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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
8

26. Februar 1992

USA-GUS

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

USA-DEUTSCHLAND

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER
ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE"VON
FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der
UN-Menschenrechtskommission

WAHLEN '92

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken, blinde
Vorwürfe gegen das Ausland

DROGEN

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson
und Levitsky

KOLUMBUS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA - GUS
26. Februar 1992

BAKER ERWARTET ZUSAMMENARBEIT
UND HANDEL MIT GUS-STAATEN
Bericht vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis, es gebe eine "reale Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns zu lassen", hat Außenminister Baker am 24. Februar 1992 die
amerikanischen Parlamentarier aufgefordert, die politischen und wirtschaftlichen Chancen in den neuen
Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu nutzen.
Vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Baker, seine soeben beendete Reise durch
mehrere Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) habe bedeutsame Möglichkeiten für die
amerikanische Wirtschaft aufgezeigt sowie eine Chance, "die Saat der Demokratie in einer Region ausgebracht
zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt".
Baker setzte den 15. März als Zieldatum für die Eröffnung von Botschaften in jedem der bereisten Staaten fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Wortlautauszüge aus Bakers Bericht vor dem Unterausschuß.

Ich freue mich, vor diesem Unterausschuß zu unserem
Auslandshilfebudget für das Haushaltsjahr 1993 Stellung nehmen zu können. Mit Ihrer Erlaubnis bitte ich
darum, daß mein detaillierter schriftlicher Bericht in
das Protokoll aufgenommen wird.

Und ich bin der Überzeugung, daß dies eine Chance
ist, die wir gemeinsam mit unseren Verbündeten ergreifen müssen.

Einleitung

Die Aussichten

In den vergangenen drei Monaten habe ich 11 der 12
Staaten der ehemaligen Sowjetunion besucht. Ich
habe dabei mit den dortigen politischen Entscheidungsträgern gesprochen, ihnen unsere Politik erläutert und mir ihre Hoffnungen und Sorgen angehört. In
der vergangenen Woche habe ich eine Reise nach
Rußland, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan,
Aserbaidschan, Armenien und Moldawien abgeschlossen. Für viele Amerikaner waren mehrere dieser
Länder noch vor einem Jahr nicht mehr als obskure
Namen auf einer Landkarte. Heute stehen sie an
vorderster Front bei unseren Bemühungen, die Weltgemeinschaft stabiler demokratischer Nationen zu
erweitern.

Die folgenden Aussichten wären noch vor wenigen
Jahren unvorstellbar gewesen:

Herr Vorsitzender, in mehreren Staaten war dies mein
erster Besuch überhaupt. Ich kehre mit der Überzeugung von dort zurück, daß wir eine sich nur einmal in
hundert Jahren bietende Chance haben, den Lauf der
Geschichte zu beeinflussen und für unsere Kinder und
Enkel ein neues Zeitalter zu definieren.

AMERIKA DIENST 8

Die Aussichten und die Risiken sind groß.

Die Aussicht, daß nahezu 300 Millionen Menschen aus 70 Jahren der totalitären Herrschaft
hervortreten und ihr demokratisches Geschick
selbst in die Hand nehmen würden.
Die Möglichkeit, daß 12 neue Länder den schwierigen Prozeß in Angriff nehmen würden, um eine
lähmende Kommandowirtschaft zu pulsierenden freien Märkten umzugestalten.
Und, was vielleicht am wichtigsten ist, die reale
Aussicht, den Alptraum der atomaren Konfrontation zwischen den Supermächten hinter uns
zu lassen.
Die Risiken
Wir sollten jedoch nicht vergessen, daß auch Risiken
bestehen. Die meisten Staaten der ehemaligen

Seite 1

�Sowjetunion kämpfen mutig für die Schaffung neuer
Gesellschaftssysteme, die auf der Grundlage einer
repräsentativen und rechenschaftspflichtigen Regierung, von Rechtsstaatlichkeit und freien Märkten beruhen. Dabei drückt sie jedoch die Last von über 70
Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchungen zu ethnischen Konflikten und autoritärer Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz dramatischer Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
nahezu 30.000 atomare Waffen.
Die Einbindung der neuen unabhängigen Staaten
Während meiner Reise in die ehemalige Sowjetunion
bin ich sowohl auf die Aussichten als auch die Risiken
eingegangen.
Meine Reise verfolgte drei Zielsetzungen: dem Beginn
von Aktion Hoffnung beizuwohnen, persönliche Gespräche mit den politisch Verantwortlicheil von Moldawien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Tadschikistan
und Usbekistan zu führen, Armenien zu besuchen
sowie die russische Führung zu treffen, um militärische, wirtschaftliche und politische Fragen zu erörtern.
In Frankfurt war ich gemeinsam mit Bundesaußenminister Genscher beim Beginn von Aktion Hoffnung auf
der Rhein-Main Air Base zugegen. Ich war erfreut
feststellen zu können, daß über 10 Staaten direkt an
dieser amerikanischen Initiative teilnahmen - insbesondere die Türkei und Japan, deren Beteiligung es
weit einfacher und kostengünstiger machte, Städte im
Kaukasus, in Mittelasien und dem russischen Fernen
Osten zu erreichen. Wir haben die Zahl der amerikanischen Hilfsflüge von 54 auf 64 gesteigert und waren
in der Lage, im Rahmen des zweiwöchigen Einsatzes
bei Aktion Hoffnung Lieferungen in 24 Städte der
ehemaligen Sowjetunion zu transportieren.
Die russische Führung zeigte sich besonders erfreut
darüber, daß wir Nahrungsmittel und Medikamente zu
schwer zugänglichen Städten in Sibirien, dem Ural und
dem fernen Norden bringen konnten. Sämtliche Berichte aus den anderen unabhängigen Staaten waren
ebenfalls sehr positiv, und viele erwähnten die Tatsache, daß diese amerikanischen Hilfsflüge die ersten
humanitären Lieferungen brachten, die sie überhaupt
erhalten hatten.
Wir gingen von Anfang an davon aus, daß diese Flüge
sowohl Substanz als auch Symbolcharakter hatten.
Die Macht beider Elemente sollte nicht unterschätzt
werden. Unsere Botschaft der Hoffnung war in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion klar zu vernehmen. Und für diejenigen, deren Leben durch das
rechtzeitige Eintreffen von Medikamenten und Nahrungsmitteln erleichtert - vielleicht sogar gerettet wurde, waren diese Flüge in der Tat substantiell.

Seite 2

Gegenwärtig werten wir die Ergebnisse der Aktion
Hoffnung aus und untersuchen gemeinsam mit unseren Verbündeten Mittel und Wege, um unsere Hilfsprogramme zu beschleunigen und auszubauen.
Von Frankfurt aus bin ich nach Kischinew, Baku,
Aschchabad, Duschanbe und Taschkent gereist, um
mit den politisch Verantwortlichen dieser neuen Staaten die Frage diplomatischer Beziehungen zu erörtern.
Bei jedem Aufenthalt habe ich die jeweiligen Prinzipien
dargelegt, deren Einhaltung die Vereinigten Staaten
im Hinblick auf demokratische politische Praktiken,
eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik und freie
Marktwirtschaften erwarten.
Bei jedem Aufenthalt haben die Präsidenten dieser
neuen Staaten mir die Zusicherungen gegeben, die wir
benötigen, um die diplomatischen Beziehungen voranzubringen. Wir machen uns keine Illusionen. Wir sind
uns bewußt, daß die Qualität dieser Verpflichtungen
von Staat zu Staat und von Politiker zu Politiker variiert.
Aus diesem Grund habe ich bei jedem Aufenthalt
klargestellt, daß die Art und Tiefe dieser Beziehungen
von der kontinuierlichen Einhaltung unserer Prinzipien
und der Verwirklichung der uns gegebenen Zusicherungen abhängt, auch wenn die diplomatischen Beziehungen vorankommen.
Wir haben Fortschritten bei den diplomatischen Beziehungen auch wegen einer ständigen amerikanischen
Präsenz in diesen neuen Staaten Bedeutung beigemessen. Bei jedem Aufenthalt begegnote mir ein
hohes Maß an gutem Willen gegenüber den Vereinigten Staaten, und entlang der Straßen hatten sich
Menschen versammelt, um unsere Delegation zu
begrü ßen. In jedem dieser Staaten bestehen einzigartige Chancen, da beide Regierungen und die Öffentlichkeit nach Hilfe und Rat dürsten.
Um diese Chancen zu nutzen, ist es entscheidend,
daß sich während einer schwierigen Zeit des Übergangs Amerikaner auf dem Territorium jedes dieser
Staaten befinden. Wir haben auch das Gefühl, daß
dies ein Weg ist, mit dem amerikanische Unternehmen
zur Entwicklung dieser Sektoren beitragen können, die
eindeutig nach amerikanischem Know-how, Investitionen und Waren hungern. Es bestehen zweifelsohne
Chancen für amerikanische Unternehmen, insbesondere bei der Entwicklung und Erweiterung von Märkten. Und es bestehen auch eindeutige politische
Chancen, die Saat der Demokratie in einer Region
ausgebracht zu sehen, die lange Zeit als ungastlicher
Ort für politische und wirtschaftliche Freiheit galt. Aus
diesem Grund habe ich das Ziel gesetzt, bis zum 15.
März Botschaften in jedem dieser Staaten zu eröffnen,
die ich besucht habe.
Ich bin ferner nach Armenien gereist, um der aufstrebenden Demokratie Armeniens unsere Unterstützung

AMERIKA DIENST 8

�anzubieten. Sowohl in Eriwan als auch in Baku haben
wir Nagorny-Karabach diskutiert, und ich habe den
Armeniern und Aserbaidschanern erklärt, sie seien mit
dem Aufbau ihrer eigenen unabhängigen Staaten so
sehr beschäftigt, daß das Problem Nagorny-Karabach
friedlich beigelegt werden müsse. Ich habe klargestellt, daß wir die Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in dem Konflikt ebenso
unterstützen wir die Mission des KSZE-Berichterstatters.
Ich habe meine Reise nach Rußland am Institut für
technische Physik in Tscheljabinsk-70 im Ural begonnen. In dieser streng geheimen Einrichtung in einer bis
vor wenigen Wochen noch geschlossenen Stadt wurde ich von Arbeitern willkommen geheißen, die mich
und meine Delegation freundlich und offen begrüßten.
Mit den Wissenschaftlern dieser Einrichtung - die Los
Alamos oder Li vermore Labs vergleichbar ist - habe ich
erörtert, welche Lösungen wir gegen die Abwanderung
von Wissenschaftlern ins Ausland finden könnten.
Damit konnten wir den gemeinsamen Vorschlag weiter
verbessern, den wir dann zusammen mit Deutschland
und Rußland bekanntgegeben haben, ein internationales Wissenschaftszentrum zu gründen, um russischen Atomwissenschaftlern zu helfen. Wir sind erfreut über die positive und umfassende internationale
Reaktion auf diese Initiative, die den Konstrukteuren
von Massenvernichtungswaffen in all den neuen unabhängigen Staaten helfen werden, ihre Arbeit auf zivile
Bereiche zu verlagern.
In Moskau traf ich zu konstruktiven, zweitägigen
Gesprächen mit Präsident Jelzin und Außenminister
Kosyrew zusammen.
Im Hinblick auf Sicherheitsfragen haben wir meines
Erachtens das in die Wege geleitet, was man als neue
Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den
Vereinigten Staaten bezeichnen könnte. Wir haben
bei einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit
und Zerstörung von Atomwaffen.
Erstens werden die Vereinigten Staaten Rußland 25
gepanzerte Eisenbahnwaggons zum Transport von
Nuklearwaffen zur Verfügung stellen. Zweitens haben
wir Rußland 250 große Spezialcontainer zum Transport von Nuklearwaffen angeboten. Drittens haben wir
gepanzerte Container für Komponenten von Nuklearwaffen angeboten und - falls diese Container ihren
Zweck gut erfüllen - haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, sie in großen Mengen herzustellen.
Viertens werden unsere Experten in der nächsten
Woche zusammenkommen, um alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran in
Ru ßland zu erörtern. Fünftens werden wir mit Ru ßland
zusammenarbeiten, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern sowie Computer
und Software bereitzustellen.
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Sechstens werden wir eine technische Arbeitsgruppe
ins Leben rufen, um die Endlagerung von Plutonium
und angereichertem Uran auf eine Art zu erörtern, die
zum beiderseitigen Nutzen unsere Länder wäre.
Schließlich werden unsere Experten zusammentreffen, um Wege der Zusammenarbeit für eine unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall zu diskutieren.
Im Hinblick auf Rüstungskontrolle haben wir Fortschritte bei der Kombination der Elemente der Vorschläge unserer beiden Präsidenten erzielt, so daß die
Sicherheit für beide Seiten verbessert wird. Ferner
haben wir die Ratifizierung von START und KSE erörtert. Wir kamen überein, daß Rußland die Partei zur
Ratifizierung von START ist, und Weißrußland, Kasachstan und die Ukraine uns eine schriftliche Verpflichtung zukommen lassen sollten, in der sie ihre
rechtlich bindende Absicht zur Einhaltung und Durchführung von START bekunden.
Am wichtigsten ist, daß wir definitiv das Zeitalter des
Wettbewerbs hinter uns gelassen und Schritte zur
Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich zwischen
unseren beiden Ländern unternommen haben. In
Moskau haben wir vereinbart, unsere Gespräche über
die strategische Verteidigung zu beschleunigen. Als
ersten Schritt werden wir die Einrichtung eines gemeinsamen ballistischen Frühwarnsystems in Erwägung ziehen, das Warnsignale der Vereinigten Staaten, Rußlands und anderer Teilnehmerstaaten aufzeigen würde.
Wir haben uns femer geeinigt, unsere Bestrebungen
zur Zusammenarbeit im All zu verbessern. Wir werden
bei der Überwachung von Umweltverschmutzung vom
All aus, bei Flügen unserer jeweiligen Astronauten, bei
Gesprächen über die zivile Nutzung des Weltalls und
der möglichen Verwendung der Rettungsfahrzeuge
der Sojus-Besatzung zusammenarbeiten.
Im Geiste von Camp David haben wir auch Fortschritte
bei politischen und wirtschaftlichen Fragen erzielt. Wir
haben vereinbart, eine amerikanisch-russische Kommission zu gründen, die sich Kriegsgefangener und
vermißter Soldaten annimmt. Hierbei wird es sich um
ein gemeinsames Gremium handeln, das der Exekutive untersteht, zu dem jedoch auch Vertreter unserer
jeweiligen Legislative gehören. Wir werden ferner mit
den russischen Experten bei der Suche in Archiven
zusammenarbeiten, um herauszufinden, ob es zusätzliche Informationen über vermißte Soldaten gibt.
Im Bereich der Wirtschaft haben wir unser Gesamtkonzept für humanitäre Nothilfe, technische Hilfe und
makroökonomische Reformen erörtert. Präsident Jelzin
hat 600 Millionen Dollar zusätzlich an Kreditbürgschaften für Getreide gefordert. Wir erwägen dieses Gesuch und überdenken kreative Wege zur Steuerung
unserer Nahrungsmittelhilfe, um das Wachstum freier

Seite 3

�Märkte zy fördern. Ich habe unseren Wunsch herausgestellt, daß Rußland - und die anderen neuen unabhängigen Staaten - so schnell wie möglich Mitglied des
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
werden und da ß der IWF mit Ru ßland und den anderen
Staaten zusammenarbeitet, damit diese ihre wirtschaftlichen Reformpläne weiterentwickeln können. Mit der
baldigen Mitgliedschaft in den internationalen Finanzinstitutionen können diese Staaten mehr Mittel erhalten, und ihre Bestrebungen zum Aufbau von Demokratie und freier Marktwirtschaft werden gefördert.
Weitere Herausforderungen
Herr Vorsitzender, mein Besuch in den neuen unabhängigen Staaten hat mir die ungeheuren Möglichkeiten vor Augen geführt, die sich durch den Zerfall der
Sowjetunion ergeben. Aber wir dürfen die anderen
Herausforderungen, denen wir uns heute gegenübersehen, nicht außer acht lassen. Auf einige davon
möchte ich kur. eingehen.
«
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bleibt
eine tödliche Bedrohung für den Weltfrieden. Enthüllungen über das moderne Atomwaffenprogramm des
Irak und das Gespenst eines Markts für sowjetisches
Know-how lehren uns eine klare Lektion: nur durch
kontinuierliche, gemeinsame Wachsamkeit - die Art
von Wachsamkeit, die uns im Golfkrieg den Sieg
gebracht hat - können wir unsere nationale und die
internationale Sicherheit gewährleisten.
In dieser Hinsicht begrüßen wir Chinas schriftliche
Erklärung vom 1. Februar - die am Samstag öffentlich
bestätigt wurde - sich an die Leitlinien und Direktiven
des Kontrollregimes für Raketentechnologie zu halten,
wie Außenminister Qian und ich im November letzten
Jahres in Beijing vereinbart haben. Dieser wichtige
Schritt stellt ebenso wie Chinas Zustimmung, dem
Nichtverbreitungsvertrag beizutreten, einen echten
Fortschritt dar - aber einen Fortschritt, den wir in den
kommenden Monaten und Jahren eingehend beobachten müssen.
Darüber hinaus begrüßen wir Präsident Jelzins Absichtserklärung, Gesetze zum Umgang mit Mehrzwecktechnologie zu verabschieden und die Entscheidung
Brasiliens und Argentiniens, Sicherheitsvorschriften
im Rahmen der IAEO zu verabschieden.
Regionale Konflikte haben sich verringert - aber nicht
überall und nicht in demselben Umfang. Alte Gegner
in Mittelamerika, Südostasien und im Süden Afrikas
geben erstmals ihr jahrzehntelanges Mißtrauen auf.
Sogar im Nahen Osten - Schauplatz von Kriegen über
Generationen, Bitterkeit und Haß - haben sich uralte
Feinde zu Gesprächen an einen Tisch gesetzt: ein
erster, aber notwendiger Schritt auf dem Weg zum
Frieden.
* *

Seite 4

Im letzten Jahr haben wir tatsächlich eine bemerkenswerte Expansion multilateraler Friedensmissionen und
Friedensinitiativen beobachtet. Vor kaum einem Monat
hat der Präsident zusammen mit 13 anderen Staatsund Regierungschefs beim Sicherheitsrat Unterstützung für die neugewonnene Bedeutung der Vereinten
Nationen für den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit demonstriert.
Aber Friedensmissionen ziehen sich schmerzlich in
die Länge. Indien und Pakistan zum Beispiel haben
soeben erst den ersten Versuch zum Versöhnungsprozeß unternommen. Friedensmissionen in El Salvador, Kambodscha und anderen Ländern werden teuer.
Gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft müssen wirbeides dauerhaft unterstützen. Das
ist der Preis des Erfolgs.
Die Öffnung von Märkten für amerikanische Produkte
und Dienstleistungen stellt uns vor eine besonders
komplexe Herausforderung. Auf bilateraler Ebene
müssen wir verhandeln, um zu gewährleiten, daß
unsere Waren und Dienstleistungen nicht von einzelnen Auslandsmärkten verbannt bleiben. Weltweit
müssen wir die Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, daß die Uruguay-Runde erfolgreich ist und
Handelsschranken weltweit abgebaut werden. Das ist
nicht nur für die Vereinigten Staaten eminent wichtig,
sondern auch für Entwicklungsländer und die aufstrebenden Demokratien Mittel- und Osteuropas und der
früheren Sowjetunion.
Femer müssen wir weiterhin dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen Impuise geben, das letztlich
den größten Markt der Welt hervorbringen wird, mit
einer Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar und einer
Bevölkerung von über 360 Millionen.
Schließlich, Herr Vorsitzender, sollten wir die Aufgabe
der Konsolidierung demokratischer Werte nicht vergessen. Die Demokratie hat nicht überall gesiegt. Ihr
Sieg ist sicherlich nicht zwangsläufig. In weiten Teilen
der Welt bleiben repräsentative Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein kaum realisierter oder sogar femer
Traum. Das Beispiel Haiti ist hierfür ein tragisches
Beispiel.
Wir müssen daran denken, daß die Vereinigten Staaten nicht nur aus militärischer und wirtschaftlicher
Macht bestehen: Wir sind überall das Sprachrohr
demokratischer Werte.
Meiner Meinung nach können wir diesen und anderen
Herausforderungen gerecht werden. Ich denke, wir
können eine effektive Politik konzipieren, die unserem
Interesse an einer freien, wohlhabenden und friedlichen Welt gerecht wird. Meiner Ansicht nach wird uns
dieser Haushalt diesem Ziel ein Stück näher bringen.

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�USA-DEUTSCHLAND
26. Februar 1992

STEUBEN UND SCHURZ ALS SYMBOLE
DEUTSCH-AMERIKANISCHER ZUSAMMENARBEIT
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
MAGDEBURG - (AD) - Bei einem Besuch der Stadt Magdeburg traf der Botschafter der Vereinigten Staaten in
Bonn, Robert M. Kimmitt, am 24. Februar 1992 mit Landes- und Kommunalpolitikern zusammen.
Bei dieser Gelegenheit übergab der Botschafter in Anwesenheit von Kultusminister Werner Sobetzko eine
Bücherspende von 6.000 Bänden an die neue Internationale Bibliothek der Stadtbücherei. Die Bücher stammen
aus der im Rahmen des Truppenabzugs schließenden amerikanischen Gemeindebibliothek in Neckarsulm.
Nach der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Magdeburg hielt Botschafter Kimmitt eine Rede vor der
Steuben-Schurz-Gesellschaft zu Fragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen, der Neuordnung der
internationalen Beziehungen nach dem Ende des kalten Krieges und zum amerikanischen Engagement in den
neuen Bundesländern.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
als ich im vergangenen Jahr in Deutschland ankam,
war ich mir darüber im klaren, das der Arbeit in den
neuen Bundesländern ein hoher Stellenwert gegeben
werden mu ßte. Die Gründung einer Steuben-SchurzGesellschaft in Magdeburg ist ein bedeutendes Ereignis, und ich freue mich, daß mein erster offizieller
Besuch in Sachsen-Anhalt es mir ermöglicht, die Freude darüber mit Ihnen zu teilen.

Ich möchte heute nachmittag auf vierThemenbereiche
eingehen:
Erstens auf den Beitrag, den Steuben und Schurz
für die amerikanische Geschichte geleistet haben.
Zweitens auf das deutsche Erbe in Amerika.
Drittens auf die transatlantischen Beziehungen
in der Zeit nach dem kalten Krieg.
Und viertens auf Amerikas Engagement in den
neuen Bundesländern.

Ich habe absichtlich den Ausdruck "offizieller Besuch" verwendet, weil mein erster privater Besuch in
Sachsen-Anhalt im November 1960 stattfand, als mein
Vater bei den US-Streitkräften in Heidelberg stationiert
war. Damals konnte ich nur auf der Autobahn zwischen Helmstedt und Berlin an der Ausfahrt Magdeburg vorbeifahren. Also war es ein herrliches Gefühl,
heute diese Ausfahrt zu benutzen und dieser schönen
Stadt zum ersten Mal persönlich und nicht nur als
Name auf einem Schild zu begegnen.

Steuben und Schurz und die amerikanische
Geschichte

Es war ein sehr angenehmer Tag für mich, an dem ich
Magdeburg und seine Bürger kennengelernt habe.
Neben einer Anzahl interessanter Treffen hatte ich die
Ehre, eine Sammlung amerikanischer Bücher an die
Stadtbibliothek zu übergeben. Doch darüber spreche
ich später.

Carl Schurz wanderte 1852 in die USA aus. Er wurde
im Bundesstaat Wisconsin ansässig und sagte bald
der Sklaverei den Kampf an und ermutigte viele seiner
deutsch-amerikanischen Mitbürger ebenfalls dazu. Beim
Ausbruch des Bürgerkrieges trat er freiwillig in die
Armee ein und setzte sich dann als Generalmajor für

AMERIKA DIENST 8

Diese Organisation, die Steuben-Schurz-Gesellschaft,
hat zwei Namenspatrone - Friedrich Wilhelm von Steuben
und Carl Schurz - die beide außerordentlich gute
Beispiele für prominente deutsch-amerikanische Persönlichkeiten sind und dafür, was unsere beiden Völker gemeinsam haben. Ich denke, auch heute können
beide immer noch durchaus als Vorbilder gelten.

Seite 1

�den Kampf gegen die Sklaverei und für die nationale
Einheit ein. Zehn Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges wurde er Innenminister und kämpfte leidenschaftlich für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung
der von der Sklaverei befreiten Schwarzen, unter
anderem auch für ihre Zulassung zur Tätigkeit im
öffentlichen Dienst. Carl Schurz war auch ein früher
Verfechter des Umweltschutzes und setzte sich besonders für den Schutz der öffentlichen Forsten ein.
Ein besonderer Grund, hier in der Landeshauptstadt
eine Steuben-Schurz-Gesellschaft zu gründen, ergibt
sich aber durch Friedrich Wilhelm von Steuben. Steuben wurde 1730 - wie Sie sicher alle • !-,sen - in
Magdeburg geboren. Aufgrund seines Fleißes und
seiner Fähigkeiten brachte er es bis zum Hauptmann
in der preussischen Armee. Nach dem Frieden von
1763 wurde er aus der Armee entlassen und gelangte
kurz nach Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges durch die Vermittlung des amerikanischen
Vertreters in Paus, Benjamin Franklin, in die neue
Welt. Steuben beeindruckte den amerikanischen
Oberbefehlshaber General Washington mit seinem
praktischen Wissen und seinen Erfahrungen, die er als
preussischer Stabsoffizier gemacht hatte, so sehr,
daß Washington ihn zum Generalinspekteur und Generalleutnant ernannte. Steuben machte aus amerikanischen Bauern und Handwerkern eine effektive Streitkraft, die eine wesentliche Voraussetzung für die Erringung der Unabhängigkeit der neuen Vereinigten Staaten war.
Diese beiden Deutsch-Amerikaner verkörpern vieles,
was wir als transatlantische Partner gemeinsam haben. Sie strebten die gleichen Werte an, die auch
unsere beiden Völker insbesondere während der letzten 45 Jahre verbunden haben: das Streben nach
Einheit und Freiheit, Demokratie und Wahrung der
Menschenrechte. So wie Steuben und Schurz viel zum
Aufbau und zum Erhalt der Vereinigten Staaten beigetragen haben, wollen wir Amerikaner den neuen Bundesländern unsere Hilfe bei der Herstellung der inneren Einheit Deutschlands in all ihren Dimensionen
anbieten.
Das deutsche Erbe in Amerika
Viele Amerikaner haben familiäre Bande zu Deutschland - nach der letzten Volkszählung fast ein Drittel. Für
viele von ihnen ist Deutschland die "alte Heimat"
geblieben. Die Vorfahren meiner Mutter kamen in der
Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover.
Es ist schön, daß nun auch dieser Teil des Landes
leichter zugänglich ist für Amerikaner, die sich freuen,
jetzt die Wirkungsstätten von Goethe, Schiller, Luther,
Telemann und nicht zuletzt von Otto von Guericke
besuchen zu können.

Seite 2

Ein weiterer, sehr wichtiger Grund für unsere Verbundenheit mit Deutschland ist die gemeinsame Geschichte der letzten 45 Jahre mit dem westlichen Teil dieses
Landes. Diese gemeinsame Geschichte war stets
getragen von den gemeinsamen Prinzipien wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, freier Marktwirtschaft,
Verpflichtung gegenüber den sozial Schwachen und
Wahrung der Rechte und der Freiheit des einzelnen.
Die erfreulichste Entwicklung innerhalb der deutschamerikanischen Geschichte ist dabei die deutsche
Vereinigung. Diese Entwicklung war ein stetes Ziel der
USA und ist von amerikanischer Seite von Anfang an
stets ohne irgendwelche Vorbehalte gefördert worden.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen und Ihren Mitbürgern
aus der früheren DDR meine Hochachtung ausdrükken für Ihren Mut, mit dem Sie für eine Wende in Ihrem
Land eingetreten sind. Damit - so hoffen wir - stehen
wir Amerikaner am Ende des kalten Krieges endlich
auch am Anfang einer gemeinsamen Geschichte mit
dem östlichen Teil Deutschlands.
Die transatlantischen Beziehungen nach dem
kalten Krieg - gemeinsame Werte binden
Europa und Amerika
Dieses neue Kapitel der Geschichte eröffnet nicht nur
für Deutschland, sondern für ganz Europa sicherlich
viele neue Chancen.Die Vereingten Staaten sind und
wollen eine europäische Macht bleiben, und unsere
Politik in Europa folgt weiterhin dem Grundsatz des
einvernehmlichen Handelns von untereinander gleichberechtigten Partnern in der transatlantischen Wertegemeinschaft.
Aber Europas Gewicht, besonders in Hinsicht auf die
EG-Einigung, wird im Verhältnis zu den Vereinigten
Staaten größer. Die Vereinigten Staaten unterstützen
die Bestrebungen zur europäischen Integration genauso vorbehaltlos und energisch wie vor 35 Jahren,
als die Römischen Verträge unterzeichnet wurden.
Denn ein erfolgreiches, vereintes Europa hat positiven
Einfluß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand auf
der ganzen Welt. Wir Amerikaner hoffen aber, daß die
politische und wirtschaftliche Einigung der EG eher
einklammernd als ausklammernd ist und daß die EG
aufgrund ihrer inneren Stärke der Welt noch offener
gegenübertreten wird. So hoffen wir zum Beispiel, daß
die GATT-Verhandlungen für freien Welthandel bald
zu einem positiven Ergebnis kommen werden.
Auch die NATO wandelt sich in diesem neuen Kapitel
unserer gemeinsamen Geschichte. Sie ist, war und
wird stets ein defensives Bündnis durch gemeinsame
Werte verbundener Nationen sein. Angesichts der
Tatsache, daß wir noch nicht im ewigen Frieden leben
und deshalb auch in Zukunft mit Problemen rechnen
müssen, bleibt die Sicherheitsstruktur und -gewährleistung der NATO weiterhin unabdingbar. Aber obwohl

AMERIKA DIENST 8

�die NATO in einer sich rasch verändernden Welt
Stabilität gewährleistet, hat auch sie neue Aufgaben
übernommen. Im Rahmen der von Außenminister
Baker und seinem Amtskollegen Genscher vorgeschlagenen erweiterten "transatlantischen Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok" beinhalten
diese neuen Aufgaben der NATO die Institutionalisierung des Dialogs mit den Ländern Ost- und Mitteleuropas sowie den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und
humanitäre Hilfsaktionen. Was die letztgenannten
Maßnahmen anbelangt, so konnten im Rahmen der
heutigen Luftbrücke "Aktion Hoffnung" die ersten
NATO-Militärflugzeuge in Frankfurt und Berlin in Richtung ehemalige Sowjetunion starten.
Es ist also klar zu erkennen, daß in diesem neuen
Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte die transatlantische Gemeinschaft als Ganzes sowie Deutschland und die Vereinigten Staaten als Mitglieder in eine
Phase tiefgreifenden Wandels eingetreten sind.
Sie öffnen sich nach Osten, während sich gleichzeitig
die inhaltlichen Akzente verschieben. Die Sicherheitspolitik tritt in den Hintergrund, Wirtschaft und Kultur
rücken in den Vordergrund.
Amerikas Beitrag in den neuen Bundesländern
Wirtschaft und Kultur bilden auch die Schwerpunkte
unserer Freundschaft mit den neuen Bundesländern.
Was den wirtschaftlichen Aufbau angeht, so ist das
amerikanische Engagement oder auch das anderer
Partner sicherlich nicht an dem der westdeutschen
Investoren zu messen, aber es bleibt dennoch beachtlich. Über hundert US-Konzerne sind vertreten. Allein
die fünf Spitzeninvestoren haben über zwei Milliarden
DM eingesetzt und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.
Ich habe übrigens selbst auch eine persönliche Beziehung zu Produkten aus dem Osten und weiß sie zu
schätzen. Meine Eltern haben im Jahr 1947 in Berlin
geheiratet, und ich wurde genau neun Monate später
in den Vereinigten Staaten geboren. Somit bin auch ich
"Made in Germany".
Neben der Privatwirtschaft ist die amerikanische
Regierung - vertreten durch ihre Bonner Botschaft, die
Konsulate und die Amerika-Häuser - in den neuen
Ländern aktiv. Unser Ziel besteht darin, über Amerika
und seine Rolle in der transatlantischen Gemeinschaft
zu informieren, Kontakte aufzubauen und auf diese
Weise auch die Bürger der neuen Länder Schritt für
Schritt in die freundschaftlichen Beziehungen einzubeziehen, die wir zu unseren westdeutschen Partnern
bereits seit rund 45 Jahren unterhalten.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit hier liegt auchauf den
Austauschprogrammen, die Menschen aus dem einen
Partnerland ins andere führen. Sie zielen überwiegend

AMERIKA DIENST 8

auf Personenkreise, aus denen sich in den nächsten
Jahrzehnten die Führungsspitzen von Politik, Wirtschaft, Medien und Geistesleben rekrutieren werden.
Viele dieser Programme bestanden schon vor dem
Fall der Mauer und wurden inzwischen auf die neuen
Länder ausgedehnt, andere werden speziell für die
neuen Länder entwickelt.
Zu den erfolgreichsten Programmen dieser Art zählen
die folgenden:
Der Spitzenreiter ist das traditionsreiche Fulbright-Programm, von dem bisher 25.000 Deutsche und Amerikaner profitieren konnten.
Hervorzuheben ist auch das parlamentarische
Patenschaftsprogramm Deutscher Bundestag/
Kongreß USA. Es gilt Schülern und jungen
Berufstätigen, vermittelt Stipendien und Familienaufnahme im Partnerland und kam seit seiner Gründung im Jahre 1983 rund 5.400 Deutschen und Amerikanern zugute.
Sehr erfolgreich ist auch das 1982 ins Leben
gerufene deutsch-amerikanische Partnerschaftsprogramm, das kompletten Schulklassen einschließlich ihren Lehrern einmonatige Aufenthalte an Schulen des Partnerlandes ermöglicht.
Bilanz bisher: Rund 63.000 Teilnehmer aus
beiden Ländern, Tendenz steigend.
Älter und traditionsreicher ist das "International
Visitors Program" der Regierung der Vereinigten Staaten. Es ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus Politik, Medien und Kultur vierwöchige
Studienreisen durch die USA und hatte bisher
ca. 17.000 deutsche Nutznießer.
Wie ich im Januar während eines Besuchs in Neubrandenburg bekanntgeben konnte, werden die Vereinigten Staaten 1992 trotz der Haushaltsengpässe die
Gelder für das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme um mehr als eine Million Dollar
erhöhen. Damit soll dem erweiterten Bedarf in den
neuen Bundesländern Rechnung getragen werden.
Andere Projekte und Maßnahmen in den neuen Ländern kommen hinzu: Fortbildungsseminare für Englischlehrer, die Einrichtung eines Generalkonsulats
und eines Amerika-Hauses in Leipzig, oder auch das
Bücherprogramm, in dessen Rahmen schon weit über
100.000 Bände aus den Beständen der Bibliotheken
heimkehrender amerikanischer Truppenteile an Büchereien in den neuen Ländern verschenkt wurden.
Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Ihr
Oberbürgermeister, Herr Dr. Polte und ich gerade von
der feierlichen Übergabe einer solchen Truppenbibliothek kommen. Anhand von 6.000 Bänden aus unserer
Kaserne in Heilbronn können Sie sich jetzt in der neuen

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�Internationalen Bibliothek der Stadt Magdeburg in der spielen eine wesentliche Rolle bei der VölkerverstänEinsteinstraße 11 selbst über Wissenswertes aus den digung. Und ich bin sicher, daß, wenn wir beiderseits
USA informieren.
die Partnerschaft im Geiste von Schurz und Steuben
pflegen, wir auch zuversichtlich sein können, daß sie
Wir Amerikaner bemühen uns mit allen Kräften, die sich positiv entwickeln wird. Ich hoffe von ganzem
Menschen in den neuen Bundesländern zu erreichen Herzen, daß sich viele interessante und nützliche
und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen anzu- Kontakte zwischen Ihnen und meinen amerikanischen
streben. Da es aber bei der Entstehung und Erhaltung Landsleuten ergeben werden. Ich wünsche Ihnen bei
einer Freundschaft immer zwei Partner braucht, bin ich der Gründung der Steuben-Schurz Gesellschaft viel
sehr froh, daß so viele von Ihnen ein Interesse an der Glück und alles Gutel
Gründung einer deutsch-amerkanischen Freundschaftsorganisation haben. Ich denke, solche Organisationen Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
* * * * *

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AMERIKA DIENST 8

�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

USA BENNENEN IN GENF
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Rede von Botschafter Blackwell vor der
UN-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Kuba, der Irak, Iran, Nordkorea, China und Burma sind "grundsätzlich repressive Gesellschaften", erklärte Botschafter J. Kenneth Blackwell am 19. Februar 1992 vor der UN-Menschenrechtskommission.
"Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt nicht zufrieden. Statt dessen bekämpfen sie unentwegt die
Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig - oder keine - Skrupel", stellte der amerikanische Vertreter gegenüber
der aus 53 Nationen zusammengesetzten Kommission in einer Ansprache fest, die Verletzungen von
Menschenrechten und Grundfreiheiten weltweit zum Inhalt hatte.
Blackwell verwies jedoch auch auf "beachtliche Leistungen" bei der Förderung von Menschenrechten oder
positive Tendenzen wie in Argentinien, Chile, den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und den
aufstrebenden Demokratien in Osteuropa, Benin, Sambia, Angola, Äthiopien und El Salvador.
Blackwell zufolge sind die Vereinigten Staaten der "festen Überzeugung", daß die Freiheit trotz immer noch
vorkommender Menschenrechtsverletzungen weltweit auf dem Vorsmarsch ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Blackwell im Wortlaut.

Eine Nation, die Menschenrechte geringschätzt, fordert das von dem amerikanischen Dichter Robert Frost
beschriebene Schicksal heraus - auf nichts mit Stolz
zurückblicken und auf nichts hoffnungsvoll vorausschauen zu können. Denn die Verpflichtung zu den in
der Allgemeinen Deklaration verankerten Menschenrechtsprinzipien begründet im wesentlichen den Grad
der Zivilisation einer Nation, ihr Recht auf die Loyalität
ihrer Bürger.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten werden die
Rechte des einzelnen wie Redefreiheit und freie Religionsausübung nicht durch die Großzügigkeit des
Staates vergeben, sondern die Hand Gottes. Eine
Nation, die diese Rechte wahrt, trägt nicht nur dem
immanenten Wunsch des Menschen zur Kontrolle
seines Schicksals Rechnung, sondern auch seinem
Wunsch nach Fortpflanzung und Mehrung des Wohlstands. In dieser speziellen Hinsicht sind Menschenrechte ebenso eine Voraussetzung für Entwicklung
wie für individuellen Ausdruck.
Die Einhaltung von Menschenrechtsgrundsätzen durch
eine Nation ist nicht nur eine Angelegenheit interner
Erörterung oder gar eine Frage der Einhaltung interna-

AMERIKA DIENST 8

tionaler Verplf ichtungen - so wichtig dies ist. Es ist eine
Angelegenheit, die uns alle betrifft, denn, wann immer
einem von uns Rechte verweigert werden, sind unser
aller Rechte bedroht.
Aus diesem Grund können Menschenrechte nicht die
interne Angelegenheit eines Landes sein, über die es
selbst entscheiden kann. Daher ist es die Pflicht
dieses Gremiums, die dunklen Geheimnisse zu enthüllen, die einige Länder lieber verbergen würden. Wir
müssen Schritte gegen die ungeheuerlichsten Menschenrechtsverletzer unternehmen und sie zur Rechenschaft ziehen.
Beachtliche Leistungen und positive Tendenzen
Bevor ich die Verletzungen anspreche, die in einigen
Teilen der Welt vorkommen, möchte ich auf eine Reihe
beachtlicher Leistungen und positiver Tendenzen eingehen. Argentinien beispielsweise hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei seinen Bestrebungen zur Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit
und der Förderung von wirtschaftlicher Entwicklung
erzielt. Die Inflationsrate ist bemerkenswert gesunken, die Währung hat sich stabilisiert, und ein erweiter-

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�ter Prozeß der Deregulierung und Privatisierung macht
Fortschritte. All dies hebt sich sehr positiv gegen die
schmerzliche Menschenrechtssituation vor zehn oder
mehr Jahren ab. In dem der Menschenrechtskommission 1983 vorgelegten Bericht (E/CN.4/1983/14) der
Arbeitsgruppe zu verschwundenen und verschleppten
Personen stellte die Arbeitsgruppe test, sie habe rund
850 Fälle vermißter Personen in Argentinien geprüft
und der argentinischen Regierung Berichte und die
einschlägigen Dokumente zu 637 dieser Fälle vorgelegt.
Anfänglich erforderte die Notwendigkeit der Wiedergeburt und Erneuerung einen Prozeß der Recnenschaftspflicht und Katharsis, der nicht alle zufriedenstellte.
Am 29. Dezember 1990 begnadigte Präsident Menem
fünf Mitglieder der ehemaligen Militärjunta sowie andere Angehörige der Regierung und des Militärs, die
unter der Militärherrschaft wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt worden waren. Auch der ehemalige Montenero-Führer Mario Firmenich wurde begnadigt. Präsident Menem verteidigte diese Begnadigungen als notwendigen Schritt zur nationalen Aussöhnung, und es ist nur fair zu sagen, daß Argentinien
als Ganzes jetzt seine Energien auf einen konstruktiven und zukunftsorientierten Kurs konzentriert. Die
Vereinigten Staaten freuen sich sehr darüber, und wir
beglückwünschen die argentinische Regierung und
das Volk zu den beeindruckenden Leistungen.
Chile ist eine weitere Nation, in der Beschuldigungen
über Menschenrechtsverletzungen lange ein Thema
waren, das zu großer Besorgnis der internationalen
Staatengemeinschaft Anlaß gab. Verbesserungen
wurden von Zeit zu Zeit festgestellt, aber die Fortschritte erfolgten relativ langsam. Der Bericht des Sonderberichterstatters von 1981 über die Situation der
Menschenrechte in Chile (A/36/594) zitierte beispielsweise Daten, die von Menschenrechtsorganisationen
zur Verfügung gestellt worden waren, denen zufoge
die Gesamtzahl der Verhaftungen aus politischen Gründen von 771 im Jahr 1979 auf 729 1980 und 675 im
Jahr 1981 zurückgegangen war.
Dies gehört jedoch einer relativ fernen Vergangeneheit
an, denn der Prozeß der politischen und humanitären
Aussöhnung macht in Chile jetzt gute Fortschritte. Am
5. März 1991 hielt Präsident Aylwin eine längere Rede
vor der Nation, in der er den Bericht der nationalen
Kommission für Wahrheit und Aussöhnung zusammenfaßte. Mit der Aussage, "Begnadigung erfordert
auf der einen Seite Reue und auf der anderen Großzügigkeit", übernahm Präsident Aylwin die Last der
Menschenrechtsverletzungen im Namen der Nation
und bat die Angehörigen der Opfer um Vergebung.
Zehn Monate später, am 31. Januar 1992, führte
Präsident Aylwin den Vorsitz bei einer feierlichen
Zeremonie, während der er ein Gesetz verabschiedete, das den Angehörigen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen Wiedergutmachungszahlungen
gewährt.
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Die Vereinigten Staaten sind über diese positiven
Entwicklungen in Chile sehr erfreut, und wir stellen
fest, daß sie mit kontinuierlichem Wirtschaftswachstum und abnehmender Inflation einhergehen. Wir
beglückwünschen die Regierung und das Volk Chiles
zu den beeindruckenden Leistungen.
Im vergangenen Jahr haben die tiefgreifendsten Veränderungen auf der Welt in Rußland, der Ukraine,
Weißrußland und den anderen Republiken stattgefunden, die ehemals Teil der Sowjetunion waren. Diese
Ereignisse haben - ebenso wie die vorherigen Umwälzungen in Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei,
Bulgarien, Rumänien und Albanien - enorme positive
Auswirkungen für die verbesserte Achtung der Menschenrechte und den praktischen Genuß grundlegender Freiheiten. Während diese Länder ihre nationalen
Institutionen wiederaufbauen, um sie humaner und
flexibler zu machen, sind die Vereinigten Staaten
bereit, mit jedwedem Rat oder technischer Hilfe zur
Seite zu stehen, die erbeten werden könnten.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber hinaus der
tiefgreifenden Fortschritte in Afrika zu demokratischeren Praktiken, politischem Pluralismus und verbessertem Genuß grundlegender Freiheiten wohl bewußt.
Benin und Sambia sind gute Beispiele für diesen
Trend. Wir hoffen und glauben, daß weitere progressive Veränderungen in Afrika andauern und die Entwicklung des Kontinents zu verbesserter Achtung der
Menschenrechte intensivieren wird.
Angola, Äthiopien und El Salvador lassen jetzt die
lange Zeit des anhaltenden Bürgerkriegs hinter sich.
Dies ist Grund zu beträchtlichem Optimismus, und wir
blicken der verbesserten Wahrung der Menschenrechte in den kommenden Jahren hoffnungsvoll entgegen.
Weiterhin besorgniserregende Situationen
Ich bedaure, daß sich in anderen Teilen der Welt
weiterhin Anlaß zu ernster Sorge bietet. Am 29.
Januar habe ich die Auffassung der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Frage der Mißachtung von
Menschenrechten in den arabisch besetzten Gebieten
erläutert. Dabei habe ich unsere Hoffnung auf einen
umfassenden und dauerhaften Frieden in der Region
ebenso bekundet wie unsere Überzeugung, daß die
Achtung der Menschenrechte aller unabdingbar ist
und die Verhandlungen positiv beeinflussen wird.
Am 3. Februar habe ich auf die Notwendigkeit verwiesen, den unumkehrbaren Prozess bahnbrechender
Veränderungen in Südafrika fortzuführen, um die
Abschaffung der Apartheid zu vollenden und andere
noch bestehende Menschenrechtsprobleme zu lösen.
Wir gratulieren nochmals der Regierung Präsident De
Klerks, dem ANC und anderen an den Verhandlungen
beteiligten Organisationen in der Hoffnung, daß sie
den Prozeß in einem angemessenen Zeitrahmen
durchführen und beschleunigen.
AMERIKA DIENST 8

�In Haiti wurde eine demokratisch gewählte Regierung
am 29. September 1991 durch einen Militärputsch
gestürzt. Die verfassungsmäßige Ordnung ist noch
nicht wiederhergestellt, trotz der Aufforderung
der Generalversammlung und konstruktiver Verhandlungen der Organisation amerikanischer Staaten.
Willkürliche Festnahmen zählen nach wie vor
zu den Menschenrechtsverletzungen in Haiti.
Im Sudan hat der anhaltende Bürgerkrieg auf allen
Seiten zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung
gefordert, und viele Menschen wurden mißhandelt.
Die Vereinigten Staaten sind sehr besorgt, in welchem
Maße die Regierung freie Rede, die Presse, Versammlungsfreiheit und politische Wahlfreiheit unterdrückt. Die Regierungsbehörden haben zu Mitteln
gegriffen wie willkürliche Festnahmen, Haft ohne
Anklageerhebung und unfaire Porzesse gegen Zivilisten vor Militärgerichten. Darüber hinaus konnten die
staatlichen Sicherheitsdienste ungehindert operieren,
haben dabei oftmals Bürger schikaniert und belästigt
und Zivilisten gefoltert, die als Regimegegner galten.
Eine Maßnahme der Regierungsbehörden verursacht
ungeheures Leid: die Zwangsumsiedlung von über
200.000 Menschen aus Khartum in einsame und öde
Landstriche ohne Wasser und andere lebensnotwendige Voraussetzungen.
Der kalte Krieg ist beendet, aber der Konflikt unter den
Bürgern in Afghanistan ist nach wie vor ungelöst. Fünf
Millionen Afghanen sind geflüchtet, vor allem nach
Pakistan und in den Iran, eine weitere Million wurde
innerhalb des Landes vertrieben. Trotz einiger größtenteils kosmetischer Reformen bei Gesetzen und der
1990 eingeführten Verfassung schränkt das Regime
immer noch fast alle Menschenrechte ein. Es gibt
weniger Einschränkungen persönlicher Freiheiten in
Gebieten, die nicht der Kontrolle des Regimes unterliegen, obwohl glaubwürdige Berichte vorliegen, daß
auch Widerstandsgruppen ihre Gegner angegriffen,
gefoltert, getötet oder inhaftiert haben.
Auch die Bürger Zaires sind Opfer willkürlicher Inhaftierungen und körperlicher Mißhandlungen. Bei den
Unruhen vom 23. und 24. September 1991 und den
Aufständen im darauffolgenden Oktober waren die
Sicherheitskräfte für einen großen Teil der Plünderungen verantwortlich. Ferner schikanieren sie nach wie
vor einzelne Bürger und stehlen ihnen ihr Eigentum.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Entscheidung
der indonesischen Regierung, die Zwischenfälle vom
12. November in Osttimor zu untersuchen. Wir stellen
fest, daß sich die indonesische Regierung für Disziplinarmaßnahmen gegenüber den Sicherheitskräften
einsetzt, die exzessive Gewalt anwenden, und sie hat
versprochen, daß sich solche Zwischenfälle nicht
wiederholen werden.
Im Kontext der jüngsten Kämpfe in Jugoslawien scheinen verschiedene Seiten viele Greueltaten und andere
Verletzungen von Menschenrechten und GrundfreiAMERIKA DIENST 8

heiten begangen zu haben. Wir finden dies höchst
beunruhigend und unterstützen aktiv die kontinuierlichen Bestrebungen der Vereinten Nationen und der
Europäischen Gemeinschaft zugunsten friedlicher
Dauerlösungen.
Durch und durch repressive Gesellschaften
Manche Regierungen sind mit willkürlicher Gewalt
nicht zufrieden. Stattdessen bekämpfen sie unentwegt die Rechte ihrer Bürger und zeigen dabei wenig
oder keine Skrupel.
Leider müssen wir feststellen, daß hiermit das Verhalten der kubanischen Regierung angemessen beschrieben ist, die den Willen der internationalen Staatengemeinschaft mißachtet und die Zusammenarbeit mit
dem Sonderbeauftragten des Generalsekretärs verweigert. Die Regierung Kubas schränkt alle grundlegenden Menschenrechte stark ein, Rede-, Versammlungs- und Bewegungsfreiheit ebenso wie das Recht
auf Privatsphäre, Arbeitnehmerrechte und das Recht
der Bürger, ihre Regierung zu verändern. Im November vergangenen Jahres haben die kubanischen
Behörden eine Welle der Unterdrückung gegen Menschenrechtsaktivisten gestartet, größtenteils durch
"organisierten Widerstand" - Angriffe staatlich organisierter Mobs, die als spontane Ausbrüche gegen die
Aktivitäten von Dissidenten ausgegeben werden.
1991 gab es mindestens sechs Fälle, bei denen die
kubanischen Sicherheitskräfte gemordet haben, und
vertrauenswürdige Beobachter der Menschenrechte
haben erklärt, es gebe etwa 200 politische Gefangene
und Untersuchungsgefangene. Die Rechtsprechung
in Kuba wird internationalen Maßstäben an faire und
unparteiische öffentliche Prozesse nicht gerecht, und
offizielle Einmischung in Privat- oder Familienangelegenheiten bleibt eines der repressivsten und vorherrschenden Merkmale des Lebens in Kuba. Darüber
hinaus diskriminiert die kubanische Regierung Gläubige und belegt die Ausübung der Religion mit strengen
Einschränkungen.
Das Regime im Irak verletzt weiterhin systematisch
nahezu alle Menschenrechte, und politische Morde
sind an der Tagesordnung. Die Exekution vermeintlicher Systemgegner trat besonders deutlich im Frühjahr letzten Jahres bei den Bestrebungen des irakischen Militärs und der Sicherheitskräfte zutage, die
Aufstände im Süden und Norden niederzuschlagen.
Im Laufe dieser Kampagne bombardierten irakische
Truppen fortgesetzt dicht besiedelte Gebiete, wobei
schätzungsweise Zehntausende von Menschen getötet wurden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1991
führten irakische Bodentruppen und Kampfhubschrauber regelmäßige Angriffe gegen Stellungen der Dissidenten im südlichen Sumpfland durch, einschließlich
der Stadt Nasiriya. Die Büros der Vereinten Nationen
und andere internationale Beobachter schätzen, daß
etwa eine halbe Million Schiiten durch die Militärblockade in einem Gebiet gefangen sind.
Seite 3

�Trotz eines verfassungsmäßigen Verbots der Folter
praktizieren die irakischen Sicherheitsorgane routinemäßig verschiedene Techniken körperlicher Folter darunter Verbrennen von Körperteilen, Elektroschocks,
Schläge, Brechen von Gliedmaßen sowie die Verweigerung von Nahrung und Wasser. Presse- und Redefreiheit existieren im Irak nicht, und abweichende politische Meinungen werden nicht toleriert. Irakische
Bürger dürfen sich nicht versammeln oder organisieren, es sei denn zur Unterstützung des Regimes, und
irakische Arbeitnehmer dürfen sich keinen Gewerkschaften anschließen, die nicht der Kontrolle des
Regimes unterliegen.
Auch im Hinblick auf den Iran kann es keinen Zweifel
daran geben, daß dort weiterhin ernsthafte Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Die iranische
Regierung bemüht sich jedoch intensiv darum, ihre
wahre Bilanz an Übergriffen zu verbergen und der
internationalen S^atengemeinschaft einzureden, die
Lage habe sich grundlegend und erheblich gebessert.
Wir haben keinen Grund, dies zu glauben. Statt
dessen gibt es zahlreiche Beweise für das Gegenteil:
Zu den andauernden Übergriffen gehören Massenexekutionen, der verbreitete Einsatz der Folter, Unterdrückung der Rechte auf Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit, das Fehlen fairer Prozesse, die anhaltende Unterdrückung der Religionsgemeinschaft der Bahai, schwere Einschränkungen der
Rechte von Frauen und Arbeitnehmern sowie die
Verweigerung des Rechts der Bürger auf Änderung
ihrer Regierung.
Die Vereinigten Staaten nehmen positiv zur Kenntnis,
daß die iranische Regierung im Dezember 1991 dem
Sonderberichterstatter erlaubte, den Iran zu besuchen, und wir sind erfreut, daß der Iran eine Vereinbarung unterzeichnet hat, die Besuche von Vertretern
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in
iranischen Gefängnissen vorsieht. Es muß jedoch
festgestellt werden, daß bisher noch kein solcher
Besuch stattgefunden hat und die Vielfalt und Qualität
der Anschuldigungen und Beschwerden, die dem
Sonderberichterstatter vorgetragen wurden, weiterhin
tiefgreifende und umfassende Übergriffe belegen.
Im Hinblick auf die anhaltende Notwendigkeit der
Beschäftigung mit den Menschenrechtsverletzungen
im Iran stehen sicherlich die Glaubwürdigkeit der
Organisation und das Ansehen dieses Gremiums auf
dem Spiel. Die Mitgliedstaaten der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen dürfen nicht zulassen, daß uns PR-Bemühungen, die letztlich ohne
Substanz sind, von unserer grundsätzlichen Pflicht der Bewahrung der in der Allgemeinen Deklaration der
Menschenrechte und anderen internationalen Urkunden proklamierten Prinzipien - ablenken. Wir gehen
nachdrücklich davon aus, daß die Kommission das
Mandat des Sonderberichterstatters zur Lage der

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Menschenrechte im Iran erneuern muß und sind zuversichtlich, daß die Mitgliedstaaten der Kommission
ihrer Verantwortung gerecht werden.
In der Demokratischen Volksrepublik Korea existiert
ein willkürlicher und strenger Sicherheitsapparat, und
die Regierung übt umfassende und allgegenwärtige
Kontrolle über alle Aspekte des täglichen Lebens aus.
Routinemäßige und systematische Unterdrückung der
Rechte auf Rede-, Presse-, Koalitions- und Religionsfreiheit sowie die Verweigerung weiterer Menschenrechte haben den nordkoreanischen Behörden einen
Spitzenplatz unter den repressivsten Despotien der
Welt beschert.
In China leben über eine Milliarde Menschen unter
einer Regierung, die weiterhin ihre Bürger für den
gewaltlosen Ausdruck ihrer politischen und religiösen
Überzeugungen bestraft. Zweieinhalb Jahre nach der
militärischen Unterdrückung auf dem Tiananmen- Platz
in Beijing sind immer noch Hunderte von Personen in
Gefängnissen und Umerziehungslagem eingesperrt,
weil sie es gewagt hatten, sich auf einem öffentlichen
Platz zu versammeln, um Demokratie und persönliche
Freiheit zu unterstützen. Die stattgefundenen Prozesse haben die in der chinesischen Verfassung vorgesehenen Bestimmungen für ordentliche Gerichtsverfahren ignoriert. Wir fordern die chinesische Führung auf,
diese mutigen Einzelpersonen freizulassen, die friedlich für ihre Überzeugungen demonstriert haben.
Anhänger von Religionsgemeinschaften sind in China
ebenfalls der Verfolgung preisgegeben. Katholiken
und Protestanten wurden bestraft, weil sie außerhalb
der staatlich gelenkten religiösen Organisationen ihren
Glauben praktizierten, und tibetische Nonnen und
Mönche sind inhaftiert, weil sie gegen die Regierung
demonstrierten. Auch dies steht einem Land schlecht
an, das in der Vergangenheit so viel zur Weltzivilisation
beigetragen hat und ein solch großes Potential für die
Zukunft aufweist.
In Myanmar (Burma) verweigert die herrschende Militärdiktatur weiterhin das Recht der Bevölkerung auf
Veränderung der Regierung, indem sie die Ergebnisse
der Wahlen von 1990 ignorierte. Eine Oppositionspartei, die Nationalliga für Demokratie, errang damals 80
Prozent der Sitze in der neuen Nationalversammlung,
aber der neuen Versammlung wurde bisher nicht
gestattet zusammenzutreten. Siebzig der neuen
Abgeordneten wurden aufgrund von politischen Anschuldigungen festgenommen, nahezu zwanzig flohen aus dem Land, mindestens sechs traten zurück,
und zumindest einer starb in der Haft. Die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht weiterhin unter
Hausarrest.
Folter, willkürliche Verhaftungen und Zwangsarbeit
sind Beispiele für die brutale Unterdrückung der Menschenrechte in Myanmar. Die Rechte auf Rede-,

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�Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit sind
weiterhin nicht gewahrt. Ein umfassendes Netz von
Informanten bespitzelt Dissidenten und Kritiker der
Militärregierung, und die Sicherheitskräfte überwachen selektiv Telephongespräche und Privatkorrespondenz. Arbeitnehmer haben nicht das Recht, sich
zu organisieren und an Tarifverhandlungen teilzunehmen, und sämtliche Wirtschaftsverbände und berufsständischen Gremien werden von der Militärregierung
beherrscht.

Ich möchte jedoch noch ein Wort der Vorsicht anbringen. Trotz der Ausbreitung von Demokratie und
Freiheit dürfen wir durch deren Erfolg niemals in Selbstzufriedenheit verfallen. Es wird immer den Kampf
gegen jene geben, die sie untergraben wollen, ob von
rechts oder von links. Und für diejenigen unter uns, die
in der glücklichen Lage sind, in Demokratien zu leben,
wird stets die Herausforderung bestehen, die Freiheiten, derer wir uns erfreuen, aufrechtzuerhalten und zu
nähren.

In ihrer Resolution 46/132 hat die Generalversammlung ihre Besorgnis über die ernste Menschenrechtssituation in Myanmar sowie die Notwendigkeit einer
baldigen Verbesserung zum Ausdruck gebracht. Wir
sind überzeugt, daß die Menschenrechtskommission
dasselbe tun und energische und effektive Maßnahmen für das Volk von Myanmar ergreifen sollte.

Abschließend möchte ich einen großen Afro-Amerikaner zitieren, eine der herausragenden Figuren im
Kampf gegen die Sklaverei in meinem Land - Frederick
Douglass. Und ich selbst spreche zu Ihnen als Urururenkel eines Sklaven. Douglass schrieb: "Die gesamte Geschichte des Fortschritts bei der Freiheit des
Menschen zeigt, daß alle für ihre hohen Forderungen
eingegangenen Konzessionen aus ernstem Kampf
hervorgegangen sind. Ohne Kampf gibt es keinen
Fortschritt. Diejenigen, die behaupten, sie seien für die
Freiheit und gleichzeitig Agitation mißbilligen, sind
Menschen, die Früchte pflanzen wollen ohne den
Boden umzupflügen, sie wollen Regen ohne Blitz und
Donner. Sie wollen den Ozean ohne das schreckliche
Tosen seiner vielen Wasser."

Trotz der von mir heute erörterten Mißstände sind die
Vereinigten Staaten der festen Überzeugung, daß die
Freiheit überall auf der Welt auf dem Vormarsch und es
nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Tyrannen und
Unterdrücker die Botschaft verstehen, daß ihre Zeit
abgelaufen ist und ein neues Zeitalter anbricht, in dem
Demokratie und Menschenrechte vorherrschen.
*

AMERIKA DIENST 8

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�MENSCHENRECHTE
26. Februar 1992

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN SIND
"HAUPTURSACHE" VON FLÜCHTLINGSSTRÖMEN
Rede von Botschafter Abram vor der UNO-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Menschenrechtsverletzungen sind die "Hauptursache" von Flüchtlingsströmen, erklärte der
Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei der UNO-Menschenrechtskommission (UNCHR), Botschafter
Morris B. Abram, am 17. Februar 1992 in Genf.
Der Kommisson gegenüber stellte Abram fest, sie solle die Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren
Menschenrechtsbilanz zur Flucht ihrer Bürger geführt hat und diejenigen ausklammern, deren Menschenrechtspolitik zu einer Massenflucht führen könnte und Korrektivmaßnahmen zur Behebung solcher Menschenrechtsverletzungen fordern, bevor ein Massenexodus einsetzt.
Abram, der alternierende US-Vertreter bei der diesjährigen UNCHR-Sitzung rief die Länder auf, bei der
Aufnahme von Mitgliedstaaten der Kommission sorgfältiger vorzugehen.
"Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer", sind Mitglieder dieser Kommission, erklärte Abram und
forderte jeden Staat zur Übernahme seiner besonderen Verantwortung bei künftigen Wahlen zur Aufnahme in
die Kommission auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Botschafter Abram im Wortlaut.

Heute möchte ich zwei getrennte Bereiche ansprechen, die sich direkt auf "die weitere Förderung von
Menschenrechten und Grundfreiheiten" beziehen. Der
erste ist Massenflucht. Danach möchte ich die Grundstruktur der Kommission einer Überprüfung unterziehen. Beides sind schwierige, aber wichtige Angelegenheiten. Wir sprechen sie an, weil wir dieses
Gremium ernst nehmen.
Erschütternde Szenen mit Männern, Frauen und Kindern, die vor einer der zahlreichen Tyranneien in der
Welt fliehen, erzählen die schreckliche Geschichte der
Konsequenzen erzwungener Völkerwanderungen.
Regime, die Grundrechte verletzen, veranlassen ihre
Bürger häufig zur Flucht. Wenn diese Rechte mit
Füßen getreten werden, haben die folgenden erzwungenen Flüchtlingsströme Auswirkungen auf alle Gesellschaften, ihre Volkswirtschaften, ihr Bildungssystem und Staatswesen.
Derzeit haben schätzungsweise 17 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene ihr Heimatland verlassen, um
Zuflucht in den Nachbarländern zu suchen, die häufig
selbst erschreckend arm sind. Darüber hinaus wurden
rund 20 Millionen in ihrem eigenen Land verschleppt.

AMERIKA DIENST 8

Diese beispiellosen erzwungenen Flüchtlingsströme
sind eine Tragödie monumentalen Ausmaßes mit ernst
haften Konsequenzen.
Dies ist nicht nur eine kleine Welt, sondern sie wird
zunehmend - wie Wendeil Willkie, ein amerikanischer
Präsidentschaftskandidat während des Zweiten Weltkriegs vorhersagte - eine Welt. Diese Prognose hat
sich als richtig erwiesen, bedenkt man, daß moderne
Kommunikations- und Verkehrssysteme Menschen
binnen Stunden durch Zeitzonen und über Grenzen
hinweg befördern. Das Problem der Massenflucht und
Vertreibung in dieser kleiner werdenen Welt wird auf
der weltpolitischen Tagesordnung immer drängender.
Es ist ein Problem, das von dem UN-System als
Ganzes vordringlich angesprochen werden muß. Es
gibt kein anderes Forum.
Ein einheitliches UN-System erfordert eine einheitliche Reaktion. Die Hohe Flüchtlingskommissarin der
Vereinten Nationen spielt bei der Bereitstellung von
humanitärer Hilfe und dem Schutz von Flüchtlingen
sowie bei der Lösung von Flüchtlingsproblemen eine
entscheidende Rolle. Sie kann das Problem der
Flüchtlingsströme allein nicht in Angriff nehmen. Ein-

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�mutige Vereinte Nationen müssen die Ursachen der
Flüchtlingsströme erforschen und den Flüchtlingen
Schutz bieten. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP hat die Aufgabe, Massenwanderungen zu verhindern und die Heimkehrer wieder zu
integrieren. Andere UN-Gremien müssen sich mit den
zahlreichen anderen sozialen, kulturellen, politischen
und wirtschaftlichen Faktoren befaßen, die Wanderungsbewegungen erzwingen. Hierbei handelt es sich
um ein gravierendes und bedrohliches Problem, aber
die Vereinten Nationen haben bisher sehr wenig unternommen, um es an seiner Wurzel zu beseitigen.
Die Menschenrechtskommission hat ein cesonderes
Mandat für die Behandlung von Menschenrechtsproblemen bei großen Bevölkerungsbewegungen, bevor
diese auftreten. Wenn sie auftreten, sollte sie sich um
eine Lösung bemühen, so daß die Menschen sicher
und in Würde in ihre Heimat zurückkehren können.
Menschenrechtsvorletzungen gelten als Hauptursache erzwungener Völkerwanderungen, was auch
zahlreiche Untersuchungen der UNO belegen, vor
allem der Bericht eines Sonderberichterstatters an
diese Kommission von 1982. Ferner liegt uns der
Bericht der Gruppe von Regierungsexperten über die
internationale Zusammenarbeit zur Abwendung neuer
Flüchtlingsströme vor. Welchen Sinn haben diese
Studien, wenn ihre Schlußfolgerungen ignoriert werden? Führen wir hier eine sinnlose Übung durch?
Nehmen wir diese Berichte nicht ernst?
Per definitionem ist die Mißachtung von Menschenrechten eine Hauptursache für die Massenflucht von
Menschen, die in begründeter Angst vor Verfolgung
leben. Diese Verfolgung ist eine wichtige Ursache
dafür, daß es Flüchtlinge gibt.
Weniger offensichtlich - aber nicht weniger wichtig - ist
die Rolle, die Menschenrechtsverletzungen als Beitrag zu anderen Formen des Massenexodus leisten.
Die unmittelbare Ursache der meisten größten Flüchtlingsströme waren in den letzten Jahren bewaffnete
Konflikte, insbesondere Bürgerkriege. In vielen Fällen
sind diese bewaffneten Konflikte das Ergebnis einer
tiefverwurzelten ethnischen und politischen Spaltung,
hervorgerufen durch den Unmut von ethnischen oder
religiösen Minderheiten (manchmal auch Mehrheiten),
denen grundlegende Menschenrechte und Freiheiten
vorenthalten werden. Hier handelt es sich um Menschenrechtsverletzungen im großen Stil.
Die Entbehrungen und die Erniedrigung des Exils in
einem fremden Land haben unverhältnismäßig oft (zu
80 Prozent) Frauen und Kinder zu tragen. Wenn das
Jahrzehnt der Frauen und der Kindergipfel des vergangenen Jahres etwas wert sein sollen, dann muß diese
Kommission dem Schutz der Menschenrechte für die
Verwundbarsten - Frauen und Kinder - ihre besondere
Aufmerksamkeit widmen.

Seite 2

Meine Delegation hat unter dem Tagesordnungspunkt
18 bereits die Bedeutung erörtert, die Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte bei der Konfliktvermeidung zukommt. Auf diese Einzelheiten werde
ich heute nicht näher eingehen. Den Delegationen
möchte ich aber folgende Fragen stellen: Wäre die
allgemeine Achtung der Menschenrechte in der Vergangenheit die Norm gewesen, wieviele der Bürgerkriege und bewaffneten Konflikte, die den Massenexodus von heute hervorrufen, hätten dann verhindert
werden können? Was liegt den meisten Bürgerkriegen
und Menschenrechtsverletzungen zugrunde? Können wir tatsächlich hoffen, dieser Problem des Massenexodus zu lösen, wenn die Wurzel allen Übels Menschenrechtsverletzungen - immer noch existiert
und von dieser Kommission nicht bekämpft wird?
Meiner Meinung nach liegt die Antwort auf der Hand.
Natürlich kann auch extreme Armut zum Massenexodus führen, denn zwischen Menschenrechten und
wirtschaftlichem Fortschritt besteht eine komplizierte
und zugleich auffällige Verbindung. Auch die Rechte
des einzelnen sind ein Schlüssel für wirtschaftliche
Entwicklung. Westeuropa und Nordamerika sind nicht
die einzigen Beispiele für Regionen auf der Welt, wo
der Schutz der Rechte und grundlegenden Freiheiten
des einzelnen mit einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einhergehen. Auch andernorts sind
dafür zunehmend Beispiele zu beobachten - in Lateinamerika, Asien und Afrika.
Ich habe in anderen Foren darauf verwiesen, daß zum
Beispiel in Botswana zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit - 1966 - das Inlandsprodukt pro Kopf 69 Dollar
betrug. Heute, in einem demokratischen Rechtsstaat
mit zwei Parteien, beträgt es 1.500 Dollar. Von Botswana aus hat kein Massenexodus stattgefunden, wie
er an anderen Stellen des Kontinents erfolgt ist.
Es sind die angrenzenden armen Länder in Afrika,
Asien und Lateinamerika, die gezwungen sind, Tausenden, manchmal Millionen, Unterschlupf zu gewähren. Sie tragen die Hauptlast der Verantwortung, sich
um Vertriebene zu kümmern.
Was sollte die Kommission tun, um diese dringenden
Probleme zu lösen? Wir sollten diejenigen Regierungen zur Verantwortung ziehen, deren Umgang mit den
Menschenrechten zur Flucht ihrer Bürger geführt haben.
Wir sollten fordern, daß einzelne Länder grundlegende
Rechte akzeptieren, so daß Bürgersich nicht gezwungen fühlen, innerhalb oder außerhalb der Grenzen zu
fliehen. Wir sollten diejenigen Länder benennen, deren Menschenrechtspolitik zu massiven Strömen von
Flüchtlingen und Vertriebenen führen könnten und
fordern, daß sie Schritte unternehmen, um Menschenrechtsverletzungen abzubauen, bevor es zu solchen
Auswüchsen kommt. Es sollte zur Regel werden, daß
der UN-Flüchtlingskommissar jedes Jahr vor diesem
Gremium spricht und Fakten liefert, wo die größte Zahl
der betroffenen Menschen herstammt.

AMERIKA DIENST 8

�Dabei sollte eine Analogie berücksichtigt werden. Die
Charta der Vereinten Nationen stellt eindeutig eine
Beziehung zwischen der Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat und den Handlungen eines Mitgliedstaates
her. Insbesondere sollten Mitgliedstaaten "der Bewahrung des Weltfriedens und der internationalen
Sicherheit" verpflichtet sein. Ein vergleichbares Prinzip sollte für die Mitgliedschaft in der Kommission
gelten. Die Mitgliedstaaten sollten der Einhaltung der
Menschenrechte verpflichtet sein.

Die Menschenrechtskommission sollte als Licht in der
Dunkelheit leuchten. Dieses Licht kann die Dunkelheit
nicht ganz erhellen. Aber es kann einen bestimmten
Punkt beleuchten und den Bedürftigsten helfen, den
Weg in die Sicherheit zu finden.
Um es klar und deutlich zu sagen: Wenn die Stimme
der Kommission nicht zur Ursache dieser Agonie ertönen kann, welchen Sinn hat sie dann? Was ist ihr
Zweck? Es gibt Staaten, deren Verhalten bei den
Menschenrechten Massenfluchten hervorruft, die weder
in öffentlichen noch in vertraulichen Sitzungen jemals
zur Sprache gekommen sind. Warum?

Wie der Vizepräsident vorschlug, hat jeder Staat eine
besondere Verantwortung zur Wahrung des Ansehens dieser Kommission. Ebenso hat der Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) die
Pflicht, die Glaubwürdigkeit der Kommission zu schützen, indem nur Mitgliedstaaten mit positiver Menschenrechtsbilanz hineingewählt werden - sicherlich
nicht Staaten, die selbst Gegenstand von Untersuchungen dieser Kommission sind.

Es ist nicht nur richtig, das Problem des Massenexodus unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten in
bedeutsamer und umfassender Weise zu erörtern.
Dies zu tun, ist vielmehr die Pflicht dieser Kommission.
Ich wende mich nun der grundlegenden Frage der
Zusammensetzung der Kommission zu.

Dies ist keine unvernünftige Forderung, denn alle
UNO-Mitglieder haben sich den Prinzipien der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte verpflichtet.
Und diese Kommission ist dafür verantwortlich, die
Kultur der Menschenrechte auf der ganzen Welt zu
verbreiten.

In der vergangenen Woche hat der Vizepräsident der
Vereinigten Staaten ein wichtiges Anliegen meiner
Regierung betont. Einige der krassesten Menschenrechtsverletzer sitzen als Mitglieder in der Kommission. Der Vizepräsident stellte in diesem Zusammenhang fest:

Wenn wir wollen, daß die Menschenrechtsorgane den
größtmöglichen Einfluß auf die Kultur der Menschenrechte ausüben, dürfen wir nicht noch einmal eine
Situation wie im Jahr 1989 entstehen lassen, als das
Büro der Unterkommission das von ethnischem Zwist
zerissene Äthiopien, Kuba und Ceausescus Rumänien zu seinen Mitgliedern zählte. Die schweizerische
Presse bezeichnete diese Länder sogar verächtlich als
"Troika". Dies war nicht gerade ein Ruhmesblatt
unseres Untergremiums.

"Diese Kommission sollte unter ihren Mitgliedern keine Staaten haben, die selbst grobe
Verletzer der Menschenrechte sind. Wenn wir
von Menschenrechten sprechen ... müssen wir
die schärfsten Normen von Fairneß, Anständigkeit und Achtung der Menschenwürde zugrundelegen."
Um dies klarzustellen: Meine Delegation zieht weder
die Souveränität irgendeines Staates noch die Universalität des Systems der Vereinten Nationen in Zweifel.
Wir stellen nicht die Akkreditierung irgendeines Staates in Frage. Auch das Prinzip der Vielfalt in dieser
Kommission wird von uns nicht abgelehnt, und wir
stellen uns auch nicht gegen das traditionelle Rotationsprinzip, wenn es verantwortungsbewußt benutzt
wird. Was wir jedoch in Frage stellen, ist der Mißbrauch dieser Prinzipien sowie der Schaden, der dadurch
dem Ansehen und der Effektivität dieser Kommission
zugefügt wird.

* *

AMERIKA DIENST 8

Meine Delegation fordert heute keine offiziellen Schritte dieser Kommission. Wirfordern keine Maßnahmen,
die die Akkreditierung irgendeines hier anwesenden
Staats betreffen. Wir werden mit anderen Staaten
über Möglichkeiten für künftige Reformen beraten.
Ich habe heute zwei wichtige Fragen erörtert - die
Probleme der Massenflucht sowie die Mitgliedschaft in
der Kommission. Ich habe offen gesprochen, weil
meine Delegation, wie ich zu Beginn feststellte, die
Arbeit dieser Kommission ernst nimmt. Wir engagieren uns für die Förderung der ihr anvertrauten Werte.
*

Seite 3

�W A H L E N '92
26. Februar 1992

DIE VORWAHLEN IN NEW HAMPSHIRE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben den Vorwahlen in New Hampshire ihre
Leitartikel gewidmet. Nachfolgend veröffentlichen wir einige dieser Kommentare.

The Baltimore Sun
Die Vorwahlen von New Hampshire lassen das Ergebnis des Präsidentschaftswahlkampfs so sehr im Dunklen, daß sich andere führende Demokraten sehr
versucht fühlen werden, den Kampf aufzunehmen.
Die Herausforderung des konservativen Patrick Buchanan an Präsident Bush beschert den Republikanern eine angeschlagene Führung im Weißen Haus,
stellt aber keine überzeugende Alternative für die
Spitze der "Grand Old Party". Infolgedessen wird sich
die Aufmerksamkeit in den kommenden zwei Wochen
bis zur Vorwahl in Maryland am 3. März wahrscheinlich
auf das Gerangel der Demokraten konzentrieren.
USA Today
Die Unzufriedenheit der Wähler liegt auf der Hand.
Aber ihre Botschaft ist unklar. Wenn die Ergebnisse
von New Hampshire die Kandidaten veranlassen,
schnelle Lösungen anzubieten, dann hat man die
wahren Lehren dieses Dienstags nicht verstanden.
Wenn die Ergebnisse die Kandidaten jedoch bewegen, glaubwürdige Vorschläge zur Bekämpfung der
langfristigen Probleme des Landes anzubieten, wäre
das ein Gewinn.
The Phoenix Gazette
Republikanische Wähler haben genug von der Show.
Nach vier Jahren der Exzesse, galoppierender Ausgaben im Inland und der größten Steuererhöhung in der
Geschichte des Landes konnten die Republikaner in
New Hampshire kaum glauben, daß George Bush jetzt
die Erleuchtung gekommen sein soll.
The Dallas Morning News
Dem Republikaner George Bush haben die Wähler in
New Hampshire folgendes mitgeteilt: Das Leben im
Weißen Haus mag schön sein, aber andernorts sieht
es für viele düster aus. Der Präsident erklärt, er habe

AMERIKA DIENST 8

die Botschaft verstanden - vielen Dank, Pat Buchanan... Was Buchanan betrifft, werden weitere Feuerproben zeigen, ob die Wähler so unzufrieden mit dem
Präsidenten sind, daß sie tatsächlich für einen politischen Kommentator stimmen, der keine Erfahrung in
einem öffentlichen Amt hat und für seine zweifelhaften
antisemitischen Äußerungen bekannt ist.
The Des Moines Register
Diejenigen, die auf die Wahrheit pochen, hatten in New
Hampshire Erfolg. Das war ungeheuer erfrischend.
Patrick Buchanan lenkte die Aufmerksamkeit auf die
Tatsache, daß George Bush sein Wort nicht gehalten
hat und der Präsident seinen Prinzipien nicht treu ist.
Buchanan mag bei vielen Dingen falsch liegen, aber in
diesem Punkt hatte er recht.
The New York Times
Aus drei Gründen versetzt einen das Ergebnis in einen
Buchanan-Schock.
Einmal rührt dieser Schock daher, daß sein Auftauchen insbesondere im Ausland als Zeichen häßlichen
Überlegenheitsdenkens und kaum verbrämter Feindseligkeit gegenüber Minderheiten gewertet wird.
Buchanan wehrt sich gegen Bezeichnungen wie Rassist oder Antisemit. Seine Äußerungen stehen jedoch
im Raum und bedürfen einer Überprüfung.
Er hätte keinen Grund, die zweite Ursache dieses
Schocks zu beanstanden - sein Wahlergenis belegt ein
stark verändertes Verhältnis der Amerikaner zum Rest
der Welt. Dieses Gefühl Isolationismus zu nennen,
hie ße, es mit einem belasteten Begriff zu belegen. Es
gibt wenige Themen, die die Amerikaner taktvoller aus
der Welt schaffen sollten.
Die dritte unstreitige Schockwelle ergibt sich aus der
Tatsache, wie sehr viele Wähler gegen ihre wirtschaftliche Notlage protestieren wollen.

Seite 1

�The Washington Post
Unserer Meinung nach hat Bush viel zu revidieren. Er
denkt womöglich, daß er dabei so weitermachen oder
sich Buchanan annähern kann, daß er die Demokraten
schärfer attackieren sollte oder Methoden anwenden
kann, derer er sich in der Vergangenheit bedient hat.
Aber unserer Ansicht nach sinkt seine Popularität jetzt
vor allem durch seine Weigerung, weder auf seine
Gegner noch auf die Themen einzugehen, die sie
ernsthaft und geradeheraus vorbringen. Tsongas
Sieg belegt die Neigung der Wähler, für einen Kandidaten zu stimmen, der offensichtlich ein Programm
hat. Die Meinungsumfragen über Gouverneur Clinton
sehen ähnlich aus.
The Christian Science Monitor
Es ist unklar, ob Buchanan auch außerhalb des kleinen, von der Rezession angeschlagenen New Hampshire genauso e&lt;*nr den Nerv der unzufriedenen Wähler
trifft. Seine protektionistische, von Überlegenheitsdenken geprägte Botschaft ist nicht das, was die
Vereinigten Staaten heute brauchen und etwas dünn
für einen langen Wahlkampf. Darüber hinaus fehlt
seiner dürftigen Kampagne das Geld.
Dennoch wird Buchanan wahrscheinlich genügend
Unterstützung für seine rechtskonservativen Parolen
verbuchen, um es mit dem Präsidenten bei einer Reihe
weiterer Vorwahlen aufnehmen geben zu können.
The Boston Globe
Selbst abgesehen von der Tatsache, daß er als regionaler Kandidat angesehen werden könnte, der direkt
hinter der Staatsgrenze von New Hampshire lebt, war
Tsongas Auftritt ausgezeichent. Niemand - und wahrscheinlich noch nicht einmal Tsongas selbst - hätte
gedacht, daß seine Kandidatur im Gegensatz zu seinen Ideen so gut ankommen würde.
Zusammen mit Buchanan steht er in den nächsten
beiden Wochen im vollen Rampenlicht. Er wird die
Chance haben, seine Argumente vorzubringen, zu

seh. Nichts wäre angebrachter als ein wirtschaftlicher
Gesundungsplan...
Die demokratische Mehrheit im Kongreß ist besonders
verärgert, daß sich die Herren Tsongas und Clinton um
die Nominierung bewerben. Ihnen gefallen Clintons
gegen Washington gerichtete Parolen nicht, aber sie
können in dem etwas progressiveren Liberalismus der
werten Hillary Clinton einen gewissen Trost suchen.
Sie könnten ein Geschäft mit Clintons Präsidentschaft
machen. Ihre Hauptangst ist, daß er im November
unwählbar ist.
Dasselbe sagen sie über Paul Tsongas Wählbarkeit,
was sie jedoch wirklich erschreckt, ist seine erklärte
Entschlossenheit, die Partei von ihrer Abhängigkeit
von Klassenkampfpolitik und ihrer sklavischen Verehrung kleiner Interessengruppen zu heilen.
Kolumnist David Broder
Nach New Hampshire kann niemand bezweifeln, daß
George Bush seine Präsidentschaft neu gestalten
muß - nicht nurseine Kampagne sondern seine Regierung - wenn ereine zweite Amtszeit gewinnen will. Und
nach New Hampshire ist ebenso sicher, daß die
Demokratische Partei endlich zu einer Veränderung
bereit ist.
Diese beiden wichtigen Fakten ergeben sich aus einer
Vorwahl, diedie Hoffnung birgt, daß sowohl die Wähler
als auch die Medien bereit sind, 1992 die ernsthafte
und wichtige Wahl über den nationalen Kurs zu treffen,
der 1988 hätte angeboten wei den müssen - aber nicht
wurde.
Kolumnist George Will
Bush hat nicht nur einen beträchtlichen Anteil der
republikanischen Wähler verloren, er hat praktisch die
gesamten Stimmen derer verloren, die am meisten
zählen - die Konservativen, die die Basis jedes republikanischen Präsidenten ausmachen. Politik besteht
nicht nur aus Zahlen - auch Stärke zählt, und die
starken Republikaner sind Konservative.

demonstrieren, daß seine Ideen landesweit Anklang

finden. Er wird seine Chance bekommen. Selbst bei
schlimmstem Kirchturmdenken können wir beruhigt
sein, daß er den guten Namen der Politik von Massachusetts bereits ein bißchen wiederhergestellt hat.
The Wall Street Journal
Vergessen Sie Pat Buchanan. George Bush kämpft
gegen George Bush. Als Ausdruckeines Gefühls, das
das politische Leben Amerikas durchzieht, lautet die
von den Wählern in New Hampshire am Dienstag
ausgesendete Botschaft, sie wollen, daß Bush anfängt
so wie der Präsident zu handeln, den sie 1988 mit so
überwältigender Mehrheit gewählt haben. Als ersten
Schritt sollte Bush ihnen sagen, daß er ihre Botschaft
verstanden hat und dann etaws tun, um es zu bewei-

Seite 2

Einige Konservative werden die Zähne zusammenbeißen und bei Bush bleiben, weil sie Angst vor Buchanans konservativen Grundsätzen haben. Aber sehr
viel mehr Konservative könnten bald zu der Überzeugung gelangen, es sei besser für ihren Glaubenskampf, in der Opposition zu sein als auf Bushs Art an
der Macht - in einer Unordnung, die den Konservatismus diskreditiert. Und es wird nicht möglich sein, sie
durch große Angst vor Tsongas oder vielleicht selbst
Clinton in den Schoß der Partei zurückzuholen.
Kolumnist Paul Greenberg
Wenn er nicht der Präsident mit nur einer Amtsperiode
werden will, muß Bush eine kurze aber aufrichtige
Entschuldigung aussprechen - die Wähler werden

AMERIKA DIENST 8

�gerne bereit sein, ihm zu vergeben, wenn sie darum
gebeten werden - und am Ende kraftvoll dastehen: im
Kongreß, bei den Demokraten und den Ignoranten,
den Isolationisten und berechenbaren Nativisten, die
Pat Buchanans natürliche und natürlicherweise kleine
Gemeinde der Claqueure ausmacht. Nur die Lethargie
des Präsidenten hat es seinem Herausforderer ermöglicht, eine Splittergruppe zu einer Protestwählergemeinde aufzublähen.
Kolumnist William Satire
Buchanan hat Bush angeschlagen. Der medienwirksame Kämpfer wird zeitweilig seinen Anteil an den
Proteststimmen mit David Duke teilen müssen, und es
wird lange dauern, bis er noch einmal 40 Prozent
erreicht. Aber Buchanans Anti-Einwanderungsrhetorik wird in Kalifornien gewisse rassistische Ressentiments aufgreifen.
Der republikanische Wahlparteitag 1992 wird eine
Wiederholung von 1976 bringen: der Amtsinhaber
gewinnt, aber die Rückzugsrede des Herausforderers
wird ihm die Show stehlen. Buchanan wird versuchen,
dem Präsidenten Ford in Gestalt von Bush einen
Herausforderer Reagan entgegenzustellen: Am Ende
des Parteitags wird Buchanan mit grimmiger Miene die
republikanische Liste unterstützen, wobei seine Anhänger davon ausgehen werden, daß er insgeheim auf
eine republikanische Niederlage hofft.
Richard Cattani vom Christian Science Monitor
Die Leistungen des Präsidenten wurden in der Außenund nicht in der Innenpolitik erbracht. Er muß zeigen,
daß er ein Gespür dafür besitzt, wo Amerikas wirtschaftliche Schwierigkeiten liegen. Außerdem muß er
eine Orientierungshilfe für die sozialen und ökonomischen Herausforderungen der neunziger Jahre geben.
New Hampshire hat ein Signal gegeben: Der Präsident hat nicht zugehört.
Amerika ist nicht in einer "America Firsf-Stimmung,
wie auch immer der Stimmenanteil Buchanans ausfiel.
Auf Japan und auf Liberale einzudreschen, ist töricht.
Bushs wundester Punkt ist der starke Geruch von
Verwundbarkeit an sich. Wird seine Autorität bei der
Aufsicht über die Nahost-Friedensgespräche, zum
Beispiel, auf die Probe gestellt werden?

*

AMERIKA DIENST 8

Er sollte seine besten Berater um sich scharen, insbesondere Außenminister James Baker III, und einen
stetigen Kurs für das Land festsetzen.
Norman Ornstein, politischer
American Enterprise Institute

Experte

beim

Von Anfang an war klar, daß Buchanan kandidierte,
um Führer der konservativen Bewegung zu werden, da
diese Position in der Republikanischen Partei seit den
Tagen Ronald Reagans vakant ist. Er möchte, daß
seine besondere Vision des Konservatismus - isolationistisch, nationalistisch und America First - gegenüber
der deplazierten Splitterbewegung des Neokonservatismus die Oberhand gewinnt.
Zu Beginn seiner Kampagne konnte Buchanan nicht
realistisch annehmen, er werde Präsident, aber dies
hat sich nun geändert. Ein Gefühl der Schwäche im
Hinblick auf Quayle tut bei den Republikanern ein
übriges. Solange er sich keinen völligen Flop leistet,
hat Buchanan allen Grund bis zum Ende im Rennen zu
bleiben, um mit großem Elan am Wahlparteitag teilzunehmen und diesen Schwung bis 1996 zu konservieren.
William Schneider, freier Redakteur des National
Journal
Der Sieg im Golfkrieg hat Bush in New Hampshire
wenig genutzt. Sicherlich, er erhielt 95 Prozent der
Stimmen von Republikanern, die den Krieg als wichtiges Thema bezeichneten. Aber es waren genau
sieben Prozent der Republikaner, die dies sagten.
Siebenmal soviele erklärten, die Wirtschaft sei ein
wichtiges Thema.
Was Bush vorder völligen Erniedrigung in New Hampshire rettete, war nicht der Krieg, sondern die Frauen.
Bei den Männern waren die Stimmen in der republikanischen Vorwahl in etwa gleichmäßig auf Bush und
Buchanan verteilt. Aber die Frauen stimmten 2 zu 1 für
Bush. Anscheinend haben Buchanans kontroverse
Ansichten sowie seine Reputation als Störenfried viele
Wählerinnen abgeschreckt. Zum Glück für Bush hatte
sein Gegner ein solch widerliches Image.
Buchanans Erfolg hat den Demokraten in einer Hinsicht geschadet: er lenkte die Aufmerksamkeit von
Tsongas' Sieg ab. Tsongas muß jedes Quentchen an
Schubkraft nutzen, das er aus diesem Sieg in New
Hampshire ableiten kann.

* * *

*

Seite 3

�WAHLEN

'92
26. Februar 1992

UNTERSCHIEDLICHE ANSICHTEN ZUM
WELTHANDEL BEI DEN DEMOKRATEN
Tsongas gegen Handelsschranken,
blinde Vorwürfe gegen das Ausland

WASHINGTON - (AD) - Wenn die wichtigsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht Präsident
Bush für den schlechten Zustand der amerikanischen
Wirtschaft verantwortlich machen, bezichtigen sie
Ausländer unfairer Handelspraktiken, die angeblich
amerikanische Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze kosten.
Das heißt: alle Kandidaten außer dem ehemaligen
Senator von Massachusetts Paul Tsongas, dem Sieger in der Vorwahl von New Hampshire, einer der
ersten von 33 Vorwahlen und 17 Parteiversammlungen, die bis zum 2. Juni der amerikanischen Öffentlichkeit eine gute Vorstellung davon vermitteln werden,
wer für die Demokraten als Präsidentschaftkandidat
ins Rennen geht.
Während Tsongas Protektionismus und blinde Anklagen gegen das Ausland verwirft und staatliche Unterstützung der Industrie ablehnt, fordern die Senatoren
Tom Harkin (Iowa) und Bob Kerrey (Nebraska) sowie
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, schärfere
US-Handelsgesetze sowie staatliche Hilfen für die
Industrie, um diese im Wettbewerb auf den Weltmärkten zu unterstützen.
Tsongas erklärt, die Rufe nach Protektionismus seien
nichts anderes als "die Akzeptanz eines umfassenden
Rückzugs vom Wettbewerb".
"Dies ist ein warmer Zufluchtsort, der aber nur vorübergehend zur Verfügung steht und letztlich tödlich ist",
schreibt Tsongas in einem Positionspapier mit dem
Titel "A Call to Economic Arms". Er stellt fest, die
amerikanischen Bemühungen sollten sich auf die Öffnung anderer Märkte und nicht auf die Abschottung
des amerikanischen Markts konzentrieren.
"Ich möchte eines klarstellen: Ich bin kein Protektionist... Ich bin ein Internationalist. Protektionismus
AMERIKA DIENST 8

wäre ein tragischer Fehler", erklärte Tsongas am
7. Oktober 1991 während einer Rede im National
Press Club.
"Wir können nicht mit Japan und Europa konkurrieren,
wenn wir versuchen sie herunterzuziehen, wenn wir
sie zu zwingen versuchen, den Konkurrenzdruck
abzubauen. Sie werden dem niemals zustimmen.
Und sie sollten es auch nicht. Wir würden das auch
nicht tun, wenn wir in ihren Schuhen steckten. Wir
können nur dadurch konkurrieren, daß wir uns selbst
verbessern. Indem wir Amerika zu einem effektiveren
Konkurrenten machen. Indem wir uns auf unsere
Stärken besinnen, indem wir Verantwortung für unsere
Zukunft übernehmen."
Tsongas ist darüber hinaus der Ansicht, daß es zwar
angebracht sei, andere Länder zu kritisieren, wenn
deren Maßnahmen fehlerhaft seien, ein Eindreschen
auf das Ausland jedoch gefährlich wäre, weil es die
notwendige Selbstprüfung und Neuorientierung verzögere, die zur Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit führe.
Blinde Anklagen gegen das Ausland, so Tsongas,
"gestatten es den Menschen, sich mit Ressentiments
gegen andere Länder zu begnügen, wenn sie statt
dessen Veränderungen bei unseren eigenen Praktiken in Amerika verlangen sollten".
Tsongas vertritt also die Auffassung, die amerikanischen Verbraucher sollten sich für amerikanische
Produkte entscheiden, wenn sie in Preis und Qualität
konkurrieren können.
"Zwischen den Extremen - dem gedankenlosem 'Buy
America' und der gefühllosen Illoyalität der achtziger
Jahre - gibt es einen logischen Mittelweg", schreibt er
und erklärt: "Ich wohne in einer schneereichen Gegend und möchte einen Wagen mit Allradantrieb.
Seite 1

�Meine Wahl beschränkt sich auf einen Jeep und einen
isuzu. Bei meiner Entscheidung spielen Design und
Kosten eine Rolle, aber das ist noch nicht alles. Wenn
ich den Jeep sehe, denke ich an einen amerikanischen
Automechaniker, der seinen Arbeitsplatz behält, wenn
ich dieses Auto kaufe. Es bereitet mir ein stilles
Vergnügen, daß mein Geld in unsere Volkswirtschaft
fließt und sich multipliziert."
Bill Clinton, der in New Hampshire knapp hinter Tsongas lag, geht zu Handelsfragen eher auf Konfrontationskurs. Er befürwortet die Wiederbelebung und
Stärkung des Handelsgesetzes Super 301, das zwischen 1988 und 1990 der Administration vorschrieb,
unfaire Handelspraktiken und -partner zu benennen
und Vergeltung bei Nichteinsteilung dieser Praktiken
anzudrohen.
In seinem Positionspapier "A Plan for America's
Future" schreibt Clinton, bei seiner Wahl zum Präsidenten würde ei die Entschlu ßkraft an den Tag legen,
die japanischen Märkte unter Anwendung eines verbesserten und sorgfältiger ausgerichteten 'Super 301 Ansatzes' für wettbewerbsfähige amerikanische
Produkte zu öffnen".
"Wir benötigen eine Handelspolitik, die Europa, Japan
und unseren anderen Handelspartnern gegenüber
feststellt: wir befürworten ein offenes Handelssystem,
aber wenn Ihr Euch nicht an die Spielregeln haltet,
werden wir unsere anwenden", so Clinton. "Eine
Clinton-Administration wird auf harten Handelsmaßnahmen bestehen."
Clinton scheint auch eine Industriepolitik zu befürworten, die bestimmte Industrien für Regierungssubventionen vorsieht. Er erklärt, die Vereinigten Staaten
benötigten eine neue Bundesbehörde, um die Forschung zur Entwicklung neuer, kritischer ziviler Technologien zu unterstützen und zu koordinieren.
Tsongas stellt fest, eine Industriepolitik, die versucht,
Gewinner und Verlierer in der amerikanischen Industrie auszumachen, sei zum Scheitern verurteilt. "Die
Privatwirtschaft und die Märkte treffen im allgemeinen
die besseren Wirtschaftsentscheidungen", so Tsongas. "Ich glaube an freie Märkte."
Senator Bob Kerrey - Dritter bei den Vorwahlen in New
Hampshire - klingt ähnlich wie Clinton, obwohl seine
Argumente bezüglich Japan sehr viel drastischer sind.
Ebenso wie Clinton ist er für die Erneuerung von Super
301 und unterstützt höhere staatliche Subventionen
für die amerikanische Industrie.
Kerrey behauptet, Japan weigere sich, seine Märkte
fairem Handel zu öffnen, die japanische Regierung übe
strikte Kontrolle über die Handelspolitik aus und ermu-

Seite 2

tige und unterstütze ein breites Spektrum der Produktpiraterie, die japanischen Unternehmen unfaire Vorteile verschaffe.
"Wenn es uns nicht gelingt, unseren Handel mit Japan
durch den Verkauf von mehr amerikanischen Waren
auszugleichen - wie wir es vorziehen würden - dann
müssen wir bereit sein, dies durch den Kauf von
weniger japanischen Produkten zu bewerkstelligen",
erklärte Kerrey in einer Rede vor dem Massachusetts
Institute of Technology am 11. Dezember 1991. "Im
Gegensatz zu George Bush hätte ich keine Angst,
Handelssanktionen wie die in 'Super 301' anzuwenden. Ich verspreche Ihnen, daß die Vereinigten Staaten bis zum Ende meiner ersten Amtszeit als Präsident
große Fortschritte im Hinblick auf ein Gleichgewicht
unserer Handelsbeziehungen mit Japan erzielt haben
werden."
In seinem Wirtschaftsplan mit dem Titel "Building
America's Greatness", schreibt Kerrey, seine Regierung würde keine ruinöse Preisgestaltung oder geschlossenen Märkte irgendwo auf der Welt tolerieren.
Er erklärt, die Beziehungen zu den aufstrebenden
Industrieländern wie Indien, Indonesien und Brasilien
fördern zu wollen, um ihre stark abgeschirmten Märkte
aufzubrechen.
Kerrey befürwortet die Einführung einer multilateralen
Handelsorganisation als Nachfolgerin des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens - mit größeren
Vollmachten, um Beschwerden im Handel zu untersuchen und die Einhaltung von Regein im Welthandel zu
überwachen. Darüber hinaus unterstützt er die Kodifizierung von Mindestanforderungen beim Umweltschutz in den internationalen Handeisgesetzen.
Wie Clinton spricht sich Kerrey für eine zivile Behörde
aus, die mit der Privatindustrie zusammenarbeitet, um
Prioritäten bei Forschung und Entwicklung auf Schlüsseltechnologien wie Telekommunikation, Informatik
und Raumfahrt zu konzentrieren.
"Ich höre schon, wie manche Leute sagen, diese Art
Aktivismus des Präsidenten bedeute Einmischung in
den Markt. Daß er den freien Handel zerstöre. Daß die
Regierung sich nicht einmischen soll, um Gewinner
und Verlierer festzustellen," erklärt Kerrey. "Aber
wenn die Regierung sich weigert, bei Handel und
Technologie eine vernünftige Politik zu machen, dann
wird sie letztlich doch den Verlierer bestimmen - den
amerikanischen Arbeitnehmer."
Senator Tom Harkin fordert Härte gegenüber unfairen
ausländischen Handelspartnern, zu denen seiner
Meinung nach nicht nur Japan sondern auch China
und die Europäische Gemeinschaft zählen.

AMERIKA DIENST 8

�Harkin möchte die Handelsvorteile für China beenden,
bis das Land die Sklavenarbeit abschafft und Menschenrechte zu achten beginnt.
"Chinas Handelsvorteile sind so verwerflich, weil sie
mit eklatanten Menschenrechtsverletzungen erkauft
wurden, mit dem Elend und Leid der chinesischen
Bevölkerung," schreibt Harkin in "A Blueprint to Build a
New America".
Zu Japan erklärt Harkin, wenn japanische Exporteure
Zugang zu amerikanischen Automärkten haben wollten, müßten US-Exporteure auch Zugang zum japanischen Markt sowie Beschaffungsverträge für Kommunikationsgeräte, Mikrochips, Computer, Reis, Zitrusfrüchte, Rindfleisch und Fertigprodukte aus Holz erhalten.
Er nimmt ebenfalls zu europäischen Subventionen für
die Landwirtschaft und den Flugzeugbau Stellung.
"Wir müssen beim europäischen

Harkin bezeichnet sich ferner als einzigen Präsidentschaftskandidaten, der sich gegen den Vorschlag der
Bush-Regierung ausspricht, das Nordamerikanische
Freihandelsabkommen (NAFTA) nach dem "Fast-track"Verfahren durch den Kongreß zu bringen. Danach
wäre der Kongreß gezwungen, die Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada ohne die Option eventueller Zusatzartikel zu überdenken.
Ebenso wie Clinton und Kerrey unterstützt Harkin eine
zivile Behörde, die neue Technologien entwickeln, auf
den Markt bringen und verbreiten soll.
Harkin erklärt, er werde bald Gesetzentwürfe vorlegen, die amerikanische geschäftsführende Direktoren
beim Internationalen Währungsfonds, der Weltbank
und anderen multilateralen Finanzinstitutionen anweisen, Einspruch gegen Kredite und Hilfe an Länder zu
erheben, die mehr für ihr Militär als für Gesundheit,
Bildung und Grundversorgung ihrer Bürger ausgeben.

Protektionismus

genauso hart sein wie bei den Japanern," erklärt er.
*

AMERIKA DIENST 8

*

*

*

Seite 3

�DROGEN
26. Februar 1992

DROGENGIPFEL SOLL NETZ GEGEN
DROGENHÄNDLER AUSBAUEN
Informationsgespräch mit Martinez, Aronson und Levitsky

WASHINGTON - (AD) - Durch gemeinsame Bemühungen werden die sieben Teilnehmerstaaten am Drogengipfel in San Antonio (Texas) vom 26. bis 27.
Februar 1992 in der Lage sein, "ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel zu knüpfen,
wenn sie ihr Engagement zur Reduzierung von Angebot und Nachfrage sowie zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung verstärken, so die Meinung
dreier hochrangiger Vertreter der amerikanischen Regierung.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte
der Direktor des Amts für nationale Drogenbekämpfungspolitik, Bob Martinez, am 24. Februar 1992, der
Gipfel werde "im Hinblick darauf, was wir in Zukunft tun
werden, wesentlich detaillierter sein" als das Treffen
vom Februar 1990 in Cartagena (Kolumbien), das eine
breitangelegte Strategie für die Bekämpfung alier
Facetten des illegalen Drogenhandels hervorbrachte.
"Beim Gipfel wird angekündigt werden, welche spezifischen Ziele in dieser Hinsicht festgelegt werden
könnten", und zwar in den Bereichen Angebotseindämmung, Nachfragereduzieung und alternativer
Wirtschaftsentwicklung, erklärte Martinez und fügte
hinzu, daß möglicherweise ein Verfahren entwickelt
werde, "um hochrangigen Vertretern dieser Länder die
Möglichkeit zu geben, sich von Zeit zu Zeit zu treffen
und auszuwerten, was wir bei diesen speziellen Zielen
tun".
"Aufgrund der mehrjährigen Arbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Partnern in den Anden",
stellte Martinez fest, "und heute mit der Erweiterung
unsere Gipfels werden wir ein wesentlich engmaschigeres Netz" gegen den Drogenhandel knüpfen".
Der für internationale Drogenfragen zuständige Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Melvyn Levitsky,
erklärte, der Gipfel sei von den ursprünglich vier Ländern - Bolivien, Kolumbien, Peru und Vereinigte Staa-

AMERIKA DIENST 8

ten - auf sieben erweitert worden, da "wir erkannten,
daß, wenn man den Druck" in einem Bereich "verstärkt, die Drogenhändler ihre Geschäfte auf andere
Länder ausdehnen".
Die anderen drei zum Gipfel eingeladenen Länder Venezuela, Ecuador und Mexiko - "sind zu Sprungbrettern für die Drogenhändler geworden, besonders Mexiko,
da wir unsere Bemühungen in der Karibik intensiviert
haben", stellte Levitsky fest. "Ecuador und Venezuela
sind Transitländer für Chemikalien (nach Lateinamerika) und Drogen von dort."
Der Gipfel sei "der nächste Schritt zur Einbeziehung
weiterer Länder" in regionale Bemühungen zur Drogenbekämpfung.
Der Abteilungsleiter für interamerikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Bernard Aronson, umriß die Bemühungen der Administration zur
Einhaltung der von Präsident Bush in Cartagena eingegangenen Verpflichtung, neue Möglichkeiten für
legitimen Handel zwischen den Andenstaaten und den
Vereinigten Staaten zu eröffnen.
Er verwies darauf, Bush und Außenminister Baker
hätten den Kongreß persönlich um die Verabschiedung des - im Dezember vergangenen Jahres in Kraft
getretenen - Gesetzes über den bevorzugten Handel
mit den Andenstaaten ersucht, das die zollfreie Einfuhr
der meisten Waren aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien
und Peru in die Vereinigten Staaten zuläßt.
Vier Monate nach dem Gipfel von Cartagena hat Bush
seine Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
allen Ländern Amerikas (Enterprise of the Americas
Iniviative - EAI) bekanntgegeben, eine umfassende
Strategie, um den Handel auszudehnen und eine
Freihandelszone auf dem Kontinent zu schaffen, Investitionen zu fördern und die Schuldenlast der Länder
Lateinamerikas und der Karibik im Ausland zu erleichtern.
Seite 1

�"Wir haben Bolivien bereits seine Schulden bei den
Vereinigten Staaten im Rahmen der EAI um 370
Millionen Dollar erlassen," erklärte Aronson. "Wenn
der Kongreß die Forderung des Präsidenten nach
Schuldenerleichterung im Rahmen der EAI voll finanziert, können wir auch Kolumbiens Schulden bei uns
erlassen. Peru, Bolivien und Kolumbien können im
Rahmen der EAI Kredite der Interamerikanischen
Entwicklungsbank für den Investitionssektor in Anspruch nehmen."

Prozent erzielt. Er betonte darüber hinaus Kolumbiens
Leistung, die Bosse des Drogenkartells von Medellin
ihrer gerechten Strafe zuzuführen sowie die jüngsten
Schläge gegen das Cali-Kartell.
Auf die Frage nach der angeblichen Korruption in Peru
erklärte Aronson: "Korruption gibt es in jedem Land, in
dem Drogenhändler am Werk sind... Auch in Peru ist
dies ein Problem. Trotzdem gelten dieser Präsident
(Alberto Fujimori) und seine Regierung in Peru im
allgemeinen als vertrauenswürdig. Sie bekämpfen die
Korruption."

Aronson erläuterte ferner, die Regierung unterstütze
ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten, Mexiko und Kanada, dasgegenwaitig ausge- Er betonte ferner, "man hat zu lange gewartet", um sich
der Bedrohung durch den Drogenhandel zu stellen,
handelt wird.
"und infolgedessen sehen wir uns alle mit einem Monster
Aronson beschrieb die Fortschritte in Bolivien, wo konfrontiert. Es wird Jahre des anhaltenden Kampfes
landwirtschaftliche Anpflanzungen in den Koka-An- dauern, sich diesem Monster zu stellen und es zu
baugebieten Alto Beni und Chapare gefördert werden. besiegen."
Femer hat das Land 1991 eine Wachstumsrate von 4,1
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 8

�KOLUMBUS
26. Februar 1992

VERANSTALTUNGEN ZUM 500. JAHRESTAG
DER ENTDECKUNG AMERIKAS
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die wichtigsten Veranstaltungen in
den Vereinigten Staaten, mit denen des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus
gedacht wird. Die Liste wurde von der U.S. Quincentenary Jubilee Commission, einer im Jahr 1984 vom Kongreß
zur Planung und Koordinierung der amerikanischen Beteiligung an diesem internationalen Gedenkjahr ins Leben
gerufenen Bundesbehörde zusammengestellt.
Eine der Hauptaufgaben der Kommission besteht in der Erarbeitung eines computergestützten Kalenders der
amerikanischen Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Fünfhundertjahrfeiern. Gegenwärtig weist dieser
Kalender über 1.300 Einträge auf. Weitere Informationen sind bei der folgenden Anschrift erhältlich:
The Christopher Columbus Commission, 1801 F St. N.W., Washington, D.C., 20006. Tel.: (202) 632-1992,
FAX: (202)523-9254.

Höhepunkte der Fünfhunderljahrfeiern in den
Vereinigten Staaten
Miami (Florida)
Von vielen als Brücke zwischen Nord- und Lateinamerika betrachtet, begann Miami bereits im Oktober
vergangenen Jahres mit einjährigen Feierlichkeiten.
Am 15. Februar begrüßte Miami als erster amerikanischer Hafen die in Spanien gebauten Nachbildungen
der Schiffe Nina, Pinta und Santa Maria, mit denen
Kolumbus einst nach Amerika gesegelt war, mit einer
Parade von Tausenden von Segel- und Motorschiffen.
Die Karavellen werden noch 20 weitere amerikanische
Hafenstädte anlaufen.
Philadelphia (Pennsylvania)
Einjährige Feiern unter dem Motto "Nachbarn in der
neuen Welt" werden am 11. Oktober (dem ColumbusDay-Wochenende) mit einer von dem italienischen
Opernstar Luciano Pavarotti als "Grand Marshai"
angeführten riesigen Parade ihren Höhepunkt erreichen. Zuvor werden im Rahmen der Philadelphia
Flower Show vom 8 . - 1 5 . März ein Garten und ein
Innenhof aus dem spanisch beeinflußten Südwesten
der Vereinigten Staaten vorgestellt. Im ganzen Jahr
1992 wird das Franklin Institute Science Museum eine
Ausstellung von Navigationsinstrumenten und Schiffswerkzeugen zeigen.

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Memphis (Tennessee)
Das jährliche Memphis in May International Festival ist
dieses Mal dem Geburtsland von Kolumbus, Italien,
gewidmet. Im gesamten Monat Mai werden über 100
Veranstaltungen oder Ausstellungen stattfinden, darunter eine Ausstellung italienischer Gemälde, eine
Ausstellung etruskischer Gebrauchsgegenstände, ein
italienisches Wein- und Lebensmittelfestival sowie ein
Popkonzert mit dem Titel "Viva Italia".
Columbus (Ohio)
Als größte amerikanische Stadt, die den Namen des
berühmten Seefahrers trägt, organisiert Columbus in
Ohio die sechsmonatige Ameriflora '92. Die in einem
Stadtpark stattfindende 95-Millionen-Dollar-Ausstellung umfaßt eine internationale Gartenschau und ein
Kulturfestival. Daneben werden auch exotische Gerichte angeboten. Die Ausstellung findet vom 20. April
bis 12. Oktober statt.
Corpus Christi (Texas)
1989 ernannte das Parlament in Texas Corpus Christi
offiziell zur Stadt für die Fünfhundertjahrfeier in Texas.
Die Stadt finanziert die Aufstellung einer KolumbusStatue im Hafen von Corpus Christi am Dock Eins und
koordiniert in den ersten beiden Oktoberwochen das
Festival of the Americas.

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�New York (New York)
Am 4. Juli werden die nachgebauten Schiffe des
Kolumbus zusammen mit der größten Schiffsflotte in
der neueren Geschichte Kolumbus' Ankunft in Amerika feiern. Diese Grand Regatta Columbus wird am
3. Mai von Cadiz in Spanien lossegeln und in San Juan,
Puerto Rico, New York City, Boston und Liverpool
anlegen. In New York wird es ein Feuerwerk und ein
Open-Air-Konzert geben.
Boston (Massachusetts)
Die an der Grand Regatta Columbus '9" Zunehmenden Schiffe werden am 10. Juli im äußeren Hafen von
Boston anlegen. In der Nähe der Anlegestelle finden
musikalische Darbietungen und Ausstellungen über
die Geschichte der Seefahrt sowie Festivals einzelner
Volksgruppen statt. Beim World Trade Center wird ein
Pavillon der internationalen Seefahrt errichtet. Die
Schiffe werden am 16. Juli zu ihrer Fahrt nach Liverpool aufbrechen, wo die letzte Etappe der Grand
Regatta beginnt.
San Francisco (Kalifornien)
Die nachgebauten Schiffe des Kolumbus werden sich
am Wochenende, auf das der Columbus Day folgt vom 10. bis 12. Oktober - in San Francisco aufhalten.
Die Stadt plant aus diesem Anlaß eine Gala-Veranstaltung. Dabei werden ein Überblick über die internationale Seefahrt geboten und moderne Schiffe gezeigt,
femer wird eine Segelregatta stattfinden, das größte
Feuerwerk an der Westküste veranstaltet und die
Landung des Kolumbus nachgestellt.

Im National Air and Space Museum wird die Ausstellung
Where Next, Columbus? gezeigt, die einen Ausblick
auf die nächsten fünfhundert Jahre gibt und sich
vorwiegend mit der Raumfahrt befaßt. Sie wird im
Dezember eröffnet.
Nordamerikatour 1992 der Schiffe Pinta, Nina,
Santa Maria
Nachfolgend veröffentlichen wir die Reiseroute der
Nachbauten von Kolumbus' Schiffen in den Vereinigten Staaten.
Miami

15. Feb. - 1. März

Corpus Christi

13. März - 22. März

Galveston/Houston

25. März - 29. März

New Orleans

2. April - 5. April

Tampa

10. April -19. April

St. Augustine

25. April - 27. April

Charleston

I.Mai

- 3. Mai

Norfolk

8. Mai

-10. Mai

Baltimore

15. Mai

- 25. Mai

Annapolis

27. Mai

- 29. Mai

Philadelphia

5. Juni - 1 4 Juni

Wilmington

16. Juni -17. Juni

Atlantic City

19. Juni - 21. Juni

Smithonian Institution (Washington, D.C.)

New York

26. Juni -19. Juli

Die Ausstellung Seeds of Change im Nationalen
Naturkundemuseum zeigt Exponate aus Europa, der
Karibik und Südamerika, die die Auswirkung von fünf
Seeds (Samen) oder Elementen der Veränderung
beschreiben, die die alte und die neue Welt gleichermaßen beeinflußt haben - Getreide, Kartoffeln, Pferde, Zucker und Krankheiten. Die Ausstellung läuft bis
April 1993.

New London/Mystic

24. Juli

- 26. Juli

Boston

31. Juli

-16. Aug.

San Francisco

2. Okt.

- 25. Okt.

San Luis Obispo

30. Okt. -

Die im Nationalen Museum für amerikanische Geschichte gezeigte Ausstellung American Encounters
vermittelt ein Bild vom amerikanischen Südwesten,
dem Zusammenleben von Indianern, Hispaniern,
Amerikanern afrikanischer Abstammung und Angloamerikanern, die sich in New Mexico im oberen Tal des
Rio Grande angesiedelt haben. Die Ausstellung wird
am 24. Juni eröffnet.

I.Nov.

Los Angeles

6. Nov. - 29. Nov.

San Juan Capistrano

4. Dez. - 6. Dez.

San Diego

11. Dez. - 20. Dez.

Jede angelaufene Stadt wird in Zusammenarbeit mit
der Stiftung Spanien '92 geplante besondere öffentliche und private Veranstaltungen wie Feuerwerke,
Paraden, öffentliche Konzerte, Symphonien und Kunstausstellungen organisieren.

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