interesse an Frieden,
Stabilität und Wohlstand in Europa. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben uns Konflikte und
Instabilität in Europa veranlaßt, Hunderttausende
amerikanischer Soldaten zu entsenden, damit sie in
zwei blutigen Kriegen für die Wiederherstellung des
Friedens kämpfen. In der Wirtschaft sind wir ein
wichtiger Handelspartner der Länder Europas und
verfügen 1991 über einen steigenden und umfangreichen Handelsüberschuß von etwa 17 Milliarden Dollar.
Ein Gro ßteil unserer Kultur und unseres Erbes stammt
aus Europa, und etwa 1,7 Millionen US-Bürger leben
und arbeiten dort. Kurzum: die Sicherheit Amerikas ist
von der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Stabilität in Europa nicht zu trennen.
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelten wir eine isolationistische Haltung und wandten uns von Europa
ab. Damit hinterließen wir eine instabile und potentiell
explosive Situation. Das Fehlen einer zusammenhaltenden Struktur oder eines entsprechenden Forums
zur Lösung nationaler Streitigkeiten zusammen mit
starkem politischen und wirtschaftlichem Nationalismus führten letztlich zum Krieg. Trotz einiger Widerstände kamen wir zurück, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Interessen zu schützen, aber zu
einem hohen Preis für die amerikanischen Bürger und
unsere Ressourcen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterließ dasselbe Potential für weitere Instabilität. Die militärische Macht und die zunehmenden
Ambitionen der Sowjetunion mit ihrer dominanten
Position in Osteuropa haben uns zum Bleiben veranlaßt und zur Bildung des Nordatlantischen Bündnisses
geführt. Unsere Präsenz der letzten 40 Jahre hat dazu
beigetragen, daß eine weitere sowjetische Expansion
verhindert wurde, und sie hat den westeuropäischen
Ländern ein Umfeld geschaffen, in dem sie gemeinsam wachsen und gedeihen konnten. Dieses durch
eine Vornepräsenz dokumentierte Engagement der
Vereinigten Staaten hat sich ausgezahlt. Die zweite
Hälfte dieses Jahrhunderts ist von Frieden und Stabilität gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen dem
Krieg in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und dem
Frieden in der zweiten kann zum großen Teil auf einen
wichtigen Faktor zurückgeführt werden... auf das
Engagement der Vereinigten Staaten, dokumentiert
durch die kontinuierliche Präsenz der US-Streitkräfte
in Europa.
Jetzt befinden wir uns in einer ähnlichen Situation nach
einem anderen Krieg. Der kalte Krieg ist vorbei, und
unsere früheren Gegner betrachten uns in ihren schwieSeite 2

rigen Zeiten als Freunde und Helfer. Obwohl sich viel
verändert hat, ist die Welt zu klein, unsere Wirtschaft
zu international, und unsere Ressourcen sind zu begrenzt, um sich aus Europa in eine "Festung Amerika"
zurückzuziehen. Die Geschichte zeigt eindeutig, daß
unsere militärische Präsenz einen stabilisierenden Effekt
auf Europa und darüber hinaus Vorteile für unsere Sicherheit hat. Unsere Verbündeten sind sicn dieser
Tatsache bewußt. Beim Gipfeltreffen in Rom im
November vergangenen Jahres sind sie übereingekommen: "die Präsenz nordamerikanischer konventioneller Streitkräfte und nuklearer Streitkräfte der
Vereinigten Staaten bleibt lebenswichtig für die Sicherheit Europas, die untrennbar mit der Sicherheit Nordamerikas verbunden ist". Seit über 43 Jahren ist unser
Engagement in der NATO der Stützpfeiler des Bündnisses.
Die NATO ist die erfolgreichste Sicherheitsorganisation der Geschichte. Die nordatlantische Solidarität
und die kollektive Verteidigung haben den kalten Krieg
erfolgreich beendet. Wir müssen jetzt die NATO aus
einem neuen und breiteren Blickwinkel betrachten.
Während die Westeuropäer die Sicherheitsimplikationen infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion in
den Griff bekommen, suchen die Osteuropäer nach
neuen Strukturen, an denen sie ihre Sicherheit verankern können. Die NATO verfügt über die Erfahrung,
Infrastruktur und die Mechanismen, um sich dem
veränderten Sicherheitsumfeld erfolgreich anzupassen. In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis
bei seinen Zusammenkünften in London, Kopenhagen
und Rom ein neues Strategisches Konzept entwickelt
und verabschiedet, um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das Konzept schlägt kleinere Streitkräfte vor, ferner
größere Mobilität, bestimmte Grade der Einsatzfähigkeit, multinationale Streitkräfte, Aufwuuliäfjotential,
militärische Kontakte mit früheren Gegnern und eine
Betonung des Krisenmanagements. Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat bietet die NATO den
Demokratien Osteuropas und den Ländern der früheren Sowjetunion ein Forum für ihre Sicherheitsprobleme. Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn und sogar
Rußland haben um ihre Aufnahme in die NATO gebeten. Diese Länder haben erkannt, daß die NATO die
beste Möglichkeit bietet, ihren Bedarf an Sicherheit zu
befriedigen und darüber hinaus die einzige Alternative
zu neuen nationalen Verteidigungsstrukturen ist.
Zusätzlich zu verstärktem Dialog und der Zusammenarbeit mit früheren Gegnern ist die NATO auch an
anderen Fronten aktiv.
In den vergangenen 20 Monaten sind Streitkräfte der
NATO-Länder unter der Schirmherrschaft von sechs
verschiedenen Organisationen mindestens achtmal
zum Einsatz gekommen. Im Golf krieg wurden Aufk'ärungsflugzeuge der NATO und Teile der mobilen Eingreiftruppe in die Türkei entsandt, während andere

AMERIKA DIENST 10

�NATO-Streitkräfte die Kommunikationswege am Mittelmeer sicherten. Marineeinheiten der NATO-Länder
wurden unter der Kontrolle der Westeuropäischen
Union eingesetzt. Streitkräfte von 15 NATO-Staaten
haben an der Operation Wüstensturm teilgenommen.
NATO-Länder einer anderen Koalition haben mit der
Operation Provide Comport auf die Leiden der Kurden
reagiert. Patriot-Raketen aus den NATO-Ländern
wurden nach Israel geschickt. Einige der NATO zugeteilte Streitkräfte haben Ausländer aus Zaire evakuiert,
manche NATO-Mitglieder haben unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Streitkräfte als
Beobachter nach Jugoslawien entsandt und werden
weitere Soldaten zu Friedensmissionen dorthin schikken. Heute werden die Möglichkeiten und die Infrastruktur der NATO bei der Aktion Hoffnung eingesetzt.
In jedem dieser Fälle wurde mit Hilfe von Streitkräften
reagiert, die der NATO zugeteilt waren - für ihre
Mission personell ausgestattet, ausgerüstet und ausgebildet von NATO-Ländern unter verschiedenen
Kommandos.
Die amerikanische Führungsrolle in der NATO basiert
auf der Präsenz unserer Streitkräfte in Europa. Die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Beeinflussung
von Ereignissen in Europa ergibt sich durch unser
sichtbares und kontinuierliches Engagement für das
Bündnis. Um dem Sicherheitsbedarf der Vereinigten
Staaten auf einem europäischen Gefechtsfeld Rechnung zu tragen, haben wir in Europa Basisstreitkräfte
entwickelt und damit dem neuen Sicherheitsumfeld
und der angespannten Finanzlage Rechnung getragr; i. Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die
unsichere Zukunft sind wir bestrebt, nicht zu schnell zu
weit zu gehen. Zusätzlich zu ihren militärischen Fähigkeiten demonstrieren die in Europa stationierten Basisstreitkräfte unseren Verbündeten in Europa, daß wir
bereit sind, weiterhin bei den europäischen SicherheitsentscJ-.cidungen eine Führungsrolle zu übernehmen. Folgende Streitkräfte wird es im Haushaltsjahr
1995 noch geben:
Eine erheblich geringere, aber glaubwürdige kriegsschauplatzgebundene nukleare Abschreckung.

Unterstützung für Einsätze im Mittelmeer;
unseren Betrag zur NATO-Luftverteidigung;
Eine Gruppe Flugzeugträger im Mittelmeer, die folgendes bietet:
Überlegenheit auf See;
Übertragung von Macht;
Kontrolle auf See.
Eine amphibische Einsatztruppe mit Marineinfanteristen, die auf dem gesamten Kriegsschauplatz im
Eventualfall einsatzbereit sind.
Zusätzlich zu diesen Streitkräften verfügen die Basisstreitkräfte in Europa über ausreichende Nachrichtendienste, Kommunikationseinrichtungen, Luftverteidigung und Logistik, einschließlich der damit zusammenhängenden Infrastruktur, um die Ankunft der
Verstärkungseinheiten aus den Vereinigten Staaten
oder die Stationierung von Einheiten außerhalb des
Bündnisgebietes zu unterstützen.
Diese Streitkräfte im Umfang von insgesamt 150.000
Soldaten (Heer: 92.200, Luftwaffe:44.800 und Marine:
13.000) sind um die Hälfte kleiner als unsere Streitkräfte vor zwei Jahren. Wir haben diese erheblich kleineren Streitkräfte konzipiert, um unser Engagement für
die NATO zu demonstrieren, regionale Stabilität zu
gewährleisten, einen Schutz gegen Unsicherheit zu
bieten sowie die Infrastruktur und logistische Unterstützung für die Verstärkung der Einsätze andernorts
aufrechtzuerhalten.
Sie werden in der Lage sein, jeglicher Bedrohung
unserer kriegsschauplatzgebundenen Interessen entgegenzutreten und verleihen den Vereinigten Staaten
eine Kampffähigkeit, die gegebenenfalls auch zur
Unterstützung strategischer Ziele andernorts eingesetzt werden kann. Eine solch vielseitige Streitmacht,
die auf Konflikte sämtlicher Intensitätsstufen reagieren
kann, ist darauf ausgerichtet, sich die Fähigkeiten
jeder Teilstreitkraft zunutze zu machen und die Fähigkeiten unserer Verbündeten in der NATO zu ergänzen.

Ein fähiges Heereskorps mit
der kleinsten Einheit, die zur Kampfführung
fähig ist,
dem niedrigsten Bereitschaftsgrad, um eine
optimale Luft-Boden-Schnittstelle zu erreichen,
einem Beitrag zu den multinationalen NATOStreitkräften.
Drei bis vier Jagdgeschwader, davon eines in der
Südregion: Diese Geschwader bieten:
ausreichende Streitkräfte für die Überlegenheit
in der L «ift und Luftunterstützung für Landstreitkräfte;

AMERIKA DIENST 10

Um diese erheblich kleinere europäische Streitmacht
aufrechtzuerhalten, wird eine wesentlich geringere
Zahl an Personal, Ausrüstung, Einrichtungen und finanziellen Mitteln erforderlich sein als im kalten Krieg.
Um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu
bewältigen, haben wir mehrere Schlüsselbereiche
ausgewählt, in denen unsere Resourcen konzentriert
werden sollten. Wir haben unsere Erfahrungen aus
dem kalten Krieg und der Operation Wüstensturm
genommen, diese mit dem Wissen um die knappen zur
Verfügung stehenden Mittel verbunden und eine Liste
von Prioritäten erstellt, die unserer Meinung nach
erforderlich sind, um unsere Planung zum Truppenabbau vollständig zu verwirklichen und gleichzeitig eine
glaubwürdige Kampftruppe in Europa zu bewahren.
Seite 3

�Unsere wichtigste Priorität im Hinblick auf die Mittelanforderungen des European Command gilt weiterhin
unserem Personal, das angemessene Wohn- und
Arbeitsbedingungen, eine Gemeinde, die ihre Grundbedürfnisse erfüllt, und eine vernünftige medizinische
Versorgung verdient. Im vergangenen Jahr haben
vom Kongreß beschlossene Einsparungen für den
Unterhalt von Liegenschaften, den Betrieb der europäischen Stützpunkte, Betrieb und Erhaltung (O&amp;M)
sowie Ortskräfte unsere Fähigkeit verringert, unsere
Truppen und deren Familien zu unterstützen und die
Kosten für Instandsetzung und Unterhalt unserer Einrichtungen erhöht.
Unsere zweite Priorität ist die Einsatzbereitschaft und
Ausbildung unserer bestehenden Streitkräfte. Das
breite Spektrum von Aufträgen, zu deren Ausführung
unsere künftige Streitmacht in der Lage sein müßte,
erfordert von uns die Stationierung kampfbereiter
Einheiten. Wir bemühen uns weiterhin um die Verfeinerung dessen, was ich als den "richtigen Mix" an
Ausbildungsaktivitäten bezeichne. Zu diesem Mix
gehören der Einsatz von Computersimulationen,
Manöver und Stabsrahmenübungen sowie Verbundmanöver der verschiedenen Teilstreitkräfte. Die Integration dieser unterschiedlichen Methoden gestattet
es uns, wichtige und unverzichtbare Ausbildungselemente zu geringeren Kosten und mit knapperen Mitteln
zu verwirklichen. Der Schlüssel zu Qualität und Realismus in der Ausbildung ist das "Warrior Preparation
Center". Als gemeinsame Einrichtung der Teilstreitkräfte erlaubt es uns die Durchführung der operativen
Ausbildung mittels realistischer Computersimulation
und verringert somit die Notwendigkeit von Großmanövern.
Meine dritte Priorität ist die Erhaltung unserer Investitionen in die amerikanische Infrastruktur in Europa.
Auch bei Abzug, Konsolidierung und Verlegung von
Einheiten sowie der Schließung von Stützpunkten
werden weiterhin Mittel für Instandhaltung sowie O&amp;M
benötigt. Auf verbleibenden Stützpunkten müssen
eine Reihe von Bauvorhaben vollendet werden. Unser
Antrag für dieses Jahr ist bescheiden: nur fünf Projekte in Gesamthöhe von 43 Millionen Dollar. Diese
Projekte in Grafenwöhr, Hohenfels, Rhein-Main und
Souda Bay sind erforderlich, um Lebens- und Umweltqualität auf diesen Stützpunkten aufrechtzuerhalten.
Wegen der Streichung des Infrastrukturprojekts Crotone untersucht die NATO eine Reihe von Alternativen,
um einen geeigneten Standort für die amerikanischen
Flugzeuge zu finden, der den Haushaltsengpässen
der Vereinigten Staaten und des Gastlandes Rechnung trägt. Wir werden mit der Prüfung dieser Optionen voraussichtlich im April beginnen, und die NATO
plant, dieses Thema beim nächsten Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses im Frühjahr erneut
aufzugreifen. Das NATO-Infrastrukturprogramm wurde
von Gast- und Benutzerstaaten gründlich überprüft,
um sicherzustellen, daß nur stichhaltige Vorhaben

Seite 4

finanziert werden. Der Haushaltsantrag des Verteidigungsministeriums in Höhe von 221,2 Millionen Dollar
für Infrastrukturvorhaben der NATO im Haushaltsjahr
1993 stellt das Mindestmaß für die Instandsetzung
bestehender NATO-Einrichtungen, Projekte der nuklearen Sicherheit sowie die Nutzung vorfinanzierter
Projekte dar.
Strategische Mobilität ist meine vierte Priorität. Unsere Streitkräfte müssen einsatz- und reaktionsfähig sein,
und dies gilt insbesondere angesichts der Reduzierung unserer Vornepräsenz. Die Fähigkeit zur Verlegung von Kampftruppen in jede Region wird auch in
den kommenden Jahren eine strategische Priorität
sein. Die Operationen in Südwestasien haben gezeigt,
daß der erste Teil der Mobilitätsgleichung in Stationierungs- und Überflugrechten bei befreundeten Nationen besteht. Unsere Fähigkeit zur Stationierung von
Truppen in vielen Teilen der Welt hängt von unseren
Verbündeten ab. Für den Rest der Gleichung benötigen wir für die Projektion amerikanischer Machtmittel
ausreichende Luft-und Seetransportkräfte im Verbund mit land- und seegestützter vorgelagerter Ausrüstung. Die Kombination aus Unterstützung durch die
Verbündeten, strategischer Luftbrücke und voreingelagertem Gerät hat es uns erlaubt, die für den erfolgreichen Verlauf der Mission enscheidende Kampfkraft
herzustellen. Die ungewisse Zukunft wird uns zwingen, dasselbe Niveau an strategischer Flexibilität
aufrechtzuerhalten.
Meine fünfte Priorität ist die selektive Modernisierung.
Die Kommandeure der Kampftruppen benötigen Systeme, die den besten Mix von Mobilität, Führung,
Feuerkraft und Kommunikation gewährleisten. Eine
kluge Auswahl zur Verfügung stehender und hochmoderner Systeme gewährleistet die größtmögliche
Kampffähigkeit. Der Schlüssel zum Erfolg auf dem
modernen und künftigen Gefechtsfeld isi Jiw Fähigkeit
der Kommandeure, gegnerische Kräfte zu orten, identifizieren, auszumanövrieren und an Feuerkraft zu
übertreffen. Einige dieser Systeme, die ihren Wert im
Golfkrieg bewiesen haben, sind das gemeinsame
Aufklärungs/Zielangriffsradarsystem (Joint Surveillance/Target Attack Radar System), moderne Mehrzweckkampfflugzeuge und -hubschrauber, moderne Mehrzweckmarineeinheiten und moderne amphibische Kräfte.
Schließlich bitte ich um Ihre Unterstützung für die
Militärhilfeprogramme, insbesondere in Afrika. Die
etablierten und aufstrebenden Demokratien bedürfen
der Unterstützung. Sie sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter soziale, wirtschaftliche und Umweltprobleme, die durch Armut, AIDS,
Dürre und Hungersnöte noch komplizierter werden.
Wir können ihnen mit Programmen wie dem African
Regional Military Assistance Program helfen, das eine
Anzahl von Leistungen zum staatlichen Aufbau bereitstellt. Eine kleine Investition heute wirH !n den kommenden Jahren erhebliche Dividenden einbringen.

AMERIKA DIENST 10

�Die nächsten Jahre werden unsere Fähigkeit auf die
Probe stellen, bisher unbekannten Herausforderungen zu begegnen. In den vergangenen 24 Monaten
haben wir über 40 krisenhafte Vorgänge erlebt und auf
30 reagiert, indem wir irgendeine Dimension unserer
vorne stationierten Militärmacht eingesetzt haben. Die
Reaktionen erstreckten sich über das gesamte Spektrum militärischer Aktivitäten: humanitäre Hilfe für den
Nordirak über die Türkei, Evakuierungsoperationen in
Liberia und Zaire und Kampfoperationen in Südwestasien. In Europa stationierte Patriot-Flugabwehreinheiten wurden nach Saudi-Arabien und Israel verlegt,
und Streitkräfte des European Command sind weiterhin aktiv an der Operation Provide Comfort beteiligt
und unterstützen heute die Aktion Hoffnung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Im vergangenen Jahr haben wir unsere europäische
Streitkräftestruktur weiter gestrafft. Obwohl der Golfkrieg den Schwerpunkt unserer Bemühungen zeitweise verlagerte, hat sich die Intensität nicht verändert.
Wir haben das VII. Korps vom Golf nur zurückgeführt,
damit Tausende von Soldaten und deren Familienangehörige ihre Sachen packen und in die Vereinigten
Staaten zurückkehren konnten. Wir haben den Truppenabbau dort forgesetzt, wo wir stehengeblieben
waren, und haben in einigen Fällen das Tempo sogar
beschleunigt. In den vergangenen zwei Jahren haben
wir über 230.000 Soldaten, Zivilisten und Familienangehörige aus Europa in die Vereinigten Staaten zurückgeführt, während wir über 90.000 Soldaten nach
Südwestasien verlegten. Wir haben ferner erhebliche
Fortschritte bei der Reduzierung unserer europäischen
Stützpunkte gemacht. Bis zum 30. Januar 1992 hatten
wir 182 Einrichtungen geschlossen und damit unseren
Bestand in Europa um 13 Prozent reduziert. Darüber
hinaus arbeiten wir unermüdlich an der Verwirklichung
der Kernwaffeninitiative des Präsidenten, indem wir
unsere landaestützten Kernwaffen abziehen und die
amerikanischen chemischen Waffen in Europa bereits
beseitigt haben.

Interessen berühren, und unseren Truppenabbau in
Europa fortzusetzen, erfordert ein Engagement seitens der Vereinigten Staaten. Wir müssen unsere
Streitkräftestruktur so planen, daß eine glaubwürdige
Abschreckung gewährleistet, regionale Stabilität gefördert und eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion auf
Krisen gesichert sind. Um unsere neue Strategie zu
verwirklichen, müssen wir weiterhin den Bedürfnissen
unseres Personals größte Aufmerksamkeit schenken
und ihm angemessene Wohn- und Arbeitsbedingungen, den besten Mix modernisierter Ausrüstung und
die realistischste Ausbildung geben, die wir entwickeln
können.
Das Ende des kalten Kriegs und die politische Umgestaltung der ehemaligen Sowjetunion stellen eine historische Zäsur dar, die uns eine enorme Chance zur
Entwicklung eines stabilen und dauerhaften Friedens
in Europa bietet. Zentrale Voraussetzung für die
Erlangung dieses Ziels ist das Prinzip der kollektiven
Sicherheit. Als Organisation mit über 40 Jahren der
Zusammenarbeit und Erfahrung ist die NATO in der
besten Position, um auf das breite Spektrum der
Herausforderungen zu reagieren, mit denen Europa in
den kommenden Jahren konfrontiert sein wird. Unsere
Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
beste Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Sicherheit und
Stabilität Europas mit unserer eigenen untrennbar
verbunden sind. Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht
verschwunden. Unsere Vomepräsenz in Europa schützt
die Vereinigten Staaten und amerikanische Interessen
und liefert ein Bindeglied, das uns die Möglichkeit gibt,
wichtige, unsere gemeinsame Verteidigung betreffende Entscheidungen zu beeinflussen. Es liegt in unserem besten Interesse, in den europäischen Angelegenheiten engagiert und einflußreich zu bleiben. Dazu
benötigen wir eine leistungsfähige, glaubwürdige und
einsatzfähige Streitmacht in Europa, die für eine gro ße
Bandbreite von Missionen bereit steht.

Das Problem der Ungewißheit in den Griff zu bekommen, auf Krisen zu reagieren, die unsere nationalen

*

AMERIKA DIENST 10

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*

Seite 5

�GUS-WISSENSCHAFTLER
11. M I R 1982

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in falsche Hände geben

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge
stehen die Vereinigten Staaten an vorderster Front bei
den Bemühungen, in Rußland ein internationales
Zentrum ins Leben zu rufen, das Nuklearwissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion dabei helfen soll,
Versuchungen zu widerstehen, ihr Wissen an Staaten
zu verkaufen, die nach dem Besitz von Kernwaffen
trachten.

Obwohl das internationale Zentrum in Rußland eingerichtetwürde, könnten laut Baker Wissenschaftler aus
allen GUS-Staaten dort arbeiten. Die von den Vereinigten Staaten zugesagten 25 Millionen Dollar würden
einem im vergangenen Jahr für die Unterstützung
sowjetischer nuklearer Abrüstungsbemühungen eingerichteten Sonderfonds des US-Verteidigungsministeriums von 400 Millionen Dollar entnommen.

Die Vereinigten Staaten haben zunächst 25 Millionen
Dollar für die Gründung dieses Zentrums angeboten.
Weitere Beiträge sind von Deutschland und Japan
zugesagt worden, so Baker am 3. März 1992 in einer
Frklärung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhausesfür Haushaltsfragen. Baker begründete
mit seiner Erklärung den Haushaltsantrag des USAußenministeriums für das Haushaltsjahr 1993.

"Es würde als Clearing-Stelle für Projekte dienen, die
von diesen Personen verwirklicht werden könnten und
sie auf interessante, befriedigende und geistig anregende Weise beschäftigen würden. Sie wären dann
nicht mehr versucht, ihr Know-how über Kernwaffen
auf dem schwarzen Markt anzubieten", stellte Baker
fest. Der amerikanische Privatsektor werde ermutigt,
"sich für dieses Zentrum zu engagieren, es zu unterstützen und sich daran zu beteiligen".

"Ich glaube nicht, daß es irgendeine Garantie dafür
gibt, daß «*«s "'cht geschehen wird", räumte der
Minister auf die Frage ein, ob die Gefahr einer Weitergabe kernwaffentechnischen Wissens an den instabilen Nahen Osten bestehe. "Wenn Sie sich anschauen,
wie diese Wissenschaftler bezahlt wurden, und welche
Summen ihnen für die Weitergabe ihre Wissens angeboten werden könnten... ist es schwer vorstellbar, jede
Abwanderung auszuschließen."
"Diese Personen haben uns jedoch ausdrücklich versichert, daß sie eigentlich nur eine interessante TätigI-Qit sowie die Möglichkeit suchen, ihr Wissen in einer
intellektuell anregenden Art und Weise und so anzuwenden, daß sie damit ihre Familie ernähren können",
erklärte Baker.
Der Außenminister war im Rahmen einer Reise durch
einige Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im vergangenen Monat in Tscheljabinsk,
einer ehemals streng geheimen atomaren Forschungseinrichtung der früheren Sowjetunion, mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zusammengetroffen.

AMERIKA DIENST 10

Das Wissenschaftszentrum wird diese Woche eines
der wichtigsten Themen der Erörterungen im Rahmen
eines Treffens des Nordatlantischen Kooperationsrats
in Brüssel sein. Baker nimmt als Leiter der amerikanischen Delegation an diesem Treffen teil, bei dem
Vertreter der NATO, des ehemaligen Warschauer
Pakts und der aus der früheren Sowjetunion hervorgegangenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zugegen sein werden.
Die Vereinigten Staaten haben mit den Führungen
einiger der neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bereits Gespräche über Probleme in
Zusammenhang mit Kernwaffen geführt, so über deren sichere Lagerung und Transport sowie die Konversion kernwaffentechnischen Materials, das bei Demontage und Zerstörung sowjetischer Kernwaffen
zurückbleibt. Baker war nicht sicher, ob das gesamte
Nuklearmaterial für friedliche Zwecke umgerüstet werden
kann, da es viel mehr waffenfähiges Material gebe als
in Kernreaktoren allein verwendet werden könne.

Seite 1

�"Wir sind bestrebt, insbesondere mit den Russen bei
der Entwicklung eines Buchführungs- und Kontrollsystems zusammenzuarbeiten, um über den Verbleib
des Materials in Rußland auf dem Laufenden zu bleiben", erklärte Baker und fügte hinzu: "Wir haben das
Problem auch mit einigen unserer Partner und Verbündeten in der NATO erörtert." Er wisse jedoch "bis heute
von keinen Bemühungen, dies im Rahmen irgendeines multilateralen Abkommens zu institutionalisieren".
In Beantwortung einer Frage erklärte der Außenminister, die letzte Woche abgeschlossene Aktion Hoffnung sende den neuen Staaten der früheren Sowjetunion "ein Signal der Hoffnung", daß "der Rest der Welt
und insbesondere die Vereinigten Staaten, ihnen helfen will". Die auf Initiative der Vereinigten Staaten
zustandegekommene Luftbrücke umfaßte 65 Einsätze mit einer großen Menge dringend benötigter Nahrungs- und Arzneimittel für alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien.

des Sicherheitsrats hat der Irak "die Resolutionen
gebrochen und wurde über die ernsthaften Konsequenzen einer kontinuierlichen Nichteinhaltung gewarnt", erklärte Baker und fügte hinzu, es "besteht
immer die Möglichkeit, gegebenenfalls das Inspektionsregime zu stärken". Er konstatierte, "es hat keine
Abnahme oder Auflösung der Entschlossenheit" der
Mitgliedstaaten stattgefunden, "eine vollständige Erfüllung" der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch
den Irak sehen zu wollen.

Naher Osten. Baker erklärte, die Vorteile eines erfolgreichen Friedensprozesses im Nahen Osten wären
nicht nur für die Länder in der Region, sondern auch für
viele Länder auf der ganzen Welt "von Bedeutung".
"Offen gesagt berührt uns die Tatsache, daß die
Parteien sich zum ersten Mal seit vierzig Jahren an
einem Tisch zusammensetzen und miteinander reden
und daß - zumindest bis jetzt - niemand die Verhandlungen verlassen hat," erklärte der Außenminister.
"Unserer Meinung nach fangen sie an, sich auf das
Baker erklärte anläßlich seines Besuches der Republi- Wesentliche zu konzentrieren... und wir hoffen, daß
ken Zentralasiens, "es vermittle den Menschen in einer dies anhält."
Region einen guten Eindruck, in der die Vereinigten
Staaten sich engagieren sollten und wo für uns wich- Kreditbürgschaften für Israel. Der Außenminister
tige Interessen auf dem Spiel stehen". Auf die Luft- bekräftigte, es liegt an der israelischen Regierung",
brücke müssen weitere Aktionen folgen, unter ande- die "volle Finanzierung" der Kreditbürgschaften für
rem Lieferungen von Getreide und weiteren Medika- Siedlungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar zu erhalmenten, die Baker zufolge in allen neuen Staaten ten. Letzte Woche erklärte Baker, die Regierung
"dringend benötigt werden". Baker erklärte femer, die werde die Gesamtforderung unterstützen, wenn Israel
Vereinigten Staaten würden mit ihren engen Verbün- alle Besiedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten
deten über die Fortführung der humanitären Hilfe in aufgibt. "Meiner Ansicht nach ist es nur vernünftig, daß
größerem Umfang sprechen.
die Vereinigten Staaten nicht direkt oder indirekt etwas
finanzieren wollen, das sie ablehnen", erklärte Baker.
Der Außenminister erörterte eine Reihe weiterer The- Alternativ würde die Regierung Kreditbürgschaften für
menkreise.
einen niedrigeren Betrag übernehmen, mit dem Israel
die im Januar 1992 noch andauernden Bauarbeiten
China. Baker bekräftigte, die Bush-Regierung sei abschließen könnte.
weiterhin dagegen, die Meistbegünstigungsklausel für
China vom Verhalten des Landes bei den Menschen- USIA und Stimme Amerikas. "Meines Erachtens
rechten und Chinas Einhaltung der Richtlinien des spielen sie nach wie vor eine wichtige Rolle bei der
Kontrollregimes für Raketentechnologie abhängig zu Durchführung unserer Außenpolitik", erklärte Baker.
machen. "Zwischen uns bestehen grundlegende "Wir messen der Stärkung des internationalen RundMeinungsverschiedenheiten im Hinblick darauf... wie funkwesens eine hohe Priorität bei und wollen die Botwir es schaffen, daß China tut, was wir wollen", erklärte schaften der Prinzipien und Werte - Demokratie und
Baker gegenüber der Kongreßabgeordneten Nancy Freiheit beispielsweise - verbreiten, an die wir glauben.
Pelosi. Baker fügte hinzu, die Vereinigten Staaten Auch angesichts all der Veränderungen, die stattgeseien "nicht zufrieden mit den Reaktionen" der chine- funden haben, sehe ich nicht, daß die Rolle unserer
sischen Behörden auf die Menschenrechtsfragen sowie Informationsdienste abnimmt. Sie werden neue Ziele
das Problem der Ausreisefreiheit und hätten sie auf definieren müssen. Das sollten sie tun. Zum Beispiel
diese Frage "noch einmal angesprochen".
liegt es jetzt verstärkt in unserem Interesse, unsere
Irak. Baker verwies darauf, der UN-Sicherheitsrat Botschaft in Zentralasien zu verbreiten. Wir sind
habe kürzlich energisch erklärt, "das Versagen des beispielsweise daran interessiert, bis ins kommunistiIraks bei der Offenlegung aller Aspekte seiner Waffen- sche Asien vorzudringen", erklärte der Au ßenminister.
programme und bei der Zerstörung einiger Geräte zur Die Forderung für das Haushaltsjahr 1993 beläuft sich
Herstellung von Raketen" untersuchen und verurteilen auf 1,14 Millionen Dollar für das US-Informationsamt
zu wollen, wie es im Rahmen des Waffenstillstands für und 220 Millionen Dollar für den Internationalen Rundden Persischen Golf vereinbart wurde. Nach Ansicht funkrat.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Schließung von Vertretungen. Baker erklärte, das
Avtenministeriuni möchte einige diplomatische Vertretungen schließen, verwies aber darauf, entsprechende Vorschläge in cer Vergangenheit seien immer
am Widerstand des Kongresses gescheitert. "Wir
stehen gegenwärtig in engen Konsultationen mit dem

Kongreß über die Schließung von Konsulaten in Porto,
Antwerpen und Lyon und erwägen die Möglichkeit der
Schließung auch in Genua und Amsterdam", erklärte
Baker. Darüber hinaus möchte das Au ßenministerium
einen Abbau bei anderen Vertretungen vornehmen,
die er nicht im einzelnen nannte.
* *

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�VSBM
11. März 1992

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca
WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Leiter der US-Delegation bei den Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John J. Maresca, am 4. März 1992 in
Wien gegebene Pressekonferenz im Wortlaut.

Botschafter Maresca: Ich danke Ihnen, daß Sie so
zahlreich erschienen sind. Ich hielt dies für eine gute
Gelegenheit, Sie wieder auf den neuesten Stand unserer
Aktivitäten zu bringen und werde heute morgen auf
verschiedene Aspekte unserer Arbeit eingehen. Der
eine sind die VSBM-Verhandlungen, der zweite die
kontinuierliche Arbeit an dem neuen, nach Helsinki ins
Leben gerufenen Sicherheitsforum, der dritte Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums (CPC) einschließlich der heute nachmittag beginnenden, und dann
möchte ich kurz die vom Komitee hochrangiger Beamter in Prag Ende letzter Woche im Hinblick auf Nagorny-Karabach entschiedene Vorgehensweise erörtern.
Ebenfalls anwesend ist Brigadegeneral Burt Davitte,
unser militärischer Vertreter bei diesen Verhandlungen, falls technische Fragen bezüglich des VSBMDokuments auftauchen sollten.
Ich möchte zunächst mit dem VSBM-Dokument beginnen, das im Augenblick verabschiedet wird. Ich denke,
man wird in Kürze eine Einigung erzielen. Wir befassen uns wie gewöhnlich mit den in letzter Minute
vorgenommenen unterschiedlichen Interpretationen,
und wenn wir das hinter uns gebracht haben, wird das
Dokument verabschiedet. Wahrscheinlich haben Sie
bereits Informationen hierüber erhalten. Das Dokument selbst wird Ihnen später zur Verfügung gestellt.
Ich möchte einige Aspekte dieses neuen VSBM-Dokurppnts hervorheben, die von Interesse sind.
Zunächst ein paar Anmerkungen über das Klima, oder
wenn Sie so wollen, Beweise dafür, wie sehr sich die
Dinge verändert haben. Heute morgen führt Litauen
den Vorsitz über die abschließende Plenarsitzung, und
das zur Abstimmung vorgelegte Papier wurde von
Polen unterbreitet. Wie die meisten von Ihnen wissen,
die diese Verhandlungen in der Vergangenheit verfolgt
haben, war Polen bisher ein neutraler Koordinator, der
die Rolle ub«i nommen hat, das Schlußdokument vorzulegen. In diesem Fall wurde die abschließende
AMERIKA DIENST 10

Arbeit von Polen vorgenommen, und zusammen mit
dem Vorsitz Litauens belegt dies meines Erachtens,
wie sehr sich die Lage bei der KSZE gewandelt hat. Sie
werden im weiteren Verlauf meiner Ausführungen
zusätzliche Beispiele hierfür erhalten.
Dem VSBM-Dokument wurden eine Reihe neuer Elemente hinzugefügt. Das Dokument selbst umfaßt all
die bisher im VSBM-Prozeß vereinbarten Aspekte
zusammen mit den neuen Elementen, die seit der
Unterzeichnung des letzten VSBM-Dokuments hinzugefügt wurden. Ich werde sie kurz erwähnen.
Erstens natürlich die erweiterte Mitgliedschaft. Die
Mitgliederzahl beträgt jetzt 48, und dies wurde als
erstes im Dokument festgehalten. In den Anhängen
finden sich ferner Sprachregelungen über die Anwendung von VSBM auf das Territorium der neuen Mitgliedstaaten.
Im Hinblick auf die neuen Maßnahmen selbst wurden
Vorkehrungen für einen relativ umfassenden Austausch technischer Daten einschließlich Photographien neuer wichtiger Waffensysteme getroffen, die in
Zukunft eingeführt werden. Die Absätze 12 und 13
befassen sich mit diesem Thema, und Sie können dies
im Dokument nachlesen, sobald Sie es erhalten haben.
Zweitens sind in Absatz 35 Verfügungen enthalten,
daß die neuen Waffenssysteme bei der ersten Gelegenheit nach ihrer Einführung demonstriert werden.
Drittens enthält das Dokument die Bestimmung zur
Berichterstattung über Einheiten, die vorübergehend
auf bestimmten Niveaus aktiviert werden. Zum ersten
Mal ist so etwas enthalten. Hierbei handelt es sich um
den Versuch, ein Problem anzugehen, mit dem sich
die militärischen Planer seit einiger Zeit im Hinbilck auf
den Streitkräfteaufwuchs befassen. Absatz 11 behandelt diesen Aspekt.
Seite 1

�Die nächste Verfügung ist auch für Laien interessant.
Sie hat den Titel "Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen". Wie Sie wissen, gibt es bereits eine Bestimmung
über ungewöhnliche militärische Aktivitäten. Diese
Maßnahme über Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen, ist ein Zusatz zu ungewöhnlichen militärischen
Aktivitäten. Der zugrundeliegende Gedanke ist, daß
ein Land Vertreter anderer Staaten zum Besuch eines
Gebiets einladen kann, das Besorgnis auslöst, um sich
selbst zu vergewissern, ob es Anlaß zu solcher Besorgnis gibt. Wenn Sie sich im einzelnen damit befassen wollen, finden Sie diese Bestimmungen in Absatz
19.
Soweit ich weiß, wurden zum ersten Mal echte VSBMBeschränkungen bei Aktivitäten von Landstreitkräften
vorgenommen. Dies ist ein kompliziertes Thema. Ich
möchte Sie nicht in alle Details einweihen - Sie können
es selbst nachlesen. Praktisch bedeutet es jedoch,
daß nur noch eine Übung großen Umfangs - 40.000
Soldaten oder 900 Panzer - alle zwei Jahre abgehalten
werden darf. In Absatz 71 sind die Einzelheiten
enthalten, und dies ist das erste Mal, daß tatsächlich
eine Begrenzung der Art von Aktivitäten vorgenommen wurde, die durchgeführt werden können.
Um die letzte dieser neuen Maßnahmen zu erwähnen
- es gibt eine Bestimmung, daß Inspektionen, die im
Rahmen des letzten VSBM-Dokuments bereits möglich waren, durch multinationale Inspektionsteams
durchgeführt werden können. Wenn ein Land die
Durchführung einer Inspektion entscheidet, kann es
andere Länder zur Teilnahme an dieser Inspektion
einladen. Eine solche Verfügung ist zum ersten Mal
enthalten und findet sich in Absatz 96.
Dies sind die wesentlichen neuen Bestimmungen, auf
die ich Ihr Augenmerk lenken wollte. Dies wird natürlich die letzte Sitzung der VSBM-Verhandlungen sein.
Die Verhandlungen wurden in Stockholm aufgenommen und haben bisher einschließlich diesem drei
Dokumente hervorgebracht. Ich denke, Sie wissen
über den Verhandlungsverlauf Bescheid. Ich möchte
jedoch hinzufügen, daß das VSBM-Konzept - das
Konzept der Vertrauensbildung - nicht mit diesen
Verhandlungen endet. Parallel dazu arbeiten wir hart
an der Vereinbarungen für ein neues Sicherheitsforum
- um die verwendete Sprachregelung zu benutzen -,
das nach dem Folgetreffen in Helsinki gegründet werden
soll. Man geht wohl im großen und ganzen davon aus,
daß es hier abgehalten werden und den Rahmen für
die Fortsetzung der Gespräche und Verhandlungen
über eine Reihe von Bereichen der Sicherheit einschließlich diesem Konzept der Vertrauensbildung bieten
soll. Wir erwarten also die Fortsetzung des VSBMKonzepts in diesen neuen Verhandlungen. Die Vereinbarungen für dieses neue Forum werden hier bis zum
Beginn des Nachfolgetreffens in Helsinki erörtert, und
alle dazu getroffenen Beschlüsse werden an das Treffen in Helsinki weitergeleitet und gegebenenfalls in

Seito 2

Helsinki weiterverfolgt, so daß das Forum sobald wie
möglich nach dem Treffen in Helsinki eröffnet werden
kann.
Im Hinblick auf die Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums möchte ich nur zwei Aspekte erwähnen. Als
ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, erwähnte ich die
Planungen zu zwei sogenannten Miniseminaren. Das
erste wurde vor einigen Wochen in Bratislava über die
Konversion der Verteidigungsindustrie auf zivile Produktion abgehalten. Unseres Erachtens war es sehr
erfolgreich. Da es sich vom Charakter her um ein
Seminar handelte, zielte es nicht auf vereinbarte Ergebnisse ab. Wir hatten jedoch das Gefühl, daß der
Austausch von Erfahrungen und Ansichten außerordentlich erfolgreich war. Dieses Thema wird zweifelsohne in diesem Forum und andernorts weiter erörtert
werden.
Heute nachmittag beginnen wir unser zweites Miniseminar unter der Schirmherrschaft des Konfliktverhütungszentrums. Es befaßt sich mit der Rolle der
Streitkräfte in einer demokratischen Gesellschaft. Dies
wurde von Polen als mögliches Diskussionsthema
vorgeschlagen. Das letzte Thema wurde von der
Tschechoslowakei eingebracht. Unseres Erachtens
waren diese beiden Themen sehr wichtig für die Weiterentwicklung des heute nachmittag stattfindenden
Seminars. Ich erwarte, daß die Gespräche sich darauf
konzentrieren werden, wie militärische Organisationen von zivilen Regierungen in einem demokratischen
Land und damit einhergehenden Aspekten kontrolliert
werden können. Es gibt eine Tagesordnung, und wenn
Sie Interesse daran haben, kann ich die einzelnen
Punkte der Tagesordnung mit Ihnen durchgehen.
Grundsätzlich ist jedoch dies das Thema und wird es
wohl im weiteren Verlauf der Woche bleiben - heute
nachmittag, den ganzen Donnerstag und Freitag.
Zahlreiche Delegationen haben Experten und Sprecherentsandt, die über Erfahrungen in diesem Bereich
verfügen und speziell für dieses Seminar hier sind - uns
inbegriffen. Die Gespräche finden vorwiegend zwischen Menschen statt, die sich direkt mit diesen Themen befassen und diesbezügliche Erfahrungen gesammelt haben.
Schließlich möchte ich Ihnen noch über das Treffen
des Ausschusses ranghoher Beamter in Prag in der
vergangenen Woche berichten. Natürlich wurde die
Presse dort schon informiert, aber ich glaube, daß es
auch für Sie hier von Interesse ist. Deshalb haben wir
in diesem Raum zwei Dokumente für Sie ausgelegt.
Das eine ist der Bericht des Sonderberichterstatters,
der von der KSZE nach Nagorny-Karabach entsandt
wurde, das andere ist das Entscheidungspapier des
Ausschusses ranghoher Beamter im Hinblick auf diesen Bericht. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen
einige Punkte dieses Entscheidungspapiers erläutern,
da sie meines Erachtens nicht nur im Hinblick auf die
Lage in Nagorny-Karabach, sondern auch als Demon-

AMERIKA DIENST 10

�stration dessen interessant sind, wie die KSZE heutzutage kontinuierlich danach strebt, eine positive Rolle
bei diesen fortschreitenden Entwicklungen zu spielen
und auf diese Art von Krisen einzugehen. Sicherlich
haben wir im vergangenen Sommer bereits einschlägige Erfahrungen in Jugoslawien gesammelt. Wir
haben dabei gewiß einige Lektionen gelernt. Einige
derselben Ideen finden sich auch hier wieder und
werden auf verschiedene Art und Weise weiterentwikkelt.
Ich möchte hier nur einige Dinge erwähnen. Im zweiten Absatz wird von der KSZE das Waffenstillstandsabkommen unterstützt, das unter der Führung Rußlands und Kasachstans zustandegekommen ist. Das
war eine ganz normale Vorgehensweise, da jener
Waffenstillstand unlängst vereinbart worden war, obwohl
ich einräumen muß, daß er nicht eingehalten wurde.
Absatz 4 enthält eine Sprachregelung über ein Embargo für Waffenlieferungen an Streitkräfte, die sich in
diesem Gebiet an Kampfhandlungen beteiligen sowie
eine Bitte, daß die Staaten das Konfliktverhütungszentrum darüber informieren, welche Schritte sie in diesem Zusammenhang eingeleitet haben. Jeder, dermit
der Frage vertraut ist, weiß, daß der Munitionsnachschub eines der großen Probleme in diesem Konflikt
ist.
Der fünfte Absatz gilt den Bemühungen zur Entwicklung humanitärer Hilfe. Auch hier findet sich wieder
eine neuer Schritt. Der amtierende Vorsitzende der
KSZE wird aufgefordert, direkten Kontakt mit Organisationen aufzunehmen und diese zur Bereitstellung
humanitärer Hilfe zu ermutigen.
Auch Absatz 6 enthält einen Bereich, den die KSZE
bisher nicht berücksichtigt hatte. Wir unterstützen
darin das Konzept von Korridoren für die Lieferung
humanitärer Hilfsgüter. Der Gedanke an sich ist für
dieses Papier nichts Neues, aber daß die KSZE versuchen solle, bei der Schaffung solcher Korridore mitzuwirken, ist eine neue Aktivität der KSZE. Das gleiche
gilt für den Austausch von Geiseln und die Rückführung von Toten, was in diesem Gebiet ein äußerst
sensibles Thema ist.
Auf Seite 3 werden in Absatz 15 die Vermittlungsbemühungen Rußlands und Kasachstans grundsätzlich
unterstützt. Damit erfährt dieser Prozeß Rückhalt bei
Jcr KSZE, einen Rückhalt dieser gesamten Staatengemeinschaft für diese Vermittlungsbemühungen. Wir
betrachten dies grundsätzlich als vielversprechendsten Weg, der bereits besteht und deshalb in diesem
Dokument von uns unterstützt wird.
Der nächste Absatz enthält Aussagen über die Einbeziehung der Behörden und Vertreter von NagornyKarabach. Damit soll sichergestellt werden, daß die
Ansichten der ortsansässigen Bevölkerung in diesen
Diskussionen zum Tragen kommen.

AMERIKA DIENST 10

Absatz 17 schlägt vor, daß der amtierende Vorsitzende der KSZE an diesen Diskussionen teilnehmen
sollte. Wenn dies nützlich und notwendig wäre, könnten sie auch unter der Schirmherrschaft der KSZE
fortgesetzt werden. Auch hier gibt es wiederum
Möglichkeiten, die bereits in der Vergangenheit von
der KSZE untersucht wurden.
Absatz 18 ist besonders interessant, weil darin vorgeschlagen wird, da ß der amtierende Vorsitzende grundlegende Sondierungen durchführen sollte, um festzustellen, ob sich innerhalb der KSZE-Gruppe Staaten
befinden, die zu einer Beobachtungs- oder Überwachungsgruppe beitragen könnten, falls es zu einem
echten Waffenstillstand kommen sollte.
Dies sind meiner Ansicht nach die wichtigsten Punkte,
die zeigen, daß sich die KSZE hier darum bemüht, auf
eine äußerst sensible und schwierige Lage zu reagieren.
Nach dieser Einführung möchte ich nun gerne Ihre
Fragen zu diesen oder anderen von mir erwähnten
Aspekten beantworten oder weitere Erläuterungen
abgeben.
Frage: Könnten Sie uns mehr Informationen darüber
geben, was nach Helsinki stattfinden soll? Wird es
eine Zusammenlegung der KSE- und VSBM-Verhandlungen geben, oder was sonst?
Botschafter Maresca: Daran arbeiten wir gerade,
und ich kann Ihnen nicht viel sagen, weil noch nichts
vereinbart wurde. Wir erwarten, daß es zu einem
weitreichenden Sicherheitsforum kommen wird, das
natürlich alle KSZE-Mitgliedstaaten einbeziehen und
ein breites Themenspektrum erörtern wird, darunter
weitere Abrüstungsmaßnahmen. Alles, was sich aus
jeder dieser hier stattfindenden Verhandlungen ergeben könnte, kann in diesem Forum als weiterem Verhandlungsgremium für Rüstungskontrolle behandelt
werden. Meines Erachtens besteht jedoch auch die
starke Überzeugung, daß sich die Lage in einem
solchen Ausmaß verändert hat, daß wir auch über
einen tiefergehenden Dialog über Sicherheitsfragen
nachdenken sollten, durch den wir einander über
Probleme informieren und versuchen könnten, gemeinsame Wege zu deren Bewältigung zu finden.
Darüber hinaus läßt sich kaum etwas sagen, weil noch
nichts vereinbart wurde. Aber dies wäre ein Forum, um
beide Konzepte zu behandeln.
Frage: Könnten Sie etwas über das Zielgebiet sagen,
auf das das Wiener Dokument von 1992 künftig angewendet werden soll, insbesondere jenseits der östlichen Seite des Urals. Nach dem Zerfall der Sowjetunion befinden sich ja einige Staaten in deren ehemaligen
ost- und mittelasiatischen Teilen. Sind diese Länder in
diesem Dokument vertreten? Oder in welcher Form
haben sie den anzuwendenden Vereinbarungen zugestimmt?

Seite 3

�Antwort: Wir sprechen eigentlich nicht von einem
Zielgebiet. Wir benutzen einen anderen Begriff - den
der Anwendungszone (zone of application). Zielgebiet
hat einen anderen Sinnzusammenhang. Dies wird in
den Anhängen zum Dokument erläutert. Grundsätzlich war es so, daß die neuen Teilnehmerstaaten
zugestimmt haben, die VSBM-Bestimmungen auf ihr
Staatsgebiet anzuwenden. Dazu gehören die asiatischen Republiken. Die Frage der Ausweitung der
Zone über den Ural hinaus an sich wurde hier nicht
angesprochen. Der Begriff der Zone bleibt im früheren
Sinn bestehen. Das heißt, es wird von Europa gesprochen. Dieses Konzept ist das Grundkonzept. Darüber
hinaus haben sich die neuen Staaten bereiterklärt, die
VSBM auf ihr Territorium anzuwenden. All dies ist in
Anhang I enthalten. Wenn Sie sich näher damit
beschäftigen, so werden Sie feststellen, daß dies das
Endergebnis ist. All diese Länder haben dem Dokument auf der Grundlage unserer Konsensverfahren
zugestimmt. Das Konsensprinzip lautet, daß fehlender Widerspruch eine Zustimmung darstellt. Das ist
unsere Regel.
Frage: Ich stelle fest, daß in dem Prager Dokument
der hochrangigen Beamten der Begriff des amtierenden Vorsitzenden der KSZE benutzt wird. Können Sie
das erläutern? Ist das der Vorsitzende des Rats, und
gibt es ein Rotationsprinzip? Wer ist zur Zeit dieser
Vorsitzende? Besteht eine Perspektive, daß ein bestimmter Außenminister oder sein Büro KSZE-Funktionen wahrnimmt?
Antwort: Der gegenwärtige amtierende Vorsitzende
wird von der Tschechoslowakei gestellt. Die Verfahrensweise folgt der in der Pariser Charta vereinbarten
Sprachregelung. Der Vorsitz wechselt auf der Grundlage dessen, wer zuletzt Gastgeber des Ministerrats
war. Der letzte Ministerrat der KSZE fand in Prag statt.
Die Tschechoslowakei erhielt damals den Vorsitz. Der
Außenminister der Tschechoslowakei war der Vorsitzende bei diesem Treffen, und er bleibt bis zum
nächsten Ministerrat amtierender Vorsitzender. Der
nächste Ministerrat wird Anfang Dezember in Schweden stattfinden. Infolgedessen wird dann Schweden
den Vorsitz übernehmen.

Frage: Erstens, bei der Vollversammlung sind nur 40
Delegationen anwesend. Welche Delegationen sind
nicht hier? Zweitens, welches ist der letzte Termin für
die Mandatsvorbereitung? Ist es der 24. März? Und
wenn das Mandat bis dahin nicht steht, werden die
Verhandlungen in Helsinki oder Wien stattfinden?
Welches ist der letzte Termin für die Vorbereitung des
Mandats?
Antwort: Bei der ersten Frage habe ich die Anwesenden nicht gezählt. Aber einige neue Staaten der
früheren Sowjetunion sind heute wohl abwesend. Es
ist verständlich, daß sie eine Weile benötigen, bis sie
sich an den Rhythmus dieser Zusammenkünfte gewöhnen und Mitarbeiter dafür abstellen. Daher sind

Seite 4

einige von ihnen abwesend. Im Hinblick auf die zweite
Frage ist den Formulierungen der Zusammenfassung
des Prager Dokuments der Minister in Prag zu entnehmen, daß die Schlußfolgerungen der inoffiziellen
Konsultationen - wie wir unsere Gespräche im Forum
nach Helsinki beschreiben - der Zusammenkunft in
Helsinki übermittelt werden. Demgemäß gehen wir
davon aus, daß jede weitere Arbeit beim HelsinkiFolgetreffen geleistet wird, falls diese Schlußfolgerungen nicht endgültig und vollständig sind. Am Ende
dieses Treffens ist dann der endgültige Termin.
Frage: Delegationen gehen mit einem Programm zu
dieser Konferenz. Gab es aus amerikanischer Sicht
etwas, das hier in Wien nicht erzielt worden ist, oder
was wünschen Sie sich für die nächsten zwei oder drei
Jahre?
Antwort: Erstens ist dies ein laufender Prozeß. Unserer
Meinung nach ein sehr breitgefächerter Prozeß, der
die Sicherheitslage in vielerlei Hinsicht verbessert. Es
ist schwer zu sagen, daß es bei dem einen oder
anderen Punkt eine klare Zielsetzung gibt. Es ist ein
laufender Prozeß, und unserer Ansicht nach trägt
diese Art von Prozeß einfach durch Dialog und Gedankenaustausch und regelmäßige Vereinbarung spezifischer Maßnahmen dazu bei, daß mißtrauischen Ländern ihr Mißtrauen genommen wird und die Möglichkeiten für echte Konflikte verringert werden. Wenn Sie
eine spezielle Zielsetzung genannt haben wollen, dann
ist es diese. Wir wollen in Europa eine Situation der
Stabilität und Sicherheit, und jedes Land soll seinen
Sicherheitsbedarf erfüllt wissen. Der Prozeß ist Teil
der Zielsetzung. Ich könnte es nicht eingehender
beschreiben, weil es ein so langer und breitgfächerter
Ansatz ist, daß man schwerlich an irgendeinem Punkt
von bestimmten Zielen sprechen kann. Wir betrachten
es als laufenden Prozeß.
Frage: Vielleicht könnte der Brigadegeneral uns etwas darüber berichten, welche Bedeutung Sie diesen
vertrauensbildenden Maßnahmen in militärischer Hinsicht beimessen. Welchen Wert hat die Erweiterung
der bestehenden Bestimmungen in den beiden früheren Dokumenten?
Brigadegeneral Davitte: Wie der Botschafter bereits
ausgeführt hat, ist eine der wichtigsten kürzlich vereinbarten Maßnahmen die sogenannte Einschränkungsmaßnahme. Es ist das erste Mal, daß militärische
Aktivitäten in der Anwendungszone tatsächlich begrenzt werden. Das ist ein Schritt von großer Bedeutung. Der nächste militärisch wichtige Punkt wäre die
Einführung neuen Geräts in der Anwendungszone und
Offenheit und Transparenz über dieses Gerät im Hinblick auf Demonstrationen und den Austausch technischer Informationen über qualitative Parameter dieses
Geräts, die für andere KSZE-Staaten von Interesse
sind. Insgesamt sind dies zwei der wichtigsten Merkmale der sieben oder acht unterschiedlichen, spezifischen Maßnahmen, die wir in dieser jüngsten Ver-

AMERIKA DIENST 10

�handlung vereinbart haben. Insgesamt sind sie für uns
sehr befriedigend, militärisch von Bedeutung, und sie
stehen im Einklang mit den Prinzipien der Verizif ierung
und militärischen Bedeutung, wie sie im Mandat von
Madrid verankert sind.
Frage: Welche Bestimmungen gibt es für den Fall
einer anderen militärischen Übung, die die Grenze von
40.000 überschreitet?
Bridagegeneral Davitte: Nun, es ist verboten, mehr
als eine Übung mit über 40.000 Soldaten im Jahr
abzuhalten. Die Länder, die dieses Dokument verabschiedet haben, haben auch vereinbart, dies nicht zu
tun.
Botschafter Maresca: Das heißt, jede Übung über
einer bestimmten Grenze muß vorher gemeldet werden. Im ersten Fall, daß eine Benachrichtigung über
eine solche Übung stattfindet, fände darüber ein
Gespräch statt, bei dem Einwände vorgebracht werden könnten. Dasselbe würde bei einer Verletzung der
Bestimmung gelten. Das heißt, wenn eine Übung über
dieserGrenzeläge oder das vereinbarte Maß übersteigen würde. Wir haben bereits eine Bestimmung für
Gespräche über die Durchführung, sowohl auf jährlicher Basis als auch jederzeit im CPC. Das wäre also
das Forum für Einwände im Falle einer Verletzung.
Frage: Ist bereits entschieden worden, wann diese
Maßnahmen in Kraft treten - im Mai, Juni oder Juli?
Antwort: Ja, es gibt schon einen Termin - den 1. Mai.
Frage: Zwei Fragen zu Nagorny-Karabach. Erstens,
haben die hochrangigen Beamten bereits eine Reaktion oder einen Hinweis der Parteien in NagornyKarabach im Hinblick auf ihre Forderungen? Zweitens
haben Sie bereits darauf hingewiesen, daß die Unterhändler ihre Erfahrungen aus der Krise in Jugoslawien
verarbeitet haben. Könnten Sie das bitte noch näher
ausführen? Was hat man aus dem Konflikt in Jugoslawien gelernt, das sich auf Nagorny-Karabach anwenden ließe?
Antwort: Zur ersten Frage möchte ich sagen, daß sie
in den humanitären Bereich fällt. Wie Sie vielleicht
wissen, hält sich eine französische Gruppe dort auf,
um genau das zu tun, was wir in diesem Dokument tun,
im Hinblick auf die Gewährung von humanitärer Hilfe
v;nd Einrichtung humanitärer Korridore. Während wir
darüber sprechen, versuchen sie heute, genau das zu
tun. Das wäre ein erster Hinweis auf eine Reaktion,
wenn es möglich wäre, dies zu tun. Wir würden dies als
entscheidenden Schritt nach vorn betrachten. Ich bin
dort gewesen und kann Ihnen versichern, daß die Lage
verzweifelt ist und sie diese Art Hilfe benötigen. Zweitens
zu den Lektionen aus der Jugoslawienkrise. Eine
wichtige Lektion ist meiner Ansischt nach, daß es sich
bei der KSZE um ein Forum handelt, das in dieser Art
Krisen das Mandat hat, um eine Vermittlerrolle zu
spielen. Im Falle Jugoslawiens hat im wesentlichen die
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KSZE die Bestrebungen verfügt, unterstützt und anerkannt, die dann von der Europäischen Gemeinschaft
durchgeführt wurden. Tatsächlich wurde die Beobachtergruppe, die nach Jugoslawien reiste, später eine
KSZE-Gruppe, weil mehrere KSZE-Länder, nicht Länder
der Gemeinschaft, daran teilnahmen. In diesem Fall
tun wir dasselbe im Hinblick auf eine Vermittlerrolle,
was Ru ßland in Kasachstan tut. Wir wenden dasselbe
Muster an. Die KSZE ist eine große Organisation, und
es ist für sie sehr schwierig, eine solche Operation
ohne einen Mittler durchzuführen, der in ihrem Auftrag
handelt. Das war ein Beispiel für die Art von Lehre, die
gezogen worden ist. Daraus würde ich schließen, daß
die KSZE eine Stärke in dieser Situation hat - sie
verfügt in einer solchen Situation über das Urteil der
großen Familie europäischer und nordamerikanischer
Länder und kann ein Land oder eine Ländergruppe
auffordern, in ihrem Namen als Vermittler bei einem
solchen Konflikt aufzutreten. Das ist eine gute Lektion,
wie die KSZE in einer solchen Situation einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Ich denke, ich werde eine
weitere Frage beantworten.
Frage: Meine Frage betrifft das Verhältnis zwischen
öffentlicher Meinung, wissenschaftlicher Analyse und
vertrauensbildenden Maßnahmen. Wenn Sie das
Wiener Dokument von 1990 und auch das neue Dokument in erweiterter Form lesen, werden Sie merken,
daß ein Großteil des Datenaustauschs zwischen den
Teilnehmerländern in vielen militärischen Bereichen
eine einmalige Offenheit schafft. Mein Eindruck ist
jedoch, daß die Daten immer noch ausschließlich in
Regierungskreisen zirkulieren, und der Öffentlichkeit
nicht zugänglich gemacht werden. Die öffentliche
Meinung wird sich der Bedeutung dieses Prozesses
nicht bewußt. Denken Sie, dies sollte geändert werden, und wie kann man es ändern?
Antwort: Im Kontext des Konfliktverhütungszentrums
erörtern wir seit einiger Zeit die Möglichkeit einer
Datenbank, die all diese Informationen sammelt und
mit deren Hilfe ein Jahrbuch zusamengestellt werden
könnte, in dem all diese Informationen veröffentlicht
werden. Sie haben recht, daß wir über eine einmalige
Fülle von Informationen verfügen, die jetzt ausgetauscht werden. Diese Bestimmungen im Hinblick auf
Daten über neue Waffensysteme, die übrigens zum
großen Teil auf einen polnischen Vorschlag zurückgehen, machen viele Daten zugänglich, die wir niemals
zuvor hatten. Ein Großteil dessen ist sehr technisch
und besteht aus Photos etc. Allein diese Fülle macht
eine Auswahl der Informationen für die Öffentlichkeit
erforderlich. Und es gibt bei einigen Ländern Empfindlichkeiten im Hinblick auf die Veröffentlichung solcher
Informationen. Deshalb streben wir nach einem Weg,
um eine Datenbank einzurichten, die all diese Informationen sammelt, so daß sie in einem Jahrbuch veröffentlicht werden können. Das ist ein Projekt für die
Zukunft und wird meiner Ansicht nach weiter erörtert
werden. Ich danke Ihnen.

Seite 5

�WAHLEN '92
11. März 1992

GESETZE FÖRDERN FAIREN
WETTBEWERB BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel, Ausgabenüberwachung

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten
wurde bei den nationalen Wahlen 1988 etwa 1 Milliarde
Dollar von den oder für die Kandidaten ausgegeben,
die ein Amt in der Bundesregierung anstrebten - den
Präsidenten, den Vizepräsidenten und etwa 500 neu
zu besetzende Sitze im Kongreß.
In einem Land von der Grö ße der Vereinigten Staaten,
das dem demokratischen Wahlprozeß so stark verpflichtet ist, verwundert es nicht, daß ein großer Teil
des Geldes für Kampagnen ausgegeben wird, um in
ein Amt gewählt zu werden. Aber es gibt Gesetze, die
einen fairen Wettbewerb der Kandidaten sicherstellen
und gewährleisten, daß wohlhabende Bürger und Interessengruppen sich mit ihren Mitteln keinen unfairen
Vorteil verschaffen. Ferner gibt es eine unabhängige
Regierungsbehörde, die Bundeswahlkommission
(Föderal Elections Commission - FEC), die diese
Gesetze zur Finanzierung von Wahlkampagnen durchführt.
Die Gesetze gelten nur für Kandidaten für ein Amt
innerhalb der Bundesregierung - den Präsidenten, den
Vizepräsidenten, die Senatoren und Abgeordneten
des Repräsentantenhauses sowie die sie unterstützenden Komitees. Sie decken drei umfassende Bereiche ab: die öffentliche Finanzierung der Präsidentschaftswahlen, Beiträge und Ausgaben zur Beeinflussung dieser Wahlen und die Offenlegung der von den
politischen Komitees unterbreiteten Informationen über
die Finanzierung der Wahlkampagne. Nachfolgend
ein Überblick, wie die Gesetze und die Kommission
funktionieren.
Öffentliche Finanzierung
Beim System der öffentlichen Finanzierung müssen
die Präsidentschaftskandidaten und die Parteiversammlungskomitees verschiedene Bedingungen erfüllen.
Wenn die FEC zu dem Schluß kommt, daß diese
Bedingungen erfüllt sind, vergibt sie den Betrag aus

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öffentlichen Mitteln, auf den der Kandidat oder das
Komitee Anspruch hat. Diese Mittel ergeben sich aus
den Dollars, die Steuerzahler im Rahmen ihrer Einkommenssteuer freiwillig entrichten.
Die FEC überwacht darüber hinaus alle Empfänger
öffentlicher Mittel, um sicherzustellen, daß die Mittel im
Einklang mit dem Gesetz ausgegeben werden und
kann von den Komitees deren Rückzahlung verlangen, wenn dies nicht der Fall ist.
Die öffentliche Finanzierung ist in drei Bereiche eingeteilt: Ausgleichsfonds für die Vorwahlen, Zuschüsse zu
den Parteiversammlungen und den allgemeinen Wahlen.
Ausgleichsfonds für die Vorwahlen
Den Präsidentschaftskandidaten werden bei den Vorwahlen zum Teil öffentliche Mittel in Form von Ausgleichszahlungen zur Verfügung gestellt. Erfolgreiche
Kandidaten erhalten für Spenden bis zu 250 Dollar den
entsprechenden Betrag aus dem staatlichen Wahlkampffonds. Nur Spenden von Einzelpersonen werden aufgestockt, obwohl der Präsidentschaftskandidat bei den Vorwahlen Spenden politischer Komitees
annehmen darf.
Nur Kandidaten, die die Nominierung als Präsidentschaftskandidat durch ihre Partei anstreben, stehen
Ausgleichszahlungen zu. Ein Kandidat muß sich dafür
ualifizieren, indem er die Unterstützung der breiten
Iffentlichkeit für sich gewinnt: Er muß in mindestens
20 Bundesstaaten über 5.000 Dollar an ausgleichbaren Spenden aufbringen. Jeder Kandidat muß zustimmen:

2

Die Wahlkampfausgaben für alle Vorwahlen auf
10 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich (COLA)
zu begrenzen. Dies wird als nationales Ausgabenlimit bezeichnet. 1988 belief sich der Betrag
auf 27,7 Milliarden Dollar.

Seite 1

�Die Wahlkampfausgaben in jedem Bundesstaat
auf einen bestimmten von der FEC anhand der
gesetzlich verankerten einwohnerspezifischen
Formel festgesetzten Betrag zu beschränken.

Kandidaten kleinerer und neuer Parteien können sich
für öffentliche Zuschüsse zu ihren allgemeinen Wahlkampfkosten qualifizieren, wenn sie oder ihre Partei
einen Stimmenanteil von mindestens 5 Prozent erzielen. Während die Kandidaten kleinerer oder neuer
Die Ausgaben aus persönlichen Mitteln auf 50.000 Parteien die öffentlichen Mittel durch private Spenden
Dollar zu begrenzen.
ergänzen können und ein Teil der Kosten für die
Wahlkampffinanzierung nicht auf ihr Ausgabenlimit
Ausgabenlimits und Begrenzungen der Ausgaben des
angerechnet werden, unterliegen sie ansonsten denKandidaten aus persönlichen Mitteln sind nur für öfselben Ausgabenbegrenzungen und anderen Vorschriffentliche Zuschüsse eine Voraussetzung. Die Beteiliten wie die Kandidaten der großen Parteien.
gung an dem Programm zur Vergabe öffentlicher
Mittel ist freiweillig - entscheidet sich ein Kandidat Spenden und Ausgaben
gegen öffentliche Zuschüsse, braucht er sich nicht an
die Ausgabenobergrenzen halten.
Die FEC ist darüber hinaus für die Anwendung des
Gesetzes über Spenden und Ausgaben zur BeeinflusKommt der Präsidentschaftskandidat für die Ausgleichs- sung bundesweiter Wahlen zuständig. Dem Wahlgezahlungen in Frage, stehen ihm öffentliche Mittel in setz zufolge können diese Spenden in Form von Geld,
Höhe der von Einzelpersonen entrichteten Beträge bis Darlehen sowie Geschenken in Form von Waren und
zu 250 Dollar pro Einzahlung zu.
Dienstleistungen erbracht werden, nicht jedoch in Form
von freiwilliger Arbeit. Zu den Ausgaben gehören
Selbst wenn ein Kandidat nicht mehr aktiv an den
Ankäufe und Zahlungen, die zur Beeinflussung bunVorwahlen teilnimmt, kann er öffentliche Zuschüsse
desweiter Wahlen erfolgen.
zur Rückzahlung von nachweislich für den Wahlkampf
gemachten Schulden beantragen. Jeder in Frage Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen und lankommende Kandidat kann öffentliche Mittel erhalten, desweit tätigen Banken ist es untersagt, Spenden oder
die bis zu 50 Prozent des nationalen Ausgabenlimits Ausgaben zu tätigen, sie können jedoch politische
für den Vorwahlkampf ausmachen.
Komitees gründen. Das Gesetz untersagt femer
Spenden
von staatlichen Auftragnehmern sowie solFinanzierung des Parteitags
che Spenden, die von einer Person im Namen einer
Jeder größeren politischen Partei stehen 4 Millionen anderen Person erbracht werden. Ausländische StaatsDollar plus der COLA zur Finanzierung ihres Bundes- bürger dürfen ebenfalls keine Spenden in Zusammenparteitags zur Nominierung des Präsidentschaftskan- hang mit irgendeiner Wahl in den Vereinigten Staaten
didaten zu. 1988 erhielten die Demokratische und die tätigen - dies gilt für Bundes-, Bundesstaats- und
Republikanische Partei jeweils 9,2 Milliarden Dollar für Gemeindewahlen gleichermaßen.
die Nominierungsparteiversammlungen. Eine kleinere Partei kann ebenfalls für Zuschüsse zum Parteitag Eine Einzelperson darf pro Wahl bis zu 1.000 Dollar an
in Frage kommen, die sich aus dem Stimmenanteil des das Komitee eines Bundeskandidaten spenden. Da
Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen diese Obergrenzen für jede einzelne W?hl gelten,
könnte eine Einzelperson 1.000 Dollarfüreine Vorwahl
errechnen.
sowie weitere 1.000 Dollar für die allgemeine Wahl
spenden. Beiträge von Einzelpersonen unterliegen
Die Finanzierung der allgemeinen Wahlen
ebenfalls einer jährlichen Obergrenze: ein einzelner
Die von den Parteien offiziell nominierten Präsident- kann pro Jahr bis zu 25.000 Dollar an Komitees für
schaftskandidaten kommen für eine direkte öffentliche Bundeswahlkämpfe spenden.
Beihilfe von 20 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich
in Frage. Im Jahr 1988 erhielten die Republikanische Auch die Beiträge der politischen Komitees unterlieund die Demokratische Liste je 46,1 Millionen Dollar. gen Obergrenzen. Von besonderem Interesse sind
Um sich für diese öffentlichen Mittel zu qualifizieren, Beiträge der politischen Aktionskomitees, kurz "PACs
muß der Kandidat die Ausgaben auf die Höhe der genannt.
Beihilfe beschränken. Er darf darüber hinaus keine
privaten Wahlkampfspenden annehmen. Private Es gibt zwei Arten von PACs. Bei der ersten handelt
Spenden dürfen jedoch im Rahmen bestimmter Ober- es sich um politische Komitees, die von Unternehmen,
grenzen angenommen werden, wenn sie auf ein Arbeitnehmerorganisationen oder eingetragenen MitSonderkonto eingezahlt werden, das nur zur Beglei- gliedsorganisationen gegründet werden. Während
chung bestimmter juristischerund Verwaltungskosten das Gesetz solchen Gruppen die Auszahlung von
verwendet werden darf. Jeder Kandidat kann femer Spendengeldern aus ihren Haushalten untersagt,
bis zu 50.000 Dollar aus seinem persönlichen Vermö- gestattet es ihnen ausdrücklich, separate Fonds einzurichten, zu verwalten und dafür um Beiträge zu
gen ausgeben.
werben, die dann Spenden vergeben können.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Bei der zweiten Art von PAC handelt es sich um ein Offenlegungspflicht
unabhängiges Gremium, ein Komitee, das nicht direkt
mit einem Kandidaten oder einer Partei, einem Unter- Politische Komitees müssen Berichte über Einnahmen
nehmen oder einer Arbeitnehmerorganisation verbun- und Ausgaben vorlegen. Das Hauptwahlkampfkomiden ist. Unabhängige Komitees sind häufig ideologi- tee eines Kandidaten, der sich nach dem Gesetz
sche Organisationen oder Gruppen, die sich auf ein qualifiziert hat, muß sich registrieren lassen und
Wahlkampffinanzierungsberichte einreichen. Das
Hauptanliegen konzentrieren.
Komitee muß seine Gesamteinnahmen und -ausgaDie Obergrenze für Spenden der PACs an das autori- ben offenlegen und darüber hinaus alle Spenden von
sierte Wahlkampfkomitee eines Kandidaten beträgt anderen politischen Komitees sowie Spenden von
entweder 5.000 Dollar pro Wahl (bei einem qualifizier- Einzelpersonen an das Komitee, die 200 Dollar im
ten Mehrkandidatenkomitee) oder 1.000 Dollar pro Kalenderjahr übersteigen, einzeln aufführen. AusgaWahl (bei anderen Komitees). Im Gegensatz zu ben müssen ebenfalls einzeln aufgeführt werden.
Einzelpersonen unterliegen politische Komitees keinem jährlichen Spendenlimit.

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Seite 3

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